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Full text of "Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und Lande, oder, Sammlung aller Reisebeschreibungen, welche bis itzo in verschiedenen Sprachen von allen Völkern herausgegeben worden : und einen vollständigen Begriff von der neuern Erdbeschreibung und Geschichte machen ..."

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7 
* 


e Sides 


der Reiſen zu Waſſer und Lande; 


oder 


Sammlung 


aller 


Meiſcheſchreibungen, 


welche bis itzo 


in verſchiedenen Sprachen von allen Voͤlkern berausgegeben worden, 
und einen vollſtaͤndigen Begriff von der neuern Erdbeſchreibung 
und Geſchichte machen; 


Worinnen der wirkliche Zuſtand aller Nationen vorgeſtellet, und das 
Merkwuͤrdigſte, Nuͤtzlichſte und Wahrhaftigſte 


in Europa, Aſia, Africa und America, 


in Anſehung ihrer verſchiedenen Reiche und Laͤnder; deren Lage, Größe, Graͤnzen, 
Eintheilungen, Himmelsgegenden, Erdreichs, Fruͤchte, Thiere, Fluͤſſe, Seen, Gebirge, 
großen und kleinen Staͤdte, Haͤfen, Gebaͤude, u. ſ. w. 
wie auch der Sitten und Gebraͤuche der Einwohner, ihrer Religion, Regierungsart, 
Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, Handlung und Manufacturen, 
enthalten iſt; 


Mit noͤthigen Landkarten 


nach den neueſten und richtigſten aſtronomiſchen Wahrnehmungen und mancherley Abbildungen 
der Staͤdte, Kuͤſten, Ausſichten, Thiere, Gewaͤchſe, Kleidungen, 
und anderer dergleichen Merkwuͤrdigkeiten, verſehen; 


Durch eine Geſellſchaft gelehrter Männer im Engliſchen zuſammen getragen, 
und aus demſelben ins Deutſche uͤberſetzt. 


Dritter Band. 


Mit Koͤnigl. Poln. und Churfuͤrſtl. Saͤchſ. allergnädigfter Freyheit. 


Leipzig, bey Arkſtee und Merkus. 1748. 


Vorbericht 
des deutſchen Herausgebers. 


y ndem wir jetzo den dritten Band von unſerer Ueberſetzun 
der Sammlung aller Reiſebeſchreibungen ausliefern: fü 
A konnten wir ſolchen ohne weitern Vorbericht in die Welt 
gehen laſſen. Es duͤnkt uns, daß wir bereits bey den vor⸗ 
| | 770 ken beyden Banden alles geſagt haben, was uns 
davon zu fagen noͤthig geſchienen hat. Ulnſere Leſer ſehen, daß wir es 
an keinem Fleiße ermangeln laſſen, die Fortſetzung davon zu gehoͤriger 
Zeit ordentlich darzuſtellen, und wir ſchmeicheln uns, daß fie ſolche, wo 
nicht beſſer, als den Anfang, doch ihm gleich finden werden. Wenig⸗ 
ſtens haben wir uns eifrigſt beſtrebet, ſolches zu leiſten, und uns auch 
wegen der beſonders guten Aufnahme unſerer Arbeit um ſo vielmehr 
dazu verbunden gehalten. Wir haben geglaubt, daß wir unſere Er⸗ 
kenntlichkeit dafuͤr nicht beſſer an den Tag legen koͤnnten; und die Fort⸗ 
ſetzung der Gewogenheit unſerer Leſer wird uns ein ſteter Antrieb und 
eine Aufmunterung ſeyn, in unſerm Eifer gleichfalls fortzufahren. 
Die wenigen Anmerkungen oder Erinnerungen, die man uns we⸗ 
gen unſerer Ueberſetzung bisher gemacht hat, oder die uns noch zur Zeit 
bekannt geworden, ſind von keiner ſolchen Beſchaffenheit, daß ſie uns 
einer ſtrafbaren Unachtſamkeit, oder einer groben Unwiſſenheit in der 
N 2 


engliſchen 


Vorbericht 


englifchen und deutſchen Sprache, und vielleicht auch in den Sachen 
ſelbſt, Schuld gegeben. Sie betreffen einige kleine Verſehen; und wer 
kann ſich unter den Menſchen ruͤhmen, daß er bey aller Aufmerkſam⸗ 
keit ganzlich davon frey ſey? Wir wollten wuͤnſchen, daß man ung 
nur kuͤnftig keine groͤbern Fehler vorzuwerfen im Stande ſeyn moͤchte, 
als diejenigen find, die man uns bisher gezeigt hat: alsdann wuͤrden 
wir glauben, daß unſere Arbeit ſo gerathen waͤre, als wir wuͤnſchten, 
daß fie gerathen ſeyn möchte. Denn wie gering iſt der Vorwurf nicht, 
daß wir auf der 313 Seite des zweyten Bandes die engliſchen Worte: 
the Coaſt dependent on the Settlement of Goree extends &e. et; 
was gar zu woͤrtlich, und daher vielleicht auch ein wenig unverſtaͤndlich 
alſo gegeben haben: die Auite, welche von der Niederlaſſung zu 
Goree abhängt, erſtrecket ſich ꝛc. da wir doch deutlicher hatten 
ſagen koͤnnen: die Ruͤſte, welche zu dem zu Goree angelegten 
Handels: oder Wohnplatze, oder zu dem in Boree genommenen 
Sitze gehoͤret, oder gerechnet wird. Anſtatt daß wir alſo uͤber die 
uns mitgetheilten Anmerkungen ungehalten ſeyn oder glauben ſollten, 
daß fie aus einiger Tadelſucht hergeruͤhret waren: ſo ſehen wir fie viel; 
mehr als Proben einer beſondern Liebe und Gefaͤlligkeit gegen uns an, 
wofuͤr wir uns ihren Urhebern verpflichtet zu ſeyn erachten. 


Jusbeſondere find wir dem gelehrten Herrn Verfaſſer der Beur⸗ 
theilung unſers erſten Bandes in den göttingifchen gelehrten Zeitungen 
dieſes Jahres, auf der 167 Seite, hoͤchſtens verbunden. Sie iſt ſo vor⸗ 
theilhaft für uns, als wir fie nur wuͤnſchen koͤnnen, wofern wir nicht 
aus einer uͤbermaͤßigen Eigenliebe unſer Werk fuͤr ganz vollkommen 
wollen angeſehen wiſſen. Dazu aber ſind wir niemals geneigt geweſen, 
indem uns die Erkenntniß der menſchlichen Schwachheiten gelehrt, 
nichts von unſern Sachen fuͤr vollkommen zu halten, ſondern ſets zu 
beſorgen, daß, aller Achtſamkeit ungeachtet, noch viele Fehler mit unter⸗ 
gelaufen ſeyn koͤnnen. Die freundſchaftliche Anzeige der wenigen Stel⸗ 
len, welche, nach dem Ausdrucke des Herrn Verfaſſers, eine kleine 
Verbeſſerung brauchen, noͤthiget uns den Wunſch ab, daß wir 
durchgängig fo billige Richter finden möchten. Sie machet uns aber 
auch ſo dreuſt, daß wir hoffen, es werde uns die Guͤtigkeit dieſes gelehr⸗ 
ten Richters erlauben, wegen der getadelten Stellen allhier ein Wort 
zu ſagen. Wir wollen ſolche dadurch eben nicht rechtfertigen, ſondern 
nur verſuchen, ob wir uns nicht deswegen einigermaßen 4 8 

| | nnen. 


des deutſchen Herausgebers. 


koͤnnen. Daß wir bey Grana del Paradifo auf der 29 Seite nicht 
geſetzt haben: oder Paradieskoͤrner, ſondern Paradiesfcharlach, 
5 ſind die engliſchen Verfaſſer Schuld, weil ſie ſelbſt, or Scarlet 
of Paradife geſchrieben. Wegen des Melaſſus auf der 67 Seite wol; 
len wir nichts anders anfuͤhren, als daß das durch einen dreyfachen 
Druckfehler im Engliſchen alfo verunſtaltete Wort Moloſſes den Lieber 
ſetzer veranlaſſet haben mag, es fuͤr eine eigene von Moloſſes ganz un⸗ 
terſchiedene Sache zu halten; indem aus dem Zuſammenhange nicht 
zu erkennen iſt, was es eigentlich ſeyn ſollen; man aber an andern 
Orten das recht gedruckte Molofles wirklich durch Syrup uͤberſetzet hat. 
Warum man die Oerter in Guinea auf der 284 Seite durch Staͤdte 
und nicht durch Flecken uͤberſetzet hat, da doch das Wort Town, wel⸗ 
ches von denſelben gebraucht worden, eben ſowohl einen umgemauerten 
offenen Ort, als eine wahre Stadt bedeutet: das iſt daher gekommen, 
weil man geglaubt, es muͤſſe ein Unterſchied unter Town, Village 
und Hamlet gemacht werden. Man hat daher Town durchgaͤngig 
durch Stadt, Village durch Flecken, und Hamlet durch Dorf uͤber⸗ 
ſetzet, ob man gleich wohl erkannt, daß Village ebenfalls oftmals nur 
ein großes Dorf bedeutet. Doch geht es im Deutſchen nicht vielmals 
eben ſo, daß man einen anſehnlichen Flecken ein Staͤdtchen, oder einen 
kleinen ein Dorf, und ein großes wohlgebautes Dorf einen Flecken be⸗ 
nennet? Wir wollen es geſtehen, daß wir die Antilopen auf der 403 
Seite mit den Gazellen nicht fir einerley Thiere gehalten, und daß 
uns das Wort Sazelle eben ſo auslaͤndiſch, als Antilope, vorgekom⸗ 
men; daher wir denn lieber dasjenige beybehalten, was wir in unferm 
Texte gefunden haben. Eben dieſes koͤnnen wir auch von den Plantas 
nen auf der 452 Seite ſagen, fuͤr welche wir um ſo vielweniger einen 
andern Namen ſuchten, weil wir uns erinnerten, daß wir in dem erſten 
Theile von Dampiers Reife um die Welt auf der 572 Seite, nach 
der deutſchen Ueberſetzung, eine Beſchreibung von dieſer Frucht unter 
dem Natnen Plantain geleſen hatten; dergleichen wir auch in des Herrn 
van Goch gegenwaͤrtigem Staat der orientaliſchen Inſeln auf 
der 23 und 47 Seite unter eben dieſem Namen antreffen, woſelbſt dieſe 
Frucht aber noch außerdem Saggen genennt wird. Dieſes verfuͤhrte 
uns, daß wir die gedachte Benennung ohne Scheu beybehielten, ohne 
einmal daran zu gedenken, daß dieſe Frucht mit dem Piſang einerley 
ware, oder unter dieſem Worte dem Leſer kenntlicher wuͤrde. Wir 
ſind verſichert, daß dem gelehrten Herrn Verfaſſer die nn Ver; 

| 3 aͤnderun⸗ 


Vorbericht des deutſchen Herausgebers. 


änderungen bekannt find, welche bey den Benennungen der Pflanzen, 
Kraͤuter und Fruͤchte vorgehen; und wir zweifeln daher, daß er es uns 
zur Laſt legen werde, wenn wir lieber denjenigen fremden Namen bey⸗ 
behalten, den wir in unſerer Urſchrift finden, als daß wir dafuͤr einen 
eben ſo auslaͤndiſchen Namen ſetzten, der uns etwa bekannter vor⸗ 
kaͤme. So viel haͤtten wir wegen der angezeigten Stellen anzubrin⸗ 
gen gehabt, ohne daß wir ſolche dadurch halsſtarrig vertheidigen wollen. 
Wir ſind hoͤchſt zufrieden, wenn wir nur deswegen einige Entſchuldi⸗ 
gung hoffen duͤrfen. Man ſieht wenigſtens, daß wir dabey nicht ganz 
ſtrafbar ſind. | | | f 


Uebrigens werden nunmehr diejenigen Liebhaber dieſes Werks 
vermuthlich befriediget werden, welche mehr von der Naturgeſchichte 
darinnen zu finden gewuͤnſchet, als bisher vorgekommen. Dieſer 
dritte Band iſt groͤßten Theils damit angefuͤllet. Sind die beyden 
erſten mehr ergoͤtzend geweſen, ſo wird dieſer deſto lehrreicher ſeyn, wo 
nicht ſelbſt dasjenige mehr ergoͤtzet, was wiſſensbegierigen Leſern meh⸗ 
rern Unterricht giebt. Man hat dafuͤr geſorgt, daß ſie die zu der 
Naturgeſchichte gehoͤrigen Kupfer ſogleich mitbekommen moͤchten, welche 
bey den franzoͤſiſchen Ausgaben erſt lange nachher geliefert worden. In 
dem folgenden vierten Bande wird die hier angefangene Beſchreibung 
von Guinea, und deſſen Erdbeſchreibung, Natur- und politifche Ges 
ſchichte auch noch einen großen Theil einnehmen, und zugleich eben eine 
ſolche Beſchreibung der Kuͤſte von Rio da Volta bis an das Vorgebirge 
Lopez Gonſalvo, und der Koͤnigreiche Loango, Congo, Angola, Benz 
gala und der benachbarten Lande vorkommen. Dadurch wird denn 
endlich ihr Verlangen wohl einmal geſtillet und der Vorwurf gehoben 
ſeyn es kame in dieſein Werke gar zu wenig vor, welches zur Kenntniß 

der Natur, und Beſchaffenheit der Lander und der Sitten der Voͤlker 
dienen koͤnnte. Geſchrieben zu Leipzig im Auguſt 1748. | 


* 


Verzeichniß 


* * * * * * * * * * * * * „ * * „ „ * K * * * . K * * K * * K *. 


Verzeichniß 


der in dieſem dritten Bande enthaltenen Reiſen 
und Beſchreibungen. dus 


Das VI Buch. e 
Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, von dem weißen 
Vorgebirge bis nach Sierra Leona; welche insbeſondere eine Nachricht von 
der engliſchen Niederlaſſung, und ihrer Handlung an dem Fluſſe Gambra oder 
f Gambia, nebſt der Erdbeſchreibung der natürlichen Hiſtorie 
der benachbarten Laͤnder enthalten. 


Dae I Cap. Eine kurze Nachricht von dem Urſprunge und Fortgange 
| der Eöniglichen engliſchen africaniſchen Compagnie g. d. 1 S. 
Das II Cap. Eine allgemeine Beſchreibung von dem Fluſſe Gambra oder 
Gambia; nebſt einer Nachricht von den europaͤiſchen und beſonders den eng⸗ 
liſchen Plaͤtzen an demſelben | 50 7 
Der II 0 1 Von den Koͤnigreichen oder Laͤndern laͤngſt der 
Gambra | IHN Mag 
Der III Abſchnitt. Eine Nachricht von den engliſchen Plaͤtzen an der 
Gambra, beſonders James fort ik 20 

Das III Cap. Eine Keife zur Entdeckung des Fluſſes Gambra, und des 
Goldhandels in Tombuto in dem Jahre 1620 und 1621 von dem Schiffs⸗ 


hauptmanne Richard Jobſon g | 27 
Das IV Cap. Ein Schreiben von Entdeckung der Goldadern auf einer 
Reiſe auf der Gambra durch einen ungenannten Verfaſſer 52 


Das V Cap. Eine Reiſe auf der Gambra im Jahre 1724, Entdeckung zu 
machen und den Handel auf dieſem Fluſſe zu verbeſſern von dem Haupt⸗ 
manne Bartholomaͤus Stibbs, zu Folge der Anweiſung der königlich africa⸗ 
niſchen Geſellſchaft ' 59 

Das VI Cap. Reiſen in die inländifchen Theile von Africa, welche eine 
Beſchreibung der verſchiedenen Landſchaften und deren Einwohner auf ſechs⸗ 
hundert Meilen an der Gambra enthalten. Durch Franz Moore, Factor 
der koͤniglich africaniſchen Compagnie a 84 

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Verzeichniß 2 Fi 
der Karten und Kupfer 
nebſt einer Anweiſung für den Buchbinder, wo er ſolche hinbringen folk. 


Kur von dem Fluſſe Gambra oder Gambia von deſſen Muͤndung bis nach Eropina 72 S. 
: Karte von dem Laufe des Fluſſes Gambra oder Gambia von Eropina bis nach Barrakondg 20 
; 3 Beſchneidung der Schwarzen 238 
en 4 Karte von der Kuͤſte und den benachbarten Ländern der Fluͤſſe Sierra Leona und Scherbro 248 
5 Ausſicht des Eylandes und Forts Benſe 261 

s Karte von der Muͤndung des Fluffes Sierra Leona 262 

8 Africaniſcher Loͤbe und Kameel von grünem Vorgebirge A. - 4 

9 Elephant, wilde Ziege ꝛc. 313 

10 Das Camaͤleon, Stachelſchwein ꝛc. 8 325 

11 Der Meermond oder Silberfiſch, die Meerkroͤte ꝛc. 8 K 341 

12 Vögel von der weſtlichen Küfte von Africa a 330 

5 13 Neſter von einem Vogel Kurbalot ꝛc. 333 
14 Fiſche von Sierra Leona 338 

15 Fiſche von der Küfte von Afriea 341 

16 Der Krampffiſch oder Torpedo 343 

17 Stuͤck von der Kuͤſte von Guinea von dem Fluſſe Sierra Leona bis an das Vorgebirge Palmas 357 

18 Das Fort Naſſau zu Maure 377 

19 Das Fort Badenſtein zu Boutri; und das Fort St. Sebaſtian zu Schama 409 

20 Das englifche Caſtel zu Anamabo . a 404 

21 Holländifches Fort von Cormantin; und das Fort Manfro 404 

22 Friedrichsburg, daͤniſches Fort * 407 

23 Ausſicht des Caſtels St. Georg von Mina 398 

24 Karte von der Muͤndung des Fluſſes Scherbro 514 

25 Ausſicht von der Kuͤſte bey Rio San Andero 525 

25 Ausſicht von der Küfte von Mina bis nach Maure 527 

27 Südliche Ausſicht des Forts Tantumqueri 527 

28 Suͤdweſtliche Ausſicht des Forts von Winnebra 4 

29 Verſolg der Kuͤſte von Guinea 504 

30 Ausſicht von dem Vorgebirge Meſurado 5 ’ 609 

31 Muͤndung des Fluſſes Seſtos 479 

32 Stück von der Kuͤſte von Guinea von dem Vorgebirge Monte bis an das Borgeßirge der 

Untiefen 595 

83 Fiſche von der Kuͤſte von Africa 659 

34 Fiſche von der weſtlichen Kuͤſte von Africa 660 

35 Fiſche von der Kuͤſte von Sierra Leona 5 27% 


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Daz VI Buch. 


Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
von dem weißen Vorgebirge bis nach Sierra Leona; 
welche 
insbeſondere eine Nachricht von der englifchen Niederlaſſung und ihrer 


Handlung an dem Fluſſe Gambra oder Gambia, nebſt der Erdbeſchreibung 
und Buelicpen Hiſtorie der benachbarten Länder enthalten. 


Das I Kapitel. 


Eine kurze Nachricht von dem Urſprunge und Fortgange 
der koͤniglichen engliſchen africaniſchen Compagnie. 


Inhalt. 


Erſte engliſche Handlung nach den africaniſchen Ki: das Parlament deswegen verwilliget. Forts 
ſten. Deren Abnahme. Gegenwaͤrtige Com- find zur Unterſtuͤtzung des Handels noͤthig; wird 
pagnie wird aufgerichtet. Sie ſtellet die Hand- durch Geſchichte bewieſen. Die Auslieger nüs 
lung wieder her, und verbeſſert fi. Die Hand- tzen nichts. Forts muͤſſen erhalten werden; dar⸗ 
lung wird freygegeben. Dieß wird fuͤr das beſte auf ſtimmet das Parlament. Franzoͤſiſche und 
Mittel gehalten. Was man der Compagnie fuͤr hollaͤndiſche Forts werden durch das Land un⸗ 
die F 5 erftatten follen. Was terſtützet. 


a * * ie engliſche Handlung nach dieſen Kuͤſten wurde zuerſt von Privatkauf⸗ Erſte engli⸗ 
leuten gefuͤhret. Die Koͤniginn Eliſabeth fertigte im Jahre 1585 und ſche Hand⸗ 
1588, auf Anſuchen der Kaufleute, zwey Patente aus; eins wegen des lung. 
Handels nach Marokko oder der Barbarey; das andere wegen des 
ir & Guineahandels zwifchen der Sanaga und Gambra. Im Jahre 1592 
RE wurde der dritte Freyheitsbrief ausgefertiget, welcher die Kuͤſte von 
2 dem Fluſſe Nonnia 4) bis gegen Süden von Sierra Leona 5) in 
ſich begriff Allein diefe Compagnie wurde entweder bankerut, oder der Handel verfiel; 
denn Koͤnig Jacob der I ertheilte, im ſechzehnten Jahre feiner Regierung, unter dem großen 
Siegel einen neuen Freyheitsbrief an den Herrn Robert Rich und andere Bürger zu Lon— 
don 
a) Tunez oder Nougnes. der 242 Seite, wie auch Loks Reiſen im Jahre 1554, 
4 Siehe diefer Sammlung erften Band, auf und Windhams im Jahre 1352, auf der 251 Seite. 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 


2 Reiſen langſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


don, als eine beſondere Geſellſchaft, wodurch alle andere von dem Handel ausgeſchloſſen 
wurden. Es brachten ihnen aber die Interloper in ihrem Handel ſo viel Nachtheil, daß 
fie deſſen bald ſehr uͤberdruͤßig wurden c). Während der Zeit fingen die Holländer an, den Por⸗ 
tugieſen in dieſen Gegenden ein Bein unterzuſchlgaen, welches einigen Kaufleuten in London Ge⸗ 
legenheit gab, dem Koͤnige Carl dem! die uͤbeln Folgen vorzuſtellen, die aus Hindanſetzung 
dieſes wichtigen Theils der Handlung entſtuͤnden. Hierauf ertheilte dieſer Fuͤrſt in dem 
ſiebenten Jahre ſeiner Regierung einen neuen Freyheitsbrief an Nicolas Criſp, Hum⸗ 
phry Slaney und Geſellſchaft, der mit dem vorigen von einerley Art war. 


Deren Ab⸗ Im Jahre 1651 ward dieſer Freyheitsbrief erneuert, und Rowland Wilſonen und 
nehmen. andern von der Republik England beſtaͤtiget. Allein, weil die Zeiten noch verwirrt waren: 
fo nahmen die Hollaͤnder und Dänen Gelegenheit, ihre Stärfe an dieſer Kuͤſte zu vermeh: 
ren, ſo daß die africaniſche Compagnie, außer dem Verluſte ihrer Beſitzungen, ihr Capital 
einbuͤßte; und auch die Privatkaufleute verlohren an weggenommenen Guͤtern und Schiffen 
300,000 Pfund 4). Das Parlament faßte auf dieſe Vorſtellung im Jahre 1664 den 
Entſchluß, den König zu erſuchen, einige kraͤftige Mittel zur Unterſtuͤtzung der africaniſchen 
Handlung zu ergreifen, und den Uebermuth der Hollaͤnder zu zaͤhmen. Allein des Koͤnigs 
Vorſtellungen hatten keine Wirkung, welches als eine Urſache des erſten hollaͤndiſchen Krie— 
ges von 16645 angegeben wurde. Zu eben der Zeit 1662 hatte König Carl I einer neuen Ge⸗ 
ſellſchaft, unter dem Titel einer Geſellſchaft koͤniglicher Kaufleute von England, die nach 
Africa handeln, einen Freyheitsbrief gegeben, dadurch fie der erſten Compagnie mit einver- 
leibet wurden. Zur Graͤnze ihrer Handlung war ihnen der Strich von der Muͤndung der 
Straße, bis an das Vorgebirge der guten Hoffnung, angewieſen e). Dieſe Geſellſchaft 
war eben in ihrer Kindheit, als der Krieg ausbrach, und litt daher viel von de Ruyters 
Raͤubereyen; der mit einer hollaͤndiſchen Flotte das Caſtell Kormentin, und das Fort Tako⸗ 
ravy wegnahm, und ſich der Schiffe und Güter der Geſellſchaft bemaͤchtigte, auf 200,000 

Pfund am Werthe 7). 
Gegenwaͤrti⸗ Dem ungeachtet behielt die Geſellſchaft doch noch immer einen Fuß in Africa, und ver⸗ 
se Compa: möge des dritten Artikels des bredaiſchen Friedens von 1667 wurden einem jeden Theile die 
2 ei Plaͤtze wieder eingeraͤumet, welche fie vor dem Kriege inne gehabt hatten. Weil aber ihre 
gerichtet. Sachen in einem ſchlechten Stande waren: ſo wurden ſie eins, ihren Freyheitsbrief gegen 
eine gewiſſe Summe der Krone wiederzugeben. Der Koͤnig richtete darauf durch einen 
offenen Brief unter dem großen Siegel, den 27ſten des Herbſtmonats 1672 die gegenwaͤr— 
tige koͤnigliche africaniſche Compagnie in England auf. Er verwilligte ihr zur Graͤnze 
ihres Handels den Strich von dem Hafen Sally in der ſuͤdlichen Barbarey, bis an das 
Vorgebirge der guten Hoffnung. Obgleich dieſe Compagnie nur mit einem Capitale von 
110,000 Pfunden anfing: fo zeigte fie ſich doch fo wirkſam, daß fie die Geſtalt der englifchen 
Handlung an dieſen Kuͤſten gar ſehr wieder herſtellte, das Cape-Corſe-Caſtell erweiterte, 
welches das einzige Fort war, das die alte Geſellſchaft gelaſſen hatte, und welches ſie fuͤr 
34,000 
c) Gedanken und Betrachtungen über die Ein: 4) In dem Buche: die Wichtigkeit des africani⸗ 
richtung und Führung des Handels nach Africa von ſchen Handels vom Jahre 1744 heißt es a. d. 13 D. 

1600 bis 1709, dem Haufe der Gemeinen durch die achthunderttauſend Pfund. a 

koͤnigl. afrieaniſche Compagnie uͤbergeben. Zu Ende e) Siehe Barbots Beſchreibung von Guinea 

von Barbots Beſchreib. von Guinea a. d. 665 S. a. d. 166 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch 1 Cap. 3 


34,000 Pfund kaufte; und die Forts zu Akra, Dircove, Winneback, Sukkende, 
Kommenda und Annamaboe; alle an der Goldkuͤſte, und dreye davon einen Muffeten: 
ſchuß weit von den hollaͤndiſchen Forts. Sie kauften auch das Fort Friedrichsburg von 
den Daͤnen, und bauten ein neues Fort zu Whidah; ſo daß ſie, der geheimen Widerſe— 
tzung der Hollaͤnder zu Trotze, ihren Handel mit jenen gleich ſtark, und viel ſtaͤrker, als alle 
andere Voͤlker, in dieſem Lande trieben g). | 


Es erhellet, daß die Compagnie jaͤhrlich von Wollen- und andern engliſchen Manufacturen, 
auf 70, 00 Pfund am Werthe, ausfuͤhret; daß ſie unſere americaniſchen Pflanzſtaͤdte mit einer 
großen Anzahl Sklaven um einen mäßigen Preis verſieht; und das auf eine fo aufmun— 
ternde Art, daß fie den Pflanzern zuweilen 100,000 Pfund und darüber creditiret, bis fie es 
nach ihrer Bequemlichkeit bezahlen koͤnnen: daß ſie eine große Menge von rothem Holze, 
Elephantenzaͤhnen und andern koſtbaren Guͤtern, und eine ſolche Menge von Goldſtaube 
einfuͤhret, daß fie öfters auf einmal 30: bis 50,000 Guineen ſchlagen laſſen, welche man an Elephanten⸗ 
dem darauf geprägten Elephanten kennet ). Es gluͤckte ihr aber an der nordlichen Kuͤſte Guinee. 
fo nicht, woſelbſt die hollaͤndiſche weſtindiſche Compagnie die Forts von Arguin beſaß. Die 
Fran zoſen hatten das Fort St. Louis an der Muͤndung der Sanaga; und die Engländer das 
Jamesfort an der Gambra, und ein kleines Fort zu Sierra Leona: indem die Handlung 
an der Kuͤſte allen dreyen Nationen von Capo Blanco bis an Capo de Monte frey iſt. 
Im Jahre 1677 und 78 vertrieben die Franzoſen die Hollander aus Arguin und Goree. 
Weil nun dieſe Derter in dem nimwegiſchen Frieden der franzöfifchen Sanagacompagnie 
zugeſprochen wurden: ſo fingen ſie an, zu behaupten, daß nur ſie allein, mit Ausſchließung 
aller andern, an dieſer Kuͤſte handeln duͤrften. Sie bemaͤchtigten ſich der portugieſiſchen, 
hollaͤndiſchen und brandenburgiſchen Schiffe, und zogen ſolche ein, und unterbrachen die eng⸗ 
liſche Handlung. Der Krieg brach im Jahre 1690 1) aus. 


Bald nach der Reichsveraͤnderung fing die Schmugglerhandlung von einzelnen Kauf- Handlung 
leuten an dieſer Kuͤſte an, welche zum Nachtheile der Sachen der Geſellſchaft nicht wenig wird freyge⸗ 
beytrug. Weil dieſe außer ihrer unrechtmaͤßigen Handlung den Preis der europaͤiſchen n 
Guͤter herunterſetzten, und den von den Guͤtern des Landes erhoͤhten: ſo brachten ſie die 
Compagnie ſo herab, daß ſie gezwungen war, das Parlament um Beyſtand zu erſuchen. 

Allein, man war damals mehr fuͤr eine freye Handlung eingenommen, und das Parlament 
wurde im Jahre 1697 bewogen, einen Verſuch zu machen, und die Handlung dreyzehn 
Jahre lang allen Kaufleuten freyzulaſſen, nur daß ſie der Compagnie einen Zoll, zehne von 
Hunderten, zu Beſtreitung des Aufwands fuͤr die Forts und Caſtelle, zur Vertheidigung 
und Erhaltung des Handels, bezahlen ſollten. Von dieſer Zeit an fing ihr Handel merk— 
lich an abzunehmen ). Im Jahre 1700 überreichten fie dem Parlamente ein Memorial, 
um zu zeigen, was fie für Nachtheil von den einzelnen Handelsleuten an der Gambraͤ erlit— 
ten; und im Jahre 1705 traten fie mit der franzöfifchen Compagnie, wegen ihrer Oerter 
zwiſchen dem gruͤnen Vorgebirge und Sierra Leona, in einen Neutralitaͤtstractat H. 
A 2 Da 

7) Siehe Gedanken ꝛc. wie oben a. d. 665 u. f. S. 1) Die Wichtigkeit des africaniſchen Handels ꝛc. 

g) Siehe die Wichtigkeit ꝛc. a. d. 13 u. f. S. a. d. 17 u. f. S. 

5) Siehe Gedanken ꝛc. a. d. 666 S. Die mei: 4 Gedanken und Betrachtungen ꝛc. a. d. 667 S. 
ſten davon wurden unter der Regierung Koͤnigs 1) Tabat nouv. Relat, de l' Afrique occident. 
Jacobs des II gepraͤget. Vol. IV. a. d. 346 S. 


Dieß wird 
fuͤr das beſte 
gehalten. 


Was man 
der Compa⸗ 
gnie dage⸗ 
gen dafür 
geben ſollen. 


Was das 
Parlament 
deswegen be⸗ 


ſchloſſen. 


4 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Da die Acte, welche die Handlung allen frey ließ, im Jahre 1712 zu Ende gieng: ſo 
ward ſolche von dem Parlamente wiederum erneuert; und die Compagnie ſchien zuletzt wiil⸗ 
lig zu erkennen, daß ſolches ſowohl für fie, als für die Nation überhaupt, am vortheilhaaf⸗ 
teſten ſey m). Die wahre Urſache des Verfalls ihrer Sachen wurde ihrer Widerſetzurng 
gegen dieſen Handel, und ihrer Bemuͤhung, alle ihre übrigen Mitbuͤrger von dieſem Harn 
del auszuſchließen, zugeeignet; denn da dieß die Privatkaufleute erbitterte: fo hielten fie es fluͤr 
nichts, die Compagnie zu verderben, da ſich niemand bemuͤhte, fie mit einander zu verſoͤhnen 11). 
Die Compagnie hat durch die Lage ihrer Forts und vermoͤge der ſchiffbaren Fluͤſſe iin 
ihrer Gewalt, den Handel nach den inlaͤndiſchen Theilen von Africa zu eröffnen und zzu 
erweitern, und eine große Menge von brittiſchen Manufacturen abzuſetzen. Hingegen Fon: 
nen die Privatkaufleute die americaniſchen Pflanzſtaͤdte beſſer mit Schwarzen verfehen ; 
weil fie in der That ihre Schiffe, vornehmlich von den auswärtigen Häfen, viel wohlfeilter 
ausruͤſten koͤnnen, als die Compagnie. Sie erhalten auch beſtaͤndig durch ihr Hin- unid 
Herfahren einen allgemeinen Handel mit den brittiſchen Pflanzſtaͤdten, und haben dafelbrjt 
von ihren Anverwandten, Freunden und Handelsgenoſſen Correſpondenten hingeſetzet, weel⸗ 
che ſowohl ſorgfaͤltiger ſeyn werden, ihnen Gerechtigkeit zu thun, als auch hurtiger und richh⸗ 
tiger in Antworten und Zuruͤckſchicken, als die Compagnie von irgend einem ihrer Agenteen 
erwarten kann. | 

Aus dieſer Urſache gereicht es offenbarlich zum Nutzen der Geſellſchaft, daß fie mit deen 
Privatkaufleuten gemeine Sache machet ) Es iſt wahr, daß die Compagnie durch Err— 
oͤffnung des africaniſchen Handels anſehnlichen Verluſt in ihrem Gewinnſte muß gehabst 
haben, ob gleich die Nation viel gewonnen; und daß der Verluſt fie wenigſtens auf eime 
Zeitlang außer Stande geſetzet, den Aufwand fuͤr ihre Forts und Haͤuſer zu ertragem. 
Allein, wenn auch das nicht geweſen waͤre: ſo ſchien es doch unbillig, daß die Privatkauff— 
leute den Schutz und Nutzen von dieſen Forts haben ſollten, ohne daß ſie etwas entweder ziu 
ihrer Erbauung oder Erhaltung beytruͤgen. Die Compagnie hatte daher billigen Grundd, 
zu hoffen, daß ihr deswegen von dem gemeinen Weſen etwas würde gut gethan werden!; 
und ſtellte daher den Lord Commißionarien der Handlung und Pflanzſtaͤdte ihre Sache von. 
Dieſe befahlen hierauf der Compagnie, ſie ſollte ihnen einen Bericht von der Beſchaffem— 
heit, Anzahl, Staͤrke, Lage, Werthe und Wichtigkeit der beſagten Forts und Oerter vorr— 
legen, welches ſie denn auch in einem Memoriale that, da ſie die großen Unkoſten und dem 
vielen Aufwand vorſtellte, die fie zu Erhaltung derſelben machen muͤſſen p). 

Den 256ſten März 1730 faßte das Haus der Gemeinen folgende Schluͤſſe: erſtlich ſolltte 
der Handel nach Africa frey ſeyn; zweytens ſollte der Handel oder die Schiffahrt mit keinem 
Zoͤllen fuͤr die Forts oder Oerter, welche der Compagnie zugehoͤrten, beſchweret werden; 
drittens wäre es noͤthig, die brittiſchen Forts und Oerter an der Kuͤſte zu erhalten; viertents 
ſollte das Parlament zu deren Unterhalte etwas bewilligen. Dieſen Schluͤſſen zu Folge bee— 
ſtimmte man dazu zehn tauſend Pfund, welche Summe ſeitdem der Compagnie jährlich des: 
wegen ausgezahlet worden J). Die Compagnie aber beklaget ſich, daß dieſe Summe nichit 
zureiche, und zu wenig zu den Unkoſten ſey, die ſie machen muͤſſe; denn aus ihren Buͤcherm 
erhellet, daß vom zıften des Chriſtmonats 1729 bis zum ziſten des Chriſtmonats 1741 die 

Aus ga. 

m) Siehe die Wichtigkeit des africaniſchen Han: n) Ebendaſ. a. d. 45 S. 

dels a. d. 1 S. o) Ebendaſ. a. d. 46 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch! Cap. 5 


Ausgaben zur Unterhaltung ihrer Forts und Plaͤtze in Africa, die Commißionen ꝛc. an 


ihre Agenten, das Intereſſe für das aufgenommene Geld, und andere Unkoſten nicht mit 


gerechnet, als welches auf 70,000 Pfund in vier zehn Jahren geſtiegen, nicht weniger als 
203,433 Pf. 5 Schill. und 10 Pence Sterling, oder 16952 Pf. 15 Schill. und 5 Pence jaͤhr— 
lich geweſen; ſo, daß ſie 101,263 Pf. 14 Schill. und 8 Pence mehr ausgegeben, als ſie von 
dem öffentlichen Gelde empfangen hat „); und ſeit dem Jahre 1697, da die Handlung allen 
frey gegeben worden, bis 1744 hat es ihr nicht weniger, als 607,500 Pf. baares Geld, außer 
dem Zuſchuſſe, den ſie von dem Lande bekommen, gekoſtet. Wenn man nun die Inkereſſen 
nur auf viere von Hundert von der Zeit an dazu rechnet: ſo wird es ſich auf eine Million 
675/451 Pf. belaufen ). 

Es iſt gewiß, daß ſeit der Zeit, da von andern Voͤlkerſchaften in denen Landern, wo ſie 
handeln, Forts errichtet worden, es unumgänglich noͤthig iſt, daß die Engländer. auc) 
welche haben muͤſſen; denn es erhellet aus langer Erfahrung, daß diejenigen, welche an 
irgend einer Kuͤſte Forts beſitzen, ſich bemuͤhet haben, die ganze Handlung an ſich zu ziehen 
und andere davon auszuſchließen. Der Hollaͤnder Verfahren zu Amboyna nicht zu geden— 
ken, ſo iſt bekannt, daß ſie gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts verſuchet, den Handel 
der weſtlichen Kuͤſte von Africa und Guinea an ſich zu reißen, und die Englaͤnder von 
allem Antheile daran auszuſchließen. Sie bemaͤchtigten ſich uͤber zwanzig von ihren Schif— 
fen, und der Verluſt der engliſchen Kaufleute brachte den Krieg im Jahre 16645 hervor, 
wie bereits erwaͤhnet worden. Es haͤtte auch die gegenwaͤrtige Compagnie, die 1672 
errichtet worden, ganz und gar keinen Fuß daſelbſt behalten koͤnnen, wenn ſie nicht ihre alten 
Forts verſtaͤrket und neue errichtet hätte, 

Die Franzoſen verfuchten im Jahre 1681 auf gleiche Art den Handel an der weſt⸗ 
lichen Kuͤſte von Africa an ſich zu ziehen. Sie litten nicht, daß jemand zu Arguin 
handelte. Sie behaupteten wegen ihrer Forts an der Muͤndung der Sanaga und 
zu Goree, daß ſie ein Recht haͤtten, auf vierhundert Meilen von der Kuͤſte, alle 
von dem Handel auszuſchließen. Zu gleicher Zeit trieben ſie einen Handel auf der 
Gambra im Geſichte des brittiſchen Forts und zu Anamaboos, an der Goldkuͤſte im Ge— 
ſichte des Cap Corſe oder Coaſt-Caſtels, wo ſie vordem nicht einmal hinkucken duͤrfen. 
Sie ſind in den letztern Jahren in großer Anzahl gekommen, und fuͤhren jaͤhrlich zehnmal 


Nothwen⸗ 
digkeit der 
Forts 


wird durch 
Geſchichte 
bewieſen. 


mehr von den beſten Schwarzen weg, als die Englaͤnder. Bey allem dem aber thun die 


Franzoſen und Hollaͤnder nicht mehr, als was vor ihnen die Portugieſen thaten, und 
wiederum thun wuͤrden, wenn es in ihrer Macht ſtuͤnde. Hieraus erhellet die Nothwen— 
digkeit der Forts, zur Sicherheit der Handlung der Compagnie; und die Nation ſollte mehr 
darauf bedacht ſeyn, dieſe Handlung zu erhalten, weil Africa allein Schwarze giebt, welche 
“die vornehmſte Huͤlfe und Unterſtuͤtzung der brittiſchen Pflanzſtaͤdte in America find. Haͤt⸗ 
ten die Engländer keine Forts in dieſen Gegenden: ſo koͤnnten fie verſichert feyn, die Fran— 
zofen und Hollaͤnder wuͤrden ſie nicht einen einzigen Schwarzen nach ihren Pflanzſtaͤdten 
wegfuͤhren laſſen. 

Einige haben ſich eingebildet, daß Auslieger oder dahin beſtellte Schiffe eben die Wir- 
kung haben wuͤrden, als die Forts. Allein ſie koͤnnen ohne die Forts niemals eine Gleich— 
3 heit 

p) Ebendaſ. a. d. 23 S. 7) Ebendaſ. a. d. 24 S. 

7) Ebendaſ. a. d. 23 D. 5) Ebendaſ. a. d. 38 S. 


Auslieger 
nuͤtzen 
nichts, 


Forts ſollen 
erhalten 
werden. 


Darauf ſtim⸗ 
met das Par⸗ 
lament. 


Africaniſche 
Handlung 
unterſtuͤtzen 
die Franzo⸗ 
ſen. 


Von den Hol⸗ 
laͤndern. 


6 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


heit der Macht und des Nutzens erhalten. Sie koͤnnen niemals den Eingebohrnen bey 
Gelegenheit beyſpringen, noch die Kaufleute am Ufer und auf ihren Reiſen im Lande be— 
ſchuͤtzen; fie koͤnnen niemals weder einen Handel gebiethen, noch ihren Unterhandlungen an 
den Höfen der Fuͤrſten der Schwarzen einen Nachdruck geben. Man hat es ungefähr vor 
acht Jahren an der Gummikuͤſte werſuchet und es unnuͤtz befunden; denn da die Regierung 
zwey Kriegesſchiffe von größerer Staͤrke, als die Franzoſen, nach dieſer Küfte geſchickt, die 
Kauffahrdeyſchiffe daſelbſt zu bedecken: ſo haben die Franzoſen, vermoͤge eines einzigen 
Forts und ihres Verſtaͤndniſſes mit den Eingebohrnen am Ufer, die moriſchen Kaufleute zu 
ſolcher Unterthaͤnigkeit gebracht, daß ſie ſich nicht unterſtunden, einigen Handel mit den 
engliſchen Schiffen zu treiben. Hierdurch haben unterſchiedliche brittiſche Schiffe damals 
ſolche verderbliche Fahrten getham, daß ſich in den letztern Jahren niemand mehr gewaget, 
mit oder ohne Begleitung nach dieſen Gegenden zu handeln t). 

Das Parlament hat auch die Nothwendigkeit der Forts zur Erhaltung dieſes Handels 
beſtaͤndig eingeſehen; und fo oft es den Zuſtand deſſelben in Erwägung gezogen, die ſtaͤrk— 
ſten Erklärungen deswegen gethan. Im Jahre 1693 und 94 führte ihre Committe ihre 
Meynung an, daß die Forts und Caſtelle zur Treibung und Erhaltung des Handels nach 
Africa nothwendig wären. Als dieſer Handel 1697 frey gegeben, und die Acte 1712 erneuert 
ward: ſo erklaͤrte ſich das ganze Parlament, daß Forts und Caſtelle unſtreitig noͤthig 
waͤren, den Handel nach Africa zu erhalten, beſſer zu treiben und zu verbeſſern; und daß 
es nothwendig waͤre, daß ſie auf dieſer Kuͤſte erhalten und vermehret wuͤrden. Noch zuletzt 
im Jahre 1730 beſchloſſen ſie, daß es nothwendig waͤre, die brittiſchen Forts und Plaͤtze, 
welche der Compagnie zugehoͤrten, zu erhalten und zu beſchuͤtzen. 

Hieraus erhellet, daß des Parlaments Meynung ſey, es ſey fuͤr die Compagnie nicht ge— 
nug, daß ſie eine Anzahl Forts haͤtte, welche zureichend waͤren, den Handel zu erhalten, 
den ſie damals im Beſitze hatten; ſondern daß es auch noͤthig waͤre, dieſen Beſitz zu erwei— 
tern, oder daß mehr Forts muͤßten gebauet werden, um ihren Handel weiter auszubreiten. 
Wie wird aber die Compagnie vermoͤgend ſeyn, dem gemeinen Weſen dieſen Dienſt zu leiſten, 
wenn man ihr nicht weiter beyſteht? Es ſcheint dieſes um fo viel nothiger zu ſeyn, weil ſowohl die 
Franzoſen als Hollaͤnder, welche den großen Nutzen gehoͤrig einſehen, der fuͤr das gemeine We— 
fen aus dieſem Handel entſpringt, ſolchen durch den Beyſtand der Nation unterſtuͤtzen. 

Zur beſſern Unterſtuͤtzung der franzoͤſiſchen africaniſchen Handlung verwilliget der König 
der indiſchen Compagnie zu Paris, daß ſie von allen Abgaben von denen Waaren, die nach 
Africa und den hollaͤndiſchen Eylanden und Pflanzſtaͤdten nach America gefuͤhret werden, frey 
ſeyn ſoll; daß fie von allen Guͤtern und Waaren, die von Africa hereingebracht werden, und 
von allem Zucker und anderm Kaufgute, welches von den franzoͤſiſchen Eylanden und Colonien 
in America gebracht, und für die daſelbſt verkauften Schwarzen erhandelt wird, nur den 
halben Zoll geben ſolle. So iſt fie auch von allen Arten der Zölle von ihren Guͤtern und Waaren 
in Frankreich frey; und werden ihr noch 13 Livres aus feinen eigenen Einkuͤnften fir einen jeden 
Schwarzen, der nach den franzoͤſiſſchen Eylanden und Colonien in America gebracht wird; und 
20 Livres für jede acht Unzen Golldſtaub, die nach Frankreich gebracht werden, gut gethan. 

Auf gleiche Art ſtehen auch die Generalſtaaten der vereinigten Provinzen, um die 
weſtindiſche Compagnie deſto beſſer in Stand zu ſetzen, ihre Forts und Caſtelle, nebſt 
allen ihren Rechten und Freyheiten in Africa zu erhalten, außer vielen großen Freyheiten 

und 

7) Ebendaſ. a. d. 22 S. 7) Ebendaſ. a. d. L u. f. S. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 7 


und Befreyungen von Auflagen, ihr noch folgende außerordentliche Huͤlfe und Einkuͤnfte 
zu. Von den verſchiedenen Provinzen von Holland, Zeeland und Groͤningen, eine Bey— 
ſteuer von 38000 fl. jährlich; eine Abgabe, dreye von Hundert, von allen Guͤtern und 
Kaufmannswaaren, die nach und von irgend einem Orte zwiſchen dem neugefundenen 
Lande, (Terre neuve) und dem Vorgebirge Florida gebracht werden; eine Abgabe 
zweye von Hundert, von denen Guͤtern und Kaufmannswaaren, die nach oder von irgend 
einem Orte auf dem feſten Lande von America, vom Vorgebirge Florida bis an den Fluß 
Oronoko, Curaſſao mit eingeſchloſſen, gebracht werden: welche beyde auf 100,000 fl. 
jährlich gerechnet werden; und eine Abgabe von ) Guͤlden für die Laſt von allen Schiffen; 
welche nach Cuba, Hiſpaniola, Jamaica, Puerto Rico und andern caribbeiſchen Eylanden, 
eder nach einigem Orte von dem Fluſſe Oroneko bis an die Straßen Magellan und ke 
Maire, und von da nach der annianiſchen Meerenge handeln; welches auf 3000 fl. jaͤhr— 
lich gerechnet wird; ein Dritthel von dem Einkommen der Colonie von Surinam, welches 
auf 10000 fl. jährlich gerechnet wird; den völligen Nutzen von der Colonie Iſſacape, 
welcher auf 20000 fl. jährlich gerechnet wird; und allen Nutzen, welcher daraus koͤmmt, 
daß fie diejenigen portugieſiſchen Schiffe, die von Liſſabon oder Braſilien auf die Kuͤſte 
nach Schwarzen kommen, wegnehmen, oder ihnen Freyheiten und Verguͤnſtigungen geben 
dürfen; welches auf 10000 fl. jährlich geſchaͤtzet wird. Dieſes machet zuſammen 271,600 
fl. oder ungefähr 25000 Pfund jährlich, ein Jahr ins andere gerechnet ). 

Dieſes kann genug ſeyn, dem Leſer einen allgemeinen Begriff von dem Urſprunge und 
Fortgange der koͤnigl. africaniſchen Compagnie zu geben, welche an der weſtlichen Kuͤſte 
von Africa gegenwaͤrtig nur einen einzigen befeſtigten Ort hat; nämlich Jamesfort 
innerhalb der Muͤndung der Gambra, von welchem verſchiedene Factoreyen an dieſem 
Fluſſe abhaͤngen. Sie hatte zuletzt noch einen auf der Inſel Benſe in dem Fluſſe Sierra 
Leona: allein die Faetorey wurde vor dem Jahre 1728 eingezogen. 

* * * * * * * K * * 4 * * * K „ * * * * * * * π * * * * 


Das II Kapitel, 


Eine allgemeine Beſchreibung von dem Fluſſe Gambra oder 
Gambia: nebſt einer Nachricht von den europaͤiſchen, und beſonders 
den engliſchen Plaͤtzen an demſelben. 


Der Abſchnitt. 


Name des Fluſſes. Die Einfahrt. Canal. Spitze der an dem Fluſſe. Quelle der Gambra iſt unge⸗ 
Barra. Des Koͤnigs von Barra Gezelt. Der wiß. Ob er ein Arm vom Niger ſey. Nachrichten 
Strom iſt tief und breit. Lauf des Fluſſes. An⸗ von den Negern falſch; werden von dem de [Isle 
weiſung zur Einfahrt. Er windet ſich ſehr. Stadt verworfen. Vergebene Verſuche der Englaͤnder. 
Blok. Weitere Nachricht von dem Gezelte. Lan: Ein Einwurf wird aufgeloͤſet. 


$ ieſer Fluß wurde den Europäern zuerſt unter dem Namen Gambra bekannt. Name des 
So nennte ihn Cada Moſto 4). Marmol ſaget, die Schwarzen nennten ihn Fluſſes. 
Gambu 6); doch er ſelbſt giebt ihm den Namen Gambra und Gambea. 
Jobſon behaͤlt mehr Gambra, als Gambia, weil jenes gebraͤuchlicher war; ob er wohl 
nicht 
a) Siehe dieſe Sammlung II Band a. d. 92 S. 6) Siehe fein Afriea im IX Buche 18 Cap. 


Die Einfahrt 


Canal. 


Spitze 
Barra. 


Des Koͤnigs 
von Barra 
Gezelt. 


4 


8 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
nicht finden konnte, daß die Eingebohrnen des Landes ihm einen andern Namen gaben, als 
Gee oder Ji, welches einen Fluß uͤberhaupt bedeutet c). Die Portugieſen nennen ihn 
wegen feiner Breite Rio grande; welcher Name itzo einem andern Fluſſe mehr gegen 
Suͤden zugeeignet wird. Kurz Gambia oder Gambea, welcher Name von den Euro: 
paͤern gemeiniglich gebraucht wird, iſt nichts anders, als das verderbte Wort Gambra, 
welches von den Schiffahrern nach und nach eingefuͤhret worden. EN 
Die Gambra faͤllt an der weſtlichen Küfte von Africa zwiſchen dem grünen Vorge⸗ 
birge, und dem Vorgebirge Roxo, oder richtiger zu reden, zwiſchen dem Vorgebirge St. 
Maria und den Broken -Eylanden 4) gegen Norden, ins Meer; und wird ein wenig 
hoͤher hinauf von der Spitze Barra an der Nordſeite, und der Spitze Banyon oder 
Bagnon an der Suͤdſeite, vier Meilen von einander e), beſchraͤnket. Die Muͤndung ſowohl 
nach dem Labat, als Moore, liegt in 12 Grad 20 Minuten, Nord. Die Breite des Fluſſes oder 
die Weite zwiſchen den Broken-Eylanden und dem Vorgebirge St. Maria iſt ſechs See: 
meilen. Dieſe Eylande ſind mit einer Sandbank umgeben, welche ſich bis an den Fluß Salum 
oder Burſali erſtrecket, und von welchem die ſuͤdliche Spitze, die rothe Bank genannt, zwo See⸗ 
meilen ins Meer hinaus laͤuft. Von der Suͤdſeite ſtrecket ſich eine andere Sandbank, welche 
der Spitze Banyon gegen uͤber liegt, deren Geſtalt ihr den Namen Banyons Ferſe gegeben 
hat. Dieſe Bank hat nur einen oder anderthalb Faden Waſſer, nebſt verſchiedenen Spitzen 
von Klippen, woran die See ſo ſtark ſchlaͤgt, daß man ſie in einer ziemlichen Weite ſehen kann. 
An dieſen Merkmaalen und dreyen Baͤumen auf der Spitze des Vorgebirges St. Maria, 
erkennet man die Mündung des Fluſſes, wenn man aus der See fommt. 

Die Weite zwiſchen dieſen beyden Baͤnken, und der Spitze Banyon machet zweene 
Canaͤle 7). Der gegen Suͤden, welcher der kleine Canal heißt, hat nur anderthalb Fa: 
den Waſſer, und iſt bloß für Barken und Canoes ſchiffbar; der größere, welcher zwiſchen 
Banpyons Ferſe und den Broken Eylanden liegt, iſt für alle Schiffe, und hat in der 
Mitten von der Suͤdſpitze der rothen Bank bis an die Spitze Barra, in dem Koͤnig⸗ 
reiche dieſes Namens, von ſechs bis neun Faden Waſſer. Die Fahrt zwiſchen den Spi— 
Gen Barra und Banyon, welche einige irrig für die Mündung nehmen, hat zwölf Faden und 
von da bis nach Jamesfort von ſechs bis neun. Jede Seite des Fluſſes iſt mit Sand» 
baͤnken oder Klippen beſetzet, und die gegen Norden gehen tief in den Fluß hinein, doch 
koͤnnen an beyden Kaͤhne, und bey hohem Waſſer auch breite Boote fahren. Sie rechnen 
von den Broken-Eylanden bis an Carls-Eyland g) zehn Seemeilen; von da bis an 
die Spitze Lamei oder le Maine zwo Seemeilen; zwo bis nach Albreda; und von Al— 
breda bis Jilfray, welches dem engliſchen Fort gegen uͤber liegt, eine halbe. Wenn man 
an der linken oder Nordſeite in den Fluß faͤhrt, ſo ſieht man eine Spitze, auf welcher ein 
Buſch Baͤume ſteht, worunter einer viel dicker und hoͤher iſt, als die andern, den ſie des 
Koͤnigs von Barra Gezelt nennen. Die Englaͤnder, welche, wie Labat ſaget, Voͤlkern, 

die 
c) Beſſer: Waſſer; denn Batto heißt ein Fluß, die Mündung der Gambia werde an der Nordſeite 
und ſo nennen ihn die Mandingoer, wie Herr Moore von der Barraſpitze und an der Suͤdſeite von der 
ſaget. e Banyonſpitze ungefaͤhr vier Meilen davon gemacht; 
4 Die Franzoſen nennen dieſe oder eines davon es ſetzten aber einige mit mehrerm Grunde die Muͤn⸗ 
das Vogeleyland, welches, nach ihrer Lootſen Rech- dung tiefer, als wenn fie nämlich von den Broken— 
nung, dreyßig Meilen ſuͤdlich von Goree iſt. eylanden an der Nordſeite, und von dem Vorgebir— 
) Moore in feinen Reifen a. d. 19 Seite ſaget: ge St. Maria an der Suͤdſeite gemacht würde. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 9 


die weit hoͤher ſind, als die Schwarzen, hochmuͤthig begegnen, haben ſich ſo tief erniedri⸗ 
get, daß ſie dieſes Landzeichen oder vermeynte Gezelt begruͤßen; welches dieſen kleinen 
ſchwarzen Fuͤrſten ſo ſtolz gemacht, daß er dieſe Ehrerbiethung von allen Schiffen fordert, 
welche in dieſen Fluß einlaufen, von was fuͤr einer Voͤlkerſchaft ſie auch ſind; und wenn ſie 
ſich deſſen weigern, ſo verbiethet er ihnen die Handlung und thut ihnen allen Schaden, den 
er nur kann. Die Herrſchaften dieſes Fürften gehen nur 18 große Meilen von Oſten gen 
Weſten an der Nordſeite der Gambra, und werden von dieſem Fluſſe und dem Fluſſe Ja⸗ 
nok ), an einem von den Aermen oder Ausfluͤſſen des Fluſſes Salum oder Burfali 
eingeſchloſſen. HEN 

Ob die Gambra gleich tief iſt, wie man aus den Nachforſchungen auf der Karte ſehen Der Strom 
kann: ſo muß man doch in ſeinem Laufe und in der Muͤndung, wenn man hineinfaͤhrt, iſt tief 
das Bley auswerfen, und lieber näher gegen Norden als gegen die Suͤdbaͤnke ſteuren, woſelbſt 
nur drey Faden Waſſer iſt. Viele Schiffe ſind aus Mangel dieſer Vorſicht auf den Grund 
gelaufen. Es iſt wahr, es iſt keine große Gefahr dabey, weil es ein weicher Sand und frey 
von Klippen iſt: es machet aber doch einige Unruhe, und man muß auf die Fluth warten, 
damit man wieder loskomme. Wenn man die Spitze Barra und das Carlseyland vor: 
bey iſt: ſo haͤlt man ſich an dem nordlichen Ufer, wo weicher Grund iſt, bis man entweder 
Albreda oder Jilfray gegenüber in 6 oder) Faden gutem Grunde ankert. Dieſe zwey 
Dörfer find an den Bäumen um diefelben, und an einem kleinen Eylande kenntlich, welches 
mitten in dem Canale liegt, und worauf das Jamesfort ſteht. 5 

Die Gambra iſt hier ungemein breit und beynahe drey Seemeilen; und auf 50 Sees und breit. 
meilen höher zu Joar 7) wird fie eine Seemeile breit gerechnet A), und iſt für Schiffe 
von 40 Canonen und 300 Tonnen bis an dieſen Ort ſchiffbar. Ein Fahrzeug von 150 
Tonnen, kann bis ein klein wenig von Barrakonda ſegeln, welches über 500 Meilen von 
der Mündung iſt ). Die Fluth geht in der trocknen Jahrszeit, welche vom Chriſtmo⸗ 
nate bis zum Brach⸗ oder Heumonate ift, fo weit hinauf. In der übrigen Zeit des Jah⸗ 
res kann man auf dem Fluſſe nicht fahren, wegen der Fluthen, welche das Regenwetter her⸗ 
abbringt. Dieſe machen den Strom ſo heftig, daß man ihm auch bey einem guten Winde 
nicht widerſtehen kann; und außerdem iſt es unmöglich, die Barken zu ziehen, weil, wenn die 
Ufer unter Waſſer ſind, kein Fußſteig fuͤr die Leute iſt, am Ufer zu gehen. Die Gambra 
iſt in dieſem Stuͤcke von der Sanaga unterſchieden, auf welcher die Schiffahrt in der naſ— 
fen Jahrszeit am beften iſt; weil alsdenn Waſſer genug ift, über die Klippen und Untiefen 
zu fahren, welche die Barken in der trocknen Jahrszeit aufhalten. 

Zu dieſer Nachricht von dem Fluſſe, worinnen wir vornehmlich dem Labat gefolget Lauf des 
find m), welchen wir mit unſerer Karte und andern Schriftſtellern verglichen, wollen wir Fluſſee. 
noch einige beſondere Umſtaͤnde aus dem Barbot hinzuſetzen, welcher, nach feiner Ge: 
wohnheit, alles zuſammen geraſpelt, was er nur finden koͤnnen, gutes und boͤſes, ohne zu 


erwaͤh⸗ 
7 Iſt auf der Karte nicht zu ſehen. 1 k) Nach der Karte ungefähr zwo und eine halbe 
= ; N Keile. 
3 H Bee 1 Franzoſen Isle aux chiens, oder die I) Kabat ſaget 250 Seemeilen, oder 730 fran⸗ 
. ; ! zöfifche Meilen: nach feiner Karte aber iſt es kaum 
5) Von den Franzoſen Guinac. 100 Seemeilen, welches zeiget, daß es nicht an den 
1) Es iſt eben der Ort, den Labat Guiacher rechten Ort geſetzt iſt. 
nennt. | m) Afrique oceident. Vol. IV. a. d. 263 u. f. S. 
B 


Allgem, Reiſebeſchr. III Band. 


Anweifung 
hineinzu— 
fahren. 


10 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


erwaͤhnen, woher er ſolches habe. Dieſer Schriftſteller ſaget, die Mündung der Gambra 
ſey 3 Meilen breit und 6 oder 7 Faden tief, der Boden moraſtig. In einiger Entfernung 
gegen Weſten liegt die Untiefe Boxos de Gibandor von den Portugieſen genannt. 
Der rechte Canal von der Gambra liegt an der Suͤdſeite, noch ein gut Stuͤck Weges hin⸗ 
auf; bey der Einfahrt aber iſt der Nordcanal der beſte. Der Fluß iſt bis Dabbo x) und 
dem Arſchhuͤgel (Arſehill) ſehr ſchiff bar, von da in einer geraden Linie bis an das Vorgebirge 
St. Maria, find 80 ſtarke Meilen zu dande, zu Waſſer aber noch mehr. Die Tiefe in der ſeich— 
teſten Gegend, nahe bey dem Eylande Jeremire 0) iſt drey Faden, außer bey einigen Fel⸗ 
fen, einige wenige Meilen weiter, wo fie nur neun Fuß Waſſer hat. Der übrige Theil 
des Fluſſes uͤber dem Arſchhuͤgel wird ſo wenig beſuchet, daß unſer Verfaſſer nichts davon 
hören fönnen 7). Er ſaget bloß, es ſey ſolcher hinter der Stadt Mandinga wenig be⸗ 
kannt, welche in der Landſchaft Kantorfi und dem Königreiche Mandinga liegt, 16 ſtarke 
Meilen von dem Fluſſe ins Land hinein, woſelbſt reiche Goldbergwerke ſind ). An der 
Nordſeite der Mündung der Gambra, läuft eine lange niedrige Spitze heraus, die man 


faſt nicht wahrnimmt, wenn man bey neblichtem Wetter aus der See kommt. 


Das 


Land an der Suͤdſeite iſt viel hoͤher, mit Baͤumen bekraͤnzet, und ſtrecket ſich gegen Nordoſt 
und Suͤdweſt. Daſelbſt liegt queer vor der Muͤndung eine Art von Barre, Nordweſt 
und Suͤdoſt, über welche bey der niedrigſten Fluth noch vier Faden Waſſer iſt. 

Die rechte Fahrt in dieſen Fluß, wenn der Eingang offen iſt, iſt, daß man nach der 
Spitze Barra in 5 oder 6 Faden ſteuret, bis man ſolche gen Suͤdoſt bekommt. Alsdann 
mag man ankern, wenn man keinen Wind hat. Wenn aber ſolcher gut iſt, kann man ſei— 


nen Lauf fortnehmen, bis man in fuͤnftehalb oder 5 Faden koͤmmt, 


und die Spitze von 


Barra gegen Suͤdoſt, und die andere Spitze, welche die Franzoſen Bayonne nennen „) 


gegen Suͤd gen Oſt hat. 


Alsdenn kann man ſich gegen dieſe letzte Spitze wenden, und 


darauf zu ſteuren. Iſt man nun zwo Seemeilen weit gefahren, ſo halte man ſich mitten 
in dem Canale, damit man eine ſchlammichte Bank vermeide, welche rund um die Sunde⸗ 


inſel liegt ). Auf die Art kann man ficher nach Jamesfort ſegeln. 


Alle Schiffe, welche 


in den Fluß einlaufen, vornehmlich die engliſchen, feuren zum Gruße, gegen einen hohen 
dicken Baum, des Könige von Barra Standarte genannt, drey Stücke ab, welches 


ſie auch thun, wenn ſie wieder hinausfahren. 


Jedesmal bezahlen fie eine Stange Eiſen ) 


an den Koͤnig oder ſeine Bedienten, als einen Zoll fuͤr die Erlaubniß zu ankern. 


n) Oder Dubo Fonda. Auf Labats Karte 
heißt es Dabbo. 1135 

o) So wird es auf Labats Karte genannt. Aus 
dieſen beyden Exempeln erhellet, daß ſich Barhot und 
Labat einerley Karten bedienet. Dieſes Eyland koͤmmt 
ſeiner Lage nach in Labats Karte mit den Lemain 
Eylanden in unſern überein. Beyde Namen fehei- 
nen von den Staͤdten an der Nordſeite des Fluſſes 
und einige wenige Meilen davon, hergenommen zu 
ſeyn; als Lemain gegen Oſten, und Jerami ge⸗ 
gen, Weſten. 
p) Ein fernerer Beweis von dem, was in der vo: 
rigen Note geſagt worden; Labats Karte geht bis 
Arſe⸗ ill oder dem Arſchhuͤgel. 


8 Der 

4) Dieß iſt alles ein Hirngeſpinſt; Kantorfi 
oder Kantorſi bey einigen. 

r) Beſſer Bagnon, wie es Labat hat. Moore 
ſchreibt es Ban yon. 

5) So wird es von den Franzoſen genannt; von 
den Englaͤndern aber Carls:Eyland. 

2) Moore ſaget 120 Stangen. 

1) Oben hieß es Rontorfi. 

*) Kantorſi, Nantori und Kantor ſcheinen 
einerley Namen zu ſeyn, welche, da fie von verſchiede⸗ 
nen Schriftſtellern genommen worden, fuͤr ſo viele 
verſchiedene Landſchaften gehalten worden. Ein 
gemeines Verſehen bey den Erdbeſchreibern und Ge⸗ 

j 5 ſchicht⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. u 
Der Fluß hat auf ſeinem Wege von Kantori 2) bis ins Meer viele Kruͤm⸗ Krümmun- 
mungen, vornehmlich von Kantor x), und iſt viel tiefer, als die Sanaga, und der Canal gen des Fluſ⸗ 
auch breiter: die Fluth aber, oder der Strom, iſt nicht fo ſchnell. Doch führer die Gambra ſes. 
einen ſolchen Strom mit ſich in die See, daß man ihn acht oder zehn ſtarke Meilen vom 
Ufer ſehen kann. Die Ebbe und Fluch geht bis nach Barrakonda hinauf, wo erſchreck⸗ 
liche Waſſerfaͤlle die Schiffe aufhalten, daß fie nicht weiter gehen koͤnnen. Schaluppen 
aber koͤnnen wohl 200 ſtarke Meilen hinauf gehen ). Die Ufer an beyden Seiten find 
niedrig, und mit vielen Baͤchen durchſchnitten, in welche die Fluth hinein geht. Der Ca⸗ 
nal bey dem Kriek von Jagra iſt vier bis fünf Faden tief, dichte bey vier kleinen Eylanden, 
die ihm gegen uͤber liegen. Es iſt leichter bey Nacht als bey Tage die Gambra hinauf zu 
ſegeln, weil bey Tage Windſtille iſt, des Abends aber fich gemeiniglich eine kleine Luft 
erhebt. Von dem Eylande, welches unter Manſagar iſt 2), fuͤhret die Iluth einen 19 06 
Gefahr den Fluß hinauf. Es liegen viele Eylande darinnen 4). 
Weil das Eyland James oder Jacob nur eine Art von einem flachen Felſen if, obne Stade Si. 
einige Buchten, oder Orte, wo man Schiffe ausbeſſern kann: ſo thun dieſes die Engländer 
auf dem Fluſſe Blok oder Bintan, an der Suͤdſeite der Gambra, dem Fort gegen uͤber, 
an einem Orte Blok genannt „); welcher der Sitz eines Fuͤrſten iſt, der ſich Kaiſer von 
groß Kantor nennet c), und mit dem Könige von Bar ſtets Krieg führer 4). Die 
Franzoſen ſagen, der Fluß Blok komme mit dem Fluſſe Rumbo zuſammen, welcher 
einige Meilen gen Weſten davon iſt, und mache da, wo ſie zuſammen treffen, ein Eyland. 
Segen Weſten von Rumbo fey noch ein anderer kleiner Fluß, Rio Brevetto genannt. 
as Dorf Barifet e) iſt an eben dem Fluſſe Blok nahe bey dem Orte, wo er in * 
Gambra faͤllt. Es iſt ſolches dem Koͤnige oder Kaiſer von Kantor zinsbar. 180 
Der Koͤnig von Bar haͤlt ſich zu einigen Zeiten im Jahre in der Stadt oder dem Daft Des Koͤnigs 
Bar auf f), welches an der Nordſpitze der Gambra, nahe bey dem hohen Baume liegen von Barra 
foll, welchen die Portugieſen Arvora da Marca g) oder den Landgraͤnzbaum nennen. Gezelt. 
Er dienet den europaͤiſchen Schiffen, welche in den Fluß ein⸗ oder auslaufen, anſtatt einer 
Standarte. Zu anderer Zeit hält ſich der König in der Stadt Anna Bar auf, die eine 
kleine Meile weiter im Lande in einem Walde liegt. Von dieſem Dorfe Bar gen Oſten 
laͤngſt dem Ufer der Gambra, ſind die Doͤrfer Grigou, Bubakulon und Lami, der un⸗ 
deinſel faſt gegen über; und etwas weiter gegen Oſten von ihnen, die Dörfer Albreda und 


2 Jiillofre; 
ſchichtſchreibern. Der Name Kantor wird weiter der Muͤndung der Gambra; und er liegt da, wo 
unten Fonien gegeben. Fulikonda in unſerer Karte ſteht, oder ein wenig 


„) Dieß muß unrecht ſeyn. Denn obgleich Da: weiter gegen Norden. Vintain iſt gegenwärtig 10 
rakonda innerhalb 13 Seemeilen von 200 an dem Reſidenz. 141 5 
Fluſſe hinauf liegt: ſo koͤnnen doch die Schaluppen c) Vielleicht Sonia. 


nicht Über 3 Seemeilen weiter hinauf kommen; oder 40 Barbot vermengt Bar oder Barra zwey⸗ 


man muß hernach mit Booten fahren, außer wenn mal mit Barſa arſalli oder Bur 
ſie einen flachen Boden haben, und das Waſſer hoch iſt. arſalo, Barſalli ar Salum. 


2) Dieß muß ungefähr um die Mündung des e) In unſerer Karte Bargfat. 
Fluſſes ſeyn. f 5 Barra, , oder beffer Barinding, an einem 
4) Hier erzäbfet Barbot, ohne feinen Verfaſſer Fluſſe nahe bey der Spitze Barra, iſt des Königs, 
zu nennen, was im II Bande a. d. 230 S. von der Stadt von dem Königreiche Barra. ö 
HBundeg⸗ oder Carlsinſel eingerücket iſt. g) Von den Raman Elle du Roy de 
6) Wir finden dieſen Ort in Frogers Karte von Barre. 8 


Lander an 
dem Fluſſe. 


Quelle der 
Gambra iſt 
unbekannt. 


Ob ſie ein 
Arm von 
dem Niger 
iſt. 


„ Reisen laͤngſt der weſilchen Küste von Africa, 


Jillofre; wo die Englaͤnder und Frallzoſen ihre Factoreyen, und die Portugieſen in der 
letztern eine kleine armſelige Kirche haben )). 1115 1 

Barbot ſetzet keine andere Länder an die Gambra, als die beyden oberwaͤhnten, nämlich 
das Reich Kantor gegen Suͤden, und das Koͤnigreich Barſalo gegen Norden. Das 
erſte enthaͤlt viele kleine Koͤnigreiche; das andere aber, welches das kleinſte iſt, hat nur einen 
Fuͤrſten, der demſelben zinsbar ift, und Wolli Wolli heißt. Dieſe Königreiche aber, 
ſaget er, ſind voller großen Staͤdte und Doͤrfer, meiſt an dem Ufer der Gambra gegen Oſten. 
Er nennet einige von den vornehmſten, die er aus dem Jobſon, ohne ihn zu nennen, 


hauptſaͤchlich genommen, aber auf eine ſo verwirrte und ſo unrichtige Art eingeruͤcket hat, | 


daß fie mehr feine Leſer zu verwirren, als zu unterrichten dienen. | 

Von dem Urſprunge der Gambra koͤnnen wir nichts gewiſſes ſagen, und er liegt ißo 
noch eben ſo im Verborgenen, als der Nil viele Jahrhunderte hindurch gelegen. Die Er⸗ 
zaͤhlungen und Muthmaßungen davon find eben fo mannichfältig und verſchieden, als die⸗ 
jenigen, welche den Wiger betreffen, wovon er nach der meiſten Schriftſteller Meynung 
ein Arm ſeyn ſoll, wie bereits angemerket worden 2). Dieſe Verwirrung in den Erzaͤh— 
lungen hat einige von unſern Erdbeſchreibern irre gemacht, und einige von ihnen zu treffli⸗ 
chen Widerſprechungen verleitet. Der Abt Baudrand, nachdem er dieſen Fluß hinter einem 
Koͤnigreiche Gubert genannt, entſpringen laſſen, und ihn unter andern durch die Koͤnig⸗ 
reiche Genia, Kantari ), Gambia, von dem er den Namen habe, und das Land der 
Fulier gefuͤhret hat, ſaget, er falle mit vier Aermen ins Meer; als erſtlich die Gambra 
ſelbſt; zweytens der Fluß von St. Anna; drittens Rio das Oſtras oder Auſterfluß, 
und viertens die Kaſamanſa. Er widerſpricht ſich aber fogleich ſelbſt, indem er dem Ni: 
ger, den er zu einem von der Gambra unterſchiedenen Fluſſe machet, zweene von deſſen Aer⸗ 
men giebt, naͤmlich den Auſterfluß und die Karamanſa, und den San Domingo und 
Rio Grande zu deſſen beyden andern Aermen machet. | 

Labat, der dieſen Irrthum angemerket 2), behauptet für gewiß, die Gambra muͤſſe ein 
Arm von dem Niger ſeyn. Er gruͤndet ſeine Meynung auf das Zeugniß der Schwarzen, 
und vornehmlich der mandingoiſchen Kaufleute, welche, wie er ſaget, viele Jahre lang, die 
Gambra hinauf gegangen ſind, und an den Seiten derſelben uͤber die Waſſerfaͤlle von Bar⸗ 
rakonda, und einer Lache von breiten Schilfroͤhren, worein ſie ſich auf ein ziemlich Stuͤck 
Weges verliert, gereiſet haben. Alle dieſe Schwarzen, ſaget er vermuthlich aus des Herrn 
Bruͤe Nachrichten, geſtehen einmuͤthig, daß die Gambra hinter einem anſehnlichen Waſſer— 
falle aus dem Niger koͤmmt, als woſelbſt ſich dieſer Fluß in zweene Aerme theilet. Labat 
fraget: warum ſollten wir dieſen Berichten nicht trauen? Wir wollen es ihm ſagen. 
Nicht ſowohl darum, weil die Schwarzen, wie er geſteht, keine Erdbeſchreiber ſind, und dle 
genauen Entfernungen und Kruͤmmungen der Wege nicht bemerken koͤnnen, ſondern weil 
die Nachricht, welche er von dieſen Schwarzen angefuͤhret hat, verwirrt und unvollkommen 
iſt; kurz, wahrſcheinlicher weiſe nicht wahr ſeyn kann =), wie er ſelbſt wahrgenommen 
haben muß, wenn er ſolche unterſuchet hat. 


0 1 | Denn 

5) Siehe Barbots Beſchreibung von Guinea reiche gegen Süden laͤngſt der Gambra. 
a. d. 72 ü. f. O. J) Er bekuͤmmert ſich nicht um die fernere Uns 
3) Siehe den U Band a. d. 337 u. f. S. gereimtheit, daß er dieſe Aerme von dem Niger 


4 Genia und Xantari haben eine Gleichheit queer über der Gambra gehen laͤßt, wie ſie ſolcher 
mit Guinea, einer Landſchaft von Bambuk, und Eintheilung zu Folge thun müffen. 
Kantori mit Kantor, dem letzterwaͤhnten Koͤnig⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 


Denn nach dieſer Nachricht muß die Falema, welche von der Sanaga, oder dem Niger, Berichte der 
wofuͤr er ſie haͤlt, uͤber oder gegen Oſten von Barakota abgeht, wo ſich die Gambra davon Schwarzen 
abſondert, nothwendig queer durch die Gambra fließen, um wieder in die Sanaga zu fallen, ſind falch. 
wie wir bereits angemerket haben n). Dieſer falſche Bericht iſt hinlaͤnglich, zu zeigen, 
daß man ſich auf das Zeugniß der Schwarzen nicht verlaſſen darf; und wenn die Lage von 
Barakota gewiß beſtimmt waͤre, welche Auslaſſung ein großer Fehler bey den Erzaͤhlungen 
iſt: ſo wuͤrden wir vermuthlich noch mehrere Irrthuͤmer entdecken. Der ſchwarze und 
weiße Fluß ſollen aus der Sanaga über dem Felſen Govina entſpringen, und 20 Seemei⸗ 
len dahinter wieder in dieſelbe fallen. Dieß iſt gerade um die Gegend, wo des Herrn 
Bruͤes Nachricht o) und die allgemeine Karte von der Sanaga zweene Fluͤſſe dieſes Namens 
fegen, welche aus der Sanaga entſpringen, und in einer ziemlichen Weite gen Weſten wie: 
der in dieſelbe fallen. Können nicht dieſes eben die Fluͤſſe feyn, die nur in der Nachricht der 
Schwarzen an einen unrechten Ort geſetzt worden? und koͤnnte nicht das Eyland Kaſſon, 
welches dieſe Fluͤſſe machen, das Baba degu der Mandingoer ſeyn 7)? 

De "Isle, welcher, aller Wahrſcheinlichkeit nach, dieſe Berichte der Schwarzen geleſen, Werden ver: 
ſah, daß ſie nicht neben einander beſtehen konnten, und machet ſich daher kein Bedenken, von worfen. 
denſelben abzugehen. In ſeinem franzoͤſiſchen Africa giebt er der Falema einen großen 
Lauf gegen Suͤden in Bambuk, und ſetzet das Eyland Baba degu voͤllig gegen Oſten von 
dem Felſen Govina. Was den Fluß Gambra betrifft, fo läßt er ſolchen aus einer großen 
Rohrſee entſpringen, die er Sapert nennt, 100 kleine Meilen gen Suͤden von dem Felſen 
Felu 4); und zieht eine Linie von doppelten Puͤnetchen von dieſer See bis an den Felſen 
Govina, nebſt dieſer Anmerkung: weil bey dieſem letzten Felſen ein Strudel wäre, 
fo haͤtte man vordem geglaubt, die Gambia wäre ein Arm von der Senegal wer 
nigſtens durch einen unterirdiſchen Weg; welchen erdichteten Arm er durch dieſe 
Linien ausdruͤcket. Dem ſey aber wie ihm wolle, ſo ſcheint aus demjenigen, was geſagt 
worden, offenbar zu ſeyn, daß die Gambra wahrſcheinlicher Weiſe kein Arm von der Sanaga 
auf die Art ſeyn kann, als es die Schwarzen vorgegeben. Wir wollen nur noch bloß anmer— 
ken, daß in des de l'Isle Karte dieſe vermeyntliche Gemeinſchaft etwas gegen Weſten von 
der Inſel Baba degu und einem Orte, Baru genannt, anfängt, welcher Labats Bara⸗ 
kota zu ſeyn ſcheint. 

Die Englaͤnder haben ſich von Zeit zu Zeit bemuͤhet, den Urſprung der Gambra zu Verſuch der 
entdecken; fie haben aber niemals einige gewiſſe Nachricht von ihr hinter den Fällen von Engländer. 
Barrakonda ungefähr fuͤnfhundert und ſechzig Meilen von ihrer Mündung erhalten koͤn⸗ 
nen. Vermuthlich iſt es aus eben den Urſachen geſchehen, welche die Franzoſen verhindert 
haben, hinter dem Felſen Govina auf der Sanaga hinauf zu gehen. Ein gewiſſer Haupt⸗ 
mann Thompſon und nach ihm Jobſon giengen im Jahre 1618 den Fluß hundert und 
zwanzig Seemeilen über Barrakonda hinauf. Vermuiden und andere giengen im An⸗ 
fange der Regierung Königs Carls II, faſt eben fo weit. Hauptmann Stibbs gieng im 

5 i alle Jahre 

m) Siehe II Band a. d. 338 S. . konda Stibbſens Nachforſchungen, was die Ferne 
1) Siehe II Band a. d. 499 S. Anmerk. 2) betrifft, und Governor Rogers ſeinen, was die 


0) Siehe II Band a. d. 375 S. Eigenſchaft ſeiner Quelle betrifft, gemaͤß. Siehe 
5) Siehe ebendaſ. a. d. 338 S. woores Reifen in die innern Länder von Africa 


7) und ungefähr zwoͤlf Tagereiſen von Barra⸗ a. d. 300 u. f. S. 


nutzen nicht 
viel. 


Ein Einwurf 
wird aufge⸗ 
loͤſet. 


14 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Jahre 1724 zwanzig Seemeilen hinter dieſem Orte; und im Jahre 1732 ſchickte die africa⸗ 
niſche Compagnie, welche gern wiſſen wollte, wie weit die Gambra ſchiffbar waͤre, und ihre 
Handlung auf dieſem Fluſſe zu erweitern ſuchte, einige kleine Schaluppen auf Entdeckung 
aus. Thomas Harriſon, einer von ihren vornehmſten Kaufleutien, fuhr zu dieſem Ende 
in einer Schaluppe von Jamesfort aus, und kam im Jahre 1732, den 10ten des Brachmo⸗ 
nats, von dieſer Reiſe zuruͤck. Bey Unterſuchung der Sache fand unſer Schriftſteller, 
Herr Moore, daß Harriſon ſelbſt nicht über Fatatenda hinaus gegangen, ſondern das 
Boot der Schaluppe mit Johann Leach auf Entdeckung ausgeſchickt. Dieſer fand zwey 
und zwanzig ſtarke Meilen von da eine Reihe Tafelfelſen, welche queer durch den Fluß zu 
gehen ſchienen. Dieſes, nebft dem, daß ihm feine Lebensmittel zu mangeln anfingen, und er 
verſchiedenes Ungemach ausſtund, noͤthigte ihn, zuruͤck zu kehren, ohne eine Durchfahrt zu ſuchen. 

Herr Moore ſetzet hinzu, nach der Sage der Eingebohrnen, ſey der Fluß eine große 
Strecke weiter hinauf bis zu einigen großen Seen ſchiffbar. Dieß iſt alles, was er auf 
das Zeugniß der Schwarzen beybringt, welches mit ihrem Berichte beym Labat uͤberein⸗ 
ſtimmt, nur daß er verſchiedene Seen an ſtatt eines einzigen machet. Er faͤhrt fort: An⸗ 
dere glauben, die Sanaga, welche gegen Norden, und die Kaſamanſa, welche gegen Suͤ⸗ 
den ins Meer fällt, entſpringen beyde mit der Gambra aus einerley Seen, und dieſe Seen 
wuͤrden von einem Arme gemacht, welcher ſich von dem Nile albfondert, nachdem er die 
Gebirge und Koͤnigreiche von Abiſſinien verlaffen 7), Dieß muß nicht von der Meynung 
der Schwarzen, als welche vielleicht niemals von dem Nile etwas gehoͤret haben, ſondern 
der Europäer, verſtanden werden, welche er durch das Zeugniß des Herodotus und des nu— 
biſchen Erdbeſchreibers zu unterſtuͤtzen ſuchet. Labat aber will ihm hierinnen keinesweges 
beypflichten, wie bereits angezeiget worden )). Man kann aus vielerley Gründen, welche 
wegen der offenbaren Unwahrſcheinlichkeit der Sache nicht eingerücket zu werden brauchen, 
darthun, daß der Nil keine ſolche große Aerme abſondert, oder daß keine Fluͤſſe eine ſolche 
große Strecke durchlaufen, als man in dieſem Falle vorausſetzen muß. 

Dem ungeachtet muͤſſen wir nicht die Gruͤnde weglaſſen, welche Labat zur Unterſtuͤ— 
tzung ſeiner Meynung beybringt, daß die Gambra ein Arm von der Sanaga ſey. Der 
groͤßte ſcheinbare Einwurf, ſaget dieſer Schriftſteller, daß der Wiger oder die Sanaga, 
nicht die Quelle ſolcher anſehnlichen Fluͤſſe ſeyn koͤnne, als ſeiner Meynung nach daraus 
entſpringen, iſt die ungeheure Menge Waſſer, die er 4 oder 500 Seemeilen weit von ſeiner 
Muͤndung fuͤhren muͤßte. Allein, ſetzet er hinzu, dieſe Schwierigkeit iſt leicht zu beantwor— 
ten, wenn man nur anmerket, daß Africa Fein fo trocknes Land iſſt, als diejenigen gemeinig— 
lich glauben, welche vorgeben, daß der Niger keine Quelle oder Fluͤſſe zu fi nehme, von 
dem Orte an, wo er aus dem See ausfließt, aus welchem er emtſpringt, bis er ins Meer 
falt. Es iſt gewiß, faͤhrt er fort, daß in dieſer großen Landſchaft viele Brunnen, Suͤm⸗ 
pfe, Seen, Lachen oder Bäche find, die ſich entweder in den Niger oder in ſolche Fluͤſſe er- 
gießen, die in ihn hinein fallen. Er haͤlt dafür, dieſes ſey daher offenbar, weil das Land 
fo wohl bevölkert ſey, wovon die große Anzahl Sklaven einen Beweis abgiebt, die aus den 
innern Theilen nach der Kuͤſte gebracht werden, ohne diejenigen zu rechnen, die in ihren be⸗ 
ſtaͤndigen Kriegen mit einander aufgerieben werden, und die eines natürlichen Todes ſterben. 

g Man 


7) Ebendaſ. a. d. 27 u. f. S. wie auch a. d. 118 S. 2) Siehe Aabmts Afrique occidentale a. d. 
s) Siehe IE Band a. d. 336 S. Note 7). 260 u. f. S. i 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap 35 


Man ſetze hinzu, daß] der beſtaͤndige Regen, welcher allhier in der naſſen Jahrszeit, vier 
oder fünf zuweilen auch wohl ſechs Monate lang hintereinander fällt, die kleinen Fluͤſſe und 
Lachen ſo aufſchwellt, daß ſie austreten, und die großen Fluͤſſe mit der ungeheuren Menge 
Waſſer verſorgen, welches fie in die See bringen 5). 


Der Il Abſchnitt. 
Von den Königreichen oder Ländern laͤngſt der Gambra. 


Koͤnigreiche an der Nordſeite: Barra; Badelu; na; Eropina; Tomani und Kantor. Fernere 
Darfali oder Bur Salum; Pant, das Obere Nachricht von den Koͤnigreichen an der Nord: 

und untere; Wooli. Königreiche an der Sid: und Suͤdſeite. Nachricht von unſerer Karte 
ſeite: Kumbo; Fonia; Kaen; Jagra; Yami- von der Gambra. 


Die Nord- und Suͤdſeite der Gambra find unter verſchiedenen Prinzen der Schwarzen 
8 getheilet, welche insgeſammt den Titel der Koͤnige fuͤhren, wiewohl einige von ihren 
Herrſchaften ſo klein ſind, daß man ſie verſchiedenemale in einem Tage durchgehen kann, ohne 
muͤde zu werden. Nach Herrn Moores Berichte ſind die an der Nordſeite erſtlich das 
oberwaͤhnte Barra oder Barrah, welches ſich 20 ftarfe Meilen laͤngſt dem Fluſſe erftre- Königreich 
cket. Der Fuͤrſt iſt von mandigoiſcher Herkunft, und dem Könige von Barfali zinsbar. Barra. 
In dieſem Koͤnigreiche ungefähr ſechs ſtarke Meilen von der See iſt Carlseyland, einen 
Flintenſchuß weit von dem Ufer der Barra, an welchem vormals die Englaͤnder ein Fort 
hatten, das itzt verfallen iſt. Es ſind daſelbſt zwo Sandbaͤnke und Klippen in dem Fluſſe 
an der Barraſeite, eine an der Spitze Lemain, und die andere an der Spitze Seaka. Die 
erſte iſt ungefähr ſechs kleine Meilen hinter Jamesfort, die andere noch ein wenig weiter. 

Jamesepyland liegt Jillifree gegenüber; wovon eine Sand- und Felſenſpitze eine gute James 
Strecke gen Nordnordweſt fortgeht, welche gemeiniglich das Compagnieſpieß genannt ebland. 
wird. Verſchiedene Kauffahrer ſonderlich Liverpooliſche Schiffe, ſind daſelbſt auf den 
Grund gelaufen, durch der Compagnie Beyſtand aber ohne Schaden oder Unkoſten wie— 
der losgekommen. Doch haben ſie nicht dahin koͤnnen vermocht werden, daß ſie einen 
ſchriftlichen Aufſatz von den erhaltenen Dienſten von ſich gegeben, indem ſie angefuͤhret, ihre 
Eigenthuͤmer haͤtten ihnen nicht befohlen, dergleichen zu unterzeichnen. 

Nahe dabey gegen Oſten, liegt das Koͤnigreich Badelu. In dieſem iſt gegen Tan Koͤnigreich 
krowal über, in dem Koͤnigreiche Kaen an der Suͤdſeite ein Eyland, welches von Ba- Badelu. 
delu bloß durch einen kleinen Arm abgeſondert wird. Dieſes Eyland pflegte vormals 
Jamesfort mit Steinen zu verſehen; im Jahre 1733 aber fand Herr Sall ſolche viel näher 
an dem Fort. Der König von Badelu iſt ein Mandingo, und fein Land iſt 20 Seemeilen groß. 

Das naͤchſte Land iſt Sanſally, welches niemanden unterworfen iſt, ob es gleich ein Königreich 
ſchlechtes Königreich iſt. Der Prinz iſt ein Mandingo, und feine Herrſchaften erſtrecken Sanjalli. 
ſich vierzehn ſtarke Meilen laͤngſt dem Fluſſe. ö 

An dieſem graͤnzet das Königreich Barſali oder Bur Salum, welches von einem Königreich 
jalofiſchen Fuͤrſten regiert wird. Dieſes Land fängt an der See an, woſelbſt ein Fluß eben Bur Salum. 
dieſes Namens hinein fließt, und indem es die drey Koͤnigreiche Barra, Kolar 52 805 

Badi⸗ 
1) Bolar liegt im Lande zwiſchen Barra und welches an dem Fluſſe zwiſchen eben den Koͤuigrei⸗ 
Badibu: allein Labat ſetzet ſtatt deſſen Ghikgdu, chen liegt. 


Königreich 
Dani. 


Fluß Sami. 


Koͤnigreich 
Wulli. 


Koͤnigreich 
Kumbo. 


Kaiſerthum 
Fonia. 


—1 


16 Reiſen längſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Badibu, umgiebt, koͤmmt es an die Gambra, laͤngſt derſelben es ſich funfzehn Meilen 
lang erſtrecket. In Barſali liegt Joar x), eine große Handelsſtadt, ungefaͤhr zwo kleine 
Meilen von dem Fluſſe. Der Weg dahin geht über eine angenehme Savanah, und 
der andere längft einem engen Kriek nach Kower, dem Hafen deſſelben. Die einzelnen 
Kaufleute pflegen gemeiniglich hier an einem Orte Bumbos Spitze genannt, ungefähr 
drey kleine Meilen über Joari, und eben fo weit von Kower, zu handeln, an welchem letztern 
Orte die meiſten Leute ſind, und die groͤßte Handlung unter allen Staͤdten, an dem gan⸗ 
zen Fluſſe getrieben wird. Denn dahin bringen die Kaufleute ſtets ihre Sklaven, wenn 
ſie nicht eilig wieder nach Hauſe gehen muͤſſen, oder unterwegens keinen guten Handel tref⸗ 
fen koͤnnen. Zu Jaar iſt das Fluß Waſſer ſtets friſch. 

Nach dem Lande Barſali faͤngt das Koͤnigreich Nant an 7); welches groß und 
weitlaͤuftig iſt, und ſich in zweene Theile, Ober- und Unter⸗-Pani theilet. Jedes wird 
von einem eigenen Könige regiert, deren einer ein Jalof, der andere ein Mandingo iſt. 
An dem Ufer dieſes Königreichs liegt die Inſel Bird 2), ungefähr zwoͤlf Meilen über 

dar, in welcher kaum ein Baum iſt; fie ſcheint aber ein fumpfichter Boden zu ſeyn. 

reyßig Meilen uͤber dieſem Eylande, nahe an eben dem Ufer, iſt eine große Menge von 
Inſeln, Sappo genannt. Einige davon ſind ziemlich groß, aber nicht bewohnet. Eine 
davon heißt Lemain 4), ungefaͤhr vier Seemeilen lang, auf welcher eine große Anzahl 
wilder Thiere und Palmbäume iſt, welches die Eingebohrnen oft hieher zieht, Palmwein 
zu holen und zu jagen. we 

Ueber Dani-marevo hinauf ift der Fluß Sami, welcher weit im Lande entſpringt. 
Er hat einen Ueberfluß an Crocodilen, und ol weiter von Oberyani kommen. Er fällt 
zwiſchen Brukoe und Namyama⸗Runda in die Gambra. Dieſe beyden Königreiche 
erſtrecken ſich auf 80 Seemeilen an dem Fluſſe; und das naͤchſte an ihnen iſt Wulli 6), 
durch welches die Kaufleute muͤſſen, wenn ſie nach dem oberwaͤhnten Kower wollen, wel⸗ 
ches ein Hafen bey Joar iſt. Dieß Land erſtrecket ſich weit an dem Fluſſe. Zu Fata⸗ 
tenda c) aber iſt der Fluß fo weit, als die Themſe zu London⸗Bridge, und kann von 
Schaluppen von vierzig Tonnen befahren werden; die Ebbe und Fluth ſteigt daſelbſt drey 
oder vier Fuß hoch. Es liegt ungefahr fuͤnf hundert kleine Meilen hinauf an der Gam⸗ 
bra, und fuͤnf und ſechzig von Batrakonda, wo die Fahrt auf dem Fluſſe verſtopft iſt A). 

Wir wollen nun an der Suͤdſeite des Fluſſes zuruͤckkehren, wo das erſte Koͤnigreich, 
welches wir weſtwaͤrts antreffen, gegen die See zu, Kumbo iſt. Es erſtrecket ſich unge⸗ 
faͤhr eilf Seemeilen von dem Vorgebirge St. Maria, bey der Einfahrt in die Gambra, 
bis an einen Ort Kabatafluß genannt, der wegen ſeiner vielen Ziegen, Voͤgel und ſeines 
Viehes bekannt iſt. | 

Das nächfte Land iſt Sonia e). Es fängt ſich da an, wo der Fluß Kabata in die 
Gambra fällt, und geht bis an das Königreich Vintain, welches ungefaͤhr ſieben Seemei— 
len laͤngſt dem Fluſſe ift, im Lande aber ift es ſehr groß, und wird von zweenen Kaiſern 

. aus 

x) Guiocher beym Labat. 2) Dieß Eyland wird auf der Karte nicht er⸗ 
5) Gniania beym Labat. Moore ſaget, es waͤhnt; wir haben aber den Namen auf das Zeug⸗ 
ſey eben daſſelbe, welches der nuhiſche Erdbeſchreiber niß von Labats Karte und Stibbſens Tagebuche, 
Ghana nennet. Dieß kann aber aus der im Uten zu einer Inſel geſetzet, die zwiſchen Nani marrew 
Bande auf der 338 Seite angeführten Urſache nicht und Kaſfan liegt. Es ſtimmt aber die Lage dennoch 
wohl ſeyn. nicht mit der von Moore angezeigten Weite uberein. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 17 


aus einem banyonifchen Geſchlechte 7) regieret. Ein jeder Fuͤrſt hat fein eigenes Gebieth; 
und da dieſe Laͤnder zuerſt entdeckt wurden, waren fie dieſes Titels würdig, itzo aber hat ihr 
Gebieth ſo wohl an Groͤße, als am Volke, abgenommen, weil ſehr viele von ihren Untertha— 
nen in die Sklaverey verkauft worden. Fonia wird gegen Oſten von dem Fluſſe von Fluß und 
Vintain g) begränzet, deſſen Mündung ungefähr eine Meile daruͤber liegt, und welcher Stadt Bin: 
verſchiedene Seemeilen weit ſchiffbar iſt. Drey Seemeilen von der Muͤndung liegt die 
Stadt Vintain in Fonia, und über derſelben an eben der Seite des Fluſſes iſt Jereja 2). 
Gerade gegen Jamesfort uͤber nach dem feſten Lande zu, an der Suͤdſeite des Fluſſes, liegt 
ein Eyland, welches man erſt kuͤrzlich als ein ſolches entdeckt hat. Es heißt Kaboſchir 
und iſt von dem feſten Lande nur durch einen breiten Canal abgeſondert. Dieſes Eyland 
bringt eine große Menge Eiſenſtein hervor, womit Jamesfort itzo verſehen wird. 

Dicht an Fonia iſt Kaen, welches bloß durch den Fluß Vintain abgeſondert iſt. Kaen. 
Es wird durch einen Kaiſer und König regiert, welche beyde Mandingoer find, und ihre 
beſondern Einkuͤnfte haben. In dieſem Lande liegt Tankrowal, eine große Stadt, dicht 
an der Waſſerſeite. Ueber der Stadt ungefaͤhr drey ſtarke Meilen liegt eine Menge Klip⸗ 
pen, an einem Orte oder Hafen Tendebar genannt, die eine gute Strecke von dem Ufer ab⸗ 
waͤrts liegen, und bey niedrigem Waſſer trocken ſind. Dieſes Land erſtrecket ſich auf drey 
und zwanzig Seemeilen laͤngſt der Gambra. 

Gegen Oſten an Kaen ae 1), welches wegen feines arbeitſamen Volks beruͤhmt Jagra. 

iſt, und daher an Korne und Reiße einen Ueberfluß hat. Zu dieſem Koͤnigreiche, welches 
ſich zwölf Seemeilen weit erſtrecket, gehoͤret die Elephanteninſel in der Gambra, welche vier 
bis fuͤnf kleine Meilen lang, voller Holz und Sumpf iſt. 

Dicht darauf folget das Land Namina, welches voller Korn und Huͤhnervieh iſt. Yamina. 
In demſelben iſt ein großes angenehmes Eyland, und ein kleines faſt in der Mitten der 
Gambra, die Seepferdsinſel genannt, von der Menge dieſer Thiere daſelbſt. Dieſes 
Eyland iſt ein waldigter und ſumpfichter Boden. f 

Namina erſtrecket fi vierzehn Seemeilen, und darauf fängt Eropina ein kleines Eropina und 
Koͤnigreich an, welches ſich vierzehn Seemeilen weiter erſtrecket, wo es von Jemarrow Jemarrow. 
begraͤnzet wird. Dieſes letzte Koͤnigreich wird von einem mandingoiſchen Kaiſer regieret, 
und erſtrecket ſich zwey und dreyßig Seemeilen laͤngſt dem Ufer. Hier iſt eine große 
Stadt, Brukoe genannt, die von Mandingoern bewohnet wird, welche ſtrenge Muham⸗ 
medaner find. Eine halbe Meile hinter dieſer Stadt iſt eine Reihe Felſen, die bey niedri— 
gem Waſſer trocken ſind, und von dem nordlichen Ufer fuͤnf Sechstheile uͤber den Fluß 
gehen, wodurch ſie an dem ſuͤdlichen Ufer nur ſo einen engen Canal laſſen, daß es fuͤr große 
Schiffe gefaͤhrlich iſt, durchzugehen; ſo daß der Geſellſchaft Schaluppen genoͤthiget ſind, 
die Zeit in Acht zu nehmen, wenn flach Waſſer iſt, um durch dieſen Ort zu gehen, welcher 
der Fulier Paß heißt. In dieſem Reiche neun kleine Meilen hoͤher, nahe an einer Stadt, Fulier Paß. 
Dubokunda genannt, liegt eine andere Reihe Klippen, welche von der Suͤdſeite zwey 


Drit⸗ 

a) Cemain auf der Karte, ſcheint ein von Sapß⸗ 7) Woore ſaget hier, fie wären eine Art von 

pos unterſchiedenes Eyland zu ſeyn. den Flupen; alle andere Schriftfteller aber ſchei⸗ 
b) Guli und Gubi beym Labat. a nen zweene beſondere Voͤlker daraus zu machen. 


c) Entzogen zu Moores Zeiten. g) Bintan beym Labat. 
4) S. deſſen Reifen in die innern Länder v. Africa, b) Geregia beym Moore. 
a. d. 19 u. f. S. e) Vom Labat Foigni. 1) Giagra beym Labat. 
Allgem. Reifebefchr. HI Band. C 


18 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Drittheil «queer über geht, und noch drey kleine Meilen höher iſt eine andere Kette von Fel⸗ 
fen, welchte bey niedrigem Waſſer trocken iſt. An der Nordſeite daſelbſt aber iſt ein tie— 
fer Canall. 
Tomani. Nach Jemarrow folget Tomani, ein großes Land, worinnen mehr Städte find, als 
in einem candern an dieſem Fluſſe. Hier iſt eine kleine Stadt, Namyamakunda genannt, 
wo ein amſehnlicher Handel mit trocknen Guͤtern getrieben wird. Ein wenig hinter dieſer 
Stadt, ungefähr mitten im Canale, find einige Felſen, die aber niemals trocken find; und 
gegen der Factorey uͤber an der Nordſeite des Fluſſes, ungefaͤhr eine kleine halbe Meile, iſt 
eine ſteheinde See, ungefähr zwo kleine Meilen lang, welche voller Fiſche if. Dieſes 
Land erſtreecket ſich an der Seite des Fluſſes auf ſechs und zwanzig Seemeilen, und wird 
von einenn mandingoiſchen Fuͤrſten regiert. Der, welcher im Jahre 1730 regierte, hieß 
Sume WBadſji. | 
Koͤnigreich Hinteer Tamani fängt ſich Kantor an, in welchem an der Suͤdſeite des Fluſſes unge⸗ 
Kantor. faͤhr ſeches kleine Meilen hinter Fatatenda eine Stadt liegt, Kolar genannt. Weiter 
als ſechs kleine Meilen hinter derſelben war Herr Moore nicht gereiſt. Er rechnet, daß 
Rolar im Kantor, (denn in Barra liegt auch ein Ort dieſes Namens) fuͤnfhundert kleine 
Meilen vion dem Vorgebirge St. Maria, der ſuͤdlichen Spitze der Gambra k), liege. 


Koͤnigreiche Labatts Nachricht von den Koͤnigreichen laͤngſt der Gambra iſt von Moores ſeiner, was 
on der Nord⸗ die Namien, Größe, und zuweilen auch die Lage betrifft, etwas unterſchieden. Er erwaͤh⸗ 
net auch mur diejenigen, welche von der Spitze Barra auf zweyhundert und funfzig See⸗ 
meilen am dem Fluſſe liegen, weil diejenigen, welche dahinter lagen, noch wenig bekannt 
waren. Nach dieſem Schriftſteller liegen die Koͤnigreiche an der Nordſeite von Weſten 
gegen Oſſten in folgender Ordnung: 1) Barra, welches ſich achtzehn Seemeilen längft 
der Samıbra erſtrecket. 2) Guiokonda 1), fünf Seemeilen breit. 3) Badiſſu m) 
zwanzig. 4) Salum ), welches, wie vorher angemerket worden, dieſe drey in ſich ſchließt, 
zehn Seeemeilen. 5) Gniania o) zwo Seemeilen. 6) Ruhaw, viere. 7) Gniania 5) 
dreyßig. 8) Uli ), welches ſich zu Barrakonda endiget, neunzig Seemeilen. Dieſe 
Königreiche erſtrecken fich hundert und neun und ſiebzig Seemeilen in einer geraden Linie. 
Rechnet man wegen der Krümmung des Fluſſes ein und ſiebenzig Seemeilen dazu: ſo machet 
es zweyhꝛundert und funfzig Seemeilen von der Spitze Barra bis zu dem aͤußerſten Ende 
des Köniigreichs Uli aus. 
und Sie Eben der Schriftſteller ſaget, die Suͤdſeite des Fluſſes werde auch in acht Koͤnigreiche 
ſeite. getheilet:: 1) Komba oder Kombo, welches bey dem Vorgebirge St. Maria anfaͤngt, 
und ſich ain dem Fluſſe dieſes Namens endiget, da es ſich acht Seemeilen weit erſtrecket. Die⸗ 
ſes Vorgebirge iſt an einem hohen merkwuͤrdigen Palmbaume kenntlich, der eine große Weite 
von der See geſehen werden kann ). 2) Das Königreich oder Kaiſerthum Foigni 5) 
faͤngt an dieſem letztern Fluſſe an, und erſtrecket ſich bis an den Fluß Bintan oder Vintain, 
eilf Seermeilen weit; denn von dem Fluſſe Kombo bis zu dem von Ferba werden drey 


See⸗ 
4) S. Moores Reiſen a. d. 23 u. f. S. 5) Gber⸗Jani. 
J) Auff feiner Karte Guicadou. J) Wooley. 
m) Auf feiner Karte Badibou. 7) Vorher ſaget er, es wären drey Baͤume. 
n) Baꝛrſalli. Unſere Karte machet ihrer viere. \ 


) Verrmuthlich Nieder⸗Jani. s) Sonia. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch HE Cafp. 9 


Seemeilen gerechnet; darauf noch dreye bis an den Fluß Barafet, eine halbee Seemeile 
bis an den Fluß Inder aba, von da bis an den Fluß Painam, eine halbe Seenmeile; und 
dreye bis an den Fluß Bintain. 3) Das Königreich Kiam t) wird von d dem Fluſſe 
Bintain gegen Weſten begraͤnzet, und ſtrecket ſich zwanzig Seemeilen laͤngſt derr Gambra. 
4) Geagra 1) iſt zehn Seemeilen breit. 5) Das Königreich Gnamena *) funfzehne. 
6) Kiakonda ) vierzig; 7) Tamana 2) eben fo viel; und 8) Kantor fo wveit, als es 
bekannt iſt, zwanzig. Die ganze Groͤße aller dieſer acht Koͤnigreiche laͤngſt demn Fluſſe iſt 
in gerader Linie hundert und fünf und ſechzig Seemeilen, und noch achtzig wegen! der Kruͤm⸗ 
mungen dazu gerechnet, machet zweyhundert und funfzig Seemeilen von dem Worgebirge 
St. Maria bis an die aͤußerſten Graͤnzen des Koͤnigreichs Kantor 2). 


Zu Jobſons Zeiten waren die Länder an beyden Seiten des Fluſſes in voerſchiedene 
kleinere Koͤnigreiche getheilet, welche alle den drey groͤßern unterworfen waren. Wie an der 
Suͤdſeite waren dem großen Könige von Kantor zinsbar, und die an der Novrdſeite den 
Koͤnigen von Burſal (oder Burſali) und Wolley, zwiſchen welchen das Land voon der See 
fo weit bis Barrakonda, gleich getheilet war. Doch ward dem Verfaſſer geſqaaget, dieſe 
drey Könige wären einem groͤßern weiter im Lande unterworfen )). Barboot hat uns 
eben die Nachricht nebſt einigen Zuſaͤtzen c) aus dem Jobſon, (in großer Verwirrungg und ohne 
ihn zu nennen) wie auch den damaligen Zuſtand dieſer Länder geliefert. Und auf dieſeſe Art giebt 
er oftmals anderer Schriftſteller Anmerkungen für feine eigenen aus; und traͤgt ferinen Leſern 
die alten Eintheilungen der Länder als die neuern vor. Ein ſolcher Verfaſſer muuß mit der 
aͤußerſten Vorſicht geleſen werden. 2 


Um unſere Beſchreibung von dieſem Fluſſe und den anliegenden Ländern bis naach Bar⸗ Nachricht 
rakonda zu erläutern, haben wir eine Karte davon eingeruͤckt, welche, wie wir voermuthen, von der 
eben fo richtig ift, als die von der Sanaga aus dem Labat. Bey dieſer Gelegennheit muͤſ⸗ Karte. 
ſen wir anmerken, daß die beſte Karte von dieſem Fluſſe von dem Herrn Mooree in ſeinen 
Reiſen herausgegeben worden, welche uns bey Entwerfung der unſrigen vieles gehholfen hat. 

Sie iſt aus einer ſehr großen zuſammen gezogen, die der Schiffshauptmann, Johann 
Leach, im Jahre 1730 gemacht hat, welcher den Fluß wohl kannte, und alle ſeinne Kruͤm⸗ 
mungen und Wendungen von ſeiner Muͤndung bis an den Ort beobachtete. Wie Karte 
von dieſem Fluſſe, welche Labat gegeben, iſt die beſte nach dieſer. Sie ſtellet den! Lauf oder 
die Geſtalt des Fluſſes bis nach Arſe⸗Hill hinauf, hinter Kuttejar, ſehr wohl voor; ſteht 
aber der erſtern an Richtigkeit weit nach, und will eben keine beſondere Unterſuchunng leiden. 
Unter andern hat ſie den großen Irrthum, daß ſie das oberwaͤhnte Barrakonda zeehn kleine 
Meilen gen Weſten von Janimarew, und folglich nicht halb ſo weit ſetzet, als ess von der 
Muͤndung des Fluſſes ſeyn muß. So ſteht es auch nicht an ſeinem Orte. Dooch hat er 
verſchiedene Anmerkungen, welche deutlich zeigen, daß dieſes ein Irrthum iſt; zz. E. daß 
Barrakonda zweyhundert und funfzig Seemeilen von der Mündung der Gambora liege; 
und daß das Koͤnigreich Uli oder Wuli neunzig Seemeilen laͤngſt dem Ufer liege,, und ſich 
C 2 


zu 
) Kaen beym Moore. a) Siehe Labats Afrique occidentalee, Vol. IV. 
u) Jagra. a. d. 269 u. f. S. 
x) Jamina. db) Siehe Jobſons Goldhandel. 
3) Kiaconda ſtimmt mit Broping überein. c) Siehe feine Beſchreibung von Guuinea a. d. 


2) Tomany. | 76 Seite. 


* 


20 Reiſen längſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

zu Barrakonda endige 4), welches doch in der Karte gegen Weſten von Uli in Gniania 
oder Oberyani geſetzt worden. D' Anville in feiner Hauptkarte von der Kuͤſte iſt in eben 
den Irrthum gerathen; wie es auch de l' Isle in allen feinen Karten hat, außer der von 
dem · franzoͤſiſchen Africa, wo deſſen Lage nicht fo fehlerhaft iſt. pa 


Der II Abſchnitt. 


Eine Nachricht von den engliſchen Plaͤtzen an der Gambra, beſonders 
| von Jamesfort. f 


Jamesfort. Kabata. Jillefree. Vintain. Jereja. Es wird von den Franzoſen belagert; auf Bes 

Kolar. Tankrowal. Joar. Yaminarew. Kut⸗ dingung an den Hrn Gennes ‚übergeben; von 

tejar. Sami. Wallia. Pamyamakunda. Fata- ihnen noch zweymal hernach weggenommen; von 
tenda. Jameseyland. Beſchreibung des Eylan⸗ Maſſey uͤberwaͤltiget. Gegenwaͤrtiger Zuſtand 
des. Beſatzung und Wachen. Voriger Zuſtand. deſſelben. 


Jamesfort. Der erſte und vornehmſte engliſche Ort an der Gambra iſt Jamesfort, auf einem Ey⸗ 
lande gleiches Namens, welches hernach vollſtaͤndig wird beſchrieben werden, und uͤber 
den Handel auf der Gambra völlig gebiethet. Der andere iſt dicht bey der Gambra, an 

Kabata. dem Fluſſe Kabata, in dem Koͤnigreiche Kumbo, an der Suͤdſeite. Daſelbſt iſt wenig 

| Handel; und die Factorey kaufet bloß Lebensmittel für die Beſatzung in Jamesfort. 

Jillefree. 3) Jillefree e). Dieſe Factorey liegt Jamesfort gegen über, an der Nordſeite des Fluſ⸗ 

| fes, ein wenig gegen Oſten von der franzoͤſiſchen Factorey zu Albreda. Sie liegt anmuthig, 
und hat einige Gaͤrten, welche das Fort mit Kraͤutern und Wurzeln verſorgen. Hier hat 

auch die Compagnie einen Gottesacker, und hier ward dem Könige von Barrah der Zoll bezahlt. 

Vintain. 4) Die Factorey Vintain. Sie liegt ſechs ſtarke Meilen von Jamesfort, an einem Fluſſe 
eben dieſes Namens, in dem Reiche Fonia, und an der Suͤdſeite der Gambra. Die vor⸗ 
nehmſte Handlung hieſelbſt iſt mit Wachs, Elfenbeine und trocknen Guͤtern. Lebensmittel 

Jereja. find ſehr wohlfeil. 5) Weiter hinauf an eben dem Fluſſe liegt Jereſa /), welches dem 
Könige von Jereja gehoͤret. Dieſe Factorey ift vierzehn Seemeilen von Jamesfort, und 
vornehmlich mit trocknen Guͤtern verſehen, um Wachs zu kaufen, welches die vornehmſte 
Waare allhier, wiewohl durchgaͤngig ſehr ſchlecht iſt. Weil die Factorey im Jahre 1730 
ſehr verfallen war, und der Koͤnig nicht zugeben wollte, daß, eine neue naͤher an dem Fluſſe 
erbauet wuͤrde, ſo veranlaßte ſolches den Statthalter in Jamesfort, daß er dahin gieng, und 

Kolar. die Sachen in Ordnung brachte. 6) Die Factorey Rolar ward im Jahre 1731 an einem 

Fluſſe gleiches Namens in dem Koͤnigreiche Barrah, an der Nordſeite der Gambra, vor» 

nehmlich wegen der trocknen Guͤter, als Elfenbein, Wachs und Gummi angelegt. Weil 

aber die Compagnie nicht ihre Rechnung dabey fand: ſo verließ ſie ſolche im Jahre 1733. 

Tankrowal. 7) Noch hoͤher an der Suͤdſeite der Gambra in dem Koͤnigreiche Kaen liegt Tankrowal, 
eine große Stadt, wo die Compagnie eine Factorey um das Jahr 1731, vornehmlich des 
Wachſes wegen, angelegt hat. 8) Wenn man noch weiter an dem Fluſſe hinauf geht, fo 

Joar. liegt an der Nordſeite Joar, in dem Koͤnigreiche Barſalli; und drey kleine Meilen gegen 


i Oſten 
4) Siehe oben a. d. 19 S. 9) Stibbs in feinem Tagebuche preiſt die Lage 
e) Oder Jillefroy, Gillefree. 5 dieſer Factorey gar ſehr an. 


7) Insgemein Geregia geſchrieben. 6) Barbot in feiner Beſchreibung von Guinea 
j . a. d. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 21 


Oſten Kower, welches die vornehmſte Stadt an dem ganzen Fluſſe, und der beſte Ort zur 
Handlung iſt. Es find zweene Hafen an dem Fluſſe. Hier hat die Compagnie eine Facto⸗ 

rey, und die einzelnen Kaufleute kommen gemeiniglich bis nach der Spitze Kumbos, welche 

nahe dabey iſt, um Sklaven zu handeln. Die guineiſchen und mandingoiſchen Kaufleute 

von Galam, Tombuto, wie man vermeynet, und andern Gegenden gegen Oſten, verfammeln 

ſich hier. 9) Die naͤchſte Factorey iſt an der Nordſeite zu Nanimarew, in dem König: Yanimrew. 
reiche Unteryani, dem anmuthigſten Hafen des Fluſſes. Hier hat die Compagnie ein 

kleines Haus nebſt einem ſchwarzen Factor, um Korn fuͤr Jamesfort einzukaufen. 10) Hoͤ⸗ 

her hinauf an der Suͤdſeite in dem Reiche Jemarraw ift Brukoe, eine Factorey, welche Brulo⸗ 
im Jahre 1732 angelegt, zufaͤlliger Weiſe aber in eben dem Jahre abgebrannt, und wieder 
aufgebauet, doch im Jahre 1735 verlaſſen worden. 11) Kuttejar, eine Factorey nahe an Kutteja. 
der Nordſeite von der Gambra, in dem Koͤnigreiche Oberyani, ungefähr eine kleine Meile 

von dem Fluſſe 2). Da dieſer Ort im Jahre 1725 uͤberſchwemmt wurde, fo verlegte ihn 

die Compagnie nach Sami. 12) Sami liegt acht kleine Meilen von Kuttejar zu Lande, Sami. 
zu Waſſer aber mehr; und ungefaͤhr zwoͤlfe an einem Fluſſe eben des Namens, welcher in 

die Gambra fälle. Die Factorey aber iſt nach der Zeit nach 13) Wallia verlegt wor- Wallia. 
den, vier kleine Meilen hoͤher an der Sami. Hinter dieſem an der Suͤdſeite der Gambra, 

in dem Königreiche Tomani, liegt 14) die Factorey Namyamakunda, welche im Jahre Yamyara- 
1733 durch die Fluthen zerſtoͤhret, von der Compagnie aber wieder gebauet worden. Der kunda. 
vornehmſte Handel an dieſem letztern Orte iſt mit Sklaven und Zaͤhnen. 15) Die oberſte 
Factorey an dem Fluſſe iſt Fatatenda, an der Nordſeite der Gambra, welche daſelbſt fo Fatatena. 
breit iſt, als die Themſe zu London-Bridge, und ſehr tief, indem die Fluth in den trocknen 
Jahrszeiten drey oder vier Fuß hoch ſteigt. Sie liegt in dem Koͤnigreiche Wuley, und 

hat eine weite, angenehme Ausſicht auf den Fluß und in das Land Kantor an der Suͤd⸗ 

ſeite. Weil aber den Factoren von dem Könige von Tomani übel mitgeſpielet wurde, fo 

verließ die Compagnie dieſen Ort im Jahre 1734. 

Der Fluß Gambra, welcher durch fo viele Länder ſchiffbar iſt, biethet ein weitlaͤufti- Jamesſet. 
ges Feld zur Handlung dar, welche itzo vornehmlich in der Englaͤnder Haͤnden iſt. Der 
vornehmſte Platz ihrer koͤniglichen africaniſchen Compagnie in dieſen Gegenden, iſt auf 
dem Jameseylande, wovon Herr Moore, der ſich lange daſelbſt aufgehalten, folgende Be: 
ſchreibung giebt. g | 

Jameseyland liegt faft in der Mitte des Fluſſes Gambia, der hier wenigſtens ſieben Eyland. 
engliſche Meilen breit iſt. Es gehoͤret der engliſchen koͤniglichen africaniſchen Compagnie, 
welche dem Koͤnige von Barrah einen kleinen Tribut dafuͤr bezahlet. Es liegt zehn See— 
meilen von der Muͤndung des Fluſſes, und drey engliſche Meilen von dem naͤchſten Ufer 2). 

Bey niedrigem Waſſer hat es ungefähr drey Vierthel von einer engliſchen Meile im Um— 
fange, worauf ein viereckigtes Fort von Steinen mit vier Baſteyen ordentlich gebauet iſt ), Das dor. 
und auf jeder ſind ſieben wohl beſchickte Canonen, welche den Fluß rund umher beſtreichen. 
Unter den Wällen des Forts nach der See zu, find zwo runde Batterien, deren jede vier 
große vier und zwanzig pfuͤndige Stuͤcke, und dazwiſchen neun kleine zur Begruͤßung, in 
C 3 allem 


a. d. 74 S. giebt dieſem Eylande eben die Lage, und i) Siehe den Grundriß und die Ausſicht. Es 
faget, es ſey ein ſandichter Felſen, der mit dem Waſ⸗ ſind verſchiedene davon herausgegeben, als durch 
ſer gleich waͤre. f f Froger, Labgt, Smith in feinen Zeichnungen von 
Guinea, 


Beſatzuig 


und Wichen. 


Deffer vori⸗ 
ger Ziſtand. 


22 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
allem fünf und vierzig Stuͤcke führer. Das Fort hat einige gute Zimmer, in welchen der 
Statthalter, die vornehmſten Kaufleute, die Factore, die Schreiber und der Faͤhndrich 
wohnen. Unter einigen von dieſen ſind bequeme Magazine. Die Beſatzung daſelbſt be: 
ſteht aus einem Officier, einem Sergeanten, zweenen Corporalen, einem Canonier und ei⸗ 
nem Gehuͤlfen, nebſt dreyßig Soldaten. Die durch übermäßiges Trinken abgezogener 
Waſſer verurſachten Krankheiten aber machten dieſelben oft ſehr ſchwach, bis wieder neue 
Leute aus England ankamen. Die Soldaten, Handelsleute und andere Bedienten liegen 
außerhalb dem Forte in Baracken, die, wie das Fort, von Steinen und Kalke gebauet ſind. 
Alles ift mit Palliſaden befeſtiget, und mit dem Fluſſe umgeben, welcher einen natürlichen 
Graben machet, der an dem engſten Orte drey engliſche Meilen breit iſt. Den Baracken 
der Soldaten gegen uͤber ſind noch andere fuͤr die Sklaven und ſchwarzen Bedienten ge⸗ 
bauet. Unter dieſen ſind Magazine; und unter der Soldaten ihren ſind die Sklaven⸗ 
haͤuſer. Bey Tage hat man daſelbſt drey Schildwachen, eine an dem Thore des Forts, 
eine an der Thuͤre des öffentlichen Platzes, und eine, welche rund um das Fort geht, um zu 
ſehen, was fuͤr Boote kommen, und abgehen, wovon ſie dem Befehlshaber Bericht ab⸗ 
ſtatten. Dieſe werden ordentlich alle zwo Stunden abgeloͤſet. Gegen Abend wird in- 
nerhalb den Waͤllen eine Schildwache auf die Baſteyen geſtellet, deren Pflicht iſt alle 
Boote und Kaͤhne anzurufen, welche dicht an das Eyland kommen; und wenn ſie ſich nach 
dreymaligem Rufen weigern, zu antworten: ſo feuert er ſein Gewehr los, um das Fort in 
Lärm zu ſetzen. Des Nachts, wenn das Thor geſchloſſen iſt, gehen zwo Wachen außer⸗ 
halb des Forts herum, welche dahin ſehen muͤſſen, daß ſich die Sklaven nicht empoͤren und 
aufruͤhriſch werden; und daß keine Boote ohne Erlaubniß ankommen oder abgehen. Von 
Zeit zu Zeit rufen fie: Es ſteht alles gut; wo das nicht iſt, ſchießen fie ihre Flinten los, 
und machen im Forte Laͤrm Y. | 

Dieſes Fort wurde zuerft von Robert Holmes, um das Jahr 1664 zur Sicherheit 
der engliſchen Handlung an dieſer Kuͤſte gebauet. Er nannte es, dem Herzoge von Pork, 
nachmaligen Könige Jacob II, zu Ehren, Jamesfort oder Jacobsfort J). Anfänglich 
waren nur acht Stuͤcke darinnen m), um das Jahr 1590 aber redet Barbot davon, als von 
einer ſtarken viereckigten Feſtung, mit vier guten Baſteyen, welche mit ſechzig oder ſiebenzig Ca⸗ 
nonen beſetzt waͤren; und das Ufer des Eylandes waͤre mit drey Schanzen, in Geſtalt der 
Hufeiſen, befeſtiget. Nach ſeinem Berichte beſteht die Beſatzung aus ſechzig oder ſiebenzig 
Weißen, und eben ſo vielen Gromettoen oder freyen Schwarzen, in der Compagnie 
Dienſten 1). Froger, welcher den Herrn Gennes auf feinem Zuge hieher im Jahre 
1695 begleitete, beſchreibt es als ein viereckigtes Fort mit vier Baſteyen, die von vorne ge- 
mauert ſind. Es hat drey Fer de Chevals (oder Hufeiſen) und verſchiedene Batterien 
laͤngſt den Palliſaden, welche dieſes Eyland einſchließen, die, nach ſeinem Grundriſſe, mit 
ein und funfzig Stuͤcken beſetzet ſind. Es war damals mit Kriegesvorrathe gut verſehen, 
und es fehlte nichts als ein Pulvermagazin, und eine Ciſterne, welche Bomben aushalten 
koͤnnten, um es unuͤberwindlich zu machen ). Barbot fuͤhret auch den Mangel am Holze 
und Waſſer als die groͤßte Unbequemlichkeit an, indem es beydes von dem feſten Lande 
holen muͤßte P). ö James⸗ 
Guinea, und Moore in ſeinen Reiſen nach Africa. 4) Moores Reiſen in die innern Theile von 
Weil dieſe letzte die richtigſte iſt: ſo ſind wir ihr in Africa, a. d. 14 u. f. S. 
denen Zeichnungen gefolget, die wir von dem Ey⸗ ) Es wurde hernachmals Williams Fort ge⸗ 
lande und Forts gegeben. N nannt. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 23 


Jamesfort wurde zuerſt von den Franzoſen unter dem Herrn de Gennes, im Jahre 
1695 mit einem kleinen Geſchwader von vier Schiffen, und zweyen Bombardierſchiffen ge⸗ 
nommen, wie es von Frogern erzaͤhlt wird, der mit bey dieſer Einnahme war. Auf dem 
Eylande Goree erhielt er von einem englifchen Ueberlaͤufer eine Nachricht von der ſchlech⸗ 
ten Beſchaffenheit des Forts, daß die Beſatzung krank wäre, und es an Lebensmitteln fehlte. 
Dieſes munterte ihn auf, den Verſuch zu thun. Er fuhr den 22ften des Heumonats 
mit engliſchen Flaggen in die Gambra ein, und ankerte um fuͤnf Uhr des Nachmittages 
eine kleine Seemeile weit von dem Fort, welches er mit ſeinen Booten dergeſtalt umgab, 
daß er ihm alle Gemeinſchaft mit dem Lande abſchnitt. An eben dem Abende kam ein 
Portugieſe, Namens Don Cardos, welcher zu Jillefree lebte, an Bord, und gab dem 
Herrn Gennes von dem Zuſtande des Forts Nachricht. Allein der Koͤnig von Barrah, 
an den ſich der franzoͤſiſche Befehlshaber wandte, wollte mit dem Streite nichts zu thun 
haben. Den 23ſten ward de la Roque abgeſchickt, die Beſatzung aufzufordern. Es 
kam ihm ein Boot entgegen, und fuͤhrte ihn mit verbundenen Augen ins Fort, wo ihn der 
Lieutenant praͤchtig tractirte, weil der Befehlshaber abweſend war. Dieſer ſchickte auch 
drey Officier an Bord, welche ſich einige Tage Bedenkzeit ausbathen. Allein Herr de 
Gennes wollte ihnen ſolche nicht laͤnger, als bis den folgenden Tag, Morgens um 6 Uhr, 
geben; worauf ſie ihm meldeten, ſie wollten den Ort bis aufs aͤußerſte vertheidigen. Den 
azften des Abends bemaͤchtigten ſich die Boote einer Brigantine, und einiger Kaͤhne mit 
Lebensmitteln für das Fort; und ſtellten ſich, als wenn fie den Befehlshaber gefangen hät- 
ten, der aber dennoch Mittel fand, in den Platz zu kommen. 

Den aaſten um 8 Uhr des Abends warfen die Franzoſen zwo Bomben, welche aber 
zu kurz fielen. Herr de Gennes hoͤrte alſo auf zu feuern, und wartete bis die Fluth kaͤ⸗ 
me, damit er deſto näher ankern konnte. Unterdeſſen ſchickte Hanburp, welcher, wie Fro⸗ 
ger anmerket, ein junger Mann war, der ſich beſſer zu Luſtbarkeiten als zur Vertheidigung 
einer Feſtung ſchickte, ein Boot mit einer weißen Flagge heraus, um ſich auf Bedingun⸗ 
gen zu ergeben. Es wurden Geiſeln ausgeliefert, bis die Artikel aufgeſetzet waren, welche 
man noch an eben dem Tage unterzeichnete. Es wurde darinnen bewilliget: 1) daß der 
Sold fuͤr die Bedienten der Compagnie ſollte bezahlt werden; 2) daß die Beſatzung mit 
allen kriegeriſchen Ehrenzeichen, ihren Waffen, ihrem Geraͤthe, und jeder Officier mit einem 
jungen Sklaven ausziehen ſollte. 3) Daß ein jeder Beweibter oder Eingebohrner des 
Landes Freyheit haben ſollte, da zu bleiben; 4) daß die Factore der Compagnie längft dem 
Fluſſe in dieſe Bedingungen mit eingeſchloſſen ſeyn ſollten, wenn fie die in ihrer Ber: 
wahrung habenden Güter der Compagnie überlieferten; 5) daß Herr Carl Duval, ein 
franzoͤſiſcher Fluͤchtling, der ſich vor ſechzehn Jahren in England niedergelaſſen, und itzo in 
dem Fort ſey, einerley Freyheit mit dem Befehlshaber genießen ſolle; 6) daß man ihnen 
zweene Tage zur Einrichtung ihrer Sachen gäbe; 7) daß zwölf ſchoͤne Schwarzen in der 
Compagnie Dienſten Freyheit haben ſollten, hinzugehen, wohin es ihnen beliebte; 8) daß die 
Beſatzung ein Schiff mit drey Maſten, außer den Lebensmitteln und allen Nothwendig⸗ 
keiten, haben ſollte, um ſie innerhalb dreyßig Tagen nach England zu bringen; 9) daß ſie 

einen 
nannt. Siehe im II Bande auf der 383 Seite. o) Frogers Voyage au Mer du Sud, auf der 


m) Engliſche Eroberungen in Guinea a. d. 9 S. 32 und 33 S. 
un) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 74 S. 5) Barbot, wie oben. 


Wird von 
den Franzo⸗ 
ſen belagert, 


und auf Bes 
dingung 
übergeben 


» e » de 1 

24 Reisen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

einen guten Paß haben ſollten; 10) daß unter dieſen Bedingungen folgende. Güter, welche 
der engliſchen africaniſchen Compagnie zugehörten, ausgeliefert werden ſollten, als: fünf- 
hundert Quintal Elfenbein, dreyhundert Quintal Wachs, hundert und dreyßig Sklaven 
und vierzig Sklavinnen, auf dem Eylande, funfzig zu Jillefree, und achtzig tauſend 
Kronen werth europäiſche Outer, nebſt zwey und ſiebenzig Canonen auf Lavetten, und dreyßig 
andere, wie auch allem Kriegesvorrathe u. d. g. in dem Fort. 3 N 


an den Hrn Den 27ſten bey Anbruche des Tages meldete Herr de la Perriere, Major bey dem 
de Gennes. Geſchwader, dem Befehlshaber Herrn Hanburp, er follte ſich fertig machen, den Plat zu 
raͤumen. Um 6 Uhr des Morgens landete der von dem Herrn de Gennes beſtimmte 
Befehlshaber, Herr de Fontenay, welchem Herr Hanburp entgegen gieng, und die 
Schluͤſſel übergab, der darauf an den Bord der Gluͤckſeligkeit, eines von den Schiffen 
des Geſchwaders begleitet wurde. Die franzoͤſiſche Flagge ward aufgeſteckt, und das Te 
Deum unter Abfeurung ſieben und dreyßig Stuͤcke geſungen. Den 28ſten ward ein franzoͤſi⸗ 
ſcher Officier an den Koͤnig von Barrah geſchickt, die engliſchen Guͤter zu Jillefree abzu— 
fordern. Dieſer antwortete aber, dasjenige, was am Lande wäre, gehörte ihm zu, nach⸗ 
dem ſich das Fort ergeben hätte. Allein, als er ſah, daß Herr de Gennes Gewalt braus 
chen wollte: ſo ließ er ihm durch einen Alkali melden, er wollte keinen Streit haben, ſon⸗ 
dern ihm die Güter ausliefern. Den zoften wurde eine Berathſchlagung gehalten, ob 
man das Fort erhalten oder niederreißen wollte. Das letzte ward beſchloſſen, und den 17, 
18, igten und zoften des Auguſts ins Werk gerichtet, da ſie die Canonen vernagelten, und 
die Wälle und Baſteyen ſprengten. Den ızten eben deſſelben Monats giengen die engli⸗ 
ſchen Officiers nach Cayenne zu Schiffe, um nach Hauſe zu gehen; und Herr de Gennes 
verließ die Gambra den 24ften, und ſegelte nach Braſilien J). a . 
Wird noch Ob nun gleich Herr de Gennes das Fort geſprengt hatte: fo ſchickte doch die franzöft: 
zweymal ein- ſche africaniſche Compagnie an ihren Generaldirector zu St. Ludwigsfort Befehl, in ihrem 
genommen. Namen von dem Eylande Beſitz zu nehmen: wiewohl es nicht ſchien, daß fie eine wirkli— 
che Abſicht hatte, es wieder aufzurichten, oder ſich da zu ſetzen; denn es wurde niemand 
da gelaſſen 7). Als aber die Englaͤnder ſolches durch den ryßwickiſchen Frieden wieder 
bekommen hatten: fo trug die koͤnigliche africaniſche Compagnie Sorge für deſſen Wieder 
aufbauung, und war Willens, es mit neunzig Stücken zu verſehen, und hier eine Beſa⸗ 
tzung von zwey hundert und funfzig Europaͤern zu halten c). Jedoch da der Krieg im 
Jahre 1702 von neuem ausbrach: fü fanden die Franzoſen Mittel, es unter dem Schiffs⸗ 
hauptmanne la Roque in der Beute, (welche mit bey der Einnahme von 1695 unter 
dem Herrn Gennes geweſen), in Begleitung des Herrn von St. Vandrille, in der 
Fregatte Hermione zu überfallen 2). Sie nahmen das Fort ein, welches mit hun⸗ 
dert tauſend Kronen ausgelöfet wurde, führten zweyhundert und funfzig Sklaven, und 
eine große Menge Guͤter weg u). La Roque ſelbſt ward bey dem Angriffe getoͤdtet. 
Im Jahre 1709 thaten die Franzoſen den zten Verſuch unter dem Herrn Parente, mit 
einem kleinen Geſchwader von vier Fregatten, welche das Fort und ein mit Sklaven bela⸗ 
denes Schiff wegnahmen x). ‚ a 15 


Nach 


70 Froger, wie oben a. d. 2, 6, 21 u. f. ©. 5) Engliſche Erober. in Guinea a. d. 9 S. 
171) Labats Afrique occid. 4 Band a. d. 293 d. t) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 427 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch II Cap. 25 


Nach dieſem ward es zweymal von den engliſchen Seeraͤubern weggenommen, welche Davis, ein 
um das Jahr 1720 die Kuͤſte von Guinea beunruhigten, wovon eine umſtaͤndliche Nach- Seeräuber,“ - 
richt in der Geſchichte der Seeräuber gegeben wird. Die erſte von dieſen Verrichtungen 
geſchah durch Howel Davis, welcher, da er von Briſtol mit dem Hauptmanne Skinner 
in dem Cadoganſchnee abſegelte, im Jahre 1719 nahe bey Sierra Leona von dem See⸗ 
raͤuber England weggenommen ward, welcher den Hauptmann ermordete, und Daviſen 
mit dem Schiffe beſchenkte. Da er aber fand, daß die meiſten von dem Schiffsvolke ſeiner 
Abſicht zuwider waren: ſo ward er genoͤthiget, nach Barbados zu ſteuren, wohin die Ladung 
beſtimmt war; und daſelbſt ward er auf Angeben der Schiffleute ins Gefaͤngniß geſetzt. 
Weil er aber doch nichts ſeeraͤuberiſches gethan, fo ward er wieder losgelaſſen, und von 
dem Hauptmanne Woods Rogers auf einer Kauffahrerſchaluppe gebrauchet. Weil 
nun ſolche meiſt mit Seeraͤubern beſetzt war: fo vereinigten ſich felbige auf Davis Anre— 
gen, wieder zu ihrer alten Lebensart zu kehren, und erwaͤhlten ihn zu ihrem Hauptmanne. 
Im Anfange gluͤckte es ihm ziemlich gut. Als er nach St. Jago, der Hauptſtadt auf 
einer von den Inſeln des gruͤnen Vorgebirges, kam, und ihm von dem Statthalter Trotz 
gebothen wurde, der fie für Seeraͤuber hielt: fo kam er des Nachts in das Fort. Weil 
aber der Statthalter in feinem Haufe aushielt: fo verließ er ſolches wieder, nachdem er den 
Portugieſen vielen Schaden gethan hatte. Von hier ſegelte er nach dem Fluſſe Gambra, 
um Jamesfort anzugreifen, wo, wie er feinen Leuten ſagte, ſtets eine große Menge Gold 
verwahret läge, Dieß war, wenn man es recht betrachtet, eine verzweifelte Unternehmung. 
Er fing es aber ſo an. Er verbarg ſeine Leute unter dem Verdecke, außer denjenigen, die 
zur Fuͤhrung des Schiffes erfordert wurden, damit die von dem Fort keinen Verdacht ha— 
ben moͤchten. Darnach lief er dicht an das Fort an, ſetzte ſein Boot aus mit ſechs Leuten 
in ordentlicher Kleidung, worinnen er ſelbſt nebſt dem Steuermanne und Wundarzte, die 
wie Edelleute gekleidet waren, ans Land gieng. 


Als er an dem Landungsplatze angekommen, wurde er von einer Rotte Musketirern nimmt es 
empfangen, und nach dem Fort gebracht. Da ihn der Befehlshaber ausfragte: ſo berichtete mit eiſt ein. 
er ihm, er waͤre von Liverpool, und wollte nach der Sanaga gehen, Gummi und Zaͤhne 
zu holen; er wäre aber an der Kuͤſte von zweyen franzoͤſiſchen Kriegesſchiffen gejagt wor 
den. Er ſetzte hinzu, feine Ladung wäre Eiſen und Blech. Der Befehlshaber fragte ihn _ 
darauf, ob er einiges europaͤiſche Getraͤnke am Borde haͤtte? Davis erwiederte, er haͤtte nur 
etwas zum Gebrauche fuͤr das Schiff: doch ſtuͤnde ihm etwas davon zu Dienſten. Der 
Befehlshaber bath ihn und ſeine Officier zum Mittagseſſen. Er nahm die Einladung an, 
und gieng unterdeſſen, daß ſolches fertig gemacht wurde, an Bord, unter dem Vorwande, 
einige Befehle zu geben, ließ aber ſeine Gefaͤhrten am Ufer. Nachdem er waͤhrend ſeines 
Aufenthalts in dem Fort alles Noͤthige zur Ausfuͤhrung ſeiner Abſicht beobachtet hatte: ſo 
kam er mit ſeinen Leuten auͤf dem Boote, die er ingeheim bewaffnet, vor Mittage zuruͤck. 

Er hatte ihnen geſagt, ſich mit den Leuten in der Wachtſtube zu unterreden; und wenn er 

ein Piſtol abſchoͤſſe, welches die Loſung ſeyn ſollte, fo ſollten fie ſich der Waffen der Beſa— 

tzung bemaͤchtigen. Davis fand, daß der Befehlshaber und die Seinigen eine Schale 

Punch zum Mittagsmahle zurechte machten; und nachdem er die Gelegenheit Pants 
\ 


6) Pariſer Zeitung 11 April 1702. x) Parif. Zeit. 9 Novembr. 1709. 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. | D 


26 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ſich feiner zu verſichern, fo feuerte er fein Piſtol ab. Hierauf bemaͤchtigten ſich feine Leute 
der Waffen in der Wachtſtube, und machten die Beſatzung zu Gefangenen, welche ſie in 
der Stube verſchloſſen. Hierauf befahl Davis, die Flagge auf dem Fort zu ſtreichen. Als 
dieſes feine Leute ſahen, fo ſchickten fie ihm die abgeredete Verſtaͤrkung, fo daß er ohne ei— 
nen Schwerdtſtreich Meiſter von dem Fort blieb. Viele von den Soldaten in der Com— 
pagnie Dienſten giengen zu ihm uͤber, und diejenigen, welche ſich weigerten, ließ er am 
Borde einer Schaluppe verwahren, die er in dem Fluſſe fand. Nach dieſem pluͤnderte er 
das Fort, wo er auf 2000 Pfund in Stangengold, und viele andere ſchaͤtzbare Güter an— 
traf, welche er an Bord ſchickte, und darauf die Feſtungswerke niederreißen ließ J). 
Wied von Im Jahre 1721 ſchickte die Compagnie das Gambracaſtel, worauf Kuſſel Haupt⸗ 
Miſſey ein⸗ mann war, mit einer Compagnie Soldaten unter dem Major Maſſey aus, Jamesfort zu 
gerommen. beſetzen, welches neulich von dem Seeraͤuber Davis eingenommen und zerſtoͤhret worden. 
Sie kamen gegen den May in der Gambra an, und ſetzten ihre Leute unter Maſſeyen auf 
dem Jameseylande aus, wo der Oberſte Whitney, der Befehlshaber, eben angelanget 
war. Dieſer Befehlshaber und Maſſey waren uͤber die Aufnahme ſehr misvergnuͤgt, die 
ſie von den Kaufleuten erhielten. Sonderlich war Maſſey ſehr laut in ſeinen Klagen. 
Georg Lowther, zweyter Unterſteuermann auf dem Gambracaſtelle, hatte einen Groll 
auf Ruſſeln, ſeinen Hauptmann, und reizte das Schiffsvolk an, uͤber welches er viel ver— 
mochte, Maſſeys Misvergnuͤgen beyzuſtimmen. Er ſchmeichelte ihnen, er wollte ſie, wenn 
fie ſich des Schiffs bemaͤchtigten, nach England zuruͤck bringen. Maſſey ſchlug dieß feinen 
Leuten vor, die ihm alle in feiner Abſicht beyſtunden, worauf er Wache an die Vorraths— 
kammer ſetzte. Nachdem er nun alle Lebensmittel an Bord geſchickt, und die Stuͤcke von 
den Lavetten nehmen laſſen: ſo gieng Lowther an Bord, der ſich in Ruſſels Abweſenheit 
des Schiffs bemaͤchtiget hatte, und fertig war, abzuſegeln, welches er den folgenden Tag 
that 25. Maſſey wurde darauf mit Lowthern ein Seeraͤuber, verließ aber hernach 
dieſe Lebensart wieder. Er kehrte nach Haufe, gab ſich felbft an und ward gehangen a). 
Gegenwaͤrti⸗ Nach der Zeit iſt Jamesfort von der Compagnie völlig wieder hergeſtellt worden, wie 
ge: Zuftand aus der bereits davon gegebenen Nachricht erhellet. Wir wollen mit dem gegenwaͤrtigen 
deſelben. Zuſtande deſſelben beſchließen, wie er in einem Memoriale der koͤniglich- africaniſchen Com: 


5) Johnſons Geſchichte der Seeraͤuber auf der 
130 u. f. S. 

2) Ebend. a. d. 262 u. f. S. 

4) Es iſt in Maſſeys Auffuͤhrung bey dieſer 
Gelegenheit ſo etwas ſeltſames, daß wir nicht um⸗ 
hin koͤnnen, unſern Leſern eine kurze Nachricht da⸗ 
von zu geben. Nach denen in Jamesfort begangenen 
Gewaltthaͤtigkeiten, lief Lowther hinunter nach 
Barbadoes, und nahm unterwegens verſchiedene 
Schiffe weg, bey welchen ſeeraͤuberiſchen Thaten ſich 
Maſſey zu ihm ſchlug. Allein, fie zankten ſich bald 
darauf mit einander; und weil Maſſey dieſer Lebens⸗ 
art muͤde war, ſo verließ er ihn, und gieng nach 
Jamaica, woſelbſt er ſich an Sir Niclas Laws 
ergab, der ihn wohl aufnahm, ihm einen Beglau— 
bigungsfchein und etwas Geld gab, und ihn nach 


pagnie 


England nach Hauſe ſchickte. Bey ſeiner Ankunft 
in London ſchrieb er einen Brief an die Vorſteher 
der koͤniglichen africanifchen Compagnie, und bes 
kannte alles, was er gethan hatte; welches, wie er 
ſagte, deswegen geſchehen, weil ihm in ihren Dien— 
ſten uͤbel begegnet worden. Er geſtund, daß er den 
Tod verdienet haͤtte, uͤbergab ſich ihrer Großmuth, 
und bath, daß, wenn ſie ſich entſchloͤſſen, ihn zu ver⸗ 
urtheilen, er wie ein Soldat ſterben moͤchte. Die 
Antwort, welche er auf dieſen wunderlichen Brief 
erhielt, war: er ſollte ehrlich gehangen wer⸗ 
den. An ſtatt daß er ſich darauf haͤtte verſtecken 
ſollen, ſo nahm er eine Wohnung in der Alders— 
gateſtraße, und gieng den folgenden Tag zu der 
Gerichtsſtube des Lord Oberrichters, zu fragen, ob 
ein Befehl wider den Hauptmann Johann Maſſey 

wegen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 27 


pagnie vom 26ſten Maͤrz im Jahre 1726, welches den Lord Commißionarien der Handlung 
und Pflanzſtaͤdte uͤberreichet worden, angezeiget iſt: „Jamesfort und Eyland in dem Fluſſe 
„Gambia an der Nordkuͤſte. Das Eyland iſt rund herum mit einem Walle umgeben; 
„es hat Außenwerke, große Stuͤcke, kleines Gewehr, und allerhand guten Vorrath; vordem 
„war es mit neunzig, itzo aber iſt es mit ein und dreyßig großen Stuͤcken beſetzt. Man 
„hat daſelbſt verſchiedene Waarenhaͤuſer, Zimmer für den Befehlshaber, die Schreiber, 
„Factore, Officier, Handwerksleute, Soldaten und Kaſtelſklaven, Magazine und Vorraths⸗ 
„haͤuſer nebſt einem Negerhauſe für zweyhundert Schwarze H., 1 


Kk * * R XR K * * X *K * XK XK XK XK XK K XK K K K K k K K K XK K K K K M 4 


Das III Capitel. 


Eine Reife zur Entdeckung des Fluſſes Gambra und des Gold⸗ , 
handels in Tombuto, in dem Jahre 1620 und 1621; von dem — 
Schiffshauptmanne Richard Jobſon. Ei 
Einleitung. 


ches eine Nachricht von Tobfons Fahrt von England nach der Gambra, und 

auf dem Fluſſe nach Tinda, nebſt einer Beſchreibung von denen Oertern enthaͤlt, 

die er unterwegens beruͤhret. Die andere iſt eine Erzaͤhlung von ſeinen Verrichtungen, 
während ſeines Aufenthalts an der Gambra, welche eine Nachricht von den Einwohnern 
und die Naturgeſchichte des Landes mit in ſich begreift. Die erſte iſt von dem Hauptmanne 
ſelbſt aufgeſetzt, und im Jahre 1623 in Quart herausgegeben worden ). Sie enthaͤlt 
hundert und ſechs und ſechzig Seiten, außer der Zuſchrift an den Statthalter, und an die nach 
den Landern Ginney und Binnep, das iſt, Guinea und Benin, handelnden Kaufleute, 
welche vier Seiten einnimmt “). Drey Jahre nachher er Purchas einen Auszug aus 
2 des 


M: hat zwo Schriften von dieſer Reife. Eine iſt ein Tagebuch von derſelben, wel: 


wegen der Seeraͤuberey ausgefertiget worden. Die 
Schreiber antworteten, ſie wuͤßten davon nichts. 
Er ſagte ihnen darauf, er waͤre der Menſch, und gab 
ihnen eine Anweiſung, wo man ihn finden koͤnnte. 


Zweene oder drey Tage darnach wurde er in ſeiner 


Wohnung nach ſeinem eignen Unterrichte ergriffen. 
Als er vor Gericht gebracht wurde: fo war kein Be: 
weis wider ihn dar, als ſein eigner Brief, von wel⸗ 
chem nicht konnte dargethan werden, daß es ſeine 
Hand waͤre, wenn er es nicht freywillig geſtanden, 
und den Inhalt davon erzaͤhlet haͤtte. Hierauf ward 
er nach Newgate gebracht, und den sten des Heu: 
monats 1723 zu Old Bailey gerichtlich verhoͤret. Da 
nun Hauptmann Kuſſel, des Statthalters Whit⸗ 
neys Sohn und andere als Zeugen erſchienen: ſo 
ward er uͤberfuͤhret und verurtheilet. Drey Wo⸗ 


chen darnach ward er zu Execution Dock hinge⸗ 
richtet. 

6) Siehe die Wichtigkeit der koͤnigl. africaniſchen 
Compagnie, Quart, a. d 36 S. 12 Artikel. 

a) Sie iſt betitelt: Der Goldhandel, oder eine 
Entdeckung des Fluſſes Gambra, und des Goldhan— 


dels der Aethiopier; wie auch die Handlung mit ei— 


nem großen ſchwarzen Kaufmanne, Buckor Sano 
genannt, und ſeine Nachricht von denen mit Gold 


bedeckten Haͤuſern und andern ſeltſamen Dingen, 


zum Beſten unſers Vaterlandes aufgeſetzet, ſo wie 
es auf feinen Reifen im Jahre 1620 und 1621 ge: 
ſammlet worden, von Richard Jobſon, London, 
gedruckt bey Nicolaus Okes, und verlegt von Nico⸗ 
laus Burne, beym Eingange der koͤnigl. Boͤrſe 1623. 
db) Die Auſſchrift über der Zueignung heißt 1255 
hoch⸗ 


1620 
Jobſon. 


Thompſons 
Reiſe. N 


28 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


des Hauptmanns Tagebuche von feiner Reiſe c), welcher vorher noch niemals gedruckt wor: 
den, und eine Abkuͤrzung der Erzählung 4) in feine Sammlung mit ein. Beyde ſtehen 
in einem Bande ſeiner Pilgrime, aber an verſchiedenen Orten. Vermuthlich war er erſt 
Willens, die letztere auszulaſſen, fand aber hernachmals, daß das eine ohne das andere nicht 
vollſtaͤndig ſeyn wuͤrde. 

Die Gambraͤ ift den Portugieſen lange bekannt geweſen, welche daſelbſt von Cado 
Moſtos Entdeckung an eine Handlung anlegten. Die Englaͤnder lernten in der Mitte 
des 16ten Jahrhunderts dieſen Fluß kennen. Weil er aber nur vornehmlich von einzelnen 
Kauffahrern beſucht ward, die nicht Vermoͤgen und Macht genug hatten, gehoͤrige Entde— 
ckungen zu machen, und ſich feſt zu ſetzen: fo ließen ſolche endlich die fernern Verſuche fah⸗ 
ren. Hierauf thaten ſich im Jahre 1618 gewiſſe Bürger in eine Geſellſchaft zuſammen, in 
der Abſicht, den Handel wirklich zu erneuern und zu treiben. Weil die alten Geſchichtſchrei— 
ber Aethiopien oder die ſuͤdlichen Gegenden von Africa als ein Land vorgeſtellt, welches einen 
Ueberfluß an Golde haͤtte: ſo forſchten unſere Kaufleute darnach, wie uns Jobſon berichtet, 
und lernten von den engliſchen Kaufleuten in der Barbarey, daß die Moren alles Gold, welches 
ſie in ſolchem Ueberfluſſe haͤtten, aus weit in dem Lande entlegenen Laͤndern und durch große 
Wuͤſten brachten. Weil die Nachrichten der Alten alſo bekraͤftiget waren: fo ſchloſſen fie, 
dieſes Goldland muͤßte irgend gegen Suͤden (von Marokko) liegen; denn ſonſt wuͤrden die 
Kauffahrer von dem mittellaͤndiſchen Meere einige Nachricht davon erhalten haben. Aus 
dieſem Grunde entſchloſſen ſie ſich, auf die Entdeckung dieſes Goldhandels auszugehen, und 
mit denen viel verſprechenden Fluͤſſen, die an der ſuͤdweſtlichen Kuͤſte von Africa ins Meer 
fallen, einen Verſuch zu machen e). 

Dieſemnach ſandten ſie im Herbſtmonate 1618, in eben dem Jahre, da ſie ihre Erlaub— 
niß erhalten, die Catharina von hundert und zwanzig Tonnen, mit einem, Georg Thomp⸗ 
ſon, aus, welcher ungefaͤhr funfzig Jahre alt war, und viele Jahre als Kaufmann in der 
Barbarey gelebt hatte. Die Ladung belief ſich auf 1857 Pfund. Seine Verhaltungsbe— 
fehle waren, in den Fluß Gambra einzulaufen, und wenn er das Schiff in einem ſichern 
Hafen gelaſſen, ſeiner Handlung nachzugehen, und mit ſeinen Schaluppen Entdeckungen an 
dem Fluſſe zu machen. Dieß that er. In ſeiner Abweſenheit aber ward das Schiff, wel— 
ches er zu Kaſſan hinter ſich ließ, weggenommen, und alle Leute darinnen von einigen weni— 
gen Portugieſen und Mulatten, die fie an Bord genommen, ermordet. Thompſon gieng 
weit auf dem Fluſſe hinauf; und weil er fand, daß die Leute ſehr hoͤflich waren, und große 
Hoffnung zu einem guten Handel gaben, ſo ließ er ſich da nieder 7), und ſchickte einige 
von ſeinen Leuten nach England, der Geſellſchaft von ſeinem Ungluͤcke Nachricht zu geben, 
und zugleich anzuhalten, ihm mehr Güter zu uͤberſchicken. Die Compagnie willfahrte ihm 

darin⸗ 


hochwohlgebohrnen Hrn Wilhelm St. John, Rit⸗ 
tern, Statthaltern der Länder Ginney und Binney; 
Hrn Alley Apsley, Rittern, Lieutenant des Towrs 
zu London, und abgeordneten Statthalters vorgedach- 
ter Laͤnder; Hrn Thomas Button, Rittern, und 
andern edlen Rittern und Herren, Theilhabern an 
der Handlung nach Ginney und Binney. 

c) Ebend. a. d. 921 S. unter folgendem Titel: 
Aufrichtige Erzaͤhlung von Hrn Richard Jobſons 


Reiſe, der von Hrn Wilhelm St. John, Rittern 
und von andern zur Entdeckung der Gambra, auß 
dem Admirale Sion, einem Schiffe von zweyhun— 
dert Tonnen, und dem Viceadmirale St. Johann 
von funfzig Tonnen, ausgeſchickt worden, in welchem 
ſie neunhundert und ſechzig engliſche Meilen auf dem 
Fluſſe ins Land hinein gegangen ſind; aus feinem aus: 
fuͤhrlichen Tagebuche gezogen. 

4) Siehe Purchas's Pilgrims 2 Band a. d. 1567 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 29 


darinnen, und ſchickte den St. Johann von funfzig Tonnen mit einer gehörigen gadung 1620 
und Vollmacht an Thompſon ab, entweder zurück zu kehren, oder dazubleiben, fo wie er es fuͤr. Jobſon. 
gut befände. Weil der St. Johann zur unbequemen Jahreszeit ankam, und einige von 5 
ſeinen Leuten durch das Wetter und andere Unfaͤlle verlohren hatte: ſo ſchickte ihn Thompſon 
mit Briefen, die noch mehr Hoffnung machten, zuruͤck, und erſuchte um neue Verſtaͤrkung 
gegen die naͤchſte Jahreszeit; zugleich verſprach er auch, mit der Geſellſchaft, die er bey ſich 
hatte, und nur acht Perſonen waren, den Fluß in ſeinem kleinen Boote weiter hinauf 
zu gehen. 
Die Kaufleute wurden durch dieſen neuen Unfall nicht abgeſchreckt, ſondern ſchickten im Dritte Reiſe. 
folgenden Weinmonate, welches eine bequeme Jahreszeit war, ein Schiff Sion genannt, 
von zweyhundert Tonnen, und die Pinnaſſe St. Johann von funfzig Tonnen, unter 
Jobſons Anfuͤhrung aus. Als derſelbe in dieſen Gegenden ankam: fo fand er, daß Thompſon 
im März zuvor getoͤdtet worden. Seinem der Geſellſchaft gethanen Verſprechen gemäß 
gieng er mit einem Paar Rudern den Fluß hinauf, und nahm bloß zweene von ſeinen Leuten 
mit ſich; die andern waren Landeseingebohrne. Mit dieſen gieng er bis nach Tinda, fünf 
und zwanzig oder dreyßig Seemeilen uͤber Barrakonda hinauf, um ſich mit Bukkor 
Sano, einem ſchwarzen Kaufmanne g), deſſen hernach oft gedacht wird, zu unterreden, 
Er hatte durch fein Nachforſchen erfahren, daß einige Karavanen durch das Land nach des 
Königs von Burſals Gebiethe giengen, Salz zu holen, und daß der vornehmſte Handels- 
mann in dieſen Gegenden dieſer Bukkor Sano wäre, welcher deswegen dreyhundert Eſel 
hielt. Dieſe Nachricht führte ihn nach Tinda, wo er ſich wenige Stunden aufhielt; in— 
dem Bukkor Sano damals weiter im Lande war, und mit feinem Salze zu thun hatte. 
Dem ungeachtet hielt Thompſon ſeine Muͤhe genug belohnet, weil er von den Moren der 
Barbarey gehoͤrt, und ſo nahe an die Oerter gekommen war, die ſie beſuchten. Er ſprach 
von nichts, als wie man daſelbſt Wohnungen anlegen, und den Fluß befeſtigen ſollte, um 
ſich zu vertheidigen, und andere Voͤlkerſchaften abzuhalten Y). Es ſcheint, Thompſon ſey 
bey dieſer Gelegenheit ſo ſtolz geworden, daß er ſich eine große Gewalt uͤber die andern Leute 
anmaßen wollen, und ihnen ſo veraͤchtlich begegnet ſey, daß zuletzt ein Streit darüber ent— 
ſtanden, in welchem ihn einer von ihnen getoͤdtet. Alle Entdeckungen, die er gemacht hatte, 
waren alſo verlohren, indem er nichts zu Papiere gebracht, um die andern in der Unwiſſen— 
heit zu erhalten 7). Die Portugieſen hatten zuvor den König von Wani „) erregt, eine 
Anzahl Reuter abzuſchicken, Thompſon und ſeine kleine Geſellſchaft zu toͤdten. Allein, Fe— 
rambra 1), in deſſen Lande er war, erhielt ſie, indem er ſelbſt und ſein Volk zu ihrer Ver— 
theidigung die Waffen ergriffen m), 


D 3 Als 


e) Siehe Jobſons Goldhandel a. d. 2 u. f. S. ) Ebend. a. d. 84 u. f. S. 
Dieß ſcheint des Ramuſio Art gemäß geweſen zu 1) Ebend. a. d. 7 S. 
feyn, welche oben im It Bande a. d. 66 S. gedacht ) Ohne Zweifel Nani, welches in Labats Karte 
worden, wiewohl die Portugieſen in ihren Verfü: Gniani genannt wird. 
chen hier nicht fortkommen können, wie gleichfalls J) Ferambra iſt der dritte Ehrentitel in dem 


beobachtet worden, ebend. a. d. 378 S. Lande an der Gambra. Sein Sitz war in einer 
7) Dieſes halten wir für den Verſtand der Wor⸗ Stadt, drey Meilen von Tobabo Fonda, dem Ha⸗ 
te: er ſetzte ſich auf dem Cande. fen von Setiko, wo eine Factorey angelegt war, 


g Jobſons Goldhandel a. d. 7 S. m) Jobſons Goldhandel a. d. 10 S. 


Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1520 Als Jobſon angelanget war, ſo ſetzte er der Geſellſchaft Abſicht fort, und gieng die 

Jebſon. Gambra hinauf, bis an den Fluß Tinda, woſelbſt er, ſo wie an andern Oertern, nach dem 
Der Entde⸗ Goldlande und Handel forſchte. Er handelte auch längft dem Fluſſe. Weil ihm aber ei- 
Kung wider⸗ nige von ſeiner Geſellſchaft Hinderung machten, und er nicht mit Salze und andern Guͤtern 
ſetzenſich die genugſam verſehen war: ſo ſchlug die Reiſe mehr zum Schaden als Vortheile der Theil— 
Kaufeute. habenden aus. Dieſe Hinderung wurde ihm von gewiſſen Kaufleuten der neuen Gefell: 
ſchaft gemacht, welche vermuthlich aus Neide, daß Edelleute und andere, welche keine or- 
dentliche Kaufleute waͤren, mit ihnen an dem Handel Theil nehmen, oder andere, als ihre 
eigenen Bedienten dabey gebraucht werden ſollten (als welches beydes der Verfaſſer unter 
der Hand zu verſtehen giebt) „), alles anwandten, was nur in ihrer Macht ſtund, das Un: 
ternehmen zu unterdruͤcken. Die Art und Weiſe, deren ſie ſich dazu bedienten, war, daß 
fie einen Low, als Commißionaͤr, Jobſo nen mitgaben 0), und andere von ihren Anhängern 
aufs Schiff brachten, welche alles nach ihrem Kopfe thaten, und die beſten Maaßregeln 
hinderten. Dadurch wurden ſie nicht genugſam mit Guͤtern, Pulver und andern Sachen 
verſehen; und durch die liſtige Vorſtellung, daß das Volk an dem Fluſſe barbariſch waͤre, 
welches fie auf Thompſons Ermordung gründeten, ward keine gehörige Ladung abgeſchickt. 
Dieſe Leute gaben zu eben der Zeit, da ſie ingeheim auf alle moͤgliche Art die Reiſe hinder⸗ 
ten, und durch ihre Ausgeſchickten dawider ſchrien, öffentlich vor, daß fie ſehr geneigt waͤ⸗ 
ren, ſolche zu befoͤrdern. Dieſe ihre Heucheley und Liſt bemuͤhet ſich Jobſon darzuſtellen, 
und ſaget zum Beſchluſſe, daß, ob ſie gleich durch ihre Kunſtgriffe gemacht haͤtten, daß die 
Reiſe zu keinem Nutzen für die Geſellſchaft ausgeſchlagen, welches ihr Hauptbetrieb gewe— 
fen, indem fie niemals den Endzweck gehabt, daß ſolche davon Nutzen ziehen ſollte: fo waͤ— 
ren ſie doch bedacht geweſen, ſelbſt dabey zu gewinnen. 

Ungeachtet dieſes dreymaligen ſchlechten Fortganges ermahnet Jobſon die Geſellſchaft 
dennoch, in ihrem Vorhaben fortzufahren. Er beantwortet alle die Einwuͤrfe, die, wegen der 
Wildheit der Einwohner und Ungeſundheit der Himmelsgegend, gemacht werden, und zei⸗ 
get, daß ſolche falſch waͤren. Er behauptet, die groͤßten Schwierigkeiten waͤren nunmehr 
durch die Entdeckungen gehoben, die er von der Gambra, den bequemſten Jahreszeiten hin- 
aufzufahren, und dem Goldhandel gemacht haͤtte. Allein, die Geſellſchaft fand nachher, 
vermuthlich durch eben die Leute, wie auch durch die Schmuggler, ſo viel Hinderung und 
Beſchwerlichkeiten, daß dieſes Unternehmen bald unterlaſſen wurde, wie bereits ange— 
merkt worden p). 

Des Verfa —Jobſons Abſicht bey Herausgebung dieſes Werks war großen Theils, die Bosheit und 
ſers Abſicht. heimliche Raͤnke der Kaufleute J), wider welche er ſehr erzuͤrnt zu ſeyn ſcheint, vorzuſtellen, 

wie auch die loͤblichen Bemühungen der Geſellſchaft und die Hoffnung anzuzeigen, die man 
gehabt, 


30 


Sie wird 
beyſeite ge⸗ 
ſetzet. 


n) In ſeiner Zueignungsſchrift wirft er den Kauf⸗ 
leuten vor, ſie waͤren offenbare Feinde der Edelleute, 
die auf Entdeckungen ausgiengen, und widerſetzten 
ſich ihren Bemuͤhungen, wenn ſie handeln wollten, 
als Leuten, die ſich in ihre Sachen mengten, und in 
ihr Geheimniß kucken wollten. Er beſchuldiget ſie, 
daß ſie den Edelleuten und andern, die von ihnen ge⸗ 
braucht würden, übel begegneten, und ſolche, nachdem 
ſie durch ihren Fleiß den Weg zu einer vortheilhaf⸗ 


ten Art von Handlung eroͤffnet, und eine vollkom⸗ 
mene Entdeckung gemacht, unter einem nichtigen 
Vorwande davon verdrungen, und dagegen ihre eis 
genen Bedienten, die oftmals zu den Sachen ſehr 
ungeſchickt ſind, dazu gebrauchen: bloß weil ſie 
kein Verdienſt erfordern, noch irgend eine Ge⸗ 
ſellſchaft bey einem wahrſcheinlichen Wege 
zum Gewinnſte annehmen. Unter dieſem Aus⸗ 
drucke verſteht er ihren Widerwillen, jemanden zum 

Mitge⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 31 


gehabt, der Nation vielen Vortheil durch die Entdeckungen zuzuziehen, die er von dem Gold— 
handel gemacht hatte. Er wurde vornehmlich wegen dieſes letztern von verſchiedenen 
Standesperſonen, wie er uns meldet, wie auch von andern angetrieben, und unter dieſen 
legte Herr Purchas, der Sammler, nachdem er fein (vorerwaͤhntes) Tagebuch ges 
ſehen und geleſen hatte, welches dasjenige, was an jedem Tage auf ſeinen Reiſen 
beſonders vorgefallen, kuͤrzlich erzaͤhlet, ihm den Befehl auf, dasjenige nicht zu 
verhehlen, was zur Ehre und zum Reichthume feines Landes gereichen koͤnnte. 
Er theilet ſein Buch in neun Artikel, außer der Einleitung und dem Beſchluſſe. In 
der Einleitung zeiget er die Urſachen und Bewegungsgruͤnde zur Unternehmung der Reiſe 
an. Er faͤngt mit der Beſchreibung des Fluſſes an, und zeiget, was fuͤr Lebensmittel in 
und um demſelben zum Beſten der Reiſenden gefunden werden. Darauf giebt er Nach: 
richt von den dreyerley Einwohnern, den Mandingoern, oder Schwarzen; den Fulbiern 
(oder Fuliern) welche ſchwarzgelb ſind; und den herumſchweifenden Portugieſen, mit aller 
ihrer Lebensart, ihren Gebäuden, Feſtungen und bürgerlichen Regierung. Er koͤmmt dar: 
nach auf die Marbuten, welches ſowohl Prieſter als Kaufleute ſind, und handelt von ihrer 
Religion, Handlung und ihren Luſtbarkeiten; wie auch von ihrem Ackerbaue, nebſt dem 
unter ihnen gebraͤuchlichen Korne und Pflanzen; ihren Jahreszeiten, und der Beſchaffenheit 
der Luft. In dem achten Artikel giebt er Nachricht von den verſchiedenen wilden Thieren, 
die entweder ſchaͤdlich find, oder zum Unterhalte dienen; und zuletzt führet er die verſchiede— 
nen Arten von Landvoͤgeln an. Des Verfaſſers Anmerkungen von dieſen verſchiedenen Din⸗ 
gen find die vollſtaͤndigſten und richtigſten, die man nur antrifft. Er gieng fo weit auf der 
Gambra hinauf, als irgend ein Engländer vor oder nach ihm. Er ſcheint in feinen Erzaͤh⸗ 
lungen ſehr glaubwuͤrdig, und fuͤhret von demjenigen, was er auf den Bericht anderer vor⸗ 
bringt, feine Zeugniſſe an. Was ſeine Schreibart betrifft, fo iſt ſolche ſehr ekelhaft, dunkel 
und gezwungen; und ober gleich ſein Werk in Artikel abgetheilet hat, ſo wirft er doch oft 
die Sachen verwirrt unter einander, indem er von ſeiner Materie abgeht, und Dinge von 
verſchiedener Art unter einander menget. Da wir unſern Leſern den Inhalt von dieſen bey- 
den Schriften geben: fo haben wir alles dasjenige zuſammengenommen, was des Ver⸗ 
faſſers Reiſe und Verrichtungen an der Gambra betrifft, und behalten ſeine Nachricht von 
den Einwohnern und demjenigen, was das Land hervorbringt, zuruck, um ſie mit den Nach: 
richten anderer Schriftfteller zugleich einzurücken. N | 


Der 


Mitgenoſſen anzunehmen, wozu die Schiffshaupt⸗ 
leute oft große Luſt, und ihrer Meynung nach auch 
Recht haben. 

0) Hieraus ſcheint es, daß fie Mitglieder der 
Geſellſchaft geweſen. Vielleicht haben ſich einige 
von den vorigen einzelnen Kauffahrern mit ihnen 
vereiniget, welche es beneidet, daß ſich Edelleute in 
Handel einlaſſen, u. in ihre Geheimniſſe kucken wolten. 

5) Siehe oben a. d. 2 ©. 


7) Bey dieſer Gelegenheit bemerket er, daß ſie die 
ganze Zeit uͤber ruhig geweſen, da die Geſellſchaft ihr 
Geld auf die erſte Entdeckung ausgegeben, 
und den Weg zum Goldhandel eröffner. Da 
aber nach ſeiner Furůͤckkunft der Nutzen klaͤr⸗ 
lich er ſchienen, ſo daß es nicht deutlicher ſeyn 
koͤnnen, da haͤtten ſie viele Klagen erhoben, und 
wären wider die Geſellſchaft mit in Verbindung ge⸗ 
treten. 8 


1620 
Jobſon. 


Eintheilung 
des Werks. 


1620 
Jobſon. 


Sie ſegeln 
von England 
ab. 


Kommen 
nach der 
Gambra. 


Gehen wei⸗ 
ter auf dem 
Fluſſe hin⸗ 
auf. 


32 


Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Der I Abſchnitt. 


Der Verfaſſer ſegelt von England. Kommt auf 
der Gambra an; geht weiter auf dem Fluſſe 
hinauf; koͤmmt nach Kaſſan. Beſchreibung der 
Stadt Jerakonda. Factorey zu Oranto. Des 
Ferambras Guͤtigkeit. Stadt Vatto. Er 


koͤmmt nach Barrakonda. Fluß Kantor. Reihe 
Felſen. Huͤgel von Tinda. Bukkor Sane 
koͤmmt an Bord. Handel wird geöffnet. Ko: 
nig von Jelikot. Nachricht von dem Gold⸗ 
handel. 5 


Sie giengen von Graveſand, am Sonnabende den sten des Weinmonats 1620 unter 


Segel, und ſegelten nach Dartmouth; von da ſie den 25ſten des 


Weinmonats nach 


den Canarien ſchifften. Den aten des Wintermonats, bey Anbruche des Tages, kamen ſie 


nach dem Eylande Lanzarotta. 
vorbey. 
den ıgten des Wintermonats 5), 
hollaͤndiſches Schiff. Franciſco, 
ob ſie nach der Gambra giengen, 


Den sten des Nachmittages giengen fie bey Großcanaria 
Sie trafen nichts merkwuͤrdiges an, als bis fie nach Traviſco r) kamen, wo fie 
anlangten. Hier fanden fie drey franzoͤſiſche und ein 
ein Portugieſe dieſes Orts, welcher gern wiſſen wollte, 
brachte einen Brief, den ein gewiſſer Cramp, welcher 


von der Geſellſchaft nach Sierra Leona geſchickt worden, zum Behufe einiger ſeiner Freunde 


aufgeſetzet, die in Verrathung der Catharina, 
und Ermordung ſeiner Leute mit begriffen waren. 
wo ſie einige Guͤter wegnahmen, 


giengen ſie in den Fluß Burſal, 


des Hauptmanns Thompſons Schiffes 
Bey Aufſuchung dieſer Boͤſewichter 
welche einem Hector 


Nunez, dem vornehmſten Urheber des gedachten Mordes, gehoͤrten. Die Portugieſen 


hier verdammten Nunez Bosheit; fie waren aber alle ein 
Hier bauten fie eine Schaluppe, welche fie den 22ften ins Waſ⸗ 
Tag giengen ſie nach der Gambra unter Segel. Weil ſie 


bannten und Renegaten. 
ſer ließen, und den folgenden 


nichtswuͤrdiges Volk von Ver— 


aber fanden, daß die rechte Zeit vorbey war: fo waren fie genoͤthiget, bey einer kleinen 
Inſel 2), an der Suͤdſeite ungefähr vier Seemeilen hinauf zu ankern. Vom Weinmo- 
nate bis zum May ſind die Winde hier gemeiniglich oſtlich, welches eine große Hinderung 


in ihrem Laufe war, 
in der Nacht vor einer Stadt 


ſo daß ſie genoͤthiget waren, 
Tankerovalley „) vorbey gefahren, wo ſie 


erſt daruͤber hinauf zu fahren. Weil ſie 
zu ankern ge— 


dachten: ſo ſahen ſie ſich des Morgens neben Tindobauge x), einer andern Stadt vier 


Seemeilen hoͤher, 


wo ſich ein Portugieſe, Emanuel Corſeen, aufhielt, der ihnen von des 


Hauptmanns Thompſons Tode Nachricht gab, und dabey meldete, daß ſich die andern 


wohl befaͤnden. 
konnten. 
Nachdem ſie hier des Koͤnigs Gebuͤhren 
ſicht, 
Sie giengen in dem St. 


Der Fluß war hier ſo enge, daß 


bezahlt: fo verließen fie ihr Schiff, in der Ab— 
daß es mit fuͤnf und zwanzig Perſonen, Männern und Knaben da bleiben ſollte ). 


Johann den Fluß hinauf, 


ihre Stuͤcke beyde Ufer beſtreichen 


in Begleitung zwoer Schaluppen, 


welche wohl befegt waren, um ihn bey ſtillem Wetter zu ziehen; und den ıften des Chriſt— 


monats erreichten ſie das 


aten ankerten fie einer kleinen Bucht gegenüber, 


7) Rafiſko, Rufiſko oder Rio Freſco. 

) Beym purchas iſt es der Hornung. Dieß 
muß aber ein Irrthum ſeyn. 

+) Wir finden kein ſolch Eyland an der Suͤdſeite. 
Vielleicht iſt es ein Verſehen für Mordfeite, wo um 


. \ 
4 * 


u 


Eyland Pudding, ſechzehn Seemeilen von dem Schiffe. Den 


die nach der Stadt Manjegar fuͤhrte; 
Auf 


dieſe Gegend ungefaͤhr Carls Eyland liegt. 
) Sonſt Tankrovalli, Tankrowal. 
x) Vielleicht Tindebar auf der Karte. 
5) Als fie hinabkamen, fanden fie es zu Kaſſan. 
2) Siehe oben a. d. 29 S. N 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IT Cap. 33 


Auf ihrem Wege dahin gab ein gewiſſer Baſtion Roderigo dem Hauptmanne Jobſon 1620 
eine Aunzeshaut. 5 Jobſon. 

Montags, den aten des Chriſtmonats kam der König mit feinem Alkade an Bord, 

und ward ſo betrunken, daß die Bezahlung des Zolls bis den folgenden Tog verſchoben 

ward. Hier ließen ſie in einem Hauſe, welches Heinrich Lowe genommen hatte, Hum⸗ 

phrey Davis, Joh. Blythe und einen Jungen, Nicolas genannt; von welchen die 

beyden letzten ſtarben. Den 7teh des Chriſtmonats giengen fie bey einer Stadt vorbey, 
Wulley⸗wulley genannt, welche groͤßer war, als irgend eine, die ſie vorher geſehen hatten, Kommen 
und denſelben Nachmittag ankerten ſie zu Kaſſan, wo die Catharina weggenommen nach Kaſſan. 
worden 2). Hier fanden ſie, daß die Portugieſen alle weggelaufen waren. Der Koͤnig g 
dieſes Orts ſteht unter dem großen Koͤnige von Burſal. Der Alkadi oder Statthalter i 
nahm fie freundſchaftlich auf, und ſagte ihnen, die Portugieſen hätten die Leute gemiethet, 

ſich vor ihnen zu verſtecken, als fie den Fluß hinauf geſegelt; fo daß ſie keine Schwarzen 

ee bekommen koͤnnen. Sie fanden die Stadt ſehr volkreich, und daß in dieſen 

Gegenden das Salz eine gute Waare ſey 4). 1 08 
FFaſſan war der hoͤchſte Ort an der Gambra, wo fein Schiff hingieng. Hier befa- Beſchreibung 
men fie eine Menge Fiſche. Es iſt des Königs Aufenthalt, der daher feinen Namen der Stadt. 
fuͤhret. Sie liegt an der Seite des Fluſſes, und iſt rund herum, dicht an den Haͤuſern, 

mit geflochtenen Zaͤunen, gleich den Schafhuͤrden, eingeſchloſſen, die aber zehn Fuß hoch 

und an vier ſtarken Pfaͤhlen befeſtiget find, deren Spitzen über den Hürden hervorſtehen. 

Inwendig haben ſie an verſchiedenen Orten Plaͤtze und Gebaͤude wie Thuͤrmchen, von wel— 

chen diejenigen, die darinnen ſind, ihre Pfeile abſchießen, und ihre Feinde beleidigen koͤnnen. 

Von außen iſt ein ſehr breiter Teich oder Graben, und noch hinter demſelben in einer guten 

Weite iſt die ganze Stadt mit Pfoſten oder Stücken Baͤumen umgeben, welche in der Erde 

dicht zuſammen ſtecken, fuͤnf Fuß hoch, und zwar ſo dichte, daß außer an denen Orten, die 

man zum Eingange gemacht hat, nirgends durchzukommen iſt. Und auf gleiche Art iſt 

nicht weit davon die dritte Vertheidigung, um wie ſie ſagen, die Pferde abzuhalten. Des 

Königs Haus iſt mitten in der Stadt, mit den Haͤuſern feiner Weiber rund herum um- 

ringt, alle insgeſammt in einem Bezirke, zu welchem man nicht anders, als durch eine Wa⸗ 

che kommen kann, indem man durch ein offenes Haus geht, wo ſein Stuhl ledig ſteht, auf 

welchem ſonſt niemand, als er, ſitzen darf, und wo nahe dabey ſeine Trommeln haͤngen. 


Den raten des Chriſtmonats kamen fie nach einer Stadt an der Suͤdſeite der Gam⸗ 

bra, Pompetane genannt, wo kein Portugieſe geſehen wird. Den folgenden Morgen Ä 
erreichten fie den Hafen Jerakonda, dicht bey welchem ein Ferran c), ein verſoffener Jerakonda. 
Fuͤrſt, lebte, der das Land in großer Furcht hielt. Hier ſchickte Heinrich Lowe einen Factorey zu 
Sklaven mit einem Briefe an die engliſche Factorey zu Oranto J), ſechzehn engliſche Pranto. 
Meilen von hier; von da den ızten Matthaͤus Broad und Heinrich Bridges zu ih⸗ 
nen kamen, und ſich ſehr erfreuten, ſie zu ſehen. Sie machten ihnen große Hoffnung zur 

Hand⸗ 

4) Purchas Pilgrims 2 Band a. d. 921 uf S. a. d. 38 S. wo geſagt wird, fie handelten fleißig, und 
6) Jobſons Goldhandel a. d. 23, 44 u. f. S. hielten meiſtentheils einen Factor. * 05 
“) Dieß iſt der dritte Ehrentitel, und kein eigens 4) Dieß war ohne Zweifel der vorerwaͤhnte Ort, 
thuͤmlicher Name. Siehe Jobſons Goldhandel wo ſich Thompſon niederließ, und die Leute blieben. 

Allgem. Reiſebeſchr. IH Band. E l T 


34 Reiden laͤngſt der weſtlichen Küſte von Africa, 


4620 Handlung, meldeten ihnen aber, ſie ſolten eilen, weil der Fluß fallen wurde. Als fie) un 
Jobſon. gefaͤhr ſechs engliſche Meilen von Oranto kamen, reiſeten fie das übrige zu Lande. Hier 
trafen fie Brevern an, der mit Thompſonen zu Tinda geweſen, und ihnen guͤldene Berge 

verſprach. Sie fanden, daß es ihnen ein großer Schade war, daß ſie kein Salz mitge⸗ 
nommen. Hieſelbſt fuhren fie über den Fluß, dem Summa Tumba, Könige zu Oran⸗ 
to, einem blinden Manne und Unterthanen des Koͤniges von Kantor, ihre Ergebenheit 
zu bezeugen, und ſich bey ihm wegen feines guten Bezeugens gegen die "Engländer zu be 
danken, auch ihm ein Geſchenk von Aquavit als einen Zoll zu geben. r alte 

Des Feram⸗ Den aıften des Chriſtmonats ſchickte Hauptmann Jobſon fein. Boot hinweg, und 
bras Guͤtig⸗ den folgenden Tag kam eine Menge von Leuten, einige zu kaufen, alle aber zu betteln; 
keit welches ſo gar der Koͤnig durch ſeine Weiber, Toͤchter oder Soͤhne that, welche taͤglich da⸗ 

ſelbſt waren. Am Weihnachtstage ſchickte ihnen Ferambra, ein Fuͤrſt der Schwarzen, 
welcher ein großer Freund der Engländer war, eine Laſt Elephantenfleiſch. Den zıften des 
Chriſtmonats kam die Schaluppe zuruͤck. Dieſer Ferambra, welcher vier Meilen weit 
von ihnen lebte, hatte feine Leute zur Vertheidigung der Engländer bewaffnet, als der Koͤ⸗ 
nig von Nany ), der von den Portugieſen angereizet worden, feine Macht ausgeſchickt, 
fie zu vertilgen. Er begleitete fie auch über den Fluß zu feinem Bruder, Bo John 
genannt, und rettete ihre Guͤter. rt „ 4 
Stadt Batto. Den ten Jenner fegelte Jobſon mit neun Engländern von Oranto nach Tinda. 
Zuerſt erreichten fie Batto, eine Stadt, die dem obgedachten Bo John /) gehoͤrte, und 
wurden mit einem jungen Marbuten g) eins, mit ihnen zu gehen. Lowes Nacheifer 
hielt fie viel auf. Den öten Jenner kam Suma⸗wapy, König von Berek, der dem von 
Kantor zinsbar war, mit feinem Weibe an Bord, und wurde bewirthet. Hier nahmen 
fie Samgulley, einen ſchwarzen Jungen, ein, der ben dem Hauptmanne Thompſon geweſen 
war, und weil er ziemlich engliſch ſprach, zum Dollmetſcher diente. Den gten gegen Mit⸗ 
tag, und Abend, da ſie ankerten, wurden ſie ſehr durch Wallroſſe beunruhiget, deren Spu⸗ 
ren fie ſichtbarlich an jeder Seite des Ufers ſahen. Den ıoten ankerten fie zu Maſſo⸗ 
Kommen makoadam, funfzehn Seemeilen von Berek. Den ztten erreichten fie Benanko, und 
nach Barra- den ızten giengen fie durch felſigte Wege nach Barrakonda, wo die Ebbe und Fluth fie 

Nl verließ, und nicht hoͤher hinauf gieng. Hinter dieſem Orte iſt das Land eine unbewohnte 

Wuͤſte ). Den ıgten kam Bakay Tombo, der Vornehmſte zu Barrokonda, an Bord, 
und brachte ihnen einen Ochſen. Hier mietheten ſie noch zweene Schwarzen, als einen 
Marbuten, Namens Seleyman, um ſie auf ihrer Fahrt den Fluß hinauf zu fuͤhren. Der 
andere hieß Tombo, ein Anverwandter von Bakay Tombo, welcher ſagte, er wäre zu 
Tinda geweſen. Es waren ihrer nun zehn Weiße und vier Schwarze. Sie hatten ei— 
nen kleinen Kahn in dem Boote, ſie bey Gelegenheit ans Ufer zu fuͤhren. Weil ſie den 
Strom wider ſich hatten, ſo durften ſie des Nachts aus Furcht vor den Felſen nicht fort⸗ 
ſchiffen; und des Tages wurden ſie durch die uͤbermaͤßige Hitze der Sonne aufgehalten, 
indem ſie von Neune des Morgens bis nach Dreyen des Nachmittages ihre Arbeit nicht 
| fort⸗ 

e) An dieſem Orte ſteht Naoy gedruckt, welches 9) Jobſon nennet fie ſtets Marybucken, eine 
unſtreitig ein Fehler iſt. Es iſt mit Dani einerley. ſowohl ſeltſame als ſehr ſtarke Art der verderbten 
) Bo John iſt ein Titel, und ſollte vielleicht Ausſprache. Dieſe Leute find zugleich Prieſter und 
Bojan gefchrieben werden. Kaufleute, und vereinigen alſo die beyden 155 * 
ichſten 


* 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 35 


fortfeßen konnten. Sie verließen Barrakonda den ısten des Abends. Den töten giengen 
ſie bey Wulley, einem kleinen Fluſſe vorbey, der in die Gambra faͤllt, und fanden das 
Waſſer uͤber demſelben ſeicht, aber voller Wallroſſe. Eins davon war todt und ſtunk, und 
dennoch waren die Schwarzen misvergnuͤgt, daß fie ſolches nicht eſſen durften. Den ꝛꝛten 
ſahen ſie an beyden Seiten des Fluſſes große Heerden von Bavianen und Affen. Dieſen 
Tag bekam ihr Boot einen großen Stoß von einem Wallroſſe. Sie hielten ihren Kahn, 
der von vier gemietheten Schwarzen gefuͤhret wurde, beſtaͤndig vor ſich, die Tiefe zu erfor- 
ſchen. Den ıgten trafen fie Untiefen an; fo, daß ſie genoͤthiget waren, mit großer Furcht 
vor den Crocodilen nackend zu waten, um ihr Boot ins tiefe Waſſer zu heben. Den igten 
trafen ſie einen ſo ſtarken Strom an, daß ſie kaum eine Meile mit ſechs Rudern in einer 
Stunde fahren konnten. Wit e a g 

Den 2often ſahen fie an der Steuerbordsſeite die Mündung des Fluſſes Kantor, wo 
damals ein gewiſſer Ferran Kabo ein großer König war. Den arſten giengen fie bey 
den anliegenden Gebirgen ans Ufer; von welchen ſie nichts als Wuͤſten ſehen konnten, die 
bloß von wilden Thieren bewohnt wurden, deren Geſchrey ſie des Nachts hoͤrten. Hier 
unterſtunden ſich die Schwarzen nicht zu ſteuren, aus Furcht vor den Bumbos (Crocodi⸗ 
len) wovon ſie einige von dreyßig Fuß lang ſahen; weil ſie aber alle ſcheu waren, ſo flohen 
fie vor ihnen. Den 27ſten gieng Jobſon an dem Geſtade ſpatzieren, und entdeckte ſechzehn 
Elephanten mit einigen Jungen unter dem Riethgraſe nahe bey ihm. Sie ſchoſſen auf ſolche, 
und obgleich das Gewehr verſagte: fo flohen fie doch ins Gebirge. Den 23ften waren fie 
genoͤthiget, ihr Boot anderthalb engliſche Meilen in tiefer Waſſer zu bringen. Den aaſten 
ſchleppten ſie ihr Boot mit vieler Beſchwerlichkeit gegen einen ſtarken Strom, uͤber gebrochene 
Klippen. Einer gieng mit dem Anker auf ſeinem Ruͤcken uͤber den Canal, und als er ihn 
daſelbſt fallen ließ, zogen fie ſolchen mit dem Taue wieder herauf. Den 25ften hörten fie 
zwiſchen den Sandbaͤnken eine Waſſerquelle hervorſpringen. Da das Wafler derſelben 
gut war, ſo verſahen ſie ſich damit, weil das Flußwaſſer ſo ſtark nach Muſcus roch und 
ſchmeckte, daß fie es nicht trinken konnten 2). Hier wäre bald einer von den Moren O in 
einem Strudel verlohren gegangen. 


Den 26ften bekamen ſie den hohen Hügel von Tinda, welches felſigtes Land war, zu 
Geſichte. Sie ſchickten drey Moren mit Geſchenken an den König und den Bukkor Sano, 
welcher ein daſelbſt lebender Kaufmann war, ab, und erſuchten ihn, er möchte mit Lebens— 
mitteln hinab kommen. An beyden Seiten des Fluſſes waren Thiere und Vögel im Ueber⸗ 
fluſſe: ſie hatten aber keine rechte Waffen. Crocodile waren ſo haͤufig, daß ſie des Tages 
wohl zwanzig zuſammen ſehen, und des Nachts ſie auf eine Seemeile weit hoͤren konnten. 
An dieſem Tage fuhren ſie uͤber verſchiedene Untiefen, und bekamen wieder tief Waſſer gegen 
der Muͤndung des Fluſſes Tinda uͤber. 

Dieſes wird an zweenen Orten des von Jobſon ſelbſt herausgegebenen Buches etwas 
veraͤndert erzaͤhlt. Er ſaget, als er eine halbe Seemeile von der Muͤndung des Fluſſes 
gekommen, ſo habe er eine Untiefe angetroffen, die ihn aufgehalten; ſie haͤtte damals noch 

2 neun 
lichſten Gewerbe mit allen denen Kunſtgriffen und ) Aus eben der Urſache konnten fie auch den Fiſch 


Betruͤgereyen, die zu beyden gehoͤren, wenn wir dem nicht eſſen. Siehe Jobſons Goldhandel auf der 
Ca bat glauben dürfen. Seite 


19 „ 
5) Ppurchas wie oben a. d. 922 S. ) Er war des Hauptmanns Alkade. 


1620 
Jobſon. 


Fluß Kan⸗ 
tor. 


Huͤgel von 
Tinda. 


Wird durch 
eine Untiefe 
aufgehalten. 


1620 


36 "Reifen längſt der wetichen Küfe von Afeich, 


neun Zoll Waſſer gehabt, obgleich um diefe Zeit das Waſſer am niedrigſten geweſen. 


Jobſon. Dieſe Seichtigkeit waͤre nur zwanzig Ruthen weit gegangen; darnach waͤre ihnen der 


Antelope und 


Canal wieder tief vorgekommen, und bätte ihnen fo weit zu gehen geſchienen, als fie nur 
ſehen koͤnnen. Waͤren ſie ſtark genug geweſen, und haͤtten Werkzeuge bey ſich gehabt: 
ſo haͤtten ſie eine Fahrt dadurch machen, und ihre Reiſe fortſetzen koͤnnen. In denen 
zwoͤlf Tagen, da fie den Fluß von dem Orte an hinauf giengen, wo die Ebbe und Fluch 
aufhoͤrte, legten fie hundert und zwanzig Seemeilen oder dreyhundert und ſechzig engliſche 
Meilen zuruͤck. Doch muß man anmerken, daß ſie nicht den ganzen Tag geſegelt, ſondern 
mit Anbruche des Tages angefangen, und bis neun oder zehn Uhr fortgefahren. Bey der 
Hitze des Tages ruheten ſie; und von drey Uhr fuhren ſie bis des Abende wieder fort, da 
ſie denn die Nacht ſtille lagen. Auf ihrer Ruͤckkehr nach Barrakonda hinab waren ſie nur 
fuͤnf Tage. a a 


Den zoften toͤdteten fie einen Antelope, wie auch einen Schleicher, welches ein Vogel iſt, 


Schleicher. Her größer iſt, als ein Menſch. Als vier Tage ohne Zeitung von den Ausgeſchickten vergangen 


waren, welche in zweenen zuruͤck zu kommen verſprochen hatten: ſo fingen die deute an zu mur⸗ 
ren; vornehmlich ſein beſonderer Gefaͤhrte (Lowe), da die Lebensmittel abnahmen. Den 
ziſten gieng Jobſon mit noch zweenen aus, und toͤdtete ein großes Thier. Sie hatten ſol⸗ 
ches kaum aufgeſchnitten, ſo kam einer von ihren ſchwarzen Bothen mit einem Bruder von 
Bukkor Sano und des Königs von Tinda Bedienten zurück, welcher ſehen wollte, was 
fie für Waare hätten. Er brachte einige Hühner nebſt der Verſicherung, Bukkor Sano 
würde den folgenden Tag da ſeyn. Jobſon richtete zu ihrer Unterhaltung den Antelope zu. 
Durch das ganze Land gieng das Geruͤchte, ſie haͤtten ſolchen mit Donner getoͤdtet; weil 
das Volk vorher noch niemals Feuergewehr geſehen, oder gehört hatte 2), 


Bikkor Sa: —Donnerſtags, den ıften des Hornungs, kam Bukkor Sano mit feiner Frau und Toch⸗ 
no koͤmmt an ter, und einem Geſchleppe von vierzig Leuten zu ihnen. Er trank fo viel von ihrem gebrann⸗ 


Bord. 


Handel wird 


eroͤffnet. 


ten Waſſer, daß er die Nacht betrunken am Borde blieb, und den folgenden Tag krank war. 
Er beſchenkte die Englaͤnder mit einem Rinde, und ſeine Leute brachten Ziegen, Haͤhne und 
Huͤhner, welche ſie um wohlfeilen Preis verkauften. 


Sonnabends, den zten, fingen fie an, mit dem Salze zu handeln, welches fie mitgebracht 
hatten, und bekamen dafuͤr einige Elephantenzaͤhne, Negerzeuge, Baumwolle und etwas 
Gold. Es wurden noch andere Sachen geſuchet, womit ſie ſich aber nicht verſorgt hatten. 
Bukkor Sano berichtete ihnen, Sklaven würden von den Schwarzen am theureſten ge— 
halten, doch koͤnnte er ihnen auch einige verſchaffen. Jobſon wollte keine Haͤute kaufen, 
aus Furcht, er möchte das Boot uͤberladen, da der Fluß taͤglich fiel. Das Volk kam hier an 
jeder Seite haufenweiſe zuſammen, zu handeln, ſo daß ſie faſt eine kleine Stadt an den Ufern 
machten. Unter dieſen waren fuͤnfhundert Wilde, unter der Anfuͤhrung des Baſay Dinko, 

a eines 

7) Siehe Jobſon wie oben, 12, 84 u. f. S. ; p) So fteht 5 in dem 19 0 5 a. d. 10 S. 

1 m Purchas aber Comba konda. 

m) Förchas tie ben e we > ii zu Ferambras, einer Stadt, wel: 

n) Vermuthlich beſſer Alkadi, Verweſer oder che drey engliſche Meilen von Tobabo konda, dem 

Richter. Hafen von Setiko, war. Er wurde von Thomp⸗ 

6) Dieß war eine von den Erdichtungen der fon nach Jaye geſchickt. Siehe Goldhandel 100 
Schwarzen. u. f. Seite. N ö 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 37 


eines Zinsmannes des Koͤniges von Kantor. Dieſe Leute hatten vorher noch keinen weißen 1620 
Menſchen geſehen. Die Weiber liefen fort, und verſteckten ſich, da ſich ihnen die Weißen Jobſon. 
zuerſt naͤherten; nachher aber hatten fie Herz genug, mit ihnen zu handeln. Die vornehmſte 
Waare, welche dieſes Volk brauchte, war Salz, wofür fie Zähne und Haͤute bothen. Al— 

lein, es war ſolches bereits abgegangen, ehe ſie ankamen, indem ſie in allem nur vierzig 

Scheffel gehabt m). De 10 90 . . 

Mittewochs den 7ten kam der König von Jelikot, an der Seite von Tinda, der dem König von 
großen Könige von Wuley zinsbar iſt, mit feinen Juddiern oder Fiedelleuten hinab. Jelikot. 
Dieß ſind eine Art von Meiſterſaͤngern, welche zum Lobe des Koͤniges und ſeiner Vorfahren, 
die ganze Zeit über, da er iſſet, Lieder fingen und ſpielen. Den sten hatte ſich Bukkor 
Sano mit großen Ceremonien den Namen und Titel von des weißen Mannes Alchade 
oder Kaufmanne „), mit vielen laͤcherlichen Stellungen und Geberden gegeben. Jobſon 
legte ihm eine Schnur von Kriſtallen um den Hals; Broad gab ihm eine ſilberne Kette, 
und nach einer Schaale voll Aquavit oder Brandtewein, und Losſchießung fuͤnf Musketen, 
ward er zum Alchade ausgerufen. Dieſer Bukkor Sano berichtete Jobſonen, er wäre 
viermal in einem Lande gegen Suͤden geweſen, wo die Haͤuſer mit Golde gedeckt waͤren o), 
und brauchte er vier Monate Zeit, dahin zu reiſen. 

Er erzaͤhlte ihm auch von einem Volke, Arabek genannt, welches in Karavanen mit Nachricht 
Kameelen nach dieſem Lande kaͤme, und in zweenen Monaten in einer Stadt, Mombar von dem 
genannt, ſechs Tagereiſen von Tinda ſeyn wuͤrde, wo es fuͤr Gold handelte; und daß * 
von Jape, einer Stadt, drey Ruheplaͤtze weit von Mombar, viel Gold kaͤme, die Araber 
aber nicht dahin giengen. Er wuͤrde noch mehr erfahren haben: allein die Misgunſt ſeiner 
Geſellſchaft wollte nicht leiden, daß ihm der ſchwarze Junge, Samgulley, alles berichtete, 
was Bukkor Sano ſagte. Einige Leute, welche hieher kamen, waren von Tombo Fonda p), 
einer Stadt, vier Ruheplaͤtze weit von hier, welche er fuͤr Tombuto haͤlt. Sano zeigte 
ihm eine Degenklinge und ein Paar Armbaͤnder von einer ſeiner Frauen, welche von dieſen 
Arabeken gekauft worden, die ſeiner Beſchreibung nach die Moren aus der Barbarey ſeyn 
mußten. Hier kam auch ein alter Marbut von Thompſons Bekanntſchaft, welcher das 
Volk von Tinda verließ, und ſich zu den Englaͤndern geſellte. Er war von Jaye J) ge: 
buͤrtig, und erboth ſich, fie nach Mombar und Jape zu bringen, wenn fie nur einmal von 
den Einwohnern dieſes Theils des Fluſſes wegwaͤren r“). Er meldete ihm 9), es waͤren— 
viele Leute, die hinabgekommen waͤren, auf die Nachricht von einigen Zuruͤckkommenden, 
daß kein Salz mehr da wäre, wieder umgekehret 1). 


E 3 — Der 


7) In dem Goldhandel a. d. 101 S. Als Job⸗ erwoͤhnte aber eine Stadt Tombo konda, (wel: 
ſon ſagte, es waͤre ein gutes Volk, antwortete er: ches ohne Zweifel die in dem Texte erwaͤhnte iſt) 
Immane! immane! welches boshaft heißt; oder welche feiner Ausſage nach, dem Orte, wo fie wa: 
es ſcheint nicht fo. Und a. d. 93 S. verſprach Buk⸗ ren, näher wäre, als Jaye. Siehe den Goldhan⸗ 
kor 3 0 Fi eben die Dienfte, del a. d. 102 S. 

) Als dieſer Marbut wegen Tombuto gefragt f b 
wurde: fo ſchien er nicht den Namen zu wiſſen; er ) Purchas wie oben a. d. 924 u. f. S. 


ort. TR Wenn Der II Abſchnitt. Wee ee enen 


—WJobſon verläßt den St. Johannesmarkt. Kommt Deſſen Canal. Jahrszeit, auf ihm hinaufzufah⸗ 
nach Setiko. Großer Handel daſelbſt. Be: ren. Beſchaffenheit uͤber Barrakonda. Jobſons 
ſchreibung der Stadt. Pompetane. Kaſſan. Entdeckungen unterſuchet, u. mit Thompſons feinen 
Wuley⸗Wuley. Mangajar. Er ſegelt von verglichen. Handel ohne Reden. Schwarze mit 
der Gambra nach England. Name des Fluſſes. rohen Appen. Hoffnung von einem guten Handel. 

Verläßt den Mobſon wuͤrde ſich gern aufgehalten, und des Marbuten Anbiethen angenommen haben: 

St. Johañs⸗ allein weil das Waſſer ſechs Zoll hoch gefallen, ſo mußte er eilen fortzugehen. 

markt. reiſte alſo von dieſem Orte ab, welchen er, nach dem Namen der Schaluppe, St. Johanns⸗ 

markt nennte. Wind und Strom waren ihm geneigt: ſie getrauten ſich aber nicht bey 
Tage ihre Segel zu brauchen, und bey Nacht zu rudern, aus Furcht vor den Sandbaͤnken. 
Mittewochs den 14fen, da ſie nur noch drey Seemeilen bis Barrakonda zu Lande hatten, gien⸗ 
gen ſie hinuͤber. Unterwegens jagten ſie einen Elephanten, den ſie, nachdem ſie ihn dreymal 
verwundet, dennoch verlohren. Montags den igten kamen fie nach Butto, dem Sitze des 
Bo John, wo ſie ihren erſten Marbuten bekamen. Hier wurde ihr ſchwarzer Junge be⸗ 

Setiko, gro: ſchnitten. Von hier eilte Jobſon nach Setiko, um die Kaufleute von Tinda anzutreffen. 

fer Handel Zwo kleine Meilen davon bekam er den 2öſten einen gefährlichen Stoß von einem Wall- 

daſelbt. roſſe: doch wurde der Riß mit einiger Schwierigkeit geſtopfet. Setiko liegt vier engli⸗ 
ſche Meilen von dem Fluſſe, und iſt die größte Stadt des Landes. Sie ward damals von 
einem Marbuten regieret, Namens Fodi Bram, und iſt ein anſehnlicher Handelsplatz. 
Ihre vornehmſten Waaren ſind Sklaven, Eſel und Salz. Hier ſahen ſie den oberſten 

Marbuten mit großer Pracht verbrennen 1). | 
Beſchreibung Jobſon ſaget in feinem Goldhandel, Setiko liege drey englifche Meilen von der 
der Stadt. Gambra, und ſcheine ihm die groͤßte Stadt zu ſeyn, die er in dem Lande geſehen hat. Sie 
war in der Runde gebauet, wie ein Zirkel, von welchem die Haͤuſer eben keine große Di⸗ 
cke x) enthielten, doch machten fie eine ſchoͤne breite Straße; indem fie ihre Haͤuſer und 
die Mauren von ihren Höfen und Scheuren dicht aneinander fuͤgten. Der Durchſchnitt 
davon von Norden gen Suͤden, oder von Weſten gen Oſten mochte ungefaͤhr eine engliſche 
Meile ſeyn, in welchem Raume viel Vieh und ſonderlich Eſel waren. Der Ort, wo die 
Englaͤnder Haͤuſer gebauet, und zu ihrem eigenen Gebrauche mit Strohe umgeben, lag an 
der Seite des Fluſſes auf der Spitze einer Bank, welche von dem Landvolke Tobabo 
konda ), oder des weißen Manns Stadt genannt wird. Einige hundert Schritte 
von dem Ufer war eine kleine Stadt der Marbuten; und drey engliſche Meilen von hier 

war des Farambras Stadt 2). | 

Sonntags, den kiten März, gieng Jobſon zuruͤck, und erreichte Mittewochs den St. Jo⸗ 
hann. Den ı2ten fegelte er den Fluß hinab nach dem Sion, und den Sonnabend kam 

Pompetane. er nach Pompetane a), wo er von den Portugieſen guͤtig aufgenommen ward. Den 

Kaſſan. Montag gieng er nach Kaſſan, wo der Sion lag, fand aber den Steuermann und die 

0 meiſten von dem Schiffsvolke todt, ſo daß kaum noch vier tuͤchtige Leute uͤbrig waren. 
Hier lag er von dem 19ten Maͤrz bis 18ten April, da er den Anker lichtete, und den folgen⸗ 
u) Purchas Pifgrims 2 Band a. d. 924 u. f. S. geweſen ſeyn. wo wir eine Factorey haben, oder ſonſt 
« Raum oder Theil des Zirkels. ein anderer nahe dabey gelegener Ort. 
„) Dieß muß der itztgenannte Ort Fattatenda 2) Jobſons Goldhandel a. d. 63, 65 und 68 S. 


Lapo? Sierra Leona. VI Buch III Cap. 39 
den Morgen zu eee des Koͤnigs von Kaſſan Gebiethe ankerte. Waͤh⸗ 


rend feines Aufenthalts allhier kam ein neuer Koͤnig von Burſal, als rechtmaͤßiger Erbe Jobſon. 
von dem Lande Beſitz zu nehmen, da der alte Konig als der Sohn einer Sklavinn abge: Wuley: 
fest worden. Den zoftemgieng er den Fluß hinunter nach Manjegar, wo nahe dabey Be 


alle Montage ein Markt iſt, aber fchlechte Waaren find, Den ıften April kam der St. 
Johann zu ihm, und beyde Schiffe ſegelten zuſammen den Fluß hinab. Den ıgten mach⸗ 
ten ſie ihre Schaluppe zu rechte, und den igten richteten ſie ihre Zelte am Ufer auf. Hier 
kalfaterten ſie ihr Schiff, und wurden von dem Könige: des Landes, Namens Rumbo, 
beſuchet, der ihnen alle Gewogenheit verſprach. 


Den gten May verließen ſie den Fluß Gambra. Den roten des Morgens hatten ſie Er Ne 
einen gewaltigen Tornado mit Donner, Blitz und großem Regen, welches Wetter an dieſer ji Eng⸗ 


Küfte vom May bis Herbſtmonate Häufig einfällt. Da ſeine Zimmerleute todt waren: 
ſo war Jobſon genoͤthiget, in die Be Trauifeo‘ der men deen einpulaufen, von 
da er nach England ſegelte )). de eee ee 

Wir wollen zu dieſer Reiſe, die ab dem Purchas mit chigen Noten und Verände⸗ 
rungen aus dem Goldhandel, welchen der Schiffshauptmann ſelbſt herausgegeben, noch 
feine Beſchreibung des Fluſſes, nebſt einigen Anmerkungen von ki Ae der 
inländifchen Gegenden, aus eben dem Buche binzuſetzen. Kuh 


Von den berſh denen gebräuchlichen Namen, z als Gambia ’ Geo a Gam⸗ Name des 
bra erwählet der Verfaſſer den letztern, als den gen nlichſten; ob er wohl auf feiner Fluſſes. 


Reiſe auf dieſem Fluſſe über drey hundert und zwanzig Seemeilen, oder neun hundert und 
ſechzig englifche Meilen, (als ſechs hundert bis nach Barrakonde, und drey hundert und 
fechzig weiter hinauf, wie vorher erzählt worden), keinen andern Namen deſſelben als 
Gee ©) oder Ji gehöret, welchen die ingebohrnen allen Fluͤſſen und Waſſern überhaupt 
geben. Die Gambra hat nur eine Einfahrt, welche uͤber vier Seemeilen breit iſt, und we⸗ 
nigſtens drey Faden Waſſer hat, aber keine Barre, wie es wohl vorgeſtellt wird. Vier 
Seemeilen hinauf verbreitet ſie ſich in viele Fluͤſſe, Baye und Buchten; fo daß fie von da 
auf dreyßig Seemeilen bis nach einer Stadt Tankro Valley, oder Tankrowal genannt, 
ſo verworren iſt, daß man verſchiedene Monate zubringen wurde, jede beſondere Bucht nur 
in dieſem Raume aufzuſuchen. D n Hauptcanal aber kann man nicht außer mit großer 
Nachlaͤßigkeit, oder beſſer vorſetlicher Unwiſſenheit verfehlen. Die Ebbe und Fluth geht 
in dieſem Fluſſe faſt zwey hundert Seemeilen hinauf, das iſt etwas uͤber der Stadt Bar⸗ 
rakonda, aber nicht hoͤher, auch bey trockner Jahreszeit. Die rechte Zeit auf demſelben 
zu ſchiffen, iſt bey der regnichten Jahreszeit, da der Fluß dreyßig Fuß hoch anlaͤuft; denn 
alsdann trifft man keine Hinderniß von den ſeichten Oertern an, welche an gewiſſen Orten 
die Schiffe aufhalten, wenn das Waſſer niedrig iſt. Wenn man aber vor dieſen Baͤnken 
vorbey iſt: ſo hat man einen ſchoͤnen offenen Canal auf viele Seemeilen. Der Regen koͤmmt 
von Suͤdoſt, und faͤngt ſich oben an dem Fluſſe zeitiger an, als nahe an deſſen Mündung; 
Er hält vom May bis in den Brachmonat mit großer Heftigkeit an, wird von ſtarken 
Winden und vielem untermiſchten Donner und Blitzen begleitet, welche ſich in ee 
Ruckwinde verwandeln. Von 
a) Beym Purchas: Pompeton. 0) Herr moore ſaget, die Mandingoer nennen 
1) purchas, wie oben a. d. 925 u. f. S. ihn Vorzugs⸗weiſe Bato, d. i. den Fluß. 8 


0 
91 =,» 
* N 8 n 

x 


4 Ur 5 4 a 
el Africa ö 


Von Barrakonda hinauf, ſo weit als ſie giengen, ſahen und hoͤrten ſie nichts von eini⸗ 


Jobſon. gen Städten oder Pflanzungen, nahe an dem Ufer, noch von einigen Eingebohrnen, als 


welche fie ausſchickten. Sie konnten auch kein Boot ſehen, außer zweyen oder dreyen 
Buͤndeln Palmenblätter, von welchen ihre Schwarzen ſagten, es wären Floͤſſe, deren ſich 


Barrakonda. die Eingebohrnen bedienten, über die Fluͤſſe zu gehen. Es wurde ihm geſagt, das Volk 


dahinter wäre ein ſchlechtes Volk; der Fluß wäre aber fo voller hineingeſtuͤrzten Bäume, 
daß man nicht zu ihnen kommen konnte. Sie fanden den Fluß voller Wallroſſe und Cro⸗ 
codille, weiche ſowohl den Fluß als die Fiſche durch einen ſtarken Muſeusgeruch und Ge: 
ſchmack verderbten. Die erſte Hinderniß, die fie über Barrakonda antrafen, war ein Ca: 
nal, der nicht mehr, als vier Fuß tief Waſſer hatte, ſo daß die Leute ins Waſſer giengen 
und das Boot durchzogen. Die Schwarzen, welche ſich aus Furcht vor den Crocodillen 
nicht hineinwagen wollten, folgten dem Beyſpiele der Englaͤnder, da ſie ſahen, daß ſolche 
ſo kuͤhn waren. Auf dieſer Reiſe wurde der Verfaſſer ſehr beſchaͤdiget, und ſein Boot 
wurde dreymal von den Wallroſſen zerſchlagen, welche ſehr zahlreich find. fie wurden aber 
dadurch, daß man ein brennend Licht die ganze Nacht durch hielt, abgeſchreckt H. 

Was des Verfaſſers Entdeckungen von dem Sande betrifft, fo meldet er uns, man ha⸗ 
be ihm berichtet e), daß ſechs Tagereifen von dem St. Johannesmarkte, an dem Fluſſe 


rn 


Tinda eine Stadt liege, Mombar genannt; und drey Nuhepläße von da eine andere, 


Namens Jape, neun Tagereiſen von St. Johannesmarkte. Die Arabeken, oder Ara⸗ 


ber kaͤmen zu der erſtern, aber nicht zu der letztern, und vier Tagereiſen von dem Markte 
waͤre eine andere Stadt, Tombo konda genannt. Dieß iſt der Inhalt von denen Nach⸗ 
richten, die er erhalten, welche ſo unvollkommen ſind, daß er nicht weis, ob dieſe Staͤdte an 
der Gambra oder im Lande liegen. Denn in ſeinem Goldhandel ſchließt er muthmaß⸗ 
lich /), die Engländer koͤnnten einen vortheilhaften Handel zu Mombar und Japye ha⸗ 
ben, wenn ſie an der Gambra laͤgen, und dieſer Fluß mit der Sanaga aus einerley Stro⸗ 
me kaͤme, wie es die Erdbeſchreiber damals ſagten. Kurz, Jobſon vermuthet, Jaye ſey 
Gago, das Goldland g), und Tombo konda, Tombuto, aus keinem beſſern Grunde, 
als der kleinen Aehnlichkeit in dem Namen, wofern uͤberhaupt noch eine darinnen it; und 
dieſem zu Folge muthmaßet er, die Gambra koͤnne ihre Quelle in einer Lache haben, der 
gleichen von den Schriftſtellern um Gago geſetzt werden ). N | 


Wenn diefe Muthmaßungen wahr wären: fo würde ſolches ein Weg fir die Eng⸗ 


fons feinen laͤnder nach Tombuto und Gago ſeyn. Allein, es iſt leicht zu ſehen, daß fie bloße Ein 


verglichen. bildungen des Verfaſſers find, die man den unvollkommenen Begriffen zuſchreiben muß, 


die er von den Sachen hat, oder dem zu wenigen Lichte, das er von den Erdbeſchreibern ſei⸗ 
ner Zeit erhalten. Kurz, ob gleich Jobſon wirklich mehr entdeckte, als ein Engländer nach 
ihm gethan: ſo weicht er doch Thompſonen, der nicht allein zu Tinda geweſen, wo 
Jobſon niemals hingekommen, ſondern auch von Jaye gehoͤrt, und wirklich einen Bothen 
dahin geſchickt, um Nachricht einzuziehen ). Dieſer Bothe, welcher der 2 alte 

| | arbute 


4) Jobſons Goldhandel a. d. 10 u. f. S. 5) Ebend. a. d. 15 S. 5 
e) Siehe das Tagebuch vorher a. d. 37 ©. 7) Siehe die Reife vorher a. d. 37 S. Not. 1. 
7) Siehe a. d. 13 u. f. S. b und Goldhandel a. d. 101 S. in 

g) Ebend. u. 12 S. sen k) Siehe oben das Tagebuch a. d. 37. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 41 


Marbute war „), gab Jobſonen einige Nachricht zu St. Johannsmarkte, an dem 1626. 
Fluſſe Tinda, von dem Goldhandel in dieſen Gegenden. Da er nach Ferambras Stadt Jobſon. 
gehen wollte, woſelbſt er wohnte: fo ſchickte der Hauptmann Briefe, durch ihn nach Seti⸗ 

ko, nicht weit von da. Als er ihn hernachmals da antraf, ſo meldete er ihm, wenn er 

den Fluß weiter haͤtte hinaufgehen koͤnnen: ſo wuͤrde er einen beſſern Goldhandel gefunden 

haben. Cr feste hinzu, nicht weit von Jaye wäre ein Volk, welches nicht wollte geſehen 

werden, und das Salz wuͤrde von den Arabekern der Barbarey dahin gefuͤhret, welche 

alles ihr Gold von ihnen hätten, ob fie gleich ſolche niemals fähen. Da er um die Urſache 

fragte, ſo wies er auf ſeine Lippen und gab keine andere Antwort. 


Bey dieſer Gelegenheit erzaͤhlet Jobſon die Art und Weiſe dieſes ſtummen Handels Handel ohne 
aus verſchiedenen Schriftſtellern, deren Namen ihm aber nicht beyfielen Z), naͤmlich: Reden. 
Die Moren braͤchten an einem gewiſſen Tage ihre Güter zu einem angewieſenen Orte, wo 
gewiſſe Haͤuſer fuͤr ſie beſtimmt waͤren. Hier packten ſie ihre Waaren ab, und legten ihr 
Salz und andere Guͤter in Packe oder Haufen beſonders, und reiſten darauf auf einen 
ganzen Tag weg. Unterdeſſen kaͤmen ihre Kunden, und legten auf jeden Pack oder Hau- 
fen fo viel Gold, als fie dafür geben wollten, und verließen beydes zufammen. Hierauf 
kaͤmen die Kaufleute wieder zurück; und wenn ihnen das Geboth anftünde: fo nähmen fie 
das Gold und ließen ihre Waare da; oder wenn ſie daͤchten, daß das Geboth zu wenig 
wäre, fo theilten fie ihre Waare in zweene Theile, und ließen dabey fo viel Gold, als fie 
geſonnen wären, dafür zu geben. Bey ihrer nächften Wiederkunft iſt der Handel aus; 
denn ſie finden entweder mehr Gold dazu gelegt, oder alles weggenommen, und ihre Guͤter 
ihnen gelaſſen. ' W | 


Die Urfache, warum ſich dieſe Schwarze nicht wollen ſehen laſſen, ſoll ſeyn, weil fie Lip⸗ Schwarze 
pen von einer unnatürfichen Größe haben, die ihnen halb über die Bruſt hangen; und da, . rohen 
ſolche roh find, fo würden fie von der Sonnenhitze faulen, wenn ſie ſolche nicht beftändig den. 
ſalzten. Da nun ihr Land kein Salz giebt: fo find fie genoͤthiget, mit den Moren aus der 
Barbarey deswegen zu handeln. 


Dem ſey aber, wie ihm wolle, fo iſt fo viel gewiß, ſaget Jobſon, daß daſelbſt von dem Hoffnung 
Volke dieſes Landes ſehr nach Salze gefraget wird, welche aber nur wenig davon verbrau- . 5 1 
chen, ſondern es, wie fie ſagen, weiter hinauf führen, Hieraus ſchließt er, daß dieſes allein Vanden, 
ein hinlaͤnglicher Bewegungsgrund ſey, einen Handel in dieſen Gegenden zu treiben, welcher 
ſehr wohl ausſchlagen wuͤrde, wenn man ihn auch gleich nicht weiter, als bis zu dieſem Volke 


treiben koͤnnte, welches er ſehr höflich und begierig fand, einen Handel mit den Englaͤndern 
fortzuſetzen m). 


Der 


) Cada Moſtso iſt der erſte, welcher dieſe Art Reiſe nach Mequinez auf der 212 S. daß dieſe 
zu handeln erwaͤhnet, und von dem Volke mit den Erdichtung von den rohen Lippen noch geglaubet 
rohen Lippen redet. Siehe diefe Samml. II Band wird. f e 
a. d. 76 S. Wir finden beym Windus in feiner m) Jobſons Goldhandel a. d. 102 u. f. S. 

Allgem. Reiſebeſchr. II Band. F 


4 nn Kan der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ER EN ee oe Ur men 
Poti und Begesenpeitn während der Reiſe des Hauptmanns Jobſen 
auf der Gambra. 


Der Torpedo oder Krampffiſch; ſeltſame Wirkung; Titel. Jobſons Beſuch beym Könige, Das 
Mittel dawider. Der Schwarzen Furcht vor Land wird den Englaͤndern geſchenket. Der 
dem Bumbo oder Crocodile; ſolcher wird abge- Schwarzen Art, das Land zu uͤbergeben. Sam⸗ 
Holfen. Starker Muskusgeruch und Geſchmack gulley, der ſchwarze Junge, kehrt nach Batto 
an dem Waſſer und Fiſchen. Koͤnig von Kaſſan zuruͤck. Große Verſammlung daſelbſt. Job⸗ 
wird abgeſetzet. Beſuch bey einem alten Mar: fon tanzet unter ihnen. Samgulley wird be⸗ 
buten Sein Tod und Begraͤbniß. Bukkor ſchnitten. Neugierde der Weiber. Eine grau⸗ 
Sanos Aufzug. Handel zu Tinda. Daſelbſt ſame Verrichtung. Ein liſtig Pfaffenſtuͤckchen. 
iſt kein Sklavenhandel. Das Volk verſammlet Engländer werden erſchreckt. Der Teufel wird 

fich an beyden Seiten des Ufers. Nachricht von entdeckt; aber Jobſon Raubet ihn. 
ihm. Koͤnig von Jelikot. Bukkor Sanos neuer 


Torpedo, A Jobſons Schiff zu Kaſſan lag, welches der hoͤchſte Ort war, wohin ſie gekommen: ſo 
oder Krampf⸗ erhielten fie eine große Menge Fiſche. Eines Tages, da fie auch einen guten Zug gethan, 
Fi, und die Fiſche an Bord gebracht hatten, warfen ſie ſolche auf dem Verdecke aus. Als 
darunter einer von ihnen, der einem Braſem ähnlich ſah, von einem Matroſen aufgenommen 
wurde, ſo ſchrie dieſer ſogleich, er hätte den Gebrauch feiner Hand verlohren. Was, fagte 
ein anderer, bloß vom Anruͤhren eines Fiſches! Er gieng darauf bin, ſtieß den Fiſch mit 

dem Fuße, welcher nackend war, und fand, daß ihm das Gefuͤhl vergieng. Dieß brachte 
das Schiffsvolk rund um ihn her. Als es nun ſah, daß ſie von ihrer Erſtarrung bald wie— 
der zu ſich ſelbſt kamen: ſo rief es den Koch auf das Verdeck, und ſagte, er ſollte den Fiſch 
wegnehmen. Er war ein einfältiger Menfch, und that es alſo mit beyden Haͤnden. So⸗ 
gleich ſank er nieder, und beklagte ſich bitterlich, daß ſein Gefuͤhl wegwaͤre n). Ein Schwar⸗ 
zer, Sandie genannt, welcher portugieſiſch ſprechen konnte, kam an Bord, lachte uͤber ihre 
Furcht, und ſagte, ſie ſollten den Sifch tödten, fo koͤnnte er ihnen kein Leid mehr thun, weil 

ſeine boͤſe Eigenſchaf t aufhoͤrte, wenn er todt waͤre o). 

Der Schwar⸗ Es giebt in der Gambra viele Crocodile, welche von den Landeseinwohnern Bumbo 
zen Furcht genannt werden. Die Schwarzen fuͤrchten ſich dermaßen vor ihnen, daß ſie ſich nicht un⸗ 
e Cros ferſtehen, ihre Hände in dem Fluſſe zu waſchen, noch vielweniger durchſchwimmen oder wa⸗ 
ten wollen, indem fie viele klaͤgliche Geſchichte von ihren Freunden haben, die von den Cro— 

codilen verſchlungen worden; und wenn ſie ihr Vieh hinuͤber fuͤhren, welches ſie oftmals thun 

muͤſſen: fo nehmen ſie die Zeit i in Acht, wenn niedrig Waſſer iſt. Es ſteigen ihrer fuͤnfe 

oder ſechſe in einen kleinen Kahn, und fuͤhren den Ochſen mit einem Stricke, der um ſeine 

Hörner gebunden iſt, ins Waſſer, wobey ihn einer dicht an dem Boote halt, dem noch ein 

anderer benfteht, der den Ochſen bey dem Schwanze zieht, da unterdeſſen ein Marbut uͤber 

ſeinem Ruͤcken ſteht, welcher bethet, und auf ihn ſpucket, um den Crocodil zu bezaubern: 

und wenn dieß ja fehlen ſollte, ſo hat der vierte ſchon ſeinen Bogen fertig gemacht, und auf— 

gezogen, 

n) Kämpfer Amenitat. Exotic. d. d. 315 S. caner an dem perſiſchen Meerbuſen gelernet, und 

bemerket, daß dieſe Wirkung koͤnne vermieden wer- nebſt vielen andern bewaͤhrt gefunden. Gvington 

den, wenn man den Athem ſtark an ſich haͤlt, wel- in ſeiner Reiſe nach Surat a. d. 49 S. erzaͤhlet 

ches außerordentliche Geheimniß er von einem Afri⸗ eben das, und ſaget, er habe es von Kaͤmpfern ſelbſt. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 43 

gezogen, um ſobald er ſich nur blicken läßt, auf ihn zu ſchießen. Wegen dieſer Furcht woll- 162 

ten die Schwarzen, welche Jobſon bey ſich hatte, bey den erſten beyden ſeichten Canaͤlen, zu Jobſon. 
welchen fie kamen, nicht ins Waſſer gehen, das Boot fortzuhelfen. Als fie aber zu dem rd Fren 
dritten kamen, wo er mehr Leute brauchte: fo ſprang er ſelbſt ins Waſſer. Als fie dieſes benommen. 
ſahen, ſo folgten ſie ihm ſogleich, indem ſie weislich erwogen, daß, da die Weißen mehr in 
dem Waſſer ſchienen, als die Schwarzen, der Bumbo ſie zuerſt anfallen wuͤrde; und her⸗ 
nach weigerten ſie ſich niemals, wieder hineinzugehen. Ueberhaupt bemerket er, daß dieſe 
Thiere gemeiniglich in großen Geſellſchaften auf en Sande liegen, und den Anblick und 
das Geraͤuſch von Menſchen eben ſo ſehr ſcheuen, als die Schlangen in England; in tiefem 
Waſſer aber kuͤhner ſind. Dennoch wollen die Schwarzen, daß ſie nicht ſo gefaͤhrlich 
find, nachdem die Weißen auf den Fluß gekommen, als zuvor 5). Jobſon bemerkte, daß 
zu Kaſſan die Moren oder Schwarzen dreiſte ins Waſſer giengen, bis zu einer gewiſſen 
Weite vom Ufer, wo eine Sandbank lag. Sie ſagten, dieſes Stuͤck von dem Fluſſe ſey 
frey von der Gefahr, indem es von einem Marbuten geſegnet worden, daß ihnen der Bumbo 
hier keinen Schaden zufuͤgen ſollte. Und es iſt merkwuͤrdig, daß die Englaͤnder an dieſer 
Seite niemals einen Crocodil ſahen, obgleich oftmals ſehr große an die andere Seite kamen, 
welches fie ſehr wohl wahrnehmen konnten, weil das Schiff in der Mitte lag. 


Der Crocodil hat einen ſehr ſtarken Muskusgeruch, und ungefaͤhr drey Tage vorher, Starker 
ehe fie nach Tinda kamen, verlohren das Waſſer und die Fiſche den Geſchmack, den fie hin⸗ Muskus⸗ 
ter Barrakonda hatten, und waren mit dem Muskusgeruche dergeſtalt angeſteckt, daß ſie geruch. 
beydes nicht brauchen konnten, ſondern genoͤthiget waren, am Lande Quellen und friſch Waf: 
fer zu ſuchen J). Hieraus ſchließt er, daß dieſe Thiere mehr oben in dem Fluſſe, als unter- 
halb deſſelben anzutreffen wären, wo er dergleichen Wirkungen nicht gefunden. Er beſtaͤ⸗ 
tiget ſolches mit dem Geſchreye, welches hier größer, als vorher war, und auf eine Seemeile 
weit konnte gehoͤret werden, als wenn es aus einem tiefen Brunnen kaͤme. Daraus folgert 
er, daß der Fluß noch weiter hinauf gehe, und hält dafür, es ſey oben eine große Lache, wor⸗ 
innen fie erzeugt würden 5). ! 

Der Verfaſſer fand auf feinem Ruͤckwege von Barrakonda den König von Kaſſan, den König von 
er bey ſeiner Hinaufreiſe beſucht, und mit dem er getrunken, ſehr ſchwermuͤthig. Er war Kaſſan wird 
lahm, und hatte daſelbſt viele Jahre regiert ). Seine Bekuͤmmerniß war nicht ohne Ur- abgeſetzt. 
ſache, weil er wenig Tage vorher genoͤthiget worden, feine Gewalt dem rechtmäßigen Sohne 
des letzten Koͤniges abzutreten, den der Koͤnig von Burſal wieder in ſeine Erbſchaft einſetzte. 

Dieſer neue Fuͤrſt ſchickte dem alten Koͤnige einen Befehl, ſich zuruͤck zu begeben, dem er 
nicht ohne Widerſtande gehorchte. Er gieng mit ſeinen Weibern uͤber den Fluß, und ver⸗ 
ließ die Stadt feinem Nachfolger. Als dieſer ſah, daß Jobſons Pinnaffe abreifen wollte: 
fo ſchickte er nach dem Factor, und verſprach ihm feine Gewogenheit und feinen Beyſtand. 
Dieſer alte König war von einer Beyſchlaͤferinn gebohren t), und alſo nicht der recht⸗ 
maͤßige Erbe. | 


F 2 Zu 
0) Jobſons Goldhandel a. d. 23 u. folg. S. 7) Die Eingebohrnen eſſen den Crocodil ſelbſt. 
Moore faget: Er habe eben die Eigenſchaften, „) Jobſon wie oben a. d. 19, 24 u. f. S. 
wenn er todt ſey. s) Beym purchas ſcheint es Wuley- wuley 
» Ebend. a. d. 17 u. f. S. zu ſeyn. t) Purchas ſaget, ein Gefangener. 


1620 


Jobſon. 


UL 
Beſuch bey 
einem alten 
Merbuten. 


44 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Zu Setiko fuͤhrte ihn der erſte Marbut, Fodi Karire, deſſen Erfahrung und Treue 
ihm bey ſeinem ganzen Handel auf dem Fluſſe große Dienſte gethan, zum Fodi Bram, 
dem oberſten Marbuten, oder hohen Prieſter. Als er nach deſſen Hauſe kam, ließ er ſich in 
dem Vorhofe nieder, welchen die Vornehmern rund um ihren Haͤuſern haben, um ſich in 
die Luft fegen zu koͤnnen, da unterdeſſen fein Alchade fein Geſchenk, von ungefähr achtzehn 
Pence am Werthe, hineintrug; und gleich darauf ward er ſelbſt hinein gelaſſen. Er fand 
den alten Mann gefaͤhrlich krank; aus Ehrerbiethung aber richtete er ſich auf ſeinem Bette 
oder ſeiner Matte auf, wiewohl er von dreyen ſeiner Weiber unterſtuͤtzet wurde. Er empfing 
den Hauptmann ſehr hoͤflich, dankte ihm freundlich fuͤr ſein Geſchenk, und gab ihm eine 
Mahlzeit, die in einem benachbarten Hauſe angerichtet wurde. Unter andern Sachen wurde 
auch ein Gericht von einer Art runden Kuchen aufgeſetzt, die aus ihrem Landkorne gemacht wer⸗ 
den, und fo klar ausſehen, als eine Gallerte 2). Dieſes wurde, wie ihm der Alchade ſaget, 
fuͤr eins von ihren vornehmſten Leckerbißchen gehalten. Als ſie ſatt waren, ſo kam ein 
Bothe von dem alten Manne mit dem gewoͤhnlichen Complimente, und einem Geſchenke 
von einer großen Haut, und einem ſehr dicken Elephantenzahne; und beym Weggehen gab der 
Verfaſſer feinen dreyen Weibern jeder einen zinnernen Ring, welche mit Danke angenom- 
men wurden. Der alte Marbut war nicht im Stande, ſich in ein Geſpraͤch einzulaſſen, 
weil er große Schmerzen hatte; nur murmelte er unvollkommen die Worte her, Adam, 


Eva und Moſes. Dennoch wollte er den Verfaſſer nicht eher gehen laſſen, als bis er 


Sein Tod 


niß. 


von einem vortrefflichen Gerichte von Milchrohm, welches mit Korne nach ihrer beſten Art 
angerichtet war, gegeſſen hatte x). 

Der Marbut ſtarb den folgenden Abend; bey welcher Gelegenheit man mit Erſtaunen 
ſah, was für eine Menge ſich von allen Orten einfand, fein Leichenbegaͤngniß mit zu begehen, 
ſintemal keiner mit leeren Händen kam. Einige brachten Ochſen und Ziegen, andere Feder: 


und Begräb- vieh und Reiß oder Maiz. Als der Körper in das Leichenhaus geſetzt, und ein Topf mit 


Waſſer dabey geſtellt war: ſo umgaben ſie das Haus, und machten ein Geſchrey, faſt wie 
die irlaͤndiſchen Nachteulen, mit naͤrriſchen Geberden, ſonderlich die Weiber. Nachdem 
ſie eine Zeitlang in einem Kreiſe rund um dem Grabe geſeſſen, ſo hielt ein jeder Marbut 
eine Leichenrede zum Lobe des Verſtorbenen, auf welche das Volk ſehr aufmerkſam war. Es 
beſchenkte auch den Redner, nachdem ihm ſeine Rede gefallen. Nach dieſem machte ein 
jeder vornehmer Marbut einen Ball von der aus der Gruft ausgegrabenen Erde, und be— 
feuchtete ſolchen mit dem Waſſer aus dem obgedachten Topfe. Dieſer wurde als ein Het: 
ligthum von großem Werthe auf behalten, und des Verfaſſers Alchade würde ſolchen auf 
keinerley Art und Weiſe weggegeben haben. Er wurde damit beehret, weil Jobſon einige 
Spica Romana und Orras ſchenkte, welche ſie nebſt andern wohlriechenden Kraͤutern mit 
ihm begruben. Dieſe Verſammlung waͤhrte zwoͤlf Tage, und gieng das Volk beſtaͤndig 
ab und zu, nicht bloß nur das Begraͤbniß abzuwarten, ſondern es fing ſich auch nach der 
Beerdigung eine andere große Feyerlichkeit an, da man den Sohn in ſeines Vaters Wuͤrde 
einſetzte. Ein jeder brachte ihm ein Geſchenk, als Ochſen, Ziegen, Haͤhne, Huͤhner, Reiß, 

und 


10 Dieß ſcheint eine Art vom Breye zu ſeyn. are bey dieſer Gelegenheit, er habe kein Schaf im 

d k a 
x) Jobſon, wie oben a. d. 63 u. f. S. In an een. . was aus fremden Laͤndern dahin 
9) Purchas ſaget, wie Ziegen. Jobſon bemer⸗ 2) Jobſons Goldhandel a. d. 70 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 45 
und alle Arten von Getreyde, und unter andern einen großen Widder mit Wolle, grob, wie 1620 
Haar ), der auf einer Hürden gebunden, von zweenen Männern getragen ward. Dieſer Jobſon. 
ſollte zu einem Opfer dienen 2). a 8 * 
Als Bukkor Sano zu dem Hauptmanne Jobſon an den Fluß Tinda kam: ſo wurde Bukkor Sa⸗ 
er von vierzig Leuten begleitet, worunter ſeine Frau und Tochter war, welche vor ihnen nos Aufzug. 
her Muſik machten, und Bogen und Pfeile in ihrer Hand hatten. Ihnen folgten inner⸗ 
halb zwoen Stunden auf zwey hundert Leute, Männer und Weiber, welche Ziegen, Feder: 
vieh und Korn brachten. Bukkor Sano beſchenkte ihn mit einem Rinde 2). Der Haupt: 
mann nahm ihn mit an Bord, wo zu feiner Bewillkommung drey Stuͤcke abgeſchoſſen 
wurden. Dieß nennte er des weißen Manns Donner, und war ſehr vergnuͤgt daruͤber. 
Er gab uͤberall vor, um es unter die Leute zu bringen, ſie toͤdteten die wilden Thiere und 
die Voͤgel in der Luft mit Donner. Sie hatten ein großes Thier geſchoſſen 5), und ſchoſ— 
fen täglich einen Vogel, Schleicher genannt, der wegen feiner Federn in feinem Schwanze 
ſchaͤtzbar war. Bukkor Sano wurde gegen Abend von ihrer Roſa Solis betrunken, da 
er ſich vor deren Staͤrke nicht in Acht nahm. Er wurde ſehr krank davon, war aber nach⸗ 
gehends maͤßig. g | 
Der Hauptmann zeigte ihm ihre Waaren. Als er ihr Eiſen ſah, fagte er, das wiirde Handel zu 
von einem benachbarten Volke gemacht. Dennoch ſetzten ſie uͤber einen Drittel davon Tinda. 
um guten Preis ab, und haͤtten für alles zuſammen Haͤute haben koͤnnen, welches fie aber 
ausſchlugen, weil ſolches eine gar zu ſchwere Ladung fuͤr ihr Boot war. Alle andere Sa— 
chen wurden hindangeſetzet, ſobald ſie ihr Salz ſahen, ob es gleich nur Bayenſalz war: denn 
als ſie es koſteten, riefen ſie: Alle d. i. Sehr gut, und fragten nach nichts weiter. Buk⸗ 
kor Sano gieng ans Ufer, und befahl, alle Leute ſollten ihren Handel mit ihm ſchließen. 
Unter andern Gütern hatten fie auch einige Sklavinnen mit zum Verkaufe gebracht, die Kein Skla— 
aber Jobſon nicht haben wollte, indem er anfuͤhrte, dieſe Art von Handel waͤre bey den venhandel 
Englaͤndern nicht gebräuchlich. Ihre anderen Waaren waren Zähne, Baumwolle, Garn damals. 
und Cattun, oder Zeuge der Schwarzen. Sie tauſchten ſolche gegen Salz und Eiſen 
ein, gedachten aber nichts vom Golde, ob ſie wohl ſahen, daß die Weiber Ohrringe davon 
trugen. Sie hielten es aber fuͤr beſſer, wenn der erſte Vorſchlag davon durch Bukkor 
Sano gethan würde. Dieſes fiel nach ihrem Wunſche aus. Denn da er ihre vergoldete 
Degen und goldene Zierrathen ſah, ſo fing er davon an, und ſagte, wenn er ihre Meynung 
in dieſem Stuͤcke gewußt hätte, fo hatte er Gold genug anſchaffen koͤnnen, ihre ganze $a= 
dung zu kaufen, welches er auch noch thun wollte, wenn ſie ihre Handlung hieher fort— 
ſetzten. Unterdeſſen verſchaffte er ihnen alles Gold, welches das Volk daſelbſt hatte. 
Denn es waͤre Gold genug, ſagte er, in dem Lande, und er waͤre viermal in einer großen 
Stadt geweſen, eine große Strecke von hier, wo die Haͤuſer alle mit Golde gedeckt waͤ— 
ren ), doch fanden ſich Feinde unterwegens. Dennoch erboth er ſich aber, fie dahinzu— 
fuͤhren, da er ihr Geſchuͤtz ſah. Einige Zeit hernach erkundigte ſich Jobſon nach ſeiner 
Degenklinge, und nach einem Paar metallenen Armbaͤndern, welche eine von ſeinen Et 
53 bern 


4) Purchas faget, dieſe Geſellſchaft habe Zie⸗ 5) Purchas faget, es waͤre ein Antelope gewe⸗ 
gen, Huͤhner und Haͤhne gebracht, welche ſie um ſen, ſo groß als ein Hirſch. a 
geringen Preis gekauft. Siehe II Band auf der c) Purchas ſaget, dieſes Volk truͤge eiſerne 
923 Seite. Ringe in ihren Ohren, Lippen und ſonſt wo. 


46 Reiſen längſt der weſtlichen Kuͤſte von Afrieg, 


1520 bern trug, indem ihm beydes von ſo guter Arbeit zu ſeyn ſchien, als wenn es in England 
Jobſon. gemacht worden. Hierauf ſagte er, dieſes und einige ſolche Dinge würden von den obge: 
dachten Arabekern dahin gebracht. 4) Er meldete ihm auch, daß die Stadt mit den Gold⸗ 

bedeckten Haͤuſern vier Monatreiſen von hier läge. Der Verfaſſer bemerket, daß ſolches 

nicht weit ſeyn koͤnne, weil fie nicht viel über fünf Stunden des Tages reifen, da fie ihren 

Eſeln folgen, die ihren ordentlichen Paß halten; und bey einem jeden Platze, oder in jeder 
anſehnlichen Stadt bleiben fie zweene oder drey Tage liegen. Dieſer Bukkor Sano ver⸗ 

ſtund etwas von der Handlung, und nannte ſich einen Julietto, d. i. einen Kaufmann. 

Da er auch mit ihnen handelte, verlangte er, daß man ihm deswegen vor andern etwas zu 

gute kommen laſſen ſollte, welches ihm der Verfaſſer auch wegen feiner geleiſteten Dienſte 

zugeſtund e). N N 

Velk von Nachdem fie zweene von ihren Schwarzen abgeſchickt hatten, dem Volke auf der an⸗ 
beyden Sei⸗ dern Seite des Fluſſes von ihrer Ankunft Nachricht zu geben: fo kamen fie in zweenen Tax 
cen. gen mit mehr als fuͤnf hundert Perſonen, Maͤnnern und Weibern, zuruͤck, welche Waaren 
brachten, und Huͤtten von Rohre bauten, wie die andern gethan hatten. Aus ihren oͤftern 

Beſuchen uͤber dem Fluſſe erſah man, daß ſie einander kannten; und obgleich jedes eine be⸗ 

ſondere Sprache hatte: ſo unterredeten ſich doch die Vornehmen in eben der Sprache, die 

an der Muͤndung des Fluſſes gebraͤuchlich war. Dieſe Bekanntſchaft zwiſchen dem Volke 

an beyden Seiten des Fluſſes, nimmt er als einen Beweis an, daß der Fluß hoͤher hinauf 

gehe, und daß unter ihnen ein Handel daſelbſt getrieben werde; wie auch daß ſie Kaͤhne 

haben, weil fie ſich nicht getrauen, über den Fluß zu waten, wenn er auch noch ſo ſeicht iſt, 

Nechricht aus Furcht vor dem Bumbo oder Crocodile. Dieſes Volk hatte niemals einen Weißen 
davon. geſehen, und die Weiber waren ſehr ſcheu und furchtſam. Sie liefen hinter die Männer 
und in die Hütten, wenn die Engländer ſich ihnen nähern wollten. Sie machten fie aber 

bald vertraut, da fie ihnen einige Glasknoͤpfchen gaben. Zur Vergeltung ſchenkten fie ih⸗ 

nen Toback, und ſchoͤne zierliche Roͤhre zu Pfeifen. Dieſe Weiber hatten die tiefſten und 

groͤßten Merkmaale auf ihren Ruͤcken, welche Jobſon jemals geſehen hatte; ſie hatten 

aber goldene Ohrringe. Die Maͤnner ſchienen von einem barbariſchern und wildern Volke 

zu ſeyn, als die andern. Einige darunter hatten Hoſen von rohen Haͤuten von wilden 

oder andern Thieren, mit den Schwaͤnzen daran, die ſie von ihrem Leibe hinunter haͤngen 

ließen, welches den gemietheten Schwarzen des Hauptmanns ſehr luſtig vorkam, von den— 

jenigen aber, die es trugen, fuͤr eine angenehme Zierde gehalten wurde. Jobſon fuhr zu 

ihnen hinuͤber, und unterredete ſich in ſeinem Boote mit dem Vornehmſten unter ihnen, 

Baſay Dinggo 7) genannt. Dieſer ſagte ihm, fie hätten feine Stuͤcke auf der andern 

Seite gehoͤrt, und waͤren ſehr daruͤber erſchrocken, indem ſie ſolche fuͤr Donner gehalten, 

da doch der Schall nicht von dem gewoͤhnlichen Orte gekommen. Was die Handlung 

betraf, ſo fragten ſie vornehmlich nach Salze. Die Weiber fragten nach andern Waaren. 

Er ſetzte bey ihnen ein wenig Salz um, welches von denen auf der andern Seite ungern 

war zuruͤck gelaſſen worden. Und ſie lagen ihn alle ſehr an, daß er wieder zu ihnen kom⸗ 


men moͤchte. 
Er 
44) Siehe oben a. d. 4 S. jay Diniko, oder Bajay Dinko Usko. 
6) Jobſon wie oben a. d. 26 u. f. S. 9) Auf drey Stunden. 


F) Beym Jobſon Baiage; beym Purchas Ba⸗ b) In Guinea heißen fie Handelslente. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 47 


Er verließ ſie ganz von dieſer Hoffnung eingenommen, und gieng wieder uͤber den 1620 
Fluß zuruͤck, wo er den Koͤnig von oe an welches der kleine Fuͤrſt von dem Lande Jobſon. 
war, wo ſie handelten. Er hielt ſich vier Tage auf, und ſpeiſte alle Abend mit Bukkor Kön vort 
Sano am Borde. Es war merkwuͤrdig, daß ſie niemals ihre Weiber mitbrachten, ob Jellkot 58 
fie gleich ſolche am Ufer hatten, wo Hütten für fie aufgebauet waren. Jobſon aber trug 
Sorge, daß ihnen ſtets einige Fiſche und Voͤgel geſchickt wurden, die er fangen und ſchießen 
ließ. Nach dem Abendeſſen giengen ſie gemeiniglich alle ans Ufer, zu einem von ihren 
Käufern, vor welchem ein Feuer angemacht, und Matten ausgebreitet waren. Sie mach⸗ 
ten Muſik und brachten den übrigen Abend g) mit Singen, Tanzen und kriegeriſchen 
Uebungen mit ihren Bogen und Pfeilen zu, da fie allerhand Luſtbarkeiten anſtellten, die 
Englaͤnder zu vergnuͤgen. 

Drey Tage vorher, ehe fie ihren Handel endigten, bezeugte Bukkor Sando eine Be- Bukkor Sa⸗ 
gierde, förmlich zu ihrem Alchade oder Factore 4) beſtaͤtiget zu werden. Jobſon beklei- 9° neuer 
dete ihn mit dieſer Ehre, da er ihm eine Corallenſchnur und eine andere von Glasknoͤpfchen Titel 
um den Hals band, und ihm auch eine kleine ſilberne Kette umhing. Darauf feuerte er 
drey Stuͤcke ab, und trank ihm in einer Schale voll Koſa Solis zu. Alle riefen mit ei- 
nem lauten Freudengeſchreye: Alchade Bukkor Sano, Alchade Bukkor Sando. Aus 
Stolz wegen dieſes neuen Titels rief er ſogleich nach dem Ufer, und befahl ſeinen Fiedlern, 
fie follten ihm an der Waſſerſeite entgegen kommen, und feine Weiber ſollten ihm alle 
Nuͤſſe 7), die er hätte, dahin bringen. Jobſon brachte ihn mit aller möglichen Pracht 
ans Ufer, und ſobald als er gelandet, theilte er zum Zeichen ſeiner neuen Ehre alle ſeine 
Nuͤſſe frey unter dem Volke aus, welches ihm entgegen gekommen war. Als dieſes ge— 
ſchehen, ſo gieng er mit den Englaͤndern, da die Muſik vor ihm her ſpielte, zu des Koͤnigs 
Haufe, den er auf einer Matte vor der Thuͤre bey einem Feuer von Schilfe ſitzen fand A), 
welches beſtaͤndig brennend erhalten wird; ſie bedienen ſich auch keines andern Lichts. | 

Zuerſt führte er den Hauptmann zum Könige, und ſetzte ihn neben feiner Majeſtaͤt auf Jobſon be: 
eben die Matte, er ſelbſt aber ſtund in einiger Entfernung von ihm, da er den König um fuhrt den 
ſeine Gewogenheit und Guͤte gegen den Hauptmann und die Englaͤnder bath, welche ſaßen. en 
Seine Majeftät gab ihm eine gnaͤdige Antwort, und bewilligte ihm alle ihr Suchen. Hier: 
auf fiel Bukkor Sano auf feine Knie, bedankte ſich und ſchenkte ihm obgedachte Glas⸗ 
und Corallenſchnuͤre, welche er guͤtig annahm, ſie ſich um den Hals legte, und zur Ver— 
geltung ſagte, er wollte des Hauptmanns wegen, und um ſeine Liebe gegen die Englaͤnder 
zu zeigen, ihnen freywillig das ganze Land ſchenken, wo ſie itzo waͤren, da er ihnen den Be— 
ſitz davon auf eine eben fo weitläuftige Art übergäbe, als der große König ihm ſolchen ge- 
geben hätte, Sobald er dieſe Worte geſprochen, zog Bukkor Sano, der noch auf den Das Land 
Knien war, ſein Hemde aus, welches er einer von ſeinen Frauen gab, die bey ihm ſtund, wird den 
und legte ſich nackend von der Hüfte bis oben hinauf platt auf fein Geficht, da die beyden Enaländern 
Marbuten, welche der Hauptmann bey ſich hatte, und ein anderer, der dem Koͤnige gehoͤrte, gegeben. 
einen großen Haufen Staub, Sand und kleine Steinchen des Orts zuſammen ſcharrten, 
und ihn vom Haupte bis auf die Fuͤße damit bedeckten. Er nahm darauf ſogleich ſelbſt 
ſeine Haͤnde voll, warf ſie ſorglos um ſich, und kniete darauf wieder mit dem Geſichte nach 

ö a den 


1) Vielleicht Kolanuͤſſe. Orte, daß um den Fluß viel ſumpfichtes Land, und 
4) Der Verfaſſer bemerket an einem andern eine Menge von Rieth oder Schilfe ſey. 


1620 
Jobſon. 


Art, das 
Land zu über: 
geben. 


Samgulley, 
der Schwar⸗ 


ze, 


433 Reiſe laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


den Englaͤndern zu. Die Marbuten in der Mitte zwiſchen ihm und ihnen brachten einen 
runden Haufen von eben dem Staube zuſammen, machten einen kleinen Kreis von Staube 
darum, und einer von ihnen ſchrieb ſolchen voller Charakter, wie ſie bey ihnen gebraͤuchlich 
ſind. Darauf kroch Bukkor Sano auf Haͤnden und Fuͤßen zu dem Haufen, nahm ein 
Maul voll davon, und ſpuckte ſolches ſogleich wieder aus. Dagegen nahm er beyde Haͤnde 
voll von der Erde, wie auch des Hauptmanns Marbuten thaten, und kroch mit ihnen wei⸗ 
ter, kam und warf ſolche in Jobſons Schooß. Als dieß geſchehen, ſtunden ſie auf, und 
zwey Weiber wiſchten Bukkor Sano mit Tüchern ab, und erquickten ihn, worauf fie 
nach Hauſe giengen. Hier legte er ſeine beſten Kleider an, bewaffnete ſich mit ſeinem Bo⸗ 
gen und Pfeilen, und kam mit vierzig auf eben die Art Bewaffneten in ſeinem Gefolge 
zuruͤck, die alle dreymal um die Engländer herum giengen; ein jeder hatte feinen Pfeil 
auf feinem Bogen gelegt. Nach dieſem näherte ſich Bukkor Sano, feste ſich auf fein 
rechtes Knie, mit dem Geſichte von dem Hauptmanne weg, welcher ſaß, legte ſein Bein 
zwiſchen Jobſons ſeine, und da er ihn alſo mit ſeinem Leibe zu bedecken ſchien, wies er ſei⸗ 
nen gezogenen Bogen mit aufgelegtem Pfeile dar, um anzuzeigen, daß er alſo fechten und 
ſeinen eigenen Leib zur Vertheidigung des andern vorwerfen wollte. Hiermit ſtund er 
auf und ſetzte ſich bey dem Hauptmanne nieder, worauf alle die andern eben das thaten, 
entweder vor Jobſonen oder Bukkor Sano. Auf dieſe Art hatten ſie ihnen alſo das Land 
eigenthuͤmlich uͤbergeben, welche Gewogenheit nicht weniger als zwo oder drey Flaſchen 
von des Hauptmanns beſtem Getraͤnke erfordern konnte, wiewohl die Englaͤnder deswegen 
nicht um ſechs Pfennige reicher waren. i 

Als fie den Fluß Tinda verließen, fo drang Bukkor Sano ernſtlich darauf, fie foll- 
ten dem Orte, wo ſie gehandelt, zum Andenken, daß ſie da geweſen, einen Namen geben. 
Jobſon nannte ihn daher St. Johannsmarkt, und wiederholte das Wort verſchiede⸗ 
nemale, damit fie ſichs erinnern konnten. Nachdem er alle fein Salz verthan, fo beglei— 
tete ihn Bukkor Sano eine Meile den Fluß hinab, wo er nach zwey oder drey ausgeleer⸗ 
ten Glaͤſern höflich Abſchied von ihm nahm, und Jobſon drey Stuͤcke abbrannte. So— 
bald er ans Ufer geſetzt war, hob er feine Hände auf, um fie dadurch nochmals zu be— 
gruͤſſen )). Da fie ſich auf ihrem Wege den Fluß hinab zu Batto oder Bo Johns 
Stadt aufhielten: fo ward des Hauptmanns ſchwarzer Burſche Samgulley daſelbſt be⸗ 
ſchnitten. Dieſer Junge, welcher lang und hager war, war vorher ſchon bey Thompſonen 
geweſen, und hatte ziemlich gut engliſch reden lernen. Er war nunmehr ſiebenzehn Jahre 
alt, und haͤtte ſchon das Jahr zuvor beſchnitten werden ſollen, wenn er nicht zu der be— 
ſtimmten Zeit mit den Weißen abweſend geweſen waͤre. Es konnte aber ohne große 
Strafe fuͤr ſeine Freunde, und ohne Gefahr fuͤr ihn ſelbſt nicht laͤnger unterlaſſen werden; 
welches aus dem bezeugten großen Ernſte ſeiner Mutter, ihn aufzuhalten, als ſie hinauf— 
giengen, erhellte, ſaget der Verfaſſer. Der Burſche hatte eine ſolche Neigung zu dem 
Hauptmanne, daß er ſich wider ſeiner Freunde Einwilligung in dem Boote wegſtahl. 
Es war ſolches ſchon zwoͤlf Stunden weg, als es die Mutter einholte, und ſie auf die klaͤg⸗ 
lichſte Art von dem Strande bath, ihn zuruͤck zu ſchicken. Sie ſeufzte ſehr aus Furcht, er 
moͤchte in dem naͤchſten Monate zur Zeit der Beſchneidung nicht da ſeyn, und drohte, ſich 
ins Waſſer zu ſtuͤrzen, wenn ſie ihn nicht hergaͤben. Der Burſche aber, welcher laͤnge 
lang in dem Boote lag, ſagte: Sie wird nicht erſaufen; ſie wird nicht erſaufen, 
laſſet uns nur gehen; und gieng alſo mit ihnen. Dieß 

J) Jobſons Goldhandel a. d. 94 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch III Cap. 49 


Dieß begab ſich den 8ten Jenner, und den gten des folgenden Moonats kamen ſie nach 1620 
Batto zuruͤck. Da der Burſche, welcher zuerſt an das Geſtade ſtiieg, welches ſehr hoch Jobſon. 
war, die Muſik und das Jauchzen in der Stadt hoͤrte, welches eine kleine Meile davon g 
war: fo ſprang und fang er vor Freuden, und ſagte, er wäre noch zeritig genug zum * * * nuch Satte 
Abſchneiden gekommen. Sie giengen in der Abenddaͤmmerung in die Stadt, und woll- zuruͤck. 
ten nach Bo Johns Hauſe gehen: allein der Marbut, ſein Alchade, den Jobſon von hier 
mitgenommen hatte, berichtete ihm, fein Haus würde bey dieſer Gelegenheit voller Frem⸗ 
den ſeyn, und lud fie in ſeiner Mutter Haus. Unterwegens giengen fie vor dem Haufe 
vorbey, worinnen des ſchwarzen Burſchen Eltern wohnten, deſſen Vatter blind war. Die 
Mutter hoͤrte ihres Sohnes Namen nennen, kam heraus, und da ſie iihn antraf, kehrte ſie 
fo gleich ihren Kopf gegen die Wand, weinte bitterlich, und wiederhollte nur den Namen 
Samgulley! Samgulley! Der Burſche wurde weggenommen, man verſprach aber dem 
Hauptmanne, er ſollte nicht eher beſchnitten werden, als bis er den anddern Morgen kaͤme. 

Sie fanden Muſik und einen großen Zuſammenlauf von Leuten cauch um dem Hauſe, Große Ver⸗ 

wo fie einkehrten; aus Ehrerbiethung gegen fie aber kehrten ſolche bey Zeiten zurück, Der ſammlung 
ganze Ort ſah nicht anders aus, als eine Kirmes in England. In allen Haͤuſern, und daſelbſt. 
unter einem jeden ſchattichten und bequemen Baume war Muſik, Truimmeln und Tanzen, 
angerichtete Speiſen, und hingelegte Matten, ſich darauf zu ſetzen. Zugleich ward auch 
ein beftändiger Handel oder Tauſch unter ihnen getrieben. Es fehlte can keinen Lebensmit⸗ 
teln; denn nicht nur die Leute in der Stadt hatten ſich einen Vorrath gegen dieſe Zeit an— 
geſchafft, ſondern das Landvolk brachte auch einen guten Vorrath von delbensmitteln mit ſich. 
Unter andern Geſellſchaften bemerkte der Verfaſſer eine, welche weit entfernter unter den 
ſchattichten Bäumen ſtund, die mit einer Hecke von Schilfrohre und Zweigen eingefaſſet 
waren. Aus dieſer erſcholl ein groͤßer Geraͤuſch von Stimmen, nebſt eiinem ſtaͤrkern Trum⸗ 
meln und Getoͤſe. Man ſagte ihm, hier wuͤrden die bereits beſchnittemen Burſche ſo lange 
verwahret, bis die Wunde geheilet. Es wären einige von ihren Bekannten bey ihnen, 
welche, weil fie älter wären, dieſe Ceremonie ſchon überftanden. 

Da er nach dem Abendeſſen ein Paar Rebhuͤhner von Bo John geſchenkt bekommen: Jobſon tan⸗ 
fo beſuchte er ihn in feinem eignen Haufe. Hier fand er fie nach ihren Ballards m) oder det. 
beſten Muſik tanzen; und um ihnen zu zeigen, daß ſich die Englaͤnder auch ein ſolches Ver— 
gnuͤgen machten: ſo nahm er eins von den ſchwarzen Maͤgdchen, und tamzte mit ihm, welches 
ihnen allen überaus wohl gefiel. Bo John entſchuldigte ſich, daß err fie nicht in feinem 
Haufe haben koͤnnte, welches voller Geſellſchaft war, weil eine von feinem Frauen in Wochen 
lag, zu der er ſie fuͤhrte. Sie lag in einem beſondern Hauſe auf eineer Matte, ſehr ſchoͤn 
nach ihrer Art. Der Hauptmann gab dem Kinde einige Glasknoͤpfchem, die ſehr wohl auf: 
genommen wurden; und der Vater ſagte, wenn es ein Knabe waͤre, ſo wollte er es nach 
einem von ſeiner Geſellſchaft genannt haben, den er am laͤngſten gekanmt haͤtte. Er ſetzte 
aber hinzu, ſeine Frau, Dowri, gienge ſchwanger, und wenn ſie einem Knaben geboͤhre, ſo 
ſollte er feinen, namlich Jobſons Namen führen; denn ſie ſelbſt hätte ces fo verlangt. 

Den folgenden Morgen, da die Sonne ſchon ungefähr zwo Stunden aufgegangen war, Samgulley 
gieng der Hauptmann auf erhaltene Nachricht hin, den Burſchen beſchmeiden zu ſehen. Er wird be: 
wurde in das freye Feld geführt, zwiſchen den Häufern und dem umzlaͤunten Orte, wo ſie ſchnitten. 


ſolchen 


m) Wird von andern Balafo oder Balafu genannt, und nachher beſchriebden. 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. G 


1620 
Jobſon. 
Neugierig⸗ 
keit der Wei⸗ 
ber. 


Grauſame 
Verrichtung. 


Ein Pfaffen⸗ 
Kuͤckchen. 


50 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

ſolchen nach der Beſchneidung hinbrachten. Er hatte nichts, als ein weißes Tuch um, 
welches er ſich kurz vorher von dem Hauptmanne ausbitten laſſen. Nachdem man ihn nun 
auf einen kleinen Hügel geſetzet: fo kam eine Menge von Leuten, meiftens Weiber, die Ver⸗ 
richtung mit anzufehen. Der Burſche zeigte keine Furcht, und bath den Hauptmann, er 
möchte doch feine Hand auf feine Schulter legen. Sogleich kam der Operator hergetreten, 
ein gemeiner Mann, der wie ein Fleiſcher, ein kurzes Meſſer, welches er in der Hand hatte, 
wetzte, und dem Burſchen befahl, aufzuſtehen. Er nahm ihm ſein Kleid ab, und da er 
ſeine Vorhaut ergriffen, zog er ſolche ſehr weit vor, ritzte ihn dreymal vorher, ehe er ſolche 
abhackte. Es ſchien dieſes Jobſonen ſehr erſchrecklich; dem ungeachtet zuckte der Burſche 
nur ſehr wenig, und wollte ganz und gar nicht gehalten werden. Es iſt gewoͤhnlich, daß 
die Freunde des Beſchnittenen dem Beſchneider einige Erkenntlichkeit geben, feine Hände 
damit zu waſchen. Allein, der Hauptmann weigerte ſich ſolches, und ſagte zornig zu ihm, 
er haͤtte den Burſchen verderbt, weil er ihm zu tief geſchnitten. Seine Antwort war, das 
wäre fir den Jungen deſto beffer, und hob dabey feinen eigenen Lappen auf, und wies, daß 
er ſelbſt ſo weit beſchnitten waͤre. ö 

Nachdem die Sache geſchehen, ſo wurde des Burſchen weißes Kleid uͤber ihn geworfen, 
und er ward darauf von zweenen Männern, die feine Arme hielten, geſchwind zu dem obge⸗ 
dachten umzaͤunten Orte fortgefuͤhret, wo er unter die andern jungen Leute eingeſperrt wur⸗ 
de, die mit ihm in gleichen Umſtaͤnden waren. Jobſon that zuerſt Anſuchung, daß er mit 
ihm nach dem Orte gehen moͤchte, und gieng auch mit einigen Leuten fort. Allein, es hohl⸗ 
ten ihn ſogleich vier alte Männer ein, die ihn aufhielten, und ſehr ungehalten auf diejenigen 
zu ſeyn ſchienen, die ihn fortgehen ließen. Sie wollten auch dem engliſchen Wundarzte 
nicht erlauben, Sorge fuͤr ihn zu tragen, ob er wohl vorher oftmals ihre Wunden geheilet 
hatte. Doch erlaubte man ihnen zur Linderung ihrer Schmerzen um dieſe Zeit ein Huͤh⸗ 
nerhaus zu pluͤndern, oder von einem armen Fulier ein Rind zu ſtehlen, um ſich luſtig zu 
machen, obgleich die Geſetze in dieſem Falle zu einer andern Zeit ſehr ſtrenge ſind. Die 
ganze Sache wird ohne eine Art einer gottes dienſtlichen Feyerlichkeit 7) vollbracht, und der 
Verfaſſer hält dafür, es geſchaͤhe bloß zur natürlichen Bequemlichkeit o). 

Bey dieſen Verſammlungen iſt allezeit eine gewiſſe Sache, die niemals fehlet, und das 
iſt ihr bruͤllender Teufel, Ho-rey p) genannt. Sein Geraͤuſch gleicht der tiefſten Baß⸗ 
ſtimme. Man hörte ihn allezeit in einer gewiſſen Weite bruͤllen, und er dienet, die Kna⸗ 
ben g) in Furcht zu erhalten. Jobſon hoͤrte ihn, nachdem er Samgulley verlaſſen, noch 
vor Abends; und er bruͤllet gemeiniglich den groͤßten Theil der Nacht durch. Wenn er 
zuerſt anfaͤngt & bruͤllen, fo verforgen fie ihn mit einem guten Vorrathe von ihren beften 
Eßwaaren. ieſe werden für ihn unter einen Baum hingeſetzt, und find den Augenblick 
rein aufgefreſſen, ohne daß ein Gebein von ihnen zu ſehen iſt. Wenn dasjenige, was ihm 
gebracht wird, nicht genug iſt, ihn ſatt zu machen: ſo ſchnappet er geſchwind einige von den 
unbeſchnittenen Knaben weg; denn die Maͤgdchen ſcheinen nicht nach ſeinem Geſchmacke zu 
ſeyn; und behaͤlt ſie, wie ſie ſagen, ſo lange in ſeinem Magen, bis ſie durch mehr Futter 

5 daraus 

1) Das Wort, deſſen fie ſich in ihrer Sprache 4) Dieſer Zo⸗rey oder Zo⸗ re ſcheint ein Po: 

bedienen, dieſe Ceremonie auszudrücken, heißt nach panz zu ſeyn, von eben der Art, als das Mumbo⸗ 

den Buchſtaben: die Beſchneidung des? “e. Jumbo der Schwarzen, deſſen Moore gedenket, 

„) Jobſons Goldhandel a. d. tos bis 11s S. welches erfunden worden, die Frauensperſonen in 
b) Zuweilen wird es Hor re geſchrieben. Furcht zu halten, wie Ho⸗re die Knaben. 


* 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IIII Cap. 51 


daraus erloͤſet werden. Einige ſollen zehn oder zwölf Tage darinnen geweeſen ſeyn. Noch 162 
mehr, das Opfer muß fo viel Tage, als es in des Teufels Wanſte geweſem,, ſtumm bleiben. Jobpn. 
Jobſon ſah in einer Fulierſtadt auf dem Wege von ihrer Factorey nach) des Ferambras 

Hauſe ein Beyſpiel davon an einem Knaben, ungefaͤhr von achtzehn Jahrren, welcher, wie 

ſie ſagten, nur erſt die Nacht vorher aus des Horey Bauche gekommen; deenn er konnte ihn 

auf keinerley Art bewegen, den Mund zu öffnen, auf welchem er feinen Fiinger hielt, ob er 

ihm gleich eine Flinte vorhielt, wovor fie ſich von Natur am meiſten fürdchten; und doch 

kam dieſer Burſche hernachmals zu ihnen, und hatte viel mit ihnen zu thuun. Sie reden 

ins geſammt von dieſem Ho⸗ rey, als einem ſehr fuͤrchterlichen Geiſte, und ess iſt ſeltſam, mit 

was fuͤr Gewißheit ſie behaupten, daß ſie von ihm weggefuͤhrt und verſchluungen worden. 

Die Engländer von der Factorey bey Setiko wurden oftmals, wemn: fie des Abends Engläwer 
nach ihrem Vogelfange oder Spatzierengehen nach Haufe giengen, erſſchhreckt; denn die werden er⸗ 
Stimme, welche den Augenblick eine Meile weit von ihnen zu ſeyn ſchien, war dicht hinter ecke 
ihnen, welches ihnen nach der Erzählung, die fie von dieſem Ho rey gehoͤoͤret, eine ſolche 
Furcht einjagte, daß ſie kaum Beine genug hatten, nach Hauſe zu kommen. Daſelbſt aber 
waren fie auf einmal ſicher genug; denn Seine Gnaden, der Herr Horey, war niemals fo 
kuͤhn, daß er in die Graͤnzen ihres Wohnplatzes kam. 

Jobſon war der Meynung, daß dieſes nur eine Betruͤgerey der Maarbuten oder der Der Teifel 
ältern Art Leute waͤre, um die juͤngern in Furcht zu erhalten. Und er haatte in der That wird en⸗ 
gute Urſache, ſolches zu glauben, da er ſelbſt das ganze Blendwerk entdeckt hhatte. Denn da N 
er bey der Beſchneidung ſeines Burſchen um Mitternacht, zur Zeit des Wollmonds, von 
Bo Johns Haufe nach dem Orte zu Faye 5) gieng, und Hor rey ſehr gefckhäfftig war, zu 
bruͤllen, das Geraͤuſch auch nicht weit von ihnen zu ſeyn ſchien: fo ſchlug er; vor, fie wollten 
ihn mit ihrem Schießgewehre heimlich aufſuchen. Da auch einer von doen dreyen Eng— 
laͤndern mit ihm etwas zurück zu bleiben ſchien: fo merkte der Marbute ſeinne Abſicht, und 
bath ihn ernſtlich, ein fo gefährliches Unternehmen fahren zu laſſen. Err ſagte, Hos rey 
wäre nicht zu finden; bald würde ein Geſchrey dichte bey ihm, namlich bey Jobſonen, und 
den Augenblick darauf ein anders über dem Fluſſe eine Meile davon gehhoͤret 5); kurz, 
es wäre zu befürchten, er möchte den Hauptmann mit ſich in den Fluß fühhren. Da der 
Prieſter ſah, daß er Jobſons Entſchluß nicht aͤndern konnte: ſo hielt er ihm bey dem Arme, 
und wies auf einen Schwarzen, nicht weit von ihm, der ſeinen Kopf niedderhielt. Der 
Hauptmann gieng zu dem Manne hinan, welcher ein ſehr munterer Menſſckch war, um mit 
ihm zu reden. Allein, er war davon, daß er den Ho- rey gemacht, fo heißerr geworden, daß 
er nicht reden konnte. Hierauf gieng er zuruͤck, und ſagte zu dem Marbutenn: da iſt einer 
von euren Teufeln. Dieſer laͤchelte darüber, und gieng fort. 

Dem ungeachtet iſt Jobſon doch fo ſchwach, daß er ſaget, der Teufel habbe ohne Zweifel Jobſon Ger 
eine Gemeinſchaft mit dieſen Leuten, ob er wohl ſolches bloß auf den Berüchht eines andern glaubet hn. 
gründet. Denn da fie nach Pompetane t) kamen, fo fanden fie einen, Caſppaar Gonſalvos, 
einen Portugieſen an der Seite des Fluſſes ſtehen. Er bewillkommte ſie, unnd nahm ſie mit 

G 2 ſich 
7) Dieß ſcheint das Dorf zu ſeyn, wo er bey des ) Es koͤnnen deren zweene ooder dreye an vers 
Marbuts Mutter gewohnt hatte, wovon vorher ſchiedenen Orten ſeyn, um den Wetrug deſto beſſer 


nichts gedacht worden. So ſorglos iſt der Verfaf⸗ zu unterhalten. 
ſer bey Anfuͤhrung der Sachen. 2) Siehe oben a. d. 38 ©. 


52 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1620 ſich nach Haufe, wo, wie er ſagte, ſchon ein Fruͤhſtuͤck von Huͤhnern und andern Lebensmit⸗ 
Jobſon. teln fuͤr ſie angerichtet waͤre. Da ſich die Englaͤnder wunderten, wie es gekommen, daß er 
ſie erwartet: fo ſagte er ihnen, es hätte ihm ein Juddi oder Fiedler der Stadt, den er ih⸗ 
nen zeigte, geſagt, Horey haͤtte ihm den Abend vorher berichtet, es wuͤrden den folgenden 
Morgen um die und die Stunde fo und fo viel Weiße anlaͤnden. Dieß kam ihnen um fo 
viel erſtaunlicher vor, weil ſie ſelbſt nicht recht die Zeit gewußt, wenn ſie anlaͤnden wuͤrden, 
indem ſie oftmals um Voͤgel zu ſchießen, und aus andern Urſachen angefahren. Gonſal⸗ 
vos aber berichtete ihnen, der Teufel hätte die Abſicht ihrer Ankunft nicht gewußt, ob fie gu⸗ 
tes thun oder ſchaden würden ). Dieſes haͤtte fie denn nicht verzagt gemacht x). 


K K K* X * K K * X * * X * KR *R * * * K * * K * E * * K N X K K 


Das IV Kapitel. 
Ein Schreiben von Entdeckung der Goldadern auf einer Reiſe 


auf der Gambra, durch einen ungenannten Verfaſſer. 
Einleitung. 

er Herausgeber vermuthet, folgendes Schreiben, welches unter D. Hooks Papieren 
S nach feinem Tode gefunden, und unter feinen nachgelaſſenen Werken ans Licht ge: 
ſtellt worden, ſey von einem geſchrieben, der zu Koͤnigs Carls des II Zeiten großen 
Reichthum dadurch erlangt, daß er auf dieſem Fluſſe hinauf gegangen. Seine Beſchrei— 
bung von den Oeffnungen und Kruͤmmungen der Gambra, denen Fluͤſſen, die hineinfallen, 
den anliegenden Bergen u. ſ. w. kann, ſaget der Herausgeber, eine gute Anleitung ſeyn, wie 
man den Ort finden ſoll, wo unſer Verfaſſer ſo viel Gold angetroffen, daß er deſſen genug 
gehabt. Es wird hinzu geſetzt, man koͤnne kaum entdecken, wer er geweſen, indem er ſeinen 
Freund beſchworen, das groͤßte Stillſchweigen zu beobachten; denn man vermuthet, er 
habe befürchtet, es möchte ihn der König oder die Regierung, wenn er bekannt und von ihm 
geredet wuͤrde, von der ruhigen und vergnuͤglichen Einſamkeit, deren er genoͤſſe, nachdem er ein 
hinlaͤngliches Vermoͤgen erlanget, wegrufen, und ihm anbefehlen, auf eine andere Fahrt auszu= 
gehen. Dieß iſt der Inhalt von dem Vorberichte zu dem Schreiben. Wenn wir aber 
unſere Meynung ſagen duͤrfen: ſo ſcheint es uns mehr eine erdichtete Nachricht zu ſeyn, die 
in der Abſicht geſchrieben worden, zur Entdeckung der Gambra anzureizen, als ein wahr— 
haftes Tagebuch von einer Reiſe auf derſelben; denn der Schiffshauptmann Stibbs, der 
im Jahre 1722 den Fluß weiter hinauf gegangen zu ſeyn, und die Plaͤtze unterſucht zu haben 
ſcheint, als er, konnte keine Spuren von dem Goldhandel finden, den dieſer Verfaſſer uͤber 
Barrakonda in ſolchem Ueberfluſſe angetroffen zu haben vorgiebt. Es iſt wahr, das Tage— 
buch, 


u) Jobſon wie oben a. d. us u. f. S. 

x) Wenn es nicht ſolche leichtglaͤubige Leute gaͤ⸗ 
be, als Jobſon: ſo koͤnnten leichtfertige Schaͤlke den 
Menſchen ihre Betruͤgereyen nicht aufheften. Wie 
leicht war es doch dem Jnddi, einige Nachricht zu 
haben, daß Weiße den Fluß hinaufgekommen? und 
dem Gonſalvo, daß er einen Umſtand, was die 


Zeit betraͤfe, hinzu gethan; oder daß er wirklich die 
ganze Geſchichte erſonnen? Nichts iſt gemeiner, 
als ſolche Betruͤgereyen, und das Bekenntniß von 
des Teufels Unwiſſenheit war ein deutlicher Beweis 
von der Betruͤgerey. Allein Jobſon war einer 
von denjenigen, welche deswegen eine Sache nicht 
weniger glauben, weil ſie unvernuͤnftig iſt, und die 

offen⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IV Cap. 53 


buch, welches Stibbs zur Anführung mit fich genommen, erwaͤhnet einiger Pläge, wo der 
Verfaſſer Gold gefunden zu haben ſaget. Da aber der Hauptmann entdeckte, daß dieſes 
nur ein Betrug war: ſo verſtaͤrkte dieſes die Vermuthung, daß auch gedachtes Schreiben 
ein Betrug waͤre. Was die Nachricht betrifft, die er uns von dem Fluſſe giebt, ſo ſcheint 
uns ſolches ein fernerer Beweis zu ſeyn, daß der Brief eine Erdichtung iſt; denn es iſt 
nichts anders, als was Jobſon vorher angemerket, nur mit einigen ſehr kleinen Veraͤnde⸗ 
rungen in dem Ausdrucke. Wir koͤnnen auch nicht wohl begreifen, wie eine fo große Gleich: 
foͤrmigkeit der Anmerkungen, und ſogar der Zufaͤlle, die wir in unſern Noten angemerket 
haben, mit der Aufrichtigkeit des Briefes beftehen koͤnne. Dem ſey aber wie ihm wolle, 
fo koͤnnen wir doch nicht ſehen, aus was für Gründen der Verfaſſer des Briefes vor Herrn 
Moores Reifen dieſes Schreiben für das von dem Hauptmanne Stibbs fo oft erwähnte 
„Tagebuch 4) ausgegeben; weil dieſes nicht nur des Fluſſes Nork und anderer Plaͤtze er⸗ 
wähnet, die in dieſem Briefe nicht gefunden werden, ſondern Hauptmann Stibbs giebt auch 
in feiner eigenen Erzählung einen gewiſſen Vermuyden zweymal für den Verfaſſer deſſelben 
aus 5), und ſetzet ſolches in das Jahr 1661 c). Dieß ſcheint einige Jahre eher zu ſeyn, 
als der Brief geſchrieben worden, wie aus dem vorgedachten Umſtande erhellet, von der Zeit 
naͤmlich, da der Verfaſſer ſeinen Reichthum erhalten. Aus dieſer Urſache haben wir dafuͤr 
gehalten, daß er im Jahre 1675 aufgeſetzet worden, und vermuthlich gab Vermuydens Ta⸗ 
gebuch die erſte Veranlaſſung dazu. Damit unſere Leſer beffer davon urtheilen mögen: fo 
haben wir das Schreiben ohne einige Veraͤnderung eingeruͤckt, außer daß wir hier und dar 
in der Schreibart ein wenig geaͤndert haben, welche an vielen Orten ſehr verwirrt, und 


kaum verſtaͤndlich iſt. 
Inhalt. 


Anbefehlung des Stillſchweigens. Urſachen, die zum Handeln. Materialien zum Arbeiten. Gold⸗ 
Entdeckung geheim zu halten. Regeln wegen reicher Sand. Schlaͤge von einem Wallroſſe. 
Beſchaffenheit der Boote und anderer Sachen; Großer Vorrath von Golde. Reiſe auf dem Fluſſe 
Hauen, Keile, Schmelztiegel, Menſtrua, Holz- über Barrakonda. Anfall von Affen. Das Ende 
kohlen. Kennzeichen, den Ort zu finden. An- von der Reiſe, und die Erfüllung der Wünfche, 
fang der Ader. Lebensmittel zur Reiſe. Guͤter Gold im Ueberfluſſe. 


Euer ungeſtuͤhmes Anhalten nebſt meiner Dankbarkeit fuͤr euren beſondern Unterricht Anbefehlung 
und für eure Unterweiſung in mechaniſchen Sachen, ohne welche meine Arbeit, ich ge- des Still: 
ſtehe es, vergebens geweſen, hat das Geheimniß von mir entweder durch Liebe oder Zwang ſchweigens. 
ausgepreſſet, welches ich niemals bekannt zu machen, mich von neuem entſchloſſen hatte. 
Ich erwarte daher, nach euren ſo theuren und feyerlichen Angelobungen, daß ihr die Sache 
hoͤchſtverſchwiegen halten werdet; und ich wollte lieber zehn tauſend Pfund darum geben, 
als daß ſie dem Koͤnige bekannt wuͤrde. Denn ich bin mit dem Antheile, den mir Gott 
G 3 gegeben 
offenbare Anzeige ihrer Falſchheit bey ſich fuͤhret. von Africa, in dem Schreiben an den Herausgeber, 
Was iſt wee e Mi 2 ee g. d. 12 ©, 0 
8 en de 0% 5 
1 25 einen Augenblick vorher entdeckt, 4) Ebendaſ. a. d. 28g und 294 S. 
daß es eine Betruͤgerey waͤre? Wozu nuͤtzet ſolchen c) Siehe Moores Reiſen u. ſ. w. a. d. 285 S. 
Menſchen die Vernunft? mit der 294 Seite verglichen, bey Gelegenheit des 
a) Siehe Moores Reiſen in die innern Theile Fluſſes Nork. 


Urſachen, es 
zu verhehlen. 


Regeln, we⸗ 
gen Beſchaf⸗ 
fenheit der 
Boote 


und anderer 
Sachen. 


54 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

gegeben hat, fo wohl zufrieden, als wenn ich des Koͤniges Einkuͤnfte hätte, Ich will euch 
auch die große Menge vom Golde nicht völlig kund machen, die ich daſelbſt entdeckt habe, 
da ſie ſo groß iſt, daß man ſie nicht fuͤglich dem Papiere anvertrauen kann, indem man nicht 
weis, vor was fuͤr Augen dieſer Brief kommen, oder durch was fuͤr Haͤnde er gehen mag. 
Ich will euch bloß melden, daß es mir mehr Unruhe gekoſtet hat, deſſen Ueberfluß vor mei⸗ 
nen Gefaͤhrten zu verhehlen, als dasjenige wegzubringen was ich gewonnen; und ich habe 
das Vertrauen, daß, wenn ihr mit dieſer Abſicht umgeht, und den Anweiſungen meines 
Tagebuchs folget, ihr ſelbſt von meiner Meynung ſeyn werdet. Denn wie es heißt, was 
hülfe es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewoͤnne, und naͤhme Schaden an feiner 
Seele: ſo ſage ich auch: was wuͤrde der Reichthum von beyden Indien nuͤtzen, wenn ihr 
dadurch eure Sicherheit, euer Leben und eure Freyheit verloͤhret? Und wie wollet ihr eines 


von dieſen Sachen gewiß ſeyn, wenn dergleichen Dinge denjenigen bekannt werden ſollten, 


welche Gewalt uͤber euch haben, und euch dasjenige befehlen koͤnnen, was ihnen beliebt. 
Aufrichtig zu reden, ſchaͤtzte ich meinen eigenen Frieden und meine Ruhe nicht fo ſehr hoch: 
fo würde ich von ſelbſt kommen, und Seiner Majeſtaͤt das Geheimniß entdecken, wiewohl 
ich ſehr ungewiß bin, ob die Nachricht gut oder ſchlecht fuͤr das gemeine Beſte ausfallen 
wuͤrde. Ich beſchwoͤre euch daher aufs neue, daß, was ihr auch nur unternehmet, ihr mich 
verhehlet, damit ich auf keinerley Art entdecket werde. f 

Wenn ihr das Werk unternehmet, fo laffet euer Boot flachbodenicht machen. Denn 
da meines ungefaͤhr von ſieben Tonnen und nach der gemeinen Art gemacht war, ſo war 
es fo wohl bey den ſeichten Oertern, als bey den Waſſerfaͤllen ſehr beſchwerlich, allwo wir 
es ausladen mußten; und wenn wir es ausgeladen hatten, ſo mußten wir es heben, oder 
es übers Land wegziehen. Ihr muͤſſet auch ein kleines Boot zum gemeinen Gebrauche 
haben J), welches ihr überaus nuͤtzlich finden werdet. Ihr ermahntet mich, zwanzig Pfund 
Queckſilber zum Verſuchen mitzunehmen. Wenn ihr dahin gehet, fo nehmet wenigſtens 
hundert Pfund mit; denn es geht viel bey dem Arbeiten verlohren, wie ihr ſelbſt beſſer 
wiſſet, als ich. Die angerathenen funfzig Pfund Bley find auch etwas zu wenig; neh- 
met alſo hundert und funfzig Pfund. Viel mehr koͤnnet ihr nicht wohl fortbringen, aus 
Furcht ihr moͤchtet euer Boot zu ſehr belaͤſtigen. 

Vom Sal Armoniac habe ich wenig gebraucht; ich kann euch auch deswegen davon 
keinen Rath geben. Den Borax habe ich alle verbrauchet, und wuͤnſchete mehr. Wenn 
ihr hingehet, ſo nehmet funfzig Pfund mit. Mein Sand that mir auch große Dienſte; 
ich verbrauchte ihn ganz. Es iſt beſſer, daß man zehn Pfund zu viel, als zu wenig hat; 
nehmet daher vierzig Pfund. Ich glaube gewiß, ich wuͤrde wohl gethan haben, wenn ich 
einen Chymiſtenblaſebalg mitgenommen, weil ich ſo viele Muͤhr hatte, den andern zurechte 
zu machen, wiewohl ich geſtehe, daß er beſſer iſt, wenn man ihn von neuem angebracht 
hat. Antimonienhorn that mir wenig Dienſte; ich glaube aber, daß ich ſolches meiner 
Unwiſſenheit oder der Ermangelung des rechten Gebrauchs, und des Unterrichts, den ihr 
mir gegeben habet, zuſchreiben muß. Erztklumpen (ingots) wollte ich zweene mitnehmen; 
ich nahm aber nur einen; es fehlte mir noch einer zur geſchwinden Verrichtung. Keile 
nahm ich zwoͤlfe, mit einem oder einem paar großen Haͤmmern, oder Schlägen. Denn 

b unge⸗ 
4) Ein ſolches Boot hatte Jobſon bey ſich. J Es ſcheint uns ganz unmöglich zu ſeyn, den Ort, 
e) Tyber oder Tibir iſt ein Ausdruck für Gold⸗ wofern ja ein ſolcher wo anzutreffen iſt, aus denen Ans 


ſand. wei⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IV Cap. 55 


ungefähr zwölf engliſche Meilen von dem erſten Waſſerfalle oder etwas weiter gegen Suͤ⸗ 
den, an der Seite eines unfruchtbaren Felſens, der gegen Weſten ſieht, iſt eine Kluft in 
dem Felſen, oder vielmehr = „= welche ſehr reich iſt, zwiſchen den Steinen faſt eine halbe 
Hand hoch dick an einigen Orten. Unſere Hauen waren uns hier nicht ſonderlich viel nuͤtze. 
Weil wir aber einige eiſerne Werkzeuge bey uns hatten, die wir ſchwerlich brauchen Eonn- 
ten: fo machten wir mit vieler Mühe einen elenden eiſernen Keil daraus, und fanden fo- 
gleich den Nutzen davon auf einige zwoͤlf oder vierzehn Tage, bis einer von uns unvorſich⸗ 
tiger Weiſe den Keil bis an den Kopf hineintrieb; und da er keinen andern hatte, ſolchen 
wieder zu heben: ſo waren wir genoͤthiget, ihn hinter uns zu laſſen, zu unſerm großen 
Nachtheile und Kummer. Sechs oder acht hoͤlzerne Schaalen aus England find fehr noͤ⸗ 
thig und beffer, als die Kuͤrbiſſe, welche ich zu brauchen genoͤthiget war. Es iſt nicht 
ſchlimm, wenn man einen Vorrath davon mitnimmt. | 

Was die Schmelztiegel anlanget, fo muß ich euch melden, daß vier große Schmelz: Schmelztie⸗ 
toͤpfe in unſern großen Werken beſſer ſeyn werden, und man geſchwinder damit fortkom⸗- gel. 
men kann, als mit ſechs Saͤtzen Schmelztiegeln; ob man gleich deren nicht wohl entbeh— 
ren kann. Ich war genoͤthiget, einen zerbrochenen irdenen Topf zu brauchen, den ich bey 
mir hatte, und der zuletzt in Stuͤcke zerfiel. Haͤtte ich Schmelztiegel und Toͤpfe genug ge⸗ 
habt, ſo haͤtte ich ſoviel Gold in Sand oder Tyber mitgebracht e). * N 

Was die ſcheidenden oder auflöfenden Waſſer anbetrifft, fo brauchte ich nur wenig, Menſtrus. 
weil ihr Gebrauch muͤhſam war; ich hatte auch keine Bequemlichkeit, einen Diſtillierofen 
am Ufer aufzurichten. Das Goldſcheidewaſſer aber brauchte ich alle, und hätte mehr brau— 
chen koͤnnen. Nach meiner Meynung aber ſind die Verſuche mit dem Queckſilber beſſer, 
wenn ich ſolches gehabt haͤtte. Doch ihr wiſſet den Nutzen davon beſſer, als ich. Euer 
Moͤrſer muß von Eiſen und groß ſeyn. Ich wuͤnſchte, daß ich eurer Anweiſung darinnen 
gefolget waͤre. Denn mein metallener machte mir doppelte Muͤhe: und ich war gezwun⸗ 
gen, vieles fo lange unzerſtoßen zu laſſen, bis ich nach England kam. Denn der Mercu⸗— 
rius nahm eine Unreinigkeit davon an ſich, welche meinem Golde mitgetheilet wurde, wo— 
von es keine Kunſt, die ich verſtehe, befreyen kann. In dieſem Stuͤcke habet ihr mich 
unwiſſend gelaſſen, oder ich muß es vergeſſen haben. 

Es waͤchſt daſelbſt ein Baum faſt wie unſer Kornelkirſchbaum in England, aber ſehr Holzkohlen. 
groß, welchen wir faͤllten, und Kohlen daraus zu machen brauchten, welches wir auf dieſe 
Art thaten. Wir hieben die Aeſte ab, denn es fehlte uns an einer Saͤge; und daher konn⸗ 
ten wir uns mit dem Stamme des Baumes nicht vermengen, und ihn in kurze Stuͤcke 
hauen. Darauf gruben wir eine ziemlich breite Grube oder ein Loch in die Erde, unge: 
fähr eine Elle weit, und fo tief oder etwas tiefer. Auf dem Boden machten wir ein Feuer 
an, und fuͤllten die Grube mit Holz; und wenn ſolches wohl ausgebrannt war, ſo warfen 
wir Erde darauf, und daͤmpften es aus. Wenn es nun kalt war, ſo nahmen wir die 
Kohlen heraus. 

Ihr koͤnnet den Ort leicht finden, wenn ihr nur dieſe Vorſichtigkeiten brauchet /). Ihr Kennzeichen, 
werdet an eine breite Sammlung von Gewaͤſſern kommen, die nicht viel geringer iſt, als den Ort zu 
die Ronnanderſee an der Graͤnze von Lancaſchire. Hier brachten wir eine key mit finden. 

ufſu⸗ 


weiſungen zu finden, die in dem Briefe gegeben wor⸗ einige Zeichnung oder andere angegebene Lage und 
den. So unbeſtimmt und unvollkommen ſind ſie, ohne Entfernung der Oerter, als ihre Laͤnge und Breite. 


Anfang von 
der Gold: 
ader. 


Lebensmittel 


zur Reiſe. 


36 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Aufſuchung vieler Buchten und Einfaͤlle von Fluͤſſen zu: Wir folgten aber demjenigen, 
welcher nach Suͤdoſt und gen Oſt gieng. Meine elende Unwiſſenheit in der Mathematik 
kann euch weder die Lange noch die Breite recht angeben. Wir arbeiteten auf dem ſtarken 
Strome mit großer Muͤhe, und konnten zuweilen nicht uͤber zwo kleine Meilen in einem 
Tage fortkommen g) Man muß den erſten Waſſerfall vorbey gehen: doch war meine 
Ausbeute von Golde daſelbſt ſieben und vierzig Gran von zehn Pfund Sand. Wenn man 
an den obern Fall koͤmmt 5): fo wird man, glaube ich, eben fo viel Muͤhe haben, als ich 
gehabt, das Boot übers Land zu bringen 2). Wenn man aber hinüber iſt: fo gehe man 
weiter, bis man dahin koͤmmt, wo ein kleiner Fluß gegen Suͤden hineinfaͤllt. Von da 
horche man, und man wird einen Waſſerfall hören 4). Man kann wegen des ſchmalen 


Bachs ſein Boot nicht dahin bringen. Man wird an der Seite des Felſen Ueberbleibſel 


von uns nebſt vielen von unſern Namen, ich meyne Buchſtaben, finden, die mit unſern 
Meſſern hineingeſchnitten worden. Obgleich der Sand allhier durchs Waſchen uͤberfluͤßig 
Gold giebt: ſo ſteiget dennoch auf die Spitze des Felſen; und wenn ihr euer Geſicht ge⸗ 
rade nach Weſten richtet: ſo werdet ihr eine dichte Reihe Felſen etwas zur linken Hand 
von euch wahrnehmen; und unter denſelben werdet ihr, wenn der Regen und die Staͤrke 
des Wetters nicht die Erde und Steine weggewaſchen hat, den Anfang von der Goldader 
entdecken. Iſt man nun mit gehoͤrigen Werkzeugen zur Arbeit verſehen, ſo wird man 
nicht weiter gehen, noch eine reichere Ader zu ſuchen verlangen. Man nehme dieſes durch⸗ 
gehends zur Regel, was ich bey meiner Unterſuchung auf dem Fluſſe beobachtet habe, daß 
in dem niedrigen und buſchigten und fruchtbaren Lande ich niemals einiges Metall oder 


eine reiche Mine finden konnte, ſondern ſolche allezeit unter duͤrren Felſen und bergichten 


Landſchaften antraf, die gemeiniglich eine vörhliche Art von Erde bey ſich führten. Anz 
dern Unterricht will ich euch nicht geben, als welches euch, wie ich weis, unnoͤthig ſeyn 
wuͤrde, wenn ich euch nicht eure eigenen Grundſaͤtze wieder zuruͤck geben will. Dieß iſt 
bloß die ſchuldige Intereſſe, außer der Verbindlichkeit, die mich unveraͤnderlich verpflich— 
tet zu ſeyn ꝛc. ꝛc. 

Ich fing meine Reife auf dem Fluſſe im Aten des Chriſtmonats, zwo Stunden vor 
Sonnenuntergange an. In meiner Geſellſchaft waren außer mir nicht mehr, als ſieben 
Engländer und vier Schwarze 2), wovon einer ein Marpbuck war n). Weil ſolcher 
die portugieſiſche Sprache verſtund: ſo wollte ich ihn zum Dollmetſcher brauchen, wenn es 


nöthig waͤre; die Hauptſache aber war, daß er uns bey unſerer Arbeit wider den Strom 


beyſtuͤnde. Das, womit ich mich verſorget hatte, war vornehmlich von zweyerley Art. 


Zur Reiſe und zur Bequemlichkeit hatte ich drey Faͤſſer Rindfleiſch, zehn Schinken, zwey 
Faß weißes Salz, außer dem Bayenfalze zur Handlung; wie auch zwey Ochshoͤfde Biſcuit, 


außer 


g) Jobſon legte zuweilen in einer Stunde nicht 
über eine Meile mit ſechs Rudern zuruͤck. 

5) Aus dieſem Umſtande erhellet, daß fie nicht fo 
hoch hinauf gegangen, als Hauptmann Stibbs 
großen Theils. Denn ſie giengen nur ein wenig 
über den andern Waſſerfall hinauf, der nicht über 
ſechs Meilen hinter Barralonda iſt, wo Stibbs 
kein Gold fand. 

1) Purchas, der einen Auszug aus Jobſons 


Tagebuche giebt, laͤßt ihn ſagen, daß er uͤber die Un⸗ 
tiefen bey Tinda gegangen. Jobſon ſelbſt aber 
in ſeinem Goldhandel ſaget, er haͤtte nicht daruͤber 
kommen koͤnnen. Dieſes hat der Verfaſſer des Brie 
fes vielleicht uͤberſehen. | 

k) Jobſon beym Purchas faget, wir hörten, 
als wir vorbey giengen, ein Waſſerrauſchen, womit 
ſie ſich verſehen. 


I) Jobſon hatte zehn Engländer und vier 


chwar⸗ 


> 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IV Cap. 57 


außer dem Reiße, ein halbes Faß Schießpulver, und nach Verhaͤltniß Schrot und Ku⸗ 

geln; abgezogene Waſſer, Weineßig, Papier, Glasknoͤpfchen, Spiegel, Meſſer achtzehn Güter zur 
Pence das Dutzend; etwas Eiſen, kleine metallene Ketten, zinnerne Ringe, und ander der- Handlung. 
gleichen Zeug. Die andere Art von Sachen waren ein Paar Goldſchmidts Blaſebaͤlge, 

vier Saͤtze von Schmelztiegeln, Queckſilber, Borax, Sal Armoniae, Goldſcheidewaſſer, ein 

Moͤrſer und Stempel, und lederne Haͤute durchzugießen, metallene Schaufeln und Loffeln 

mit langen Handgriffen, Sand aufzunehmen, und andere Werkzeuge zu meinen beſondern 
Abſichten. Alles dieſes hatte mein Boot mehr beſchwert, als ich wuͤnſchte; denn dadurch 

fuhr ich ſo tief im Waſſer, daß ich beſorgte, es moͤchte uns ſolches verhindern, uͤber die 

ſeichten Derter zu kommen, wenn wir einige antraͤfen „). 

Den zten des Chriſtmonats kamen wir nahe bey Settiko, welches vierzehn oder funf— 
zehn Seemeilen uͤber den Ort war, wo unſere Leute ſich aufhielten. Wir giengen aber 
noch eine halbe Meile weiter, wo wir ankerten, da der Fluß daſelbſt breit war. Wir er⸗ 
wählten ſtets die Mitte, als woſelbſt wir am wenigſten geftöhret würden; wiewohl wir, 
es oft anders fanden. Denn unſere haͤßlichen Nachbarn, ich meyne die Wallroſſe und 
Crocodile, welche, wie es ſchien, mit den neuen Miteinwohnern in dieſem Waſſerreiche nicht 
zufrieden oder nicht bekannt waren, beunruhigten uns oft in der Nacht, nicht nur durch 
ihr haͤßliches Geraͤuſch, ſondern auch durch ihre nahe Nachbarſchaft an unſerm Boote, 
welches uns veranlaßte, Wache zu halten. nt | 

Den 2zſten des Chriſtmonats hatten wir viele Muͤhe, über einen feichten Ort, unter Reiſe auf 
einem hohen und ſteilen Berge, der gegen Suͤden lag, zu kommen. Hier richtete ich meine dem Fluſſe. 
Abſicht zuerſt ins Werk und nahm einigen Sand auf, als den erſten Berfuch von dieſer 
Fuhrt. Aus fuͤnf Pfund Sand bekam ich drey oder vier Gran Gold.“ Ich verſuchte 
auch an einem andern Orte in dieſer Fuhrt, erhielt aber weniger. Ich ſah weder Stadt, 
noch Haͤuſer, noch Volk, nachdem wir Barrakonda verlaſſen o). 

Den naten Jenner verſuchte ich wieder bey einer Fuhrt zwiſchen zweyen hohen Ge: 
birgen, und wuſch aus zehn Pfund ſchwerem Sande dreyßig Gran Gold. Ich machte 
auch mit dem Mercurio einen Verſuch, und fand aus fuͤnf Pfunden ſieben und vierzig 
Gran. Hier wuchs meine Hoffnung, und ich entſchloß mich, mehr zu verſuchen. 

Den 2ꝛſten Jenner wurden wir von großen Bäumen ſehr gehindert 7), die in dem Werden von 
Waſſer an der Seite eines Felſen lagen, der an ein rauhes unfruchtbares Gebirge ſtieß J). Affen ange: 
Ich ſtieg mit drey Mann hinauf, um eine Entdeckung zu machen, und hatte eine Haue fallen. 
bey mir. Als wir ein Stuͤck Erzt ausgraben wollten: fo wurden wir von einer unglaub- 
lichen großen Anzahl Baviane angefallen 5), welche keine Redekunſt, ſondern unſere Stuͤ⸗ 
cke überreden konnte, uns nach unſerm Boote zurück gehen zu laſſen. Denn da wir zwee⸗ 

4 f | i 3:7 ne 


Schwarzen, worunter zweene Marbuten waren. ſie von feinee Ankunft Nachricht erhielten, un 


m) So nennet auch Jobſon die Marbuten. 

n) Es ſcheint, daß er über fie alle gegangen, wel⸗ 
ches Jobſon und Stibbs nicht thun koͤnnen. 

o) Dahinter waren keine Städte am Ufer, noch 
Boote, noch Volk zu ſehen, ſaget Jobſon beym Pur⸗ 
chas; in feinem Goldhandel aber ſetzet er hinzu, 


außer welche wir dahin ſchickten; und es erhellet, 


daß viele von den benachbarten Staͤdten kamen, da 


Allgem. Reiſebeſchr. Ul Band. 


Stibbs fand das Land ſehr bevoͤlkert. si 
pP) Jobſon wurde auch von Bäumen verhin⸗ 
dert. Peter 

7) Den igten ſchickte Jobſon einige ans Ufer 
auf die Spitzen der Berge, von welchen ſie nichts 
als Wuͤſten wahrnehmen konnten. 

) Jobſon ſah den ıgten Jenner tauſend Bas 
viane und Affen an beyden Seiten des Fluſſes. 


38 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
ne oder dreye von ihnen getoͤdtet hatten, ſo erzuͤrnte dieſes die uͤbrigen ſo ſehr, daß wenn 
unſer Schießgewehr fie nicht erſchreckt hätte, ich gewiß glaube, fie wuͤrden uns in Stuͤcke 
zerriſſen haben. Nachdem ich unſer Boot erreichet, ſo verſuchte ich mein Erzt, welches 
ziemlich gut war. 
Reicher Den öten des Hornungs machte ich einen Verſuch mit gewiſſem glänzenden Sande, 
Goliſand. welchen ich von der Seite eines Felſen aufnahm. Der Fluß neigte ſich hier gegen Suͤ⸗ 
8 den, mit einer ploͤtzichen Wendung wie ein Ellenbogen c). Durch das Waſchen erhielt 
man von zehn Pfund Sande, ein und vierzig Gran Gold; und durch andere Verſuche 
von fuͤnf Pfund Sand, ſieben und funfzig Gran. Hier dachte ich Stand zu halten: 
doch nach ernſtlicherer Betrachtung entſchloß ich mich, weiter zu gehen. 
Stoß von ei⸗ Den ısten des Hornungs gegen Abend, ſtieß ein Wallroß mit einem feiner Zähne 
nem Wall⸗ durch unfer Boot 1), welches uns ſehr beunruhigte, weil wir alle ſchlechte Zimmerleute 
roſſe waren. Dieſes veranlaßte uns, es in eine kleine Pinnaſſe aus zuladen, um es auszubeſ⸗ 
ſern; und um dergleichen Unheil aufs kuͤnftige vorzukommen, erfand ich dieſes Mittel, daß 
ich eine Leuchte an dem Hintertheile des Schiffes aushing ). Und dadurch waren wir 
von allen nachmaligen Beunruhigungen von dieſer Art frey; indem ſie ſich nicht unterſtun⸗ 
den, innerhalb drey oder vier Bootslaͤngen von dem Lichtſcheine im Waſſer zu kommen. 
Den ꝛaſten des Hornungs verſuchte ich auf einem hohen, unfruchtbaren und felſichten Ge⸗ 
birge die Wuͤnſchelruthe zu gebrauchen. Allein, ob ſolches entweder kein Metall hatte, 
oder ob meine Ruthe, die in England geſchnitten worden, ihre Kraft verlohren hatte, weil 
fie trocken geworden und zur See fo weit geführt war, oder ob fie gar keine ſolche Eigen⸗ 
ſchaft hatte, welches ich eher glaube, das weis ich nicht gewiß. Doch dem ſey wie ihm 
wolle, meine Gefaͤhrten lachten mich wegen meiner Einbildung aus. | 
Großer Vor- Den ısöten März entdeckte ich zwiſchen zweenen bergichten Felſen, die eine Bucht mach⸗ 
rat) von fen, in welche ich hineingieng, einen Waſſerfall von der Suͤdſeite des Fluſſes. Da ich hier 
Eule, unterwegens einen Verſuch machte, fo fand ich von fünf Pfund Sand, drey und fechzig 
Gran Gold. Andere ſorgfaͤltigere Verſuche gaben noch mehr, fo daß wir hier zwanzig 
Tage zubrachten: und da wir unſer Werk fleißig trieben, ſo hatten wir in der Zeit zwoͤlf 
Pfund, fuͤnf Unzen, zwey Pfenniggewicht, funfzehn Gran gutes Gold gewonnen. Den 
zıften März, da unſere Materialien geſchwind abnahmen, wollte ich noch mehr verſuchen. 
Hier fing unſere groͤßte Arbeit an. Denn wir waren oft in einem Tage gezwungen, uns 
aus zukleiden und ins Waſſer zu laufen, um unſer Boot mit vieler Gewalt über die ſeichten 
Oerter zu bringen K). Dieß war aber noch nicht unfer größter Kummer; denn das 
Flußwaſſer ſchmeckte fo füß und mufficht, daß wir nicht davon trinken, noch unſer Eſſen 
darinnen kochen konnten. Unſerm Beduͤnken nach kam ſolches von der Menge Crocodile 
b a her, welche eben den Geruch haben 7). 5 
Ende ihrer Den ten Aprill nahmen wir wahr, daß ein kleiner Fluß gegen Süden hineinfiel. Der 
Bf, Strom war ſchnell, das Land durchaus felſicht und bergicht, und man konnte bey der Stille 
f ' der 
s) Einer ſolchen ſchnellen Wendung gegen Suͤ. ) Jobſons Boot ward auch von dem Zahne 
den gedenket Stibbo, neun und funfzig kleine Mei: eines Wallroſſes durchſtoßen, welcher Ritz mit vie 
len uͤber Barrakonda. Darauf aber fand er ſech⸗ ler Muͤhe geſtopfet wurde. 
zehn Tage ſpaͤter in dem Monate eine Untiefe, wor⸗ u) Jobſons Art war, daß er ein brennendes 
über er nicht gehen konnte; da hingegen das Schrei- Licht auf einem Leuchter den Strom hinab ſchickte, 
ben gar keiner Verhinderung an dieſem Orte gedenket. welches fie verſcheuchte. 


* 


X 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 59 


der Nacht das Geraͤuſch von einem großen Waſſerfalle vollkommen wohl hoͤren; und wir 

ankerten die Nacht vor der Muͤndung dieſes Fluſſes. Den folgenden Morgen fuhren 

wir da hinein, und kamen dem Falle ſo nahe, als wir nur konnten. Es fehlte uns am 

Waſſer: unſer unermuͤdeter Fleiß aber uͤberwand alle Schwierigkeiten. Denn was ich 

nicht zu Waſſer thun konnte, das verſuchte ich zu Lande. Als ich daſelbſt ankam, fand ich 

das lange erwartete Ende unſerer beſchwerlichſten und langen Reiſe. Denn ich glaube, daß and Erfll⸗ 
niemals ein Boot, noch einige Chriſten ſo hoch in den Fluß gekommen ſind, als wir 2). AN, ihrer 
Bey dem erſten Verſuche, den ich hier machte, war die Ausbeute vom Golde ſo groß, daß Wuͤnſche. 
ich voll Freude und Verwunderung daruͤber erſtaunte. Ich wollte hier aber meinen Stab 
niederſetzen, und zu dem Ende war das erſte, was ich that, daß ich gieng * * * und unge⸗ 

fahr anderthalb Seemeilen von da fand ich Holz. Hier bemühten wir uns, Kohlenbren⸗ 

ner zu werden; und nachdem wir unſer kleines Boot mit ſo vielen Kohlen beladen, als es 

füglic) fuhren konnte, ſo giengen wir und fingen an zu arbeiten. Dieß gieng fo wohl von Gold im 
ſtatten, daß ich hoffe, es habe, Gott ſey Dank! keiner von der Geſellſchaft Urſache, die große Ueberſluſſe. 
Mühe und Arbeit zu bereuen, die er angewandt hat; ob wir gleich faſt die ſchlechteſte Zeit 

vom Jahre gewaͤhlet, indem das Waſſer damals am niedrigſten war. Waͤren wir aber 

ſogleich nach dem Regen gegangen, der im Brach⸗Heu⸗ und Auguſtmonate faͤllt, oder ehe 

das Waſſer fo tief gefallen waͤre, fo wären wir bey den Fuhrten und Waſſerfaͤllen vieler 

Muͤhe 9 geweſen, indem wir Waſſer genug gehabt haͤtten, uns hinuͤber zu 

führen 4a). 


* * * * * K * MK * * * * K RN N 2 2 2 2 2 Z 2 u 2 2 ZZ 2 2 ZZ 2 = 0 


Das V Kapitel. 


Eine Reife auf der Gambra, im Jahre 1724, Entdeckung zu 1723 

machen, und den Handel auf dieſem Fluffe zu verbeſſern, von dem Hauptmanne _Stbbe-, 

Bartholomaͤus Stibbs, zu Folge der Anweiſung der e 
africaniſchen Geſellſchaft. 


Einleitung. 


err Moore hat das Tagebuch von des Hauptmanns Stibbs Reiſe auf der Gambra 

in feine Reifen in die innern Theile von Africa mit eingeruͤckt a). Er berichtet 

uns daſelbſt, daß der Herzog von Chandos, da er die Oberaufſicht uͤber die koͤnig⸗ 

lich africaniſche Compagnie übernommen, die Sache, nach feiner natürlichen Hoheit des 

Gemuͤths, in Betrachtung gezogen; und da er erwogen, daß es ihrem großen Hauptvermoͤ⸗ 

gen nicht gemäß wäre, wenn fie den Handel auf eine fo kleine Art fortfuͤhrten, als fie einige 

vergangene Jahre her gethan: ſo ermahnte er ſie, einige ge zu eee den Handel 

in 

x) Jobſon giebt eben die Nachricht. in einem Tage fh gelegt; fo Haben fie in der Zeit 
5) Jobſon faget eben das. nicht ſo weit kommen koͤnnen, als Jobſon. 

2) Wer kann aber ſolches nach einem fo ſohr un: 


volk Tagebuche entſcheiden? Außerdem 44) Jobſon faget eben das mehr als einmal, da 
hunde de ein 3 5 5 andern arte er zu ſpaͤt ausgefahren, um feine Abficht auszuführen, 


aufgehalten; und da fie oft nur zwo kleine Meilen 63) Moores Reifen a. d. 235 ©. 


60 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1723 in die innern Theile von Africa zu oͤffnen. Hauptmann Stibbs wurde dem zu Folge des⸗ 
Stibbs. wegen ausgeſandt, mit dem Befehle, zu entdecken, wie weit die Gambra ſchiffbar waͤre, und 
ob man einige Goldadern an dem Fluſſe antraͤfe. Sie unternahmen dieſe Fahrt aber ſo 
ſpaͤt in der trocknen Jahreszeit, daß ſie den vorgeſetzten Endzweck nicht ausfuͤhrten. Moore 
ſetzet hinzu, die Schwierigkeiten, welche Stibbs angetroffen, hätten ihm einen ſolchen Ab— 
ſcheu beygebracht, daß er ſich unterfangen, zu beweiſen, die Gambia ſey nicht der Niger, 
noch ein Fluß, der ſonderlich weit liefe (). Wir koͤnnen keinen Grund ſehen, warum er 
dieſes Stibbſen ſo ernſtlich auf buͤrdet c), und er fuͤhret auch keinen an. Die Zeit aber 
muß bloß entdecken, ob feine Meynung richtig oder unrichtig ſeyß. Unterdeſſen duͤnket uns, 
daß ſeine gegen das Ende ſeines Tagebuches eingeruͤckten Gruͤnde denjenigen einiges Gewicht 
geben, welche wir bereits von eben dieſer Sache angefuͤhret. Er ſcheint uns ſehr eifrig 
geweſen zu ſeyn, die Entdeckung nach dem Befehle der Geſellſchaft zu treiben, und den ihm 
verurſachten Verzug ſehr uͤbel genommen zu haben. Er hatte auch gewiß Recht, ſeine Ge— 
danken zu ſagen, wie unterſchieden ſie auch von der gemeinen Meynung ſeyn mochten. Die 
Wahrheit bedarf keines Beyſtandes von der Falſchheit, und es muß niemand ſeinen mora⸗ 
liſchen Character fahren laſſen, einer beſondern Abſicht zu dienen, wie preiswuͤrdig ſie auch 
an ſich ſelbſt iſt. Es erhellet aus unterſchiedenen Stellen in des Hauptmanns Reiſe, daß 
er von der Geſellſchaft mit einer Karte von der Gambra verſehen worden. Man muß 
aber anmerken, daß dieſes nicht die Karte geweſen, welche Moore herausgegeben, und die 
im Jahre 1730 gemacht worden. Er wurde auch mit einigen Tagebüchern ſolcher Perſo— 
nen verſehen, die vermuthlich aus eben der Abſicht vor ihm auf dieſem Fluſſe hinauf ge⸗ 
gangen. Das vornehmſte unter dieſen ſcheint Vermuydens ſeins geweſen zu ſeyn, welches 
1661 geſchrieben worden, und deſſen wir bereits in dem Vorberichte zu dem vorhergehenden 
Tagebuche bey einer andern Gelegenheit erwaͤhnt haben. 


Der ! Abſchnitt. 


Der Hauptmann koͤmmt zu Jamesfort an. Tod phanteneyland. Damaſenſa. Er koͤmmt nach 
des Statthalters und verſchiedener andern. Die Joar. Der Fluß Jarine oder Eropina. Wild⸗ 
Fahrt wird verſchoben. Franzoͤſiſche Schmug⸗ praͤtseyland. Janimarew. Vogeleyland. Je⸗ 
gler. Die zur Ausfahrt beſtimmte Zeit. Befehle ninkhuͤgel. Kaſſan. Das Malley oder Wall: 
zur Reiſe. Die gebrauchte Anzahl von Schiffen roß. Sappoeylande. Germi. Lemaine. Bru⸗ 
und Perſonen. Stibbs fährt aus. Koͤmmt nach koe. Dubokunda. Teufelsberg. Faetorey Kut⸗ 
Tankrowal. Drumhill. Teufelsbreite. Ele⸗ tejar. 


Er koͤmmt zu Seen Stibbs kam den 7ten des Weinmonats 1723 in dem Geſellſchaftsſchiffe, die 
Jameefort 7 Beſchleunigung, zu St. Jamesfort auf der Gambra an, und hatte Befehl, mit 
as Kaͤhnen auf dem Fluſſe fo weit, als möglich, fortzugehen, und Goldadern zu ſuchen, und an: 
dere Enrdeckungen in dieſem Lande zu machen. Hier fand er, daß der Statthalter, Glynn, 
ſeit ſechs Monaten todt war, und Herr Willy an ſeine Stelle gekommen, der damals mit 
Herrn Orfeur, Lieutenante Macſwain und D. Cafful, der ſechs Monate vorher als 
Hauptwundarzt auf dieſer Faͤhrt, hinuͤber gegangen, zu Joar war. Er ließ dem neuen 
Statthalter ſeine Ankunft und die Unternehmung, die ihm aufgetragen worden, melden; 
ö | | 1 und 

1) Siehe Moores Vorrede a. d. § u. f. S. und Auſſeher über das Waarenhaus zu St. James⸗ 
6) Dieſer Herr war der zweyte Oberkaufmann, fort im Jahre 1730, nach der Einrichtung, die Herr 
oore 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 6 


und bath ihn, er moͤchte befehlen, daß ſolche durch Erbauung der Kaͤhne und Anſchaffung 1723 
anderer Nothwendigkeiten zur Reiſe beſchleuniget würde. Den ıöten kamen die Kaͤhne Stibbe. 
ohne Briefe an Herrn Stibbs zuruͤck. Den 28ſten ſchrieb er wieder an den Statthalter, 

mit der Gambiaſchaluppe, und drang auf die Beſchleunigung der Sache, weswegen er ge— 

kommen, und welche der Geſellſchaft ſo ſehr am Herzen laͤge. Er berichtete ihm, daß es 

nicht zum Nutzen der Geſellſchaft ſeyn wuͤrde, wenn man ſo hoch, als Barrakonda laͤge, oder 

ein wenig hoͤher hinauf gienge, als welches ſchon lange vorher von vielen geſchehen ſey; und 

nach Weihnachten hoͤher hinauf zu gehen, wuͤrde ſich nicht thun laſſen. 

Den zıften aber brachte die Geſellſchaftspinnaſſe, zu des Herrn Stibbs großer Beſtuͤr- Tod verſchie— 
zung, den Leichnam des Herrn Willy, welcher Joar ſehr krank verlaſſen, und am Borde dener. Facto⸗ 
des Raths, welches Hauptmann Redwell führte, auf dem Elephanteneylande geſtorben. be. 

Er wurde auf der Nordbaſtey des Forts, wo einige andere Befehlshaber liegen, begraben. 
Das Fort feuerte ſechzehn kleine Stücke ab, und Stibbs von feinem Schiffe zehne. Den 
ıften des Wintermonats gegen Mittag ſteckte das Fort eine Flagge aus, und ſchoß auf die 
Geſundheit des neuen Befehlshabers, Herrn Orfeur, neun Stucke ab. Gegen Abend 
kam der Hamilton an, welcher die Seeleute in den Dienſten der Geſellſchaft zu dieſer Fahrt 
am Borde hatte. Den ꝛten wurden die Leichname des D. Caffuls und Leutenants 
Macſwains gebracht. Den sten gieng die Gambiaſchaluppe zuruͤck mit dem neuen Be— 
fehlshaber und Herrn Rogers, da die Factorey zu Joar gaͤnzlich aufgehoben wurde 4). 
Den 6ten war Stibbs zum erſtenmale mit Herrn Orfeur, Rogers und Sull in Berath— 
ſchlagung; und nachdem er ihnen der Geſellſchaft Verhaltungsbefehle an ihn, als Befehls⸗ 
haber auf dieſer Fahrt, und an die Verſammlung vorgeleſen, ſo verſchoben ſie es bis auf den 
sten. Die Herren Orfeur und Rogers verlangten, die durch den Tod des letzten Statt: 
halters in ihre Hände gefallenen Tagebücher durchzuleſen. Den gten wurde es in einer 
zweyten Berathſchlagung für unmöglich gehalten, die Fahrt wegen des Sterbens unter ih: 
nen mit ſo vielen Leuten vorzunehmen, als in den Befehlen der Geſellſchaft vorgeſchlagen 
worden. Sie verſchoben es alſo bis auf den ıften des Chriſtmonats, nachdem fie den Ent⸗ 
ſchluß gefaßt, waͤhrender Zeit Kaͤhne zu bauen oder zu miethen, Lebensmittel anzuſchaffen, 
und alsdenn den Tag oder die noͤthige Anzahl Leute zu beſtimmen. Den ısten kam die 
Pinnaſſe des Diamants, eines Kriegesſchiffs, mit dem Lieutenante Percival, den Fluß 
herauf, und gieng den folgenden Morgen wieder nach dem Schiffe zurück, welches an der 
Mündung lag. Den rzten ſtarb Johann Laughland, des Hauptmanns Stibbs vor— 
nehmſter Unterſchiffer. Den 27ſten wurden die meiſten von ſeinen Leuten mit Fiebern be— 
fallen. Gegen das Ende des Monats fand Stibbs das Wetter kaͤlter, als er ſichs von die— 
ſer Gegend eingebildet, mit ſtarken Oſtwinden. 

Den ıften des Chriſtmonats hielten fie eine Berathſchlagung. Weil fie aber noch nicht Franzsfifcher 
Kaͤhne genug hatten, fo verſchoben fie es bis auf den 7ten. Den sten, da der Befehlshaber Schmug⸗ 
hörte, daß Herr Harriot, der franzoͤſiſche Befehlshaber zu Albreda, wider den Vertrag St 
zwiſchen beyden Geſellſchaften nach Tankrowal gegangen: ſo ſchickte er die Herren Ro⸗ 
gers und Sull in der Gambiaſchaluppe ab, ſich ſeiner und ſeines Kahnes zu bemaͤchtigen, 
wie auch genau nachzuforſchen, ob Signor Antonio Voß, oder ein anderer Portugieſe, 

| 3 mi 
Moore in feinem Anhange in der sten Numer d) Moores Reiſen in die innern Theile von 
gegeben hat. Africa a. d. 233 u. f. ©. % 


& Reisen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1723 
Stibbs 


Zeit zur Ab⸗ 
fahrt wird 
beſtimmt. 


Anordnun⸗ 
gen zur Reiſe. 


Anzahl der 
Fahrzeuge, 


und der dazu 
gebrauchten 
Perſonen. 


mit ihm gehandelt hätte; und wenn ſolches wäre, fie herab zu bringen. Dieß geſchah 
deswegen, weil der franzoͤſiſche Befehlshaber geſagt, er wollte ohne Erlaubniß auf den Fluß 
ſo hoch hinauf gehen, als es ihm beliebte, und wenn es ihm beliebte. Den gten kam die 
Gambiaſchaluppe zuruͤck, und brachte einen großen Kahn mit, in welchem der franzoͤſiſche 
Befehlshaber geweſen, der aber ſelbſt zu Sande nach Vintain entwiſchet war. Weil dieſer 
Kahn verfallen war, ſo ſollte er dem Hauptmanne Stibbſen auf ſeiner Fahrt dienen. 

Den uten ward in dem Rathe feſtgeſetzt, es ſollten neunzehn Weiße, den Sprachver⸗ 
ftändigen, einen portugieſiſchen Schwarzen, mit gerechnet, abgehen, und zum längften bis auf 
den 26ſten verziehen. Herr Roſe, der zum Steuermanne des Boots beſtimmt ward, 
machte einige Einwuͤrfe dawider, und wollte nicht mitgehen. Man befahl ihm alſo, ſolche 
ſchriftlich einzugeben. Als ſolche den folgenden Tag im Rathe verleſen wurden: ſo erklaͤrte 
man fie für nichtig, feinem Vertrage zuwider, und für ſolche, die nur auf die Verdopplung 
feines Soldes giengen; fo, daß er hindangeſetzt und nicht gebraucht wurde. Den 25ften 
gegen Abend hatten fie einen großen Schwarm von Heuſchrecken, welche gegen Weſten aufs 
ſtunden, und bey Nacht bis nach Jillifrey kamen. An eben dem Abende ließen ſie ihren 
größten Kahn ins Waſſer, welchen fie Chandos nannten, zur Ehre des Herzogs, und feu⸗ 
erten auf deſſen Wohlſeyn fuͤnf Stuͤcke ab e). N 

Die Anordnungen zur Fahrt waren dieſe: zum erſten ſollten fie aufs laͤngſte den 26ften des 
Chriſtmonats von Jamesfort abgehen. Zum andern ſollte die Beſchleunigung nach Kuttejar 
oder höher hinauf gehen, und daſelbſt unter der Aufſicht Hrn. Alexander Smiths, Unterſteuer⸗ 
manns des Herrn Stibbs, bis zu feiner Zuruͤckkunft bleiben. Zum dritten ſollte die Scha- 
fuppe Jameseyland bis nach Barrakonda gehen, und daſelbſt bis zur Wiederkunft des Haupt⸗ 
manns Stibbs unter der Aufſicht des Hauptmanns Treviſa bleiben. Zum vierten ſollten 
die fünf Kaͤhne bis zu dem erſten Waſſerfalle fortgehen; und wenn man fände, daß die bey⸗ 
den großen nicht hinuͤber gehen koͤnnten, ſo ſollte man nur mit den drey kleinern weiter gehen, 
und die großen unter der Aufficht des * * * laſſen. Zum fünften follte man ſich bemuͤhen, 
in den drey kleinern ſo weit zu gehen, als es moͤglich waͤre, wenn nicht die Entdeckung eher 
ſollte gemacht werden. Stibbs bedaurete es ſehr, daß er nicht einen Monat eher ausge⸗ 
fahren; denn er fand, daß alle Eingeſeſſenen durchgehends urtheilten, daß es zu ſpaͤte waͤre; 
und obgleich die Compagnie die Sache geheim zu halten empfohlen: fo fand er doch, daß 
lange vorher durchgehends in dem Lande davon geredet worden, und daß man auf ihn, als 
auf die Perſon wies, welche ausgeſchickt worden, das Gold zu holen. 5 

Die Kaͤhne waren 1) der Chandos, zwey und vierzig Fuß ſechs Zoll lang, ſechs Fuß 
vier Zoll breit, vier Fuß neun Zoll tief, und führte zwölf Mann. 2) Das koͤnigliche 
Africa, fieben und dreyßig Fuß zehn Zoll lang, fünf Fuß vier Zoll breit, drey Fuß ſieben 
Zoll tief, mit zehn Mann. 3) Die Expedition, neun und dreyßig Fuß ſechs Zoll lang, 
drey Fuß eilf Zoll breit, drey Fuß zwey Zoll tief, mit neun Mann. 4) Die Gambia, 
vier und dreyßig Fuß lang, vier Fuß vier Zoll breit, drey Fuß vier Zoll tief, mit zehn Mann. 
5) Die Entdeckung, drey und dreyßig Fuß lang, fünf Fuß drey Zoll breit, drey Fuß drey 
Zoll tief, mit zehn Mann, in allem ein und funfzig Mann. Die Perſonen, welche von 
dem Rathe ernannt worden, dieſe Fahrt zu thun, waren ) Bartholomaͤus Stibbs, 
Fuͤhrer, 2) Eduard Drummond, erſter Factor, 3) Richard Hull, zweyter Sante 17 | 

2 as 7 

e) Ebendaſ. a. d. 241 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 63 


‚Kaufmann, welche drey auch den Rath ausmachten. 4) Thomas HSarriſon, Schreiber 1723 
und Rentmeiſter, 5) Walther Reeves, Schreiber, 6) Johann Cumings, Wundarzt, Stibbs. 
7) Matthias Reynolds, Zimmermann, 8) Wilhelm Sittouſe, Conſtabler, 9) Joh. 
Hodges, Schmidt, 10) Johann Nankiavel, abgeordneter Hauptmann über die Boots⸗ 
knechte, u) Anton Penroſe, Schmidt, 12) Jacob May, 13) Heinrich Petty, 14) Cullen 
Maple, 15) Heinrich Rowe, und alſo funfzehn Weiße, außer denen aber noch neunzehn 
Kuͤſtenfahrer, eilf Gromettas, vier Sklavinnen zum Kochen, drey Jungens, und ein Sprach⸗ 
verſtaͤndiger, zuſammen drey und funfzig, welche in den fünf Booten giengen. In der 
Schaluppe Jameseyland, die zu Barrakonda bleiben ſollte, waren noch der Hauptmann 
Treviſa, fuͤnf Gromettas, zweene weiße Bootsleute, ein Balafeu, ſeine Frau und ſein 
Diener, alle in allen vier und ſechzig Perſonen. 

Den 26ſten des Chriſtmonats, als an dem beſtimmten Tage, hob der Hauptmann Stibbs fahrt 
Stibbs in der Beſchleunigung den Anker, und gieng eine Seemeile weit uͤber das Fort, aus. 
woſelbſt er ankerte, da die Kaͤhne noch nicht ganz fertig waren. An eben dem Nachmittage 
hob ſich der Schwarm Heuſchrecken, den ſie den Tag vorher geſehen, nachdem ſolcher alles 
Kraut um Jillifrey abgefreſſen, auf, und flog auf dem Fluſſe gegen Oſten. Sie breiteten 
ſich wenigſtens vier Meilen aus, und verdunkelten die Luft dergeſtalt, daß man weder Him⸗ 
mel noch Gehoͤlze davor ſehen konnte. Den 27ſten nach einigen heftigen Worten mit dem 
Statthalter wegen der Saumſeligkeit, die Kaͤhne auszurüften, gieng Stibbs an Bord, und 
kam eine Meile höher zu ankern. Den 28ſten früh kam der Statthalter und Herr Rogers 
an Bord, und brachten alle Kaͤhne. Darauf ſteckte Hauptmann Stibbs ſeine Flagge auf 
der Spitze des Hauptmaſtes aus, lichtete und kam um zehn Uhr hinter die Spitze Seaka 
bey nordoſtlichem Winde. Um vier Uhr des Nachmittags lichtete er wieder, und ankerte 
gegen Mitternacht eine Seemeile weit von Tankrowal. f | 

Den 2gften gieng er vollends nach Tankrowal, und begrüßte den Herrn Anton Voß Kommt nach 
mit fuͤnf Stuͤcken. Der Statthalter gieng ans Ufer, und ſpeiſte zu Mittage und Abends Tankrowal. 
mit ihm. Herr Voß ſchickte dem Hauptmanne Stibbs ein Geſchenk von zweyen fetten 
Rindern. Den zıften um eilf Uhr des Morgens verließ er Tankrowal mit halber Fluth, 
und war um zwey Uhr des Nachmittages bis nach Drumhill hinauf gekommen, woſelbſt Drumhill. 
er ankerte. Der Statthalter und Herr Voß waren bey ihm, und ſpeiſten mit ihm, und 
kehrten gegen Abend nach Tankrowal zuruͤck. Es wurde daſelbſt ausgemacht, Stibbs 
ſollte das Tagebuch halten, Drummond die Rechnung fuͤhren, und Herr Hull ans Ufer 
gehen, die Erzte, Mineralien und Gewaͤchſe beobachten, und ſolche bis gegen ſieben Uhr des 
Abends ſammeln. Stibbs lichtete mit der Fluch, und alle Kaͤhne ankerten um drey Uhr 
des folgenden Morgens nahe bey Tendebar 7). 

Den ıften Jenner im Jahre 1724 fegelte er mit einem widrigen Winde aus Oſten, und Teufels⸗ 
ankerte an eben dem Abende in der Teufelsbreite. Der Fluß iſt hier anderthalb kleine breite. 
Meilen breit, mit ſehr hohen, graden Mangroves auf jeder Seite. Die Musketos wa⸗ 
ren ſehr beſchwerlich bey der Nacht. Den aten Jenner erreichten fie bey Sonnenunter⸗ 
gange das Elephanteneyland, da fie ſich bey Tag und Nacht die Fluch zu Nutze machten. Elephanten⸗ 
Sie hielten ſich in dem Canale an der Nordſeite, ob er wohl der engſte war, indem er an eyland. 
einigen Orten nicht hundert und funfzig Ellen in der Breite, aber doch tief Waſſer Ber. 

m 


J) Ebendaſ. d. d. 245 u. f. S. 


1724 
Stibbs. 


Damaſenſa. 


Cubalosvoͤ⸗ 
gel. 


64 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Um acht Uhr ankerten fie an dem Oſtende des Eylandes, welches ungefähr ſechs kleine Mei- 
len lang, und lauter hohe Mangroves wie das Ufer iſt. Sie ſahen die ganze Nacht durch 
viele Feuer auf dem Lande, und die Fliegen waren ſehr beſchwerlich. Den zten Jenner, 
um ſechs Uhr des Morgens, ankerte Stibbs bey dem Fluſſe Damaſenſa. Dieſer Fluß iſt 
bey der Muͤndung ungefaͤhr funfzig Ellen breit, wird aber zuletzt wegen der Mangrovebaͤume 
fo enge, daß man nicht darinnen rudern kann. Er iſt voller Allegator, welche die Mandingoer 
Bumbo nennen. Der Hauptmann gieng faſt fuͤnf kleine Meilen auf dem Fluſſe hinauf, 
nach einem Orte, der aus ungefähr zwanzig Haͤuſern beſtund, wo nur ein Weißer, ein Fran— 
zoſe war. Er ſah da vielerley Vogel, als Pelicane, Flamingoes, Baumhacker, Tauben, und 
unter andern einen Vogel, nicht groͤßer als einen Finken, welcher ſein Neſt an den aͤußerſten 
Spitzen der Zweige bauet, die über dem Fluſſe hangen. An dieſem Fluſſe find eine See⸗ 
meile weit von der Gambra keine Mangroven. Das Land an beyden Seiten iſt ſumpficht, 
frey von Bäumen, und mit Schilfe g) und hohem Graſe bewachſen. An dieſen Orten 
pflegen ſich die Wallroſſe gern aufzuhalten. Der Hauptmann ſah ihre Lager und ihre Spuren, 
aber ſie ſelbſt nicht. Um drey Uhr des Nachmittags ſegelten ſie wieder ab, und ankerten 
um acht Uhr an der Weſtſeite der Wallroßinſel. Dieß Eyland iſt ungefähr anderthalb 
kleine Meilen lang, ſehr niedrig und voller Mangrove. Der Weſtcanal iſt nur ſchiffbar, 
und ungefaͤhr eine Meile breit. Den Abend giengen ſie vor zweenen großen Fluͤſſen, der 
Sanjalli zur Linken, und der India zur Rechten, vorbey. Das Land auf beyden Seiten 
war niedrig, mit hohen Mangroven an der Flußſeite. | 


Kommt nach Den aten Jenner um acht Uhr des Morgens anferten fie zu Joar, wo fie den Ru⸗ 


Joar. 


Fluß Jarine. 
Wildpraͤts⸗ 
eylande. 


bin, einen Schmuggler, mit dem Hauptmanne Craigue antrafen, durch welchen er der afri— 
caniſchen Geſellſchaft Nachricht geben ließ, wie weit er gekommen waͤre. Zu Joar fingen 
ſie an, einige hohe Huͤgel in dem innern Lande von roͤthlicher Farbe, und mit wenigen Baͤu— 
men beſetzet, wahrzunehmen. Sie ſahen viele wilde Affen und große Heerden von Kron— 
voͤgeln, welche ein eben ſo unangenehmes Geſchrey machten, als die Eſel. Der Fluß hier 
iſt nicht ſo weit, als die Themſe zu Graveſend, und die Mangroven wachſen duͤnne und kurz. 
Es wurden zweene Kaͤhne voraus nach Dubokunda geſchickt, Korn für die Gromettas zu 
holen. Den sten verließ Stibbs Joar, nachdem er Tagrud Sanea als Dollmetſcher 
zu Barrakonda eingenommen, und einen Balofeu „) oder Muſikanten gemiethet, feinen 
Schwarzen eine Luſt zu machen. Um 1x Uhr des Morgens ankerte er eine kleine Meile 
weit von dem Fluſſe Jarine 2); und da er um fünf Uhr des Nachmittages den Anker 
lichtete, ſo kam er gegen Eilfe zu den Wildpraͤtseylanden. Der Canal hier iſt nicht uͤber 
zwey hundert Ellen breit k). Der Nordcanal iſt weit, aber nicht ſchiffbar. Das Land 
von Joar bis hieher iſt ſchoͤnes niedriges Marſchland, an jeder Seite des Fluſſes, frey von 
Baͤumen. Die Reihe Huͤgel, die ſich bey Joar erhebt, geht gegen Oſten auf zwey oder 
drey Seemeilen weit von dem Fluſſe, und iſt ſehr waldicht. Ihre Farbe fallt ins Roͤth⸗ 

ö liche, 


9) Herr Moore in einer Note vermuthet, daß 
dieſes mit dem Papyrus, welcher am Nile waͤchſt, 
und wovon die alten Aegyptier ihr Papier gemacht, 
einerley ſey. 


5) Bey andern Balafo. Hier wird der Name 


des Inſtruments dem Spieler gegeben. 
1) Herr Moore beobachtet in einer Note, daß 


er itzo unter dem Namen Europina bekannt ſey; 


und daß daſelbſt ein anderer Fluß iſt, Nani Jarr 
genannt, wie aus der Karte erhellet, deſſen vom 
Hauptmanne Stibbs nicht gedacht wird. Dieſer 
liegt an der Nordſeite, Europina gegen uͤber, wel⸗ 

cher an der Suͤdſeite iſt. 
Ak) Er meynet hier nur einen Canal des Fluſſes, 
deren 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 63 


liche, fie ſcheinen aber nicht fo hoch als Highgaͤteshuͤgel. Dieſes Marſchland hat viel 1724 
Elephanten und Wallroſſe. ib nen han  SHobEr, 
Den bten lichteten fie ſehr früh und ankerten um Mittag bey Janimarew, wo fie den Janimareww. 
Geburtstag des Herzogs von Chandos feyerten. Am Abende gieng Hauptmann Stibbs 
ans Ufer, den Koͤnig von Kaſſan zu beſuchen, welcher ſich hier aufhielt, und ihm eine Fla— 
ſche Rum ſchenkte 1). Als er wieder an Bord kam, fo lichtete er, und ankerte um eilf 
Uhr des Nachts nahe bey einem niedrigen Eylande, welches in der Mitte des Fluſſes lag, 
und ungefaͤhr eine kleine Vierthelmeile lang war. Es war ſo finſter, daß ſie ihren Weg 
nicht ſehen konnten. Dieſes Eyland war nicht in der Karte angemerket, die er von der 
Geſellſchaft hatte m), woraus er ſchloß, daß es erſt nachher von der Erde ꝛc. gemacht wor⸗ 
den, welche die Winde zuſammen gefuͤhret. Es liegt ungefähr eine Seemeile weit hinter 
dem Vogeleylande. Janimarew iſt ein Ort, der von der Compagnie auserſehen worden, 
ſich daſelbſt niederzulaſſen, wenn ſie mit dem Koͤnige von Burſalli und Joar nicht eins 
werden koͤnnte. Es iſt ein ſchoͤnes Land, und die Eingebohrnen wuͤnſchen ſehr, daß ſich die 
Englaͤnder unter ihnen niederlaſſen moͤchten. An dieſem Hafen bemerkte Stibbs drey 
Stoͤcke, die auf Art der Galgen aufgerichtet waren, an deren jeden ein Kalebaſch hing, wel— 
cher bedeckt und verſiegelt war. Auf fein Nachforſchen fand er, daß ſolches ein Fetiſo wäre, 
um die Weißen anzuziehen, daſelbſt zu handeln, welches der Eingebohrnen Zuneigung an— 
zeigte. Das Land iſt ſchoͤn flach Feld, und Joar weit vorzuziehen. 5 
Den zten Jenner des Morgens giengen fie vor der Suͤdſeite des Vogeleylandes vor- Vogeleyland. 
bey, welches ungefähr zwo kleine Meilen lang, voller ſchlanken Bäume, und ſonſt ein ſchoͤ— 
nes Eyland zu ſeyn ſchien. Es liegt nahe an dem nordlichen Ufer. Dicht dahinter iſt ein 
rother Berg, leer von Bäumen, eine halbe Seemeile weit von Kaſſan. Dieſer. Huͤgel, 
Jerunk genannt, iſt eine kleine runde Höhe von ungefähr zwanzig Faden, ſehr roth und Hügel Je— 
ſteil. Die Schwarzen fagen, er hätte einsmals viel Gold gehabt; der Teufel aber wäre runk. 
aus Zorn gekommen, und haͤtte es alles in einer Nacht weggefuͤhrt. Stibbs fand in einem 
feiner Tagebücher 1), daß man ihn wegen des Erztes unterſuchet, er ſaget aber nicht mit 
was für Erfolge Weil ihm Wind und Fluth fugte: fo giengen fie vor Kaſſan vorbey, ohne 
ſich aufzuhalten. Stibbs ſah uͤber dieſem Orte keine Mangroven. Er fand die Winde 
bis hieher oſtlich, und bemerkte, daß, wenn ſie von der Spitze loskamen, ſie gemeiniglich 
Windſtille hatten. Die Musketos waren noch immer ſehr beſchwerlich. Das Land an 
beyden Seiten des Fluſſes, auf eine halbe Meile war gemeiniglich ein ſchoͤnes fettes Marfch- 
land, mit hohem Graſe und Schilfe, voller Spuren von Wallroſſen. Die Mandingoer 
nennen dieſe Thiere Walley. Stibbs ſah an dieſem Tage zum erftenmale verſchiedene Malley, oder 
in dem Waſſer ſchwimmen, da ſie nur den Kopf herausſteckten. Zuweilen blieſen ſie wie Wallroſſe. 
ein Wallfiſch das Waſſer aus den Naſeloͤchern, und grunzten und bruͤllten abſcheulich. 
Ueber dieſen Marſchlaͤndern iſt ein ſchoͤnes Ackerfeld, welches ſich etwas erhebt, mit ſchlan— 
Ä ken 


deren viele durch dieſe Eylande gemacht werden, fas 
get Moore. Es muß der Hauptcanal verſtanden 
werden. 

1) In einem Briefe hernach beobachtet er, daß 
der Ort auf einem erhabenen Boden dicht am Ufer 
liege, und wegen ſeiner Lage und geſunden Luft 
Joar weit vorzuziehen ſey, um daſelbſt ein Haus 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 


fuͤr die Compagnie anzulegen. 

m) In dieſem Umſtande koͤmmt die Karte von 
der Gambra, die Herr Moore von einem Abriſſe 
des Hauptmanns Keachs mitgetheilet, mit derje— 
nigen uͤberein, deren ſich Stibbs bedienet. 

n) Hieraus erhellet, daß er vermuthlich von der 
Geſellſchaft mit noͤthiger Huͤlfe verſehen worden. 


66 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

1724 ken Baͤumen ohne das geringſte Strauchwerk. Am Abende ſchoß Stibbs einen großen 
Stibbs. Vogel, der von den Klauen bis an den Schnabel gemeſſen, ſechs Fuß hoch war. Er 
ſchmeckte gut. Die Portugieſen nennen ihn Goßreal, und die Mandingoer Gabbon. 
Sappoinſeln. Den sten des Abends ſchleppte er durch den Sudcanal, und ließ die Sappo-Eylande an 
der Backbordsſeite. Er ankerte an dem oſtlichen Ende. Dieſe Eylande haben an jedem 
Ende eine Barre, welche den Fluß faſt verſtopfet, und an den Spitzen in jedem Canale 
nur zweene Faden und ein Vierthel Waſſer hat o). Den geen, da der Windftarf und oft: 
lich war, lagen fie ſtille, weil fie nicht vor der Barre an dem oſtlichen Ende des Eylandes 
bis gegen Mitternacht vorbeykommen konnten; und da ſchleppten fie die Boote durch, in- 
dem es ſehr enge war. (Man merke, die Sappoinſeln theilen hier den Fluß in 
drey oder vier Canaͤle, welches ich p) für die Urſache des ſeichten Waſſers 
halte). Sie ſchleppten ſie auch noch eine kleine halbe Meile hinter den Eylanden, und 
darauf ankerten ſie, woſelbſt auf die Haͤlfte uͤber dem Fluſſe Felſen waren, vor denen ſie 

nicht vorbey kommen konnten, weil ſie kein Tagelicht mehr hatten. | 
Germi. Den folgenden Tag lichtete Stibbs, da der widrige Wind aus Oſten noch immer 
anhielt, da er denn bis Germi hinauf gieng, wo er um ſechs Uhr des Abends ankerte. 
Unterwegens ſahen fie vierzig oder funfzig Stuͤck Wild, nebſt verſchiedenen Kronvoͤgeln, 
Enten, und Gaͤnſen, Flamingen, guineiſchen Huͤhnern, Eisvoͤgeln, Tauben u. ſ. w. Den iten 
um ein Uhr des Morgens lichteten ſie, ſchleppten das Boot und kamen weiter als bey Tage. 
Sie fanden ſehr viele guineiſche Huͤhner, und anderes Wildpraͤt. Sie hatten heiße Winde 
bey Tage, da dieſes die Zeit war, wo die Schwarzen ihre Stoppeln verbrennen, nachdem 
ſie ihr Korn eingebracht haben. Indem nun dieſes das hohe Gras ergreift, welches als— 
denn trocken iſt: ſo brennt es ein groß Stuͤck auf beyden Seiten in die Waͤlder hinein, 
verſengt das Laub auf den Baͤumen, die es antrifft, und verzehret zuweilen die Baͤume 
ſelbſt. Dieß gab ihnen Gelegenheit, guineiſche Huͤhner zu ſchießen, von welchen es daſelbſt 
ſolche große Heerden giebt, daß wenn ſie nicht ſolche große Bedeckung haͤtten, man zwanzig 
für eins ſchießen koͤnnen. An eben dem Tage um zwey Uhr des Nachmittags lichteten fie 
demain. mit der Fluth, und nahmen, da fie unter Segel waren, eine Kuh ein, als fie bey Lemain 

vorbey giengen, welche eine eiſerne Stange koſtete. l 


Um ſechs Uhr des Nachmittages, da es Windſtille war, ſchleppten ſie durch Foleyß 

Paß, ein Ort, der wegen einer Reihe Felſen, die von der Nordſeite queer uͤber den Fluß, 

bis ungefähr zwanzig oder dreyßig Ellen von dem ſuͤdlichen Ufer gehen, fo enge ift, daß 

ein Schiff kaum Raum genug hat, durchzukommen, und dieſes nicht ohne an den Baͤu— 

Brukve. men zu ſtreifen. Sie ankerten eine kleine halbe Meile über Brukde. Den naten früh 
Dibokunda. morgens lichteten fie und ankerten nach vier Stunden zu Dubokunda, Reiß und Korn 
einzunehmen. Um vier Uhr des Morgens ſegelten und ſchleppten ſie ungefaͤhr zwo See— 

meilen weit, und ankerten nicht weit von Preef, einer ehemaligen Stadt, die aber itzo ver- 

laſſen 


o) Siehe Moores Reiſen a. d. 250 u. f. S. niedergehauen worden, um nach dem St. Jacobs⸗ 
5) Es iſt ungewiß, ob dieſes des Hauptmanns eylande geſchickt zu werden. 
Worte ſind, oder von dem Herausgeber auf dieſe ) Herr Woore beobachtet, daß Hauptmann 
Art eingeruͤckt worden. Stibbs nicht ſehr am Ufer geweſen; denn ſonſt 
7) Nach dieſem thut er einer großen Menge von haͤtte er nicht in dieſen Irrthum gerathen koͤnnen, 


dieſem Holze Meldung, welches um Damgaſenſa indem daſelbſt Wälder von großen Bäumen, mei: 
ſtens 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 67 


laſſen iſt. Den ızten fuhren fie nicht weit, weil die Fluch nur langſam lief, und der Wind 1724 
den Fluß friſch herunter blies. Sie lagen eine Weile an dem Fuße eines Huͤgels, der Stibbs. 
Teufelsberg genannt; wo der Fluß fo enge war, daß fie ſich ſchwerlich wider den Wind Teußclsberg 
wenden konnten, und das Hintertheil oft in die Gebuͤſche ſtieß, da die Ufer faſt durchgaͤngig 10 
ſteil waren. Den ı4ten ankerte Stibbs zu Kuttejar, begrüßte die Factorey, welche an Factorey 
der Nordſeite liegt, mit fünf Stuͤcken. Der Fluß iſt hier überall drey oder vier Faden tief, Kuttejar. 
und das Ufer bis zur Oberfläche ſteil. Das Waſſer ſteigt bey der Fruͤhlingsfluth vier 

Fuß hoch, und fließt bis nach Jameseyland nord- und ſuͤdwaͤrts. Er bemerkte hier, daß 

in der letzten Jahreszeit der Fluß vierzehn Fuß hoch uͤber das Zeichen der damaligen hoͤch— 

ſten Waſſermarke aufgeſchwollen; welches anzeiget, wie ſehr das Land muß uͤberſchwemmt 

geweſen ſeyn, wiewohl man damals feſt darauf gehen konnte. Bey feinem Spazierenge— 

hen durch die Waͤlder fand er hier viel von dem gelben Farbeholze Bawtey genannt Y, 

welches hier ſehr haͤufig iſt. Außer dieſem aber ſah er kein anderes Holz, oder eine Pflanze, 

welche verdient haͤtte, erwaͤhnt zu werden. Er merket an, daß das Land bis hieher keine 

große und gute Baͤume habe, welche zum Zimmerholze dienten; indem es bloß Kalaba— 

ſchen, oder Baumwollenbaͤume waͤren, welche guten Schatten gaͤben, unter dem die Schwar— 

zen ſaͤßen und ihren Palmwein traͤnken ?). Den ısten beſuchte der König von Katte⸗ 

ba », in deſſen Gebiethe Kuttejar liegt, die Factorey, um das Schiff zu ſehen, auf mwel- 

chem er auch an Bord gieng. Stibbs begruͤßte ihn mit fünf Stuͤcken. Er war ein al- 

ter, ſchlanker, hagerer Mann, ſehr ſchwarz, und kam zu Pferde mit zweenen Trummeln 

vor ſich her, und in Begleitung von ungefaͤhr zwanzig Mann, die mit Gewehr, Degen, 

Bogen, Pfeilen, und Aſſagayen bewaffnet waren, da er die uͤbrigen zu Sami hinter ſich 

gelaſſen 2), | | up, 


Der II Abſchnitt. 

Das Schiff bleibt zu Kuttejar; er koͤmmt nach Arſe⸗ Sabo. Er koͤmmt nach Barrakonda. Der Haupt⸗ 
hill. Fluß Sami. Das Land und die Einwohner. mann feuret feine Stuͤcken ab, um ſich zu mel: - 
Vamyamakunda. Kanubi. Nakkaway. Fatatenda. den. Der Alkade koͤmmt von Jah. Kaufleute 
Kuſſana, Kano oder Gummidragantbaum. Ha: kommen an. Handel ſchlaͤgt wegen Mangel der 
fen Prye. Samatenda. Kouſſar. Jabutenda, oder Güter fehl. \ 


Den zoften Jenner ließ Stibbs das Schiff zu Kuttejar unter der Aufſicht feines Un- Das Schiff 
terſteuermanns, und gieng in der Schaluppe ZAmeseyland mit feinen fünf Kaͤhnen bleibt zuruͤck. 
die Gambra hinauf. Er ſchickte vor feiner Abreiſe einen Brief an den Rath, ihm von fei- 
nem Fortgange Nachricht zu geben, und meldete ihm, er zweifelte nicht, die Unglaͤubigen 
zu uͤberfuͤhren, daß dieſes Land weiter hinauf, wenn es nur hohes Land waͤre, weit geſunder 
und von einer mäßigern Luft wäre; der Slatti D'forte haͤtte zum andernmale Barra— 
konda abgebrochen; und nachdem er ganz Wulep ſich unterworfen, wäre er nach Haufe 
gegangen, ſich neue Verſtaͤrkung zu holen, und irgendwo neue Eroberungen zu machen; ſie 
| ie J 2 haͤtten 
ſtens Biſchelos, an vielen Orten an der Gambra, von Nani, welches fie Ratteba nennen. Denn 
zwiſchen Jamesfort und Kutteſar, beſonders ge- itzo, ſaget er, giebt es keinen König von Katteba, 
gen Brukoe über, geweſen, und man trifft kaum und Auttejar liegt in Unteryani. Dieß iſt eine 
eine Stadt der Mandingoer an, wo nicht einige nuͤtzliche Anmerkung, weil die Erdbeſchreibung und 
find, welche der Aberglaube erhalten. Denn ſie tan⸗ D Geſchichte viel durch ſolche Unrichtigkeiten erlitten, 
zen unter denſelben, bewundern und verehren ſie. als der Herausgeber hier verbeſſert. 
) Moore haͤlt ihn fuͤr einen von den Koͤnigen t) Moores Reiſen a. d. 256 u. f. S. 


n24 
Sübbs. 


es Reifen längst der wefkfichen Küste von Arien, 


haͤtten Nachricht, daß zwey oder drey Koff les oder Kafilohs von Sklaven, auf dem 
Wege wären; die erſte von fünf hundert Sklaven, wuͤrde von Slatti Sane Konte 


R Madebaugh gebracht, welcher feit der Zeit, da ſich die Compagnie zuletzt an dieſem Fluffe 


Arfe Hill. 


Fluf Sami. 


Land und 
Volk, 


niedergelaſſen, nicht zu Kuttejar geweſen. Er kaͤme zu verſuchen, was für Vortheil er ha: 
ben wurde, wenn er kuͤnftig dahin handelte. Der Mangel an gehoͤrigem Vorrathe von 
Gütern in dieſer Factorey wäre keine kleine Hinderniß bey dieſem Handel geweſen. End— 
lich er faͤnde dieſe Factorey ſehr angenehm gelegen, auf einem erhoͤhten Boden, wo ſie eine 
ſchoͤne Ausſicht und gute Luft hätte; und kurz fie verdiente beſſer angeſehen zu werden, 
als es in dem Fort geſchaͤhe 1), weil es ein beſſerer Ort wäre. 


Den 27ften um vier Uhr des Morgens kamen ſie eine kleine Meile hinter Arſe⸗Hill 
(Arſchhuͤgel) welches in dem Tagebuche x) die Jungferbruſt genannt wird, vor Anker. Zwo 
Seemeilen uͤber Kuttejar fand Stibbs, welcher mit Sullen hinauf gieng, es ſo beſchaffen, 
als es das beſagte Tagebuch bemerket, namlich ‚voller Eiſenſteine, wie es alle die hohen Laͤn— 
der waren, die fie gefehen hatten. Allein, fie hatten wenig Urſache, zu glauben, daß fie entwe— 
der Silber oder Gold enthielten )). Dieſer Hügel hat feinen Namen von einer aberglaͤu— 
biſchen Gewohnheit der Schwarzen, welche niemals da vorbey gehen, ohne ihren Hintern 
zu zeigen, wobey ſie tanzen, ſingen und in die Haͤnde klopfen; indem ſie glauben, ſie muͤßten 
ſterben, wenn ſie dieſe Gewohnheit unterließen; und wenn ſie ſehen, daß die Weißen dieſe 
Ceremonie nicht machen, ſo thun ſie es fuͤr ſie. Um Eilfe des Morgens lichteten ſie und 
giengen vor dem Fluſſe Sami vorbey, welcher damals die Graͤnze der portugieſiſchen Hand— 
ſung war. Dieß iſt ein großer Fluß an der Nordſeite der Gambra, welcher bis an die 
Stadt Medina hinauf geht 2). Die Compagnie hatte vordem eine Factorey hieſelbſt 2), 
und das Haus ſteht noch. Sie kauften eine Kuh, und ſetzten ihren Weg um eilf Uhr des 
Nachts fort. Den 22ſten um fuͤnf Uhr des Morgens ankerten ſie eine halbe Seemeile 
weit von Krow, dicht bey einem langen Erdhuͤgel von roͤthlicher Farbe. Um zwey Uhr 
Nachmittages ſegelten fie weiter, und da fie nicht über zehn kleine Meilen zuruͤckgelegt, an 
kerten ſie um ſieben, da die Fluth ſehr ſchwach war. 

Das Land war noch immer meiſtentheils eben; hin und wieder aber eine Reihe Huͤ— 
gel ungefähr zwanzig Faden hoch; das niedrige Land war gutes Erdreich, und ward mei⸗ 
ſtens von Foleyern, einem reinlichen, erbaren und fleißigen Volke bewohnt, welches ſehr 
gefprächig war, und die Mandingoer weit übertraf. Den 23ften um zwey Uhr des Mor- 
gens lichteten fie, und legten mit zweenen Kaͤhnen vor fich her in der Nacht einen größern 
Weg zuruͤck, als bey Tage, da der Wind widrig war. Die Fluth lief fo langſam, daß fie 
wenig damit gewonnen, und die Ebbe war ſo ſchwach, daß ſie mit dem kleinſten Luͤftchen 
eines guten Windes vorwaͤrts gehen konnten. Dieß machte Stibbſen zweifelhaft, ob in 
dieſer Jahreszeit einiger großer Regen auf dem Lande geweſen 5); denn der Strom des 
Fluſſes floß hier nicht ſtaͤrker, als die Fluͤſſe in England in hohem Sommer, und wenn es 

nicht 
1) Ohne Zweifel Jamesfort. terſuchen; es ſcheint aber nicht, daß fie ſich da auf: 
*) Wir muthmaßen, daß er hier Vermuydens gehalten haben. 


Tagebuch meynet, worauf er ſich vornehmlich be⸗ F 

zieht. In dem vorhergehenden Schreiben eines Un⸗ =) Auf der Karte Madkoina. 

genannten wird keines ſolchen Orts gedacht. 4) An einem Orte Wally genannt. Siehe die 
5] Sie wollten ſolches bey ihrer Zuruͤckkuuft une Karte und Moore a. d. 115 ©, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 69 
nicht der Schaluppe wegen geſchehen wäre, daß ſolche Waſſer genug haben möchte, fü hät: 1724 
ten ſie bald die Waſſerfaͤlle erreicht. An eben dem Morgen um acht Uhr ankerten ſie zu Stibbs. 
Namyamakunda. Der Hafen von dieſem Orte iſt auf der Suͤdſeite des Fluſſes; die Yamyama- 
Stadt aber iſt wegen des Krieges auf die andere Seite verlegt. Ein wenig hinter dieſem kunda. 
Platze iſt eine Reihe von Felſen, die von der Suͤdſeite des Fluſſes ein Drittel hinuͤber geht, 
welches nur vier Fuß Waſſer hat. Hier hielten ſie ſich einen Tag lang auf, eine Forde— 
rung des Königs von Tomani auszumachen, welcher zu Sutimor c) lebte, ungefähr Sutemere. 
eine Meile von Namyamakunda, welches der Hafen derſelben iſt. Es wurde ausgemacht, 
man wollte ihm ein Geſchenk von zwanzig Stangen am Werthe geben, damit er nur aufs 
kuͤnftige keinen Zoll von den Schiffen und Bedienten der Geſellſchaft fordern moͤchte. 


Den 24ften um drey Uhr des Morgens verließen fie Namyamakunda, und des Abends 
erreichten fie Kanubi 4). Der Hafen oder Landungsplatz iſt an der Suͤdſeite, die Stadt Kanubi. 
aber aus eben der Urſache, als Namyamakunda auf die andere Seite verlegt, wegen der 
Unruhen in Tomani. Hier ſahen ſie eine große Menge von wilden Affen, welche wie die 
Hunde bellten. Sie toͤdteten eine Ente und zwo wilde Gaͤnſe. Die letzte war größer, als 
die in England, und hatte ſchwarze und weiße Federn, mit Sporen, die ſo lang waren, als 
unſerer Haͤhne ihre, welche aus dem mittelſten Gelenke ihrer Fluͤgel heraus wuchſen, womit 
fie einen Hund uͤberwinden koͤnnen. Die Ente war von einer beſondern Art, und faft eben 
ſo groß, und hatte eben die Federn, nebſt kleinen, ſchwarzen Beinen, Fuͤßen und Schnabel, 
und oben auf demſelben hatte er einen Auswuchs von Fleiſche, einen und einen halben Zoll 
lang. Es war eine niedliche Speiſe. An eben dem Abende zogen ſie die Schaluppe hoͤher, 
und kamen um eilf Uhr des Nachts drey Seemeilen über Kanubi zu ankern. Den 25ſten 
ſegelten fie fruͤg Morgens ab, und gelangten um eilf Uhr des Morgens über dem Hafen 
Bafrey, an der Suͤdſeite des Fluſſes. Am Abende lichteten fie, und erreichten Wakka⸗ Nakkaway. 
wah, einen Hafen an der Nordſeite des Fluſſes. Die Stadt eben dieſes Namens, welche 
anderthalb Meilen entfernt iſt, wird vornehmlich von Muhammedanern e) bewohnet. Eine 
kleine halbe Meile von dem Hafen, an eben der Seite der Gambra, iſt ein Huͤgel, ungefaͤhr 
dreyßig Faden hoch, mit einem rothen Hoͤcker, der über den Fluß hängt 7). Den 26ſten 
war der Wind noch oſtlich, und ſie giengen langſam fort. Gegen Abend kamen ſie ſechs 
Seemeilen über Nakkaway an einen Ort, Kaſſankunda g) genannt, und auf dem Kaſſankun⸗ 
Wege dahin ſahen fie viel Wild, Affen, Kronvoͤgel, Enten, Gaͤnſe, guineiſche Hühner, Reb- da. 
huͤhner u. ſ. w. 

Den 28ſten gegen Mittag ankerten fie zu Fatatenda 5). Dieſer Hafen hatte gleich 
vielen andern, keine Haͤuſer, und diente einer Stadt bloß zum Landungsplatze. Es iſt der 
Hafen von Suteko, welches drey Seemeilen weit davon liegt: des Koͤnigs von Wuley 
Aufenthalt aber iſt zu Kuſſana 1), dreyßig kleine Meilen gegen Norden. Sobald Stibbs 
hier ankerte, feuerte er fünf Stuͤcke als ein Zeichen für Sleti Mamadu ab, welcher ver- 


3 ſprochen 
5) Dieß iſt demjenigen zuwider, was er vorher 7) Siehe Woores Neiſen a. d. 261 u. f. S. 
geſchloſſen. Siehe kurz vorher a. d. 67 S. g) Caſſinamda, auf der Karte. 


„auf d x 
3 Sa Be 175 Br 5) Es wurde hier 1732 eine Factorey angelegt, 


e) Worunter die Mandingoer zu verstehen im Jahre 1735 aber wiederum verlaſſen. 
find. 1) Xankade, auf der Karte. 


1724 
Stibbs. 


— 


Kano, oder 


Gummidra⸗ 
gantbaum. 


Hafen Prye. 


Samatenda. 


vo Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ſprochen hatte, allhier zu ihnen zu kommen, und einen Mann mitzubringen, der ſie bis nach 
den Waſſerfällen als Lootsmann hinauffuͤhren ſollte. Wofern er aber die Stuͤcke nicht 
möchte gehört haben: fo ſchickte Stibbs den Sprachverſtaͤndigen nach Suteko, ihm feine 
Ankunft zu melden. Am Abende kam Sleti k) an Bord, aber ohne Lootsmann, welcher 
krank war. Er bekraͤftigte die Zeitung, daß Barrakonda neulich abgebrochen, oder zerſtoͤhrt 
worden; dennoch aber entſchloſſen fie ſich, die Schaluppe hier zu laſſen, und zu handeln. 
Bey allem ihren Nachforſchen fanden fie, daß ihnen niemand einige Nachricht geben konnte, 
ob über Barrakonda einige Stadt oder Hafen wäre; denn einige hielten es gar für der 
Welt Ende; andere fuͤr eine große Wildniß, voller wilden Thiere; noch andere ſagten ih— 
nen, es wuͤrde von einem wilden Volke bewohnet, und ermahnten ihn, nicht hinaufzugehen; 
kurz, es konnte ihm keiner eine rechte Nachricht geben, ob eine Stadt oder ein Hafen uͤber 
dem Orte wäre; fo, daß, obgleich Sleti Mamadu kannte 7), und viele von feinen An⸗ 
verwandten daſelbſt lebten, er dennoch nicht wußte, wie weit es von Barrakonda zu Waſ— 
ſer waͤre. Sie bekraͤftigten insgeſammt, es waͤre uͤber dieſem Orte nichts zu verkaufen. 
Dieß bewog Stibbſen, einigen Reiß zu Prye einzunehmen, wo er wohlfeil iſt. 
Hier fanden ſie den Par de Sangoe, oder Blutholzbaum, welcher den Gummidra⸗ 
gant hervorbringt, der von den Mandingoern Kano genannt wird. Aus dem Baume 
machen ſie das Balafeu, ein muſikaliſches Inſtrument. Er waͤchſt haufig überall an dem 
Fluſſe, zu Fatatenda aber iſt er groͤßer, denn gewohnlich. Es iſt hart Holz mit ſchoͤnen 
Adern, welches ſich gut poliret, und zu Schreibſchraͤnken und zum Einlegen dienet. Man 
ſaget, die Würmer follten es niemals freſſen. Den 2often um ein Uhr des Morgens ver- 
ließ Stibbs Fatatenda, und erreichte in fünf Stunden Prye, um etwas Reiß einzunehmen; 
weil ſie alle einſtimmig ausſagten, uͤber Barrakonda wären keine Lebensmittel mehr zu Fau- 
fen. Allein, Stibbs merket an, daß man demjenigen, was fie ſagten, wenig Glauben bey- 
meſſen muͤßte; denn faſt in jedem Hafen an dem Fluſſe hätte das Volk lieber geſehen, daß 
fie dageblieben wären, und mit ihnen gehandelt haͤtten, als daß ſie weiter gegangen, und um 
ſie dazu zu bewegen, gaben ſie ſolche abſcheuliche Nachrichten von dem Lande weiter hinauf, 
und der Wildheit der Voͤlker daſelbſt. Dieſer Hafen von Prye liegt ungefähr drey See: 
meilen über Fatatenda an der Südfeite des Fluſſes in Kantor, und hat innerhalb drey 
kleine Meilen kein Haus und keine Stadt. Es iſt daſelbſt ein huͤbſcher Bach „n), worin⸗ 
nen ſie einige kleine Fiſche, wie Spieringe, und einen großen Meerkrebs fingen. Sie 
ſchickten ihren Kahn aus, den Sand zu unterſuchen; ſie konnten aber wegen der verſunkenen 
Baͤume nicht weit kommen. Den zıften, da fie wider Vermuthen nur vier Faͤſſer Reiß 
bekommen koͤnnen, fegelten fie von Prye, und kamen acht Meilen Höher vor Anker. Den 
ıften des Hornungs lichteten fie um zwey Uhr des Morgens den Anker, und giengen fort; 
fo, daß fie die Schaluppe ſchleppten, und um fünf Uhr ankerten fie zu Samatenda 1) an 
der Suͤdſeite. Hier fand Hauptmann Stibbs den Fluß hundert und vier und dreyßig Ellen 
breit, und das Ufer zwanzig Fuß hoch. Dieß iſt bloß ein Hafen, mit einem kleinen Kahne 
über den Fluß zu fahren; es iſt aber kein Haus, noch eine Stadt dabey. Hier faͤngt der 
Fluß an, faſt durchgehends hineingeſunkene Bäume zu haben. Das Land an der Suͤd— 
a ſeite 
4 Sletee, welches mit Alguier oder Alkair Originale Tinda kannte (Nuem Tinda) geſtanden. 
einerley iſt. a . m) Auf der Karte ſteht die Bucht Prye. 
D Hier fehlet etwas; wir vermuthen, es habe im ) Auf der Karte Sama. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap 71 


feite iſt niedrig; an der Nordſeite ein erhabener Grund, welcher eine Seemeile hinter dem 1724 
Hafen einen hohen Hügel machet, der faſt zwo kleine Meilen dicht an dem Ufer weggeht. Stibber 
Um acht Uhr des Abends ankerten fie acht Meilen über Samatenda; und wurden die 

ganze Nacht mit dem fuͤrchterlichen Geräufche von Elephanten, Wallroſſen und Allegatorn 
unterhalten. . 

Den zen des Hornungs, um drey Uhr des Morgens lichteten fie, und giengen weiter Kouſſar. 
bis ſieben Uhr, da fie uͤber dem Hafen Rouſſar ankerten 0), welcher weder Haus noch Stadt 
hat. Stibbs merket an, daß ſie hier aus Mangel der Kaͤhne auf einem Floſſe oder einer 
Fähre, die von Bamboes oder Roͤhren gemacht iſt, über die Gambra fahren. Auf einer 
derſelben ſah er vier Mann auf einmal uͤber den Fluß gehen. Ungefaͤhr vier kleine Meilen 
hinter Kouſſar iſt eine Sandbank, die ſich von der Suͤdſeite faſt queer durch den Fluß erſtre— 
cket, welcher nur vier oder fuͤnf Fuß Waſſer in ſich hat. Zu Nachmittage ſegelten ſie fort, 
und fanden, daß die Fluth ſehr wenig that, ob ſie wohl an dem Geſtade faſt zwey Fuß hoch 
anlief. Bald darauf giengen fie vor einem andern Hafen an der Suͤdſeite vorbey, Nabu-⸗VYabutneda⸗ 
tenda genannt p), ungefähr eine Seemeile weit von dem Hafen Kuſſane ), zwiſchen 
welchen beyden Orten das fübliche Ufer gewiſſermaßen ein aneinander haͤngender hoher 
Huͤgel iſt, der ſich gleich von dem Fluſſe erhebt. An der Nordſeite iſt eine breite Flaͤche, 
mit einer großen Lache r) darinnen ). Nachdem fie acht Meilen zuruͤck gelegt, fo anferte 
Stibbs um acht Uhr des Abends in eilf Fuß Waſſer; nachdem er eben uͤber eine Untiefe 
gefahren, die ſich von der Nordſeite drey Vierthel hinüber erſtreckte, und nur ſechs oder fies 
ben Fuß Waſſer hatte. Das uͤbrige des Fluſſes iſt ein Ueberfall von Felſen an der Suͤd— 
ſeite, zwiſchen welchen an einigen Orten zehn Fuß Waſſer war, uͤber denſelben aber nur drey 
oder vier Fuß. 

Den zten des Hornungs, um drey Uhr des Morgens giengen fie weiter, und kamen um Kommen 
acht Uhr eine Seemeile weit von dem Hafen von Barrakonda in drittehalb Faden Waf- nach Bar⸗ 
fer zu Anker. Um vier Uhr Nachmittags lichteten fie, und erreichten um ein Uhr den Ort, rakonda. 
welcher an der Nordſeite iſt. Hier maß Stibbs den Fluß, und fand ihn hundert und 
dreyßig Ellen breit, das Waſſer zweene bis drey Faden tief, und die Ufer uͤber fuͤnf und 
zwanzig Fuß hoch. Wenn nicht der Lootsmann geweſen waͤre, fo würden fie den Ort nicht 
haben kennen koͤnnen: fo wild verwachſen war er, nachdem die Stadt zerſtoͤhret worden. 

Sie fanden hier nicht das geringſte von einer Faͤhre, wie in allen andern Häfen, wo fie vor— 
bey gekommen. Stibbs gieng ans Ufer, und fand friſche Fußtapfen und den Duͤnger von 
den Elephanten. Der Lootsmann zeigte ihm, wo die Stadt geſtanden, deren Ueberbleibſel 
man kaum noch ſehen konnte. An dem Ufer nahm er die Merkmaale von verſchiedenen 
Orten wahr, wo Speiſen angerichtet worden, und die Ueberbleibſel von ihren Schmauſerey— 
en, z. E. die Haͤute und Gebeine von Wallroſſen, Allegatorn und Fiſchen. Von den bey- 
den erſtern find die Eingebohrnen große Liebhaber, wie auch von dem Fleiſche von Ele— 
phanten. Das Gras war hier zwoͤlf oder vierzehn Fuß hoch, fo trocken als Heu. 

Stibbs ſtieg auf einen Baum, und ſah einen Elephanten, ungefaͤhr vierhundert Ellen Feuret ſeine 


weit von ſich auf dem Lande ganz langſam ſpatzieren. Es war eine geraumige Ebene auf Stuͤcke ab. 
vier 


o) Steht nicht in der Karte. Zweifel einerley. 
5) Auf der Karte Jabo. 7) Steht nicht in der Karte. 
7) Iſt mit dem vorhergenannten Rouſſar ohne ) Moores Reiſen a. d. 266 u. f. ©. 


1724 
Stibbs. 


Alkade koͤm̃t 
von Jah. 


Kaufleute 
kommen an. 


Handel 
ſchlaͤgt fehl. 


7² Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


vier kleine Meilen vom Ufer. Es war kein Huͤgel zu ſehen, und es war der groͤßte Strich 
von flachem Lande, welchen Hauptmann Stibbs jemals geſehen hatte, wiewohl ſich das Land 
weiter ins Land hinein ſanft zu erheben ſchien. Stibbs war Willens, die Schaluppe James⸗ 
eyland unter dem Hauptmanne Treviſa daſelbſt zu laſſen, um allda zu handeln, und 
feurete deswegen verſchiedene Stuͤcke ab, um dem Alkade und dem Lande Nachricht von 
feiner Ankunft zu geben. In der Nacht konnten fie wegen des entſetzlichen Geſchreyes von 
den Wallroſſen, Allegatorn, Wölfen und andern wilden Thieren nicht ſchlafen. Den aten 
des Hornungs ſandte Stibbs ſeinen Sprachverſtaͤndigen und einen Grometta ans Ufer, den 
Alkade aufzufuchen, den fie nicht geſehen hatten. Er berichtete dem Hauptmanne Stibbs, 
es wären zu Jah 2) verſchiedene Kaufleute mit Sklaven, Gold und Zähnen. Dieſe Stadt, 
wo der Alkade wohnet, iſt neun kleine Meilen von Barrakonda, an der Nordſeite, wohin 
ſich das Volk von dieſem letzten Orte begeben, als ſolcher abgebrochen worden. Gegen 
Nachmittag eben dieſes Tages kamen der Sprachkundige ) und die gemietheten Schwar— 
zen oder Gromettas mit einander zum Hauptmanne Stibbs, und ſagten ihm, ſie wollten 
nicht weiter auf den Fluß hinauf gehen; denn es waͤre niemals jemand hoͤher geweſen, und 
es waͤre das Ende der Welt. Der Verſtaͤndigſte unter ihnen ſagte, wenn dahinter ein Land 
waͤre: ſo waͤre es ein barbariſches Land; und da ſie merkten, daß er Willens waͤre, zu 
Lande zu gehen, um die Goldadern aufzuſuchen: ſo fuͤrchteten fie ſich, er möchte fie zwingen 
wollen, mit ihnen zu gehen. Nach vielen Beweiſen beredete ſie Stibbs doch endlich, zu 
Waſſer fo weit zu gehen, als er; und der Vertrag ward mit einer Flaſche Brandtewein 
beſtaͤtiget, welche fie gewiß zuſammen wieder verfühnen konnte. | 

Den sten des Nachmittages kamen die Kaufleute von Jah herab, und Stibbs war 
nach vielem Streiten genoͤthiget, einen Handel um zehn Sklaven, drey und zwanzig Stan— 
gen einen, zu ſchließen, damit er fie vermochte, ihr Gold und Zähne zu verkaufen. Sein 
vornehmſter Bewegungsgrund dazu war, daß einer von den Kaufleuten, Namens Gaye, 
verſprochen hatte, mit ihm den Fluß hinauf bis nach Tinda zu gehen, woſelbſt er lebte, wenn 
er hier keinen Lootsmann bekommen koͤnnte. Den Nachmittag ſetzte der Rath x) einen 
Brief auf, und ſchickte ihn durch einen Landbothen über Kuttejar nach Jamesfort. 
Den öten des Hornungs erhielt Stibbs Nachricht, daß an dem Kantor oder der Suͤd— 
ſeite, ungefähr vier Meilen davon, eine Stadt wäre. Er ſchickte deswegen zu dem Alkade 
derſelben, und beſchenkte ihn mit einer Flaſche Rum, der eine Kuh zuruͤck ſchickte, die ihm 
hernachmals mit einer Stange Eiſen bezahlt wurde. Von den zehn Sklaven, um die fie 
mit den Kaufleuten von Jah gehandelt hatten, konnten ſie nur dreye kaufen, weil ihre Guͤter 
nicht kaufbar und uͤbelausgeſuchet waren. Hierdurch verlohren ſie die Gelegenheit, daß 
Gaye, der Kaufmann von Tinda, mit ihnen gieng, wie er verſprochen. Während der Zeit 
ſie zu Barrakonda lagen, ſchoß ihr Jaͤger eine ſehr große Art von rothem Wildpraͤte mit einer 
ſehr wunderlichen Maͤhne, welches von den Mandingoern Tonkang ) genennt wird. 


Der 

) Jah ſteht nicht in der Karte. Es koͤmmt mit zu Joar eingenommen, und welcher ausgemacht, 
Jobſons Jaye dem Namen nach, aber nicht in der nicht weiter zu gehen. 
Weite überein; wenn man nicht vorausſetzet, daß er &) Welcher aus dem Hauptmanne Stibbs, und 
neun Ruheplaͤtze für neun Meilen angenommen. den Herren Drummond und Hull beſtund. 

1) Dieß muß ein anderer Sprachverſtaͤndiger 5) Moores Reiſen a. d. 270 u. f. S. 
geweſen ſeyn, als der vorige; vielleicht der, den ſie 2) Hert Moore ſaget, es ſey ſehr merkwuͤrdig, 

da 


/ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 73 
i Der III Abſchnitt. 1724 


Stibbs. 
Stibbs geht von Barrakonda weiter hinauf. Erſter fen. Kurbambey. Simmetenda. Tendakonda. 
Waſſerfall; ein Felſen und ſſeichter Ort, oder eine Schnelle Wendung des Fluſſes gegen Oſten. Der 
Fuhrt. Zweyter und dritter ſeichter Ort. Hügel dritte Ueberfall. Sie werden durch Untiefen auf- 
Matlock⸗Tar. Seichte Derter, über die man gehalten. Zeitung von Tinda. Der Fluß und 
ſchwerlich kommen kann. Ziweyter Fall von Fel⸗ das Land. Felſenrebhuͤhner. Wallroſſe. 


Den 6ten gegen Abend verließ Stibbs mit fünf Kaͤhnen Barrakonda, und ließ die Geht von 
— Schaluppe, Jamesepland, unter des Hauptmanns Treviſa Aufſicht. Nach drey Stun- Barrakon⸗ 
den anferte er zwo Seemeilen hoͤher. Den zten des Morgens lichtete er, und eine halbe da weiter 
Stunde nachher lief er in der Mitte des Fluſſes auf den Grund. Er fand aber an der il 
Suͤdſeite fieben Fuß Waſſſer, wo er hingieng, und eine Seemeile weiter kam er an einen Erſter Waſß⸗ 
Waſſerfall, der ſich faſt gamz über den Fluß erſtreckte. Er brachte meiſt den ganzen Tag ferfall. 
zu, ſeine Kaͤhne hinuͤber zu bringen. Dieſer Waſſerfall iſt nicht uͤber drey Seemeilen weit 
von Barrakonda, und der errſte, den er antraf. Er beſteht aus Felſen auf dieſe Art. 
Von der Nordſeite laͤuft ein Bette oder eine dichte Reihe Felſen ein Drittheil über den Fluß, 

welche eine gerade und gleiche Fläche hat, und zugleich über 10 Fuß hoch über der Oberfläche des 
Waſſers ſteht. Die aͤußerſtten Enden derſelben find ſenkrecht, und machen wegen des niedrigen 
Waſſers das nordliche Ufer oder Geſtade des Fluſſes. Dicht an denſelben fand Stibbs eine 
Fahrt, die aber ſo enge war, daß die Kaͤhne zu beyden Seiten an die Felſen ſtießen. Von der 
Suͤdſeite lag über ein Drittheil queer über den Fluß ein ander gleiches und ebenes Bette vonFel- 
ſen, nur ungefaͤhr zehn Zoll unterm Waſſer; uͤber welches bey niedrigem Waſſer der Strom 
mit großer Staͤrke weg ſchoß. Zwiſchen dieſen beyden Betten wurde der Fluß durch große 
einzelne Felſen geſtopfet, die auf ſolche Art einen Fuß tief hin und wieder unter dem Waſſer 
lagen, daß man unmoͤglich durchkommen konnte, obgleich zwiſchen ihnen zehn, eilf und zwoͤlf 
Fuß hoch Waſſer war. Es war hohes Waſſer, ehe Stibbs durchkommen konnte; und ob 
es gleich hier nur acht Zoll hoch ſtieg, fo ward es ihm doch dadurch ſehr leicht, die Fahrt zu 
finden; denn bey hohem Waſſer ſtemmte es die Staͤrke des Stroms dergeſtalt, daß er faſt 
ſtille zu ſtehen ſchien, ob es gleich nur die ſchwaͤchſte Ebbe und Fluth war. Sie konnten 
alſo mit großer Bequemlichkeit darauf gehen, und auch von den anliegenden Felſen auf der 
Nordſeite, da das Waſſer hellle war, deutlich ſehen, wo die Durchfahrt war 2). Dieß war 
bey niedrigem Waſſer unmöglich ; fo heftig war der Strom, und fo voller Wirbel und Zu— 
ruͤckſchlagen der Wellen uͤber und zwiſchen den Felſen. Bey dieſem Falle fand er den Fluß 
hundert und ſechzig Ellen breit zwiſchen ſeinen eigentlichen Ufern. Damals aber war das 
Waſſer nur hundert breit, und nahm taͤglich ab, fo, daß Stibbs glaubte, es würde in drey 
Monaten nicht uͤber funfzig ſeyn. Hinter dieſem Falle fand er das Waſſer drey oder vier 
Faden tief, und gleich darüber anderthalb Faden, und dazwiſchen war es zwanzig Ellen in 
der Breite 2). 1 

Y m 


daß die Ebbe und Fluch fo weit auf der Gambra ausmachen, nicht aber von dem Canale zwiſchen 

hinauf gehen ſollte, welches er miemals von irgend denſelben, von welchem kurz vorher geſagt wor⸗ 

einem Fluſſe gehoͤrt haͤtte. den, er ſey nicht ſo weit geweſen, daß ein Boot 
a) Wir vermuthen, dieſes muͤſſe von der Breite ohne Anſtoßen habe durchgehen Fönnen. 

derer Felſen verſtanden werden, welche den Fall 


Allgem. Reiſebeſchr. II Band. K 


74 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1724 Um fuͤnf Uhr des Abends gieng er den Fluß hinauf, und fand eine halbe Seemeile 
Stibbs. uͤber den Fall einen großen Felſen, der mit ſehr dicken aber unſchmackhaften Auſtern be— 
Engels und deckt war. Um acht Uhr erreichte er eine Fuhrt. Es war Triebfand, ungefähr zwo See⸗ 
feichter Ort, meilen über dem Waſſerfalle, und nicht über vier Fuß tief, an dem tiefften Oete. Um 
oder eine Neune ankerte er in acht Fuß Waſſer, und lag die ganze Nacht da, waͤhrend welcher Zeit 
Fuhrt. fie wenig Ruhe vor dem Geſchreye der Wallroſſe hatten, die fo kuͤhn waren, daß fie ſich 
oft genoͤthiget ſahen, eine Flinte loszuſchießen, um ſie wegzuſchrecken, damit ſie keinen Scha— 
den thaͤten. Einige von ihnen waren fo groß, daß fie nicht Raum genug hatten, unter 
den Kaͤhnen wegzugehen, und daher ihre Zaͤhne durch den Boden ſtoßen, und ſolche alſo in 
Zweyter und Gefahr ſetzen würden, zu ſinken. Den 8ten des Hornungs um ſechs Uhr des Morgens, giengen 
. ſeich⸗ ſie weiter und fanden den Fluß ſo ſeichte, daß ſie bey Nacht nicht weit gehen konnten. 
een darauf trafen ſie einen andern ſeichten Ort oder eine Fuhrt an, welche Sand war, 
und an dem tiefſten Orte nur viertehalb Fuß Waſſer hatte. Um neun Uhr fanden ſie eine 
Seemeile hoͤher noch einen andern ſeichten Ort, welcher den Fluß von einer Seite zur an— 
dern verdaͤmmte. Es war Sand mit vielen trocknen Oertern, die uͤber der Flaͤche des 
Waſſers hervorgiengen. Nachdem ſie vergebens verſucht, hinuͤber zu kommen: ſo gieng 
Stibbs ans Ufer, welches er hier vierzig Fuß hoch fand. Von da beſah er den Fluß und 
fund, daß die Untiefe eine halbe Meile weit gieng, und aus Ueberfaͤllen und Sandbaͤnken 
beſtund. Dieſe Untiefe iſt ſechs Seemeilen über Barrakonda, und die Breite des Fluſſes 
iſt hundert und ſiebenzig Ellen, welches durch die Seichtigkeit des Bettes verurſachet wird. 
Sie wurden des Nachts nicht nur durch die Musgquitos, ſondern auch bey Tage durch eine 
große Fliege beunruhiget, der Elephant oder die Jolloiffliege genannt. Den gten ver⸗ 
ſuchte Stibbs die Untiefe noch einmal, und ſeine Leute ergruͤndeten ſolche mit Stangen; 
ſie fanden aber, daß das Waſſer abnahm, je hoͤher es gieng, naͤmlich bis auf ſechs und 
zwanzig Zoll, worauf ſie ſich entſchloſſen, mit den drey kleinſten Kaͤhnen weiter zu gehen. 
Den 10ten verſuchte er mit dem Kahne Gambra, welcher nur ſechzehn Zoll tief im Waf- 
ſer gieng, eine Durchfahrt zu finden, aber vergebens; denn der Triebſand machte, daß 
man ihn mit aller Gewalt nicht hinuͤber ziehen konnte. Er gieng darauf mit Herrn Sull 
Matlock⸗ ans Ufer; um den Hügel zu unterſuchen, welcher in dem Tagebuche “) Matlock⸗Tar 
Tar⸗Huͤgel. genannt wird, aus was für Urſachen aber, weis der Hauptmann nicht; denn er gab nicht 
mehr Hoffnung, als andere, die fie vorher unterſuchet hatten c). Dieſer Hügel lag an 
dem oberſten Ende der Gegend, ungefaͤhr anderthalb Meilen von ihnen. Ehe ſie aber den 
halben Weg dahin gegangen, wurden ſie von einem wilden Elephanten in großer Unord— 
nung zuruͤck getrieben. Am Abende brachte einer von den Eingebohrnen einige Voͤgel, und 
meldete ihnen, daß, wenn ſie vor dieſem Orte vorbey waͤren, ſie nicht weiter fortgehen koͤnn— 

teen, auf dieſe Nachricht aber hatten fie nicht Acht. 

Untiefen, Den uten des Hornungs luden fie den Kahn die Entdeckung aus, und hahmen alles 
ſchwer daruͤr daraus weg, fo daß er nur zwölf Zoll tief im Waſſer gieng. Ihre Abſicht war, ihn über 
ar kom- die Untiefe zu ziehen und einige weitere Entdeckung zu verſuchen, da die andern Kaͤhne bis 

{ zu den Fruͤhlingsfluthen warteten, ihnen zu folgen, wenns möglich wäre. Den ı2ten fuh— 
ren die Herren Drummond und Hull in der Entdeckung aus, da dem Hauptmanne 
Stibbs übel war. Sie kamen auch mit dem Beyſtande aller Gromettas uͤber die Un- 

tiefe, 
5) Wir halten dafür, dieß ſey vermuydens e) Vermuthlich wurden dieſe Verſuche gemacht, 
Tagebuch. um zu erfahren, ob ſie Gold oder Silber gaͤben. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap, 75 


tiefe, und bis nach Matlock⸗Tar, da fie auf dem Wege nicht weniger, als fechs Fuß Waſ⸗ 
ſer fanden. Der folgende Weg ließ ſich gut an, da ſie von ſechs bis zu achtzehn Fuß Waſ— 
fer gehabt, und der Fluß binaufwärts fechzig oder ſiebenzig Ellen breit geweſen, fo daß fie 
große Hoffnung eines guten Fortgangs gehabt hatten. 

An eben dem Tage um vier Uhr des Nachmittages giengen fie von Matlock⸗Tar, 
und trafen eine Seemeile höher eine andere Sandbank, und einen Ueberfall von Felſen am, fo 
daß fie nach einigen Verſuchen, da die Nacht einbrach, ins tiefe Waſſer zuruͤckgiengen, 
um den Tag abzuwarten. Sie machten auch da einen ſo gluͤcklichen Verſuch, daß ſie hin⸗ 
durch ruderten, ohne Sandbaͤnke oder Felſen zu beruͤhren, und vier und ſechs Fuß Waſſer 
mitten in dem Fluſſe hatten, und trafen darauf tief Waſſer an. Die Eingebohrnen meldeten 
ihnen aber, auf dem folgenden Wege waͤren Felſen, welche ihre Fahrt hindern wuͤrden. 
Bald darauf, zwo Seemeilen über Matlock -Tar, fanden fie einige Sandbaͤnke, auf deren 
einer ihr Ruder ſitzen blieb. Da fie gegen die Mitte giengen, fanden fie ihr Waſſer drey 
Fuß tief. Sie fanden das ſuͤdliche Ufer an dem Fluſſe groͤßtentheils ſteil, und die Elephan⸗ 
ten fo haͤufig, daß fie ſich vor ihnen fuͤrchteten. An eben dem Tage erhielt Stibbs in ih⸗ 
rer Abweſenheit Nachricht von dem Hauptmann Treviſa, daß er zu Barrakonda kei⸗ 
nen Handel treffen koͤnnte, und daß es ihm an Lebensmitteln fehlte 4). Den ıgten kam 
Zeitung von Kutteſar, daß fein Schiffsvolk ſehr krank wäre. Da eben Mondwechſel 
war: ſo beobachtete er den Tag vorher, daß die Fluth da, wo er war, auf ſechs Zoll hoch 
ſtieg, und Oſt und Weſt floß. Weil aber die Fluth niemals hinauf lief, fo ward es nur 
klein Waſſer. Dieß Steigen des Waſſers gab ihm Hoffnung, die Kaͤhne hinuͤber zu 
bringen. Bey dieſer Untiefe nahm er verſchiedene Haufen Sand auf, um ſolche mit Muße 
zu unterſuchen. Den ısten des Hornungs kehrten die Herren Drummond und Hull zuruͤck, 
nachdem fie ſechs Seemeilen weit hinauf gegangen, und berichteten ihm, daß fie den Fluß 
überhaupt zu reden, beffer und tiefer gefunden haͤtten. Auf dieſe Ermunterung bemuͤlte 
ſich Stibbs, da es die hoͤchſte Fluth war, den 16ten des Hornungs, das königliche Africa 
hinüber zu bringen, indem er ſolches auslud, und mit ihm und zweenen andern Kaͤhmen 
fortgieng. Weil er aber fand, daß ſolches nicht moͤglich war: ſo lud er ſie wieder, und 
kam zu der Gambra, welche mit der Entdeckung weiter gehen wollte, worinnen Stibbs 
und Hull den folgenden Morgen mit zweenen Weißen, zehn Schwarzen, einer Frauems— 
perſon und zweenen Knaben ausführen, in der Abſicht fo weit zu gehen, als fi. Drum- 
mond blieb zuruͤck, um in den dreyen Kaͤhnen mit den Grommettas und dem Sprachverſtaͤn— 
digen, welcher durchaus nicht weiter gehen wollte, und daher hier abgedankt wurde, nach 
Barrakonda zuruͤck zu kehren. Gegen Mittag landeten fie an der Suͤdſeite des Fluſſes, 
ungefaͤhr eine Seemeile hoch, um die Kuͤhle des Tages zu genießen, und ihre Speiſen an— 
zurichten, nachdem ſie durch eine Untiefe von Sande hinter Matlock-Tar aufgehalten 
worden, die nicht uͤber zwey Fuß hoch Waſſer hatte. Bey dieſem Ueberfalle fanden ſie 
eine Floͤſſe, die gebraucht wurde, nach einer Stadt an der Seite von Kantor, ungefaͤhr drey 
kleine Meilen davon uͤberzufahren, welche Kurbambey hieß, und hinter dem Hügel von 
Matlock⸗Tar lag. Sie verließen dieſen Ort um vier Uhr des Nachmittages, und um 
Neune ankerten ſie zehn Meilen hoͤher in dem mittelſten Canale, wo ſie fuͤnf Fuß Waſſer 
hatten. Sie giengen faſt bey einer jeden Kruͤmmung des Fluſſes uͤber einige Untiefen 

K 2 von 
d) Moores Reiſen auf der 274 und folgenden Seite. 


1724 
Stibbs. 


Zweyter 
Waſſerfall. 


Kurbambey. 


76 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


24 von zwey bis vier Fuß, fo daß der Canal gewiſſermaßen den ganzen Weg durch ſeichte iſt. 
Säbbs. Die Urſache, welche die Mandingoer Gromettas angaben, nach Barrakonda zuruͤckzu⸗ 
f kehren, war, die Eingebohrnen haͤtten ſich verbunden, ſie abzuſchneiden, wie ſie ſolches in 

dem Lande wollten gehört haben, wo fie hingeſchickt worden, Vögel und Eyer zu kaufen. 
Stibbs hingegen fand, daß es ein unſchaͤdliches Volk war, welches keinem etwas zu Leide 
that; und hielt es daher für ihre eigene Erdichtung, weil fie ſich gefuͤrchtet und nicht wei- 
ter gehen wollen. Wo ſie nur ans Ufer giengen, da brachte ihnen das Volk ein oder ein 
Paar Voͤgel u. ſ. w. Dem ungeachtet ſtund er auf feiner Hut. 


Den ıgten, des Morgens um Sechſe, giengen fie weiter, und vor einem ſteilen Hügel 
an der Suͤdſeite dicht bey dem Fluſſe vorbey. Sie giengen beyde ans Ufer, und hatten 
eine ſchoͤne Ausſicht von dem Lande, welches mit Wildpraͤte, das rund herum weidete, wohl 
verſehen war, und viele Wallroſſe hatte, die an dem Ufer und in dem Waſſer ſpieleten. 

Siäetenda. Ungefähr eine kleine Meile über dieſen Hügel an eben der Seite iſt ein Hafen Simme⸗ 
Tewakonda. tenda genannt, mit einer Floͤſſe, um nach Tendakonda, der Stadt dieſes Hafens hinüber 
zu kommen, welche zwo oder drey Meilen weit an der Seite von Kantor davon iſt. Gleich 
hinter dieſem Hafen fand Stibbs den Canal des Fluſſes am engſten; denn er war nur zwey 
und vierzig Ellen breit, uͤberall aber ſieben Fuß tief, und die Ufer hundert und drey und 
dreyßig Ellen von einander. Die Nordſeite war damals eine ganz trockne Sandbank. 
Um eilf Uhr des Morgens ſahen fie fünf große Elephanten, nicht über eine halbe Meile 
von ihnen, durch den Fluß waten. Als ſie uͤber dieſe Fuhrt giengen, fanden ſie nur ſech— 
zehn Zoll Waſſer an dem ſeichteſten Orte. Hier giengen fie ans Ufer, ſich zu erfriſchen, 
nachdem ſie zwo Seemeilen weit gegangen waren, und zweene Schwarzen ſahen, die 
durch den Fluß wateten, und ihnen einige Voͤgel brachten. ac 
Sanelle Um fuͤnf Uhr des Abends giengen ſie weiter, und eine Seemeile hoͤher kamen ſie zu 
n ge⸗ einem ſteilen Hügel an der Suͤdſeite des Fluſſes, welcher ſich hier plöglich gegen Oſten kurz 
RM: umbeugt. Dieſer Hügel war achtzig Faden hoch. Hier trafen fie eine Menge von de- 
nen Schildkroͤten an, die in America Hekati genennt werden e), welche den friſchen Waſ— 
ſerlachen und Fluͤſſen eigen und eine gute Speiſe find. Um neun Uhr des Abends anfer- 
ten ſie in vierzehn Fuß Waſſer, nachdem ſie den Nachmittag acht Meilen weit gegangen 
waren. Den ıgten um ſechs Uhr des Morgens giengen fie durch einen langen aber ſehr 
ſeichten Canal, an deſſen Nordſeite ein hoher Huͤgel lag. Hier beobachtete Stibbs, daß 
die engliſche Art von Weiden an der Flußſeite ſehr haͤufig wuchs, und daß von den Einge— 
bohrnen Toback gebauet wurde /), aber nicht wild wuchs, wie Vermuyden in feinem 
Tagebuche behauptet. Dieſe Weiden beherbergen eine ſtarke Anzahl von großen Enten 
von einer beſondern Art, welche lieber laͤngſt dem Ufer unter dieſen Weiden hinlaufen, als 
daß ſie fliegen oder untertauchen. Zuweilen pflegen vierzig oder funfzig von ihnen an der 
Seite des Ufers eine nach der andern auf eine Stunde lang unter den Weidenbaͤumen ſo 
ſchnell hinzulaufen, daß man ſchwerlich mit ihnen gleich rudern kann. 


Gegen 


2) Herr Moore bemerket in einer Note, daß / Dieß iſt das erſtemal, daß der Verfaſſer eines 
dieſe Art von Schildfröten gemeiniglich in friſchen von denen Tagebuͤchern genannt wird, die Stibbs 
Waſſerlachen gezeugt wuͤrden, woraus er die Muth⸗ bey ſich gehabt; und wir halten dafuͤr, daß dieß 
maßung zieht, es muͤßten ſolche Lachen nicht weit das eine geweſen, welches er vornehmlich zu ſeiner 
davon ſeyn. Anlei⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 77 


Gegen Mittag lag Stibbs ſtille, und maß einen engen Paß, wo er den Canal des 
Waſſers acht und funfzig Ellen breit, und ſechs Fuß tief fand. Dieß iſt ein Ueberfall 
mit dieſem reinen Canale in der Mitte; indem an der Nordſeite eine Reihe Felſen faſt die 
Hälfte über dem Fluſſe, und zugleich acht oder neun Fuß über dem Waſſer iſt; und an der 
Suͤdſeite iſt eine große trockne Sandbank. Sie ſahen hier große Rotten Baviane. Den 
Nachmittag giengen ſie noch eine Seemeile weiter; ſie waren aber genoͤthiget, etwas zu⸗ 
ruͤckzugehen, um in tiefem Waſſer zu ankern. Den 20ſten um neun Uhr des Morgens 
brachte Stibbs mit großer Muͤhe und Arbeit die zweene Kaͤhne uͤber die Untiefen, die nur 
zwoͤlf bis vierzehn Zoll Waſſer hatten. Ungefaͤhr eine Seemeile hoͤher giengen ſie ans 
Ufer, um ſich zu erfriſchen, gerade einem hohen Huͤgel gegen uͤber, der nach dem Fluſſe zu 
an der Suͤdſeite ſteil war. Die Eingebohrnen folgten ihnen noch immer mit Eßwaaren, 
und giengen uͤber den Fluß, nachdem ſie ſich an einer oder der andern Seite hielten. Sie 
hatten aber keine Zähne oder Sklaven zu handeln 3). 

Um vier Uhr des Nachmittages giengen ſie eine Seemeile weiter, und fanden neue 
Untiefen und Sandbaͤnke, welche ſie bis an Morgen aufhielten. Bey dieſen Untiefen iſt 
ein hoher Huͤgel an der Nordſeite dicht an dem Fluſſe, und an der Suͤdſeite eine große 
Ebene. Den zıften gieng Stibbs weiter, einen Canal durch dieſe Untiefen zu fuchen, und 
ſchickte Johann Hodges, den Schmidt, mit einem Schwarzen aus. Er befahl ihnen, vier 
Seemeilen weit an der Seite des Fluſſes hinauf zu gehen, um den Fluß Nork zu ſuchen, 
deſſen von dem Verfertiger des Tagebuches von 1661 5) erwähnt wird, als wenn er fieben- 
zehn Seemeilen über Barrakonda läge, obwohl Stibbs damals rechnete, daß er zwan⸗ 
zig Seemeilen hinter dem Orte wäre. Stibbs bemuͤhete ſich bis gegen Mittag verge- 
bens, uͤber dieſe Untiefe zu kommen, weil ſie daſelbſt nicht feſten Fuß faſſen konnten, die 
Kaͤhne hinuͤber zu ſchleppen, indem der Boden Triebſand war. Dieſe letzte Untiefe oder 
Sandbank, welche ihre Entdeckung aufhielt, war ungefahr neun und funfzig Meilen uͤber 
Barrakonda, an dem obern Ende einer Kruͤmmung, welche Oſtnordoſt geht, und woſelbſt 
ſich der Fluß auf einmal kurz um gegen Suͤden wendet. An der Nordſeite iſt ein hoher 
Hügel dicht an dem Ufer, und an der Suͤdſeite eine große Ebene. Hier unterſuchten fie die 
Huͤgel und den Waſſerboden, und nahmen Sand auf, wie ſie vorher gethan hatten. 


Die Eingebohrnen, welche noch immer zu ihnen kamen, meldeten ihnen, es waͤre, 
wenn fie auch gleich über die Untiefe hinüber komen, ſchon zu ſpaͤt im Jahre, Tinda zu er: 
reichen, ob es wohl nur eine kleine Tagereiſe von da zu Lande wäre. Sie erbothen ſich 
aber, den Hauptmann dahin zu begleiten, wenn er nur nach dem kuͤnftigen Regen kommen 
oder ſich unter ihnen niederlaſſen wollte, in welchem letztern Falle ſie unterdeſſen fuͤr ihn 


Elephanten toͤdten, und eine Handlung herziehen wollten. Stibbs hoffte, aus einigen 


unvollſtaͤndigen Nachrichten, welche ihm die Eingebohrnen von einem Fluſſe Kabong ge: 
nannt, gaben, Hodges würde den Fluß Nork gefunden haben. Er kam aber den Abend 
zuruͤck, nachdem er vier oder fuͤnf Seemeilen hinauf gegangen war, und berichtete dem 
Hauptmanne, er haͤtte keinen Fluß geſehen, der an irgend einer Seite in die Gambia ſiele, 

a K 3 außer 
Anleitung, beſonders was die Goldadern betrifft, 5) Dieſes Tagebuch iſt von dem obgedachten Ver: 
angenommen, und zwar eben dasjenige, welches er muyden, wie aus einem nachher gemeldeten Um⸗ 
fo oft ohne Benennung des Verfaſſers anfuͤhret. ſtande erhellet, der mit dieſem verbunden iſt. 

g) Moores Reifen a. d. 280 u. f. ©, Pe 


17:4 
Stibbs. 


Der dritte 
Fall. 


Sie werden 
durch Untie⸗ 
fen aufghal⸗ 
ten 


Zeitung ton 
Tinda. 


* 


78 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Afrien, 


1724 außer ſolchen, die trocken wären, dergleichen Stibbs ſchon einige geſehen hätte Er be⸗ 

Stibbs. ſtaͤtigte alſo die Seichtigkeit des Fluſſes, durch welchen er den Tag verſchiedenemale ge: 

Dercluß und watet. Stibbs beobachtete auch ſelbſt, daß die Untiefen haͤufiger wurden, und daß er 

das Land. taglich weniger Waſſer hatte, indem der Fluß nunmehr alle halbe Meilen ſeichter ward. 

Stibbs fand, daß der Fluß hier hundert und ſechzig Ellen breit war, welches ſeine Seich— 

tigkeit verurſachte. Das Waſſer gieng uͤber den ganzen Canal, außer hier und dar war 

ein Flecken Sand. Er bemerkte auch, daß das Waſſer zweene Zoll hoch am Ufer ſtieg : allein 

der Strom rann immer hinab. Das Land an Kantor oder der Suͤdſeite war volkreich 

mit kleinen Dorfſchaften hin und wieder, doch war keine innerhalb einer Seemeile weit 

vom Ufer. An der Nordſeite ſind keine Staͤdte oder Einwohner, bis man nach Tinda 

Felſenreb⸗ koͤmmt. Hier fanden fie eine Menge von Wildpraͤte, beſonders Felsrebhuͤhner, die einen 

huͤhner. runden braͤunlichten Flecken, fo groß als eine halbe Krone, auf der Bruſt haben 5). Sie 
find eine gute Speiſe, aber ſchwer zu toͤdten. 


Wallroſſe. Stibbs bemerket, daß je höher fie giengen, deſto zahlreicher und kuͤhner fie die Wall⸗ 
roſſe faͤnden, beſonders in den Gegenden zwiſchen den obgedachten Untiefen, wo ſie tief 
Waſſer hatten, in welches ſie tauchen konnten, wenn ſie auf den Sandbaͤnken uͤberfallen 
wurden. Er hat ſie oft ſo geſchoſſen, daß ſie den Strom mit ihrem Blute faͤrbten, doch 
giengen ſie ſtets fort, kamen hernach in einer gewiſſen Weite wieder hervor, blieſen das 
Waſſer in die Höhe, knirſchten mit ihren Zähnen, und bruͤllten ſehr fuͤrchterlich und ab: 
ſcheulich. Stibbs meldet, der Verfaſſer des Tagebuchs von 1661 erwähne nur zweene 
Huͤgel zwiſchen Barrakonda und dem Fluſſe Nork, beyde an der Suͤdſeite, da er hinge— 
gen ſechſe gefunden, zweene an der Nord- und viere an der Suͤdſeite Y. 


Der IV Abſchnitt. 


Sie gehen den Fluß wieder hinab; erreichen Bars ven werden den Fluß herab gebracht. Sklaven 
rakonda. Untiefe Kuſſone. Fatatenda. Kuts werden ausgeführt. Zuſatz, welcher des Haupt: 
tejar. Joar. Sie kommen nach Jamesfort. manns Stibbs Urſachen enthaͤlt, warum er nicht 

Perſonen, welche waͤhrend der Fahrt geſtorben. glaubet, daß die Gambia der Niger ſey, mit Moo⸗ 
Schiffe, die angekommen und abgegangen. Skla⸗ res Antwort, und einer Gegenantwort. 


Sie gehen Den zoften, nachdem fie den letzten Verſuch gemacht, und an dem tiefſten Orte nur zehn 

zuruͤck. — Zoll Waſſer fanden, entſchloß ſich Stibbs, wiewohl ſehr ungern, zuruͤck zu kehren. 
Sie fuhren alſo um Mittag ab, und kamen gegen Abend zehn kleine Meilen hinab, wo ſie 
ankerten. Sie waren genoͤthiget, die ganze Nacht ſtille zu liegen, weil fie über einige Un— 
tiefen mußten, welches nicht anders, als bey Tage geſchehen konnte. Den 23ften des Hor⸗ 
nungs gieng er über die Untiefen, und kam den Fluß hinab bis nach Simmatenda, wel⸗ 
ches ſie um fuͤnf Uhr des Nachmittages vorbey fuhren. Sie ankerten um acht Uhr, einem 
kleinen roͤthlichten Gebirge an der Nordſeite gegen über. Dieſen Tag kamen fie ſechs See— 
meilen weit. Den 24ften unterſuchten fie dieſen Hügel, und nahmen eine Probe davon mit. 
Er liegt acht Seemeilen über Barrakonda. Gegen Mittag erreichten ſie Matlock-Tar, 


und 

1) Siehe die natuͤrliche Hiſtorie, wo weitere Nach: m) Oder vielleicht konnte es in ihrer Abweſen⸗ 

richt davon gegeben wird. 3 heit durch den Fluß ſeyn gemacht worden, wie man 
4) Moores Reifen a. d. 285 u. f. S. von dem nahen Vogeleylande vermuthet. 

J) Ebendaſ. a. d. 286 u. f. S. n) Oder ſiebenzehn Seemeilen über Barrakon⸗ 


OR, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 79 


und kamen mit großer Schwierigkeit uͤber die Untiefen; ſie ankerten um neun Uhr des 1724 
Abends, recht über dem großen Ueberfallle, drey Seemeilen weit hinter Barrakonda, und Stibbs. 
warteten auf den Tag und das hohe Waſſſer, um hinuͤber zu kommen. Das Geraͤuſch def- 

ſelben glich dem an der Londnerbruͤcke bey niedrigem Waſſer. Dieſen Tag kamen fie ſechs 
Seemeilen hinab, und unterwegens toͤdtette Stibbs eine Guana, fünf Fuß lang. 

Den 25ften mit Anbruche des Tages giengen fie über den Ueberfall, und um neun Uhr Erreichen 

des Morgens erreichten fie Barrakondeg, wo Stibbs den Hauptmann Treviſa mit der Barrakonda. 
Schaluppe, und den Herrn Drummonmd mit den drey Kaͤhnen, und alle feine Leute geſund 
antraf. Hier erhielten fie eine Nachricht, daß Robert Plunket Esg. als neuer Statt⸗ 
halter zu Jamesfort angekommen, und daß ei nige Veranderungen in dem Rathe gemacht wor⸗ 
den. Treviſa hatte unterdeffen fünf Sklaven und ein wenig Gold und Zähne bekommen. 
Hier wurde beſchloſſen, gerade nach Jamesfort zu gehen. Den 256ſten alſo bey Tage lich⸗ 
teten fie, und fuhren den Fluß hinab. Allein, bald darauf lief die Schaluppe Jameseyland, 
in dem mittelländifchen Canale auf den Grund, fo, daß fie genoͤthiget waren, fie allhier zu 
erleichtern, bis hohes Waſſer kam, ob ſie gleich nur vier Fuß und einen halben im Waſſer 
gieng. Um drey Uhr des Nachmittages kamen ſie hinuͤber, und um zehn Uhr des Nachts 
vor Anker, eine Seemeile weit hinter Kuſſdne 1). 

Dieſe Untiefe ift eine Seemeile über Mabutenda, und wird von einer Sandbank ge- Untiefe 
macht, die von der Nordſeite drey Viertlhell queer über den Fluß läuft, und nur vier Fuß Kuſſone. 
Waſſer hat. Der uͤbrige Theil des Camals iſt mit großen Felſen angefuͤllet, die hin und 
wieder zerſtreut liegen; ſo, daß daſelbſt keine Durchfahrt iſt, ob ſie gleich acht oder neun 
Fuß Waſſer zwiſchen ſich, aber nicht uͤber zwey bis drey Fuß uͤber ſich, haben. Weil ſie 
kein Zeichen von dieſer Untiefe ſahen, da ſſie hinaufgiengen: ſo zeigte ſolches klaͤrlich, wie ſehr 
das Waſſer ſeitdem gefallen m), Hier ſcchickten fie einen Bothen nach Kuttejar ab, mit 
Briefen nach dem Jameseylande, um diejenigen zu beantworten, die ſie zu Barrakonda 
erhalten. In denſelben geſchieht unter andern Erwaͤhnung, Stibbs waͤre auf fuͤnf und 
zwanzig Seemeilon über Barrakonda gewerfen; er hätte aber den Fluß Vork nicht entde⸗ 
cken koͤnnen, welchen Vermupden ungefaͤlhr ſieben oder acht Meilen tiefer ſetzet 1); fie 
haͤtten ihr Tagebuch ſowohl hierinnen, als auch in demjenigen nachläßig befunden, was die 
merkwuͤrdigſten Hügel betraͤfe, welche Metall im Ueberfluſſe verſpraͤchen; er koͤnnte aber 
nicht entſcheiden, ob ſie mit der edelſten Art befruchtet waͤren oder nicht, bis er Gelegenheit 
haͤtte, Verſuche deswegen anzuſtellen o). 

Den 27ſten früh gieng Stibbs weiter, und um acht Uhr des Abends lief die Schaluppe Fatatenda. 
wieder auf den Grund, wo Stibbs von ihr gieng, und einen Kahn bey ihr ließ, fie zu bes 
gleiten. Er ſegelte mit den andern nach Kuttejar, um fein Schiff fertig zu machen. Ge⸗ 
gen Mittag gieng er vor Zamatenda vorbey, und den Abend ankerte er zu Fatatenda. 

Den 28ſten um zehn Uhr des Abends, erreichte er den Hügel Nakkawap, welchen er zu 
unterſuchen Willens war. Den 29ſten bey Unterſuchung des Huͤgels fand Stibbs nahe 
an der Spitze eine Jwengrube, und hörte das Thier nicht weit davon bruͤllen. Sie war 
an 
da, wie vorher geſagt wird. Wenn man dieſe Stelle 6) Herr Moore hat uns keine Nachricht gegeben, 
mit der a. d. 77 D. N. /) vergleicht: ſo ſieht man, daß was der Erfolg von dieſem Verſuche geweſen; ſo daß 
der daſelbſt erwähnte Verfaſſer des Tagebuches von wir gewiſſermaßen noch ungewiß find, ob es daſelbſt an 
661 Vermuyden iſt der Gambrs einige Goldminen giebt, oder nicht. 


1724 


Stibbe. 


Ruttjar. 


Joer. 


5 


30 Reifen längst der weſtlichen Kuͤſte von Afriea, 


an einem einſamen Orte, ungefaͤhr drey Vierthel Meile auf der Seite an dem Fuße eines 
Abhanges in der Seite des Felſen. Sie war groß und bequem, man konnte aber nur mit 
vieler Beſchwerlichkeit hinzukommen. Sie bemerkten die Spur zu derſelben, nebſt den 
Fußſtapfen, dem Auswurfe und einigen Haaren des Loͤben. Die Loͤwen find hier herum 
ziemlich häufig, und ihr Gebruͤlle wird in der Nacht oftmals gehoͤret. Allein, der Haupt⸗ 
mann hatte keinen in den Waͤldern geſehen, ob er gleich oftmals große Woͤlfe daſelbſt wahr⸗ 
genommen hatte. Gegen Abend ankerte er ein wenig hinter Namyamakunda. 
Den aten März bey anbrechendem Tage erreichte er Kutteſar, und fand fein Schiff 
in ſchlechtem Zuſtande, die meiſten von ſeinen Bootsleuten krank, und einen todt. Den 
aten kam die Schaluppe, Jameseyland, mit allen Leuten geſund an Bord, welches machte, 
daß es ihm ein Ernſt war, wegzugehen. Den ten ſegelte er ab, und um ſechs Uhr des 
Abends gieng er vor Dubotenda vorbey, und ankerte um eilf Uhr des Nachts eine kleine 
Meile weit von Brukoe. Den gten bey Sonnenaufgange gieng er durch den Fulierpaß, 
und an eben dem Tage vor den Inſeln Sappo vorbey. Den ıoten des Morgens nahm er 
eine Probe von dem rothen Berge bey Kaſſan; und den 1zten gegen Mittag ankerte er zu 
Joar. Hier fand er Craigue und Perry, zweene Interloper. Der erſte hatte, durch 
einen Aufſtand feiner Sklaven wider ihn, die Woche vorher ſiebenzehn von fünf und ſechzig 
verlohren. Drey Seemeilen über dieſem Orte ſahen fie eine Heerde von zwey oder drey⸗ 
hundert Elephanten, die den Fluß herabkamen, zu trinken, welche einen ſolchen Staub machten, 
als ob es der Rauch von einem Glas hauſe oder einem Braufeuer wäre. Den ızten verließen fie 
Joar, und ſahen eine andere große Heerde uͤber den Fluß ſchwimmen, ungefaͤhr eine Vier⸗ 


Janesfort. chelmeile vor dem Schiffe. Den ꝛaſten ankerten fie zu Jamesfort, nachdem fie zweene 


Abterben. 


Monate und drey und zwanzig Tage auf der Entdeckung ausgeweſen. Waͤhrend der Zeit 
hatten ſie nicht einen einzigen Mann begraben; und diejenigen, welche krank ausfuhren, 
kamen friſch und geſund wieder zurück y)). Er verſteht diejenigen, welche auf die Fahrt 
ausgegangen; denn die Schiffsleute, die er zu Kutteſar verlaſſen, fand er ſehr ſchwach. 

Die folgenden Dinge, welche das Abſterben und den Handel betreffen, ſind aus dem 
Tagebuche zuſammengezogen, und hier beygebracht, damit der Leſer ſolche auf einmal über 
ſehen koͤnne. 

I. Abſterben der Perſonen zu Jamesfort, oder fonft wo an 
der Gambra. 


Den 28ſten des Weinmonats ſtarb Joſeph Willy, Esq. Statthalter von Jamesfort, 
am Borde der Nachricht, einer Brigantine, auf der Gambra, auf ſeinem Wege von 
Joar nach Jamesfort. f 

Den ıften des Wintermonats im Jahre 1724 ſtarb D. Hugh Cafful, Oberwundarzt 
bey des Hauptmanns Stibbs Fahrt auf der Gambra, am Borde der Nachricht, und 
wurde wegen ſeiner vortrefflichen Gemuͤthsart durchgaͤngig bedauret. Man begrub ihn zu 
Jillefrey. Den aten deſſelben ſtarb Lieutenant Macſwain, ein junger Edelmann von 
guter Gemuͤthsart, am Borde der Nachricht, und ward auf der oſtlichen Baſtey begraben. 
Den ızten deſſelben ftarb Johann Laughland, erſter Unterſteuermann des Hauptmanns 
Stibbs zu Jamesfort. 

Den 


p) Moores Reiſen auf der 292 und folgenden Seite. 


ee 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. 81 
Den 28ſten des Chriſtmonats ſtarb Walter Frathern, Hauptmann der Bergleute 1724 
bey dieſer Fahrt, nach einer fechstägigen Unpaͤßlichkeit. Er war ſchwermuͤthig und mis⸗ Stibbs. 
vergnuͤgt geweſen, weil ihm das Land nicht gefiel. Man begrub ihn zu Jillefrey. r 


Im Maͤrz ſtarb ein Bootsknecht am Borde des Schiffes des Hauptmanns Stibbs 
zu Ruttejar. 


II. Schiffe, die nach dieſem Lande beſtimmt worden, und zu James fort 
8 im Jahre 1723 und 1724 angekommen. 


Zeit. Namen. Fuͤhrer. Woher. 
1723 Oct. 7 | Beſchleunigung, Co. | Stibbs. London. 
Nov. 4 Hamilton, Co. Kirk. Ebendaher. 
15 Diamant, Kriegsſchiff. Wyndham. 2 4 

„ 17 Wilhelm, Schal. E. K.] Elliot. Barbadoes. 
„ 30 franz. Schaluppe. 2 Goree. 
Dec. ı | Rubin, Brigant. E. K.] Kidgel. London. 

„ „„ 12 Rubin, E. K. Craigue. Ebendah. 
„ == „Hoffnung, E. K. Perry. * 


III. Schiffe, die von der Gambra und Jamesfort im Jahre 1723 
| und 1724 abgegangen. 
Zeit: Namen. Fuͤhrer. Wohin. 
1723 Nov. 15 | Hamilton, Co. Kirke | Cap Corſe 
„ „„ 27 | Nachricht, Brig. E. K. )] Redwell | Jamaica 


IV. Sklaven, die den Fluß herab nach Jamesfort gebracht worden. 


Im Jahre 1723 Det. die Gambiaſchaluppe, neun und vierzig Stuͤck; im Nov. die Scha⸗ 
luppe, Jameseyland, von Joar, vier und zwanzig; im Dec. eben dieſelbe Schaluppe von 
Kuttejar vierzig; im Maͤrz 1724, drey Kaͤhne von Kuttejar, ein und dreyßig Stuͤcke, zu⸗ 
ſammen alſo hundert und vier und vierzig Sklaven. 


V. Sklaven, die von der Gambra weggefuͤhrt worden. 


Im Dec. 1723, Hauptmann Kirke in dem Hamilton Co. nach Cape Coaſt, dreyßig 
Stuͤcke; Redwell in der Nachricht E. K. nach Jamaica, hundert und funfzig; im 
Nov. eine franzoͤſiſche Schaluppe nach Goree, ſechs und vierzig; und im Dec. eine andere 
eben dahin, hundert, zuſammen alſo dreyhundert und ſechs und zwanzig Sklaven. 


Zuſatz. 


1) E. K. bedeutet einzelne Kauffahrer, und Co. Schiffe von der africanifchen Compagnie. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. L 


82 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
a | Zuſatz. 
b Des Hauptmanns Stibbs Urſachen, warum er die Gambra nicht fuͤr den Niger, 


und die alten und neuen Nachrichten von dieſem Fluſſe 
für irrig halt. 


err 1 hat dieſe Urſachen des Hauptmanns Stibbs am Ende ſeines Tagebuches 
beygebracht, aber ſie von einander geriſſen, und mit feinen eigenen Antworten auf die⸗ 
ſelben vermengt 7); ſo, daß wir nicht wiſſen, ob ſolche ganz find, oder in der Ordnung ge: 
ſchrieben worden. Und es ſcheint in der That, als wenn an einigen Orten Worte fehlten, 
welche den Verſtand ausmachten, oder zur Verbindung gehoͤrten. Wir haben es gewaget, 
dieſen Unvollkommenheiten abzuhelfen, und unſere Einſchiebſel durch andere Schrift unter⸗ 
ſchieden. Wir haben auch die Urſachen von Moores Antworten abgeſondert, die wir nach: 
her mit einer Gegenantwort eingeruͤckt haben. 


Urſichen 1) Daß der Fluß Gambia mit dieſem 5 Namen genennt werde, und nicht 
des Haupt⸗ anders. 
manas. 2) Daß ſein Urſprung nicht ganz ſo weit im Lande ſey, als er von den Erdbeſchreibern 


geſetzt worden; und er auch nicht aus einer Lache entſpringt, noch eine Gemeinſchaft mit ei⸗ 
nem andern Fluſſe hat. 

3) Daß die Gambia ein Fluß ſey, der unter allen, die in das atlantiſche Meer fallen, 
am weiteſten gegen Norden von der Linie fließe; und daß er der Niger ſey, wenn einer 
von dieſen Fluͤſſen es iſt. Allein er entſpringt alsdann ſo nahe bey der See, daß er ſich 
auf keinerley Weiſe mit denen Nachrichten vergleichen laͤßt, welche die Alten von dem Niger 
geben. Denn fürs erſte, ſaget er, er hätte niemals gehört, daß die Eingebohrnen von 
ſeinem Urſprunge aus Lachen etwas gedacht haͤtten. Zum andern, ſagten ſie, die Gam— 
bra kaͤme von den Goldadern zwölf Tagereifen über Barrakonda, und daſelbſt koͤnnten Bo: 
gel hinuͤberſpazieren. 

4) Daß keiner von den andern Fluͤſſen, welche in das obengedachte Meer fallen, 
aus der Gambia entſpringe; und was die Sanaga betraͤfe, ſo haͤtten die Franzoſen keine 
Entdeckungen von derſelben uͤber Gallam hinauf gemacht, welches fuͤnf oder ſechs hundert 
kleine Meilen auf derſelben waͤre; weil, da ſie an den Graͤnzen der Barbaren waͤre, ſie an 
deren Sande und Wuͤſteneyen Theil hätte, und daſelbſt ſehr klein wäre, 


Moores Antwort auf Stibbſens Urſachen oder Einwuͤrfe mit 
einer Gegenantwort. 


Anwort auf Yſuf die erſte ſaget er, die Mandingoer nennten die Gambia nur Batto , das iſt den 

die erſte. Fluß, vorzugsweiſe; und der Name Gambia, von welchem er glaubet, daß er feinen 
Urſprung von den Portugleſen habe, wuͤrde nur von ſolchen Eingebohrnen gebrauchet, die 
mit den Europäern umgiengen. 


Gezenant⸗ Gegenantwort. Dieß kann in Zweifel gezogen werden; denn Marmol ſaget, die 
wort, Einwohner nennten ihn Gambu , wenn wir uns in dieſem Stücke auf die franzöfifche 
Ueber⸗ 

r) Woores Reiſen a. d. 298 S. ſelben, als See, oder Ji, We in eben nr 


s) Jobſon hörte keinen andern 2 fun de den⸗ che Waſſer heißt. 


— 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch V Cap. | 83 


Ueberſetzung des Ablancourt verlaſſen koͤnnen; denn wir haben das Original im Spani- 1724 
ſchen nicht. Stibbs. 

Der andern Urſache ſetzet Moore das Anſehen des nubiſchen Erdbeſchreibers Leo, sen 
Ludolphs und Herodots entgegen. Was des Leo Nachricht betrifft, fo ſaget er, er habe die zweyte. 
ſolche aus feiner eigenen Erfahrung gehabt, indem er den Niger zu Tombuto geſehen; 
und die beyden andern gedaͤchten der Inſel Lili, durch welche der Wiger und die König- 
reiche Gualata und Ghana, durch welche er gienge, mit Salze verſehen wuͤrden. Er 
behauptet, daß dieſe Derter das Eyland Joalli an der Muͤndung der Gambra, die Koͤ⸗ 
nigreiche der Jolloifen und Nani wären. | 

Gegenantwort. Hierauf kann geantwortet werden, erſtlich, daß obgleich Leo den Gegenant⸗ 
Niger bey oder nicht weit von Tombuto geſehen, dennoch ſeine Nachricht von deſſen wort. 
Urſprunge nicht aus ſeiner eigenen Erfahrung iſt; und es ſich auch widerſpricht. 
So erwaͤhnet er auch der Gambra nicht, wie wir zuvor gezeiget haben 2). Kurz, der Ni: 
ger hat hier bey dieſem Einwurfe nichts zu thun, als was ihm Moore ſelbſt zu thun 
giebt. Zum andern, alles was Moore in der Folge ſaget, kann wahr ſeyn, und die Gam⸗ 
bia oder Gambra dennoch ein befonderer Fluß bleiben. Denn die angeführten Schrift— 
ſteller ſagen nicht, daß das Salz auf der Gambra hinaufgefuͤhret wuͤrde; und wenn ſie es 
ſagten, ſo wuͤrde es aller Wahrſcheinlichkeit nach falſch ſeyn, weil die Faͤlle und Untiefen 
ſie aufgehalten haben muͤßten, und ihre gegenwaͤrtige Art Guͤter weg zu fuͤhren, geſchieht 
zu Lande. Dieſen Grund zu unterſtuͤtzen, behauptet er ohne Beweis, oder unſerer Mey— 
nung nach, mit weniger Wahrſcheinlichkeit, daß Ulil, Joalli; Gualata das Land der 
Jolloifen; und Ghana Nani ſey. Dieſes Vorgeben gruͤndet ſich bloß auf die kleine 
Gleichheit in den Namen; denn Jaoalli, worunter er das Koͤnigreich Joalli verſtehen 
muß, iſt nicht als ein Eyland bekannt; und wenn es auch dergleichen waͤre, ſo iſt es bloß 
von dem feſten Lande durch einen Fluß unterſchieden, dahingegen Ulil, nach der nubiſchen 
Erdbeſchreibung, worinnen er dieſen Ort gefunden, eine Tagereiſe weit zu Schiffe von der 
Muͤndung des Nils liegt, von welchem der Verfaſſer irrigerweiſe vermuthet, daß er in den 
weſtlichen Ocean falle. Man kann daher eher vermuthen. Ulil ſey Sal, eines von den 
Eylanden des grünen Vorgebirges. Was die Jolloifen und Nani betrifft, fo ſcheinen 
fie nicht die geringfte Gleichheit mit Gualata und Ghana zu haben. Moore kann 
auch keine andere finden, als daß er vorausſetzet, das G habe die Eigenſchaft des engliſchen 
mitlautenden Jota, da es doch wirklich ein ſtarker Gutturalbuchſtabe bey den Arabern iſt, 
wie wir bereits angemerket haben x). 

Auf des Hauptmanns erſte Urſache in ſeinem dritten Einwurfe antwortet er, die Antwort auf 
Schwarzen, mit denen er geredet, waͤren vermuthlich Kaufleute geweſen, deren Vortheil es dle dritte. 
waͤre, zu verhehlen, nach welchem Lande ſie handelten; diejenigen Jonkos oder Kaufleute 
aber, mit denen er, Moore naͤmlich, gemeiniglich geſprochen, haͤtten ihm, weil ſie gewußt, 
daß er nicht Willens wäre, dahin zu handeln, geſagt, ungefähr eine Monatsreiſe weit 
von Joar, waͤren große Lachen, vor denen ſie vorbey giengen. Er ſetzet hinzu, 
dieß wäre die allgemeine Meynung des Landes, weswegen er ſich auf des Generals Ro⸗ 
gers Schreiben bezieht, ſolches aber nicht einruͤcket. 15 ſeine zweyte Urſache erwiedert 

2 er: 

1) Siehe oben a. d. 7 S. *) Ebendaſ. Anmerk. 

1) Siehe II Band a. d. 337 ©. ü i 


4 


1724 


Stibbs. 


Gegmant: 
wort, 


Antwort auf 


die vierte. 


Gegenant⸗ 
wort. 


1730 


Moore. 


84 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


er: Dasjenige, was er ſage, koͤnne in Abſicht auf einen Fluß, der in die Gambia falle, 
wahr ſeyn; der Hauptſtrom des Nigers aber, wie er von den Alten beſchrieben werde, 
und mit dem Laufe der Gambra uͤbereinſtimme, komme von Süden gegen Oſten nach Bar⸗ 
rakonda, da hingegen die Goldadern, don denen er redet, nordlicher liegen. 0 
SGegenantwort. Dieſes letzte ſcheint uns gar kein Beweis zu ſeyn; denn aus mel: 
cher Gegend die Gambra ihren Lauf nehmen mag, fo iſt fie doch nicht gar zu weit hinter 
Barrakonda bekannt. Wenn fie aber von dem Niger koͤmmt, fo muß fie einige hundert 
Meilen ſuͤdwaͤrts oder beſſer ſuͤdweſtwaͤrts laufen, und ſo kann ſie vor den Adern vorbey 
gehen, wenn ſolche nordlich liegen. Was die Antwort auf die erſte Urſache betrifft, ſo 
kann angefuͤhret werden, daß die Kaufleute fo wohl ihn als Stibbſen hintergangen; denn 
ob er gleich nicht ſelbſt auf dem Fluſſe handeln wollen, ſo konnte er doch das Geheimniß an— 
dern entdecken, welche es gethan haben wuͤrden? 

Auf den vierten Einwurf antwortet Moore, der Hauptmann bringe von dem, was er 
vorgaͤbe, keinen Beweis bey, daß naͤmlich kein anderer Fluß aus der Gambra kaͤme; und 
ſeine Anfuͤhrung, daß die Franzoſen keine Entdeckung von der Senegal uͤber Galam hin⸗ 
aus gemacht haͤtten, beweiſe nur, daß ſie nicht weiter als Galam gegangen, nicht aber, daß 
die Senegal kein Arm von der Gambra ſey. 

Gegenantwort. Wir ſind mit Mooren einig, daß des Hauptmanns vierter Grund 
oder Einwurf wenig oder nichts zur Sache diene, und von Stibbſen wohl hätte koͤnnen 
weggelaſſen werden. Aus eben der Urſache haben wir eine Muthmaßung von Mooren 
weggelaſſen, die ſich auf die Worte des nubiſchen Erdbeſchreibers, eines Schriftſtellers von 
wenigem oder gar keinem Anſehen, was dieſen Theil von Africa betrifft, gruͤndet, wie auch 
eine lange Anfuͤhrung aus dem Labat, um zu beweiſen, daß der Niger mit der Sanaga 
einerley, und die Gambra ein Arm davon ſey. Den Hauptinhalt davon haben wir bereits 
eingeruͤcket, und wie wir vermuthen, widerleget 7). 


* M KR R X * KR X X X X K X XR XK X XK X X X XK X X X * X X X X X X X * 


Das VI Lapitel. 
Reiſen in die inlaͤndiſchen Theile von Africa, 


— welche eine Beſchreibung der verſchiedenen Landſchaften und deren Einwohner, 


auf ſechshundert Meilen an der Gambra, enthalten. 
Durch Franz Moore, Factor der koͤnigl. africaniſchen Compagnie. 


Einleitung. 


heiten, nicht in der Abſicht, wie es ſcheint, ſolches drucken zu laſſen, ſondern zu fei- 

nem eigenen Unterrichte, und um die merkwuͤrdigen Dinge in ſeinem Gedaͤchtniſſe 

zu behalten. Er war damals noch ſehr jung, und fuͤhret an, daß er weder Zeit noch Faͤ⸗ 
higkeit gehabt, ſolche Anmerkungen zu machen, dergleichen die gelehrte Welt wuͤnſchen 
moͤchte. Solches aber zu verbeſſern ſaget er, dasjenige, was er niedergeſchrieben, waͤre 
wahr, und eine genaue Nachricht von einem wilden Lande. Wir koͤnnen hinzuſetzen, daß 
es 


A. Herr Moore an der Gambra war: ſo hielt er ein Tagebuch von den Vorfallen⸗ 


5) Siehe II Band a. d. 339, und III Band a. d. zu. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 83 
es die letzte Nachricht iſt, die man von dieſen Gegenden hat, und uns den gegenwaͤrtigen 1730 
Zuſtand derſelben zeiget. Wegen des übrigen verläßt er ſich auf die Guͤtigkeit feiner Leſer, Moore. 
und hoffet, ſie wuͤrden dem Alter des Verfaſſers etwas nachſehen. Nach ſeiner Zuruͤckkunft 
nach England vermochte man ihn dahin, daß er ſein Tagebuch herausgab, weil darinnen 
eine Nachricht von den inlaͤndiſchen Theilen von Africa enthalten war, wovon die Welt 
gern etwas wiſſen wollte; indem bisher nur wenig Schriftſteller davon gehandelt, und dieſe 
entweder alt oder voller Fabeln waren. Er fuͤgte demſelben des Hauptmanns Stibbs 
bereits mitgetheiltes Tagebuch, nebſt gewiſſen Stellen oder Auszuͤgen, aus den alten Ge— 
ſchicht⸗ und Erdbeſchreibern bey, den Niger oder Wil betreffend, wofür man die Gambra 
hielt. Dieſe Stellen ſind vornehmlich aus dem Herodotus, der nubiſchen Erdbeſchreibung, 
die im raten Jahrhunderte aufgeſetzt worden, aus dem Leo, der Africaner genannt, und Lu⸗ 
dolphen in ſeiner Hiſtorie von Abyſſinien genommen. Herr Moore hat ſolche gemacht, damit 
feine Leſer alles auf einmal uͤberſehen möchten, und er andern, welche kuͤnftig etwa möchten 
gebraucht werden, ſolche Einſicht verſchaffte, welche ſie veranlaſſen koͤnnte, ihre Entdeckun⸗ 
gen weiter zu treiben. Bey dieſer Gelegenheit merket er an, daß, wenn er ſolche Buͤcher 
in Africa gehabt haͤtte, ſo wuͤrden ſie ihn angewieſen haben, ſolche Entdeckungen zu ma⸗ 
chen, die ihn in den Stand geſetzet, eine beſſere Nachricht von den Sachen zu geben, als er aus 
Mangel ſolcher Huͤlfsmittel gegeben habe, oder wahrſcheinlicherweiſe geben koͤnnen. Dieſe 
Anmerkung iſt ſehr richtig; und in der That kann niemand mit Vortheile reiſen, der ſich 
nicht vorher dazu geſchickt gemacht hat. Zu dieſen Auszuͤgen hat Moore Noten gemacht, 
und verſuchet, die heutigen Namen der Oerter zu entdecken, welche von den erſtern Schrift⸗ 
ſtellern erwaͤhnt werden; wobey er allezeit die Urſachen anfuͤhret, auf welche er ſeinen Glau⸗ 
ben gruͤndet. Er verſpricht auch in ſeinem Tagebuche ein Schreiben von dem Statthalter 
Roger einzuruͤcken, das die Nachricht betrifft, welche die Eingebohrnen von den Lachen ge— 
geben, aus welchen die Gambra koͤmmt. Allein, dieſer Brief iſt entweder verlohren oder 
verlegt worden, und er hat ſolchen von der Geſellſchaft nicht bekommen koͤnnen, ob ſie ihm 
gleich erlaubt, verſchiedene Auszuͤge aus Briefen bekannt zu machen, welche die Entde⸗ 
ckung des Gummihandels betreffen. a 
So viel lernen wir aus der Vorrede zu dieſen Reiſen; außer dieſen findet man auch 
noch eine Zueignungsſchrift an den Herzog von Montagu, und ein Schreiben von einer 
gelehrten und vernuͤnftigen Perſon an den Herausgeber dabey, welches eine allgemeine 
Vorſtellung von Africa, deſſen Einwohnern, und deren Regierungsarten, der Eroberung 
der Barbarey durch die Araber, und der Koͤnigreiche der Schwarzen durch die Moren ent⸗ 
haͤlt. Der Verfaſſer dieſes Schreibens berichtet uns, auf das Zeugniß des Admirals 
Perez, damaligen marokkiſchen Abgeſandten: „daß die Stadt Tombuto dem Kaiſer von 
„Marokko unterworfen waͤre; daß ſie von einem Baſcha regieret wuͤrde, den er dahinſetzte 
„und welcher gemeiniglich aus dem Stamme der alten Koͤnige waͤre; und daß der groͤßte 
„Theil von dem Heere der Schwarzen, welches ein ſo großes Anſehen in dieſem Reiche zu⸗ 
„letzt gehabt, daß es nach feinem Gefallen Kaiſer ein- und abſetzen koͤnnen, zu Tombuto 
„geworben, und von da ergaͤnzet wuͤrde,,. Aus dieſem Schreiben lernen wir auch, daß 
die Karte von der Gambra, welche Moore mitgetheilet, von einer wirklichen Zeichnung 
genommen worden, die der Hauptmann Johann Leach auf der Stelle daſelbſt gemacht 
hat. Wir wollen hinzuſetzen, daß, ob ſie gleich ſo groß als unſere iſt, ſie dennoch nur aus 
dem Originale zuſammen gezogen, welches vier bis ee ſo groß geweſen. ü 5 
3 ol: 


1730 


9 Reisen laͤngſt der westlichen Küſte vom Africa, 


Folgendes Verzeichniß von den verſchiedenen Schriften, welche Moore ſeinen eige⸗ 


Moore. nen Reiſen beygefuͤget, iſt aus dem Briefe genommen worden. 
fen beygefuͤget, iſt fe g 


1) Ein Tagebuch vom Hauptmanne Stibbſen, von ſeiner Reiſe auf eben dem Fluſſe. 

2) Einige Anmerkungen von Stibbſen, nebſt des Verfaſſers Gedanken daruͤber. 

3) Auszuͤge aus dem nubiſchen Erdbeſchreiber, und aus Leo dem Africaner. 

4) Ein Capitel aus Ludolphs Hiſtorie von Aethiopien, welcher keine Mühe geſparet, 
den Urſprung und Lauf des Nils aufzuſuchen. i | 

5) Die vom Ludolph angeführte Stelle aus dem Herodot, vollſtaͤndig. 

6) Einige Worte der Mandingoer, welche die weitlaͤuftigſte von der Sprache der ein⸗ 
gebohrnen Schwarzen iſt. 

7) Einige die Compagnie und den Gummihandel betreffende Briefſchaften. 

8) Das Tagebuch von einer gewiſſen Perſon, welche zu Königs Carls des Ilten Zeiten 
dieſen Fluß beſchiffet, welches Tagebuch von dem Hauptmanne Stibbs a) oft erwaͤhnt 
wird, und deſſen Nachrichten unterſchieden ſind. ' 

Zuletzt die Feſtſetzung der koͤniglichen africaniſchen Compagnie zu Jamesfort, im 

ahre 1730. 
a 9250 die beſondern Reiſen des Herrn Moore betrifft, ſo ſind ſolche nach Art eines 
Tagebuchs in einer zuſammenhaͤngenden Reihe mitgetheilet worden. Es ſind darinnen 
alle Sachen, ſo wie ſie ſich nach und nach zugetragen, erzaͤhlet, und Dinge von verſchiede⸗ 
ner Art, die Vorfaͤlle eines jeden Tages, Anmerkungen von den Oertern, Schifferzeltungen 
u. d. g. alles untereinander gemiſcht worden. Weil nun dieſes die Erzaͤhlung ſehr verwirrt 
und auch trocken machet: ſo haben wir ſolches von einander geſondert, und jedes unter ſeine 
gehoͤrigen Hauptſtuͤcke gebracht. Wir habenn auch ſeine Reiſe in zweene Theile getheilet. 
Der erſte enthaͤlt ſeine Reiſe von England nach Jameseyland, und was waͤhrend ſeines 


Aufenthalts daſelbſt vorgefallen. Der andere erzaͤhlet ſeine verſchiedenen Reiſen auf der 


Gambra, von einer Factorey zur andern, nebſt feiner Beſchreibung des Fluſſes und der ver: 
ſchiedenen Oerter, die er beruͤhret. 

Das Buch iſt auf Koſten des Verfaſſers zu London bey Eduard Carl 1738 in Octav 
gedruckt, und enthält außer dem Titel, der Zueignungsſchrift und Vorrede von eilf Seiten, 
und einem Briefe von dreyzehn Seiten, vierhundert und achtzehn Seiten, in dreyen Abthei⸗ 
lungen. Von der erſten Abtheilung, die dreyhundert und fuͤnf Seiten enthaͤlt, nimmt 
Moores Tagebuch zweyhundert vier und dreyßig ein, und Stibbſens ſeines die uͤbrigen. 
Von der zweyten Abtheilung, die neunzig Seiten begreift, füllet der Auszug aus der nubi- 
ſchen Erdbeſchreibung nebſt des Ueberſetzers Vorrede funfzehn, der aus dem Leo drey und 
ſechzig, der aus dem Ludolph ſechs und eine halbe, und der Auszug aus dem Serodot 
die übrige halbe Seite an. Die vier letzten Seiten nimmt das mandigoiſche Wörterbuch 
ein. Die dritte Abtheilung iſt ein Anhang von drey und zwanzig Seiten, welche fünf Ar- 
tikel enthalten, als 1) des Verfaſſers Vertrag mit der africaniſchen Geſellſchaft im Jahre 
1730. 2) Verhaltungsbefehle für Herrn Moore, da er zum Factor beſtimmt worden. 
3) Abſchrift von einer Schrift, worinnen man eine große Menge Goldes an dem Fluſſe 
Gambra will entdeckt haben. Dieß iſt der aus D. Hooks nachgelaſſenen Papieren be⸗ 
f b 5 Ki. . reits 

a) Wir haben gezeiget, daß dieſes ein Verſehen 6) Ebendaſelbſt. 
iſt. Siehe oben a. d. 52 ©, 1 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 87 
reits eingeruͤckte Brief eines Ungenannten 5). 4) Auszüge aus Briefen von den vornehm. 1730 
ſten Kaufleuten an der Gambra, an die africaniſche Compagnie, den Gummihandel be⸗ Woore. 
treffend. 5) Die Feſtſetzung der Compagnie zu Jamesfort im Jahre 1730. Das ganze 
Werk iſt außer den Karten mit eilf Kupfern geziert, als: 1) Nordnordweſtliche Ausſicht 
von St. Jamesfort. 2) Grundriß von dem Jameseylande. 3) Nordliche Ausſicht von 
Jamesfort. 4) Ausſicht von einer fuliſchen Stadt und den Pflanzungen um dieſelbe. 
5) Schwarze, wie ſie auf die Palmbaͤume klettern; 6) Unbekannter Vogel, welcher an 
der Gambra gefangen worden. 7) und 8) Seltſames Ungeziefer, welches daſelbſt gefun⸗ 
den wird. 9) Grundriß von der Factorey Namyamakonda. 10) Bumey Haman 
Seaka, Koͤnig von Barſalli. 11) Kronvogel, der an eben dem Fluſſe gefunden wird. 


Der Abſchnitt. 


Moores Reiſe von England nach der Gambra, im Jahre 1730. 
Der Verfaſſer fährt aus; beruͤhret Cadir; Mord: Schiffe wird in Guinea umgebracht. Statt: 
thaten daſelbſt. Canariſche Eylande. Ankunft halter ſpeiſet mit dem franzoͤſiſchen Generale zu 
zu Jamesfort. Neue Faetorey zu Vintain. St. Albreda. Regen, eine Seltenheit. Boshafte 
Domingo. Jillefrey. Hauptmann Stoneham That. Schaden durch Blitz. Beſchreibung ® 
wird gefangen. Der Verfaſſer und Statthalter von Vintain; deren Einwohner, Kleidung, 
werden beynahe verſchlagen. Beſuch von dem Hausgeraͤthe, Wohnung. Beſchreibung von 
franzoͤſiſchen Generale von Fort St. Louis, und Jereja. Tankrowal. Maͤgdchen wird von ei⸗ 
von dem Kaifer von Fonia. Nachricht von dem nem Seehunde in der Gambra aufgefreſ⸗ 
Reiche. Schiffsvolk von einem engliſchen ſen. f 


R chdem Moore im Heumonate 1730 feine Prüfung ausgeſtanden: fo verband er ſich, Der Verfaſ⸗ 
auf drey Jahre lang in die Dienſte der koͤniglich - africanifchen Geſellſchaft als Schrei ⸗ fer fährt ab. 
ber bey ihrer Factorey zu Jamesfort zu treten. Er fuhr den ꝛten des Herbſtmonats von 
London aus nach Graveſand. Da er aber fand, daß die Schaluppe der Compagnie, die 
Beſchleunigung, unter dem Hauptmanne Hall, welche nach der Gambra beſtimmt war, 
nach den Duͤnen geſegelt: ſo gieng er zu Lande nach Deal, wo er an Bord gieng. Den 
loten lichteten fie mit einem ſchoͤnen Winde; fie wurden aber in eben der Nacht durch einen 
ſtarken widrigen Wind zurück getrieben. Den ıgten giengen fie wieder unter Segel, und 
kamen den 2c0ſten an die Inſel Alderney, fünf Seemeilen weit. Den folgenden Morgen 
ſahen fie das hohe Land von Plymouth ſechs oder ſieben Seemeilen weit davon. Den ꝛten 
des Weinmonats hatten fie einen heftigen Sturm, der bis den ten anhielt; ſo, daß fie 
nach Cadix in Spanien, als dem naͤchſten Hafen, gehen mußten, wo fie den 7ten ankamen. 
Nachdem fie hier von den Geſundheitsbedienten unterſuchet worden: fo erhielten fie Erlaub⸗ 
niß, ans Ufer zu gehen. vr ri r | | eee 
Moore ſaget, man habe ihm berichtet, es waͤren zwey Regimenter daſelbſt in Beſatzung. Kommt nach 
Allein, die Leute, welche er ſah, waren meiſtentheils ſehr betagte Kerl, die kaum die Waffen Cadix. 
tragen konnten. Fruͤchte, als Aepfel, Trauben und Granaten waren hier uͤberfluͤßig und 
wohlfeil, wie auch vortrefflich in ihrer Art; der Wein gut und ſtark, und ward das Gallon 
für vier Schillinge verkaufet. Das Brodt aber war ſaͤurlich, welches von dem Sauerteige 
verurſacht wurde, den ſie anſtatt der Baͤrme zu brauchen pflegen. Hier hatte der Verfaſſer 
Gelegenheit, zwey Begraͤbniſſe zu ſehen, die von allen denen unterſchieden waren, häte 
' | | isher 


88 RNeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1730 
Moore. 


Mordthaten 
daſelbſt. 


Eanarifche 
Eylande. 


Ankunft zu 
Jamesſort. 


bisher geſehen hatte. Eine von den verſtorbenen Perſonen wurde, nachdem man eine Meſſe 
uͤber ihr in einer Kirche geſungen, in einem mit Fiſchhaute bedeckten Sarge nach einem Be⸗ 
graͤbnißgewoͤlbe ein groß Stuͤck Weges unter der Kirche gebracht; wo weder Gebeine noch 
Saͤrger zu ſehen waren, und man nur einen Haufen von mehr als dreyhundert Schalen 
fand, die wie die Canonenkugeln in einer Feſtung aufgethuͤrmet waren. Hieher wurden die 
Leichname von vier Maͤnnern gebracht, die ſolche von ihren Schultern aus dem Sarge war— 
fen, ſie daließen, und den Sarg mitnahmen. Ueber dem andern Leichnam wurde von mehr 
als hundert Prieſtern, alle in weißer Kleidung, mit Wachskerzen in der Hand, Meſſe ge⸗ 
ſungen, und ſolcher in Proceßion nach der Kirche gebracht. Sobald die Meſſe vorbey war, 
wurde der Koͤrper mit ſeinem Sterbekittel mitten in der Kirche herausgenommen, und in 
ein Loch, zwey Fuß ins Gevierte, die Fuͤße voran gelegt. Sobald er hineingelegt war, ward 
das Loch verſtopft, unter welchem, wie der Verfaſſer muthmaßet, ein Gewoͤlbe war. 
Moore merket an, es ſey gefährlich, hier des Nachts ſpaͤt auszubleiben; denn in der 
kurzen Zeit ſeines Aufenthalts daſelbſt wurden zwo Perſonen ermordet. Einen davon, der 
ein Engländer war, ſah er auf dem Marktplatze ausgeſetzet, um zu ſehen, ob ſich jemand ſei⸗ 
ner annehmen wuͤrde, und Geld zu ſammeln, um ihn zu begraben. Er war mit einem De⸗ 
gen verwundet, der ihm ins linke Auge geſtoßen worden, und hinten durch den Hirnſchaͤdel 
wieder heraus gieng. Der andere war ein Spanier. | 
Nachdem fie friſch Waſſer eingenommen, und ihre Segel ausgebeſſert: fo reiſten fie den 
Izten ab, kamen aber bey einer Windſtille nicht weit. Den ıgten hatten fie viel Donner, 
Blitz und Regen. Den 24ften bekam das Schiff einen Laͤck, er ward aber fogleich geſtopft. 
Den 25ften erreichten fie Palma, eine von den canariſchen Inſeln, in der Ferne von unge⸗ 
fähr ſechs Seemeilen, wie fie urtheilten. Die Spitze ſchien über den Wolken zu ſeyn. 


Den folgenden Morgen in der Fruͤhe, da das Wetter reificht war, hatten ſie einen kurzen 


Blick von Ferro, und kamen auf eine Seemeile weit hinan, da der Tag erſchien. Hier 
hatten fie drey Tage lang Donner, Blitz und Regen. Den 2ten des Wintermonats gien⸗ 
gen ſie uͤber den Wendezirkel des Krebſes, wo ſie die Wendezirkelvoͤgel antrafen, die wegen 
einer einzigen Feder in ihrem Schwanze merkwuͤrdig ſind. Sie ſahen auch die fliegenden 
Fiſche jagen, deren einige eine engliſche Meile flogen. An eben dem Morgen emdeckten 


fie das Land bey dem weißen Vorgebirge ſieben Seemeilen weit von ihnen. Den öten er⸗ 
reichten fie die Kuͤſte bey der Muͤndung der Sanaga, und den folgenden Tag waren fie ne⸗ 


ben den zwoen Zitzen des grünen Vorgebirges. Den gten fahen fie das Vorgebirge St. 
Maria, die Suͤdſpitze von der Gambra; und an eben dem Abende kamen fie in der 
Muͤndung des Fluſſes vor Anker. 


Den ıoten ſegelten fie den Fluß nahe an dem Ufer hinauf. Das Land ſah ſchoͤn aus, 


war holzicht, und mit gruͤnen Reißfeldern abgewechſelt. Den Nachmittag giengen ſie 


Carlseyland vorbey, und den Abend kamen ſie bey Jamesfort vor Anker, welches ſie den | 


folgenden Tag mit ſieben Stücken begrüßten, und von demſelben mit fünf Stuͤcken beant⸗ 
wortet wurden; worauf die Reiſenden ans Ufer giengen, und dem Statthalter aufwarte⸗ 
ten c). Hier hatte der Verfaſſer ein gutes Zimmer, nahe bey dem Rechnungshauſe. Er 
ſpeiſte mit den andern Schreibern an der zweyten Tafel, wie ſie es nennen; wo ſie friſche 


Lebens⸗ 


c) Siehe Moores Reiſen a. d. 1 u. f. Seite. feines Tagebuches, um das Eyland, das Fort, den 
Der Verfaſſer unterbricht hier den Zuſammenhang Fluß Gambra, und die Länder längſt demſelben zu 


beſchrei⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 89 


Lebensrnittel im Ueberfluſſe hatten, und ſtets um den andern Tag ein Ochſe geſchlachtet wurde. 1720 
Sie hatten Vögel, die von den Eingebohrnen dem Statthalter zu Kaufe gebracht wurden, wel- Moore. 
cher es jedem, der eben nichts nach dem Rindfleiſche fragte, erlaubte, ſolche um einen geringen eee 
Preis zu kaufen. Ihre Tafel ward taͤglich aus dem Garten der Geſellſchaft zu Jillifrey mit 
Kraͤuterwerke umſonſt verſehen. Die Geſellſchaft verſorgte fie auch mit Mehle; und weil 
ſie einen Becker und Backofen auf dem Eylande hatten, ſo hatten ſie taͤglich friſch Brodt. 
Auſtern waren häufig da; denn fie konnten ſolche bey niedrigem Waſſer an der Nord⸗ und 
Nordweſtſpitze des Eylandes ſammeln. Wein und Brandtewein waren wohlfeil; und 
wenn Bier auf der Inſel vorraͤthig war, ſo hatte er auch ſeinen Theil davon. Er ermah⸗ 
net aber alle, die hieher kommen, Betten, Kiſten und Kleidung mitzubringen. Sie wur⸗ 
den wegen der Waͤſche monatlich mit einigen Weibern zu Jillifrey einig; und wenn je⸗ 
mand ans Ufer gehen mußte, fo verſagte ihm ſolches der Befehlshaber ſelten. Den rꝛten 
gieng Harriſon, der dritte Oberkaufmann, an Bord der Schaluppe, Abentheuer, um ei⸗ 
nen Handel zu Tankrowal zwölf Seemeilen auf dem Fluſſe hinauf, an der Suͤdſeite, anzu⸗ 
legen. Den ızten kamen von St. Jago, einer von den Inſeln des grünen Vorgebirges, 
einige portugieſiſche Maͤurer, das Fort auszubeſſern, welches die folgende Nacht durch die 
Schildwachten munter gemacht wurde, weil die Sklaven einen Verſuch machten, zu entwi⸗ 
ſchen. Sie wurden aber wieder in Sicherheit gebracht, und der Raͤdelsfuͤhrer, welches ein 
alter Boͤſewicht war, bekam hundert Streiche. Den 16ten ward Hamiltonen, einem an⸗ 
dern neuen Schreiber, befohlen, in der neuen Factorey zu Tankrowal zu dienen, welche 
Harriſon wider einen, Anton Voß, einen bekannten ſchwarzen Portugieſen, anlegte, der 
einen Privathandel mit den engliſchen Schmugglern trieb, welchen man auf zehntauſend 
Pfund rechnete. a 
Den ızten des Wintermonats ſehr früh gerieth die franzoͤſiſche Factorey zu Albreda Neue Factor 
in Brand, und war die Feuersbrunſt ſehr erſchrecklich. Der Statthalter gieng mit zwoͤlf rey zu Vin⸗ 
Soldaten hinüber, ihnen beyzuſtehen; dem ungeachtet litt das Haus vielen Schaden, und kain. 
ein Sklave verbrannte. Den 2aſten gieng der Statthalter in der Schaluppe, die Beſchleu⸗ 
nigung, nach Jereja, vierzehn Seemeilen auf dem Fluſſe Vintain, um mit dem Koͤnige 
wegen Erbauung einer neuen Factorey daſelbſt Unterhandlung zu pflegen, indem das alte 
Haus einfallen wollte. Unterwegens fiel einer von dem Schiffs volke über Bord, und er⸗ 
ſoff. Den folgenden Tag fanden ſie den Koͤrper ſchwimmen, und begruben ihn an der 
Seite des Fluſſes. Den ⁊aſten aber fanden fie ihn wieder ein großes Stück höher hinauf, und 
hatten ihn die Woͤlfe aus der Erde gezogen, die ſeinen Kopf, einen von ſeinen Aermen, und 
ein Stuͤck von der Bruſt abgefreſſen; worauf er denn zum andernmale, und etwas tiefer be⸗ 
graben ward. Da der Statthalter erhalten: was er verlange: fo gieng er von Vintain 
zurück; und den sten des Chriſtmonats ward Banks, ein Schreiber, abgeſchickt, eine neue 
Factor ey anzulegen 4). 8 5 
Den 2often gieng Moore zum erſtenmale zu St. Domingo, an der Nordſeite der St. Domin⸗ 
Gambra, dem Fort gegen über, ans Ufer. Es beſteht der Ort nur aus wenigen Hütten, 90- 
und iſt ein Brunnen daſelbſt, die Beſatzung mit Waſſer zu verſorgen. Von hier gieng er 
nach Jillifrey, anderthalb kleine Meilen weit, durch Gras, acht oder neun SUB bag Jlllifrey. 
nter⸗ 


beſchreiben, welches wir bereits eingeruͤckt haben; Nachricht geben wollen. 
wie auch die Einwohner, wovon wir hernachmals 4) Moores Reifen a. d. 46 u. f. S. 


Allgem. Reiſebeſchr. U Band. 


90 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1731 Unterwegens ſah er viele Eydechſen, mit Koͤpfen fo gelb als Gold. Den zuften gieng er 
moore. von da nach der Stadt Seaka, zwo Meilen höher, welche von den Portugieſen bewohnt 
— ward, die hier eine Kirche haben, welche ſelten gebraucht wird, indem die Prieſter nur zwey— 

mal im Jahre den Gottesdienſt darinnen verrichten. 


Stoneham Den zten Jenner im Jahre 1731 wurde der Hauptmann Stoneham, von der Brigan- 
wird gefan⸗ tine Johann und Maria, ein einzelner Kauffahrer, welcher drey Tage vorher angekom— 
gen. men, da er zu Jillifrey ans Ufer gegangen, von den Eingebohrnen gefangen, weil er die 


dem Koͤnige von Barra gehoͤrigen Gebuͤhren nicht bezahlet. Der Statthalter ſchickte den 
Faͤhndrich zu ſeinem Beyſtande hinuͤber; und auf das Verſprechen, hundert und zwanzig 
Stangen zu bezahlen, ward er losgelaffen. 

Der Verfas⸗ Den zten Jenner nach Tiſche gieng der Verfaſſer nebſt dem Faͤhndriche Kerr, und 
fer u. Statt zweenen oder dreyen Soldaten, die Schaluppe, Jamesepland, zu verſuchen, welche erſt ins 
halter Waſſer gelaſſen worden; doch, da fie eine friſche Seekuͤhlung antrafen, wären fie bald ver⸗ 
lohren gegangen. An eben dem Tage ward ein junger Elephant zum Geſchenke fuͤr den 
Statthalter lebendig herabgebracht. Man erhielt auch die Zeitung von dem Tode des 
Herrn Forbes, Schreibers zu Joar, nach einer kurzen Unpaͤßlichkeit, die er ſich durch ſtar— 
kes Trinken zugezogen. Den 10ten gieng Moore und der Statthalter an Bord eines 
franzoͤſiſchen Schiffes, der St. Michael genannt, welches unter dem Hauptmanne Tre⸗ 
dillac zu Albreda lag, wo ſie hernach zu Abende ſpeiſten, und um Mitternacht zuruͤckkehr⸗ 
ten e). Den ısten ſtarb Rusling, ein Schreiber, welcher ſich nicht wollte rathen laſſen, zu 
Hauſe zu bleiben, und ſich warm zu halten. Er hatte wenig Tage vorher verlangt, man 
moͤchte ſein Grab ſechs Fuß tief machen, aus Furcht vor den Woͤlfen, und er war den Abend 
werden bey⸗ zu Jillifrey alſo begraben. Den folgenden Tag giengen der Verfaſſer, der Statthalter, 
nabe ver: Hauptmann Levingſtone, und Hauptmann Jenkins an Bord des Erfolges, den Haupt: 
ſchlagen. mann Cummins daſelbſt, an der Mündung des Fluſſes, zu beſuchen. Als fie den folgen— 
f den Tag in der Schaluppe, Abentheuer, nach Jamesfort wieder zuruͤckkehrten: fo liefen fie 
gegen Sonnenuntergang auf die Felſen Carlseylande gegen uͤber, und waren den einen Au— 
genblick in vier Faden Waſſer, und den andern auf den Klippen. Sie warfen ihre Anker 
aus, und in einer Stunde Zeit machten ſie die Schaluppe wieder los. Bald darauf aber 
lief ſie auf einen andern und ſchlimmern Platz; ſo, daß alle Perſonen, den Statthalter 
nicht ausgenommen, genoͤthiget waren, Hand anzulegen, als welcher den Boden der Kajuͤte 
aufnehmen half, und eine Tonne Ballaſt uͤber Bord warf. Gegen Mitternacht kamen ſie 
von den Klippen los, und giengen weiter von dem Eylande zu ankern bis Morgen; da fie 
ausgiengen, und einen wilden Vogel auf dem Eylande ſchoſſen. Sie fanden einen Kirſch— 
baum, die hier ſelten ſind, deſſen Frucht aber noch nicht reif war. Der Baum und das 

Laub glich den Engliſchen, und war von eben der Groͤße. 
Beſuch von Den ıoten des Hornungs kam eine Brigantine mit einer weißen Flagge auf der ober— 
dem franzoͤſi⸗ ſten Maſtſpitze zu Albreda an, und hatte den Herrn Levans, den franzoͤſiſchen General— 
570 Bene: director zu Sanaga, am Borde. Sie begrüßte das Fort mit ſieben Stücken, welches mit 
10 eben ſo vielen antwortete. Den folgenden Tag ſpeiſte er unter der Aufwartung verſchiede— 
ner franzöfifchen Edelleute mit dem Statthalter; der ihn den zıften zu Albreda wieder be— 
ſuchte, 
e) Moores Reiſen, a. d. 64 u. f. Seite. g) Labat, Afrique oceidentale 4 Band auf 

F) Ebendaſ. a. d. 1 u. f. D. der 27iſten Seite. a 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 9 


ſuchte, wo er ſich bis Mitternacht aufhielt. Den 22ften kam einer von den Kaiſern von 1731 
Sonia, den Statthalter zu Jamesfort zu beſuchen, und ward bey feinem Ausſteigen ans Woere. 
Land mit fuͤnf Stuͤcken begruͤßet. Er hieß Taſſel, und ſein Geſchaͤffte war, ſich etwas N e, 
Pulver und Bley auszubitten, damit er ſich wider einige Voͤlker vertheidigen koͤnnte, mit von wur 
denen er Krieg führte, Er war ein junger Mann, ſehr ſchwarz, lang und ſtark, mit einem f 
Paar kurzen gelben baumwollenen Beinkleidern, die ihm bis an die Knie giengen, und einem 

Gewande von eben dem Zeuge, gleich einem Chorhemde, bekleidet. Er hatte weder 

Schuhe noch Strümpfe an, aber eine ſehr große Muͤtze auf, an welcher ein Stück von ei 

nem weißen Ziegenſchwanze befeſtiget war. Er kam in einem großen Kahne mit einem 

Gefolge von ungefaͤhr ſechzehn Leuten, alle mit Flinten und Saͤbeln bewaffnet, und zweyen 

oder dreyen Weibern, und eben fo vielen Schwarzen, deren jeder eine mandingoiſche Trum— 

mel fuͤhrte, auf welche ſie bloß mit einem Stecken und ihrer linken Hand ſchlugen, wornach 

die Weiber ſehr munter tanzten. Sie hielten ſich die ganze Nacht im Fort auf; und da 

ſie den folgenden Morgen weggiengen, wurden ſie mit neun Stuͤcken begruͤßet 7). 

Labat berichtet uns, daß der Fuͤrſt von Foigni, oder Fonia, in deſſen Gebiethe es liegt, Nachricht 
den Titel eines Kaiſers annimmt, und wie man ſaget, von den benachbarten Koͤnigen da- von dleſem 
fuͤr erkannt wird, die ihm Tribut bezahlen. Sein Land iſt ſehr ſtark bevoͤlkert, ob es gleich Reiche. 
eben nicht ſonderlich groß iſt. Die Eingebohrnen ſind arbeitſam, und lieben den Handel. 

Ihr Land verſorget ſie mir allen Nothwendigkeiten des Lebens, ſo, daß ſie auch den Fremden 
und ihren Nachbarn davon mittheilen koͤnnen. Das Land, welches von verſchiedenen ſchoͤ— 
nen Fluͤſſen gewaͤſſert wird, hat einen Ueberfluß an Korn und Früchten von allerley Art; fo, 
daß es eine Pflanzſchule von Wurzeln und Kraͤutern iſt. Ihr Palmwein iſt vortrefflich 
und wohlfeil. Ochſen, Schafe, Ziegen und Federvieh kann man für einen leichten Preis 
haben. Die Einwohner ſind von freundlicher, ehrlicher Art, und lieben die Fremden, vor— 
nehmlich die Franzoſen g). i a 

Den ıgten ſegelte die Brigantine, der Kubin, mit den Hauptleuten Creague und Col- Schiffsvolk 
well nach der Goldkuͤſte, wo ſie das Ungluͤck hatten, von den Eingebohrnen angefallen wird umge⸗ 
zu werden. Colwell und die meiſten von den Bootsleuten wurden getoͤdtet; Creague bracht. 
aber rettete ſich mit Huͤlfe feines ſchwarzen Jungens durch fein Kajuͤtenfenſter in dem Boo⸗ 
te. Den gten März wurden dem Statthalter zweene lebendige Stachelſchweine gebracht. 

An eben dem Tage wurde Johnſon, ein Schreiber, abgeſchickt, eine Factorey zu Kolar, in — 
dem Koͤnigreiche Barra, anzulegen, wegen trockner Guͤter, als Zähne, Wachs und Gum: 

mi. Weil die Compagnie aber fand, daß es wegen der ſchlechten Einrichtung und Wirth— 
ſchaft, wie Moore anzeiget, ihr nicht zum Vortheile gereichte: fo verließ fie dieſe Factorey 
wieder im Jahre 1733. Der Verfaſſer gieng den gen April hinuͤber nach Jillifrey, in 

dem Koͤnigreiche Barra, ein wenig hinter Jamesfort, einer großen Stadt an dem Fluſſe, 

die von portugieſiſchen Mandingoern und einigen Muhammedanern bewohnet wird, welche 
daſelbſt eine artige Moſchee haben. Die Compagnie hat hier eine anmuthig liegende Fa- 
ctorey und Gaͤrten, welche das Fort verſehen. 

Den ıgten ſpeiſte der Statthalter mit dem franzöfifchen Generale zu Albreda Y), und Statthalter 
hatten fie fieben und dreyßig Schuͤſſeln zu Mittage, und über dreyßig des Abends. Wäh- ſpeiſt zu Al- 

N M 2 rend breda. 


5) Albreda ift eine ziemlich große Stadt, un: die franzoͤſiſche oſtindiſche Compagnie eine Faetorey 
gefaͤhr ein oder zwo Meilen hinter Jamesfert, wo hat. 


— 


92 Reiſen laͤngſt der weltlichen Ki fie von Africa, 
1731. rend dieſer Bewirthung feuerten die Factorey und Schiffe uͤber zweyhundert Stücke ab. 
Moore. An eben dieſem Abende kam Frau Gilmore, des Serganten Frau, in dem Forte mit einem 
—— Maͤgdchen nieder, und befanden ſich Mutter und Kind, wider die gemeine Meynung, daß 
5 feine weiße Frau in dieſer Gegend leben und Kinder gebaͤhren koͤnnte, ſehr wohl. Den 
20ſten April kam der franzoͤſiſche General nach dem Forte, ſich bey den Englaͤndern zu be— 
urlauben. Bey ſeiner Landung ward er mit dreyzehn Stuͤcken, und bey ſeiner Abfahrt 
mit eben ſo vielen begruͤßet. Den folgenden Tag ſchiffte er ſich in den Herzog von 
Bourbon nach St. Jago ein, und begruͤßte das Fort mit dreyzehn Stuͤcken, welches 
eben ſo vielmal antwortete 1). 
Regen etwas Den ısten May hatten fie mit Anbruche des Tages einen ſtarken Regenguß, welches 
ſeltenes. ſeit ihrer Ankunft in dieſem Fluſſe der erſte war. An eben dem Abende kam das Langboot von 
der Perl, einem Kriegsſchiffe, herauf, welches unter dem Hauptmanne Lee an der Muͤndung 
des Fluſſes lag, um zu unterſuchen, ob einige Seeraͤuber an der Kuͤſte wären. 
Boshafte Den zoften May des Abends ſchoß Jacob Colling, der Schmidt in dem Forte, bey trun⸗ 
That. kenem Muthe eine Flinte nach des Faͤhndrichs Kopfe, welche dicht bey zweenen andern vor- 
bey gieng, und die Kugel fuhr gleich in den Saal, wo der Statthalter mit der Geſellſchaft 
war. Wegen dieſer Frevelthat ward er feſt geſchloſſen, und den ıöten des folgenden Mo— 
nats mit einem Stricke um dem Halſe ausgetrummelt, aus der Compagnie Dienſten gejagt, 
und darauf auf das Paketboot Guinea gethan, welches nach England beſtimmt war, in 
welchem das andere Oberhaupt, Herr Stibbs, wegen ſeiner ſchlechten Geſundheit nach 
Hauſe gieng. 
Schaden Den aten des Brachmonats kam die Schaluppe, die Seenymphe, mit Herrn Ro: 
durch Unge⸗ bertfen, dem Factore der Compagnie, von Jereja herab. Weil fie daſelbſt lag, fo ward 
witter. ihre Bramſtenge von dem Blitze zerſplittert, zehn Voͤgel in dem Huͤhnerkorbe auf dem 
Verdecke getoͤdtet, und ihr Vorkaſtel in Brand geſetzet, aber bald geloͤſchet. Das Merf- 


wuͤrdigſte war, daß die Beine der getoͤdteten Voͤgel in Stuͤcken zerbrochen waren, obgleich 


ihre Haut weder zerriſſen, noch verletzt war. 

Wefhrek Den 29ſten deſſelben wartete Moore dem Generale zu Vintain auf, welches ſechs 
bung von Seemeilen von Jamesfort lag, und ſie in vier Stunden erreichten. Die Stadt liegt an 
Vintain. dem Fluſſe dieſes Namens, und gehöret einem von den Kaiſern von Fonia. Sie iſt an⸗ 

muthig gelegen, auf einem Hügel an der Flußſeite, und von Portugieſen und Muhamme⸗ 


danern bewohnet. Die letztern haben zu ihrer Andacht eine ſchoͤne Moſchee mit einem 


Straußeye auf der Spitze auswendig. Die Stadt wird von den Flups uͤberfluͤßig mit te- 
bensmitteln verſehen, und bringt viel Bienenwachs, welches die Geſellſchaft veranlaßte, im 


Chriſtmonate 1730 eine Factorey allhier anzulegen. Ueber der Stade ift ſchoͤnes grünes - 


Gras und einige Baͤume, welche machen, daß ſie ſehr angenehm ausſieht. Hier wurden 


ſie von dem Alkade und den vornehmſten Leuten bewillkommet, und bald hernach auch von 


dem Kaiſer, der in Perſon kam. 
Einwohner, Das gemeine Volk war mitten um dem Leibe mit einem Stuͤcke Zeug bekleidet, welches 


ihr: Klei⸗ bis an ihre Knie hinab gieng, und ein anders hing über ihre rechte Schulter. Die Män- 
ung. 


ner 
1) Moores Reiſen a. d. 64 u. f. S. Koͤnigreiche, welches ziemlich weit gen Suͤden fort⸗ 
&) Ebendaſ. a. d. 70 u. f. ©. gienge, und wegen des Handels, der darinnen ge⸗ 


J) Labat ſaget, Jereja ſey ſieben Seemeilen fuͤhret wuͤrde, ſonderlich mit Wachſe, anſehnlich 


weit von Vintain; es gäbe ſeinen Namen einem ſey; die Engländer und Franzosen hätten Faeto⸗ 


reyen 


W» 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. vi Buch VI Cap. 93 


ner hatten ‚durchgängig den einen Arm bloß; die Weiber aber nicht: und die Kleidung der 
Weiber gieng gemeiniglich bis uͤber die Waden. Sie prangten mit ihren Haaren, die ſie 
auf verſchiedene Art zu verſchneiden ſich befliffen. Die Mannsperfonen tragen Muͤtzen 
von baumwollenem Zeuge, einige glatt, andere mit Federn oder Ziegenſchwaͤnzen. Die 


1731. 
Moore. 


Weiber gehen mit Schnupftuͤchern um den Kopf, und laſſen die Krone bloß, oder tragen 


ſtatt deren Streifen von blauem und weißem Cattun. Andere laſſen ihre Haare lang wach⸗ 
ſen, und flechten ſie wie eine Pferdemaͤhne, in welche ſie Korallen oder Glasknoͤpfchen ein⸗ 
reihen. Manche, vornehmlich an dem Fluſſe, tragen auf ihren Kronen eine ziemliche An⸗ 
zahl kleiner en welche machen, daß ſie nicht anders ausſehen, als das Vorpferd 
von einem Zuge k 

Sie machen ſich eben nicht viel aus dem Hausgeraͤthe; denn ſie haben meiftens nur eine 
kleine Kleiderkiſte, eine Matte, die auf Stecken erhoben iſt, darauf zu liegen, einen Waſ⸗ 
ſerkrug, ein oder ein Paar Kalebaſche, daraus zu trinken, zweene oder drey hölzerne Moͤr— 
ſer, ihr Korn zu ſtoßen, ein oder ein Paar Koͤrbe, es zu ſieben, und zwey oder drey große 
Kalebaſchen zu Schuͤſſeln. Sie ſind eben nicht ſehre auf das Künftige bedacht, und verkau⸗ 
fen dasjenige lieber, was ſie uͤberfluͤßig haben. In Hungersnöthen koͤnnen ſie zweene 
oder drey Tage faſten, wie der Verfaſſer im Jahre 1732 ein Zeugniß davon ableget; allein 
eine Pfeife Tobak darf ihnen nicht fehlen. Sie bauen ihren eigenen Tobak. Ihre Pfei- 
fen ſind von einem roͤthlichen Thone, niedlich gemacht, und die Roͤhren ſind von Rieth oder 
Schilfe, einige ſechs Fuß lang. Ihre Kaufleute, die viel reiſen, haben Pfeifen, die eine 
halbe Pinte halten. 

Ihre Hütten find vierzehn oder funfzehn Ellen (Nards) im Umfange, und mit Leime 
und Thone gebauet, und mit langem Graſe und Siboa oder Palmenblaͤttern bedeckt. Die 

Thuͤren find ſehr klein, und gehen nicht auf Angeln, ſondern werden in die Mauer des Hau— 
ſes geſchoben. Sie halten ſolches ſauber, obgleich der Verfaſſer nicht ſagen kann ie 
wegen der ſtinkenden Fiſche und anderer Dinge dari innen. 

Den ꝛten des Heumonats giengen fie den Nachmittag von Vintain ab, nach Jereſa 
zu Waſſer, da ſie denn der Kaiſer bis an ihr Boot begleitete. Sie erreichten noch an eben 
dem Abende die engliſche Factorey zu Jereja. Es liegt vierzehn Seemeilen von James⸗ 
fort an der Suͤdſeite von dem Fluſſe Vintain, und eilf Seemeilen von der Muͤndung deſ⸗— 
ſelben ). Sie wird von Portugieſen und Banponen bewohnet; die erſtern find geſittet, 
die andern aber wild m). Hier iſt ein guter Handel mit Wachſe. Gegen die Waſſer— 
ſeite zu iſt das Land offen, und giebt gute Gelegenheit zu ſchießen. Der Verfaſſer ſchoß 
hier eine wilde Gans, welche zwanzig Pfund wog, und eine gruͤne Schlange fuͤnf Fuß lang, 
eben da ſie eine Eydechſe fraß. 

Den sten, da die Pferde ausblieben, giengen fie in des Statthalters Fahrzeuge den 
Fluß hinab, und ſegelten nach Tankrowal. Dieſe Stadt liegt ſehr anmuthig an der 
Waſſerſeite, ungefaͤhr eine halbe engliſche Meile in der Laͤnge, und hat einen waldichten 
Hügel hinter fich, welcher einige Meilen an dem Fluſſe fortgeht, und in der trocknen Jah⸗ 
reszeit ſchoͤne Spatziergaͤnge giebt. Sie wird in zweene Theile getheilet; einer iſt für die 

M3 or⸗ 
reyen daſelbſt, und wenn dieſe beyden Nationen mit abenblänbifges Africa, 4 Band, a. d. 272 u. f. er 
einander Krieg führten, fo forgte der Kaifer dafür, m) Er meynet vermuthlich die Flups, welche 
daß fie in feinem Gebiethe friedlich blieben, und unter den Banyonen vermengt leben, und wild 
eine freye Handlung erhalten wuͤrde, indem er ſich fir nd; von den Banyonen aber geſteht man durchs 
ſtets auf die ſchwaͤchere Seite ſchluͤge. Labats gaͤngig, daß fie geſittet find. 


er 
raͤthe. 


Beſchrei⸗ 
bung von 
Tankrowol. 


,. 270 
Moore. 
— 


Ein Maͤgd⸗ 
chen wird 
von einem 
Seehunde 
verſchlungen. 


Verlaͤßt Ja⸗ 
mesfort. 


Beſchrei⸗ 
bung von 
Joar. 


94 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Portugieſen, der andere fuͤr die Mandingoer. Die erſtern, deren ſehr viele hier ſind, haben 
viereckigte Haͤuſer und eine Kirche, deren Priefter jährlich von St. Jago geſchickt wird. 
Dieſe Portugieſen haben verſchiedene Kaͤhne, mit denen fie auf dem Fluſſe handeln; fo 
daß an dieſem Orte viele Leute zuſammenkommen. Die Haͤuſer der Mandingoer ſind wie 
die zu Vintain. Sie hielten ſich hier in der Factorey vier Tage auf, und auf dem Ruͤck⸗ 
wege nach Jamesfort hatten ſie einen heftigen Tornado, ſo daß ſie nur mit vieler Beſch wer⸗ 
lichkeit bey der Spitze Seaka ſechs engliſche Meilen von dem Jameseylande ans Land fa- 
men. Den igten kam Herr Verman, ein Kaufmann von Kachao, der zu Lande nach 
Jereja gereiſet war, von daher, den Statthalter in dem Fort zu beſuchen. 

Den izten Auguſt wurde eine kleine Sklavinn, die dem Statthalter zugehoͤrte, von einem 
Seehunde weggefuͤhret, als fie in dem Fluſſe ihre Fuͤße waſchen wollte 1). i 


Der II Abſchnitt. e er 
Reiſen des Verfaſſers auf der Gambra, in Geſchaͤfften der Compagnie. 


Er verlaͤßt Jamesfort. Beſchreibung von Joar. ſchlagen. Robertſens Unordnungen. Beſchrei⸗ 
Beſuch des Koͤnigs von Barſalli. Seine und bung von Kaſſan. Nachricht von Majors Tode. 
feiner Brüder Aufführung. Die Factorey wird Brufoe. Dubokunda. Kuttejar. Vamyama⸗ 
beſtohlen. Ein ungluͤcklicher Zufall durch eine kunda. Schwaͤrme von Fliegen. Hafen Baſſi. 


Doſis von dem Laudanum. Des Königs von 
Barſalli Ruͤckkehr. Ein anderer ungluͤcklicher 
Zufall. Der Verfaſſer geht nach Joar zuruͤck. 
Beſchreibung von Kower. Major wird von 
den Schwarzen getödtet, und der Verfaſſer ge: 


Nakkaway. Statthalter von Jamesfort wird 
hier getaͤuſcht; brauchet Gegenmittel. Verſtaͤr⸗ 
kung fuͤr die Factorey. Reiſe nach Fatatenda. 
Beſchreibung des Orts. Nachricht von Hume 
Badjt, dem Eroberer von Tomani. 


Den z4ften Auguſt erhielt Moore von dem Statthalter Nachricht, er ſollte als Bey⸗ 
ſtand nach der Factorey zu Joar gehen, damit er gegen die Zeit, da er zum Factore 
gemacht werden wuͤrde, die Art des Handels lernte. Er gieng demnach den 28ſten als 
Robertſens beyſtehender Factor auf dem Fluſſe dahin. Unterwegens hatten ſie einige Tor⸗ 
nados, welche fie oftmals noͤthigten, zu ankern. Sie trafen den Hauptmann Ramſep an, 
der von Joar kam, wo er genoͤthiget worden, ſich einiger von den Eingebohrnen wegen 
des Serin Don e), eines bekannten Maͤklers zu Kower, dicht bey Joar zu bemaͤch⸗ 
tigen. Dieſer Maͤkler hatte Geld von ihm genommen, unter dem Verſprechen, ihm eine 
gute Ladung zu verſchaffen; er hintergieng ihn aber. Als die Eingebohrnen hoͤrten, was 
Kamſey gethan hatte, fo noͤthigten fie den alten Makler, die Leute wieder loszumachen. 
Den aten des Herbſtmonats erreichte Moore Joar, war aber von den Muſquitos und 
Sandfliegen auf der Elephanteninſel fo übel zugerichtet, daß er mit Mühe von dem Boote 
nach der Factorey daſelbſt gehen konnte, Den Abend kam die Schaluppe Abentheuer, 
unter dem Schiffer Johann Leach 7), auf ihrem Hinabwege, nach Joar, da fie eine 
Handlungsreiſe nach Fatatenda gethan; wo fie durch die Gewalt der Winde alle ihre An- 
ker verlohren, und genoͤthiget war, ihre Stuͤcke anſtatt derſelben zu gebrauchen. 

Joar liegt in dem Koͤnigreiche Barſalli, ungefähr drey engliſche Meilen von Ko⸗ 
wer, einer ſchoͤnen Ebene gegenuͤber, die mit Holzungen umgeben iſt, welche wilde Thiere 
beherbergen, deren Gebruͤlle man des Nachts hoͤren kann. Sie iſt zwo kleine Meilen von 

der 
e) Er ſcheint von Herkunft ein Serin zu fepn, 


n) Moores Reiſen, auf der 75 und folgenden 
derer im Il Bande erwaͤhnet worden a. d. 463 S. 


Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 95 


der Gambra. Ein Theil von dieſem Wege iſt eine enge Bucht, die kaum fuͤr ein Boot 
weit genug iſt; der andere Theil iſt ein guter Spatziergang in der trocknen Jahreszeit, 
beym Waſſer aber iſt er bedeckt. Die Stadt wird von Portugieſen bewohnet, die aber in 
den letzten Jahren ſehr abgenommen; da ſie nicht uͤber zehn Haͤuſer mehr haben, außer des 
Königs ſeinem und dem Compagniehauſe, welches ſo viel Grund und Boden hat, als alle 
die andern. Ungefaͤhr eine engliſche Meile davon iſt eine Reihe von Huͤgeln, die hoch 
und felſicht, aber voller Baͤume ſind, und von welchen die Eingebohrnen ſagen, daß ſie 
hundert Seemeilen an dem Fluſſe hinauf gehen. Dieſe Hügel geben im Sommer anmus 
thige Spatziergaͤnge ab, bey der regnichten Jahreszeit aber find fie wegen der wilden Thiere 
gefährlich. In der Bucht iſt gut zu fiſchen, und die Ebene hat viel Wildpraͤt. Das 
Fließwaſſer iſt hier gut 5). . nLON ' 

Den gten kam der König von Barſalli mit feinen Brüdern, Bumey Haman Sca- 
ka, Bumey Aaman Benda, und Bumey Loyi Eminga, in Begleitung von hundert 
Mann zu Pferde, und eben ſo vielem zu Fuße, nach Joar. Ob nun wohl der Koͤnig ein 
eignes gutes Haus daſelbſt hatte: ſo wollte er doch in der Factorey bleiben, wo er nicht nur 
von Robertſens Bette Beſitz nahm, ſondern auch, nachdem er ſich betrunken, Robertſen 
halten ließ, bis er ihn gezwungen, den Schluͤſſel zum Vorrathshauſe aus der Taſche her- 
auszugeben. Er gieng darauf mit ſeinen Leuten in daſſelbe, und nahm heraus, was ihm 
beliebt. Er eignete ſich bloß einen Anker Brandtewein zu, der aber nur drey Tage bey 
ihm waͤhrete; und als er aus war, ſo fingen Seine Majeſtaͤt an, mehr zu ſuchen. Als er 
in dem Zimmer, wo Harriſon krank lag, ein Kaͤſtchen ſah, welches drittehalb Gallonen 
enthielt, ſo befahl er, ſolches zu öffnen. Harriſon wollte ihn bereden, das Kaͤſtchen ent: 
hielt nur einige Papiere, welche der Geſellſchaft gehörten: allein der König kannte die Kaͤſt⸗ 
chen fuͤrs Getraͤnke gar zu wohl, als daß er ſich ſo abweiſen ließ. Er preßte ihm alſo 
den Schluͤſſel ab, nahm den Schatz heraus, und ward nicht nüchtern, fo lange ſolcher waͤhrete. 

Er war in der That ſo großmuͤthig, daß er die armen Factore einlud, von dem Ge— 
traͤnke mit zu trinken, fo lange es waͤhrete. Seine Leute, fo gar feine vornehmſten Bedien- 
ten, welches der General und der Schatzmeiſter Seiner Majeſtaͤt waren, plünderten die 
Factorey bis auf zwanzig Pfund am Werthe. Sie eroͤffneten die Kiſten und Buͤchſen, 


1731. 
Moore. 


Beſuch des 
Koͤnigs von 
Barſalli. 


Seine und 


und nahmen heraus, was ſie fuͤr gut hielten; indem hier nur drey Weiße gegen dreyhun⸗ 


dert Schwarze waren. Ihr ungeſchliffnes Weſen wird am beſten aus einem Beyſpiele 
erhellen. Bumey Haman Benda, der dritte Bruder des Königs, welcher mit Mooren 
in Geſellſchaft war, nahm, da er zu trinken forderte, einen Mund voll Waſſer, und ſpruͤtzte 
ihm ſolches ins Geſicht. Moore, welcher die uͤbeln Folgen erwog, die daraus entſtehen 
konnten, wenn er einen ſolchen Schimpf geduldig litte, nahm das übrige Waller in dem 
Becher, und goß es ihm in die Hoſen. Hieruͤber wollte ihn der Prinz mit ſeinem Meſſer 
erſtechen, wurde aber durch einen Bedienten davon abgehalten, welcher das Vorgegangene 
mit angeſehen, und ihm die Aerme hielt. Dieſer Schwarze ſtellte ihm feine unanſtaͤndige 


feiner Bruͤ⸗ 
der Auffuͤh⸗ 
rung. 


Aufführung fo nachdrücklich vor, daß er ſich ſchaͤmte und Mooren zu Füßen fiel, fo lange 
bis er ihm befahl, aufzuſtehen. Nach der Zeit war er ſein vertrauter Freund. Zu einer 


andern Zeit kam dieſer Haman Benda des Nachts, nachdem die Factoreythuͤre ſchon 

verſchloſſen war, und ſchlug ſolche ein. Er wollte mit einem Piſtole in der Hand in des 

ih Koͤnigs, 

p) Dieß war der Verfertiger der Karte von 7) Woores Reiſen auf der 79 und 104, und 
der Gambra, die Herr Woore herausgegeben. folgenden Seite. 


95 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1731 Königs, feines Bruders, Schlafzimmer gelaſſen ſeyn; man hielt ihn aber zuruͤck. Als der 
Moore. König ſolches den folgenden Morgen vernahm: fo ließ er ihm feine Gegenwart verbiethen, 
und zur Strafe, wegen feines Anſchlages, ihn zu ermorden, ſollte er drey Sklaven geben 7). 

Den ıöten verließ der König und feine Wachten Joar, nachdem fie Robertſens Kammer 
ausgeleeret, und ſeine Kleider und Buͤcher weggenommen hatten. Dieſe letztern bothen 

ſie einem Marbuten zu Kower zu verkaufen an. Da ihnen ſolcher aber ſagte, es waͤren 
n ſo ließen ſie ihm dieſelben, daß er ſie dem Eigenthuͤmer wiederge⸗ 

en ſollte. | 


Faetorey Den ı7ten des Weinmonats gieng Harriſon nach Jamesfort hinab, um ſich an der 
wird beſtoh⸗ rothen Ruhr curiren zu laſſen, die er ſich durch das ſtarke Getraͤnk zugezogen hatte. Den 
len. sten des Wintermonats bemaͤchtigte ſich Moore eines ſchwarzen Dieners, als ſolcher das 


Vorrathshaus beſtahl. Er hatte den Schluͤſſel darzu unter Robertſens Kopfe weggenom̃en. 
Den ı2ten gieng ein Strauß mit einem Manne auf feinem Ruͤcken bey Joar vorbey, und 
war ein Geſchenk an den Statthalter von Herrn Jacob Connor, der ſolchen zu Fata⸗ 
tenda gekauft hatte. Den zten Jenner 1732 kam die Gambra, ein neuenglaͤndiſcher Schu⸗ 
ner, unter dem Hauptmanne Major, zu Joar an, und war mit Salze und Rum geladen. 
Den ıgten ſah er ein großes Kameel, welches dem Könige von Barſalli von dem Könige 
von Demel „, einem Lande an dem Fluſſe Sanaga, geſchenkt wurde. n 
Ungluͤcklichern Der Verfaſſer erhielt durch einen eigenen Bothen aus dem Forte den 18ten von dem 
Zufall Tode feines Freundes im Forte, Herrn Soughtons, Nachricht. Es gieng derſelbe am 
neuen Jahrstage zeitig zu Bette, weil ihm nicht wohl war; und er und ein gewiſſer Herr 
Serjeant ſchliefen beyſammen. Um Mitternacht wachte er auf, und bath, Serſeant 
moͤchte ihm doch ein Paar Tropfen Laudanum aus der Phiole im Fenſter in einem Glaſe 
Waſſer geben. Der andere goß, weil es finſter war, das Laudanum nach Gutduͤnken ein, 
und Houghton wachte nicht wieder auf, wodurch die Compagnie einen guten Bedien⸗ 
ten verlohr. | 
Des Koͤnigs Den 2aften Jenner kam der König von Barſalli nach Joar zurück, und brachte eine 
von Barſalli große Anzahl von feinen eigenen Unterthanen mit, um fie als Sklaven zu verkaufen. Er 
en nahm Beſit von der Factorey, wie zuvor. Dieß noͤthigte Mooren, einen Bothen an 
den Statthalter und Rath zu Jamesfort zu ſchicken, um einiges Mittel wider dieſe Kraͤn⸗ 
kung ausfuͤndig zu machen. Den 27ſten führte ſich der König, welcher mit dem Haupt: | 
manne Clarke und feinen Leuten zu handeln angefangen hatte, ſehr unverſchaͤmt gegen Ro⸗ 
bertſen und den Verfaſſer auf, weil fie wegen der Wegnehmung ihres Vorraths jemanden 
nach dem Forte hinabgeſchickt hätten. Den 27ſten des Nachmittages kam die Fama, eine 
Schaluppe der Geſellſchaft, mit einer Ladung an, die fich auf fünftaufend Stangen belief. 
Weil aber der König und feine Leute noch nicht wieder weg waren, und ſich ſolche uͤberaus 
ſchlimm auffuͤhrten: ſo hielten ſie es nicht fuͤr rathſam, ihre Guͤter ans Land zu ſetzen, oder 
nachzuſehen, was fie noch vorräthig haͤtten, bis die Kuͤſte rein waͤre; indem fie befuͤrchteten, 
jene haͤtten die Abſicht, ſich derſelben zu bemaͤchtigen. Waͤhrend der Zeit der Koͤnig mit 
dem Hauptmanne Clarke handelte, noͤthigte er ſie, ihm ihr Vorrathshaus zu leihen A feine ! 
| " üter 


1) Woores Reiſen a. d. 33 u. f. S. Kayor, deſſen vorher oft erwaͤhnt worden. Dieſo 
s) Demel oder Damel ift kein Land, wie Woo⸗ Stelle ſollte daher ſo heißen: von dem Damel, Kös | 
re vermuthet, ſondern der Titel des Königs von nige von Kayor, u. ſ. w. | 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 97 


Suͤter da hinein zu legen, wo er und ſein Gefolge ſehr oͤfters eine Stunde ſaßen, mit ein⸗ 1732 
ander trunken und ſchmauchten. n f N Moos. 

Als ſie dieſen Abend mit einander daſelbſt ſchmauſten, nahm der Koͤnig eine Flimte auf; ara ann 

und weil er nicht wußte, daß fie geladen war: fo druͤckte er los, und ſchoß Tomba Men⸗ Unfall. 
dez, einem Sohne des letzten Koͤnigs von Barſalli, von einer portugieſiſchen Frau, und ſei⸗ 
nem Vetter, damit in das dicke Bein. Dieſer war der Urheber von allem Schadeen, wel⸗ 
cher geſchah. Denn der König ſelbſt war gut geartet, und that, wenn er nuͤchtern war, 
nicht gern einem Weißen etwas zu Leide, vornehmlich denen, die zur Compagnie gehörten. 
Wenn der König an der andern Seite des Zimmers geſeſſen hätte: fo würde die Kugel 
recht in die Mitte ihres Pulverhauſes gegangen ſeyn, und fie alle in die Luft geſprengtt haben. 
Seine Majeftät erſchrack über dieſen Zufall, und war ſehr ungehalten auf die Factor, daß 
fie. geladen Gewehr hielten. Er fragte fie: ob ſie meynten, daß er oder feine Leute ihnen eini- 
ges Leid thun wollten? gleich als ob er geglaubt, daß ihnen durch den begangenen Raub kein 
Unrecht geſchehen t). Sein elgener Fan einen Schluͤſſel, womitt er die 
Vorrathshaͤuſer bey Nacht oͤffnete, und eine anſehnliche Menge Guͤter heraus ſtahl. Waͤre 
nicht die Schaluppe heraufgekommen: ſo haͤtte ſie nichts abhalten koͤnnen, den ganzem Vor⸗ 
rath wegzunehmen. Alle ihre ſchwarzen Bedienten liefen weg, indem ſie ſich fuͤrckhteten, 
man möchte ſich ihrer bemaͤchtigen, und fie verkaufen. Den zten des Hornungs aber, früh 
Morgens, hielt feine Begleitung es für rathſam, aufzubrechen, nachdem fie Moores 
Schreibtiſch, wie auch Robertſens und Harriſons ihre, aufgebrochen, und von den Guͤtern 
der Compagnie auf 200 Stangen Werths weggefuͤhrt hatten. Bey einer Berathſchllagung 
zwiſchen Mooren, Robertſen und Boys ward beſchloſſen, die Güter in dem Vortraths⸗ 
hauſe nachzuſehen, die Ladung von der Fama ans Land zu bringen, und Herr Moore follte 
mit dem Hauptmanne Boys nach dem Forte hinabgehen, um fernern Befehl zu erhhalten. 
Den arten des Hornungs erreichte Moore das Fort, und fand, daß der Statthalter nach 
Barring⸗ding, einer Stadt des Koͤnigreichs Barra, gegangen war, um einige Sttreitig⸗ 
keiten zwiſchen derſelben und der Compagnie beyzulegen. Den laten kam der Stattthalter 
nach Jamesfort zuruͤck 1). 

Den ıften März ſeegelte Moore in der Seenymphe, einer Schaluppe unter (Loos Der Verfaf: 
pern, mit des Statthalters Befehlen von Jamesfort nach Joar zuruͤck. Weil ihm aber Tr geht wie: 
die Landwinde entgegen waren: fo war er fünf Tage auf der Reiſe, und fand den Fluß — 0 
vierzig Seemeilen über dem Forte ſalzicht. Er brachte Robertſen einen Brief vom dem 
Rathe, welcher enthielt, daß fie mit dem Verzeichniſſe der Guter nicht zufrieden wären, wel: 
che, wie er anfuͤhrte, von dem Koͤnige von Barſalli waͤren weggenommen worden. Sie 
verordneten daher, er ſollte die Bücher halten, und das Waarenhaus des Verfaſſers Ver— 
wahrung uͤberlaſſen. Roberts ſchien hierdurch dergeſtalt beleidigt zu ſeyn, daß er dite Fa⸗ 
ctorey verließ, und alle Bediente, außer der Koͤchinn, mitnahm. Er kleidete ſich nadh Art 
der Schwarzen, und gieng hin, zu Kower zu leben. 

Kower liegt ungefahr drey Meilen von Joar, einer großen Ebenen gegen über , auf Beſchreibung 
welcher keine Baͤume, aber ſchoͤnes niedriges Gras iſt, welches machet, daß fie zum Reu⸗- von Kower. 

6 ten, — 
8) Moore ſaget, dieß zeige, daß der König ges einige Sklaven machet, und daß ihnen feine beſechwer⸗ 
dacht, die Englaͤndet muͤßten ihm ſo gehorſam ſeyn, liche Auffuͤhrung angenehm waͤre. 
als ſeine eigenen Unterthanen, von denen er taͤglich ) Moores Reifen a. d. 88 u. f. S. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. N 


1732 
Moore. 
nm 


Major wird 


98 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
ten, Spazierengehen und Jagen angenehm iſt. Sie wird in drey Theile getheilet, als 
Kower, Jonakunda, und Tourakunda. Die erſte und letzte werden meiſtens von 
Muhammedanern bewohnet, die andere aber von Jolloifern. Eine jede davon iſt unge: 
faͤhr eine Meile in der Runde, und liegt an dem Fuße der Huͤgel gegen Weſten, und hat 
eine ſchoͤne Ebene von Wieſewachs gegen Oſten. Es wird hier ungemein ſchoͤnes baum⸗ 
wollenes Zeug gemacht. Kurz, es iſt die vornehmſte Stadt an dem ganzen Fluſſe, und 
der beſte Ort zur Handlung. ö N 

Den 2aften März kam die Nachricht nach Joar, daß der Hauptmann Waſor auf 


getödtet, und dem neuenglaͤndiſchen Schuner von dem Volke von Kaſſan, auf Anſtiften des Chequo 
der Verfaſſer Voß, eines Portugieſen, der daſelbſt lebte, getoͤdtet worden. Den 2zſten gab Hauptmann 


geſchlagen. 


Mobertſens 
Unordnun⸗ 
gen L 


Pearſon dem Herrn Moore Nachricht, er haͤtte einige portugieſiſche Eingebohrne ſagen 
hoͤren, daß ſie ihn, auf Anrathen ſeines Mitgenoſſen Roberts, ſchlagen wollten. Er rieth 
ihm alſo, auf feiner Hut zu feyn. Dem ungeachtet aber wollte Moore doch lieber gemis— 
handelt werden, als die Factorey verlaſſen, daß ſie gepluͤndert wuͤrde, und blieb alſo zu 
Hauſe. An eben dem Tage kamen dreyzehn Jolloifer in die Factorey, und ſchlugen und 
mis handelten Mooren, und droheten ihm, fie wollten ihn umbringen, wenn er ihnen keinen 
Brandtewein gaͤbe. Dieß geſchah auf Robertſens Anftiften, wie fie geſtunden, da fie 
von einem aͤltlichen Manne beſtraft wurden, den Moore zu Huͤlfe rief; und da er ihnen 
drohete, er wollte ſich bey dem Könige beſchweren: fo giengen fie beſchaͤmt weg, und ver- 
ſprachen, fie wollten nicht mehr zu Robertſen gehen. Sie lebten einige Tage auf dieſe 
Art, Roberts zu Kower, mit allen Bedienten der Geſellſchaft, und Moore in der Fa— 
ctorey allein, wo er viele Muͤhe hatte, zu verhuͤten, daß das Volk nicht die Guͤter ſtahl. 
Zuweilen wurden ſie einzeln von Robertſen abgeſchickt, ihn bey Nacht zu beſtehlen. Allein 
er traf ſie oftmals an, und begegnete ihnen nach Verdienſten. Roberts berichtete daher 
nach Jamesfort, Moore gienge mit den Eingebohrnen übel um. Den z ten April kam die 
Schaluppe Abentheuer, mit Harriſonen und Daviſen, und den Befehlen der Geſellſchaft 
an Mooren, daß er die Aufſicht der Factorey zu Joar dem letztern uͤberlaſſen, und mit 
dem erſtern nach Namyamakunda gehen ſollte. Der Rath berichtete Robertſen in ſeinem 
Briefe, er ſaͤhe ihn für einen verlohrnen Menſchen an; und weil er in feinem unerſaͤttlichen 
Durſte nach ſtarkem Getraͤnke fortfuͤhre: fo hielt er ihn für untuͤchtig, der Compagnie 
einige Dienſte zu leiſten. 

Den Abend ließ Harriſon Robertſen von Kower rufen, der ſich ſchaͤmte, zu kommen, 
und daher den Bothen erſuchte, er möchte ſagen, er koͤnnte ihn nicht finden. Weil aber 
ſolcher Harriſons Diener war: ſo ſagte er ihm die Wahrheit. Den folgenden Morgen 
beſichtigten ſie die Waaren der Compagnie, und uͤbergaben ſolche dem Herrn Davis, da 
ſie gehoͤrige Verzeichniſſe davon machten. Harriſon ſchickte einen andern Bothen nach 
Robertſen, welcher mit demſelben, da er ſah, daß es nicht moͤglich war, ſich zu verbergen, 
ankam, und ſeinen Fehler, daß er ſich von der Factorey entfernet, erkannte. Er geſtund 
auch, daß er Leute abgeſchickt, Mooren übel zu begegnen. Hierauf meldete ihm Harris 
fon, er ſollte, wenn Brown von Namyamakunda zuruͤck kaͤme, mit der erſtern Gelegen- 
heit nach dem Forte hinabgehen, um mit dem guineifchen Paketboote nach England zuruͤck 
zu kehren, welches in zweenen Monaten dahin abgehen würde x), 5 

en 


*) Ebendaſ. a. d. 100 u. f. ©. 5 Siehe Jobſons Beſchreibung vorher a. d. 33 Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 99 


Den geen verließ Moore Joar, und kam den ꝛ0ten nach Nanimarewo, dem ange⸗ 1732 
nehmſten Hafen an dem Fluſſe, welcher mit Palm: und Siboabaumen anmuthig beſchattet Moore. 
war. Den ısten verließen fie dieſen Ort, und giengen den Fluß hinauf nach Kaſſan. Beſchreibung 
Dieß iſt eine kleine Stadt an der Nordſeite der Gambra, welche ungefähr einen Buͤch⸗ von Kaſſan. 
ſenſchuß weit von der Waſſerſeite, und drey kleine Meilen uͤber Joar liegt. Sie iſt rnit | 
ſehr vielen in die Erde geſteckten Pfaͤhlen befeſtiget, die mit Thone ausgefüllet find, zwi⸗ 
ſchen welchen Locher zu Flinten gelaffen worden, und in gehoͤriger Weite Wachtthuͤrme ſte⸗ 
hen ). Dieſer Ort iſt wegen des Schadens, den er thut, bekannt, indem er ſtets mit ei ni⸗ 
gen von ſeinen Nachbarn im Kriege begriffen iſt, und ſich der Bothen und Kaufleute der 
Geſellſchaft bemaͤchtiget, wenn fie mit ihren Sklaven auf dem Wege nach Kower find, 

Im Jahre 1724 wurden die meiſten von den Einwohnern zu Gefangenen gemacht, und 
der Slati, welcher Makamarr hieß, ward genoͤthiget, zu fliehen, und lebet itzo in der Ein⸗ 
ſamkeit, an einem Orte, Medina genannt, an dem Fluſſe Sami, und ſeit dem ſind die 
Leute hier friedlich geweſen, da fie itzo eine von den friedſamſten Städten an dem Fluſſe iſt. 
So bald ſie landeten, verſammlete ſich die ganze Stadt um ſie her, und Harriſon fragte 
den Slati: warum er ſich unterſtanden, den Hauptmann Major zu toͤdten? Hierauf gab 
der Slati folgende Antwort, ſo gut als ſie Moore uͤberſetzen koͤnnen. 8 

„Einige Jahre her, ſagte der Slati, iſt dieſer Ort ein großer Handlungshafen gewe- Nachricht 
„ ſen, fo daß ſich viele Schiffe allhier verſammlet, welche oftmals mit unſern Stadtleuten von Majors 
„ ſehr übel umgegangen find; indem fie verſchiedene von unſern Freunden und Anverwand- Tode. 
„ten mit Gewalt weggefuͤhret, ohne daß wir ſie beleidiget haben. Selbſt im verwichenen 
„Jahre fuͤhrte Hauptmann Stoneham einen von meinen Vettern weg, weil Herr Chequo 
„Voß, ein Portugieſe, der in unſerer Stadt lebet, ſein Wort nicht gehalten, und ihm in 
„beſtimmter Zeit Handlung verſchaffet hatte. Es fing auch letzlich dieſer neuenglaͤndiſche 
„Schuner an, mir auf eben die Art zu befehlen. Kurz darauf, da er in meinem Hafen ange- 
„kommen, ſchickte der Koͤnig von Unter⸗Nani, in deſſen Gebiethe dieſe Stadt liegt, eimen 
„Sklaven zu mir, daß ich ſolchen fuͤr ihn verkaufen ſollte. Ich brachte ihn auch an Bord 
„ zu dem Hauptmanne Major. Weil er aber keine rechte gute Waaren hatte, wenigſtens 
„nicht ſolche, als mir anſtunden: ſo verurſachte ſolches, daß ich den Verkauf ſo lange auf— 

„ ſchob, bis ich dem Könige meine Urſachen angeben koͤnnen. Der Hauptmann verlangte, 
„ich ſollte den Sklaven ſo lange am Borde laſſen, bis des Koͤnigs Antwort kaͤme, und ich 
„that es. Endlich erhielt ich des Koͤnigs Befehl, den Sklaven nicht zu verkaufen, weil 
„ihm die Waaren nicht gefielen. Ich gieng darauf an Bord, und berichtete ſolches dem 
„Hauptmanne. Er ward zornig, und wollte den Sklaven nicht wieder herausgeben, noch 
„ihn aus dem Schiffe nehmen laſſen. Ich ſagte dem Hauptmanne nicht viel, ſondern kam 
„nach Haufe, rief meine Leute zuſammen, und erzaͤhlte ihnen die Sache. Darauf rechme⸗ 
„ten wir die mancherley Beleidigungen zuſammen, die wir von andern einzelnen Kauffah— 
„rern erlitten hatten, und beſchloſſen, den Schuner wegzunehmen, welches wir den folgen— 
„den Morgen thaten. In dem Gefechte ward der Hauptmann getoͤdtet, welches mich ſehr 
„kraͤnkte. Was aber die andern Leute anbetraf 2), fo gab ich ihnen das Boot und einige 
„Lebensmittel, und ließ ſie gehen, wohin es ihnen bee „ Dieſes, ſaget der Verfaſſer, 

N 2 war 


2) Dieſe Leute giengen hinauf zu dem Haupt: ſchen Schaluppe zu Nanimgrew handelte, und 
manne Moore, der damals in einer neuenglaͤndi⸗ dem ihr Schiff zugehoͤrte. 


100 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
732 war des Slati Rede, woraus wir ſahen, daß die Eingebohrnen entſchloſſen waren, das je⸗ 
Moore. nige zu vertheidigen, was fie gethan hatten. Weil wir nun nicht ſtark genug waren, fie zu 
uͤberwaͤltigen: fo waren wir nur froh, daß wir an Bord kamen, und unſere Reiſe fortſetzen 


konnten a). ' 


Brukoe. Den ı6ten erreichte Moore Brukoe, welches an der Suͤdſeite der Gambra liegt, in dem 
Lande Jemarrow, eine halbe Meile vom Fluſſe. Hier legte die Compagnie im Jahre r7zz eine 

Factorey an, welche im folgenden Jahre abbrannte, und im Jahre 1735 verließen fie den 

Dubokunda. Ort gaͤnzlich. Hier blieben ſie drey Tage, und giengen den Fluß hinauf nach Dubokun⸗ 
da, wo fie ſich mit dem Volke wegen Anlegung einer Factorey zu Brukoe unterredeten; 

indem ſolches unter dem Schutze dieſer Stadt war, und die Vornehmſten hier wohnten. 

Den 20ſten ſegelten fie nach Kuttejar, wo die Geſellſchaft einsmals eine Factorey hatte, 

welche im Jahre 1725 uͤberſchwemmt wurde, worauf ſie ſolche nach Sami, acht engliſche 

Meilen von Kuttejar zu Lande, an einem Fluſſe gleiches Namens, verlegten. Den 2öften 


April kamen fie zu Namyamakunda an b). 


Yamyama- „ VNampamakunda liegt an der Nordſeite der Gambra, vierzig engliſche Meilen über 

tunda. Brukoe zu Lande c), und eben fo weit von Fatatenda ſuͤdwaͤrts. Drey engliſche Mei⸗ 
len davon liegt eine Stadt, Sutamor genannt, und daruͤber iſt eine See, die viele Fiſche 
hat. Hier wurde im Jahre 1730 eine Factorey angelegt, welche zwey Jahre darnach ab: 
brannte, aber wieder aufgebaut wurde. Moore blieb zu Namyamakunda, und Harri⸗ 
fon gieng den ı7ten den Fluß hinauf 4). Moore bemerkte hier viele Blitze in der Nacht. 
Den 6ten May ward er von einem Mumbo Jumbo ), einem geheimnißvollen Kunſt⸗ 
ſtuͤcke der Schwarzen, 145 Weiber in Furcht zu halten 7), beſuchet. Den zoten wurde 
einer von der Geſellſchaft Sklaven, welcher ſich in dem Fluſſe wuſch, von einem Crocodike 
weggefuͤhret. Den ıoten des Brachmonats kam die Schaluppe, Abentheuer, unter dem 
Steuermanne Johann Leach, mit Sarriſon den Fluß herab, welcher zwey und zwanzig 
Seemeilen weit uͤber Fatatenda in dem Boote der Schaluppe geweſen, um den Fluß zu 
entdecken, wo er eine Reihe von Tafelfelſen fand, die ihn aufhielten. Gegen Abend be- 
ſuchte er Harriſon am Borde feiner Schaluppe, und während der Zeit hatten fie einen er— 

Schwarm ſchrecklichen Wirbelwind. In demſelben kam eine Art von Fliegen, mit langen Fluͤgeln, 

von Fliegen. in fo ungeheurer Anzahl an Bord, daß, indem fie in die Flammen des Lichts flogen, die Ta- 
fel alsbald mit ſolchen bedeckt war, die ihre Flügel verbrannt, und andere, die nicht ver: 
brannt waren, verſchuͤtteten ihre Flügel, da fie auf der Tafel krochen, und dieſe waren als- 
dann nichts anders, als ſo viele große Wuͤrmer. Sie ſahen auch verſchiedenes anderes Ge— 
wuͤrme, von welchem Moore zweye abgezeichnet hat. 


Den aaſten fing der Fluß Gambra an zu ſchwellen, da der Strom ſtets herab kam, 
und keine Fluch hinauf gieng. Bald darauf flieg Moore zu Pferde, um nach Nakka⸗ 


Hafen Baſſy. way zu gehen, und erreichte den erſten Abend den Hafen Baſſy in Tomani an der Suͤd⸗ 


a) Sollte es aber wohl recht geweſen ſeyn, eine 
gewaltthaͤtige Handlung durch eine andere zu recht⸗ 
fertigen? Wuͤrde man dadurch nicht eben die will⸗ 
kuͤhrliche Gewalt gezeiget haben, die der Verfaſſer 
kurz vorher an dem Koͤnige von Barſalli getadelt 
hat? Zeigen die Ausdruͤckungen nicht, daß er dafuͤr 


ſeite 


gehalten, die Schwarzen muͤßten den Englaͤndern 
eben fo gehorſam ſeyn, und alles Unrecht von ihnen 
eben ſo geduldig leiden, als, ſeiner Vermuthung 
nach, der König geurtheilet, daß es die Engländer 
gegen ihn haͤtten ſeyn muͤſſen? 

0 Moores Reiſen a. d. 111 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 101 
feite der Gambra, neun Stunden über Namyannakunda zu Waſſer, und funfzehn eng: 1732 
liſche Meilen zu Lande g). Der Weg ift waldicht, und in der Mitte iſt ein ſteiler Hügel Moore. 
voller Baͤume. Er lag die Nacht in einer von den Negrohuͤtten, und folgenden Morgen 
ließ er ſein Pferd daſelbſt, fuhr in einem kleinen Kahne uͤber den Fluß, und gieng ſieben 
engliſche Meilen nach Nakkaway, welches in dem Koͤnigreiche Ober Nani an der Nord⸗ 
ſeite der Gambra liegt, zwo engliſche Meilen und ein Viertheil von dem Fluſſe. Halb 
geht der Weg durch Gehoͤlze; die andere Haͤlfte iſt eine ſchoͤne Ebene, welche keinen Baum 
hat, und in der regnichten Jahrszeit gemeiniglich unterm Waſſer ſteht. Hier wurde er 
von den Einwohnern mit einem Balafeu und amdern Bezeugungen ihrer Gewogenheit 
bewillkommet, indem ſie nicht ſo unangenehm in ihrer Auffuͤhrung ſind, als man ſie vorſtel⸗ 
let; ob es gleich daſelbſt eben ſowohl betruͤgeriſche, und uͤbel geartete Leute giebt, als in an⸗ 
dern Laͤndern >). f 
In dieſem Lande war vordem eine Gewohnheit, welche noch nicht ganz abgekommen iſt, Statthalter 
daß naͤmlich derjenige, welcher einem andern des Morgens etwas verkaufte, ſolches, wenn von James⸗ 
ihn der Kauf gereute, bey Zuruͤckgebung des Geldes, wieder bekommen konnte, wenn er es fort 
nur vor Sonnenuntergange forderte. Bey dieſer Gelegenheit bemerket der Verfaſſer, was 
dem Statthalter der Compagnie vor zwölf Jahren zu Nakkaway begegnet. Dieſer Herr, 
der auf einer Handelsreiſe war, hielt an dieſem Orte ſtill, kaufte eine Kuh fuͤr eine Stange 
Eiſen, und ſchnitt ihr, nachdem er ſie bezahlt hatte, den Schwanz ab. Als der Verkaͤufer 
davon Nachricht erhielt: ſo beſchloß er, ſich der Gewohnheit des Landes zu Nutze zu ma— 
chen, und gieng zum Statthalter. Er erzählte ihm auf eine ſcheinbare Art: weil er uͤberle⸗ 
get, daß ſeine Tochter den folgenden Tag ſollte verheirathet werden, ſo muͤßte er ſeine Kuh 
wieder haben, um ihr ſolche zur Ausſtattung mitzugeben, indem er ſonſt nichts eignes haͤtte. 
Der Statthalter, welcher keine Argliſt vermuthete, befahl einem von ſeinen Bedienten, die wird allhier 
Kuh zu holen, und fie dem Eigenthuͤmer wiederzugeben. Als die Kuh gebracht wurde, beruͤckt. 
ſchien der Kerl ſich zu verwundern, und ſagte zu dem Statthalter, das waͤre nicht ſeine Kuh. 
Der Statthalter behauptete ſolches; er aber erwiederte: wie das ſeyn koͤnnte, da ſeine Kuh 
einen Schwanz gehabt, als er ſie ihm den Morgen gebracht haͤtte. Der Statthalter ant⸗ 
wortete: es wäre wahr, fie hätte einen Schwanz gehabt, als er fie gekauft; er hätte ihr 
ſolchen aber, nachdem er ſie bezahlt, abgeſchnitten. Der Kerl fragte ihn dreuſte: wie er ſo 
kuͤhn hätte ſeyn koͤnnen, daß er feiner Kuh ohne ſeine Erlaubniß den Schwanz abgefchnit- 
ten? Dabey ſagte er zu ihm, er ſchaͤtzte die Kuh und ihren Schwanz auf dreyhundert 
Stangen Eiſen, und er verlangte, daß ihm fo viel ſollte bezahlt werden, ehe der Statthalter 
den Ort verließe. Alle Vorſtellung, daß er die Kuh gekauft hätte, und daß fie, nachdem 
er ſolche bezahlt haͤtte, ſein eigen geworden, war vergebens. Wer nur gegenwaͤrtig war, 
der ſprach wider ihn, indem ein jeder etwas von dem Gelde zu bekommen hoffte; ſo, daß er 
genoͤthiget war, dem Kerl dreyhundert Stangen zu zahlen, bloß weil er ſeiner Kuh den 
Schwanz geſtutzt. Der Statthalter verbiß indeſſen die Sache, und blieb fo lange in die⸗ 
N 3 ſem 
c) Nach der Karte iſt es ungefähr fünf und ſunf⸗ e) Es iſt mit dem Ho: rey von einerley Art, deſſen 
zig in gerader Linie; wenn man aber wegen der auf der 30 Seite erwaͤhnet worden. 
Wendungen und Kruͤmmungen noch ein Fünftheil 7) S. die Gebräuche der Einwohner weiter unten. 
hinzu thut: fo wird es ſechs und ſechzig ausmachen. g) Es iſt ein guter Ort zur Handlung, auf der 
4) Moores Reiſen, a. d. ı15 S. mit der 54, 136 Seite. 
138 und 178 S. zuſammengehalten. bh) Moores Reifen, a. d. 116 u. f. S. 


122 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1732 ſem Hafen, bis er die gehoͤrige Anzahl Sklaven erhalten hatte. Darauf nahm er von dem 
Woore Volke höflich Abſchied, ohne des erlittenen Unrechts zu erwähnen, und gieng nach James: 
N fort zuruͤck. | 
Brauchet Es verlief alſo ein Jahr, und die Leute zu Nakkaway dachten, es waͤre alles vergeſſen. 
Gegenbe: Unterdeſſen hatte der Statthalter eine große Schaluppe ausgeruͤſtet, die wohl bemannet, 
druckungen. und mit zwoͤlf Stuͤcken verſehen war. Man gab vor, ſie ſollte eine Handelsreiſe auf dem 
Fluſſe thun. Er ſchiffte ſich auf dieſer Schaluppe heimlich ein, und ließ ſich an allen den 
Orten, wo ſie ſich aufhielten zu handeln, nicht ſehen, bis ſie Nakkaway erreichten. Daſelbſt 
gieng der Hauptmann der Schaluppe ans Land, den Leuten zu melden, er haͤtte eine ſchoͤne 
Ladung von Gütern, Sklaven zu kaufen; und bath fie, an Bord zu kommen, und ihre Zölle 
zu holen. Dieſemnach kamen ſechſe von den Vornehmſten der Stadt an Bord, welche, 
indem fie in die Kajuͤte giengen, nicht wenig erſtaunten, daß fie den Statthalter ſahen. Es 
traf ſich, daß einer von ihnen der Eigenthuͤmer der Kuh war, welcher mit den vier andern 
in Feſſel geſchlagen wurde; den fehiten aber ſchickte man ans Ufer, den Leuten zu fagen, 
der Statthalter wäre herabgekommen, Genugthuung wegen desjenigen von ihnen zu for= 
dern, was ſie von ihm ausgepreſſet haͤtten, weil er ſeiner Kuh den Schwanz abgeſchnitten; 
und als das Boot ans Land gieng, feuerte er dreyzehn Stuͤcke ab, um den Leuten zu wiſſen 
zu thun, daß er Macht genug haͤtte, das Unrecht zu raͤchen. Weil die Leute ſahen, daß es 
vergebens ſeyn wuͤrde, mit einer ihnen uͤberlegenen Macht zu ſtreiten: ſo ſchickten ſie ihm 
zehn auserleſene Sklaven, welche das Stuͤck auf dreyßig Stangen gerechnet, die Summe 
ausmachten, welche ſie ihn zu bezahlen genoͤthiget. Sie erkannten zugleich ihren Fehler, 
und ſagten, ihnen waͤre ganz recht geſchehen, weil ſie ſo gute Freunde beruͤcket, als die Ge⸗ 
ſellſchaft wäre, und die ſich bisher ſtets fo höflich gegen fie aufgefuͤhret haͤtte. 

Vorrath fir Den sten des Heumonats kamen der Hauptmann Boys und Herr Galand, Factor 
die Faetorey. zu Brukoe, nach Namyamakunda, dem Herrn Moore zu berichten, daß die Schaluppe 
Fama nach Brukoe gekommen, und mit hundert Maaß Salz, und zweyhundert Gallonen 
Rum für feine Factorey beladen ware. Die Winde aber wären fo ſtark, daß fie nicht hoͤ— 
her hinauf gehen koͤnnte. Es wurde daher beſchloſſen, den Vorrath zu Brukoe ans Land 

zu ſetzen, bis ſich eine Gelegenheit zeigte, ſolchen hinaufzubringen. Den ıöten hatten fie 

einen gewaltigen Tornado, welcher ein Nebengebaͤude von der Factorey umwarf, welches 

gebraucht ward, Baumwolle aufzubewahren, die ein oder zwey Jahre vorher in guter Anz 
zahl für die Compagnie allhier gekauft worden. Weil man aber fand, daß nicht der ge⸗ 
hoffte Nutzen dabey zu machen war: fo gab fie Befehl, keine mehr zu kaufen, als ſſolche, 
die von dem Samen gereinigt war, welches die Eingebohrnen aus Faulheit nicht zu thun 
pflegen. Den 28ſten erhielten ſie ihren Rum von Brukoe in einem Kahne, der von ſechs 

Schwarzen gerudert wurde, indem ſolcher die beſte Waare fuͤr die regnichte Jahrszeit war. 


Reiſe nach Den ꝛgſten kam Johnſon zu Vamyamakunda an, welcher dem verſtorbenen Hugo Pe⸗ 
Fatatenda. ters, Hamiltons, Factors zu Fatatenda, Beyſtande, zum Nachfolger beſtimmt war. Den 
aten des Weinmonats fuhr Moore mit ihm des Morgens fruͤh nach Fatatenda ab. Um 

acht Uhr kamen fie durch Kanuba, eine kleine Stadt, welche einen Hafen an der Gambra 

hat, von der ſie zwo engliſche Meilen entfernt iſt, wohin Anton Voß von Tankrowal 

jaͤhrlich feine Kaͤhne ſchicket, zu handeln; und um Mittag erreichten ſie Baßi, welches auch 

einen feinen Hafen hat, der von Kaͤhnen haͤufig beſuchet wird, und zehn engliſche 1 von 

anuba 


von Capo Blaneo bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 103 


Kanuba liegt. Um drey Uhr Nachmittages kamen ſie nach Burdah, wo ſich der Koͤnig 1732 
von Tomani aufhielt. Zwo Stunden darauf giengen fie durch Kolar in Kantor, und Moore. 
reiſten an der Suͤdſeite der Gambra ſechs engliſche Meilen weiter, kamen Fatatenda gegen 

über, und fuhren hinuͤber 3). 


Der Fluß war hier ungefähr fo breit, als die Themſe zu London⸗Bridge, und floß ſehr Beſchrei⸗ 
ſchnell, und ſchien ſehr tief zu ſeyn. Die Fluth ſtieg in der trocknen Jahreszeit drey oder bung des 
vier Fuß hoch, in der Regenzeit aber nicht fo viel. Beyde Seiten des Fluſſes waren wal⸗ Orts. 
dicht, und das Land an der Suͤdſeite niedrig: die Factorey aber lag auf einem hohen fteilen 
Felſen, dicht an der Nordſeite des Fluſſes, in dem Koͤnigreiche Woolli, zehn engliſche Mei⸗ 
len von einer Stadt. Aus der Factorey hat man eine angenehme Ausſicht auf den Fluß 
einige Meilen weit, wie auch uͤber das Koͤnigreich Kantor, und man hoͤrte hier alle Nacht 
die wilden Thiere heulen. Sie wurde im Jahre 1733 verlaſſen. Hamilton freute ſich ſehr 
uͤber ihre Ankunft, weil er ſeit dem Heumonate, da ſein Schreiber geſtorben, keinen weißen 
Menſchen geſehen hatte. n 


Nach einem Aufenthalte von zweenen Tagen zu Fatatenda, wollte der Verfaſſer wieder Nachricht 
nach Namyamakunda gehen; er wurde aber durch eine Bothſchaft von Hume Badſi, von Hume 
dem Eroberer, Könige von Tomani, davon abgehalten, welcher verlangte, er möchte fo lan- dl. 
ge dableiben, bis er zu ihm gekommen, und ihn geſehen haͤtte. Er that dieſes den Abend 
mit zweyhundert wohlbewaffnete Mann, die er dem Koͤnige von Woolli zum Beyſtande 
ſchickte; denn dieſes Koͤnigs Bruder hatte ſich wider ihn empoͤret, und einige von ſeinen 
Leuten und Städten weggenommen. Sume Badſi war ein Sohn des letzten Königs von 
Tomani, welcher einige Jahre zuvor ſtarb. Weil er aber befuͤrchtete, die Leute moͤchten 
ihn nicht zum Koͤnige machen wollen: ſo ſagte er ihnen, ſein Vater ſey noch nicht todt; und 
weil er ſehr viel herzhafte Leute in der Stadt Burdah hatte, welche er wohl zu erhalten 
Sorge trug: ſo beſchuͤtzten ſie ihn, und kein Menſch im Lande durfte ſagen, daß der alte 
Koͤnig todt waͤre. 


Dieſer Mann ſelbſt iſt ſehr alt, und bey der Stadt ſehr beliebt; ſo, daß er mit Eroberer 
deren Einwohnern und andern Freywilligen auszog, und das ganze Königreich Woolli von Tomani. 
eroberte, und es dem gegenwaͤrtigen Koͤnige gab, ſo, daß er daſelbſt eben ſo unumſchraͤnkt 
herrſchet, als zu Tomani; ja, noch mehr; denn es ſind zu Sutamor, einer Stadt drey 
engliſche Meilen von Namyamakunda, einige Leute, die ſich nicht viel vor ihm fürchten; 
daher er ſelten nach der Factorey geht. Zu Fatatenda begegnete er Hamiltonen ſehr uͤbel, 
indem er taͤglich Guͤter von ihm bath, oder ſolche mit Gewalt nahm; und er hatte einen 
ſolchen verfluchten Durſt nach ſtarkem Getraͤnke, daß, wenn der Factor nur etwas zu ſeinem 
eignen Trunke hat, er alle Tropfen von ihm herauspreſſen wird, wofern er nicht bedacht iſt, 
es in den Gehoͤlzen zu vergraben; welches er zu thun pflegte, wo er es ſehr heimlich des Nachts 
beſuchte, wenn der Tyrann weggegangen war A), 


Der 


1) Moores Reifen, a. d. 122 u. f. S. &) Ebendaſ. a. d. 137 u. f. S. 


— 


1 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Küfte von Africa, 


„1732 Der III Abſchnitt. u 
age Fortſetzung der Reiſe des Verfaſſers auf der Gambra. 


Der Verfaſſer beſuchet Nakkaway. Reiſe nach dragon zu verſchaffen; und mit den Portugieſen 
Brukoe. Buile. Korah. Chaukunda. Dubokun⸗ nicht zu handeln. Beſoldungen der Factore wer⸗ 
da wird beſchrieben. Fatiko. Faetorey Brukoe den erhoͤhet. Preiſe, die man beobachten foll. Por⸗ 
brennt ab. Ein Boot wird von einem Wallroſſe tugieſiſcher Handel iſt nutzbar. Beleidigungen, 
umgeſchmiſſen, und zweene von der Geſellſchaft die man den Eingebohrnen erwieſen, ſind Urſache 
erfaufen. Eine Kuh wird von einem Wolfe ge⸗ von vielem Schaden. Hauptm. Leach und Cooper 
toͤdtet. Englaͤnder werden von den Schwarzen ſetzen ſich zu Kuttejar. Der Verfaſſer wird weiter 
gefangen. Die Factorey zu Brukde wird wie⸗ befördert. Die Gambra laͤuft uͤber, und zerſtoͤrt die 
der aufgebaut. Neuer Statthalter koͤmmt zu Factorey. Nachricht von der Ueberſchwemmung. 
Jamesfort an. Der Verfaſſer erhält Befehl, Ungluͤcklicher Tod der Hrn. Philips und Rialton. 
mit den Eingebohrnen wohl umzugehen, Gummi⸗ Ein Torpedo oder Krampffiſch wird gefangen. 


Der Verfaſ⸗ Der Verfaſſer war Willens geweſen, von Fatatenda nach Nakkaway laͤngſt der Nordſeite 

ſer beſuchet des Fluſſes zu gehen; er konnte aber wegen der Buchten nicht, die ſo uͤberſchwemmt 

Nakkaway. waren, daß man fie nicht paßiren konnte; fo, daß er zu Fatatenda über die Gambra fuhr, 
und an der Suͤdſeite gieng. Zwiſchen Burdah und Baßi ritt er über den ſteilſten Huͤ⸗ 
gel, den er jemals geſehen, und war ſolcher fat ein beftändiger Felſen von Eiſenſteine, und 
doch voller Baͤume. Gegen Sonnenuntergang erreichte er den Hafen Baßi, und nachdem 
er über den Fluß gefahren, gieng er nach Nakkaway. Er verrichtete feine Geſchaͤffte da⸗ 
ſelbſt den Abend. Den folgenden Morgen fruͤh gieng er zuruͤck nach dem Hafen Baßi, 
und von da ritt er heim nach Namyamakunda, welches faſt vierzig engliſche Meilen zu 
Lande iſt. Den 2aften bemerkte Moore Ebbe und Fluth; und das Wetter, welches zwan- 
zig Tage lang ungemein heiß geweſen, fing an, Fühler und angenehmer zu werden. Die 
Abende und Morgen waren neblicht. Er ſchoß hier eine gruͤne Schlange. | 


Reiſe na 
. 5 Salz meſſen zu ſehen, und es hinauf zu ſchicken. Er gieng um neun Uhr des Morgens 


Bulle, durch Buile, eine Stadt, die ſehr angenehm in einem Thale lag, und an jeder Seite hohe 
Korah, Hügel hatte. Gegen Mittag erreichte er Korah, eine kleine Stadt in Jemarrow, wo 
der verjagte Kaiſer lebte, der von dem Volke von Dubokunda vertrieben worden. Sechs 
engliſche Meilen gegen Weſten davon iſt eine große Stadt gleiches Namens, um welche ei⸗ 
Chaukunda. ne große Gegend von Reißfeldern iſt. Den Abend erreichten fie Chaukunda, eine große 
Stadt, die mit einem Walle umgeben war, an dem Fuße eines felſichten Huͤgels, in einer 
Ebene, die ſich bis an die Gambra vier engliſche Meilen weit erſtreckte. Hier ſchlief er in 
des Alkadis Haufe, in einem großen Zimmer auf einer Matte, die mit vier Gabelftöcen 
in die Höhe gehoben war; er wurde aber von den Musquitos heftig geſtochen. Dieſer 
Alkade war in dem Jahre, da der Verfaſſer nach England zuruͤck gieng, Kaiſer von es 
marrow. Den folgenden Morgen fruͤh verließ er Chaukunda, und kam um neun Uhr 
Dubokunda nach Dubokunda, einer wohlbefeſtigten Stadt, nach Art des Landes. Sie liegt an der 
wird beſchrie⸗Suͤdſeite des Fluſſes, ungefähr neun engliſche Meilen von Brukoe, und wird in zweene 
ben. Theile oder beſondere Städte getheilet; wovon die eine mit einer großen Anzahl Siboa— 


Den zıften fruͤh reiſte Moore zu Sande von Namyamakunda nach Brukoe, um fein 


baͤumen befeſtiget iſt, die in die Erde geſteckt find, und zwiſchen welchen Thon geſtrichen iſt, 


zur Verſtaͤckung, welches faſt eben fo feſt iſt, als eine ſteinerne Mauer. Die andere Stadt 
iſt 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 105 


ift bloß mit einem geflochtenen Zaune umgeben, wie unſere engliſchen Hürden, der mit vielen 1732 
Stoͤcken befeſtiget iſt. Dieß iſt die gemeinſte Art, die Staͤdte und Factoreyen an der Moore. 
Gambra zu befeſtigen. Dieſes Volk hat feinen rechtmäßigen Fuͤrſten, den Kaiſer von Je— 
marrow, vertrieben, und ſich aus ihren Mitteln einen König erwaͤhlet, Namens Suma. 
Um drey Uhr des Nachmittags gieng er durch eine kleine Stadt, Kolikunda genannt, die 
bloß wegen ihrer artigen Maͤgdchen bekannt iſt; und bald darauf erreichte er Brukoe, 
welche uͤber vierzig engliſche Meilen von Namyamakunda liegt. 
Nachdem er feine Geſchaͤffte in einem oder zweenen Tagen allhier geendigt hatte: fo 

kehrte er den 29ſten wieder zurück, und blieb zu Chaukunda, und kam den folgenden Mor⸗ 
gen früh nach Korah, wo der abgeſetzte Kaiſer von Jemarrow lebte, und dem Verfaſ— 
fer eine Schuͤſſel Reiß und ſtinkichtes Fleiſch ſchickte, welches das beſte war, das er hatte. 
Er lud ihn auch ein, ihn zu beſuchen. Sie giengen zwo Stunden mit einander ſpatzieren, in 
waͤhrender Zeit der Kaiſer die Umſtaͤnde feiner Abſetzung erzählte, und eine große Zufrie— 
denheit über feine Einſamkeit bezeugte, worinnen er, wie er ſagte, mehr Vergnuͤgen genoͤſſe, 
als in feiner vorigen Hoheit. Gegen Mittag gieng der Verfaſſer durch Fatiko, an den Fatiko 
Graͤnzen von Jemarrow, welches zehn Jahre vorher eine anſehnliche Stadt war. Um 
dieſe Zeit kam ein bekannter Foley oder Fulier von Tomani, Klargee Solee genannt, 
mit vielen von feinen Landesleuten, ſich unter dem Schutze dieſer Stadt niederzulaſſen; ihnen 
wurde aber von den Einwohnern uͤbel begegnet, die ihnen ihr Vieh wegfuͤhrten. Die Fo⸗ 
leyer ertrugen ſolches eine Zeitlang, bis endlich ihre Geduld ausriß, ſie unter ihrem Haupte 
die Waffen ergriffen, die Stadt anfielen, einige toͤdteten, andere gefangen nahmen, und fie 
zur Erſetzung ihres Schadens verkauften. Seit der Zeit iſt der Ort hindangeſetzet worden, 
und es wollen nur wenig Leute daſelbſt leben, weil ſie im uͤbeln Rufe ſind, daß ſie die Gaſtfrey⸗ 
heit gebrochen. Des Abends erreichten fie Nampamakunda. Den 20ſten des Abends 
hatten ſie eine gaͤnzliche Mondfinſterniß, von halb neun Uhr bis ein Vierthel nach Zehn 1). 

Den ıgten des Chriſtmonats gieng Connor, Herrn Moores Beyſtand, nach Nakka⸗ Factorey zu 
way, und bald darauf kam ein Bothe von dem Alkade von Brukoe, Herrn Moore zu Brukoe 
berichten, daß die Factorey der Geſellſchaft abgebrannt wäre, und der Factor, Philipp brennt ab. 
Galand, welcher aberwitzig geworden, ſich ſelbſt erfäufen wollen. Hierauf ließ Moore 
Connorn zuruͤckrufen, und reiſte noch den Abend nach Brukoe ab, wo er den folgenden 
Tag in zwanzig Stunden ankam, da es vierzig engliſche Meilen weit war. Er fand Herrn 
Galaͤnd in des Alkades Haufe krank, der die Schlüffel von dem Waarenhauſe der Geſell⸗ 
ſchaft hatte, welches von dem Feuer gerettet worden. Den zıjten machte Moore ein Ver⸗ 
zeichniß von den Guͤtern, und ſchickte einen Brief nach dem Jamesfort, um dem Rathe von 
dieſer ſchlimmen Zeitung Nachricht zu geben. Den zıften gieng ein Langboot, welches zu 
dem Verſuche, einem einzelnen Kauffahrer unter dem Hauptm. Clarke, gehoͤrte, bey Brukoe 
auf feinem Wege auf dem Fluſſe vorbey. Es ſagte den Bedienten, als fie ihm zuriefen, 
es gehoͤrte Signor Anton Voß von Tankrowal, und wollte nach dem Hafen Baßi gehen, 
Sklaven hinab zu bringen. Die Urſache, daß fie nicht gern wollten erkannt ſeyn, war die 
Furcht, die Eingebohrnen möchten fie wegen der uͤbeln Begegnung wegnehmen, die fie von 
den einzelnen Kauffahrern erlitten, und weil dasjenige, was dem Hauptmanne Major. ei: 
nige Monate vorher zu Kaſſan begegnet, fie in Schrecken geſetzet. 8 

' en 


I) Moores Reiſen, a. d. 138 u. f. ©. 
Allgem. Reiſebeſchr. UI Band. 8 


106 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1733 Den öten Jenner 1733 gegen Sonnenuntergang kam eben das Boot zuruͤck, und der 
Moore. Oberſteuermann, Herr Hayes, kam den Herrn Moore in der Factorey zu Brukoe zu 
eee beſuchen. Als Galand von der Ankunft des Boots hoͤrte: ſo bath er den Herrn Hayes, 
verfinge er möchte ihn zum Hauptmanne Clarke an Bord bringen, von dem er verſchiedene Noth⸗ 
wendigkeiten kaufen muͤßte. Herr Moore und der Alkade bemuͤhten ſich, ihm ſolches 
auszureden, aber vergebens, und das Boot gieng um Mitternacht ab, und Herr Galand 
darinnen. Den zten gegen Mittag kam Herrn Galands ſchwarzer Bedienter nach Bru⸗ 
koe zuruͤck, und erzählte Herrn Moore, daß fein Herr und Herr Hayes beyde ertrunken 
waͤren, und daß er und der Bootsknecht mit großer Muͤhe entkommen waͤren. Den folgen— 
den Abend kamen der Bootsknecht und Sprachverſtaͤndige des Boots zu Brukoe an, und 
durch ein gaben Herrn Moore dieſe Nachricht von ihrem Ungluͤcke. Um vier Uhr des Morgens 
Wallroß verließen fie Brukoe. Da fie neben den Inſeln Sappo waren, fo hörten fie ein großes 
Geraͤuſch in dem Waſſer gerade vor dem Boote; und da ihnen der ſchwarze Sprachverftän- 
dige berichtete, es waͤre ein Geſchwader Wallroſſe, ſo befahl ihm Hayes eine geladene 
Flinte unter ſie zu ſchießen, welches er that. Ehe aber noch der Blitz von der Pfanne aus 
feinen Augen verſchwunden war, wurde das Boot, welches ſtark ruderte und mit dem Stro- 
me gieng, mitten unter ſie gebracht; da denn eins von ihnen, welches vermuthlich verwun⸗ 
det war, mit ſeinen Fuͤßen um das Boot herum plantſcherte, bis es ein Stuͤck aus dem 
Boden geſchlagen. Als die Bootsknechte merkten, daß das Boot voll Waſſer ward, ſo 
riefen fie Herrn Hayes, welcher befahl, daß fie gerade nach dem Ufer fahren ſollten. Allein 
und zwoPer⸗ zwanzig Ellen davon ſank das Boot gerade unter; und die Herren Hayes und Galand 
fonen erſauf⸗ erſoffen, weil fie nicht ſchwimmen konnten m). 
fen. Die beyden Leute, welche ſich am Ufer gerettet, blieben bis gegen Mittag an dem Orte, 
wo das Boot verſunken. Weil ſie aber aus Mangel der Lebensmittel faſt verhungerten, und 
keine Waffen hatten, ſich wider die wilden Thiere zu vertheidigen: ſo kamen ſie nach Bru⸗ 
koe, und erſuchten Mooren um Huͤlfe, bis ihnen Hauptmann Clarke Beyſtand ſchicken 
koͤnnte. Weil das Boot gerade unter geſunken war, ſo daß es bey niedrigem Waſſer fuͤnf 
Fuß tief lag, und ſein Maſt hervorſtund; und weil ſie glaubten, daß noch etwas von den 
Guͤtern koͤnnte gerettet werden, welche aus anderthalb hundert Stuͤcken Wachs, und eben 
ſo vielen Zaͤhnen beſtund: ſo bekam Moore einen Schmidt, ihnen Haken zu machen, 
und ſchickte ſechſe von den Bedienten der Compagnie mit hinab, dasjenige in Sicherheit zu 
bringen, was ſie aus dem Boote heraufbringen koͤnnten, und ſchrieb an den Hauptmann 
Kuh von ei⸗ Clarke, ihm von der Sache Nachricht zu geben. Indem der Verfaſſer ſchrieb, ſo ward 
nem Wolfe er durch ein Geraſſel in dem Gebuͤſche, nahe bey ſeinem Fenſter, geſtoͤhret; worauf er ein 
zetödtet. Piſtol in die Hand nahm, und mit einem Diener nach dem Orte hingieng, wo fie eine 
Kuh fanden, der von einem Wolfe die Gedaͤrme herausgeriſſen waren. 

Zweene Tage nachher kamen des Hauptmanns Clarke Bootsknechte zuruͤck, und mel⸗ 
deten, fie koͤnnten weder das Boot, noch etwas, das dazu gehörte, ſehen; fie hätten aber auf 
ihrem Wege dahin, drey Kuchen Wachs, einen Sonnenſchirm, ein Ruder und eine leere 
Handkiſte gefunden. Nach ihrer Meynung muͤßte jemand das Boot gepluͤndert haben, 
denn nahe bey dem Orte, vo fie ſolches verlaſſen, hätten fie eine Sagay oder Aſſagay ge⸗ 
funden, welche vermuthlich da gelaſſen worden. Den folgenden Tag kamen n 

8 die 


1) Moores Reiſen a, d. 145 u. f. S. wie auch die 13 ©. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 107 


die dem Suma von Dubokunda zugehoͤrten, nach der Factorey, und bemaͤchtigten ſich des 1733. 
Wachſes, welches die Bootsknechte auf dem Waſſer gefunden hatten, und waren mit dem Moore. 
Wachſe allein nicht zufrieden, ſondern wollten ſich auch der Leute bemaͤchtigen, und fie ver- Schwar * 
kaufen. Allein der Alkade von Brukoe und Moore vermochten fie dahin, den Streit bemächtigen 
fo lange zu verſchieben, bis des Hauptmanns Clarke Boot angekommen. Zweene Tage ſich einiger 
darauf kam das Boot; die Schwarzen aber blieben auf ihrem Entſchluſſe, fich der Leute des Engländer, 
Hauptmanns Clarke, als Schmuggler zu bemaͤchtigen, weil fie auf dem Fluſſe kaͤmen zu 
handeln, ohne daß der Koͤnig zu Dubokunda ſie gerufen haͤtte. Denn ſie ſagten, es haͤtte 
niemand ein Recht, auf dem Fluſſe zu handeln, als die Compagnie. Sie forderten alſo 
von dem Hauptmanne Clarke hundert Stangen für einen jeden von feinen Leuten, und droh⸗ 
ten, ſie ſonſt Lebenslang zu Gefangenen zu behalten. Endlich wurde Woore nach einem 
Streite von ſechs Stunden genoͤthiget, ihnen zu ſagen, ſolche Gewohnheit wuͤrde machen, 
daß die Compagnie die Factorey aufgaͤbe; und wofern fie nicht die Leute losließen, fo wollte 
er nach dem Fort ſchreiben, man follte ihm keine Güter mehr ſchicken: wenn fie ihm aber 
die Leute ausliefern wollten, ſo wollte er es bey dem Hauptmanne Clarke, der ſein Bekann⸗ 
ter waͤre, dahin bringen, daß er ihnen Brandtewein und einige andere Guͤter ſchenkte, wel⸗ 
ches fie zuletzt eingiengen, Er bezahlte auch ſechs Stangen für einen jeden Mann, ehe er 
des Koͤnigs Erlaubniß erhalten konnte, ſolche fortzuſchicken. ei 

Den zıften Jenner kam die Schaluppe, Jameseyland, unter dem Hauptmanne Das 
fon zu Brukoe an, mit dem Befehle, Moore ſollte die Factorey zu Namyamakunda 
dem Herrn Connor uͤbergeben, und die Bedienung bey der andern uͤbernehmen, zu deren 
Aufbauung Materialien mit der Schaluppe geſchickt wurden. Brukoe liegt ſiebenzig Factoret zu 
Seemeilen über Joar, an der Suͤdſeite der Gambra, in dem Lande Jemarrow, eine klei⸗ Brukoe. 
ne halbe Meile von dem Fluſſe. Die im Jahre 1732 daſelbſt angelegte Factorey, welche 
abgebrannt war, wurde nun wieder erbaut. Die Compagnie aber verließ ſie ein oder ein 
Paar Jahre darnach ). Den zten des Abends erhielt Moore Nachricht, daß der Haupt⸗ 
mann Williams, Schiffer von einer Brigantine, die zu Joar handelte, einige Sklaven 
gekauft gehabt; weil er aber nicht recht auf fie Acht gegeben, fo hätten fie ſich empoͤret, und 
viele von dem Schiffsvolke gerödter: Dem Hauptmanne wären auf eine erbaͤrmliche Art 
die Finger abgehauen, und er waͤre noch durch Schwimmen entronnen, daß ſie ihn nicht 
getoͤdtet hätten; wodurch er gluͤcklich nach Jamesfort gekommen, wo ihn der Statthalter 
freundlich aufgenommen; und von da waͤre er nach England gegangen. 

Den ıöten März hatten fie viel Donner und Blitz, welches etwas ungewoͤhnliches zu 
dieſer Jahrszeit iſt. Die Eingebohrnen ſahen ſolches als Vorbedeutungen vom Kriege 
und Unruhen in dem Lande an, welches ſich im folgenden Jahre zutrug, ſaget Moore, da 
die Geſellſchaft ihren Vortheil durch die vielen Sklaven machte, welche ſie kaufte. Den 
aten kam die Schaluppe, das volle Glas, unter dem Hauptmanne Moore, deſſen Schu— 
ner im vergangenen Jahre zu Kaſſan weggenommen worden, auf ihrem Wege nach Na⸗ 
myamakunda zu Brukoe an. Sie hatte eine gute Anzahl Stuͤcken, und genugſame 
Mannſchaft am Borde; und man hatte die Abſicht, entweder einen guten Handel zu treffen, 
oder von den Eingebohrnen wegen des Verluſts zu Kaſſan Genugthuung zu erhalten. 
Den 27ften fand Moore bey einer Stadt eine engliſche Meile von Brukoe einen ungeheu⸗ 
| O 2 ren 
) Moores Reifen a. d. 130 u. f. S. mit der rot und 114 S. zuſammengehalten. 


18 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


V3 ren Scorpion, zwölf Zoll lang, und den aten May gieng er in des Herrn le Maigre 
moore. Schaluppe hinab nach Joar. Da er aber unterwegens den Hauptmann Saxby auf 
Ein neu er der Schaluppe, Fama, welcher mit einer Ladung Salz den Fluß hinauf gieng, Korn fuͤr 
Statthalter das Jamesfort zu kaufen, antraf: ſo erhielt er Nachricht, daß Herr Hull aus England 
kömmt an. zu Jamesfort angekommen, und zu des Statthalters Herrn Rogers Nachfolger beſtimmt 
ſey, welcher wieder zuruͤckgehen wollte. Auf dieſe Zeitung hielt er fuͤr dienlich, nach ſeiner 

Factorey zurück zu gehen. Unterwegens hatten fie einen heftigen Tornado. Den ı2ten 

May hatten ſie eine gaͤnzliche Mondfinſterniß zu Brukoe, welche eine Stunde lang dauerte. 
Verhaltungs⸗ Den sten des Brachmonats kam die Seenymphe, eine Schaluppe unter dem Haupt⸗ 
befehle für manne Broven, zu Brukoe mit einer guten Ladung an, und Herr Roots als Beyſtand 
den Verfaß bey dieſer Factorey. Zugleich erhielt Moore ein Schreiben mit Verhaltungsbeſehlen von 
ſer, dem neuen Statthalter. Weil ſolches von der Geſellſchaft Einrichtung des Handels an 
der Gambra viel Licht giebt: ſo haben wir es fuͤr dienlich erachtet, einen Auszug daraus 
mitzutheilen. Hull meldet ihm alſo: weil die Geſellſchaft fuͤr gut befunden, ihm mehrere 
Commiſſionen wegen des Handels aufzutragen, ſo hoffte ſie, er wuͤrde ſolchen durch ſeine 

Treue in ſeinen Unterhandlungen fuͤr dieſelbe, wie auch durch eine leutſelige Auffuͤhrung 

mit den Ein: gegen die Eingebohrnen und Handelsleute 0), feinen feyerlichen Verbindungen ge⸗ 
gebohrnen maß, gehoͤrig nachkommen. Er ſollte dem Suma ein Geſchenk von fuͤnf Gallonen Rum, 
wohl umzu⸗ wegen des Herrn Sulls Nachfolge des Herrn Rogers in der Aufſicht, nebft den gewoͤhn⸗ 
gehen. lichen Complimenten von Seiten der Geſellſchaft machen, und ihn verſichern, daß ſie ge— 
ſonnen waͤre, den Handel in dieſen Gegenden beſonders mit trocknen Guͤtern, als Zaͤhnen, 

Wachs, Haͤuten oder Fellen von allerhand Art, und Baumwolle, Indigo, Gummi oder 

f andere Güter, die fie zu Hauſe abſetzen koͤnnten, ſtaͤrker zu treiben. Er ſollte ſich bemuͤ— 
Gummidra⸗ hen, eine große Menge von einem gewiſſen rothen Safte zu verſchaffen, welcher häufig aus 
gon zu ver⸗ der Rinde eines Baumes, Pare de Sangue p) genannt, treufelte, und in kurzer Zeit fo 
ſchaffen. hart und dicht würde wie ein Gummi, welches von großem Werthe ſey. Er konnte eine 
halbe Stange für ein Pfund geben; und man erwartete andere Verbeſſerungen des Han— 

dels, damit mehr abgienge, und er mehr zuruͤck ſchickte. Vornehmlich ſollte er zu allen 


Zeiten bedacht ſeyn, feine Arbeitsleute nicht abzuſchaffen, und ſollte mit den vornehmſten 
Stuͤcken Geld g) ſparſam umgehen, und fie nicht ohne große Noth anders, als nur im Handel 


ausgeben. Er ſollte, um entweder ſich oder andere Bediente zu bezahlen, nichts von den 
vornehmſten Guͤtern, oder einige Sklaven, Zaͤhne, Wachs oder Gold, oder einige trockne 


Guͤter von was für Art fie auch ſeyn möchten, nehmen, ſondern fie auf Rechnung der Ge: 


fellſchaft nach dem Fort ſchicken. Er ſollte nichts auf den Sold eines Bedienten der Ge— 


ſellſchaft bezahlen, er möchte entweder zur Schifffahrt gehören, oder ſonſt gebraucht werden; 


und ſollte auch dafuͤr ſorgen, daß diejenigen, die unter ihm ſtuͤnden, nicht in der Geſellſchaft 


Schulden geriethen. Denn ſolche Defecte, und das Geld, welches er denen gegeben, die 


nicht zu ſeiner Factorey gehoͤrten, wuͤrden auf ſeine eigne Rechnung gehen. 


Nicht mit Er ſollte ſeinen Handel mit den Eingebohrnen, nicht mit dem von den Portugieſen oder 
3 Portu- Kaufleuten 7) vermengen, unter dem Vorwande, den man bisher gehabt, es dahin zu 
gieſen zu | brin⸗ 

handeln. g 


0) Eine fehr nothwendige und wichtige Lehre, Leutſeligkeit und Gerechtigkeit haben. 


die aber nur gar zu oft von Leuten aus den Aus ) Beſſer Pao de Sangre d. i. im Portugieſiſchen 


gen geſetzet wird, welche keinen Begriff von Blutholz, welches der Gummidragonbaum iſt. 


| 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 109 


bringen, daß der Kaufleute und portugieſiſche Handel mit Sklaven, Zähnen oder Wachs 
billiger herauskaͤme; denn ſo wie die Sklaven von den Eingebohrnen wohlfeiler gekauft 
wuͤrden, als von den Kaufleuten, ſo verkauften dieſe ihr Gold, ihre Zaͤhne und ihr Wachs 
weit unter dem Preiſe, oder faſt um die Haͤlfte deſſen, was die Portugieſen forderten. 
Man erwartete daher, daß alle kuͤnftige Handlungsvergleiche in ſeine Kladde richtig wuͤrden 
eingetragen werden, damit man daraus den wahren Zuſtand des Handels und der Vorfaͤlle 
ehen, und ſolches ein Wegweiſer für feine Nachfolger, welche neu ankaͤmen, ſeyn koͤnnte, 

ie Geſellſchaft hätte daher befohlen, die Rechnungen ſollten auf ſolche Art gefuͤhret wer— 
den, daß man den Gewinnſt und Verluſt einer jeden Factorey leicht erkennen koͤnnte, 
Dieſer Urſache wegen follte er kuͤnftig die Verzeichniſſe von denen Gütern, die ihm geſchickt 
wuͤrden, mit denen Preifen erhalten, die fie in England gekoſtet hätten, und er ſollte fie auch 
fo in feine Bücher eintragen. Alle Arten von Gütern aber, die er wegſchickte, ſollten nach 
ihrem wirklichen Werthe angeſetzt werden, den ſie goͤlten und wofuͤr ſie in denen Gegenden, 
wo er ſich aufhielt, gekauft würden, nach Stangen, Schillingen und Pence. 

Bey einer jeden Ueberſendung ſollte er den wirklichen Preis mit uͤberſchicken, und mel- 
den, was fuͤr beſondere Guͤter er fuͤr eine jede uͤberſchickte Art von Sklaven, Zaͤhnen, Gold 
und Wachs bezahlt hätte, Und weil einige von den Bedienten der Geſellſchaft, ihrem 
Vertrage zuwider, ſich unrechtmaͤßige Vortheile gemacht: fo hätte itzo die Geſellſchaft ihren 
Sold auf fuͤnf Schilling fuͤr einen jeden verkaufbaren Sklaven; fuͤnf Schilling und zwey 
und ſechs Pence fuͤr jede hundert Pfund große und kleine Zaͤhne; fuͤnf Schillinge fuͤr jede 
Unze Gold, und zwey und ſechs Pence fuͤr jede hundert Pfund Wachs, welche nach dem Fort 
geſchickt wuͤrden, erhoͤhet. Sie hoffte daher, es wuͤrde ihn dieſes antreiben, ihre Guͤter 
ſo vortheilhaft, als er koͤnnte, abzuſetzen und auch auf alle andere Vortheile zu ſehen, und 
daß nicht allen bloß ſeinet, ſondern der Compagnie wegen. Wenn er anders verfuͤhre, ſo 
wuͤrde ſolches nicht nur wider Treu und Glauben ſeyn, ſondern er wuͤrde auch den vor— 
nehmſten Theilhabern Unrecht thun, welche dieſe ihre Gebühren nur von dem bloßen Ges 
winnſte naͤhmen, der aus dem Handel entſtuͤnde. 8 

Er ſollte aus verſchiedenen Urſachen kein Gold von den Portugieſen oder andern uͤber 
zwoͤlf Stangen die Unze; hundert Pfund große und kleine Zaͤhne, nicht anders als für acht 
oder ſechzehn Stangen; und hundert Pfund Wachs für zwölf Stangen hoͤchſtens kaufen. 
Denn wenn man von den Portugieſen Gold oder andere Guͤter fuͤr einen hoͤhern Preis 
kaufte: fo würde man fie nur mit Gütern und ſolchen Münzen verſehen, die fie brauchten, 
mehr Handlung auf dem Fluſſe in ſeinen Gegenden, zu geringem oder gar keinem Vortheile 
der Geſellſchaft, zu treiben. Er ſollte auch den Herrn Roots, der ihm zum Beyſtande ge— 
ſchickt würde, in dem Handel und den Gebraͤuchen in feinen Gegenden unterrichten; fo 
daß, wenn er, der Verfaſſer, weggerufen, oder zu einem beſſern Poſten befoͤrdert wuͤrde, der 
andere fähig ſeyn möchte, die Sachen der Compagnie zu beſorgen; vornehmlich ſollte er 
ſeinen Gehuͤlfen, allen Handel oder alle Verrichtung eines jeden Tages in ſeine, naͤmlich 
Moores, Kladde einſchreiben laſſen; ſolches Buch ſollte er zu Ende des folgenden Brach— 
monats ſchließen, und hernach von dem Ende des Brachmonats bis zum Ende des Au— 

O 3 guſts 
7) Die vornehmſten Münzen oder Güter find ge gilt im Handel fo viel, als eine Unze Silber. 
eiferne Stangen, Glasknoͤpfchen, Thaler mit einem „) Unter Kaufleuten werden Mandingoer ver 
Adler, eherne Pfannen und Arangos. Eine Stan⸗ ſtanden. 6 


1733 
Moore. 
—ů— 


Sold' der 
Factore 
wird erhoͤ 


Preiſe, die 
er beobach⸗ 
ten ſoll. 


1733 
Moore. 


Portugieſi⸗ 
ſcher Handel 
iſt vortheil⸗ 
haft. 


Unrecht, wel⸗ 
ches den Ein⸗ 
gebohrnen 
angethan, 


verurſachet 
vielen Scha⸗ 
den. 


Hauptleute 
Leach und 
Cooper 


110 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Auguſts, und fo weiter alle zweene Monate: Diefe Bücher ſollte er mit der erſten Gele⸗ 

genheit nach dem Forte hinabſchicken, nachdem er eine Abſchrift davon genommen, die in 

feiner Factorey aufbehalten werden ſollte H. Sn 
Was den portugieſiſchen Handel anbetraf: fo bemerket Moore in feiner Antwort, er 


Ly wegen des Verboths ſehr bekuͤmmert, weil er gewiß wüßte, es würde ein Schaden für 


die Geſellſchaft ſeyn; indem man mit ihnen eben fo viel Handel treiben koͤnnte, als mit den 
Mandingoern. Er verſichert, daß, wenn die Kaͤhne den Fluß herabkaͤmen, und begierig 
waͤren, mit ihm zu handeln, es ihnen nicht am Gelde fehlte, mehrern Handel zu treiben, 
fondern bloß Zeuge zu Joar und Kower zu kaufen; und daß, ehe fie ihr Wachs und 
Zaͤhne fuͤr die obgedachten Preiſe verkauften, ſie ſolches lieber zu den einzelnen Kauffahrern 
hinabfuͤhren, und es mit groͤßerm Vortheile verkaufen würden, Er verwundert ſich auch, 
daß ihm unterſagt ſeyn ſollte, Eiſen oder andere Sachen, welche als die vornehmſte Muͤnze 
gebraucht würden, zu nehmen, und Koſt dafür anzuſchaffen, weil es unmöglich wäre, ohne 
ſolches Lebensmittel anzuſchaffen; und wenn es die Compagnie verboͤthe, fo müßte die Fa⸗ 
ctorey verhungern. Zur Antwort auf dieſe Vorſtellung meldete ihm der Rath, man unter⸗ 
ſagte ihm nicht, mit den Portugieſen zu handeln, ſondern befoͤhle ihm nur an, ſich nicht von 
den Hauptſachen zu entbloͤßen; noch einiges Eiſen mehr auf das Gold aufzugeben, als wie es 
der gemeine Preis auf dem Fluſſe wäre, Was die Nothwendigkeiten zur Koſt betraͤfe: fo 
erlaubten ſie ihm, Eiſen zu nehmen; doch ſollte er ſo haushaͤlteriſch damit umgehen, als es 
moͤglich waͤre. 

Den ızten May kam die Schaluppe, das volle Glas, unter dem Hauptmanne Moe⸗ 
re, den Fluß herab, nachdem fie zweene Monate zu Namyamakunda mit gutem Nutzen ge: 
handelt, welches man dem Hrn Connor, Factore der Compagnie daſelbſt, zuſchrieb. Außer 
deſſen Beſchuͤtzung aber wuͤrden ihn die Eingebohrnen umgebracht haben, welches zu thun 
fie fih oftmals bemuͤhten, weil er ihnen viel Unrecht angethan hatte, vornehmlich im vorigen 
Jahre, da er, nach ihrer Ausſage, Reichsthaler mit dem Adler von Zinne gemacht, und fol- 
che im Handel fuͤr Silber ausgegeben. Dieſes reizte die Eingebohrnen dergeſtalt, daß ſie 
ſich entſchloſſen, ſich zu raͤchen; fo daß der Hauptmann Moore es ſelten wagte, anders, 
als wohl bewaffnet, ans Ufer zu gehen. Herr Connor hatte, wie Moore meynet, eine 
gute Vergeltung fuͤr dasjenige erhalten, was er gethan. In eben der Nacht ſegelte die 
Schaluppe den Fluß hinab, und in der Nacht nach ihrer Abreiſe von Brukoe wurde ſie 
in dem engſten Paſſe des Fluſſes, zwiſchen einem Eylande und dem Hauptufer, von hundert 
Schwarzen angegriffen. Die Leute fochten tapfer; und obgleich die Schaluppe in dem 
Gefechte auf den Grund lief: ſo kam ſie doch bald wieder los. Der Schreiber, Herr 
Lowther aber, hatte das Ungluͤck, in den Bauch geſchoſſen zu werden, und ſtarb den folgen— 
den Tag. Ein Schwarzer wurde erſchoſſen, und ein anderer in dem Schenkel verwundet. 

Den igten kam ein Langboot mit den Herren Joh. Leach und Joh. Cooper, ehema— 
ligen Schiffern auf den Schaluppen in der Compagnie Dienſten. Nachdem ſie aber ſo 
viel gewonnen, daß fie einige wenige Sklaven kaufen koͤnnen: fo hatten fie für ſich ſelbſt 


zu 
5) Woores Reiſen a. d. 156 u. f. S. ſtehen zu ſeyn. Als man dieſem Menſchen Pbi⸗ 
t) Ebendaſ. a. d. 164 u. f. S. lipſens Schenkel gezeigt hatte: ſo ſagte er, er wollte 


u) Unter den Muhammedanern an dieſen und ſolchen heilen, ohne daß er die Beſchwerlichkeit ha⸗ 
vielen andern Orten ſcheinen die Marbuten zu vers ben ſollte, ſechshundert kleine Meilen in einem offs⸗ 
nen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Caw. mu 


zu handeln angefangen, und wollten nach Kutteſar oder Sami gehen, um dafelbsft zu han- 1733 
deln und ſich niederzulaſſen. Ungefähr eine Woche darnach erhielt der Verfcaſſer einen Moore. 
Bothen von dem Forte, mit den Hauptleuten Cooper und Leach nichts zu thun zu ha⸗ 

ben, oder mit ihnen zu handeln; denn fie hätten die Dienſte der Geſellſchaft niedertraͤchtige 

Weiſe verlaſſen, unter dem Vorwande, daß fie von ihren Freunden Briefe erhaliten, nach 

England zuruͤckzukehren, damit fie nur einen Handel führen koͤnnten, welcher dem Nutzen 

der Geſellſchaft nachtheilig waͤre 1). 

Den ızten des Heumonats kam die Schaluppe Gambra, unter dem Hauptmanne 
Leſon, zu Brukoe von Jamesfort an, mit dem Befehle an Herrn Moore, nach) Yamyas 
makunda zu gehen, Herrn Connor nachzufolgen, welcher aͤlteſter Factor geworden war, 
und nach dem Forte gerufen wurde; und er uͤberließ Herrn Roots die Factorey zu Bru⸗ 
koe. Den ızten des Heumonats verließ der Verfaſſer Brukoe, und ſegelte auf deem Fluſſe 
nach Dubokunda, wo er ſich von dem Suma beurlaubte, unter deſſen Schutze die: Factorey 
Brukoe iſt. Von hier gieng er nach Kuttejar, wo die Herren Leach und Cocoper ſich ſetzen ſich zu 
ein Haus baueten, um ſich daſelbſt wider der Compagnie Willen niederzulaſſen. Hier mie- Kuttejar. 
thete er Pferde, um zu Lande nach Sami zu gehen, und befahl, der Kahn ſollte bis nach 
Fendalakunda, zehn engliſche Meilen uͤber Namyamakunda, fortgehen. Deen Abend 
blieben ſie bey le Maigies, dem Factore der Compagnie zu Sami, zu welchem er das 
ganze Jahr durch Sklaven ſchicket, das Stuͤck zu vierzig Stangen. Sami liegt zwoͤlf engli⸗ 
ſche Meilen an dem Fluſſe gleiches Namens hinauf, und hat einen guten Handell. Den 
folgenden Morgen waren ſie Willens, uͤber den Fluß zu gehen, und nach Fendalaktunda zu 
reuten. Die Eigenthuͤmer der Pferde aber wollten nicht leiden, daß ſolche hinüber ſchwaͤm⸗ 
men, aus Furcht vor den Crocodilen, die hier ſehr zahlreich und auch gefährlich ſindd, indem 
ſie oftmals die Menſchen bey den Beinen erwiſchen, und ſie wegfuͤhren, wenn ſolchee in dem 
Fluſſe waten. Da ihnen ihre Abſicht alſo fehl ſchlug: fo giengen fie in einem Kalhne uͤber 
den Fluß, und in dreyen Stunden nach Fendalakunda, welches zehn engliſche Meilen 
weit iſt. Hier blieben ſie bis den Abend, da ihr Kahn ankam, worauf ſie nach Mamya⸗ 
makunda, aber auf eine ſehr verdrießliche Art, giengen; indem die Winde fo ſteark was 
ren, daß ſie nur langſam wider dieſelben fortgehen konnten. 

Den ızten ſehr früh kamen fie ans Ufer, und giengen nach der Factorey; deer Kahn Der Verfaſ— 
aber, ob er gleich mit ſechs guten Ruderern wohl bemannet war, kam vor Abends micht an. fer wird wei- 
Nachdem Moore den ıgten ein Verzeichniß der Güter von der Compagnie gemacht hatte: e 
fo gieng Connor um Mitternacht mit eben dem Kahne nach Jamesfort. Bey dieeſer Ge- 2 
legenheit ſchrieb Moore an die Herren im Forte, um ihnen fein Misvergnuͤgen zu bezeu— 
gen, daß fie ihn weiter hinaufgeſetzet, und daß er, wie ſehr er auch dem Nutzen der Geſell⸗ 

ſchaft ergeben waͤre, doch nicht ihren Befehl ausrichten koͤnnen, weil er einige Zeit unpaͤß⸗ 
lich geweſen. Den asften kam Philipps, Factor zu Fatatenda, auf feinem Werge nach 
Jamesfort, lahm und im Fieber, mit einem boͤſen Beine herab, welches ein Muhannmeda⸗ 
ner ) mit Umſchlagung einiger Kräuter curirt hatte. 


Den 


nen Boote zu reifen; denn ſo weit, ſaget unſer Ber: nicht über fuͤnfhundert Meilen von der Muͤnidung des 
faffer, liegt Yamyamafunda und Jamesfort von ein- Fluſſes entfernet liegt; und wenn wir die Weite von 
ander. Dieß kann aber nicht feyn, weil des Haupt?“ Namyamakunda rechnen, ſo wie ſie von Mooren 
manns Leach Karte rechnet, daß Barrakondg zwischen dem Orte und Brukoe, Aussejaw, Fata⸗ 

tenda 


112 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

1738 Den raten des Herbſtmonats flieg die Gambra und das Waſſer in den Reißgruͤnde 
Moore. und Thaͤlern fo hoch, daß es anfing, in den Umfang rund um das Factorhaus vorn un 
Do. Kinten zu dringen. Den folgenden Morgen fand Moore das Haus ganz mit Wall 

bra tritt aus, umgeben, welches nun zuſammenfloß; und indem es fortfuhr zu wachſen, ſo hatte es d 
Wände untergraben, fo daß fie anfingen zu knacken. Er ſpannte daher alle Bediente aı 
ihm ein Haus mitten in der Stadt Namyamakunda zu bauen, welches der hoͤchſte Or 

da herum war. * 

und zerſth⸗ Als den folgenden Morgen, den 16ten, das Waſſer bis an die Mauren der Factore 

ret die Facto⸗ geſtiegen, die nur vom Leime waren, und bereits zu fallen ſchienen: fo eilte er, die Gute 

rey. der Compagnie nach feiner neuen Hütte zu bringen, und verließ die Factorey, nachdem e 
die Sklaven den vornehmſten Leuten in der Stadt anvertrauet hatte. Es drungen nur 
mehro Froͤſche, Kroͤten, Schlangen und Fiſche beſtaͤndig in die Factoreh. Um Mitternad 
fielen einige von den Mauren mit einem Geraͤuſche, gleich einem Donner, ein: das Dae 
aber ſtund feſt. Nach zehn Tagen war der Fluß voller ſchwimmenden Inſeln, einige vo 
fuͤnf und zwanzig Ellen lang, mit vielen Staͤmmen von Baͤumen, und zuweilen kleine 
wachſenden Baͤumen, und auf denſelben Voͤgel. Die Wurzeln, welche dicht in einande 
geflochten, und mit Erde befeſtigt waren, machten, daß ſie floſſen; und ſie ſchienen Stuͤck 
von denen durch die Fluth weggeriſſenen Waldern zu ſeyn. 

Nachricht Den 18ten kehrte Philipps, der meiſt geheilt war, nach Fatatenda, zu Lande in einer 
von der le⸗ Kahne zuruͤck, indem der Weg einige Fuß hoch unter Waſſer ſtund. Zweene Tage her 
berſchwem⸗ nach fing das Waſſer an zu fallen. Die Einwohner erinnerten ſich ſolcher Ueberſchwem 
ER mung feit acht Jahren nicht. In der letztern litte die Compagnie vielen Schaden; den 

es ward damals ihre Factorey zu Kuttejar uͤberſchwemmt, und ſie hatte kaum einige Guͤ 
ter in Sicherheit gebracht, welches aber izt nicht war. Moore hatte das Vergnuͤgen z 
4 ſehen, daß nicht das Geringſte von den Guͤtern verlohren gegangen, oder Schaden gelitten 
oder ſonſt die Geſellſchaft einige Unkoſten gehabt, außer daß ſie das Factoreyhaus wiede 
muͤſſen ausbeſſern laſſen, welches aber nicht viel bedeutet. Alle Thaͤler da herum ware 
unter Waſſer, die Reißfelder faſt verderbt, weil fie fo lange uͤberſchwemmt gelegen. Bo: 
einem Orte zum andern giengen Kaͤhne uͤber die Wege, auf welchen die Eingebohrnen be 
den trocknen Jahrszeiten zu Fuße reiſen; und die Lebensmittel waren ſo rar, daß der Ver 
faſſer zuweilen in zweenen Tagen keine bekommen konnen, weil es an Kaͤhnen gefehlet 
ohne welche es nicht moͤglich war, nur zwanzig Schritte weit von ſeiner Huͤtte zu kommen. 

Philipps Den 26ſten kehrte Philipps in einem ſehr elenden Zuſtande nach Namyamakunda zu 
ungluͤckli⸗ Wruͤck; da er mit feinem boͤſen Fuße an einen Stock von einem Baume geſtoßen, als er aut 
cher Tod; dem Kahne nach der Factorey zu Fatatenda gegangen. Er hatte ihn fo befchädiger, da 

ohne ſchleunige Huͤlfe fein Leben in großer Gefahr zu ſeyn ſchien. Er gieng deswegen nad 
Jamesfort, ſtarb aber unterwegens, ſechs Tage darauf, zwiſchen Namyamakunda un! 
und Rail⸗ Brukoe, wohin er gebracht, und neben Railton, dem Oberfactore daſelbſt, begraben wurde 
tons ſeiner. der den folgenden zten des Wintermonats ſtarb. Sein Tod kam von einem Falle her, den 
er mit dem Kopfe wider die Schwelle feiner Kammerthuͤre gethan, da er feinen ſchwarzer 
Jungen geſtraft hatte. Durch dieſen Zufall hatte er ſich die Hirnſchale entzwey geſchla 
gen, und ſtarb, nachdem er zwoͤlf Stunden ſprachlos gelegen. a Der 
tenda u. ſ. w. angegeben worden: fo wird fie nicht MDeietheit für die Wendungen der Wege und de: 


über hundert und funfzig Mellen von Jamesfort in Fluſſes dazu giebt, kanu fie nicht mehr als zwey 
gerader Linie ſeyn, und folglich, wenn man noch ein hundert Meilen ausmachen. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 113 


Den 27ſten, da der Verfaſſer Nachricht hatte, daß man damit umgienge, die Sklaven 1733 
aus dem Hauſe zu ſtehlen, wo ſie auf ſeine Anordnung verwahrt wurden; und da er fand, Moore. 
daß das Factoreyhaus ziemlich trocken war, indem einige Waͤnde und das Dach ſtehen ge— 
blieben: verließ er ſeine Huͤtte, und kehrte wieder nach der Factorey zuruͤck, um daſelbſt 
zu leben, wohin er auch die Sklaven und andere Guͤter der Compagnie bringen ließ. 

Den ıften des Chriſtmonats, da einige von den Eingebohrnen ein Netz bekommen 255 Ein Torpedo 
ten, kamen fie und bathen, er möchte doch in der See über Vamyamakunda fiſchen. ie wird gefan⸗ 
fingen eine große Menge Fiſche, und unter andern auch einen, der einem Gruͤndlinge etwas gen. 
gleich, aber viel groͤßer war x), und durch feine loͤhmende Kraft, wenn man ihn anruͤhrte, 
darthat, daß er der Krampffiſch, oder Torpedo war 7). 


Der IV Abſchnitt. 
Fortſetzung der Reiſen des Verfaſſers an dem Fluſſe. 


wieder nach Kuttejar. Die Schaluppe wird von 


Die Factorey zu Yamyamakunda wird wieder er⸗ 
den Negern angegriffen. Die wahre Veranlaſ⸗ 


baut. Die Waͤnde, wie ſie aufgefuͤhret werden. 


Der Alpainter oder Vorhof. Art, mit Schilfe 
oder Strohe zu decken. Abtheilungen und Zim⸗ 
mer. Hof zum Gartenwerke. Die Factorey 
zu Fatatenda wird abgebrochen. Die Jalloifer 
oder Jalofer bemaͤchtigen ſich einiger einzelnen 
Kauffahrer. Des Statthalters Hull Sorgfalt 
fuͤr dieſelben. Beſchreibung von Kuttejar. Strei⸗ 
tigkeit wegen eines Pferds. Der Verfaſſer geht 


ſung dazu. Der Verfaſſer bleibt zu Sami. 
Leach und Cooper werden wieder in der Compa⸗ 
gnie Dienſte genommen. 


koͤmmt von England an. Sanagagummi, und 


Gummidragon. Gummiwaͤlder, wo ſie liegen. 


Furcht vor dem Kriege. Bumey Haman Seaka 
in Waffen. Seine freundliche Bothſchaft an 
den Verfaſſer. 


Job Ben Salomon 


Den 20ſten des Chriſtmonats kam die Schaluppe Fama, auf ihrem Wege nach Fata⸗ Die Faetorey 
tenda, zu Vamyamakunda an. Sie brachte zugehauene Mangroven mit, welches die zu Yanıya- 
beiten Baͤume zum Bauen allhier find, um die Faetorey wieder aufzubauen. Die befon- 1 
dere Beſchreibung derſelben, welche der Verfaſſer gemacht hat, kann einen guten Begriff Beh 
von der Art und Beſchaffenheit dieſes Gebäudes geben. 5 
Herr Moore erwaͤhlte zur Lage einen hohen Grund, ungefaͤhr funfzig Ellen weit vom 
Meere; und nachdem er einen Ort zum Hauſe, vierzig Fuß im Vierecke, bezeichnet hatte: 
ſo richtete er zuerſt die beyden großen Gabeln oder Kruͤcken auf, mit einem Dachbalken auf 
denſelben. Dieſe waren ungefaͤhr dreyßig Fuß lang, ſteckten vier Fuß tief in der Erde, 
und ſtunden acht und zwanzig Fuß weit von einander. Das Viereck des Hauſes wurde 
von kleinern und kuͤrzern Gabeln gemacht, die von gleicher Größe vierzehn Fuß lang wa— 
ren, wovon drey in der Erde, und eilf über der Erde ſtunden. Auf dieſe wurde das Ge⸗ 
ſimſe gelegt, und von den beyden Eckgabeln an jedem Ende erſtreckten ſich zweene Balken zu 
der großen Gabel. Von dem Geſimſe zu dem Dachbalken wurden die ſtaͤrkern Sparren 
gelegt, und von dem Geſimſe zu den Balken die kuͤrzern, welche mit Wyths, einer Art vom 
Holze, das zaͤher und ſtaͤrker iſt, als die Weiden, verbunden wurden. Die Sparren gien⸗ 
gen vier Fuß uͤber das Geſimſe weg, damit die Rinnen verhinderten, daß die Waͤnde nicht 
von dem Regen abgeſpuͤhlet wuͤrden 2). Als 
x) Wird nachher in der Naturgeſchichte beſchrieben. 2) Das Haus war nach dem Grundriſſe ein laͤng⸗ 


Moores Reiſen a. d. 170 u. f. S. mit der lichtes Viereck mit einem erhabenen Dache. 
97 S. verglichen. 


Allgem. Reiſebeſchr. Ill Band. P 


133 , 

Moore. 
Wie die 
Wände auf: 
geführet 
werden. 


Der Alpain⸗ 
ter oder Vor⸗ 
hof. 


Art zu decken. 


Abtheillun⸗ 
gen und 
Zimmer. 


Hof zum 
Gartenwer— 
ke. 


14 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Als das Gebaͤlke alſo aufgefuͤhrt worden: fo baueten fie außerhalb den Gabeln die 
Waͤnde zehn Fuß hoch, und einen Fuß breit dicke, mit Thone, welchen die Schwarzen fo gut 
mit ihren Fuͤßen zubereiten, daß er nicht knacket. Sie legten die Wand nur allezeit einen 
Fuß hoch auf einmal, und ließen ſie ſo lange ſtehen, bis ſie hart genug war, die folgende Lage 
zu tragen. Zwiſchen der Wand und dem Dache wurde ein Fuß breit Raum fuͤr die Luft 
gelaſſen; denn da die Wand von ungebackenem Thone war: fo würde fie eingedruͤckt wor- 
den ſeyn, wenn das Geſimſe darauf geruhet hätte, Zugleich führten fie auch die Scheide: 
waͤnde von eben der Dicke auf, und machten den Thon mit Meſſern anſtatt der Kellen ſehr 
eben und glatt, und bearbeiteten ihn ſchoͤn an den Thuͤren und Fenſterraͤhmen. 

Das folgende, was fie machten, war ein Vorhof, Alpainter von den Eingebohrnen 
genannt, welche vorgeben, ſie haͤtten ein Recht, bey jeder Factorey einen zu haben, damit ſie 
einen Zutritt und Schirm haͤtten. Sie baueten dieſen offenen Vorhof von eben den Ma— 
terialien, und legten gefpältete hohle Siboabaͤume zu Traufen hin, damit ſich der Regen, 
da wo die Dächer zuſammenſtießen, nicht einzöge, Nachdem die Wände und Dächer al— 
ſo fertig waren: ſo banden ſie Roͤhre anſtatt der Latten an die Sparren. Hierauf deckten 
ſie ſolche mit Matten, die ſie ſo gemacht hatten, daß ſie verſchiedene Buͤndel Stroh zuſam— 
men gebunden hatten, jedes ſo dick, als eines Mannes Arm, und drey Fuß lang. Dieſe 
breiteten ſie uͤber die Sparren aus, banden ſolche an die Latten, eine Reihe uͤber der andern, 
welche alſo wie Ziegeln uͤber einander lagen. 

Nachdem ſie alſo das Haus gedeckt hatten: ſo ſchlugen ſie das Eſtrich von Thone, der 
hart gerammt ward. Sie ſetzten das Vorrathshaus an der Seite zur rechten Hand, vor 
Feuer und Dieben dadurch in Sicherheit, daß ſie eine große Anzahl ſtarker Gabeln drey 
Fuß tief in die Erde ſchlugen. Auf dieſe legten ſie Balken, und queer uͤber dieſelben ge— 
ſpaltene Siboabaͤume anſtatt der Bretter. Ueber dieſe machten ſie eine Decke uͤber einen 
Fuß dick von eben dem wohlzugerichteten Thone, und fuͤhrten ſolche dicht bis an die Wand; 
ſo, daß kein Holz zu ſehen war. Wenn daher gleich das Dach abbrannte: ſo war das 
Vorrathshaus doch außer Gefahr; denn die Flamme beruͤhrte und zerriß nur die aͤußerliche 
Seite des Thones ein wenig, wie man ſolches wahrnahm, als die Factorey zu Brukoe 
abbrannte. | 2 

Der Verfaſſer hält ſich noch länger bey Beſchreibung dieſer Art von Gebäude auf, um 
zu zeigen, wie leicht das Volk, welches die Europaͤer Wilde nennen, die Bequemlichkeiten des 
Lebens verſchaffen kann. Hier wird ein Haus mit einer Halle von vierzig Fuß lang, und 
dreyzehn breit, zwo Wohnſtuben, von zwanzig Fuß lang, und dreyzehn breit, und drey ſtarke 
Vorrathshaͤuſer, ohne einiges Eiſenwerk, ohne Moͤrtelkellen, Winkelmaaß oder Zimmerſchnur, 
und mit ſehr kleinen Unkoſten von der Geſellſchaft gebauet; denn es wurde alles von ihren 
Bedienten verrichtet, außer der Zubereitung und Aufſchmierung des Thones. Die innern 
Seiten waren aber nicht allein bequem und frey vom Ungeziefer, ſondern auch ſehr ſauber, 
und hatten ein friſches Anſehen, indem ſie eine gute Weiße annahmen. 

Außer dem Hauſe waren zweene ſchattichte Biſchalobaͤume und ein Stuͤck Land, unge⸗ 
faͤhr einen Morgen Acker groß, mit einem Zaune von geſpaltenen Roͤhren, die wie Huͤrden 
geflochten waren, zehn Fuß hoch, eingeſchloſſen. In dieſem Bezirke waren in gehoͤriger 
Weite von der Factorey vier Haͤuſer nach mandingoiſcher Art gebauet. Eines diente zur 
Kuͤchen, das andere zum Salzhauſe, ein anderes zum Kornhauſe, und noch ge: für die 

ſchwarzen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 115 


ſchwarzen Bedienten der Geſellſchaft, darinnen zu liegen. Das Land zwiſchen denſelben 1733 
war zu einem Garten angelegt, und ein Stuͤck davon für Federvieh und andere Thiere ). Moore. 

Den 2ıften des Chriſtmonats gieng die Schaluppe, Fama, weiter hinauf, nach Fata- Die Facto⸗ 
tenda, und kam in neun Tagen wiederum zuruͤck; nachdem ſie die Factorey abgebrochen, rey Fataten⸗ 
und die Güter der Compagnie nebſt Herrn Palmern, dem Oberfactore, herabgebracht hat- da wlrd abe 
te. Die Veranlaſſung dazu war, weil den Bedienten der Geſellſchaft von Hume Badſi, gebrochen. 
Könige von Tomani „), deſſen wir vorher erwaͤhnet haben c), übel begegnet worden. 


Den gten Jenner wurde Herr Moore, der wegen ſeiner ſchlechten Geſundheit, indem 1734 
er mit einem Fieber beſchwert war, gebethen hatte, man möchte ihn zuruͤckrufen, von den 
Herrn Forſyth abgeloͤſet, der an ſeiner Statt zum Factore zu Pamyamakunda beſtimmt 
war. Den ı2ten fhiffte ſich Moore in die Schaluppe, Jacob, ein, und beruͤhrte Tenda⸗ 
lakunda, Kuttejar, und den Hafen Rumbo, bey Joar, und gelangte den 24ften nach 21 5 
mesfort, wo er von dem Statthalter, Herrn Hull, guͤtig aufgenommen wurde. 5 


Als der Statthalter den gen des Hornungs von Jillifrey nach Seaka ritt: fo hatte er 
das Ungluͤck, daß er durch einen Fall vom Pferde den Arm zerbrach. 


Den 18ten Maͤrz kam die Schaluppe, Abentheuer, von Joar herab, mit der Nachricht, Die Jalofer 
daß der Hauptmann Coffin, von der Schnaue, dem Finken, den der Verfaſſer i in dem Ha bemaͤchtigen 
fen Rumbo ſah, wo er acht und ſiebenzig Sklaven gekauft hatte, todt wäre; und daß die ſich einiger 
Ein gebohrnen, welche Jolloifer wären, feinen Oberſteuermann und Wundarzt zu Gefan⸗ ern 
genen gemacht, als fie wieder an Bord rn wollen, 77 9 ſie 5 begraben gebabt. auffahter. 


INT 


9 5 und ein er Weil af niemand da war, die Fuͤhrung zu übernehmen: 
ſo gieng der Statthalter an Bord; und nachdem er alles durchgeſehen, ließ er Herrn Con 
nor am Borde ſchlafen. 


An eben dem Abende wurde die Schaluppe, Abentheuer, wieder nach Joar zuriick Des Statt: 
geſchickt, wegen Ausloͤſung des Oberſteuermanns und Wundarztes zu handeln, für welche halters 
die Jolloifer zwanzig Sklaven werth an Guͤtern forderten. Ihr Vorwand, ſie zuruͤck zu Sorgfalt 
behalten, war, der Hauptmann härte ihnen übel begegnet, da fie mit ihm handeln wollen. e 


Den 22ſten fegelte Herr Moore, nachdem er wieder geſund geworden, in der Schalup⸗ 
pe, Jacob, von Jamesfort ab, mit dem Hauptmanne Nap Grey eine Handelsreiſe zu 
thun. Er hatte Befehl, den Zuſtand der Factoreyen zu unterſuchen, wo die Geſchaͤffte der 
Compagnie von einigen ihrer Bedienten übel verwaltet worden. Den zoften März kam 

P 2 er 
a) Moores Reiſen a. d. 176 u. f. S. men zu Woolley dem Herrn Moore berichteten. 
b) Diefer Zume Badji ſtarb im Jahre 1734, Siehe feine Reiſen, a. d. 190 Seite. 
wie die Bothen von dem Koͤnige und den Vorneh⸗ c) Siehe oben a. d. 102 S. 


s Reißen läugſt der westlichen Küſte von Mein, 
734 er in vierzig Stunden zu Joar an, und den ıften April erreichte er Nanimarew. Den 
Moore. aten erreichte er Brukoe, wo er fand, daß der Oberfactor auf zweene Monate lang kein 
— W Buch gehalten hatte. 5 | | 
Befhres : Den zten kam er nach Kutteſar. Dieſer Ort liegt auf zehn Seemeilen über Dubo⸗ 
bung von kunda, an der Nordſeite der Gambra, eine Meile von dem Fluſſe. Hier hatte die Com⸗ 
Kuttejar. pagnie eine Factorey, die ſehr anmuthig auf einer kleinen Höhe in einer gefunden Luft lag. 
Weil ſie aber im Jahre 1725 uͤberſchwemmt wurde, wodurch fie einen anſehnlichen Verluſt 
erlitt: ſo ward ſie nach Sami verlegt. Hier nahm er von der Schaluppe, Fama, Beſitz, 
und brachte ſeine eigene Ladung an Bord: die Schaluppe, Jacob, aber, die ihn hinauf 
brachte, ſchickte er mit den Herren Palmer und Brown, Factoren zu Kuttejar, zuruͤck, 
als welche Factorey abgebrochen wurde. | 
Streit we⸗ Den ızten erreichte er Vamyamakunda, und blieb daſelbſt bis den sten May, um einen 
gen eines Palaver oder Streit beyzulegen, der zwiſchen der Factorey und den Eingebohrnen wegen 
Pferdes. eines Pferdes entſtanden war, das der Compagnie daſelbſt zugehoͤrte. Es hatte ſolches 
der Alkade von Sutamor nach feiner Abreiſe von da, weggenommen, unter dem Vor⸗ 
wande, Herr Moore hätte ihm vor zwoͤlf Monaten etwas für feine Verwahrung nicht be: 
zahlt. Der Streit daurete eine gute Weile, und es waren faſt uͤber hundert Leute gegen⸗ 
waͤrtig. Zuletzt drohte Herr Moore, nachdem er die Falſchheit feiner Beſchuldigung be- 
wieſen hatte, daß, wofern man ihm nicht ſein Pferd auslieferte, und den Alkade anhielt, 
wegen ſeiner Luͤgen um Verzeihung zu bitten, er die Factorey unmittelbar abbrechen, und 
niemals wieder eine unter ihnen aufrichten wollte. Sie ſtutzten über dieſe Drohung, vor— 
nehmlich da fie ihn in ihrer eigenen Sprache ſchwoͤren hörten, und fein entſchloſſenes Ge— 
muͤth kannten; und giengen daher insgeſammt zum Alkade, und noͤthigten ihn, das Pferd 
wieder zu geben, und um Verzeihung zu bitten 4). 
Geht nach Den sten May gieng er den Fluß hinab nach Kuttejar. In zweenen Tagen kam er 
Kuttejar zu⸗ zu dem Fluſſe Sami, woſelbſt er die Schaluppe, die Seenymphe, nebſt dem Herrn Va⸗ 
rück. lentin Mendez, einem ſchwarzen Portugieſen, antraf, der kuͤrzlich in der Compagnie Dienſte 
getreten, und nach Wallia funfzehn Meilen die Sami hinauf gekommen war, ſich daſelbſt 
niederzulaſſen. Er hatte eine ſchoͤne Ladung von Gütern, und ein Stück vortrefflichen 
Amber von dem Fort. N 
Sobald als der Verfaſſer zu Kuttejar ankam, wo er ſich dem Handel der Herren Leach 
und Cooper zu widerſetzen Befehl hatte: fo bediente er ſich ihrer ſchwarzen Bedienten, Hür- 
ten zu bauen, um darinnen zu wohnen, und die Guͤter niederzulegen; denn die Kaufleute 
des Landes wollen ganz und gar nicht am Borde einer Schaluppe oder eines Schiffes han- 
deln. Den folgenden Tag ſchrieb er hinauf nach Jamesfort, daß Forſyth, der Factor zu 
Damyamakunda, bey den Eingebohrnen ſehr beliebt wäre, wegen Mangel der Güter, und 
vornehmlich des Salzes aber, einen großen Theil von Handlung, und die Factorey viel 
von ihrem Anſehen verlohren haͤtte. Das Salz, ſaget er, muͤſſe man nicht ausgehen laſſen, 
um des Antonio Voß Handlung zu vermindern, welcher ſolche ganz vor ihm gefuͤhret haͤt— 
te. Den ızten kam daſelbſt eine Ladung Salz für den Verfaſſer, und eine andere für For— 
ſyth an, welche weiter gieng. 
Den 


4) Moores Reiſen, a. d. 180 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 97 


Den 25ſten May im Jahre 1734 wurde die Schaluppe, die Seenymphe, von den Ein- 


1734 


gebohrnen auf ihrem Wege von Vamyamakunda nach Wallia angefallen. Sie liefen, auf Moore. 
Anreizung eines Schwarzen, zuſammen, der neulich in des Statthalters Dienſten geſtanden, . Oma 
welcher ihnen berichtet, der Statthalter wollte ihm feinen Lohn nicht geben. Sie nahmen ſuppe wird 
einen ſchoͤnen ſchwarzen Knaben, und verſchiedene Dinge vom Werthe, als Flinten, Piſto- von den 
len u. d. g. aus der Schaluppe. So erzaͤhlte es der Hauptmann. Herr Moore fand aber, Schwarzen 
die wahre Urſache von dieſem Anfalle waͤre, weil einem von den ſchwarzen Bedienten der angegriffen. 
Schaluppe uͤbel begegnet worden, als ſie zuletzt auf dem Fluſſe geweſen. Der Umſtand Die wahre 
war dieſer: Die Schwarzen haben eine Gewohnheit, den Diebſtahl zu entdecken, daß ſie die urſache. 


verdaͤchtige Perſon ihre Finger in kochend Waſſer ſtecken laſſen. Wenn die Perſon un⸗ 
ſchuldig iſt: ſo bilden ſie ſich ein, das Waſſer werde ſie nicht verbrennen, ſey ſie aber ſchul— 
dig, ſo wuͤrde es geſchehen. Als der Hauptmann, welcher ein großer Bewunderer der 
Schwarzen und ihrer Gebraͤuche war, eines Tages eine Flinte aus ſeiner Kajuͤte vermißte: 
fo rief er alle feine Leute zuſammen, welche aus einem Weißen, und drey oder vier Schwar⸗ 
zen beſtunden. Als ſie alle leugneten, ſo noͤthigte er die Schwarzen, zu dieſer kochenden 
Waſſerprobe ihre Zuflucht zu nehmen, wodurch ſie insgeſammt ihre Haͤnde erſchrecklich ver— 
brannten, vornehmlich aber einer unter ihnen. Ein oder ein Paar Tage nachher, fand der 
Hauptmann feine Flinte, welche er ſelbſt verlegt hatte; worauf der Schwarze, der am mei- 
ſten beſchaͤdiget worden, die Dienſte der Compagnie verließ, und zu ſeinen Freunden nach 
Sami gieng, wo er ſich bey dem Alkade und feinen Landesleuten beklagte, die mit ihm zu— 
ſammentraten und Genugthuung forderten. Als ſie nun hoͤrten, daß die Schaluppe zu 
Fendalakunda läge: fo fielen fie den Hauptmann an, und nahmen ihm die erwaͤhnten 
Güter weg, um ſich wegen des Unrechts zu raͤchen, welches er ihrem Landsmanne ange⸗ 
than hatte. ö a 

Als Moore zu Kuttejar war, gieng eine Karavane Kaufleute mit Sklaven ſuͤdwaͤrts 
vorbey. Weil ſie aber zweene Tagereiſen weit von ihnen war: ſo erfuhr man ſolches an 
dieſem Orte nicht eher, als nachher. Sie giengen hinab nach Kower, und entſchloſſen ſich, 
ſie wollten ſich wegen einiger erhaltenen Beleidigung zu Sami nicht aufhalten. Um eben 
die Zeit kamen verſchiedene Kafilahs mit dem Alkade oder Slati, Donſo, nach Sami; 
die meiſten von ihnen aber giengen tiefer hinunter. Als der Verfaſſer durch Sami gieng, 
um die Kaufleute anzutreffen: ſo waren die Einwohner ſo unverſchaͤmt, wie er ſaget, daß 
ſie ſich ſeines Pferdes bemaͤchtigten, weil er nicht den Slati beſuchte. Weil er ſich aber 
deswegen entſchuldigte: ſo ließen ſie ihn gehen, nachdem ſie ihm zuerſt ſeine Muͤtze und ſein 
Schnupftuch geſtohlen hatten. Einem von den Sklaven, die er kaufte, fehlten fuͤnf oder 
ſechs Zaͤhne, und er zog daher fo viele Stangen von dem Preiſe deſſelben ab e). 

Den ıften des Brachmonats erhielt Hr. Valentin Befehl, alle bluhmichte und ſtreifichte 
Zeuge, fo viel er koͤnnte, nebft einer guten Menge Seife aufzukaufen; und dem Herrn Moore 
ward angedeutet, die Privatkaufleute nicht zu ſtoͤhren, weil ihnen von der Regierung eben das 
Recht zugeſtanden worden, zu handeln, welches die Compagnie hatte. Um dieſe Zeit 
war eine große Kafilah auf der cheede, unter der Führung des Slati, Sanikonta 


Madebaugh. 
| RE Da 


e) Woores Reifen, a. d. 188 u. f. ©. 


Eine andere 


mi 
ten 


wird zu Sa⸗ 


aufgehal⸗ 


8 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1734 Da die Herren Leach und Cooper ſahen, daß ſie nicht vermoͤgend waren, mit ihrem 
Moore. Handel gegen den Verfaſſer aufzukommen: fo ſchrieben fie einen demuͤthigen Brief an den 
e Statthalter, und bathen, wiederum in die Dienſte der Geſellſchaft aufgenommen zu werden. 
Cooper kom- Sie erbothen ſich, das Haus abzubrechen, und nach Jamesfort zuruͤck zukommen. Dieſes 
men wieder Anerbiethen ward angenommen, und Moore brachte ſie mit ſich nach Jamesfort, wo ſie 
zuruͤck. den 24ften des Heumonats ankamen. Der Statthalter war damals abweſend, indem er nach der 
Muͤndung des Fluſſes hinabgegangen, die Hauptleute von den Schiffen ſeiner Majeſtaͤt, 
dem Antelope und Diamante, zu beſuchen, und bey feiner Zuruͤckkunft wäre er faſt in einem 
Tornado verlohren gegangen. | | 
Job ben Sa: Den gten Auguſt landete daſelbſt von England Job ben Salomon, ein Foley von 
lomon Bundo in Futa ſieben Tagereiſe zu Lande von Joar; welcher ein Sklave in Marienland 
kömmt an. geweſen, itzo aber frengemacht war 7). g | 
' Den ızten Auguſt kam eine franzoͤſiſche Schaluppe von Goree zu Jamesfort an, den 
Statthalter um Erlaubniß zu bitten, Mangroven an dem Fluſſe zu fällen, um die Factorey 
zu Albreda wieder zu erbauen. Be it ih 1 
Den 22ften Auguſt gieng Moore in der Schaluppe, Fama, mit einer guten Ladung ab, 
um die Aufſicht über die vornehmſte Factorey der Compagnie zu Joar, an ſtatt des Herrn 
Gill, zu übernehmen. Job ben Salomon gieng mit ihm in Geſellſchaft, welcher Wil— 
lens war, nach Kower zu gehen, um mit einigen von ſeinen Landesleuten zu ſprechen. Den 
26ſten kamen ſie an den Kriek von Damaſenſa; und auf dem Wege nach der Stadt, da 
fie einen ſehr engen Paß in der Bucht ungefähr eine kleine halbe Meile hinauf giengen, ſa— 
hen ſie verſchiedene Meerfagen von einem ſchoͤnen Blau und Roth, welche von einem 
Baume auf den andern, in einer erſtaunlichen Weite, ſprungen, und niemals auf die Er— 
de kamen. Zu Damaſenſa traf Job einige von eben den Leuten an, die ihn zum 
Sklaven gemacht hatten, und erfuhr von ihnen den Zuſtand des Landes waͤhrend ſeiner 
Abweſenheit g). | 
Gummidra⸗ Carl Hayes, welcher fo lange er die Aufſicht gehabt hatte, eifrig geweſen war, einen 
gon und Sa⸗ neuen Handel in Africa zu eröffnen, pries dem Verfaſſer die Unterſuchung wegen des Gum— 
nagagummi. mi an. Als ihn Herr Hull eben darum anlag: ſo ſchickte er ihm eine Probe von Brukoe, 
welche anzeigte, daß es Gummidragon war. Er bemuͤhte ſich, mehr davon zu bekommen. 
Weil es aber etwas neues war: ſo konnte er die Einwohner nicht bereden, darnach zu ſehen, 
oder es von dem andern Gummi abzuſondern, aus welchem unſer Factor auf zwey Pfund, 
aus zehn oder zwölf Pfunden heraus las. Als ein gewiſſer Junko Sunko, ein Jolloi⸗ 
fer von Yanimarew, ein fleißiger Mann, hörte, daß er mehr von dieſer Waare ſuchte: fo 
ſchickte er ihm ein Pfund ſehr feinen weißen Gummi zur Probe, woraus man ſah, daß es 
arabiſcher Gummi war. Der Verfaſſer ſchickte in allem auf eine Tonne Gummi nach 
Jamesfort von den Factoreyen, woſelbſt er war. Es wird eine große Menge Sanaga⸗ 
gummi in einem Jahre nach England gebracht, der faſt alle von den Franzoſen gekauft 
wird; ſo daß es der Nation ſehr dienlich ſeyn wuͤrde, wenn dieſer Handel koͤnnte erweitert 


werden. Auf 
7) Die Geſchichte von dieſem Job folget nach 5) Der Verfaſſer beobachtet a. d. 210 S. daß 
dieſem Tagebuche. dieſes Job ben Salomons Land ſey, und an dem 


9) Woores Reiſen auf der 198 und folgenden Rande des Waldes liege, und nur vier Stationen 
Seite. von Fatatenda fey. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona: VI Buch VI Cap. | 19 


Auf des Statthalters Zulls Anweiſung erhielt man Nachricht vom Junko Sunko 1734 
zu Panimarew, daß die Gummibaͤume nur fünf Tagereiſen weit von dem Orte, und ſieben Moore. 
oder acht von der Sanaga wären; daß die Wälder ſechzehn Tagereiſen lang und ſechſe— 
breit, und voller großen Baͤume wären, die alle Gummi braͤchten: Daß der Wald zwi⸗ 
ſchen dem Volke von Dani, nämlich denen von Futa 9), welche Fulier find, und den 
großen Jolloifern, gleich getheilet waͤre, welche letzterm ſechs Ruheplaͤtze von den Gummi⸗ 
baͤumen wohnen, bey denen keine naͤhern Einwohner ſind: Daß daſelbſt auf dem Wege 
von Yanimarew zu dem Walde kein Fluß fen, und die Gambra der naͤchſte wäre; daß die 
beſagten Voͤlkerſchaften ganz und gar keine Weiße kemnten, daß aber mit wenig Muͤhe eine 
Gemeinſchaft mit ihnen aufgerichtet werden und man alsdenn ſicher nach den Waͤldern 
reiſen koͤnnte; daß fie auch ganz und gar keinen andern Handel kennten; daß aber die Ele⸗ 
phanten daherum ſehr haͤufig waͤren. Ä | 

Als der Verfaſſer darauf wieder nach England giieng: fo fuhr der Statthalter ſelbſt 
ab, um mit Job ben Salomon nach dem Walde zu gehen, als deſſen Land daran graͤnzte: 
allein man weis den Erfolg von dieſer Reiſe nicht. an: 

Den ı6ten des Weinmonats wurden fie durch die Zeitung von einem Kriege beunru- Furcht vor 
higet, der zwiſchen den Eingebohrnen ausbrach, umd es ſchien, als wenn Joar der Sitz einem Kriege. 
deſſelben werden würde. Der Bumey 1) von Rajamor, einem Lande von Barſalli, uns 
gefaͤhr eine Tagereiſe weit von Joar, und der Bumey von Kaſawan, einem andern Lande 
in ſeiner Nachbarſchaft, kamen aus Freundſchaft zum Herrn Moore, ihm zu berichten, daß 
Bumey Haman Seaka, Bruder des Koͤniges von Barſalli, der wider dieſen Prinzen 
in Waffen war, einige von dem Volke von Pani umd Pamina zu Gehuͤlfen hätte, und 
nachdem er alle Zuruͤſtungen zu einem Kriege gemacht, dieſen Theil von Barſalli in Kur— 
zem gewiß anfallen wuͤrde. Sie erſuchten ihn auch, dem Statthalter ſolches zu melden, 
damit er die Güter der Compagnie in Sicherheit brachte. Er ſchrieb, bekam aber zur 
Antwort, es hätten dieſe Nachrichten ſchon einige Jahre lang gewaͤhret, es waͤre aber nichts 
erfolget. Dem ungeachtet hielt man es doch fuͤr dienlüch, dem Haman Seaka ein Geſchenk 
zu machen, um ſich ſeinen Schutz fuͤr die Factorey aus zubitten. 

Den zten des Chriſtmonats gieng Herr Moore von Joar nach Jamesfort zurück k). 
Den gten des Abends kam das Fahrzeug, der Delphin, von London, zuletzt aber von Hol⸗ 
land an, in welchem Herr Cleveland, ein Schwager des Herrn Orfeur, zweyten Oberkauf⸗ 
manns in dem Fort, uͤberkam, in der Abſicht, fein Glück durch eine Handlung gegen die Ge⸗ 
ſellſchaft zu machen. Er hatte zu dem Ende eine Ladung von vierhundert Pfund am 
Werthe mitgebracht, und war Willens, ſich in des Herun Orfeurs Haufe zu Jillifrey auf 
zuhalten. Allein der Statthalter, Hull, welcher auf den Nutzen der Geſellſchaft ſehr be⸗ 
dacht war, wollte nicht zugeben, daß ſich ſeines Collegem Bruder allhier ſetzte, und gegen 

die Geſellſchaft handelte. Cleveland verkaufte alfo fieine Ladang an die Geſellſchaft, die 
ihm ſolche in Sklaven bezahlte, und ſegelte mit dem Fahrzeuge die Kuͤſte hinab. 
| Den 
1) Bumey oder Boomey, wie es Woore beygelegt wird, die oftmals den Titel der Fürften 
ſchreibt, ſcheint mit Bemoy einerley zu ſeyn, wel- für ihre eigenen Namen ausgeben. 
cher Name einem jalofiſchen Fuͤrſten, wie oben gedacht „) Moores Reiſen auf der 210 und folgenden 
worden, II Band, a. d. 312 S. von den Portugieſen Seite. ö i 


1734 


20 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Den 2öften fegelte der Verfaſſer in der Schaluppe Fama auf feinem Ruͤckwege nach 


Moore. Joar, mit einer friſchen Ladung für die Factoren. Job ben Salomon gieng mit ihm. 


Bumey Ha⸗ 
man Seaka 
in Waffen. 


1735. 


Komm — 


Seine guͤti⸗ 
ge Both⸗ 
ſchaft 


an den Ver⸗ 


faſſer. 


Unterwegens aber, da fie bey der Elephanteninſel lagen, und bey einer Stadt Neamato 
ans Ufer giengen, erhielten ſie Nachricht, daß Bumey Haman Seaka wirklich wider 
den König in Waffen wäre, und daß die Schwarzen die Stadt Joar faſt verlaſſen haͤtten, 
und diejenigen, denen er die Sorgfalt uͤber die Factorey aufgetragen, mit den übrigen da- 
von gegangen waͤren. Moore erſchrack uͤber dieſe Zeitung, miethete einen Kahn, und 
gieng den ıften Jenner nach Joar, wo er kaum zehn Leute in der Stadt, und dieſe alle noch 
in feinem Haufe fand. Das Waarenhaus und die Guͤter, aber waren noch ganz unbe- 
ſchaͤdiget, fo gar von den Buggabuggs, einer Art von Ameiſen, welche eine große Verhee⸗ 


rung anrichten, wo ſie hinkommen, und wovor er ſich eben ſo ſehr fuͤrchtete, als daß er 


moͤchte beſtohlen werden. 

Den sten, da Bumey Haman Seaka mit feinem Heere zu Sanjalli, einer Stadt 
eine halbe Tagereife von Joar, war, ſchickte Moore einen Bothen mit etwas Brandte— 
weine, und einem Hirſchfaͤnger, als einem Geſchenke von der Geſellſchaft, an ihn. Der 
Bothe kam den folgenden Tag mit einer freundſchaftlichen Bothſchaft von dem Bumey 
zuruͤck, daß er alle Weiße hochſchaͤtzte, und ihnen nie übel begegnen würde, vornehmlich 
dem Verfaſſer nicht, den er fo lange gekannt hätte. Er verſicherte ihn, wenn der Krieg 
anhielt, fo follten feine Leute auf keine Art und Weiſe die Factorey beſchaͤdigen oder be— 
unruhigen. 

Als Job ben Salomon den 26ften des vergangenen Monats, mit dem Verfaſſer 
bey der Elephanteninſel ans Ufer gieng und hoͤrte, daß die Leute von Joar weggelaufen waͤ⸗ 
ren, fo wollte er nicht weiter gehen. Er wurde alſo zu India, ſechs kleine Meilen uͤber 
Damaſenſa, ans Ufer geſetzet, wo er ſo lange blieb, bis die Gefahr vorbey war, und darauf 
gieng er nach Joar, wo er den 29ſten Jenner anlangte. . 

Den sten März ſehr fruͤh kamen ſechzig von Haman Seakas Leuten zu Joar an. 
Zwanzig davon waren wohl beritten und bewaffnet, und vierzig zu Fuße, mit Pfeilen, Bo⸗ 
gen und Piſtolen. Der Hauptmann oder Fuͤhrer von denſelben kam allein in die Facto- 
rey, da die andern an dem Thore des Hofes ſtehen blieben. Er berichtete Mooren, er waͤre 
von dem Bumey abgeſchickt, ihm zu wiſſen zu thun, daß er die vorige Nacht vorbey gezo⸗ 
gen waͤre, um mit dem Koͤnige von Kahone zu fechten, und daß er nicht alle ſeine Leute hie⸗ 
her bringen wollen, aus Furcht, er moͤchte ſie nicht alle gehoͤrig im Zaume halten koͤnnen, 
und die Factorey dadurch Schaden leiden 7). Moore ließ dem Bumey feine Dankſa⸗ 
gung dafür vermelden, und ſchickte ihm etwas Pulver und Kugeln. Er beſchenkte auch 
den Bothen mit einer Piſtole und einem Saͤbel, worauf ſolcher ſehr vergnuͤgt weggieng. 


Der 


4) Am Rande ſaget der Verfaſſer, dieſe Leute beſuchten ihn mit einer falſchen Geſchichte. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 121 


| "Der * Abſchnitt. 
Beſchluß von des Verfaſſers Reiſen an der Gambra. 


Der Statthalter Hull fährt mit Job ben Solo⸗ gleich einem Baviane. Land längft der Gambra. 
mon ab, den Gummiwald zu beſuchen. Der lleberſchwemmungen des Fluſſes. Der Verfaſ⸗ 1 

Verfaſſer verlaͤßt der Geſellſchaft Dienſte. Sei⸗ ſer faͤhrt von der Gambra ab; koͤmmt nach 
ne Art zu leben in Africa. Mancherley Les England. Tod einiger Perfonen an der Gam⸗ 
bensmittel daſelbſt. Seine Erquickungen; ſein bra. Schiffe, die angekommen und ausgelaufen. 
Hausgeraͤthe. Fuß von einem großen Thiere, a 


Den söten März des Abends kam der Statthalter Hull nach Joar, in der Abſicht mit Reife nach 
Job ben Solomon nach Bunda zu gehen, um den Gummihandel bey dem Walde zu dem Gum: 
eröffnen. Hier uͤberlieferte Moore die Factorey an den Herrn Johnſon. Gegen das Ende miwalde. 
des Monats wurde der Statthalter Zull vom Bumey Haman Benda, des Königs von 

Barſalli dritten Bruder, beſuchet, welcher ſtets an des Koͤniges Seite war. Er hatte zu 

feinem Gefolge vierzig Mann zu Pferde. Als Haman Seaka, der noch zu Sanjalli war, 

von ſeiner Ankunft hoͤrte: ſo ſchickte er eine Partey von hundert Mann ab, mit ihm zu 

fechten. Weil dieſer aber Nachricht davon erhielt, ſo floh er ſo geſchwind weg, als er 

konnte, und ſchickte einen Bothen an den Statthalter, ihm zu berichten, er koͤnnte ihm den 
folgenden Tag nicht aufwarten, wie er Willens geweſen, baͤthe ihn aber, er moͤchte ihm ein 

oder zwey Gallonen Brandtewein ſchicken. Der Bothe wurde auf ſeinem Ruͤckwege zwi⸗ 

ſchen Joar und Kower von Haman Seakas Leuten angetroffen; einer davon erſchoß ihn 


< x 
5 


und nahm ſein Pferd. ‚ie 

Den sten April kam Connor von Brukoe, wo die Factorey aus Mangel des Handels Der Ver— 
aufgehoben war, herab, um die Aufſicht über die Factorey zu Joar, anſtatt des Herrn Moore faſſer ver⸗ 
zu übernehmen ), der nunmehr außer Dienften war. Es wird nicht unangenehm ſeyn, 0 die 
allhier zu erzaͤhlen, auf was fuͤr Art er in Africa gelebt hat. 55 


Er ſtund mit Anbruche des Tages auf, um die Kühle des Morgens zu genießen, und Seine Art 
ritt oftmals zwo oder drey engliſche Meilen durch Gehölze und Ebenen, indem die Luft ſehr iu leben. 
angenehm war. So bald er zuruͤck kam, ſo fruͤhſtuͤckte er chineſiſchen Thee, oder in Er⸗ 
mangelung deſſelben bediente er ſich einer Art, welche wild in den Waͤldern waͤchſt, Sim⸗ 
bong genannt. Es iſt davon vieles nach England geſchickt worden, wo es verſchiedene 
Leute ſehr hochgehalten haben. Wenn es ihm an Zucker fehlte, fo bediente er ſich des Ho: 
niges, welcher für ſehr gefund gehalten wird. Brauchet man es aber gar zu häufig, fo 
kann es den Durchlauf verurſachen. Wenn er aber weder Zucker noch Honig bekommen 
konnte, welches oftmals alle von den Einwohnern gebraucht wurde, Honigwein zu machen: 
alsdann war er genoͤthiget, ſeinen Thee mit ſuͤßer Milch zu vertauſchen, welche unter den 
Fuliern ſehr haͤufig iſt. Dieſe aß er kalt mit eingebrockten Kuchen von Reißmehle oder 
guineiſchen Korne, welches mit Waſſer geknetet, und uͤber dem Feuer in einem eiſernen 
Topfe gebacken war. | 2 | 


Diefe 


51) Der Verfaſſer, welcher bey allen andern Dingen fo. umſtaͤndlich iſt, erwaͤhnet der Urſache 
nicht, warum er ſeine Dienſte verlaſſen. f 


Allgem. Reiſebeſchr. Il Band. 


22 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1735 Dieſe Landmilch wird ſelten oder niemals kochen, wenn man ſie nicht umſchuͤttelt. Der 
Moore. Verfaſſer ſchreibt ſolches der Saͤure des Graſes zu, welches das Rindvieh frißt. Zu Mit⸗ 
Mancherley lage hatte er vielmals friſch oder gepoͤckelt Rindfleiſch; denn es hielt ſich ſolches ſechs oder 
Lebensmit- ſieben Tage im Salze, ohne zu verderben. Dieſes kochte er entweder mit Kuskus, wie 
tel. die Eingebohrnen thun, oder auch mit Kuͤrbiſſen oder Kolilu, gleich dem Spinate, da bey⸗ 
des ungemein häufig iſt. Voͤgel find fo wohlfeil, daß er ein Stuͤck für, drey Schuͤſſe Pul- 
ver kaufte; und wenn es ihm an Fiſchen oder Wildpräte fehlte: fo ſchickte er einen Jager 
aus, der ihm von der Geſellſchaft erlaubet worden, dem es ſelten fehlte, daß er nicht wilde 
Schweine, Rehe, Enten, Rebhuͤhner, wilde Gaͤnſe oder Kronvoͤgel einbrachte; die insge⸗ 
ſammt zu den verſchiedenen Jahreszeiten ſehr haͤufig ſind. 


Seine Er⸗ Der Nachmittag war die gewoͤhnliche Zeit zur Handlung; zuweilen aber daurete ſol— 
guickungen. che wohl drey Tage hintereinander. Weil dieſes fein eigentliches Geſchaͤffte war: fo ver: 
ſaͤumte er ſolches niemals. Wenn ſich ſolches bald endigte, fo gieng er zuweilen zu den be: 
nachbarten Staͤdten, und kam zum Abendeſſen nach Hauſe; worauf er ſich ſelbſt die Zeit 
vertrieb, bis er zu Bette gieng, mit Schreiben, Leſen, oder daß er ſeine Nachbarn beſuchte, 
wo er gemeiniglich mit Palmweine, Siboaweine, Honigweine, oder auch einer Frucht, Role 
genannt, welche das Waſſer ſchmackhaft machte, bewirthet wurde. Er gieng oftmals aus, 
Tauben und Rebhuͤhner zu ſchießen, die nicht weit von der Factorey gefunden wurden. Er 
pflegte zuweilen viele Gaͤſte zu haben, welches entweder Kaufleute oder Bothen von großen 
Maͤnnern aus den benachbarten Koͤnigreichen waren, die ihm haͤufig Geſchenke von Kuͤhen, 
Zeugen, und zuweilen einen Sklaven ſchickten. Allein, dieß geſchah bloß in der Hoffnung, 
mehr dafuͤr zu erhalten, als die Sache werth war. Daher kamen auch alle dieſe Geſchenke 
der Geſellſchaft zum Beſten, und er rechnete ſie ihr ag. 5 


Sein Haus Die ſchwarzen Weibesperſonen richteten feine Speiſen in irdenen Geſchirren ſauber und 


geraͤth. reinlich an, welche von den Eingebohrnen gemacht waren. Er hatte auch zweene eiſerne 


Toͤpfe von Jamesfort; einer war zum Gebrauche fuͤr der Geſellſchaft Sklaven; der andere 
diente dem Verfaſſer an Schmaustagen, wenn er Geſellſchaft hatte, oder auch zu einem 


Ofen, darinnen zu backen. Er hatte eine große geraͤumige Schlafkammer, worinnen er in 
der regnichten Jahreszeit ſtets ein Feuer hielt. Seine Bettſtelle war uͤber zwey Fuß hoch 


von der Erde auf Gabeln erhoben, mit Pfaͤhlen, die am Haupte und an den Fuͤßen darauf 
gelegt waren; und über ſolchen lag eine Hürde aus geſpaltenem Rohre, die anſtatt eines Sack⸗ 
bodens diente. Er hatte ein Bette, welches aus grobem baumwollenen Landzeuge gemacht 
war, welches er mit Seidenbaumwolle, eine Art wie weiche Pflaumfedern, ausgeſtopfet 
hatte. Außer denen aus England mitgebrachten Bettuͤchern bediente er ſich einiger Decken, 
ſechs Ellen lang und drey Ellen breit, welche ihm der König von Barſalli und feine Schwe⸗ 
ſter gegeben hatte. An den Ecken ſeiner Bettſtelle richtete er vier Pfaͤhle auf, um eine Art 
vom Vorhange zu tragen, die Musketos abzuhalten. In einer Ecke ſeines Zimmers hatte 
er einen großen irdenen Krug voll Waſſer auf Gabeln ſtehen, um es vor dem Gewuͤrme zu 
verwahren. Mit anderm Geraͤthe, weil er es wenig brauchte, wollte er ſich nicht be- 


ſchweren 1). 


N Als 
1) Siehe Moores Reifen a. b. 423 U. f. S. man unlaͤngſt einen jungen allhier ſehen laſſen. 


„) Dieß muß ein Champaneze ſeyn, wovon Er iſt dem Pran utang aus Oſtindien gleich. 


| 
| 
| 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 123 


Als er den öten April im Jahre 1735 eine engliſche Vierthelmeile von der Factorey zu 1735 
Joar ſpatzieren gieng: fo fand er von einem Thiere, deſſen Rumpf vermuthlich von einem Moore. 
Löwen war verzehrt worden, den Fuß, der einem Baviane ziemlich gleich kam, aber fo dick, als Fuß von el⸗ 
eines Mannes feiner war. Es war erſt kuͤrzlich getoͤdtet, und mit Haaren auf ein Zoll lang nem Cham: 
bedecket. Er brachte ſolchen mit nach Haufe, und da er einige Eingebohrnen darum be- paneze. 
fragte: ſo ſagten ſie, es waͤre der Fuß von einem Thiere, welches ſie einen wilden Mann 
nennten; es gaͤbe dergleichen viele in dieſem Lande, ſie wuͤrden aber ſelten gefunden; ſie 
wären fo geſchlank, als ein Menſch, hätten Bruͤſte wie die Frauensperſonen, bedienten ſich 
einer Art von Sprache, und giengen auf ihren Füßen, wie menſchliche Geſchoͤpfe o). 

Den gten gieng der Verfaſſer in der Schaluppe Jameseyland nach Jamesfort, nach. 
dem er von dem Statthalter Hull und von Joben Abſchied genommen, welcher letztere ihm ! 
verſchiedene Briefe nach England mitgab. In vier Tagen kam er in dem Fort an, und 
den ızten May ſchiffte er ſich in die Schnau, der Delphin, ein, welche unter dem Haupt⸗ 
manne Freeman mit Herrn Hamilton und andern nach London gieng. Das Fort feuerte 
aus Hoͤflichkeit für dieſen Herrn, welcher eine Zeitlang Oberkaufmann geweſen, neun 
Stuͤcke ab. rte tegie e 5 ? ar 

Ehe wir aber die Gambra verlaffen, muͤſſen wir noch einige wenige Umſtaͤnde, außer Land Tänaft 
demjenigen, was bereits angefuͤhret worden 7), von derſelben beyfuͤgen. Dieſer Fluß iſt der Gaunbra. 
fuͤr Schaluppen auf zweyhundert Seemeilen ſchiffbar, indem die Ebbe und Fluth ſo weit 
von der Muͤndung hinauf geht. Die Seiten an dem Fluſſe ſind meiſtentheils auf eine 
Vierthelmeile ins Land, an einigen Orten aber nicht ſo weit, flach und buſchicht, und in die⸗ 
ſem Bezirke giebt es angenehme offene Felder, die ſie zu ihrem Reiße brauchen, und die in 
der trocknen Jahreszeit zur Weide fuͤr ihr Vieh dienen. Im Lande iſt es ſehr waldicht; 
nahe bey den Staͤdten aber iſt ſtets ein großer Fleck freyes Feld zum Korne. Das Erdreich 
iſt meiſt Sand, mit einigem Thone und einem guten Theile felſichten Boden. Naͤher an 
den untern Theil der Gambra find keine Hügel zu ſehen: den Fluß höher hinauf aber giebt 
es einige hohe Berge, deren Spitzen eine angenehme Ausficht geben. Die Hügel find von 
Eiſenſteinen; und ob fie gleich nicht viel anders als ein beſtaͤndiger harter Felſen ſind: fo 
ſind ſie doch voller Baͤume. n 0 0 ae 

Den 24ften des Brachmonats im Jahre 1732, da der Verfaſſer zu Vamyamakunda ueber⸗ 
war, bemerkte er, daß der Fluß anfing zu ſteigen, und truͤbe zu werden. Der Strom lief ſchwemmun⸗ 
ſtets hinab, und es kam keine Fluth herauf. Den 29ſten des Herbſtmonats eben deſſelben gen des Fluſ⸗ 
Jahres fing er an zu fallen. Das folgende Jahr wuchs die Gambra an eben dem Orte ſes. 
ſo hoch, daß ſie in der Mitte des Herbſtmonates die Factorey zerſtoͤhrete, und alle niedrige 
Gründe rund um die Stadt uͤberſchwemmte, wie bereits angemerket worden 7). 

Weil der Wind ſchoͤn war: fo gieng die Schnau ſogleich in Geſellſchaft mit dem Er⸗ 
folge unter dem Hauptmanne Wright, der eine Handelsreiſe nach Kachao v) und Por⸗ 
tudali thun wollte 5), unter Segel. 

Sie konnten wegen des friſchen Seewindes die Spitze Banyon in weniger als zwee⸗ 
nen Tagen nicht erreichen. Hler ſchickten fie ihr iR ans Ufer, Voͤgel zu kaufen: ul 

2 a 


5) Siehe oben a. d. 7 ©. ) Im Originale Crutcheo. 
1) Siehe oben a. d. un S. Moores Reifen, a. d. 429 U. f. S. 


224... Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa; 


1735 Nachlaͤßigkeit der Matroſen aber ſcheiterte es. Dem ungeachtet kamen die Leute, weil des 
Moore. Hauptmanns Wright ſeine am Ufer waren, davon, und ſchleppten das Boot hinter ſich 
Der Verfa her. Den folgenden Tag liefen ſie aus der Gambra hinaus, und nahmen ihren Abſchied 
fer verlaͤßt die vom St. Marienvorgebirge, da ſie mit einem e 86 ſechs Knoten oder Meilen in 
Gambra. einer Stunde giengen. 


Den zıften gegen Mittag gab Jacob Ellis, einer von den Stezerleuten, der ſich 


wohl auf befand, da ſie die Gambra verließen, den Geiſt auf. Dieſer Menſch ſtarb als 
ein wahrer Märtyrer des Rums; denn da er Fein Glas mehr zu feinem Munde bringen 


konnte: ſo verſuchte er ſolchen durch eine Pfeife einzufaugen, und ſtarb mit einem kleinen 


Becher dicht an feinem Kopfkuͤſſen. 


Vom 2often des Brachmonats bis den loten des Sa hatten fie einen harten 
Wind. Weil er aber ſchoͤn für fie war: fo hatten fie wenig Urſache, ſich darüber zu bekla— 
gen. Den folgenden Morgen ae ſie die engliſche Kuͤſte, und ſahen bald darauf den 
Ediſtoner Wachthurm neben ſich. 


Kommt in Den 12ten wurden fie von einer von des Königs Schaluppen gejagt, welche, als ſie 

England au. naͤher kam, einen Schuß that, und fie herbey brachte. Hierauf kam einer von den Leeute⸗ 
nants des edinburgiſchen Kriegesſchiffs an Bord; und nachdem er fie vier Stunden aufge— 
halten, fuͤhrte er dreye von ihren beſten Seeleuten mit weg, und ließ drey andere an ihrer 
Stelle. Den Nachmittag erreichten ſie die Inſel Wight, und den folgenden Morgen bey 
Anbruche des Tages waren fie neben der Spitze Beachy. Um neun Uhr erreichten fie 
Dungeneß, wo dreyßig Segel lagen, die hinaus giengen. Bald darauf kamen ſie in den 
Duͤnen an, wo ſie eine große Anzahl Schiffe, und zwey oder drey Kriegesſchiffe fanden. 
Hier kamen fie vor Anker, und warteten auf einen Lootsmann. Endlich kam einer, in def- 
ſen Boote der Verfaſſer ans Ufer gieng, nach Deal, buchten er gerade zweene Monate auf 
feiner Reiſe nach Jamesfort geweſen 1). 


Todesfaͤlle einiger Perfonen, vornehmlich in der Geſellſchaft Diensten, an der 


Gambra, . der Zeit, daß ſich Herr Moore daſelbſt aufgehalten, 
von 1730 bis 1735. 


Den uten Nor. 1730 Sehen Skinner, ein Soldat aus dem Fort, . einer langen 


Unpaͤßlichkeit und dreyjaͤhrigen Dienſten, een er ſeinen me in Oi und Weſtin⸗ 
dien verderbt hatte. 

Im Jenner 1731 Herr Robert Sebi Schreiber zu Haaf, an einer Wien Unpaͤß⸗ 
lichkeit, die er ſich durch Saufen zugezogen. | 

Den sten Febr. Herr Wilhelm Rusling, ein Schreiber zu Jamesfort, nach einer 
zweymonatlichen Unpaͤßlichkeit. Er ward zu Jillifrey begraben. | 


Hauptmann Colwel, und die meiſten von ſeinen Schiffsleuten, welche von den Ein⸗ 


gebohrnen an der Goldkuſte getodtet wurden. 
Den 


1) Moores Reiſen, auf der 231 a folgenden Seite. 


. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VI Cap. 125 
Dien igten Aug. ein Sklavenmaͤgdchen, gare von einem Crocodile bey Jamesfort 
weggeholt wurde. 

Den ıften Jenner 1732 Herr Carl . Factor zu Jamesfort, an einer gar zu 
großen Dofi von Laudanum. 

Den ı2ten. ‚März Hauptmann Major, der von den Eingeioenen zu Kaſſan aus 
Rache wegen einer Beleidigung erſchlagen wurde. 

Den ıoten Way ein Sklave von der Compagnie ihren, der von einem Crocodile za 
Yamyamakunda verſchlungen wurde. 

Den 29ſten Jul. Herr Eduard Peters, des Factors Gehuͤlfe zu Fatatenda. 

Im Jahre 1733 Jacob le Maigre, Factor zu Sami. 

Den ten Jenner erſoffen die Herren Hayes und Galand, nahe bey den Sappo⸗ 
eylanden. 

Im Maͤrz wurden verſchiedene Leute, die dem Hauen Williams zugehoͤrten, 
durch eine Empoͤrung ſeiner Sklaven zu Joar getoͤdtet. 

Im Jun. Herr Lovorher, Aufſeher auf der Schaluppe, das volle Glas. Er war 
von den Schwarzen in den Bauch geſchoſſen. 

Den aten Octobr. Herr Johann Philips, Factor zu Fatatenda, an einem kalten 
Brande an ſeinem Beine. | 

Im Novembr. Herr Railton, Factor zu Brukoe, an einem Falle, da er ſeinen iet 
zen Jungen vielleicht zu heftig gezuͤchtiget. 

Im Jenner 1734 Hauptmann Coffin, von der Schnaue, dem n zu Joar. 

Den 23ſten der Oberſteuermann „und ein Matroſe, am Borde eben dieſer Schnau, 
zu Jamesfort. 

Den 26ften der vornehmſte Bootsmann von eben der Schnau. en 

Den zten Aug. ſtarb Herr Schuckforth, Schreiber zu Jamesfort. Er war acht 
Monate in dem Lande geweſen, und wurde zu Jillifrey begraben. 

Den zıften Jenner 1735 Herr Thomas Silton, des Factors Gehuͤlfe, an einem Fie⸗ 
ber zu Joar, nach einer zehntaͤgigen Unpaͤßlichkeit. Er wurde unter einem Orangenbau— 
me begraben. 

Den zıften Maͤrz Herr Jacob Ellis, der Märtyrer des Rums. Solche Helden 
verdienen, im Andenken zu bleiben. 


Schiffe, 


4 “ 
2 
N 


126 


Reisen längſt der wefklichen Küſte von Africa, 


Schiffe, * zu Jamesfort und auf der Gambra von 1730 bis 1735 angekommen, 
und hieher beſtimmt geweſen. 


Zeit. Namen. Hauptleute. 

1730 Nov. 10 Die Beſchleunigung, Schal. C. Robert vl 

Dec. 12 Zwo franzoͤſiſche Schaluppen e 

„Nov. 13 | Die Fama, Schaluppe C. Boys 

Dec. 31 Johann u. Anna, Brig. E. K. Stoneham 
1731 Jan. St. Michael, ein i. Schiff. Fredillac 

5 1Eliſabeth, E. K Carruthers 

s = = | Herbert, E. K. 5 Onley 

Der Bubin, E. K. Brigant. Craigae, Colwal 

. 25 Wilhelmu. Eliſabeth, E. K. Whitloe 

= 31 Bonetta, C. Livingſtone 

Febr. 10 Der Erfolg, Schnau, C. Cumoreins 

5 11 Arabella, E. K. Pyke 

. 16 | Johann u. Anna, Brig. E. K. aan 

5 19 Eine 1 Brigantine | 

3 „Rent, E. Whale 

= April 4 1 eine Schal. T. 

5 un Maria, Schnau, E. K. Gordon 

May 15 | Die Perl, Kriegesſchiff fe 

2 = 16 Guinea, Packetboot, C. Martin 

s E | Brauer Sund, Gal. E. K. Ramſey 

= Dec. 22 Der Verſuch, Schnau, E. K. Clarke 
1732 Jan. 3 Gambra, E. K. Major 

„Febr. 14 Andaluſien, E. K. Pearſon 
1733 April 4 Das volle Glas, Schal. E. K.] Moore 

= Be 12 | Amerfcham, Schal.E.R. Munday 

. Delphin, Schnau, C. Lovet 
1734 Jan. 19 | Der Finke, Schnau, E. K. Coffin 

Febr. 4 Der Phoͤnix, E. K. Onley 

„ 20 Ein franzoͤſiſch Schiff nen 

e 22 Scipio, E. K. Gordon 

„ 26 Thomas, Brig. E. K. Smith 

Maͤrz 25 Liverpoole, E. K. Golding 

„Jul. 13 Barra, Schaluppe Naſch 

„Das volle Glas, Schaluppe | Ball 

. = 24 Der Diamant, Kriegesſchiff A f 

5 „Antelope, Kriegesſch. P P 

„Aug. 7| Delphin, Schnau, C. Freeman 

- 12 Franzoͤſ. Schafuppe - - 

Dec. 9 Delphin, E. K. Norry 

„22 Der Erfolg, Schnau, C. Wright 
1735 Maͤrz 8 Delphin, Schnau, E. K. Clarke 


—— — —Zt—.ſ— —' i. — — 


Woher. 
London. 
Senegal. 
St. Jago. 
Sineipenie, 


1 K 
London. 
Inſel des gr. Vorgeb. 


Lverpoole. 


London. 
London. 
London. 


Inſel des gr. Vorgeb. 


Sanaga. 
Goldkuͤſte. 
Kachao. 
Barbados. 


» P . 
Goldkuͤſte. 
England. 
London. 


Neu England. 


Liſſabon. 
Neu England. 
London. 
London. 


= E 


Holland. 
ee. 
el 
Liverpoole. 
Lverpoole. 


London. 


Goree. 


Holland. 
London. 


& E 


Schiffe, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. 


127 


Schiffe, die nach auswärtigen Landen geladen, und von 1730 bis 1735 


aus der Gambra ausgelaufen. 


Zeit. Namen. Hauptleute. Wohin. 
1730 Nov. 14 Guinea, Packetboot, C. Martin. Guinea. 
1731 Jan. 10 | Johann u. Anna, Brig. E. K. Stoneham. Inſel des gr. Vorgeb. 
Maͤrz 28 Der Rubin, Brigantine, E. K. Craigue. Goldkuͤſte. 
„ 209 Bonetta, E& Lvingſtone. Sierra Leona. 
„April 4 Kent, E. K. Wheeler. Liſſabon. 
. 15 Arabella, E. K. | Pyke. Marienland. 
. „19 Maria, Schnau, E. K. Gordon. Goldkuͤſte. 
„19 Sierra Leona, E. K. Jenkins. Carolina. 
„* 20 Herzog von Bourbon. 2 St. Jago. 
= May 2 Johann und Anna, E. K. Stoneham. Sierra Leona. 
. „ 4 Herbert, ER. Onley. Virginia. 
: 4 Wilhelm u. Eliſabeth, E. K. Whitloe. Weſtindien. 
A = 22 Eliſabeth, E. K. Carruthers. Suͤdcarolina. 
„Jun. 17 Guinea, Packetboot, C. Martin. London. — 
1732 Febr. 22 Guinea, Packetboot, C. Martin. Kachao. 
. Die BDeſchleunigung, Schal. C.] Hull. London. 
1734 May 13 Der Delphin, Schnau, C. Freeman. London. 
„Der Erfolg, C. Wright. Kachao. 


Man merke: C. bedeutet Compagnie, und E. K. einzelne Kauffahrer. 


* * * * * * XK N K N NN N N NN N X K N N M 1 K K K K * „ 


Das VII Kapitel, 


Die merkwuͤrdige Gefangenschaft und Befreyung Job ben Solo⸗ e, 
mons, eines muhammedaniſchen Prieſters von Bunda, nahe bey Solomon. 
der Gambra, im Jahre 1732. . 


Welcher einige Anmerkungen von dem Roͤnigreiche Futa beygefüget find. 
Einleitung. 


. 


$ a Herr Moore in feinen Reiſen verſchiedene beſondere Umſtaͤnde von Job ben 
Solomon mit angefuͤhret, deſſen Geſchichte vor einigen Jahren ſo viel Redens 
in England gemacht hat: ſo haben wir es fuͤr rathſam erachtet, ſolche von ſeinem 
Tagebuche abzuſondern, und ſie mit denen Sachen zu verbinden, welche Thomas Bluet im 
Jahre 1734 in einem Octavtraetaͤtchen von drey und ſechzig Seiten herausgegeben, welches 
er dem Herzoge von Wontagu zugeeignet, und welches den Titel führer: Einige Nach⸗ 
richten von dem Leben Jobs, des Sohns Solomons, des hohen Prieſters von 
Boonda in Africa u. ſ. w. Es iſt in vier Abſchnitte eingetheilet, außer einem Beſchluſſe, 
welcher einige Betrachtungen uͤber das Ganze enthält, | 0 
err 


1731 
Job ben 


128 ‚Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Herr Bluet war mit Joben, ſowohl in America als England, vertraut Freund, wie es 
Herr Moore in Africa geweſen; und weil er beſſere Gelegenheit hatte, von feinen Lebens⸗ 


Solomon. umſtaͤnden unterrichtet zu werden, als viele andere Leute: fo ſetzte er ſowohl auf Jobs ei- 


Die Land⸗ 
ſchaft Futa. 


Bunda wird 


gebaut. 


genes Erſuchen, als auch auf Anhalten verſchiedener Edelleute, die Jobs Wohlthaͤter wa⸗ 
ren, eine Nachricht von ihm auf. Darinnen erklaͤrte er ſich, daß er keine andere Geſchichte 
mittheilte, als ſolche, die er ſelbſt wüßte, oder aus Jobs eigenem Munde hätte. Es iſt 
zu bedauern, daß weder Bluet, noch Moore, eine vollſtaͤndigere und genauere Nachricht 
von denen Oertern verſchaffen koͤnnen, deren in dieſen Nachrichten erwaͤhnt worden. 


Der Abſchnitt. 


Die Landſchaft Futa. Bunda wird gebaut; Job Bunda; bekoͤmmt Zeitung vom Hauſe; reiſet 


ben Solomon ausgeſchickt, Sklaven zu verkaufen; 
wird ſelbſt zum Sklaven gemacht; verkauft und 
nach Marienland gefuͤhrt; hinuͤber nach Eng⸗ 


von Joar ab. Seine Perſon iſt ſchoͤn. Seine 
großen Gaben und ſeine Faͤhigkeit; fein weitläuf-- 
tiges Gedaͤchtniß; ſeine Gemuͤthsart und ſein 


Muth. Ein ander Beyſpiel davon. Sein Ab⸗ 
ſcheu vor den Gemaͤlden. Seine Religion, Ge⸗ 
lehrſamkeit und Leutſeligkeit. 


land geſchickt. Er findet Mitleiden; wird durch 
eine Unterzeichnung frey gemacht; erhaͤlt viele 
Geſchenke; kehret nach Africa zuruͤck; trifft die⸗ 
jenigen an, die ihn verkauft haben; ſchicket nach | 
Der Familienname dieſer merkwuͤrdigen Perſon, welche Herr Bluet, Syuba Boon So⸗ 
= Iumens, Boon Sibrahema a), d. i. Job, der Sohn Solomons, des Sohns Abra— 
hams, nennet, war Jallo. Er war in einer Stadt, Bunda “) genannt, gebohren, in der 
Landſchaft Galumbo c), in dem Koͤnigreiche Futa A), oder Sanaga in Africa, welches 
an beyden Seiten der Senegal oder Sanaga liegt, und an der Suͤdſeite ſich ſo weit er— 
ſtrecket, bis an die Gambra e). Job verſicherte den Verfaſſer, dieſe beyden Fluͤſſe liefen 
einander gleich, begegneten aber niemals einander 7) welches wider ihre gewöhnliche Lage 
in unſern Karten iſt. Die oſtliche Graͤnze des Koͤnigreichs Futa iſt die große Lache, in 
unfern Karten, Lacus Guarde genannt 2). Die Größe deſſelben gegen Norden iſt nicht 
ſo gewiß. Die Hauptſtadt iſt Tombut, der gegenuͤber an der andern Seite des Fluſſes 


Bunde 5), Jobs Geburtsort, liegt. 


Ungefähr vor funfzig Jahren legte Ibrahim ), Jobs Großvater, die Stadt Bun⸗ | 
da, unter der Regierung Abubekrs Y, damaligen Königes von Futa, an, der ihn ſowohl 


a) Wenn Herr Bluet den Namen recht geſetzt 
hat: ſo muß er von einer ſehr verderbten Ausſpra⸗ 


che des Ayub, oder Jyub ibn Soleyman, ibn 


Ibrahim herruͤhren; oder wie es Herr Woore 
ſchreibt: Job ben Solomon. Die Africaner ſpre⸗ 
then ben fuͤr ibn aus. 

5) Bluet ſchreibt Boonda; 
Bundo, und ſaget, es ſey zehn Tagereiſen von 


Jilliftey, in feinen Reifen a. d. 69 u. 203 S. uns‘ 


gefaͤhr ſieben von Joar. 


c) Dieß Land, wofern es dergleichen giebt, muß 
Galam ſeyn, welches vordem oft erwaͤhnt worden, 
und ſich an beyden Seiten der Sanaga erſtrecket. 


Moore aber 


zum 
Bluet ſaget, Galumbo werde in unſern Karten 
Catumbo genannt. N) 


4) Bluet ſchreibt Foota, und Moore Futa. 


Wie der erſte darauf gekommen, daß er ſolchem den 


Namen Senegal gegeben, das ſcheint uns unbe⸗ 
greiflich zu ſeyn, weil es ſchwerlich zu vermuthen iſt, 
daß Job es alſo benennet hat, indem das Koͤnigreich 
Sanaga nur ein erdichtetes Koͤnigreich iſt, welches 
bloß in den Büchern einiger von den erſtern Weis 
ſenden gefunden wird. Ser 
e) Dieß kann in Zweifel gezogen werden. Moo⸗ 
re ſaget: Futa liege vier Ruheplaͤtze weit von Fa⸗ 
tatenda. Vermuthlich ſtoͤßt es an Gberyani und 
Wuley, welches an der Nordſeite der Gambra, 
in 


— 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. 129 


zum Eigenthuͤmer, als Statthalter derſelben, und zuigleich zum Alfa, oder hohen Prieſter, 1731 
machte. Er gab ihm auch die Gewalt, ſolche Geſetze zu machen, als er fuͤr ſeine neue Stadt Job ben 
dienlich zu ſeyn erachtete. Eins darunter war, daß miemand, der dahin feine Zuflucht nah: Solomon 
me, zum Sklaven gemacht werden ſollte. Dieſes Viorrecht, welches ſich auf alle Muham⸗ A 
medaner erſtreckte, trug fehr viel bey, den Ort zu bevoͤllkern. Einige Zeit darauf ſtarb Ibra⸗ 
him, und ließ feine Würde, welche erblich war, feinem Sohne Solomon, Jobs Vater. 
König Abubekr ſtarb auch um eben die Zeit, und ihm folgte fein Bruder Jelazi, als 
naͤchſter Erbe. elazi hatte einen Sohn, Sambo genannt, den er unter Solomons, 
Jobs Vaters, Aufſicht that, den Koran und die arabüſche Sprache zu lernen. Job diente 
dieſem Prinzen zu einem Geſpielen, der ſein Mitſchuͤller war, und bald darauf, nach dem 
Tode ſeines Vaters Jelazi, den Thron beſtieg, und moch gegenwaͤrtig regieret. Als Job 
funfzehn Jahre alt war: fo ftund er feinem Vater als Imam oder Unterprieſter bey. Um 
eben die Zeit heirathete er des Alfa von Tombut Tochter, die damals nur eilf Jahre alt 
war. In ihrem dreyzehnten Jahre hatte er von ihr einen Sohn, Namens Abdallah, 
und bekam hernach noch zweene, Namens Ibrahim und Sambo. Zwey Jahre vor 
feiner Gefangenſchaft heirathete er die zweyte Frau, des Alfa von Tomga J) Tochter, 
von der er eine Tochter bekam, die, nach der Tochter des Propheten, Fatima genannt wuede. 
Dieſe Weiber und Kinder waren am Leben, als er vonn Haufe gieng m). ö 

Als Jobs Vater im Hornunge des Jahres 1730.1 hörte, daß ein engliſch Schiff auf Job wird 
der Gambra wäre: ſo ſchickte er ihn mit zweenen Bedienten ab, zweene Schwarzen zu abgeſchickt, 
verkaufen, und Papier und andere Nothwendigkeiten einzuhandeln. Er bath ihn aber, er Sklaven 
möchte nicht über die Gambra gehen, weil die Einwohner an der andern Seite Mandin⸗ eee 
goer, und Feinde des Volkes von Futa wären, Weil Job mit dem Hauptmanne Pyke, 
der das dem Hauptmanne Hunt zugehoͤrige Schiff ) führte, nicht eins werden konnte: fo 
ſchickte er die zween Bedienten zuruͤck, ſolches feinem Vater zu berichten, und ihm zu mel: 
den, daß er geſonnen wäre, weiter zu gehen. Nachdem er ſich alſo mit einem andern Kauf: 
manne, Namens Loumein Noa, welcher die mandimgoiſche Sprache verſtund, verglichen, 
daß er als ein Dollmetſcher mit ihm reifte: fo gieng er über die Gambra, und verkaufte 
ſeine Schwarzen fuͤr einige Kuͤhe. Auf ſeiner Ruͤckkreiſe, da er ſich in dem Hauſe eines 
Bekannten erquickte, hing er feine Waffen auf, um ſiech auszuruhen, indem das Wetter heiß 
war. Dieſe Waffen waren ſchaͤtzbar, und beſtunden aus einem Saͤbel mit einem goldenen 

Gefaͤße, 

in Galaim, deſſen in de Isles Afrique Frangoife 
erwaͤhneꝛt wird, ein wenig gegen Weſten an dem 


in dem fernſten Theile, den man bisher noch gekannt 
hat, liegt. 


7) Hier iſt ein Zeugniß, welches gerade wider⸗ 
ſpricht, daß die Sanaga und Gambra einige Ge⸗ 
meinſchaft mit einander haben. 

g) Bluet erzaͤhlet uns nicht, wie er dieſes er⸗ 
fahren. Vermuthlich ſagte Job, Futa würde ge: 
gen Oſten von einer Lache eingeſchloſſen. Weil er 
nun den Lacus Guarde antraf, der aber vermuth⸗ 
lich erdichtet iſt: ſo hielt er ihn fuͤr eben denſelben. 

5) Dieß muß gewiß falſch ſeyn, wenn Jobs 
Land ſo nahe an Fatatenda und andern Oertern 
an der Gambra liegt, als Herr Moore ſaget. 
Siehe oben a. d. 119 S. Vielleicht iſt es Bondg 


Allgem. Reifebefchr. Il Band. 


Fluſſe Fealeme, und hinter demfelben liegt das Land 
Tamba awra, (fiehe II Band a. d. 50 ©.) welches 
Herr Biluet, vermuthlich aus Irrthum, für Tom: 
bus oderr Tombuto genommen. 

1) Biluet ſchreibt Sibrabim. 

k) Bluet ſchreibt Bubaker. 

1) Diefe Frau heirathete vor Jobs Ruͤckkunft 
einen anidern Mann. a 

qm) Siehe Bluets Nachrichten von Jobs Les 
ben a. d., 12 u. f. S. 

n) Eis hieß die Arabella, und lag zu Joar. 
Mooreis Reifen a. d. 69 S. 


1731 
Job bon 
Solomon. 


Wird ſelbſt 


130 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Gefäße, einem goldenen Meſſer, und einem reichen Köcher, der ihm von dem Könige 


Sambo geſchenkt worden. 
Es begab ſich, daß eine Bande Mandingoer, die vom Raube lebten, vorbey gieng; 


und da ſie ihn unbewaffnet ſahen, brachen ihrer ſieben oder achte zur Hinterthuͤre hinein, 


zum Sklaven und banden ihn nebſt feinem Dollmetſcher o). Darauf beſchoren fie ihm das Haupt und 


gemacht, 


und nach 
Marienland 
gefuͤhret. 


den Bart, welches Job als die hoͤchſte Beſchimpfung aufnahm, obwohl ſolche nichts an— 
ders darunter ſuchten, als daß ſie wie Sklaven ausſehen moͤchten, die im Kriege gefangen 
worden. Den 27ſten des Hornungs wurden beyde an den Hauptmann Pyke verkauft, 
und den iſten März an Bord geliefert. Als aber der Hauptmann von Joben Nachricht 
erhielt, daß er eben derjenige fey, der vor einigen Tagen zu ihm gekommen, mit ihm zu han⸗ 
deln, und wie man ihn weggenommen haͤtte: fo gab er ihm Erlaubniß, ſich und feinen Ge: 
faͤhrten zu löfen p). Job ſchickte hierauf zu einem von feines Vaters Bekannten bey 
Joar, ihm ſein Ungluͤck zu melden, und ihn zu erſuchen, er moͤchte einige Muͤhe anwenden, 
ihm ſeine Freyheit zu verſchaffen. Weil es aber von der Wohnung dieſes Freundes, bis 
zu feines Vaters feiner, eine Reife von vierzehn Tagen war „), und das Schiff eine Wo— 
che nachher abſegelte: ſo ward Job nach Annapolis in Marienland gefuͤhret, und dem Hrn 
Vachel Denton, Factore bey dem Hrn Sunt, uͤberliefert. Job hörte nach der Zeit von 
einigen Fahrzeugen, die von der Gambra kamen, daß ſein Vater kurz nach des Hauptmanns 
Pyke Abreiſe, einige Sklaven hinabgeſchickt haͤtte, ihn zu löfen, und daß Sambo, der Koͤ⸗ 
nig von Futa, die Mandingoer bekriegt, und viele von ihnen, wegen ihres uͤbeln Bezeu⸗ 
gens gegen ihn, niedergehauen haͤtte. 

Denton verkaufte Joben an einen Herrn Tolſey, in Rentepland in Marienland, der 
ihn brauchte, Toback zu machen, aber bald ſah, daß Job niemals zur Arbeit erzogen wor- 
den. Sein Herr, der ihm gern etwas Leichters auftragen wollte, beſtellte ihn, das Vieh 
zu huͤten. Job wollte ſich bey dieſer Gelegenheit oftmals in die Waͤlder begeben, daſelbſt 
zu bethen: allein ein weißer Junge gab vielmals auf ihn Acht, und pflegte ſeine Andacht zu 
ſtoͤhren, indem er ihn ausſpottete, und ihm Dreck ins Geſicht warf. Dieß vermehrte Jobs 
Schwermuth ſehr, die durch ſeine Unwiſſenheit in der engliſchen Sprache, und weil er nie— 
manden hatte, bey dem er ſich beklagen konnte, vergrößert ward; fo daß er fich voller Ver: 
zweifelung entſchloß, davon zu laufen, in der Hoffnung, einem guͤtigern Herrn in die Haͤnde 
zu fallen. Mit dieſem Entſchluſſe reiſte er die Waͤlder durch, bis er an die Grafſchaft 
Kent, an der Bay Delawar, kam, die itzo fuͤr einen Theil von Penſilvanien gehalten 
wird, ob ſie wohl wirklich zu Marienland gehoͤret. Hier wurde Job, weil er keinen Paß 
hatte, und auch keine Nachricht von ſich geben konnte, vermoͤge eines Geſetzes, welches durch 
alle americaniſche Colonien, in Anſehung der weggelaufenen Schwarzen oder weißen Be— 
dienten gilt, im Brachmonate des Jahres 1731 ins Gefaͤngniß geſetzet. Bluet gieng mit 
verſchiedenen andern Herren nach des Kerkermeiſters Hauſe, welches ein Gaſthof war, ihn 


zu ſehen. Man machte ihm einige Zeichen, und er ſchrieb darauf eine oder ein Paar Zei: f 


len 


0) Moore a. d. 69 S. ſaget, er und fein Be: den ihn losgekauft haben, er wäre aber aus dem 
dienter wären von dem Könige des Landes, welches Fluſſe gefuͤhret worden, ehe fie Nachricht von feiner 


Jegra ſeyn muß, ein wenig im Lande, zwiſchen Sklaverey erhalten haͤtten. 


Tankrowal und Namina, ergriffen, und dem 7) Dieß zeiget, Bundo koͤnne nicht nahe bey 
Hauptmanne Pyke verkauft worden. Tombuto ſeyn, welches gewiß weiter, als vierzehn 
5p) Moore ſaget a. d. 69 ©. die Foleyer wuͤr⸗ Tagereiſen, von Joar ſeyn muß. Jedoch Moore 

machet 


| 


{ 
2 
| 
a 
| 


9 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. izr 


len arabiſch. Er las ſolche her, und ſprach die Worte Allah und Muhamuned aus, 1732 
woraus ſie, und weil er keinen Wein trinken wollte, erkannten, daß er ein Muhſammeda⸗ Job ben 
ner wäre; fie konnten aber nicht begreifen, von wannen er Fame, oder wie er hieher gekom- Solomon. 
men. Denn aus ſeinem leutſeligen Bezeugen und aus feiner guten Gefichtsbildung konn— 

ten fie ſehen, daß er kein gemeiner Sklave war ). 

Bald darauf wurde ein alter Schwarzer, der die Jolloifer Sprache redete, welche Job Wird nach 
auch verſtund, abgeſchickt, mit ihm zu reden. Dieſer berichtete dem Huͤter, wem er zuge: England 
hörte, und warum er weggelaufen. Der Hüter ſchrieb an feinen Herrn, welcher ihm abholte, üͤberſchickt 
und ihm gütiger begegnete, als zuvor. Er erlaubte ihm einen Ort zu bethen, umd einige 
Bequemlichkeiten, um ſeine Sklaverey leicht zu machen. Allein die Gefangenſchaft war 
Joben ſtets unertraͤglich. Er ſchrieb daher einen Brief im Arabiſchen an ſeinem Vater, 
ihm fein Unglück zu melden. Er ſchickte foichen dem Herrn Denton, und bath ihn, daß 
er durch den Hauptmann Pyke nach Africa gebracht werden möchte. Weil alber diefer 
nach England geſegelt war: ſo ſchickte ihm Denton ſolchen unter dem Einſchluſſe an Herrn 
Hunt zu London nach. Ehe aber der Brief daſelbſt ankam, war Hauptmann Pyke ſchon 
nach Africa gefegelt, fo daß Herr unt ſolchen in Händen behielt, bis ſich eine Gelegenheit 
zeigte. Unter der Zeit kam der Brief dem Herrn Oglethorpe s) zu Geſichte, der mit 
Jobs Zufalle Mitleiden hatte, und dem Herrn Hunt ſeine Handſchrift zur Bezahlung 
einer gewiſſen Summe bey Jobs Auslieferung in England gab. Hunt ſchrielb deswe— 
gen an den Herrn Denton nach Annapolis, der Joben von ſeinem Herrn fuͤr eben die Sum— 
me kaufte, die er dafuͤr gegeben; und ſchickte ihn im Maͤrz des Jahres 1733 in dem Wil⸗ 
helm, unter dem Hauptmanne Wrick, nach England, in welchem Schiffe Bluet, der 
Verfaſſer, als ein Reiſender gleichfalls mit uͤberkam. 

Job lernte auf der See das Engliſche verſtehen, und fuͤhrte ſich ſo auf, daß er aller Findet Mit⸗ 
Hochachtung und Liebe erwarb. Bey ſeiner Ankunft in England im April 1733 fand er, leiden. 
daß Herr Oglethorpe nach Georgien gegangen war. Herr Hunt aber verſchaffte ihm 
eine Wohnung zu Limehouſe, wo ihn Bluet bey feiner Zuruͤckkunft von feinen Freunden in 
dem Lande beſuchte, und ihn ſehr niedergeſchlagen fand; da ſich einige Perſonem an den 
Herrn Hunt gewandt, ihn zu kaufen, von welchen er befürchtete, fie möchten ihm wieder 
verkaufen, oder ein unbilliges Loͤſegeld fordern. Bluet nahm ihn mit Hrn Sunts Erlaubniß 
mit ſich hinab nach Cheſchunt in Hertfordſchire, nachdem er das Verſprechen von ihm erhal- 
ten, nichts wegen Jobs zu verfugen, bis er weiter etwas von ihm gehört hätte, Job wurde 
von den Herren des Landes ſehr geliebkoſet, die an ſeiner Geſellſchaft ein Beliebem zu fin⸗ 
den, und von feinem Ungluͤcke geruͤhret zu ſeyn ſchienen. Man machte ihm einige ſchoͤne 
Geſchenke, und es wurde eine Unterzeichnung vorgeſchlagen, um eine Summe aufzubrin- 
gen, den Herrn Hunt zu bezahlen t). 

Den Abend vorher, ehe Job nach London zuruͤckkehrte, erhielt er von Herrn Holdens Wird aufun⸗ 


Bedienten einen Brief an ſich, welcher unter dem Umſchlage an Herrn Bibye Lake kam, terzeichnung 
R 2 und losgelaſſen, 


machet nur ſieben Ruheplaͤtze zwiſchen Joar und uͤberſetzt zu werden, woraus er eine ſo gute Mey⸗ 
Bundo, wie in einer Note vorher bemerket nung von dem Manne bekommen, daß er befohlen, 
worden. man ſollte ihn von ſeinem Herrn kaufen, und bald 
7) Bluets Nachrichten a. d. 18 u. f. S. darauf nach Georgien ſenden. 
s) Moore faget a. d. 202 S. Öglerborpe :) Bluets Nachrichten auf der 22 umd folgen: 
habe den Brief nach Oxford geſchickt, um daſelbſt den Seite. 


1733 
Job ben 


Solomon. 
— — 


erhaͤlt viele 
Geſchenke, 


kehret nach 
Africa zu⸗ 
th, 


132 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


und in dem africaniſchen Hauſe abgegeben wurde. Die Vorſteher befahlen darauf dem 
Herrn unt, ein Verzeichniß einzugeben, was ihm Job in allem gekoſtet haͤtte. Seine 
Rechnung belief ſich auf neun und funfzig Pfund ſechs Schillinge und eilf Pence, welche 
von der Compagnie bezahlt wurden, und Herrn Oglethorpes Handſchrift ward an dieſelbe 
ausgehaͤndiget. Jobs Furcht aber war noch nicht vorbey; denn er bildete ſich ein, er 
müßte ein großes Loͤſegeld bezahlen, wenn er nach Haufe Fame, indem die Unterzeichnung noch 
in der Geburt war. Herr Bluet ſprach mit einem Herrn, der ſolche damit anfing, daß er 
ſelbſt eine ſchoͤne Summe unterzeichnete. Ihm folgten einige in London, und auf dem 
Lande, welche das Ihrige gleich beytrugen. Es fehlten aber noch zwanzig Pfund an der 
noͤthigen Summe, welchen Mangel der erſte Unterzeichner großmuͤthig erſetzte, und die 
Summe voll machte. Bey Bezahlung derſelben befahl die africaniſche Compagnie, Herrn 
Oglethorpes Handſchrift zu zernichten, und gab Joben ſeine Freyheit, welche unter ihrem 
eigenen Siegel foͤrmlich ausgefertiget ward. Sie befahl außerdem, Job ſollte in dem afri⸗ 
caniſchen Hauſe auf der Compagnie Unkoſten bedienet werden, bis ihn eins von ihren 
Schiffen nach der Gambra zuruͤck führen, und ihn feinen Freunden ohne Hſegeld wie 
dergeben koͤnnte. \ 

Da Jobs Gemuͤth nunmehr ruhig war: fo befuchte er feine Freunde und Bekannten 
mit Vergnuͤgen. Eines Tages, da er bey dem Herrn Hans Sloane war 1), bezeugte 
er ein großes Verlangen, die koͤnigliche Familie zu ſehen. Herr Sloane verſprach ihm, 
er wollte ihn auffuͤhren, ſo bald er gehoͤrige Kleider haͤtte. Job, hatte einen guten Freund, 
an den er ſich wandte, und war bald in einem reichen ſeidenen Kleide gekleidet, welches nach 
feiner Sandesarf gemacht war, und wurde alſo zu ihren Majeſtaͤten, und der übrigen koͤnig— 
lichen Familie gefuͤhret. Die Koͤniginn geruhte, ihn mit einer reichen goldenen Uhr zu 
beſchenken, und an eben dem Tage hatte er die Ehre, mit dem Herzoge von Montagu, und 
andern vom Adel zu ſpeiſen, die nach der Tafel ein ſchoͤnes Geſchenk fuͤr ihn ſammelten. 
Der Herzog nahm ihn oft mit aufs Land, zeigte ihm die zum Pflanzen und Gartenbaue 
noͤthlgen Werkzeuge, und ließ feine Bedienten ihm den Gebrauch derſelben zeigen. Nach 
dieſem verſah er Joben mit allerley ſolchen Werkzeugen, und einigen reichen Geſchenken, 
die er in Kiſten packte, und zu ſeinem Gebrauche an Bord ſchickte. Er erhielt viele andere 
Geſchenke und Gewogenheiten, von den vornehmſten Standesperſonen x) und Edelleuten, 
deren Werth ſich auf fuͤnfhundert Pfund und druͤber belief; und im Heumonate 1734 nach 
einem vierzehnmonatlichen Aufenthalte in London, gieng er an Bord eines von der Com— 
pagnie Schiffen, das nach der Gambra beſtimmt war ). a. 5 

Hier endiget ſich Bluets Erzählung, und wir wollen die Erzählung aus Moores Rei⸗ 
ſen ergaͤnzen. 

Job landete den folgenden Sten Auguſt zum Jamesfort, nachdem er auf eine befondere 
Art von der Compagnie ihrem Statthalter und Factoren in dieſem Lande empfohlen wor— 
den, welche begierig waren, ihm mit der groͤßten Hoͤflichkeit und Ehrerbiethung zu begegnen. 

ob, 
) Moore faget a. d. 203 S. es habe ihn Moore in feinen Reifen a. d. 203 S. ihre koͤnig⸗ 
Herr Hans Sloane gebrauchet, einige arabiſche liche Hoheiten, der Graf vom Pembroke, ver⸗ 
Manuſeripte und Aufſchriften auf Muͤnzen zu ſchiedene vornehme Frauenzimmer, Herr Holden 
uͤberſetzen, und habe ihn dem Herzoge von Mon: und die koͤniglich africaniſche Compagnie. 
tagu empfohlen, der ihn bey Hofe eingefuͤhret. 5) Bluets Nachrichten a. d. 28 u. f. S. 


*) Einige von dieſen waren nach dem Herrn 2) Die Thorheit und Eitelkeit dieſes 1 
mu 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. 133 


Job, der gern mit einigen von ſeinen Landesleuten zu Kower, nahe bey Joar, welches 


mit dem Herrn Moore hinauf, der damals zum Oberfactore daſelbſt beſtimmt war. Den 


734 
elner Woche Reife von Bunde iſt, reden wollte, gieng den 23ften in der Schaluppe Fama Job ben 


lomon. 


26ſten des Abends erreichten fie den Kriek von Damaſenſa. Als Job daſelbſt mit Mod.. Trifft dieje- 
ren unter einem großen Baume ſaß, ſo ſah er ſieben bis acht von dem Volke vorbey gehen, nigen an, die 
die ihn vor drey Jahren, dreyßig engliſche Meilen von hier zum Sklaven gemacht hatten. ihn verkauft 
Obgleich Job gelaſſen war: fo konnte er ſich doch ſchwerlich enthalten, ſondern hätte fie mit haben. 


feinem breiten Schwerdte und Piſtolen, die er ſtets bey ſich führte, umgebracht, wenn ſich 
nicht Moore dazwiſchen gelegt, und ihn abgerat hen hätte, indem er ihm die Gefahr und 
Thorheit ſeines Unternehmens vorſtellte. Er rief aber dennoch die Leute, und fragte ſie 
verſchiedenes ſeinetwegen, und unter andern auch, wie der König, ihr Herr, der ihn vers 
kauft haͤtte, geſtorben waͤre. 

Bey dieſer Nachfrage fand Job, daß der Koͤnig zufaͤlligerweiſe von einer Piſtole ge⸗ 
toͤdtet worden, die er um ſeinen Hals zu ſchleudern pflegte. Weil ſie nun geladen war, ſo 
gieng ſie los und ihm in den Hals, worauf er auf der Stelle blieb. Es ſchien, daß dieſe 
Piſtole ein Stuͤck von den Guͤtern geweſen, die er von dem Hauptmanne Pyke bekommen, 
da er Joben verkauft. Job ward daruͤber ſo entzuͤckt, daß er auf ſeine Knie fiel, und dem 
Muhammed dankte, daß er ſeinen Feind durch eben die Guͤter zernichtet, fuͤr die er ihn 
verkaufet; und indem er ſich zu Mooren wandte, ſagte er: „Ihr ſehet, daß Gott einen 
„Misfallen an dieſem Manne gehabt, da er mich zum Sklaven gemacht, und daß er ihn 
„ deswegen durch die Piſtole getoͤdtet, wofuͤr er mich verkaufet hat 23. Jedoch, ich muß 
„es ihm verzeihen, ſetzte er hinzu; denn wenn ich nicht verkauft wäre: fo wuͤrde ich nie— 
„ mals die engliſche Sprache gelernt haben, noch die ſchoͤnen, nuͤtzlichen und ſchaͤtzbaren Sa⸗ 
„chen beſitzen, deren ich genieße, noch einen ſolchem Ort, als England, noch fo gute groß⸗ 
„muͤthige Leute geſehen haben, als ich daſelbſt gefunden,. 

Den ıften des Herbſtmonats erreichten Job und Moore Joar, von da Job den ı4ten 
einen Bothen nach Bunda abſchickte, ſeinen Freunden Nachricht von ſeiner Ankunft zu 
geben. Der Bothe war ein Foley, der Joben umgefaͤhr kannte, und ſich hoͤchlich erfreute, 
ihn zu ſehen, indem er der einzige Menſch war, außer noch einem, der, ſo viel man wußte, 
jemals aus der Sklaverey zuruͤck gekommen. Job gab dem Bothen ſeine Befehle, und 
bath, ſein Vater moͤchte nicht herab kommen, ihn zu beſuchen, weil er noch eine gar zu weite 
Reife von ihm entfernt waͤre, und es ſich beſſer ſchickte, daß die juͤngern die Alten, als die 
Alten die juͤngern beſuchten. Er ſchickte auch durch ihn einige Geſchenke an ſeine Weiber, 
und bath ihn, ſeinen Kleinen mit ſich herab zu bringen, der ſein Liebling war. 

Waͤhrend der Zeit ſprach Job ſehr wohl von den Englaͤndern, unter ſeinen Landesleu— 
ten, den Foleyern, die ſich vordem einbildeten, alle diejenigen, welche zu Sklaven verkauft 
wuͤrden, wuͤrden gegeſſen oder ermordet, weil Feiner 4 zuruͤck kam. Er verkaufte hier 

3 einige 


get haben, wenn er feine Sklaverey als eine Strafe 


muß ſehr groß geweſen ſeyn, daß er vermuthet, 
Gott haͤtte dieſen Koͤnig bloß ſtrafen wollen, um 
dasjenigelnrecht zu rächen, welches er ihm angethan; 
dasjenige aber, da er hundert andere zu Sklaven 
gemacht, ſo ungeſtraft hingehen laſſen. Job wuͤr⸗ 
de mehr Demuth, wo nicht mehr Vernunft gezei⸗ 


angeſſehen, daß er mit Sklaven gehandelt, und ſeine 
beydem Negerbruͤder au die Welßen verkaufen wollen, 
ob er gleich geglaubt, daß ſie entweder würden gegeſ⸗ 
fen oder ermordet werden; welches, wie man ein mer 
nig weiter unten ſieht, der Fulier Meynung geweſen. 


S 
B 


chickt nach 


unda. 


2 4 2 Ne. 2 5 
134 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1734 einige von feinen Geſchenken für Handelsguͤter, für welche er eine Sklavinn, und zwey Pfer⸗ 
Job ben de kaufte, die ihm ſehr nuͤtzlich waren, und die er nach Bunda zu führen dachte. Er gab 
Solomon. auch feinen Landesleuten viel Schreibpapier, welches eine brauchbare Waare bey ihnen iſt =), 
g wovon ihm die Gefellfchaft viele Rieß gegeben hatte. Weil der Bothe nicht fo bald wies 
der kam: fo gieng Job den 26ſten des Herbſtmonats, in der Schaluppe Fama, nach dem 
a Jamesfort zuruͤck b). 
Erhaͤlt Zei: Den 29ſten Jenner 1733⸗4 kehrte er wieder nach var, und den laten des Hornungs: 
tung vom kam der Bothe von Bunda mit Briefen, und der Nachricht zurück, daß Jobs Vater ges 
Hauſe. ſtorben, ehe er hieher gekommen, doch hätte er noch vor feinem Tode den Troſt gehabt, daß 
er von ſeines Sohnes Befreyung gehoͤret, und was er in England fuͤr eine Figur machte. 
Eine von Jobs Frauen haͤtte ſich wieder verheirathet, ihr Mann aber, da er von Jobs Zu⸗ 
ruͤckkunft gehoͤret, ſich verſtecket. Seit der Zeit da er weggegangen, waͤren ſolche Kriege 
in ſeinem Lande geweſen, daß kein Vieh daſelbſt leben geblieben. Mit dem Bothen kamen 
einige von Jobs alten Bekannten, die er freudig aufnahm: doch ſchien er von ſeines Va⸗ 
ters Tode, und dem Ungluͤcke ſeines Landes ſehr geruͤhret zu ſeyn. Er verzieh es ſeiner 
Frau und dem Manne, der fie geheirathet hatte, und ſagte: „fie haͤtte ihn muͤſſen für 
„tobt halten, weil er nach einem Lande gegangen, von welchem noch kein Foley zurück ge⸗ 
„kommen, daher er weder fie, noch den Mann ſchelten koͤnnte , Seine Unterredung mit 
ſeinen Freunden daurete drey oder vier Tage, ohne eine andere Unterbrechung, als eſſen 
und ſchlafen. 
Reiſt von Als Moore weggieng, verließ er Joben nebſt dem Statthalter Hull zu Joar den Sten 
Joar; April 1735, welche den folgenden Tag zuſammen nach Nanimarew fahren wollten, um 
nach dem Gummiwalde bey Jobs Lande zu gehen. Job ſchickte mit ihm Briefe an den 
Herzog von Montagu, die koͤnigliche africaniſche Compagnie, den Herrn Oglethorpe und 
einige andere, und bezeugte die groͤßte Regung der Dankbarkeit und Neigung gegen die 
engliſche Nation darinnen c). 
iſt ſchoͤn von Was Jobs perſoͤnlichen Character betrifft, ſo berichtet uns Bluet, er ſey fuͤnf Fuß zehn 
Perſon. Zoll hoch, von ſtarken Gliedmaßen, und einer guten Leibesbeſchaffenheit geweſen; ob er 
gleich durch fein gottesdienſtliches Faſten, welches er genau beobachtete, und die ausgeftan- 
denen Beſchwerlichkeiten, hager und ſchwaͤchlich zu ſeyn ſchien. Er ſah ſehr angenehm, 
jedoch ernſthaft und geſetzt aus. Sein Haar war lang, ſchwarz und lockigt, und von der 
Schwarzen ihrem unterſchieden. 
Seine große Seine natürlichen Gaben waren vortrefflich. Er hatte einen gruͤndlichen Verſtand, 
Gaben und ein fertiges Gedaͤchtniß und einen offenen Kopf. Aller feiner Religionsvorurtheile unge- 
Fahigkeit, achtet, urtheilte er doch mit großer Gelaſſenheit und Unparteylichkeit, und zeigte bey einer 
guten geſunden Vernunft, und einer unſchuldigen Einfalt, eine ſtarke Hochachtung gegen 
die Wahrheit, und eine herzliche Begierde, ſolche zu finden. 
Die Schaͤrfe ſeines Verſtandes erſchien bey vielen Gelegenheiten. Er begriff die Zu— 
ſammenſetzung verſchiedener Werkzeuge gleich, und wenn er einen Pflug, eine Uhr 9 eine 
orn⸗ 
4) Der Verfaſſer ſollte uns geſagt haben, wozu. einer war, und die allein unter ihnen ſchreiben 
Wir wiſſen nicht, wozu es ihnen nuͤtzen kann, außer koͤnnen. | | 


daß Grisgris oder Zauberzeichen von ihren Mar: 6) Moores Reiſen a. d. 202 u. f. ©. 
buten darauf geſchrieben werden, von denen Job c) Ebendaſ. a. d. 223 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. 135 


Kornmuͤhle aus einander nehmen ſah: fo war er im Stande, ſolche ohne weitere Anwei-⸗ 1734 
ſung wiederum zuſammen zu ſetzen. Job ben 
Sein Gedaͤchtniß war fo außerordentlich, daß er im ısten Jahre den Koran auswen⸗ Solomon. 


dig herſagen konnte; und er ſchrieb, da er in England war, ſolchen dreymal ab, ohne eine großes Ge⸗ 
andere Abſchrift dabey zu gebrauchen, oder eine von den dreyen zu Rathe zu ziehen, da er daͤchtniß. 
die andere ſchrieb. Er lachte, wenn er von der Vergeſſenheit reden hörte, welches eine Sa: 

che war, wovon er keinen Begriff hatte. 

Seine natuͤrliche Gemuͤthsart zeigte eine glückliche Miſchung des Ernſthaften und An- Gemuͤths⸗ 
genehmen; eine freundliche Sanftmuth, die von einer gehoͤrigen Hitze unterſtuͤtzet wurde, art und 
und ein gütiges mitleidiges Weſen gegen jedermann. In feinem Umgange war er ſehr an- ee 
genehm, und ergößte die Geſellſchaft zuweilen mit einem witzigen Einfalle oder einer luſti⸗ 
gen Geſchichte, aber niemals zum Nachtheile der Religion 4) oder guten Sitten. Bey ge⸗ 
hoͤriger Gelegenheit hatte er auch Herz genug, wovon folgende Geſchichte, die er ſelbſt er⸗ 
zaͤhlet, ein Beweis iſt. Als er eines Tages in dem Lande der Araber e) mit vier Dienern 
nach Hauſe gieng: ſo wurde er von funfzehn von dieſem wilden Volke, welches eine Art von 
Banditen oder Raͤubern iſt, angegriffen. Job ruͤſtete ſich zu ſeiner Vertheidigung, ſtellte 
einen von ſeinen Bedienten hin, die Schwarzen zu bewachen, und ſtund mit den andern 
dreyen auf ſeiner Hut. In dem Gefechte verlohr er einen von ſeinen Leuten, und ward mit 
einem Spieße, an dem Beine verwundet. Nachdem er aber zweene Araber nebſt ihrem 
Hauptmanne und zweyen Pferden getoͤdtet hatte: fo flohen die übrigen, und Job kam 
ſicher weg f). W 

Einsmals fand er eine von ſeines Vaters Kuͤhen getoͤdtet, und zum Theile aufgefreſſen. Ein ander 
Dieß brachte ihn auf den Entſchluß, den Raͤuber und Moͤrder, wenns moͤglich waͤre, zu uͤber— Behſpiel. 
fallen. Er ſtellte ſich alſo in einen Baum, unweit von dem übrigen Körper, und ſah gegen 
Abend zweene Loͤwen mit großer Vorſicht herbey kommen, welche langſam ſchlichen, und ſorg⸗ 
faͤltig um ſich herum ſahen. Endlich naͤherte ſich einer, und Job ſchoß und verwundete ihn mit 
einem vergifteten Pfeile fo toͤdtlich, daß er auf der Stelle umfiel. Der andere kam bald 
hinter her, und Job ſchoß und verwundete ihn mit einem andern Pfeile, woruͤber er bruͤllte 
und davon floh; den folgenden Morgen aber ward er dreyhundert Ellen weit von dem 
Platze 9) todt gefunden. 

Sein Widerwille gegen die Gemaͤlde war ſehr außerordentlich; und man konnte ihn Widerwille 
nur mit vieler Muͤhe uͤberreden, daß er ſich zeichnen ließ. Als das Geſicht fertig war: ſo gegen die 
fragte Herr Hoare in was für Kleidung man ihn malen ſollte; und da Job feine Landes⸗ Gemälde, 
tracht erwaͤhlte, fo ſagte der andere, er koͤnnte folche nicht zeichnen, wenn er fie nicht gefe- 
hen hätte, oder von einem, der fie geſehen, beſchreiben hörte. Job verſetzte darauf: warum 
laſſen ſich denn einige von euren Malern einkommen, Gott zu ſchildern, den kein Menſch 
jemals geſehen hat? 

Seiner Religion nach war er ein Muhammedaner, aber ein gelinderer, als fie gemei- Seine Reli⸗ 


niglich ſind. Er verwarf die Vorſtellungen von einem ſinnlichen Paradieſe, und viele an- gion. 
0 dere 


4) Der Verfaſſer vergißt, daß er ein Prieſter ) = Bluets Nachrichten von Job g. d. 


geweſen. ö 46 u. f. S. 
e) Dieß muß gegen Norden von der Sanaga 4) Ebendaſ. a. d. 38 D. 


geweſen ſeyn. 


1734 


136 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


dere mündliche Sagen, die unter den Tuͤrken herumgehen Y). Er war beftändig in ſeiner 


Job ben Andacht gegen Gott, und hatte eine ſolche Ehrerbiethung für ihn, daß er niemals den Na— 


Solomon inen beſondern Ton und eine merkliche iederholete 2). 
men Allah ohne einen beſondern T rkliche Pauſe wiederholete 7) 


— 


Gelehrſam⸗ 
keit. 


Deutſeligkeit. 


Haushal⸗ 
tung und 
Arbeit. 


Seine 
Begriffe von der hoͤchſten Gottheit und einem kuͤnftigen Leben waren richtig und vernuͤnftig. 


Er hing an der Einheit Gottes ſo feſt, daß es nicht moͤglich war, ihm den geringſten Begriff 
von der Dreyeinigkeit beyzubringen; fo daß, da man ihm ein Reu Teſtament in feiner eige: 
nen Sprache geſchenket, er nach Durchleſung deſſelben ſagte: er hätte es forgfältig geleſen, 
koͤnnte aber nicht ein Wort von dreyen Goͤttern darinnen finden, wie einige Leute ſagten. 

Er as kein Fleiſch von Thieren, als die er ſelbſt getoͤdtet, ob er ſich wohl bey den Fi⸗ 
ſchen kein Bedenken machte. Schweinefleiſch aber wollte er nicht anruͤhren. 

Seine Gelehrſamkeit, in Betrachtung feiner ſchlechten Erziehung, war nicht zu verach: 
ten; da die Buͤcher ſeines Landes alle geiſtliches Inhalts, arabiſch geſchrieben, und nicht uͤber 
30 an der Zahl waren. Er ſagte, der Koran waͤre urſpruͤnglicher weiſe von Gott nicht in der 
Sprache geſchrieben „), und von dem Engel Gabriel dem Abubekr gebracht, einige Zeit vorher, 
ehe Muhammed gebohren worden ). Muhammed habe Abubekrn gelehrt, ſolchen zu leſen; 
und es koͤnnte ihn niemand leſen, der nicht auf eine ganz andere Art unterrichtet wäre, als 
man insgemein das Arabiſche lehrte. Job war mit den hiſtoriſchen Stuͤcken der Bibel 
wohl bekannt, und ſprach mit großer Ehrerbiethung von denen in der Schrift erwähnten 
frommen Leuten; vornehmlich von Jeſu Chriſto, von dem er ſagte, er waͤre ein ſehr guter 
Prophet, und wuͤrde mehr Gutes in der Welt gethan haben, wenn er nicht ſo bald von den 
nichtswuͤrdigen Juden wäre hingerichtet worden m), Dieß machte es nothwendig, daß 
Gott den Muhammed ſenden mußte, feine Lehre zu beſtaͤtigen und zu verbeſſern. 

Job verglich ſich oftmals mit Joſephen 1); und als er erfuhr, daß der König von 
Futa viele von den Mandingoern ſeinetwegen getoͤdtet hatte: fo ſagte er mit vieler Betruͤb⸗ 
niß, wenn er da geweſen waͤre, ſo wuͤrde er ſolchem vorgebeuget haben; denn es haͤtten ihn 
nicht die Mandingoer, ſondern Gott in ein fremdes Land gebracht o). | 


Der II Abſchnitt. * 


Einige Anmerkungen von dem Koͤnigreiche Futa, wie ſolche Job ben Solomon 
dem Herrn Bluet erzaͤhlet. 
Haushaltung und Arbeit der Einwohner. Staͤrke fuͤhrung. Beſchneidung und Taufe. 


und Schlauigkeit der Elephanten. Starkes niß. Abſcheu vor den Bildern. 
Gift. Gegengift. Heirathen. Cheliche Auf- 


Ay Jobs Lande, wovon ſchon im Anfange einige Nachricht gegeben worden, werden die 

Sklaven und aͤrmern Leute gebraucht, das Brodt, Korn u. ſ. w. zuzurichten. Sie ar: 

beiten mit vieler Beſchwerlichkeit, indem ſie nicht die gehoͤrigen Werkzeuge haben, den Bo⸗ 
den 


Korans aus der Reinigkeit der Schreibart deſſelben 
beweiſen. | 


Begraͤb⸗ 


5) Sie haben ihre Meynungen von dem buch⸗ 
ſtaͤblichen und figuͤrlichen Verſtande ihrer Schriften 
ſo gut, als die Chriſten. 


) Eben das wird von dem berühmten Herrn 
Boyle gefagt. 

4 Dieß muß gewiß entweder ein Verſehen des 
Verfaſſers oder des Druckers ſeyn; denn die mu⸗ 
hammedaniſchen Lehrer wollen die Goͤttlichkeit des 


7) Dieß iſt dem Zeugniſſe des Korans ſelbſt zu⸗ 
wider, wo Muhammed ſaget, er waͤre ihm zu ver⸗ 
ſchiedenen Zeiten von dem Engel Gabriel gebracht 
worden. g | 

m) Dieß ift ein anderer Irrthum; denn die 
Muhawmedaner glauben, daß Judas, nachdem er 


Chriſtum 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VII Cap. 137 
den zu ackern, oder das Korn einzuerndten, wenn es reif iſt; ſo, daß ſie zur Erndtezeit es 1732 
mit den Wurzeln auszureißen pflegen. Um aus ihrem Korne Mehl zu machen, reiben fie Job ben 
es mit ihren Händen zwiſchen zweenen Steinen. Sie haben auch beym Bauen oder Weg⸗ Selomon. 
bringen nicht weniger Beſchwerden, indem alles durch bloße Kraft der Stärfe und muͤh⸗ 
ſame Arbeit geſchieht. Die beſſere Art von Leuten, die ſich aufs Studieren und Leſen legen, 
iſt genoͤthiget, die ganze Nacht hindurch bey einem Feuerlichte zu leſen, welches in einem fo 
heißen geſchwuͤlen Lande ſehr beſchwerlich ſeyn muß. 
Einige von dieſen Leuten wenden einen großen Theil ihrer Zeit aufs Jagen, vornehmlich Stärke und 
Elephanten aufzuſuchen, mit deren Zaͤhnen ſie einen großen Handel treiben. Einer von ih⸗ Schlauigkeit 
nen verſicherte Joben, er hätte geſehen, wie ein Elephant einen Löwen überfallen, gegen der Clephan⸗ 
welches Thier er eine große Feindſchaft zu haben ſchien; und nachdem er ſolchen zu einem 2 
Baume gefuͤhret, denſelben von einander geſplittert, darauf des Löwen Kopf hindurch ge⸗ 
ſteckt, den Baum um ſeinen Hals wieder dicht zuſammenfallen, und ihn daſelbſt umkommen 
laſſen. Dieſe Erzaͤhlung wird durch das, wovon er ſelbſt Zeuge geweſen, glaubwuͤrdig ge⸗ 
macht. Er ſah naͤmlich einen Elephanten einen Loͤwen fangen, und ihn geradesweges nach 
einem großen Sumpfe führen, wo er deſſen Kopf unter den Moraſt ſteckte, und ihn fo lange 
niederhielt, bis er eyſtickt wa. ana en AN ENT 

Das Gift, worein ſie ihre Pfeile tauchen, iſt der Saft von einem gewiſſen Baume, Starkes 
und von einer ſolchen Eigenſchaft, daß er in kurzer Zeit das Blut anſtecket, und das Ge⸗ Gift. 
ſchoͤpf dumm und ſinnlos machet. Obees gleich ein fo toͤdtliches Gift iſt: fo haͤlt es den⸗ 
noch die Einwohner nicht ab, das Fleiſch von dem Thiere zu eſſen, welches damit geſchoſſen 
worden. Denn ſobald es ſo betaͤubt iſt, daß es niederfaͤllt: fo fangen ſie es, ſchneiden ihm 
die Kehle ab u. ſ. w. wie ihnen ihr Geſetz befiehlt, und eſſen es alsdann. Wenn ein 
Menſch mit einem von dieſen Pfeilen verwundet wird: ſo haben ſie ein Kraut, welches, 
wenn es ſogleich aufgelegt wird, ein ſicheres Huͤlfsmittel iſt, und den Gift auszieht. 
Der Verfaſſer nimmt hier Gelegenheit, anzumerken: 1) daß in allen Ländern, wo Gegengift. 
wilde Thiere ſind, ſolche den Anblick der Menſchen ſcheuen, und ſie niemals anfallen werden, 
wenn ſie irgend durch die Flucht entwiſchen koͤnnen p). 2) Daß alles Gift, von welcher 
Natur es auch ſeyn mag, gemeiniglich ſein Gegengift in der Naͤhe bey ſich hat, wovon uns 
der Verfaſſer ein außerordentliches Beyſpiel giebt. Sin bie | 0 
Die Milch oder der Saft, der aus den K 


er d wi oder der Kaſſadorwurzel gepreßt wird, 
aus welchen Wurzeln das Brodt eben dieſes Namens gemacht wird, welches in Jamaica, 
Barbadoes, und allen caribiſchen Eylanden gebraucht wird, iſt ein fo toͤdtliches Gift, daß 
ein Noͤſel davon ſogleich ein Thier tödten wird, welches daſſelbe trinkt. Dennoch kannte 
der Verfaſſer eine Kuh, die einen guten Trunk davon that, und ſogleich, als ob ſie ihre Ge⸗ 
fahr merkte, hingieng, und von einem Strauche fraß, der daſelbſt insgemein waͤchſt, und 
die 


* 


Chriſtum verrathen, ihm fo gleich geworden, daß 
ihn die Juden ergriffen, und ſtatt ſeiner gekreuziget 
haͤtten. 

n) Warum nicht lieber mit feinem Namensver⸗ 
wandten Hiob? Ein ander Beyſpiel von ſeiner Ei⸗ 


telkeit und ſeiner Einbildung, daß er ein beſonderer 
Liebling Gottes ſey. Und was noch ſeltſamer iſt: 
ſo hat ſein Lebensbeſchreiber, ob er gleich von einer 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 


ganz andern Religion geweſen 1 feinen ganzen Des 
ſchluß angewandt, eben dieſe Ungereimtheit zu bes 
weiſen. 


0) Bluets Nachrichten, auf der 30 und 50 und 


folgenden Seite. f 


p) Dieß iſt fo zu verſtehen, im Falle fie nicht 
vom Hunger getrieben werden. a 


S 


Ehliche Auf: 
führung. 


Beſchnei⸗ 
dung und 
Taufe. 


nen Perfonen zuſammengekommen find; fo giebt der Vater dem Kinde einen Namen, wel: 
HANS ER HEN 13213107 Er eins uk 31138312 119, un \ a 75 


er zu ſehen. Ob Job alſo gleich eine Tochter von ſeiner letztern Frau hatte: ſo ſah er ſie doch 
niemals ohne ihren Schleyer, weil er erſt zwey Jahre mit ihr verheirathet geweſen, als er 
von Haufe gegangen. Um den Zank zu vermeiden, und den Hausfrieden zu erhalten, thei- 
len die Maͤnner ihre Zeit unter ihre Weiber gleich ein. Sie ſind darinnen ſo genau, daß, 
wenn die eine Frau in Wochen liegt, der Mann diejenigen Naͤchte, in welchen ſie dran 
koͤmmt, in ihrem Zimmer allein, und nicht bey den andern Weibern ſchlaͤft. Wenn eine 
Frau ſehr ſchlecht iſt: ſo jagen ſie ſolche weg, doch behaͤlt ſie ihr Leibgedinge. In dieſem 
Falle kann ſie ſich wieder verheirathen; ſie verſtoßen aber ihre Weiber ſelten wegen gerin⸗ 
ger Urſachen. Wenn eine Frau ihren Mann verlaͤßt: ſo muß ſie ihm ihr Leibgedinge oder 
Heirathsgut wiedergeben; und wird nachher als eine ſo ſchaͤndliche Perſon angeſehen, daß 


ſich niemand um ſie bekuͤmm er.. | | 
Alle ihre Knaben werden beſchnitten. Außerdem aber haben fie noch eine Art von 


Taufe fuͤr beyderley Geſchlecht. Wenn das Kind ſieben Jahre alt iſt, und die eingelade⸗ 


chen 


J Bluets Nachricht, a. d. 35 u. f. S. .) Der Verfaſſer hätte fo guͤtig ſeyn, und uns 

e, ik viel ein. ſagen ſollen, wo dieſe Factorey liegt. Es iſt keine 
h Dieß iſt ein Irrthum des Verfaſſers, als wenn näher, als Kaygnu an der Falema, oder Mankanet 
die muhammedaniſche Lehre in dieſen Laͤndern der an der Sanaga. Wir beſorgen aber, daß weder 
Schwarzen feiner ſeyn könnte, als unter den gefit: Bunda fo. nahe an der Sanaga liege, noch daß ſich 
tetern und ſchlauern Aſiaten. die Franzoſen ſo nahe bey Tombuto geſetzt haben, 

2) Dieß zeiget, daß fie mit den Türken von ei⸗ 1 nach Bluets Nachrichten dicht bey Dunda 
| a ele. egt. 1 ö N a | 


nerley Secte find. 


nr 


von Capo Blanco bis Sierra Ceona- VI Buch VII Cap. 39 
chen der Prieſter auf ein Stückchen glatt Brett ſchreibt. Darauf wird nach Beſchaffen⸗ 1732 
heit des Vermoͤgens, eine Kuh oder ein Schaf ace und 1 8 a davon für die Ge⸗ Job ben 
ſellſchaft angerichtet, das übrige aber unter die Armen ausgetheilet. Nach dieſem wird Solomon. 
das Kind über und ‚über mit ſchoͤnem Waſſer gewaſchen, und der Prisſter ſchreibt alsdann 
des Kindes Namen auf ein Papier, welches zuſammengerollet, und ihm um den Hals ge⸗ 
bunden wird 5), wo es ſo lange bleibt, bis es v ragen oder abgerieben iſt. 


Ihre Be haben nichts merkwürdiges. Sie legen den tödten Körper. in die Begraͤbniß. 
Erde, und bedecken ihn, wie es in England geſchieht. Sie ſprechen einige Gebethe uͤber 
demſelben, welche, wie Job ſagte, bloß zum Beſten der Beyſtehenden, und ae Be 
Perſon, ſeyn follen, als welche keinen Vortheil von ihrer Andacht baben koͤnnte. 


Ihre Meynungen und Traditionen in Religions ſachen ſind mit der — 7 Abſchen vor 
medaner ihren ziemlich einerley, wiewohl die Gelehrten unter ihnen den groben und ſinnli⸗ den Bildern. 
chen Lehren des Korans ein wahrſcheinlicher und feiner Anſehen geben, als die in der Tuͤr⸗ 
key und an andern Orten ). Sie haben einen ſtarken Abſcheu vor dem geringſten Scheine 
der Abgoͤtterey; fo, daß fie kein Gemälde von irgend einer Art in ihren Haͤuſern haben wer⸗ 
den t); und der roͤmiſchkatholiſche Gottesdienſt in der franzoͤſiſchen Factorey in ihrer 
Le u), hat ei in der Mernung, daß alle Chester 8 us: * ſehr 

eſtaͤrket. 

Es ſcheint, der Verfaſſer babe noch verſchiedene andere umſtaͤnde von ihrer Kleidung, 
ihren Häufern, ihrer Haushaltung und dergleichen, hinzu thun koͤnnen: er bricht ae 1 
weil ſolches, wie er ſagel, Breeig in andern Büchern 7 . worden 5 


‚de 6 


S 2 Das 

) Sie halten fie überhaupt für Abgoͤtter, weil Name kaum in einem gefunden wird, welches bis 

fie die Dreyeinigkeit glauben; fie haben aber noch hieher herausgekommen. Und ob wir gleich zuge⸗ 

einen groͤßern Abſchen vor denjenigen, die ſich Bil- ben, daß eine große Verwandtſchaft zwiſchen den 

der oder Gemaͤlde bey ihrem Gottesdienſte be⸗ Gebraͤuchen der Einwohner von Futa und ihrer 

dienen. Nachbarn iſt: ſo erhellet dennoch aus der Probe, 

„) Wir würden dem Verfaſſer verbunden ſeyn, welche Herr Bluet gegeben, daß in vielen Dingen 

wenn er ſolche Bücher angezeiget hätte; denn wir ein Unterſchied ſey. 

wiſſen keines, welches von Futa handelt, da der 2) Bluets Nachrichten, a. d. 40 u. f. S. 


we und n a Veen nsffichen: Sue mne 10 


=: en) Das VIII Capitel. 


W Von der Handlung, welche die Europaͤer, insbesondere di 
= Aa in 2070 Micha nenn Iluſſe Gambre treiben. eee 


in, 1150 100 A 7 RR e 
er 1 Abſchnitt. 
von der engliſchen Handlung auf der Gambra. 
Handlung der Compag gnie. Wird durch Schalup⸗ Entdeckung auf dem Fluſſe Vintain. Gummi⸗ 
pen gefuͤhrt. Ihre Bemühung, die Factore auf: wald in der Nähe der Gambra. Verſuche, 
zumuntern. eee den Handel auf beſſern dahin zu handeln. Entſchluß, eine Faetorey 
Fuß zu ſetzn. Auswärtiger Handel. Waaren. in dieſer Gegend anzulegen. Gummidragon. 
5 len Misbrauch dieſes Han⸗ Vortheile aus dem Gummihandel. Auf was 
dels. Handel be Wachſe, Sum: fuͤr Art die Heeger in Sicherheit geſetzt 
mi. Bemühungen, dieſen Handel feſtzuſetzen. worden. 5 
as Fort James, der vornehmſte Platz der koͤniglich⸗ ARNO Compagnie auf 
der Gambra, erhält, wie Herr Moore fager, ſowohl die Compagnie als die eng: 
—iiche Nation bey dem Rechte, hieher zu handeln. Die Franzoſen hätten daſſelbe, 
wie man dem Verfaſſer berichtet, im Jahre 1719 gern an ſich gekauft, und in dieſem Falle 
wuͤrden ſie alle Nationen von der Handlung nach dieſem Fluſſe ausgeſchloſſen haben, gleich: 
wie fie auf der Sanaga thun. Allein, vermittelſt der Verwilligung, welche das Parle⸗ 
ment der Compagnie dafuͤr angedeyen laffen, daß fie die Handlung frey gemacht, find ihre 
Forts und Handelspläße außer Gefahr, in fremde Hände zu fallen. Der Anwachs des 
americaniſchen und africaniſchen Handels hat die öffentlichen. Einkuͤnfte fo. vermehrt, daß 
die verwilligten Gelder fuͤr das gemeine Weſen uͤberfluͤßig koͤnnen beſtritten werden. 
Wird durch Der Handel auf der Gambra wird durch drey oder vier Schaluppen, jede zu dreyßig 
Schaluppen Tonnen, und eine gleiche Anzahl Langboote gefuͤhret, welche beſtaͤndig gebraucht werden, 
ausgerichtet. die Beſatzung mit Waſſer und Lebensmitteln zu verſorgen, oder die Waaren, (die allezeit in 
der trocknen Jahrszeit, ehe der Regen einfaͤllt, angeſchafft werden), in die Factoreyen zu 
fuͤhren, und die von den Factoren eingekauften Güter zuruͤck zu bringen, welche meiften- 
theils, bis auf die Sklaven, nach England gebracht werden. Die Factore werden von 
der Compagnie nach dem Forte James abgeſchickt, oder es werden daſelbſt ſolche Handels— 
bediente zu dieſem Poſten ernannt, die der Compagnie genugſame Sicherheit leiſten koͤn⸗ 
nen, als welche zweene Buͤrgen, jeden auf eine Summe von tauſend Pfunden, und eine Ver— 
ſchreibung von ihnen ſelbſt, auf eine gleiche Summe fordert. Doch aller dieſer Behutſam— 
keit ungeachtet, hat die Compagnie, durch die Unredlichkeit ihrer Factore, große Einbuße 
erlitten. Und dieſe haben, wenn es zur Klage gekommen, ſo viele Nachſicht bey der Can⸗ 
zeley gefunden, daß die Compagnie niemals vermoͤgend geweſen, die in den Verſchreibun⸗ 
gen geſetzten Strafen einzutreiben. Denn wenn diejenigen, mit welchen ſie einen Vergleich 
errichtet, keine Chriſten ſind: ſo kann kein Eid abgelegt, noch die Verbindlichkeit deffelben 
uͤr kräftig erkannt werden 2). 
Verſprechun⸗ Im Jahre 1732 beſchloß die Lenbach, ſich zu bemühen, ihre Handlung wieder em: 


1 0 die por zu bringen, und zwar nicht durch Unterdrückung der Privathandelsleute, ſondern durch 
eine 


Handlung 
der Com⸗ 
pagnie. 


a) Siehe Woores ei in die REG: 4) Ebendaſ. a. d. 20, 93 und 162 S. 
Theile von Afriea, a. d. 16 S 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VIII Cap. 14 


eine neue Aufmunterung ihrer Bedienten, rechtſchaffen zu handeln. Zu dieſem Ende ver- Gambra⸗ 
ringerten ſie den Preis der Lebensmittel im Forte James, und beſchloſſen, ihre Handlung handel. 
durch neue Arten zu erweitern, und den Einwohnern Guͤter abzunehmen, die fie bisher für 
unnuͤtze gehalten hatten, als Gummi, Rinden und Hölzer zum Färben, Pelzwerk u. d. gl., und 

ihren Dienern, bey jeder neuentdeckten Sorte von Gütern, zwanzig vom Hunderte aus dem 
Gewinnſte, zu ihrem Vortheile zu laſſen. e e ee r | | 
Dieſe Preife waren folgende: fünf Schillinge auf den Kopf für jeden tuͤchtigen Skla⸗ 

ven; fünf Schillinge, oder zwey Schillinge ſechs Stüber, für jedes hundert Pfund große 

oder kleine Elephantenzaͤhne; fuͤnf Schillinge fuͤr jede Unze Gold; und zwey Schillinge 5 
ſechs Stüber fin jedes hundert Pfund Wachs. Die Privatkaufleute geben dem Koͤnige 

von Barrah hundert und zwanzig Stangen Eiſen ftatt des Zolls, weil der Handel, beſon⸗ 

ders mit Sklaven, hier ſehr ſtark zu ſeyn pflegt; und andere, die den Fluß gerade hinauf⸗ 

fahren, tragen dieſe Abgabe für die Freyheit, Holz und Waſſer einzunehmen ). 15 


Der Verfaſſer glaubet, daß es der Compagnie und den Privatkaufleuten zu gleichem Hate 


Nutzen gereichen wuͤrde, wenn das Fort James, mit darzu gehoͤriger Einwilligung, zum verde 


ordentlichen Handelsplatze in Vertauſchung der Waaren gemacht wuͤrde. Es ſollte näm⸗ 
lich die Compagnie einen beſtaͤndigen Vorrath von Sklaven und andern Dingen hier un⸗ 
terhalten, der zureichte, die Schiffe, die hier einlaufen, mit ſo vielen Guͤtern dieſes Landes oder 
Sklaven zu verſehen, als der Werth ihrer Ladung betruͤge. Dieſe erhandelte Ladung follte 
alsdenn in ihre Factoreyen verſchickt werden. Der Privatkaufmann koͤnnte ſeine Waaren 
im Forte James um beſſern Preis geben, als den Fluß weiter hinauf, weil er ſich die Un⸗ 
gewißheit, in der er wegen der Ladung ſtehen muß, die Unkoſten, den Fluß hinaufzufah⸗ 
ren, und die Zeit, die er aufwenden muͤßte, erſpahret. Ueberdieſes ſetzet er ſich nicht 
der Gefahr aus, ſeine Leute wegen der ungeſunden Himmelsgegend einzubuͤßen, und darf 
den kleinen Koͤnigen und Alkaden keine Zölle abgeben, welches lauter beſchwerliche und 
koſtbare Dinge ſind. Dieſe Unbequemlichkeiten wuͤrden daher zu vermeiden ſeyn, wenn 
ſie eine Ladung auf einmal kauften. Die Compagnie wuͤrde bey dieſer Anſtalt gleich falls 
ihre Rechnung finden. Denn fie fönnen keine trockene Waaren mit Vortheile kaufen, wenn 
ſie nicht zugleich Sklaven kaufen. Wenn fie daher ihre Sklaven an die Privatkaufleute 
verlaſſen: fo koͤnnen fie dagegen von ihnen ihre Waarenlager mit europäifchen Waaren 
anfuͤllen, und auf ſolche Art, den Portugieſen und Franzoſen zum Trotze, alle trockne Güter: 
auf dem Fluſſe zu ihrem Dienſte haben. Es wuͤrde ihnen uͤberdieſes nicht an Waaren feh⸗ 
len, die Schiffe der Compagnie ohne Verzug zu beladen; und fo würden fie nicht noͤthig. 
haben, vergebens dazuliegen, oder Handelsreiſen laͤngſt der Kuͤſte zu unternehmen, von 
denen, wie Herr Moore ſaget, noch keine zu ihrem Vortheile ausgeſchlagen iſt c). | 
Die Compagnie treibt aus dem Forte James in verſchiedene benachbarte Gegenden Auswaͤrtiger 

Handlung. Nach St. Jago, und den übrigen Inſeln des grünen Vorgebirges, verfüh: Handel. 
ren fie Korn, und holen hingegen Salz, eine von den beliebteſten Waaren an dem Fluſſe 
Gambra, Pferde und Thierhaͤute. Zu Kachao, zwanzig Seemeilen gegen Suͤden, 
kaufen ſie Wachs, wiewohl nach des Verfaſſers Meynung mit wenigem Vortheile. Denn das 
Wachs iſt ſo ſchlecht, daß fie manchmal zwanzig bis dreyßig vom Hunderte daran einbuͤßen ). 

ö S 3 Der 

e) Woores Reiſen in die inlaͤndiſchen Theile A) Ebendaſ a. d. 49 und 66 S. 

von Africa, a. d. 81 u. f. ©. 


Sambia: 
—— 


Waaren. 
Gold. 


Sklaven. 


eisbrauch 
dieſes Han⸗ 
dels. 


142 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Der wichtigſte Handel auf der Gambra iſt mit Golde, Sklaven, Elephantenzaͤhnen 
,,,, ʒ 5 di 

Das Gambragold iſt von ſehr guter Beſchaffenheit, und noch feiner, als unſer Probe: 
gold. Es wird in kleinen Stangen gebracht, die in der Mitten dicke, und in Ringe zu⸗ 
ſammengedreht ſind, das Stuͤck zehn bis vierzig Schillinge werth. Die Schwarzen, wel⸗ 
che es bringen, ſind vom Geſchlechte der Mandingoer, und heißen in ihrer Sprache Jon⸗ 
kos, das iſt, Kaufleute. Sie reden nicht gern von den inlaͤndiſchen Gegenden. Alles, 
was der Verfaſſer in Anſehung des Goldes erfahren konnte, war, daß es nicht aus dem 
Sande gewaſchen, ſondern in Bergwerken gegraben wird, worunter das naͤchſte zwanzig 
Tagereiſen von Kower liegt e). In dem Lande, wo dieſe Bergwerke find, fagen fie, waͤ⸗ 
ren die Häufer von Steinen gebaut, und haͤtten platte Daͤcher. Die kurzen Saͤbel mit hoͤl⸗ 
zernen Heften, und die Meſſer, die fie bey ſich führen, werden daſelbſt gemacht, wovon das 
9 . Na teen eee ee ane ele 0 

' en diefe Kaufleute bringen in manchen Jahren auf zweytauſend Sklaven, wovon 
die meiſten nach ihrer Ausſage Kriegsgefangene ſind, welche ſie den verſchiedenen Prinzen 
abkaufen, die fie bekommen haben. Viele darunter find Bumbrongs 7) und Pecha⸗ 
ris 3), Nationen von unterſchiedenen Sprachen, die ſehr tief aus dem Lande herkommen. 
Ihre Art, die Sklaven fortzufuͤhren, iſt, daß ſie dieſelben mit ledernen Riemen an dem 
Halſe, einen eine Elle weit von dem andern, und dreyßig bis vierzig an einer Kuppel zuſam⸗ 
men binden. Ein jeder hat gemeiniglich ein Buͤndel Korn oder einen Elephantenzahn auf 
dem Kopfe. Auf dem Wege von den Gebirgen reiſen ſie durch große Waͤlder; und weil 
in denſelben kein Waſſer zu finden iſt: ſo tragen ſie es in ledernen Beuteln, die ihnen uͤber den 
Ruͤcken hängen, bey ſich. Wie der Verfaſſer glaubet, fo waren auf hundert Kaufleute, 
die ſich dieſer Handlung befliſſen. Sie kehren in ihr Land mit denen Guͤtern zuruͤck, welche 
die Engländer gegen dieſe Waaren vertauſchen. Zum Safttragen bedienen fie ſich ſowohl 
der Eſel als der Sklaven, aber keiner Pferde oder Kameele. Inh 

ußer dieſen fremden Sklaven werden noch viele an den Ufern des Fluſſes gekauft. 
Dieſe find entweder, wie die vorigen, im Kriege „) gefangen, oder wegen ihrer Verbre⸗ 
chen darzu verdammt, oder geſtohlne Leute, welches ſehr haͤufig geſchieht. Die Diener der 
Compagnie kaufen, ſo bald ſie Argwohn haben, niemals einen von der letztern Art, bis ſie 
bey dem Alkaden oder Hauptmanne des Orts nachgefragt haben. Seit der Einfuͤhrung 
des Sklavenhandels ſind alle Strafen darein verwandelt worden, und ſie geben ſich viele 
Muͤhe, Verbrechen aufzuſuchen, damit fie den Vortheil haben koͤnnen, den Verbrecher zu 
verkaufen. Es wird daher itzo nicht nur Mord, Diebſtahl, Ehebruch, ſondern ein jedes ge⸗ 
ringes Vergehen mit Sklaverey beſtraft. 

Zu Kantor ſah ein Mann einen Tyger ein Reh freſſen, das er getoͤdtet und bey ſei— 
nem Hauſe aufgehangen hatte, und indem er auf das wilde Thier Feuer geben wollte, ſchoß 
er einen Menſchen todt. Der Koͤnig verdammte dieſes Zufalls wegen nicht nur ihn, ſeine 
Mutter, ſeine drey Bruͤder und drey Schweſtern, zur Sklaverey verkauft zu werden, ſon— 
dern eignete ſich auch ſelbſt die Güter zu, für welche man fie verkauft hatte. 


e) Dieſes find vermuthlich die Bergwerke von barros einerley, deſſen oft zuvor erwaͤhnt worden. 

Bambuk. Siehe II Band, a. d. 506 ©. Siehe II Band, die 368 Seite. 
7) Sonder Zweifel iſt dieſer Name mit Dam: 8) Im Originale Petcharies. Dieſe zwo Na⸗ 
tionen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VIII Cap. 143 


Zu Taniani ward dem Verfaſſer ein Mann zu verkaufen gebracht, weil er eine To⸗ 
backspfeife geſtohlen hatte. Moore aber ließ den Alkaden rufen, und brachte den Klaͤ⸗ 


Gambt 
bandel. 
— — 


ger dahin, daß er einen Vergleich eingieng, und den Mann frey ließ. Ihre Familienſkla - 


ven verkaufen ſie nicht leicht, als wegen großer Verbrechen. Die Sklaven, welche an dem 


1 en; 21 
ein 83 . 


Wenn man mit einem Kaufmanne wegen der Sklaven einen Vergleich ſchließt: fo 


Cadix und Liſſabon fo viele Kinder geſucht worden, daß fie faſt eben ſo viel gelten, als er⸗ 
wachſene Sklaven ). | Iran ER tinte RS ER 1 


“rrh 


kauft wird, a gemeiniglich weit aus dem innern Lande hergebracht. Manche Zähne wer⸗ 
den in den 

welche die lebendigen fallen laſſen, das will der Verfaſſer nicht entſcheiden. Er weis aber, 
daß man dergleichen Zaͤhne allein, ohne Haut und Gerippe, gefunden hat. Der 1855 
Zahn, den er geſehen hatte, wog hundert und dreyßig Pfund. Je groͤßer fie find, deſto 
mehr find fie auch nach den Pfunden werth. Enn 8 Nad hundert Pfund wiegt, iſt 
mehr werth, als drey einzelne, die hundert und vierzig Pfund zuſammen wiegen. Viele 
ſind an der Spitze abgebrochen, welches ihren Werth verringert. Manche ſind weiß, und 
andere gelb. Doch dieſer Unterſcheid in der Farbe trägt im Preiſe nichts aus. 


Elfenbein. 


aͤldern gefunden. Ob fie aber todten Elephanten zugehoͤren, oder ſolche find, 


Die vierte Art der Handlung an der Gambra iſt Wachs, welche fehr gebeffert wer- Wachs. 


den koͤnnte. Die Mandingoer machen Bienenkoͤrbe von Strohe, die denen in England 
ahnlich find, und in dem Bodenbrette bohren fie ein Loch, wodurch die Bienen aus⸗ und ein⸗ 
gehen. Dieſe Koͤrbe binden ſie mit einer weidenen Ruthe an die Aeſte der Baͤume an. 
Wenn fie den Honig ausnehmen: ſo erſticken fie den Schwarm, und druͤcken den Honig⸗ 
ſeim heraus, wovon fie Honigwein machen. Das Wachs kochen fie in Waſſer, ſeimen 
es, und druͤcken es durch haͤrene Tuͤcher in Hölungen, die zu dieſem Ende in der Erde 
gemacht ſind. Sie machen und verkaufen eine unbeſchreibliche Menge an dem Fluſſe. 
Ein ſolcher Wachs kuchen wiegt zu zwanzig bis hundert und zwanzig Pfunden. Was am 
meiſten gereinigt iſt, iſt das beſte. Die Probe wird gemacht, wenn man den Kuchen 

durchbohrt A), 55 5 
| Die 


tionen wohnen hinter Bambuk, gegen Tombuto. und dieſe zum vornehmſten Zwecke in der Handlung 
„) Im Jahre 1734 waren durch das ganze der Compagnie wurden. 

Land große Kriege, welche fo lange fortdauerten, ) Moores Reiſen a. d. 40 u. f. ©. 

daß eine ungemein große Menge Sklaven verkauft, ) Ebendaſ. a. d. 43 u. f. D. 


| 144 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

9 2 Die fuͤnfte Art des Handels an der Gambra, die nur kuͤrzlich angefangen worden, und 
‚bandel. ſehr vortheilhaft zu ſeyn ſcheint, iſt Gummi, welches wir durch folgende Auszuͤge aus eben 
Gummi. dieſem Schriftſteller erkennen. EN 
Verſuch eier Den 27ſten des Heumonats 1732 kam ein Verhaltungsbefehl von Jamesfort nach Joar 
nen Gummi⸗ an Roberts, und Mooren, damalige Factore daſelbſt, daß fie auf Befehl der Compagnie, von 
handel an- Wgewiſſen trocknen Gütern, worunter die Gummis genannt wurden, fo viel als moͤglich auf⸗ 
zulegen. bringen ſollten. Denn die Vorſteher, worzu Herr Oglethorpe ſeit kurzem war erwaͤhlt 
worden, und wobey Herr Hayes viel zu ſprechen hatte, waren entſchloſſen, keine Mittel, die 

Handlung auf beſſern Fuß zu ſetzen, unverſucht zu laſſen. 0 
Entdeckun⸗ Im Herbſtmonate 1733 that Herr, Hull erſter Factor der Compagnie an der Gam⸗ 
gen auf dem bra, eine Reiſe, um an dem Fluſſe Vintain Entdeckungen zu machen. Dieſer Fluß fälle 
Fluſſe Vin⸗ drey Seemeilen über dem Fort auf der Suͤdſeite in die Gambra, und bis jetzo war keiner 
FAR: von den Dienern der Compagnie weiter auf demſelben, als bis nach Jereja gekommen. 
Herr Sull, Factor an dieſem letztern Orte, ward in einem Langboote abgeſchickt, und fand, 
nachdem er vier Abwechſelungen der Ebbe und Fluth zuruͤckgelegt hatte, ein ſehr fruchtba⸗ 
res Land, und ein ſehr geſittetes und weit arbeitſameres Volk. Das Land iſt auch weit 
volkreicher, und die Dörfer dichter und in größerer Anzahl, als bey dem Hauptſtrome. Ihr 
Vieh und ihre Voͤgel ſind auch von einer groͤßern Art, und Herr Hull glaubte, daß eine 
große Menge Baumwolle, Indigo, wie auch Thierhäute aus dieſer Gegend aufzubringen 
waͤren. Er erhielt eine Probe von ihrem Gummi, und ſie verſprachen ihm ſolchen in 
Menge zu verſchaffen. Der Baum ſchien nach ihrer Beſchreibung mit demjenigen einerley zu 
ſeyn, von welchem das arabiſche Gummi oder Senegal⸗Hummi koͤmmt. Bey angeſtellter 
Probe aber fand er, daß es von ganz andern Eigenſchaften war, als alles, was er zuvor in die⸗ 
ſen Gegenden gefunden hatte, welches ſich in ein zaͤhes Weſen aufloͤſete. Dieſes aber war 
von einer feſten und leimichten Natur, gleichwie das arabiſche Gummi und Senegal⸗Gum⸗ 
mi. Die Einwohner bezeugten große Begierde, daß die Compagnie eine Handlung un- 
ter ihnen anlegen möchte ). | 
Gummi⸗ Im Chriſtmonate 1733, als Jonko Sonko von Nanimarew im Fort James war, 
wald nahe ermahnte Herr Hull denſelben, den Malacai Kon und Malacai See, zweene Schwarze 
ei 7 von ſeiner Bekanntſchaft ins Land auf die Nordſeite von dieſem Hafen zu ſchicken. Sie 
ambra. begaben ſich einige Monate hernach auf die Reife, und kamen mit gutem Erfolge zuruͤck, 
und ſchickten Hullen eine Probe. Nach dieſem ſchickte er den Hauptmann Brown ab, der 
die oben eingeruͤckten Erleuterungen von Jonko Sonko verſchaffte m). Herr Hull 
ſaget, das Gummi waͤre ſehr fein, und moͤchte groͤßtentheils den Namen des arabiſchen 

Gummi fuͤhren, und zu eben den Dingen zu gebrauchen ſeyn, worzu das arabiſche dienet. 
Es waͤre bey geſundem Leibe eine ſehr beilſame und nahrhafte Speiſe, und ein wohlſchmecken⸗ 
des und kraͤftiges Arzeneymittel bey vielen Krankheiten 1). fn | 
Verſuch, dar Den ıöten März 1735, als Herr Hull, der nunmehr Statthalter war, zu Joar ankam, 
hin zu han⸗ um zu Lande mit Joben, wie oben erzählt worden o), nach dem Gummiwalde zu gehen, reiſete 
deln. er zu dem Koͤnige eines inlaͤndiſchen Reichs Yani, um mit ihm die Sachen wegen des Gum⸗ 
mihan⸗ 

7) Sulls Brief vom 23ſten des Wintermonats u) Sulls Brief vom ısten December 1734 an 


1733 im Anhange zu Moores Reiſen a. d. 18 S. die Compagnie im Anhange bey Moores Reis 
n) Siehe zuvor a. d. ug S. ſen a. d. 19 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VIII Cap. 145 


mihandels in Richtigkeit zu bringen; wie auch zu allen Befehls habern der ſtarken Städte Gambra⸗ 
und andern Großen, die ihm ausdruͤcklich verſprachen, daß die Compagnie den Jahrwachs bandel. 
des Theils vom Walde, der ihnen zugehoͤrte, allein genießen ſollte. Er erhielt gleichfalls Deshalber 
einige Verſicherungen von den großen Jolloifern, nebſt einer Probe vom Gummi aus die- gethane 
ſem Theile des Walds, die nach England geſchickt wurde. Weil aber gleich dazumal Verſpre⸗ 
der König in einem Treffen blieb, und das Land in Unruhe gerieth: fo konnte auf dieſer ungen. 
Seite weiter nichts vorgenommen werden. Er erwartete täglich die Ruͤckkunft eines Bo⸗ 
then von dem Koͤnige zu Futa, konnte aber bey der damaligen trocknen Jahrszeit nicht wei⸗ 
ter in dem Walde gehen, weil er nicht Gelegenheit hatte, das Waſſer fortzuſchaffen, womit 
man ſich auf ſieben Tage zur Hin⸗ und Herreiſe verſorgen mußte. Er nahm ſich vor, dieſe 
Reiſe anzutreten, fo bald ein oder zweene gute Regenguͤſſe gefallen wären, und wuͤrde ſich 
auch wirklich auf den Weg begeben haben, wofern nicht die Franzoſen einige Vorſchlaͤge 
gethan, und ihm das Recht auf dieſem Fluſſe ſtreitig gemacht haͤtten. Dieſes hinderte ihn 
bis den folgenden Weinmonat, die noͤthige Gemeinſchaft mit einander richtig zu machen. 
Unterdeſſen ſchickte er jemand in das Land der großen Jolloifer, um Kameele zu kaufen, 
und denſelben bekannt zu machen, daß die Compagnie eine Factorey zu Nanimarew an⸗ 
gelegt hätte, und fie zu erſuchen, daß die Straße, wie bisher gewöhnlich geweſen, frey und 
vor allen Beſchwerungen und Gewaltthaͤtigkeiten ſicher ſeyn moͤchte. Der Bothe hatte 
Befehl, ſeinen Ruͤckweg durch den Gummiwald zu nehmen, und die Kameele mit Gummi 
beladen zu bringen. Weil er aber wegen der Theurung von Getreyde in dieſen Gegenden, 
die ſich bis nach Nanimarew, und die Oerter an der Nordſeite der Gambra erſtreckte, 
nicht durch den Gummiwald zuruͤck kehren konnte: ſo brachte er nichts als vier Kameele 
zuruͤck. Durch Huͤlfe derſelben beſchloß Herr Hulle, im folgenden Wintermonate eine in⸗ 
laͤndiſche Factorey bey den Graͤnzen des Waldes anzulegen, welches er für das beſte Mittel 
hielt, ſich des Gummi zu verſichern P). 2 
Es giebt noch eine andere Art von Bummi, Gummid ragon genannt, welcher aus einem Bau- Gummi⸗ 

me kommt, der Peau de Sangue heißt. Er hat eine zaͤhe Rinde, die, wenn fie geritzt wird, dragon. 
etwas wie Tropfen Bluts herausſchwitzt. Wenn viele derſelben zuſammen kommen: fo ges 
rinnen ſie durch die Sonnenhitze in Klumpen, wovon der Verfaſſer manche ſo groß als ein 
Huͤhnerey geſehen. Weil dieſes ein ſehr guter Gummi iſt: ſo ward Herrn Mooren in May 
1733 von Hullen die Sorge aufgetragen, eine anfehnlihe Menge davon zu verſchaffen. 
Der Baum waͤchſt häufig um Fatatenda auf den Gipfeln der Berge, und in dürren fel— 
ſichten Boden J). Herr Moore uͤberſchickte demnach im folgenden Monate ein Stuͤck 
davon; er traf aber nicht allen den Erfolg bey dieſer Sache an, den man anfangs er⸗ 
wartete ). N a f | 

Der Gummihandel würde, wenn er vor ſich gienge, der Nation zu großem Vortheile Vortheile 
gereichen. Denn es wird viel von dieſer Waare in allen Seiden-Manufacturen ver⸗ dieſes Han⸗ 
braucht; und wenn ſie an der Gambra zu haben waͤre, ſo koͤnnte man ſie nach England ta 
bringen, ohne von den Franzoſen aufgehalten zu werden, die feit einiger Zeit das Monopo— 

lium davon an der Sanaga treiben wollen, unter dem Vorwande des Rechts der Aus: 


ſchließung 
o) Siehe zuvor a. d. 120 S. 2) Moores Reiſen auf der 160, 210, und 
5) Siehe Sulls Briefe vom ıyten Junii und 267 Seite. . 
ziſten Julit an die Compagnie a. d. 19 S. r) Siehe zuvor a. d. 19 S. 
Allgem. Beiſebeſchr. III Band. 2 


Gambra⸗ 


handel. 
9 


Wie die Fa⸗ 
etoreyen in 
Sicherheit 
geſetzt wer⸗ 
den. 


Zoll an die 
Einwohner. 


Waaren⸗ 
maaß. 


146 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ſchließung. Dieſer Anforderung zu Folge vertrieben ſie die Einwohner am Ufer, die mit 
den Schiffen handeln wollten, und ließen eine große Menge Kriegsſchiffe kreuzen, die alle 
Fahrzeuge, welche dieſe Handlung treiben wollten, fortjagten ). 

Es iſt gewoͤhnlich, wenn Factoreyen angelegt werden, daß man fie und die darzugehoͤ— 
rigen Leute den Einwohnern des naͤchſten großen Fleckens anvertraut, die alsdenn verpflich— 
tet ſind, dafuͤr zu ſorgen, und niemanden zu verſtatten, den Weißen Unrecht anzuthun, oder 
uͤbel zu begegnen. Und wenn jemanden etwas zu Leide geſchieht, ſo darf er ſich nur an den 
Alkaden wenden, der ihm Recht wiederfahren laͤßt. Dieſer Bediente an der Gambra 
wird Tobaubo Manſa genennt, das iſt König der Weißen. Wenn jemand etwas zu 
verrichten hat, worzu eine große Menge Volks gehoͤret: ſo iſt der beſte Weg, ſich an den Al— 
Faden zu wenden, der deshalben einen Vergleich trifft, und Volk zu Ausführung des Vor— 
habens beordert. Und ein Factor kann nichts gut ausrichten, wenn er ſich nicht dieſer Me— 
thode bedient. Wenn ein Factor ſtirbt, ſo eignet ſich der Alkade des Orts, wo er gewohnt 
hat, oder des naͤchſten liegenden Orts ſein Bette und ſeine Bettſtelle zu, welches nunmehr 
durch Nachſicht zu einer hergebrachten Gewohnheit geworden iſt. 

Der Alkade bekoͤmmt ſowohl von der Compagnie als den Privathandelsleuten fuͤr jeden 
Sklaven, den ſie kaufen, etwas gewiſſes. Manchmal iſt es eine Stange auf den Kopf, 
manchmal auch nicht ſoviel; denn es iſt an verſchiedenen Orten verſchieden t). 

Dem Koͤnige zu Barra geben Privathandelsleute ſtatt des Zolles, uͤberhaupt hundert 
und zwanzig Stangen, weil es ein Land von eintraͤglichem Handel iſt, beſonders wenn die 
Kaufleute mit den Sklaven ans Ufer kommen. Dieſes geſchieht, wenn ſie entweder mehr 
mitbringen, als die Factorey oben am Fluſſe kaufen will, oder weil fie ſich unten einen bef- 
ſer Gewinn verſprechen, da die Weißen einander uͤberbiethen, welches der Handlung zu 
großem Nachtheile gereicht. Wofern die Privathandelsleute nicht dieſen Zoll hier ent— 
richten: ſo verſtattet ihnen der Koͤnig weder Holz noch Waſſer in ſeinem Lande. Bloß aus 
dieſer Urſache entrichten viele Schiffer dem Koͤnige den Zoll, die nicht hier handeln wollen, 


ſondern gerade den Fluß hinauf fahren 1). 


Eine Stange iſt die Benennung einer gewiſſen Menge Güter von allen Arten, dle 
bey der erſten Entdeckung dieſes Fluſſes, unter den Einwohnern mit einer Stange Eiſen 
von gleichem Werthe war. So iſt ein Pfund Franfen eine Stange, gleichwie zwey Pfund 
Schießpulver, eine Unze Silber, zweyhundert Flintenſteine eine ſind. Ihre Art zu rech— 
nen iſt alſo nach Stangen oder Kronen, deren eine ſich manchmal nicht uͤber einen Schil— 
ling beläuft, und die nach Beſchaffenheit der Güter, die fie brauchen, theuer oder wohlfeil 
ſind. Dieſe fuͤnf Artikel, naͤmlich Kaiſerthaler, Glasperlenſchnuͤre, eiſerne Stangen, 
eherne Pfannen, und Arrangoes werden Hauptſtuͤcke von Guͤtern genennt, weil ſie 
die theuerſten find x). | | 


Der 


s) Siehe die Vorrede zu Moores Reifen a.d. +) Moores Reifen auf der 128 und folgenden 
10 ©. Wie auch in unſerm Werke oben a. d. 5 S. Seite. ö 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VIII Cap. 147 


Schwarze 


Der II Abſch nitt. pPortogieſen. 
—ͤ —„-—-—-— 


Von der franzoͤſiſchen und portugieſiſchen Handlung auf der Gambra; 
nebſt einer Beſchreibung von den ſchwarzen Portugieſen. 


Franzoͤſiſche Handlung auf der Gambra. Factorey Ihre Haͤuſer. Ihr Charakter. Werden als Fas 
zu Albreda. Portugieſiſche Handlung. Schwarze etore gebraucht. Ihre Tapferkeit; ihre Sitten. 
Portugieſen. Ihre Beſchaͤfftigung. Ihr Zuſtand. 


Hi Franzoſen treiben, nach dem Berichte des Herrn Moore, einen beträchtlichen Handel Franzöͤſiſcher 
zu Albreda. Sie werden aber ſehr durch die Englaͤnder verhindert, die ihnen nicht Handel 

erlauben, mehr als vierzig Stangen für einen Sklaven zu geben. Als aber im Jahre 735 

die Sklaven ſehr zu Miſſiſippi verlangt wurden: ſo brachen die Franzoſen dieſen Vergleich, 

und gaben funfzig Stangen fuͤr jeden Sklaven, und ſechs bis ſieben Hauptſtuͤcke von 

Guͤtern, welches ſich auf mehr als zehn Pfund Sterling belief. Und obgleich drey liver— 

pooliſche Schiffe eine kleine Meile uͤber der franzoͤſiſchen Factorey handelten, und achtzig 

Stangen fuͤr den Kopf gaben: ſo konnten ſie doch dieſes Jahr bey weitem nicht ſo viel 

Sklaven bekommen, als die Franzoſen, deren Waaren uͤberhaupt beſſer ſind, als die eng— 

laͤndiſchen. Im Jahre 1724 war zwiſchen den franzoͤſiſchen Agenten zu Goree, und den 

engliſchen zu Jamesfort ein Vergleich getroffen worden, kraft welches die Franzoſen die 

Freyheit hatten, eine Factorey auf dem Fluſſe Gambra unter Jamesfort anzulegen, 

und ſoviel Handlung an ſich zu ziehen, als ſie koͤnnten. Und obgleich die engliſchen Ma⸗ 

gazine der Compagnie dazumal ſehr heruntergekommen waren, und aller Wahrſcheinlichkeit 

nach die Franzoſen entſchloſſen waren, ſich mit Gewalt hier feſte zu ſetzen, wenn man es ihnen 

in der Güte abgeſchlagen hätte: fo erhielt doch die Compagnie, zur Vergeltung für dieſe Ein- 

raͤumung, die Erlaubniß, wenn fie wollte, Handelsſchiffe nach Joally und Porto d' Ale, 

zweenen Plaͤtzen in der Naͤhen von Goree, zu ſenden, welche beyde ſehr gute Handlung trieben, 

obgleich durch die Liſt der Franzoſen ihre Reiſen dahin oͤfters fehl ſchlugen. : 

Die franzöfifche Factorey zu Albreda kann von den Canonen des Forts James nicht und Facto⸗ 
beſtrichen werden. Wenn fie aber, um Holz oder Lebensmittel zu holen, den Fluß hinauf rey zu Als 
fahren wollen: fo find fie genöthiget, bey dem Commandanten um Erlaubniß anzuſuchen, breda. 
welcher ſie ſelten verweigert, ſondern ihnen nur einen Mann an Bord mitgiebt, der Obſicht 
haben muß, daß ſie nicht handeln. Sie duͤrfen auch nicht uͤber die Elephanteninſel hin— 
ausgehen, welche dreyßig Seemeilen von Jamesfort liegt ). 

Die Portugieſen, die ſich in den meiſten vornehmſten Städten niedergelaſſen haben, Portugieſt⸗ 
die an und um der Gambra liegen, treiben einen ziemlich ſtarken Handel, als zu Vintain, ſche Hand— 
Jeregia, und Tankrowal. An dem letztern Orte wohnet ein ſchwarzer Portugieſe An- lung. 
tonius Voß, der verſchiedene Kaͤhne hält, und ſowohl mit Privatkaufleuten als der Com— 
pagnie viel zu thun hat. Er haͤlt eine große Menge Sklaven, die er in ſe inen Kaͤhnen an alle 
Hafen auf dem Fluſſe ausſchickt, und auf ſolche Art ſeine Handlung ſehr vermehrt, ſo daß 


er gemeiniglich einen guten Vorrath von Sklaven, Elfenbein, und Wachſe bey ſich zu ver— 
ö T 2 f kaufen 


u) Moores Reiſen a. d. 20 S. 5) Woores Reiſen auf der 31 und folgenden 
x) Woores Reifen a. d. 45. ©. Seite. f 


Schwarze 
Portugie⸗ 
ſen. 


Schwarze 
Portugieſen. 


Ihre Be⸗ 
ſchaͤfftigung. 


148 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


kaufen hat. Er iſt im Tauſchhandel wohl erfahren, und hat alles vollkommen inne, was 

unſere europaͤiſchen Waaren aus der erſten Hand koſten. Er wird zehntauſend Pfund reich 
eſchaͤtzt 2). 8 N 

ie Die Compagnie bedienet ſich öfters dieſer ſchwarzen Portugieſen als Unterhaͤndler a) 

und Factore, ihr Sklaven und Guͤter um einen gewiſſen Preis zuzuſchicken. Von dieſer 

Art iſt ein gewiſſer Valentin Mendez zu Sami. a 

Als dieſes Land im Jahre 1420 von den Portugieſen erobert wurde: ſo ließen ſich einige 
von dieſer Nation hier nieder, die unter den Mandingoern wohnten, und endlich eine Nach— 
kommenſchaft hervorbrachten, die eben ſo ſchwarz war. Sie haben noch eine Art von einer 
verderbten portugieſiſchen Sprache übrig, welche die creolifche genannt wird, und hier ſehr 
gewoͤhnlich iſt, ob man ſie gleich zu Liſſabon kaum verſtehen wuͤrde. Die Englaͤnder ler— 
nen fie geſchwinder, als irgend eine andere Sprache in dieſer Gegend, und fie wird von al- 
len Dollmetſchern geſprochen, die ſich ſowohl von Privatkaufleuten, als der Compagnie brau— 
chen laſſen. Weil ſie ſich durch einen Prieſter taufen und trauen laſſen, der zu dieſem Ende 
jährlich von St. Jago, einer von den Inſeln des gruͤnen Vorgebirges, hergeſchickt wird: fo wol- 
len ſie immer noch eben ſowohl fuͤr Weiße, als Chriſten, angeſehen ſeyn, und nichts aͤrgert ſie 
mehr, als wenn man ſie Negern nennet. Dieſes ruͤhret daher, weil fie die wahre Bedeutung 
des Worts nicht verſtehen, welches fie nur für Sklaven brauchen H). 

Jobſon erwaͤhnet dieſes ihres Abſcheues vor dem Namen Megros, und ſaget, daß et⸗ 
liche davon noch wahrhaftig Portugieſen zu ſeyn ſchienen, und andere waͤren Mulatten. 
Der größte Theil aber wäre eben fo ſchwarz, als die Mandingoer ſelbſt, unter denen fie nicht 
ſowohl wohnen, als ſich vielmehr verlohren haben. Sie wohnen alle den inländifchen ſchwarzen 
Weibern bey, mit denen ſie Kinder zeugen; fie haben aber weder Kirche noch Geiſtliche unter ſich. 
Es iſt gewiß, daß fie entweder Fluͤchtlinge oder Abgefallene von Portugall oder den portugie— 
ſiſchen Inſeln ſind. Sie ſind alle Kaufleute, die mit den Waaren des Landes, beſonders 
mit Sklaven, Handel treiben, die ihnen andere portugieſiſche Kaufleute von neuem abkau— 
fen, um fie nach Weſtindien zu bringen. Sie haben keine beſtaͤndige Wohnung, und thun 
alle Jahre eine Handelsreiſe nach Setiko, wo ſie viel Gold hergebracht haben. Doch ſind 
fie niemals höher gekommen, als bis Pompetane, bey welchem Orte ſich ihre Colo— 
nien endigen. a 

Eben dieſer Verfaſſer meldet, daß ſie unter den Mandingoern faſt auf gleichen Fuß mit 
den Fulbeis oder Fuliern ſtehen, und gaͤnzlich als Landſtreicher leben; denn wenn der Ehe— 
mann, Vater, oder Herr der Familie ſtirbt: ſo eignet ſich der Koͤnig alle ſeine Guͤter zu, 
und laͤßt ſeine Frau, Kinder oder Diener fuͤr ſich ſelber ſorgen. Es fand daher der Ver— 
faſſer hin und wieder dergleichen Wayſen, die, weil ſie auf ſolche Art der Barmherzigkeit 
des Landes ausgeſetzt waren, in gewiſſer Maße die Natur der Landeskinder annahmen. 
Wenn ſie aufwuchſen: ſo befliſſen ſie ſich, wie die Gewohnheit des Landes iſt, auf das 
Handeln z fie behielten aber immer noch die portugieſiſche Sprache, und begehrten, fo ſchwarz 
ſie auch waren, den Namen der Weißen c). 

Labat ſaget, daß dieſe Portugieſen einen anſehnlichen Theil der Einwohner des Koͤnig— 
reichs Barra und der Gegend daherum ausmachen. Von ihren Vorfahren haben ſie gelernet, 
die Haͤuſer auf beſſere Art zu bauen, als die Negern: aber einige Mandingoer ahmen ihnen 
in dieſem Stuͤcke nach. Ihre 

2) Moores Reiſen, a. d. 52 u. f. S. 5) Ebendaſ. a. d. 29 S. 

a) Ebendaſ. a. d. 102 und 115 S. c) Jobſons Goldhandel, a. d. 28 u. f. S. 


son Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch VIII Cap. 149 


Ihre Haͤuſer haben zum Fußboden nichts, als die bloße Erde; doch erhoͤhen ſie dieſelbe Schwarze 
zwey bis drey Fuß hoch, um ſich trocken zu erhalten. Sie bauen fie ziemlich lang, unnd Portugie⸗ 
theilen fie in verſchiedene Gemaͤcher ein, mit kleinen Fenſtern wegen der Hitze. Sie ha- fen 
ben allezeit auf jeder Seite einen offenen Vorhof, wo fie Beſuche annehmen, eſſen, und alle Häufer, 
ihre Geſchaͤffte verrichten. Die Mauern ſind ſieben bis acht Fuß hoch, die von Schilf oder 
Flechten aufgerichtet, und in- und auswendig mit hartem Leime uͤberzogen ſind, den ſie mit 
Heckerling untermengen und uͤbertuͤnchen. Sie nennen ſie aus der portugieſiſchen Spra— 
che Cazas. Der Koͤnig und die vornehmſten Herren in Barra haben dergleichen Haͤuſer, die 
viel hoͤher ſind, als die gemeinen Negerhuͤtten. Sie pflanzen allezeit Latanier 4), oder 
andere ſchattichte Baͤume vor ihren Cazas. 

Nach dem Labat haben die meiſten von dieſen Portugieſen eben ſo wenig Recht zu Ihr Cha- 
dem Namen der Chriſten als der Weißen; denn wie er ſaget, ſo ſind nur wenige darunter rakter. 
getauft, deren ganzes Chriſtenthum darinnen beſteht, daß ſie einen großen Roſenkranz um den 
Hals, einen langen Degen an der Seite, einen Mantel, wenn ſie einen kriegen koͤnnen, einen 
Hut, ein Hemde und einen Dolch tragen. Sie ſind ſehr unwiſſend und ruchlos, werden von 
wahrhaften Chriſten verabſcheut, und von den Muhammedanern gering geſchaͤtzt, die ſie fuͤr 
ein Volk ohne Religion anſehen; weil es wohl bekannt iſt, daß fie niemals bethen, als wenn fie 
bey den Marbuten ſind, und niemals in die chriſtliche Kirche gehen, als wenn ſie darinnen was 
noͤthiges zu verrichten haben. Dem unerachtet ſind ſie ein tapfres Volk; ſie verſtehen ſich 
gut auf das Feuergewehr, und ſind ſehr hurtig und geſchickt in ihren Geſchaͤfften. 

Die Franzoſen und die Privathandelsleute brauchen fie als Factore, an ihrer Statt auf; Werden zu 
waͤrts auf dem Hauptſtrome oder den Fluͤſſen, die in denſelbigen fallen, zu handeln, und Factoren ger 
uͤberlaſſen ihnen an allem, was fie verkaufen, hundert von Tauſend. Sie richten dasjenige braucht. 
gemeiniglich ſehr wohl aus, was man ihnen anvertraut, ſowohl zu ihrem eignen, als ihrer 
Principalen Vortheile. Doch darf man ihnen nicht lange Credit geben; ſondern man 
muß auf jeder Reiſe ihnen alle ſeine Waaren aus den Haͤnden nehmen, und ſie Rechnung 
ablegen laſſen. f | 

Die Englaͤnder, die den Franzoſen hier niemals gern, weder vor ſich, noch durch dieſe Ihre Tapfer⸗ 
Portugieſen eine Handlung eingeräumt haben, haben öfters in ihren bewaffneten Schalup- keit. 
pen dieſe letztern, wenn fie den Fluß hinaufgefahren, angegriffen, gepluͤndert, und ihnen ver⸗ 
bothen, auf dieſem Wege zu handeln. Dieſes konnte deſto leichter geſchehen, weil die Porz 
tugieſen bloß Kaͤhne zu dieſen Reiſen gebrauchten. Doc) find fie durch die Tapferkeit dies 
fer ſchwarzen Portugieſen fo oft zuruͤckgetrieben und geplündert worden, daß fie nicht Urſache 
haben, ſich ihrer Vortheile zu ruͤhmen. Ueberdieſes haben fie allezeit Urſache, ſich vor der 
Rache der Portugieſen zu fuͤrchten; denn dieſe Mulatten haben den angeerbten Grundſatz, 
keine Beleidigung in Geduld zu verſchmerzen, als wo fie ſich nicht helfen koͤnnen. Kurz, 
es iſt, wie Labat ſaget, zu bedauern, daß dieſes Volk keine ordentliche Lebensart fuͤhret; 
denn ſonſt würden fie ſehr gut zu gebrauchen ſeyn, mit neuen Entdeckungen und Handel⸗ 
ſchaft bis in das Herz von Africa zu dringen. Aber es iſt in der That ein luͤderliches Volk, 
das nicht nur dasjenige, was es ſelbſt gewinnt, ſondern auch was ihren Principalen zugehoͤrt, 
bey den Weibern und im Weine verſchleudert e). 

T 3 Wir 
4) Eine Art Palmbaͤume, die wie Till wach⸗ e) Siehe Labats abendlaͤndiſches Africa, im 
ſen. aten Buche, a. d. 368 S. 


150 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Schwarze 


Wir wollen unſre Erzaͤhlung mit einer Stelle aus le Maire ſchließen, welcher ſaget, 


Portugie⸗ daß fie theils Juden, theils Chriſten find, daß ſie alle einen großen Roſenkranz tragen, große 


en. 


1606 


Broeck. 
ae 


Geht von 
Dortrecht 
unter Se⸗ 
gel. 


Betruͤger und fehr boshaft find, kurz, daß fie alle Laſter der Portugieſen ohne eine von ih— 
ren guten Eigenſchaften beſitzen 7). we 


* X * * * * * * K * FERN RE t EI r * € 


Das IX Kapitel, 


Zwo Reifen nach dem gruͤnen Vorgebirge, und der benach⸗ 
barten Kuͤſte von Africa. 


Aus dem Franzoͤſiſchen überſetzt. 
Vorbericht. 


eil dieſe zwo Reiſen ſehr kurz ſind: ſo haben wir ſie in ein Capitel zuſammenge⸗ 

fuͤgt. Die erſte, welche Peter van den Broeck nach dem gruͤnen Vorgebirge 

und Rufiſco gethan, iſt eine Ueberſetzung von der andern Ausgabe der Samm⸗ 

lung hollaͤndiſcher Reiſen nach Oſtindien, in franzoͤſiſcher Sprache, die zu Amſterdam im 

Jahre 1725 gedruckt iſt a). Sie enthält fünf Seiten, und iſt unter den vielen Reiſen, die 

der Verfaſſer zwiſchen den Jahren 1606 und 1630 bis nach Oſtindien gethan, nur die erfte: 
Die andere iſt ein Auszug aus le Maires Reiſe im Jahre 1682. 


Der 1 Abſchnitt. 
Eine Reiſe nach dem grünen Vorgebirge, im Jahre 1606; 
von Peter van den Broeck. 
Aus dem Franzoͤſiſchen. 
Der Verfaſſer geht von Dortrecht unter Segel. Schiſf. Waaren. Die Portugieſen daſelbſt. 


Koͤmmt nach Porto d' Ale. Großer Hunger von Die alten Einwohner. Die Weiber find bloße 
Heuſchrecken verurſacht. Er erobert ein reiches Sklaven. Ihre Begraͤbniſſe. 


Als zu Dortrecht ein Schiff ausgeruͤſtet ward, welches von dem gruͤnen Vorgebirge Thier— 
haͤute hohlen ſollte, ſo both der Verfaſſer dem Herrn Elias Trip und den uͤbrigen 
Eigenthuͤmern ſeine Dienſte an, die ihn zum andern Aufſeher ernannten. Sie giengen 
den ıoten des Wintermonats im Jahre 1605 von Holland unter Segel. 
Weil das ſchlimme Wetter ſie genoͤthiget hatte, zu Dortmouth einzulaufen: ſo giengen 
fie von daraus den sten des Chriſtmonats unter Segel, und den sten Jenner im Jahre 1606 
kamen fie an einer Inſel 5), im Geſichte des grünen Vorgebirges, vor Anker. Daſelbſt 
fanden fie zwey hollaͤndiſche, drey franzoͤſiſche und fünf engliſche Fahrzeuge, deren einige hier 
Handel treiben, andere aber nur Lebensmittel zur Reiſe nach Braſilien einnehmen wollten. 
| Der 
f) Le Waires Reiſe nach den Canarieninſeln, ſement & aux progres de la Compagnie des In- 
a. d. 61 S. a des orientales. Tom.IV. p.289. 
4) Recueil des Voyages qui ont fervi à l’Etablif- 6) Die itzo Goree genennt wird. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IX Cap. 151 


Der Verfaſſer hatte Befehl, nach Porto d' Ale, einer Stadt am feſten Lande, zu ge- 1606 
hen, wo die groͤßte Handlung im Lande getrieben wird. Er miethete daſelbſt ein Haus, Broeck. 
wenn eine Strohhuͤtte dieſen Namen verdienen kann, und eine portugieſiſche Sklavinn, die emen 
ihm das Eſſen zubereitete, und zugleich ſtatt des Dollmetſchers diente. nach Porto 

Den 2zſten des Jenners im Jahre 1606 flog ein ſolcher Schwarm rother Heu- d Ale. 
ſchrecken, fo dicke, wie eines Manns Daumen, über Porto d' Ale, daß die Luft eine Stunde Hungers⸗ 
lang verfinſtert wurde. Dieſes Ungeziefer richtete eine ſolche Verwuͤſtung unter den Fruͤch— je 0 1 
ten der Erde an, daß ſie zu keiner Reife kamen, und die Hungersnoth war ſo groß, daß die at 
Eltern ihre Kinder zu Sklaven verkauften. Der Verfaſſer ſah verſchiedene fuͤr ein Maaß 
Weizen verkaufen, welches nicht uͤber einen Huth voll betrug. 

Acht Tage hernach kroch eine Eydechs des Nachts im Bette uͤber den Verfaſſer weg. 

Er wachte im Schrecken auf, weil er etwas kaltes fuͤhlte, und ſah eine große Schlange 
neben ſich, welche die Zunge ausſteckte. Dieſer Zufall bewog ihn, das für wahr zu hal— 
ten, was verſchiedene Schriftſteller vorgeben, daß naͤmlich die Eydechſen den Menſchen in 
der Gefahr vor den Schlangen, die in der Naͤhe ſind, warnen, welches die Einwohner hier 
durchgaͤngig glauben. 5 

Der Verfaſſer verweilte ſich vier Monate lang zu Porto d' Ale, und kaufte Thier⸗ 
haͤute, Elfenbein, und Ambra. Den öten des Brachmonats begab er ſich in ein Boot, um 
dem erſten Aufſeher nach Juvale c) entgegen zu gehen, von wannen er nach Refuſco 4) 
gieng, wo er ihre Schiffe zur Reiſe nach Holland ſegelfertig fand. 

Als ſie auf eben dem Eylande bey dem gruͤnen Vorgebirge, wo ſie zuerſt landeten, friſch Sie nehmen 
Waſſer einnahmen: ſo kam ein engliſch Boot von Juvale, mit der Nachricht, ſie wuͤßten ein eln reiches 
mit Guͤtern und Sklaven reichbeladenes Schiff liegen, und erbothen ſich, ſie an den Ort zu fuͤh— 8 in 
ven, wenn fie ihnen zu ihrem Antheile von der Beute die ſchwarzen Sklaven beyderley Ge- eſis. 
ſchlechts verſprechen wollten. Die Hollaͤnder nahmen den Vorſchlag an, und als ſie das Schiff 
zu Juvale vor Anker fanden, machten fie ſich von demſelben Meiſter. Es war ein Luͤbecker, 
von zweyhundert und vierzig Tonnen, das mit Zucker von St. Thomas, Elfenbein, Baum⸗ 
wolle, einer Menge Stuͤcken von Achten, einigen goldenen Ketten, und neunzig Sklaven 
beyderley Geſchlechts beladen war. Es hatte vier Portugieſen und eilf Luͤbecker am Borde, 
die krank lagen. Der Patron wav geſtorben, und es hatte feinen Lauf nach Liſſabon neh: 
men ſollen. ö 

Die Hollaͤnder brachten ihre Priſe an das gruͤne Vorgebirge, um ſie zu bemannen, und 
mit den Nothwendigkeiten zu verfehen, und ließen die Sklaven in den Händen der Englän- 
der. Sie giengen vom grünen Vorgebirge den 16ten des Heumonats 1606 nach Holland 
unter Segel. Es waren drey Schiffe in Geſellſchaft, und den sten des folgenden Weinmo- 
nats langten ſie in der Maas an. f 

Die Güter, die jaͤhrlich vom feften Lande und dem Fluſſe bey dem grünen Vorgebirge e) Waren. 
kommen, find dreyßig, oder fünf und dreyßig tauſend Haͤute von Ochſen, Buͤffeln und Elend: 
thieren. Die Fluͤſſe Gambra 7), Rachao g), und St. Domingo, geben eine große 

Menge von Elfenbein und Wachs, etwas Gold und Reiß, und vortrefflichen Ambra. Als 
N der 
c) Joalli oder Joal. ) Oder ſonſt Gambrig. 
4) Kufiſco oder Rio freſco. 
e) Dem Rufiſco oder Rio Freſco. 2) Im Franzoͤſiſchen Catſigo. 


152 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1606 der Verfaſſer hier war, warf das Meer einen Klumpen von achtzig Pfund an den Strand. 
Broeck. Er kaufte vier Pfund davon, die zum Theile in Europa das Pfund zu achthundert Gulden, 
und zum Theile zu vierhundert und funfzig Gulden verkauft wurden. 
Die Portu⸗ Die meiſten Portugieſen, die ſich hier aufhalten, ſind wahrhafte Banditen. Einige 
gieſen da- wohnen zu Portodale und Juval, wo fie mit den Englaͤndern und Hollaͤndern handeln. 
ſelbſt. Sie kaufen hier fo viel Sklaven, als fie koͤnnen, und führen fie nach St. Domingo oder 
Kachao, von wannen fie dieſelben nach Braſilien uͤberſenden, wo fie einen guten Werth 
haben. Einige, die ſich durch dieſen Handel bereichert haben, kaufen ſich von ihrer Landes⸗ 
verweiſung los, und kehren nach Portugall zuruͤck, 
Die alten Was die alten Einwohner dieſes Landes betraf; fo konnte der Verfaſſer dieſe beſondere 
Einwohner. Umſtaͤnde erfahren. Sie find fo ſchwarz, wie Pech, und wohl geſtaltet. Sie durchritzen 
oder bezeichnen ſich ihr Geſicht, und ſind von Natur diebiſch und ſchadenfroh. Viele von 
ihnen ſprechen franzoͤſiſch, weil dieſe Nation hier lange Zeit gehandelt hat, wenige aber hol— 
laͤndiſch. Sie ſind meiſtentheils Goͤtzendiener. Einige bethen den Mond an, und andere 
den Teufel, welchen fie Kammate >) nennen. Wenn man fie fraget: warum fie den Teu⸗ 
fel anbethen? fo antworten fies weil er ihnen Schaden thue, Gott aber nicht. Es find auch 
einige Muhammedaner unter ihnen. 

Sie ſind oͤfters mit ihren Nachbarn im Kriege, und brauchen Bogen und Pfeile. Sie 
find gute Reuter, und bekommen ihre Pferde aus der Barbarey, welche ſehr fluͤchtig find. 
Doch hat der Verfaſſer einen Neger geſehen, der am Seeſtrande den beſten Klepper, den 
ſie hatten, einholen konnte. Sie ſchwimmen und fiſchen auch mit großer Geſchicklichkeit. 

Die Weiber Wenn ſie ihre Feinde geſchlagen haben: ſo ſchneiden ſie ihnen die Koͤpfe, (wie auch die 
5 bloße Einwohner der moluffifchen Inſeln thun), und ihre Scham ab, und bringen fie, als Merk⸗ 
klaben. maale ihres Sieges, ihren Weibern nach Haufe. Die Männer nehmen fo viele Weiber, 
als fie ernähren koͤnnen; fie halten fie aber in fo großer Unterthänigfeit, als Sklavinnen, 

und noͤthigen ſie nicht nur, alle Arbeit im Hauſe, ſondern auch auf dem Lande, zu verrichten. 

Wenn die Frau die Mahlzeit zubereitet hat: ſo ſetzet ſich der Mann nieder, und verzehret 
fie, und fie trägt ab, was er übrig gelaffen hat, und ißt in der Küche. Der Verfaſſer hat 
öfters die Landleute mit ihren Weibern gehen geſehen, die ſchwanger waren, und funfzehn 
bis ſechzehn Ochſenhaͤute auf dem Kopfe, und noch darzu ein Kind auf dem Ruͤcken ange⸗ 
bunden trugen; da hingegen die Maͤnner weiter nichts trugen, als ihr Gewehr. 

Die Weiber haben eine ſo ſtarke Natur, daß ſie, ſobald als ſie niedergekommen ſind, 
ſelbſt an den Fluß oder an das Meer gehen, und ſich und ihr Kind darinnen waſchen, und 
manche ſchlafen gleich darauf wieder bey ihren Maͤnnern. 

Ihre Be⸗ Wenn jemand, es ſey ein Mann oder eine Frau, ſtirbt: ſo verſammlen ſich die Freunde, 
graͤbniſſe. und erheben vier bis fuͤnf Tage lang ein ſchreckliches Geſchrey und Wehklagen, und trinken 
entweder Palmenwein oder Brandtewein. Sie tragen ihre Todten mit Trummeln und 
Floͤten zu Grabe, und ſetzen zu ihrem Haupte einen Krug mit Waſſer oder Weine, um ib: 
ren Durſt zu loͤſchen. Dieſes wiederholen fie viele Jahre lang, alle Morgen und Abende. 
Sie ſagen, die Verſtorbenen wuͤrden in kurzer Zeit Weiße, und handelten eben ſo, wie die 


Europaͤer. 
Es 


5) Siehe Jannequins Reiſe in unſerm II Bande a. d. 289 S. a) Siehe II Band a. d. 447 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leong. VI Buch IX Cap. 1533 


Es iſt mit Verwunderung anzuſehen, was fuͤr eine Menge Brandtewein ſie trinken 
koͤnnen. Es beſuchte einsmals jemand den Verfaſſer im Namen des Koͤnigs, der auf einen 


Zug einen ganz vollen Friſon ausleerte, und als er damit fertig war, nach einem andern 


fragte. | | 
a Der II Abſchnitt. | 
Eine Reiſe nach den Canarieninſeln, dem grünen Vorgebirge, 
der Sanaga und Gambra, im Jahre 1682. | 


Durch den Serrn le Maire. 


Einleitung. Der Verfaſſer geht unter Segel. Sie kommen nach Bieurt. Inſel St. Ludwig. 
Koͤmmt nach Breſt. Wird beynahe zuruͤckge⸗ Vergleichung der Moren und Negern. Muͤn⸗ 
laſſen. Kommt an das Vorgebirge Cantin. Sei⸗ dung der Sanaga. Verſuch, Entdeckungen auf 
ne Begebenheiten in den canariſchen Inſeln. dem Fluſſe zu machen. Ruͤckreiſe nach Goree. 
Unwiſſende Aerzte daſelbſt. Fort Arguin. Be: Königreich des Brak, und des Sheyratik. Die 
maͤchtigt ſich einer Barke mit Schildkroͤten. Das Fulier. Volker und Reiche laͤngſt der Kuͤſte. 
gruͤne Vorgebirge wird beſchrieben. Rufiſco. 8 5 


1682 


— — 


(Dieſe Reiſebeſchreibung ward im Jahre 1695 zu Paris gedruckt } und kam im folgenden Einleitung. 


Jahre zu London engliſch heraus, da fie hundert und achtzehn Seiten enthält, vier an⸗ 
dere ungerechnet, welche die Vorrede einnimmt. Es iſt ihr eine andere Abhandlung bey⸗ 
gefuͤgt, welche wir ſchon eingeruͤckt haben 2). Der Verfaſſer gab ſeine Reiſebeſchreibung 
nach ſeiner Ruͤckkunft einem ſeiner Freunde in die Haͤnde. Weil derſelbe fand, daß dieſe 
Erzählung in vielen weſentlichen Stuͤcken von einem Schriftfteller eben dieſes Jahrhun⸗ 
derts, der in feiner herausgegebenen Sammlung ſtund, abgieng: fo gab ſich der Heraus— 
geber Muͤhe, die Wahrheit bey denen, die le Mairen auf ſeiner Reiſe Geſellſchaft geleiſtet 
hatten, nachzuforſchen, und beſonders bey dem Herrn Dancourt 6), Generaldirector der 
africaniſchen Compagnie, unter deſſen Aufſicht die Reife geſchehen war. Dieſer gab die 
Verſicherung, daß ſie vollkommen richtig waͤre, und beſondere Umſtaͤnde enthielte, welche 
die vorhergehenden Schriftſteller nicht berührt hätten. Der Herausgeber behielt fie vier 
bis fünf Jahre lang bey ſich, weil er le Mairens abermalige Zuruͤckkunft aus eben dieſen 
Welttheilen, wo er ſich dazumal aufhielt, erwartete. Die Ungeduld ſeiner Freunde aber 
war fo groß, daß er die Ausgabe dieſes Werks nicht länger aufſchieben konnte. Dieſes er: 
ſehen wir aus der Vorrede. Der Beſchluß c) dieſes Buchs giebt Hoffnung zu einer neuen 
Nachricht von eben dieſer Hand. Es iſt aber keine zum Vorſcheine gekommen. Dieſes 
Werk iſt elend uͤberſetzt. Was wir hier mittheilen, iſt, unſerm erſten Entwurfe nach, nur 
ein Auszug von des Verfaſſers Reiſe und Begebenheiten, die ſich mit der ſechzigſten Seite 
in der Ueberſetzung endigen. Seine Anmerkungen uͤber die Laͤnder und deren Einwohner 
zwiſchen der Sanaga und Gambra, welche die uͤbrigen acht und funfzig Seiten in ſich 
faſſen, ſollen hernach folgen, und mit den Anmerkungen anderer Reiſenden in eben dieſe Ge⸗ 
genden, in eine einzige Beſchreibung zuſammengezogen werden. 


Le Maire 
6) Herr Dancourt hat die meiſten Theile der c) Es ſchließt ſich mit dieſen Worten: Ende 
Welt durchreiſet. der erſten Reiſe des Herrn le Maire. 


Allgem. Reiſebeſchr. II Band. u 


154... Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1682 Le Maire war drey Jahre Wundarzt in dem Hotel Dien zu Paris geweſen, als der 
le Maire. obgedachte Herr Dancourt ihn zu dieſer Reiſe erwaͤhlte, und der Compagnie am raten Jenner 

Der Verfa im Jahre 1682 zu dieſem Ende vorſtellte, welche ihren Vergleich genehm hielt. 
ſer tritt die achdem er ſeine Sachen in Ordnung gebracht hatte, gieng er nach Orleans, wo er 
Reiſe an. ein Boot miethete, um die Loire hinunter nach Nantes zu fahren. Weil aber ein ſtarker 
Wind dem Strome entgegen wehte, der zu gleicher Zeit uͤber ſeine Ufer ausgetreten war: 
Kommt fo brachten fie ſieben bis acht Tage unterwegens zu. Von Nantes gieng le Maire zu 
nach Breſt. Lande nach Breſt, wo er noch zween Monate warten mußte, weil das Schiff noch nicht 
ſegelfertig war. Es führte den Namen St. Catharina, und war von ungefähr vierhun- 
dert Tonnen, und vierzig Canonen. Es war zu Fluſhing zum Dienſte der Compagnie 
gebauet, und ſollte beſonders gut ſegeln konnen. Der Name des Hauptmanns war Mon⸗ 
ſegur. Als endlich das Schiff völlig ausgeruͤſtet und mit Lebensmitteln verſehen war: fü 
wurde es den 20ſten Maͤrz in die Rheede gelaſſen. Le Maire beſah in dieſem Hafen die 
koͤnigliche Sonne, ein Kriegsſchiff von hundert und zwanzig Canonen d), das reich aus⸗ 
gezieret und vergoldet war. Es waren zugleich funfzig Schiffe von der Linie da, die von 

neunzig zu funfzig Canonen fuͤhrten e). W nah # 

Den gten April im Jahre 1682 gieng le Maire an Bord. Weil aber Herr Dancourt 
noch nicht von Breſt angekommen war: ſo bediente er ſich nebſt einigen andern der Gelegenheit, 
mit einem Boote ans Land zu fahren, und bey Camoret ſchießen zu gehen. Als ſie aber wieder 
an Bord gehen wollten, war die See ſo ungeſtuͤm, daß ſie umkehren mußten; und bald 

Wird bey: hoͤrten fie von der Höhe, zu ihrer großen Beſtuͤrzung, eine Canone abfeuren, und ſahen ihr 
nahe zuruͤck⸗ Schiff unter Segel gehen. Sie giengen laͤngſt dem Ufer nach, und ſchrien, und thaten 
gelaſſen. : e ele ge f e e age 

Flintenſchuͤſſe, aber vergebens. Weil fie die Nacht uͤberfiel: fo waren fie genoͤthigt, in eis 
nem elenden Hofe einzukehren, wo fie die Nacht ziemlich ſchlecht zubrachten. Den naͤch⸗ 
ſten Morgen fanden ſie ihr Schiff in der Rheede von Camoret, drey Meilen von Breſt, 
vor Anker, und kamen gluͤcklich an Bord. 

Herr Dancourt langte den ı2ten April an, und unmittelbar darauf giengen fie unter 
Segel. Drey Seemeilen weit vom Lande trafen fie den Feurigen, ein franzoͤſiſches Kriege: 

ſchiff von achtzig Canonen, an, das von Havre de Grace herkam. Es erwartete die Ebbe, 
um in Breſt einzulaufen, wo es den Herrn von Revilly, koͤniglichen Generallieutenant bey 
der Unternehmung, die man wider Algier vorhatte, an Bord nehmen ſollte. Sie begrüß- 
ten es mit ſieben Canonen, und unter Trompetenſchalle, und bekamen eben fo viele Cano— 
nenſchuͤſſe zur Antwort, wider die Gewohnheit, die bey koͤniglichen Schiffen eingefuͤhrt iſt, 
die ordentlich zweene Schuͤſſe weniger thun. Es war aber eine beſondere Hoͤflichkeit des 
Intendanten auf dem Kriegsſchiffe, der ein vertrauter Freund des Herrn Dancourt war. 
Sie feuerten nochmals aus Erkenntlichkeit drey Canonen ab, und ſetzten ihren Lauf mit eis 
nem Nordoſtwinde fort. Den ziften April erblickten fie gegen Oſten zwey Schiffe, die fie we⸗ 

. gen ihrer Geſchwindigkeit fuͤr Seeraͤuber hielten; ſie verlohren ſie aber bald aus dem Geſichte. 
Se Den zöften April erreichten fie in der Entfernung von ſechs Seemeilen das Vorgebirge 
des Vorgebir⸗ Cantin, auf der Kuͤſte der Barbaren, in dem Koͤnigreiche Marocco. Den 29ſten April 
ges Cantin. entdeckten fie Lancerotta, eine von den ſieben canariſchen Inſeln, welche fie zehn Seemei⸗ 


len 

4) Dieſes Schiff ward vom Admirale Ruſſel ) Siehe le Maires Reife a. d. m u. f. S. 
bey la Hogue verbrannt. 7) In Anſehung der Beſchreibungen dieſes Ver⸗ 
A: ö faſſers 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. Vl Buch IX Cap. 155 


len gegen Suͤdoſt liegen ließen. Den zoſten lag ihnen Großcanaria zehn Seemeilen ge⸗ 
gen Nordoſt. Sie giengen eine Seemeile weit an das Eyland hinan, Vogel zu ſchießen, 
wo ſie bis zur Nacht blieben. Sie konnten aber aus Mangel am Winde nicht vor Anker 
kommen. Den ıften May ſteuerten fie mit Anbruche des Tages weſtwaͤrts nach Großca⸗ 
narien, wo ſie fruͤh um halb neun Uhr in vier und zwanzig Faden vor Anker lagen. Die 
Stadt, die anderthalb Meilen von der Rheede iſt, liegt Suͤdſuͤdweſt. Sie begruͤßten das 
Caſtell mit fünf Canonen, fie bekamen aber keine Antwort, welches, wie le Maire glaubet, 
ihrem Mangel an Pulver zuzuſchreiben war f) 5 

Herr Dancourt ward mit vielen Ehrenbezeugungen von dem Statthalter zu Großca⸗ 
naria empfangen, welchem er von dem franzoͤſiſchen Conſul, Herrn Nedmond, einem 
gebohrnen Luͤtticher, vorgeſtellet ward, bey dem ſich der Verfaſſer zweene Tage auf hielt. 

Le Maire war viermal in dem Kloſter der Bernhardinerinnen, welche Freyheit ihm der 
Vorſteher auf Anſuchen der Aebtißinn ertheilt hatte. Er fand hier einige franzöfifche Frauenzim⸗ 
mer, und unter andern eines von Paris, das er zur Dolmetſcherinn brauchte. Einige von ihnen, 
die ſchwaͤchlich waren, bedienten ſich der Gelegenheit, ihn um Rath zu fragen, und andere, 
die keine wahrhafte Urſache hatten, klagten ſich nur, um ein wenig Freyheit zu erhalten. 
Le Maire fand, daß meiſtentheils die Einſchraͤnkung ihre groͤßte Krankheit war, wofuͤr 
er keine kraftige Cur gebrauchen konnte. Doch, um ſich feinem Charakter gemäß zu ver⸗ 
halten: ſo ſchrieb er ihnen ſolche Dinge vor, die fuͤr die Schwermuth gut waren. Die gu⸗ 
ten frommen Frauenzimmer hingegen ermangelten nicht, ihn mit Biſeuit, Eingemachtem, 
Confecte, Limonade und Secte zu uͤberhaͤufen, wie auch mit allen Arten von Fruͤchten, die 
fie auf ſilbernen oder porcellänenen Tellern auftrugen, und mit Roſen, Nelken, Drangerie- 
bluͤthen, Jeſmin und Tuberoſen, beſteckten. Zur Vergeltung machte er ihnen einige kleine 
Geſchenke, die mit Danke angenommen wurden. avi 

Von daraus gieng er wieder in das Haus des Conſuls, wo ihn eine Menge Volks er- 
wartete, die ihn zu den Kranken fuͤhren wollten. Unter andern beſuchte er die Frau eines 
Rechtsgelehrten, der fuͤnfhunderttauſend Kronen reich geſchaͤtzt wurde, welche lange Zeit an 
der Mutterbeſchwerung krank gelegen hatte, die von Verſtopfungen herruͤhrte. Die Aerzte 
der Stadt hatten dieſen Zufall als eine Peripnevmonie, oder ein Lungengeſchwuͤre mit kurzem 
Athem und geſchwollenen Backen tractiret, welches, wie le Maire ſaget, ihre Unwiſſenheit 
an den Tag leget. Dieſes Mistrauen gegen ihre eigenen Aerzte machet, daß fie die franzoͤſi⸗ 
ſchen unbefchreiblich lieben. Der canariſche Rechtsgelehrte hätte. den le Maire gern uͤber⸗ 
redet, da zu bleiben, und both ihm fein Haus und feinen Tiſch, und uͤber dieſes große Vortheile, 
an. Aber ſeine Verſprechungen an den Herrn Dancourt hinderten ihn, ſie anzunehmen. 
Er both ihm auch etwas Anſehnliches zur Belohnung für die Muͤhe an, die er mit feiner 
Frau gehabt hatte, die er aber um der Ehre feines Landes willen ausſchlug 2). 

Den sten May ſetzten fie ihren Lauf ſuͤdwaͤrts fort. Sie befanden ſich in ſieben und 
zwanzig Graden vierzig Minuten Norderbreite, und in dreyhundert und ſechzig Graden der 
oſtlichen zaͤnge. Großcanaria liegt gerade gegen Norden. Den öten wehte ein ſo ſtar— 
ker Oſtwind, daß das Tauwerk ihres Bramſegels riß, und die große Segelſtange brach, 
und der große Maſt in Gefahr war, uͤber Bord zu fallen. Den 7ten May des Mittags 

U 2 paßir⸗ 
faſſers von Großcanaria und Teneriffa beziehen die im II Bande a. d. 2 Seite ſteht. ö 
wir uns auf die Beſchreibung von dieſen Inſeln, z) Le Waires Reiſen a. d. 18 u. f. S. 


1682 
le Maire. 
— — 


Begebenhei⸗ 
ten des Ver⸗ 
faſſers auf 
den canari⸗ 
ſchen Inſeln. 


Unwiſſende 
Aerzte. 


1682 


le Maire. 


Das weiße 
Vorgebirge. 


Haſen Ar⸗ 
guin. 


DBemädti: 


156 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
paßirten fie den Wendezirkel des Krebſes. Hier vollſtreckten fie die Eeremonie der Meer: 
taufe an ihrem Schiffe und an den Reiſenden, welche dieſe Fahrt noch nicht gethan hatten. 
Weil aber dieſe Ceremonie ſchon weitlaͤuftig iſt beſchrieben worden Y): fo wollen wir ſie 
voriego übergehen. Den gten May waren fie in ein und zwanzig Grad ſieben und vierzig 
Minuten Norderbreite. Das hohe Land von Africa lag vier Seemeilen von ihnen, und 
ihr Lauf gieng Oſtſüdoſt. Den naͤchſten Morgen um Achte waren fie nur eine Meile vom 
Ufer. Sie ſegelten laͤngſt der Kuͤſte bis an das weiße Vorgebirge, wo ſie in vierzehn Faden 
gegen Nordweſt eine Seemeile vom Ufer ankerten. Dieſes Vorgebirge liegt in zwanzig 
Grad dreyßig Minuten Norderbreite, und fuͤhret dieſen Namen von ſeinem unfruchtbaren 
weißen Sande; denn es hat weder Gras noch Bäume, Es liegt eben ſo flach, als die See, 
aus welcher Urſache es die Sandſee genannt wird. Jr 
Vom Vorgebirge Cantin bis an diefen Ort, welches dreyhundert Seemeilen find, iſt 

das ganze Land eine ſandichte Ebene, welche von den Alten die Wuͤſte bien, und von den 
Arabern Farah genennt wird. Die Kuͤſte iſt ganz duͤrre und unbewohnt. Dieſe Wuͤſte⸗ 
neyen graͤnzen gegen Norden an den Berg Atlas, gegen Suͤden an das Land der Schwarzen. 
Von Weſten gegen Oſten erſtrecken ſie ſich ſoweit, daß man nicht unter funfzig Tagen zu 
Pferde durchkommen kann. Ueber dieſe ſandichten Wuͤſteneyen nehmen die Karavanen 
von Fez ihren Weg nach Tombut, Melli, Burnu .), und andern Landern der Schwarzen. 
Auf dieſen Reiſen werden ſie oft vom Sande verſchuͤttet, oder muͤſſen aus Mangel an 

ſſer umkommen. Sie ſind auch genoͤthigt, einen Compaß zu brauchen, um ihren 
Marſch darnach einzurichten. An der Spitze des weißen Vorgebirges wird ein Meerbus 
fen gemacht, welcher von einer darinnen gelegnen Inſel der Meerbuſen von Arguin genennt 
wird. Er geht über funfzehn Seemeilen weit in das Land hinein, weswegen man es 
0 aus dem Geſichte verliert, wenn man einmal bey der Spitze des Vorgebirges 
vorbey iſt. W. 15 5 EAA nes 

Die Portugieſen hatten ehemals ein Fort hier, aus welchem ſie mit den Azoaghes, 
und Arabern oder Moren einen Handel von Gold, Gummi und Straußfedern trieben, 
die hier in großer Menge ſind. Dieſe Waaren brachten ſie von Hoden, welches vier Ta⸗ 
gereiſen landwaͤrts liegt, und wohin die Karavanen von Tombut, Gualata ), und an⸗ 
dern innern Landern von bien kommen. Die Einwohner find Muhammedauer, und 
ziehen von einem Orte zum andern, nachdem fie Weide für ihr Vieh finden. Sie han 
deln vornehmlich mit Schwarzen, und bekommen fuͤr ein Pferd ſechs, acht bis zehn Sklaven, 
und fir ein Kameel zwey bis drehe. Arguin ward den Portugieſen durch die Hollaͤnder 
abgenommen, und dieſen letztern aufs neue im Jahre 1672, durch den Herrn du Caſſe, 
Hauptmann in den Dienſten der franzoͤſiſchen africaniſchen Compagnie, entriſſen, ob er 
gleich nicht mehr als hundert und zwanzig Mann zu dieſer Unternehmung brauchte, wovon 
er nur dreye einbuͤßte. Durch den Nimweger Frieden ward es den Franzoſen uͤberlaſſen: 
doch die Hollaͤnder fahren immerfort, der Artikel ungeachtet, an dieſem Orte zu handeln. 

Der Herr Monſegur, Hauptmann des Schiffs St. Catharina, that hier eine Lan⸗ 


gen fich einer dung mit dreyßig Mann, in der Hoffnung, ſich eines hollaͤndiſchen Schiffs die Stadt 


Barke mit 
Schildkroͤ⸗ 
ten. 


Hamburg genannt, zu bemaͤchtigen. Es war aber ſchon abgeſegelt. Er fand ein Schiff 
auf 


h) Siehe II Band a. d. 283 S. *) Dieſe veralteten Namen, als hier von So⸗ 
1) Der Verfaſſer ſchreibt Borneo. den und Gualata, wie auch zuvor von Welli, 
un 


von Capo Blaneo bis Sierra Leona. VI Buch IX Cap. 157 

auf dem Werfte, das noch nicht ganz ausgebaut war, welches er verbrannte, und ein anderes 1682 
kleines Boot, das einige Schwarzen und etliche Holländer am Borde hatte, die daſſelbe ver- le Maire. 
ließen, und an das Ufer ſchwammen. Die Franzoſen fanden es mit Schildkroͤten bela⸗ 
den, welches ihnen wohl zu ſtatten kam. Die Schildkroͤten ſind hier in großer Menge, 
und ſehr groß; denn an einer haben wohl dreyßig Perſonen genug, und ihre Schilder haben 
wenigſtens funfzehn Fuß im Umfange. he es ara dk g. eh 

Das Meer bey dem weißen Vorgebirge hat viele Fiſche, als Dorados, Parguen, alte 
Weiber, Meerfälber, und viele andere. Die Bootsleute fingen während der acht Tage, 
da ſie an der Kuͤſte zwiſchen dieſem Vorgebirge und der Sanaga ſegelten, eine unbeſchreib⸗ 
liche Menge. Es find laͤngſt der Kuͤſte einige Wohnungen der Schwarzen, die ſich vor⸗ 
nehmlich vom Fiſchen ernähren. Den 7ten May hatten fie unterwegens die Sanaga im 
Geſichte, und den ꝛ9ten erreichten fie das gruͤne Vorgebirge, welches im vierzehnten Grade Grünes 
fünf und vierzig Minuten Norderbreite liegt, und dieſen Namen von den ſchoͤnen Wäldern Vorgebirge. 
auf demſelben fuͤhret, die eine angenehme Ausſicht machen. Ueber dieſen Wäldern ſind 
zweene runde Berge, welche von den Franzoſen Mamellae, und von den Englaͤndern die 
Zitzen des gruͤnen Vorgebirges genennt werden, wegen ihrer Aehnlichkeit mit den Bruͤſten 
einer Frau. Das Vorgebirge raget ſehr weit in den Ocean hinein, und wird naͤchſt dem 
von der guten Hoffnung für das größte in dieſen Meeren gehalten. 

Wir werden dieſe Beſchreibung des Vorgebirges noch aus dem Barbot erweitern, der Beſchrei⸗ 
da geweſen, und die anliegende Kuͤſte in Augenſchein genommen hat. Dieſes beruͤhmte bung davon. 
Land und Vorgebirge liegt, wie dieſer Verfaſſer ſaget, in dem Koͤnigreiche Kayor. Die 
Einwohner nennen es Beſecher, und die Portugieſen Cabo de Verde, von dem immer⸗ 
waͤhrend Grünen des angraͤnzenden Landes, welches voll ſchoͤner hoher Bäume iſt. 

Es faͤllt ſehr in die Augen, wenn man von der Nordſeite herkoͤmmt, und ſtellet eine 
ſehenswerthe Ausſicht vor. Die Nordſeite iſt etwas bergicht. Die Weſtſpitze iſt auf der 
Seite gegen das Meer jahe und eine halbe Seemeile breit. Im Meere ſind nicht allzu⸗ 
weitdavon Klippen unter dem Waſſer. F r N 

Die Suͤdſeite iſt zwar niedrig, doch anmuthig. Der Strand iſt mit langen Reihen 
großer Baͤume geziert, die ſo regelmaͤßig ſtehen, als ob fie nach der Kunſt gepflanzt wären. 

Im Grunde iſt eine weite Ebene, die gegen Weſtſuͤdweſt liegt, und mit Doͤrfern und Fle⸗ 

cken angefuͤllet iſt, bis an das Vorgebirge Emanuel. bh 

Neben dem letztern find zweene große Felſen oder Eylande in der See, deren einer an Vogelinſel. 

einem einzelnen Baume von außerordentlicher Hoͤhe und Dicke kenntlich iſt. Der andere 

aber an einer großen Hoͤle, wo die Wellen unaufhoͤrlich mit einem großen Getöfe hinein⸗ 

ſchlagen. Dieſer Felſen beherbergt eine unendliche Menge Rothgänfe und andere Seevdͤ⸗ 

gel, welche beftändig auf beyde Inſeln kommen, ihre Eyer zu legen und zu brüten. Weil 

bie Felſen von ihrem Miſte ganz weiß find: fo haben die Holländer ihnen den Namen 

Beſcheeten Eylands das iſt: beſchiſſene Eylande gegeben. Barbot hat genaue 

Karten von beyden Seiten des Vorgebirges herausgegeben, worzu er die Riſſe ſelbſt ge⸗ 

macht hat 9). 
1 i ug Der 

und andern Orten, zeigen, daß dieſe Stelle vom ſtellern, entlehnt iſt. a 

Leo dem Afticaner, und andern alten Schrift- 7) Siehe unſre Karte hiervon. 


158 RNeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1682 Der Strom geht nach Suͤdſuͤdweſt drey Seemeilen weit in das Meer. Fünf Seemei⸗ 
le Maire, len vom Ufer fand er achtzig Faden Waſſer, und grauen Sand im Grunde. 2517859 
Holloldi- Die Holländer bauten ehemals ſelbſt auf dem Vorgebirge ein kleines Fort, St. Ans 
ſches Fort. dreas genannt. Im Jahre 1664 ward es von den Englaͤndern unter dem Befehlshaber 
| Holmes weggenommen, der feinen Namen zu Ehren des Herzogs von York in Nork vers 
wandelte, des damaligen vornehmſten Mitglieds der engliſchen koͤniglichen africaniſchen 
Compagnie. Es ward aber bald hernach durch de Ruyter von neuem erobert. 
Vorgebirge Cabo Manuel oder das Vorgebirge Emanuel, alſo von den Portugieſen zu Ehren 
Emanuel. des Koͤnigs Emanuel genannt, der Johann dem andern 1595 in der Regierung nachfolgte, 
iſt fuͤnf Seemeilen vom gruͤnen Vorgebirge. Es iſt ein flacher Berg, der uͤber und uͤber 
mit immer grünenden Baͤumen bedeckt iſt, die auf der Suͤdſeite ſehr vollkommen ein Amphi⸗ 
fſheater vorſtellen. 18 12 10 | TERN a 
Güter des Das Land um beyde Vorgebirge herum hat einen Ueberfluß an Pintadohuͤhnern, Reb⸗ 
Landes. huͤhnern, Hafen, Turteltauben, Rehboͤcken, Ziegen und großem Hornviehe m). So weit 
Barbot. Laſſet uns nun zu unſerm Schriftſteller le Maire zuruͤck kehren. 
Das gruͤne Vorgebirge hat einen unrechten Ort in den Karten, da es in vierzehn 
Grad geſetzt iſt, ob es gleich in der That in vierzehn Grad dreyßig Minuten liegt ). Wenn 
man die erſte Spitze zuruͤckgelegt hat, denn es ſind derſelben zwey: ſo entdeckt man ein klei⸗ 
nes unbewohntes Eyland, die Voͤgelinſel genannt, von dem großen Haufen Voͤgel, welche 
es uͤber und uͤber bedecken. Wenn man vor dieſer Inſel vorbey iſt: ſo hat man noch eine 
andere Spitze vor ſich, ehe man auf die Hoͤhe von Goree kommen kann, welches hinter dem 
Vorgebirge, den Fitzen beynahe gegenuͤber, liegt. Die Kuͤſte wendet ſich gegen Nordweſt 
und machet einen Bogen, wo das beſte Waſſer von allen dieſen Gegenden zu finden iſt, 
welches den Fremden zu großer Erfriſchung gereicht. REN Rue 
AnfelSoree. : Zu Goree langten fie den zoften May 1682 an, wo fie in der Rheede ankerten, und das 
Fort mit ſieben Stuͤcken begruͤßten, welches ihnen mit eben ſo vielen antwortete. Die 
erſte wurde zur Ehrenbezeugung gegen den Herrn Dancourt mit Kugeln abgefeuert. Als 
er an das Land ſtieg: ſo ward er von ſeinem eignen Schiffe ſowohl als den andern Schiffen 
in der Rheede mit fuͤnf Canonen begruͤßt, und das Fort feuerte bey ſeiner Landung ſieben 
Canonen ab. Nachdem er die Patente und Commißion der Compagnie vorgezeigt hatte, 
nahm er ſeinen Platz als Generaldirector. Er fand das Fort in einem ſehr verderbten 
Zuſtande, durch die uͤble Auffuͤhrung zweyer Leute, die ſich beyde das oberſte Commando 
zueignen wollten. Der eine war ein Franzoſe und Statthalter von Goree, der andere ihr 
Generalagent auf der Kuͤſte. | 
Beſchaffen⸗ Die Inſel Goree 0) erhielt dieſen Namen von den Hollaͤndern, wegen ihrer Aehn⸗ 
heit derſel⸗ lichkeit mit der Inſel gleiches Namens in Zeeland. Sie hat ungefaͤhr eine Vierthel See⸗ 
ben. meile im Umkreiſe. Sie liegt in der Sänge von Norden gegen Süden, ungefähr eine See⸗ 
meile weit vom feſten Lande. Gegen Süden liegt ein ſteiler Felſen, an den das Seewaſ— 
ſer anſpielet, und welcher um und um mit Klippen umgeben iſt, ſo daß nur eine enge Durch⸗ 
fahrt iſt, durch welche die Schiffe einfahren koͤnnen p). 
Als 


) Barbots Beſchreibung von Guinea auf zu wenig. Siehe II Band a. d. 277 ©. 
der 20 Seite. o) Oder Goeree. 
n) Auch dieſes iſt noch um vierzehn Minuten ) Le Maires Reifen a. d. 33 u. f. ©. 


von Capo Blanto bis Sierra Leona. VI Buch IX Cap. 159 


Als die Holländer die Inſel in Beſitz bekamen, fo bauten fie ein Fort auf der ſchwaͤch⸗ 1682 
ſten Seite des Bergs, zur Vertheidigung des Eylandes, und ein anderes ſehr ſchlechtes Fort le Waire. 
am Fuße des Bergs. Der Graf von Eſtres, Viceadmiral von Frankreich, bemeiſterte Deren Zu⸗ 
ſich des Eylandes im Jahre 1678, indem ſich der Statthalter ohne Widerſtand ergab. ſtand. 
Weil er aber keine Leute zur Beſatzung des Orts miſſen konnte: ſo machte er beyde Forts der 
Erde gleich. Die franzoͤſiſche Compagnie hat nach der Zeit das untere Fort ein wenig aus⸗ 
gebeſſert, und ein kleines Vorrathshaus, und eine mittelmaͤßige Mauer aus den Ruinen 
des alten Forts aufgerichtet, welches ſich bloß gegen die Schwarzen wehren konnte. 

Herr Dancourt wendete unverzuͤglich alle Muͤhe an, die Handlung auf beſſern Fuß zu 
ſetzen, die Factoreyen laͤngſt der Kuͤſte zu beſuchen, und nach dem Verhalten der Bedienten 
der Compagnie zu forſchen. Er brachte es auch endlich zu einem guten Vernehmen mit 
den Prinzen und Vornehmſten der Schwarzen. al | | 

Zu dieſem Ende that er eine Reiſe durch das Land auf vier und zwanzig Seemeilen Reiſe nach 
weit, von der Muͤndung der Sanaga, bis zur Muͤndung der Gambra. der Sanaga. 

Le Maire begleitete ihn auf dieſer Reiſe, auf welcher er ſich der Gelegenheit bedien⸗ 
te, von den Sitten und Gewohnheiten der Africaner am gruͤnen Vorgebirge Nachricht 
einzuziehen )). Ar | m) a 
Die Urſache, warum ſie zu Lande reifeten, war dieſe, weil wegen des Nordwinds auf 
der See nicht fortzukommen war. Dem unerachtet ſchickte er das Schiff, den Ruhm, zu 
Waſſer, welches aber faft einen Monat lang auf der Reife war. | 

Wenn gleich der Weg zu Lande nicht fo weit iſt: ſo iſt er doch weit beſchwerlicher, 
weil man keine Bequemlichkeiten auf der Straße antrifft. Sie fingen ihre Reiſe den öten Rufiſce. 
des Chriſtmonats im Jahre 1682 an, und ſtiegen bey dem Dorfe Rafis ), das nur drey 
Seemeilen von Goree liegt, ans feſte Sand. Hier konnten fie nicht mehr als ein Pferd für 
den Herrn Dancourt antreffen, und außerdem ſechs Eſel, wovon ſie zweene mit Lebensmit⸗ 
teln beluden. Der Eſel, der le Mairen zu Theile wurde, gebehrdete ſich ſehr muthig, aber 
nach den erſten zwoen Seemeilen war er die uͤbrigen ſechs Tage uͤber auf der Reiſe ſehr 
ruhig. Die Hitze war ihnen unerträglich, fo daß ſie meiſtens von der Sonnen Untergange bis 
zu Aufgange der Sonne reiſeten. Die Mitte des Tages uͤber ruheten ſie unter dem 
Schatten, und verzehrten die Lebensmittel, die fie bey ſich fuͤhrten. Die erſte Nacht ka⸗ 
men ſie an ein kleines Dorf, wo ſie blieben; ſie konnten aber weder zu eſſen fuͤr ſich, noch 
Hirſe fuͤr ihre Negro-⸗Wegweiſer bekommen. Indeſſen bewirthete fie das Volk fo gut, 
als es konnte ). 5 | 

Nach einer ſechstaͤgigen Reife gelangten fie nach Bieurt t), an der Mündung des Sie kommen 
Fluſſes Sanaga. Le Maire fand hier die Gewohnheit, daß alle Handlung von den Wei— nach Bieurt. 
bern beſorgt wurde, die unter dem Vorwande, ihre Waaren herzubringen, kamen, um ſich 
mit den Schiffsleuten zu erluſtigen. Zu Bieurt ließen ſie ihr Geraͤthe zuruͤck; und Herr 
Dancourt ließ von dem Hauptſitze der Franzoſen in der Inſel St. Ludwig, welche fuͤnf Inſel St. 
Seemeilen davon war, eine Barke holen, um ſie an dieſen Ort hinzubringen, wo ſie den Ludwig. 
dreyzehnten des Chriſtmonats zwo Stunden nach Mitternacht anlangten. Die 

| Diefes 


7) Diefe wird zugleich mit den Anmerkungen 4) Ce Maires Reiſen, auf der 39 und folgen⸗ 
anderer Schriftſteller hernachfolgen. den Seite. ö - 
r) Rufiſco oder Riofrefco. 7) In der Ueberſetzung Bieure. 


160 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1682 Dieſes Eyland liegt in der Mitte des Fluſſes, und hat eine Seemeile im Umfange. 
le Maire. Die Compagnie hat hier ein Vorrathshaus, einen Befehlshaber und Factore. Hieher brin⸗ 
gen die Schwarzen Thierhaͤute, Elfenbein, Sklaven, und manchmal Ambra. Ihr arabiſches 
Gummi bekommen fie von den Moren. Dieſe Waaren werden mit Leinewand, Baumwolle, 
Kupfer, Zinn, Brandtewein und glaͤſernen Korallen vertauſcht. Der Gewinnſt hierbey iſt 
gemeiniglich achthundert von Hundert. Die Haͤute, Elfenbein und Gummi kommen nach 
Frankreich. Die Sklaven werden nach America verſchickt. Von den beſten Sklaven 
wird der Kopf zu acht Franken gekauft, und zu hundert Kronen wieder verhandelt. Man 
kann oͤfters einen guten Sklaven fuͤr vier bis fuͤnf Quart Brandtewein haben. 
Die Senegal iſt ein Arm vom Niger, der ſich von demſelben auf 600 Seemeilen von 
der Mündung deſſelben abſondert. Der Hauptſtrom geht durch das Königreich Kantorſi n), 
und breitet fich von daraus in verſchiedene Aerme aus, wovon die Gambra und Rio Gran⸗ 
1 de die vornehmſten ſind. Die Sanaga machet die Graͤnzſcheidung zwiſchen den Azoaghes, 
Vergleichung Moren oder Schwarzbraunen, und den Schwarzen x). Die erſten find Landſtreicher, die 
zwiſchen den von einem Orte zum andern ziehen, nachdem ſie Weide fuͤr ihr Vieh finden. Die Negern 
Woren und hingegen haben ihre gewiſſen Oerter, und wohnen in Doͤrfern. Die Moren haben Haͤup⸗ 
Negern. ter oder Anführer, aber ſolche, die fie ſich ſelbſt erwaͤhlen. Die Negern ſind ihren Koͤnigen 
unterworfen, die ſehr unumſchraͤnkt ſind. Die Moren ſind klein, mager und ungeſtaltet, ſie 
haben aber einen lebhaften und ſcharfſinnigen Kopf. Die Negern ſind groß, fett und wohl⸗ 
geſtaltet, aber dumm, und von geringer Fähigkeit. Das Land, welches die Moren bewoh⸗ 
nen, iſt eine duͤrre Wuͤſte ohne Gras. Die Regern hingegen haben einen fruchtbaren Bo⸗ 
. den, der ſehr viel Viehweide, Hirſe, und Baͤume von allerhand Arten traͤgt. | 
Muͤndung Nachdem der Fluß Sanaga um Kantorſi, und andere große Eylande, verſchiedene 
der Sanaga. Kruͤmmungen gemacht: ſo ergießt er ſich durch zweene unterſchiedene Canaͤle in die See, 
in funfzehn Grad, zwey und dreyßig Minuten, Norderbreite. Zwiſchen dem Meere und 
Fluſſe liegt eine ) Sandbank, die einen Canonenſchuß breit iſt, welche, ob fie gleich nicht 
höher iſt, als das Waſſer, die Sanaga zwingt, ſechs Seemeilen weit an der Kuͤſte fortzu⸗ 
laufen, ehe ſie ſich einen Ausgang in die See eroͤffnen kann. Dieſes geſchieht endlich durch 
zweene Ausflüffe, die zwo Seemeilen von einander find, und eine Inſel in der Mitte machen. 
Jeder von dieſen Canaͤlen hat verſchiedene Baͤnke von Sand, den der Fluß abgeſpuͤhlt hat, 
und den das Meer zuruͤck wirft, der alſo in Schichten liegen bleibt, und der Schiffahrt ſehr 
gefaͤhrlich iſt. Aus dieſer Urſache waget ſich nicht leicht ein Schiff durch dieſen Weg, wenn 
der Fluß klein iſt. Zur Zeit ſeiner Ueberſchwemmung aber hat es keine Gefahr. 
Entdeckun⸗ Vor funfzehn Jahren wollten die Herren von der Compagnie ſich dieſer Ueberſchwem— 
gen aufwaͤrts mung bedienen, und ſchickten einige Barken aus, um die Einwohner von der Gegend, wo 
auf dem die Aerme des Nigers ſich abſondern, zu entdecken, und zugleich aus dem Fluſſe Sanaga in 
Fluſſe. die Gambra zu ſegeln; denn weil die Englaͤnder, vermittelſt eines Forts, die Muͤndung des 
Fluſſes in ihrer Gewalt haben: ſo hindern ſie auf dieſer Seite alle Nationen, auf dem Fluſſe 
zu handeln. Man kann auf der Sanaga nicht weit fortkommen, als wenn das * 
| | | bo 
u) Dieſes kann nicht Kantir an der Gambra indem fie aus andern Schriftftellern genommen iſt. 
eyn. ' Er erwaͤhnet auch nicht, daß er fie von den Einwoh⸗ 
*) Auf der 40 Seite ſaget er, die Sanaga und nern ſelbſt hat. 
die Gambra wären die beyden Hauptaͤrme des Ni⸗ 5) Dieſes iſt die Spitze der Barbarey. 
gers. Doch dieſe ganze Nachricht iſt zweifelhaft, 2) Le Maires Reifen, a. d. 43 u. f. O. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch IX Cap. 161 


hoch iſt. Zu derſelben Zeit kann man uͤber Klippen wegſegeln, die ſonſt in dem trocknen 1682 
Canale hervorragen. Sie ſchickten dreyßig Mann in dieſen Barken ab, welche dreyhun⸗ le Maire. 
dert Seemeilen weit vom Forte Ludwig an gerechnet, reiſeten. Sie hatten aber fo viel Be⸗ a 
ſchwerlichkeiten auszuſtehen, daß nur fünfe zurück kamen. Eins mals hatten fie den rech⸗ 

ten Canal verlohren, und die Barke blieb unter den Bäumen hängen, bis ſie dieſelbe end⸗ 

lich mit großer Gewalt wieder flott machten. 

Als Herr Dancourt ſeine Verrichtungen im Forte St. Ludwig zu Stande gebracht Ruͤckkunft 
hatte: ſo gieng er mit einem guten Oſtwinde die Bar⸗ Barre, oder Muͤndung der Sanaga, nach Gores. 
die damals offen war, vorbey. Er begab ſich vermittelſt einer Compagniebarke an Bord 
des Ruhms, lichtete den zehnten Jenner 1683 den Anker, und gieng nach Goree unter 
Segel. Er hielt fi) beftändig am Ufer, welches dazumal ſehr angenehm ausſah, weil die 
Bäume in ihrem völligen Grüne ſtunden. Nachdem Herr Dancourt Goree und die 

Colonien an der Kuͤſte beſucht hatte; fo kehrte er auf eben dem Wege in einer Zeit von acht 
Tagen nach dem Forte Ludwig zuruͤck 2). 

Von der Beſchaffenheit der Länder in dieſem weſtlichen Theile von Africa überhaupt, 
giebt le Maire folgende Nachricht: 

Das Koͤnigreich Sanaga ) iſt das erſte Land, welches den Negern zugehoͤret. Koͤnigreich 
Ehemals iſt es ſehr anſehnlich geweſen. Vorjetzo hat es wenig zu bedeuten. Wenn ſie des Brak. 
gleich einen tapfern Koͤnig haben: ſo iſt doch dieſer Prinz aus Mangel an Kraͤften einem 
andern zinsbar geworden. Seine Herrſchaft erſtrecket ſich laͤngſt des Fluſſes 40 Seemeilen 
weit, einige kleine Herrſchaften bey der Muͤndung deſſelben ungerechnet, und zehn bis zwoͤlf 
Seemeilen weit landwaͤrts. Alles in dieſer Gegend iſt ihm zinsbar. Der Koͤnig wird der 
Brak genennt, welches ein Name der Wuͤrde iſt. So viel er auch zu befehlen hat: ſo iſt 
er doch fo arm und duͤrftig, daß er öfters keine Milch zu ſeiner Speiſe hat. 

Nach dem Koͤnigreiche des Brak koͤmmt man in das Reich des Scheyratik „ das Sceprntt 
heißt, des Aller maͤchtigſten im Reiche. Er hat mehr, als zehn kleine Könige, die ihm 
zinsbar find, Seine Herrſchaften erſtrecken ſich an zweenen Aermen b) der Sanaga auf 
dreyhundert Seemeilen weit. Seine Unterthanen werden Fulier genennt, und find, von Die Fulier. 
einer Mittelfarbe zwiſchen den Moren und Negern. Sie ſind weit geſitteter und gaſtfrey⸗ 
er, als dieſe letztern. Verſchiedene franzoͤſiſche Bootsleute, denen von ihren Hauptleuten 
übel begegnet worden, find an den Hof des Schepratik geflohen, der fie freundlich aufge⸗ 
nommen, und zu ſeiner Tafel gezogen hat, und ihnen mit großer Guͤtigkeit begegnet iſt. 

Dieſer Prinz ſpeiſet meiſtentheils Hirſe, Rindfleiſch und Datteln, und trinkt niemals Wein 
oder Brandtewein; denn er iſt ein gewiſſenhafter Muhammedaner. Er kann funfzigtau⸗ 
ſend Mann aufbringen, aber aus Mangel an Lebensmitteln ſie nicht lange unterhalten. 

Weiter auf dem Fluſſe hinauf findet man die Länder der Fargoten ) und Engue⸗ 
land 4), dreyhundert Seemeilen von dem Forte Ludwig, wo die Franzoſen einen Handel 
treiben. Die Einwohner find von den Juliern nicht unterſchieden. Le Maire ſaget, 
daß er von dem, was uͤber ihren Graͤnzen geweſen, keine Nachricht haͤtte einziehen a 

as 


a) Dieſes iſt ein erdichtetes Reich, das mit Zo⸗ c) Sarakolez oder Saragoles, wie fie Mar⸗ 
val einerley iſt, und feinen Urſprung den Europäern mol nennt. 
zu danken hat. b) Vielleicht ſollte es heißen: 4) Dieſes ſcheint Guialon zu fen, das auf de 
an beyden Seiten der Sanaga. 1 Joles Karte ſteht. 


Allgem. Beiſebeſchr. III Band. 


162 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1682 Das Volk, welches die Kuͤſten zwiſchen der Sanaga und Gambra bewohnt, iſt in dren 

de Maire. Arten eingetheilt, die Jolloifer, die Sereres und die Barbaſinen. Sie werden von 

Volk langst lauter kleinen Koͤnigen beherrſcht, deren jeder in ſeinem kleinen Bezirke unumſchraͤnkt iſt. 

der Kuͤſto. Der Vornehmſte von ihnen, der das meiſte Land hat, iſt der Amel ), (welches ein Ehren: 
titel it), Beherrſcher der Jolloifer, deren Wohnungen von der Mündung der Sanaga 
anfangen, und ſich ſechs oder ſieben Seemeilen vom 7) grünen Vorgebirge endigen. Die: 
ſes Gebiethe begreift von Nord gen Suͤd laͤngſt der Seekuͤſte vierzig Seemeilen, und von 
Weſt gen Oſten landwaͤrts hundert. Das Land der Sereres iſt einem Könige unter wor— 
fen, der ſich Jain g) betiteln läßt, die Franzoſen aber nennen ihn Portugadi, von einer 
Stadt dieſes Namens, die ihm gehoͤret. Dieſes Reich erſtrecket ſich zehn bis zwoͤlf Seemei⸗ 
len laͤngſt der Kuͤſte, und geht auf hundert Seemeilen weit in das Land hinein. Den Tis 
tel des Königs der Barbaſinen oder von Joual >), konnte le Maire nicht fo, wie die 
andern, erfahren. Er ſagte aber, daß ſein Gebiethe mit des Jain ſeinem beynahe von 
gleicher Weite ſey 7). 


* * * X * K X K X X k R X K X XR XK * *R XR R R R R RK XR X K TR KR *R 


Das X Kapitel. 


Jalofer. Beſchreibung von den Jalofern, beſonders von denen 
5 die gegen die Gambra zu wohnen. | 


Einleitung. 


Länder in bie: Di Theil von Africa, wovon in dieſem Capitel ſoll geredet werden, iſt derjenige, der 


ne zwifchen dem achten und achtzehnten Grade Norderbreite liegt, und zwiſchen der 


ſeite mit dem atlantiſchen oder Weſtmeere. 
find den Obgleich dieſer Theil von Africa von den Europaͤern mehr beſucht wird, als irgend ein 
Europäern anderer, welcher der Barbarey oder Aegypten gegen Suͤden liegt: fo erſtrecket ſich doch un: 


wenig be⸗ ſere Kenntniß nicht weiter, als bloß auf die Kuͤſten, und einige wenige von den Fluͤſſen, be: 


kannt. ſonders der Sanaga und Gambra. In den inlaͤndiſchen Gegenden iſt uns alles ſo 
unbekannt, daß wir von keiner derſelben mit Gewißheit die Lage, Graͤnzen oder Weite ange— 


ben koͤnnen. Man kann ſogar aus der Verwirrung, der Ungewißheit, und den Wider⸗ 


ſpruͤchen, die in den Erzaͤhlungen hervorleuchten, die uns von den Herrſchaften innerhalb 
dieſer Graͤnzen gegeben werden, den wahrſcheinlichen Schluß machen, daß es viele anſehn— 
liche Lander giebt, deren Namen nicht einmal den Europäern zu Ohren gekommen find. 
Kurz, in Vergleichung von Aſia oder America iſt wenig in Africa entdeckt, ob es gleich 
keinem von beyden in der Hervorbringung von merkwuͤrdigen Dingen viel nachgiebt. 


Jedennoch 
e) Bey Bruͤen und andern heißt er Damel, und 7) Es ſollte heißen, hinter dem grünen Vorge⸗ 
birge. | 


iſt König von Aayor, 


dreyßigſten Minute, und dem ſiebenzehnten oder achtzehnten Grade oftlicher länge, 
Er enthaͤlt alſo zehn Grad von Suͤd gen Nord, und ſiebenzehn bis achtzehn von Weſt gen 
Oſt. Gegen Norden graͤnzet er mit Sahra, die gemeiniglich die Wuͤſte der Barbarey 
genennt wird, gegen Oſten mit Nigritien, gegen Suͤden mit Guinea, und auf der Weſt— | 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 163 


Jedennoch find wir mehr im Stande, eine Erzählung von den verſchiedenen Voͤlker⸗ 
ſchaften, als denen ändern zu machen, die in dieſer Abtheilung liegen; weil, wenn man einen 
Theil eines Volks ſieht, man gemeiniglich das Ganze ſieht. Die Vornehmſten von dieſen 
Voͤlkerſchaften find die Jalofer, die Fulier, und die Mandingoer. Die Fulier beſitzen, 
was auf beyden Seiten der Sanaga gegen Nord und Oſt landwaͤrts liegt. Die Jalofer 
wohnen zum Theile den Fuliern gegen Suͤden, und zum Theile auf der Weſtſeite laͤngſt 
dem Ocean, auf welcher Seite ihr Land an einen oder zweenen Orten die ganze Breite zwiſchen 
der Sanaga und Gambra einnimmt. Die Mandingoer liegen den Jalofern gegen Suͤ⸗ 
den und Oſten, und breiten ſich an beyden Seiten der Gambra von ihrem Urſprunge an, 
vielleicht bis zum Meere aus. Dieſe letztern find fat überall unter den zwo erſten Voͤl⸗ 
kerſchaften vermiſcht, und ſcheinen mehr Ankoͤmmlinge, als urſpruͤngliche Einwohner, zu ſeyn, 
beſonders gegen die Kuͤſte zu. Daß dieſe Muthmaßung nicht ohne Grund ſey, erhellet aus 
der Farbe, welche ein dunkles Schwarzbraun iſt, da die Farbe an allen uͤbrigen Einwoh— 
nern dieſes Theils von Africa, und ſuͤdwaͤrts bis an das Vorgebirge der guten Hoffnung 


ſchwarz iſt. i 


Jalofer. 


— — 
Die verſchie⸗ 


denen Ein⸗ 
wohner. 


Wir haben bereits in dem vorhergehenden Buche einige Nachricht von den drey obge⸗ Wovon hier 
dachten Voͤlkerſchaften, und befonders von den Fuliern, gegeben, wie auch von den Savas ſoll gehan⸗ 
Eoles, Sereres, Slüps, Bagnonen, Papeln, Biafaras, u. ſ. w. als von welchen geringern delt werden. 


Voͤlkerſchaften bey Gelegenheit ihrer Lander genug geſagt worden iſt. Weil man aber fin 
det, daß die drey erſten Voͤlkerſchaften in den Suͤdlaͤndern, um die Gambra ſowohl, als in 
Norden, in ihren Umſtaͤnden etwas von einander unterſchieden ſind, und dieſe Suͤdgegend 
das eigentliche Land der Mandingoer iſt, von denen wir bis ießo nur ſparſam gehandelt 
haben: ſo wollen wir noch eine fernere Beſchreibung von ihnen hinzuſetzen, ſo viel in den 
Reiſebeſchreibungen, beſonders denen, die in dieſem Buche ſtehen, zu finden iſt. 

Hernach werden wir die Naturgeſchichte von den Laͤndern in eben dieſem Bezirke mit— 
theilen. Doch weil wir ſchon von den Thieren und Früchten gehandelt haben, die den Laͤn⸗ 
dern, die wir beſchrieben haben, mehr insbeſondere eigen ſind: ſo wird der Leſer nur dieſe 
vornehmlich finden, die alle, oder doch die meiſten von ihnen, unter ſich gemein haben. 


Der ! Abſchnitt. 


Die Jalofer, was ihre Perſonen anbetrifft. Uns formen unter den Schwarzen. Wahlreiche. Ka⸗ 
einigkeit und Nachlaͤßigkeit der Schriftſteller in yor iſt erblich. Die Koͤnige haben eine ſehr un⸗ 
dieſem Stücke. Ihre Laſter. Große Betruͤger. umſchraͤnkte Gewalt. Sind hochmuͤthig. Man 
Sie verkaufen einander. Ein Sohn verkauft nahet ſich ihnen mit großer Demuth. Ihre Klei⸗ 
feinen Vater. Sie verkaufen ſich ſelbſt. Sind dung. Geben mit großem Staate Audienz. Es koͤm̃t 
der Zauberey ergeben. Große Trunkenbolde. niemand vor ohne Geſchenke. Unverſchaͤmte Bett⸗ 
Gaſtfrey und ſehr arm. Verſchiedene Regierungs⸗ ler. Niedertraͤchtige Handlungen derſelben. 


Die Jalofer, oder Jolloifer, (nach der Schreibart des Herrn Moore) wohnen an der Ihre Per: 
Nordſeite der Gambra und weiter landwaͤrts. Ihr Land iſt von einem weiten Um- ſonen. 


fange, und erſtrecket ſich ſogar bis an den Fluß Sanaga. Dieſes Volk iſt ſchwaͤrzer und 
ſchoͤner, als die Mandingoer, oder die Fluͤps ſind, und haben die breiten Naſen und dicken 

a 4 2 Lippen 
0 Iſt vielleicht ein Druckfehler, anſtatt Tain 5) Dieſes iſt der König von Salum oder Bar⸗ 


oder Tin, wie Brůe den Titel des Könige von Aa: ſalli. 
yor ſchreibt. 1) Siehe le Maires Reiſen, a. d. 39 u. f. S. 


Jalofer. 


Uneinigkeit 
der Schrift⸗ 
ſteller. 


Ihre Laſter. 


Große Be⸗ 
truͤger. 


164 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Lippen nicht, die dieſen Voͤlkern eigen ſind. Wie Herr Moore ſaget, fo koͤmmt keiner 
von den Einwohnern dieſer Länder, deren er von allen Arten eine große Anzahl geſehen, den 
Jalofern an der Schwaͤrze der Haut und Schönheit der Geſichtszuͤge bey 4). 

Sie ſind uͤberhaupt den Waffen ergeben, und haben viele Gewohnheiten, wodurch ſie 
ihr natürliches wildes und hartes Weſen zu erhalten ſuchen. Die andern Schriftſteller uns 
terſcheiden die Jalofer nicht mit eben der Sorgfalt, wie Herr Moore, von den Mans 
dingoern, und andern plattnaſichten Schwarzen, mit denen ſie hin und wieder, beſonders an 
der Kuͤſte zwiſchen der Sanaga und Gambra, untermiſcht ſind. Und ob ſie gleich manch⸗ 
mal dem Namen nach ſie von einander abſondern, ſo vermengen ſie doch dieſelben in ihrer 
Beſchreibung. Sie ſcheinen in den Gedanken zu ſtehen, daß platte Naſen und dicke Lippen 
von allen Voͤlkern in dieſer Gegend unzertrennlich ſind, und daß es ein bloßer Zufall iſt, 
wenn man beſſer gebildete Geſichter findet. f 

Barbot ſaget, indem er von den Schwarzen dieſer Gegend überhaupt redet, fie waͤ⸗ 
ren alle von einem ſehr ſchoͤnen Schwarze, von guter Leibesgeſtalt, gerade, muntre, und hur⸗ 
tige Leute. Ihre Zaͤhne wären weiß, und wohl zuſammengefuͤgt, ihre Naſen platt, und 
die Lippen dicke 0). Hieraus koͤnnte man muthmaßen, daß die Jalofer an der Sanaga, 
und beſonders an der Seekuͤſte, in der Geſichtsbildung von denen, die tiefer im Lande und 
um die Gambra wohnen, unterſchieden waͤren. Doch Villault ſaget in ſeiner Beſchrei⸗ 
bung von Riofreſco oder Rufiſco bey dem gruͤnen Vorgebirge, daß nicht viele unter ihnen 
platte Naſen haben ). Und le Maire, der bloß von Schwarzen mit platten Naſen und 
dicken Lippen redet, gleich als ob ſonſt keine andere auf dieſer Küfte zu finden wären, ſaget 
doch, er faͤnde es der Wahrheit nicht gemaͤß, daß ſie dergleichen Geſichtsbildung ſehr hoch⸗ 
ſchaͤtzten. Sie hätten im Gegentheile, ihre Farbe ausgenommen, eben die Begriffe von 
der Schoͤnheit, welche die Franzoſen haͤtten. Sie liebten ein feines Auge, einen kleinen 
Mund, ſchoͤne Lippen,’ und eine wohlgebildete Naſe. Nichts deſtoweniger muß man ſich 
vorſtellen, daß man in denen Theilen, die den Mandingoern zugehoͤren, oder wo dieſe 
letztern mit den Jalofern vermiſcht find, Geſichter antreffen wird, die dieſen Voͤlkern 
gemein ſind. ut 
Barbot faget, wenn er von den Schwarzen laͤngſt der Kuͤſte redet, fie wären artig und 

höflich, und von einer ſtarken und muntern Leibesbeſchaffenheit, aber unzuͤchtig und uͤber⸗ 
mäßig faul, welches fie erbaͤrmlich arm machte. Sie find unverſchaͤmt, boshaft, rachſuͤch⸗ 
tig, ſtolz und lobbegierig. In ihren Ausdruͤcken haben ſie etwas ausſchweifendes. Sie 
ſind Luͤgner, falſch, gefraͤßig, uͤber die maßen wolluͤſtig, und ſo unmaͤßig, daß ſie Brandte⸗ 
wein wie Waſſer ſaufen. Im Handel ſind ſie betruͤgeriſch. Ehe ſie arbeiten, werden ſie 
lieber auf der Straße rauben und morden, oder die Leute von einem benachbarten Dorfe 
wegſchleppen, und zu Sklaven verkaufen. Die zu Juala, Porto d Ale und Nara ſind 
große Betruͤger und Diebe. An dem letztern Orte ſind ſie ſo verſchmitzt im Stehlen, daß 


ſie einen Europaͤer vor ſeinen Augen beſtehlen, ohne daß er es merket. Sie ziehen das, 


wozu fie Luſt haben, mit dem einen Fuße weg, und heben es hinterwärts auf e). 


a) Moores Reiſen, a. d. 30 u. f. S. e) Barbot am angefuͤhrten Orte. 
5) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 34 S. F) Labats Afrique oceident. 2 Band auf der 
c) Hillaults Reife nach Guinea g. d. 27 S. 120 u. f. S. 


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3 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 165 


Labat machet eine gleiche Anmerkung von den Jalofern an der Sanaga. Man Jalofer. 
muß hier, ſpricht er, einem Diebe nicht auf die Haͤnde, ſondern auf die Fuͤße Achtung geben. 
Denn, da der größte Theil der Schwarzen barfuß geht, fo koͤnnen fie ihre Zaͤhen ſo geſchickt 
brauchen, als die Finger. Sie heben damit eine Nadel von der Erde auf. Und wenn ein 
Stuͤck Eiſen, ein Meſſer, eine Scheere, oder ſonſt etwas auf dem Boden oder einer niedrigen 
Bank liegt: fo treten fie hinzu, und kehren gegen die Sache, die fie ſtehlen wollen, den Ruͤ⸗ 
cken, ſehen einem völlig ins Geſichte, halten die Hände weit auf, und heben unterdeſſen die 
Sache mit ihren Zaͤhen auf, beugen das Knie, und heben den Fuß bis an den Guͤrtel, ſo, 
daß der Diebſtahl den Augenblick unter ihrem Kleide verborgen iſt. Darauf faſſen ſie 
mit der Hand auf den Ruͤcken, nehmen es aus den Zaͤhen heraus, und verſtecken es unter 
ihren Kleidern Y). 5 RG er de 
Sie gehen auch, wie Barbot ſaget, mit ihren eigenen Landesleuten, den inlaͤndiſchen | 
Schwarzen, oder den Gebirgern, wie fie dieſelben nennen, die in die Factoreyen zur Hands 
lung kommen, nicht ehrlicher um. Denn unter dem Scheine, daß ſie ihnen ihre Guͤter 
fortſchaffen helfen, oder als Dolmetſcher dienen wollen, ſtehlen fie ihnen die Hälfte von dem, 
was fie haben g). 2 
Sie gehen noch weiter. Denn manche verkaufen ihre eigenen Kinder, Anverwandten Sie verfaus 
oder Nachbarn. Dieſes hat ſich, nach Barbots Berichte, oͤfters zugetragen. Sie bit⸗ En einander 
ten die Perſon, die fie verkaufen wollen, fie möchte ihnen doch helfen, etwas nach der Facto⸗ Sn 
rey ſchaffen, welches fie verhandeln wollten. Wenn fie da ift, fo wird die Perfon, die man 
auf ſolche Art hintergangen hat, und welche die Sprache nicht verſteht, verkauft, und als 
ein Sklave eingeliefert, fie mag ſich noch fo ſehr ſperren, und "ber die begangene Berrä- 
therey klagen Y). ji 
Le Maire erzaͤhlet bey dieſer Gelegenheit eine artige Hiſtorie, welche Barbot in Africa Ein Sohn 
gehoͤrt haben will. Ein Mann war dem Anſehen nach Willens, ſeinen Sohn zu verkau— 1 fir 
fen. Dieſer aber mochte feine Abſicht merken, und gieng, als fie in die Factorey kamen, 1 age: 
heimlich in das Vorrathshaus weg, und verkaufte ſeinen Vater gluͤcklich. Als der alte 
Mann Leute um ſich ſah, die ihm Feſſel anlegen wollten: ſo ſchrie er, er waͤre ſein Vater. 
Weil es aber der Sohn leugnete: ſo hatte es bey dem Kaufe ſein Bewenden. Dem Sohne 
wiederfuhr, was er verdiente. Denn als er mit ſeinen Waaren nach Hauſe gieng: ſo begeg⸗ 
nete ihm einer von den Hauptleuten der Schwarzen, der ihn feines übel erworbenen Reich⸗ 
thums beraubte, und ihn für eben den Preis verkaufte 7). 
Es werden auch eine große Menge ſchwarze Kinder beyderley Geſchlechts von ihren 
Nachbarn weggeſtohlen, wenn ſie dieſelben auf den Straßen, in den Waͤldern, oder in den 
Lugans ) oder Kornfeldern antreffen, wo fie den ganzen Tag über bleiben muͤſſen, die 
kleinen Voͤgel zu verſcheuchen, die ſonſt haufenweiſe auf den Hirſe fallen. In Qungers: Sie verkau⸗ 
nöthen wird eine große Menge von dieſen Leuten ſich ſelbſt verkaufen, damit fie nicht Hun⸗ fen ſich fear 
gers ſterben. Die Theurung in dieſen Gegenden war im Chriſtmonate des Jahres 1681 ſo 
groß, daß Barbot eine große Menge um einen ſehr leichten Preis zu Goree hätte kaufen 
koͤnnen, wenn nur Lebensmittel genug wären vorhanden geweſen, fie zu unterhalten. 


a . 50%, Eben 
g) Barbot am angef. Orte a. d. 34 S. landen auf der 52 und folgenden Seite. 
5) Ebendaſelbſt a. d. 47 S. 4) Im Originale Congans. 


i) le Maires Reiſe nach den canariſchen Ey⸗ 


166 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Jalofer. Eben dieſer Schriftſteller ſaget, fie wären der Zauberey, oder der Wahrſagung durch 
rs Hoſe, ſehr ergeben. Dieſe ift vornehmlich bey ihren Prieſtern üblich, welche vorgeben, daß 
Neuberey er; die Schlangen zu ihren Befehlen ſtuͤnden. Walla Silla, ehmaliger Koͤnig von Juala, 
geben. der für den größten Zauberer und Giftmiſcher im Lande gehalten wurde, konnte, wie erzaͤh⸗ 

let wird, vermoͤge dieſer Kunſt, in einem Augenblicke ſeine ganze Macht zuſammenbringen, 
wenn fie gleich noch fo ſehr zerſtreuet war Y. 

Le Maire hat angemerkt, daß die Dollmetſcher unter den Schwarzen faſt niemals 
das treulich wiederſagen, was geredet wird, und oͤfters eine ganz entgegen geſetzte Meynung 
dem andern beybringen, wodurch oͤfters in den Kaufcontracten Streit vorfaͤllt. Wenn die 

Schwarzen auf die Gedanken kommen, daß ſie einem viel Nutzen ſchaffen: ſo ſind ſie ganz 

Große Teun: unerträglich. Sie find beſtaͤndig von Brandteweine trunken; denn der Palmenwein iſt 

kenbolde. nicht fo häufig, daß er beftändig zu haben wäre. Bey dem Saufen geht ihr Verſtand 
gänzlich verlohren, und man ſieht nichts, als raſende Beſtien. Sie wiſſen nicht, was die 
Pflicht der Wiedererſtattung zu bedeuten hat, und haben gar keine Begriffe von der Hof: 
lichkeit. Ihre Unwiſſenheit iſt ſo groß, daß ſie kaum begreifen, daß zwey und zwey viere 
machet. Sie wiſſen auch nicht, wie alt ſie ſind, noch etwas von den Wochentagen, wozu 

Gaſtfrey. fie keine Namen haben. Sie haben nur eine einzige gute Eigenſchaft, die iſt, daß fie ſehr 
gaſtfrey find. Sie laffen niemals einen Fremden von ihrer Nation ohne Eſſen und Trin⸗ 
ken von ſich gehen. Sie noͤthigen ihn auch, etliche Tage zu bleiben. Doch verſtecken ſie 
mit großer Sorgfalt den Brandtewein vor ihren Gaͤſten, weil fie ihn font Ehren halber 
denſelben nicht abſchlagen könnten. Was ſie den Gebirgern geben, dafuͤr halten ſie ſich 
ſelbſt ſchadlos, indem fie dieſelben um die Hälfte des Brandteweins betruͤgen, den fie gegen 
ihre Waaren bekommen. 

Sehr arm. Sie ſind alle aͤußerſt arm, und ihr ganzer Reichthum beſteht in ein wenig Vieh. Der 
Reichſte unter ihnen hat nicht uͤber vierzig oder funfzig Stuͤcke, zwey bis drey Pferde, und 
etwa eben ſo viel Sklaven. Es iſt etwas ſehr ſeltenes, wenn ſie Stuͤcken Gold haben, die 
eilf bis zwölf Piſtolen am Werthe halten m), 


Regierungs⸗ Unter den Schwarzen iſt in manchen ändern die Krone erblich; in andern beruhet fie 

formen. auf der Wahl. In manchen Erbreichen hat der Koͤnig nicht ſeinen Sohn, ſondern ſeinen 
Bruder zum Nachfolger. Wenn aber der Bruder ſtirbt: ſo beſteigt des vorigen Koͤnigs 
Sohn den Thron, und nach ihm wieder ſein Bruder, und nicht ſein Sohn. In andern 
Erbreichen folget der Neffe von der Schweſterſeite in der Regierung. Die Urſache iſt, weil 
fie nur bey dieſen gewiß ſeyn koͤnnen, daß fie von koͤniglichem Gebluͤte abſtammen. 


Wahlreiche. In den Wahlreichen wählen nach des Königs Abſterben dreye oder viere von den Groͤß⸗ 
ten im Reiche einen König, und behalten ſich die Gewalt vor, ihn nach ihrem Gutbefinden 
abzuſetzen, oder ins Elend zu verjagen. Dieſes erreget oͤfters buͤrgerliche Unruhen, indem 
die Anverwandten des Königs, der Reichs verfaſſung ungeachtet, den Thron nach ihm zu 
beſteigen ſuchen 1). N | 

Die 

J Barbot am angef. Orte a. d. 47 u. f. S. eo) Darauf berußet wenig, wie weit die Mir 

m) le Maire am angeführten Orte auf der 80 niſter dem Gutduͤnken des Prinzen unterworfen 
f. S. N ſind, wenn das Volk frey iſt. Es iſt billig, daß 
n) Barbot am angef. Orte a. d. 35 S. diejenigen, welche die eigenmaͤchtige Gewalt einfuͤh⸗ 
ren 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 167 


Die Regierungsform von Kapor, deſſen König Damel betitelt wird, iſt monarchiſch Jalofer. 
und erblich. Doch faͤllt die Erbſchaft nicht auf die Soͤhne des Koͤnigs, ſondern auf ſeiner Kayor Er 
Schweſter Söhne. Diefe Gewohnheit gruͤndet ſich darauf, daß feine Kinder unaͤcht ſeyn lich. 5 
koͤnnten, daß aber ſeiner Schweſter Soͤhne außer allem Streite von ihr ſelbſt, und folglich 
gewiſſer von koͤniglichem Gebluͤte find. 

Der Prinz empfaͤngt, wenn er zum Throne gelangt, von jedermann Gluͤckwuͤnſche, als 
uͤber eine beſondere Gluͤckſeligkeit. Denn es wird allezeit von den Bruͤdern uͤber das Reich 
geſtritten, welches demjenigen zufaͤllt, der die meiſte Staͤrke, oder das beſte Gluͤck hat. 

Keine Prinzen in der Welt find, wie le Maire glaubet, unumſchraͤnkter, und werden Die Könige 
mehr gefuͤrchtet, als dieſe Negerkoͤnige. Die Ehrerbiethung der Unterthanen ruͤhret von haben eine 
der Strengigkeit der Herren her. Denn die geringſte Uebertretung, durch welche man in Wa 
des Koͤnigs Ungnade faͤllt, wird mit der Enthauptung, Einziehung der Guͤter, und Ver— g 
dammung der ganzen Familie, die zur Sklaverey verkauft wird, beſtrafet. Das gemeine 
Volk iſt in Anſehung deſſen nicht fo übel dran, als die Großen ); indem es bey derglei« 
chen Gelegenheiten nur das Gefaͤngniß zu fürchten hat p). Barbot ſaget, fie wären fo un: 
umſchraͤnkt, daß ſie, um des geringſten Vorwands willen, ihre Unterthanen zu Sklaven ver— 
kaufen ließen, ohne ihren Rang oder Stand in Betrachtung zu ziehen. Es wurde ihm 
auf ſolche Art zu Goree ein Marbut durch den Alkaden von Rio Freſco, wegen einiger 
Vergehungen, auf beſondern Befehl des Damels, verkauft. Dieſer Prieſter war auf 
zweene Monate lang auf dem Schiffe, ehe er ein Wort reden wollte. Weil ihr Wille ein 
Geſetz iſt: ſo legen ſie ſo viele Abgaben auf, als ſie nur wollen, und dieſes iſt die Hauptur— 
ſache, warum die Schwarzen durchgehends ſo arme und elende Leute ſind. 

So bald der Koͤnig die koͤnigliche Wuͤrde angetreten hat: ſo bezeuget ihm das Volk große Sind ſtolz 
Ehrerbiethung; und er hingegen nimmt ein ſtolzes gebietheriſches Weſen gegen alle ſeine und uͤber— 
Unterthanen an, fie mögen ſeyn von was für Stande ſie wollen, und wird ein unumſchraͤnk⸗ müͤthig. 
ter Tyrann ). Kein Jolloifer (in Barſalli), den König und feine Familie ausgenom⸗ 
men, hat die Erlaubniß, unter Tendres zu liegen, (welches Tuͤcher ſind, die zur Abhaltung 
der Fliegen und Muſqvitos dienen) bey Strafe der Sklaverey. Eine gleiche Strafe 
drohet denjenigen, welche die Kuͤhnheit haben, ſich auf eben das Kuͤſſen zu ſetzen, auf dem 
eine Perſon von der koͤniglichen Familie ſitzt, wenn es ihm nicht befohlen wird „). 

Es wird niemand ohne große Beſchwerlichkeiten und Ceremonien vor den Damel ge- Laſſen ſich 
laſſen; und wenigen iſt es vergoͤnnt, die innern Zimmer von ſeinem Palaſte zu ſehen. Wenn 7 01 
ein großer Herr, und wenn es gleich einer von den koͤniglichen Anverwandten iſt, eine Au— id j 
dienz erlanget: fo leget er fo bald er in den Hof koͤmmt, feinen Kittel ab, und geht ganz na- N 
ckend, bis an den Guͤrtel. Wenn er ſich dem Koͤnige naͤhert: ſo faͤllt er mit beyden Knien 
auf die Erde: alsdann buͤcket er ſich mit dem Kopfe, und ſtreuet ſich zu verſchiedenen malen 
mit beyden Haͤnden Sand ins Geſicht und auf den Kopf. Darauf ſteht er auf, und wie⸗ 
derholet eben dieſe Ceremonie zu verſchiedenen malen, da er immer naͤher hinzutritt, bis er 
endlich Seiner Majeſtaͤt auf zweene Schritte nahe koͤmmt. Hier bleibt er ſtehen, und eroͤff— 

net 


ren und unterſtuͤtzen, das Uebel derſelben ſelbſt er⸗ 7) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der 

tragen. 5 47 und 57 S. ; 

pp) le Maires Reiſe nach den canarifchen Sn: ») Woores Reifen nach den inlaͤndiſchen Theis 
ſeln auf der 166 und folgenden Seite. len von Afriea a. d. 213 ©, N 


768 Reifen langst der weſtüchen Kͤͤſte von Afrien, 


Jalofer. net die Urſachen, warum er um Gehoͤr angeſucht habe. Wenn er dieſes Compliment ge⸗ 
nn endigt hat, welches er kniend vorbringt: fo richtet er ſich auf, ohne daß er ſich erkuͤhnet, 
einen Blick auf den Koͤnig zu werfen, und laͤßt die Haͤnde auf die Knie fallen, und ſtreuet 
ſich von Zeit zu Zeit Sand auf die Stirne =). 
Seine Majeſtaͤt, die ihre Unterthanen ſehr geringe ſchaͤtzet, ſcheint nicht auf das Achtung 
zu geben, was man ihr ſaget, ſondern vertreibt ſich die Zeit unterdeſſen mit etwas anderm. 
Doch unterlaͤßt er nicht, zu Ende der Rede, mit einer ungemeinen abgemeßnen Ernſthaftig⸗ 
keit etwas zu ſagen, worauf der Supplicante unter die Hofleute, welche die Aufwartung 
haben, zuruͤcktritt t). 
Ihre Klei⸗ So ſehr auch die Gewalt der Koͤnige an der Gambra unumſchraͤnkt iſt: ſo ſind ſie 
dung. doch in ihrem Betragen, und in ihrer Kleidung von den gemeinen Schwarzen wenig un— 
terſchieden, außer bey feyerlichen Gelegenheiten. Ihr Reichthum beſteht meiſtentheils nur 
in Kameelen, Dromedaren, Rindern, Ziegen, Hirſe und Fruͤchten. 
Geben mit Wenn ſie Geſandten oder Europaͤern Gehoͤr geben: ſo putzen ſie ſich mehr, als zu an⸗ 
großem Ge⸗ derer Zeit. Alsdenn legen fie ein rothes oder blaues Tuch oder Zeug an, und behaͤngen 
pränge Au- ſich mit Schweifen von Elephanten oder andern wilden Thieren, und kleinen Schellen, 
9 185 glaͤſernen Perlen, und Korallen. Auf dem Kopfe haben [fie Muͤtzen aus Baſte gemacht, 
mit kleinen Hoͤrnern von Ziegen, Antelopen oder Gemſen. Sie haben alsdenn ein anſehn⸗ 
liches Gefolge von Schwarzen, und gehen mit großem Gepraͤnge und vieler Ernſthaftig⸗ 
keit, wobey ſie gemeiniglich eine Tobackspfeife im Munde haben, an den Platz, der zur 
Audienz beſtimmt iſt; welche der an manchen Orten, wie bey dem Könige von Barſalli 
Bar u), unter einem hohen anſehnlichen Baume iſt. 

Wenn der Damel fremden Geſandten Gehör giebt: fo iſt er von feiner Leibwacht um⸗ 
geben, die mit Aſſagayen oder Wurfpfeilen bewaffnet iſt. Der König von Joala hat ge⸗ 
meiniglich fuͤnf hundert Mann Leibwacht, die in drey Haufen abgetheilt ſind, durch welche 
der Geſandte durchgehen muß, ehe er zum koͤniglichen Zimmer fommt. In den Hoͤfen 
halten funfzehn bis zwanzig Reuter, die ziemlich gut beritten, und mit Grisgris geziert 
find, um die koͤnigliche Pracht zu zeigen x). f | 

Bey dieſen Audienzen haben die Araber und Marbuten weit größere Freyheit, als die 
uͤbrigen Schwarzen. Die Franzoſen aber haben mehr Freyheit, als die andern alle. 
Wenn ein Europäer zu dem Damel geht, um ihm feine Ehrerbiethung zu bezeugen: fo reicht 
ihm derſelbe zuerſt feine Hand. Darauf ſetzet oder leget er ſich nach Gewohnheit der Schwar⸗ 
zen auf ein Bette, das mit einem Polſter bedeckt, und mit rothem Leder uͤberzogen iſt, 
und hat eine Tobackspfeife im Munde. Alsdenn läßt er den Fremden neben ſich nieder⸗ 
ſitzen, und fraget ihn, was er mitbringt. Man darf zu keinem von dieſen Koͤnigen ohne 

Niemand Geſchenke kommen ). Das Geſchenk, das ein Europäer dem Könige von Barſalli und 

kommt ohne Bar, oder feinem Abgeordneten, in Abweſenheit deſſelben, zu überreichen hat, beſteht in 

Geſchenke zehn, funfzehn bis zwanzig Stangen Eiſen, einigen Maaßen Brandtewein, einem Degen, ei⸗ 

vor. nem Feuerſchloſſe, einem Hute und dergleichen. Guter Brandtewein aber iſt insgemein 
das 

) Barbot, der in dieſer Erzählung mit le Erde oder Sand beſtreuen, anzuzeigen, daß fie. in 

Mairen uͤbereinkoͤmmt, erzaͤhlet, daß einige ſehr Vergleichung mit ihrem Könige nur Staub ſind. 

weit von dem Könige niederknien, und bis zu ihm Siehe Barbots Beſchreibung von Guinea, auf 

auf den Knien hinrutſchen, und ſich beſtaͤndig mit der 36 Seite. * 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 169 


das allerangenehmſte, und manchmal pflegt der König ſchon davon betrunken zu ſeyn, ehe Jalofer. 
noch die Audienz zu Ende iſt. Die uͤbrigen Eigenſchaften hat er mit den Koͤnigen an 

der Sanaga gemein. Hier aber halten die Schwarzen ihre Koͤnige fuͤr außerordentliche 
Zauberer und Wahrſager. Sie glauben, daß Magro, ein ehemaliger Koͤnig in Groß⸗ 
Kaſſan, noch über feine große Erfahrung in der Zauberey, und außer feinem Buͤndniſſe 

mit den Teufeln, durch ihre Huͤlfe mit dem Munde ſo ſtark blaſen koͤnnen, als ob alles um 

ihn herum in Stuͤcken gehen ſollen. Er haͤtte auch Feuer aus der Erde hervorbrechen laſ⸗ 

fen, wenn er ſeine hoͤlliſchen Geiſter zu Huͤlfe gerufen 2). 


Es iſt gleichfalls gewohnlich, die Neger-Koͤnige zu beſchenken, fo oft fie jemand bes 
ſuchen. Dieſe Beſuche werden denen zur Laſt, die nahe bey dem Könige wohnen, weil fie 
in dieſem Falle ſehr öfters geſchehen. Man muß ſehr behutſam ſeyn, daß man keine neue 
Gewohnheit unter ihnen auf bringt. Denn ein einziger Fall iſt ihnen ein zureichender Bor- 
wand, beſtaͤndig hernach bey gleichen Gelegenheiten ein Geſchenk zu fordern. 


Labat ſaget von den Prinzen der Jalofer an der Sanaga, daß fie große Bettler, und Ueberfäftige 
noch unverſchaͤmter, als alle Bettler find. Sie verſtehen ſich ſehr gut auf dieſes Gewerbe. Bettler. 
Im Anfange bitten fie um einige Kleinigkeiten, die fie öfters nicht noͤthig haben. Das 
geſchieht aber nur zur Probe; und wenn fie jemand zum Geben willig finden, fo werden fie 
den Augenblick ungeſtuͤmer, und man muß entweder geben, was ſie verlangen, oder mit 
ihnen brechen. Das einzige Mittel darwider iſt, nichts zu geben, bis ſie es in gewiſſer 
Maße durch vieles Bitten verdient haben. Wenn fie es nicht dahin bringen koͤnnen, daß 
man ihnen etwas giebt: ſo verſuchen ſie es mit dem Borgen. Und wenn man auch da 
nicht ihnen zu Willen iſt: ſo verbiethen ſie die Handlung, oder thun einem ſonſt etwas zum 
Torte. Und alsdenn iſt der Schade nicht wieder gut zu machen. Die Franzoſen find öf- 
ters genoͤthigt geweſen, gewaltſame Mittel zu gebrauchen, als einige Dörfer zu pluͤndern, 
und die Unterthanen zu Sklaven zu machen, wenn ſie ſonſt die Wiederbezahlung ſolcher 
abgedrungenen Darlehne von den Prinzen nicht haben erhalten koͤnnen. Alsdenn haben 
ſie mit ſeiner Majeſtaͤt Rechnung gehalten, und das wieder gut gethan, was ſie uͤber die 
Gebühr genommen gehabt. Aber dieſe Mittel gehen, wie der Verfaſſer ſaget, nicht alle⸗ 
zeit von ſtatten; und wenn man auch ſicher iſt, ſich durch dieſen Weg bezahlt zu machen, ſo 
iſt es doch beſſer, es nicht zu wagen. Denn man muß fuͤrchten, einen einzigen Menſchen 
zum Rachopfer des ganzen Landes zu machen, der uͤber kurz oder lang ihre Rache wuͤrde 
empfinden muͤſſen 4). 15 


Bey allem ihrem Stolze find fie fo bettelhaft, daß wenn ein Geſandter etwas an ſich Niedertraͤch⸗ 
trägt, das dem Könige gefällt, als Rock, Schuhe, Strümpfe, Degen, oder Hut, fo bittet 1 757 
er um Erlaubniß, es anzuprobiren, und dieſes thut er mit einem nach dem andern. Die— ſelben g 
ſes that ein König an einem Abgeſandten des Herrn Dancourt, kurz nach der Ankunft def 
felben, dem er feine Brocatweſte, feinen Hut, feine Schuhe und Strümpfe wegnahm; ſo 
daß er ganz nackend wuͤrde haben umkehren müffen, wenn er nicht zu gutem Gluͤcke . 

ere 


2) Le Maires Reiſen a. d. 10% u. f. S. 5) Le Maire a. d. 109 S. e 
u) Barbot ſaget a. d. 57 und 79 S. Bar 2) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der 
gehöre vorietzo dem Könige zu Barra, und nicht 79 Seite. 
dem zu Barſalli. a) Labats Abendlaͤndiſches Africa, III. Theil 
&) Ebendaſ. a. d. 56 S. a. d. 198 u. f. S. 


Allgem. Keiſebeſchr. III Band. 


170 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Jalofer. dere Kleidung von geringerm Werthe bey ſich gehabt hätte 5). Ein andrer Schriftſteller 
erzaͤhlet, daß bey einer Audienz, die der franzoͤſiſche Faetor von Goree bey dem Koͤnige zu 
Joala gehabt, dieſer einem Moͤnche von ſeinem Gefolge den Hut abgezogen, und es ſehr 
uͤbel genommen, daß der Geſandte gebethen, er moͤchte dem Moͤnche ſeinen Hut wieder ge⸗ 
ben, weil er ein ſehr armer Mann waͤre; indem er ihm geantwortet, er brauchte ſich nicht 
von ihm Lehren geben zu laſſen. Doch habe er, ſtatt der Wiedervergeltung, den folgenden 
Tag dem Moͤnche einen jungen Sklaven zugeſchickt c). N 1600 


Der II Abſchnitt. 


Adel und Staatsleute der Jalofer. Bürgerlihe Kriegszucht. Ihre Art zu fechten. Der Brak 
Obrigkeiten. Große Billigkeit unter ihnen. Koͤnig zu Hoval: Sein Charakter. Der Da⸗ 
Beſtrafung der buͤrgerlichen Verbrechen. Ein⸗ mel Koͤnig von Kayor. Der Koͤnig von Bar⸗ 
gerißne Misbraͤuche unter den Neger⸗Koͤni⸗ ſalli. Seine Sitten; Kleidung. Iſt ſehr 
gen. Geſchenke ſetzen Könige ein und ab. Ihre grauſam und defpotifch. Seine Regierung; fein 
Kriegsmacht, wie fie aufgebracht wird. Reute⸗ Lebenslauf. Bumey Haman Seaka. Seine 
rey und Fußvolk. Erfahrne Schuͤtzen. Keine Geſchicklichkeit. Ungluͤck. 5 


Adel und Die Jalofer gegen die Sanaga zu, haben eine Art von Adel, die ſie Sahibobos nennen, 

Staatsbe⸗ gleichwie die Großen des Reichs und Prinzen von Gebluͤte Tenhalas heißen. Dieſe 

diente. letztern find gleichſam der Pflanzgarten der Koͤnige, als welche aus ihren Mitteln erwaͤhlt 
werden, aber niemals unter dreyßig Jahren alt find 4). Wie le Maire ſaget, fo hat der 
Damel verſchiedene Staatsbediente unter ſich, die ihm in der Regierung und Verwaltung 
der Gerechtigkeit beyſtehen. Kondi e), der ein unumſchraͤnkter Herr, aber dem Damel 
zinsbar ift, iſt dem Groß-Connetable von, Frankreich aͤhnlich, und hat das Generalcom⸗ 
mando über das koͤnigliche Heer. Der Groß⸗Jerafo /) iſt der oberſte Richter in allen 
Herrſchaften des Königs, und reiſet von Zeit zu Zeit im Lande umher, um Klagen anzu. 
hoͤren, und Streitſachen zu ſchlichten. Der Alzari g) oder Schatzmeiſter des Koͤnigs, | 
hat gleiches Amt mit dem Groß⸗Jerafo, aber nicht fo viel freye Macht. Unter ihm ſte⸗ 
hen die Alkadis oder Alkairs von den großen Doͤrfern, die beynahe ſo viel ſind, als die 
Gerichtsherren in Frankreich ). 55 ; 

Buͤrgerliche Wie Barbot ſaget, fo haben die Staats- und Kriegesbedienten, ihre Subalternen in 

Obrigkeiten. allen Theilen des Landes, und an jedem Orte, der nur von einiger Wichtigkeit iſt, einen 
Alkadi oder Jerafo. Der Kondi, der zugleich Vicekoͤnig und Generaliſſ imus iſt, zieht 
in Geſellſchaft des Groß⸗Jerafo, als Vicekoͤnig, das ganze Land durch, ſowohl um die 
Streitſachen anzuhoͤren, als auf das Verhalten der Alkadis in ihren Kreiſen Acht zu haben. 

Die Alkadis, oder Richter in den Staͤdten und Doͤrfern, ſammeln die Gefaͤlle und 

Einkuͤnfte des Koͤnigs ein, und berechnen ſie dem koͤniglichen Alzari oder Schatzmeiſter. 
Das Wort Alkadi wird von Weißen und Schwarzen geſaget, und bedeutet den Befehls: 
haber einer Stadt oder eines Dorfes. N | 


Vaſcon⸗ 
5) Im Labat Jagaraf. 
a g) Le Maire und andere fihreiben Alzair. 


4) Barbot a. d. 8 S. b) Le Maire a. d. 114 u. f. S. Er 1 
BT ka⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona, VI Buch X Cap. 171 

Vaſconcelas, der vom Barbot angefuͤhrt wird, ſaget, die Schwarzen an dieſer Kuͤſte Jalofer. 
uͤbertraͤfen die an der Sanaga in ihrer buͤrgerlichen Ordnung weit; ſie beobachteten die 6 
Juſtitiam diſtributiuam und eommutatiuam beſſer, als jene. In den Angelegenheiten, wel⸗ 5 5 Bil. 
che die Erhaltung oder Vergrößerung ihres Staats angiengen, ließen ſie mehr Klugheit f 
und Verſchwiegenheit blicken, und in ihren Belohnungen und Strafen waͤren ſie ſehr un⸗ 
parteyiſch. Die aͤlteſten werden vor andern zu koͤniglichen Raͤthen erwaͤhlt, welche be⸗ 
ftändig an der Seite des Königs find, und die, welche die meiſte Einſicht und Erfahrung 
haben, werden Richter, die uͤberall Vollmacht haben, buͤrgerliche Sachen zu entſcheiden 1). 

Sie uͤben gleich auf der Stelle Gerechtigkeit aus. Wer des Diebſtahls uͤberfuͤhrt iſt, ir 
wird zum Sklaven verkauft, und felten wird jemand dieſes Laſters halber am Leben ge, der daſter. 
ſtrafet. Nach le Waires Bericht, muß ein Schwarzer, der eines Verbrechens halber 
angeklagt ift, deſſen man ihn nicht leicht uͤberweiſen kann, dreymal ein gluͤhendes Eiſen be⸗ 
lecken. Wenn es ihn verbrennt, ſo wird er fuͤr ſchuldig erkannt; wo nicht, ſo hat der Pro⸗ 
ceß ein Ende ). Barbot ſetzet noch hinzu, er würde ohne Koſten losgegeben; er muͤßte 
aber zugleich mit dem Anklaͤger ohne Verzug das Land raͤumen. Moore ſaget, daß die⸗ 
fes an der Gambra durch heißes Waſſer geſchieht, und fuͤhret auch ein Exempel davon an H). 

Dieſem ungeachtet wird hier, und in andern noch mehr geſitteten Ländern, die Gerech⸗ 
tigkeit nicht ſo unparteyiſch verwaltet, daß nicht ſehr oͤfters die Richter, ja der Koͤnig ſelbſt, 
durch Gunſt, Vorurtheil, oder Beſtechung, den Armen und Elenden verdammen, und den 
reichen und mächtigen Schuldigen losſprechen 2). 

Zu der Zeit, da le Maire ſich in dieſem Lande aufhielt, trug ſich etwas zu, das genug⸗ Die Könige 
ſam zu erkennen giebt, wie viel die Geſchenke über dieſe Fuͤrſten vermoͤgen. Zweene kleine laſſen ſich 
Koͤnige, Oheim und Vetter, die dem Damel unterwuͤrfig waren, hatten einen Streit, uͤber beſtechen. 
eine elende Art von unumſchraͤnkter Herrſchaft. Weil die Sache durch Gruͤnde nicht aus⸗ 
zumachen war: ſo entſchloſſen fie ſich endlich, fie entweder durch die Waffen oder den Aus— 
ſpruch des Koͤnigs zu entſcheiden. Der Koͤnig unterſagte ihnen alle andere Wege, und 0 
waren ſie gezwungen, es auf ſeine Entſcheidung ankommen zu laſſen. 

An dem Tage, der zum endlichen Ausſpruche angeſetzt war, kamen beyde Parteyen in 

dem großen Hofe vor dem Palaſte zuſammen, und brachten ein zahlreiches Gefolge mit, 
welches zweene verſchiedene Haufen machte, die ſich dreyßig Schritte weit von einander hielten. 
Alle waren mit Spießen, Pfeilen, Wurfpfeilen, und africaniſchen Meſſern bewaffnet. 
Der König kam unter Begleitung von ſechshundert Mann, die mit Grisgris ausge: 
ſchmuͤckt waren, auf einem ſchoͤnen Pferde aus der Barbarey geritten, und ſtellte ſich zwi⸗ 
ſchen beyde Parteyen. 

Ob ſie gleich alle einerley Sprache redeten: ſo bedienten ſie ſich doch der Dolmetſcher, Geſchenke 
die dem Könige das wiederholten, was fie gehört hatten. Der junge Vetter, der des ſetzen Könige 
verſtorbenen Koͤnigs Sohn war, beſchloß ſeine Rede damit: Da Gott die ſtreitigen Laͤn- ein und ab. 
dereyen feinem Vater gegeben, fo müßten fie auch ihm als ein rechtmaͤßiges Erbtheil zuge⸗ 
hoͤren. Er hoffte daher von Seiner Majeſtaͤt die 1 des Rechts, das N 

ande 
Alkatis, Alkadi, Alkadbi oder Alkazi, welches k) Barbot ebenda. und le re auf der 
im Arabiſchen einen Richter bedeutet. 113 Seite. 
i) Barbots Beſchreibung von Guinea auf 7) Siehe oben a. d. 117 S. 
der 37 Seite. m) Barbot a. d. 58 S. 


Jalofer. 


Wie ſie ihre 
Armee auf⸗ 
bringen. 


Reuterey. 


Fußvolk. 


Erfahrne 
Bogenſchuͤ⸗ 
Ken. 


172 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


greifliche Ungerechtigkeit nicht ſtreitig gemacht werden koͤnnte. Der Koͤnig ſagte, nachdem 
er ihm ſehr aufmerkſam zugehoͤrt hatte, mit einem ſehr ernſthaften Weſen: Gott hat es 
euch gegeben, und nach ihm gebe ich es euch von neuem. 

Eine ſo entſcheidende Antwort zerſtreute bald die Partey des Oheims. Die Gui⸗ 
rioten beſungen mit ihren Inſtrumenten und Trummeln das Lob des Siegers: Ihr, ſungen 
fie, verdienet dieſe Wuͤrde weit mehr, als der andere. Der König hat euch nur Gerechtigkeit 
wiederfahren laſſen. Ihr ſeyd weit vortreffliche, reicher, mächtiger und tapferer. 

Indem dieſer armſelige Prinz weiter an nichts dachte, als feines Glücks zu genießen: 
ſo mußte er den andern Tag ſich zu ſeinem Erſtaunen alles deſſen durch den beſtochenen 
Koͤnig beraubt ſehen. Dieſer ſetzte den jungen Vetter ab, den er den Abend zuvor auf den 
Thron erhoben hatte, weil er von dem Oheim ein beſſeres Geſchenk erhielt, den er an deſſen 
Stelle feste. Dieſer Wechſel des Gluͤcks veränderte bald den Ton der Guirioten, und fie 
fingen an, den zu erheben, den ſie zuvor ſchlecht abgemalt hatten. 

Die Negerkoͤnige ziehen aus geringen Urſachen in Krieg. Wenn dieſes geſchieht: fo 
verſammelt der Kondi die vornehmen und geringen Unterthanen, aus welchen die Reute— 

rey und das Fußvolk beſteht. Sie haben ſelten ein Heer uͤber funfzehnhundert Mann; ſo, 
daß fie eher Scharmuͤtzel, als Kriege halten. Im ganzen Koͤnigreiche koͤnnen fie ſchwehr— 
lich zweyhundert Pferde aufbringen. 

Wenn der Koͤnig zu Felde liegt: ſo hat er keiner Marketender noͤthig, weil er und ſein 
ganzes Heer von den Weibern in jedem Dorfe, durch welches er durchzieht, verſorget werden. 
Sie ſetzen ihm öfters funfzig Schuͤſſeln Kuskuſch vor, die auf verſchiedene Art zugerichtet 

ſind. Er behält, was ihm anſteht; das übrige giebt er feinen Leuten, die öfters nach der 
Mahlzeit eben ſo hungrig ſind, als zuvor 1). 

Die Reuterey führet Zagayes, oder Aſſagayes, eine Art von ſehr langen Wurſpfeilen, 
und drey bis vier Lanzen, welche groͤßere Spitzen, als ordentliche Pfeile, und kleine Wiederhaken 
haben, welche die Wunde aufreißen, indem man ſie herauszieht. Sie iſt dabey mit Gris⸗ 
gris ſo belaͤſtiget, daß ein Reuter, wenn er abſteigt, kaum ſechs Ellen weit gehen kann. 
Ueberdieſes haben ſie einen Saͤbel, und ein africaniſch Meſſer, eine Elle lang, und zween 
Daumen breit. Den Stoß der Feinde halten ſie durch ein rundes Schild, aus ſehr dickem 
Leder, ab. Bey aller dieſer ſchweren Ruͤſtung haben ſie die Haͤnde und Aerme frey, und 
koͤnnen einen ſehr heftigen Angriff thun. 

Das Fußvolk iſt mit einem Saͤbel, einem Wurfpfeile, und einem Köcher mit funfzig 
bis ſechzig vergifteten Pfeilen, bewaffnet. Die Wunden, die fie machen, find ganz unfehl— 
bar toͤdtlich, wenn man fie nicht auf der Stelle mit heißem Eifen brennt. Die Wiederha⸗ 
ken der Pfeile haben eine andere ſchlimme Wirkung, indem man ſie nicht eben ſo heraus— 
nehmen kann, als ſie hineingekommen ſind; ſondern man muß Gewalt brauchen. Der 
Bogen iſt aus einem Rohre gemacht, das dem Bambu aͤhnlich iſt. Und zur Sehne be: 
dienen fie ſich einer andern Art von Holze ), welche fie ſehr Fünftlich zuzubereiten wiſſen. 

Sie find fo geſchickt im Bogenſchießen, daß fie auf funfzig Schritte weit p) ein Ziel 
treffen, das nicht größer iſt, als ein Kronſtuͤcke. Sie marſchiren felbft im feindlichen Lande 

i ohne 
n) Le Maire, a. d. 11 S. 7) Jobſon ſaget, daß fie wenig Kraft haben, und 


0) Jobſon ſaget, daß es eben die Art von Holze der ganze Schade auf das Gift ankoͤmmt. 
ſey, woraus der Bogen iſt. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 173 
ohne Ordnung und Kriegszucht. Die Guirioten ermuntern fie durch den Schall ihrer In⸗ Jalofer. 
ſtrumente zum Streite. Keine Krie⸗ 

Sobald die feindlichen Heere ſo nahe ſind, daß ſie einander mit dem Schießgewehre geszucht. 
erreichen koͤnnen: fo druͤcket das Fußvolk feine Pfeile ab, und die Reuterey ſchwenkt ihre 
Wurfſpieße. Darauf bedienen fie ſich der dagayes. Sie ſchonen ihre Feinde, fo viel als 
möglich, aber bloß, damit fie deſtomehr Sklaven machen fünnen, wovon die Perfonen vom 
Stande, wenn ſie in feindliche Haͤnde fallen, nicht ausgenommen ſind. Da ſie nackend 
fechten, und ſehr geübt find: fo wird bey ihren Kriegen viel Blut vergoſſen; zumal, da ſie 
ſehr muthig find, und lieber ihr Leben einbuͤßen, als ſich für feige ſchelten laſſen. Ihre 
Tapferkeit wird alfo durch ihre Verachtung gegen die Feigheit, und durch die Furcht, ihre 
Freyheit zu verlieren, ungemein angefeuert. 

Wenn der erſte Angriff vorüber iſt: fo wiederholen fie ihn öfters noch zweene oder drey 
Tage nach einander. Wenn ſie des Fechtens muͤde ſind, ſo werden Marbuten auf beyden 
Seiten wegen der Friedenstractaten geſchickt. Und wenn ſie wegen der Artikel einig ſind: ſo 
ſchwoͤren fie bey dem Koran und dem Muhammed, ihnen nachzukommen. Die Gefan⸗ 
genen auf beyden Seiten haben von dem Frieden keinen Nutzen; fondern fie bleiben deſſen 
Sklaven, der fie zuerſt gefangen genommen hat J). 

Es iſt noch uͤbrig, aus le Maire und Mooren eine Beſchreibung von den Koͤnigen 
der Jalofer zu geben, die zu der Zeit regiert haben, als ſie in Africa geweſen. 

Das Koͤnigreich Senegal (dieſen Namen giebt le Maire dem Reiche Hoval) war Der Brak, 
ehemals ſehr mächtig: doch im Jahre 1682 war es von wenig Wichtigkeit, ob fie gleich einen König von 
tapfern König hatten, der den Namen Brak führte. Doch aus Mangel an Kräften wur⸗ 1 
de er einem andern zinsbar. Seine Herrſchaft erſtrecket ſich längft dem Fluſſe vierzig See⸗ 
meilen weit, und zehn bis zwölf Seemeilen landwaͤrts, einige kleine Laͤndereyen an der Muͤn⸗ 
dung deſſelben ungerechnet. Obgleich ſeine Gewalt uͤber ſeine Unterthanen ſehr groß iſt: 
fo iſt er doch ſehr arm; fo, daß er öfters nicht Hirſe zu feinem Unterhalte hat. Er iſt ein Sein Cha⸗ 
fo großer Liebhaber von Pferden, daß er den Hirſe, den er hat, denſelben zu geben pflegt, rakter. 
und ſich mit einer Pfeife Tobak und etwas Brandteweine begnuͤgt. Manchmal thut er N 
einen Einfall in die ſchwaͤchſten benachbarten Lander, treibt ihr Vieh weg, machet die Ein: 55 
wohner zu Sklaven, die er hernach gegen Brandtewein verkauft. Wenn ſein Vorrath da⸗ 
von klein zu werden anfaͤngt: ſo verſchließt er ihn in eine kleine Kiſte, und giebt den Schluͤſ⸗ 
ſel dazu einem von ſeinen Lieblingen, den er etwa dreyßig Meilen weit wegſchickt, und ſo 
ſpahret er ſich dieſes Getraͤnke, indem er ſich felbft den Zugang dazu verwehrt. Wenn er 
keine Gelegenheit hat, ſeine Tyranney an ſeinen Nachbarn auszuuͤben: ſo machet er ſich kein 
Gewiſſen, von ſeinen eigenen Unterthanen zu leben, die ſich an ſeinem Hofe aufhalten, 

(welcher aus zweyhundert Perſonen beſteht, die den Weißen alle ihre Untugenden abgeler⸗ 
net haben). Und wenn ſich jemand beklagt, fo verkauft er ihn gleichfalls zum Sklaven 7). 

Der Damel, oder König von Kayor, das Hoval gegen Suͤden liegt, hatte nicht we Der Damel, 
niger Liebe zum ſtarken Getraͤnke, als der Brak. Weil die franzoͤſiſchen Factore ſonſt nie- König von 
mals zu ihm kommen, als um ſich entweder etwas auszubitten, oder fich über feine Bedienten Kayor. 


und über eine Beleidigung, die einem Weißen zugefüge worden, zu beſchweren: fo kommen 
N 3 fie 


10 Le Maire, a. d. 116 u. f. S. r) Le Maire, a. b. 30 u. f. S. ö 


Jalofer. 


Der Koͤnig 
von Bar⸗ 
ſalli. 


Seine Sit⸗ 


ten. } 


Kleidung. 


Iſt ſehr 
grauſam. 


74 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

ſie auch niemals mit leeren Haͤnden. Ihr gewoͤhnliches Geſchenk beſteht aus zehn bis 
zwölf Tonnen Brandtewein, Zucker, einigen Voͤgelkoͤpfen, fünf oder ſechs Ellen Leinwand, 
und einigen Korallen 7). 

So lange die Brandteweinflaſche waͤhret, iſt der Koͤnig betrunken, und eher hat man 

ſich keine Antwort zu verfprechen, als bis alles ausgetrunken iſt. Wenn er nüchtern wird, 
fo ertheilet er die Abſchiedsaudienz , und beſchenket den Factor mit zweenen oder dreyen Sklaven, 
die er aus den naͤchſten Doͤrfern wegfangen laͤßt. Ungluͤcklich ſind die, die alsdenn ſeinen 
Leuten in die Hände fallen; denn fie beſinnen ſich nicht lange, wen fie wählen ſollen. 
Man mag ſich noch ſo gut mit Lebensmitteln verſorgen, wenn man an dieſem Hofe 
etwas zu bitten hat: ſo iſt man doch daſelbſt immer in Gefahr, Hungers zu ſterben. Denn 
der Koͤnig fraget nach dem, was man mitgebracht hat, und ißt die beſte Haͤlfte fuͤr ſich; zur 
Vergeltung giebt er dagegen ein Kameelvierthel, welches ein ſehr grobes Eſſen iſt, ein we⸗ 
nig Kuskuſch und etwas Palmenwein t). 
Die Jalofer, die unmittelbar an der Gambra angraͤnzen, bewohnen die Koͤnigreiche 
Barſalli und Uinter⸗Nani. Der Familienname des Königs von Barſalli iſt nach 
Moores Berichte N'jai. In ihren Befehlen find fie unumſchraͤnkt, und die Ehrerbiethung, 
die der ganzen Familie wiederfaͤhrt, ift ſehr groß; fo, daß die andern bey Erblickung einer 
Perſon aus der koͤniglichen Familie ſich mit dem Geſichte bis zur Erde neigen. Mit ih: 
ren Soldaten aber leben fie in großer Gleichheit. Der Koͤnig uͤberlaͤßt ihnen alles, was zu 
pluͤndern iſt, und nimmt nur das für ſich, was er ſelbſt brauchet. Dieſes noͤthiget ihn zu 
beſtaͤndigen Kriegen; denn ſobald das verzehrt iſt, was er bey Pluͤnderung einer feindlichen 
Stadt oder einer von ſeinen eigenen Staͤdten erworben hat: ſo muß er auf eine neue Beute 
bedacht ſeyn, die er ſeinen Leuten geben kann. Wenn es ihnen an Beute fehlet: ſo ſetzen fie 
öfters ihre Könige ab 1). | 


Der König bekennt ſich nebſt allen feinen Bedienten zur muhammedaniſchen Reli: 
gion, ob ſie gleich ſo viel ſtarke Getraͤnke trinken; denn ſeine Majeſtaͤt kann ohne daſſelbe 
nicht leben; und wenn er nuͤchtern oder nicht gaͤnzlich betrunken iſt, ſo bethet er. Er traͤgt, 
wie die meiſten Koͤnige dieſes Landes, ein Kleid, das wie ein Chorhemde gemacht iſt, und 
nur bis auf die Knie geht, und ein Paar Beinkleider von gleichem Tuche mit dem Kleide, 
die auf ſieben Ellen weit, und in der Mitte zuſammengeſteckt ſind. Er traͤgt keine Struͤm⸗ 
pfe, außer wenn er reutet, aber Pantoffeln, eine kleine wollene Muͤtze, und gemeiniglich ein 
Paar goldene Ohrringe. Die Jolloifer tragen ordentlich weiße Kleider und Muͤtzen, wel⸗ 
ches, weil ſie ſehr ſchwarz ſind, zu ihrer Farbe ſehr gut abſticht. Der Koͤnig war, als Herr 
Moore im Jahre 1732 da war, ein langer, ſehr hitziger Mann, der, wenn ihn jemand von 
ſeinen Leuten zum Zorne reizte, ſich kein Bedenken machte, ihn zu erſchießen, worinnen er 
ſehr geübt war. Wenn er manchmal auf der Schaluppe der Compagnie nach Rohone, 
einer ihm zugehoͤrigen Stadt, fuhr: ſo machte er ſich die Luſt, auf alle Canoes, die ihm be⸗ 
gegneten, zu ſchießen, und toͤdtete in einem Tage oͤfters ein oder zwey Leute. Er hatte viele 
Weiber, brachte aber niemals mehr, als eins oder zwey, mit fi) an Bord. Erf hatte viele 
Brüder, mit denen er ſelten ſich in Geſpraͤche oder Geſellſchaft einließ. Wenn fie vor den 

Koͤnig 
) Barbot fuͤget noch Knoblauch hinzu. u) Woores Reiſen, auf der 213 und folgenden 
5) Le Maire, a. d. 109 u. f. S. Seite. b 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch X Cap. 175 
König kamen, fo legten fie ihre Muͤtzen und Kleider ab, und ſtreuten ſich Staub auf die Jalofer. 
Stirne, wie ein jeder in des Königs Gegenwart thut, die weißen Leute ausgenommen, 
Sobald der König ſtirbt, fo fechten feine Brüder und Söhne mit einander um die Krone, 
und wer der ſtaͤrkſte iſt, wird zum Koͤnige gemacht. | 
Kohone, wo ſich der König von Barſalli ordentlich aufhält, liegt am Meere, hundert und deſpo⸗ 
kleine Meilen von Joar, einer Stadt in eben dieſem Königreiche. Wenn er Brandtewein tiſch. 
oder andere Waaren noͤthig hat, fo ſchicket er einen Bothen zum Statthalter des Forts Ja⸗ 
mes, und läßt ihn erſuchen, eine beladene Schaluppe abzuſchicken, welches der Statthalter 
niemals zu thun ermangelt. Wenn das Schiff bald ankommen ſoll: fo pluͤndert der König 
zuvor einige feindliche Staͤdte, und vertauſchet die Einwohner derſelben gegen die Waaren, 
die er braucht, als Brandtewein oder Rum, Pulver, Kugeln, Feuergewehr, Piſtolen, Hirſch— 
faͤnger für feine Soldaten, und Korallen und Silber für feine Weiber und Beyſchlaͤferinnen. 
Wenn er mit keinem benachbarten Könige im Kriege ſteht: fo uͤberfaͤllt er feine eigenen Städte, 
und verkauft ſeine elenden Unterthanen. „ ee e e 
Der König iſt mächtig und ſehr ſtolz. Seine Lander find groß, und in verſchiedene Sein Regi⸗ 
Provinzen abgetheilt, über die er Statthalter ſetzet, die den Titel Bumeys x) führen, welche ment. 
jährlich ihren Tribut bezahlen. Dieſe Bumeys find fehr mächtig, und thun, was fie wol⸗ 
len, mit dem Volke, und wenn ſie gleich gefuͤrchtet werden, ſo werden ſie doch auch geliebt. 
Die andern Könige berathſchlagen ſich gemeiniglich mit ihren vornehmſten Untertha⸗ 
nen, und thun keine Sache von Wichtigkeit ohne ihr Gutachten. Aber der Koͤnig von Bar⸗ 
ſalli iſt ſo ungebunden, daß niemand von ſeinen Leuten zu ſeinen Berathſchlagungen koͤmmt, 
außer fein erſter Staatsbedienter und vornehmſter Sklave, welcher Ferbro, das iſt, An: 
führer der Reuterey, genennt wird, welcher das Schwerdt des Königs in einer großen 
ſchweren ſilbernen Scheide trägt und die Befehle ausſtellt, was der König haben oder ver⸗ 
richten laſſen will. Im Treffen iſt er der Anfuͤhrer ſeiner Soldaten. . . 
Seite gewöhnliche Lebensart iſt, daß er den ganzen Tag über bis zur Sonnenunter⸗ Seine Le⸗ 
gang fehläft, um welche Zeit er aufſteht, und trinkt, und ſich wieder ſchlafen legt, bis zu bensart. 
Mitternacht. Darauf ſteht er auf, und ißt; und wenn er ſtark Getraͤnke hat, fo bleibt er 
bis zu Anbruche des Tages bey dem Trunke, und alsdann ißt er, und geht wieder zu Bette. 
Wenn er einen rechten guten Vorrath von ſtarkem Getränke hat, ſo trinkt er fuͤnf bis ſechs 
Tage nach einander, ohne die ganze Zeit uͤber einen Biſſen zu eſſen. Sein unerſaͤttlicher 
Durſt n ae Aden daran, daß die Freyheit und Familien ſeiner Unter⸗ 
thanen in fo mißlichen Umſtaͤnden find; denn er geht öfters mit einigen von feinen Leuten 
bey Tage in eine Stadt, und koͤmmt Abends wieder, und ſtecket den Platz an dreyen Orten in 
Brand, und an den vierten ſetzet er Wache, die das Volk, welches ſich aus dem Feuer retten 
will, „ und entweder nach Joar oder Kohone ſchleppet, wo er ſie ver⸗ 
handelt ). air 5 e ee f 
Dieſer König von Barſalli hatte drey Bruͤder. Der eine, Bumey Haman Seaka, Bumey He 
war von mittler Statur, hatte einen wohlgebauten, hurtigen und ſtarken Körper, und eine man Seaka. 
gute Geſichtsbildung. Seine Zaͤhne waren weiß, ſeine Haut ungemein ſchwarz, die Naſe 
erhaben, und die Lippen duͤnne; fo, daß er den Geſichtszuͤgen nach einem Europäer 12 55 
j 1 211 Pr 9 5 R er 8 0 3 ah, 
*) Im Originale Boomies. \ 8 Moores Reiſen, auf der gs wie auch auf der 
5 Seite. 


Jalofer. 


Seine Ge⸗ 
ſchicklichkeit. 


Sein Un⸗ 
gluͤck. 


Fulier. 
—ů— 


176 Reisen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ſah, wie die meiſten Jolloifer. Er trug eine weiße baumwollene Weſte, mit offenen 
Aermeln, und dergleichen Beinkleider, die ihm uͤber die Knie giengen. Die Aerme und 
Schienbeine hatte er bloß. Auf dem Kopfe trug er eine weiße baumwollene Muͤtze, und 
goldene Ohrringe. Er ritt auf einem ſchoͤnen ſchneeweißen Pferde 2), das ſechzehn Haͤnde 
hoch war, mit einer langen Maͤhne, und einem Schweife, den es auf der Erde nachzog. 
Sein Zaum war von rothem Leder, mit ſilbernen Buckeln, nach Art der Moren. Sein 
Sattel war gleichfalls davon, mit einem großen Sattelknopfe nach ſpaniſcher Art. Die 
Bruſtplatte war von rothem Leder, mit gegoſſenem Silber. Der Schwanzriemen hinge⸗ 
gen bedienen fie ſich nicht. Seine Steigbuͤgel waren kurz, und ſo groß und lang, als feine 
Füße: fo daß er einen feſten und leichten Stand hatte. 

Auf dieſe konnte er ſich ganz gerade hinaufſchwingen, im vollen Galoppe aufrecht ſtehen, 
und eine Flinte losſchießen, oder eine Lanze werfen, eben ſo gut, als ob er auf der Erde 
ſtuͤnde. Er trug allezeit eine zwoͤlf Fuß lange Lanze, oder halbe Pike in der Hand, die er 
ganz gerade hielt, und in dem Steigbuͤgel zwiſchen ſeinen Zaͤhen aufſetzte. Wenn er aber 
das Pferd Curbetten machen ließ: fo ſchwenkte er die Lanze hoch über den Kopf, als ob er 
in einer Schlacht waͤre. Ich habe ihn, ſaget der Verfaſſer, auf dieſem Pferde Wunder 
thun ſehen. Manchmal ließ er es auf den beyden Hinterfuͤßen auf ſiebenzig Ellen weit ga⸗ 
loppiren, ohne mit den Vorderfuͤßen die Erde zu berühren. Manchmal ließ er es in einem 
Kreiſe herumtanzen, und alsdenn ſich mit den Füßen fo klein machen, daß er durch die Vor⸗ 
derthuͤren der Mandingoer kommen konnte, die nicht über vier Fuß hoch find. 1 

Dieſer Bumey Haman Seaka war ſieben Jahre lang Koͤnig von Barſalli. Moore 
konnte nicht ſagen, auf was fuͤr eine Art er ſeine Wuͤrde verlohren. Aber ein juͤngerer 
Bruder, von etwa fuͤnf und zwanzig Jahren, regierte, als der Verfaſſer in Africa war, und 
beſuchte die Factorey zweymal im Jahre 1737, wie in des Verfaſſers Tagebuche erwaͤhnet 
worden. Der Koͤnig hat eine Schweſter, die eben ſo viel zu befehlen hat, als er. Sie 
und ihre Brüder haben jeder feine eigenen Soldaten, die mit der größten Bereitwilligkeit 
gehorchen, wenn es auch wider den Koͤnig ſelbſt waͤre 22). 


* 4 K E . EL TI NAA 


Das XI Kapitel. 
Von den Fuliern, die laͤngſt der Gambra wohnen. 
| Inhalt. 


Ihre Geſtalt und Tracht. Beſchaͤfftigung. Vieh. Güter. Charakter. Ihre Art, das Vieh zu erhal⸗ 
Milch und Butter. Sie werden von den Man: ten. Preis deſſelben. Ihre Haͤuſer und Städte. 
dingoern gedrückt. Ihre Regierungsform. Fleiß. Große Jaͤger. 

5 ie Fulier, die an der Sanaga wohnen, und von denen wir ſchon eine Beſchrei— 
bung gemacht haben 4), leben unter ihren eigenen Koͤnigen, und haben einen ſehr 
großen Strich Landes inne. Die aber, welche um die Gambra an beyden Sei⸗ 

ten derſelben wohnen, find den Mandingoern unterwuͤrfig, unter welchen fie ſich allmaͤhlig 

niedergelaſſen haben, nachdem fie vielleicht durch Krieg oder Hunger aus ihrem Lande ver. 

trieben worden. Dieſes iſt aber nur unſere eigene Muthmaßung. 5 

| Jobſon 


2) Siehe den Kupferſtich. 22) Moores Reiſen a. d. 214 u. f. S. a) Siehe II Band a. d. 253. u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XI Cap. 177 


Jobſon ſaget, dieſe Fulier Y) an der Gambra hätten eine ſchwarzbraune Haut und, Sulier. 
lange ſchwarze Haare, die bey weitem nicht fo kraus wären, als der andern Negern ihre. Geſtalt und 
Ihre Weiber ſind geſchlank und ſehr ſchoͤn gebildet; ſie haben ſehr gute Geſichtszuͤge, und Tracht. 
wiſſen ihr Haar gut zu putzen: doch tragen fie eben ſolche Kleidung, als die andern Schwar⸗ 
zen. Die Maͤnner ſind in ihrer Art uͤberhaupt nicht ſo ſchoͤn, als die Weiber; dieſes kann 
aber ihrer Art zu leben zugeſchrieben werden, indem ſie Schaͤfer, oder vielmehr Viehhirten 
ſind. Sie haben einige Ziegen. Die Heerden aber, die ſie huͤten, ſind Rinder, und dieſe 
haben fie im Ueberfluſſe. In manchen Gegenden haben fie ihre gewiſſen Städte; meiſten— 
theils aber find fie Landſtreicher. Es treibt nämlich eine ganze Familie zuſammen, entwe⸗ 
der in hohe oder niedrige Laͤnder, nachdem es die Beſchaffenheit des Wetters erfordert: und 
wo ſie nur einen guten Flecken fuͤr ihr Vieh finden, da bleiben ſie eine Zeitlang, und bauen 
ſich mit des Koͤnigs Erlaubniß Huͤtten. | 

Dieſe Leute führen ein muͤhſames Leben, wegen der vielen Loͤwen, Luchſe und dergleichen, Lebensart. 
die innerhalb des Landes, und der Crocodile, die an dem Fluſſe find. Des Nachts ver— 
ſchließen ſie das Vieh neben ihren Huͤtten, und machen um und neben denſelben Feuer, 
und bleiben ſelbſt haußen zu ihrer Bewahrung liegen c). Der Verfaſſer erhielt Rinder 
von ihnen, ſo oſt als er derſelben benoͤthigt war; und wenn bey ſolchen Gelegenheiten der 
Hirte zu ihm kam: fo war er über und über, wo er bloß gieng, beſonders im Geſichte und 
an den Haͤnden, mit Fliegen bedeckt, nicht anders, als bey uns zur Sommerszeit ein Joch 
Ochſen; und es war auch eben eine ſolche Art von Bremſen, als die unſerigen. Dem 
ungeachtet nahm er ſich nicht die Muͤhe, nur die Hand aufzuheben, und ſie wegzujagen. 

Dem Verfaſſer aber fielen fie die Zeit über, da er mit ihm handelte, fo beſchwerlich, daß er 
ſie mit einem gruͤnen Zweige fortwedeln mußte. 

Außer ihrem Viehe verkaufen fie friſche Milch, ſaure Milch und Quark, und zwo Ar- Milch und 
ten von Butter. Die eine iſt friſch und weiß, die andere hart und von einer unvergleichli- Butter. 
chen Farbe, welche die Englaͤnder feine Butter nennen, und die eben ſo gut, als die in Eng— 
land, aber nur allzu fühle iſt. Dieſe kauften fie haͤufig ihren Weibern ab, welche fie in 
Kuͤrbſen brachten, wo ſie ſehr nett und reinlich gehalten wurde; ſo daß die Weiber ſich 
aͤußerſt ſchaͤmten, wenn nur ein Haar in der Milch zu finden war. Die Kleinigkeiten, die 
ſie ſich dagegen ausbathen, waren glaͤſerne Perlen, ordentliche Meſſer, das Dutzend zu einem 
Schilling und vier Stuͤbern, und dergleichen. Als ſie aber einmal unſer Salz geſehen und 
gekoſtet hatten, welches fie Kamdam nennen: fo gefiel ihnen nichts mehr, als dieſes, wenn 
es gleich nur ſehr wenig war. Jobſon und ſeine Geſellſchaft, denen ihre Waaren zu groſ— 
ſer Erfriſchung gereichten, kauften alle Tage etwas, um ſie anzulocken, daß ſie beſtaͤndig 
kaͤmen. Außerdem, wenn man ihnen einmal etwas abſchlaͤgt: fo laſſen fie fich in einer 
ganzen Woche nicht wieder ſehen, und dergleichen Dinge ſind ſonſt nirgend zu haben. Denn 
die Mandingoer oder Schwarzen uͤberlaſſen dieſe Art von Hauswirthſchaft ganz und gar 
den Fuliern. 

Sie werden von den Mandingoern ſehr gedruͤckt, die ihnen einen großen Theil von Von den 
dem, was fie ſchlachten, wegnehmen, wofern es nicht heimlich geſchieht. Es trieb auch da- Mandin⸗ 
her der Verfaſſer mit ihnen nur heimlichen Handel. Sie zogen ſich aber dieſe Haͤrtigkeit drückt“ 

won ehr 
5) Er nennet ſie Fulbies. ſeh 
c) Jobſon haͤlt ſie aus dieſer Urſache fuͤr dumm, und fuͤr wenig beſſer, als das Vieh, das ſie weiden. 


e Allgem. Reiſebeſchr. II Band. 3 


178 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Fulier. 


Ihre Spra⸗ 
che. 


Regierungs⸗ 
form. 


Fleiß. 


Gute Ge⸗ 
muͤthsart. 


ſehr zu Gemuͤthe. Das Land iſt uͤberaus voll von ihnen, da ſie familienweiſe hin und her 
zerſtreuet find. Tiefer im Lande aber haben fie die Schwarzen ausgetrieben ), und ſich felbft 
zu Herren gemacht: doch find fie beftändig im Kriege mit ihnen. Ihre Sprache iſt von der 
Schwarzen ihrer unterſchieden e). 

Moore hat eine andere und weit beſſere Nachricht von den Foley 7) oder Fuliern 
gegeben, als Jobſon. Er ſaget, man treffe ſie in allen Reichen und Laͤndern auf beyden 
Seiten der Gambra an. Wie er glaubet: ſo haben ſie eine große Aehnlichkeit mit den 
Arabern, deren Sprache in ihren Schulen gelehret wird; und ſie verſtehen gemeiniglich 
das Arabiſche beſſer, als die Europaͤer das Latein. Die meiſten ſprechen es, ob ſie gleich 
ihre eigene Fuliſprache haben. 

Sie haben ihre eigenen Obrigkeiten, welche mit ſo vieler Maͤßigung regieren, daß eine 
jede von ihren Handlungen mehr eine Handlung des Volks, als eines einzigen Mannes zu 
ſeyn ſcheint. Sie wohnen hordenweiſe, erbauen Doͤrfer, und ſind keinen Koͤnigen des 
Landes unterworfen. Wenn ihnen von einer Voͤlkerſchaft uͤbel begegnet wird: ſo reißen 
fie ihre Dörfer nieder, und ziehen zu einer andern. Ihr Regiment iſt ſehr leicht; weil es 
ein Volk von guter ruhiger Gemuͤthsart iſt, und dasjenige, was recht und billig iſt, ſo gut 
weis, daß ein Menſch, der Uebels thut, allen zum Abſcheue iſt, und niemand ihm gegen die 
Obrigkeit beyſtehen wird. | 

In dieſen Gegenden find die Menſchen nicht landbegierig; fie begehren nicht mehr, als 
ſie brauchen: und ſie brauchen ſehr wenig, da ſie mit keinen Pferden oder Ochſen pfluͤgen. 
Die Koͤnige in dieſen Laͤndern ſind daher ſehr bereitwillig, den Foleyern Aufenthalt in ihren 
Ländern zu verftatten, und ihnen Feld zum Anbauen zu geben. Sie pflanzen Toback um ihre 
Haͤuſer, und Baumwolle rings um die Doͤrfer her, die ihnen zugleich zum Zaune dienet. 
Ueberdieſes ſaͤen ſie alle vier Arten von dem hier gewoͤhnlichen Getreyde, naͤmlich indianiſch 
Korn oder Maiz, Reiß, das groͤßere guineiſche Korn, und das kleinere, welches Man— 


83 + 


d) Der Verfaſſer hat verſprochen, von diefer Be- eben dieſelben, welche ſich innerhalb des Landes ge: 
gebenheit anderswo zu reden. Er hat es aber ver- gen Norden und Nordoſt von der Gambra nieder 
geſſen. Dieſe ſiegreichen Fulier ſind vermuthlich gelaſſen haben. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XI Cap. 179 


wiederfahren, zu rächen. Die Jolloifer oder Jalofer ſelbſt find nicht kuͤhn genug, ſich 
mit ihnen einzulaſſen. Ihre Waffen ſind Lanzen, Aſſagayen, Bogen und Pfeile, kurze 
Hirſchfaͤnger, welche fie Fongs nennen, und nach Gelegenheit auch Flinten, mit welchen 
allen ſie ſehr geſchickt umzugehen wiſſen. Sie laſſen ſich gemeiniglich bey einer Stadt der 
Mandingoer nieder, und es iſt ſchwerlich eine zu finden, die einigermaßen groß und an 
ſehnlich ware, die nicht eine Stade der Fulier in der Nähe hat. Sie find fharfe Mu— 
hammedaner. Es wird keiner, bis auf etliche wenige, Brandtewein oder ſonſt etwas trin— 
ken, das ſtaͤrker iſt, als Waſſer und Zucker. 

Sie erziehen Vieh, und find ſehr erfahren in der Erhaltung deſſelben; fo, daß die Man- 
dingoer ihnen auch das ihrige anvertrauen. Die Heerde eines ganzen Dorfs geht alle Tage 
in die Savannas und in die Reißfelder auf die Weide, wenn die Erndte vorbey iſt. Sie 
wird von einigen Hirten bewacht, die Acht haben, daß ſie ſich nicht in das Korn, oder in 
die Wälder, die bey jedem Dorfe find, verlaͤuft. In der Mitte des Platzes, der für das 
Vieh beſtimmt iſt, richten ſie ein Geruͤſte auf, das acht Fuß hoch, und acht bis zehn Fuß weit 
iſt. Auf dieſes ſteigt man vermittelſt einer Leiter, und uͤber demſelben iſt ein Dach, doch ſo, 
daß es auf allen Seiten offen iſt. Um das Geruͤſte herum ſtecken ſie eine große Menge Pfaͤhle 
in den Boden, und treiben das Vieh alle Naͤchte dahin, welches ſo zahm, und ſo dazu ge— 
woͤhnt iſt, daß es von freyen Stuͤcken koͤmmt. Ein jedes Thier wird beſonders mit einem 
ſtarken Stricke angebunden, der aus Baſte gemacht iſt. Wenn das Vieh angebunden iſt: 
ſo melken ſie die Kuͤhe, und vier bis fuͤnf Mann bleiben die ganze Nacht uͤber mit Gewehre 
auf dem Geruͤſte, um fie vor den Löwen und andern wilden Thieren zu beſchuͤtzen. Fruͤh 
Morgens melken ſie die Kuͤhe von neuem, und alsdann laſſen ſie dieſelben, wie gewoͤhnlich, 
in die Savannas gehen. 

Sie ſind beynahe die einzigen an dem Fluſſe, von denen man Vieh bekommen kann. 
Ehemals war der gewoͤhnliche Preis fuͤr eine Kuh eine Stange Eiſen; doch ſeit einiger 
Zeit haben die Schiffer auf den Schaluppen, die auf dem Fluſſe handeln, den Preis hin— 
angetrieben, daß ſie genoͤthigt ſind, manchmal zwo Stangen Eiſen fuͤr ein Stuͤck Vieh zu 
geben. Denn es haͤlt ſchwer, den Preis wieder herunter zu ſetzen, wenn ſie einmal Gele— 
genheit gehabt haben, ihn zu erhoͤhgen. In einigen Dingen find fie ſehr aberglaͤubiſch. 
Wenn ſie zum Exempel erfahren, daß jemand, der ihnen Milch abkaufet, die Milch kochet: 
ſo werden ſie ihm um aller Wunder willen keine mehr verkaufen, weil ſie den Glauben ha— 
ben, daß das Kochen der Milch die Kuh trocken machet. 

Wenn dieſe Fulier nicht waͤren: ſo wuͤrden die Mandingoer muͤſſen Hunger leiden; 
denn ſie verkaufen ihnen ſehr vieles Korn. Sie ſind faſt das einzige Volk hier, welches 
Butter machet, die ſie in dem Handel auf dem Fluſſe gegen Salz vertauſchen. In ihrer 
Kleidung ſind ſie ſehr eigenſinnig, indem ſie nur weiß baumwollen Zeug von ihrer eigenen 
Arbeit tragen. Sie ſind beſtaͤndig ſehr reinlich, beſonders die Weiber, welche die Haͤuſer 
in ſtetiger Sauberkeit erhalten. Dieſe ſind regelmaͤßig gebauet, und zwar in ziemlicher 
Entfernung von einander, um die Gefahr des Feuers zu vermeiden. Sie machen ſehr gute 
Straßen oder Wege; eine Sache, worauf die Mandingoer nicht ſehen. Ihre meiſten Staͤdte 
find nach einerley Muſter gebauet 3). Sie ſchaͤtzen die großen Roſenkraͤnze, ſowohl weiße 
als gelbe, ſehr hoch, welche letztern daher Fulierroſenkraͤnze genannt werden. > 
3 2 ie 


e) Siehe Jobſons Goldhandel auf der 33 und 7) Er ſchreibt Pholey. 
folgenden Seite. g) Siehe den Riß einer ſolchen Stadt der Fuller. 


Fulier. 


Viehzucht. 


Preis des 
Viehes. 


Ihre Haͤuſer 
und Staͤdte. 


Fulier. 


2 
Sind gute 
Jaͤger. 


Mandins 
goer. 


Bezeigen 
gegen die 
Fremden. 


— 


Ihre Nei⸗ 
gungen. 


3 


180 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Fulier find gute Jäger. Sie tödten Löwen, Tyger, und andere wilde Thiere, 
und gehen oft zu zwanzigen oder dreyßigen auf die Elephantenjagd, deren Zähne fie ver- 
kaufen. Das Fleiſch raͤuchern und trocknen ſie, und behalten es einige Monate lang zur 
Speiſe auf. Die Elephanten gehen, wie man ſaget, gemeiniglich bey hunderten oder zwey— 
hunderten mit einander, und thun großen Schaden, nicht allein an den kleinen Baͤumen, 
die fie durch ihre Ruͤſſel mit der Wurzel ausreißen, ſondern auch im Getreyde. Wenn 
die Einwohner ſich eines Zufpruchs von ihnen verfeyen: fo machen fie um das Korn herum 
Feuer an, damit ſie nicht hineingehen. Denn wenn dieſes einmal geſchieht, ſo treten ſie 
es mit ihren breiten Fuͤſſen wohl auf eine halbe Meile weit nieder >). 

Von ihrer Religion und andern Gewohnheiten, die fie mit den Jalofern und Man- 
dingoern gemein haben, werden wir hernachmals handeln. 


K R X R R XR R X XR * X * X X X X N N X F R FT X F X X R T XN X * * * 


Das XII Kapitel. 
Beſchreibung der Mandingoer. 


Inhalt. 


Ihr Verhalten. Neigung. Charakter, Lebensart. Weiber. Wie fie von ihren Unterthanen begrüßt 
Ergoͤtzlichkeiten. Große Tobakraucher. Bes werden. Wie fie die Engländer bey den Audien⸗ 
griffe von der Ehre. Art zu grüßen. Ueble zen empfangen. Herren der Laͤndereyen. Köͤ⸗ 
Gewohnheiten abgeſchafft. Geſichtsbildung. nigliche Bettler. Vortheile einer eigenmaͤchti⸗ 
Krankheiten und Arzeneyen. Familienſklaven. gen Regierung. Einkuͤnfte von Barra. Ge⸗ 
Monarchen der Negern. Manſas, oder Koͤnige. heimer Rath. Gewalt der Alkaden. 

Stufen des Adels. Des Königs Kleidung und 


5 ie zahlreichſte Voͤlkerſchaft an der Gambra, und auch an der ganzen Kuͤſte, ſind die 
Mandingoer oder Mundingoer. Jobſon ſaget, fie wären vollkommen ſchwarz a), 
und redeten durchgaͤngig an dem ganzen Fluſſe nur eine Sprache 6). Moore ver⸗ 

ſichert uns, daß ihr Bezeigen fo widerwaͤrtig nicht ſey, als man ſich einbilden möchte. Denn 
wenn er durch eine von ihren Staͤdten durchreiſete: ſo kamen alle, und reichten ihm die Hand, 
einige von ihren Weibern ausgenommen, die wegrannten, weil ſie niemals zuvor einen 
weißen Mann geſehen hatten, und ſich nicht überreden ließen, herbeyzukommen. Manche 
luden ihn in ihre Haͤuſer, und führten ihre Weiber und Toͤchter herbey, um ihn zu begruͤſ— 


ſen, und ſich neben ihm zu ſetzen. Und dieſe fanden allezeit an ſeinen Stiefeln, Spornen, 


und Kleidern genug zu bewundern, und Materie zu reden. f 

Sie ſind von Natur ſcherzhaft und luſtig, und koͤnnen nach einer Trummel oder Ba⸗ 
lafeu ganzer vier und zwanzig Stunden hintereinander tanzen, manchmal regelmaͤßig, und 
zu anderer Zeit in wunderlichen Poſituren, da es einer dem andern an Biegſamkeit und 


Hurtig⸗ 


5) moores Reiſen a, d. 30 S. pfangen, welches ſie bewohnen. Es ſollte viel⸗ 


a) Moore ſaget, fie wären gemeiniglich von mehr heißen: von einem Lande mit Namen Man⸗ 


ſchwarzer Farbe, als ob fie nicht alle ſchwarz wäs dingo. 
ren, und daß ſie ihren 9 daten von dem Lande em () Sie haben auch eine verdorbene Sprache in 
8 Anſe⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XII Cap. 187 


Hurtigkeit zuvor zu thun ſuchet. Sie ſind dem Zanken ſehr ergeben, welches ſie Fechten nennen; 
und wenn zweene beute einander recht tapfer ſchimpfen, fo heißen fie es eine große Schlacht. 
Doch waͤhret es ſehr lange, ehe es zun Schlaͤgen koͤmmt; und wenn dieſes geſchieht, ſo 
fechten ſie in rechtem Ernſte mit allem Gewehre, das ihnen in die Haͤnde koͤmmt, und 
ſchlagen einander öfters todt. Wenn ſich dieſes zutraͤgt: fo flieht der Mörder in ein ander 
Konigreich, wo der König ihn allezeit beſchuͤtzt, und für feinen eigenen Unterthanen erkennt. 

„Die Männer tragen meiſtentheils Degen, die von der rechten Schulter hängen. An— 
dere tragen Aſſagayen oder Lanzen, die drey Ellen lang ſind; andere haben Pfeile und Bo— 
gen; alle aber fuhren Meſſer an der Seite. Sie ſind in allen den Waffen geuͤbt, die ſie 
tragen, welches, wie Herr Moore glaubet, ſich von unſern europaͤiſchen jungen Herren 
nicht ſagen laͤßt c). | | 


Mandin⸗ 
goer. 


Die Mandigoer find durch das gan, Land zerſtreut, und kommen urſpruͤnglich aus Gemuͤths⸗ 


den inlaͤndiſchen Theilen her 4). Sie ſind die ſtrengſten Muhammedaner unter den Ne— 
gern. Sie trinken weder Wein noch Brandtewein. Sie ſind geſitteter, als die andern 
Negern, und die vornehmſte Handlung des Landes geht durch ihre Haͤnde. Sie ſind ar— 
beitſam und fleißig, und bauen ihren Boden wohl an. Sie erziehen Vieh, als Rinder, 
Schafe, Ziegen, aber keine Schweine. Die in Galam machen eine Republik, und erken— 
nen keinen König über ſich: fie werden aber von ihren eigenen Marbuten oder Haͤuptern ve: 
giert. Sie leſen und ſchreiben ziemlich gut arabiſch, und find ein gutes gaſtfreyes Volk e). 
Jobſon hingegen behauptet, daß die Mandingoer an der Gambra ein muͤßiges Le— 
ben fuͤhren, und großen Theils weder Handlung noch andere Verrichtungen treiben. Die 
bloße Selbſterhaltung noͤthige fie auf das Saͤen und Erndten bedacht zu ſeyn, welches zwee— 
ne Monate lang im Jahre waͤhret. Und ihre Arbeit wird ihnen deſts ſaurer, weil fie keine 
geſchickten Werkzeuge in ihrer Haushaltung haben. Die ganze übrige Zeit im Jahre 
durch thaͤten ſie nichts, als daß ſie in einem Hauſe nach dem andern ſchmauſten, und bey 
der Tageshitze unter einem ſchattichten Baume ſaͤßen, um der Luft zu genießen. Ihr vor: 
nehmſter Zeitvertreib iſt eine Arr von Spiele mit einem cke Holzes, in welches verſchie— 
dene Rinnen eingeſchnitten find, und mit ungefaͤhr dreyßig Steinchen, welche durch eine 
beſondere Art zu rechnen, zwiſchen zweyen durchgehen, bis einer ſie alle gewonnen hat. 
Hierinnen ſind ſie ſehr geſchickt: aber zum Fiſchen, Vogelſtellen und Jagen ſind ſie zu be— 
quem, ob ſie gleich ſehr viel von allen Arten Wildpraͤt haben, und die beyden letztern Ver— 
richtungen beynahe vor ihrer Thuͤre thun koͤnnen 7). 
Sie ſchmauchen beſtaͤndig Tobak, welches ihnen ſowohl zum Zeitvertreibe dienet, als 
auch die Luſt zum eſſen erſticket. Dieſen Tobak bauen ſie ſelbſt. Ihre Pfeifen ſind aus 
Thone gemacht, ſehr nett, und von roͤthlicher Farbe. Der Stiel iſt ein bloßes Rohr oder 
duͤnner Stab, der mit einem gluͤhenden eiſernen Drate durchbohrt iſt. Manchmal iſt er 
ſechs Fuß lang. Wenn er gebohrt iſt, ſo glaͤtten ſie ihn mit rauchem Laube, bis er ganz glatt, 
"weiß, und ſchön, und doch dabey ſehr feſt iſt. Den Kopf und Stiel der Tobakspfeife 
befeſtigen ſie durch ein Stuͤck rothes Leder aneinander, manchmal auch mit einem ledernen 
3 3 ; Rie⸗ 
Anfehung des Mumbo Jumbo, oder Popanzes 4) Von elnem Lande mit Namen Mandingo, 
der Weiber, wovon in dem naͤchſten Capitel fol: oder Manni inge, Bambuk gegen Suͤden. 
gen ſoll. e) Lobat IV. Theil a. d. 353 S. 
c) Moores Reiſen a. d. 110 und 120 O. .) Jovoſons Goldhandel a. d. 38 u. f. S. 


art. 


Ihre Art zu 


leben. 


Ergoͤtzlich⸗ 
ke iten. 


Starke To⸗ 
bakraucher. 


182 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Mandin⸗ Riemen, der um die Mitte des Rohrs angemacht wird, da das Ende deſſelben in den Kopf 
goer. hinein geht. Und man kann beynahe eben fo gut damit rauchen, als aus Pfeifen, die aus 
eeinem Stuͤcke gemacht find. Das Rohr reinigen fie, wenn es unrein geworden iſt, mit lan— 
gem Strohe, das fie durchziehen, und die irdenen Tobakskoͤpfe befragen fie mit einem klei— 
nen Meſſer. Die Kaufleute, die viel reiſen, fuͤhren ſehr lange Pfeifen, zu denen manchmal 
ein halbes Roͤſel voll Tobak gehoͤrt. Das find ihre Reiſepfeifen g). 5 
Begriffe von Die Mandingoer find in dem Puncte der Ehre und des Herkommens, den Schwach: 
der Ehre. heiten der meiſten Voͤlker, ſehr zaͤrtlich und empfindlich. Als Jobſon zu Batto an der 
Gambra war: ſo zerfielen der koͤnigliche Prinz und der Bo John in ſeinem Hauſe uͤber 
dieſen Punet. Man griff von beyden Theilen zum Gewehre, und nach vieler Muͤhe hiel⸗ 
ten ſie fuͤr dießmal Friede. Er konnte aber nicht hindern, daß nicht eine Herausforderung 
auf den naͤchſten Morgen geſchah, und angenommen wurde, da fie auch auf dem be: 
ſtimmten Kampfplatze erſchienen. Doch brachte ſie Jobſon nach vielem Widerſtande 
zum Frieden, ob ſie gleich nicht ohne Drohungen auseinander giengen, ihre Sache einan— 
i dermal auszumachen >). 
Art zu gruͤſ⸗ Ihr Gruß iſt, daß fie einem die Hände ſchuͤtteln. Doch wenn die Männer ein Frauen⸗ 
ſen. zimmer gruͤßen, ſo halten ſie ihre Hand, an ſtatt daß ſie ſolche ſchuͤtteln, an die Naſe, und 
beriechen ſie zweymal. Nichts beleidiget ſie ſo ſehr, als wenn man ſie mit der linken Hand 
gruͤßt. Wenn ein Mann etliche Tage vom Hauſe weg geweſen iſt, ſo empfaͤngt ihn die 
Frau auf den Knien, und bringt ihm in eben der Stellung Waſſer zu trinken. Dieſes iſt, 
wie der Verfaſſer glaubet, die Wirkung von dem Mumbo Jumbo. 
Schlimme Die Mandingoer, welche hoͤher hinauf an dem Fluſſe wohnen, ſind itzt weit beſſer, als 
Gewohnhei- ehemals. Sie hatten ſonſt, wie erzähle wird, die Gewohnheit, daß fie ihre Tobakspfeifen 
ten abge- oder Calabaſchen einem unter die Füße oder den Stuhl ſelbſt in feinem eigenen Haufe leg: 
ſchafft. ten, in der Abſicht, damit ſie zerbrochen wuͤrden; und hernach beſtunden ſie darauf, daß 
man entweder die Sache in Natur wiedergeben, oder wohl zwanzigmal theurer, als ſie werth 
war, bezahlen ſollte. Da das erſte unmöglich war, fo war man genöthigt, ihnen das letz— 
tere einzuräumen, wo man nicht ſehr gute Freunde auf feiner Seite hatte, die einen von 
dergleichen Anforderungen befreyten. g 
Sie haben dem ungeachtet noch in dieſer Gegend eine Gewohnheit, die zwar ſchon 
ziemlich abgekommen, aber doch nicht gaͤnzlich abgeſchafft iſt, daß naͤmlich einer, der etwas 
des Morgens verkauft, es noch vor Sonnen-Untergange wieder fordern kann, wenn er das 
Geld zuruck bringt :). Aus dieſer Urſache thut man am beſten, wenn man Eyer oder 
Federvieh gekauft hat, daß man es nicht eher gebraucht, als bis der Verkaͤufer vollig weg— 
gegangen iſt Y. ö 
Geſichtsbil⸗ Dieſe Mandingoer und die Fluͤps find an den dicken Lippen und platten Naſen kennt— 
dung. lich, gleichwie die Jalofer und Fulier, an einer ſchoͤnen Geſichtsbildung. Jannequm 
ſaget, dieſe Bildung ihrer Naſen und Lippen waͤre nicht natuͤrlich, ſondern ruͤhrte von der 
Gewohnheit der Weiber her, ihre Kinder über die Schultern ſaͤugen zu laffen, wenn fie in der 
Arbeit find )). Moore bekraͤftiget dieſes, daß fie nämlich nicht mit platten Naſen ge- 
bohren 
g) Woores Reiſen a. d. 76 S. k) Moores Reifen a. d. 121 u. f. S. 


5) Jobſons Goldhandel a. d. 58 u. f. S. 7) Jannequins Reiſen von Lybien a. d. 93 S. 
) Ein Exempel hiervon, ſiehe oben a. d. 101 S. m) Moores Reiſen nach Africa a. d. 131 D. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XII Cap. 183 


bohren würden, fie entſtuͤnden aber daher, daß die Mütter die Naſen nach ihrer Phantaſie Mandin⸗ 
zuſammen druͤckten. Denn breite Bruͤſte, dicke Lippen und breite Naſenloͤcher werden, wie Boer. 

er ſaget, in dieſem Theile der Welt für eine Schönheit gehalten m), obgleich ein anderer 
Schriftſteller der entgegengeſetzten Meynung zu ſeyn ſcheint 1). f 

Ein neugebohrnes Kind tauchen ſie des Tages drey bis viermal, bis uͤber den Kopf 
und Ohren, in kaltes Waſſer. Und wenn es trocken iſt, ſo uͤberreiben ſie daſſelbe mit Pal⸗ 
menöle, beſonders das Ruͤckrad, die Ellbogen, den Nacken, die Knie, und Hüften. Die Kinder 
gehen bis in das achte oder neunte Jahr faſennackend, und manche ritzen zur Zierrath ihr 
Geſichte und ihre Bruͤſte ). 

Die Mandingoer find von geſunder Natur, und vermehren ſich je länger je mehr. Krankhet— 
Doch find fie verſchiedenen Krankheiten unterworfen, als Fieber, Blattern, Kroͤpfen, Wür- ten und 
mern, Kopfwehe, und Schwulſt an dem einen Beine. Man ſieht öfters Leute, an denen Arzeney. 
die Beine fo dicke find, als ihre Lenden. Dieſes ruͤhrte, wie der Verfaſſer erfahren, daher, 
daß fie gewiſſe Kräuter ins Eſſen miſchten, um Liebe zu erregen. Was es noch mehr wahr: 
ſcheinlich machet, iſt, daß nur erwachſne Perſonen in dieſe Krankheit verfallen. Moore 
kannte eine Frau von zwanzig Jahren, der binnen zweenen Monaten aus jedem Knie ein 
Wurm anderthalb Ellen lang kam. Ehe der Wurm herauskam, erlitt ſie gewaltige 
Schmerzen und große Geſchwulſt. Als aber die Haut aufborſt, und der Wurm ſich ſehen 
ließ: ſo ward ihr beſſer. Der Wurm kam in einem Tage ſechs bis ſieben Zoll weit heraus, 
und als dieſes geſchah, gaben fie ihm einen kleinen Stich, und banden ihn an einen Far 

den, damit er nicht wieder zurück gehen konnte. Bald hernach bekam eben dieſe Frau ei: 
nen Wurm im Knoͤchel, welcher im Herausziehen riß, und ihr große Schmerzen verur— 
ſachte. Die Einwohner ſchreiben dieſe Würmer dem Trinken des dicken Waſſers zu pP). 

Jobſon ſaget, ihre ganze Arzeney beſtehe darinnen, daß ſie ein Gregory auf das kranke 
Glied legen. Dieſer Aberglaube erſtrecket ſich bis auf ihre Pferde, welche dergleichen um 
den Hals tragen, ja fo gar auf ihre Bogen, welche damit behangen find ). 

In der Haushaltung gehoͤret der Reiß den Weibern. Dieſe heben fo viel auf, als 
zum Gebrauche der Familie genug iſt, und verkaufen den Ueberreſt, und behalten das Geld 
fuͤr ſich ſelbſt, ohne daß der Mann etwas damit zu thun hat. Ein gleiches geſchieht mit 
dem Federviehe, welches fie ſehr häufig erziehen, wenn fie etwas davon los werden koͤnnen 5). 

Einige von ihnen haben eine ziemliche Anzahl Hausſklaven, woraus ſie ſich eine große Familien— 
Ehre machen. Dieſe Sklaven leben ſo gut und bequem, daß man ſie kaum von ihren ſklaven. 
Herren unterſcheiden kann, indem ſie oͤfters noch beſſer gekleidet ſind; beſonders die Skla— 
vinnen, die oͤfters Korallen, Ambra, und ſilberne Schnallen, auf zwanzig bis dreyßig Pfund 
Sterling am Werthe tragen 9). Viele von ihren Sklaven find in ihren Familien ge— 
bohren. Bey Brukoe iſt ein ganzes Dorf von zweyhundert Perſonen, die alle entweder 
Weiber, oder Sklaven, oder Kinder eines einzigen Mannes ſind. Ob gleich in einigen 
Laͤndern von Africa die Sklaven, die in der Familie gebohren ſind, verkauft werden: ſo wird 
doch an der Gambra dieſes für etwas ſehr ſchaͤndliches gehalten. Der Verfaſſer hat nicht 
ein einziges Exempel gehört, daß jemand einen Familienſklaven verkauft hätte, außer ſolcher 

er⸗ 


u) Siehe oben a. d. 164 S. 7) Jobſons Goldhandel a. d. 55 S. 
0) Woores Reiſen a. d. 131 ©, 7) Moores Reiſen a. d. 139 S. 
» p) Ebendaſ. a, d. 130 S. 1 s) Ebendaſ. a. d. 110 S. 


Mandin⸗ 
goer. 


Monarchen 
der Negern. 


Die Manſas 


eder Könige. 


Stufen des 
Adels. 


Kleidung des 


Koͤnigs und 
der Weiber. 


184 Reifen längſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Verbrechen wegen, um deren willen ſie auch als freye Leute wuͤrden verkauft worden ſeyn. 
Wenn in einer Familie, wo viele Sklaven ſind, der Herr einen wegen eines Verbrechens, ohne 
der übrigen Einſtimmung, verkauft: fo laufen fie ihm alle davon, und werden in dem naͤch— 
ſten Koͤnigreiche geſchuͤtzt ?). 

Als Jobſon ſich im Jahre 1620 an der Gambra befand: ſo waren die Laͤnder an 
beyden Seiten unter dreyen Kaiſern getheilt, nämlich Kantor, Barſalli oder Burſal, und 
Wolley ). Dieſe Monarchen zogen gegeneinander über die Gambra zu Felde, beſon— 
ders der König von Burſal x), der ſich nahe bey dieſem Fluſſe auf haͤlt. Man ſagte, daß 
er in kurzer Zeit das jenſeitige Land unter ſeine Bothmaͤßigkeit gebracht haben wuͤrde, wenn 
er ein Mittel gewußt haͤtte, feine Reuterey über den Fluß zu ſetzen. Der Verfaſſer hat nie- 
mals einen von dieſen dreyen Herren geſehen, welche, wie man ihm ſagte, ſich niemals an- 
ders, als in großem Gepränge, ſehen ließen; doch hätten verſchiedene Engländer den König 
von Burſal auf der Jagd geſehen, der ein großes Gefolge von Reutern bey ſich gehabt. 

Dieſe Reiche waren in verſchiedene kleine Koͤnigreiche getheilet, deren Statthalter der 
Verfaſſer beſſer kannte; und von dem Staate, den ſie gefuͤhret, laͤßt er die Leſer auf den 
Staat ihres Herrn ſchließen. Er hat mit ſechs ſolchen kleinen Koͤnigen gegeſſen, getrun— 
ken und Unterhandlungen gepflogen. Sie werden insgeſammt Manſa, das iſt in ihrer 
Sprache Könige, genannt. Dieſen mußten fie zuerſt bey ihrer Ankunft Tribut für die Er- 
laubniß zu handeln 7) geben; und wenn fie gleich dem obgedachten Monarchen unterwor— 
fen ſind, ſo iſt doch ihre Reichsfolge auf eben den Fuß geſtellet, wie bey demſelben. Die 
Bruͤder kommen naͤmlich, nach der Ordnung ihrer Geburt, vor den Soͤhnen zur Regierung. 

Der Kaiſer zu Kantor hatte damals drey jüngere Brüder, welche kleine Koͤnige wa⸗ 
ren. Dieſe Brüder waren, Summawap, Koͤnig von Berek, der, als Jobſon ſich zu 
Batto aufhielt, ihn nebſt ſeiner Frau in ſeinem Boote beſuchte. Der andere war Sum⸗ 
ma Tomba, Koͤnig von Oranto. Er war blind, und ein großer Narr. Der dritte 
Farran, wohnte zwo Meilen weit von dem Hafen Jerakonda, und war beſtaͤndig trun— 
ken. Doch hielt er ſeine Leute in großer Furcht. Die Englaͤnder hielten ordentlich einen 
Factor in feinen Landen. Er war ſchon aͤltlich, ob er gleich der juͤngſte Bruder war. Und 
wenn einer von den Bruͤdern ſtarb, ſo ruͤckten ſie alle nach ihrem Vorrange hoͤher 2). 

Es iſt hier zu erinnern, daß Farran nicht ein eigener Name, ſondern einer von den vier 
Graden und Ehrentiteln bey den Mandingoern iſt. Manſa, oder Koͤnig, iſt der erſte und 
hoͤchſte. Farran, der naͤchſte. Der dritte, Farrambra. Und Bo John, der niedrigſte. 
Dieſe ſind in ihren Staͤdten Befehlshaber und Statthalter, und wiſſen ſich ſehr viel mit 
der Hoheit ihres Gebluͤtes und ihrer Familie 4). | | 

In der Kleidung iſt ein König von dem gemeinen Volke nicht unterſchieden, und hat er 
nur eine größere Laſt von Gregories an ſich, als andere; indem das Land nichts als Baum- 
wolle zur Kleidung traͤgt. Doch hat er öfters zum Staate zwey von feinen Weibern ne⸗ 
ben ſich ſitzen, auf die er ſich lehnet, und die ihn zu ſeinem Vergnuͤgen um die Lenden herum 
kuͤtzeln. Es werden ihm ſieben ſolche Weiber in geſetzmaͤßiger Ehe verſtattet, die bloß zu 


ſeinem 
t) Ebendaſ. a. d. 43 S. bloß der Fulier und Mandingoer Meldung, mit 
u) Siehe oben auf der 19 Seite. welchen er vermuthlich die Jalofer verwechſelt 


hat. 
x) Er war ein Jalofer. Jobſon aber thut 5 Diefer Zoll, ſaget der Verfaſſer, wird mi 
groß 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XII Cap. 18; 


feinem Vergnuͤgen dienen ſollen. Er hat andere von geringerer Herkunft zu Beyſchlaͤferin— . 
nen, die nicht ſo ſcharf an ihn gebunden find, indem ſie mehr aus Noth angenommen wer-“ Seer 
den. Denn wenn eine Frau ſchwanger geworden iſt: ſo laͤßt ſie ihren Mann nicht wieder 

zu ſich, bis das Kind entwoͤhnet iſt. Weil es daher geſchehen koͤnnte, daß, ob er gleich 
ſieben Weiber hat, ihm doch nicht der Gebrauch einer einzigen uͤbrig gelaſſen wuͤrde: ſo 

ſind ihm Beyſchlaͤferinnen erlaubet. Die Urſache, warum die Weiber ſich des Beyſchlafs 
enthalten, wenn ſie geſchwaͤngert worden, iſt die Gefahr, die Frucht, wegen der außerordent⸗ 
lichen Groͤße des maͤnnlichen Gliedes bey den Negern, zu verſchuͤtten. Jobſon nimmt 
dieſes für einen untruͤglichen Beweis an, daß fie von dem Canaan herſtammen, dem, weil 

er ſeines Vaters Scham entbloͤßt hat, nach der Meynung der Gelehrten, ein Fluch af die⸗ 

ſen Theil geleget worden. Er deutet auf ſie die Worte aus dem zwanzigſten Verſe des 

drey und zwanzigſten Capitels Ezechiels. 

Wenn man vor den König koͤmmt: fo muß man ſich auf folgende Art verhalten. Bey Mit welchen 
dem Eingange fällt man mit einer großen Verbeugung auf das eine Knie nieder. Wenn Ceremonien 
man dem Koͤnige naͤher koͤmmt, der auf einem Polſter auf der Erde ſitzt: ſo leget man zuerſt rc 997 
die Hand auf die Erde, und hernach oben auf den Kopf, welcher entbloͤßt ſeyn muß, und en 1 
nach dieſem zuletzt auf den Schenkel des Koͤnigs, worauf man wieder einige Schritte zuruͤck 
geht. Einige ſtreuen ſich zwey⸗ oder dreymal den Staub von der Erde auf den bloßen 
Kopf, ehe fie den Schenkel des Königs beruͤhren, der ihnen mit einem ſchlechten Kopf beu⸗ 
gen danket. Doch wenn ein Marbute in der Geſellſchaft iſt: ſo fallen ſie alle auf die 
Knie, indem der Prieſter für des Königs Wohlfahrt bethet, und ihm feinen Segen erthei— 
let, worzu der König, der ſich die Hände quest über bie Schultern lege Amena 0 Amena, 
das iſt Amen, ſaget ). 

Der Koͤnig von Laßan eh! Jobſonen ind die andern Engländer dene auf Wie die Eng⸗ 
einem Polſter fisend, und hatte ſich Gregories oder Grisgris um den Kopf gebunden. länder ge 
Sie giengen zu ihm mit dem Hute auf dem Kopfe; und als fie näher kamen: fo machten fie d n ! 
eine Verbeugung, und legten die Haͤnde auf die Bruſt, welches er erwiederte. t 
ſtreckte er feinen Arm aus, und fie beruͤhrten einander mit den Haͤnden, erſt oben, darnach 
unten, und endlich legten fie e die flachen Hände in einander, und ſchuͤttelten ſie. Nach die⸗ 
ſem festen fie ſich neben ihm nieder, und fingen die Unterredung an. Dieſe war auf ſeiner 
Seite ſehr weitlaͤuftig eingerichtet; indem ein anderer alles, was er ſagte, ihnen wieder vor⸗ 
ſagen mußte. Bey dieſer Gelegenheit unterhielt der Verfaſſer Seine Majeſtaͤt, nebſt den 
gegenwaͤrtigen Staatsbedienten, mit Brandtewein, und manchmal einer Flaſche Sekt. Der 
Hauptmann trank zuerſt auf die Geſundheit des Koͤniges, und alsdann ſeine Edelleute, die 
an der Wand des Hauſes rings herum ſtunden. Und das Getraͤnk gieng gewiß ſo lange 
herum, bis es ausgeleeret war, es mochten noch ſo viele Flaſchen ſeyn, wenn anders nicht der 
Koͤnig ſich einen Becher bringen ließ, und der Geſellſchaft ein Ende machte, wie er oͤſters 
that. Sie hielten es dem Hauptmanne allezeit zu gute, wenn er nichts mehr nach dem er— 
ſten Glaſe trank, und ſie beſtunden nur dane af en e er es um wien Si⸗ 

; jet 
großer e een und iſt bey dem Aus⸗ 2) Jobſon auf der 47 Seite. J 
gange des Fluſſes, wo die Portugieſen wohnen, a) Ebendaſelbſt auf der 38 Seite. 


größer, als weiter oben, wo er nur als eine bloße 4) Jobſons Goldhandel a. d. 48 S. 
Hoflichkeit angeſehen wird. 


Allgem. Keiſebeſchr. II Band. 25 Aa 


1 


186 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Mandin⸗ cherheit willen credenzen ſollte. Das war merkwuͤrdig, daß der König bey dem erſten 
Seer. Glaſe, das er in die Hand nahm, wenn das Getränk etwas neues, oder in ſeiner Art vor⸗ 
trefflich war, ehe er trank, eines von ſeinen vornehmſten Gregories damit benetzte c ). 


Eigentfums: In allen Koͤnigreichen an der Gambra giebt es verſchiedene Herren von kleinen Land⸗ 
En von schaften. Dieſe find gemeiniglich Koͤnige in denen Oertern, wo fie wohnen. Alle Palm- 
TARIFE. und Siboabäume gehören ihnen eigen; fo daß niemand fich unterſteht, ohne ihre Erlaub⸗ 
niß Blätter davon abzuſchneiden, oder Wein daraus abzuzapfen. Dieſe Freyheit uͤberlaſ⸗ 
fen fie einigen Perſonen, welche ihnen zur Erkenntlichkeit 4) die Nutzung von zweenen Ta⸗ 
gen in der Woche bringen. Die Weißen muͤſſen ihnen erſt ein kleines Geſchenk machen, 
ehe ſie die Erlaubniß erhalten, die Siboablaͤtter oder Gras zu Bedeckung ihrer Haͤuſer ab⸗ 
zuſchneiden e). e, kan e e 4 
Koͤnigliche Der Reichthum der Mandingoer wird nach der Anzahl ihrer Sklaven gerechnet. 
Bettler. Sie betteln aber alle, vom Könige bis zum Sklaven. Zu Jobſons Zeiten waren fie aber 
doch leicht abzufinden, außer was den Brandtewein betraf, worinnen fie ſich lieber zu tode 
getrunken hätten, und alsdann fielen fie in einen feſten Schlaf. Hier find alfo in Wahrheit 
Weiber und Wein des Königs Leben 77). | 5 
Vortheile ei- Der König verſorget die Europäer ſehr gern mit Sklaven. Er ſchicket einen Haufen 
23 eigen⸗ Ofeute in ein Dorf aus, welches fie umzingeln. Alsdann ergreifen fie fo viele, als fie zu thun 
. befehlicht find, binden und ſchleppen fie zu den Schiffen, wo, wenn fie einmal das Zei⸗ 
chen der Sklaverey bekommen haben, niemand weiter etwas von ihnen hoͤret. Die Kinder 
pflegen fie in Saͤcken zu tragen, und die Erwachſenen zu knebeln, damit fie nicht die Doͤr⸗ 
fer, durch welche ſie durchgefuͤhrt werden, in Aufruhr bringen. Denn dergleichen Dinge 
werden niemals in denen Dörfern vorgenommen, die nahe bey den Factoreyen find, weil es 
des Koͤnigs Nutzen erfordert, dieſelben in gutem Zuſtande zu erhalten, ſondern in denen, 
die weiter im Lande liegen. Es geſchieht öfters, daß etliche entwiſchen, und in dem Lande 
Larmen machen, da denn die Einwohner zun Waffen greifen, und die Räuber verfolgen. 
Wenn fie diefelben gefangen nehmen, fo führen fie folche vor den König, der ſich alsdann 
anſtellet, als ob er keinen Antheil an der Sache haͤtte, und ſie an ſtatt der Sklaven verkau⸗ 
fet. Merkwuͤrdig iſt, daß, wenn einer von den geſtohlenen Leuten zu Bekraͤftigung der Sa⸗ 
che gebunden vor dem Könige erſcheint: fo wird er auch noch als ein Sklave angeſehen, 
und verkaufet. i l ee e at Ho 
Einkünfte Der König von Barra foll jährlich viertauſend Kronen gewiſſe Einkünfte haben, wel- | 
von Barra. che noch durch eine veraͤnderliche Auflage auf alle Fremde, die fich in feinem Lande aufhak | 
ten, vermehret werden. Die Portugieſen, ſowohl die es wirklich find, als die ſich dafür | 
ausgeben, bezahlen jeder funfzig Kronen. Auf die Schiffe, die hier Ladung einnehmen, 
hat er andere Zoͤlle gelegt, beſonders aber auf der Privatkaufleute ihre, die ihm hundert 
Stangen Eifen erlegen muͤſſen, außer den Geſchenken, die fo groß find, als es ihm gefaͤllt. 
Denn er iſt ein freyer Herr uͤber alles, was ſie haben, und laͤßt ohne Ceremonie das jenige, 
was er brauchet, oder was ihm gefällt, aus feiner Nachbarn Haͤuſern g) holen, oder nimmt 
es ſelbſt weg. eine Te u enge re , 
e) Woores Reiſen nach Africa a. d. 37 S. 


©) Ebendaſelbſt a. d. 60 S. 
Goldhandel a. d. 38 D. 1111 


A) Oder vielmehr als eine vorbehaltene Rente. f) Jobſons 


wire {un 


f 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII[ Cap. 187 


Wenn der Koͤnig von Baul eine Berathſchlagung, wegen eines bevorſtehenden Krie-Mandin⸗ 
ges, hält: fo laͤßt er feine Raͤthe in einem dicken Walde, der feinem Aufenthalte am naͤch⸗“TLoer. 
ſten iſt, zuſammenkommen. Daſelbſt wird eine Grube drey Fuß tief gegraben, um welche Geheimer 
ſich die Raͤthe herumſetzen; und wenn die Berathſchlagung aufgehoben wird, ſo wird die Kriegsrath. 
Grube zugefuͤllt, anzudeuten, daß ſie die Entſchließungen, die hier gefaßt worden, eben ſo 
heimlich halten wollen, als ob ſie vergraben waͤren. Sonſt werden ſie des Hochverraths 
ſchuldig geachtet. Es werden auf ſolche Art ihre Entſchließungen ſo geheim gehalten, daß 
fie nicht eher offenbar werden, als mit der Ausführung ). 

Jeder Flecken hat einen Statthalter, unter dem Titel Alkadi, welcher große Gewalt Gewalt der 
hat. Denn weil faſt jeder Ort zwey Gemeinfelder hat, eines zum Korne, und das andere Alkaden. 
zum Reiße: ſo vertheilet der Alkadi die Arbeit unter das ganze Volk. Die Maͤnner ar⸗ 
beiten auf dem Kornfelde, und die Weiber und Maͤgdchen auf dem Reißfelde; und wie ſie 
alle gleich arbeiten: fo theilet er auch die Erde gleich unter fi. Wenn aber einige Man⸗ 
gel leiden, fo helfen ihnen die andern. Der Alkadi ſchlichtet alle Streitſachen, und hat die 
erſte Stimme, wenn etwas von den Angelegenheiten des Orts auszumachen iſt 5). 

* * * Q R * * * * N * Q * * * * * * * * * * * * * * * 
Von den Eigenſchaften und Gewohnheiten, welche die Einwohner 
dieſer Gegend von Africa unter ſich gemein haben, beſonders die cu 
| ee Jalofer, Fulier und Mandingoer. 
Abgleich die Gewohnheiten, die unter dieſen Africanern herrſchen, beynahe einerley ſind; Vorerinne⸗ 
ſo daß die Nachricht, die von einer Voͤlkerſchaft gegeben wird, faſt durchgängig von rung. 
den uͤbrigen gilt: ſo iſt doch, um allen Irrungen vorzubeugen, noͤthig, zu erinnern, 
daß die Anmerkungen, welche von Jobſon angefuͤhret werden, ſich bloß auf die Mandin⸗ 
goer beziehen, wo er ſie nicht mit den Jalofern verwechſelt hat; dieſer letztern erwaͤhnet er 
nicht. Was von Jannequin, le Maire und Labat entlehnet worden, ſcheint die Jalo⸗ 
fer anzugehen, indem ſie vornehmlich von den Einwohnern um die Sanaga und das gruͤne 
Vorgebirge handeln. Moore redet in feinen Reifen ausdruͤcklich von den Jalofern und 
Mandingoern. Doch die Stellen, die hier aus ihm angefuͤhrt werden, gehen faſt bloß 
auf die Mandingoer. ed | RED 
2 Der I Abſchnitt. 95 S 
Warum die Negern ſchwarz ſind. Vergebene Much: Weite Aermel. Große Hoſen. Der Weiber 
maßungen. Vernuͤuftige Meynung. Aufloͤſung Kleidung. Ihre Speiſen. Ihr Getraͤnke. Sang⸗ 
dieſer Frage oder Tradition bey den Negern. Die let. Kuskus. Ihre Art zu eſſen. Mittagsmahl, 
phyſicaliſche Urſache iſt unbekannt. Beſondere wie es aufgetragen wird. Sie bedienen ſich keis 
Anmerkungen Labats. Kleidung der Maͤnner. nes Brodts. | 
Weil alle Einwohner in dieſem Theile von Africa, die Fulier ausgenommen, ſchwarz find: Warum 
ſo wird nicht undienlich ſeyn, die Urſache von dieſer großen eränderung in ihrer Lei- die Negern 
besbeſchaffenheit zu unterſuchen. Es iſt das erſte, was einem in die Augen fälle, der unter ſchwarz find. 
1 Aa 2 dieſen 
g Labats abendlaͤndiſches Africa, IV Theil, 5) Barbots Beſchreib. von Guinen a. d. 39 O. 
G. d. 350 U. f. S. 1 en J 1) Woores Reifen a. d. 127 u. f. S. 


Farbe der 


1838. Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


dieſen Leuten ans Land koͤmmt, und eine Frage, die unzählige Muthmaßungen und Strei⸗ 


Schwarzen. tigkeiten unter den Gelehrten in Europa auf die Bahn gebracht hat. Es iſt, wie Labat 


Vergebliche 
Muthmaſ—⸗ 
ſungen. 


Eine andere 
Meynung. 


) 


erinnert, deſtomehr zu bewundern, da die Moren ihre naͤchſten Nachbarn weiß, oder doch 
nur ſchwaͤrzlich ſind, und lange ſchwarze Haare haben. Bey den Negern hingegen iſt das 
Haar kurz und weich wie Wolle, und an dem ganzen Leibe haben ſie nichts weißes, als die 
Zähne und Augen. Dieſer Unterſchied kann auch nicht der Himmelsgegend zugeſchrieben 
werden; indem die Erfahrung zeiget, daß die Weißen, wenn ſie gleich noch ſo lange hier woh⸗ 
nen, allezeit weiße Kinder haben, und daß die Negern, wenn fie gleich in die noͤrdlichſten 
Lander kommen, allezeit Kinder von ihrer eigenen Farbe haben. W 

Wenn man behauptet, was wir alle glauben, daß das menſchliche Geſchlecht von den 
zwey erſten Eltern entſproſſen it: fo it die Frage, von welcher Farbe dieſe geweſen. Denn 
wenn fie weiß, braun oder röthlich geweſen, welches der Name Adam bedeutet: fo iſt es 
unmöglich, daß fie ſchwarze Nachkommen haben erzeugen koͤnnen Denn es mögen ſich, ſaget 
Labat, Weiße und Braune ſo oft vermiſchen, als ſie wollen, ſie werden niemals einen 
Schwarzen hervorbringen ). ö N er 

Andere, welche dieſe Verfchiedenheit von Farben in Verwirrung gefegt, haben ihre Zus 
flucht zu den lächerlichften Einbildungen genommen. Einige glauben, daß die ſchwarze 
Farbe eben das Merkmaal geweſen ſey, welches nach der Schrift an dem Cain gemacht 
worden. Andere halten es fuͤr die Folge des Fluchs, womit Ham ſeinen Sohn Canaan 
belegt. Doch geſetzt, dieſe Einbildungen waͤren Wahrheiten; wie ſollte die Farbe dieſer 
Schuldigen auf ihre unſchuldigen Nachkommen gekommen ſeyn, wo nicht auch ihre Weiber 
ſchwarz geweſen? Dieſes iſt aber nicht leicht zu beweiſen. Ihre Nachkommen haͤtten muͤſſen 


Mulattos werden; und wenn dieſe ſich wieder unter einander verheirathet, ſo wuͤrden ſie 


eher ein weißes, als ein ſchwarzes Geſchlecht hervorgebracht haben 5). 

Verſchiedene Schriftſteller, die keine vernuͤnftige Urſache von dem Unterſchiede der 
Farben angeben fönnen, haben ſich daher kein Bedenken gemacht, zu behaupten, daß Weiße 
und Schwarze nothwendig von unterſchiedenen Eltern entſprungen ſeyn muͤßten. Herr 
Atkins iſt von dieſer Meynung. Er erinnert in feinem Schiffwundarzte, wie ſchwerlich 
man von der Verſchiedenheit der Farben Urſache anzugeben wüßte, und erklaͤret ſich an eis 
nem andern Orte c), er ſey der Meynung, ob es gleich ein wenig heterodor ſcheine, daß das 
ſchwarze und weiße Geſchlecht urſpruͤnglich von Stammeltern von verſchiedenen Farben 


entſproſſen fen. Dieſes iſt aber, mit des Herrn Atkins Erlaubniß, nicht ein wenig, ſon⸗ 


Tradition, 
oder Aufloͤ⸗ 
ſung der Ne⸗ 
gern. 


dern in hohem Grade, heterodor; denn dieſes Vorgeben kann nicht beſtehen, ohne die mo⸗ 
ſaiſche Erzaͤhlung uͤber den Haufen zu werfen, welche das menſchliche Geſchlecht von einem 
einzigen allgemeinen Stamme herleitet. Und nach eben der Regel, nach welcher die Schwar⸗ 
zen ihre beſondern Stammeltern haben, müffen alle andere Voͤlkerſchaften von einer unter⸗ 
ſchiedenen Farbe ihren eigenen Vater und Mutter haben; und ſo wird man eine große 
Menge erſterſchaffene Menſchen einführen, anſtatt den Urſprung des menſchlichen Geſchlechts 
von einem einzigen Paare herzuleiten. Die Negern ſelbſt geben, wie Labat erzaͤhlet, nach 


einer Tradition der Marbuten, von ihrer Farbe dieſe Urſache an, wenn anders ihr Anſehen 
; der Me ER | ndert 4 


2) Labat, im andern Theile, auf der ass und ) Labat, im andern Theile, auf der 255 und 


folgenden Seite. | folgenden Seite. 


von Capo Blanes bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 189 
in dieſem Falle gültig iſt: von des Noah drey Söhnen wäre einer weiß, der andere braun, garbe der 
und der dritte ſchwarz geweſen, und jeder von ihnen hätte eine Frau von feiner eigenen Negern. 
Farbe gehabt, und daher kaͤmen die unterſchiedenen Farben der Nationen 4). . 
Es mag aber dieſe unterſchiedene Farbe entſtanden ſeyn, woher fie will: fo muß fie, al⸗ Die phyſika⸗ 
lem Anſehen nach, einem Unterſchiede in den Saͤften oder dem Gewebe der Haut zuzuſchrei- liſche lirſache 
ben ſeyn. Pechlin, ein Arzeneykuͤndiger, glaubet, daß die Schwärze bey den Negern von It unbekaftt. 
der Schwaͤrze der Epidermis, oder des Haͤutleins, und nicht der Haut ſelbſt, herruͤhre. Er 
bekraͤftiget feine Meynung durch Riolans Zeugniß, und durch eine Erfahrung, die er ſelbſt 
angeſtellt hat. Dieſes heißt, wie Labat erinnert, einen Zirkel begehen. Hingegen haben 
die Zergliederer in der koͤniglichen Akademie der Wiſſenſchaften zu Paris, welche die Sache 
mit vieler Muͤhe unterſuchet, endlich entdeckt, daß dieſe Schwaͤrze weder in der Haut noch 
im Fleiſche, ſondern in einem Netzchen liegt, das aus ungemein weichen und zarten Faſern 
beſteht, und zwiſchen der Epidermis und der Haut iſt. Dieſes Netz iſt bey den Weißen 
weiß, und bey den Negern ſchwarz. Man muß zugeben, daß dieſes Netz in ihren Fußſoh⸗ 
len und flachen Haͤnden nicht zu finden iſt, welche bey allen weiß ſind. Die Frage iſt aber 
nicht ſowohl, in welchem Theile die Schwaͤrze liegt, ſondern woher ſie entſteht? Noch ob 
das Netzchen bey den Negern ſchwarz ſey; ſondern warum es ſchwarz ſey. Warum iſt es 
eben bey den Schwarzen ſchwarz, und bey den Weißen weiß e)? | 
Labat, der auf keiner Seite etwas entſcheidet, theilet uns nur einige Anmerkungen mit, Beſondert 
die er zeit ſeines langen Aufenthalts in Weſtindien uͤber dieſe Materie gemacht hat. Anmerkun⸗ 
) Bey den Negern, die große Blaſen bekommen, wenn fie ſich in den Keſſeln, wo fie 0 des La⸗ 
Rum kochen, oder ſonſt wo verbrennen, bleibt der verbrannte Fleck gaͤnzlich weiß, wenn die Mr 
neue Haut waͤchſt. Was wird alsdenn aus dem Neschen? 
2) Wenn die Negern krank ſind: fo verlieren fie ihre Farbe gänzlich, und werden blaß, 
nachdem die Krankheit lange und heftig iſt. Manche ſind ſo bleich geweſen, daß man ſie 
von einem Weißen von blaſſer oder bleicher Farbe kaum unterſcheiden koͤnnen. 
3) Die Körper der Negern werden nach dem Tode noch ſchwaͤrzer, als gewöhnlich, fo 
blaß ſie auch in der Krankheit geweſen. | 
4) Die Kinder der Negern haben, wenn fie zur Welt kommen, einerley Farbe mit den 
unſrigen. Nur find ihre Schamglieder ſchwarz, und ein ſchwarzer Zirkel iſt an der Wur- 
zel der Naͤgel. | 
5) Herr Bruͤe hat zu Biſſos eine weiße Negerfrau geſehen, die von ſchwarzen Eltern 
gebohren, und an einen Neger verheirathet war, mit welchem ſie verſchiedene ſchwarze 
Kinder zeugte 7). e e N: „ 
Die Tracht der Einwohner dieſes Theils von Africa uͤberhaupt iſt ſehr einfach, und Tracht der 
beynahe an allen Orten einerley. Der Männer ihre beſteht, nach Jobſons Berichte, bloß Männer 
in Hemde und Hoſen. Das Hemde iſt von blauer und weißer Baumwolle, und geht bis 
auf die Knie. Es hat ſehr weite Aermel, die ſie, wenn ſie ihre Aerme brauchen wollen, 
über die Schultern zuſammenziehen. Die Hoſen find in Falten gelegt, daß fie gleichfam 
ein Kuͤſſen um den Hintern und die Schenkel herum ausmachen, weswegen ſie im Gehen 
die Beine weit auseinander ſperren muͤſſen. Mit den Fuͤßen gehen ſie bloß, außer daß ſie 
Neun | a lederne 
) Atkins Reife nach Guinea se. a. d. 39 S. 6) Ebendaſ. a. d. 264 u. f. S. 
) Labat, im andern Theile, a. d. 266 S. 7 Cbendaſ. a. d. 267 S. 


* 


Kleidung 
der Negern. 
— — 


0 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

lederne Sohlen haben, die um die große Zaͤhe und die Hacke zugeſchnuͤrt werden. Außer 
dieſen Kleidern ſind ſie uͤber und über am Kopfe, Leibe, Haͤnden und Fuͤßen mit Gregories 
behangen. Die Maͤnner tragen gemeiniglich Degen, die von der rechten Achſel haͤngen. 
Andere tragen Aſſagayen, drey Ellen lang, andere Bogen und Pfeile. Alle aber haben 
Meſſer an der Seite 2). Die Weiber tragen nichts, als blauen und weißen Cattun, 


womit ſie um die Lenden aufgeſchuͤrzt ſind; denn oben gehen ſie nackend. Zum Staate 


Breite Aer⸗ 
mel. 


aber machen ſie ſich Figuren in den Ruͤcken, welche, wenn man die Farbe wegnimmt, wie 
ein wuͤrflichtes Tiſchtuch ausſehen. Manchmal werfen ſie noch ein ander baumwollen 
Tuch über die Achſeln 5). g 

Andere beſchreiben die Tracht dieſer Volker auf eben die Art mit ſehr kleinen Veraͤn⸗ 
derungen. Le Maire ſaget, die Armen häften nichts, als ein Stuͤck Leinewand oder 
Baumwolle, eine Vierthelelle breit, um ihre Blöße zu bedecken. Dieſes iſt an ein Band 
angemacht, welches ſtatt des Guͤrtels dienet. Das Stuͤcke Zeug laffen fie vorne und hin⸗ 
ten herunterhaͤngen, und betrachten es, als einen großen Zierrath 1). | 

Die baumwollene Kutte, welche von den Edelleuten und Herren vom Stande getragen 
wird, iſt von allerhand Farben, und wie ein Franciſcanerrock k) gemacht, mit langen und 


weiten Aermeln, ohne Falten um den Hals 7), mit einem einzigen Schlitze, wie ein euro⸗ 


Pumphoſen. 


Kleidung der 
Weiber. 


paͤiſch Weiberhemde, wo fie, gleichwie bey demſelben, den Kopf durchſtecken. Sie bedecken 
nur das halbe dicke Bein m). Die Beinkleider ſind von eben dem Zeuge, und gehen von 
dem Gürtel bis unter die Knie. Sie find ſo weit, daß fuͤnf Ellen Tuch dazu gehoͤren, und 
fie den Unterröcken der Weiber gleichen, die unten zuſammengenahet find; fo, daß nut zwey 
Löcher gelaſſen werden, wo ſie die Beine durchſtecken. Je weiter ſie ſind, deſto mehr ſind 
ſie nach der Mode 1). Barbot ſaget, fie würden Juba genennt, und aus dickem Zeuge 
gemacht. Sie brauchen ſie vornehmlich im Winter. Im Sommer tragen ſie ein bloßes 
feinenes Hemde, mit einer kleinen Leder⸗ oder Baſtmuͤtze, die knapp auf dem Kopfe liegt, 
aber an der Spitze weit wird, wie eine Moͤnchskappe. Jannequin ſetzet hinzu o), fie 
fuͤhrten ein Meſſer, das ſie am Halſe Hängen hätten, und eine Aſſagaye. 

Nach eben dieſes Schriftſtellers Berichte tragen fie auf dem Kopfe eine Art von Muͤtzen, 
die in der Oeffnung enge „aber an der Spitze weit ſind, etwa wie die Jacobinerkappen. 
Das gemeine Volk geht barfuß! die Leute vom Stande aber haben lederne Sohlen, die am 
Ende des Fußes nach Art der Alten mit Bändern befeſtiget ſind. Ihr kurzes Haar putzen 
ſie ſehr artig mit Grisgris, Silber, Leder, Korallen, Kupfer, und haben ſilberne, zinnerne 
und kupferne Ohrgehenke. Diejenigen, die von Sklaven herſtammen, haben die Erlaub⸗ 
niß nicht, ihr Haar zu tragen. e La, 

Die Mägdhen und Weiber gehen oben bis auf den Guͤrtel nackend, wenn ſie nicht die 
Kälte noͤthiget, eine Decke uͤber ſich zu werfen. Uebrigens bedecken ſie ſich mit einem 
Paigne, welches ein Stuͤck deinewand oder geſtreifte Baumwolle iſt, etwa ſo groß, wie eine 
Quale, und über das halbe Schienbein geht. Das Haar iſt mit Korallen und anderm fol- 
a i nie ie muss IV Ine n | 3 91 chen 
%% Jobſon, a, d. 40 S 1 blen mit einem Meßgewonde . 
69 N N Br 7) Barbot faget, manche hätten Falten, und an⸗ 

1) Barbot faget, fie ſey von geftreifter Baum⸗ dere nicht. 
wolle, von unterſchiedenen Farben. ) Barbot ſaget / ſie reichten bis auf die Ferſen. 
0 Jannequin vergleicht fie in feiner Reife nach v) Ae Maire, a. d. 84 wn. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 191 
chen Flitterwerke geputzt. Ihr Kopfputz iſt eine Art einer Fontange, eine Vierthelelle hoch, Speiſen der 
und iſt je hoͤher, je ſchoͤner. f Negern. 
Die Maͤgdchen und Knaben gehen bis ins eilfte oder zwölfte Jahr nackend. Die Maͤn 
ner und Weiber tragen an Füßen zur Zierrath Schnuͤre von ſilbernen, goldenen, zinnernen 
und kuͤpfernen Perlen, nach Beſchaffenheit ihres Vermoͤgens pP). 3 
Baarbot ſaget, das gemeine Volk haͤtte nur einen kurzen baumwollenen Flecken, feine 
Bloͤße zu bedecken. Manche haben einen ledernen Guͤrtel, an welchem ein ſchmahler Fle⸗ 
cken angemacht iſt, der rund um den Leib geht, und hinten herunter haͤngt. Andere naͤhen 
zwey bis drey baumwollene Flecken oder Tuͤcher zuſammen, welche ſie uͤber die Achſeln und 
unter die Aerme herumwickeln, und die beyden Zippel vorne und hinten hinunterhaͤngen 
laſſen. Die Weiber und Maͤgdchen tragen nur ein Stuͤck Zeug um die Lenden, und ein 
anderes, wie einen Schleyer, um den Kopf. Das Haar tragen ſie geflochten oder aufge⸗ 
bunden, und putzen es mit allerley Flitterwerke von Korallen, Golde, oder Glaſe. Manche 
haben eine Art von Fontange 7). | | Pe 
Wie Moore ſaget, fo tragen die Männer, und befonders die Weiber, ungemein gern 
ein Gebund kleiner Schlüffel, welche fie vom Gürtel herabhaͤngen laſſen, nur damit fie für 
reich angeſehen werden ). | | | | 
Jobſon ſaget, das gemeine Volk effe des Tages nur einmal, nämlich nach der Sonnen 
Untergange. Ihre gewoͤhnliche Speiſe iſt gekochter Reiß, oder anderes Getreyde, welche Ordnung im 
von den Weibern in ausgehoͤlten Kuͤrbſen warm aufgetragen wird. Sie nehmen das Ef: Eſſen. 
ſen mit den Fingern heraus, machen einen runden Biſſen davon, und ſtecken es alsdenn hin⸗ 
ter. Sie vergnügen fich lieber mit dieſem Eſſen, als daß fie ſich die Mühe nehmen ſollten, 
für Fleiſch oder Fiſche zu ſorgen. Sie erziehen zwar Federvieh, und wiſſen die Kunſt, Ka⸗ 
paunen zu verſchneiden. Aber ſie vertauſchen ſie meiſtentheils gegen Eiſen, glaͤſerne Perlen, 
und dergleichen Waaren. We | 
Sie glauben, daß felten und in der fühlen Tageszeit zu effen ein gutes Mittel zur Ge⸗ 
ſundheit ſey. Der Hauptmann Jobſon iſt hierinnen ihrer Meynung, und empfiehlt den 
Engländern eben dieſe Regel. Er bemerket, daß ſich die natürliche Feuchtigkeit auswärts 
zur Erfriſchung der aͤußern Theile zieht, wenn ſolche von der Sonnenhitze getrocknet mer: a 
den; und daß der Magen alsdenn kalt, und geſchickter iſt, einen Schluck hitziges Getraͤnke 
anzunehmen, als Speiſen zu verdauen. Sie fanden auch aus der Erfahrung, daß ſie hier 
um Mittag ſo viel Aquavit auf einmal trinken konnten, daß ihnen in England davon das 
Herz wuͤrde ausgebrannt ſeyn. | 1 
Ihr gemeiner Trank iſt Waſſer: doch bedienen fie ſich manchmal des Palmenweins, Getraͤnke. 
und einer Art von Biere, welches Bullo heißt, und aus ihrem inlaͤndiſchen Korne gemacht 
wird. Die geiſtigen Getraͤnke lieben fie fo ſehr, daß fie fähig find, deshalben ihre Kleider 
vom Leibe zu verkaufen 9). t 1 ̃ 
Wenn gleich die Maͤnner ſtarke Saͤufer ſind: ſo duͤrfen doch die Weiber oͤffentlich 
nicht einen Schluck thun, bis auf einige, die beſondere Verguͤnſtigung hierzu haben ). 


f | Le Maire 
0) Jannequin, a. d. 66 S. ii ) Woores Reiſen a. d. 116 ©. 
p) Le Waires Reifen nach den Canarieninſeln, f bſons Goldhandel, auk der a8 und folgen⸗ 
auf der 85 Seite. Wee ga 8 Goldhandel, auf der 38 und folgen⸗ 


Barbots Beſchreibung von Guinea, auf der 


35 Seite. t) Ebendaſ. a. d. 61 S. 


Negern. 


Sanglet. 


Kuſchkuſch. 


und vom Sande gereiniget iſt, welches aber ſelten geſchieht. 


Art zu eſſen. 


Mittags⸗ 


mahl wie es 
aufgetragen 


wird. 


192 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Speiſen der 


Le Maire ſaget, das Getraͤnk der Negern ſey Palmenwein und Waſſer, welches fie 
öfters aus einem ſtinkenden Graben oder noch ſchlimmern Oertern trinken u), Sie bedie⸗ 
nen ſich auch der Milch, wenn ſie welche bekommen koͤnnen. 

Die Speiſe der Schwarzen iſt ſchlecht und einfach. Sie beſteht vornehmlich in 
Sanglet oder in Auſchkuſch, die aus Hirſe, Milch, Voͤgeln, manchmal Fiſchen, oder 
Wildpraͤt beſtehen; denn fie ſchlachten ſelten ihr Vieh, außer bey großen Feſten und andern 
außerordentlichen Gelegenheiten. F 

Die Weiber fangen mit Anbruche des Tages an, Sanglet zu machen; denn es erfor⸗ 
dert volle ſechs Stunden Zubereitung. Zweene oder drey, die dieſes Werk angreifen, neh⸗ 
men erſt den Hirſe und ſtoßen ihn in tiefen hoͤlzernen Moͤrſeln; denn Muͤhlen haben ſie 
nicht. Wenn die Koͤrner von den Huͤlſen abgeſondert ſind, ſo reinigen ſie dieſelben in 
Wannen, die aus Palmenblaͤttern gemacht ſind, und kochen ſie darauf, entweder in Milch, 
oder in Waſſer, oder in Butter und Fleiſchbruͤhe, oder mit geduͤrrten Fiſchen. 79 

Kuſchkuſch, welches ihr beſtes Eſſen iſt, wird gleichfalls wohl geſtampft, und rein 
geſiebt. Alsdenn machen ſie einen Teig mit Waſſer daraus, und bilden ihn in kleine 
Kuͤchelchen. Wenn dieſe Kuͤchelchen wohl getrocknet find: fo werden fie in einem Durch⸗ 
ſchlage über einen Topf geſetzt, in welchem Fleiſch mit Palmendle gekocht worden, damit fie 
den Geruch bekommen. Dieſes Gerichte ſchmecket gut genug, wenn es recht zubereitet, 


Wenn ſie zu Felde ziehen: ſo nehmen ſie einen Beutel mit, der wie ein Arm dicke, und 
eine halbe Elle lang iſt, voll bereits gebackner Kuſchkuſch. Dieſes iſt die tägliche Ver 
richtung der Weiber. Wenn die Weiber in Frankreich, ſaget le Maire, ſich fo unaufhoͤr⸗ 
liche Mühe um ihrer Männer willen geben ſollten, fo fürchte, ich, die Männer würden ein 
kuͤmmerliches Leben zu fuͤhren haben. 1 7 | 
Ihre geſetzten Mahlzeiten find Mittags und Abends. Sie eſſen alle ſehr unſauber, 
indem fie auf der Erde liegen, und ihr Eſſen Handvoller weiſe herausnehmen, und ſich we— 
der Servietten, noch Teller, noch Meſſer oder Gabeln bedienen. Mit dem Damel oder 
Könige ſpeiſet niemand, als die oberſten Marbuten, oder ein ſehr vornehmer Herr. Mei- | 

entheils ißt er allein. Er laͤßt ſich ſchlechterdings nicht von einem Tobabo x) oder 
Weißen bey Tiſche ſehen Y), welches, wie der Verfaſſer glaubet, aus Scham über ihre 
Unſauberkeit und Armſeligkeit herruͤhret. 4 
Unter den Geringern ißt die ganze Familie miteinander. Der erſte Aufſatz iſt Kuſch⸗ 
kuſch. Wenn ſie damit fertig ſind: ſo fallen ſie uͤber das Fleiſch her, welches ſie mit den 
Fingern in Stuͤcken reißen. Wenn ſie es ein wenig benaget haben: ſo legen ſie es wieder 
in die Schüffel, auf eine zukunftige Mahlzeit. Im Eſſen brauchen fie nur die rechte Hand, 
indem ſie 1 linke zur Arbeit ſparen, und es daher für eine Unanſtaͤndigkeit halten, damit, 
u eſſen 2). 
. Jannequin ſaget, die Negern aͤßen auf eine ſehr ungeſittete Art; indem fie nur eine 
Decke über die Erde ausbreiten, worauf fie den Kuſchkuſch und das Fleiſch in hoͤlzernen 
3 45 | Schuͤſ⸗ 
) Die Marbuten trinken Waſſer mit Honige Stuͤcke ſehr veraͤndere. f 
vermiſcht. 2) Le Waires Reiſe nach den canariſchen 
*) In der Ueberſetzung Thon babes. Inſeln a. d. 37 u. f. S. ] 
+) In neuern Zeiten haben fie fich in dieſem 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 193 


Schuͤſſeln ſetzen, und das Eſſen mit den Händen zerreißen, und ſehr gierig in den Hals ſte⸗Seirathen 

cken aa). Die Vornehmen und Reichen laſſen ihre Gerichte reinlicher zurichten, und wer⸗ der Tegern 

den beſſer bedient. Ueberhaupt haben die Schwarzen gute und feharfe Magen, fo daß fie 

alles zu nuͤtzen wiſſen, und ſogar auch das Elephanten⸗ und Krokodilfleiſch eſſen. Das 

Fleiſch ſchmecket ihnen alsdann am beſten, wenn es riecht, oder vielmehr ganz und gar ver⸗ 

fault iſt 50). Ob ſie gleich ihre Ochſen, Schafe und Voͤgel unmittelbar darauf zurichten, 

wenn ſie geſchlachtet ſind: ſo iſt das Fleiſch doch ſehr weich, und ſie zerkauen auch das Sie bedie⸗ 

Eſſen ſehr wohl. ö | nen ſich kei⸗ 
Sie brauchen kein Brodt, ſondern fie effen das Mehl von ihrem Getreyde, indem fie nes Brodts. 

das Getraͤnk damit verdicken. Das indianiſche Korn brauchen ſie am meiſten, wenn es 

noch grün iſt, und röften es in der Aehre auf Kohlen. Alsdenn hat es den Geſchmack, wie 

Schoten. Den Reiß kochen ſie meiſtentheils nach Art der Tuͤrken, indem ſie Pillaws 

machen. Das guineiſche Korn und das Manſaroke oder kleinere indianiſche Korn⸗ 

ſtampfen ſie in Moͤrſeln zu Mehle, wie auch manchmal den Reiß und das groͤßere india⸗ 

niſche Korn. Die Einwohner backen niemals Kuchen oder Brodt für ſich: aber die Weis 

ber, die an die Europäer gewöhnt find, haben beydes gelernt cc). N 


Der II Abſchnitt. 
Von ihren Heirathen und Begraͤbniſſen. 

Gebrauche bey ihren Heirathen. Die Maͤgdchen beit. Stehen in großer Dienſtbarkeit. Die 
werden ſehr jung geheirathet. Morgengabe Niederkunft koͤmmt ihnen leicht an. Wie fie 
oder Geſchenke. Jungferſchaft wird geehrt. Die ihre Kinder benennen. Woher ihre platten Na⸗ 
vornehmſte Ehefrau. Sie ſtrafen den Ehe⸗ ſen kommen. Liebe der Eltern zu den Kindern. 
bruch, deſſen ſich die Mannsperſonen ſelbſt ſchul⸗ Willfaͤhrigkeit der Maͤgdchen. Selbſtverleug⸗ 
dig machen. Ihre Weiber verrichten alle Ars nung bey den Weibern. * 


Von ihren Bare ſaget Jobſon, der Mann verſpreche ſich mit der Frau, ehe ſie noch in Heiraths⸗ 
den Jahren iſt, da ſie heirathen kann, aber nicht ohne Einwilligung der Freunde, in deren form. 
Haͤnde er das Leibgedinge oder die Morgengabe uͤbergiebt, zu der er ſich gegen ſie verſteht. 

Auch der König, oder fein oberſter Statthalter fordert als Obervormund der Jungfern ein Ge⸗ 

ſchenk fuͤr ſeine Einwilligung. Wenn ſie in ein Alter koͤmmt, das zur Heirath geſchickt 

iſt: ſo geht er in Begleitung einiger jungen Leute, bey Mondenſcheine, bald Abends in das 

Haus feiner Braut, und nimmt fie mit Gewalt heraus 4); da ſie hingegen ſich ſtraͤubet und 

aus allen Kräften ſchreyt. Ihr koͤmmt das Geſchrey aller jungen Maͤgdchen aus dem gan⸗ 

zen Orte zu Huͤlfe, und die jungen Maͤnner ſtellen ſich, als ob ſie ihr loshelfen wollten. 

Doch der Braͤutigam und ſeine Freunde fuͤhren ſie im Triumphe in ſein Haus. Hier 

bleibt ſie eine Zeitlang verſteckt, und einige Monate hernach geht ſie niemals ohne Schleyer 

aus, der nach ſpaniſcher Art alles bis auf ein Auge bedeckt. Die Morgengabe wird ihr 
aufgehoben, damit ſie ſich im Falle der Wittwenſchaft einen Mann kaufen koͤnne. Denn 

dieſes iſt bey den Witwen gewoͤhnlich 2), 


Moore 
aa) Jannequins Reiſen a. d. 77 S. und le cc) Moores Reiſen a. d. 32 S. 
Maire a. d. 114 S. a) Siehe Jobs Beſchreibung von Futa oben 
bb) Labats abendlaͤndiſches Africa IV Theil a. d. 138 S. 
a. d. 174 S. e b) Jobſon a. d. 53 und 56 S. 


S 
Allgem. Beiſebeſchr. III Band. B b a 


Heirathen 
der Tegern. 


Die Maͤgd⸗ 
chen heira⸗ 
then ſehr 
jung. 


Morgen⸗ 
gabe. 


Jungfer⸗ 
ſchaft in Eh⸗ 


ren. 


194 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Moore ſaget, fie verfprächen ihre Töchter öfters, fo bald fie nur gebohren wären, zur 
Heirath, und koͤnnten die Eltern den Contract hernach nimmermehr brechen, noch duͤrfte 
das Maͤgdchen, das auf ſolche Art verſchenkt worden, ſich einen andern Mann ohne Er⸗ 
laubniß des erſten nehmen. Der Mann hingegen hat ſeine voͤllige Freyheit. Sie holen 
ihre Weiber gemeiniglich ſehr jung heim; ehe ſie aber mit geht, muͤſſen ſie den Eltern der 
Frau zwo Kühe, zwo Stangen Eiſen, und zweyhundert Rolanuͤſſe erlegen. 

Eben dieſer Verfaſſer erzaͤhlet ferner, daß der Mann bey der Heimholung eine Gaſte⸗ 
rey anſtellet, auf welche alle Leute, die Luſt haben, ohne Einladung kommen, und fich drey 
bis vier Tage nach einander erluſtigen. Die Frau wird aus dem Haufe ihrer Eltern in 
das Haus ihres Ehemanns von Mannsperſonen auf den Schultern getragen, und hat einen 
Schleyer uͤber das Geſicht, welchen ſie bis nach vollendeter Heirath behaͤlt. Unterdeſſen 
tanzen und ſingen die Gaͤſte, ruͤhren die Trummel, und feuern Flinten ab c). 

Nach Labats Berichte, wendet ſich ein junger Neger an der Sanaga, der ſeine Au⸗ 
gen auf ein Frauenzimmer geworfen, zuerſt an die Eltern deſſelben, um ihre Einwilligung 
zu erlangen; und wenn es eine Wayſe iſt, an die nächften Anverwandten. Weil ſich die 
Parteyen gemeiniglich ſchon verglichen haben, ehe fie noch zuſammen kommen: fo hat der 
Vertrag feine Richtigkeit, fo bald der Liebhaber ſich zu einem Geſchenke an die Eltern oder 
Anverwandten verſteht, welches gemeiniglich Vieh, baumwollene Tuͤcher, Glasperlen, und 
Brandtewein ſind. Sie heirathen insgemein jung. Wenn dieſes entrichtet iſt, ſo wird 
die Braut zu ihrem Manne nach Hauſe gefuͤhrt, der ſie bey der Hand empfaͤngt, und un⸗ 
mittelbar darauf nach Waſſer, Holz und andern Nothwendigkeiten in der Haushal⸗ 
tung zu gehen befiehlt. Sie gehorchet ſeinen Befehlen und wenn der Mann ſeine 
Abendmahlzeit eingenommen, thut fie gleichfalls die ihrige, und wartet, bis fie zu Bette 
gerufen wird 4). 

Die Morgengabe, ſaget le Maire, beſteht aus Rindern, die dem Vater in Verwah⸗ 
rung gegeben werden, welches zum hoͤchſten fünfe find. Nach geſchloſſenem Vergleiche, 
gehen fie ohne weitere Ceremonien zu Bette. Wenn die Braut ſich für eine Jungfer aus: 
giebt, (und Jungfern giebt es hier ſelten): ſo wird ein weißes Tuch auf das Brautbette 
gelegt, welches zum Beweiſe der Jungferſchaft dienet, wenn man es blutig findet. Nach 
dieſem halten ſie einen Umgang mit dieſem Tuche um das Dorf herum, wobey ſich die 
Guirioten einfinden, die das Lob der Schoͤnen, und ihre hochzeitlichen Freuden beſingen. 
Wenn es ſich aber findet, daß fie keine Jungfer iſt: fo iſt der Vater auf Verlangen des 
Mannes verbunden, ſie zuruͤckzunehmen, und die Ochſen heraus zu geben. Dieſes geſchieht 
aber ſelten; denn die Braut wird vor der Hochzeit ſcharf unterſuchet, und der Mann thut 
dieſe Anforderung nicht eher, als nach einer thaͤtlichen Ueberweiſung. Das Maͤgdchen wird 
deswegen noch nicht verachtet; denn wenn ſie gleich nicht ſeine Frau ſeyn kann, ſo kann ſie 
doch bey einem andern eine Benfchläferinn werden, und auf dieſe Art kann ſich der Vater 
beftändig neuen Vortheil machen e). 


Janne⸗ 

e) moores Reifen a. d. 131 S ) Barbot ſaget von einem weißen Blatte, auf 
4) Labats abendlaͤndiſches Africa, II Band der 35 ©. 

a. d. 299 © z) Jannequins Reife nach Lybien auf der 


e) Le Maires Reiſen nach den canariſchen 131 Seite. 
Inſeln, a. d. 96 S. 5) Moores Neifen a. d. 132 ©. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 195 


Jannequin erzaͤhlet, daß ſie der Mann von den Eltern nackend empfaͤngt, und mit ihr 
zu dem Prieſter oder Marbuten geht, der ſie mit allerhand Ceremonien ein klein wenig 
Sand verſchlucken läßt, und ihnen befiehlt, die Heirath dieſe Nacht zu vollziehen. Die 
Braut wird auf ein weißes Ziegenfell 7) gelegt; und wenn den folgenden Morgen die 
Zeichen der Jungferſchaft nicht darauf gefunden werden, ſo wird ſie von dem Manne ver⸗ 
ſtoßen. Eben dieſer Schriftſteller ſetzet hinzu, daß die Jungfern der Schwarzen in die⸗ 
ſem Puncte ſo gewiſſenhaft ſind, daß ſie eher ſterben, als ſich ihre Jungferſchaft vor der 
Heirath rauben laſſen werden 4). ö 

Wie Moore ſaget, ſo ſind die Schwarzen an der Gambra mehr geneigt, ein ſolches 
boͤſes Geſchick zu verhehlen, als auszubreiten. Denn die Frau wird immer noch fuͤr eine 
Jungfer angeſehen, wenn ſie gleich ein oder zwey Kinder zuvor gehabt hat, und der Mann 
bleibt vergnuͤgt. Denn er würde ſich großem Aergerniſſe ausſetzen, wenn es bekannt wer— 
den ſollte, daß feine Frau keine Jungfer mehr geweſen, als er ſie nach Haufe geführt Y). 

Barbot bemerket, daß manche Neger ſonſt niemand, als Jungfern, heirathen wollen; 
andere aber wären nicht fo gewiſſenhaft 1). 

Alle Reiſebeſchreiber ſtimmen darinnen überein, daß einem Manne erlaubt ift, fo viel Wei⸗ Die oserfte 
ber zu nehmen, als er unterhalten kann. Nur eine davon aber hat die Vorrechte einer Ehefrau. 
Ehefrau, und iſt beftändig um ihn J. Aus dieſer Urſache nennten fie die Engländer zu 
Jobſons Zeiten die Handfrau. Sie iſt von verſchiedenen muͤhſamen Verrichtungen aus⸗ 
genommen, welche fuͤr die uͤbrigen gehoͤren. Doch darf ſie nicht mit ihm, auch nicht in 
ſeiner Gegenwart, eſſen, ſondern in einem andern Hauſe. Er gebraucht ſich auch niemals 
einiger Liebkoſungen oder Kuͤſſe gegen ſie, vielweniger gegen eine von den uͤbrigen, die nur 
bloße Beyſchlaͤferinnen ſind, und gegen die er keine wahre eheliche Neigung bezeugt. 

Es iſt merkwuͤrdig, daß ſich dieſe Weiber niemals mit einander veruneinigen oder zan⸗ 
ken. Abends geht jede in ihre eigene Wohnung, und ſteht zu ſeinem Rufe bereit, und des 
Morgens begruͤßen ſie ihn auf den Knien, und legen die Hand auf ſeinen Schenkel 1). 

Moore ſaget, daß manche nicht weniger, als hundert Weiber haben, und, daß er einen 
ziemlich großen Flecken bey Brukoe wuͤßte, in dem niemand wohnte, als ein Mann mit 
feinen Weibern, Kindern und Sklaven m). e 

Die Urſache, warum die Könige und großen Herren, die viele Häufer haben, ihre Wei- 
ber fo vertheilen, iſt, damit fie, wenn fie ihren Wohnplatz verändern, allezeit eine Familie 
in Bereitſchaft finden, ſie aufzunehmen. 

Wenn gleich die Weiber in Anſehung ihres Mannes von gleichem Stande ſind: ſo iſt 
doch die, welche er zuerſt geheirathet, im Falle ſie Kinder hat, die vornehmſte, und hat 
vor den andern einen Vorzug n). Barbot bekraͤftigt dieſes, und ſetzet hinzu, daß, 
wenn ein König feiner vornehmſten Frau uͤberdruͤßig wird, fo weiſt er ihr Land und 
Sklaven an, wovon fie leben kann, und erwaͤhlet ſich eine andere aus feinem Seraglio an 
ihre Stelle ). 

Bb 2 Im 


10 5 85 Beſchreibung von Guinea auf 7) Jobſons Goldkuͤſte a. d. 1 S. 
re iſen a. d. 133 ©. 
4&) Am Vorgebirge Monte heißt nach dem Nene 1 = 
Barbot die vornehmſte Frau Makilmeh. Bar: n) Labat a. d. 300 S. 

bots Beſchreibung von Guinea a. d. 117 S. 0 Barbot a. d. 36 S. 


195 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
| 8 050 Im Falle des Ehebruchs werden, wie Jobſon ſaget, beyde Perſonen, die ſich deſſelben 
en ſchuldig gemacht haben, ohne Hoffnung zur Befreyung, außerhalb Landes verkauft; als wel— 
| ches die Strafe fuͤr alle große Vergehungen iſt; denn ſie verdammen niemanden zum Tode. 
Ehebruch Dieſe Verbrecher wurden dazumal von den Portugieſen gekauft, und als Sklaven in Weſt— 
wird geſtraft. indien verhandelt 7). N 
Barbot meldet, die Schwarzen wären fehr eiferſuͤchtig; und wenn fie ihre Weiber 
irgendwo auf einer Untreu ertappen koͤnnten: fo würde der Mann den Ehebrecher töten, 
und die Frau verſtoßen, und zu ihren Eltern nach Hauſe ſchicken, welche genoͤthigt ſind, ihren 
Antheil wieder herauszugeben J). Doch ſaget er an einem andern Orte, fie bekuͤmmerten 
ſich eben nicht darum, wenn ihre Weiber bey andern Männern lägen 5). 

Die Frau des Lali, eines Bedienten am Hofe des Damels, hatte ihrem Manne Urſa⸗ 
che gegeben, ihre Treue in Verdacht zu ziehen. Der Mann wuͤrde ſich vielleicht ſelbſt ges 
raͤchet haben. Weil aber feine Frau von einer anſehnlichen Familie war: ſo brachte er lie— 
ber ſeine Klagen vor den Koͤnig. Dieſer fand dieſelben gerecht, und verkaufte die Frau an 
den Herrn Bruͤe in die Sklaverey. Ihre Anverwandten, die ſolches erfuhren, kauften ſie 
heimlich los, und ſchickten fie außerhalb Landes ). 

Eine Frau, ſaget Moore, die ſich des Ehebruchs ſchuldig machet, muß gewaͤrtig ſeyn, 
in die Sklaverey verkauft oder nach Gefallen perſtoßen zu werden. Ihr Mann noͤthigt 
ſie, alle ihre Kinder mitzunehmen, wenn er nicht Luſt hat, ſelbſt eines davon zu behalten; 


und das ſind gemeiniglich nur ſolche Kinder, die erwachſen genug ſind, daß er ſich ihrer zu 


ſeinem Nutzen bedienen kann. Er hat auch noch einige Jahre lang nach der Eheſcheidung 
die Freyheit, ihr ihre Kinder nach ſeinem Gefallen wegzunehmen. Wenn aber die Frau 
ſchwanger geht: fo kann fie der Mann nicht eher verſtoßen, als bis ſie niedergekommen iſt 7). 
Sie biethen Dem ungeachtet halten es ſich die Männer, wenn man den Erzählungen der Reifebe- 
ihre Weiber ſchreiber glauben will, für eine Ehre, wenn Weiße vom Stande bey ihren Weibern, Toͤch⸗ 
W ſelbſt tern oder Schweſtern ſchlafen, und biethen fie öfters ſelbſt zuerſt an. Dieſes wird vom 
le Maire bezeuget „), und vom Jannequin x) und andern bekraͤftiget. Barbot ſaget, 
fie machten ſich kein Bedenken, dieſes zu thun, wenn fie dadurch etwas verdienen konnten J). 
Galanterie Le Maire erzaͤhlet uns, die Weiber waͤren der Buhlerey ſehr ergeben, und vertruͤgen 
der Weiber, die Liebkoſungen der Weißen ungemein gern; doch wären fie fehr lohnſuͤchtig, und ließen ſich 
ihre Gunſtbezeugungen bezahlen 2). Barbot hingegen ſaget, fie wären mit einer ſehr ges 
ringen Belohnung zufrieden. Er ſetzet hinzu, fie wären ſehr wohlgeſtaltet, lang und mun⸗ 
ter, und von einer ſehr hellſchwarzen Farbe, muthwillig, und von einer angenehmen Mine, 
und ihre große Neigung zu den weißen Mannsperſonen verurfachte ihnen öfters große 
Zwiſtigkeiten mit ihren Maͤnnern 4). 7 a 
Die Weiber Die Weiber verrichten alle harte Arbeit, zum Exempel, daß ſie den Reiß ſichten und 
verrichten ſtampfen, welches in ſehr weiten Moͤrſeln geſchieht. Sie richten alles Eſſen zu, und tra⸗ 


alle Arbeit. gen es auf den Tiſch, welcher weiter nichts iſt, als eine Matte, die auf dem Boden ausge- 
b breitet 


7) Jobſon a d. 53 S. a) le Maire a. d. 102 S. 
79 Barbot wie oben. x) Jannequins Reife a. d. 99 S. 


7) Barbot a. d. 117 S. 
7) Labat im vierten Bande a d. 190 S. 5) Barbot a. d. 36 S. 


3) Moores Reifen a. d. 133 S. 2) le Maire a. d. 102 S. 


PPFUFFUUUU Be u 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 197 


breitet wird. Wenn dieſes geben iſt: ſo gehen ſie wieder zurück; denn ſie duͤrfen nie⸗ 
mals mit ihren Männern eſſen d 

Die Weiber thun meiſtentheils ſchwere Arbeit. Ihre vornehmſte Verrichtung iſt, daß 
fie Reiß und Hirſe ſtampfen, Kuskus und Sanglet machen, die Speiſen zurichten, Ge— 
traͤnke bereiten, Baumwolle ſpinnen und faͤrben, Kleider machen, Toback und Getreyde 
pflanzen, die Häuser rein halten, das Vieh huͤten, Waſſer und Holz holen. Kurz, die ganze 
ſchwere Arbeit im Haufe iſt ihnen aufgelegt. Und wenn ihre Männer in Geſellſchaft ſind: 
ſo gehen ſie ihnen nach, um die Muͤcken abzuhalten, und ſie mit Pfeifen und Toback zu 
bedienen c). 


Unterthaͤ⸗ 


nigke it der 
. 
—ͤ̃ — 


Keine Frau hat die Freyheit, mit ihrem Manne zu ſpeiſen, ſondern iſt in der That Leben in aroß⸗ 


mehr eine Magd. Die Maͤnner unterlaſſen nicht, ihnen die Unterwuͤrfigkeit auf eine ſolche 
Art einzupraͤgen, daß fie derſelben niemals vergeſſen 2. Woore ſaget, die große Skla⸗ ba 
verey, in der die Weiber ſtuͤnden, ruͤhrte von dem Mumbo Jumbo, oder dem Popanze 
der Weiber, her, der hernach beſchrieben wird. Er haͤlt ſolchen an einem Orte, da ein Mann 
ſo viele Weiber hat, fuͤr etwas ſehr nothwendiges. Eben dieſer Verfaſſer erinnert, daß ein 
Mann, der ſeiner Frau uͤberdruͤßig geworden iſt, fie verlaffen darf, wenn er das, was er bey 
dem Ehecontracte gegeben, im Stiche laſſen will. Sie kann auch den Mann nach ihrem 
Willen verlaſſen, wenn fie ihm nur fein Vieh wiedergiebt. Wenn aber der König einen 
Liebling mit einem von ſeinen Weibern begnadigt hat: ſo kann ſolcher dieſe Frau auf keine 
Art und Weiſe wegſchaffen; obwohl der König ſie nach feinem Gefallen zuruͤcknehmen kanne). 

Den muhammedaniſchen Schwarzen find gerofffe Grade in der Ehe verbothen. Ein 
Mann kann nicht zwo Schweſtern heirathen. Der Damel, welcher dieſes Geſetz über- 
treten hatte, ward deswegen insgeheim von den Marbuten ſehr getadelt 7). 

Die Weiber ſind ſehr fruchtbar, und haben, die ſehr jungen ausgenommen, ſelten fremde 
Beyhuͤlfe beym Gebaͤhren noͤthig. Es wird fuͤr niedertraͤchtig bey ihnen angeſehen, wenn fie 


in den größten Schmerzen ſchreyen, oder auch nur ſeufzen. Nach der Entbindung baden 


ſie ſich mit dem Kinde eine geraume Zeit lang. Wenn ſie die Glieder in eine ſolche Ord⸗ 
nung gelegt haben, daß ſie nicht auswachſen koͤnnen: ſo wickeln ſie dieſelben in ein Pagne 


0 9 
keit. 


Leichte Nie⸗ 
derkunft. 


ohne Windeln, als welche die Kinder gemeiniglich ungeſtalt und bucklicht machen. Wenn 


das Kind zwolf oder vierzehn Tage alt iſt: fo fangen fie an, es auf dem Ruͤcken zu tragen, 
und nehmen es bey allen Arbeiten, die fie verrichten, niemals herunter 3). 


Es iſt nichts neues, daß man die Weiber noch an eben dem Tage, oder den Tag dar- Benennung 


auf, wenn ſie entbunden ſind, ausgehen ſieht. Etwa einen Monat darnach geben ſie dem 
Kinde einen Namen, wobey ſie ihm das Haar abſcheren, und den Kopf mit Oele ſalben Y), 
und fünf oder ſechs Freunde als Zeugen zu ſich bitten. Sie brauchen gemeiniglich muham⸗ 
medaniſche Namen, als für die Knaben, Bine, Gviab, Dimbi, Maliel, und für die 


Maͤgdchen, Fatima, Alimata, Romba Komegain, Warſel, Hengay. Alle Mor⸗ 


gen waſchen ſie das Kind mit kaltem Waſſer, und reiben es mit Palmenole 7 
Bb 3 Mit 


) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der e) Moores Reiſen a. d. 97 und 133 S. 
34 Seite. 7) Labat im deitten Bande a. d. 188 S. 


5) Jobſons Goldkuͤſte a. d. 54 S. 40 Ebendaſelbſt im zweyten Bande a. d. r 
©) Labat im zweyten Bande a. d. 301 S. 5 Moores Reiſen a. d. 134 S. 
) Ebendaſelbſt a. d. 299 S. 1) Barbot a. d. 37 ©. 


8 


der Kinder. 


“+ 


Kinder der 
Negern. 


Woher die 
platten Na⸗ 
ſen. 


Die Liebe der 
Aeltern ge⸗ 
gen ihre Kin⸗ 
der. 


Willfaͤhrig⸗ 
keit der 
Maͤgdchen. 


Selbſtver⸗ 
lengnung der 
Weiber. 


198 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Mit den Kindern machen ſie ſich wenig zu ſchaffen, indem ſie dieſelben nackend auf der 
Erde liegen laſſen, wo ſie den ganzen Tag herumkriechen. Ehe ſie gehen koͤnnen, binden ſie 
ſich diefelben mit einem Tuche auf den Rüden; fo daß die Füße auf beyden Seiten vorne 
vorhaͤngen. So tragen fie fie bey allen Arbeiten herum, auch fo gar, wenn fie Hirſe ſtampfen Y). 

Dieſer Schriftſteller, Jannequin, und die meiſten andern, ſchreiben ihre platten Naſen 
und dicken Baͤuche dieſer Art zu tragen zu. Denn wenn die Mutter ſich buͤcket, oder ge⸗ 
ſchwind wieder aufſteht: ſo ſtoͤßt das Kind mit ſeiner Naſe an ihren Ruͤcken. Dieſes zu 
vermeiden, beugt das Kind den Kopf, ſo weit als moͤglich, zuruͤck, und dadurch den Bauch 
heraus. Moore hat befunden, daß fie in der That nicht mit platten Naſen gebohren wor⸗ 
den find. Weil aber der Eigenſinn der Muͤtter es fo haben will: fo pflegen fie, wenn fie das 
Kind waſchen, den obern Theil der Naſe zu beugen, und niederzudruͤcken 1). Dieſe Urfache 
koͤmmt uns wahrſcheinlicher vor. Le Maire hat dieſes nicht fuͤr wahr befunden, daß die 
platteſten Naſen und breiteſten Lippen ihnen am beſten gefallen. Vielmehr hat er gefun⸗ 
den, daß ihr Geſchmack in der Schoͤnheit dem franzoͤſiſchen ſehr aͤhnlich waͤre, die Farbe 
ausgenommen, indem ein feines Auge, ein kleiner Mund, ſchoͤne Lippen, und eine wohlge⸗ 
bildete Nafe bey ihnen Schönheiten waren. Es giebt Weiber unter den Schwarzen, die 
eine fo ſchoͤne Geſichtsbildung und Leibesgeſtalt haben, als irgend ein europaͤiſches Frauen⸗ 
zimmer. Sie haben mehr natürlichen Witz, als die Männer, und find fehr freundlich =). 

Sie haben eine fehr zärtliche Liebe zu ihren Kindern, und tragen ſehr viel Sorge für fie, 
bis fie allein gehen koͤnnen. Denn alsdann iſt es ihnen genug, ihnen gut zu eſſen zu geben, 
und ſie nehmen ſich keine Muͤhe weiter um ihre Erziehung. So wachſen ſie auf, und ſind 
von einer ſtarken Natur, und wenigen Krankheiten ausgeſetzt, außer den Pocken. Weil 
ſie aber im Muͤßiggange auferzogen werden: ſo werden ſie bis zur Ausſchweifung faul; ſo 
daß fie nicht einmal das Feld beſaͤen würden, wenn fie nicht die Nothwendigkeit zwaͤnge. 
Sie ſaͤen auch nicht mehr, als gleich zu ihrem Unterhalte zureicht. Und wenn ihnen die 
Fruchtbarkeit des Landes nicht zu ftatten Fame: fo würden fie alle Jahre Hunger leiden, 
oder ſich ſelbſt denen, die ihnen zu eſſen geben koͤnnten, zu Sklaven verkaufen muͤſſen. Sie 
lieben keinen Zeitvertreib, als Tanzen und Geſellſchaft, deren fie niemals müde werden 1). 


Die Maͤgdchen thun ſehr erbar, beſonders in Geſellſchaft. Wenn man ſie aber allein 
beſucht: fo find fie ſehr willfaͤhrig, und für eine kleine Koralle, oder ſeiden Schnupftuch, ver⸗ 
ſtatten fie, was man haben will. Diejenigen aber, die von portugieſiſchem Geſchlechte und 
Religion ſeyn wollen, und ſich Chriſten nennen, ſind eingezogener, als die unter den Man⸗ 
dingoern. Doch machen fie ſich kein Bedenken, mit einem weißen Manne, der im Stande 
iſt, ſie zu unterhalten, ohne Heirathsceremonien als Frau zu leben ). 

Keine verheirathete Frau ſchlaͤft nach ihrer Niederkunft eher bey ihrem Manne als bis drey 
Jahre um find 5), wenn das Kind fo lange leben bleibt. Alsdann entwoͤhnet fie das Kind, 
und ſchlaͤft von neuem bey ihrem Manne. Denn ſie glauben, wenn eine Mutter eher bey 
ihrem Manne ſchlaͤft, daß ihre Milch Schaden leidet, und das Kind vielen Krankheiten 
ausgeſetzet wird. Dem unerachtet glaubet er, daß unter zwanzigen nicht eine Frau ſich in 

ſo 
4) ie Maires Reiſe a. d. 102 S. n) Cabats abendlaͤndiſches Africa, im zweyten 
41) Moores Reifen a. d. 131 S. Buche a. d 303 S. 
n) le Maires Reiſe a. d. 132 O. „ Moore a. d. 121 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 199 


fo langer Zeit enthaͤlt, bey einem Manne zu ſchlafen. Er hat öfters gehört, daß Weiber Begraͤbniß⸗ 
ſehr getadelt, und für untreu gehalten worden, bloß, weil ihr ſaͤugendes Kind unpaß war ). ceremonien 

Wenn jemand ſtirbt: fo machen die Negern durch ein lautes Geſchrey und Wehklagen Ser Jegern 
den Todesfall ihren Nachbarn bekannt, worauf fogleich eine große Menge in die Huͤtte des Begraͤbniß⸗ 
Verſtorbenen hinzugelaufen koͤmmt, und mitſchreyen hilft. Ihre Begraͤbnißceremonien ceremonien. 
find an verſchiedenen Orten verſchieden ). 5 ö 

Die Leichenbegaͤngniſſe der Schwarzen geſchehen mit großem Gepraͤnge und Ceremo— 
nien. Ein Marbut waͤſcht den Leichnam des Verſtorbenen, und wickelt ihn in die beſte 
$einewand, die er in feinem Leben gehabt hat. Alle Anverwandten und Nachbarn kommen, 
um ihr Klaggeſchrey zu machen, und thun laͤcherliche Fragen an den Leichnam. Einer fraget, 
ob es ihm bey ihnen nicht gefallen hätte? Was ihm jemals zu Leide geſchehen fey? Ob 
er nicht fo reich geweſen, als er noͤthig gehabt? Ob er eine ſchoͤne Frau gehabt, und andere 
ſolche Thorheiten. Wenn er ſieht, daß er keine Antwort erhalt: fo geht er fort, und macht 
einem andern Platz, der eben desgleichen ſaget. Indeſſen unterlaſſen die Guirioten nicht, 
ein Klagelied auf ihn zu ſingen. 

Sie haben die Gewohnheit, für alle, die zum Begraͤbniſſe kommen, ein Folgar anzu- Bey dem ger 
richten ). Zu dieſem Ende ſchlachten fie einige Ochſen, und verkaufen Sklaven, damit meinen Vol⸗ 
fie Brandtewein zu ihrer Staͤrkung kaufen konnen. Wenn ſie wohl geſpeiſet haben: fo wird ke. 
der Todte unter eben der Kammer, wo er geſtorben iſt, verſcharrt, indem ſie das Dach der⸗ 
ſelben abdecken. 

Doch zuvor ſtimmen die Leidtragenden nochmals ihr Klaggeſchrey an, und vier Perſo⸗ 
nen, die ein viereckicht Tuch an jedem Zipfel halten, bedecken den Verſtorbenen. Darauf 
koͤmmt der Marbut, der dem Todten etwas ins Ohr wiſpert, und ihn hierauf zudecket. Als⸗ 
denn wird das Dach wieder aufgedeckt, und ein Tuch von der Farbe, die ſie am meiſten lieben, 
darauf gelegt. Nach dieſem richten ſie einen Pfahl auf, an welchem ſie den Bogen, Koͤcher, 
und Aſſagaye des Verſtorbenen anhaͤngen. Darneben ſetzen ſie einen Topf mit Kuſch⸗ 
kuſch, und einen Topf Waſſer, die auf zwoͤlf Monate zureichen ſollen: denn ihrer Einbil⸗ 
dung nach kann man eſſen, wenn man gleich todt iſt. f 

An einigen Orten führen fie einen Zaun von Dornen, oder einen großen Graben um 
die Kammer herum, damit der Leichnam vor den Raubthieren ſicher ſey, welche ihn dem 
W manchmal wegſchleppen. Die Leidtragenden ſetzen ihre Ceremonien acht Tage 
ang fort. 

Wenn ein Mann ſtirbt: ſo wird das Todtenlied von den Weibern und Maͤgdchen ab⸗ 
geſungen, und die Männer führen bloße Degen in der Hand, womit fie gegen einander an⸗ 
ſtoßen. Ueberhaupt unternehmen fie bey dergleichen Gelegenheiten hundert thoͤrichte 

Spielwerke 1). 
g Wenn jemand ſtirbt: ſo kommen alle ſeine Freunde und Bekannte zuſammen, und 
ſchreyen ein oder zweene Tage lang über den Verſtorbenen, wie die Irlaͤnder in Gewohnheit 
haben. Sie begraben fie in den Kammern, wo fie geſtorben ſind, oder doch ſehr nahe da⸗ 
bey, 
7) Siehe eine Stelle im II Bande a. d. 307 S. 1) Labat, im III Bande, a. d. 73 S. 


g) Moore, a. d. 133 S. Imgleichen Barbot, ) Das heißt ein Ball oder Gaſtmahl. 
a. d. 36 und 117 S. 5) le Maire, a. d. 97 S. 


200 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Begraͤbniß bey. Die Verwandten, die auf hundert Meilen von dem Verſtorbenen entfernet find, 
ceremonien ſchreyen und heulen eben fo ſehr, als diejenigen, die ſich an dem Orte befinden. 


der Tegern. ae 
2 Wenn ein König oder vornehmer Herr ſtirbt: fo wird eine Zeit zum Klagegeſchreye 
—— ch angeſetzt, welches manchmal vierzehn Tage oder einen Monat nach ſeinem Abſterben iſt. 
Herren. Um dieſe Zeit verſammelt ſich eine große Menge Volks in dem Hauſe des Verſtorbenen, 
und die Nachbarn ſchicken Rinder, Voͤgel, Reiß, oder was fie fonft von Speiſen haben, da— 
hin, welche allen Leuten, die hinkommen, ausgetheilt werden. Die ganze Zeit hindurch fin⸗ 
det alſo ein jeder freye Bekoͤſtigung, welche manchmal drey oder vier Tage lang waͤhret. 
Sie fangen mit einem Klaggeſchreye an, und in der Nacht wird geſungen und getanzet, und 
dieſes waͤhret, bis ſie auseinander gehen. 


Herr Moore war zum Begraͤbniſſe eines vornehmen Herrn aus dem Lande eingeladen, 
welches folgendermaßen eingerichtet war. Es wurde eine Gruft ſechs bis ſieben Fuß lang, 
drey Fuß tief, und zweene breit gegraben, worein der Leichnam in einem weißen baumwolle⸗ 
nen Tuche mit vieler Anſtaͤndigkeit gelegt ward, wobey alle Anweſende ihre Muͤtzen abzo⸗ 
gen. Darauf legten ſie duͤnne Staͤbe uͤber das Grab hin, und Stroh oben druͤber, damit 
die Erde nicht in das Grab hinein fiel; denn auf das Stroh wird die ausgegrabene Erde 
geworfen, und mit den Fuͤßen feſte eingeſtampft 1). 


Verſchiedene An manchen Orten machen fie einen Graben um die Grabſtaͤtte, den fie mit Dornhe⸗ 
Arten zu be- cken umzaͤunen, um die wilden Thiere abzuhalten. Wenn man dieſes verabſaͤumt: fo wird 
graben. der Koͤrper oͤfters noch in der Begraͤbnißnacht aufgefreſſen. An andern Orten dauern dieſe 
Begraͤbnißceremonien ſieben oder acht Tage; und wenn der Verſtorbene maͤnnliches Ge⸗ 
ſchlechts iſt, fo laufen ſeine Cameraden mit bloßen Degen in der Stadt herum, als ob fie 
ihn ſuchten x). | N 
An andern Orten wird der Leichnam, in Begleitung der Anverwandten und aller Ein« 
wohner des Orts, beyderley Geſchlechts, zu Grabe getragen. Wenn ſie zum Grabe hinkom⸗ 
men: ſo beerdigen ſie ihn ganz nackend, und fuͤllen das Grab mit Erde zu, und richten bey 
demſelben etliche runde Hütten auf, wie die Eishuͤtten in Italien. 
Bey dem Todesfalle eines Mannes nehmen ſeine Bruͤder, Schweſtern oder Anver⸗ 
wandten feine Guͤter in Beſitz, und laſſen den Kindern wenig übrig, wenn fie noch unmün« 
dig find ). | 


Der 


a) Moores Reiſen, auf der 129 Seite. d. d. 70 S., und Barbots Beſchreibung von Gui⸗ 
nea, a. d. 52 S. 
x) Labats abendlaͤndiſches Africa, im zten Ban⸗ 5) Kabat, ebendaſ. 
de, a. d. 75 S., imgleichen Jobfons Goldhandel, 4) Vom Bonbalon, einer Art von Meertrompete, 
die 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 20ı 


Der Ill Abſchnitt. Cale; 
Von der Muſik, dem Tanzen, Fiſchen und Jagen der Schwarzen. r gi 


Muſik der Schwarzen. Trompetenhorn. Jalof- Sie werden für unehrlich gehalten, und des Be: 
trummeln. Mandingotrummeln. Lauten. Floͤ⸗ graͤbniſſes beraubt. Die Negern, beſonders 
ten. Das Balafo. Sein Klang kommt der ihre Weiber, ſind auf das Tanzen erpicht. Ih⸗ 
Orgel nahe. Einrichtung deſſelben. Ihre Mu⸗ re Folgars oder Baͤlle. Ihre Art im Ringen. 
ſtkanten oder Poſſenreißer. Sind den irlaͤndi⸗ Fiſcher unter ihnen. Ihr Netzwerk. Wie ſie 
ſchen Harfenſchlaͤgern gleich. Werden von den die Fiſche trocknen. A. be Art zu 
Königen und vornehmen Herren beſoldet. Sind fiſchen. Andere Art. Fiſcherey auf der 

große Schmeichler, und werden deswegen gut Gambra. Die Schwarzen ſind gute Jaͤger. 
belohnt. Ihre abgeſchmackten Lobeserhebungen. Wie ſie die Elephanten toͤdten. 


Ale Einwohner dieſer Gegenden ſind ungemeine Lebhaber der Muſik. Sie haben Inſtru⸗ Negermuſik. 
mente von allerhand Arten, die mit den europaͤiſchen uͤbereinkommen, aber zu keiner ſonder⸗ 

lichen Vollkommenheit gebracht ſind; als eine Art von Trompeten, Trummeln, Spinetten, 

Lauten, Flöten und Orgeln. Die Schwarzen von Galam und an der Gambra, und uͤberhaupt Trompeten⸗ 

an allen Orten, wo es viel Elephanten giebt, haben eine Art von Trompeten, aus kleinen Ele horn. 

phantenzaͤhnen a), welche fie aushoͤlen, und in und auswendig ſo lange ſchaben, bis ſie ihre 

gehoͤrige Dicke haben. Sie machen ſie von verſchiedener Groͤße, damit ſie verſchiedene 

Arten von Schalle hervorbringen koͤnnen. Doch machen ſie nichts, als ein verwirrtes Ge⸗ 

raͤuſch, weil fie einen rauhen und ſtumpfen Ton gebe. 

Ihre Trummeln find hohle Baumſtaͤmme, die an dem einen Ende mit ſtraffem Schaf: Jaloftrum⸗ 
oder Ziegenfelle uͤberzogen ſind. Manchmal ruͤhren ſie dieſelben nur mit den Fingern, doch meln. 
noch oͤfterer mit zweenen Klöppeln von verſchiedener Dicke, mit runden Knöpfen. Sie 
ſind von einem feſten ſchweren Holze, als Fichten oder Ebenholze, gemacht. Die Trummeln 
haben um des verſchiedenen Schalls willen unterſchiedene Laͤngen und Durchmeſſer. Ue⸗ 
berhaupt aber machen ſie ein wildes Geſauſe, das einen eher betaͤuben, als ergoͤtzen oder an⸗ 
feuern kann. Nichtsdeſtoweniger iſt es ihr Leibinſtrument, ohne welches keine von ihren 
Gaſtereyen gefeyert wird 1). | ee N | 

Die Mandingotrummeln find nach Moores Beſchreibüng eine Elle lang, und haben Mandingo⸗ 
oben einen Fuß oder zwanzig Zoll im Durchſchnitte, unten aber nicht ſo viel. Sie ruͤhren trummeln. 
ſie nur mit einem Kloͤppel und der linken Hand c). Jobſon ſaget, daß ſie eine kleine 
Trummel unter dem linken Arme zu halten pflegen, die mit den Fingern von dieſer Hand, 
und mit einem krummen Kloͤppel, den ſie mit der rechten Hand regieren, geſchlagen wird. 
Unterdeſſen ſingt oder heulet 4) der Trummelfchläger darzu, und die ganze Figur hat das An⸗ 
ſehen und die Stellung eines Wechſelbalgs e) oder Beſeſſenen. 

Faſt in jeder Stadt haben fie etwas, das einer Trummel ähnlich iſt, mit Namen Ton⸗ 
tong, welche nur bey der Ankunft eines Feindes, oder bey andern außerordentlichen Gele: 
genheiten geſchlagen wird, um die benachbarten Dorſſchaften zu Huͤlfe zu rufen. Ein fol- 
cher Tontong kann bey Nacht ſechs bis ſieben Meilen weit gehoͤret werden f). 


Das 
die zu Biſſos gebräuchlich iſt. S. II Band a. d. 419 S. ) Daher ruͤhret der Verdacht ihrer Gemeinſchaft 
b) Kabat, im II Bande, a. d. 229 u. f. S. mit dem Yo: re. N 
c) Moores Reiſen in die inländifchen Theile von e) Jobſons Goldhandel, a. d. 106 S. 
Africa, a. d. 64 S. J) Moores Reiſen, a. d. 109 S. 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Ce 


— 


202 Reiſen laͤngſt der weltlichen Kuͤſte von Africa, 
Muſik der Das gebraͤuchlichſte unter den dreyen Inſtrumenten, welche Jobſon bey den Schwarzen 
Schwar⸗ an der Gambra geſehen, beſtund aus einem Bauche, der aus einem großen Kuͤrbſe gemacht 
zen. war, und oben aus einem langen Halſe ohne Griffe. Es hatte ſechs Saiten, und Wirbel 

Lauten. zum Stimmen. Dieſes war das einzige Inſtrument, das fie mit den Fingern ſpielen. 
Dieſes Inſtrument g) ward oft von dem Schalle der kleinen Trummel, die oben beſchrieben 

worden, begleitet. An der Seekuͤſte iſt ein ander Inſtrument im Gebrauche, welches ſich 
gut in Krankenſtuben ſchicket. Es iſt eine Art von Laute, die aus einem hohlen Stuͤcke 
Holz b), das mit Leder überzogen iſt, beſteht, und zwey oder drey haͤhrene Saiten hat. Sie 
iſt mit Bleche und Ringen von Eiſen geziert, gleichwie eine Biſcajertrummel. 

Flöten. Sie haben Floͤten und Flaſchenets, welche nichts als Rohr ſind. Sie blaſen darauf, 
wie die americaniſchen Wilden, das iſt, ſehr ſchlecht, und immer in einerley Tone. Und 
wenn fie auch europaͤiſche Flöten hätten, fo wuͤrden fie es nicht beſſer machen 1). 

Balaſs Ihr vornehmſtes Inſtrument aber iſt der Ballafo k), oder Ballard, wie es Jobſon 
nennt. Es ſteht einen Fuß hoch uͤber der Erde, iſt unten hohl, und oben hat es ſiebenzehn 
hoͤlzerne Wirbel, die in einer ſolchen Ordnung ſtehen, als wie die Regiſter an einer Orgel. 
An dieſen iſt eine gleiche Anzahl Saiten von Drate befeſtiget, die fo dicke find, als ein Fe— 
derkiel, und einen Fuß in der Länge haben, welches die ganze Breite des Inſtruments iſt. 
An dem andern Ende unter dem Bauche oder der Hoͤhlung haͤngen zweene ausgehoͤhlte Kuͤrbſe, 
welche dienen, den Schall aufzufangen, und zu verdoppeln. 

Derjenige, der es fpielet, ſitzt auf der Erde, mitten an feinem Inſtrumente , und ruͤhret 
die Wirbel mit zweenen Kloͤppeln, deren jeder einen Fuß lang, und oben mit Werk umwun⸗ 
den iſt, weil das bloße Holz außerdem zu ſehr klappern wuͤrde. An den Aermen traͤgt er 
große eiſerne Ringe, aus welchen Haken mit kleinern Ringen und Schellen hervorragen, die 
in waͤhrendem Spielen durch die Bewegung ſeiner Aerme einen muſikaliſchen Klang geben. 
Ein ſolches Inſtrument zu machen, iſt bey ihnen ein Meiſterſtuͤck. Es giebt einen ſehr 
lauten Schall; denn, wie der Verfaſſer ſaget, ſo konnte er es eine gute engliſche Meile 
weit hören 2). * 

klingt wie Dieſes Inſtrument muß mit demjenigen einerley ſeyn, von dem le Maire ſaget, daß 
eine Orgel. es aus einer Reihe Saiten von unterſchiedener Groͤße beſtuͤnde, welche wie die Saiten auf 
dem Spinnette geſpannt waͤren, und daß es an ſich ſelbſt harmoniſch genug waͤre, wenn ſie nur 
darauf zu ſpielen wuͤßten n). Es iſt vielleicht in verſchiedenen Gegenden einigen Veraͤn⸗ 
derungen unterworfen. Zu Nakkaway an der Gambra ward Herr Moore mit einer 
ſolchen Muſik bewillkommt, und in der Entfernung von einigen hundert Ellen gab dieſes 
Inſtrument einen Klang, faſt wie eine Orgel. Es beſteht aus zwanzig wohlgeſchliffnen 
Pfeifen, von ſehr hartem Holze, die ſtufenweiſe, ſowohl der Länge, als der Dicke nach, abneh⸗ 
men, und mit Riemen von feinem Leder zuſammengefuͤgt ſind. Dieſe Riemen ſind an klei⸗ 
nen runden Stiftern zuſammengebunden, die zwiſchen jeder Pfeife ſtehen, um einen kleinen 
Zwiſchenraum zu machen. Unter den Pfeifen find zwoͤlf bis vierzehn Calabaſchen von ver: 
ſchiedener Größe angemacht, welche gleichen Nutzen mit den Orgelpfeifen haben 1). Sie 


1 


ſpielen 
) Jobſon, a. d. 105 S. 1) Jobſon, a. d. 106 S. 
) Le Maires Reiſe nach den Canarieninſeln, m) Le Maires Reiſen, a. d. 82 S. 
auf der 83 S. 1) Oder vielmehr wie der Reſonanzboden eines 


7) Labat, im aten Bande, a. d. 333 S. Clavizymbels. Barbot ſaget auch, daß es wie ein 
k) Moore ſchreibt Balafeu. Clavizymbel klingt, a. d. 33 ©. K 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 203 


ſpielen darauf mit zweenen Kloͤppeln, die mit einer dünnen Haut, welche fie von dem Siboa⸗ Muſik der 
baume abſchaͤlen, oder mit Leder uͤberzogen ſind, um den Schall weicher zu machen o). Schwar⸗ 

Labats Beſchreibung von dieſem Inſtrumente giebt uns von der Beſchaffenheit def, zen. 
ſelben mehr Unterricht. Er ſaget, daß der Balafo bey den Fuliern aus ſechzehn Röhren Seine Be- 
von hartem Holze beſtuͤnde, die einen Zoll breit, und vier bis fuͤnf Linien dicke find p). Die ſchaffenheie. 
laͤngſten darunter find achtzehn, und die kuͤrzeſten ſieben oder acht Zoll. Sie ruhen auf 
einem kleinen Geſtelle, das einen Fuß hoch iſt, woran ſie durch Riemen von feinem Leder 
befeſtiget werden, welche ſich zugleich um einige kleine Stifter herumſchlingen, die zwiſchen 
den Pfeifen ſtehen, um ſie in gehoͤriger Weite von einander zu halten. Unter den Pfeifen 
hängen runde Calabaſchen von verſchiedener Größe, naͤmlich die größten unter den größten 
Pfeifen, und ſo weiter nach ihrem Verhaͤltniſſe. Dieſes Inſtrument hat einige Aehnlich⸗ 
keit mit einer Orgel, giebt einen angenehmen Klang, und wird mit zweenen kleinen Kloͤppeln, 
gleichwie die auf dem Hackebrette, geruͤhrt, die, um den Klang annehmlicher zu machen, oben 
mit Leder uͤberzogen ſind J). 2 | | 

Diejenigen, die auf Inſtrumenten fpielen, find Perſonen von einem ſehr ſonderbaren Ihre Mufe 
Charakter, und eben ſowohl die Poeten, als die Muſikanten der Nation, faſt wie die Bar⸗ kanten oder 
den unter den Irrlaͤndern und alten Britten. Alle franzoͤſiſche Seribenten, welche die Lan- Poſſenreiſ⸗ 
der der Jalofer und der Fulier beſchreiben, nennen ſie Guirioten, Jobſon aber giebt ihnen 
den Namen Juddies, welches er durch Fiedler uͤberſetzt. Vielleicht iſt der erſtere Name 
. bey den Jalofern und Fuliern, und der letztere bey den Mandingoern gebraͤuchlich. 

Barbot ſaget, daß Guiriot in der Sprache der Schwarzen um die Sanaga einen 
Poſſenreißer bedeute, und daß ſie eine Art von Schmarotzern waͤren. Die Koͤnige und 
Großen des Reichs halten zweene, drey oder mehr von dieſen Guirioten, zu ihrer und ihrer 
Gaͤſte Beluſtigung r). Jobſon ſaget, daß, fo oft ein König oder vornehmer Herr von 
den Voͤlkern um die Gambra zu den Englaͤndern, die auf dem Fluſſe handeln, gekommen, 
fie allezeit ihre Juddies oder Muſik zum Staate mit ſich gebracht. Dieſe Juddies ha⸗ Wie die ir- 
ben, wie er ſaget, eine vollkommne Gleichheit mit den engliſchen Meifterfängern, oder Har- laͤndiſchen 
fenſchlaͤgern; fie ſitzen auch auf eben dieſe Art etwas von der Geſellſchaft abgeſondert auf . 
der Erde. Sie begleiten dieſe Muſik mit Geſaͤngen, die gemeiniglich von dem alten Ge⸗ chläger. 
ſchlechte ihrer Koͤnige, und den Thaten ihrer Vorfahren handeln, oder ſonſt auf gewiſſe Ge⸗ 
legenheiten verfertiget find. Defters ſungen fie aus dem Stegreife in Gegenwart des Ver: 
faſſers ein Lied zu Ehren der weißen Männer, wogegen fie eine Vergeltung erwarteten s). 

Obgleich die Schwarzen keinen Witz und kein Genie haben: fo hören fie doch gern, Sind große 
wenn man ihnen damit ſchmeichelt. Und dieſen Dienſt verrichten ihnen die Guirioten. Schmeich⸗ 
Sie tragen eine Trummel vier bis fuͤnf Fuß lang, die aus einem hohlen Baumſtamme be⸗ ler. 
ſteht, welche fie entweder mit den Händen oder mit kleinen Schlaͤgeln ruͤhren. Sie haben 
auch Trummeln, welche Koͤrben aͤhnlich ſehen, und uͤber welche kleine Saiten geſpannt ſind, 
die ſie mit der einen Hand greifen, indem ſie mit der andern auf die Trummel ſchla⸗ 


gen t). 
Ce 2 ’ Barbot 


o) Moores Reiſen, a. d. 119 S. Froger be 7) Labat, im aten Bande, a. d. 332 ©. 
ſchreibt es ſehr artig auf eben dieſe Art, in ſeinen Rei⸗ 7) Barbot, a. d. 55 S. 5 
ſen auf dem Suͤdmeere. ) Jobſons Goldhandel, a. d. 105 S. 

7) Eine Linie iſt der zwoͤlfte Theil eines Zolls. ») Le Maire a. d. 82 S. | 


204 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Muſik der Barbot ſaget, daß die Guirioten allein den Vorzug haben, die Olamba oder große 
Schwar⸗ lange koͤnigliche Trummel, die aus feinem Ziegenleder gemacht ift, vor dem Könige, wenn er 
in Krieg geht, berzutragen. Dieſe hängt der Guiriot an feinen Hals, und ſchlaͤgt fie mit 
kleinen Schlaͤgeln oder mit den Haͤnden, und ſchreyt darzu mit einer verzweifelten Stimme, 
und finge Worte ohne Menſchenverſtand in allerhand Tönen ab. Sonſt haben ſie auch, 
wie eben dieſer Schriftſteller erzaͤhlet, zum Vergnuͤgen ihrer Herren Pauken, nach Art der 
Moren, wie flache Ballkoͤrbchen, da queerüber etliche duͤnne Saiten gehen, die fie mit der ei⸗ 
nen Hand greifen, da ſie unterdeſſen mit der andern auf die Trummel ſchlagen 1). 
Und werden Die Schwarzen vergnuͤgen ſich ſehr an dem Lobe der Guirioten, und vergelten es ihnen 
gut dafür reichlich. Der Verfaſſer iſt ein Zeuge, daß fie ihre Kleider abgezogen, um dieſe falſchen 
bezahlt. ekelhaften Schmeichler zu belohnen. Wenn dieſen nichtswuͤrdigen ihr eingebildeter Lohn 
fehl ſchlaͤgt: fo fangen fie an zu ſchmaͤhen, und breiten ſoviel ſchlimmes, als fie nur erſinnen 
koͤnnen, von derſelben Perſon in dem Dorfe aus, und wiederrufen alles gute, was fie von 
ihr geſaget haben, welches fuͤr die groͤßte Beſchimpfung gehalten wird, die man nur er⸗ 
denken kann. | 
Man ſchaͤtzet es für eine ſehr große Ehre, wenn der Guiriot des Königs jemandes Lob bes 
ſingt, und es entgeht ihm niemals eine gute Belohnung, die oͤfters aus etlichen Rindern, 
oder dem beſten Theile ihres Vermoͤgens beſteht. Sie ſungen zwar oͤfters auch die Fran⸗ 
zoſen an; fie konnten aber denſelben niemals ihr Geld ablocken x). 
Ihre ekelhaf Der ordentliche Inhalt von den Geſaͤngen oder Reden dieſer Poſſenreißer iſt unge 
ten Lobeser⸗ fahr dieſer: Er iſt ein großer Mann, oder ein großer Herr. Er iſt reich, er iſt mächtig, 
hebungen. er iſt edel. Er hat Sangara oder Brandtewein weggeſchenkt, und ſolch elendes Zeug 
mehr, welches ſie mit ſo abſcheulichen Stimmen und Gebehrden wiederholen, daß ein jeder 
die Geduld verliert, nur die Schwarzen nicht. Man darf aber nichts an ihren Geſaͤngen 
tadeln, fondern alles loben. Unter andern Ausdrücken, welchen des Ronde Guiriot gegen 
einen franzoͤſiſchen Bedienten gebrauchte, wiederholte er oͤfters dieſen, daß er der vornehmſte 
Sklave des Koͤnigs wäre; indem er dieſes für ein großes Compliment hielt ). 
Die Muſikanten werden fuͤr reich gehalten, und ihre Weiber haben mehr Kryſtall, 
blaue Steine und glaͤſerne Perlen an ſich haͤngen, als die Weiber des Koͤnigs. Es iſt aber 
Werden fuͤr meiſtentheils luͤderliches Geſindel. Es iſt merkwuͤrdig, daß bey aller dieſer Neigung des 
unehrlich ge-Volks zur Muſik, doch ein Muſikante in großer Verachtung ſteht, und daß man ihm ein 
halten. Begraͤbniß mit den ordentlichen Ceremonien verſaget. An Statt deſſen wird ſein Leich⸗ 
nam gerade in einen holen Baum geſetzt, bis er verfault. Die Urſache, die ſie davon an⸗ 
geben, iſt, daß dieſe Sänger einen vertrauten Umgang mit ihrem Teufel Horre 2) haben. 
Labat kommt faſt in allem mit Jobſonen uͤberein. Er ſaget, daß der meiſte Theil der 
Schwarzen, beſonders die geſitteten unter ihnen, die Muſikanten fuͤr unehrlich halten; ob 
ſie gleich dieſes bey ihren Lebzeiten nicht zu erkennen geben, weil ſie ihnen zu ihrem Ver⸗ 
Das Begraͤb⸗gnuͤgen unentbehrlich ſind. So bald ſie aber todt find, fo offenbaret ſich dieſer Abſcheu, in⸗ 
niß wird ih⸗ dem fie ihren Weibern oder Kindern nicht geſtatten, fie unter die Erde zu bringen, auch 
nen verſagt. nicht einmal ſie in die See oder in einen Fluß zu werfen, damit ſie von den Fiſchen verzehrt 
or a Fr | N werden. 
1) Barbot, a. d. 5 und 38 S. Dieſe Trummel ) Barbot wie oben. 
heißt Lomlambe. b 2) Jobſons Goldkuͤſte a. d. 107 u. f. 


S. 
«) Le Maires Reifen a. d. 83 u. f. S. 2) Labat II Band a. d. 330 u. f. S. Imglei⸗ 
chen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 205 

werden. Denn ſie bilden ſich ein, daß die Erde einen weiten Raum um ihr Grab herum Muſik der 
nichts tragen, und daß die Fluͤſſe von ihnen vergiftet werden wuͤrden. Indeſſen koͤnnen Schwar⸗ 
fie keine Urſache von dieſem harten Bezeigen anführen, als die bloße Gewohnheit. Die —— 
Verwandten dieſer Trummelſchlaͤger find alſo genoͤthigt, den Leichnam in einen holen Baum 
zu ſtecken, bis er daſelbſt von den Wölfen oder andern Raubthieren aufgefreſſen wird ). 

Ob alle Nationen in dieſem Theile von Africa, eine gleiche Verachtung gegen die Gui⸗ 
rloten haben, das iſt noch zweifelhaft. Denn es iſt merkwuͤrdig, daß, da die Koͤnige und Prin⸗ 
zen unter den Jalofern es fuͤr eine Unanſtaͤndigkeit halten, ein Inſtrument anzuruͤhren, ſich 
viele Herren von gleichem Range unter den Fuliern eine Ehre daraus machen, etliche In⸗ 
ſtrumente zu verſtehen 4). | r | 

Eben dieſe Voͤlkerſchaften haben nicht weniger Liebe zum Tanzen, als zur Muſik. Wo Die Negern 
nur der Balafo gehört ward; denn Jobſon traf dergleichen Inſtrumente nicht ſehr häufig 0 das 
an, da war allezeit ein großer Zulauf, und das Volk tanzte Tag und Nacht durch, bis der den, 
Spieler muͤde war. 

Die Weiber lieben das Tanzen am meiſten, und tanzen allezeit einzeln. Ihre Schritte beſonders die 
thun fie mit großer Behendigkeit, mit vielen Kniebeugen und ſchiefen Stellungen, da un- Weiber. 
terdeſſen die Herumſtehenden die Annehmlichkeit des Tanzes, durch ihr Haͤndeklatſchen ver⸗ 
mehren, als ob fie. den Takt ſchluͤgen. Die Mannsperfonen tanzen mit bloßen Degen, und 
ſchwenken dieſelben, um den Tanz, nach ihrer Art, luſtig zu machen c). b 

Die muntern und galanten Weiber tanzen gern des Abends, beſonders bey den Abwechſe⸗ 
lungen des Mondes. Sie tanzen in einem Kreiſe, und klatſchen mit den Haͤnden, ohne 
von ihrem Orte wegzukommen, und ſingen, was ihnen nur einfaͤllt. Die mittelſten halten 
unter dem Tanze die eine Hand auf dem Kopfe, und die andere auf dem Ruͤcken, und beu⸗ 
gen ſich vorwaͤrts, und ſtampfen mit den Fuͤßen auf die Erde. Ihre Stellungen ſind ſehr 
geil, beſonders wenn ein Junggeſelle mit ihnen tanzet. Ihre Mufik beſteht aus einem 
Calabaſch oder Keſſel; denn ſie lieben das Geraͤuſch H. 0 Be. 

Moore ſaget, die Weiber ſaͤhen es ſehr gern, wenn ein Weißer mit ihnen tanzet oder 
trinkt. Wenn aber das Getraͤnk einem Europaͤer zugehoͤrt, mit dem ſie nicht wohl be⸗ 
kannt ſind: ſo ſind ſie ſehr behutſam, und laſſen ihn allezeit erſt zuvor trinken, aus Furcht 
vor dem Gifte e). ee a eee 1 

Der Herr Bruͤe, der zu einem Folgar oder Balle in dem Dorfe des Johann Barre, Ihre Fol⸗ 
an dem Ausfluſſe der Sanaga eingeladen wurde, hält ihre Taͤnze für ſehr abmattend, und gars oder 
einige von ihren Gebehrden fuͤr unziemend, die aber vielleicht von den Schwarzen nicht ſo Bälle, 
gemeynt find. Derſelbe Ball dauerte die ganze Nacht hindurch. Bruͤe gieng zu Bette, 
und ward des Morgens durch eine Serenade unter ſeinem Fenſter aufgeweckt. Er gab 
den Muſikanten Brandtewein, um ihrer los zu werden. Dieſe aber nahmen es fuͤr eine 
Belohnung und Aufmunterung an, und machten alſo zehnmal mehr Laͤrmen, als zuvor, und 
trieben es ſo lange, bis Johann Barre und Jamſee mit ihm fortgiengen 7). 

Ein andermal ward, eben dieſem Herrn zu Ehren, ein großer Ball von einem Fuͤrſten 
unter den Fuliern angeſtellt. Dahin kam alles junge Volk aus dem Dorfe, und aus 

r S der 
chen Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 85 S. 4) Le Maires Reiſen a. d. 102 S. 
4) Siehe II Band a. d. 356 S. e) Moores Reiſen a. d. 120 S. 
) Jobſon wie oben. a J) Labat II Band a. d. 277 ©. 


206 RNeeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Sifeberey der ganzen Gegend mit großer Begierde, ihre Luft zum Tanzen, Singen, Lautenſpielen, und 
der Schwae⸗ andern Uebungen vor einem Fremden zu bezeugen, den ihr Prinz mit einer ſolchen Luſtbar⸗ 
b. keit beehrte. Wenn die jungen Leute beyderley Geſchlechts in dieſen Ergötzlichkeiten be⸗ 
griffen find: fo ſitzen unterdeſſen die altern um diejenige Perfon herum, der zu Ehren der 
Folgar angeſtellt ift, und unterreden fi mit ihr. Und dieſes iſt, wie ſchon gemeldet 
worden, eine von den größten Ergöglichfeiten der Fulier g). ; 
Ihre Art u Von dieſen Uebungen iſt auch eine das Ringen. Dabey gehen die Kämpfer mit laͤ⸗ 
ringen. cherlichen Stellungen auf einander los. Ben dergleichen Gelegenheiten iſt allezeit jemand, 
der die Stelle eines Guirioten vertritt, und um ihnen Muth zu machen, auf einen Keſſel 
oder eine Trummel ſchlaͤgt. Da ſie nackend ſind: ſo haben ſie ſehr viel Muͤhe, einander nie⸗ 
der zuwerfen; und wenn es geſchieht, fo fallen fie hart. 
Die Negern Die nutzbaren Leibesübungen der Schwarzen find Fiſchen und Jagen. Le Maire 
verſtehen ſaget, daß die meiſten von denen, die an den Fluͤſſen wohnen, Fiſcher ſind, und ihre Kinder 
das Fiſchen. noch ganz jung zu dieſer Arbeit anhalten. Sie bedienen ſich der Canoen oder kleinen Kaͤh⸗ 
ne von ausgehoͤhlten Baͤumen, wovon die größten zehn bis zwölf Mann faffen, und dreyßig 
Fuß lang, oͤfters aber nicht uͤber drittehalb breit ſind. Sie gehen beydes mit Rudern 
und Segeln, und werden bey einem ſtarken Winde oder ungeſtuͤmem Waſſer öfters umge⸗ 
worfen. Davon aber laſſen ſich die Schwarzen nicht ſehr anfechten, weil ſie vortreffliche 
Schwimmer ſind. Sie kehren den Kahn gleich wieder mit den Achſeln auf die rechte 
Seite, und ſind dabey ſo unbekuͤmmert, als ob nichts geſchehen waͤre; und ſo rudern ſie ge— 
ſchwinde fort, wie ein Pfeil vom Bogen; ſo daß die leichteſte franzoͤſiſche Schaluppe ihnen 
nicht beykoͤmmt. N i 
Ihr Fiſcher⸗ Wenn ſie aufs Fiſchen gehen: ſo ſteigen zweene in einen Kahn, und nehmen ſich einen 
zeug. Bezirk ſechs Seemeilen weit in die See hinein. Ihr Fiſchen geſchieht meiſtentheils mit 
der Angel. Die großen Fiſche aber, die nicht an dem Haken anbeißen, verwunden ſie mit 
Harpunen, welche faſt wie breite Pfeile ſind, die an ſpitzigen Pfaͤhlen angemacht ſind, in 
der Länge einer halben Pike. Sie hängen an einer Leine, womit fie das Eiſen wieder 
zurückziehen 2). Ä | 
Die fie dle Sie trocknen die kleinen Fiſche, und zerſchneiden die großen, als den Gruͤnfiſch. Weil 
Fiche duͤr⸗ fie aber dieſelben nicht einfalzen: fo werden fie meiſtentheils zuvor ſtinkicht, ehe fie aus⸗ 
ren duͤrren. Und ſolche Fiſche halten fie für etwas gutes, und machen ſich gar nichts daraus, 
ſo lange ſie noch friſch ſind. Sie verkaufen ſie innerhalb Landes, und ſie wuͤrden einen an⸗ | 
ſehnlichen Gewinnſt haben, wenn fie fic die Mühe nähmen, fie in die Dörfer zu bringen. 
Weil aber die Einwohner und die Fiſcher gleich faul find: fo werden fie weder abgeholet 
noch verfuͤhret, ſondern man läßt fie verfaulen und verderben 7). N 
Ihre Fiſcher Wie Barbot ſaget, fo find die Fiſcher in großer Anzahl zu Rufiſco oder Rio Freſco, 
tähne. und an andern Orten an der Küfte, und dem Fluſſe Sanaga. Diejenigen, die in der See 
fiſchen, gehen manchmal zu dreyen auf einer Almadia oder einem Kahne mit zweene kleinen 
Maſten, und an jedem mit zweyen kleinen Segeln aus. Manchmal haben fie auch nach Art der 


großen 
g) Labat III Band a. d. 217 S. Siehe ) Le Maire a. d. 10 S. Siehe auch Bar⸗ 


auch II Band a. d. 346 S. bots Beſchreibung von Guinea a. d. 41 S. 
5) Le Waire auf der 103 und folgenden f 
Seite. 


k) Barbot auf der 41 und folgenden Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 207 


großen Schiffe drey Segel, als: das große Segel, das Marsſegel, und Bramſegel. Auf 
dieſen Kaͤhnen wagen ſie ſich drey bis fuͤnf Meilen weit in die See, wo das Wetter nicht 
ſehr ſtuͤrmiſch iſt. 

Gemeiniglich fahren ſie des Morgens mit einem Landwinde aus; und wenn ſie ihre 
Fiſcherey vollendet haben, ſo kommen ſie um Mittag mit dem Seewinde zuruͤck. Oder wenn 
ihnen der Wind mangelt, und es ſehr ſtille Luft iſt: fo rudern fie mit einer Art zugeſpitzten fla⸗ 
chen Schaufeln auf jeder Seite, und dieſes geht ſo geſchwinde, daß die beſte Pinnaſſe, wenn 
ſie noch ſowohl bemannt iſt, Muͤhe haben wird, ſie einzuholen. 

Sie fiſchen mit Netzen von ihrer eigenen Erfindung, die ſowohl, als die Leinen, von ei- 
ner haarichten zu Faden geſponnenen Baumrinde gemacht werden. Manche fiſchen auch in 
der Nacht, und halten in der einen Hand ein langes brennendes Stuͤck Holz von einer Art, 
die ſehr gut Licht giebt, und eine Harpune in der andern, womit ſie nach den Fiſchen wer⸗ 
fen, wenn ſie, ihrer Natur nach, nach dem Lichte geſchwommen kommen. Andere ſchießen 
mit Pfeilen nach den Fiſchen, und fehlen ſehr ſelten. Mit der Harpune ſind ſie ſo geſchickt, 
daß ſie ſelten im Wurfe fehlen, und darauf ziehen ſie den Fiſch, wenn es ein großer iſt, mit 
einer an den Kahn angebundenen Leine an das Ufer . 3 

Jannequin erwaͤhnet von denen Schwarzen, die auf der Sanaga fiſchen, daß deren zu 
dreyßigen von Bieurt herkommen, und ſich von dem Eigenthumsherrn des Fluſſes Er⸗ 
laubniß ausbitten, auf das Fiſchen auszugehen. Wenn ſie ſolche erhalten; fo bleiben fie 
acht Tage nach einander an dem Ufer des Fluſſes. Ihre Art zu fiſchen iſt folgende: Sie 
ſpannen in der Mitte des Fluſſes große Netze aus, indem manche waten, fo tief als fie koͤn⸗ 
nen, und andere ſchwimmen. Alsdann gehen ſie in einem Kreiſe herum, und ziehen die 
Netze zurück an das Ufer. Und weil ſolche ſehr groß, und die Schwarzen in der Fifcherey 
ſehr geſchickt ſind: ſo geht es ihnen allezeit gut von ſtatten. Andere duͤrren unterdeſſen die 
Fiſche an der Sonne auf dem Sande, und kehren ſie oft um, damit ſie feſt werden. An⸗ 
dere haben mit den Netzen zu thun, und die uͤbrigen theilen die Ausbeute. Den zwan⸗ 

zigſten Theil laſſen fie dem Eigenthumsherrn der Ficherey, ert ie 

Bey den Seepferden aber brauchen ſie eine andere Art. Weil dieſes Thier, das in 
beyden Elementen lebet, ſehr auf das Feuer erpicht iſt: fo machen fie einen Steinwurf weit 
von dem Fluſſe ein Feuer, um es dahin zu locken 1), da fie unterdeſſen lauern. Und wenn 
es ihnen nahe genug koͤmmt: ſo toͤdten ſie es mit ihren Pfeilen und Aſſagayen. Wenn es 
bald ſterben will: ſo macht es ein fuͤrchterliches Geſchrey, das wohl dem muthigſten unter 
ihnen Angſt machen koͤnnte. Der Fiſch giebt ein ſehr gutes Fleiſch, und ſeine Zaͤhne ha⸗ 
ben eine beſondere Kraft m). | a | 

Die Art auf der Gambra zu fiſchen iſt dieſe: Wenn das Waſſer niedrig ift, fo fom- 
men die Weiber haufenweiſe herbey gelaufen, und fangen einen kleinen Fiſch, wie Sar⸗ 
dellen. Darzu bedienen ſie ſich eines Korbs, da unten, ſtatt der Lockſpeiſe, wenig Teig in 
Kugelforme angemacht iſt, den ſie eine Weile unter das Waſſer halten, und alsdenn ſachte 
empor heben. Wenn ſie dieſe Fiſche gefangen haben: ſo legen ſie ſolche in einen ir 

rt 
J) Dieſes muß nothwendig ein Irrthum ſeyn, Reißfeldern großen Schaden thun, oder aus irgend 
weil dieſe Thiere ſich vor dem Feuer fuͤrchten. Es einer andern Urſache. 
ift daher wahrſcheinlicher, daß die Feuer gemacht m) Jannequins Reiſe nach Lybien auf der 
worden, um ſie vom Lande abzuhalten, wo fie den 123 Seite, 


Fiſcherey 
deꝛ Schwaꝛ⸗ 
zen. 


Art zu ſi⸗ 
fen. 


Eine andere 
ethode. 


Das Fiſchen 
in der Gam⸗ 
da. 


Da 


. u: a € 8 
208 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Jäàgerey Ort zum Trocknen. Darauf ſtoßen fie dieſelben in einem hoͤlzernen Moͤrſel zu einem Teige, 
der woraus ſie dreypfuͤndige Kugeln machen, und ſelbige das ganze Jahr hindurch auf behalten. 
Schwar⸗ Sie nennen es ſtinkenden Fiſch, und es ift bey ihnen ein Leckerbiſſen, doch ein klein wenig 
—.— davon reicht ſehr weit. Sie kochen ihn nicht allein 1), ſondern mit Reiße und Korne ver 
miſcht. Der Verfaſſer hat verſchiedenemale mit gutem Appetite davon gegeſſen 0). 


Die Schwar⸗ Barbot ſaget, die Schwarzen an der Gambra, Sanaga und dem grünen Vorgebirge 
zen ſind gute waͤren geuͤbte Schuͤtzen und Jaͤger, ob ſie gleich nur meiſtentheils Bogen und Pfeile brauch⸗ 
Jager. ten, womit fie ſehr geſchickt Hirſche, Hafen, Pintadohuͤhner, Rebhuͤhner 7) und ander 
| Wildpraͤt ſchoͤſſen. Diejenigen, die tiefer im Lande wohnen, find in dieſer Uebung nicht fo 
erfahren, und finden auch nicht ſo viel Vergnuͤgen darinnen. Einer aus der Factorey auf 
Elephanten, der Inſel St. Ludwig erzaͤhlte dem Verfaſſer, er waͤre einmal mit einer Geſellſchaft auf der 
wie ſolche er⸗Elephantenjagd geweſen, und ob fie gleich zweyhundert Kugeln auf den Elephanten losge⸗ 
legt werden. ſchoſſen: fo wäre derſelbe doch davon gekommen. Den andern Tag aber haͤtten fie ihn ei⸗ 
nige hundert Schritte von demſelben Orte todt gefunden. e 


Die Schwarzen an der Sanaga gehen zu Sechzigen auf die Jagd aus; ein jeder iſt 
mit ſechs kleinen und einem großen Pfeile bewaffnet. Wenn ſie das Lager des Elephanten 
ausgefunden haben: ſo warten ſie, bis er hinkoͤmmt, welches ſie an dem Geraͤuſche hoͤren, 
das er unterwegens in dem Gebuͤſche machet. Darauf gehen ſie ihm nach, und ſchießen ihm 
ſo viele Pfeile in den Leib, daß er davon ſterben muß, welches ſich an dem Verluſte des 
Blutes, und an ſeiner Schwaͤche im Fortgehen, merken laßt. oh 

Die Zähne, welche in den Wäldern und Wuͤſteneyen aufgeleſen werden, find meiſten⸗ 
theils angefreffen und hohl, weil fie viele Jahre im Regen und Winde liegen, und werden 
daher wenig geachtet 7). 21 | 


Der IV Abſchnitt. 
Von der Handthierung, den Manufacturen und Gebaͤuden der Schwarzen. 


Der Schmidt. Seine Hauptverrichtung. Andere Ar⸗ Maͤrkte der Schwarzen. Ihre Städte. Haͤu⸗ 
ten von Arbeit. Die Handwerker, die unter dieſem ſer. Geſtalt derſelben. Baumaterialien. Die 
Namen begriffen ſind. Werkzeuge des Schmidts. Zimmer. Tapaden oder Ringmauern. Palaſt | 
Der Töpfer. Der Sepatero oder Sattler. Der des Damels. Des Königs von Kaſſan feiner. , 
Weber. Manufacturen der Jalofer. Mate Viereckigte Gebäude. Des Johann Barre Haus. 
ten ſind ſtatt der Muͤnze in der Handlung. Hausgeraͤthſchaft. 


Handthie⸗ ie Schwarzen, die von Natur Muͤßiggaͤnger ſind, haben ſehr wenige Handwerke unter 
rungen der = ſich, und das find nur unumgaͤnglich nothwendige, als Schmidte, Sattler oder Gre⸗ 
Schwarzen. gory⸗macher, Toͤpfer und Weber. . 
Der Nach Jobſons Berichte ift das Ferraro⸗ oder Schmiedehandwerk das vornehmſte 
Schmidt. bey den Schwarzen, weil es unter allen, die fie haben, das nuͤtzlichſte iſt. Denn ohne daf- 
ſelbe konnen fie nicht leben, ob fie gleich kein ander Eiſen haben, als was ihnen zugefuͤhret 
wird. 

n) In ſolcher Zurichtung iſt es dem Dabbadab o) Moores Reifen a. d. 159 S. ö 

ſehr aͤhnlich, das ift, dem gekochten Kornmehle mit p) Labat ſaget, daß die Voͤgel der Waͤlder 
einem kleinen rothen Haͤringe vermengt, welches Friede genießen, weil die Negern keine Jäger find. 

eine gewöhnliche Speiſe auf den Schiffahrten nach Im zweyten Bande a. d. 24 .. 

Guinea iſt. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 209 


wird. Daraus machen ſie ihre kurzen Schwerdter, und die Spitzen zu ihren Aſſagayen 
oder Pfeilen und Wurfſpießen, wie auch die zackichten Spitzen ihrer vergifteten Bogen⸗ 
pfeile. Die Schmiedearbeit iſt bey vielen von dieſen Dingen ziemlich ſauber. Die aller⸗ 
noͤthigſte Arbeit aber iſt das Werkzeug, womit ſie die Erde pfluͤgen, und welches faſt wie ein 


Zandwer⸗ 
ker der 
Schwar⸗ 


zen. 
— — 


Ruder ausſieht. Einer von dieſen Schmieden ſchmiedete Jobſons Stangeneiſen in die Seine 


gehoͤrige Handelslaͤnge. Zu dieſem Ende brachte er ſein Werkzeug mit ſich an das Ufer, 
welches in einem Paar Blaſebaͤlge und einem kleinen Amboße beſtund, den er unter einem 
ſchattichten Baume in die Erde hineinſtieß. Darauf machte er Feuer mit Holzkohlen, und 
ſein Junge zog die Blaſebaͤlge, die mit ihrer Roͤhre in einer Hoͤlung von harter Erde auf 
dem Boden lagen, da unterdeſſen der Meiſter das Eiſen, wie es ihm vorgeſchrieben war, 
theilte. Man muß aber Achtung geben, daß man nicht betrogen wird. 

Da die Barren oder Eiſenſtangen die vornehmſte europaͤiſche Waare ſind: ſo iſt es 
am beſten, daß ſie eine gewiſſe Laͤnge haben. So lange man bey Barrakonda nicht 
vorbey iſt, wird die Stange nicht anders angenommen, als zu zwoͤlf Zollen. Weiter hin⸗ 
auf aber gelten acht Zoll eben ſo viel. Bey der erſten Laͤnge gewinnen ſie wenigſtens tau⸗ 
ſend vom Hunderte “). 


Hauptver⸗ 
richtung. 


Nach Le Mairen machen die Schmiede Meſſer, Ketten fuͤr die Sklaven, und Ringe Andere Ar⸗ 
von Golde, Silber, Kupfer, oder Eifen, Zierrathen zu den Meſſern und Saͤbeln, und De; ten von Ar⸗ 


cken zu ihren Gregorys oder Grisgris. Die Ortbaͤnder zu den Scheiden und die De⸗ 
genhefte machen ſie, aus welchem alle ſie wollen. Sie haben keine Hufeiſen, weil 
ſie ihre Pferde nicht beſchlagen. Wenn ſie in der Schmiede arbeiten: ſo ſetzen ſich zweene 
bis dreye von ihnen in den Schatten eines Baumes. Sie machen ein ſo kleines Feuer, 
daß man kaum ein Ey dabey ſieden kann, welches fie mit Blaſebaͤlgen, die aus zwoen Haͤu⸗ 
ten beſtehen, anfachen; indem ſie faſt eben ſo den Wind herauspreſſen, als wenn man eine 
Blaſe druͤcket. Der Amboß iſt einigermaßen dem She ähnlich, womit die Schnitter die 
Senſen ſchaͤrfen; er laͤßt ſich durch das Haͤmmern in die Erde treiben, ſo daß ſie ihn nach 
zweenen oder dreyen Schlaͤgen wieder herausziehen muͤſſen, und dieſes nimmt ihnen die 
befte Zeit weg 5). N 
Labat ſaget, daß unter dem Namen eines Ferraro oder Schmiedes die Schwarzen 
ihre Gold - Huf Meffer : und Kupferſchmiede begreifen; kurz, alle Handarbeiter, welche 
Amboß und Hammer brauchen. Dieſe Negerſchmiede haben weder Werkſtatt noch 
Schmiede. Sie fuͤhren ihre Werkzeuge mit ſich, und zu Hauſe arbeiten ſie unter einem 
Baume bey ihrer Wohnung. Ihre Werkzeuge ſind: ein kleiner Amboß, eine Ziegenhaut, 
dis ihnen zum Blaſebalge dienet, eine Zange, und etliche Haͤmmer und Feilen. Ihre Faul⸗ 
heit zeiget ſich ſelbſt in ihrer Arbeit: denn dieſe verrichten ſie ſitzend, und abſatzweiſe plaudern 
ſie, und ſchmauchen Toback. Weil ihr Amboß auf der Erde oder in dem Sande liegt, ohne 
feſtgemacht zu ſeyn, fo fällt er auf etliche Schläge um, und fie verderben viele Zeit damit, 
daß ſie ihn geradeſetzen. Gemeiniglich arbeiten ihrer dreye zugleich, einer bey den Blaſe⸗ 
baͤlgen, die aus einer entzwey geſchnittenen Ziegenhaut, oder aus zweyen zuſammengehefte⸗ 
ten 
4) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der s) le Maires Reiſe nach den Canarieninſeln, 
40 und 48 S. J d. d. 99 u. f. O. N 5 
7) Jobſon a. d. 119 u. f. S. a 


Allgem. Keiſebeſchr. II Band. Dd 


beit. 


Handwerke, 
die unter die⸗ 
ſem Namen 
begriffen. 


Werkzeuge. 


Handtbie: 

rung der 

Schwar⸗ 
zen. 


Der Sepa⸗ 
tero oder 
Sattler. 


Der Töpfer. 


210 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von ; Africa, 

ten beſteht, da nur ein kleines Loch am Ende fuͤr die Roͤhre uͤbrig bleibt. Sie brauchen 
Holz zum Schmiedeofen, weil fie keine Kohlen haben r). Der Neger, der das Feuer an⸗ 
facht, ſitzt hinter den Blaſebaͤlgen, und preſſet ſie wechſelsweiſe mit den Ellbogen und Knien. 
Die andern beyden ſitzen gegen uͤber, und haben den Amboß in der Mitten, worauf ſie das 
Metall fo nachlaͤßig ſchlagen, als ob fie ſich fuͤrchteten, ihm Schaden zu thun, dem unerach— 
tet machen ſie auf dieſe Art allerhand kuͤnſtliche Sachen in Gold und Silber, beſonders in 
allerhand Figuren, Haarſchmuck, Hals- und Armbänder für die Weiber. Sie machen auch 
Meſſer, Beile, eiſerne Staͤbe, Senſen, Scheren, Degenhefte, und Blech zur Zierrath der 
Scheiden, und andere Dinge, wozu fie eben fo viele Geſchicklichkeit haben, als die Euros 
paͤer. Dieſes beweiſt genugſam, daß fie gute Handwerksleute ſeyn würden, wenn es ihnen 
nicht am Unterrichte und am Fleiße fehlte. Sie verfertigen auch die Spaden, womit die 
Schwarzen ihre Pflanzgaͤrten umgraben. Dieſe haben die Figur eines halben Mondes. 
Die Roͤhre, die an der hohlen Seite dieſes halben Mondes befindlich iſt, iſt dazu gemacht, 
daß man einen langen Stiel hineinſtecken kann 1). 5 i 


Der Naͤchſte nach den Schmieden iſt in der Ordnung der Sepatero, der die Grego⸗ 
ries machet, welches kleine enge Saͤckchen oder Futterale ſind, wo gewiſſe auf Papier von 
einem Marbuten geſchriebene Zauberworte hineingenaͤht ſind. Sie ſind aus Leder von 
allerhand Figuren gemacht, und werden uͤberall fuͤr eine ganz artige Arbeit angeſehen. Dieſe 
Handwerksleute verfertigen zugleich ihre Saͤttel und Zaͤume, welche letztern ſie faſt ſo gut, 
als nur in England geſchieht, ausſchneiden. Der Verfaſſer ſchließt daher, daß fie die Kunſt, 
das Leder zu gerben, beſitzen, aber nur bloß bey Ziegen- und Rehfellen, welchen ſie auch eine 
Farbe zu geben wiſſen. Mit groͤßern Haͤuten aber wiſſen ſie nicht umzugehen. Die ge⸗ 
ſchickteſten und ſinnreichſten unter ihnen, wenn fie die wollenen Zeuge oder Tücher der Eng⸗ 
länder in den Händen haben, wollten lieber behaupten, daß ſolche aus den Haͤuten ihres 
Landes, aber nur nicht vor ihren Augen, gemacht wuͤrden, damit ſie den Englaͤndern die 
Kuͤnſte nicht abſehen moͤchten. Ein gleiches ſagen ſie vom Papiere; und ſie ſtehen in der 
Meynung, daß viele andere Dinge, welche fie die Englaͤnder gebrauchen ſehen, von Elfen⸗ 
beine gemacht wären x) ; 

Moore faget, daß außer den Satteln, Zaͤumen, und Grisgris⸗Saͤckchen, fie auch Des 
genſcheiden, Pantoffeln, Schilde und Koͤcher, ganz ſauber verfertigen. Ihre Saͤttel ſind mit 
marokkiſchem Leder uͤberzogen, und ſauber mit Silber beſchlagen, aber mit kurzen Steig⸗ 
buͤgeln und ohne Schwanzriemen ). | 


Die dritte Claſſe von Kuͤnſtlern find nach Jobſons Berichte diejenigen, welche mit 
Erde zu thun haben, und die Waͤnde zu ihren Haͤuſern, und den Hausrath zum Kochen 
und andern ſolchem Gebrauche, verfertigen. Bey allen andern Gelegenheiten aber bedie⸗ 
nen fie ſich der Kuͤrbſe. Alle ihre Gefäße find ſehr reinlich, ein einziges ausgenommen, wel⸗ 
ches ihr vornehmſter Hausrath iſt, naͤmlich die Tobackspfeifen, ohne welche man ſowohl 
Weiber als Männer nicht leicht geben ſieht. Der Kopf, der aus Erde beſteht, iſt groß ge⸗ 
nug, ein Loth Toback zu faſſen. Die Roͤhre, welche von gleicher Materie iſt, iſt zweene 

Zoll 


7) Dieſes iſt dem, was Jobſon oben geſagt, entgegen. x) Jobſon 15 d. 1422 S. ö 


1) Labats abendlaͤndiſches Africa im zten Bande y) Siehe Moores Reiſen a. d. 214 S. und 


a. d. 304 ©, Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 42 ©. 


von Capo Bunneeo bis Sierra Leona. VI Büch XIII Cap. au 


Zoll lang, und beyde haben eine ganz ſaubere Forme und Glaͤttung. Dieſe Pfeife wird in 
ein Rohr, das eine Elle lang iſt, geſteckt, durch welches fie den Rauch an ſich ziehen 2). 
Le Maire ſaget, daß die Töpfer nur eine Art von Topfen machten, die zu Kochkeſſeln dienen, 
und daß die Rohre zu ihren Tobakspfeifen ein hohler Stab iſt, den fie in den Kopf hineinſtecken 2), 
Labat macht die Toͤpfer zum andern Handwerke in der Ordnung. Obgleich alle 
Schwarzen auf eine ungeſchickte Art Toͤpfe machten: ſo waͤren doch wenige, die ein Gewerbe 
davon machten, und dergleichen zum Verkaufe verfertigten. Alle ihre Toͤpfe und Gefaͤße 
ſind rund, und haben einen engen Hals. Sie koͤnnen nicht von ſich ſelber ſtehen, und zer⸗ 
brechen ſehr leicht, weil ſie keine Brennoͤfen haben. Ihr groͤßtes Kunſtſtuͤck ſind die To⸗ 
bakspfeifenkoͤpfe 2). 5 
Jobſon ſaget, es gäbe außer den drey beſchriebenen keine Handwerke weiter unter den 
Schwarzen. Labat fuͤget die Weber hinzu, und macht ſie zu den Vornehmſten. Die 
Innung beſteht, wie er ſaget, aus den Weibern und Maͤgdchen, die ihre baumwollene Zeuge 
vollkommen gut ſpinnen und weben, und ſie blau oder ſchwarz faͤrben, oder weiß laſſen; 
denn dieſes ſind alle Farben, die ſie zu machen wiſſen. Ihre Weberſtuͤhle ſind klein und 
einfach; fo, daß fie keine Tücher über fünf bis ſechs Zoll breit, und zwo bis vier Ellen lang 
machen koͤnnen. Wenn fie eine größere Laͤnge oder Breite haben wollen: fo nähen fie ſol⸗ 
che nach Befinden zuſammen c). Selten zerſchneiden fie dieſe Tücher. Eine Weibsper⸗ 
ſon wickelt ein ſolches Tuch um die Lenden, und ſie weis es ſo zu falten, daß ein Zippel uͤber 
die Fuͤße herunter reicht, und ihr zugleich zum Unterrocke und zun Struͤmpfen dienet. Ein 
ander Tuch wickelt fie über die denden und Achfeln, und das Ende davon ſchlaͤgt fie über den 
Kopf. Dieſe Kleidung iſt ſehr bequem; denn ſie laͤßt ſich leicht an- und ausziehen 4). 
Des Herrn Moores Beſchreibung iſt in einigen Stuͤcken von Labats ſeiner unter⸗ 
ſchieden. Wie er ſaget, ſo machen die Jolloifer die feinſten baumwollenen Tuͤcher, und in 
großer Menge. Ihre Stuͤcken find gemeiniglich ſieben und zwanzig Ellen lang, und nie— 
mals über neun Zoll breit. Sie zerſchneiden fie, wie fie wollen, und nähen fie fo ſauber zu: 
ſammen, daß ſie hierdurch den Mangel breiterer Tuͤcher erſetzen. Die Wolle ſaͤubern ſie 
mit der Hand, und ſpinnen ſie auch damit, wobey ſie aber Spindel und Rocken gebrauchen. 
Zum Weben haben fie Schifflein und Stuhl von ſehr grober ſchlechter Arbeit. Zur Klei— 
dung ſchneiden ſie ſich ein Paar Tuͤcher zu. Das eine iſt ungefaͤhr drey Ellen lang, und 
anderthalbe breit, zu Bedeckung der Achſeln und des Leibes. Das andere iſt faſt von glei⸗ 
cher Breite, und zwo Ellen lang, womit ſie ſich von den Lenden an bis auf die Fuͤße bede⸗ 
cken. Ein ſolches Paar Tuͤcher iſt die Kleidung der Maͤnner und Weiber. Der einzige 
Unterſchied beſteht in der Art, fie zu tragen. Moore hat ein ſolches Paar Tücher geſehen, 
die fo fein, und fo helle gefärbt waren, daß man fie dreyßig Pfund Sterling werth ſchaͤtzen 
konnte. Ihre Farben ſind entweder blau oder gelb, und manchmal ſehr lebhaft. Jenes 
machen ſie aus Indigo, und dieſes aus Baumrinden. Roth hat er niemals geſehen e). 
Barbot ſaget, die Weber unter den Schwarzen koͤnnten gute Tuͤcher machen, wenn 
ſie nur breite Stuͤhle haͤtten. Weil ſie aber nur ſolche haben, die ſich tragen laſſen, oder 
Handweberſtuͤhle: fo koͤnnen fie keine Tücher über ſechs oder fieben Finger breit machen 7). 
6 D d 2 In 
2) Jobſons Goldhandel, a. d. 122 S. Die Beſchrei⸗ c) Die beſte Art nennen ſie Pagnes Sakez. 
bung der Tobakspfeifen aber ſiehe zuvor a. d. 181 ©. 4) Labat, II Band, a d. 188 S. 
a) Le Maires Reiſen, a. d. 1oo S. e) Moores Reiſen a. d. 72 u. f. S. 
40 Labat, II B. a. d. 333 S. F) Barbots Beſchreibung von Guinea, a. d. 41 S. 


Handthie⸗ 
rung der 
Schwar⸗ 
zen. 
— ä— 


Die Weber. 


Manufactu⸗ 
ren der Ja⸗ 


lofer. 


Manufa⸗ 
cturen der 
war⸗ 
zen. 


Matten ſtatt 
der Muͤnze. 


Maͤrkte der ö 


Negern. 


Ihre Doͤrfer. 


212 Reeiſen laͤugſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


In ſolchen Nothwendigkeiten, die zu dieſen Kuͤnſten nicht gehören, hat Jobſon einen 
jeden für fich felber forgen ſehen. Unter dieſen find die Matten, welche die Weiber verfer- 
tigen, von dem gemeinſten Nutzen. Auf dieſen ſitzen, eſſen und ſchlafen ſie; denn andere 
Betten haben ſie nicht. Sie ſind die gangbarſte Waare im Lande. Dieſes hatte er Gele⸗ 
genheit, auf einem Markte zu Manſegar g) zu bemerken, wo anſtatt der Münze, welche fie 
nicht haben, Matten zum Maaße gebraucht wurden, wornach man alle andere Dinge ſchaͤtzte. 
Wenn man nach dem Preiſe einer Sache fragen wollte, ſo ſagte man: wie viel Matten 
ſoll ich euch geben 4)? 

Le Maire ſaget, ſie hielten beſondere Maͤrkte, die aber ſo wenig zu bedeuten haͤtten, 
daß er ſie ſechs bis ſieben Seemeilen weit, mit einem kleinen Vorrathe von Baumwolle, 
Leinewand, etwas Huͤlſenfruͤchten, als Bohnen und Wicken, und hölzernen Schuͤſſeln hätte 
kommen ſehen. Er ſah einmal einen Mann ſechs Seemeilen weit herkommen, der nichts 
hatte, als eine Stange Eiſen, einen halben Fuß lang. Doch ſaget er, daß manchmal auch 
ſehr koſtbare Waaren hier anzutreffen waͤren, als goldene Ringe, und Kuͤgelchen von eben 
dieſem Metalle zu Halsbaͤndern, aber ſo wenig, daß der ganze Markt manchmal nicht fuͤnf 
Piſtolen werth waͤre. 

Ehemals beſtund ihr Handel bloß im Vertauſchen. Aber ſeitdem die Handlung mit 
den Europaͤern aufgekommen, bedienen ſie ſich der Raſſade oder Perlen, und anderer Klei⸗ 
nigkeiten vom Glaſe, und kleiner eiſerner Staͤbe. Die Maͤrkte werden an dem aͤußerſten 
Ende der Doͤrfer gehalten. Das wichtigſte von denen Dingen, die darauf gebracht werden, 
ſind Elephantenzaͤhne, Ochſenhaͤute und Sklaven. Dieſe brachten ſie nach Goree zum 
Verkaufe, und dagegen gab die Compagnie Eiſen, gebrannte Waſſer, Raſſade, indianiſche 
Leinewand und Korallen, wobey fie unſaͤgkich viel gewinnen 1). | 

Da der Ehrgeiz bey dieſem Volke eine unbekannte Leidenſchaft iſt: fo geben fie fich 
keine Muͤhe, prächtige Städte, Schloͤſſer oder Luſthaͤuſer zu bauen. Sie haben auch weder 
Fleiß noch Materialien dazu. Sie leben in Flecken oder Dorfern. Dieſe ſind, wie Job⸗ 
fon ſaget, meiftentheils zirkelrund; die Haͤuſer find von einem beſonders zugerichteten roͤth⸗ 
lichen Leime gebauet 4), der mit der Zeit fehr hart wird. Das Land hat einen Ueberfluß 
von demſelben, und er wuͤrde die beſten Ziegel von der Welt geben. Manche Haͤuſer ſind 
ganz und gar von geflochtenem Schilfrohre gemacht. Dieſes dienet ihnen auch, wenn es an 
Sparren angemacht wird, zum Hauptdache, das allezeit ſehr niedrig gefuͤhrt wird. Sie 
find alle rund gebauet, damit fie deſtobeſſer gegen das böfe regnichte Wetter aushalten, und 
alle Flecken find mit einer Wand von über einandergelegtem Schilfrohre, von ein oder zwen 
Reihen in der Rundung umgeben, welches ſtatt eines Zauns gegen die wilden Thiere dienet; 
dem unerachtet müffen fie öfters zu andern Mitteln ihre Zuflucht nehmen, z. E. daß fie große 
Feuer anmachen, auf den Trummeln ſchlagen und ſchreyen, damit ſie dieſelben verjagen. 
So ſind die kleinen Staͤdte und Doͤrfer. Ä te 

Aber ihre großen Staͤdte ſind befeſtiget, beſonders, wo der Koͤnig ſich aufhaͤlt. Das 
innere Land foll, wie fie ſagen, voll von großen Städten ſeyn 1). Der Verfaſſer giebt zum 
Muſter hiervon eine Beſchreibung von Kaſſan m). ö 

Die 


Siehe zuvor a. d. 39 S. ) Jobſons Goldhandel, a. d. 42 S. 

bh) Jobſons Goldhandel, a. d. 122 S. m) Siehe oben a. d. 3 S. und Moores Bde: 
1) Le Maire, a d. 105 u. f S. ſchreibung davon, auf der 217 Seite. 5 

4 Barvot ſaget, ein rother leimichter Thon. n) Labat, II Band, a. d. gu ©. 


. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 213 
Die Häuſer der Schwarzen find gemeiniglich wie unſere runden Taubenhaͤuſer oder Gebäude 
Bienenkoͤrbe gebaut, mit einem zugefpigten Dache. Weil fie keine Fenſter haben: fo fällt der Ne⸗ 
ihr Licht ganz allein durch die Thuͤre, welche rund und ſo niedrig iſt, daß man faſt auf den gern. 
Knien hineinkriechen muß. Sie ſind von Staketen von mittler Höhe gebaut, die in die Geſtaltihrer 
Erde geſchlagen, und mit rundem biegſamen Holze durchflochten find. An dieſe machen fie Häufer, 
Stangen an, die anſtatt der Sparren dienen, und in der Mitte in eine Spitze zuſammen⸗ 
ſtoßen. Dieſe uͤberdecken fie fo dicke mit Laube, daß fie dadurch vor Hitze und Regen bes 
ſchuͤtzt ſind. Die Waͤnde beſtehen aus Balken von einer Art Weiden, die in- und auswen⸗ 
dig mit einem fettichten Thone uͤberklebt ſind, welchen die Vornehmen uͤbertuͤnchen. Die 
Hütten würden hierdurch ein ganz gutes Anſehen erhalten, wo fie nicht von ihrem beftändigen 
Feuer ſchwarz würden, und einen unertraͤglichen Geruch nach Rauch und Ruß bekaͤmen 1). 

Sie find, wie le Maire ſaget, gemeiniglich vier Schritte im Durchſchnitte. Die Decke Baumate⸗ 
wird von fünf bis ſechs gabelfoͤrmigen Pfaͤhlen geſtuͤtzt. Der obere Theil davon iſt Stroh, rialien. 
und der untere aus zierlich untereinandergelegten Palmblaͤttern. Die Waͤnde ſind Palm⸗ 
blätter, oder mit untergeflochtenes Stroh. Dieſe Huͤtten haben weder Fenſter noch Thuͤren, 
außer einer Oeffnung, wie ein Ofenloch, wo ſie auf allen vieren durchkriechen. Weil ſie 
beſtaͤndig Feuer halten: fo macht der Rauch dieſelben inwendig unleidlich. Der Fußboden 
iſt Sand, und in demſelben find Graben einen halben Fuß tief gemacht ). 

Nach Moores Berichte haben ihre Hütten gemeiniglich vierzehn bis funfzehn Ellen Die Zimmer. 
im Umkreiſe; ſie ſind aus Erde oder Thone gebaut, und mit großem Graſe und Palmen⸗ 

blättern gedeckt. Ihre Thuͤren find klein, und gehen nicht in Angeln; ſondern es find 

töcher in der Wand gelaſſen. 

Die Mandingoer pflegen ihre Haͤuſer dicht aneinander zu bauen, woher manche Feuers⸗ 
brunſt entſteht. Wenn man ſie fraget, warum ſie nicht weiter von einander bauten, ſo ſa⸗ 
gen ſie, ihre gl hätten es fo gemacht, welchen fie folgten, weil dieſelben weiſer waͤ⸗ 
ren, als le xxx 2 1 5 | | 

Dieſe Hütten heißen Kombets, und jedes Haus beſteht, nach dem Stande oder der 
Geſchicklichkeit des Beſitzers, aus mehrern oder wenigern. Gemeiniglich gehoͤren zu einem 
Hauſe fuͤnf bis ſechs ſolche Kombets, welche als eben ſo viele Kammern oder Zelte ange⸗ 
ſehen werden koͤnnen, die in einem einzigen Bezirke ſtehen. Jedes Kombet bat feinen 
gewiſſen Gebrauch, als zur Vorrathskammer, zur Küche, zum Schlafgemache, zur Speiſe⸗ 
ſtube; und dieſe haͤngen durch beſondere Wege zuſammen 7). Das Haus eines großen 
Herrn beſteht wohl aus dreyßig Zelten oder Kombets, und manchmal gar aus vierzig bis 
funfzigen. Ein Armer hat nur zwey oder dreye, und der Koͤnig hundert: ſie ſind aber eben 
ſo gut, als der andern ihre mit Strohe gedeckt. b | 
Perſonen vom Stande haben ein Pfahlwerk r) um ihre Hütten herum, das aus Strohe Tapaden 
oder Dornen beſteht, und mit Staketen unterſtuͤtzt iſt. Dieſe Kombets haͤngen durch oder Ring: 
Wege aneinander, welche in Geſtalt der Labyrinthe gehen. In dem Bezirke des Hauſes mauer. 
ſtehen ſchoͤne Baͤume, nachdem nun die Sorgfalt des Beſitzers beſchaffen iſt, obgleich in 
einer wilden Ordnung. N 


Dd 3 Der 
0) Ze Maire, a. d. 4 S. 9) Sowohl die Käufer als die Dörfer find manch⸗ 
p) Moores Reiſen, a. d. 76 u. 109 S. mal mit einer Tapade oder Zaun von Rohr umgeben. 


4) Barbots Beſchreibung von Guinea, a. d. S. Labat, im zten Bande, a. d. 251 O. 


* 


214 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Gebzude Der Palaſt des Damels, oder Königs zu Kayor, iſt praͤchtiger als irgend ein anderer. 
der Ye: Ehe man an das Thor der erſten Ringmauer koͤmmt, ſo iſt ein weites freyes Feld, wo ſeine 
‚sem Pferde zugeritten werden, ob er gleich in allem nicht über zehn bis zwoͤlfe bat. Außerhalb 
Palaſt des dieſer Ringmauer ſtehen auch die Kombets der großen Herren. Von dieſem Orte geht 
Damels. man durch einen breiten Weg in den Palaſt, der mit Baͤumen beſetzt iſt, welche die Fran⸗ 
zoſen Calebaßiers nennen, weil ihre Frucht einer Calebaſſe oder Kuͤrbsflaſche ähnlich it. 
Die Bedienten von des Koͤnigs Perſon haben ihre Kammern an den Seiten dieſes 
Weges, und je hoͤher ihr Rang iſt, deſto naͤher wohnen ſie bey der Kombet des Koͤnigs. 
Jede von dieſen Kammern iſt gleichfalls mit Palliſaden umzingelt. Man muß ſich viel 
mals umwenden und drehen, ehe man zu ſeiner Majeſtaͤt gelanget. Wenig Leute erkuͤhnen 
ſich, in ſein Zimmer zu gehen. b 
Alle ſeine Weiber haben ihre abgeſonderten Wohnungen, mit fuͤnf oder ſechs Sklaven 
zur Aufwartung. Ex bedienet ſich derjenigen, die ihm gefällt, ohne deswegen die andern 
eiferſuͤchtig zu machen. Eine darunter iſt allezeit feine Lieblinginn; und wenn er derſelben 
uͤberdruͤßig iſt: fo ſchicket er fie in ein Dorf, und giebt ihr ein Stuͤck Land zum Unterhalte, 
und ihr folget alsdann eine andere in der Gunſt des Koͤnigs. Von dreyßig Weibern, die 
er unterhält, wird die eine Hälfte auf das Land fortgeſchickt s). 
Des Koͤnigs Jobſon ſaget in ſeiner Beſchreibung von dem Hauſe des Koͤnigs zu Kaſſan, es liege 
von Kaſſan nebſt ſeiner Weiber ihren in der Mitte der Stadt. Der Eingang iſt durch eine Hauptwache 
feiner. oder durch ein offenes Gebäude, wo fein Wagen ſteht, und darneben feine Trummeln hängen, 
welches die einzige Feldmuſik ift, die der Verfaſſer unter ihnen wahrgenommen. Dieſe 
werden alle Abende gebraucht; denn nach dem Abendeſſen verſammeln ſie ſich hier alle bey 
einem Feuer, und trummeln, ſchreyen, und fingen bis zu Anbruche des Tages. Dieſe Luft: 
barkeit dienet, theils die Zeit zu vertreiben, welche ihnen ſehr zur Laſt wird, und zu gleicher 
Zeit verjagt fie auch die Löwen und andere Raubthiere 1). | 
Viereckichte Einige von den reichern Negern und den portugieſiſchen Schwarzen bauen auf Art der 
Käufer, letztern Nation, welche weit bequemer iſt. Dieſe Haͤuſer haben zwar nur einen Boden von 
Erde, aber fie erhöhen ihn gemeiniglich zweene bis drey Fuß hoch, zu Verhuͤtung der Feuch— 
tigkeit. Sie bauen fie ziemlich lang, und theilen fie in verſchiedene Kammern ab, mit klei⸗ 
nen Fenſtern, wegen der Hitze der Himmelsgegend. Vor dem Eingange laſſen ſie gemei⸗ 
niglich einen auf allen Seiten offenen Vorhof 1), wo ſie ihre Beſuche annehmen, eſſen und 
ihre Geſchaͤffte verrichten. Die Mauern dieſer Haͤuſer ſind ordentlich ſieben bis acht Fuß 
hoch, und aus Rohre oder Leime aufgefuͤhrt, und in- und auswendig mit fettichtem Erdreiche 
uͤberkleidet, das mit Strohe vermiſcht und geweiſſet iſt. Ihre Koͤnige und vornehme Her⸗ 
ren bauen auf dieſe Art. Ihre Staͤdte und Doͤrfer, beſonders die wichtigern, beſtehen 
bald aus mehr, bald wenigern Kombets, und aus ſolchen Haͤuſern, die unter einander 
gebaut find x). 
Haus des Von der viereckichten Art waren die Haͤuſer des Johann Barre, in ſeinem Dorfe 
Johann auf der Inſel Sor in der Sanaga, der Inſel St. Ludwig gegen über. In dem Schlaf: 
Barre. gemache, welches der Herr Bruͤe bey ſeinem Aufenthalte daſelbſt bezog, fand er bey ſeinem 


Eintritte 


u) Wie Moore ſaget, fo nennen die Negern ſol⸗ 
chen Alpainter. Siehe zuvor a. d. 114 S. N 
* Labat, im 4ten Bande, a. b. 365 S. 


5) Le Waires Reiſe, a. d. 88 S. 
) Jobſon, a. d. 46 S. 


Fr; 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 215 
Eintritte alle Fenſter mit Pagnes verhangen, in der Mitte der Huͤtte ein großes Feuer, ein Gebaͤude 
gemachtes Bette, und eine Matte darneben für den Schwarzen, der ihm aufwartete. Die der Fe: 
Bettſtelle beſtund aus vier in die Erde geſteckten kleinen Gabeln, welche zwo Seitenpfoſten 8 
unterſtuͤtzten, auf welchen eine Weidenflechte ruhete, und auf dieſer lagen vier Matten von 
friſch abgebrochenen Palmenblaͤttern. Ueber dieſe war eine weiße Pagne als ein Bett⸗ 
tuch ausgebreitet, und eine geftreifte Pagne zur Bettdecke. Es war kein Kuͤſſen da; weil 
ſie hier nicht im Gebrauche ſind: ſtatt deſſen aber war ein Pack Zeuge mit einer weißen 
Pagne uͤberzogen. 


Es war kein anderes Hausgeraͤthe da, als ein großer Stuhl, das Gewehr des Herrn 
Bruͤe, und ein Korb voll Grisgris, der an der Decke hing, um alles Unglück von ihm 
abzuwenden. Nachdem er zu Bette war, trat eine ſchwarze Frauensperſon hinein, ver 
jagte die Fliegen mit einer Pagne, machte die Fenſter zu, und gieng wieder fort. Die 
übrigen von feiner Geſellſchaft waren in Hütten, um ihn herum einquartirt. Als er ſchla⸗ 
fen gegangen war, verlegten die Herren den Ball an einen Ort, der weiter von ihm ent⸗ 
fernt war, und wo er das Laͤrmen nicht hören konnte ). 


Ihr Hausgeraͤthe iſt ordentlich ſehr geringe. Sie haben einen kleinen Kaſten zu den Hausgeraͤ⸗ 
Kleidern, eine Matte, die auf Pfaͤhlen in die Höhe geſtemmt iſt, zum Schlafen, ein oder the. 
ein Paar Waſſerkruͤge, etliche Calabaſchen, zweene oder drey hoͤlzerne Moͤrſel, den Reiß 
und Maiz zu ftoßen, einen Korb ihn zu ſieben, und Schuͤſſeln ihren Kuſchkuſch und ihr 
Fleiſch, wenn es gekocht iſt, hineinzulegen 2). Die Vornehmern haben eine Bank oder 
Eſtrado, drey bis vier Zoll hoch, woruͤber feine Matten ausgebreitet ſind, worauf ſie 
ſchlafen. Die Prinzen ſind ein wenig beſſer verſorgt, indem ſie Hausgeraͤthe von den Eu⸗ 
ropaͤern erhalten 2). f | 10 


Die Haushaltung, ausgenommen was den Tiſch anbetrifft, macht den Weibern wenig 
zu ſchaffen. Denn das Hausgeraͤthe des groͤßten Herrn beſteht nur aus etlichen irdenen 
Toͤpfen, einiger hoͤlzernen Geraͤthſchaft, und entzwey geſchnittenen Calabaſchen, die ihnen 
ſtatt der Becher dienen 0). Labat, der ihr Hausgeraͤthe lediglich aus irdenen Toͤpfen, 
Calabaſchen, und Koͤrben beſtehen laͤßt, ſaget, daß es ihnen an einer Sache niemals fehl⸗ 
te, nemlich an Grisgris, um ſich vor Feuer und andern Gefaͤhrlichkeiten zu ſchuͤtzen c). 


Ihre Betten ſind ſehr unbequem; denn ſie ſind aus einem Haufen Pfaͤhle, ſo dicke 
wie eine Mannsfauſt, die zweene Finger breit von einander ſtehen, woran ſich ein Menſch 
ganz leicht den Ruͤcken brechen kann. Die Vornehmen legen zum Polſter Matten oben 
darauf ). a 


„) Labat II Band a. d. 278 S. 3) Le Maire a. d. 101 S. 
2) Moore a. d. 75 S. a were c) Labat a. d. 312 S. 
a) Barbot, wie oben a. d. 37 S. 4) Le Maire a. d. 44 ©, 


Ackerbau 


der Schwaꝛ⸗ | 


zen. 


Ihr Acker⸗ 
bau. 


Zeiten zum 
Pflanzen. 


ELITE % „ asia 
216 Raeiſen langst der weſtlichen Kuͤſte von Aria, 
EN e ee ne ee an 
Von dem Ackerbaue der Schwarzen, von ihren Waffen und ihrer 
| his Kriegsmacht. ei 
Ackerbau der Schwarzen. Ihre Suͤe⸗ und Pflanz⸗ Scr geen zu Sklaven ge⸗ a 
zeit. Verſchiedene Artzupflügen. Inſtrumente macht. Die Macht des Bracks. Die Spra⸗ 
dabey. Ein Marbut ein Betruͤger. Ihre chen, die bey ihnen geredet werden: Die Man⸗ 
Waffen. Bogen und Pfeile. Degen und dingo, Creoliſche, Portugieſiſche, Arabiſche Spra⸗ 
Spieße. Feuergewehr. Ihr Kriegsheer. Vor⸗ che. Andere Sprachen. Woͤrterbuͤcher, oder 


treffliche Reuter. Reuterey und Fußvolk. Worte in den Sprachen der Jalofer, Fulier, 
Kriegsmacht, wie ſie aufgebracht wird. Ohne und Mandingoer. e 


bſon faget, der Ackerbau ſey die Beichäfftigung von ihnen allen. Sowohl die Prie⸗ 
O ſter, als das gemeine Volk von allen Ständen, die Könige und Haͤupter des Volks 
oder Statthalter ausgenommen, legen ihre Hand an dieſe noͤthige Arbeit. Ihr Getreyde 
ſaͤen fie in weiten Feldern, und ziehen erſt Furchen durch das Land, fo gut als in Eng⸗ 
land e) mit einem Werkzeuge, das einen Stiel eine Elle lang, und unten ein breites Ei⸗ 
ſen hat. Es gehen ſo viele hinter einander in einer Reihe her, daß ſie eine gehoͤrige Fur⸗ 
che aufwerfen, wo ſie den Saamen hineinſtreuen, den ſie alsdann mit Miſte uͤberſchuͤtten, 
und dieſes iſt zu allem ihren Korne genug, den Reiß ausgenommen, welcher anfangs auf 
kleine Stücken niedrigs moraſtiges Land geſaͤet, und alsdenn umgeſetzt wird. Er hat einen 
ſehr guten Wuchs. Außer dieſem haben ſie noch fuͤnf andere Arten Getreyde, ſo klein als 
Senfkorn, woraus ſie kein Brodt backen; ſondern ſie kochen es, und eſſen es warm zu Ku⸗ 
geln gedreht, gleichwie Reiß. f wi | “ 

Sie beobachten auch beſondere Zeiten zu dem Pflanzen, vornehmlich bey dem Tobake, 
wovon jedes Haus ein Stuͤck hat. Sie pfluͤgen das Land zur Baumwolle mit großer 
Sorgfalt, und beſaͤen damit ganze Felder. g 1 

Vom Herbſtmonate bis gegen Ausgang des Mayes haben fie keinen Regen, und daher 
wird der Boden ſo hart, daß ſie ihn nicht umſtuͤrzen koͤnnen. Die Regen fangen zu Ende 
des Mays an ganz gelinde zu fallen, aber gegen das Ende des Brachmonats kommen ſie in 
heftigen Stuͤrmen, und unter ſchrecklichem Donnern und Blitzen; und weil alsdenn die 
Erde genugſam erweicht ift, fo fangen fie an zu pfluͤgen. Von der Mitte des Heumonats 


bis in die Mitte des Auguſts, iſt das Wetter am allerſchlimmſten, und der Strom ſteigt 


Und Saͤen. 


alsdann dreyßig Fuß hoch an. Von da an bis zu Ende des Herbſtmonats, nehmen die 

Regen allmaͤhlig wieder ab, wie fie ſich angefangen hatten /). ie 
Barbot ſaget, daß die eigentliche Saͤezeit zu Ende des Brachmonats iſt, wenn die Näffe 
abnimmt. Zum Hirſe machen ſie kleine Locher, indem fie mit dem einen Knie auf die Erde 
niederknien. Sie ſtecken drey bis vier Koͤrner in ein Loch zuſammen, gleichwie die Englaͤnder 
die Erbſen. Andere ziehen kleine gerade Furchen, wo ſie den Hirſe hineinwerfen, und mit 
einem wenig Schlamme bedecken. Die erſte aber iſt die gemeinſte; weil der Saame, wenn er 
ſo 

e) Die Roͤmer thaten ein gleiches. 5) Labat II Band a. d. 7 S. 

f) Jobſon a. d. 123 S. | 1 Andere ſchreiben Lugan oder Zugar. 
g) Barbot a. d. 40 ©. ) Le Maire a. d. 61 S. Imgleichen De 
oto 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 217 


ſo tief in die Erde geſteckt wird, beſſer vor den kleinen Voͤgeln verwahrt iſt, die in unglaub⸗ Ackerbau 
licher Menge find, die das Korn wegfreſſen, wenn es gleich hervor zu keimen anfängt, und de: Schwaꝛ⸗ 
dieſes iſt ihnen bey den Furchen leichter. 5 m. 

Die Saͤezeit ift auch die gewöhnliche Zeit zu Gaſtereyen, faft nach Art der Schwarzen 
auf der Goldkuͤſte. Die Fruchtbarkeit des Bodens iſt ſo groß, daß die Hirſeerndte gleich 
im Herbſtmonate vor ſich geht g). 

Die Gewohnheiten der Schwarzen bey dem Feldbaue, find nicht wenig luſtig. Der Luftige Art 
Herr oder Beſitzer des Landes erſcheint an. der Spitze feiner Arbeitsleute, in Begleitung ſei⸗ zu pfluͤgen. 
ner Guirioten mit Trummeln, die wie raſende Leute ſo laut, als ſie nur koͤnnen, jauchzen. 

Der Herr folget ihrem Beyſpiele, um den Arbeitern einen Muth zu machen, welche insge⸗ 
ſammt nackend ſind, und mit ihren kleinen Spaden mehr die Erde aufkratzen, als ſie umackern. 
Dem unerachtet ſollte man glauben, wenn man fie ſieht, daß ſie ſehr hart arbeiteten; denn 
fie machen tauſend lächerliche Gebehrden, dem Schalle der Trummel gemäß. Des ſchlech⸗ 
ten Fleißes ungeachtet, iſt ihr leichtes und noch darzu ſandichtes Erdreich ſo fruchtbar, daß 
es alles im Ueberfluſſe hervorbringen würde, wenn fie es nur bauten 2). | 

Weil die Könige eigenmächtige Herren des ganzen Landes find, wie in der Tuͤrkey, fo 
iſt jede Privatperſon verbunden, ſich an den König, oder in entlegenen Orten an feine Al- 
kaiden zu wenden, und den Antheil bezeichnen zu laſſen, den er zum Unterhalte feiner Fa⸗ 
milie ſaͤen und ackern ſoll. Ihre Art zu pfluͤgen beſchreibt le Maire folgendermaßen: Ihre In⸗ 
Das Haupt der Familie geht mit vier oder fuͤnf andern auf das Feld, welches ſie Kougan ſtrumente 
oder Kourgar 1) nennen. Wenn ſie daſelbſt das Erdreich durch Verbrennung des darzu. 
Buſchwerks geſaͤubert haben: ſo ſtoßen ſie es mit einer kleinen eiſernen Schaufel auf, die 
faſt wie ein Schuſterkneif gemacht, etwas mehr als eine Hand breit, und an einen hoͤlzernen zwoͤlf 
Fuß langen Stiel angenagelt iſt. Andere gebrauchen ſich einer runden eiſernen Schaufel 
oder eines Spadens. Damit ſtuͤrzen ſie die Erde vor ſich herum, ſo daß ſie nicht uͤber 
vier bis fuͤnf Zoll tief kommen. Jeder hat eine Pfeife im Maule, und gegen eine Stunde, 
da ſie arbeiten, verderbten ſie zwo mit Plaudern. Das Erdreich vermengen ſie mit der 
Aſche von dem verbrannten Buſchwerke ). Wenn der Boden ſo zubereitet ift: fo füen 
fie das Korn, wie wir die Erbſen, und niemals find fie darauf bedacht, einen Vorrath auf- 
zuheben. Sie ſind meiſtentheils ſo traͤge, daß ſie nicht einmal ſoviel, als ſie brauchen, ein⸗ 
erndten, und unterdeſſen behelfen fie ſich mit einer ſchwarzen Wurzel, die fie duͤrren laſſen, 
bis ſie unſchmackhaft wird, und mit einer noch andern, Namens Gernotte, die wie eine 
welſche Nuß ſchmecket ). Wenn die Erndte misraͤth: fo erfolget gewiß eine Hungersnoth, 
wie im Jahre 1677 geſchah m). i 

Dieſe Begebenheit wird vom le Maire etwas anders erzähle, als fie ſchon von uns iſt Betruͤgerey 
angefuͤhret worden n). Nach dem Berichte deſſelben, wurden die Schwarzen durch das eines Mar— 
Verſprechen eines ihrer Marbuten vom Stamme der Azoaghes oder Araber verfuͤhrt. buten. 
Dieſer ſetzte ſich unter einem Religionsvorwande in Beſitz aller Landereyen zwiſchen dem 
Scheyratik und dem Sereres. Er gab vor, er wäre vom Himmel angetrieben, die Ty⸗ 
ranney ihrer Prinzen zu raͤchen. Seine Geſandtſchaft zu beweiſen, legte er ſich die Kraft, 

g Wunder 
bots Beſchreibung von Guinea auf der 39 Seite. m) Siehe II Band a. d. 464 S. 

1) Aabat ſaget, daß Gernotte eine wilde Art n) Siehe ebendaſ. 
Hirſe ſer. rn dus: 
Allgem. Reifebefchr. II Band. Ee 


218 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Waffen Wunder zu thun bey, beſonders that er die Verheißung, ihr Land ſollte eine freywillige und 


zen. 


Bogen und 


Pfeile. 


Degen und 
Spieße. 


de: Schwaꝛ reichliche Erndte bringen, ohne, daß fie ſich die geringſte Muͤhe gaͤben, es zu bauen. Die⸗ 


fes war der faulen Gemuͤthsart der Schwarzen ſowohl gemäß, daß faſt alle zu dem Be⸗ 
truͤger uͤbertraten, beſonders die Unterthanen des Damel, die ihren Koͤnig abſetzten. Zwey 
Jahre brachten ſie in der Erwartung des Wunders zu. Endlich aber ward der Hunger 
fo groß, daß fie gezwungen waren, aus Mangel an Lebensmitteln einander ſelbſt aufzufreſ— 
ſen, oder ſich zu Sklaven zu verkaufen, damit ſie nicht Hungers ſtuͤrben. Die theuer er⸗ 
kaufte Erfahrung uͤberzeugte ſie von ihrer Thorheit. Sie vertrieben den geheiligten Betruͤ— 
ger, und ſetzten den Damel wieder ein. Im Jahre 1682, als le Maire hier war /, litten fie 
keine Marbuten in ihrem Lande, ſondern machten alle, die ſie bekommen konnten, zu Sklaven. 

Jede Nation hat ihre eigene Waffen, welche fie zu verfertigen weis. Barbot fa 
get, die Jalofer fuͤhrten Bogen und vergiftete Pfeile, die aus Rohre gemacht waͤren, wo⸗ 
von die Wunden toͤdtlich find, wofern man fie nicht unverzüglich mit gluͤhendem Eiſen 
brennt. Wenn ſie aber tief eindringen: ſo ſind ſie faſt nicht wieder herauszuziehen, wegen 
der abſcheulichen Schmerzen, die ſie machen; denn die Spitzen haben Widerhaken, die das 
Fleiſch auf eine jaͤmmerliche Art zerfetzen 5). | 

Die Mandingoer brauchen vergiftete Pfeile. Einer von ihnen zeigte dem Verfaſſer 

dergleichen Pfeile, die mit einem ſchwarzen Safte beſchmiert waren, der ein ſo haͤßliches 
Gift ſeyn ſollte, daß man an der Wunde, wenn ſie blutruͤnſtig waͤre, ſchlechterdings ſterben 
muͤßte, wofern nicht die Perſon, die den Saft zubereitet, Luſt haͤtte, den Verwundeten zu 
retten. Denn er ſagte, es waͤren keine giftige Kraͤuter, da nicht andere vorhanden waͤren, 
die ihnen zu widerſtehen vermoͤchten 7). 

Die Bogen ſind von Schilfe oder Rohre gemacht, und dem Bambus in Oſtindien 
ähnlich. Die Saͤhne von dem Bogen ift eine andere Art von Rohre, die ſehr artig zer— 
ſchnitten, und zu dieſem Ende zubereitet iſt. Dieſe Voͤlker ſind ſo gute Schuͤtzen, daß ſie 
ein Ziel, wie eine Kronmuͤnze groß, funfzig Ellen weit treffen. In einen Koͤcher gehen 
funfzig ſolche vergiftete Pfeile „), 

Ueberdieſes fuͤhren ſie Degen wie tuͤrkiſche Saͤbel, deren ganze Scheide mit einem duͤn— 
nen Kupferbleche uͤberzogen iſt. Dieſer haͤngt, wie Moore berichtet, gemeiniglich uͤber die 
rechte Schulter. Ein anders Gewehr iſt ein ſcharfer Spieß, der in der Länge zwiſchen 
einer Pike und einer Partiſane oder Hellebarde die Mitte halt, womit fie ſehr geſchickt um⸗ 
gehen. Im Kriege tragen ſie einen großen runden Schild von dem Felle eines Thieres, 
das ſie Sanſa nennen, und einem kleinen Rinde aͤhnlich iſt. Es iſt von außerordentlicher 
Haͤrte. Es giebt auch welche von Ochſenhaut. Hiernaͤchſt fuͤhren ſie eine Aſſagaye 
oder einen Wurfſpieß, und zweene kleine Spieße, die ſie Syncheria nennen. Bey jedem 
haͤngt an der Mitte des Schafts ein Riemen, womit ſie ihr Gewehr, wenn ſie es losge⸗ 
ſchoſſen haben, wieder zurückziehen, und bierinnen find fie ſehr behende und geſchickt. 

Die Aſſagay iſt ein langer ſchwerer Spieß mit vier Spitzen und etlichen Haken, ſo 
daß die Wunden, die fie machet, hoͤchſt gefährlich find, Sie koͤnnen ſehr weit damit zie⸗ 
len, und gehen ſelten aus, ohne eine in der Hand zu fuͤhren H. 

Eine 


0) Le Maire a. d. 63 S. 1) Ebendaf. a. d. 121 S. 

p) Barbot a. d. 38 S. . 2) Barbot a. d. 38 S. f 

7) Siehe Moores Reiſen nach Africa auf der 4) Moore ſaget, die Sagay oder das Speer iſt 
63 Seite, drey Ellen lang. Siehe feine Reiſen a. d. 121 S. 


n 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 219 


Eine Sagaye oder Aſſagaye iſt eine Art einer halben Pike oder Lanze t), acht bis Waffen 
zehn Fuß lang, mit einer eiſernen Spitze, wie bey einer Pike. Es iſt der Schwarzen ihr der Schwar⸗ 
ordentliches Gewehr, deſſen fie fich eben fo bedienen, als die Europäer ehemals der Lanzen. . 
Sie werfen ſie mit vieler Staͤrke und Richtigkeit. Sie haben eine kleinere Art, die ſie 
Ardilli nennen, drey bis vier Fuß lang, die oben mit Eiſen beſchlagen ſind, und ganz ge— 
rade ausgehen. Oefters ſind ſie auch ohne Eiſen, und nur zugeſpitzt, und im Feuer abge⸗ 
haͤrtet, gleichwie die Waffen der Gaunchios ). f g 

Manche Soldaten tragen ein moriſch Meſſer eine halbe Elle lang, und zweene Zoll in 
der Klinge breit. Dieſe Waffen haben ſie alle im Treffen ſowohl angebracht, daß ihre 
Hände und Aerme frey find, und fie find ſehr geuͤbt darinnen, und fechten beherzt x). Moo« 
re ſaget, daß fie alle Meſſer an der Seite ſtecken haben, und ich habe es in der That wahr⸗ 
genommen, daß fie mit allen Waffen gut umgehen, es ſey was für eine Art es wolle ). 

Andere haben Feuergewehr, das ſie ziemlich gut gebrauchen, gleichwie auch die Moren Feuerge⸗ 
Nordwaͤrts von Hoval, und ſie koͤnnen in großer Entfernung gut nach dem Ziele ſchießen. wehr. 
Ein jeder Soldat trägt einen kleinen Schnappſack voll Lebensmittel, als Kuſchkuſch, der 
aus Mehle gemacht iſt, und dergleichen. Denn ſie haben keine Magazine, die ſie außer⸗ 
halb Landes zu Unterhaltung ihrer Heere verſorgen. 

Es iſt eine große Ehre und ein Vorzug, die koͤnigliche Trummel zu tragen, welche 
Lomlambe genennet wird 2). | 6 

Ihre Kriegsheere beſtehen aus Reuterey und Fußgaͤngern. Die Reuter haben durch- Ihre Ar⸗ 
gaͤngig alle obbemeldete Waffen. Das Fußvolk hat Bogen und Köcher, einen Wurf- meen. 
ſpieß, und einen europaͤiſchen Hirſchfaͤnger. Die Pferde kaufen ſie gemeiniglich von den 
Moren zu Geneboa, ihren Nachbarn, welche zwar klein aber ungemein muthig ſind, gleich— 
wie die aus der Barbarey. Von manchen koſtet das Stuͤck zehn oder zwoͤlf Sklaven, das 
iſt ſoviel, als hundert Pfund Sterling. Eine gewiſſe Katharine 2) von Rufiſco hatte, 
als der Verfaſſer daſelbſt war, ein Pferd, welches ſie vierzehn Sklaven werth ſchaͤtzte, und 
nach der Zeit dem Könige von Rayor ſchenkte. | | 

Sie reuten mit wunderbarer Behendigkeit. Er fah einmal den alten Ronde, Vice- Vortreffliche 
koͤnig von Kayor, einen Mann von fiebenzig Jahren, an dem Strande bey dem Vorge- Reuter. 
birge, ein kleines Barbareypferd in vollem Galoppe reuten, wobey er ſeine Aſſagaye eine 
gute Strecke vor ſich hinwarf, und mit eben der Hand wieder auffing; oder wenn ſelbige un⸗ 
gefaͤhr auf die Erde fiel: fo hob er fie mit ſolcher Geſchicklichkeit auf, daß er nicht aus den 
Steigbuͤgeln kam, noch in feiner Geſchwindigkeit nachließ. Es wurde ihm auch von eini— 
gen Reutern geſagt, die gerade uͤber dem Sattel ſtehend in vollem Galoppe reuten, ſich um⸗ 
drehen, oder niederſetzen, und aufſtehen, oder von dem Sattel ſpringen koͤnnten, indem fie 
ſich nur mit einer Hand daran anhielten, und auf eben dieſe Art wieder hinaufſteigen. An⸗ 
dere koͤnnen in vollem Galoppe einen Stein auf heben, der ihnen in den Lauf geworfen wird, 
und andere Dinge mehr, die von einer erſtaunenden Behendigkeit zeugen. 5 

Ihre Zaͤume bekommen ſie meiſtentheils aus Europa, manche aber machen ſich ſolche 
ſelber, nach Art des engliſchen Gebiſſes. Die Sporen ſind mit den Steigbuͤgeln von einem 


Ee 2 f Stuͤcke 
u) Labat II Band a. d. 233 S. 2) Anderweit wird fie Glamba genannt, oben 
x) Barbot a. d. 38 S. auf der 204 Seite. 


5) Moores Reifen a. d. 121 S. a) Oder Katti. S. II Band a. d. 302 und305 S. 


220 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Stuͤcke Eiſen. Denn ſie reuten barfuß, und ſitzen ſehr kurz; ſo daß ſie die Knie ſehr hoch 
in die Hoͤhe heben, und ſich nach tuͤrkiſcher Art vorwaͤrts beugen. Ihre Pferde aber ſind 
niemals beſchlagen. | 

In Verfertigung der Sättel find fie ſehr kuͤnſtlich, und machen nach ihrem Geſchmacke 
ſehr artige Einfaſſungen von allerhand Farben daran. Zu gleicher Zeit zieren fie dieſelbe 
mit einer Menge Grisgris, und mit Kowris oder Schellen. Sie ſind nach Art der eng⸗ 
liſchen Reutkuͤſſen gemacht ). 


Reuterer Ihre Pferde find klein, und nach ſpaniſcher Art aufgezaͤumt. Der Keuter führer eine 
und Fuß: Aſſagape in der Hand, und auf der rechten Seite des Pferds hat er einen breiten Schild 
volk. haͤngen. Und das iſt ſeine ganze Ruͤſtung. Die Fußgaͤnger gehen ordentlich mit einer 


Aſſagaye in der Hand, und uͤberdieſes haben ſie noch eine andere Art von Wurfpfeilen mit 
zackichten Spitzen, wie die Spieße der Irrlaͤnder. in jeder trägt auch einen zwey Fuß 
langen Degen in einem Wehrgehenke von gelbem und rothem Tuche, das um den Hals 
herumgeſchlungen iſt. Die Vornehmen haben, an ſtatt der Aſſagaye, einen Bogen in der 
Hand, und einen ganz feinen Koͤcher uͤber dem Ruͤcken, in welchem etwa vier und zwanzig 
Pfeile ſtecken. Dieſe ſind aus Rohre von der Staͤrke einer Schwanenfeder gemacht, zwey 
Fuß lang, mit einer zackichten ſtark vergifteten Spitze, wie uͤberhaupt alle eiſerne Spitzen 
an ihren Waffen ſind. Ein ſolcher Pfeil hat weder Kerbe noch Feder, und wird von dem 
Bogen, der auch von Rohre gemacht iſt, auf einer flachen und glatt gemachten Sehne, gleich— 
falls vom Rohre, abgedruͤckt. Die Staͤrke deſſelben iſt daher geringe. Indeſſen koͤnnen 
fie doch in der Nähe durch ihre baumwollenen Kleider durchgehen. Die ganze Gefahr aber 
beruht auf dem Gifte c). 
Kriegs macht Wenn der Damel eine Kriegsunternehmung beſchloſſen hat: ſo giebt er dem Konde, 
auf die Beine ſeinem Generaliſſimo, Befehl, die vornehmſten Maͤnner, und alle Schwarzen im Lande, zu 
gebracht. verſammlen. Von dieſen wird ein Corps ausgehoben, um eine Reuterey und Fußvolk auf⸗ 
zurichten, welches ſelten über funfzehnhundert Mann beträgt, und zwar meiſtentheils Fuß⸗ 
volk. Denn der Koͤnig hat in ſeinen ganzen Landen nicht uͤber dreyhundert Pferde zu ſei⸗ 
nen Dienſten. 
Wenn dieſes kleine Heer alſo aufgerichtet iſt: ſo treten der Konde und die andern 
Officier in ihrer beſten Zuruͤſtung, beſonders mit Grisgris gezieret, an welchen ſie allein 
genug zu tragen haben, dem koͤniglichen Befehle gemäß, den Marſch an. Die Ruͤſtung, 
beſonders bey den Reutern, ift fo ſchwer, daß, wenn etwa jemand im Gefechte genoͤthigt ge- 
weſen iſt, abzuſteigen, er ſich ſchwerlich wieder aufſetzen kann. Und doch werden ſie nicht 
ohne et wegen der wunderbaren Kraft, die fie ſich darinnen einbilden, zu Felde 
gehen 4. 
Ohne Kriegs- Die Kriegesheere dieſer Voͤlker find mehr zahlreich, als gut. Sie halten keine Ord— 
zucht. nung oder Kriegszucht, es ſey auf dem Marſche in feindlichen Landen, oder in Schlachten, 
welche allezeit in einer Ebene geliefert werden. Die Guirioten machen mit ihren Trum⸗ 
meln und muſikaliſchen Inſtrumenten einen großen Larmen, um die Soldaten beherzt zu 


machen: 
5) Barbot a: d. 39 S. 2) Ebendaſelbſt a. d. 38 S. 
c) Jobſons Goldhandel a. d. 44 S. 5) Ebendaſelbſt a. d. 34 S. 
4Barbots Reiſe nach Guinea a. d. 58 S. 1) Moores Reiſen nach Africa a. d. 28 S. 
e) Ebendaſelbſt a. d. 39 S. 4) Ebendaſelbſt im Anhange a. d. 27 S. 


FI Ebendaſelbſt am angeführten Orte. J) Siehe oben a. d. 175 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 22 


machen: ſo bald ſie ſo nahe ſind, daß ſie einander mit Pfeilen erreichen koͤnnen. Das 
Fuß volk Drücker feine Bogenpfeile ab, die Reuter werfen ihre Pfeile, und alsdann greifen fie 
zu den Aſſagayen oder Lanzen. Da ſie ohne alle Ordnung fechten, und meiſtentheils na⸗ 
ckend find: fo richten fie ein großes Metzeln an; zumal da die Feigheit für etwas unehrli- 
ches bey ihnen gehalten wird. Ihre Tapferkeit aber haben fie am meiſten der Furcht vor Die Kriegs⸗ 
der Sklaverey zu danken, in welchem Stuͤcke alle Kriegsgefangene, bis zu den Vornehm- gefangenen 
ſten, einerley Schickſal haben. Das Vertrauen zu ihren Grisgris haͤrtet fie gleichfalls eve zu 
ab, die, wie fie feſt glauben, fie vor allen Arten von Unfällen ſchutzen, und ihnen dage- 8 
gen alle Arten von Vortheilen zuwenden, zumal gegen andere ſchwarze Nationen. Denn e 
bey den Europäern, welche Musketen, und keine Bogen, brauchen, find fie völlig uͤber⸗ 
zeugt, daß keine Grisgris die Wirkung des Feuergewehrs, welches ſie Pouff nennen, 
aufhalten koͤnne e). 0 
Der große Brak hält auf dreytauſend Reuter; weil er ſich feine Pferde weit wohlfeiler Macht des 
von den Moren kaufen kann, als die Jalofer, die weit von ihnen entlegen ſind, und daher Braks. 
wenige, oder gar keine, zum Kriegsgebrauche haben. Doch dafuͤr iſt ihr Fußvolk gut, 
und manche reuten auf Kameelen, die in großer Menge im Lande find 7). | 
Vaſconcelas ſaget, daß die Negern an der Küfte, wenn ihnen etwas vorfaͤllt, tapfer 
genug, und vortreffliche Reuter waͤren. Dieſes, ſetzet er hinzu, haben ſie ſonder Zweifel von 
den Sanagas, ihren! achbarn gegen * 7 gelernet g). 
Die Kamina Schwarzen werden für die beſten Soldaten im Lande gehalten, weil fie 
von einer beherzten und entſchloſſenen Gemuͤthsart ſind, und hierdurch haben ſie auch ihre 
Freyheit gegen zweene benachbarte Koͤnige behauptet, welche oͤfters einen Verſuch gemacht, 
ſie mit Gewalt der Waffen zu bezwingen, aber ohne Erfolg Y. 
Die Sprachen der Schwarzen in dieſer Provinz von Africa find wenig bekannt. Die Ihre Spra⸗ 
merkwuͤrdigſten darunter find die Sprachen der Jalofer, der Fulier, und der Mandin, cen. 
goer. Die Sprache der Jalofer oder Jolloifer wird nach des Herrn Moores Anzeige 
Jolloif genannt ). Barbot halt fie für die Sprache Zunguay, vermuthlich Sun⸗ 
gay, deren Leo, als der allgemeinen Sprache von Gualata, Guinea, Tombuto, Welli 
und Gago erwaͤhnet. Denn Barbot ſowohl, als Herr Woore, ſcheint Gualata für 
das Land der Jalofer zu halten. Und der letztere ſaget, vermuthlich in der Abſicht, dieſe 
Meynung zu beſtaͤrken, in ſeinen Auszuͤgen aus dem Leo, in einer Anmerkung über Sungay, 
daß Sungay der gegenwärtige Familienname des Königs von Barſalli ) ſey, welcher ein 
Jalof )) iſt, ob er gleich anderweit den Namen Wiay m) dafür ausgiebt. Dem ungeach⸗ 
tet ſaget uns eben dieſer Schriftſteller, die alleruͤblichſte Sprache um der Gambra ſey der 
Mandingoer ihre, und es koͤnne ein jeder, der ſie redet, von dem Ausfluſſe des Stroms, Mandingo⸗ 
bis in das Land der Jonkos, oder Kaufleute, reiſen, welches wegen der Menge Sklaven, Sprache. 
die daſelbſt zu verkaufen ſind, dieſen Namen fuͤhret, und eine Reiſe von ſechs Wochen von 
Jamesfßort entfernet ſeyn foll, 
Ee 3 Die 
mn) Herr Moore kann dieſe beyden Namen me: ſchon ſonſt gethan, da er aus keinem beſſern Grun⸗ 
gen einer eingebildeten Verwandtſchaft unmöglich de geglaubt, Gualata ſey Jolloif, und Ghana 


für einerley Wort halten. Denn ſo wuͤrbe man der ſey Mani. 
Sache noch groͤſſere Gewalt anthun muͤſſen, als er n) Moore auf der 38 S. 


Creoliſche. 


Arabiſche. 


Andere 
Sprachen. 


‚222 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Mandingoer haben auch eine geheime Sprache, die den Weibern gaͤnzlich unbe⸗ 
kannt iſt, und die nur allein von den Maͤnnern geſprochen, und ſelten anders von ihnen ge— 
braucht wird, als in Geſpraͤchen über den ſchon erwähnten Mumbo Jumbo 1). 

Die naͤchſte hier übliche Sprache iſt Creoliſchportugieſiſch, eine unaͤchte Art Portugies 
ſiſch, welches man kaum zu Liſſabon verſteht. Sie iſt aber den Englaͤndern leichter zu ler⸗ 
nen, als irgend eine andere Sprache um den Fluß herum. Sie wird allezeit von den 
Sprachkundigen geſprochen, die in den Dienſten der Compagnie und der Privatkauf— 
leute ſtehen. 

Das Arabiſche wird von den Foleyern oder Fuliern und den meiſten Muhammeda— 
nern um den Fluß herum geredet, wenn ſie gleich Mandingoer ſind o). 

Außer dieſen hat jedes Koͤnigreich oder jede Nation ſeine beſondere Sprache. Als das 
Land der Flups, der Banyonen, der Bumbrongen, und der Pecharis. Dieſe letztern 
find weit von dem Fluſſe entfernt in dem Lande der Kaufleute 5). 

Wie bey Unterſuchung des Urſprungs und der Verwandtſchaft der Nationen nichts von 
groͤßerm Nutzen iſt, als die Vergleichung der verſchiedenen Sprachen: ſo iſt auch die Kennt— 
niß derſelben einem Reiſenden ungemein dienlich. Aus dieſen Urſachen ſowohl, als dem 


Leſer einen beſſern Begriff von den Sprachen der Jalofer, der Fulier, und der Mandin⸗ 


goer beyzubringen, als er aus der vorhergehenden kurzen Beſchreibung haben kann, haben 


wir folgende Woͤrterregiſter aus verſchiedenen Schriftſtellern eingeruͤckt. 


Die I Tabelle. 
Wörter in der Jalofer und Fulier Sprache 7). 


Deutſch. Jalofiſch oder Zanguaiſch. Fiuliſch. 
Al. 
die Adern ſed itte d' adol 
der Affe goloch owandov 
Ananas ananas annanas 
der Arſch oder Steiß tate oder ghir rotere 
der Aſt kahlah baherou 
die Augen ſmabutrt hyterr 
die Augenbraunen „ „ hyam hyanko 
B. 
die Backen bekigh kobe 
ſich baden mongre ſangou „ 
der Ball oder Tanz folgar 4.7 
Banana | Pr „ „ 
der Bart ſekiem onhare 
der Bauch ſmabir rhedo 
das 
o) Ebendaſelbſt a. d. 29 und 39 S. 7 Barbot, der uns in feiner Beſchreibung von 
p) Ebendaſelbſt a. d. 41 S. Guinea a. d. 416 u. f. S. dieſe Tabelle mittheilet, 


erwaͤhnet 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 223 


Deutſch. 

das Bein 
beißen 
das Bette We 
„ hangendes 
das Bley 
blind 
blind auf einem Auge 
das Blut 
das Boot, der Kahn 
Brandtewein 
Brodt 
die Bruͤſte 
das Buch 
die Buͤchſe 

* C. 
Canoa a 
die Canone 
die Citrone 
der Credenzer 
ein Crocodill 


D. 
der Degen 
der Donner 
es donnert 


| . 
der Eid oder Fluch 

die Eiſenſtange 

der Elephant 

Elephantenzaͤhne 

der Ellbogen 

die Erde 

das Ey 


der Faden 
farzen 

ein Faͤßchen 
die Feder 


erwaͤhnet nicht, woher er ſolche hat. 
auch nicht ausdruͤcklich ſagen, von wem er ſie ge⸗ 
nommen, und haben daher einige kleine Veraͤnde⸗ 


Jalofiſch oder Zanguaiſch. 


ſmap + paire 
matt 
euntodou 
todeapp 
bettaigh 
bomena 
patt 

deret 
galtovap 
ſangara 
bourou 

wu⸗ haine 


ſmatere 8 vajant | 


ovach ande 


„ „ 
bamberta 
» 98 


taſſa 
gua ⸗ſit 


guaſſi 
denadeno 
denadeno 


ſmabok (hanabi) 
barra (win) 
gnay 

gnay negnay 
ſmay⸗ N 
ſoffi 


nen 


ovin 
doch⸗hott 
pippa 
doungue 


Wir koͤnnen rungen in der Rechtſchreibung gemacht. Aller Wahr⸗ 
ſcheinlichkeit nach aber iſt fie aus dem Franzoͤſiſchen 
genommen. 


Fuliſch. 
kavaſſongal 
n hadde 
leſſon 
leſſo 
ckaye 
goumdo 


2K * 
hy⸗ hyam 
E 2 
ſangara 
bouron 
en⸗h'do 
torade allah 
6 | 


lahna 
fetel 


2 
horde 
norova 


kaffe 
d hirry 
d' hirry 


7 


ſoldebama oder kottel yai⸗ 
barra mo 
ghiova 

nhierre⸗ghiova 

ſomdon 

lehidy 

whochionde 


guarahie 
ride 
* 6 
donguo 
das 


224 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Deutſch. 


das Ferken 
die Feſſeln 
das Fett 
das Feuer 
das Fieber 
die Finger 
der Fiſch 

die Fiſcher 
der Fiſchhamen 
die Fiſchleine 
das Fleiſch 
die Flinte 
der Fluch 
fragen 
Franzwein 
die Frau 


= eeine ſchwangere 


die Fuͤße 

G. 
das Garn 
gehen 
gekruͤmmt 
Glasknoͤpfchen 
Glied, das maͤnnliche 
„das weibliche 
Gott 


gro 


Gummi 
die Gurgel 


H. 
das Haar 
der Hals 
das Halstuch 
die Hand 
die Haͤnde waſchen 
ein Hangbette 
das Haupt 
der Hauptmann 
das Haus 
die Haut 
das Hemde 


5 
Guineapfeffer oder Malaguetta 


Jalofiſch oder Zanguaiſch. 


droai 
guingue 
divguneck 
ſafara 
guernama 
ſma⸗ baram 
guenn 

moll 

delika 


ſmabou⸗ delingha 


yapp 
faital 
ſmabok (hanabi) 


lay f 

m ſango tovabb 
digin 
digin⸗gobirr 
ſimatank | 


ovin 
doch oll 

2:9 
hyarak 
ſoull 
facere oder ſare 
i⸗halla 
maguena 

vr. 


9 4 5 
ſman / pouroch 


kaghovar 
ſman pouroch 
ſmah (crowat) 
loho 

raghen 
todeapp 
ſmababb 
kapitan 

ſman 

ſmagh⸗ dayr 
boughtovap 


Fuliſch. 


babalady 
gue⸗ hyelle 
bellere 
gia⸗ hingol 


2 } 
fedehendo 
linghno 
kiou / ballo 
ouande 
ovande 
tehau 
fetel 


ſoldebama oder kottel 


6 | 
chink 
debo 
deboredo 
koſſede 


guarahie 
medo' hyaſſa 
loko 
bourely 
ſolde 
kotto 
allah 
mahodo 
1 
la⸗koude 
dandy 


ſoukendo 
dandy 
leffoll 
youngo 
labou’yongo 
leſſo 
horde 
loamdo 
ſduddo 
goure 

d' olanke 


(yaimo 


* 


der 


von Capo Blanes bis Sierra Leona. VI Buch XII Cab. 2 
5 Jalofich oder Zanguaiſc 


Deutſch. 
der Himmel 
das Holz 
die Hoſen 
die Huͤften 
das Huhn 
der Hund 
die Hure 
huſten 


der Kahn 

es iſt kalt 

die Katze 

der Keſſel 
Kinder der Fuͤrſten 
klein 

die Kleye von gekochtem Si 
der Knabe 

kneipen 

die Knie 

der Koͤcher 

der Koͤnig 

die Koͤniginn 

der Kopf 

der Koſter 

krank 

kratzen 

Kraͤuter 

krumm 

ein Kruͤppel 

die Kuh 

das Kupfer 

der Kuskus 


L. 


R. 


lachen 
lahm 
Laͤuſe 
Leinewand 
Lippen 
luͤgen 


ein Mägdchen 
Mahys oder indianiſch Korn 


aſſamau 
matt 
towapp 
loupp 
gnaarr 
khaay 
guelarbi 
ſokkatt 


galtovap 
luina 
ghenaapp 
kranghiare 
domeguaihe 
neocina 


21 


ovaſſy 
domp 
ſma⸗ huhm 
ſmahkallah 
burre 
guaihe 
ſmababb 
taſſa 
raguena 
hock⸗ halma 
miagh 


„* 


ſoghe 
prum 
arequere 


5 


raihal 
ſoghe 
teings 
endymon 
ſmatovin 
narnaa 


n' daouch digin 
dough⸗ oub 


Allgem. Reifebefchr. HI Band. 


Fuliſch. 
hyalla 
leggal 
touhouba 
bouhall 
guertogal 
rahovandou 
ſakke 5 
loghiomde 


lahna 

ghian⸗gol 
oulonde 

barma 

byla hamde 
choukahiel 
changle 

ſoukagorko 
mouchioude 
holbondou 
lahamde 

guefoulbe 
horde 
borde 
ognia⸗huy 
nanhyady 
loko 
boſſare 


EHER 
hyack⸗haovale 
6 7 


ghialde 
boſſare 
bamdy 
chomchou 
tondo 
hadarime 


ſoukka 
makkary 


Ff 


ein 


226 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Deutſch. 


ein Mann 

die Matraze 

das Meer 

die Meerkatze 
Mein und meine 
das Meſſer 
die Meſſerſcheide 
der Mond 

der Mund 


der Nabel 

die Nacht 

die Nadeln 

der Nagel 

die Naͤgel an Fingern 
die Naſe 

nein 

nieſen 


der Ochſe 
die Ohren 
eine Orange 


Palmwein 

das Papier 

der Pappagey 

Pfeffer, oder Malaguetta 
eine Pfeife, Tobak zu rauchen 
pfeifen mit dem Munde 

der Pfeil 

das Pferd 

piſſen 

Potatoes 


die Ratze 

reden 

der Regen 

die Ribben 

das Rind 

der Rock 

Roth 
ein Ruder oder Pagay 


Jalofiſch oder Zanguaiſch. 
goourgue 

entedou 

ſmandai 

goloch 

. 

pak⸗ ha 
ſmanbar⸗packha 
uhaaire 

gueminin 


ſmal⸗loutt 
goudina 
pourſa 
dinguetitt 
huai 

ſmack⸗ bockan 
d' haair 


maugre⸗j teſſely 


s 2 


ſmanoppe 


“ - 


m’fango jeloffi 
kahait 

inkay 
ſmanano 
owany leſte 
finsE tonghar 
farß 

berouch 


guenach 
ovache 
taou 
uwett 
boubou⸗touvap 
logh⸗oveck 
watt 


Fuliſch. 
gorko⸗mahodo 
leſſo 


gueek 
owandov 
ſman 
pake 
ovana 
leoure 
hendouko 


houddo 
guiema 
meſſelael 
pangal 
chegguen 
hener 

ala 
hiſſeloud⸗ 


nague 
noppy 
kanghe 


chingue 
barkol 
ſolerou 


by’ardsugal 
houde 


poukkiou 
haing⸗ huſe 


d' ombrou 
halle 

tobbo 
chabiburde 
nague 
dolanque 
bodeghioun' n 


2 ,; 


rudern 


von Capo Blaneo bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 
Jalofiſch oder Zanguaiſch. 


Deutſch. 


rudern einen Kahn 


giolle galgue 


die Ruthe od. das maͤnnliche Glied ſoull 


+ 


Salz 


Sanglet od. Kleye von gekochtem 


Hirſe 
die Schachtel 
das Schaf 
die Scheide 
ſcheißen 
der Schenkel 
das Schiff 


ſchinden oder die Haut ab⸗ 


ziehen 
ſchlafen 
die Schlange 
der Schlemmer 


das Schloß an einer Flinte 


der Schluͤſſel 
das Schmeer 
ſchneiden 

ſich ſchneuzen 
Schreibbuch 
ſchreiben 

die Schuhe 
der Sklave 
die See 

das Segel 
ſingen 

der Sitz 

ſitzen 

die Sonne 
ſpatziren gehen 
ein Spitzbube 
ſprechen 
ſpucken 

eine Stange Eiſen 
ſtehen 

der Stein 
der Strauß 
der Strick 

ein Stuͤcke, Canone 


ſock matte 


6 
ovach ande 
ommghargh 
ſmanbarguaiſy 
mangredouli 
fmap »paire 
manguena 


maugre⸗faiſſe 
«0 


qua' nn 
5 E 
n ö 
donouachande 
divguneck 
doghhol 
nien⸗doou 
ſmakyet gumore⸗bind 
binde 
dale 
guamon 
ſinandai 
wirr 
ovayel 
gangone 
ſongoane 
ghiante finkan 
doch' oll 
ſoch⸗ horby 
ovaihe 
toffli 
barra (win) 
gueckkiffi 
doyg 
4 6 
boume 
bamberta 


Ff 2 


Fuliſch. 
haodguiou 
ſolde 


lambdam 
balou oder ſedre 


ovana 
boude 


kavaſſongal 


randy 


houtoude 
dahnady 
body oder gorory 


haderoro 


loſſoul⸗fetel 
bidho 
bellere 
tay 
n' gieto 
deffeterre 
w' hin d' oude 
pade 
mokkhioudou 
gueek 
oughderel⸗hana 
hyemdy 
ghiodorde 
ghiodo 
nahangue 
medo' hyaſſa 
abonde 
halle 
thoude 

1 
doradan 
hayre 
nedau 
boghol 
fetel 


227 


die 


. 
* 


228 Reeiſen längſt der weſtlichen Kuͤſe von Africa, 


Deutfch 


die Tafel 

der Tag 

der Talg 
tanzen 

die Taube 
tauſchen 

der Teufel 
Theer 
Toback 
Tobackspfeife 
der Tod i 
tödten 

der Topf 
trinken 
Trompete 


\ V. 
Viel ’ 
ein Vielfraß 
der Vogel 
W. 


die Waffen 
warten 

das Waſſer 
waſchen die Haͤnde 
das Weib 
weinen 

werfen 

der Wind 


die Zaͤhe 

die Zaͤhne 
das Zelt 

die Zibethkatze 
die Ziege 
zittern 

Zucker 

die Zunge 
zwicken 


Jalofiſch oder Zanguaiſch 


gangona 
lelegh 
divguneck 
faikke 
petteck 
nanvequi 
guinnay 
ſandol 
tmagha 
ſmanano 
dehaina 
ruy 

kingn 
mangrenam 
bouffſa 


barena 


2 2 


arral 


ſmal⸗loho 


gueckiffi 


m' doch 
raghen 
digin 

d' goiſe 
ſannir 
gallaou 


ſmahua ⸗ ſetantk 
ſmabenabin 
raya 


1 6 


bay 


denaloch 
Phbem 
laming 
domp 


Fuliſch 


gango 
ſoubakka 
bellere 

hemde 

ſohode 

guine 

taba 5 
by’ardougal 
mahyje 
oubarde 
fahando 
hyarde 


- 
= 


heuy 
haderoro 
Phiolly 


ghion⸗ghe 
doradan 

d' hiam 
lahou yongo 
debo 
who'hedde 
verlady 
hendon 


peddely 

n'hierre 

arhayhillan 
34 „ 

behova 

chin houde 

Phyombry 

d' heingall 

mouchioude 


Zah⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 229 


Deutſch 
Eins 
zwey 
drey 
vier 
fuͤnfe 
ſechſe 
ſieben 
acht 
neun 
zehn 
eilfe 
zwoͤlfe 
dreyzehn 
vierzehn 
funfzehn 
ſechzehn 
ſiebenzehn 
achtzehn 
neunzehn 
zwanzig b 
ein und zwanzig 
dreyßig 
vierzig 
funfzig 
ſechzig 
ſieben zig 
achtzig 
neunzig 
hundert 
zweyhundert 
dreyhundert 
tauſend 
ein tauſend und zwanzig 


Deutſch 
Haltet euer Maul 
ich will 
ich will nicht 


W 

Jalofiſch oder Zanguaiſch Fuliſch 
he“... a guh 
yaare didy 
. taty 
yanet naye 
guerom guieve 
guerom⸗ben guie guh 
gueromyaare guie⸗didy 
guexom⸗ yet guie⸗taty 
guerom⸗yanet guie/ nay 
fuk . ſappo | 
fuk⸗ ak⸗ ben r) ſappoe⸗guh 
fuk ak · yaare ſappoe⸗ didy 
fuk⸗ak / yet ſappoe⸗ taty 
fuk ak⸗yanet ſappoe⸗ naye 
fuk⸗ at ⸗guerom ſappoe⸗guieve 

fuk⸗ak⸗ guerom⸗ ben ſappoe⸗guie⸗guh 
fuk⸗ ak⸗guerom yaare ſappoe⸗guie⸗ didy 
fuk⸗ ak ⸗guerom⸗ yet ſappoe⸗guie⸗ taty 
fuk⸗ ak / guerom⸗yanet ſappoe⸗guie⸗ naye 
nitte e ſoppo 
nitte⸗ak⸗ ben ſoppoe⸗guh 
fonssir naggah 
yanet⸗fuke chapande⸗ taty 
Aeg ent füt 1 
guerom⸗bena⸗fuke 5 l 
guerom⸗yaare⸗fuke | Dieß „ e 
guerom⸗ yet: fuke ae 
guerom yanet⸗fuke 
temer temedere 

yaare⸗ temer temedere⸗didy 
yet⸗temer temedere⸗ taty 
gune | temedere⸗ſappo 
gune⸗ak⸗ nitte ꝛc. temedere-⸗ſoppo ꝛc. 

Redensarten im gemeinen Umgange. 

Jalofiſch oder Zanguaiſch Fuliſch 
noppil de zyou 
doinaman bido⸗ hidy 
bainaman my⸗ hyda 

3 | 


1) ak wird im Salofifchen wie und im Deutſchen gebrauchet, zwo Zahlen zu verbinden. 


komm 


230 

Deutſch 
komm 
komm nicht naͤher 
geh weg 


ich ſehe euch 

ve Wund weht ſtark 

wie geht es euch? 

ſehr wohl, mein Herr, 
guten Morgen, mein Herr, 


calay 

bouldick 

dock⸗hodem 

guesnala 

gollaou⸗ barenna 
ogya⸗meſſa 

guam⸗de⸗ bares · ſamba 
quarha⸗quaihou⸗ſamba 


ſehr fruͤh lelegentel 

komm zum eſſen calai⸗caeck⸗ mane 

komm herauf quia⸗quaou 

geh hinab ova quiequa⸗ſouf 

auf morgen aileg⸗ ackagiam 

gute Nacht, mein Herr fon⸗angiam ⸗ ſamba 

ich danke euch ſantenala 

es regnet data⸗ ou 

ich gehe ſchlafen hnangretery 

ich möchte wohl bey einem Maͤgd⸗ pougue⸗ namate acan⸗ 
chen ſchlafen daoſan 

eine Liebſte ſoumack⸗hiore 


laſſet uns ſpatzieren gehen 
ich gehe 1 
ich erinnere michs nicht 


bringt mir geſchwind ein Schaf 


gebet mir was zu trinken 
leget ihn in Feſſel 


candoch hane 


= 
2 


bain amaeck 
iaſſima : ommghargh 
mamanan 
guinguela⸗ maguiou 


Die II Tabelle. 


Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Jalofiſch oder Zanguaiſch 


Fuliſch 
arga 


da rothan 
hia 
medo hyma 
hendou⸗ hevy 
ada hegiam 
medo⸗ hegiam 
coffe 
ſoubacke⸗allau 

9 2 
argay 
hialleſſe 
ſoubacko 
nihallay 
medo⸗hietoma 

ee, 

e 


medo ⸗/lelohy 


meda dano 
harque⸗guehin hylojade 
mede leho 

my ⸗fa · hyacke 

addou nambalou 
loccan hyardde 
ovarguiehyelle caſſede 


Ein mandingoiſch Woͤrterbuch +). 
Das Sternchen bey den Woͤrtern zeiget an, daß ſolche auch in der vor hergehenden 


A. 
Allegator, bumbo 
Amber, lambre 
angenehm, timeata 
anruͤhren, ametta 
der Arzt, borru 
aufſtehen, wuhlly 
eine Auſter, oyſtre 


ein Bavian, konie 
das Bein *, fing 


Tabelle vorkommen. 
das linke Bein, ſing nding 
das rechte Bein, ſing bau 
betaſten, ametta 
ein Bette *, larong 
ein Bogen, kulla 
böfe, munbetty 
das Brodt *, mungo 
ein Bruder, barrin kea 
die Butter, tuhluh 

C 


ein Calabaſch, merong 


7) Siehe Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 415 S. 


ein Canoa *, kaluhn 
ein Chamaͤleon, minnire 
der Crocodil *, bumbo 
Cryſtall, a ir 


das, olim 

ein Degen *, fong 

ein Dieb, fünear 

ein Diener, butt lau 

dieß, ning | 

der Donner „ korram alle 
dreckigt, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 231 


dreckigt, nota die linke Hand, bulla nding der Krieg, killy 
dumm, kuleata die rechte Hand, bulla bau eine Kugel, kiddo kaſſy 
dürre, mindo hart, akoleata eine Kuh *, nihſa muhſa 
5 das Haupt kung ein Kürbiß, merong 
ein Elephant *, ſamma das Haus *, für 2 
Elephantenzahn oder heiß, kandia 8 . 
Elfenbein, ſamma ning der Hexenmeiſter d. i. der Teu⸗ 1 krankt 
eine Ente, brue fel, buaw 14 andea 
die Erde * banko ein Hirſch, tonkong “ 10 ie 
das Erzt, taſſo ein Hirſchfaͤnger, fong N N 110 7 e 1 
die Eule d. i. der Teufel, buaw die Hitze, kandig e 
ein Ey *, ſuhſey killy die Hölle, jehonama M. 
ein Eyland, jouioe Honig, lih ein Mann ö kea 
vg hören, amoi ein ſingender Mann, ſelly Ees 

ein Factor, mercadore ein Hügel, koanko ein weißer Mann, tobaubo 
falfch, !funniale ein Huhn *, fubfi muhſa ein Meffer *, moruh 
ein Faͤßchen ankoret ein Guineahuhn, commih die Milch, nunno 

faul, narita ein Hund *, wuhloe der Mond *, korro 
ein Fels, barry ein großer Hund, wuhlloe der Mund *, dau 
ein Fenſter, jenell au eine Mutter, bau 
das Feuer *, dimbau eine Hure *, jelly muhſa ein Mutterpferd, ſuhoe 
ein Fiſch *, heo SL muhſa 
eine Flinte , kiddo ein Jahr, oder ein Regen, N. 
ein Fluß, bato ſanju killin ein Narr, tuhrala 
eine Frau *, muhſa ich, inta Nehmen, amuhta 
eine Frauensperſon, muhſa ihr, itta Niederſizen ſih duhma 
ein Fremder, leuntong eine Inſel, ſouioe Nuͤſſe teah 
70 Freundſchaft, barrialem P K. f 

ühlen, mamaung ein Kahn kaluhn EN 
furchtſam, y aunee ein Kalb, nihſa nding der Of, tillo wuhlita 

G. kalt“, ninny ' x 

eine Gabel, garfa ein Kamel, komaniong Palmwein ', tangi 
ich will geben, m' ſa dee eine Katze “, neankom Papier *, koyto 
gehen ta kaufen, ſawn eine Pfeife, da 
Gott *, alla ein Kaufmann, jonko ein Pfeil bennia 
groß *, bau eine Kifte, Eonneo ein Pferd *, fühoe 
Großvater, kea bau klein *, nding eine Platte, prata 
Großmutter muſa bau Knoͤpfchen / konnum R. 

Gut, abetty kommen, na Rauchen, ſizʒih 
Guineahuhn, commih komm her, na na re rauh, ſtrenge, akommota 
1 ein König *, manſa der Regen *, fanju 
ein Hahn, duhntung oder ein Kopf kung ein Reh, tonkong 

ſuſih kea das Korn, neo eine Roͤhre, da 
die Hand *, bulla Frank *, mun kandi roth wuhllima 


S. Salz, 


232 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ein Stern, lolo 
Salz *, koe 


ſauer, akommota eine Stube, bung 


ein Schaf *, kornell ein Stuhl, ſerong 

ein Schiff *, tobaubo ka⸗ eine Stute, ſuhoe· muhſa 
luhn ſuͤß, timeata 

eine Schlange *, ſau 


Schießpulver, kiddo mungo eine Tafel *, mefo 
ſchoͤn, nihmau der Teufel *, buaw 
eine Schuͤſſel, prata 
ſchwarz, fin | 
ein wild Schwein, ſeo 
ſchwer, kuleata 

eine Schweſter, barrin 


eine Thuͤre, dau 
der Tod *, ſata 
trinken *, amih 
trocken, mindo 


muhſa ein Trunkenbold, ſerrata 


ein Schwur beym Mumbo Tuch, fauno 
Jumbo, tykinniani ma⸗ roth Tuch, murfih 
mamau d ö 1. 

ein Sklave *, jong 

die See!, bdto bau 

Siboawein, banji 

Silber, kodey 

die Sonne “, tillo 

eine Stadt, kundo 


der Vater, fau 
verkaufen, ſawn 
unflaͤthig, nota 
ein Vogel *, fubfib 
w. 


ein Stier, nihſa kea 
eine Sandbank, kenne kenne ſtinkend, akuhneata 


ein Thier, tonkong 


das Wachs, bekonnio Zucker *, tobaubo li 


Wahr, atoniala 
ein Wallroß, mally 
das Waſſer *, ji 

ein Weib *, muhſa 
Siboawein, banſi 
Palmwein *, tanſi 
Weiß, qui 

ich weis, alo 

ich weis nicht, malo 
der Weſt, tillo bwita 
ein Wirbelwind, ſau 
wohl, kandi 

ein Wolf, ſillo 


. 5. 
ein Zahn ning 
ein Elephantenzahn, ſamma⸗ 
ning 7 8 
ein Zauberer, d. i. der Teufel, 
buaw 
Zeug, fauno 
roth Zeug, murfih 
eine Ziege *, baw 
Zinn, taſſo qui 


Eins, killin 

Zwey, fuͤhlla 

Drey, ſabba 

Vier, nani 

Fuͤnfe, luhluh 

Sechs, oro 

Sieben, oronglo 

Acht, ſye 

Neun, konunti 

Zehn, tong 

Eilfe, tong ning killin 
Zwolfe, tong ning fuhlla 
Dreyzehn, tong ning ſabba 
Vierzehn, tong ning nani 
Funfzehn, tong ning luhluh 


Zahlen. 


Hundert, kemmy 


Sechzehn, tong ning oro 
Siebenzehn, tong ning oronglo 
Achtzehn, tong ning ſye 
Neunzehn, tong ning konunti 
Zwanzig, mwau 

Dreyßig, mwau ning tong 
Vierzig, mwau fuhlla 

Funfzig, mwau fuhlla ning tong 
Sechzig, mwau ſabba N 
Siebenzig, mwau ſabba ning tong 
Achtzig, mwau nani 

Neunzig, mwau nani ning tong 


Tauſend, wuhlly. 
Redens⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 233 


Redensarten. | 
Wie geht es euch? animbatta montainia. Was fehlet euch? kaffeta munuum. 
Ganz und gar nichts, feng o feng. „ 


Was das Wort Wihſa betrifft, welches in der vorhergehenden Tabelle vorkoͤmmt: ſo 
wird es nicht undienlich ſeyn, allhier einer Anmerkung von dem Herrn Moore zu erwaͤh— 
nen s): daß nämlich die Mandingoer ſolches gebrauchen, alle Arten von Rindviehe, es 
mögen nun Ochſen, Bullen, oder Kühe ſeyn, damit zu benennen; und fie unterſcheiden nur 
die Kühe von den Bullen, durch Zuſetzung des Geſchlechtsworts, als Nihſa Muhſa, eine 
Kuh, Nihſa Res, ein Bulle. Die Englaͤnder an der Gambra, welche dieß Wort nach 
der weiblichen Bedeutung uͤberſetzen, nennen alles Rindvieh Kuͤhe, ob zuweilen gleich nicht 
eine Kuh unter zehn Stuͤcken iſt ). 


Der VI Abſchnitt. 


Religion der Schwarzen. Die Muhammeda- achtung derſelben. Tabaſket oder Oſtern, wie 
ner glauben nur einen Gott. Gedanken von es gefeyert wird. Ochſen geopfert. Der Fol⸗ 
Jeſu. Vorhererwaͤhlung. Oerter zum Gottes: gar oder Ball. Ringen und Tanzen. Beſchnei⸗ 
dienſte. Moſcheen. Salah oder Gebethe. Wie dung. Gewoͤhnliche Zeit darzu. Die Ceremos 
fie den Gottesdienſt verrichten. Aeußerliche Anz nie. Umgaͤnge. Die Operation. Freyheiten 
dacht. Warum ſie gemeiniglich bethen. Ihr der Beſchnittenen. Ihre Kleidung. Beſchnit⸗ 
Ramadhan oder große Faſten. Genaue Beob⸗ tene Weiber. 


Die Schwarzen, die an beyden Seiten der Sanaga und weit in das Land hinein oft: Keligion 
und ſuͤdwaͤrts wohnen, find von den Moren bekehrte Muhammedaner. Die Schwar⸗ N der 
zen im Reiche Mandingo, die in der Religion am eiferigſten find, find igo die Glaubens⸗ arg 
bothen. Die übrigen Schwarzen, wenigſtens diejenigen, mit denen die Europäer von der 
Gambra an bis nach Guinea handeln, find Goͤtzendiener. Die Sereres und einige andere, 
die für Wilde koͤnnen angeſehen werden, find ohne alle Religion 2). Le Maire ſaget, 
daß gegen Sierra Leona und die Goldkuͤſte zu meiſtentheils gar keine Religion eingefuͤhrt 
iſt, oder wenigſtens bethen ſie dasjenige an, was ſie fruͤhmorgens zuerſt finden. Ehemals 
dienten fie dem Teufel, und opferten ihm Stiere. Und ob fie gleich Fleiſch aßen: fo glaub⸗ 
ten ſie doch die Seelenwanderung. | 

Manche wollen die Eydechſen, die über ihre Hütten laufen, auf keine Art und Weiſe um: 
gebracht wiſſen. Denn ſie ſagen, daß es die Seelen von ihrem Vater oder ihrer Mutter 
find, welche kommen, um den Folgar mit ihnen zu machen, das iſt, ſich zu erluſtigen x). 

Die muhammedaniſche Religion, die man unter dieſen Voͤlkern findet, iſt ſehr verſtuͤm-Die Muham⸗ 
melt, welches theils von der Unwiſſenheit der Lehrer, und theils von der Freygeiſterey der medaner 
Bekehrten herruͤhret. Sie beſteht in dem Glauben an einen Gott, und in etlichen Cere— 


monien, 
s) Siehe feine Reifen a. d. 23 S. kern, die außer ihrer Kirche ſind, die Muhamme⸗ 
t) Siehe oben a. d. 45 Seite, Note a2 daner ausgenommen, alle Kenntniß von der Reli: 


1) Aabats abendlaͤndiſches Africa II Band auf gion abſprechen, ob fie gleich, wenn fie Begriffe von 
der 271 Seite. Die roͤmiſchen Prieſter halten der Gottheit haben, ſelbige beſſer hab en muͤſſen, 
die Gemälde und Bilder für einen fo weſentli⸗ als ſie ſelbſt. f s 
chen Theil der Religion, daß fie allen andern Voͤl⸗ ) le Maire auf der 90 Seite. 


Allgem. Keiſebeſchr. II Band. Gg 


234 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


nr en dem Ramadhan oder Faſten, dem Bayram oder Oſtern, und dem Gebrauche 
der Beſchneidung. 
jr Jobſon faget, daß die Einwohner längft der Gambra den wahren und einigen Gott 

u anbethen, welchen fie Allah nennen; daß fie weder Bilder noch Gemälde, noch irgend ein 

Glauben an Gleichniß von goͤttlichen Dingen haben; daß ſie den Muhammed erkennen, der Verfaſſer 

einen Gott. aber hat niemals jemand feinen Namen anrufen hören; daß fie ihre Zeit nach dem Regen 
rechnen, und gewiſſe Namen zu den ſieben Wochentagen haben; daß ſie den Freytag ihren 
Sabbath nennen, aber ihn nicht heilig halten, ſondern in ihrer Handthierung oder ordent⸗ 
lichen Verrichtungen unausgeſetzt fortfahren Y). 

Ihre Mey: Sie haben einige verwirrte muͤndliche Sagen von Jeſu Chriſto, und reden von ihm, 

nung von als einem großen Propheten, der viele außerordentliche Wunder gethan, deren Erzaͤhlung ſie 

Chriſto. ſehr untereinander werfen. Sie nennen ihn Male, und fagen, feine Mutter habe Wa⸗ 
ria geheißen. Sie geben zu, daß er ein ſehr heiliger Mann geweſen; ſie behaupten aber, 
daß er unmoͤglich Gottes Sohn ſeyn koͤnne, weil niemals ein Menſch Gott geſehen hat, 
noch ſehen kann. Die Lehre von der Menſchwerdung iſt ihnen ein großes Aergerniß, in⸗ 
dem ſie ihren Gedanken nach in ſich faſſet, daß Gott ein Weib fleiſchlich erkannt haben 
muͤſſe. Der Verfaſſer ſaget am Ende nach einer Prophezeyhung, die ſie unter ſich haben, 
daß ſie von einem weißen Volke bezwungen werden, und ihm unterwuͤrfig bleiben, und in 
der Fuͤlle der Zeit bekehrt werden ſollten. Ja er ſteht in den Gedanken, daß dieſe beſtimmte 
Zeit heranruͤcke, und giebt zu erkennen, wie er ſich mit der Hoffnung troͤſte, ſelbſt ein Werk: 
zeug in Gottes Hand zu ſeyn, dieſes gefegnete Werk hervorzubringen 2). 

Vorherbe⸗ Sie glauben auch eine Vorherbeſtimmung, und legen Gott alle ihre Ungluͤcksfaͤlle zur 

ſtimmtes gaſt; fo daß, wenn ein Schwarzer von dem andern umgebracht wird, fie ſagen: Gott hat 

Schickſal. ihn umgebracht. Dem ungeachtet aber halten fie ſich an dem Mörder, und verkaufen ihn 
zum Sklaven. 

Was ihre Andacht anbetrifft, ſo bemerket le Maire, daß die Aermern eben nicht die 
Andaͤchtigſten ſind; die von Vermoͤgen aber waͤren eiferiger in ihrer Religion, weil ſie ge— 
meiniglich einen moriſchen Marbuten in ihren Dienſten haben, von dem ſie ſich großen 
Theils regieren laſſen a). 

Oerter des Jobſon ſaget, daß ſie keine Kirchen, noch, ſo viel der Verfaſſer ſehen koͤnnen, ſonſt 

Gottesdien⸗ einige zu heiligem Gebrauche gewidmete Plaͤtze haben. Er glaubet vielmehr, daß fie ihre 

a gottesdienſtlichen Verſammlungen unter einem großen ſchattichten Baume im freyen Felde 
halten, welches der Art, ſich zu waſchen und zu bethen, gemäß ſcheint, deren ſich, wie oben 
erwähnt worden, ein fremder Marbut bey Setiko bediente Y). 

Moſcheen. Labat, oder vielmehr Bruͤe, ſaget gleichfalls, fie haͤtten weder Moſcheen, noch Sab— 
bath, noch einen feſtgeſetzten Tag zum Gottesdienſte ). Le Maire hingegen ſaget: ob 
zwar das gemeine Volk ſich nicht die Mühe gäbe, Moſcheen zu bauen: fo haben hinge 
gen ſolche der Koͤnig und die Vornehmſten des Volks, welches mit Strohe bedeckte Oerter 


ſind, 
„ Jobſons Goldhandel, a. d. 67 S. 4) le Maire a. d. 91 S. 
2) Ebendaſelbſt a. d. 73 S. e) Labat II Band a. d. 288 S. Imgleichen 
a) le Maires Reiſe nach den Canarieninſeln Jannequins lybiſche Reiſe auf der 106 und 108 
a. d. 91 S. Seite. 
5) Jobſon auf der 8 S. 7) Job Ben Solemon pflegte, wenn er zurn 
6) Labat II Band a. d. 272 ©. Zelt des Gebeths in Geſellſchaft war, das Geſpraͤch 


abzu⸗ 


# 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 235 


find, gleichwie ihre Häufer. Sie ſtehen daſelbſt lange Zeit an einem Orte, und haben ihre Religion 
Augen gegen Morgen gerichtet. Darauf treten ſie zweene Schritte naher, und murmeln 8 Pe 
einige Worte zwiſchen den Zähnen. Alsdann legen fie ſich gerade auf das Angeſicht; dann ES 
richten fie ſich auf die Knie auf, und machen einen Zirkel um ſich auf der Erde, und etliche 
mal um den Kopf herum. Hierauf kuͤſſen ſie die Erde zu verſchiedenen malen, und ſtreuen 1 

ſich mit beyden Haͤnden 4) Sand in das Geſicht, und ſo wiederholen ſie eben dieſe Cere— 

monie eine halbe Stunde lang. . | 


Die Türfen und andere ſtrenge Muhammedaner verrichten das Salah oder Gebeth in Salah oder 
einem Tage und Nacht fünfmal, und an einem Freytage, welches ihr Sabbath iſt, wieder: Gebeth. 
holen ſie es ſiebenmal. Die muhammedaniſchen Schwarzen aber begnuͤgen ſich mit einer 
dreymaligen Wiederholung, naͤmlich des Morgens, des Mittags, und des Abends. Jedes 
Dorf hat einen Marbuten oder Geiſtlichen, der ſie zu dieſer Pflicht anhaͤlt, und ſie ver⸗ 
ſammlen ſich zu dieſem Ende an einem offenen Orte, weil ſie keine Moſcheen haben. Da⸗ 
ſelbſt ſtellen ſie ſich, nach Vollbringung der Reinigungen, die der Koran anbefiehlt, hinter 
dem Prieſter in Reihen, welchem ſie in ihren Bewegungen nachahmen, und haben ihre Ge⸗ 
ſichter gegen Morgen gerichtet; dahingegen, wenn ſie ihren Koͤrper erleichtern, ſie ſich nach 


Art der Weiber neigen, und gegen Weſten ſehen e). 


Wenn ſie ſich auf dieſe Weiſe geſtellet haben: fo breitet der Marbut feine Aerme aus, Verrichtung 
und ſpricht verſchiedene Worte fo laut und langſam, daß die Zuhörer ihm nachbethen koͤnnen. des Gottes⸗ 
Darauf kniet er nieder, und kuͤſſet die Erde, und dieſe Ceremonie wiederholet er zu dreyen dienſtes. 
malen, welches alle Anweſende ihm mit großer Ehrerbiethung nachthun. Alsdann kniet er 
nieder, und bethet eine Zeitlang heimlich. Wenn dieſes geſchehen iſt: ſo bezeichnet er mit 
der Fingerſpitze einen Zirkel auf der Erde, und machet verſchiedene Linien oder Charaktere 
darein, welche er kuͤſſet. Mit dem Kopfe ſtemmet er ſich an die Ballen von ſeinen Haͤn⸗ 
den, und mit den Ellbogen an die Knie, die Augen richtet er gegen die Erde, und bleibt alſo 
eine kurze Zeit im Nachdenken. Hierauf faſſet er Erde oder Staub in die Hand, und be⸗ 
ſtreut ſich den Kopf und das Geſicht damit, und fange an laut zu bethen. Mit dem Fin⸗ 
ger beruͤhret er die Erde, und erhebt ihn alsdann an ſeine Stirne. Waͤhrend der Zeit wie⸗ 
derholt er verſchiedenemale die Worte Salati Malek, das iſt: Herr, ich grüße euch. 

Wenn dieſes geſchehen iſt: ſo ſteht er auf; die ganze Verſammlung folget ſeinem Exempel, 
und ein jeder kehret wieder zu ſeinen Geſchaͤfften. FE 

Es ift etwas fehr wunderbares, ſowohl als lobenswuͤrdiges, die Beſcheidenheit, Auf- Aeußerliche 
merkſamkeit und Ehrerbiethung zu ſehen, welche fie dieſen Gottesdienſt hindurch blicken laſ⸗ Andacht. 
ſen, der eine gute halbe Stunde waͤhret, und den ſie dreymal des Tages wiederholen. Sie 
laſſen ſich hieran weder durch die angenehmſte Geſellſchaft, noch durch das noͤthigſte Ges 
ſchaͤffte hindern, und machen ſich allezeit ausdruͤcklich zu dieſem Ende auf die Seite /); und 
wenn fie kein Waſſer zu ihren Reinigungen haben koͤnnen: ſo bedienen fie ſich der Erde 3). 


| Gg 2 Der 
abzubrechen, und in einem Winkel der Stube ſein ob es aus Gewohnheit, oder aus einer Pflicht der 
Gebeth zu ſagen. Religion geſchaͤhe? worauf ſie ihm ſagten, daß ſie 


es aus Liebe zur Reinlichkeit thäten. In diefem 

g) Jannequin kam es ſehr ſeltſam vor, zu fes Falle muͤſſen fie ſehr unwiſſend geweſen ſeyn; denn 

hen, daß ſie, wenn ſie ihr Waſſer gelaſſen hatten, es iſt eine Vorſchrift ihrer Religion. Siehe ſeine 
ſich mit Waſſer oder Sande wuſchen. Er fragte: Lybiſche Reiſe a. d. 108 D. i 


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Religion 

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Schwar⸗ 
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236 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Der Herr Bruͤe, der. öfters bey ihren Ceremonien gegenwaͤrtig war, hatte öfters die Neun 
gierigkeit, ſich bey einigen ihrer Marbuten nach dem Endzwecke ihrer Gebether und Cere⸗ 
monien zu erkundigen. Ihre Antwort war allezeit, fie betheten Gott an, indem fie ſich vor 


—— ihm niederwuͤrfen; fie erkennten durch ihre Demuͤthigung ihre eigene Unwuͤrdigkeit, und 


Warum ſie 
bethen. 


Ramadhan 
oder große 


Faſten 


genau beob⸗ 
achtet. 


baͤthen ihn um Verzeihung ihrer Fehler, und um Gewaͤhrung derer Dinge, die fie. beduͤrftig 
waͤren, als einer Frau, Kinder, einer guten Erndte, eines Sieges uͤber ihre Feinde, eines reichli⸗ 
chen Sifhfangs, Befreyung von Krankheit, und den Gefahren, welchen das Leben aus⸗ 
geſetzt iſt 2). z 8 

Dieſem iſt das gemäß, was le Maire ſchreibt: der eine bethe um Sieg uͤber alle feine 
Feinde, und daß ihm Gott nichts zu Leide thun moͤchte, ein anderer um eine ſchoͤne Frau 
und Ueberfluß von Hirſe, und fo weiter. Sie find fo eifrig in ihren Gebethen, daß wenn 
man Feuer an ihren Haͤuſern anleget, man ſie nicht ſtoͤhren kann 1). | 

Die Schwarzen um die Sanaga beobachten allezeit den Ramadhan im Herbſtmo⸗ 
nate; denn ob es gleich bey den Moren ein bewegliches oder Mondenfeſt iſt: ſo hat es hin⸗ 
gegen feine gewiſſe Zeit ). Sobald der erſte Neumond nach der Tag- und Nachtgleiche 
im Herbſte zum Vorſcheine koͤmmt: ſo begruͤßen ſie ihn, indem ſie ihre Haͤnde gegen ihn 
empor halten, in welche ſie zuvor ſpucken. Nach dieſem werfen ſie die Haͤnde etliche mal 


um den Kopf, und wiederholen die vorige Ceremonie drey bis viermal 1). Allemal erwei- 


ſen die Muhammedaner dem neuen Planeten eine große Ehrerbiethung; ſie gruͤßen ihn, 
ſobald ſie ihn ſehen, und machen ihre Geldbeutel auf, mit der Bitte, daß ihr Reichthum 
nach dem Maaße zunehmen moͤchte, wie er zunaͤhme m). Die muhammedaniſchen 
Schwarzen beobachten den Kamadhan oder die Faſten ſehr ſtrenge, indem fie vor Son⸗ 
nenuntergange weder eſſen noch trinken. Die andaͤchtigen Perſonen unter ihnen werden 
nicht einmal ihren Speichel verſchlucken, und binden ein Tuch um den Mund, aus Furcht, 
daß eine Fliege hineinkommen moͤchte. So ſehr ſie auch den Tobak lieben, ſo ruͤhren ſie 
doch nicht eine Pfeife an 1); wenn aber die Nacht anbricht: ſo bringen ſie das wieder ein, 
was ihnen am Tage abgegangen iſt, und trinken, eſſen, rauchen, und tanzen bis es Morgen 
wird o). Die Reichen legen ſich alsdann bis auf den andern Abend ſchlafen p). 
Jannequin bemerket, daß die Negern von Aufgange der Sonnen an bis zur Zeit des 
Schlafengehens, welche fie Jente Karafana nennen, niemals ſchlafen, und daß fie dieſe 
Faſten ſo ſcharf halten, daß die Franzoſen ihre Dollmetſcher, die beſtaͤndig bey ihnen lebten, 
auch durch angebothene Geſchenke, ſie niemals dahin bringen koͤnnten, vor Abends zu eſſen. 
Wenn jemand die Faſten bricht: ſo muß er ſie wieder von vorne anfangen, und wenn es 
heraus koͤmmt: ſo hat er eine Vierthelſtunde lang Stockſchlaͤge zu gewarten. Daß ſie ſich 
alſo, wie der Verfaſſer ſaget, wenn ihre Religion gut waͤre, einen anſehnlichen Verdienſt 
zuwege bringen würden ). | * 

Wenn 


5) Labat, a. d. 289 u. f. S. f J) Mit lautem Geſchrey wie die Hottentotten bey 
1) Le Maires Reife nach Guinea, a. d. 91 S. jeder Abwechſelung, ſaget Barbot in ſeiner Beſchrei⸗ 
4) Jannequin ſaget, fie hielten die Ramadban bung von Guinea, a. d. 59 Seite. Er ſcheint an⸗ 
im Hornung, und le Maire ſaget im Jenner. Wenn deuten zu wollen, daß ſie ſolches von den Juden er⸗ 
die ſes richtig iſt: fo muß die Faſten hier eben ſowohl, borgt. Siehe 1 Sam. 20. imgleichen Janne⸗ 
als in andern Ländern, beweglich ſeyn, und Labat ſich quins Reife nach Lybien, a. d. 13 S. Re 
geirrt haben. a | | 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 237 
Wenn der Monat Ramadhan, oder die große Faſten, vorüber iſt: fo rufen fie das Religion 
Tabasket aus, welches das groͤßte und feyerlichſte Feſt unter den muhammedaniſchen der 
Schwarzen iſt, ſowohl als unter den Tuͤrken und Perſianern, die es Bayram nennen. Es Schwar⸗ 


wird von dem Herrn Bruͤe, der ein Augenzeuge davon zu Bukſar geweſen, folgender⸗ __*" 


maßen beſchrieben: Tabas kot 

Ein klein wenig vor Untergange der Sonnen erſchienen fünf Marbuten oder Prieſter, oder Oftern. 
in weißen Roͤcken, wie unfere Chorhemden, gekleidet, die bis auf die Mitte des Schienbeins Wie es 7 
heruntergiengen, und an dem Saume mit vorher Wolle r) eingefaßt waren. Sie giengen 9 
in einer Reihe, mit langen Aſſagayen in ihren Haͤnden, und vor ihnen her fuͤnf große Rin⸗ 
der, die mit feinen baumwollenen Tuͤchern behangen, mit Laube gekroͤnt waren, und deren 
jedes von zweenen Schwarzen geführt wurde. Die Oberhaͤupter der fünf Dorffchaften, 
aus welchen die Stadt Bukſar beſteht, folgten den Prieſtern in einer Linie, in ihrer beſten 
Kleidung gekleidet, und mit Aſſagayen, Saͤbeln, Dolchen, und Schilden bewaffnet. Auf 
dieſe folgten die Einwohner, ihre Unterthanen, fünfe in einer Reihe, auf gleiche Maße be⸗ 
waffnet. Als ſie an das Ufer des Fluſſes kamen: ſo wurden die Ochſen an Pfaͤhle angebun⸗ 
den, und der aͤlteſte Marbut ſchrie dreymal mit lauter Stimme das Salah Malek, oder 
die Ermahnung zum Gebethe. Darauf legte er ſeine Aſſagaye auf die Erde, und ſtreckte 
ſeine Haͤnde gegen Morgen. Die andern Prieſter folgten ſeinem Beyſpiele, und fingen ein⸗ 
muͤthig die gewoͤhnlichen Gebether an. Nach Endigung derſelben ſtunden ſie auf, und er⸗ 
griffen von neuem ihr Gewehr. 

Der aͤlteſte Marbut befahl darauf denen Schwarzen, welche die Ochſen leiteten, ſie auf Rinder ge⸗ 
die Erde zu werfen, welches in einem Augenblicke geſchah. Ein Horn machten fie in der opfert- 

Erde feſt, und kehrten den Kopf des Viehes, ehe ſie ihm den Hieb gaben, gegen Oſten. 
Sie nahmen ſich ſehr in Acht, daß das Vieh, indem es noch blutete, ſie nicht ſehen ſollte, 
weil fie dieſes für ein boͤſes Zeichen halten. Zu dieſem Ende warfen fie ihm Staub in die 
Augen. Wenn die Ochſen geſchlachtet, und ihnen die Haut abgezogen war: ſo zertheilten 
fie ſolche in Vierthel, und jedes Dorf nahm alsdann feinen Ochſen, und richtete ihn zu 5). 

Nach dieſer Verrichtung fing ſich der Folgar an. Zuerſt erſchienen die Weiber und Der Folgar 
Jungfern, in vier Haufen getheilt. Vor jedem von ihnen gieng eine Guiriotinn, oder Mu- oder Ball. 
ſikantinn her, die einige Verſe auf das Feſt ſang, worauf die andern in einem Chore ant⸗ 
worteten. Auf dieſe Weiſe zogen ſie ſingend und tanzend um ein großes Feuer in der Mitte 2 
des Platzes herum, wo ihre Oberhäupger und vornehmen Männer auf Polftern ſaßen. 

Bald hernach erſchien alles junge Mannsvolk in einem andern Aufzuge, eben ſo wie die 

Weiber, in gewiſſe Haufen abgetheilt, mit Trummeln und Geigen. Sie waren auf das | | 
beſte gekleidet, und fo bewaffnet, als ob fie in die Schlacht gehen wollten. Sie hielten ih⸗ Ringen und u 
ren Umgang um das Feuer herum, warfen ihre Kleider und Waffen weg, und fingen an, Tanzen. — 


Gg 3 mit ä 

m) Die Fiſcher und Bootsleute in der Normandie madhan oder Faſten waͤhret, nicht fechten oder in 2 
begrüßen die aufgehende Sonne, indem ſie ihre Muͤ⸗ Krieg ziehen. Seine Reifen, a. d. 142 S. 
Ben abnehmen, und ſich buͤcken, welches ein Ueber p) Labats abendlaͤndiſches Africa, im zten Bande, - 


bleibſel des alten Heidenthums zu ſeyn ſcheint. Siehe a. d. 291 ©. — 

Labat, im II Bande, a. d. 292 ©. . 7) Jannequin, a. d. 110 u. f ©. 
n) Barbot, a. d. 33 S. 7) Frogers Reife auf dem Suͤdmeere, a. d. 20 S. 
6) Moore merket an, daß fie, ſo lange dieſe Kae 5) Labat im zweyten Bande a. d. 294 S. 


238 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Beſchnei⸗ mit großer Behendigkeit einzeln mit einander zu ringen. Die Jungfern, die ſich in einer 
dung der $inie hinter ihnen ſtellten, munterten fie durch ihre Stimme und Gebehrden auf; und wenn 
Schwar: ſich ein Juͤngling hervorthat: ſo priefen fie feinen Sieg durch Singen und Haͤndeklopfen. 
FR Auf dieſe Uebung folgte ein beſonderer Ball, nach der Muſik ihrer Violinen, bey welchem 
| beyde Geſchlechter ihre Geſchicklichkeit im Tanzen zeigten, welches ihre liebſte Ergoͤtzlichkeit 
iſt, deren ſie niemals ſatt werden. Ein Schwarzer, der den ganzen Tag uͤber ſchwer ge⸗ 
arbeitet hat, glaubet, daß nichts beſſers für ihn übrig ſey, als vier bis fünf Stunden lang 
zu tanzen. Der Ball endigte ſich, ſobald ſie hoͤrten, daß ihr Eſſen fertig war. Dieſe 
Feyertage und Ergoͤtzungen waͤhrten drey Tage lang 7). 
Beſchnei⸗ Alle muhammedaniſche Schwarzen halten genau uͤber die Beſchneidung. Sie verrich⸗ 
dung. ten ſolche an ihren Knaben im vierzehnten oder funfzehnten Jahre 1), ſowohl, damit fie dies 
ſelbe deſtobeſſer aushalten koͤnnen x), als auch Zeit haben, vollkommen in ihrem Glauben 
unterrichtet zu werden. Es wird dieſe Ceremonie nicht leicht vorgenommen, wo nicht eine 
große Anzahl Knaben dazu vorhanden iſt, oder der Sohn eines Koͤnigs oder großen Herrn 
beſchnitten werden ſoll. Alsdenn wird allen Unterthanen des Koͤnigs, wie auch ſeinen Nach⸗ 
barn und Bundesgenoſſen kund gethan, ihre Kinder herzubringen; denn je groͤßer die Anzahl 
der Beſchnittenen iſt, deſto herrlicher iſt das Feſt, und deſtomehr Freundſchaften werden unter 
den jungen Leuten errichtet, die gemeiniglich fo lange dauern, als fie leben. 
Gewoͤhnliche Sie haben keine geſetzte Zeit zu dieſer Ceremonie, nur daß ſie dieſelbe nicht in der aller⸗ 
Zeit dazu. heißeſten Jahreszeit, noch in der naſſen, noch während des Ramadhan vornehmen; weil 
alle dieſe Zeiten zu einem ſo froͤhlichen Feſte nicht geſchickt ſind. Sie erſehen auch hierzu 
die Zeit des abnehmenden Monds; weil ſie glauben, daß alsdenn die Verrichtung nicht ſo 
ſchmerzhaft, ſondern leichter zu heilen iſt )). Nach le Maires Zeugniſſe iſt im Gegen⸗ 
theile der Kamadhan oder die große Faſten die rechte Zeit zum Beſchneiden 2). Herr 
Moore ſetzet fie ein wenig vor der regnichten Zeit a). 
Die Ceremo- Die Ceremonie der Beſchneidung findet ſich am beſten in der genauen Beſchreibung 
wie derſelben. des Herrn Bruͤe, Generaldirectors der franzoͤſiſchen Compagnie, wie er ſolche auf der Inſel 
des Johann Barre, nahe bey dem Fort St. Ludwig, angeſehen. 
er hierzu beſtimmte Platz war ein anmuthiges mit Baͤumen umgebenes Feld, drey⸗ 
hundert Schritte weit von dem Dorfe des Johann Barre, Linguiftens, oder Dollmet⸗ 
ſchers der franzöfifchen Compagnie, und des Vaters des vornehmſten Knabens, der beſchnit⸗ 
ten werden ſollte. Sie erwaͤhlen allezeit einen Ort, der von dem Dorfe oder der Stadt 
etwas entlegen iſt, und dieſes deswegen, weil den Weibern ganz und gar nicht erlaubt iſt, 
dabey zugegen zu ſeyn 5). Als Herr Bruͤe ſich mit feinem Gefolge auf die Bank, die 
zu dieſem Ende hingeſetzt war, niedergelaſſen, fing ſich die Proceßion folgendermaßen an. 
Proceßien. Die Guirioten oder Muſikanten fuͤhrten mit ihren Trummeln den Vortrab c), und 
| ſchlugen einen langſamen Marſch, ohne zu fingen, Zunaͤchſt folgten die Marbuten oder 
Prieſter 
7) Eabat II Band a. d. 296 S. *) Jannequin fuͤhret diefe Urſache an, auf der 
u) Moore ſaget im zwölften oder vierzehnten 11ß Seite. 
Jahre. Seine Reiſen a. d. 134 S. Jannequin ) Labat, im zten Bande, a. d. 272 ©. 
ſaget in ſeiner Reiſe nach Lybien a. d. 115 S. von 12 zu 2) le Maire a. d. 95 S. 
15 Jahren, und le Maire in ſeiner Reiſe nach den Ca⸗ a) Moores Reifen a. d. 134 S. 
narieninſeln a. d. 95 S. ſie wuͤrden in einem Alter von 5) Das Gegentheil erhellet aus Jobſons Enaͤh 
zehn bis zwoͤlf Jahren beſchnitten. lung. Siehe zuvor a. d. 50 S. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 239 


Prieſter von allen benachbarten Doͤrfern Paarweiſe, in weißen baumwollenen Roͤcken, und Beſchnei⸗ 
mit langen Aſſagayen. Dieſen folgten in einiger Entfernung die Knaben, die beſchnitten dung der 
werden ſollten. Sie waren in feinen langen baumwollenen Pagnes oder Kutten gekleidet, 3 
die vorne gedoppelt lagen, und bis an die Ferſen hinunter giengen. Sie hatten aber keine 
Beinkleider. Dieſe giengen einzeln, und neben jedem giengen zweene Verwandte oder 

Freunde, wie unſere Gevattern, um Zeugen von ihrem Glaubensbekenntniſſe abzugeben, 

oder ihnen zuzureden, die Schmerzen ſtandhaft zu ertragen. Nam Sek, ein vornehmer 

Neger, welcher die Beſchneidung verrichtete, kam hernach, und neben ihm Johann Barre, 

der Urheber des Feſtes. Ein Haufen von zweytauſend gewaffneten Negern ſchloß den Zug. 

In der Mitte des Feldes, nahe dabey, wo die Franzoſen ſaßen, war ein Brett auf einer 

kleinen Erhoͤhung gelegt. Die Prieſter und Alkiers, oder vornehmen Maͤnner, ſtellten ſich 

in zwey Reihen auf beyden Seiten deſſelben, da indeſſen die Candidaten und ihre Freunde 

in der Mitte blieben, in der Ordnung, wie ſie kamen. Die uͤbrigen Schwarzen ſchloſſen 

einen Kreis 4). 

Darauf verrichtete der vornehmſte Marbut oder Prieſter das Salah oder Gebeth, und Die Opera 
die Anweſenden ſprachen feine Worte vernehmlich und mit großer Aufmerkſamkeit und tion. 
Ehrerbiethung nach. Als dieſes zu Ende war: ſo naͤherte ſich der Nam Sek, der Be— 
ſchneidungsprieſter, nebſt Johann Barren, dem Vater des erſten Candidaten, dem Brette, 
und hielt das Opfermeſſer. Und unverzüglich ward der Knabe Guiopo von zweenen Ver⸗ 
wandten hergebracht, die ihn mit ausgeſtreckten Beinen auf das Brett ſetzten, und hielten, da 
unterdeſſen Nam Sek ihm den Rock aufhub, die Vorhaut ergriff, und ſo weit, als er konnte, 
von der Eichel wegzog, und in dieſer Lage ſchnitt er ſie weg e), da unterdeſſen der Vater das 
andere Ende hielt. Guiopo gieng ſogleich von dem Brette weg, in Begleitung feiner 
zweenen Anverwandten, mit ſeiner Aſſagaye in der Hand, und mit einer laͤchelnden Mine 
begab er ſich hinter die Marbuten 7), um ſeine Wunde bluten zu laſſen, da unterdeſſen die 
andern Knaben eben dieſe Verrichtung ausſtunden. Wenn die Wunde genugſam geblutet 
hat: ſo waſchen ſie ſolche jeden Tag etliche mal mit kaltem Waſſer, bis ſie zuheilet, welches 
ordentlich nach zehn bis zwoͤlf Tagen geſchieht. Waͤhrend der Beſchneidung muß der 
Candidat feinen rechten Daumen in die Höhe halten, und das muhammedaniſche Glaubens⸗ 
bekenntniß herſagen g). Diejenigen, die den meiſten Muth haben, thun es mit vernehm⸗ 
licher Stimme, und die meiſten nehmen, wenn die Beſchneidung voruͤber iſt, ein freudiges 
Geſicht an, ob es gleich aus ihrer Art zu gehen offenbar iſt, daß es ihnen ſchmerzhaft iſt, 
und fie manchmal kaum ohne Beyhuͤlfe ihrer Freunde zu gehen vermögen Y). 

Jannequin ſaget, die Knaben haͤtten einen Monat lang nach der Beſchneidung die Freyheit der 
Freyheit, zu pluͤndern, und alle Arten von Gewaltthaͤtigkeit an den Jungfern zu begehen, Beſchnittß⸗ 
nur nicht fie zu ermorden, oder ihre Perſon zu rauben. Hernach gehen die armen Kinder wen. 
mit ihren Vaͤtern in das Gehoͤlze, ihr Vieh zu huͤten, zu fiſchen, und in ihren Longans 

oder 

c) Siehe den Kupferſtich. öfters unter waͤhrendem Brennen, das zu Stillung 

4) Labat, II B. a. d. 280 S. ri des Bluts gebraucht wird, lachen. 

e) le Maire ſaget, der Candidate waͤre gezwun⸗ g) Diefes iſt la Allah, la Allab, Mahomed 
gen, die Vorhaut zu eſſen, nachdem fie weggeſchnitten Reſal Alla, das iſt: Es iſt kein Gott außer Gott, 
worden. Siehe ſeine Reiſe nach den Canarieninſeln (oder es iſt nur ein Gott) und Muhammed iſt der 
auf der 95 Seite. Bote Gottes. 

J) le Maire ſaget an eben dem Orte, man ſaͤhe fie 6) Labat, II Band, a. d. 283 S. 


240 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Beſchnei⸗ oder Hirſefeldern ) zu arbeiten. Wenn die Neubeſchnittenen wohl auf find: fo kommen 
dung der fie zuſammen, und gehen durch die Dörfer, und fordern Geſchenke. Und bey dieſen Gele⸗ 
Schwar⸗ genheiten gehen fie niemals mit leeren Händen fort. An manchen Tagen tragen fie einen 
— beſondern Habit, und eine Müge von einer wunderlichen Figur mit einem Paar Ochſen⸗ 
Ihre befons hoͤrnern H). In dieſer Geſtalt begehen diejenigen, die tiefer unten an der Kuͤſte wohnen, 
dere Kli; große Unordnungen, erpreſſen Geld, und nehmen ſich die ausſchweifendeſten Freyheiten 2), 
dung. Die an der Sanaga aber ſind nicht ſo wild, und begnuͤgen ſich mit dem, was ihnen ge⸗ 
eben wird. 

Weiber wer⸗ : Obgleich die Muhammedaner das weibliche Geſchlecht niemals beſchneiden: fo binden 
den beſchnit⸗ ſich doch die geiſtlichen Lehrer unter den Mandingoern nicht fo genau an dieſen Artikel, ſon⸗ 
ten. dern verſtatten auch den Weibsperſonen ein Recht an der Beſchneidung, welche gemeinig⸗ 
lich von den Weibern der Marbuten verrichtet wird. Doch dieſe Gewohnheit, die Wei⸗ 

ber zu beſchneiden, iſt nicht fo allgemein m). f 
Herr Moore zieht alles in wenig Worten zuſammen. Er ſaget, kurz vor der Re⸗ 
genzeit wird eine große Anzahl Knaben von zwölf bis vierzehn Jahren beſchnitten. Die 
Beſchnittenen legen alsdann eine beſondere Kleidung an, die in jedem Koͤnigreiche unters 
ſchieden iſt. Von der Zeit ihrer Beſchneidung an, bis die Regen einfallen, ift dieſen Kna⸗ 
ben erlaubt, ſoviel Unfug anzurichten, als ihnen nur beliebt, ohne daß fie deshalber zur Re⸗ 
chenſchaft gefordert werden; und wenn der erſte Regen einfaͤllt, ſo legen fie wieder ihre alte 

Kleidung an u). 1 


Der VII Abſchnitt. 


aa rg Von dem Aberglauben der Schwarzen, und ihren Marbuten oder Prieſtern. 
en der ö 

Schwar⸗ Ihr Begriff von den Finſterniſſen. Wahrſagung. ben. Die Marbuten oder Prieſter. Ihr Cha⸗ 
zen. Zauberey. Grisgris oder Angehaͤnge. Arabi⸗ rakter. Ihre Maͤßigkeit. Ein Exempel davon. 
ſche Sprüche. Figur und Materie derfelben. Ihre Treue. Werden in großen Ehren gehal— 
Ihre Kraft. Kuͤnſtliche Ausflucht. Bloße ten. Schulen. Ihre Art zu lehren. Wo⸗ 
Prieſterliſt. Wie ſie getragen werden. Eine von ſie leben. Herumziehende Lehrer. Große 
Art von Panzer. Beſeſſene Weiber. Der Handelsleute. Verſchlingen alles Gold im 
Mumbo Jumbo oder Popanz der Weiber. Sei: Lande. Ihre Spitzfindigkeit. Wie ſie rei⸗ 

ne große Gewalt. Trauriges Beyſpiel derſel⸗ fen. 


Einbildung Die Mandingoer haben die Einbildung, daß die Urſache einer Mondfinſterniß eine Katze 
von den Fin: ⸗— iſt, die ihre Pfote zwiſchen den Mond und die Erde haͤlt. Sie fingen und tanzen 
freeniffen. die ganze Zeit der Verfinſterung hindurch, in Erwartung ihres Propheten Muhammeds. 
Wahrſagung. Die Mandingoer uͤberhaupt ſind dem Aberglauben ergeben. Manche ſchlachten, wenn 
ſie reiſen wollen, einen jungen Vogel, und beſehen das Eingeweide, und nach Beſchaffen— 
heit deffelben ſchieben fie die Reiſe auf, oder unternehmen dieſelbe. Sie find auch ſehr 
abergläubifch in Anſehung der Wochentage; denn manche darunter halten fie für ungluͤck— 
lich, und fangen an denſelben ſchlechterdings keine Arbeit an ). 


8 5 So 
1) Jannequins Reiſe nach Lybien, a. d. 116 S. n) Moores Reiſen a. d. 134 S. 
4) Siehe den Kupferſtich. 9) Moores Reifen a. d. 143 S. 


1) Janneqnin beſtaͤtiget dieſes a. d. 113 S. p) Ebendaſ. a. d. 128. S. 


m) Labat II Band a. d. 285 S. 9) Siehe ſeine Beſchreibung, oben a. d. 209 S. | 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 241 


So lange der Verfaſſer in dieſem Lande war, glaubte das Volk, daß ein jeder, der Aberglau⸗ 
ſturb, von den Hexen getödtet würde, bis auf einen, den er begraben ſah, und von dem fie ben der 
geſtunden, daß er durch die Hand des Allmaͤchtigen geſtorben waͤre, weil er ſeine Geluͤbde ee 
gebrochen. Die Geluͤbde find bey ihnen ſehr üblich, und fie tragen einen eiſernen Ring am 
Arme, um ſich daran zu erinnern. Dieſer Mann, der ein Jahr zuvor einen Sklaven zum Hexerey. 
Geſchenke bekommen, hatte die Geluͤbde gethan, ihn niemals aus keinerley Urſache von ſich 

zu laſſen, und trug einen gedoppelten eifernen Ring am Arme. Weil er aber den Sklaven 

verkaufte, um Korn zum Unterhalte ſeiner zahlreichen Familie zu bekommen: ſo hielten ſeine 
kandesleute feinen Tod, der eine Woche darauf jaͤhlings erfolgte, für eine Rache des All: 
mächtigen, weil er feine Geluͤbde mit Willen gebrochen hatte pP). 6 
Unter dieſem Volke find noch verſchiedene andere aberglaͤubiſche Dinge: das merkwuͤr⸗ Grisgris 
digſte aber iſt dasjenige, was ihre Grisgris angeht. | | oder Se⸗ 

Jobſon, der fie Gregories nennt 7), bemerket, daß fie in gewiſſen geſchriebenen zau- gnelprüde, 
beriſchen Charakteren beſtuͤnden. Nach Jannequins Berichte, ſind dieſe Grisgris pa⸗ 
pierne mit arabiſchen Charakteren r) beſchriebene Zettel. Le Maire ſaget, daß es kleine 
arabiſche Briefchen mit untermiſchten nekromantiſchen Figuren 5) wären. Barbot 
ſtellet fie im Gegentheile groß vor, daß fie manchmal ein oder zweene halbe Bogen ordentlis 
ches Papier einnaͤhmen; ſie waͤren voller Zeilen in arabiſchen Buchſtaben, die mit Feder 
und Dinte geſchrieben werden, welche aus der Aſche eines gewiſſen Holzes beſteht. Las 
bat ſaget, ſie enthielten auserleſene Stellen aus dem Koran oder andere Spruͤche. 1 

Barbot brachte einige von ihren Grisgris nach Europa, und zeigte die Charaktere Arabiſche 
gelehrten Leuten, welche in der arabiſchen und andern morgenlaͤndiſchen Sprachen wohler⸗ pruͤche. 
fahren waren, welche ſich nichts daraus nehmen konnten t). Die Urſache iſt vermuthlich, 
daß obgleich die Buchſtaben arabiſch ſind, die Worte doch in der Sprache der Mandingoer 
geſchrieben ſind. Denn weil dieſelbe keine eigene Charaktere hat: ſo bedienen ſie ſich der 
arabiſchen, um dieſen Mangel zu erſetzen. 

Die Gregories werden in ſeidene ſauber genaͤhte Beutel oder Saͤckchen von aller- Figur und 
hand Figuren geſteckt. Wenn die Papiere beſchrieben ſind, ſo tragen ſie dieſelben zu der 1 
Perſon 1), die feine lederne Riemen zu Tobackspfeifen verfertiget, die ſie Kranhih nen⸗ derſelben. 
nen. Und dieſer naͤht ſie in Leder oder rothes Tuch ein. 5 

Jannequin und le Maire, und nach ihnen Barbot ſagen, die Grisgris waͤren in 
ſehr ſteif gefaltener und geleimter Leinewand eingewickelt, und mit ſauberm rothen Leder uͤber— 
zogen. Manche ſind laͤnger als ein Daum. Sie werden zuſammengelegt, und bekommen 
Ecken auf Art eines Diamants. Sie machen aus denſelben Armbaͤnder, und oͤfters thun 
die Marbuten ganz und gar nichts hinein, wie der Verfaſſer an einigen ſah, welche ihre 
Sklaven trugen x). Barbot ſetzet hinzu, daß andere von Roßſchwaͤnzen, oder von Hirſch— 

Widder, und Ochſenhoͤrnern gemacht, und mit rother Serſche oder Tuche uͤberzogen würden ). | 
Jannequin meldet, daß jedes Grisgris feine befondern Kräfte habe, als gegen das Ihre Kraft. 
Erſaufen, Pfeilwunden oder Schlangenbiß 2). Einige, fager le Maire, dienen, fie fefte ge: 


4 gen 
7) Jannequin a. d. 119 S. ) Jannequin a. d. 119 S. wie auch le 

s) Le Maire a. d. 64 S. Maire a. d. 93 ©. 5 

7) Barbot a. d. 60 S. 1 5) Barbot a. d. 62 S. 

u) Moore a. d. 144 S. 2) Jannequin a. d. 120 S. 


Allgem. Reiſebeſchr. HI Band. 


242 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Aberglau- gen die Wunden zu machen, ihnen im Schwimmen benzuſtehen, und ihnen einen guten 
mee Fiſchfang zu geben. Andere verſchaffen ihnen eine große Menge Weiber und Kinder. 
son are Sie verhindern, daß fie nicht in Gefangenſchaft gerathen; und kurz, fie dienen ihnen zu allem, 
I was fie fürchten oder wuͤnſchen koͤnnen. Eben dieſer Verfaſſer ſaget, ihr Vertrauen auf 
dieſe Anhänge ſey ſo groß, daß manche unter ihrem Schutze ſich nicht fürchten, einen Pfeil 
ſchuß auszuhalten 2). Barbot ſaget, daß auf gleiche Weiſe manche als ein Rettungs- 
mittel gegen die Gefahren auf der See getragen wuͤrden, und andere gegen Wunden im 
Treffen. Einige zielen dahin, ihrem Beſitzer eine ſichere Reiſe, großen Reichthum, beſtaͤn⸗ 

dige Geſundheit, oder den Weibern eine gluͤckliche Entbindung zu verſchaffen 2). 
Herr Moore bemerket, daß die Mandingoer, wenn ſie in die Schlacht gehen, den 
Muhammedanern, (worunter er die Marbuten verſteht), Papiere abkaufen, um zu verhin⸗ 
Liſtige Aus⸗ dern, daß fie nicht im Treffen bleiben. Wenn ihre Hoffnung ihnen fehl ſchlaͤgt: fo haben 
ſtucht. fie die Entſchuldigung fertig, dieſer Mann hätte ein böfes Leben gefuͤhret, und daher hatte 
g ihn Muhammed wollen ſterben laſſen c). Jobſon bekraͤftiget, daß fie dieſe Grisgris zu 
einer Arzeney brauchen, wenn ſie von einer Krankheit, Schmerzen, Schaden oder Geſchwulſt 
überfallen werden 4). Da nun die Kraft dieſer Gregories fo allgemein iſt: fo iſt es kein 
Wunder, wie Jannequin anmerket, daß fie dieſelben mit ſolchem Aberglauben aufheben, 

als ob es ihr vornehmſter Glaubensartikel wäre ). 


Bloßes Dieſe Gregories oder Grisgris haben in denen Tugenden, die ihnen beygelegt werden, 
Kunſtſtück eine Aehnlichkeit mit den roͤmiſchen Agnus Dei, und bringen auch auf gleiche Art den be: 
der Prieſter truͤgeriſchen Marbuten oder Pfaffen, welche die Verkaͤufer derſelben find, große Reich- 

thuͤmer zumege. Moore ſaget, die Buſcherinen oder Marbuten würden durch dieſe Kuͤn⸗ 

ſte bald reich 7). Le Maire bekraͤftiget eben dieſes, daß nämlich die Marbuten durch 

dieſe Grisgris die Schwarzen in das Armuth ſtuͤrzten. Denn manchen geben ſie den Werth 

von dreyen Sklaven, und andere verkaufen ſie fuͤr vier bis fuͤnf Ochſen, nach Beſchaffenheit 

ihrer vorgegebenen Kraͤfte g). Barbot ſaget ein gleiches, und daß das Volk durch den 

Glauben an dieſe Zaubereyen auf die Thorheit gerieth, daß es willig fein ganzes Ber 
moͤgen verſtieße, um fie zu kaufen, und ſich mit dieſem Putze recht viel wüßte 2). 


Wie ſie getra⸗ —Jobſon giebt uns die Nachricht, daß fie dieſelben auf dem Kopfe in Form eines Kreu⸗ 

gen werden. zes tragen, von der Stirne bis hinten in den Nacken, und von einem Ohre zum andern, 
gleichfalls um den Hals herum, ſo daß ſie queer uͤber beyde Schultern in der Mitte gehen, 
wie auch um die Aerme, uͤber und unter dem Ellbogen. Sie tragen demnach eine ganze 
Laſt von heiligen Segensſpruͤchen. Niemand aber iſt fo ſchwer damit beladen, als ihr Koͤ— 
nig 2). Moore ſaget, die Schwarzen truͤgen fie queer über die Schultern, und über die 
Bruſt, und ließen ſie an ſauber geflochtenen ledernen Riemen haͤngen. Manche unter ih⸗ 
nen truͤgen fie in ſolcher Menge, daß fie auf dreyßig Pfund ſchwer wären HY. 


Sie 
#) Ze Maire a. b. 23 ©. „) Jannequin a. d. 126 S. Aber heben fle 
5) Barbot a. d. 60 S. ſolche mit mehrerm Aberglauben auf, als er und 


e) Moore a. b. 144 S. Dieſes iſt eben die die von feiner Religion ihre Agnus Dei aufheben ? 
Entſchuldigung, welche die roͤmiſchen Priefter bey 7) Moores Reiſen a. d. 40 S. 
gleichen Gelegenheiten vorbringen. gz) Le Maire a. d. 94 S. 


4) Jobſons Goldhandel a. d. 50 O. 7) Barbots Beſchreibung von Guinea a. d 
Pi | 


Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 243 


Sie haben eine ganze Ruͤſtung von dieſer Art; der magiſche Kuͤraß bedecket fie über Aberglau⸗ 
und über, fo daß fie kaum von einer Sagay beſchaͤdigt werden koͤnnen. Die großen Her: ben der 
ren laſſen fich ihre Kleider und Mutzen damit uͤberziehen, und tragen eine ſolche Laſt da: 3 
von, daß fie öfters genoͤthiget find, ſich zu Pferde heben zu laſſen. Sie haͤngen dergleichen — 
Zaubereyen um ihre Pferde herum, um fie muthig, wie auch feſte gegen die Wunden zu Eine Art von. 
machen 1). Vor und hinter ſich, nämlich auf dem Ruͤcken und Bauche, haben ſie ſehr Panzer. 
große, nämlich fo lang und breit wie ein Quartante, und zweene Daumen breit dicke. Sie 
machen fie in der Geſtalt, wie das Kreuz eines Pferdes, oder ein Hirſch⸗ oder Büffelshorn. 

Zwey von dieſer letztern Art heften fie an ihre Muͤtzen, welches ſehr fuͤrchterlich ausfiehe. 
Gegen Feuergewehr machen ſie nicht feſte; denn, wie ſie ſagen, ſo iſt kein Grisgris gegen 
Pu oder Feuergewehr feſte. | | 

Einige Franzoſen find in Anſehung dieſer Grisgris fo albern geweſen und haben geglau: Befeffene 
bet, daß Hexereyen unter dieſem Volke etwas bekanntes find, weil fie zu gewiſſen Zeiten herum Weiber. 
gehen, tauſenderley wunderliche Gebehrden machen, ſingen, und ſchreyen, und ſagen, der 
Teufel beſaͤße fie. Wenn dieſes einer Welbsperfon wiederfaͤhrt, und fie glauben, daß es 
eine wirkliche Beſitzung iſt: ſo legen ſie ihr ein Mannskleid an, geben ihr eine Sagay in 
die Hand, gehen um fie herum, und fingen mit einer ſehr klaͤglichen Stimme, um den Teu— 
fel zu verjagen. Der Verfaſſer aber hat öfters befunden, daß ein guter Pruͤgel die befte 
Geiſterbeſchwoͤrung iſt; denn alsdenn koͤmmt der Teufel niemals wieder „). 

Dieſer Begriff von der Zauberey wird großentheils durch einen gewiſſen Popanz un⸗ 
kerhalten und fortgepflanzt, welchen die Mandingoer Mumbo u nennen, der von 
gleicher Art mit dem Ho⸗ rey iſt, wovon ſchon in Jobſons Reifen eine Beſchreibung ge- 
geben worden 1). ae Be | 

Herr Moore, der einzige Schriftſteller, der von dieſer Betruͤgerey redet, ſaget, es ſey Der Mum⸗ 
ein geheimnißvoller Goͤtze der Schwarzen, welchen die Maͤnner erfunden, um die Weiber bo Jumbo, 
in Furcht zu erhalten o). Dieſe Weiber find fo unwiſſend, oder wenigſtens find fie es 
ihrem Vorgeben nach, daß fie ihn für einen wilden Mann halten. In der That wird nie— 
mand, als wer um die Sache weis, wegen des ſchrecklichen Larmens, das er macht, ihn für 
einen Menſchen halten. Er iſt in einen langen Rock, der aus Baumrinde gemacht iſt, 
gekleidet; oben aber iſt ein Buͤſchel Stroh, und in allem iſt er acht bis neun Fuß lang. 
Es wiſſen wenige von den Eingebohrnen mit dem Laͤrmen, den er macht, kuͤnſtlich umzugehen. 
Er läßt ſich niemals hoͤren, als in der Nacht, damit es deſto beffere Wirkung hat. Wenn oder Popanz 
ein Mann ſich mit feiner Frau zanket: fo wird der Mumbo Jumbo geholt, um den der Weiber. « 
Streit auszumachen, da gemeiniglich das Urtheil dem erſten zum Beſten ausfaͤllt. a 

Die Perſon, die ſich in dieſen Rock verſteckt, kann alles befehlen, was fie will. Nie- Seine groge 
mand darf mit bedecktem Haupte in feiner Gegenwart ſeyn. Wenn die Weiber ihn kom- Macht. 
men hoͤren: fo laufen fie davon und verſtecken ſich. Wenn man aber mit dem Manne, der 

Hh 2 den 
co S. Dieſer Verfaſſer glaubet, daß ſie von den fa: 1) Jannequin ſaget, daß fie ſolche zu eben ' die⸗ 
baliſtiſchen Taliſmanen der Araber, oder den Phys fen Ende an die Füße ihrer Pferde hängen, auf 
lacteriis der Juden ihren Urſprung haben. Siehe d. no S. a 
5 B. Mof. VI. 8. und Matth. XXIII. 5. m) Le MWaires Reifen a. d. 93 S 
1) Jobſon a. d. 30 S. n) Siehe oben a. d. 50 S. a 
4 Moores Reiſen a. d. 144 S. e) Siehe oben a. d. 100 S. 


244 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


marbuten den Rock an hat, bekannt iſt: fo ſchicket er ihnen nach, daß fie herkommen, ſich niederſetzen, 
der und ſingen, und tanzen muͤſſen, wie er es haben will. Wenn fie ſich aber weigern: ſo ſchicket 
Rn er ihnen Leute nach, und läßt fie auspeitſchen. Wenn jemand in dieſe Geſellſchaft ein 
Pk e tritt p): fo thut er den feyerlichſten Eid, daß er keiner Frau oder andern Perſon, die noch 
nicht eingeweiht iſt, etwas verrathen will, worzu die Juͤnglinge unter ſechzehn Jahren nie⸗ 
mals gelaſſen werden. Das Volk ſchwoͤrt bey dieſem Goͤtzen, und haͤlt ſolches für einen 
0 ſehr heiligen Eid. 
Ein tragi⸗ Im Jahre 1727 begieng der Koͤnig zu Jagra, der ein ſehr neugieriges Weib hatte, 
ſches Bey» den Fehler, daß er ihr das Geheimniß von dem Mumbo Jumbo eroͤffnete, und fie er⸗ 
ſpiel davon. mangelte nicht, der Schwachheit ihres Geſchlechts gemäß, es unter ihren Bekannten aus⸗ 
zuplaudern, bis es einigen, die keine Freunde des Koͤnigs waren, zu Ohren kam. Dieſe 
berathſchlagten ſich deshalber, und fuͤrchteten, daß, wenn die Sache kund wuͤrde, ſie nicht 
im Stande ſeyn moͤchten, ihre Weiber ſo gut, als ſie ſonſt wollten, zu regieren. Sie nah⸗ 
men daher den Goͤtzenrock, und legten ihn einem Manne an, und giengen in die Reſidenz 
des Koͤnigs. Als ſie den Koͤnig rufen laſſen, und ihm ſeinen Fehler vorgehalten, welchen 
er nicht leugnen konnte: ſo holten ſie ſeine Frau, und ließen ſie beyde auf der Stelle um⸗ 
bringen. So ſtarb der Mann wegen feiner Gefaͤlligkeit gegen feine Frau, und die Frau 
wegen ihrer Neugierigkeit. N 
Es ſind wenig Staͤdte von Wichtigkeit, die ſich nicht einen ſolchen Rock haben machen 
laſſen, welcher bey Tage an einem großen Pfahle vor der Stadt hängt, und g) bis zur 
Nacht daſelbſt Hängen bleibt, welches die rechte Zeit ift, ihn zu gebrauchen ). 
Die Marbu⸗ Es iſt noch uͤbrig, von den Marbuten, oder Prieſtern unter den Schwarzen, zu reden. 
ten oder Sie ſind von dem übrigen Volke in vielen Dingen unterſcheiden, ob fie gleich in der Klei- 
Prieſter. dung mit ihm uͤbereinkommen. Jobſon faget 9), daß fie ſich von dem gemeinen Volke 
in der Wohnung, und in der Art zu leben, unterſcheiden. Ueberhaupt ſtimmen fie in vielen 
Stuͤcken mit dem levitiſchen Geſetze uͤberein, in welchem ſie nicht gaͤnzlich unwiſſend ſind. 
Eben dieſer Verfaſſer faget, daß fie Städte und Länder haben, die für ihren Stamm aus- 
geſondert find, in welchen kein gemeines Volk wohnet, außer was ihre Sklaven find 1). 
Sie verheirathen ſich gleichfalls auch nur in ihrem Stamme und in ihrer Freundſchaft, und 
alle Kinder werden zur Prieſterſchaft erzogen. In Anſehung des Eheſtandes leben ſie nach 
einer Regel mit dem gemeinen Volke, und haben mehr oder weniger Weiber, nachdem es 
ihr Stand oder die Klugheit erfordert. In jeder von ihren Staͤdten iſt ein Aelteſter oder 
Oberprieſter, und in Setiko, ihrer Hauptſtadt, hat das Oberhaupt von allen, oder der hohe 
Prieſter, ſeinen Sitz 1). 


Ihr Cha⸗ Die Mandingoerprieſter oder Marbuten ſind, nach Labats Anzeige, ſehr ſtrenge Be⸗ 
rakter. obachter der Geſetze des Korans. Meiſtentheils enthalten ſie ſich des Weins und ſtarker 
Getraͤnke, 
?) Dieſes iſt eine Art von Negerfreymaͤurern. ſareas. Moore hingegen Muhammedaner oder 

Buſcherinen. 


7) Die Betruͤgerey mit dem Rocke, oder die un⸗ i i i 
ſichtbare Gegenwart des ſichtbaren Betruͤgers, die .) Dieſe Erzählung Jobſons ſtimmet mit Moo⸗ 
Herr Brite entdeckt hat, ſcheint mit dieſem von ei- res Plan oder Beſchreibung einer Fulierſtadt über⸗ 
nerley Art zu ſeyn. ö 5. 5 weil dieſe ein freyes Volk ſind, und ſich 

N 1 weiß kleiden, welches die Farbe der Marbuten iſt: 

r) Moores Reiſen nach Africa a. d. 116 S. ſo mag ſolches Jobſonen zu dieſem Jerthume ver⸗ 

) Jobſon nennet fie. Mary Bucks oder Biß leitet haben. Siehe oben a. d. 179 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leong. VI Buch XIII Cap. 245 


Getraͤnke, und halten die Faſten Ramadhan ſehr ſcharf. Sie find weit gefitteter, als die Marbuten 
uͤbrigen Schwarzen, und lieben die Handlung, wie die langen Reiſen ausweiſen, welche ſie in 6 N 
die inländifchen Provinzen thun. Sie find ehrlich, aber doch genau und ſpitzfindig in ihrer zen. 
Art zu handeln. Gegen einander find ſie ſehr milde und leutſelig, und verkaufen niemals jeman— — 
den von ihrer Voͤlkerſchaft zum Sklaven, außer um eines großen Verbrechens willen x). 
Dasjenige iſt von den Marbuten zu verſtehen, was Herr Moore von den muham⸗ 

medaniſchen Mandingoern ſaget, daß ſie naͤmlich Arabiſch ſprechen. Diejenigen, die es ſchrei⸗ 
ben koͤnnen, ſaget er, halten des Tages drey⸗ bis viermal ſehr genau ihre Andachten, und 
find außerordentlich mäßig und enthaltſam; denn fie fterben lieber, als daß fie ftarfe Ge⸗ 
tränfe trinken, und faſten eher, als daß fie etwas effen ſollten, was nicht einer von ihren 
Religions verwandten geſchlachtet hat. Die Mandingoer erweiſen ihnen große Ehrerbie⸗ 
thung, und laſſen ſich von einem unter ihnen curiren, wenn ihnen etwas fehlet. Das Hei⸗ 
lungsmittel iſt keine Arzeney, die man innerlich braucht, ſondern geſchriebene Zeddel, oder 
Grisgris, welche fie auswendig, als ein Angehaͤnge, tragen, und theuer bezahlen ). 

Jobſon redet von verſchiedenen guten Eigenſchaften der Schwarzen, beſonders ihrer Ihre Maͤßig⸗ 
großen Maͤßigkeit, worinnen fie ſich von den Layen unterſcheiden, daß man fie allezeit an die- keis. 
ſer Probe erkennen kann. Sie begnuͤgen ſich lediglich am Waſſer, und dieſe Vorſchrift 
halten ſie ſo gewiſſenhaft, daß keine Faͤlle, auch nicht in der Krankheit oder aͤußerſten Noth, 
davon ausgenommen ſind, wovon er folgendes Beyſpiel anfuͤhret. Auf ſeiner Reiſe an dem Ein Exem⸗ 
Fluſſe war ſein Marbute oder Alkade mit den uͤbrigen aus dem Boote ausgeſtiegen, um bel davon. 
daſſelbe wieder flott zu machen. Unvermuthet aber gerieth er auf eine jaͤhe Bank, und fiel 
aus feiner Tiefe heraus in einen Waſſerwirbel 2), und ſtund in großer Gefahr, zu ertrins 
ken. Er ſunk zweymal bis auf den Boden. Als er ſich aber das anderemal in die Hoͤhe 
hob, ſo fingen ihn die Leute auf, und brachten ihn an Bord. Er war ſo ſehr abgemattet, 
daß er den Gebrauch ſeiner Sinnen verlohr. Als man ihm aber eine Flaſche mit Brandte⸗ 
wein an den Mund hielt, fo ſchloß er bey dem Geruche deſſelben die Lippen zu; und als er 
völlig wieder zu Sinnen kam, ſo fragte er ſehr aͤngſtlich: ob er etwas getrunken hätte? Und 
als man ihm mit Nein antwortete, ſo ſagte er: ich haͤtte lieber ſterben, als etwas da⸗ 
von in meinen Mund nehmen wollen; ob gleich der Hauptmann uͤberzeuget war, daß 
er dem Geruche des Brandteweins ſeine Staͤrkung zu danken hatte a). 

Eine eben ſo große Vorſicht brauchen ſie gegen ihre Kinder, welche ſie nicht nur abhal⸗ 
ten, einen Tropfen Wein oder ſtarkes Getraͤnke zu beruͤhren; ſondern ſie unterſagen ihnen 
auch alle ſuͤße Sachen, als Roſinen, Zucker und dergleichen, zu eſſen. Und wenn die Eng⸗ 
länder zu Setiko ihnen etwas von ſolchen geben: fo nehmen es die Eltern ſehr übel 5). 

Dieſem Beyſpiele der Enthaltung koͤnnen wir fuͤglich ein anderes, von der Treue und Ihre Treue, 


Aufrichtigkeit eines Marbuten, mit Namen Fodi Karire, beyfuͤgen ). Dieſer war der 
Hh 3 erſte 


1) Jobſons Goldhandel, a. d. 62 S. und dreyßigſten Capitel Jeremia, und geräth auf 


*) Labats abendlaͤndiſches Africa im IV Bande die Einbildung, daß dieſes Volk in gerader Linie 
6 vom Jonadab herſtammte, weil geſagt wird, daß 


0. d. 354 D. 
; die Rechabiten vom Hobah, dem Schwiegervater 
N «Ds h Liz Ä 
” e We * 9 Moſis, entſprungen, deſſen Weib, wie bekannt, eine 
2) Siehe oben a. d. 35 ©. Aethioperinn geweſen. 


a) In dieſer außerordentlichen Enthaltung ver⸗ 6) Jobſon a. d. 74 ©. 
leicht fie der Verfaſſer mit den Rechabiten im fünf c) Siehe oben a. d. 44 S. 


Arasbuten 


der 
wars 


246 Meisen langt der welchen Küste von Africa, 

erſte Schwarze, den Jobſon in feine Dienſte nahm, welcher wegen feines beftändigen gu? 
ten Bezeugens eben fo viel Lebe gegen ihn trug, als ob er ein Engländer geweſen wäre, 
und ihn nicht nur in allem, was den Lauf der Handlung an dem Fluſſe angieng, zu Rathe 


zog, indem er ihn allezeit auf feinen Reiſen begleitete, ſondern auch in den meiſten andern 


Werden in 
großen Eh⸗ 
ren gehal⸗ 
ken. 


Schulen fuͤr 
die Kinder. 


Dingen ſich nach ſeinem Gutachten richtete 4). | Ä 
Eben diefer Verfaſſer bezeuget, daß ſowohl der König, als das Volk, bey allen Gele⸗ 
genheiten eine große Hochachtung gegen ſie blicken laſſen, wovon wir bereits Exempel ange⸗ 
führer haben. Der Verfaſſer aber ſetzet noch ein beſonderes hinzu. Wenn Layen, die alte 
Bekannte find, und einander lange nicht geſehen haben, einander ungefähr auf der Straße 
begegnen: ſo ſtellen ſie ſich, wofern ein Marbut unter ihnen iſt, in einen Kreis, und 
fallen auf ihre Knie zum Gebethe, bevor ſie einander gruͤßen e). Labat ſaget, daß die 
Negern, befonders die um die Sanaga wohnen, fie in ſolchen Ehren halten, daß fie feſt 
glauben, daß derjenige, der ſie beſchimpft oder beleidigt, gewißlich binnen dreyen Ta⸗ 
gen ſtirbt T er INN m | 
Die mandingoer Marbuten verdienen fich ihr Brodt durch Schulhalten zur Aufers 
ziehung der Kinder, und durch Verfertigung der Grisgris oder Angehaͤnge. Jobſon 
ſaget, ſie haͤtten zu Auferziehung der Kinder runde offene und geraͤumige Schulen. Ob 
dieſe Schulen manchmal zum Gebrauche der Religion angewendet werden, da ſie allezeit an 


das Haus des Oberhaupts des Orts anſtoßen, war dem Verfaſſer unbekannt. Er glaubte 


Ihre Art zu 
lehren. 


aber eher, daß es nicht geſchaͤhe, weil ſie offen liegen, und nicht mit der geziemenden An⸗ 
ſtaͤndigkeit reinlich gehalten werden. 1 

Alle Knaben lernen aus einem Buche leſen und ſchreiben 3), das aus einem glatten 
Stuͤcke Holz gemacht iſt. Die Lectionen darinnen ſind mit einer Art ſchwarzer Dinte, und 
einer Feder, die wie ein Pinſel ausſieht, geſchrieben. Der Charakter, den ſie brauchen, 
koͤmmt dem Hebraͤiſchen ſehr nahe, welches der Verfaſſer nicht leſen konnte. Er brachte 
aber eine Probe davon mit nach England. Er bemerkte dem ungeachtet, daß ihre Reli⸗ 
gion und ihr Geſetz in einer ganz andern Sprache, als in der gemeinen, geſchrieben war, 
und daß kein Laye, er ſey von welchem Stande er wolle, zum Leſen und Schreiben ange | 
woͤhnet wird, oder eine Kenntniß von Buͤchern und Buchſtaben hat. Die Marbuten aber 
haben große geſchriebene Buͤcher von ihrer Religion, welche ſie ſich, wie er ſah, von ihren 
Leuten auf den Reifen nachtragen ließen A), 1 | 

Die Zeit, wenn hier die Kinder in die Schule gehen, iſt des Abends, oder vielmehr eine | 
bis zwo Stunden zuvor, ehe es Tag wird. Ihre Lectionen ſind auf Taͤfelchen von weißem 
Holze geſchrieben. Wenn ſie leſen koͤnnen, ſo lernen ſie ſolche auswendig, und es iſt einem 
Fremden leicht, eine Schule der Schwarzen zu finden, wegen des Laͤrmens, das die Schuͤler 
machen, indem fie ihre Leetionen fo laut herſagen, als fie ſchreyen koͤnnen. Wenn fie den 
Koran einmal durchgeleſen haben: fo werden fie für Lehrer gehalten, und alsdann lernen fie | 
Arabiſch ſchreiben, weil die Mandingoſprache keine eigene Buchſtaben hat ). 

Moore haͤlt die gemeinen Mandingoer fuͤr ſehr unwiſſend, weil man keine Buͤcher 
oder Wiſſenſchaft unter ihnen findet. Sie behelfen ſich damit, daß fie von zehn zu zehn 


zaͤhlen, 
) Jobſon a. d. 63 S. 1) Labat IV Band a. d. 353 S. und Janne⸗ 
e) Ebendaſelbſt a. d. 49 S. i quins lybiſche Reife a. d. 117 S. | 
) Labat im IE Bande a. b. 335 ©. 1 k) Moores Reiſen a. d. 145 S. 
1 Gleichwie unſere Hornbuͤchek. 5 J) Labat IV Band a. d. 354 S. 


) Jobſon a. d. 67 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIII Cap. 247 


zahlen, welches fie auf der Erde durch Zeichen bemerken. Doch geſteht er, daß die Bu- Marbuten 
ſcherinen oder Marbuten Arabiſch leſen und ſchreiben koͤnnen, welches ſie ihre Kinder durch 455 
Schulmeiſter, die fie zu dieſem Ende halten, lehren laſſen 1). S Bo 
Diefe Marbuten verdienen ſich auch ihr Brodt durch Abſchreibung des Korans, wovon 

fie die Abſchriften an die Könige und großen Herren um einen guten Preis verkaufen. Ihr Ihr Ein: 
größter Gewinnſt aber koͤmmt von den Grisgris oder Segensſpruͤchen, worzu alle Schwar⸗ kommen. 
zen eine abergläubifche Lebe haben 2). Jannequin ſchaͤmet ſich nicht, zu ſagen, daß fie 

öfters von dem Engel Kamate geplagt würden, daß fie den Diebſtahl ſowohl unter den 
Schwarzen als Franzoſen entdeckten, und die Zeit und ſelbſt den Ort benennten, wo die ge- 

ſtohlenen Güter verborgen worden. Und er glaubte, daß das Arabiſche Leſen und Schrei⸗ 

ben nicht koͤnnte gelernt werden, ohne mit dem Teufel zu thun zu haben m). 
Sie lehren nicht allein in den Schulen, fondern fie ziehen auch im Lande herum, und Herumzie⸗ 
lehren und unterrichten. Wenn fie erwachſen ſind: ſo gewöhnen fie ſich zum Reiſen. Es bende eh: 
ziehen ganze Familien miteinander, die ihre Bücher bey ſich führen, um die Jugend an ker. 

denen Orten, wo fieftille liegen, zu unterrichten. Es ſteht ihnen zu dieſem Ende das ganze 

Land offen, und fie haben einen freyen Paß durch alle Oerter, wenn gleich die Könige miteinan- 

der in Krieg verwickelt ſind. Sie werden aber auch niemand auf der Straße oder in den 

Städten, wo ſie einkehren, zur Laſt; weil fie allezeit ihre Lebensmittel mit ſich bringen. Doch 

glaubet der Verfaſſer, daß ſie in den Haͤuſern mancher großen Herren friſche Lebensmittel 

bekaͤmen, oder auch dadurch, daß ſie der Gewohnheit des ganzen Volks nachfolgen, das iſt, 

betteln, und keine abſchlaͤgige Antwort annehmen. Doch wird ein Buch Papier zu dreyen 

Stuͤbern eine ganze Compagnie von ihnen zufrieden ſtellen; denn fie koͤnnen ſich daſſelbe 
vermittelſt ihrer Grisgris zu Brodte machen, welche fie nach ihrem Vortheile anzulegen 

wiſſen. Dieſes bekräftigt Jobſon durch die Anmerkung, die er macher, daß, wenn er je⸗ 

manden von dem Landvolke Bothſchaft geſchickt, ſolcher ſich allezeit noch einen oder zweene 

Bogen vom über den bedungenen Lohn ausgebethen, um dafür Lebensmittel unterwegens 

u kaufen 1). ö 5 

f Dieſe Marbuten find nicht allein Prieſter, ſondern fie treiben auch die ganze, oder doch Grohe Han, 
die vornehmſte Handlung des Landes, beſonders die zu Setiko. Sie ſind die einzigen Leute, delsleute. 
die von dieſem Orte an, bis in das Land des Koͤnigs von Barſalli, einen beſtaͤndigen Skla⸗ 

venhandel treiben. In dem Lande deſſelben macht die See von freyen Stücken eine große 

Menge Salz das aber grob und unſauber iſt, und wie Aſche ausſieht. Doch der Gewinnſt 

von dieſem Salze iſt der anſehnlichſte Theil von den Einkuͤnften des Koͤnigs. Die Mar⸗ 

buten brauchen dieſes Salz ſelbſt ſehr wenig; fie verführen es aber weit im Lande, wogegen 

fie Gold und Kolanuͤſſe eintauſchen. Das Gold machet ihr vornehmſtes Gewerbe aus, und Verſchlin⸗ 
iſt dasjenige, wornach ſie am meiſten trachten, weil ſie die Meynung haben, daß es von gen alles 
großem Nutzen in der andern Welt ſeyn wird o). Aus dieſer Urſache ſcharren fie sufaitı Er a 
men, was fie konnen, und vergraben es entweder ſelbſt in der Erde, oder laſſen es mit fich N 

in das Grab legen p). Ein wenig davon heben fie auf, um von den Portugiefen eine Art 

cchoͤne laͤnglichte blaue Steine zu kaufen, die von den Welbern um die Lenden getragen wer» 


5 den 
m) Jannequin a. d. 11s S. alles Gold im Lande an ſich zu ziehen, zu bemäͤnteln. 
n) Jobſons Goldhandel a. d. 77 S. 5) Der Verfaſſer, der den hohen Prieſter zu Sett⸗ 


6) Dieſes ſcheint nur ein liſtig ausgeſonnener ko begraben ſah, beſchreibt die Ceremonie, er meldet 
rwand zu ſeyn, ihren Geiz und ihre Begierde, aber nichts hiervon. Siehe oben a. d. 44 S8. 


Saar \ HR a 
} 17 PS 


2433 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, , 
Marbuten den, um ſie von den Blutfluͤſſen zu befreyen, denen fie durchgängig wegen der Verwundun⸗ 
der gen unterworfen ſind, die ſie von ihren Ehemaͤnnern beym Liebeskampfe leiden, wie bereits 
Schwer: angemerkt worden. Sie brauchen ihr Gold ſonſt nirgends, außer daß die Weiber ein 
sen SStuͤckchen von ſehr grober Arbeit zu Ringen und zu Ohrgehängen tragen J). N 

Ihre Spiz. Obgleich die Marbuten zu Setiko ſonſt ſehr freundlich ſind: ſo beſtrebten ſie ſich doch 

ſindigkeſt. vor allen andern, den Hauptmann Jobſon abzurathen, eine Handelsreiſe die Gambra hin⸗ 

auf zu unternehmen, indem ſie ihm ſolche als hoͤchſt gefährlich, ja faſt unmöglich vorſtellten, 
in der Abſicht, wie er glaubte, eine ſo eintraͤgliche Handlung fuͤr ſich zu behalten, zumal, 
da ſie ſich mit großer Muͤhe und vielen Unkoſten eine Menge Eſel angeſchafft hatten, um 
die Waaren in dem Lande zu verführen r). 

Wie ſie reiſen. Auf den Reifen halten fie den ordentlichen Schritt von ihren Eſeln, die vor ihnen her⸗ 
getrieben werden. Sie begeben ſich mit Anbruche des Tages, der in dieſer Himmelsgegend 
kurz vor dem Aufgange der Sonne vorhergeht, auf den Weg, und reiſen drey Stunden 
nach einander. Alsdann ruhen ſie, ſo lange die Hitze des Tages waͤhret. Zwo Stunden 
vor Sonnenuntergange reiſen ſie von neuem aus, und bald hernach erwaͤhlen ſie ſich ihr 
Nachtlager, wobey ſie auf die Sicherheit vor den wilden Thieren ſehen, außer, wenn Monden⸗ 
ſchein iſt, weil es ſich alsdenn am beſten reiſen laͤßt. Wenn ſie aber an eine große Stadt 
kommen: ſo liegen fie zwey oder drey Tage lang ftilfe, packen ihre Eſel ab, und legen ihre 
Waaren unter einem ſchattichten Baume aus, welches eine Art von Markte fuͤr die Ein⸗ 
wohner der Stadt iſt. Die Reiſenden liegen in der Nacht unter ihrem Geraͤthe auf Mat⸗ 
ten, welche fie bey ſich führen +). 


„ * * * * * * 4 * * * 4 4 * * * K * * α N A ò un u uA A 


Das XIV Kapitel. 


Sierra Eine Beſchreibung des Landes und der Einwohner von Bulmberre 
4 oder Sierra de los Leonos, gemeiniglich Sierra Leona genannt. 


| Einleitung. 
De folgende Beſchreibung ift vornehmlich aus den Erzählungen von vier Reiſebeſchrei⸗ 


bern genommen. Ihre Erzaͤhlungen haben wir von ihren Tagebuͤchern getren⸗ 
net, und das Weſentliche davon abſonderlich mitgetheilt. 

Der erſte von dieſen Reiſebeſchreibern iſt Wilhelm Finch, ein engliſcher Kaufmann, 
der auf ſeiner oſtindiſchen Reiſe im Jahre 1607 nach Sierra Leona gekommen, und die 
beſte Beſchreibung, die von dieſem Lande zu finden iſt, verfertiget hat, beſonders was die 
Naturgeſchichte anbetrifft. Das Tagebuch von ſeiner ganzen Reiſe, welches eines von der 
merkwuͤrdigſten in irgend einer Sprache iſt, hat Purchas in ſeine Sammlung eingeruͤckt 2). 

Der andere ift Herr Villault de Bellefond, der dieſe Gegend in feiner Reife nac 
Guinea im Jahre 1666 berührt, und deſſen Beſchreibung hernach folgen ſoll. 


| Der 
ee a) Im erſten Bande a. d. 414 S. purchas hat bi 
7) Ebendaſ. a. d. 81. S. Beſchreibungen dieſes Verfaſſers von Sierra Leon 


1) Ebendaſ. a. d. 91 8. u. andern Orten von dem Übrigen Werke abgeſondert. 


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20,, 20» 
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en > | 
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benachbarten Laendern 


> 23.0. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 249 


Der dritte iſt Barbot, der im Jahre 1678 zu Sierra Leona geweſen, welches er in Sierra 
ſeiner Beſchreibung von Guinea beſchreibt. Und der vierte Herr Atkins, der eben dieſen Leona. 
Ort im Jahre 1721 beſucht, und dem Lande und der Bay einen beſondern Artikel in ſeiner 
Reiſe nach Guinea und Braſilien gewidmet hat. 5 

Labat hat auch verſchiedene Dinge bekannt gemacht, welche dieſe Gegend angehen. 

Das wichtigſte haben wir in einem beſondern Anhange beygefuͤget, um das übrige zu erläus 
tern oder zu ergaͤnzen. Ueberhaupt muͤſſen wir geſtehen, daß alle dieſe Beſchreibungen, 
ſowohl zuſammengenommen, als einzeln betrachtet, ſehr unvollſtaͤndig ſind, und noch keinen 
rechten Begriff von dem Lande geben. Wir koͤnnen auch aus keiner einige Gewißheit von der 
Lage der Staͤdte und der Bay erlangen, die ſie beſucht haben, beſonders von der Bay von 
Frankreich, welche die bekannteſte iſt, und von den vier erſtern beſucht worden. Bar— 
bots Beſchreibung iſt verwirrt, und ſeine Karte von der Bay iſt zwar groß, aber nicht um⸗ 
ſtaͤndlich genug; indem ſehr wenig Staͤdte darauf geſetzt, und keiner von den Namen der 
Bay angegeben worden. Es geſchieht zum Theile aus dieſen Urſachen, daß wir die Anmer⸗ 
kungen eines jeden von dieſen Schriftſtellern beſonders vortragen. 


Der I Abſchnitt. 
Beobachtungen über Sierra Leona, im Jahre 160 7. 160 
Durch Wilhelm Finch, Kaufmann. Finch. 


Der Meerbuſen und die Buchten deſſelben. Aufent- Die Frucht Gola oder Kola. Ihre Eigenſchaf⸗ 
halt des Königs. Tracht der Einwohner. Ihre ten und Wirkungen. Der Baum Taglow oder 
Haͤuſer und Geraͤthſchaft. Waffen. Geſtalt. Kola. Woher die Kola gebracht wird. Auſtern, 
Lebensart. Pflanzen. Tobak. Menge und die an Baͤumen wachſen. Andere Fiſche in der 
Mannichfaltigkeit der Früchte. Art von Erd: Bay. Voͤgel. Der Carbunkel, ein erdichtetes 
beeren. Giftige Frucht. Kambe eine Farbe. Thier. Waaren zu Sierra Leona. 


Die Bay von Sierra Leona iſt auf drey Seemeilen in der Breite. Gegen Suͤden Die Bay 
iſt das Land hoch, und bis an das Ufer voller Baͤume, und hat ſehr viele Buchten, und ihre 

wo fie mancherley Fiſche in großer Menge fangen. Auf der hintern Seite der vierten Buchten. 

Bucht iſt eine immerwaͤhrende vortreffliche Waſſerquelle. Daſelbſt fanden ſie an den Felſen 

die Namen verſchiedener Englaͤnder, und unter den uͤbrigen den Namen Franz Drake, 

der ſieben und zwanzig Jahre zuvor an dieſem Orte geweſen, imgleichen Thomas Candiſch, 

Hauptmann Liſter, und andere. Um die Mitte der Bay in gerader Linie mit der dritten 

Bucht liegt eine Sandbank, bey welcher es nicht uͤber zweene bis drey Faden tief iſt, an den 

meiſten andern Orten aber bis dicht an das Ufer findet man acht bis zehn Faden. Die 

Fluth geht Oſtſuͤdoſt, und ihre groͤßte Hoͤhe iſt ſechs bis acht Fuß; die Ebbe iſt ſehr ſtark. 

Die Breite iſt acht und ein halber Grad nordwaͤrts. 

Der König hat feinen Sitz an der Außerften Vertiefung der Bay, und wird von den Sitz des 
Moren Borea, oder Hauptmann Karan, Karan, Karan genannt. Er hat andere Koͤnigs. 
kleine Koͤnige unter ſeiner Bothmaͤßigkeit, davon einer, Hauptmann Pinto genannt, einen 
unterhalb der andern Bucht gelegenen Flecken bewohnt; und an der andern Seite der Bay 
wohnet der Hauptmann Boluhne. Das Gebieth des Borea erſtrecket ſich vierzig Sees 
meilen weit landwaͤrts. Seine Einkuͤnfte beſtehen in Tribut von baumwollenen Zeugen, 
Elfenbeine und Golde, und in der Macht, ſeine Unterthanen zu Sklaven zu verkaufen, die 

Allgem. Reiſebeſchr. II Band. YA er 


250 Reiſen laͤugſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1607 er den Engländern anbiethet. Einige von ſeinen Unterthanen ſind durch portugieſiſche 
Finch. Prieſter und Jeſuiten bekehrt worden, und haben eine Kapelle, wo eine Tafel von den Sonn 
und Feſttagen angehaͤngt iſt. b 
Tracht der Der Koͤnig, und einige von ſeinen Bedienten, haben eine anſtaͤndige Kleidung, die aus 
Einwohner, einem Latze und Beinkleidern beſteht; einige tragen auch Huͤte. Das gemeine Volk aber 
geht nackend, und hat nur einen baumwollenen Gürtel um die Lenden. Die Weiber um- 
wickeln ſich mit einem Stuͤcke baumwollenen Tuche, das in der Mitte angebunden iſt, und 
bis auf die Knie herunter faͤllt. Die Kinder gehen voͤllig nackend. Beyde Geſchlechter 
haben auf ihre Haut allerhand Figuren eingeſtichelt oder geſchnitten, und die Zaͤhne ſcharf 
gefeilt. Sie ſchneiden ſich das ganze Haar um die Augenlieder weg. Ihr Bart iſt kurz, 
kraus und ſchwarz. Das Haupthaar ſchneiden ſich manche uͤber das Kreuz ab, und laſſen 
viereckichte Flecken ſtehen. Andere ſchneiden es in Kerben, oder in andere Figuren, Die 
Weiber aber ſcheeren es glatt ab. 
Haͤuſer und Ihre Städte beſtehen aus dreyßig bis vierzig Haͤuſern, die alle zuſammenhangen. Sie 
Geraͤthe. ſind mit Rohre gedeckt, und die Waͤnde ſind wie die Viehſtaͤlle in England aus Leime ge— 
macht. Im Eingange haben fie ſtatt der Thuͤre eine Flechte mit Riegeln und Schlöffern. 
Statt einer geſchnitzten Bettſtelle haben ſie queer über einander gelegte Scheite Holz, und 
ftatt der Federbetten legen fie ein oder ein Paar Matten darauf. Manche Haͤuſer ſind 
mit ſolchen Matten behangen, beſonders um ihre Betten herum, zwiſchen dem Bette und der 
Wand. Ihre andere Geraͤthſchaft beſteht i in einem Paare irdenen Toͤpfen zum Kochen und 
das Waſſer aufzubehalten, einem oder zweenen ausgehölten Kürbfen zum Palmenweine, und 
einem halben Kuͤrbſe zum Trinkgeſchirre, etlichen irdenen Schuͤſſeln, einem Korbe fuͤr die Frau, 
Schnecken aufzuleſen, und einem Futterſacke fuͤr den Mann, der aus Baumrinden gemacht 
iſt, worinnen er ſein Eſſen, ſeinen Tobak und ſeine Pfeife auf den Achſeln tragt, wenn er aus⸗ 
geht. Sie tragen einen kleinen Saͤbel an der Seite, den ſie aus europaͤiſchem Eiſen verfer⸗ 
tigen, und einen Bogen und Koͤcher mit vergifteten und mit Eiſen beſchlagenen Pfeilen, in 
Form eines Schlangenſtachels, oder ein Geſteck mit Wurfpfeilen, die mit breitem und 3 
formirten Eiſen beſchlagen find. Manchmal tragen fie auch beydes 2). 
delbesbildung. Es ſind große und unterſetzte Männer, ſtark und herzhaft, und von hoͤflicher Gemüͤths⸗ 
art. Sie halten ſich meiſtentheils zu ihren Weibern, uͤber die ſie ſehr eiferſuͤchtig ſind. 
Sinch konnte ihre eigentliche Religion nicht erfahren. Ob ſie gleich einige Bilder haben: 
ſo haben ſie doch auch einen Begriff von Gott; denn wenn die Englaͤnder ſie wegen ihrer 
hölzernen Puppen fragten, fo pflegten fie die Hände gen Himmel zu erheben. So viel ift 
gewiß, daß fie alle befchnitten find, Sie find fehr gerecht und ehrliebend. Diebſtahl wird 
ohne Anſtand mit dem Tode beſtraft. Wenn jemand ſtirbt: ſo wird eine kleine Strohhuͤtte 
uͤber ſeinen Sarg geſetzt, unter welche a heſtindig feifches Waſſer, und etliche Gerichte 
auf irdenen Tellern ſetzen. 
Auf der Suͤdſeite der Bay, vierzig bis 1 5 Seemeilen landwaͤrts, wohnen Men⸗ 
Speiſen. ſchenfreſſer, die dann und wann ihre Nachbarn beunruhigen. Die Moren zu Sierra Leona 
u naͤhren ſich vom Reiße, den fie in großer Menge haben, ob fie gleich nur fo viel ſaͤen, als 
zum Dienſte ihrer Familien erfordert wird, und genoͤthiget find, Stuͤcken Waldes einzu⸗ 
Achern um ſich Platz zu verfhaffen. Sie fäen 10 ein anderes kleines Korn, Pene ge 
nannt, 


59 Siehe Einchens Se nach Oſindien in Prarnie Sanur im erſten Bande, a a. d. 414 ©. 


9 


* 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 25r 


nannt, das dem Winterſaturey nicht unaͤhnlich iſt, woraus ſie Brodt machen. Sie haben 
einige Hühner, ſonſt aber kein Fleiſch, außer, daß fie zuweilen einige Rehe oder Voͤgel auf 
den Gebirgen fangen. Sie leben auch von Wurzeln, Kraͤutern, Schnecken und Auſtern. 
Von dieſen letztern haͤngt eine große Menge an den Baͤumen und Klippen am Strande, 
aber von ſchlechtem Heſchmacke⸗ Sie fangen viele gute Sifche mit Lockſpeiſe, und auf 
andere Art. 

Um ihre Häufer pflanzen fe Plantainbäume, Küͤrbſe, Potatos, und guineifchen Pfeffer, 
befonders aber Tabak, welcher ihre halbe Nahrung auszumachen ſcheint. Der Kopf zu 
ihrer Pfeife iſt ſehr groß, und beſteht aus ſtark gebranntem Thone. In das untere Ende: 
deſſelben ſtecken ſie ein kleines Rohr, anderthalb Fuß lang, durch welches, ſowohl Männer, 


als Weiber, ſaugen, und den Rauch verſchlucken. Ein jeder traͤgt ſeine Pfeife, und einen 


kleinen Beutel, Cuffio genannt, voll Tobak, in ſeinem Schnappſacke. Die Weiber tra⸗ 
gen den Tobal in ihrem Schurze, und die Pfeife in der Hand. Sie preſſen, wenn das 
Laub noch friſch und gruͤn iſt, den Saft aus dem Tobake heraus, weil ſie ſagen, daß er ſonſt 
trunken macht. Alsdenn ſchneiden ſie ihn klein, und trocknen ihn auf Kohlen. Auf einer 
Inſel ſahen ſie ein halb Dutzend Ziegen in her 7 00 und Jo nirgends; fie befamen aber 
nichts von ihrem Fleiſche zu koſten. R 

Sie haben unzählige Arten Fruͤchte, die wild in en Wäldern wachſen. Ganze 


Waͤlder Limonienbaͤume, beſonders auf der Seite der Waſſerquelle, nahe bey der Stadt, 
und einige Pomeranzenbaͤume. Ihr Getraͤnke iſt meiſtentheils Waſſer, doch verſchlingen 
die Maͤnner vielen Palmenwein, den ſie Moy nennen, und geben den Weibern wenig oder 
nichts. Mit Huͤlfe einer Gerte, die ſie um den Baum und um ſich zugleich herum ſchlingen, 


ſteigen ſie hinan, und herunter, indem ſie den Leib zuruͤckziehen, und die weidene Gerte mit 


wunderbarer Geſchwindigkeit und Gewißheit vor ſich in die Hoͤhe heben, und den Kuͤrbs 
voll Wein auf dem Arme herunter bringen. Sie haben verſchiedene Arten Pflaumen; eine 


Gattung iſt wie Spillinge, ſehr annehmlich und geſund; imgleichen eine ſchwarze Gattung, 
ſo groß, wie eine Roßpflaume, von aromatiſchem Geſchmacke, die ſehr hoch geachtet wird. 
Es giebt hier Wanſamillias c), die wie Spillinge ausſehen, und ſehr gefaͤhrlich ſind. 
Der Saft iſt es gleichfalls, der ſehr häufig i in dieſer Frucht iſt, wenn man ihn in die Augen 
ſpruͤtzet. Sie haben Beninganions, eine ſehr geſunde Frucht, faſt von der Größe der Li⸗ 
monien, mit einer roͤthlichen Schale. 

Eine andere Frucht, mit Namen Beguil, iſt ſo groß wie ein Apfel, und hat eine rauhe 
warzichte Schale. Wenn dieſe abgeſchaͤlt wird: ſo koͤmmt ein Fleiſch zum Vorſcheine, das 
an Geſchmack, Koͤrnern, und Farbe wie Erdbeeren iſt. In den Waͤldern ſind Trauben 
von einem holzichten und bittern Geſchmacke. Sie eſſen die Nuͤſſe, die von dem Palm⸗ 
baume abfallen, gebraten. Sie brauchen auch Pfeffer und Cardamumen, dieſe zur Wund: 
arzeney, und jenen in der Haushaltung. Sie haben gewiſſe Fruͤchte, davon ſechs bis ſie— 
ben in einer Traube zuſammenwachſen; jene iſt ſo lang und dicke, als ein Mannsfinger, 
von einer braunen, gelblichten Farbe, etwas weichlich, die in der Rinde ein fleiſchichtes 
Weſen von angenehmem Geſchmacke enthalten. 


1607 
Finch. 


Pflanzen 
Tobak. 


Menge von 


Fruͤchten. 


Art vonErd⸗ 
beeren. 


In den Waͤldern wachſen Baͤume wie Buchen, deren Frucht den Bohnen aͤhnlich iſt, 


von denen er drey N bemerket hat. Eine 1 920 ar und hoch. Der Baum 


trug 


3 Oder Manzanilla, ein giftiger Apfel. 


1607 


Sinch. 


e a ER 
Giftige Boh⸗ 
nen. 


Kambe ein 
Faͤrbeholz. 


Gola oder 
Kolafrucht; 


Beſchaffen⸗ 
heit und Wir⸗ 
kungen. 


252 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


trug eine Schote wie Bohnenſchoten, in welcher vier bis fuͤnf viereckigte Bohnen waren, 
faſt wie der Tamarindenſaamen. Sie waren mit einer harten Haut umgeben, und dar⸗ 
unter ſtack ein gelber Kern, ein gefährliches Gift für die Schwarzen, ihre Pfeile zu ver- 
giften. Sie nennen die Frucht Ogon. Die andere Gattung iſt kleiner. Die Schoten 
laufen auf die eine Seite krumm, ſind von dicker Rinde, und ſechs bis ſieben Zoll in der 
Krümmung, und halb fo viel in der Breite. Inwendig ſind fünf große Bohnen einen 
Zoll lang. Die dritte Art iſt groß, und hat kurzes Laub wie die vorhergehende. Die 
Frucht iſt weit dicker und plumper, an einem ſtarken hoͤlzernen Stiele, und an den Seiten 
ein wenig eingekerbt, neun Zoll lang und fuͤnfe breit. Inwendig find fünf lange Boh⸗ 
nen, noch groͤßer als die vorhergehenden, die ſie Quenda nennen, und fuͤr ſehr gefaͤhrlich 
ausgeben 4). f ; 

Sie pflanzen Potatos, und weiter im Lande Baumwolle Innumma genannt, wor⸗ 
aus ſie gutes Garn und eine Vierthelelle breit Tuch machen. Sie haben ein anderes Holz, mit 
Namen Kambe, womit fie ihre Beutel und Matten roth färben. Der Lmonienbaum 
iſt dem Holzapfelbaume ſehr aͤhnlich; die Blaͤtter ſind ſchmal, wie die von einer Weide. Er 
iſt außerordentlich dornicht, und hat viel Fruͤchte. Sie fangen im Auguſt an zu reifen, 
und bleiben bis in Weinmonat an den Baͤumen. 

Der guineiſche Pfeffer waͤchſt hier unter dem Namen Bangue wild in den Wäldern, 
aber nicht gar haͤufig. Es iſt eine kleine Pflanze wie Reinweide oder Spindelſtaude, und 
trägt ein dünnes Laub, und eine Frucht wie Berbisbeeren. Im Anfange iſt ſie gruͤn; fie 
wird aber bey der Reifung roth. Sie wachſen hie und da zwey oder drey zuſammen, aber 
am Stiele und nicht in Trauben. Ihr Pene, deſſen ſchon erwaͤhnt worden, woraus ſie 
Brodt machen, iſt ein kleines duͤnnes Kraut wie Gras; der Stengel iſt voller Saamen, 
der ohne alle Spaͤlzen iſt. Es iſt, wie der Verfaſſer glaubet, mit dem einerley, was die 
Türken Kuskus und die Portugieſen Vfunde nennen. Herr Finch ſah auch Bäume wie 
Weiden, deren Fruͤchte den Erbſenſchoten aͤhnlich ſahen. f 

Es iſt eine Frucht mit Namen Gola, die weiter hinter im Lande in einer Schale 
waͤchſt. Sie iſt hart, bitter, und roͤthlich, von der Größe einer Welſchennuß, mit verſchie⸗ 
denen Ecken. Die Frucht wird ſehr hoch gehalten, und mit der Rinde eines gewiſſen 
Baums gekaut. Ihre Art iſt, daß, wenn einer die Rinde gekaut hat, er ſolche ſeinem 
Nachbar giebt, und ſo weiter. Sie kauen ſolche lange Zeit, doch ohne etwas hinter zu 
ſchlingen, ehe ſie ſie wegwerfen. Sie halten es fuͤr etwas ſehr gutes fuͤr die Zaͤhne, und 
das Zahnfleiſch. Sie haben auch gemeiniglich eben ſo gute Zaͤhne, als die Pferde. Dieſe 
Frucht gilt auch ſo gut als Geld unter ihnen; denn anderes haben ſie nicht e). 

Jobſon bemerket in ſeinem Goldhandel, daß dieſe Frucht bey den Schwarzen an der 


Gambra in großer Achtung ſtehe, daß fie von ihnen Gola genennt, und von den Englaͤn— 
dern 


4) Des Herrn Finch Beſchreibung von dem ſchlagen. Denn wie Herr Woore in feinen Rei⸗ 


Plantain iſt in der Naturgeſchichte zu ſuchen. 
e) Siehe Finches Reiſe nach Oſtindien im 
Purchas I Band a. d. 414 u. f. S. 

Y Dieſes war zu Tababo Konda dem Hafen 
von Setiko, ſehr weit auf dem Fluſſe hinauf. 
Siehe zuvor a. d. 38 S. 

4) Jetzt aber iſt der Preis weit höher ange⸗ 


ſen a. d. 132 S. ſaget, ſo muß man den Eltern der 
Braut zweyhundert erlegen. 


5) Dieſes war vermuthlich die Bay von Sier⸗ 
ra Leona. ' 


1) Vermuthlich deswegen, weil er ſich nicht 


darnach erkundigte. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 253 


dern unter die Nuͤſſe gerechnet wird. Sie ſind wie Maronen an beyden Seiten flach, und 
die Schale iſt nicht hart. Der Geſchmack iſt bitter, aber feine Wirkung wird fo hoch ge- 
halten, daß zehn ſolche Nuͤſſe ein Geſchenk fuͤr einen Koͤnig ausmachen. Denn ſo gar 
das Flußwaſſer, das man trinkt, wenn man fie gekaut hat, ſchmecket wie weißer Wein, und 
als ob Zucker drinnen waͤre. Selbſt der Toback bekoͤmmt eine merkliche Suͤßigkeit. Sonſt 
hat dieſe Frucht keine Eigenſchaft oder Wirkung. Alte Perſonen, die ſie nicht kauen koͤn⸗ 
nen, laſſen ſie zu ihrem Gebrauche klein ſtoßen. Fuͤr das gemeine Volk aber iſt ſie nicht. 
Denn an dem Orte, wo die Engländer ihre Colonie hatten 7), war für funfzig ſolche Nuͤſſe 
eine Frau feil g). Er wurde einmal mit ſechſen beſchenkt: er hat fie aber niemals wach: 
fen ſehen. Die Portugieſen gaben vor, fie famen aus dem Goldlande, und würden aus 
einer großen Bay über Rachao hinaus ) an die Gambra verführt. Daſelbſt haͤtten 
ſie ein Volk angetroffen, das ihnen Gold und eine Menge Nuͤſſe gebracht haͤtte. Jobſon 
hingegen bemerket, ſie waͤren theurer, je weiter man den Fluß hinunter kaͤme; denn als er 
weiter den Fluß hinaufgekommen, ſo haͤtte ihm das Volk ſolche in großer Menge gebracht, 
und ſich verwundert, daß die Englaͤnder ſie in ſo geringem Werthe hielten. Er wußte aber 
nicht, wo fie ſolche her hatten ). Er war Willens, welche nach England mitzunehmen. 
Sie hielten ſich aber nicht, und wurden wurmſtichig Y. 

Barbot beſchreibt uns den Baum, welcher dieſe beruͤhmte Nuß traͤgt. Er ſaget, er wuͤrde 
der Toglow⸗Baum genennt, und waͤre im ganzen Lande Sierra Leona haͤufig zu finden. 
Er ſey von mittler Hoͤge 1), und der Stamm fuͤnf bis ſechs Fuß im Umfange. Die 
Frucht Rola ſey einer Kaſtanie ähnlich n), und wachſe klumpenweiſe, zehn oder zwoͤlfe 
beyſammen, und vier oder fuͤnfe in einer Schale, die durch eine duͤnne Haut abgeſondert 
werden. Auswendig iſt die Nuß roth mit blau untermiſcht, und inwendig, wenn man ſie 
aufſchneidet, violett und braun. Die Schwarzen und Portugieſen trachten beſtaͤndig dar» 
nach, gleichwie die Indianer nach ihrem Arak oder Betel. Sie waͤchſt des Jahrs ein« 
mal, ſchmecket ſcharf und ſtrenge, giebt dem Waſſer einen lieblichen Geſchmack, und treibt 
ſtark den Harn. Die Schwarzen treiben damit einen ſtarken inländifchen Handel, und 
verkaufen ſie an andere. Dieſe uͤberlaſſen ſie einem weißen Volke, welches zu ihnen koͤmmt; 
und auf der Inſel Benſe erfuhr der Verfaſſer von den Englaͤndern, daß eine große Menge 
davon jährlich zu Lande nach Tunis und Tripoli in die Barbarey verführt würde ). 


1607 
Finch. 


Der Baum 
Toglow oder 
Kola. 


Labat hingegen meldet, dieſe Nuͤſſe kaͤmen aus dem Innern des Landes o), dreyhun⸗ Woher dieſe 
dert Seemeilen weit Oſtwaͤrts, von Vintain gegen die Quelle der Gambra zu. Er giebt Frucht komt. 


zu, daß man einige dergleichen Fruͤchte zu Sierra Leona findet; ſie wuͤrden aber nicht 
ſo hoch gehalten, als diejenigen, welche im Lande wachſen. Die Frucht iſt mit zwoen 
Schalen uͤberzogen; die erfte ift grau, hart, und ſproͤde; die innere zunaͤchſt am Fleiſche, ift 
eine weiße Haut, die ſich verliert, wenn die Frucht trocken ar Sie iſt ungemein bit- 
\ 1 3 ter 


Pr Siehe Jobſons Goldhandel auf der 134 
eite. a 
1) An einem andern Orte der Beſchreibung von 
Guinea a. d. 101 S. ſaget er, es ſey ein hoher großer 
Baum. 

m) Siehe die Figur. 

n) Barbots Reiſen nach Guinea a. d. 101 
und 113 S. N a 


0) Moore ſaget, daß die Kolafrucht fehr weit⸗ 
her aus dem Lande gebracht wuͤrde, und im Ge⸗ 
ſchmacke allen denen, die er ſonſt wo geſehen, un⸗ 
aͤhnlich ſey. Es ſey ein vortrefflicher bittrer Ge⸗ 
ſchmack, der das Waſſer ſchmackhaft macht, und an der 
Geſtalt iſt ſie einer Pferdekaſtanie, wenn die Schale 
abgenommen iſt, ſehr aͤhnlich. Siehe ſeine Reiſen 
nach Africa a. d. 132 D. 5 


254 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 1. 
1607 ter und zuſammenziehend, und mache das Waſſer annehmlich. Einige ſagen, ihr Gebrauch 
Finch. ſey dem Magen ſchaͤdlich, fie mache die Zähne und den Speichel gelb, und ſey überhaupt 
in der Geſtalt, Größe, dem Geruche, und der Farbe, den Pferdekaſtanien ahnlich. Was den 
Baum betrifft, auf welchem die Kola waͤchſt, fo bekennt der Verfaſſer, daß ihm fein Ges 
daͤchtniß keine völlige Beſchreibung davon an die Hand gebe p). i ; 8 5 
Auſtern, die Finch meldet, es würden in den Bayen eine Menge Auſtern an gewiſſen Baͤumen 
an den Baͤu⸗ gefunden, in der Geſtalt wie Weyden, die Blaͤtter derſelben ſind breit und dicke wie Leder, 
men wachſen. und tragen Knoͤſpchen, wie bey den Cypreſſen. Die Aeſte dieſes Baums ſind von der Dicke 
eines ordentlichen Stabes, auswendig glatt, und inwendig voll Mark. Viele von dieſen 
Aeſten hängen in das Waſſer hinein, und find über und über mit Auſtern bedeckt, die aus 
dem Baume, vermittelſt des Salzwaſſers, erzeugt zu ſeyn ſcheinen. 
Andere zi Die Bay hat ſehr viel Fiſche, worunter einige ungewoͤhnliche Arten ſind: Meeraͤſchen, 
ſche. Rochen, alte Weiber, andere wie Hechte, Garfiſche, Cavalos wie Mackerellen, Schwerdt⸗ 
fifche mit Schnauzen eine Elle lang, und Zaͤhnen an beyden Seiten, gleichwie Schwein— 
zaͤhne, Seehunde, und Hundfiſche, und eine andere Art Seehunde aber mit einer breiten 
und ſchaufelfoͤrmigen 7) Schnauze, Schuhmacher, die an jeder Seite des Mauls Floß⸗ 
federn wie Barmen haben, und wie Schweine grunzen. In einer Stunde fingen ſie 
wo fechetaufend Stuͤcke von einer Art, die wie Weißfiſche ausſah. 1Urrt jr 
Vögcl. Von Vögeln findet man hier Pelikane, weiß und groß wie Schwaͤne, mit einem lan⸗ 
gen und breiten Schnabel, Hearns, Corlieus, Buhbies, Ochſenaugen, nebſt verſchiede⸗ 
nen fremden Arten von Waſſervoͤgeln. Auf dem Lande giebt es ſehr viele graue Papa⸗ 
geyen, wie auch guineiſche Hühner, die von der Größe eines Faſans, und ſehr ſchoͤn, aber 
auch dem Reiße eben fo ſchaͤdlich find, Der Verfaſſer ſah gleichfalls andere fremde Wald— 
vogel, und viele Igelſtacheln unter den Schwarzen. Es giebt hier eine Art von Meerka⸗ 
tzen, die von einem Baume zum andern. ſpringt, und Lowen, Tyger und Luchſe in den Ges 
Das Carfun birgen. Von Elephanten ſah er nur drey; denn ſie halten ſich tiefer im Lande auf. Die 
kelthier. Schwarzen ſagten ihm von einem wunderbaren Thiere, welches der Dollmetſcher Carfun⸗ 
kel nennte. Sie ſagten, es wuͤrde öfters, aber nur in der Nacht geſehen. Es haͤtte einen 
Stein von wunderbarem Glanze auf der Stirne, welcher ihm leuchtete, wenn es Nahrung 
ſuchte. So bald es aber den geringſten Laͤrmen hoͤrte, uͤberdeckte es ſolchen mit einem 
N Haͤutlein, damit es nicht durch den Glanz verrathen wuͤrde r). | 2200 
Wagren. Von Dingen zur europaͤiſchen Handlung findet man hier wenig. Wenn man aber 
weiter Landwaͤrts reiſet: ſo findet man Gold und Elfenbein, welches die Portugieſen zu ge— 
wiſſen Zeiten des Jahrs gegen Reiß, Salz, glaͤſerne Perlen, Schellen, Knoblauch, franzoͤſi⸗ 
ſche Flaſchen, kupferne Keſſel, geringe Meſſer, Huͤte, bunte Leinwand auf Art der Barbier— 
tuͤcher gefärbt, blecherne Becken, allerhand ſchneidende Werkzeuge, eiſerne Stäbe, und an- 
dere ſolche Dinge von geringem Werthe an ſich handeln. An dieſem Orte hingegen be— 
koͤmmt man für dergleichen Sachen nichts, als Lebensmittel ). 


Der 


5) Labats abendlaͤndiſches Africa V Band a. 7) Dieſes iſt eine von den Fabeln der Negern. 


d. 8 S. ner s) Sinches Reifen im Purchas I Band a. 
7) Dieſes ſcheint der Hammerfiſch zu ſeyn. d. 416 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 255 


Der II Abſchnitt. 817 
Beſchreibung von Sierra Leona. 8 N, 
eee RR 


Durch Villault de Bellefond, aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt. 
Name des Landes. Weite und Graͤnzen. Die Die Einwohner und Weiber. Ihre Haͤuſer. 

Bay von Frankreich. Die Waſſerquellen. Eins Waffen. Religion. Fetishes oder Goͤtzenbil⸗ 

theilung des Landes. Das Königreich Bulom. Der der. Sprache. Ausgehende Waaren. Hand⸗ 

Boden. Die Gewaͤchſe. Fruͤchte. Gummi⸗ lung. Fluß von Sierra Leona. Iſt mit Man⸗ 

baͤume. Viehezucht. Wilde Thiere. Affen. groves umgeben. Eylande darinnen. Engliſche 

Elephanten. Stadt Burre. Koͤniglicher Hof. Faetorexv. | ae 
Das Land Sierra Leona wird von den Moren Bulombel 2), das iſt das große and Name des 
genannt. Die Portugieſen aber heißen es Sierra Leona, oder das Loͤwenge⸗ Landes. 

birge, wegen der außerordentlichen Höhe der Berge gegen Süden, welche die Alpen und 
die pyrenaͤiſchen Gebirge weit uͤberſteigt, und wegen der Menge Loͤwen, die ſich beſtaͤndig 
hier ſehen laͤßt. 
l dee Land nimmt ſeinen Anfang ziemlich tief im feſten Lande oſtwaͤrts, und endiget Weite und 
ſich in Nordweſt mit dem Vorgebirge Ledo. Wenn man von dieſem Vorgebirge an den Graͤnzen. 
Fluß hinauf faͤhrt: ſo findet man verſchiedene Bayen. Die vierte von denſelben heißt die r 
Bay von Frankreich, entweder weil die Franzoſen ehemals dieſe Kuͤſte beſeſſen, oder Bay von 
weil ſie vor Zeiten eine Stadt daſelbſt abgebrannt haben. Und dieſes iſt die einige Bay auf Frankreich. 
dieſem Fluſſe, wo man friſches Waſſer einnehmen kann; denn es ſind daſelbſt drey Baͤche. 
Villault war ſo neugierig, daß er einem von denſelben nachgieng; und als er eine Meile Die Waſſer⸗ 
weit bis an den Fuß des Gebirges gegangen war, fo entdeckte er Spuren und Fußtapfen von quellen. 
wilden Thieren, die ſo ſchrecklich anzuſehen waren, daß er wieder umkehrte. Es ward ihm 
nach der Zeit von einem Portugieſen geſaget: der Bach naͤhme ſeinen Urſprung in der 
Mitte des Waldes, der funfzehn Seemeilen weit im Lande laͤge, und, daß wenn er auf ſei— 
nem Vorſatze verharrt waͤre, der Quelle nachzugehen, er nothwendig von wilden Thieren 
wuͤrde ſeyn gefreſſen worden, als Elephanten, Tygern, Krokodilen, die hier eben ſowohl ihr 
Lager haben, als die Löwen. N e e en e e En e 8 
Die noͤrdliche Gegend des Landes liegt ſehr niedrig, und gehoͤret dem Könige von Bu⸗ Eintheilung 
lom, gleichwie die ſuͤdliche dem zu Burre. ö des Landes. 
Das Koͤnigreich Bulom iſt weder den Franzoſen noch Hollaͤndern ſonderlich bekannt. Königreich 
Die Nation hat mehr Neigung zu den Englaͤndern und Portugieſen, von welchen letztern Bulom. 
verſchiedene ſich hier niedergelaſſen haben. N | * 

In dieſem Lande waͤchſt eine große Menge Reiß, Hirſe, und Maiz, und eine Art von Erdreich und 
tuͤrkiſchem Weizen. Aus demſelben machen fie ihr Beodt, welches eben nicht ſchlecht iſt. Gewaͤchſe. 
Manche pflegen den Reiß roh zu eſſen, und nur bloß mit Seewaſſer zu benetzen. 

Ihre gewoͤhnliche Speiſe beſteht in Fiſchen und Obſte, welches ſie in großer Menge Fruͤchte. 
haben, als Beeren, Feigen, Birnen, Pomeranzen, Citronen, und eine Art Kaſtanien, die 
zwar nicht ſo gut iſt, als die in Europa, fie hat aber die Kraft, den Durſt zu löfchen, wenn 
fie auch noch fo trocken iſt 1. Die 

2) Andere ſagen, es heiße Bolmberre, das 1) Dieſes muß die oben beſchriebene Frucht 
iſt gut niedrig Land; denn Bolm bedeutet niedrig. Gola oder Vola ſeyn. | 


256 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Villault. Die Berge ſtehen voller harzichter Bäume, Sie find immer grün, und in den mei- 
Sunibäume ſten Stuͤcken unfern Lorbern nicht ungleich. . 
Vieh. Das Land giebt ſehr viele Ziegen, Schweine, Löwen, Elephanten, Tyger, Eber, Hir— 


ſche und Rehe. Dieſe letztern find fo häufig, daß fie an Bord der Schiffe gebracht und 
fuͤr wenig oder nichts vertauſcht werden. Wenn man den Moren und Portugieſen glau— 
ben darf: ſo erlangen hier die Schlangen eine ſo ungeheure Groͤße, daß manche einen 
Menſchen auf einen Biſſen x) verſchlingen koͤnnen. Die Moren haben beſtaͤndig mit den— 
ſelben zu ſchaffen )). Sie haben ein gewiſſes Kraut, das fie als ein allgemeines Mittel 
wider alle Biſſe von wilden Thieren, und wider den Gift brauchen. 

Affen. Die Affen ziehen in großen Heerden herum, und verderben die Pflanzen, wo fie hin— 
kommen. Dieſes macht die Moren zu ihren unverſoͤhnlichen Feinden, gleichwie fie der Ele— 

Elephanten. phanten ihre find, gegen welche fie beftändig auf der Jagd find, und deren Fleiſch fie manchmal 

verzehren. Der Verfaſſer, der es gekoſtet, ſpricht, es ſchmecke nicht uneben, und komme, 
ſeiner Meynung nach, dem Rindfleiſche faſt bey. 

Stadt Burre. Einige Franzoſen, die zu Burre geweſen, ſagten dem Verfaſſer, es koͤnnten über drey⸗ 
hundert Häufer nicht in der Stadt feyn. Des Königes feines ſtuͤnde in der Mitte, und 
wuͤrde kaum der Wuͤrde eines Friedensrichters anſtaͤndig ſeyn. | 

Der König Der Verfaſſer erfuhr nach genauer Nachfrage, daß vier- bis fuͤnfhundert Menſchen zu 

ein neube⸗ Burre ſeyn möchten, ohne die Weiber und Kinder. Der damalige König Felipe (Phi⸗ 

kehrter lipp), hatte ſich zum Pabſtthume bekehret, und an feinem Hofe befand ſich ein Jeſuit und 

Ehrif. ein Kapuziner. — 

DieEinwoh⸗ Die Einwohner haben eine gute Leibesgeſtalt, und es giebt wenige mit platten Naſen 


ner. unter ihnen. Sie find weit hoͤflicher, als die vom grünen Vorgebirge. Sie gehen beſtaͤn⸗ 


dig in Kleidung, und haben auch mehr Beſcheidenheit. 

Die Weiber haben fie meiſtentheils in Gemeinſchaft. Ein jeder nimmt fo viele Wei- 
ber, als er will, und uͤberlaͤßt ſie den Auslaͤndern nach ſeinem Gefallen. Doch dieſes gilt 
die Ehefrau vom erſten Range nicht, der man auf dieſer ganzen Kuͤſte mit vieler Behut⸗ 
ſamkeit begegnet. Die andern hingegen achtet man nur für Beyſchlaͤferinnen. 

Ihre Hauer. Auf der Inſel St. Andres gieng Villault in eines von ihren Haͤuſern, und fand, daß 
es von Balken und Leime gebauet war. Auf der einen Seite war ein kleines Fenſter, das 


man mit Baumblaͤttern verwahrte, ein Loch zur Thuͤre, und in der Mitten Feuer. Sie 


ſchlafen auf Matten, die aus großen Binſen gemacht ſind, und in einem Winkel der 


Waffen. Wohnung liegen, und an die Seite legen ſie ihre Waffen. Dieſe find meiſtentheils De- 


gen, Dolche, Spieße, Bogen und Pfeile, deren Spitze ſie mit dem Safte einer gewiſſen 


Frucht vergiften, die gruͤn und lang, wie ein Rettich, iſt. Dieſes Gift iſt fo unbegreiflich 
ſubtil und ſchnell, daß es nichts leichtes iſt, demſelben zuvorzukommen, oder es zu curi— 
ren. Einige führen auch Flinten, welche fie alle ungemein lieben, und mit vieler Geſchick— 
lichkeit zu gebrauchen wiſſen. 


Die 


x) Die Portugieſen und einheimiſchen 5 & zu befräftigen ; denn es iſt nicht zu vermuthen, daß 
ner haben alfo eine große Lüge miteinander verab- die muhammedaniſchen Negern allein dieſe Schlan⸗ 


redet. gen jagen ſollten. 


5) Dieſes ſcheint die vorhergehende Anmerkung 2) Dieſes koͤnnen unmoͤglich Moren oder Mu⸗ 


hamme⸗ 


N 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 257 


Die Portugieſen, die ſich hier niedergelaſſen, haben viele bekehrt; die übrigen find Mu: 1655 
hammedaner oder Goͤtzendiener. Dieſe verehren gewiſſe wunderliche Figuren, die ſie Fe⸗ Villault. 
tiſhes nennen, als Gottheiten, welchen fie richtig alle Morgen und Abende ihr Gebeth ab- Religlon. 
ſtatten; und wenn ſie etwas außerordentlich gutes von Fleiſche, Fiſchen und Palmweine ha⸗ g 
ben, ſo werfen ſie es ihnen zu Ehren auf die Erde. | 

Weil der Verfaſſer einen Moren die Worte, Abraham, Iſaac und Jacob, heimlich Setifbes, 
murmeln horte: fo fragte er ihn: was er thaͤte? Seine Antwort war: er dankte feinem oder Götzen. 
Fetiſh, daß er ihn auf dem Meere beſchuͤtzt hätte, und daß die übrigen Moren 2) bey 
ſolchen Gelegenheiten allezeit ein gleiches thaͤten. Sie tragen alle ihre Fetiſ hes in kleinen 
Saͤckchen auf der Bruſt oder auf den Schultern bey ſich, und ſetzen ihnen alle Morgen und 
Abend ihr gebuͤhrendes Eſſen vor. Sie putzen fie mit Kaſade, oder kleinen gläfernen 
Perlen von allerhand Farben, welche ſie fuͤr den groͤßten Schmuck in der Welt halten. 

Sie ſprechen alle portugieſiſch, und ſcheuen ſich ſehr vor der Trunkenheit. Aus dieſer Sprache. 
Urſache tranken ſie, beſonders bey den Franzoſen, nur ſchwache geiſtige Getraͤnke. 

Die Waaren, welche man aus dieſem Lande nimmt, find Reiß, vortreffliches Elfen⸗ Waaren. 
bein, Zibeth und Ambra. Sie iſt eine von den eintraͤglichſten Kuͤſten zur Handlung, in- Handlung. 
dem der Gewinnſt ſelten geringer, als Hundert vom Hunderte iſt. Die Nutzung der Por: 
tugieſen aber iſt weit groͤßer; denn ſie kaufen ihr Elfenbein hoͤher im Lande, und verhandeln 
es hernachmals auf der Kuͤſte an andere Kaufleute. 

Der Fluß, der den Namen Sierra Leona, imgleichen auch Mitomba und Tagrin Fluß von 
fuͤhret, geht ſehr weit in das Land hinein. Bey der Mündung hat er auf drey Seemeilen Sierra Leo⸗ 
in der Breite, welche ſich, wenn man vierzehn bis funfzehn Seemeilen weit landeinwaͤrts na, 
koͤmmt, auf eine Meile verengern. Der Hafen iſt nicht uͤber zweene Faden tief: ſo daß ſie 
bey der Einfahrt genoͤthigt waren, ſich ſo nahe, als moͤglich, an die Gebirge zu halten, wo 
fie zehn, zwölf, und ſechzehn Faden Waſſer fanden. Er hat viele Fiſche, und gegen die 
Quelle zu zeuget er Crocodile. f 

Der Fluß wird von gewiſſen Baͤumen eingeſchloſſen, von deren Aeſten ſich niemals ei- mit Man⸗ 
ner weiter ausbreitet, als der andere. Die Zweige aber, die niederwaͤrts wachſen, faſſen, groven be⸗ 
fo bald fie Waſſer oder Erde berühren, Wurzel, und machen auf ſolche Art eine Hecke, die wachſen. 
manchmal zehn bis zwoͤlf Ellen breit iſt. | 
| Es find viele kleine Eylande auf dem Fluſſe, die meiſtentheils bewohnt find, und voller Eylande auf 
gruͤnen Baͤume, beſonders Palmbaͤume, ſtehen, woraus ſie eine große Menge Wein bereiten. demſelben. 

Als Villault im Jahre 1667 hier war, fo hatten die Engländer auf einer ſolchen Inſel, Engliſche 
welche die befte und ſchoͤnſte auf dem ganzen Fluſſe iſt, eine Niederlage. Das Haus war FCactorey. 
von Ziegeln und Quaterſtuͤcken erbauet, und mit vier vierpfuͤndigen Canonen beſetzt. Rings⸗ 
herum war ein ſchoͤnes Gehoͤlz von Palmenbaͤumen, welche Wein trugen. An der einen 
Seite waren funfzehn bis zwanzig Huͤtten für die Einwohner des Landes, und an der an⸗ 
dern ein ſchoͤner Waſſerquell. | 


Der 
hammedaner ſeyn; denn dieſelben verabſcheuen die die Schwarzen oder Einheimiſchen überhaupt zu mey⸗ 
Goͤtzenbilder, ob fie gleich öfters in Zaubereyen ver- nen: und Barbot ſaget, er hätte nicht finden koͤn⸗ 
fallen. Der Verfaſſer ſcheint unter dieſem Worte nen, daß Muhammedaner zu Sierra Leona waͤren. 

| Rt 


Allgem. Reifebefchr. Il Band. 


* 


258 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Pr. Der II Abſchnitt. 
W Eine Beſchreibung von Sierra Leona. 


Durch den Herrn Johann Barbot, Generalagenten der franzoͤſiſch⸗ 
africaniſchen Compagnie. 

Groͤße und Name von Sierra Leona. Die Him⸗ die in denſelben fallen. Staͤdte an demſelben. 
melsluft. Die Nation Kapez wird von der Na- Stadt Johann Thomas. Bay von Frankreich. 
tion Kumbas Mankez uͤberfallen. Dieſe laͤßt ſich hier Die berühmte Quelle. Lauf des Bachs. An⸗ 
nieder. Beyde find demKoͤnige von Quoja unter⸗ muthige Gegend. Wirkung des Waſſers. Bo⸗ 
worfen. Könige von Bulm und Burre. Borges den und Gewaͤchſe. Voͤgel und Thiere. Meer: 
birge Ledo oder Tagrin. Fluch und Winde. Fluß katzen, wie fie gefangen werden. Sind manch⸗ 
Mitomba. Inſel Benſe. Das engliſche Fort mal ein gutes Eſſen. Große Auſtern. Voͤgel. 
daſelbſt wird von den Franzoſen erobert. Fluͤſſe, Fiſche. Waͤlder und Baͤume. - 


Groͤß und s iſt ſchwer, die Graͤnzen dieſes Landes auf irgend einer Seite anzugeben, als gegen We⸗ 

Nam. ſten, wo es der Ocean umgiebt. Manche ſetzen ſeinen Anfang nordwaͤrts bey dem 
Vorgebirge Verga. Eigentlich aber iſt derjenige Theil, der von dem Fluſſe Mitomba 
gegen Suͤden liegt, Sierra Leona; denn die Laͤndereyen gegen Norden ſind niedrig. Den 
Namen leiten manche von dem Geraͤuſche her, welches das Meer an dem felſichten Ufer 
verurſachet, und dem Bruͤllen eines Loͤwen ähnlich iſt, andere von der großen Anzahl dieſer 
Thiere in den Gebirgen. j 

Die Hm̃els⸗ In dem offenen flachen Lande werden die Sommertage, die des Vormittags bey hei⸗ 

luft term Himmel ſehr heiß ſind, des Nachmittags durch die Suͤdweſtluͤfte ſehr abgekuͤhlet. 
Auf den hohen bergichten Laͤndern aber iſt die Luft, wegen des vielen Gehoͤlzes, ſehr boͤſe. 
Ueberhaupt aber kann man fagen, daß das Land für die Europäer ſehr ungeſund iſt, wel 
ches die vielen Engländer bezeugen, die auf der Inſel Benſe in der heißen Jahreszeit ver- 
ſtorben. Denn ſechs Monate nacheinander regnet und donnert es bey einer unertraͤgli⸗ 
chen Hitze, beſonders aber im Brach- und Heumonate, da man ſich ganzer vierzehn Tage 
lang innehalten muß, um den boͤſen Eigenſchaften des Regenwaſſers zu entgehen, welches 
in einem Augenblicke Wuͤrmer zeuget, da die Luft durch das Blitzen und Donnern, wozu 
manchmal greuliche Wirbelwinde kommen, gaͤnzlich verderbt iſt. Die Tage find auch fine 
ſter und dunkel, welches eine Veraͤnderung in allen Dingen hervorbringt, und das Leben 
daſelbſt nicht gar zu angenehm machet a). 

Die Sapez, Das Land Sierra Leona wird von zwo verſchiedenen Voͤlkerſchaften bewohnet, welche 

die alen Ein, ſich die alten Kapez und die Rumbas Manez nennen. Die erſtern werden für die be— 

wohnr, ſten und geſittetſten unter allen Schwarzen angeſehen; die letztern ſind kuͤhn, unruhig, grob 
und unhoͤflich, und find Menſchenfreſſer, wie das Wort Manez „) in ihrer Sprache an- 
deutet. Die Portugiefen zu Congo und Angola glauben, fie wären von einerley Ge⸗ 
ſchlechte mit den barbariſchen Jagos und Galas, welche Oſtnordoſt von Congo wohnen, 
und lange Zeit das Schrecken vieler ſchwarzen Nationen geweſen find, und daß beyde Böl- 
ker von den Galas Monou herſtammten, die weit innerhalb Landes von dem Fluſſe Ser 


ſtro wohnen. 
| Diefe 
a) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der ) Es folget aber daraus noch nicht, daß fie wirk⸗ 


9s und 102 Seite. liche Cannibalen find; indem viele Voͤlker . 
e 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 259 


Dieſe Kapez und Kumbas Manez haben einander ſeit dem Jahre 1505 beſtaͤndig 1678 
in den Haaren gelegen, da nämlich die letztern aus einem entfernten inlaͤndiſchen Lande her- Barbot. 
kamen, und die erſtern, als die alten Einwohner, uͤberfielen, in der Abſicht, das Land zu werden von 
verwuͤſten, und die Einwohner an die Portugieſen zu verkaufen, die ſich nur erſt in dieſen den Komboz 
Theilen von Africa niedergelaſſen hatten. Weil fie aber ein fo gutes und fruchtbares Land Manez übers 
fanden: fo entſchloſſen fie ſich, hier zu bleiben. Sie verkauften die Gefangenen, und fraßen fallen, 
die, welche in der Schlacht erſchlagen waren. Endlich gab die Verzweiflung denen Ras 
pez Muth: fo daß ihre wilden Feinde bis jetzo nicht vermocht haben, ihren Vorſatz aus⸗ 
zuführen. Doch haben fie immer noch feſten Fuß im Lande, und ſetzen den Krieg fort, in die fich hier 
welchem eine große Menge von beyden Seiten aufgerieben worden, beſonders von den niederlaſſen. 
Kapez. Viele von denſelben haben ſich ſelbſt den Portugieſen zu Sklaven verkauft, um 
der Gefahr zu entgehen, uͤber kurz oder lang in die Haͤnde dieſer Menſchenfreſſer zu fallen. 
Als der Verfaſſer im Jahre 1678 hier war: fo war der Krieg ſehr hitzig, und die Kapez 
ſetzten ſich in Bereitſchaft, ihre Feinde tapfer zu empfangen. Doch erfuhr er, daß der 
Krieg nicht mehr mit ſolcher Unmenſchlichkeit gefuͤhret wurde, wie ehemals, indem die 
Kumbas, durch den Umgang mit den Europaͤern, ein wenig friedſamer und gefitteter ge— 
worden, als ihre Voreltern. | 

Beyde Voͤlkerſchaften follen in gewiſſer Maße dem Könige von Quoſja unterworfen Beyde find 
ſeyn, der gemeiniglich bey dem Vorgebirge de Monte feinen Sitz hat, indem fie vorzeiten dem Kö— 
ein König von dieſer Nation, Ranſire genannt, unter das Joch gebracht. Die Nach- nige von 
folger dieſes Herrn ſetzen noch einen Vieekoͤnig unter dem Namen Dondagh uͤber fie, deſ— Dan ar 
fen Brüder einsmals zu Timna ſich aufhielten, bis fie in Mishelligkeit unter fich geriethen, * 
von einander giengen, und einander mit Kriege uͤberzogen. Als der Verfaſſer hier lebte: 
fo war der jüngfte, Johann Thomas, ſiebenzig Jahre alt, und hatte die Stadt Toms 
bey zu ſeinem Antheile, vier Meilen von der Bay von Frankreich, und eine Meile von dem 
Dorfe Bagos gelegen, bey welchem viele hohe Bäume ſtehen ). Die Engländer wer: 
fen meiſtentheils vor Tombey Anker; weil dieſer Ort ihrer Colonie am naͤchſten iſt. 
Schiffe koͤnnen vor der Bay von Frankreich in ſechzehn bis achtzehn Faden in leimichtem — 
Grunde liegen; und Barbot ſaget kurz hernach, Bagos A) ſey vier Seemeilen von dem 
Bache, den die Schiffe beſuchen, dicht an einem kleinen Walde, und liege oſtwaͤrts von die— 
ſem Dorfe Tombey, wo man eine ſchoͤne Ausſicht hat, und die Inſel Taſſo, wegen der 
großen Entfernung, wie ein feſtes Land anzuſehen iſt. | | 

Die nordliche Gegend am Fluſſe Mitomba, nach der Einfahrt zu rechnen, ſteht unter Könige von 
zweenen kleinen Koͤnigen, dem zu Burre am naͤchſten gegen Süden, und dem zu Bulm Palm und 
weiter gegen Norden. Der letztere nennte ſich zu den Zeiten des Verfaſſers Antonio Burre. 
Bombo. Der erſte hielt ſich ordentlich in dem Dorfe Burre auf, welches aus dreyhundert 
Haͤuſern oder Huͤtten beſteht, und Weiber und Kinder ungerechnet fuͤnfhundert Einwohner 
hat. Die portugieſiſchen Glaubensbothen haben ehemals verſchiedene neue Chriſten zu 
Bulm gemacht, und darunter auch den Koͤnig. Bulm heißt in der Sprache der Schwar— 
zen niedrig Land. Andere ſprechen es Bolem und Bulun aus, wozu fie noch berre 
ſetzen. Alſo heißt es Bulemberre oder gutes niedriges fand. Die Kuͤſte an der Seite 

R von 


— 


Welt dergl. Namen ihren Feinden beyzulegen pflegen. von dieſer Bay nicht zu erſehen. 
c) Die Lage dieſer Oerter iſt aus ver Karte 4) Barbot auf der 98 Seite. 


1678 
Barbot. 


Vorgebirge 
Lido oder 
Tagrin. 


Ebbe und 
Fluth. 


260 | Heifen laͤngſt der weſtlichen Küͤſte von Africa, 


von Bulm iſt niedrig und flach, in Vergleichung des gegen uͤber gelegenen Ufers von Burre 
und Timna. Bey dieſen Oertern ſind die beruͤhmten Sierra Leona, eine lange Reihe 
von Bergen, und die in ganz Suͤd- und Nordguinea für die hoͤchſten gehalten werden, die 
Berge Amboſes in dem Meerbufen ausgenommen. Es find fo viele Hoͤlen und Kluͤfte in 
dieſem Gebirge, daß, wenn eine einzige Canone auf einem Schiffe in der Bay abgefeuert 
wird, der Wiederhall den Knall öfters und ſehr deutlich wiederholet; und der Knall iſt fo 
ſtark und durchdringend, daß man ihn fuͤr den Knall von etlichen Canonen zuſammenhalten 
koͤnnte. Dieſes iſt angenehm zu hoͤren: aber der Donner klingt im Anfange ſehr ſchrecklich; 
denn jeder Schlag wird mit eben fo vieler Staͤrke vom Wiederhalle nachgeholt, als der wahr: 
haftige. Daher nennen ſie die Portugieſen Montes claros, das iſt, Berge, die einen 
hellen Schall oder Wiederhall haben. 

Nicht weit von dieſen Bergen läuft weſtwaͤrts eine bergichte Klippe in das Meer, die 
aber weit niedriger, als dieſe Berge iſt, und beynahe eine Halbinſel bildet. Die Schwar— 
zen pflegen ihre Kaͤhne uͤber dieſelbe auf den Achſeln zu tragen, wenn ſie ſich ins Meer be— 
geben wollen, damit ſie ſich die Muͤhe erſpahren, in der Rundung aus der Bay bis hieher 
zu rudern. Dieſe Klippe wird Cabo Ledo oder Tagrin, und von andern Tagaraim 
genannt, und liegt gerade im achten Grade, dreyßig Minuten Norderbreite, nach der ſorg— 
faͤltigen Beobachtung des Verfaſſers e), welcher ſaget, daß alle hollaͤndiſche Karten dieſe 
guineiſchen Kuͤſten um dreyßig Grade /) weiter gegen Norden ſetzen, als fie wirklich find, 
zu großem Schaden der Schiffahrt. | 

Die Fluth in dieſer Bay waͤhret ſieben, und die Ebbe fünf Stunden. Die erfte er— 
gießt ſich nach Nordoft und gen Oſt, und Oſtnordoſt, und die Ebbe läuft Suͤdweſt gen 


Die Winde. Weſt, und Weſtſuͤdweſt. Bey vollem Monde, beſonders vom Herbſtmonate bis in Jen— 


Fluß Mi⸗ 
tomba. 


ner, iſt die ganze Nacht hindurch und bis gegen Mittag ſtilles Wetter, da eine friſche Luft 
aus Suͤdweſt, Suͤdſuͤdweſt, und Weſtſuͤdweſt weht, welche bis Abends um zehn Uhr an— 
hält; alsdenn wird wieder ſtilles Wetter. Schiffe koͤnnen überall ankern, in und außerhalb 
der Bay, in ſieben oder acht Faden Waſſer, in rothem ſandichten Grunde. Je naͤher man 
auf die Seite von Burre koͤmmt, deſto tiefer iſt das Waſſer, und das Land hoͤher. Aus 
dem Fluſſe und der Bay geht ein heftiger reißender Strom gegen Nordoſt, weil ſich das 
Waſſer am Vorgebirge von Bulm bricht. 4 


Der Fluß von Sierra Leona entſpringt ſehr weit im Lande. Ein gewiſſer Schwarzer 
wollte den Verfaſſer ſchlechterdings uͤberreden, er naͤhme ſeinen Urſprung in der Barbarey, 
und gruͤndete ſich darauf, daß er oͤfters auf dem Wege laͤngſt dem Ufer des Fluſſes mit 
Rolanuͤſſen und Sklaven gehandelt hätte, welche die Barbaren, die Barbot für die Mo⸗ 
ren und Araber haͤlt, den Schwarzen von Sierra Leona abkauften. Der Fluß fuͤhret 
den Namen Mitomba oder Bitomba, fuͤnf und zwanzig bis dreyßig Seemeilen zuruͤck 
von ſeiner Muͤndung an; denn weiter hin iſt er den Europaͤern unbekannt, und die Ein— 
wohner koͤnnen nichts zuverlaͤßiges von feinem Urſprunge angeben. An der Suͤdſeite liegt 
eine Stadt, las Magoas genannt, wo es niemanden, als den Portugieſen, erlaubt iſt, ſich 

der 


e) Man kann ſich aber auf dieſen Verfaſſer nicht te, in die er ſie ſetzet, ſehr von der Wahrheit entfernt 
verlaſſen; denn er ſaget von dem gruͤnen Vorgebirge iſt. Siehe II Band, a. d. 278 S. Und dieſes Vorge⸗ 
und andern Orten mehr ein gleiches, obgleich die Brei⸗ birge ſelbſt ſteht in feiner Karte zehn Minuten weiter 

. nord⸗ 


| Hyland Benſe 


4 


— 


Me dab von 20 Ruthen. 


AIT en 


7 
* 


1 N 0 124 ; 24 
95 12 a 5 
Be N 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 261 


der Handlung wegen aufzuhalten; denn zu den Franzoſen und Englaͤndern kommen die 1678 
Einwohner an den Fluß herab, und vertauſchen daſelbſt ihre Waaren, wenn eines von ih- Barbot. 
ren Schiffen in der Bay iſt g). . 

Dieſer Fluß machet gegen den Ausfluß in das Meer zu verſchiedene kleine Eylande und Juſel Benſe. 
Felſen, in Geſtalt der Heuſchober. Die vornehmſten find die Inſeln Kogu, Taſſo und 
Benſes. Auf der letztern, neun Seemeilen von der Rhede, haben die Englaͤnder vor dem 1 9 
Haufe des Johann Thomas ein kleines Fort erbaut, an welchem nichts merkwuͤrdiges war, 
als die vortheilhafte Lage; denn fie iſt ein ſteiler Fels, mit einem ſehr ſchweren Zugange, wel- 6 
cher eine Art in Fels gehauene Treppen iſt. Dieſes Fort, welches eine Niederlage der Föniglich- Das engli⸗ 
africaniſchen Compagnie iſt, iſt von Leime und Steinen gebauet. Die Mauern find niedrig, Ihe Fort 
und haben eine runde Flanke mit fünf Canonen, eine Cortine mit Schießſcharten zu vien 
großen Canonen, und gerade davor eine Platte Forme mit ſechs Stuͤcken, alle wohl verſehen. 
Die Sklavenwohnung aber iſt das befte Gebäude darinnen. Die Beſatzung beſteht or⸗ 
dentlich aus zwanzig Weißen, und dreyßig Gromettos oder freyen Schwarzen, die ein 
kleines beſonderes Dorf unter dem Schutze des Forts haben. Das Eyland hat einen klei— 
nen Umkreis und duͤrres Erdreich. Wie eben dieſer Verfaſſer an einer andern Stelle ſa— 
get: fo war das Fort im Jahre 1704 in weit beſſern Umſtaͤnden; denn wie er faget, fo war 
es ſchon mit vier ordentlichen Baſteyen gebaut, und inwendig ſtunden gute Packhaͤuſer und 
Wohnungen. Die Mauern waren mit vier und vierzig Canonen beſetzt, und uͤber dem 
Thore war eine Platte Forme mit vier großen Stuͤcken aufgerichtet, die im Falle der Noth 
gute Dienſte gethan haben wuͤrden. i 

Den ızten des Heumonats aber in eben dieſem Jahre eroberten zwey kleine franzoͤſiſche wird von den 
Kriegsſchiffe unter Anfuͤhrung des Herrn Guerin, in Begleitung neun anderer Segel, das Franzoſen 
Fort ohne Widerſtand. Der Commandant war mit etwa hundert Mann bey Annaͤherung erobert. 
der Flotte geflohen, und ließ nur einen Conſtabler mit eilf oder zwoͤlf Mann zuruͤck, die vier⸗ 
zig bis funfzig Schüffe vor der Uebergabe thaten. 

Die Franzoſen pluͤnderten und ſchleiften es, nachdem fie viertauſend Elephantenzaͤhne aus 
dem Fort, und noch dreytauſend von einem kleinen Schiffe, das hinter der Inſel lag, nebſt vie— 
len andern zur Handlung in dieſem Lande dienlichen Waaren zur Beute gemacht hatten 2). 

Die Engländer hatten ihre Faetorey ehemals auf der kleinen Inſel Taſſo: aber der hol⸗ 
läͤndiſche Admiral, de Kupter, lief auf dem Ruͤckwege von feiner Unternehmung auf der 
Goldkuͤſte im Jahre 1664 in dieſen Fluß ein, zerſtoͤhrte das Fort, und nahm alle Güter 
weg, die ſich auf einen anſehnlichen Werth beliefen. Die engliſche Compagnie ließ nach 
dieſem Ueberfalle des von Rupter ein anderes Fort, zur Sicherheit ihrer Handlung, auf 
der Inſel Kogu errichten. Die Schwarzen aber, die damit nicht zufrieden, oder ſonſt 
misvergnuͤgt waren, ergriffen die Waffen, zerſtoͤhrten es, und noͤthigten die Engländer, ſich 
einen andern Platz auszuſuchen. Die Portugieſen haben etliche kleine Colonien in dieſem 
Lande, worunter eine bey Dondermuch oder Domdomuch iſt. Mit den Englaͤndern 
auf der Inſel Benſe aber haben ſie wenig zu ſchaffen; indem ſie uͤber dieſelben in Anſehung 
der Handlung eiferſuͤchtig ſind. 

Kk 3 Der 


nordwaͤrts, als dieſe Obſervation, wenn es eine iſt, es 2) Barbot, a. d. 97 S. 
ben will. 
F) Minuten ſollte es heißen. 5) Ebendaſ a. d. 428 ©. 


262 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1678 Der Fluß Mitomba nimmt in feinem Laufe durch verſchiedene Länder viele kleine Ge⸗ 
Batrbot. waͤſſer an ſich. Das vornehmſte darunter iſt Rio Karakone, welches gegen Norden 
Füsse die in fließt. Das andere iſt der Fluß Bonda oder Tumba, oder ſuͤdliche Miguel, der ſeinen 
den Mitom⸗ Lauf nach Suͤdoſt nimmt, und bis zur Hälfte feines Canals Laſtſchiffe trägt. Er machet die 
bafallen. Graͤnze zwiſchen den Kapez und Kumbas. Die daſige Gegend iſt fruchtbar an San⸗ 
delholze, welches die Einwohner Bonda nennen, und daher hat der Fluß ſeinen Namen. 
Der dritte, der keinen Namen hat, läuft gegen Forna de St. Anna, längft des Suͤdufers, 
und verliert ſich in der Bay bey dem Dorfe Burre. Die Portugieſen beſchiffen dieſe bey— 
den Fluͤſſe in ihren Kaͤhnen und Brigantinen. 
Städte an Das Land an beyden Seiten des Fluſſes Mitomba iſt ſtark bewohnt, und hat viele 
demſelben. Flecken und Dörfer, als Binque, Tinquam, und das Dorf des jungen Hauptmanns Lud- 
wig. Das Erdreich iſt fruchtbar; daher es, wie ſchon erwaͤhnt worden, den Namen 
Bulmberre hat. Der König von Bulm iſt den Englaͤndern guͤnſtiger, als den Portu— 
gieſen, Franzoſen, oder Hollaͤndern, obgleich viele von der erſten Nation hin und wieder im 
Lande zerſtreut leben. 8 
Die Schwarzen zu Timna find ſehr auf der franzöfifchen Seite. Einige wollen behaup⸗ 
ten, daß das Dorf Serborakata in dem Thale zwiſchen dem Vorgebirge Tagrin und den 
oſtlichen Gebirgen liege, und daß zwo Meilen weiter hin ein grauſames wildes Volk, Se⸗ 
maura genannt, wohne, welches mit dem zu Serborakata in beftändigem Kriege lebe. 
Des Johann Das Dorf des Hauptmanns Johann Thomas, welcher Statthalter von dieſem 
Thomas Striche Landes iſt, liegt im Walde, oſtnordoſtwaͤrts von dem Orte, den die Franzoſen la 
Stadt. Fontaine de la France nennen. Es beſteht nur in etlichen rundgebauten Haäͤuſern, die 
denen an der Gambra ſehr gleich find 7). Er hat die Bäume hundert Schritte weit ins 
Gevierte um fein Haus herum fällen, und den Boden zu Acker machen, und nur etliche 
wenige Baͤume hier und da darauf ſtehen laſſen. Gegen Weſten hat der Hauptmann ein 
größeres Feld von Maiz und Manſok oder Manſok. 
Bay von Die Bay von Frankreich, wo dieſer Brunnen oder dieſe Quelle anzutreffen iſt, liegt 
Frankreich. ungefähr ſechs Seemeilen vom Vorgebirge Tagrin, und iſt leicht an der hellen Farbe des 
ſandichten Ufers zu unterſcheiden, das in der Ferne wie ein großes ausgebreitetes Schiff: 
ſegel ausſieht. Der Strand daſelbſt iſt rein von Klippen, welches den Booten und Scha— 
luppen, die friſches Waſſer daſelbſt einnehmen wollen, den Zugang deſto leichter machet. 
Etliche Schritte von der See iſt der merkwuͤrdige Brunnen, der unter allen in ganz Guinea 
der beſte, und am leichteſten zu gebrauchen iſt, wo ein Schiff hundert Tonnen in einem Ta— 
Die beruͤhm⸗ ge füllen kann. Der Bach entſpringt mitten in den Gebirgen von Timna, die ſich auf 
te Quelle. funfzehn Meilen weit in einer langen Reihe ausbreiten. Es iſt kein Weg dahin, wegen 
der vielen Tyger, Loͤwen und Crocodile, deren Vaterland es iſt. Einige, die das Land beſ— 
fer haben entdecken wollen, konnten wegen des fürchterlichen Anblicks nicht über zwo eng⸗ 
gauf des liſche Meilen weit an dem einen von dieſen Baͤchen fortgehen. Das friſche Wafler falle 
Bachs. von hohen Bergen herab, und machet verſchiedene Wafferfälle mit einem gewaltigen Ge: 
raͤuſche auf den Felſen. Darauf läuft es in einen Teich, und breitet ſich auf dem fandich- 
ten Strande aus, wo es ſich von neuem in ein Becken oder eine Hoͤlung am Fuße des 
Berges verſammelt. Alsdenn läuft es wieder uͤber den Sand weg, und vermiſcht ſich end⸗ 
lich mit dem Meerwaſſer. Dieſer 
1) Siehe die Figur. | 


von der Mündung des Flußes 


SIERRA LEONA 
den man auch 
Mittomba oder Tayrim nernetD 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 263 


Dieſer Ort iſt, wie es Barbot vorgekommen, eine der anmuthigſten Gegenden in 1678 
Guinea. Das Becken, welches das Waſſer auffaſſet, iſt von hohen immergruͤnenden Baͤu⸗ Barbot. 
men eingeſchloſſen, welche in der größten Hitze einen angenehmen Schatten geben. Selbſt Anmuthige 
die nahe aneinanderſtehenden umliegenden Felſen tragen das Ihrige zur Schoͤnheit des Gegend. 
Orts bey. Hier pflegte der Verfaſſer öfters feine Mittags- und Abendmahlzeit zu halten. 

Es iſt indeſſen noch zu erinnern, daß dieſes Waſſer, wenn es zu Anfange des Winters Wirkungen 
oder der naſſen Jahreszeit, beſonders im Monate April, getrunken wird, eine uͤble Wirkung des Waſſers. 
thut; denn da die gewaltige Hitze die Erde verderbt, und viele giftige Geſchoͤpfe getoͤdtet 
hat: ſo wird alle dieſe ſchlimme Materie durch die Waſſerfluthen, welche um dieſe Zeit von 
den Bergen ſtuͤrzen, abgeſpuͤhlt, und vergiftet das Waſſer, wie viele Schiffsleute zu ihrem 
Schaden erfahren. Man muß ſich gleichfalls in Acht nehmen, daß man nicht im Ueber⸗— 
fluſſe Obſt ißt oder Waſſer trinkt; denn es entſteht hieraus eine anſteckende Krankheit, die faſt 
den gewiſſen Tod nach ſich zieht. Wenigſtens geneſen ſehr wenige. 

Der Zoll für die Freyheit, allhier Waſſer und Holz einzunehmen, beträgt nicht über vier 
franzoͤſiſche Kronen, welcher dem Hauptmanne Johann Thomas in allerhand kleinen Waa⸗ 
ren und Spielſachen entrichtet wird. 

Der Platz zur Holzung iſt auf hundert Schritte nordoſt- oder oſtwaͤrts von dem Bache. 

Das Holzfaͤllen iſt ſehr muͤhſam, weil die Baͤume dicht beyſammen ſtehen, und von oben 
bis unten durch ein kriechendes Gewaͤchſe ineinandergeſchlungen ſind, das die Franzoſen 
Liones nennen. Der Fuhrweg bis an das Ufer aber iſt kurz Y. 

Das Land hat viel Hirſe und Reiß, als die vornehmſte Speiſe der Einwohner. Die Erdreich und 
Weiber ſtampfen den Reiß in ausgehoͤlten Klögern, und backen ihn alsdann in Kugeln. Gewaͤchſe. 
Einige ſpuͤlen ihn in Seewaſſer ab, und eſſen ihn alsdann. 8 | g 

Es giebt hier auch Limonien, kleine faftige Pomeranzen, Manjoka oder Kaſſabi 2), Baͤume und 
und guineiſchen Pfeffer, aber keines in großer Menge. Ihre wilden Trauben find ziemlich Obſt. 
gut. Man findet hier auch Bananas, und drey Arten von Cardomomen oder Paradies 
koͤrnern. Aber weiter hinauf an dem Fluſſe, bey der engliſchen Niederlage, wachſen in 
großer Menge Pomeranzen, Limonien, Bananas, indianiſche Feigen, Ananaskuͤrbſe, Waſ— 
ſermelonen, Ignamas oder Nams, Potatoes, wilde Birnen, weiße Pflaumen, allerhand 
Huͤlſenfruͤchte, und die Frucht Rola n). Dieſe Lebensmittel führen fie gemeiniglich auf 
großen Kaͤhnen den Schiffen in der Rhede zu. Fuͤnf oder ſechs Leute rudern ſtehend, und 
brauchen eine beſondere Art Ruder, gleichwie die Schwarzen vom Vorgebirge Lopez. 

Sie haben viele Haͤhne und Huͤhner, wilde Ziegen, und Schweine, welches alles man Voͤgel und 
um etwas Brandtewein oder Meſſer bekoͤmmt. Im Gebirge find ganze Heerden Ele, vierfüßige 
phanten, Lowen, Tyger, Eber, Gemſen, Hirſche, Rehboͤcke, Affen von allerhand Arten, und Thiere. 
Schlangen. Etliche Schlangen ſind, nach dem Berichte der Einwohner, ſo ungeheuer 
groß, daß ſie einen ganzen Mann auf einmal verſchlingen koͤnnen. Sie haben eine gewiſſe 
Pflanze, die ein unfehlbares Mittel wider alle Schlangenbiſſe if. Man hält fie mit der- 
jenigen für einerley, welche neulich zu Martinik von einigen Schwarzen erfunden worden, 
da zuvor die Einwohner gemeiniglich an dem Schlangenbiſſe ſturben. 1 

ie 


1 Varbot, a. d. 99 S. m) Die von dieſem Verfaſſer oben a. d. 253 Seite 
che W und Kaſſava, wie andere die Worte beſchrieben wird. 
reiben. 


1678 
Barbot. 


—— 
Meerkatzen. 


Wie ſie 
manchmal ge⸗ 
fangen wer⸗ 
den. 


Sind ein gu⸗ 
tes Eſſen. 


Große Au⸗ 
ſtern. 


Voͤgel. 


Fiſche. 


264 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Affen, Meerkatzen, und Baviane ſind ſo zahlreich, daß ſie in gewaltigen Heerden 
im Lande herumſchwaͤrmen, und ihre Pflanzungen verwuͤſten. Es giebt ihrer dreyerley 
Arten. Eine heißt Barrys, und iſt von ungeheurer Große. Wenn ſie jung gefangen werden, 
lernen ſie aufrecht gehen, und nach und nach indianiſchen Weizen ſtampfen, Waſſer in Ka— 
labaſchen oder Kuͤrbsſchalen aus dem Fluſſe oder Brunnen auf den Köpfen herbeytra⸗ 
gen, und den Bratſpieß wenden. Karla N 

Dieſe Thiere haben eine fo große Begierde nach Auſtern, daß fie bey niedrigem Waſ⸗ 
ſer an dem Ufer zwiſchen den Klippen hinunter gehen; und wenn ſich die Schalen von der 
heftigen Sonnenhitze aufthun, ſo werfen ſie einen kleinen Stein darzwiſchen, und ziehen auf 
ſolche Art die Auſter heraus. Manchmal trifft es zu, daß der Stein auf die Seite fälle, 
oder zu klein iſt; und die Affen werden gleichſam aus dem Hinterhalte ertappt, und von den 
Schwarzen entweder gefangen oder todtgeſchlagen, die ihr Fleiſch für eine ſehr angenehme 
Speiſe halten, gleichwie auch das Elephantenfleiſch. Der Verfaſſer ſah einmal einen Af- 
fen im Hauſe des Hauptmanns Johann Thomas in einem Topfe kochen; er konnte aber 
nicht dahin gebracht werden, etwas davon zu eſſen, obgleich verſchiedene Europäer ihn ver- 
ſichert hatten, daß es ein gutes Fleiſch wäre. Er hat hier fo große Auſtern geſehen, daß ein 
Mann von einer einzigen eine Mahlzeit halten konnte: ſie waren aber ihrer Zachheit halber 
kaum zu eſſen, wenn man ſie nicht erſt kochte, und alsdann klein ſchnitt. 

Die Wälder beherbergen eine unzaͤhlbare Menge Papageyen, Ringel⸗ oder Holztauben, 
und viele andere Gattungen von Voͤgeln. Das dichte Gehölze aber beraubet einen des 
Vergnuͤgens zu ſchießen. 

Das Meer und die Flüffe verforgen die Einwohner und die Reiſenden mit einer uͤber⸗ 
fluͤßigen Menge Fiſche, von allen den Gattungen, und eben den Größen, wie die zu Goree 


und bey dem gruͤnen Vorgebirge gefunden werden, und noch andere mehr, die den Euro— 
paͤern unbekannt find, und von welchen der Verfaſſer ſorgfaͤltige Abriſſe verfertigt hat. 


Dieſer Ueberfluß koͤmmt den Schiffern wohl zu ſtatten, theils der Lebensmittel, und theils 
auch der Handlung wegen, wofern ſie anders mit eigenen Netzen und Garnen verſehen ſind; 
denn die Schwarzen ſind ſo nachlaͤßig, daß ſie keine machen, und ſich nur an denen Fiſchen 
begnügen, welche die Ebbe unter den Felſen zuruͤcklaͤßt 1). 

Der Verfaſſer ſah einige Sklaven des Hauptmanns Thomas, auf der Oberflaͤche des 
Waſſers, unter den Klippen eine unglaubliche Menge ganz junger Fiſche, mit einem Stuͤcke 
alten Tuchs fangen, davon die größten nicht fo dick als ein ordentlicher Gaͤnſekiel waren. 
Dieſe werden in einem großen irdenen Topfe zu Breye gekocht, und fuͤr ein gutes Gerichte 


bey ihnen gehalten. 


Waͤlder und 
Baͤume. 


Das ganze Land ſteht ſo ſehr voll hoher Baͤume, daß man es einen einigen großen Forſt 
nennen koͤnnte. Die Baͤume ſind dicke und nahe beyſammen. Unter andern giebt es viel 
Palmenbaͤume, und eine Art von Lorbern im Gebirge. Das Ufer des Meers und der 
Fluͤſſe iſt an vielen Orten mit Mangrovenbaͤumen beſchattet. Das Holz uͤberhaupt iſt 
ſehr ſchwer, und zu Erbauung aller Arten von Fahrzeugen und Schiffen untuͤchtig o). 


Der 


1) Siehe den Kupferſtich. 9 Barbot a. d. 101 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 265 


| Der IV Abſchnitt. 
Fortſetzung von Barbots Beſchreibung von Sierra Leona. 


Die Einwohner. Ihre Kleidung. Ihr Charak- rechtigkeit. Ihr Koͤnig wie er bey ſeiner 
ter. Ihre Auferziehung. Heirathen. Spra- Wahl ausgerufen wird. Sein Begraͤbniß. Be: 
che. Manufacturen. Handlung des Landes. kehrungen der Portugieſen. Ihre Grisgris 
Beſten Elephantenzähne. Eingefuͤhrte Wan: oder Segensſpruͤche. Ein Grigri oder Goͤtzen⸗ 
ren. Regierungsform. Verwaltung der Ge: bild. N 


Die Einwohner von Sierra Leona ſind nicht von einer ſo ſchoͤnen und glaͤnzenden 
ſchwarzen Farbe, als die vom grünen Vorgebirge. Sie haben aber auch nicht fol- 
che platte Naſen. Ihre Ohren ſchmuͤcken ſie mit allerhand Flitterwerke, dergleichen Zier⸗ 
rathen fie Mazubos nennen, und in dem Geſichte, auf den Ohren und Naſen machen fie 
ſich verſchiedene kleine Mahle mit einem gluͤhenden Eiſen. Sie tragen auch goldene Ringe und 
Armbänder, Beyde Geſchlechter gehen bis in das funfzehnte Jahr völlig nackend, und 
alsdenn tragen ſie einen Schurz von Tuche oder Baumrinden. Manche haben nichts als 
einen ledernen Riemen um die Lenden, worinnen ſie ihre Meſſer tragen. 

Die Schwarzen vom Stande tragen einen kurzen Rock oder Kuͤttel von geſtreiftem 
Callico, gleichwie die Moren. Sie ſind uͤberhaupt boshaft und unruhig. Sie zerfallen 
öfters untereinander, aber noch öfter mit den Europäern, die ſich nicht beſſer an ihnen raͤ⸗ 
chen koͤnnen, als wenn fie ihre Hütten abbrennen, und ihr Korn und ihre Wurzeln ver- 
derben. Dabes ſind fie mäßig, und trinken nur wenig Brandtewein, aus Furcht unpaß 
zu werden. Sie ſind zugleich verſtaͤndiger und geſchickter, als die andern Schwarzen in 
Guinea. Beſonders aber ſind die Kapez ſehr faͤhig, bald etwas zu lernen. Ehemals 
waren fie weibiſch und üppig, jetzt aber find fie durch ihre langen Kriege mit den Kumbas 
tapferer geworden. 5 

Jede Stadt oder Dorf hat ein öffentliches Gebäude, wohin alle verheirathete Perſonen 
ihre Töchter in einem gewiſſen Alter ſenden. Daſelbſt lernen fie fingen, tanzen, und andere 
Uebungen, und zwar von einem alten Manne aus der vornehmſten Familie des Orts. Wenn 
das Jahr um iſt, ſo fuͤhret ſie derſelbe auf den Markt, wo ſie ſingen und tanzen, und alles, 
was ſie in der Schule gelernet haben, vor den Einwohnern zeigen. Wenn in dieſer Zeit 
ein junger Menſch Luſt zum heirathen hat: ſo erwaͤhlet er ſich diejenige, die ihm am beſten 
gefallt, ohne Abſicht auf das Vermoͤgen oder ihre Herkunft. Wenn der Mann feine Ab⸗ 
ſicht auf dieſe Art erklaͤrt hat: fo betrachtet man fie als wirklich verheirathete, unter dem 
Bedinge, wenn der Braͤutigam den Eltern der Braut, und dem alten Manne, der ihr 
Vormund oder Lehrmeiſter geweſen, einige kleine Geſchenke geben kann p). 

Die meiſten Schwarzen um die Bay herum, ſprechen entweder portugieſiſch oder 
franzoͤſiſch, und einige verſtehen ein wenig engliſch oder hollaͤndiſch. Die gemeine Sprache 
iſt die Mundart von Bulm, eine harte und den, Fremden unangenehme Sprache, die ſich 
ſehr ſchwer beſchreiben laͤßt 7). 

Dieſes Volk macht aus Binſen und andern Ruthen ſehr artige Matten, die ſie mit 
allerhand Farben färben, und die von den Europäern, in großem Werthe gehalten 99 

ie 

p) Barbot a. d. 100 ©, 9) Ebendaſ. a. d. 103 S. 
Allgem. Keiſebeſchr. Il Band. L 


Die Ein⸗ 
wohner; 
ihre Klei⸗ 
dung. 


Ihr Cha⸗ 


rakter. 


Auferzie⸗ 
hung und 
Sitten. 


Sprache. 


Manufactu⸗ 
ren. 


266 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, n 


1678 Die Schwarzen brauchen derſelben ſtatt der Betten. Es iſt noch eine Streitfrage, ob ſie 

„Darbot. den Portugieſen, oder die Portugieſen ihnen gezeigt haben, wie dieſe Matten verfertiget 

| werden müßten, 

Hendlung. Der Fluß von Sierra Leona iſt von den Europaͤern, beſonders aber den Englaͤndern 
und Franzoſen ſeit langer Zeit beſucht worden, theils der Handlung, theils der Erfriſchung 
wegen auf ihrer Reiſe nach der Goldkuͤſte oder Whidah. Die Guͤter, mit denen hier ge— 
handelt wird, ſind Elfenbein, Sklaven, Sandelholz, etwas Gold, viel Wachs, einige Per— 
len, Kryſtall, Ambra, langer Pfeffer 5). 

Elfenbein. Die Elephantenzaͤhne werden fuͤr die beſten in ganz Guinea gehalten, wegen ihrer 
Groͤße und ſchoͤnen weißen Farbe. Der Verfaſſer hat welche zu achtzig oder hundert Pfun— 
den geſehen, da man achtzig Pfund für fünf Pfund franzoͤſiſcher Münze dem Werthe nach, 
an ſchlechten Meſſern und andern ſolchen Spielſachen zu kaufen bekam. Die Portugieſen 
aber verhindern dieſe Handlung, fo viel fie koͤnnen, beſonders aber die Engländer, in Anſe— 
hung der Sklaven, als welche ſie nunmehr ſehr weit her aus dem Innern des Landes zu 
holen gezwungen ſind. Das Gold, das hier zu haben iſt, wird aus Mandingo und andern 
entfernten Laͤndern um den Niger herum, oder aus Suͤdguinea vermittelſt des Fluſſes 
Mitomba hergebracht. g \ | RAN, 15 1 

Eingefuͤhrte Die Waaren, welche die Europaͤer hier einfuͤhren, ſind Franzbrandtewein, und Rum, 

Maren. eiſerne Staͤbe, weiße Callicos, ſchleſiſche Leinwand, kupferne Keſſel, toͤpferne Laſen, meßin— 
gene Ringe und Armbaͤnder, glaͤſerne Buckeln, und Perlen von allerhand Farben, kupferne 
Muͤnzen, Ohrringe, hollaͤndiſche Meſſer Bofinans genannt, von der erſten und andern 
Nummer, Beile und Aexte, grobe Treſſen, kryſtallene Roſenkraͤnze, bunte, beſonders rothe 
Callicos, Chinz genannt, Olivenoͤl, kleine Puffer, ordentliche Flinten, Flintenkugeln und 
Patronen, Papier, rothe Muͤtzen, Mannshemden, alle Arten nachgemachte Perlen, rother 
Cattun, ſeidene Gürtel eine halbe engliſche Elle breit, fuͤr die Weiber 9). 

Was das Regiment, und die Religion betrifft: ſo haben die Einwohner zu Sierra 
Leona ein und das andere beſondere. f 

Regiment. Die Kapez und Rumbas haben jede ihren eigenen König oder ihr Oberhaupt, der 
die Gerechtigkeit handhabet, und die Streitigkeiten nach ihren hergebrachten Grundſaͤtzen 
ſchlichtet. Sie halten ihre Gerichtstage und andere Verſammlungen in einem Funkos 
oder einer Art von Gallerie, die um ihr Haus herumgebaut iſt, welches nichts anders als 
eine Menge an einander gebauter Huͤtten iſt. Da ſitzt der Koͤnig auf einer Art von Thro— 
ne, der etwas über die Erde erhaben und mit ſehr feinen Matten bedeckt iſt, und feine So; 
lateſquis oder Raͤthe um ihn herum auf einer Art von langen Baͤnken. 

Verwaltung Die ſtreitenden Parteyen werden mit ihrem Rathgeber oder Advocaten hineingerufen. 

der Gerech- Der König vernimmt nach Anhörung der Sache die Meynung feiner Solstefquis, welche 

tigkeit. die geſchickteſten Leute in dem Lande find, und nach derſelben thut er den Urtheilsſpruch, der 
in ſeiner Gegenwart vollzogen wird. Die kleinſten Verbrechen, ſie moͤgen beſtehen, worin— 
nen ſie wollen, werden mit Landesverweiſung beſtraft. 

Klaͤdung der Die Kleidung der Troens oder Sachwalter, iſt ſehr ſonderbar. Sie tragen eine 

Adzocaten. Maſke auf dem Geſichte, Caſtagnetten in der Hand, und kleine Schellen an den Fuͤßen. 

n el. 
r) Smith faget in feinen Reifen von Guinea, in Sklaven, Elfenbeine und Camholze. 
der vornehmſte Handel in dieſer Gegend beſtehe 3) Barbot a. d. 100 und 102 u. f. S. 


= 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 267 


Ihr Kleid beſteht in einem mit allerhand Federn gezierten Küttel, welches ihnen mehr das 
Anſehen von Poſſenreißern und Luſtigmachern, als geſetzverſtaͤndigen Leuten giebt. 

Die Ceremonie bey Einweihung der Solateſquis ift eben fo lächerlich, als die Tracht 
eines Troen. Die ernannte Perſon, die ſich nach ihrer Art angeputzt hat, wird auf einen 
hoͤlzernen Stuhl geſetzt. Der Koͤnig ſtreicht ihn mit den blutigen Eingeweiden einer 
Ziege, die zu dieſer Ceremonie geſchlachtet worden, verſchiedenemal in das Geſicht. Dar: 
auf reibt er es uͤber und uͤber mit Mehle, und ſetzet ihn einen rothen Huth auf den Kopf, 
wobey er das Wort Solateſquis ausſpricht. Darauf wird er in dem Stuhle dreymal 
um den Funkos herumgetragen, und alles Volk deſſelben Orts feyert ein dreytaͤgiges Feſt. 
Die Feyerlichkeit beſteht in Tanzen, Feuerwerken, Salven aus dem kleinen Gewehre, und 
wenn dieſe geendigt iſt, wird ein Ochſe geſchlachtet, und unter die Gaͤſte getheilt. ö 

Die koͤnigliche Wuͤrde war zuvor erblich, ehe die Quojas dieſes Land unter das Joch 
gebracht. Es folgte ordentlich der juͤngſte Sohn in der Regierung; und wenn kein Leibes— 
erbe da war, fo ward der naͤchſte Anverwandte auf folgende Art eingeweiht 2). 

Es gieng eine Menge Volks zu ihm, die ihn als eine Privatperſon beſuchte, und dar— 
auf ward er gebunden aus ſeinem Hauſe in den Palaſt des verſtorbenen Koͤnigs gebracht, 
da das Volk ihn unterwegens hoͤhnte, und ſogar mit Stecken ſchlug. Bey ſeiner Ankunft 
wurde ihm der koͤnigliche Schmuck angelegt, und er alſo in den Funkos gefuͤhret, wo die 
Solateſquis und vornehmſten Männer im Lande feiner erwarteten. Als er ankam, hielt 
der aͤlteſte unter den Raͤthen eine Rede an das Volk, darinnen er die Nothwendigkeit zeig— 
te, einen Koͤnig zu machen, und eine Art von Lobrede auf den Candidaten hielt. Nach 
Endigung derſelben reichte er dem Koͤnige ein Beil in die Hand, um dadurch anzudeuten, 
daß ein guter Koͤnig die Uebelthaͤter ſtrafen ſollte. Darauf ward der Koͤnig-mit Einſtim— 
mung der ganzen Verſammlung ausgerufen, die ihm nach ihren Gewohnheiten huldigte. 

Die verſtorbenen Koͤnige werden auf den Straßen, die nach ihrer Wohnung gehen, 

begraben. Sie rechtfertigen dieſe Gewohnheit damit, daß diejenigen, die durch ihren Rang 
und Stand ſo ſehr von andern Perſonen unterſchieden geweſen, billig auch nach dem Tode 
von ihnen abgeſondert werden muͤßten. 
Das Ceremoniel iſt hier mit dem in andern Landen auf dieſer Kuͤſte faſt einerley, in— 
dem ſie ihre beſten Sachen mit in das Grab legen, und ein Dach daruͤber aufrichten, oder 
es mit Leinewand uͤberdecken. Eben dieſe Gewohnheit hat bey Privatbegraͤbniſſen ſtatt, 
und bey den Leichen ſind allezeit nach Beſchaffenheit des Standes mehr oder weniger ge— 
dungene Klageleute, die mehr oder weniger heulen, nachdem ſie bezahlt werden. 

Die portugieſiſchen Glaubensbothen machten ehemals viel Neubekehrte in dieſem Lan— 
de, indem das Volk dem Beyſpiele ihres Koͤnigs Fatima und anderer großer Herren folgte, 
die der Jeſuit Bareira im Jahre 1607 taufte. Sie ſind aber alle wieder in den ihnen 
weit natuͤrlichern Goͤtzendienſt verfallen. 65 

Die Schwarzen tragen bier, wie an andern Orten, an dem Halfe, Aermen, Ellbogen, 
der Bruſt, und den Fuͤßen Grisgris u) oder Charaktere, die Poſſen oder unflaͤtige Dinge in ſich 
enthalten, an die fie fleißig ihr Gebeth richten. Sie legen auch allezeit, fo oft fie eſſen oder 
trinken, etwas weniges fuͤr ſie auf die Seite, und 1 ſich niemals in ihren langen Kaͤh— 

1 nen 


2) Ebendaſ a. d. 103 S. Grigri aber koͤmmt des Jobſons Gregory 
1) Die Franzoſen ſchreiben es Grisgris; näher. 5 ER 


1678 
Barbot. 


Einwehung 
der Rothe. 


Neuer Koͤ⸗ 
nig, we er 
ausgerufen 
wird. 


Sein Be: 
graͤbniß. 


Portigieſi⸗ 
ſche Miſſ io⸗ 
nen. 


Ihre Gris⸗ 
gris oder 
Angekaͤnge. 


1678 
Barbot. 


Ein Grigri, 
oder Höße. 


1721 


Atkins. 
—— 


Afene. 


Priwatkauf⸗ 
leute, 


266 Rĩeeiſen laͤngſt der weſtllichen Kuͤſte von Africa, 


nen auf das Meer oder Fluͤſſe wagen, ohne eine Menge ſolcher Zeddel mit ſich zu ſchleppen, 
die, wie ſie glauben, ſie vor allen Arten vom Unfalle beſchuͤtzen. Denn ſie ſchreiben dem 
Grigri eine beſondere Macht über das Meer zu, und nach geendigter Reife danken fie ihm 
fuͤr ſeinen Schutz. 

Der Verfaſſer ſah einmal in dem Waldde zwiſchen dem Brunnen und dem weſtwaͤrts 
davon gelegenen Dorfe einen Fetiſh Grigwi, oder ein Goͤtzenbild von Thone, das einen 
Mannskopf auf einem Seulenfuße vorftellte,, unter einem kleinen Wetterdache. Sie ſag⸗ 
ten ihm, daß in den Laͤndern Bulm und Tinnna viele dergleichen Bilder auf den Straßen 
und neben den Haͤuſern ſtuͤnden, um das Giedaͤchtniß ihrer verſtorbenen Verwandten und 
Freunde zu ehren und zu erhalten, wie auch), daß die Schwarzen manchmal in ihren An⸗ 
dachten gegen dieſe Bilder die Worte Abrahham, Iſaac und Jacob hermurmelten x). 

Der Verfaſſer hörte niemals von Muhanmmedanern in dieſem Reiche. Dieſe wohnen, wie 
er ſaget, weit davon gegen den Niger zu. Doch Ifeßet er hinzu, ein neuerer Schriftſteller verſichert 
uns, daß alle Voͤlker von Bulm, Timna umd Solm, ſowohl als die ſuͤdwaͤrts wohnenden 
von Rondo, Quoja, Folja, Gala und Monu, nach muhammedaniſcher Art beſchnitten 
waͤren. Sie erkenneten nur einen Gott, dem Schoͤpfer aller Dinge, den ſie Kanu nennen; 


fie glaubten ein zufünftiges Leben, und betetten keine Geſchoͤpfe, auch nicht einmal Sonne 
und Mond, an ). 


Der V Abſchnitt. 
Sierra Leona, durch den Herrn Atkins beſchrieben. 


Rheede. Privatkaufleute. Ihre Sitten. Hand: Kampf mit einem Menſchen. Beſchreibung 
lung. Hauptmann Tombe wird hart gezuͤchti⸗ des Seehundes. Beyſpiel von feiner Wildheit 
get. Wie er zum Sklaven gemacht worden. und Gefraͤßigkeit. Fiſche. Mannichfaltigkeit 
Manatea oder Meerkuh. Art der Schwarzen, derſelben. Zehnpfuͤnder. Alteweiber. Caval⸗ 
fie zu fangen. Beſchreibung des Alligator. loes. Barrieudoes. Katzenfiſche. Auſtern. 


Das Vorgebirge von Sierra Leona iſt an einem einzelnen Baume, der ſich ſehr durch 
feine Größe ausnimmt, und dem dahinter liegenden hohen Lande, zu erkennen. Als 
fie den Fluß hinauf ſegelten, hielten fie ſich rechter Hand, und ankerten in der dritten Bay. 
Dafelbſt kann man ſehr bequem Waſſer fehöspfen und Holz fällen, und die Abwechſelung 
der Ebbe und Fluch iſt fo regelmaͤßig, als irggendswo in dem Canale von England. 

Dieſe Rheede iſt ungefaͤhr fuͤnf Seemeileen unter dem Eylande Benſe oder Brent, wo 
Herr Plunket dazumal der oberſte Factor war. Zur rechten Hand 2) hatten ſich wohl 
auf dreyßig Privatkaufleute niedergelaſſen, leichtfertiges und raͤuberiſches Geſindel, die, 
wenn ſie im Handel mit den Schwarzen nichtt gut auskommen koͤnnen, ſtehlen, nicht ſowohl 
um Reichthum zu erlangen, als vielmehr ſich in den Stand zu ſetzen, gemaͤchlich zu leben, 
und mit ihren Freunden zu ſchmauſen. Denn fie laffen ſich allezeit begnügen, wenn fie 
ihren Vorrath bey gleichem erhalten koͤnnen, und kaufen ſich mit dem Gewinnſte von Zeit 
zu Zeit von den briſtoler Schiffen, die mehr ails andere hieher kommen, ſtarkes Bier, Wein, 


Aepfel⸗ 
x) Dieſe und einige andere Umſtaͤnde ſcheinen 2) Vielleicht in der Bay der Seeraͤuber, die 
aus dem Villault entlehnt zu ſeyn. Herr Smith unter ſeinen Karten von Guinea in 


der von Sierra Leona zur erſten Bucht von dem 
) Barbot auf der 103 und folgenden Seite. Vorgebirge macht. 


von Capo Blanco bis Sierra Ceona. VI Buch XIV Cap. 269 


Aepfeltrank und andere ſolche Lebensmittel. Unter ihnen wird Johann Leadſtine ), 172 
gemeiniglich der alte Prahler genannt, für den wohlhabendſten gehalten. Atkins. 

Sie unterhalten insgeſammt Gromettasz oder Negermaͤgde, die fie vom Fluſſe Sher⸗ Ihre Sten 
bro her monatlich für zwo Acys oder Eiſeinſtangen miethen. Die Weiber verſorgen 5 
das Haus, und laſſen fich alles gefallen, was ifpr Herr ihrentwegen verordnet. Die Knechte Handlung. 
dienen in den Kaͤhnen und Periagoen, und werden wechſelsweiſe ausgeſchickt, mit Koral⸗ 
len, Meßing, zinnernen Naͤpfen, Toͤpfen, Wiaffen, und englifchen gebrannten Waſſern zu 
handeln, und dagegen von Rio Nunes Sklawen und Elfenbein, und von Sherbro Cam⸗ 
holz zum Faͤrben, zuruͤckzubringen. An dem leitztern Orte werden aufs hoͤchſte zwo beladene 
Schaluppen jährlich ausgeſchickt, und dieſes Forftet noch darzu viele Mühe, weil fie ſehr weit 
auf dem engen und mit Hecken bewachſenen Canale des Fluſſes fahren muͤſſen. 

Das Elfenbein hier koͤmmt von den Eleph anten oder Meerpferden, und iſt großes oder 
kleines. Von dem erſtern wird der Zentner zıu vierzig Acys, von dem andern aber nur um 
die Haͤlfte des Preiſes verkauft. 5 

Die Sklaven gehen, wenn ſie hergebracht werden, in Ketten, drey oder viere aneinan⸗ 
der geſchloſſen, unter der Aufſicht ihrer Gronnettas, bis ſich eine Gelegenheit zum Ver⸗ 
kaufe äußert, Und alsdann geht ein guter Sklave für einen Werth von funfzehn Pfund 
Sterlings weg, und giebt dem Kaufmanne wierzig bis funfzig vom Hunderte an ſeinen 
Waaren Gewinnſt. ö 

Dieſe Sklaven werden um der freyen Lufft und Reinlichkeit willen, und damit fie die Hauptmann 
Käufer deſto beſſer ſehen koͤnnen, in Hütten, mahe bey dem Haufe des Eigenthuͤmers, ein- Tombo wird 
quartiret. Die meiſten ſchienen dem Verfaſſerr ſehr niedergeſchlagen zu ſeyn. Als er eins⸗ gepeitſche. 
mals einige Sklaven des alten Prahlers in Augenſchein nahm: ſo fiel ihm ein langer ſtar⸗ 
ker Menſch von einem dreiſten ernſthaften Weſſen in die Augen. Dieſer Menſch blickte die 
andern Sklaven, wegen der Bereitwilligkeit, miit der fie ſich beſchauen ließen, mit Verachtung 
an, und nahm ſich nicht die Mühe, die Käufer canzuſehen, weigerte ſich auch aufzuftehen und 
feine Gliedmaßen auszuſtrecken, wie es der Herr befahl. Dieſes brachte ihm ein unbarmherzi⸗ 
ges Peitſchen mit einem ſchneidenden Manatera⸗Riemen von Prahlers eigener Hand zu: 
wege, der ihn gewiß todtgeſchlagen haben würtde, wenn er nicht die Einbuße feines Kauf⸗ 
geldes befürchtet hätte. Der Schwarze erlitt allees mit Großmuth, indem er ſehr wenig zuckte, 
und nur etliche Thraͤnen fallen ließ, die er zu verbergen ſich bemühte, als ob er ſich des⸗ 
wegen ſchaͤmte. 

Die Compagnie ward hierdurch neugierig, und verlangte zu wiſſen, wie ihn Prahler Wie er zum 
in feine Haͤnde bekommen hätte. Er ſagte, dieeſe Perſon nennte ſich Hauptmann Tomba, Sklaven ge⸗ 
und wäre das Oberhaupt einiger Dörfer im Lande, die ſich ihnen und ihrer Handlung am macht wor; 
Fluſſe Nunes widerſetzet, ihre Freunde erſch'lagen, und ihre Hütten in Brand geſteckt 15 
hätten. Der angegriffene Theil hätte ihn vor einem Monate mit Huͤlfe feiner, Prahlers, 

Leute, bey der Nacht überfallen, und hieher gjebracht. Er hätte aber in der Gegenwehr, 
ehe er gefangen und gebunden worden, zweene von ihnen erleget. © 
13 er 


a) In Johnſons Geſchichte der Seeräuber, wo das befte Haus unter ihnen gehabt, nebſt etlichen 
faſt eine gleiche Beſchreibung von dieſem Herrn Canonen vor der Thuͤre, um feine Freunde, die See⸗ 
ſteht, wird er Leadſtone genannt. Er iſt ein al⸗ raͤuber, wenn ſie hineinkamen, zu begruͤßen. 
ter Bukanier geweſen, und hat im Jahre 1720 


270 RNeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
1721 Der Fluß von Sierra Leona ift in dieſer Gegend fehr breit. Er verengert fich aber 
Atkins. zehn oder zwoͤlf Meilen höher hinauf, daß er nur halb fo breit wird, als die Themſe bey 
London, und iſt an beyden Seiten dick mit Mangroven bewachſen. Dieſes ſind Baͤume, 
oder vielmehr Geſtrippe, welche in den warmen Himmelsgegenden auf den niedrigen feuchten 
Ufern der Fluͤſſe wachſen. In den Aeſten ſteigt der Saft wiederum niederwaͤrts, und faſſet eine 
andere Wurzel, und nachgehends eine dritte, und ſo fort; ſo daß der Boden uͤber und uͤber 
damit angefuͤllet wird, und es ſchwer, wo nicht gar unmoͤglich faͤllt, hindurch zu kommen. 
Sie dienen den Manateas und Crocodilen zu einem guten Lager, welche nebſt den See⸗ 
hunden den Strom ſehr unſicher machen. Eine oder etliche Geſchichte von dieſen Creatu⸗ 
ren werden vielleicht nicht unangenehm ſeyn ). 


Manatea, Das Thier Manatea iſt eilf bis zwoͤlf Fuß lang, und halb fo dick. Es hat nur in 
ode: Ser: dem untern Kinnbacken Zähne, die den Zähnen der Ochſen gleichkommen, gleichwie es auch 
kuh. am Maule und Kopfe dieſem Thiere gleich iſt. Seine Augen hingegen ſind nach Verhaͤlt— 
niß klein, und in die Ohren wird man kaum eine Stecknadel bringen koͤnnen. Faſt gleich bey 
den Ohren find zwo breite Floßfedern, 16 bis 18 Zoll lang, die fich mit beyden Enden aneinan- 
der ſchließen, als ob fie zuſammengewachſen wären. Sie haben einen breiten Schwanz. Ihr 
Haͤutlein iſt fleckicht, und wie Sammet anzuſehen und anzufuͤhlen. Die rechte Haut iſt einen 
Zoll dick, und wird von den Americanern in Riemen geſchnitten, und zu Karbatſchen fuͤr ihre 
Sklaven gebraucht. Sie wiegen fuͤnf-bis ſechshundert Pfund ſchwer. Das Fleiſch iſt dicht, 
und mit Fett durchwachſen. Das magere iſt weiß, wie Kalbfleiſch. Gekocht, geſotten, 
oder gebraten hat es keinen Fiſchgeſchmack. Es iſt aber ein eben ſo angenehmes Gericht, 
als Wildpraͤt unſern verzaͤrtelten Leckermaͤulern zu ſeyn pfleget. ah 

Beiſe der Die Schwarzen fangen fie, indem ſie in einem Kahne auf das Manatea⸗Thier zuru⸗ 
Scwarzen, dern, und zwar ſo ſachte, als möglich, weil es ein ungemein leiſes Gehör hat. Wenn fie 
ſie u fangen. nahe genug find: fo wirft einer, der zu dieſem Ende in der Spitze des Kahns ſteht, ihm eine 
Harpune mit einer langen Stange in den Leib, und laßt dieſelbe los. Das Thier eilt ohne 
Verzug in die Mangroven; und da das Waſſer ſeicht iſt: ſo muß der Stiel von der 
Harpune dann und wann zum Vorſcheine kommen, welchem ſie nachgehen, und dem Thiere 
ſo lange neue Wunden beybringen, bis es todt oder abgemattet iſt, und alsdann ziehen ſie 

es an das Ufer. 1 
Aligator bes Atkins ſaget, der Alligator komme in allen Stuͤcken dem aͤgyptiſchen Crocodile gleich, 
ſchieben. und ſey ſonder Zweifel eben dieſes Thier e). In der Geſtalt iſt es einer Eydechſe nicht un— 
Ahnlich, aber wohl zweyhundert Pfund ſchwer. Es iſt mit harten Schuppen bedeckt, durch 
welche kein Schuß durchdringt, wenn er nicht ſehr aus der Naͤhe geſchieht. Es hat lange 
und mit ſcharfen Zähnen beſetzte Kinnbacken, zwo ſehr große, und zwo kleine Floßfedern, 
wie Hände. Einen dicken Schwanz ohne Gelenke. Es kann lange Zeit außer dem Waf- 
ſer leben, indem es oͤfters lebendig in Weſtindien verkauft wird. Sie ſind nicht ſcheu, ſon— 
dern vielmehr dreuſte. Ob ſie gleich leicht aufwachen: ſo ergreifen ſie doch nicht ſogleich 
die Flucht. Denn die Kaͤhne, die den Fluß hinunter fuhren, kamen ihnen auf zwo Ellen 
nahe, ehe fie ſich aus ihren Loͤchern aufmachten, die fie ſich auszuſuchen pflegen, wenn ſie aus 
den Mangroven hervorkommen, um ſich in der Sonne zu waͤrmen. Wenn ſie auf dem 
1 e er | Waffer 

5) Siehe Atkins Neife nach Guinea, Braſillen und Weſtindien vom Jahre 1721, auf der 39 Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 271 


Waſſer ſchwimmen: fo halten fie ſich ganz ruhig, wie ein Stuͤck Holz, bis die kleinen Fifch- 1721 
chen auf dem Grunde unvorſichtiger Weiſe um daſſelbe . Alsdann faͤhrt es Atkins. 
plotzlich zu, und ſchnappt nach feiner Beute. f 

Ein ſolches Thier fiel einen Mann an, der zu einer Schaluppe von Schetbro gehoͤrte. Kampfmit 
Dieſer Bootsmann, der vom Brandteweine berauſcht war, wollte durch einen ſchilfichten einem Nan— 
Ort der Bay bis an die Bruſt durchwaten, um ſich die Muͤhe zu erſpahren, ringsherum ne. 
zu gehen. Unterwegens faßte ihn der Alligator an, und der Mann, der gleich viel Herz 
hatte, ſteckte ſeinen Arm in den Rachen des Thieres. Dem ungeachtet machte ſich das 
Thier los, und griff ihn noch zwey bis dreymal an, bis endlich ein Kahn dem Manne 
zu Huͤlfe eilte. Er war aber am Hintern, an den Aermen, Schenkeln und in den Seiten 
elendiglich zerbiſſen, ob er gleich von feinen Wunden heil wurde. Und waͤre es nicht gleich 
ein junges Thier geweſen: ſo wuͤrde er nothwendig ſein Leben eingebuͤßt haben. | 

Die Seehunde machen die Muͤndung dieſes Fluſſes ſehr unſicher; denn es ſind die Der Sr 
muthigſten und grauſamſten Geſchoͤpfe unter allen Waſſerthieren. Ein ſolches Thier laͤßt hund be⸗ 
den Haken niemals eher fahren, als bis es todt iſt. Die Bootsleute von dem Kriegsſchiffe, ſchrieben. 
die Schwalbe genannt, haben dreye binnen weniger als einer halben Stunde gefangen. 

Jedes war zwiſchen acht und zehn Fuß lang, und ihre Lebern gaben zehn Gallonen Thran. 
Sie haben vier bis fuͤnf Reihen kurze ſcharfe Zaͤhne im Rachen, deren eine hinter der andern 
ſteht, und an den Seiten zackicht find, wie Schweinezaͤhne. Ihr Schlund iſt funfzehn bis 
ſechzehn Zoll weit. In den Mägen fanden fie Rindsknochen, und was ſonſt von unnützen 
Sachen den Tag hindurch uͤber Bord war geworfen worden. Denn ſie ſind wie eine 
Pfarrerſcheune, in welche alles hineingeht. Sie legen ſich auf den Ruͤcken, um ihren 
Raub zu fangen. Unſere Bootsleute kochten und ver ehrten das Fleiſch, ob es gleich ſehr 
grob war, welches die Eigenſchaft von allen Thieren it die lebendig Fleiſch freſſen. 

Neben dieſen Seehunden ſchwimmen gemeiniglich zwey bis drey kleine vielfärbichte 
Fiſche, von der Groͤße eines Haͤrings, Piloten genannt. Sie gehen in ſeinen Schlund 
hinein, und wieder heraus, oder ſetzen ſich auf eine vertrauliche Art auf ſeinen Ruͤcken. 

Man hält dafür, daß fie dieſem Thiere eben das find, was der Jackall dem Löwen iſt, daß 
fie dienen, ihm zu ſeinem Raube zu verhelfen, und ihn vor der Gefahr auf den Sandbaͤn⸗ 
ken zu warnen; dagegen ſie Futter und Schutz von dem Seehunde genießen. 

Der Verfaſſer erzaͤhlet zwo Hiſtorien von der Kuͤhnheit und Gefraͤßigkeit dieſes Thieres, Beyfpiele 
wovon er felbft Zeuge iſt. Die erſte iſt, als die Barke Weymouth die Gambra hinauf- von feiner 
ruderte: ſo kam ein Seehund herbey, und ungeachtet des Laͤrmens von ſo vielen Rudern, N 
erſchnappte er einen Bootsmann, und biß ihn in Stuͤcken. 

Zu Wydah, einer ſehr gefährlichen Kuͤſte, wollte ein Kahn Güter von einem Kauf: 
mannsſchiffe an das Land ſetzen, und uͤberſchlug ſich. Ein Seehund, der gleich dabey war, 
erfaßte einen von den Schiffern im Waſſer, und wurde nebſt ihm durch die anlaufende 
Fluth an das Land geworfen, Dem ungeachtet ließ der Seehund feinen Raub nicht 
fahren, und fuͤhrte den Menſchen, ſobald das Waſſer von neuem ſtieg, wieder mit ſich 
in die See. 5 
Ihre 
c) Verſchiedene Seribenten haben einen Unter? chen Abbildungen, die wir von beyden gegeben ha⸗ 
ſchied dazwiſchen angemerkt, welcher aus den deutli- ben, zu erſehen iſt. 


272 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


rar Ihre Gefraͤßigkeit erſtrecket ſich auf alles: Kanvas, Taue, Knochen, Tücher. Der 
Atkins. Verfaſſer hat fie öfters einen todten Körper auffangen, und in Stuͤcken zerreißen ſehen, ſo⸗ 
und Geftäſ⸗ bald er in die See kam, daß ſie ſogar die Hangmatte, in die er gelegt war, ſelbſt mit auf⸗ 
figfeit. fraßen, ohne ihn ein einzig mal ſinken zu laſſen, ob er gleich zu dieſem Ende mit ſehr vielem 
Ballaſte beſchwert war. 
Fische, man In den Bahyen von dieſem Fluſſe giebt es allerhand gute Fiſche, welche den Mangel am 
cherley Arten Fleiſche erſetzen, Schildkroͤten, Meeraͤſchen, Scates, Zehnpfuͤnder, alte Weiber, Cavalloes, 
derſelben. Baricudoes, Saugerfiſche, Auſtern, Katzenfiſche, Barmen, Numbfiſche, davon ſie die mei⸗ 
ften in großer Anzahl in ihrem Garne 4) fingen. Zwey bis drey Morgenſtunden waren 
genug, das ganze Schiffsvolk ſatt zu machen. 
Zehupfuͤnder. Die Zehnpfuͤnder find wie Meeraͤſchen, aber voll kleiner Graͤten, wie Haͤringsgraͤten. 
Alte Weiber. Alte Weiber find ein ſchuppichter platter Fiſch, halb fo dick als lang, und fuͤhren dieſen 
amen wegen der Aehnlichkeit, die, wie man ſich einbildet, zwiſchen ihnen und der Geſtalt 
Cavalloes. einer Nonne zu finden iſt. Cavalloes find helle ſilberfarbne Fiſche, mit einem ſtachlichten 
Batieudoes. Streife an beyden Seiten über die Hälfte ihres Leibes. Baricudoes find ein wohlſchme⸗ 
ckender Fiſch, anderthalb Fuß lang. Sie ſind aber nicht geſund, wenn der Gaumen 
ſchwarz iſt. Der Saugerfiſch iſt dem Hundfiſche in gewiſſer Maßen ähnlich. Unten hat er 
einen eyrunden Flecken, viertehalb Zoll breit, der lauter Tuͤpfelchen hat, wie ein Muskaten⸗ 
reibeiſen e); damit halten fie ſich fo feſt an, daß fie ſchwerlich vom Verdecke koͤnnen wegge⸗ 
riſſen werden. Sie fallen oͤfters den Seehund an, klammern ſich an ihn an, und ſaugen 
Kaßenfiſch. ſich aus ihm ihre Nahrung. Der Katzenfiſch wird von vier dünnen Faͤſerchen alſo benennt, 
die ihm aus dem Unterkinnbacken, gleich wie ein Katzenbart, hervorſproſſen 7). 


Auſtern. Die Auſtern und Numbfiſche g) haben etwas beſonderes an ſich. Die erſtern mach: 
fen oder kleben vielmehr in großen Klumpen zu zwanzigen oder dreyßigen an Klippen und 
Mangroven, und find klein, und von ſchlechtem Geſchmacke 2). 


Der WAbſchnitt. 


Fortſetzung von Atkins Beſchreibung von Sierra Leona. 


Das Land iſt ſehr waldicht. Ihre Lugars und Lollas. lot. Zibethkatze. Reinigungsgetraͤnke. Er⸗ 
Erdreich und Baͤume. Tannzapfen. Speiſen goͤtzungen des Volks. Beſuch bey dem Hrn. Jo⸗ 
der Einwohner. Ihre Perſonen. Weiber, und ſeph, einem Neubekehrten. Unbequemlichkeiten 
derſelben Verrichtung. Haͤuſer. Lage ihrer des Landes. Joſephs Bewirthung. Art zu 
Staͤdte. Baum voll Neſter des Vogels Kubi⸗ gruͤßen. Ihre Grisgris oder Segensſpruͤche. 


Land, ſehr Das Land um Sierra Leona iſt ſo dick mit Holze bewachſen, daß man nicht eine Ruthe 
waldicht. weit ohne viele Schwierigkeit von dem Ufer fortkommen kann, außer zwiſchen der 
Stadt und dem Brunnen, wo die Schiffer ihr Waſſer ſchoͤpfen. Doch ſind durch dieſe 
Waͤlder Wege zu ihren Lollas und Lugars gehauen, die, ob ſie gleich nur ein oder zwo 
kleine Meilen von der Stadt liegen, doch oͤfters von den wilden Thieren beſucht werden, 


indem 


4) Sonſt Sege genannt. g) Dieſer letztere wird in der nachfolgenden Na⸗ 
e) Siehe den Kupferſtich. turgeſchichte beſchrieben. a 


7) Siehe den Kupferſtich. h) Atkins Reife nach Gninea, a. d. 43 S. 


AUT 


te von Sıerra Leong. 


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FREREUNONABKUAKERIRIEAUHENEBEI BENENNEN 


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| Der Perrogquet oder Papegey. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. V Buch XIV Cap. 273 


indem der Verfaſſer hin und wieder ihren Müſt gefunden, der weiß und mit kleinen Bein⸗ 1721 
chen vermiſcht iſt. | ass a AD: eee 

Lugars find freye, und geſauberte Plaͤtze, die mit Neiße oder anderm Getreyde beſaͤet Ihre Lugars 
ſind. Die Lollas ſind auch Plaͤtze, da das Holz ausgerottet iſt. Sie find aber unfrucht- und Lollas. 
bar, und dienen bloß den Bug⸗a⸗Bugs zur Wohnung. Dieſes Ungezieſer iſt eine 
Gattung von Ameiſen. Sie bauen aber nicht über anderthalb Fuß tief. Sie find weiß. 
licht, und kleiner, als die gemeine Sorte. Sie haben einen Stachel, und freſſen das Tuch. > 

Die hieſigen Ufer find wie die von Schweden felſicht, faſt ohne alles Erdreich. Doch Erdreich und 
tragen fie. große Bäume, deren Wurzeln ſich auf der Erde ausbreiten. Die vornehmſten Baume. 
darunter find die Palmen, Koko und Baumwollenbaͤume )))) n 

Die andern zur Speiſe dienlichen Gewächfe find Reiß, Dams, Plantanen, Tannzapfen, 

Limonien, Pomeranzen, Papais, Datteln, willde Wurzeln und Beeren. Der Tannzapfen, Der Tann⸗ 
ihre vornehmſte Frucht, iſt von einer ſchoͤnen ‚grünen und gelben Farbe, und feſt und ſaftig zapfen. 
wie eine Melone, und wird mit Weine und Jucker gegeſſen. Leute von einer ſtarken Ein⸗ 
bildungskraft wollen alle Arten von Fruͤchtem darinnen ſchmecken. Dem Verfaſſer aber 
hatte es allezeit einen ſcharfen durchdringendem Geſchmack. Plantanen und Bananas ſind 
hier etwas gemeines H). Kalle uk Sc ee | Br 

Die Limonienbaͤume find von der Größe unſerer Aepfelbaͤume, haben viele Wurzeln 
und ein eyrundes daub. Die Frucht iſt kleiner, aber von ſtaͤrkerm Geruche und Geſchmacke, 
als unſere Limonien. In den Wäldern giebt es auch viele ſeviliſche Pomeranzen, die größte 
und angenehmſte Frucht unter allen, die der Verfaſſer angetroffen. Papais ſind von der 
Größe einer mittelmaßigen Melone, und ebem fo grün und voller Saamen. Wenn dieſer 
herausgenommen, und die Frucht geſchaͤlt iſt; fo wird fie an dem Fleiſche mit Butter und 
Salze gegeſſen. Die Baͤume wachſen zwanzig bis dreyßig Fuß hoch c). 

Dergleichen Fruͤchte und Wurzeln ſind ihre ordentliche Nahrung, ein Geſchenk der Speiſen der 
Vorſehung, ohne daß ſie dafuͤr ſorgen duͤrfen. Sie koͤnnten ſie im Ueberfluſſe haben, wenn Einwohner. 
fie nicht die Ruhe und Sorgloſigkeit zu ſehr liebten. So iſt derjenige der reichſte unter ihnen 
der es ſo weit bringt, daß er das ganze Jahr durch Reiß eſſen kann. Von Ziegen und 
Federviehe haben ſie wenig, und dieſes war alles zahme Vieh, daß der Verfaſſer unter 
ihnen geſehen hat. E 0 RUN 

Reiß wird in moraſtiges Erdreich geſaͤet. Er waͤchſt fo hoch wie Weizen, und aus 
der Spitze des Stengels ſproſſen ganz duͤnne Stiele hervor, die das Reiß ein Korn uͤber 
dem andern in unglaublicher Menge tragen; denn eine Metze Ausſaat bringt vierzig Schef⸗ 
fel. Und doch iſt ihre Faulheit fo groß, Daß oͤfters ihr Getreydemangel von Sherbro 
erſetzt werden muß. e n 

Die Mannsperſonen find reinlich, haben gute Gliedmaßen, und find plattnaſicht. Viele Ihre Perſo⸗ 
haben Exomphalofes oder Riſſe am Nabel, welches von der Ungeſchicklichkeit der Hebam; nen. 
men, oder von dem Zwange, den ſie ſich in der Kindheit im Gehen anthun, herruͤhret; denn 
es lehret fie niemand gehen; ſondern fie kriechen auf einer Matte auf allen Vieren her⸗ 

um, 
4) Wegen der Beſchreibung dieſer Baͤume ver⸗ 5) Siehe die nachfolgende Naturgeſchichte. 


weiſet Atkins ſeine Leſer auf das erſte Buch der Ge⸗ c) Bosmanns Beſchreibung von Guinea, auf 
ſchichte von den Seeraͤubern, a. d. 198 ©. der 290 Seite. 


Allgem. Reiſebeſchr. HI Band. Mm 


274 Raeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


721 um, bis fie vermoͤgend werden, ſich aufzurichten, und doch haben ſie ſelten krumme Füße, 
Atkins. Die Einwohner find nicht beſchnitten: die Sklaven aber, die aus den nördlichen Ländern her: 


Weiber und 

Verrichtun⸗ 

gen derſel⸗ 
ben. 


gebracht werden, find es oͤfters, vielleicht wegen ihrer Rachbarſchaft mit Marokko 4). 


Die Weiber ſind bey weitem nicht ſo gut geſtaltet, als die Maͤnner. Das Kinderſtil⸗ 
len, und die Gewohnheit, die Bruͤſte beſtandig herabhangen zu laſſen, giebt ihnen eine fo 
ungeſtalte Länge und Große, daß manche, wie der Verfaſſer glaubet, ſie gleich den Aegyptiern 
uͤber die Schultern konnten ſaugen laſſen. Ihre beſtaͤndige Arbeit machet ſie ſtark; denn 


diejenigen, die nicht Gromettas ſind, muͤſſen harte Arbeit im Felde thun, Palmendl ma— 


Ohre Hluſtr. 


Form ihrer 
Staͤdte. 


Eine große 
Merkwuͤr⸗ 
digkeit. 


Stun 


chen oder Baumwolle ſpinnen, und wenn ſie mit dergleichen Arbeiten fertig ſind: ſo brau⸗ 
chen fie ihre muͤßigen Ehemaͤnner, ihr wollichtes Haar zu flechten, und zu kraͤuſeln, in wel⸗ 
er Art von Ha fie über die maßen eitel und ſorgfaͤltig ſind, indem ſie taͤglich etliche 
den mit ihren Weibern darüber zubringen ed. Be 
Ihre Häufer find kleine niedrige Hütten, die nicht durchgängig fo ſchlecht find, als viele 
in Porkſchire, von hölzernen Stämmen, rund oder viereckicht gebaut, und mit Strohe ge: 
deckt. Sie werden alle Tage rein gekehrt. Ihre Geraͤthe beſteht in etlichen Matten ſtatt 
der Betten, zwey oder drey toͤpfernen oder ‚hölzernen Schuͤſſeln, Löffeln, Stuͤhlen, alles 
von ihrer eigenen Arbeit. Sie ſind muͤßig, vornehmlich aus Mangel an Kuͤnſten und 
1 Verrichtungen; denn ſie brauchen ſo viel Behutſamkeit, daß ſie ja nicht zu viel 
N oder e Arbeit thun, daß; fie gar nicht für das Kuͤnftige ſorgen. Sie 
ſchmauchen die ganze Zeit Toback aus langen Pfeifen von Rohre, und laſſen ſich den morgen— 
den Tag, oder die Angelegenheiten von Europa im geringſten nicht anfechten. f 
Es verandern ganze Städte ihre Wohnungen, wenn fie entweder mit ihren Nachbarn 
nicht zufrieden ſind, oder anderwaͤrts beſſere Bequemlichkeit finden, und rotten bald ſo viel 
Wald aus, als zu den Wohnungen und dem Felde, das ſie anzubauen gedenken, noͤthig iſt. 
Signor Joſeph, ein chriſtlicher Neger, hat vor kurzem mit feinen Leuten eine reine wohl— 
gebaute Stadt verlaſſen, und ſich weiter an dem Fluſſe hinaufgezogen. Die Huͤtten dieſer 
verlaſſenen Stadt waren meiſtentheils zirkelrund, die ſo angelegt waren, daß ſie einen wei— 
ten viereckichten Markt in der Mitte übrig ließen, der mit Meerſchnecken gepflaſtert war, 
und auf den alle Thuͤren giengen. Es ſtunden daſelbſt etliche Kreuze // und ringsherum 
ſtunden Limonienbaͤume, Papays, Plantanen, Tannzapfen, und etliche Bienenſtöͤcke. Dieſe 
letztern beſtehen aus drey Fuß langen Stuͤcken von alten ausgehoͤlten Staͤmmen, die vermit⸗ 
telſt zwoer Stangen aufgerichtet waren. W 125 
Ign der Mitte des Markts war eine große Merkwuͤrdigkeit: ein großer Baum, und 
auf demſelben wenigſtens fuͤnfhundert Neſter. Es iſt ein kleiner Vogel g), der fein Neſt 
um ihre Staͤdte herum auf die aͤußerſten Enden der kleinen Zweige anbaut, welches daſelbſt 
wie eine Frucht haͤngt. Es iſt dieſes ein Zeichen von der Weisheit ihres naturlichen Trie⸗ 
bes; denn dieſe Bauart ſetzet ihre Jungen vor den Meerkatzen, Papageyen, Eichhoͤrnchen 


14 
45 7 


in Sicherheit, deren Saft ſolche Zweige nicht ertragen koͤnnen. ie 
Dede Geſchlechter ſalben ſich täglich, mit Palmenoͤle. Manche brauchen Zibeth. Es 

geben aber alle einen ſtarken widerwaͤrtigen Geruch von ſich. e e, 

N | Die 


d) Sie find viele hundert Meilen von Marokko ) Atkins Reife nach Guinea, 8. d. 41 S. 
entfernt. Die Urſache iſt, weil fie Muhammedaner 7) Die ſonder Zweifel der Signor Joſeph auf 


115 in I? gerichte 


74 
ni 0 
[+ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 275 


Die Zibethkatze koͤmmt von der Gegend um den Sherbro her, und iſt an dem Kopfe rer 
einem Fuchſe gleich. Der Zibeth koͤmmt nur vom Kater, und zwar taͤglich drey bis vier Atkins. 
Tropfen, die vermittelſt eines Federkiels aus einem kleinen Beutel neben dem Maſtdarme Sdbechlage. 
aufgefangen werden, . 


Palaavers ſind ihre Gerichtspläße, wo die vornehmſten und aͤlteſten Männer unter Gerichtshäe⸗ 
ihnen in einem Kreiſe oder unter einer Hütte zuſammen kommen, um die Streitigkeiten ſe. 
beyzulegen, die ſich unter ihnen ſelbſt, oder mit den Factoren entſponnen. Das meiſte be⸗ 30262 
trifft die Handlung. Jeder begruͤßt den andern, wenn ſie zuſammen kommen, dadurch, daß 
er den Ellbogen beugt, und die Hand zum Geſichte hebt. Wenn ſie jede Partey angehoͤrt 
haben: ſo entſcheiden ſie durch Stimmen, wer das Recht auf ſeiner Seite hat, und alſd er⸗ 
felgt die Beſtrafung oder Losſprechung. Im Fall der Hurerey wird der Schuldige, es ſey 
Mann oder Weib, in die Sklaverey verkauft. Wenn ein Weißer bey einer fremden Skla⸗ 
vinn ſchlaͤft: fo iſt er verbunden, fie nach der ordentlichen Taxe loszu kaufen. 

Wenn jemand des Todſchlags, Ehebruchs, oder eines andern ſchweren Verbrechens beſchul- Reinigungs: 
diget wird: ſo muß er ein rothes Waſſer trinken, das ihm feine Richter zubereiten, welches der krank. 
Reinigungstrank der Verbrecher genannt wird. Wenn der Beklagte eine uͤble Lebens⸗ 
art gefuͤhrt, oder einen Haß gegen den Ermordeten gehabt hat; ſo, daß ſtarke Anzeigen gegen 
ihn vorhanden ſind, wenn gleich die voͤllige Gewißheit mangelt: ſo geben ſie ihm ſo viel 
von dieſem Reinigungstranke zu trinken, daß er ſterben muß. Sind ſie aber geneigt, ihn 
bey dem Leben zu erhalten: ſo geben ſie ihm weniger, oder machen den Trank ſchwaͤcher, 
damit er den Freunden und Verwandten des Ermordeten unſchuldig zu feyn ſcheine. 
Panparring iſt das Wort, das man auf dieſer Kuͤſte vom Menſchenſtehlen braucht. 

Es wird auch von andern Diebſtaͤhlen gebraucht, und nach der Gewohnheit, welche ihr 
Geſetz iſt, hat ein jeder das Recht, an dem Orte, wo er iſt beſtohlen worden, einem andern 
fo viel wegzunehmen, als er nachgehends erweiſen kann, das ſein Schaden austraͤgt . 1 
Tanzen iſt ihre Abendluſt. Männer und Weiber ſchließen an einem offenen Orte der Erluſtigun⸗ 
Stadt einen Kreis, und daſelbſt zeiget nur einer auf einmal mit vieler Behendigkeit ſeine gen. 
Kunſt in ſeltſamen Bewegungen. Die Compagnie macht die Muſik dazu mit Haͤndeklat⸗ 
ſchen, wozu noch der Schall von etlichen Trummeln kommt, die aus einem holen Klotze und 
einem Ziegenfelle beſteht. Manchmal ſieht man ſie alle mit einander im Kreiſe lachen, 
und mit einem großen Geſchreye jemanden aus der Geſellſchaft loben oder ſchelten. J 

Während feines Aufenthalts in dieſem Hafen, legte Atkins einen Beſuch bey dem Sig⸗ Beſuch bey 
nor Joſeph ab, neun kleine Meilen von der Bay an dem Fluſſe. Die Urſache, warum dem Signor 
er ſeine andere Stadt verlaſſen hatte, waren, wie er ihm ſagte, die haͤufigen Palaavers, Joſeph. 
zu welchen er durch die Streitigkeiten zwiſchen feinen Leuten und den Grimattoes ) ge⸗ 

nöthiget worden, und die großen Ausgaben, zu welchen ihn die nahe Nachbarſchaft der 
Englaͤnder veranlaßte. Er war in England, und in Portugall geweſen, woſelbſt er ges 
tauft worden. Er hatte eine kleine Capelle zur Andachtsuͤbung ſeiner Leute erbaut, und ein 
Kreuz aufgerichtet, und verſchiedene von feiner Familie leſen gelehrt. Er theilte kleine roͤ— 
miſche Gebethbuͤcher unter fie aus, und viele derſelben führten chriftliche Namen. Die 
Eingebohrnen führen niemals mehr als einen Namen. Mouſti, oder Moſes, Narrat 
709710 inn 7 1 12 9 ' Mm ⁊ HS ien 13 und 
2 Diefes iſt der Rubulot oder Fiſchvogel, deſſen 5) Atkins Reiſe nach Suinca, a. d. 3 D. 
oben erwaͤhnt worden. Siehe II Band a. d. 242 S. 1) Oder Gromettas. 2 


276 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


1721 und Kambar ſind unter den Mannsperſonen ſehr gewoͤhnlich, und Baulim und Nibullu 
Atkins. unter den Weibern. Andere nehmen ihren Zunamen von ihren Eigenſchaften, als Loͤwe, 
Lamm, Bär, Schwein, gleichwie die alten daͤniſchen Vorfahren der Engländer, 


| Das Volk ift fehr reinlich, von guter Gemuͤthsart, ſehr gelehrig, und ſehnet fich nach 
Unbeguem⸗ Glaubensbothen, wie Signor Joſeph dem Verfaſſer ſagte. Doch Atkins erinnert da⸗ 
lichkeiten des hey, daß ein duͤrres Land, wo die Lebensmittel ſelten find, und man vor wilden Thieren, 
Landes. beſonders den Wölfen, wenn man nur eine Meile weit reiſet, in Gefahr ſteht, niemanden ſon⸗ 
derlich darzu anlocket. Um die Häufer herum find Schlangen, Ratten, Kröten, Muſqui⸗ 
tos (große Fliegen), Scorpionen, Eydechſen, und unzaͤhlige Haufen Ameiſen. Von den 

letztern giebt es drey Arten, weiße, ſchwarze und rothe, die acht bis neun Fuß tief bauen, in 
zwey oder drey Jahren den Grund von ihren Haͤuſern aufgraben, und wenn man nicht 

Achtung hat, in eben ſo vielen Wochen eine Kiſte Tuch in Staub verkehren. N 


Joſephs Be⸗ Dieſer Schwarze hat vermittelſt des Handels in gewiſſer Maße dem Mangel feiner 

wirthung. Familie oder Stadt abgeholfen. Sie haben einen ziemlichen Vorrath von guineiſchen 
Huͤhnern, Fiſchen, und Wildpraͤt, da man im Lande funfzig engliſche Meilen weiter hin 
nichts zu eſſen findet, als Honig, und die Wurzel Manjoko. Er empfing die Englaͤnder 
in europäifcher Kleidung, Rock, Pantoffeln, Muͤtze, und ſchickte feine Kaͤhne aus, um ihnen 
die Ergoͤtzung von der Jagd einer Manatea zu zeigen. Sie brachten nach zwo Stunden ein 
ſolches Thier an das Land, wovon ſie geſottene, gebratene, und gekochte Gerichte machten. 
Sie hatten dabey ein reines Tiſchtuch und Meſſer und Gabeln. Und uͤberdieſes wurden 
allerhand Arten vom Weine und ſtarkes Bier aufgetragen. Das Fleiſch von dieſem Thiere war 
weiß, und ſchmeckte gar nicht wie Fiſch, ſondern war ſehr zach, und ſtark gewuͤrzt, wie 
überhaupt alle ihre Gerichte find, mit Ochre, Malaquelta und Pfeffer. — 


Art zu gruͤ⸗ Nach dem Eſſen kamen Frauenzimmer von ſeiner Familie, und nach dieſen andere 
ſen. Nachbarn in die Stube, welche die von ihrer Farbe einen nach dem andern durch eine Beu— 
gung des rechten Ellbogens begruͤßten, fo daß die Hand an den Mund koͤmmt, wobey der 
Ei den das Compliment angeht, in gleicher Stellung iſt. Nach dieſem thun fie die 
aumen und Mittelfinger zuſammen, und ziehen ſie ſachte zuruͤck, und gehen mit einem 
kleinen Quakermaͤßigen Complimente fort, zuͤchtig ohne En und heftige Bewegung. 
Sie bezeigten auch viele Gutherzigkeit gegen einander, indem ſie zwey oder drey Stuͤcken 
Zwieback, und eine halbe Kanne Citronenwaſſer, welche die Englaͤnder mit ſich gebracht 
batten, eher in zwanzig Theile theilten, als daß fie es nicht einem jeden zu Foften geben woll: 
ten. Zuletzt begleitete ſie Signor Joſeph, bis ſie in das Boot ſtiegen, und nahm mit eben 
der Höflichkeit Abſchied von ihnen, mit der er fie empfangen hatte. | | 


Ihre Gri⸗ Die Religion des Volks hier beſteht, wo ſie anders einen ſolchen Namen verdienet, in 

gris. der Verehrung der Gregries ). Ein jeder hat in feinem Haufe, oder auf feinem Kahne, 

oder an ſeinem Leibe etwas, das er hoch verehrt, und von dem er glaubet, daß es ihn vor Un⸗ 

faͤllen beſchuͤtzen koͤnne und beſchuͤtze, auf eben die Art, wie das Landvolk in England die 

Zaubereyen anſieht, nur mit mehrerer Furcht. Die Materien dieſer Gregries ſind man⸗ 

cherley, ein geſchnitztes Stuͤckholz, ein Bündel kleiner Staͤbchen, ein Schädel von einer 

0 n 173 f a Meer⸗ 

4) Oder Gregories, wie fie Jobſon nennt, 7) Es wird in der Abhandlung von Guinea, 
und Grisgris nach der Schreibart der Franzoſen. von dieſer Sache noch mehr geſaget werden. 


& 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 277 
Meerkatze und dergleichen, dienet manchmal zu dieſem Zwecke 7). Dieſen Taͤndeleyen zu 1728 
Ehren ſtellet jede Familie dann und wann ein Feſt an, zu welchem fie einander wechſels-⸗ Labat. 
weife einladen ). 1 5 ee e 


5 | | Der VI Abſchnitt. 
Beſchreibung von Sierra Leona aus dem Labat zu Ergaͤnzung der 
| vorhergehenden. 


Land von Sierra Leona. Fluͤſſe auf der Kuͤſte. Ihre Weiber. Religion. Ihre Fetishes. 
Bay von Frankreich. Fluß Mitomba. Erd⸗ Boden und Fruchtbarkeit deſſelben. Menge 
reich und Luft. Mangroves werden beſchrieben. Affen. Ihre Liſt. Waaren und Beſchaffen⸗ 
Stadt Burre. Wie fie gebaut iſt. Betten heit der Handlung. Der Gold- und Sklaven⸗ 
und Waffen der Schwarzen. Die Einwohner. handel. 


Der Fluß von Sierra Leona gehört unter die beträchtlichften von ganz Africa, indem Land von 
— man ſeine Breite bey dem Ausfluſſe auf vier Seemeilen rechnet. Zwey beruͤhmte Sierra 
Vorgebirge machen die Graͤnzen von dem Lande dieſes Namens. Das gegen Norden Leona. 
heißt Capo de la Vega, und das gegen Süden Capo Tagrin, Ledo 1), oder Sierra 
Leona. Dieſe Vorgebirge machen einen weiten Meerbuſen, in welchen ſich der Fluß 
von Sierra Leona ergießt. Er fuͤhret dieſen Namen, weil er von Sierra Leona, oder 
Sierra de los Leones, das iſt dem Gebirge der Löwen, herkoͤmmt, wie die portugieſiſchen 
Worte andeuten. ; | 

Das Land um dieſe Bay ift eines von den beften in ganz Africa. Der Boden iſt unge- Fluͤſſe auf 
mein fruchtbar, und mit vielen Fluͤſſen bewaͤſſert, auf welchen ein großer Handel koͤnnte ge- dieſer Kuͤſte. 
trieben werden, wenn ſie ſchiffbar waͤren. Die vornehmſten darunter ſind der Steinfluß, 
die Fluͤſſe Karkais, Pichel, Palmas, Pangue, Kamgranee, Kaſſe, Karokannes, 
Kapak, und Tambaſine, die meiſtentheils von den Gebirgen, Machemala genannt, 
kommen, das Land von Norden gegen Suͤden durchkreuzen, und ſich endlich mit dem von 
Sierra Leona vereinigen. Dieſer Strom fuͤhret auch die Namen Tagrin und Mi⸗ 
tomba, welches man anzumerken hat, damit man nicht drey Fluͤſſe aus einem mache. 
Was Gelegenheit zu dieſem dreyfachen Namen gegeben hat, iſt, daß der Ausfluß des 
Stroms gegen Norden mit Sandbaͤnken und gegen Süden mit Eylanden verſetzet iſt, wel- 
che zuſammen drey Canaͤle formiren. Die gegen Norden und Suͤden ſind tief und rein, 
und koͤnnen zu allen Zeiten ſicher beſchiffet werden: der mittelſte aber iſt wegen der Klippen 
und Untiefen gefaͤhrlich. Große Barken und Laſtſchiffe mögen achtzig Seemeilen weit 
den Fluß hinauf ſegeln koͤnnen, indem uͤberall von ſechs bis zu ſechzehn Faden Waſſer iſt. 

Wenn man in den großen Meerbuſen hinein gekommen iſt, und vor der kleinen Inſel Bay von 
St. Andres vorbey gegangen: fo ſieht man, daß die Kuͤſte vom Vorgebirge Tagrin oder Frankreich. 
Sierra Leona verſchiedene Bayen oder Buchten machet, die gegen Nordweſt offen ſtehen. 

Die vierte davon die am naͤchſten bey dem Fluſſe iſt, heißt die Bay von Frankreich, und iſt die 
ſicherſte und auch die bequemſte, in Auſehung des Holzes und Waſſers. Die Einheimi⸗ 
ſchen haben eine Sage, daß die Franzoſen von der Normandie eine Factorey hier gehabt, und 
zeigen auch den Ort, wo dieſelbe geſtanden, neben einem von denen dreyen Brunnen, die wegen 

f 5 Mm 3 ihres 


m) Atkins Reiſe nach Guinea a. d. 53 D. 1) Im Franzoͤſiſchen Lido. 


1728 
Labat. 


Fluß Mi⸗ 


tomba. 


Boden und 
Luft. 


273 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ihres vortrefflichen Waſſers fo ſehr beruͤhmt ſind. Und in der That wuͤrde dieſe Lage zu 
einem Packhauſe, oder Fort ſehr bequem ſeyn. Die Schwarzen haben eine große Liebe zu 
den Franzoſen behalten, deren Sprache ſich vom Vater auf den Sohn geerbt hat. Schiffe 
koͤnnen in dieſer Bay in ſechzehn Faden ankern, einen Flintenſchuß weit vom Ufer, den Bruns 
nen gegen uͤber. | 3 

Der Fluß von Sierra Leona ſcheidet zwey Koͤnigreiche, das von Bulon o) gegen 
Norden, und das von Burre gegen Süden. Der Strom hier wird enge und iſt nicht 
uͤber zwo Seemeilen breit. Fuͤnf oder ſechs Seemeilen hoͤher verengert er ſich um eine 
Meile, und fo nach Verhaͤltniß, je weiter man hinaufkoͤmmt. Das ſuͤdliche Ufer it mit 
großen Bäumen, beſonders Palmen von allen Arten bedeckt. Der Fluß hat eine Monge 
Fiſche, welches viele Krokodile hieher locket. Es find verſchiedene Eylande auf demſelben 
von fruchtbarem und gutem Erdreiche, die alle Lebensmittel ohne Anbauung, und in großer 
Vollkommenheit hervorbringen. Doch der vornehmſte Vorzug von Sierra Leona iſt 
die gefunde Luft, welche Fremde von den boͤſen Krankheiten befreyt, die auf der guinei⸗ 
ſchen Kuͤſte fo gemein und fo gefaͤhrlich find. Die Inſeln find gleichwie das feſte Land 


“x. 


voller Palmbaͤume, die vortrefflichen Wein geben, den die Schwarzen, als ftarfe Trinker 5), 


Mangroves. 


Stadt Bur⸗ 
re wie ſolche 
gebaut iſt. 


in großer Menge verbrauchen. Die Europäer thun es ihnen nach J, obgleich manchmal 
e e ee er 1 DR 
Diefe Inſeln find mit Mangrovenboͤumen umringt, welche einen natürlichen Zaun 
abgeben. Das Holz iſt zum Brennen und zu Kohlen ſehr geſchickt. Es iſt dicht und ſchwer. 
Die Baͤume vermehren ſich von ſelbſt; indem ſich die Aeſte, wenn ſie zu einer gewiſſen Groͤße 
gekommen, nach der Erde oder dem Waſſer niederſenken, und von neuem Wurzel faſſen ). 
Der Sitz des Königs von Burre iſt acht Seemeilen von der Muͤndung des Fluſſes 
an der Suͤdſeite. Sie beſteht aus dreyhundert runden und durchgaͤngig auf einerley Art 
gebauten Haͤuſern, nur mit dieſem Unterſchiede, daß die reichern eine größere Anzahl von 
Hütten haben. Die Seitenpfoſten oder Forkillas find fieben bis acht Fuß hoch, und tra⸗ 
gen Sparren, die in der Spitze in Geſtalt eines Kegels zuſammenſtoßen. Ueber dieſe de⸗ 
cken fie Rohr oder Palmenblaͤtter, welche zwiſchen den Latten fo enge und dichte durchgefloch⸗ 
ten ſind, daß weder Sonne noch Regen durchdringt. Die Seitenwaͤnde beſtehen 
aus Rohre und kleinen Baumaͤſten, die zwiſchen den Pfoſten befeſtiget ſind, welche ſie mit 
Kalke, der aus gebrannten Muſcheln gemacht iſt, uͤberkleiden. Ihre Huͤtten bekommen 
hierdurch ein reinliches Anſehen; der Kalk aber dauert nicht lange, weil fie keinen Sand da- 
mit vermiſchen. Die Feuerſtaͤtte iſt in der Mitte, und der Rauch hat durch ein Loch im 
Dache ſeinen Ausgang. Ungeachtet der heißen Himmelsluft, ſind die Naͤchte kalt und 


feuchte, fo daß die Schwarzen beſtaͤndig Feuer unterhalten. Die Thuͤren dieſer Huͤtten 


Betten. 


ſind viereckicht, und die Schwelle geht einen Fuß hoch uͤber die Erde. Sie ſind gemeinig⸗ 
lich zweene Fuß breit, und drey hoch, ſo, daß man ſich bey dem Hineingehen buͤcken muß, 
und dicke Leute nur von der Seite hindurch kommen koͤnnen. ; 
Ihre Betten beſtehen aus großen dicken Binſenmatten, die einen Fuß hoch über dem 
Boden, der aus Thone beſteht, und ſehr reinlich gehalten wird, eine uͤber der andern liegen. 


1 oe Bulm oder Holm genannt. a keit des Bodens. nad 0 
FN) Labat geht darinnen von andern tif: 4) Man findet vielmehr, daß fie den Europaͤer 
ſtellern ab, daß er die Einwohner zu Trinkern nachahmen. ARM paͤern 
macht, we nicht auch in dem uͤbertriebenen Ruh⸗ 1) Labats Reife des Ritters des Marchais 
me von der Geſundheit der Luft und der Fruchtbar⸗ nach Guinea im 1 Bande a. d. 46 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIV Cap. 279 


Ihre Waffen hängen neben den Betten, als Saͤbel, Dolche, große niederländifche Meſſer, 1728 
Aſſagayen, Bogen und Pfelle, die fie, wenn fie in den Krieg gehen, mit dem Safte einer Kabat. 
gewiſſen Frucht toͤdtlich vergiften. Labat haͤlt dieſelbe fuͤr den Manzanillaapfel Y, Woßſen der 
Manche haben Feuergewehr, welches ſie ſehr lieben, und von den Normaͤnnern gebrauchen, Negern. 
gelernt haben. Die Portugiefen und Engländer, die ſich hier aufhalten, haben die Klug: 

heit, daß ſie ihnen nur wenig Flinten, und zwar lauter ſchlechte, verkaufen. 

Das Haus oder vielmehr die Huͤtten des Koͤnigs ſind in der Mitte des Dorfs, und Palaſt des 
feiner Unterthanen ihren gleich. Manche ſind etwas größer, die er für die Europäer oder Königs. 
Fremden aufhebt, wenn ſie ihn beſuchen. Dieſe Prinzen werden von ihren Unterthanen 
ungemein geliebt, welche ſie mit großer Gelindigkeit und Gerechtigkeit regieren. 5 7 

Die Maͤnner und Weiber von Burre find lang und wohlgewachſen, und haben mei- Die Ein⸗ 
ſtentheils ein gutes Anſehen; denn ihre Haut iſt ſchwarz, die Geſichtszuͤge regelmaͤßig, die wohner. 
Augen feurig, und die Zähne weiß. Es giebt hier keine platten Naſen oder breiten Lippen, 
woran ſonſt die Muͤtter ſchuld ſind, die ihre Kinder auf dem Ruͤcken herumtragen. Die : 
Männer haben fo viel Weiber, als fie kaufen koͤnnen. Ihre Eiferſucht aber erſtrecket ſich Ihre Wei: 
nur auf die erſte, die als die rechtmaßige Ehefrau betrachtet wird. Die andern hingegen ber. 
find nur ſo gut als Beyſchlaͤferinnen, und fie dienen allen Fremden mit dem Gebrauche ders 
ſelben, woruͤber ſich hier niemand aͤrgert. Dieſe Weiber ſind niemanden zur Laſt; indem 
ſie nur eben ſo viel getreue Sklavinnen ſind, die ſich gluͤcklich ſchaͤtzen, wenn ſie durch ihre 
Dienſte ihren Herrn und Ehemaͤnnern gefallen koͤnnen. Sie wohnen denſelben waͤhrend 
ihrer Schwangerſchaft, und vier Jahre hernach niemals bey. In dem Dorfe Burre rech⸗ 
net man ſechs⸗ bis ſiebenhundert Männer, welche Waffen tragen koͤnnen. Der Konig aber 
kann eine weit größere Anzahl aufbringen, weil das Land volkreich, und das Volk getreu iſt. 

Der Prinz, der im Jahre 1656 regierte, war ein Chriſt, und hieß Don Philip. Er Religion. 
eh feinen Unterthanen völlige Gewiſſensfreyheit, und hielt einen Jeſuiten und einen por⸗ 
ugiefifchen Capuciner an feinem Hofe, die das Chriſtenthum predigten, aber ohne Fort⸗ 

gang. Sie fanden, daß es keine leichte Sache war, Männer zu bekehren, welche die Weiber und 

den Wein in ſolcher Uebermaße lieben, daß fie nicht ohne eines von beyden ſeyn koͤnnen t). 
Uebrigens ſind ſie ein gutes, ehrliches, freymuͤthiges Volk, das die Fremden liebet, und 

1 7 von den Sitten und der Hoͤflichkeit der Normannen, der erſten Entdecker dieſer Kuͤſte, 

ehalten hat. PR 2 15721 ; 

Die herrſchende Religion dieſes Landes ift der Goͤtzendienſt, ohne gewiſſe Anordnungen, Ihre Fe⸗ 
Feſte oder Ceremonien. Die Zahl ihrer Gottheiten ift auch nicht feſte geſetzet, oder iſt tishes. 
vielmehr unzaͤhlbar; indem fich jeder einen Goͤtzen nach ſeiner Phantaſie erwaͤhlet, manche 
ein Horn, andere eine Krebsſcheere, einen Nagel, einen Kieſelſtein, ein Schneckenhaus, einen 
Vogelkopf oder eine Wurzel. Dieſe nennen fie Fetiſhes, und tragen fie in einem Beutel an 
dem Halſe, mit Glasperlen, Buſis oder Rori-Schalen, und andern ſolchen Zierrathen, be⸗ 
hängt. Dieſem Fetiſh fegen fie des Morgens und des Abends die beſten Speiſen vor, die 
fie haben, und rufen ihn um dasjenige an, was fie beduͤrfen. Das iſt ihr ganzer Gottes- 1 
% An iti e ie er 7 diienſt. 

„) Die Manzanilla waͤchſt hier. Der Gift die goͤtzendieneriſchen Negern leicht zu bekehren waͤ⸗ 
aber, der hier im Gebrauche iſt, ſcheint der Saft ren. Wenn es aber auf den Verſuch ankommt, 
einer andern Frucht zu ſeyn. Siehe oben auf der fo findet er fie nicht weniger hartnaͤckig, als die 
252 Seite. Muhammedaner. l 
7) Aabat ſteht allezeit in den Gedanken, daß b n Pr 


— 


280 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


2728 dienſt. Gluͤcklicher find fie, als die americaniſchen Wilden, welche der Teufel graͤulich pri» 
Cabat. gelt, wenn es ihm in den Kopf koͤmmt „). Dahingegen die Fetiſ hes niemals zu derglei⸗ 


Erdboden 
und Frucht⸗ 
barkeit. 


chen aͤußerſten Mitteln greifen x). 

Die Mandingoer⸗Schwarzen, welche eifrige Muhammedaner ſind, haben ſich bemuͤ— 
het, dieſe Religion allhier fortzupflanzen. Sie fanden aber, daß die Schwarzen von Sierra 
Leona keine Luſt hatten, die Ihrige zu verändern. Indeſſen find fie doch leichter zu bekeh⸗ 
ren, als die Muhammedaner, von denen man gar keine Hoffnung hat. Sie wiederholen 
oftmals die Namen Abraham, Iſaac und Jacob; und die Beſchneidung iſt laͤngſt der 
ganzen Kuͤſte, von Sierra Leona bis Benin, im Gebrauche. 

Das Erdreich von Burre giebt dem auf den Eylanden des Fluſſes von Sierra Leona an 
Fruchtbarkeit nichts nach. Reiß, Hirſe, Erbſen, Bohnen, Melonen, Potatoen, Bananen 
und Feigen wachſen in großer Menge, und find faft umſonſt zu bekommen. Ihre Fluͤſſe find 
voller Fiſche, welche ſie mehr eſſen, als Fleiſch, obgleich alle Arten vom Fleiſche haͤuſig anzu⸗ 
treffen, und wohlfeil zu kaufen ſind. Ordentliche Huͤhner, guineiſche Huͤhner, Gaͤnſe, En⸗ 
ten, Truthuͤhner und wilde Tauben, kann ein jeder haben, der ſich die Muͤhe nimmt, ſie zu 
fangen. Die Felder find voller Ochſen, Kuͤhe, Ziegen und Schafe. In den Gebirgen befin- 
den ſich viele Hirſche, wilde Schweine, Antelopen und Rehe. Diejenigen müffen ſehr faul 
ſeyn, die ſich hier über den Mangel des Wildpraͤts beklagen. Diejenigen, welche die Jagd 
von wilden Thieren lieben, koͤnnen Elephanten, Löwen und Tyger finden; die Schlangen 
nicht zu rechnen, die fo groß find, daß fie einen Mann oder ganzen Ochſen verſchlucken Eön- 
nen, ohne ihn erſt lange zu zerſtuͤcken. 


Menge Affen. Die Fruchtbarkeit des Landes, und die Menge des Obſtes in demſelben iſt Urſache von 


Ihre Lift. 


Waaren und 


Handlung. 


der ungeheuren Menge Affen von allen Arten, bis auf die weißen ), welche ſich fo ſehr 
vermehrt haben, daß die Einwohner eine beftändige Wacht bey ihren Pflanzungen halten, 
und ihre Anzahl mit Gifte, Fallſtricken und Pfeilen verringern muͤſſen. Wenn ein Euros 
päer mit vier oder fünf todten Meerkatzen von der Jagd zuruͤckkoͤmmt: fo empfangen ihn 
die Schwarzen gleichſam im Triumphe. Ein guter Jaͤger koͤnnte ſich von den Geſchenken, die 
er bey dieſer Gelegenheit bekoͤmmt, und die nicht geringe find, ein ſchoͤnes Vermoͤgen ſam̃len. 
Die Affen hingegen find auch keine Narren. Sie kennen ihre Feinde, und die Schlin— 
gen, die ihnen zu ihrem Untergange gelegt werden, vollkommen, und fallen nicht zweymal 
in einerley Fallſtrick. Wenn einer von ihnen mit einem Pfeile verwundet iſt: ſo bemuͤhen 
ſich die uͤbrigen, ſolchen herauszuziehen; und wenn dieſes wegen der Wiederhaken nicht 
angehen will: ſo beißen ſie das Holz ab. Wenn einen ein Schuß getroffen hat, daß das 
Blut darnach koͤmmt: fo kauen fie Blätter, um die Wunde zu verſtopfen. Wenn der 
Jaͤger ihnen in die Haͤnde fallen ſollte: ſo wuͤrde ſein Kopf große Gefahr laufen, von Stei⸗ 
nen und Stücken Holz zerſchmiſſen zu werden; oder vielleicht würde der ganze Menſch 
zerriſſen. Denn manche von dieſen Thieren find ſehr groß, wie auch ſehr wild und blutgie⸗ 
rig, wenn ſie gereizt werden. | 
Außer denen Lebensmitteln und Erfriſchungen, welche die Schiffe hier einnehmen, iſt hier 
auch Ambra, Zibeth in Klumpen, lebendige Zibethkatzen, und das beſte Elfenbein von 
eee | | | Africa 
1) Man moͤchte dieſen guten Vater, wenn er es x) Labat auf der 50 Seite. N 
ernſtlich glaubet, fragen: woher es komme, daß der „) Dieſes Geſchlecht findet ſich zu Bambuk 
africaniſche Teufel guͤtiger iſt, als der americaniſche? Siehe II Band a. d. 512 S. ö 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. vl Buch XV Cap. 281 


Africa zu haben. Denn es iſt rein, ohne Flecken oder Ritzen, und von einer blendenden 1728 
Weiße, welches ein unſtreitiger Beweis von der guten Beſchaffenheit der Himmelsluft und. Labat. 
der Fruchtbarkeit des Bodens iſt. Die Zaͤhne aber ſind doch kleiner, als diejenigen, wel— 
che fie Morfil⸗Eſkarbeille nennen, das iſt, ſolche, davon viere noch nicht hundert Pfund 
wiegen. Die Schwarzen eſſen das Elephantenfleiſch, und die Europaͤer, die es gekoſtet 
haben, ſagen, daß, wenn es eine Weile liegen gelaſſen, und gut gekocht wird, es wenig von dem 
Rindfleiſche unterſchieden iſt. Der Gewinnſt, den hier die europaͤiſchen Waaren bringen, 
iſt zum wenigſten zweyhundert vom Hunderte, und wuͤrde weit groͤßer ſeyn, wenn die Guͤ— 
ter aus der erſten Hand gekauft werden koͤnnten, an ſtatt daß man ſie den Englaͤndern und 
Portugieſen abkaufet. 

Gold iſt hier manchmal in ziemlicher Menge zu haben, ſowohl als Sklaven. Es iſt Der Gold⸗ 
ungewiß, woher das erſte koͤmmt. Das Land ſelbſt ſcheint keine Metalle hervorzubringen, 
die man uͤberhaupt nur in duͤrren und unfruchtbaren Laͤndern findet, wovon das reiche aber 
unfruchtbare Koͤnigreich Bambuk ein Exempel iſt 2). Diejenigen, welche Bergwerke 
entdecken, halten es allezeit fuͤr ein gutes Zeichen, wenn das Erdreich ſteinicht und duͤrre iſt, 
und das Gras und die Pflanzen auf demſelben von einer todten, bleichen Farbe ſind. 

Das Koͤnigreich Burre hat gegen Nordoſt und Oſten Nachbarn, die, weil ſie der 
Fruͤchte derſelben benoͤthigt ſind, ſolche mit ihrem Golde erkaufen. Ueberdieſes bringen die 
Mandingokaufleute, die in allen Ländern, von den Seekuͤſten an, bis in die Mitte von Africa, 
Handlung treiben, ſehr vieles Gold hieher, und wuͤrden noch mehr bringen, wenn ſie verſt— 
chert wären, beftändig europaͤiſche Guͤter um einen feſtgeſetzten Preis anzutreffen. Voritzo 
ſind die Englaͤnder und Portugieſen im Beſitze dieſer Handlung. 

Der Sklavenhandel hier iſt von keiner großen Wichtigkeit. Was ſie verkaufen, das und Skla⸗ 
ſind Kriegsgefangene, oder Uebelthaͤter, bey denen das Todesurtheil in dieſe Strafe ver- venhandel. 
wandelt worden 22). 


* * * * * * * * * * XK NT N N X N N N T K N N KX XK N N K * X N N * K * 


Das XV Kapitel. | 
Von den Baͤumen, Feldfruͤchten, Korne, Wurzeln, Pflanzen, Fee 


e ) f l chich 5 
und andern Gewaͤchſen dieſes Theils von Africa. geſchichte 
Einleitung. 


ir theilen unſere Naturgeſchichte in fünf Theile, namlich in die Gewaͤchſe, die vier⸗ 

füßigen Thiere, das Gevoͤgel, die Erd- und Waſſerthiere, nebſt den kriechenden 

Thieren und Inſecten; und endlich die Fiſche. In dieſer Ordnung wollen wir ſie nach 

der Reihe abhandeln. Ehe aber ſolches geſchieht: fo wird nicht undienlich ſeyn, einige all- 

gemeine Anmerkungen von der Lage des Landes, der Beſchaffenheit der Luft, dem Wetter, 
den Krankheiten und dem Erdreiche dieſes Theils von Africa, voranzuſchicken. 

Der 


2) Siehe II Band a. d. 512 S. ausgeber, verſpricht hier eine Beſchreibung des Koͤ⸗ 

22) Reiſe des Ritters des Marchais nach Gui⸗ nigreichs Bulom oder Bulm in einem andern Wer: 
nea, Labat 1 Band, a. d. 56 S. Labat, der Hew ke. Es iſt aber noch nichts zum Vorſcheine gekommen. 

Allgem. Keiſebeſchr. III Band. Nu a 


Watur⸗ 


geſchichte. 
—— — 


Jahrszeiten. 


Regenzeit. 


Derſelben 
Monate. 


282 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Der I Abſchnitt. 


Von der Witterung, dem Boden, und den Baͤumen. 


Die Witterung. Regenzeit. Derſelben Monate. Palmbaum. Palmweinbaͤume. Erſte Art, oder 
Ihr Anfang und Fortgang Tornados Ueber- Butterpalmen. Deren Bluͤthen und Fruͤchte. 
ſchwemmung der Fluͤſſe, und derſelben Urſachen. Palmoͤl oder Butter. Medieiniſche Krafte. Zwey⸗ 
Ungeſunde Luft. Krankheiten. Wuͤrmer in den te Art, oder Oelpalmen. Deren Frucht oder Nuß. 
dicken Beinen. Urſachen der uͤbeln Luft und Das Oel. Dritte Art, Cypreſſenpalmen. Palm: 
des Blitzens. Boden und Fruchtbarkeit def: wein. Deſſen Wirkungen. Wie er herausgezogen 
ſelben. Große Mannichfaltigkeit von Bäumen. wird. Wie man den Baum hinaufklettert. 


On dieſen Gegenden laͤßt ſich das Jahr in die trockene und naſſe Zeit eintheilen. Jene 
dauret acht Monate, naͤmlich vom Herbſtmonate bis in den Brachmonat; und die letzte 
vom Brachmonate, bis zum Weinmonate, ſolchen ausgeſchloſſen; dieſes iſt ihr Winter. 
Aus Mangel des Regens iſt waͤhrend des Sommers eine gar außerordentliche Hitze; denn 
wie A de bemerket, fo fällt kaum manchmal ein Regen 4). 

Die Regen heben ſich, nach eben dieſes Schriftſtellers Berichte, ſehr gelinde an. Es 
koͤmmt dann und wann ein Guß, nicht ohne Blitz und Donner. Um das Ende des Brach— 
monats nehmen ſie zu, und kommen ſolche entſetzliche Guͤſſe und Windſtuͤrme, mit ſo furcht— 
barem Blitzen und Donnern, als ob, nach der gewoͤhnlichen Redensart, Himmel und Erde 
untereinander fallen wollten. Gleichwohl muͤſſen die Leute in dieſer Zeit ihr Feld beſtellen. 
Die groͤßte Gewalt des Regens iſt von der Mitte des Heumonats, bis zur Mitte des Au— 
guſts, da ſich der Fluß dreyßig Fuß über feine gewöhnliche Hoͤhe erhebt, und wo kein Ufer 
iſt, die Gegenden daherum uͤberſchwemmet. 

Nach des le Maire Anzeige regnet es ſelten auf der Kuͤſte, als im Heumonate, Au: 
guſt und September. Suͤdwaͤrts der Linie aber faͤngt es eher an, und regnet um dieſe 
Zeit heftig. Dabey find erſtaunliche Winde, und darnach folget eine fo große Windſtille 
und außerordentliche Hitze, daß man kaum Luft ſchoͤpfen kann. Nach zwo oder drey Stun: 
den hebt ſich der Sturm wieder an, und dauret fo drey Monate nach und nach fort 2). 

Herr Moore bemerket, daß die Regenzeit an der Gambra gemeiniglich mit dem Brach— 


1 * 


monate anfangt, und bis ganz zu Ende des Herbſtmonats, auch bisweilen in den Anfang 


des Weinmonats dauert. Der Anfang und das Ende ſind gemeiniglich am heftigſten. 


Erſtlich weht der Wind eine halbe Stunde und noch laͤnger ſehr heftig, ehe der Regen 
koͤmmt; ſo daß er ein Schiff leicht uͤberfallen und umwerfen kann; doch kann man es eine 
lange Zeit vorher an der truͤben und ſchwarzen Farbe des Himmels ſehen. Indem die 
ſchwarzen Wolken immer naͤher und naͤher kommen: ſo blitzet es dadurch, welches ſehr furcht— 
bar ausſieht. Donner und Blitzen find hier erſchrecklich, da dieſe fo plotzlich hintereinan⸗ 
der folgen, daß es beſtaͤndig helle iſt, und jener den Grund, worauf man ſteht, erſchuͤttert. 
Bey dem Regen iſt es gemeiniglich kalt; aber nachdem der Guß voruͤber iſt: ſo bricht 
die Sonne außerordentlich heiß durch, welches einige anreizet, ſich hinzulegen, und zu ſchla— 
fen. Ehe ſie wieder aufwachen, koͤmmt vielleicht ein anderer Tornado, und bringt ihnen 
einen Huſten zuwege, den ſie nie wieder loswerden. Dieſes wiederfaͤhrt hier oft den Euro— 
r e 5 paͤern; 
a) Jobſons Goldkuͤſte a d. 125 U. f. S. c) Moores Reiſen in die inlaͤndiſchen Theile 
6) le Maires Reiſe nach den canariſchen Eye von Africa a. d. 134 u. f. S. 
landen auf der 57 Seite. 4) Ebendaſelbſt a. d. 56, 71, 77, 118 u. 157 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 283 
paͤern; denn die Eingebohrnen find dem Huſten und Schnupfen nicht fo ſehr unterworfen. Natur⸗ 
Die Sturmwinde wehen bey der Regenzeit ſelten, und ſtatt ihrer ſtreichen Oſtwinde den gefbichte, 
Fluß herunter, die vom Wintermonate bis in den Jenner, beſonders bey Tage, überaus 
friſch wehen c). a 

Herr Moore erwaͤhnet verſchiedener Tornados waͤhrend ſeines Aufenthalts an der Tornados. 
Gambra. Der erſte war mit Wind und Blitzen den ıöten März des Jahres 1730 früh 
Morgens. Ein anderer den igten May eben dieſes Jahres, mit Donner, Blitz, Wind 
und Regen. Ein dritter den rꝛten des Heumonats im Jahre 1731, mit Wind, Blitz, 

Donner und Regen. Dieſe dreye waren am Forte St. Jacob. Der vierte zu Namya⸗ 
makunda, den loten des Brachmonats im Jahre 1732 bey Nachte, ſehr furchtbar, mit haͤu⸗ 
figen ſtarken Blitzen. Der fünfte den unten May des Jahres 1733. Den ıöten März 
1733 hatten ſie zu Brukoe ſtarken Donner und Blitzen, mit etwas Regen, welches um 
dieſe Zeit ſehr ungewöhnlich war 4). | 

Eben derfelbe beobachtete hier zwo Mondfinſterniſſe. Die erſte zu Namyamakunda, 
den zoften des Wintermonats bey Abende. Der Mond war von halb Neune bis zehn Uhr 
völlig verfinſtert, ob er wohl zuvor und darnach ſehr hell ſchien. Die zweyte ſah er zu 
Brukoe, den riten May des Abends, da der Mond eine Stunde völlig verfinſtert war e). 

Dieſem erſtaunlichen Regen ſchreiben die Schriftſteller das Austreten der Sanaga, Urfachen des 
Gambra, und anderer Fluͤſſe laͤngſt der Kuͤſte, mit gutem Grunde zu. Le Maire ſuchet Austretens 
die Urſache davon in der Ruͤckkehr der Sonnen von dem Wendezirkel des Krebſes, welches der Fluͤſſe. 
in Frankreich der Anfang des Sommers, hier aber der Anfang des Winters iſt. Denn 
indem die Sonne eine Menge Duͤnſte zuſammenhaͤuft: fo fallen ſolche nachgehends in ſtar⸗ 
ken und anhaltenden Regen zuruͤck. Eben dieſer Verfaſſer, der auch derſelben Urſache das 
Austreten des Nils zuſchreibt, ſetzet hinzu, dieſe Regen fingen in Aethiopien im April an, 
und dauerten bis in den May und Brachmonat, hier aber den ısten des Heumonats, von 
welcher Zeit ſie vierzehn Tage lang beſtaͤndig zu- und machgehends eben ſo viel abnaͤhmen. 
Gleichfalls bemerket er, daß die Hitze hier im Jenner unertraͤglicher iſt, als im Heumo— 
nate und Auguſt 7); welches den Regen in dieſen letztern Monaten zuzuſchreiben iſt. 

Vier Monate von dem Jahre, ſaget Herr Moore, ſind ſehr ungeſund und verdrießlich, Ungeſunde 
beſonders für diejenigen, die von einer koͤltern Gegend kommen: aber der beſtaͤndige Fruͤhling, Luft. 
wo man gemeiniglich reife Fruͤchte und Bluͤthen auf einern und eben dem Baume ſieht, erſetzet 
dieſe Unbequemlichkeit in etwas. Die Luft iſt angenehm und erfriſchend, hat aber fo eine 
beſondere Beſchaffenheit, daß fie die Schlüffel in der Taſche roſtend macht. Die außeror— 
dentliche Hitze iſt insgemein um das Ende des Mayes, vierzehn Tage oder drey Wochen 
vorher, ehe die Regenzeit anfaͤngt. s 

Die Sonne ſteht ihnen zweymal des Jahres gerade uͤber dem Haupte, und die Tage 
find nie über dreyzehn Stunden lang, und nicht kuͤrzer, als eilf Stunden. (Der Verfaſſer 
verſteht hier die Zeit vom Aufgange der Sonne, bis zu ihrem Untergange). So bald die 
Sonne hinunter iſt, ſo wird es finſter. Im Wintermonate ſind die Morgen und Abende 
kuͤhle, der Mittag aber iſt ſehr heiß. Am Ende des Weinmonats ſind die Morgen und 
Abende ſehr neblicht, obgleich im Anfange e Wetter außerordentlich heiß war g). 

m 2 Ueber⸗ 


e) Ebendaſelbſt a. d. 143 und 158 S. ſeln auf der 57 und 62 Seite. 
J) le Maires Reifen nach den canariſchen In⸗ g) Moore, a. d. 88. 135 und 139 S. 


Natur⸗ 


geſchichte. 
en ar 


284 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Ueberhaupt iſt die Luft dieſer Kuͤſten nach dem Barbot ſehr ungeſund, beſonders bey 
den Fluͤſſen und moraftigen Gegenden, auch Waldungen. Auf der ganzen Kuͤſte von der 


Krankheiten. Sanaga nach der Gambra, iſt die Regenzeit den Europäern ſehr gefährlich, und eben fo 


Wuͤrmer in 
den dicken 
Beinen. 


Urſache der 
uͤbeln Luft 


r 


ſehr ift es die unerträgliche Hitze, die vom September bis zum Julius dauert. 

Dieſe übele Beſchaffenheit der Luft verurſachet mancherley Krankheiten, beſonders bey 
Fremden, die es nicht gewohnt ſind, und dabey entweder in Genießung der Fruͤchte des 
Landes, oder des Palmweines, und der Weibsperſonen Ausſchweifungen machen. Nach le 
Maires Berichte verurſachet dieß Wetter haͤufige Krankheiten, als Fieber, Cholera mor- 
bus, Geſchwuͤre in den dicken Beinen, und oͤftere Verzuckungen, worauf der Tod oder 
Schlagfluͤſſe folgen 5). Von dieſen Krankheiten find die gefaͤhrlichſten bösartige Fieber, 
die oft einen friſchen Mann innerhalb vier und zwanzig Stunden hinreißen, nebſt Wür- 
mern, die von der übeln Luft im Fleiſche wachſen, und von denen etliche vier bis fuͤnf Fuß 
lang ſind. Die Schwarzen ſind dieſer Krankheit am meiſten unterworfen 1). 

Herr Moore erwaͤhnet eines jungen Weibsbildes, das in jedem Knie einen Wurm uͤber 
eine Elle lang gehabt. Ehe er zum Vorſcheine kam, war die Pein ſehr heftig, und das 
dicke Bein ſchwoll ſehr: aber wie die Schwulſt aufbrach, und der Wurm hervorkam: ſo 
empfand ſie Linderung. Der Wurm ruͤckte jeden Tag etwa fuͤnf oder ſechs Zoll hervor, und 
ſobald er herauskam, ſo wunden ſie ihn ganz gelinde um ein Stuͤcke Holz, und banden ei⸗ 
nen Faden daran, damit er nicht zuruͤckkroch. Wenn der Wurm waͤhrender Operation ab: 
reißt: ſo verurſacht es viel Schmerzen, und den Krebs oder Brand. Die Eingebohrnen 
geben dieſe Wuͤrmer dem dicken Waſſer ſchuld, das fie in der Regenzeit trinken J. Man 
trifft dieſe Krankheit auf der Kuͤſte von Guinea, den Caribeneylanden, und in verſchiedenen 
Gegenden von Oſtindien an. Labat ſchreibt fie dem Regen zu, der in der naſſen Jahres- 
zeit fälle, und alles verderbet, was er beruͤhret J). 

Jobſon, der ſich einige Mühe gegeben hat, die Urſachen, warum die Gegend um die 
Gambra ſo ungeſund iſt, zu erklaͤren, und das allgemeine Vorurtheil, das man zu ſeiner 
Zeit dawider hatte, aus dem Wege zu raͤumen, iſt der Meynung, es befinde ſich in dieſem 
Lande eine große Menge Gift, welches theils von giftigen Baͤumen und Pflanzen ausduͤnſte, 
die man überall antrifft, wie die allgemeine Gewohnheit der Schwarzen, ihre Pfeile zu ver— 


giften, bezeuget, theils von giftigen Thieren, als Kröten, Scorpionen und Schlangen her- 


ruͤhret, deren letztern es vielerley, lange und ſehr ſtarke, giebt. Dieſes Gift verhält ſich, fei- 
nen Gedanken nach, bey der trocknen Zeit im Staube und Sande. Die Benetzung der erſten 
Regen loͤſet es ab, und die Sonnenhitze, welche zwiſchen den Regenguͤſſen koͤmmt, zieht es 
in Duͤnſte auf, da es alsdenn wieder mit dem erſten Regen niederfällt, und die Luft vergif- 
tet. Seinen Gedanken nach wird dieß dadurch bekraͤftiget, daß nach einer allgemeinen An— 
merkung, dieſe erſten Guͤſſe, mehr als die letztern, auf der Haut und den Kleidern Flecken 
verurſachen, die, wenn ſie naß weggelegt werden, garſtige Würmer zeugen. Derglei⸗ 
chen Wirkung ſieht man ſelten, oder gar nicht, nach den letztern Regen, da die Luft, ſeiner 
Meynung nach, von den Gifttheilchen gereiniget iſt m). 
Daher 
b) le Maire, a. d. 57 S. 7) Labat, Afr. Occid. im zweyten Bande, auf 
1) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 32 S. der 213 Seite. 


4 Moores Reiſe in die inländifchen Theile von ) Jobſons Goldkuͤſte, a. d. 17 S. 
Africa, auf der 130 Seite. n) Ebendaſ. a. d. 128 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 285 


Daher nimmt er Gelegenheit, diejenigen, welche Fünftig hinreiſen wollen, zu warnen, Natur⸗ 
daß fie ſich waͤhrend der erſten Regen nicht auf dem Fluſſe befinden; noch mehr aber, daß geſchichte. 
ſie ſich gut mit Waſſer zum Trinken und zum Kochen verſehen, ehe die Regen fallen. Der 
Verabſaͤumniß dieſer Vorſorge ſchreibt er das Sterbem unter des Herrn Johns Schiffs⸗ 
volke zu. \ 
Wel der Verfaſſer ferner bemerket, daß die Regenwolken allezeit von Suͤdoſt kommen: und des Bft 
fo nimmt er nur noch an, daß fie von der Sonne mit fortgezogen werden, bis fie den nord- gene. 
lichen Wendezirkel beruͤhret, die ſie alsdenn, wenn ſolche ihrer Hitze naͤher kommen, in Regen 
aufloͤſt. Wenn fie ſelbige bey ihrer Rückkehr antrifft, und folglich ſtaͤrker auf fie wirket: fo 
werden fie gewaltig gebrochen und zertrennt, daher das furchtbare Donnern und Blitzen ent: 
ſpringt, und ſo werden ſie nach und nach zerſtreuet, und die Luft wird um die Zeit, da die 
Sonne die Linie erreicht, das iſt, um das Ende des Herbſtmonats wieder heiter 1). 

Was den Boden und die Fruchtbarkeit dieſer Gegenden betrifft: ſo merket le Maire Boden und 
an, daß laͤngſt der Kuͤſte zwiſchen der Sanaga und Gambra, alles wegen der heftigen Fruchtbar⸗ 
Hitze ſandicht und trocken iſt o). Jobſon ſaget von dem Lande laͤngſt der Gambra, daß keit. Ä 
der Grund dafelbft, weil innerhalb neun Monaten kein Regen fälle, fo erhitzt und hart 
wird, daß fie nicht darinnen arbeiten koͤnnen, ſondern die Regenzeit zur Erweichung des Erd— 
reichs erwarten muͤſſen p). | 

Le Maire bemerket, wie die Ueberſchwemmung, welche den Boden fruchtbar machet, 
nicht durchgaͤngig iſt, ſondern ſich nur auf die Laͤndereyen nächft dem Fluſſe erſtrecket: fo er- 
ſtrecke ſich auch die Fruchtbarkeit nicht weit darüber ). Ferner erzaͤhlet er, daß das Land 
volkreich und waldicht iſt. Die Einwohner pfluͤgen umd ſaͤen am Ende des Junius, bald 
nach Abnahme des Regens 7). Ihre Erndte iſt im Herbſtmonate; fo, daß fie innerhalb 
drey Monaten pflügen, füen und erndten, welches die Fruchtbarkeit ihres Bodens zulaͤng⸗ 
lich erweiſt »). N 

Es giebt ſehr vielerley Baͤume im Lande. Barbot ſaget, ihre wilden Baͤume unter⸗ Große Man⸗ 
ſchieden ſich von unſern europäifchen, durch ein weiches ſchwammichtes Holz, das nur zum nigfaltigkeit 
Feuern taugte t). Labat gegentheils verſichert, daß fie am Rio Grande, und an viel von Baͤu⸗ 
andern Fluͤſſen, gut Zimmerholz haben, das zum Schiffbaue und allem andern Gebrauche men. 
ſehr dienlich iſt. Unweit der Sanaga hat man einige außerordentlich große Bäume ge- 
funden, deren Stämme zwanzig Männer nicht umklaftern koͤnnen 4). Barbot ſah ei⸗ 
nen unweit Gorea auf der Erde liegen, der ſechzig Fuß im Umkreiſe betrug, und in ſeiner 
Hoͤhlung zwanzig Mann ſtehend halten konnte. Er bemennt dieſe Art von Baͤumen nicht, 
ſondern ſaget, das Laub waͤre den welſchen Nuͤſſen aͤhmlich, wuͤchſe in Klumpen, und die 
Rinde waͤre gelinde und zart x). 

Der nuͤtzlichſte und gemeinſte Baum in dieſen Gegenden, und in der That durch ganz Palmbaͤu⸗ 
Africa, iſt der Palmbaum. Obgleich die Africaner acht Arten deſſelben zählen: fo erwaͤh⸗ me. 
nen die Europaͤer doch nur vier oder fuͤnfe, die ſie nicht allemal wohl unterſcheiden. Die vor⸗ 
nehmſten davon find der Dattelbaum, der Cocosbaum, der Arekabaum, und der Cypreßpalmen⸗ 


Nu 3 baum 
o) le Maires R. nach den Canarieninſ. a. d. 62 S. ) le Maire, a. d. 62 S. | 
p) Jobſon, wie oben a. d. 125 u. f. S. t) Barbot, a. d. 31 D. 
99 le Maire, a. d. 37 S. 1) Cabat, im sten Bande, a. d. 157 S. 


7) Jobſon ſaget: während der Regen. x) Barbot, a. d. 31 S. 


2 1 *. ® nr u ee a * 
286 Reiten laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
ratur baum oder Weinbaum. An einigen Orten iſt die erfte Art am haͤufigſten, anderswo eine 
geſchichte. von den drey übrigen; und wo eine Art am haͤufigſten iſt, da wird fie für die vornehmſte gehal⸗ 
ten. Suͤdwaͤrts der Sanaga trifft man keine Datteln, und nur wenig Cocos an. Le 
Maire ſaget, man fände die letztern auf der ganzen Kuͤſte nicht )). Der haͤufigſte Baum 
in allen dieſen Gegenden von Africa iſt der, welcher den Wein giebt. Daher wollen wir 
* jetzo nur denſelben, und die andern darnach beſchreiben. 
Weinpalm⸗ Man kann aus allen Arten von Palmbaͤumen Wein erhalten: aber da einige, als der 
baum. Dattel: und Cocosbaum auf andere Art nuͤtzlicher find: fo ſchonet man ihrer, und zieht den 
Saft aus denen, welche Früchte von geringerer Wichtigkeit bringen. Von dem Dattel— 
Erſte Art, baume giebt es zwo oder drey Arten. Die erſte hat ſtachlichte Blaͤtter, die ſich von der 
Butterpalm. wahren Dattel nur dadurch unterſcheiden, daß fie kleiner, und mit dornichten ſcharfen Spi- 
lüthen. ben bewaffnet find. Seine Bluͤthen find roth, und haben fünf Blätter, in Geſtalt eines 
Fruͤchte. Sternes geſetzt, in deren Mittel ſich ein rundes Saͤulchen erhebt, das ſich in eine runde 
1 Frucht von der Groͤße eines kleinen Eyes verwandelt, deren Haut lichtroth oder 
orangenfarben iſt. Das Fleiſch iſt weiß, fallt ins rothe, iſt feſt, riecht wie Violen, und 
ſchmecket bitter, wie Oliven. In einem Klumpen haͤngen, nachdem der Baum gut iſt, 
achtzig bis hundert Früchte oder Nuͤſſe 23. Wenn ſolche reif find, welches man daran 
ſieht, daß ſich ihre Orangenfarbe in blaßgelb verwandelt: ſo ſammelt man ſie, bricht ſie ge— 
linde auf, und ſetzet ſie mit Waſſer in einem Gefaͤße ans Feuer. Reer 
Palmoͤl oder Wenn ſie zu kochen anfangen: ſo ruͤhret man ſie ploͤtzlich mit einem flachen Stecken oder 
Butter. Spatel, das Fleiſch von den Steinen abzuſondern, da die letztern zu Boden ſinken. Als— 
7 denn breitet man ſie aus; und wenn ſie kalt ſind, ſo wird daraus ein Weſen wie Butter, 
von einer blaſſen Fleiſchfarbe zz), das wie Veilchen riecht a), und beſonders wenn es friſch 
iſt, fo ſuͤße und wohlſchmeckend iſt, als unſere beſte friſche Butter. Dieß nennen fie Palm— 
öl, ob es wohl wegen der Dicke, des Geſchmacks, und da es die Negern eben fo, wie wir 
Butter und Speck, gebrauchen, mit beſſerm Rechte Butter hieße. Sie ſchmieren ſich auch 
damit, und machen ihre Gliedmaßen dadurch gelenke. Die Europaͤer finden es zu Bruͤhen 
eben ſo gut, als friſche Butter oder Speck, wenn es friſch iſt; denn mit der Zeit wird es 
Medieiniſche ranzicht und ungeſchmackt. Die Aerzte in Europa bedienen ſich deſſelben, die Schmerzen 
Kraͤfte. des Podagra zu lindern, indem ſie die Gliedmaßen mit erwaͤrmtem Palmoͤle baͤhen. Man 
hält es für eine beſondere Arzeney wider den Huſten und Schnupfen, wenn man es auswen⸗ 
dig mit Weingeiſte vermengt auflegt. Die Steine dieſer Frucht, welche die Negern 
Kia veaux sh find hart, und enthalten einen wohlſchmeckenden Kern, den dieſe Leute 
ſehr lieben 5). f 
Zweyte Art, Der folgende Baum, aus dem fie Wein ziehen, iſt die dritte Palmenart, Sondier ge⸗ 
od. Oelpalm. nannt, der ordentlich hoch waͤchſt, und am Stamme und Laube Stacheln hat. Die Sta- 
cheln am Stamme ſind ordentlich uͤber zwey und einen halben Zoll lang, und ſehr ſtark. 
Die Natur hat ſie ſehr ordentlich um den Baum herumgeſetzt, als ſollte er gleichſam dadurch 
vor 


„) Auf den Kuͤſten unweit Cabo Verde giebt es Reiſe nach den Canarieninſeln, a. d. 65 S. | 
viel Palmbaͤume. Die Herren der Dörfer bekom⸗ 2) Mit einem Steine, ſo groß wie bey einer Pfir⸗ 
men Zoll davon. Eine Art gleicht dem Dattelbau- ſche. Barbot, a. d. 112 S. 
me, die andere iſt den franzöfifchen ähnlich, die dritte ze) Barbot, a. d. 112 S. 
iſt eine Art vom Katanier, aber den Palmen, der die a) le Maire ſaget, der Baum truͤge eine Art klei⸗ 
Cocos traͤgt, findet man nicht. Siehe le Maires ner Cocos oder Nuͤſſe, woraus ſie das puniſche 2 

ziehen, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 287 


vor den Anfaͤllen der Thiere und Menfchen verwahret werden. Das Laub iſt breit, einge- Natur- 
ſchnitten, und wie bey einer Artiſchocke gezaͤhnt; es machet einen großen Buſch, der den geſchichte. 
Gipfel auf eine angenehme Art kroͤnet. BR a 
Im Heumonate, um den Anfang der Regenzeit, ſchießen drey runde Aeſte, etwan vier Bluͤthen. 
Fuß lang, hervor, die voll kleiner weißen Bluͤthen haͤngen, deren Griffel ſich in eine runde 
Frucht, von der Figur und Geſtalt einer großen welſchen Nuß, verwandeln. Die erſte Früchte oder 
Schale der Frucht iſt eine grüne Haut, von der Dicke einer Krone, gelinde und zart. Die Nuß. 
fe bedecket eine dünne harte Nuß, die voll eines weißen oͤlichten Weſens iſt, das etwa die 
Zeſtigkeit einer Pferdecaſtanie hat. Die Kinder zerſchlagen dieſe Nüffe mit Steinen, und 
eſſen ſie begierig. | 
In den americaniſchen Inſeln nennen fie dieſen Baum den fruchtbaren Stachelpalmen, 
um ihn von einem andern unfruchtbaren Baume eben dieſes Namens zu unterſcheiden, deſ⸗ 
fen Holz zu Zimmerarbeit gut iſt. Sie kochen aus diefen Nuͤſſen ein Del, das man, weil Das Oel. 
es noch friſch iſt, eſſen kann, aber das bald ſtinkend wird, und nur zu Lampen taugt. La⸗ | 
bat beſchreibt, wie man dieſes Oel kalt heraus bringen follte, und meynt, alsdenn würde es 
ſich viel beſſer halten. f 
Dieſes ſcheint der vom Herrn Finch beſchriebene Palmetto zu ſeyn, aus dem man zu 
Sierra Leona Wein zieht. Nach des Verfaſſers Berichte iſt dieſer Baum gerade und 
hoch, die Rinde knoticht, das Holz gelinde, ohne Aeſte, als an dem Gipfel, wo es eher Rohr, 
als Aeſte zu ſeyn ſcheint, weil alles inwendig voll Mark, und außen eine harte Rinde dat: 
um iſt. Das Laub iſt lang und ſchlank, wie bey den Schwerdtlilien oder Kalmus, die Aeſte 
find eine Elle, oder etwas darüber, lang, auf beyden Seiten mit ſcharfen und ſtarken Sta- 
cheln beſetzt, die wie Sauzähne hervorragen, aber länger find, Er träge eine kleine Frucht, 
wie eine indianiſche Nuß, fo groß, als eine Kaſtanie c), in einer harten Schale eingefchloffen, 
und mit Faͤden auswendig umzogen; in ihr iſt ein harter hornichter Kern, ohne Geſchmack. 
Die Einwohner eſſen ſie gebraten, nennen ſie Bel, und den Baum Tobel 4). 
Die dritte Art von Weinpalmen, oder die vierte der Palmen, iſt der Cypreßpalm. Cypreßpalm. 
Ihr Stamm und ihre Blatter find viel größer, als bey der Dattelpalmen e), aber gegen- 
theils giebt fie keine Frucht, die zum Eſſen taugte. Sie traͤgt jahrlich Bluͤthen, welche der 
dritten Art, oder den Stachelpalmen, ahnlich find. Aus dieſen wird eine kleine laͤnglichte 
Frucht, die mit einer rothen Haut uͤberzogen iſt, und einen harten Stein einſchließt, in dem 
ein bitterer Kern ſtecket. Dieſe Nuß wird nie gegeſſen; ſo, daß der Baum ohne Gebrauch 
waͤre, wo er nicht den beruͤhmten Saft hervorbraͤchte, der bey den Eingebohrnen den Ge⸗ 
brauch und Namen des Weins hat. Die Palmbaͤume der beyden erſten Arten wuͤrden 
eben dieſen Saft geben, wenn die Einwohner ſie nicht ſchonten, aus Furcht, die Frucht zu 
verderben. Der Wein von den Delpalmen iſt gut, aber der vom Dattelbaume beffer, 
und dieſer vom Cypreßpalmen uͤbertrifft beyde, und wird fuͤr den Malmſey von Africa 


gehalten 7). | 
g Der 


ziehen, welches wie Veilchen riecht, von Safranfarbe del, auf der 131 Seite, We 
iſt und wie Oliven ſchmecket. Siehe deſſen Reiſe nach 4) Finch, Beſchreibung von Sierra Leona, in 
Guinea, a. d. 65 S 6 Paurchas Pilgrim, im Bande, a. d 406 S. 
b) Labat, Afr. Occid. zte Band, a. d. 25 u. f S. e) Sie wachſen auf So, 70 und 100 Fuß hoch, mit 
c) Jobſon ſaget, einige Palmettobaͤume gaͤben einer glatten Rinde. S. Moores Reifen, a. d. 36 S. 
viel Aepfel, wovon ſich das Landvolk naͤhrte, beſonders ) Labats Afr. Oec id. im zten Bande, auf der 
von den jüngern Baͤumen. Siehe deſſen Goldhan⸗ 28 und folgenden Seite. 


YHatur- 
geſchichte. 


Palmwein. 


Seine Wir⸗ 
kungen. 


Wie man ihn 


herauszieht. 


Zweyte Art. 


288 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Der Palmwein iſt ein Saft, der aus einem Einſchnitte, den man nahe am Gipfel des 
Baums macht, troͤpfelt. Er hat die Farbe, und iſt eben fo dick wie Rohm. Er wirft 
Blaͤschen wie Champagnerwein und iſt ſuͤße, wobey er den Geſchmack durch ein angeneh⸗ 
mes ſtrenges Weſen ruͤhret. Er nimmt den Kopf ſehr ein, und hat uͤbele Wirkungen, wenn 
ihn Fremde trinken, die nicht daran gewoͤhnt find g). Wenn er neu herausgezogen iſt, fo 
pflegt er zu purgiren, iſt aber alsdenn ſehr angenehm und ſuͤße. In einem Tage oder 
zweenen gaͤhrt er, und wird hart und ſtark, wie Rheinwein. Alsdenn trinken ihn die Lan— 
deskinder ohne Bedenken, weil er nicht ſehr ungeſund iſt; denn er haͤlt ſich nicht uͤber ſechs 
und dreyßig Stunden, worauf er ſauer wird, und nach und nach ſich in wenig Tagen in 
Eßig verwandelt. Ein anderer Schriftſteller berichtet, er fey gut, wenn man ihn zwo oder 
drey Stunden nach ſeiner Gaͤhrung trinkt, und je aͤlter er werde, deſto mehr ſteige er in den 
Kopf. Er treibt den Urin ſehr ſtark, und dieß iſt vermuthlich die Urſache, warum ſehr we— 
nig Negern mit Grieß und Steine beſchwert find. Oft gaͤhrt er fo heftig, daß er die Ge— 
faͤße zerſprengt, wenn ihm nicht Luft gemacht wird. Nach einiger Berichte iſt der Palm- 
wein angenehmer, wenn man ihn friſch vom Baume trinkt, und uͤbertrifft unſern Meth 
weit. Die Negern verfaͤlſchen ihn bisweilen mit Waſſer. Sie berichten, er errege Entzuͤn⸗ 
dung und Schwulft im männlichen Gliede, wenn man ihn zu häufig trinke, und man hat be- 
merket, daß die Schwarzen oft mit großen Beulen unweit des Hodenbeutels geplagt ſind Y. 

Nach Jobſons Berichte wird der Palmwein ſo hoch geſchaͤtzt, daß man ihn nur für 
Vornehme aufbehaͤlt. Am Geſchmacke, Suͤßigkeit und Farbe iſt er von dem weißen Wein: 
moſte nicht zu unterſcheiden; er wird aber innerhalb eines Tages ſauer. 

Es giebt verſchiedene Arten dieſes Weins, die eben ſo eine verſchiedene Gilbe haben, 
als unſere weißen Weine, und von den Einwohnern, nach denen Baͤumen, von denen ſie her⸗ 
kommen, mit verſchiedenen Namen, als Sabbegee, Bangee, u. ſ. f. belegt werden ). 

Man zieht den Wein auf verſchiedene Art heraus. Insgemein wird der Aſt etliche 
Zoll von dem Orte, wo er herausgewachſen, abgeſchnitten, und an den zuruͤck gebliebenen 
Stumpf eine Kuͤrbisflaſche oder ein thoͤnerner Topf gehangen, den man an dem Baume 
befeſtiget, Hängen laͤßt; dadurch läuft der Saft hinein. Man ſchneidet ſelten mehr als 
zweene Aeſte auf einmal ab, um den Baum nicht zu ſehr zu ſchwaͤchen. Aus eben dieſer 
Urſache binden die Negern, nachdem ein Baum an verſchiedenen Schnitten dreyßig bis 
vierzig Tage gelaufen hat, die geſchnittenen Aeſte zu, und bedecken ſie mit Erde, damit ſich 
der Baum wieder erhole Y). a 

Die andere Art iſt, daß man einen Einſchnitt am Gipfel des Baums etwas unter den 
Aeſten macht, und darein eine Roͤhre ſtecket 1), wodurch der Saft in ein daran gehaͤngtes 
Gefaͤße laͤuft. Es ſcheint ſeltſam, daß von den Palmen ſo ein ſuͤßer und milder Saft 
rinnt, da die Frucht ganz anders iſt m). 

Jobſon bemerket, daß zu feiner Zeit ganze Palmenwaͤlder längft der Gambra ge⸗ 
weſen, und man den Wein herauszuziehen, in den Stamm verſchiedene Löcher gefchnitten, 
in 
g) Moore in feiner Reiſe a. d. 38 S. ſaget 1) Siehe Jobſons Goldhandel, auf der 131 
eben das, aber Barbots Beſchreibung von Gut⸗ Seite. 
nea a. d. 204 S. das Gegentheil, daß ſeine 4) Suͤdwaͤrts der Linie ſind ſie nicht ſo haus⸗ 
Duͤnſte bald fortgiengen, und weder Kopfſchmer⸗ wirthlich, ſondern erfchöpfen den Baum auf ein⸗ 
zen noch Unordnung zuruͤck ließen. mal, und verbrennen ihn alsdenn oder hauen ihn ab. 
5) Labat III Band a. d. 32 S. und Moores S. Barbots Beſchreibung von Guinea auf der 
Reiſen a. d. 38 S. 203 Seite. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 289 


in welche man eine ſchief zugeſchnittene Roͤhre ſtecket, damit ſolche deſto genauer hineingehe. 
Dadurch laͤuft der Saft in Kuͤrbiſſe, die man gelinde darunter auf den Boden gelegt, nnd 
in vier und zwanzig Stunden wegnimmt 1). Er meynet, das Gefaͤße werde in vier und 
zwanzig Stunden voll. Labat ſaget, wenn der Baum jung iſt, fo würde ein abgefchnit- 
tener Aſt in dieſer Zeit zweene Pinte, und nach des le Maire Berichte drey geben. 

Die Negern gebrauchen keine Leitern, die Palmbaͤume hinauf zu kommen; ſie moͤgen 
Früchte oder Wein haben wollen. Statt dieſes bedienen fie ſich eines Guͤrtels 0) von 
Baumwollenfaden oder Palmblaͤttern, die getrocknet und zuſammengewunden ſind. Dieſes 
Band muß groß genug ſeyn, daß es rings um den Baum und um die Perſon, die hinauf— 
klettern will, herumgeht, und noch anderthalb Fuß Platz uͤbrig laͤßt. An einem Ende iſt 
ein Schlitz, und an dem andern ein kleiner Stock. Damit haͤngen ſie ſich an den Baum, 
ſetzen den Fuß gegen den Stamm, und laufen fo mit erſtaunlicher Geſchwindigkeit hinauf 7). 

Alle Schriftſteller ſind eins, daß die Schwarzen mit einer erſtaunlichen Geſchwindig⸗ 
keit die Baͤume hinaufklettern, in Betrachtung daß dieſelben ſo hoch und ohne Aeſte ſind, 
und daß man die Einſchnitte an zweyen oder dreyen Orten kurz unter dem Buſche von Aeſten 
machen muß. Sie koͤnnen ihren Baſtguͤrtel nach Gefallen binden und aufmachen, und 
es ſcheint, als ob ſie darinnen ſaͤßen, weil er ihnen um die Schenkel geht, und ſie ſo feſt haͤlt, 
als ob ſie auf dem Grunde ſaͤßen. So klettern ſie hinauf, bis ſie den Gipfel erreichen, wo 
ſie ihre Einſchnitte machen, und ihre Kuͤrbisflaſchen zu Faſſung des Safts anhaͤngen. Es 
iſt faſt furchtbar, wenn man ſieht, wie ſie ſo hinaufklettern, und von ſo was ſchwachem ge— 
halten werden ). Herr Moore erzaͤhlet, fie kletterten ſehr ſchnell hinauf, bisweilen aber 
verfähen fie es, und fielen ſich zu tode ). 5 

Der II Abſchnitt. 


Baͤume und Fruͤchte. 
Der Siboabaum. Der Latanier. Deſſen Blaͤtter oder Kaͤſebaum. Deſſen Holz und Rinde. Bluͤthe 


und Fruͤchte. Baumwollenbaum. Deſſen Blaͤt⸗ 


ter und Fruͤchte. Indigo. Toback. Heuſchrecken⸗ 
baum. Kuͤrbisbaum. Deſſen Frucht. Wie man 
die Schalen zurichtet. Gebrauch der Blaͤtter und 
des Saamens. Tamarindenbaum. Deſſen Blaͤt⸗ 
ter und Bluͤthen. Die Frucht. Was die Tama⸗ 
rinden ſind. Kahowarbaum. Affenbaum. Biſcha⸗ 
loe. Tabakomba. Dornbaum. Ebenholzbaum. 
Pao de Sangre. Kubari oder Jerayba. Deſſen 
Bluͤthen und Früchte. Steine und Kerne. Polon 


und Frucht. Ghelolabaum. Wuͤrzbaum. Seifen⸗ 
baum. Miſchery. Hanfbaum. Wilde Feige. Gua⸗ 
va. Deſſen Bluͤthen und Fruͤchte. Orange und 


Limonienbaum. Lime. Citrone. Wilde Kirſche. 
Empfindlicher Baum. Weihrauchbaum. Man⸗ 


dananza. Biſſybaum. Kaeybaum. Billagoh. 
Boſſy. Bondabaum. Mille: Burro. Mamo⸗ 
baum. Hoquella. Domboch.Kolach. Duybaum. 


Naukony. Dongah. Bondou. Jaajah oder Man⸗ 


grove. Kakatoufrucht. Naniples. Arzneynüſſe. 


Z 11 nach dem Palmen müffen wir den Siboabaum „) ſetzen, weil er jenen aͤhnlich 
iſt, und hoch waͤchſt. Unweit der Gambra iſt er ſehr gemein. Die Einwohner brau⸗ 
chen das Laub, ihre Haͤuſer zu bedecken, und ziehen einen Wein daraus, der dem Palmweine, 
5 nicht 
7) Moore ſaget a. d. 38 S. die Roͤhren waͤren ) Te Maire in feiner Reiſe a. d. 65 S. und 
von Blaͤttern gemacht, und heißt ſie Gefaͤße. Woore in feiner Reife a. d. 38 S. ſagen, les ſey 
m) Labat Afrique Occidentale III Band auf wie ein Reifen von Baumrinde gemacht. 
der 33 u. f. S. 5) Labat III Band a. d. 35 œ P. 
n) Jobſons Goldhandel a. d. 131 S. Nach ſei⸗ 7) Le Maire a. d. 66 S. 
nem Berichte muͤſſen die Schnitte gegen den Gip⸗ r) Woore an oben angeführtem Orte. 
fel des Baums gemacht werden. g s) Moore lift Ciboa. en 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. O o 


Natur 
gefchichte. 


Wie fie den 


Baum bin: 


auf klettern. 


Siboabaum. 


\ U 


Natur⸗ 


geſchichte. 
— 


Latinier. 


Blaͤtter und 
Frucht. 


290 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
nicht unaͤhnlich ſchmecket, aber nicht fo füße iſt. Der Stamm, fo lange er noch jung iſt, 
hat wie die Palmen viel Saft, im Alter aber wird er ſehr trocken t). 

Man kann unter die Palmbaͤume eine Art zählen, die an der Sanaga ſehr haͤufig 
waͤchſt, und von den Franzoſen, mit einem Namen, den ſie in den americaniſchen Inſeln 
hat, Latinier genennt wird. Er waͤchſt ſehr hoch und gerade, und iſt bis an den Gipfel 
von einer Dicke. Man hat einige hundert Fuß hoch gefunden. Seinen Gipfel umgiebt 
eine natürliche rauhe und unebene Bedeckung, aus welcher dreyßig, vierzig, bis ſechzig Aeſte 
herausgehen. Alle find gerade, grün und glatt, ohne Knoten, und biegſam. Ihr Beſtand— 
weſen haͤlt das Mittel zwiſchen einem noch gruͤnen, und einem ſtarken ausgewachſenen Rohre. 
Dieſe Aeſte find von drey bis vier Fuß lang, und in der Mitte hohl. Sie laſſen fich, wie 
rothe Waſſerweiden, leicht in Splitter, von was fuͤr Groͤße man will, ſpalten, die man auf 
verſchiedene Art faͤrben kann. An ihrem Ende iſt ein faltigtes Blatt etwa ein Fuß lang, 
welches bey der Eröffnung einen natürlichen! und geſchickten Fächer von etwa zweene Fuß 
Breite abgiebt. Sie brauchen dieſe Aeſte und ihre Endſtuͤcken zu verſchiedenen Abſichten, als 
grobe und feine Schleifen, befonders aber Körbe daraus zu machen, die man in den franzoͤſi— 
ſchen Inſeln Caribenkoͤrbe nennt, weil die Franzoſen ihren Gebrauch, und ihre Verferti— 
gung von dieſen Wilden gelernt haben. 

Die Blaͤtter von dieſen Baͤumen ſind ſehr bequem, und koͤnnten zu allerley gebraucht 
werden, wenn die Negern das Geſchicke haͤtten, ſie glatt und biegſam zu machen. Gleich 
unter dem Orte, wo die Blaͤtter herauswachſen, koͤmmt jaͤhrlich eine runde Frucht von etwa 
ſechs bis ſieben Zoll im Umkreiſe hervor, die mit einer rothen Haut, ſo dick und feſt wie 
Leder, bedeckt iſt. Darinnen liegt ein großer, rauher, ungleicher Stein, und in ſolchem ein bit— 
terer, unbrauchbarer Kern. Das Fleiſch iſt ſchwammicht, voll gelber Streifen oder Fa— 
ſern, und ſchmecket roh, ſcharf und zuſammenziehend; in Aſche geroͤſtet aber, etwas angeneh— 
mer wie eine Quitte. Es purgirt, und verurſachet bey ſolchen, die nicht daran gewoͤhnt 
find, einen Durchfall 5). Die Negern am grünen Vorgebirge ziehen aus dieſem Baume, einen 
kuͤhlenden Saft, wie klar Waſſer, eben auf die Art wie beym Palmweine x). 


Baumwollen⸗ Der folgende nuͤtzliche Baum, welcher hier wild, beſonders an der Sanaga ), und 


baum, 


in den hoͤhern Laͤndereyen, die der Ueberſchwemmung nicht unterworfen find, in großer Men— 
ge waͤchſt, iſt der Baumwollenbaum. Man kann ihn weit beſſer unter die Straͤucher 
zählen; denn ob fie hier gleich größer als in America 2) wachſen, fo kommen fie doch 
kaum an die Groͤße eines Abricoſenbaums. Ihre Wolle iſt auch nicht ſo fein, und die 
Negern geben ſich keine Mühe, fie zu pfropfen, oder gut zu ziehen a). 

Die Rinde des Baumwollenbaumes iſt wenigſtens, wenn der Baum noch jung iſt, 
glatt, graulicht, dünne, und liegt genau an. Das Holz iſt weiß, gelinde und locker, weil 


es jung iſt; mit der Zeit aber wird es hart und bruͤchig, und das Innere hohl. Die Aeſte 


ſind ordentlich gerade, und voll Blaͤtter, die gelinde, wollicht, und wie beym Weinſtocke 
in fünf Einſchnitte getheilt, aber kleiner find. Sie ſitzen auf rauchen und langen Stengeln. 


An 

3) Moore an oben angefuͤhrtem Orte. bra ihr Land rings um die Staͤdte zur Baumwolle zu⸗ 

u) Labat Afrique Oceidentale III Bind auf richten, und daraus ihre Kleidung machen. Siehe 
der 48 u. f. S. deſſen Reiſe a. d. 76 S. 

&) Ebendaſ. IV Band a. d. 159 u. f. S. 2) Woore bemerket, daß ſie an der Gambra ſehr 


9) Moore bemerket, daß die Negern an der Sam: groß wachſen. Zu Seakg iſt einer von dreyßig El⸗ 
ln 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 291 


An dem Orte, wo dieſe aus dem Aſte herausgehen, und felten aus den Aeſten, kommen Natur⸗ 
die Bluͤthen vor. Sie beſtehen aus fuͤnf Blaͤttern, wie an einer Tulpe, die in die Hoͤhe geſchichte. 
gerichtet find; den Kelch tragen fünf kleine harte und ſtachlichte Blaͤtter. Dieſe Bluͤthen Blüͤthe. 
find dünne, blaßgelb, mit einem rothen Streifen eingefaßt, und inwendig mit etlichen Purpur⸗ 
flecken bezeichnet. Sie enthalten verſchiedene freye rothe Faͤdchen (Staminah, die einen gruͤ⸗ 
nen Griffel umgeben, der wie das Obertheil eines Nagels ausſieht. Dieſer verwandelt 
ſich in einen eyfoͤrmigen Knopf, der etwas ſpitzig zugeht. Anfaͤnglich iſt er gruͤn; aber 
wenn er reift, ſo wird er braun und ſchwarz, und hat alsdenn die Geſtalt eines kleinen 
Huͤhnereyes. | | 

Dieſe Frucht reift nach Beſchaffenheit des Landes und des Baumes, in vier oder fünf Frucht. 
Monaten, da ſie aufſchwillt, und die Schale mit einem ſchwachen Knalle zerſprengt. Sie 
wuͤrde beym Herausfahren verlohren gehen, wenn nicht die Einwohner auf dieſe Zeit Acht 
haͤtten, indem ſie daran, daß das Ende der Schale ſchwarz iſt, ihre baldige Reife ſehen. 

Jede Schale enthaͤlt ſechs bis ſieben Saamen von der Groͤße einer gemeinen Erbſe, deren 
Oberflächen eckicht und ungleich ſind, daher die Baumwolle nach Beſchaffenheit der Saa⸗ 
men mehr oder weniger anhaͤngt 6). Wenn diefe Saamen geſteckt werden: fo bringen fie 
neue Baͤume hervor, die gemeiniglich in zwoͤlf bis vierzehn Monaten tragen. f 

In America haben ſie Maſchinen, Baumwollemuͤhlen genannt, die Baumwolle von dem 
Saamen abzuſondern: aber die africaniſchen Schwarzem thun alles mit der Hand. Die 
Arbeit gehoͤret für die Weiber, und fie ſpinnen ſolche mit einer Spindel ohne Rad ch. 

Der Indigo waͤchſt in verſchiedenen Gegenden die es Landes wild, und die Schwar- Indigo, 
zen pflegen ihre Pagnes oder baumwollene Kleider damit zu faͤrben, die davon eine glän- 
zende lebhafte Farbe erhalten, aber er wird noch nicht wie in America gebaut 4). Bar⸗ 
bot berichtet, er wachſe auf einem Buſche, der (wie wir vermuthen von den Portugieſen), 

Tinto genannt wird, und drey Fuß hoch iſt e). ee i e 

Die Eylande in der Sanaga, und die anliegenden Gegenden bringen viel und frefflichen 
Toback vor, den man ſehr verbeſſern koͤnnte, wenn die Schwarzen damit umzugehen wuͤßten, 
und ſich die gehörige Mühe geben wollten 7). e e | 

Herr Moore bemerket, daß fie an der Gambra Toback an ihre Häufer pflanzen, und Toback. 
ihn ſobald faen, als fie ihr Korn abgeſchnitten haben. Der, welcher unweit des Fluſſes 
waͤchſt, iſt ſehr ſtark, aber etwas weiter davon wird er ſchwaͤcher ). 

An der Sanaga waͤchſt der Sanarabaum. Derſelbe lieber einen feuchten Boden. Sanara: 
Insgemein hat er die Hoͤhe und Dicke eines ſtarken Birnbaums. Seine Blaͤtter ſind baum. 
dem Oleander ähnlich. Er traͤgt kleine weiße Blumen, deren jede aus fünf artigen Blaͤt— 
tern beſteht, die einen Kelch oder Becher machen, deſſen Ende fleiſchfarben iſt, und einen 
Buſch kleiner Faͤdchen enthaͤlt, die einen Griffel mit einem runden fleiſchfarbenen Kopfe 
umgeben, der in eine kleine Schale verwandelt wird, die mit harten, ſchwarzen, runden, 
und glaͤnzenden Saamen erfuͤllt iſt. Die Bluͤthe riecht gut. Die Rinde des Baums iſt 

Oo 2 grau, 
len im Umkreiſe, wenn man die Aeſte, die aus dem 5) Labat dritter Band 284 u. f. S. 
Stamme treiben, mit dazu rechnet; denn ſonſt hat c) Ebeindaſ. a. d. 267 S. 
er nicht die Hälfte. Moore a. d. 55 S. 4) Barrbot a. d. 32 S. 
4) Labat zweyter Band a. d. 188 S. Dritter 6) Labat an oben angefuͤhrtem Orte. 
Band a. d. 268 und 264 S. f) Moore a. d. zi und 76 S. 


292 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Natur- grau, Bin und los. Das Herz ift braun, das Holz hart, und ſehr gut zu Brettern für 
geſchichte. die Schiffe, weil es im Waſſer noch haͤrter wird. Die Schwarzen laſſen es nicht gern faͤl⸗ 
len, weil die Bienen vornehmlich in dieſen Baͤumen bauen, und ſie daher das Wachs und 
Honig erhalten, wovon fie große Liebhaber find g). | 

Henſchrecken⸗ Jobſon fand an der Gambra den Heuſchreckenbaum, der lange Schoten traubenweiſe 

baum. trägt, die im Anfange des Mayes reifen. Die deute eſſen folche, und beſonders liebet fie das 
junge Volk ſehr. Die Baͤume find ſtark und hoch; und da die Bienen haͤufig hineinbauen: 
ſo bemerket unſer Verfaſſer, daß ein anderer Johannes der Taͤufer ſich hier leicht mit Heu— 
ſchrecken und wildem Honige ſaͤttigen koͤnnte Y). 

Kuͤrbisbaum. Den Kuͤrbis- oder Calabaſch⸗Baum trifft man an den weſtlichen Küſten von Africa 
an. Nach dem Labat halten ihn die Schwarzen ſehr hoch, und dieß mit Rechte, da er 
ihnen alle ihre Gefaͤße hervorbringt. Ordentlich haben ſie drey bis vier Fuß im Umkreiſe. 
Die Rinde iſt, fo lange fie noch jung iſt, grau und gelinde, wird aber mit dem Alter der Baͤu- 
me voller Riſſe. Das Holz iſt eher feſt, als hart. Mit Abſenken koͤmmt er beſſer fort, als 
vom Saamen. Er laͤßt ſich leicht verpflanzen. Die Aeſte ſind lang, dick und eben. Die 

zahlreichen Blätter find über vier bis fünf Zoll lang, und am Stengel enge, gegen das an⸗ 
dere Ende aber werden fie breiter und runder, wie ein Spaten 1). Sie find dick und dun⸗ 
kelgruͤn. Sie haͤngen faſt in gleichen Weiten an den Aeſten. Die Bluͤthen ſind blaͤulicht, 
und der wilden Roſe, wenn ſelbige kaum aufgebluͤht iſt, aͤhnlich. Sie wachſen aus dem 
Stamme, und wo die Aeſte ſich anſetzen, heraus. Die Natur hat ſolches weislich ſo ein⸗ 
gerichtet, weil die Früchte fo groß find, daß die Aeſte folche nicht würden tragen koͤnnen. 

Die Frucht. Die Kürbiffe oder Calabaſchen wachſen in verſchiedener Größe und Geſtalt. Die. 
Rinde iſt nicht dicker, als eine halbe Krone, aber ſehr feſt. Das Holz iſt glatt, und laͤßt 
ſich gut poliren. Der Baum traͤgt das Jahr zweymal Bluͤthen und Fruͤchte, oder er iſt viel⸗ 
mehr mit beyden beſtaͤndig bedeckt. Wenn der Stiel verwelkt und ſchwarz wird: ſo ſind 
die Kuͤrbiſſe reif, da fie denn abgenommen werden, damit fie nicht herabfallen, und zerbrechen. 

Wie die Die Schwarzen verfertigen aus den Schalen dieſer Frucht allerley Hausrath. Einige 
Schalen zu⸗ davon koͤnnen drey Gallonen k) Waſſer in ſich halten. Sie machen eine Oeffnung von 
gerchtet gehoͤriger Größe unweit des Endes, darein fie warm Waſſer gießen, um das Fleiſch darin— 
werden. nen eher zu erweichen und aufzuldſen. Nachgehends nehmen fie es mit einem Stocke her- 
aus, und reinigen die Schale wohl mit Waſſer und Sande, um die Faſern des Fleiſches, 
welche noch darinnen geblieben, völlig abzuſcheuren. Wenn ſie alſo ausgehoͤlt und getrocknet 
find: fo hält ſich alles vollkommen darinnen, ohne einen uͤbeln Geſchmack zu bekommen. 
Wenn ſie den Calabaſch oder Kuͤrbis in zwey Stuͤcken zu Bechern zerſchneiden wollen: ö 
ſo binden ſie da, wo es geſchehen ſoll, eine Schnur hart darum, und zwingen ſolche durch. 
Weil die Schale, wenn ſie kaum vom Baume gekommen, weich iſt: ſo laͤßt ſie ſich leicht 
theilen. Nach der Eroͤffnung reinigen ſie ſolche, poliren das Innere mit Muſchelſchale, 
und trocknen ſie zum Gebrauche. 
Gebrauch der Die Schwarzen quetſchen die Kürbisblätter, und thun fie unter ihre Kuskus, felbige 
Blätter, ihren Gedanken nach ſchmackhafter zu machen. Dieſes Mengſel nennen ſie Calo. Die 


Saam⸗ 

9) Labats abendlaͤndiſches Africa II Band 4) Jobſon iſt unſtreitig von Calabaſchen zu 
a. d. 315 S. verſtehen, wenn er ſaget, ſie haͤtten hier Gurken 
b) Jobſons Goldhandel a. d. 132 S. von allerley Groͤße, von der Groͤße eines Eyes bis 


1) Oder vielmehr wie Racketten zum Ballſchlagen. zur 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 293 
Saamkerne effen fie geroͤſtet, oder weichen fie ins Waſſer, woraus ein ſcharfer kuͤhlender Watur⸗ 
Trank wird. Das Fleiſch legen fie, wenn fie ſich verbrannt haben, auf, und nehmen alle ge ichte. 
ſechs Stunden friſches. Sie brauchen es auch mit gutem Fortgange bey Kopfſchmerzen, und der 
Colik und Zerquetſchungen, in welchem letztern Falle fie den Saft einnehmen 1). Saamkerne. 

Der Tamarindenbaum waͤchſt durch alle weſtliche Theile von Africa. Auf der Tamarin⸗ 
Suͤdſeite der Sanaga findet man einige von außerordentlicher Größe, Gewoͤhnlicher Weiſe denbaum. 
hat er die Hoͤhe und Geſtalt eines welſchen Nußbaumes, nur daß er buſchichter iſt. Die 
ſtarke und ſehr zaͤſerichte Wurzel theilet ſich in viele kleinere. Der Stamm iſt allezeit ge= 
rade, und oft drey Fuß queerdurch breit. Die Rinde iſt dick, braun, und voll Riſſe und 
Knoten. Das Holz iſt dunkel, hart, und von grobem Korne. Die großen Aeſte breiten 
ſich ordentlich auf alle Seiten aus, und theilen ſich in kleinere Aeſte, aus denen noch kleinere 
herausſchießen, die mit einer feinen glatten gruͤnlichtbraunen Rinde uͤberzogen ſind. Dieſe 
find voller Blätter, welche wegen des Schattens und der Kühle, die fie geben, die Schön: 
heit dieſes Baums ausmachen. Man kann jedes Blatt als einen kleinen Aſt anſehen, der 
vier bis fuͤnf Zoll lang iſt, und aus dem zehn bis zwoͤlf Paar kleinere lange und ſchmale Blaͤt⸗ 
ter herausſchießen, die am Ende ſtumpf, und gegen den Stiel zu rund ſind. Sie ſind be⸗ 
wundernswuͤrdig klein, hellgruͤn, gegen die Enden wollicht, und in der Mitten mit einer 
kleinen Faſer getheilt, die andere noch kleinere abgiebt. Dieſe Blaͤtter oͤffnen ſich den Tag 
über, und ſchließen ſich des Nachts wieder zu. . 

Die Bluͤthen wachſen in Buͤſcheln, fünf bis fechs Zoll lang, darinnen aber nur neun Bluͤthen. 
bis zehn Blumen enthalten ſind, weil ſie entfernt voneinander ſtehen. Dieſe Buͤſchel erhe⸗ 
ben ſich aus den Seiten und den Enden der Aeſte. Sie ſind ohne Geruch, ſtehen auf ei⸗ 
nem kurzen Stengel, und haben nur drey roſenfarbene Blaͤtter mit dunkelrothen Adern. 

Sie find etwa ſechs Linien lang, und viere breit. Der Griffel der Blume iſt ſcharf, Ftucht. 
wenn die Knoſpe hervorkoͤmmt, nach und nach aber verlaͤngert er ſich, wird krumm, und 
waͤchſt wie eine Gartenbohne, etwa vier Zoll lang, und zwey Zoll breit. Er iſt nicht ge⸗ 
rade, ſondern etwas wellenfoͤrmig ausgeſchweift, und beſteht aus zwo Schalen, die ineinan⸗ 
der ſtecken. Die aͤußere iſt plump, und ungefaͤhr ein Zwoͤlftheil eines Zolls dick. Die in⸗ 
nere iſt wie Pergament. Zwiſchen beyden ſtecket ein markichtes, dunkelbraunes, zaͤhes 
Fleiſch, das einen ſcharfen Geſchmack hat, und ſehr kuͤhlet. In ſelbigem befinden ſich drey 
bis vier harte Saamkerne, die flach, etwa vier bis fuͤnf Zwoͤlftheile eines Zolls lang, dick, 
und von mancherley Geſtalt ſind. Ihre Oberflaͤche iſt ſehr glatt, und von einem glaͤnzen⸗ 
den Roth, das ins Braͤunlichte fällt. Jeder davon beſteht aus zweyen Theilen, die ſich leicht 
von einander abſondern, wenn man ſie im Waſſer weichet, und die das Saampflaͤnzchen des 
Baums, etwa einen Zoll lang, entdecken. 

Das Fleiſch und den Saamen, wenn es von den aͤußern Schaalen abgeſondert, und zu eini- Was die 
ger Dicke gebracht iſt, bringt man nach Europa, und braucht es in der Arzneykunſt als eine 1 
Kuͤhlung. In Africa machen die Negern ein Getränf daraus, wenn fie es mit Zucker, Honig en ſind. 
und Waſſer vermengen. Sie heben es auch als eine Confitur auf, zur Kühlung, und den 


Durſt zu ſtillen; und die gekaueten Blätter haben eben dieſe Wirkung m). 
72 Oo 3 Der 


zur Größe eines Scheffels, die ihnen zu allem haͤus⸗ 7) Labat im II Bande a. d. 317 u. f. S. 
lichen Gebrauche dienen. Er ſetzet hinzu, fie hät: 1) Labats abendlaͤndiſches Africa im II Bande 
ten auch Melonen, wie in England. Siehe feinen a. d. 3322 u. f. S. IE 
Goldhandel a. d. 130 S. 


294 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Netur⸗ Der Kahowerbaum iſt eine Art von Pflaumen, der dem Kirſchbaume aͤhnlich 
„gefdichte. ausſieht 1). f een 
Aſfemaum. Der Affenbaum iſt groß, und waͤchſt in den Wäldern und an den Ufern der Fluͤſſe. 
Auf dieſen Bäumen bauen die kleinen Kubulos-Voͤgel ihre Neſter 0), 

Biſchiloe⸗ Der Biſchaloebaum iſt uͤberhaupt hart, und gut zum Bauen. Er waͤchſt gerade, 

baum und giebt viel Schatten. Man findet ihn am Ufer der Gambra. Bisweilen iſt er auf 
dreyßig Fuß hoch, und hat alsdann zehn bis zwoͤlf Fuß im Umkreiſe. Die Negern halten 
unter dieſen Baͤumen Zuſammenkuͤnfte und Taͤnze p). N 

Taba omba⸗ Der Tabakombabaunm traͤgt eine Frucht, die faſt wie die Bonchretienbirne aus: 

baum ſieht; die Rinde aber gleicht den Granataͤpfeln. Wenn fie reif ift, fo oͤffnet fie ſich ſelbſt, 
und enthalt vier bis fuͤnf kleine Früchte, von roͤthlicher Farbe, mit großen Steinen. Sie 
hat keinen beſondern Geſchmack 7). Barbot ſaget, die Frucht ſey von der Größe eines 
Taubeneyes, von unangenehmem Geſchmacke, und ſehr hitzig “. N 

Dorbaum. Man findet an der Sanaga eine Art von Dornbaͤumen, die ſo groß ſind, als die 
Aepfelbaͤume in Europa. Das Holz iſt hart, roth und ſchwer, und die Schwarzen brau— 
chen es zu Staͤmpfeln, ihren Reiß und Maiz damit zu ſtoßen „). 

Eberholz⸗ Unweit des Sees Kayor iſt ein Ebenholzwald, der das feinſte ſchwarze Ebenholz giebt. 

baun. Man findet auch welches zu Donap, und an andern Plaͤtzen an der Sanaga 7). 


Paode San⸗ Bey Fatatenda waͤchſt der Pao de Sangre⸗Baum, der das Dragongummi giebt. 

grebum. Die Einwohner nennen ihn Komo. Er wird nicht ſtark, noch hoch, und daher bekoͤmmt 
man nicht leicht aus einem ein Brett uͤber vierzehn bis ſechzehn Zoll breit. Wenn er nur 
erſt gehauen iſt, ſo riecht er angenehm. Es iſt ein ſehr hartes Holz, von ſchoͤnem Korne, 
das ſich fein poliren laͤßt, und zum Auslegen ſehr dienlich iſt. Man ſaget auch, die Wuͤr— 
mer Bug⸗a⸗ bugs] kaͤmen nicht darein. Die Einwohner machen das Balafeu, ein mu— 
ſikaliſches Inſtrument, daraus. Der Baum liebet einen trockenen felſichten Boden, und 
die Gipfel von Huͤgeln t). 

Kurzarie⸗ Der Kurbaribaum waͤchſt häufig an der Gambra und in den anliegenden Laͤndern. 

baun. Er iſt groß, und breitet ſich aus; man brauchet ihn zu vielen Dingen in America, aber die 
Negern machen ſich nichts daraus, weil ſie nicht viel nach Hausrathe fragen. Man kann 
das zarte Holz zunaͤchſt unter der Rinde von dem mittlern feſten Holze faſt gar nicht unter— 
ſcheiden, weil beydes von einer dunkelrothen unreinen Farbe iſt. Die Blätter find klein, 
laͤnglicht, hart und bruͤchig, dunkelgruͤn, und wachfen allezeit paarweiſe an einem Stengel, 
Die Rinde iſt weiß, duͤnne, und geht leicht ab. Das Holz iſt ſehr hart und dicht, ob es 
gleich mit einem fetten bittern oͤhlichten Safte durchfeuchtet iſt. Es waͤchſt, wie alles harte 
Zimmerholz, ſehr langſam. Der Stamm iſt gemeiniglich gerade und rund. Man findet 
ihn an der Gambra oft von drey Fuß dick, und vierzig Fuß hoch. Er hat viele Aeſte vol— 
ler Blätter, die einen ſehr angenehmen Schatten geben. Die Faſern find lang, fein, und 
artig durcheinander gewebt; dem unerachtet läßt ſich das Holz gut arbeiten, weil es wenig 
Knoten hat, und nicht leicht ſpaltet. 


Er 
* N 
) Barbots Beſchr. von Guinea auf der az S. 4) Ebendaſelbſt a. d. 68 S. 


0) Ebendaſelbſt a. d. 32 u. 133 ©. *Barbot auf der 32 S. 
pP) Woores Reiſen a. d. 38 u. 259 8. ) Aabat im II Bande a. d. 326 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 295 


Er trägt gelbe und große fünfblätterichte Bluͤthen in Geſtalt eines Kelchs, in dem ver- Tate: 
ſchiedene Faͤdchen und ein rother Griffel enthalten ſind. Sie ſind weder ſchoͤn noch wohl— geſchthte. 
riechend. Auf ſie folgen eyrunde Fruͤchte, von fuͤnf zu ſieben Zoll lang, und von drey zu Bluͤthn und 
vier Zoll breit, und einen halben Zoll dicke, von dunkelrother Farbe. Ihre Haut iſt hart, Fruͤcht. 
bruͤchig und rauh, koͤrnicht wie Chagrin, fleckicht, und von der Dicke einer halben Krone. 

Sie enthalten ein Weſen, wie zarter Teig, das trocken iſt, und ſich zerreiben laͤßt, eine Oran⸗ 
genfarbe und einen Wuͤrzgeruch hat, auch ſehr nahrhaft iſt. Br 

Jede Frucht hat drey bis vier Steine, von der Größe und Geſtalt gemeiner Mandeln, Steine und 
hart und dunkelroth, darinnen ein weißer Kern begt, der einen Geſchmack wie eine Haſel- Koͤrner 
nuß mit etwas Schaͤrfe hat. Die Negerkinder ſind große Liebhaber davon. Die Euro— 
paͤer, welche dieſe Frucht gekoſtet, ſagen, fie ſchmecke wie Ingwerbrodt, dem fie auch der 
Farbe nach aͤhnlich ſieht. Aus der Rinde machen ſie Tobacksbuͤchſen, Puderbuͤchſen und 
dergleichen. Der Baum giebt Stuͤcken klares hartes und durchſichtiges Gummi, das ſich 
nicht leicht auflöfer, und beym Verbrennen einen wuͤrzhaften Geruch, faſt wie Weihrauch, giebt. 

Piſo, in ſeiner Naturgeſchichte von Braſilien, beſchreibt dieſen Baum unter dem Na⸗ 
men Jeraibe, und ſaget, die Portugieſen naͤhmen dieſes Gummi fuͤr Gummi Anima. 

Er preiſt den Geruch davon, als vortrefflich bey Kopfſchmerzen, und bey Nervenkrankhei⸗ 
ten empfiehlet er ein Pflaſter von demſelben 1). u ei 

Der DPolon: oder Kaͤſebaum waͤchſt hier an verſchiedenen Orten, beſonders unweit des Polon:odee 
Fluſſes Rachao, und der Inſel Biſſao, wo ſie ihn zur Zierrath an die Haͤuſer pflanzen. Kaͤſebaun. 
Es iſt ein großer ſtarker Baum. Wenn man ihn nicht gipfelt, ſo ſchießt er ſehr hoch; denn 
einige ſteigen bis zu dreyßig Fuß. Wenn dieſer Baum jung iſt: ſo hat er eine gruͤne Rinde, 
etwan ſechs bis ſieben Zwoͤlftheile eines Zolls dick, welche aber mit dem Alter des Baums 
braͤuner und dicker wird. Die Blaͤtter ſind lang, und der Laͤnge nach, wie beym Klee, in 
drey Theile getheilt. Wenn ſie jung ſind, ſo ſind ſie zart, duͤnn und hellgruͤn; mit dem 
Alter aber werden ſie dunkler, und fallen ab, da ihnen denn friſche nachfolgen; ſo daß in 
vier bis fuͤnf Tagen der Baum neu bekleidet iſt. Wenn ſie wollen, daß er ſich ausbreiten 
ſoll: fo ſchlitzen fie die Rinde ſenkrecht, und geben dem Baume Platz, ſich zu erweitern x). 

Die Rinde iſt voll gerader, kurzer, runder Stacheln, etwan anderthalb Zoll lang, und Rinde ind 
am Boden eben ſo breit, aber ſpitzig zulaufend. Sie hängen nur an der Rinde, und fo Holz. 
leicht, daß fie bey der geringſten Berührung abfallen, und ein weißlichtes Merkmaal zuruͤck⸗ 
laſſen. Das Holz iſt zart und weiß, aber voller Adern, derentwegen es ſchwer zu ſchneiden 
wird, beſonders wenn es alt iſt. Es iſt biegſam, giebt nach, und waͤchſt ſchnell. 

Sobald dieſer Baum fein Laub verändert, welches jahrlich mit dem Anfange der trocknen Bluͤtherund 
Zeit geſchieht: fo erſcheinen die Bluͤthen in großen Buͤſcheln. Sie ſind klein, zaͤrtlich und weiß. Frucht. 
In acht oder zehn Tagen fallen ſie ab, und darauf folgen gruͤne Schoten in Geſtalt und Groͤße 
eines Huͤhnereyes; aber gegen die Enden etwas ſchaͤrfer. Wenn die Wolle darinnen reif ift: fo 
ſchwillt fie ploͤtzlich, und zerſprengt die Huͤlſe mit einigem Knalle, und die Wolle würde vom 
Winde verlohren gehen, wenn man ſie nicht forgfältig ſam̃lete. Sie iſt perlengrau, außerordent⸗ 
lich 
4) Ebendaſelbſt a. d. 178 S. 2 auf der 362 und 364 Seite. 5 
3) Moore a. d. 267 u. f. S. 

5) Aabats abendlaͤndiſches Africa IV Band en) Ebendaſelbſt a. d. 362 u. 364 ©, 


296 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


kratur⸗ lich fein, gelinde und glänzend. Sie iſt kuͤrzer, als die gemeine Baumwolle, kann aber ge- 
geſchichte ſponnen werden, und giebt feine Strümpfe. Die Huͤlſen enthalten nebſt der Wolle ver— 
— ſchiedene braune Saamen, fo groß, wie franzoͤſiſche Bohnen. Sie werden nicht ſehr ge— 
braucht, weil man den Baum geſchwinder mit Abſchnittlingen fortpflanzet. Es iſt merk— 
wuͤrdig, daß der Stamm auf einer Art Stuͤtzen ruhet, die rings um ihn liegen, und Schlan— 
gen, Kroͤten und Froͤſchen zum Aufenthalte dienen ). ö 
Der Ghelolabaum, welcher im Koͤnigreiche Kayor waͤchſt, gleicht der Waſſerweide 
an Geſtalt, Größe und Beſchaffenheit der Blaͤtter. Sein Holz iſt bitter. Die Negern, 
ö beſonders die Vornehmen, reiben ihre Zaͤhne damit, ſolche weiß zu erhalten 2). 
Wüͤrzbaum. Unweit Maka, im Eilande Bifeſcha an der Sanaga, findet man eine kleine Art 
Baͤume, deren Blaͤtter den Birnbaͤumen aͤhnlich ſind, und einen wuͤrzhaften Geruch und 
Geſchmack, faſt wie Myrrhen, haben. Man hält das Fleiſch von dem Viehe, welches da⸗ 
von gefreſſen hat, fuͤr ſehr gut zu eſſen a). f 
Seifenbaum. Der Seifenbaum iſt von der Groͤße eines großen welſchen Nußbaums, und gleicht 
dem, der in America dieſen Namen fuͤhret, davon er auch eine Art iſt. Die Negern quet— 
ſchen die Frucht zwiſchen zweenen Steinen, den Kern heraus zu bekommen, und brauchen 
das Fleiſch, ihr Leinenzeug zu waſchen, weil es guten Schaum giebt, und alle Dienſte der 
Seife thut, nur daß es den Zeug eher abnutzet und verzehret 5). 
Mis hery⸗ Der Misherybaum waͤchſt ſelten uͤber zwanzig Fuß hoch, aber ſein Stamm iſt 
baum. dicke. Die Rinde iſt braun, maͤßig dicke, haͤlt feſt, und hat einen bittern Saft. Das 
Holz iſt gut, grau, offen, ohne Knoten, und leicht zu fügen. Die Blätter, welche es in 
Menge hervorbringt, find den Kirſchblaͤttern nicht unaͤhnlich, aber ihre Ecken find einge- 
kerbt, und der geringſte Wind führer fie weg. Das Holz iſt vortrefflich zu Brettern, weil 
es nie Wuͤrmer bekoͤmmt. An den Ufern von Rio Grande find fie ſehr häufig c). 
Hanfbaum. Die Ufer der Fluͤſſe und moraſtigen Gegenden bringen hier einen mittelmäßig hohen 
Baum hervor, der eine Art des americaniſchen Mahot zu ſeyn ſcheint. Das Holz iſt locker, 
und die Blätter find breit und dünne, Die Rinde, welche faſerigt und leicht abzuſondern 
iſt, dienet gut, Luͤcken beym Kalfatern der Schiffe zu verſtopfen. Man ftößt fie in dieſer 
Abſicht, die Aeſtchen abzuſondern, und leget fie ftatt des Theers in Palmoͤl, welches mit le— 
bendigem Kalke vermengt wird, ihm die noͤthige Dichte zu geben 4). 
Wilder Fei⸗ Der wilde africaniſche Feigenbaum iſt etwa zwanzig oder fuͤnf und zwanzig Fuß hoch, 
genbaum. mit großen Aeſten und voll Blätter. Herr Bruͤe ſah einen zu Albreda in der Gambra 
von dreyßig Fuß im Umkreiſe. Holz und Rinde ſind der Gartenfeige aͤhnlich; die Blaͤtter 
aber kommen der welſchen Nuß naͤher. Sie ſind ſtark, glatt und glaͤnzend, oben hellgruͤn, 
und unten blaͤſſer. Sie wachſen fo dicke, daß fie die Sonnenſtralen nicht durchlaſſen. 
Die Früchte find von der Größe eines Taubeneyes, und ohne beſondern Geſchmack, deswe— 
gen man fie den Voͤgeln läßt. Wenn ſie reif find, fo iſt ihre Haut roth. Das Holz tauget 
nicht zum Brennen. Es iſt zu hart, Bretter daraus zu machen. Weil es aber glatt und 
weiß iſt: ſo dienen ſie zu Taͤfelwerke, weil es gelinde und leicht zu arbeiten iſt. Aus eben 


Ghelola⸗ 
baum. 


. e der 
„ Aabats abendlaͤndiſches Africa, im V Bande, 4) Ebendaſ. a. d. 183 S. 
auf der 25 und folgenden Seite. c) Ebendaſ. a. d. 157 S. 
2) Ebendaſ III Band, a. d. 63 S. 4) Ebendaſ. V Band, a. d. 158 S. 


a) Ebendaſ. IV Band, a. d. 182 ©. ) Ebendaſ. IV Band, a. d. 373 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 297 
der Urſache machen die Negern Becher, Schuͤſſeln, Teller und Löffel. Wenn es grün gear- Natur⸗ 
beitet wird: fo ſpaltet es ſich nicht leicht. Die Schwarzen halten im Schatten dieſer Bau- geschichte. 
me gern ihre Kalders oder Zuſammenkuͤnfte e). 5 

Der africaniſche Guavabaum iſt mehr ein Strauch, als ein Baum, da die ftärfften nicht Guavabaum. 
uͤber ſieben bis acht Zoll dicke ſind. Die Rinde iſt grau, mit kleinen braunen Flecken. Sie iſt 
dünne, und hält feſt am Baume, weil er ſteht, laͤßt ſich aber bald ablöfen, wenn er umge⸗ 
hauen iſt. Das Holz iſt grau, mit langen dichten durcheinandergewebten Faſern, davon 
es hart und ſchwer zu ſchneiden wird. Die Blaͤtter ſind lang, an beyden Enden ſpitzig, 
und dreymal ſo lang, als breit, rauh, ſaftig und blaßgruͤn, mit vielen Faͤden durchzogen. 

Dieſer kleine Baum hat viel Aeſte, mit paarweiſe ſtehenden Blaͤttern. 

Er bluͤhet zweymal des Jahres. Die Bluhme iſt weiß wie die Orangenbluhme, von ei- Bluͤthen und 
nem ſchwachen angenehmen Geruche, der aber dem Drangengeruche weit nachſteht. Der Früchte. 
Baum traͤgt viel Früchte, die den Renetten nicht unaͤhnlich find, nur daß fie wie der Gra⸗ 
natapfel eine Krone haben. Die Rinde ſcheint von ferne glatt, aber wenn man fie berührt: 
ſo iſt ſie rauh und uneben. Sie iſt etwan ein Viertheilzoll dicke, wenn die Frucht gruͤn iſt. 

Das Fleiſch iſt weiß oder roth; denn es giebt zweyerley Arten. Ehe es reift, hat es das 

Weſen eines grünen Apfels oder einer Birne; aber nach der Reife iſt es dem Inwendigen 

einer Miſpel ahnlich. Es hat eine gute Anzahl kleiner weißer und rother Kerne, welche 

ungleich, rauh, und von der Groͤße wie Ruͤbenſaamen, und ſo hart ſind, daß ſie nie ver⸗ 

dauet werden; ſondern ſo, wie ſie genommen worden, ganz oder ſtuͤckweiſe fortgehen. Die⸗ 

ſer Baum iſt erſt aus Braſilien, wo er von Natur waͤchſt, nach Africa gebracht worden 7). 

Nach Moores Berichte ſind die Guavas eine Frucht, welche den Pfirſchen aͤhnlich iſt, 

nur mit einer rauhern Oberflaͤche, und ohne Steine; ſondern mit kleinern Kernen, als die 

Aepfel haben. Man hält fie für trefflich wider den Durchfall g). 

Der Orange⸗ und Limonienbaum wäͤchſt auf dieſer ganzen Kuͤſte. An dem Ja⸗ Orange: und 
mesfort an der Gambra, verſorgen ſich die Einwohner und Engländer mit den Früchten Limonien— 
davon zum Punch 5). Vornehmlich find ſie im Ueberfluſſe in dem Eylande Biſſos, wo Herr baͤume. 
Bruͤe im Jahre 1700 einen in des Koͤnigs Hofe fand, der ſo erſtaunlich groß war, daß er 

ſolchen ganz bedeckte P). Barbot ſaget, es wären nicht viel Orangebaͤume oder häufige 

wilde Limonien in dieſen Gegenden Y. 

Die Limebaͤume find von der Größe unſerer gemeinen Aepfelbaͤume. Das pimehäu- 
Blatt iſt laͤnglichrund, und die Frucht kleiner, als eine Limonie, aber von ſtaͤrkerm Ger me. 
ſchmacke. Ihre Orangenbaͤume bringen vortreffliche ſeviliſche Orangen hervor 7). 

Citronen⸗Baͤume find in Menge hier. Die an dem Ufer des Kaſamanſa tragen Citronen⸗ 
eine Frucht von beſonderer Art. Sie iſt rund, die Rinde nicht dicker, als Pergament, voll baͤume. 
Saft, und meiſt ohne Kerne m). | 

Auf dem Carlseylande fand Herr Moore einen wilden Kirſchbaum, die hier ſelten find. Wilde Kir⸗ 


Die Frucht war nicht reif, (im Hornung) die Blaͤtter und Groͤße ſtimmten mit den ſchen. 
Engliſchen überein 1). 


Auf 
7) Ebendaſ. 5 Band, a. d. 75 u. f. S. ) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 31 S. 
g) Moores Reiſen, a d. 68 S. 1) Atkins Reiſe nach Guinea, a. d. 49 S. 
bh) Moore, an oben angefuͤhrtem Orte. 1) Labat, 5 Band, a. d. 54 S. 


1) Labat, 5 Band, 118 S. n) Moore, a. d. 62 D. 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. P p 


Yıaturs 
geſchichte. 


Empfindli⸗ 
cher Baum. 


Quamey. 


Weihrauch⸗ 
daum. 


WMandanan⸗ 
zabaum. 


Biſſybaum. 


Kaeybaum. 


Billagoh⸗ 
baum. 
Boſſy. 


Bondebaum. 


Millebaum. 


Burrobaum. 


Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

u dem Flußufer waͤchſt ein Baum oder Buſch, wie unſer barbariſcher Wa nur 
daß er ein runzlichtes Blatt hat. Wenn man ihn mit aller moͤglichen Vorſichtigkeit, und 
auch nur ganz ſanft beruͤhret: ſo ſchließt doch der ganze Buſch alle ſeine Blaͤtter auf einmal 
genau zuſammen, als ob es durch eine Sympathie geſchaͤhe; und wenn man nur ein 
Zweigelchen beruͤhret: ſo geht dieß durch den bun Buſch. Er traͤgt eine gelbe Bluhme, 
wie unfere Heckenroſen 0)» 1 

Jobſon erwaͤhnet eine Art Bäume mit ſtarken Stämmen, die auf einem langen Sten- 
gel eine runde Frucht tragen, in der ſich ein wohlſchmeckendes Mark befindet, das die Meer⸗ 
katzen gern eſſen p). Es giebt andere große Bäume, die nach eben dieſes Verfaſſers Be- 
richte einen ſteinigten Apfel tragen, der nach der Reife noch eßbar iſt, wenn er aber abgefal⸗ 
len, den wilden Schweinen zum Futter dienet J. 

Der Quameß iſt ein hoher buſchigter Baum. Das Holz iſt hart, und die Negern am 
gruͤnen Vorgebirge machen Moͤrſer daraus, ihren Reiß und Maiz darinnen zu ſtoßen, weil 
es nicht ſplittert. Die Rinde wird in der Arzeneykunſt gebraucht 7). 

In den Ländern ſuͤdwaͤrts von Arguin, und nordwaͤrts an der Sanaga, findet man 
den Weihrauchbaum. Er iſt dem Maſtixbaume aͤhnlich. Seine zahlreichen Aeſte ſind ſchlank 
und biegſam, mit einer dünnen genau anliegenden Schale bedeckt. Die Blätter wachſen 
paarweiſe, ſind lang und ſchmahl, und beſtaͤndig gruͤn. Sie wachſen an einem rothen und 
ſtarken Stengel, und find glatt und dicke. Wenn man fie in der Hand zerquetſcht: fo geben 
ſie einen oͤlichten Saft, von einem ſtarken wuͤrzhaften Geruche und ſtrengen Geſchmacke 0 

Unweit des grünen Vorgebirges iſt ein kleiner Strauch, welcher Früchte wie Abricoſen 
traͤgt, die von der Größe der welſchen Nuͤſſe, und einem angenehmen Geſchmacke find, Die 
Negern nennen ſie Mandananza, halten ſie aber fuͤr knen Die Blätter ſind wie 
Epheu, und von lichtgruͤner Farbe ). e e N 

Barbot giebt folgende Nachricht von al aͤnmen, die man um Sierra 
Leona antrifft. 

Der Biſſybaum iſt gewöhnlich achtzehn bis zwanzig Fuß hoch, die Rinde braumth! 
man färbet Zeuge und Wolle damit, auch machen fie ihre kleinen Canoes daraus. 

Der Kaey iſt hoch, von hartem Holze. Rinde und Blaͤtter werden in Be paeneofau 
gebraucht. Man braucht das Holz zu Canoes, weil es keine Würmer bekoͤmmt. 

Der Dillagohbaum iſt größer, als der vorige; die Blaͤtter purgiren. 

Der Boſſp iſt ein glatter Baum, welcher eine laͤnglichte gelbe Pflaume, von ſauerm 
Geſchmacke, die aber geſund iſt, trägt. Die Negern machen aus der Rinde Seifenaſche. 

Der Bonde iſt gemeiniglich ein großer hoher Baum, von etwan ſieben bis acht Faden. 
Die Rinde iſt dornicht, und das Holz glatt. Sie gebrauchen es zu Canoes, und aus der 
Aſche mit Palmweine vermengt machen ſie Seife. 

Der Mille ift groß und buſchicht. Die Schwarzen brauchen ihn bey ihren Beſchwoͤrungen. 

Der Burrobaum waͤchſt ungemein hoch, ob er wohl nur ſechs Fuß dicke wird. Die 
Rinde iſt voll ſtarker gekruͤmmter Stacheln, und das Holz tauget nur zu verbrennen. Rinde 
und Blaͤtter geben einen gelben Saft, der ſtark purgiret. 8 

er 


N) Jobſons Goldkuͤſte, a. d. 135 uf. S. 5) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 32 S. 
p) Jobſons Goldhandel, a. d. 1 s) Labats abendl. Afr. 2 Band, 428. 
g) Ebendaß⸗ 2 12) Aer d. 22 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 299 


Der Mamobaum iſt hoch, und mit runden Buͤſchen bekroͤnt. Er bringt eine Frucht, Natur 
faſt wie die Kola zu Sierra Leona, hervor, die inwendig weiß iſt, ſcharf ſchmecket, und geſchichte. 
öffnet. Sie hält ſich ein Jahr unter der Erde. . ame 

Der Soquella iſt ein hoher Baum. Die Frucht waͤchſt in einer Schote von ſechzehn Hoquella. 
zu achtzehn Zoll lang. Der Stein iſt groͤßer, als eine Bohne. Rinde und Blaͤtter pur⸗ 
giren. Mit der Holzaſche waſchen die Regern Leinenzeug, wie mit Lauge 1). | | 

Der Dombokbaum bringt eine Frucht wie Ebifchbeeren, die von den Schwarzen Dombok. 
haͤufig gegeſſen werden. Die Rinde im Waſſer geweicht verurſachet Brechen. Das Holz 
iſt roth. Die Negern 7 es zu Canoes. 
Der Rolach ift ein gro er Baum, tragt eine Frucht wie Pflaumen, welche gut zu eſſen Kolach. 
iſt. Die Rinde purgirt. \ 1 N 
Der Dupbaum iſt hoch, fein Gipfel voll Aeſte. Die Frucht gleicht einem gemeinen Daybaun- 
Apfel, und wird von den Leuten gegeſſen. Die Infuſion davon brauchen ſie zu Staͤrkung 
und Wiederherſtellung der Kraͤfte. te 
6 Er So des Naukonybaums, wenn ſie geſchnitten wird, ſchmecket wie Naukonp- 
effer x). | fl 1553 | 
Der Dongahbaum iſt laͤngſt der Kuͤſte gemein, und bringt eine Frucht wie un: Dongap. 
ſere Eicheln. f ug en 
Der Bondou hat duͤnnes glaͤnzendes daub. Das Holz iſt am Baume gelb, und wird, Bonden. 
nachdem es gehauen worden, rok. ! DE, 
Der Jaaſah iſt in allen Moräften, Seen und Fluͤſſen häufig. Die Holländer nen- Jaajah. 
nen ihn Mangelaer „, und die Fran zoſen Palaſtevier. Er iſt in den moraftigen Gegen⸗ 
den von America ſehr gemein, wo man ein Vergnügen darinnen ſuchet, auf feinen über das 
Waſſer haͤngenden Aeſten herumzuklettern, auf denen häufige Auſtern find 2); denn die 
Aeſte beugen ſich ins Waſſer, und wachſen wieder in die Hoͤhe. Die Zweige verbinden ſich 
dichte unter einander, gehen wieder ins Waſſer, und treiben neue Aeſte; fo, daß es unmoͤg⸗ 
lich iſt, den Stamm zu finden. So pflanzet er ſich immer fort, daß ein Baum ſich ganze 
Strecken Weges längft dem Ufer oder der Kuͤſte ausbreitet. Es iſt eine angenehme Er⸗ 
goͤtzung, Auſtern auf dem Platze ſelbſt zu eſſen; denn die untern Aeſte dienen auf dem Waſ⸗ 
fer zu gehen, die mittlern zu Sitzen und Ruheplaͤtzen, und die obern zum Schatten und zur 
Bedeckung. Die Auſtern bangen meiſtens fo feſt an dem untern Aeſten, daß man fie nicht 
ohne eine Art oder Meiſſel, oder ohne Abhauung der Aeſte losbringen kann. Dieſe Auſtern 
ſind ſehr flach, ſo breit, als eines Mannes Hand, und von ſcharfem Geſchmacke. Man ißt 
fie aber aus Mangel beſſerer aa). g 

Wir wollen dieſen Abſchnitt mit einer Anzeige von gewiſſen Früchten beſchließen, die 
wir ohne Nachricht von denen Baͤumen, darauf ſie wachſen, beſchrieben finden. ! 

Die erfte iſt die Kakaten. Es iſt eine Frucht, mit einer dünnen dunkelgruͤnen Rinde. Kakaten: 


Sie kuͤhlet, der Geſchmack iſt aber etwas wild und ſaͤuerlich bb), frucht. 
Die Naniple iſt wie eine Eichel geſtaltet, voll Saft, die Haut gelb und glatt. Die Naniple 
Negern brauchen fie bey Fiebern. Ar | 
1 m Die 
n) Ebendaſ. a. d. 112 S. 2) Moore bekraͤftiget ſolches in fein. Reiſ a. d. 54 8. 
& Ebendaſ. aa) Bawbor, oben a. d. 113 S. 


„) Die Engländer heißen ihn Mangrove. 1 Bar'bot, a. d. 31 S. 


Watur⸗ 
geſchichte. 


Arzeneynuͤſſe. 


Nonpetas. 


Banale. 
Diabolas. 


Banana, 
die Namen. 


Land, wo es 


waͤchſt. 


Boden dazu. 


Ob es ein 
Schilf oder 
Baum iſt. 


30 Reeiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Die Arzneynuͤſſe enthalten drey oder vier Kerne, von denen einer oder zweene auf ein⸗ 
mal gs ſowohl Brechen als Stuhlgang erwecket. Die Leute brauchen fie zur 
Arzeney ce). 25 

Die Nonpetas find von der Größe einer Caſtanie, auswendig grün. Sie wachſen 
auf einem großen Baume, und werden fuͤr hitzig gehalten. 

Die Banale iſt eine rothe Frucht, wie eine Pfirſche geſtaltet, und ſuͤße wie Honig. 

Die Diabolas gleicht einer Pferdenuß, und ſchmecket wie Mandeln dd). 


Der III Abſchnitt. 


Wurzeln und Pflanzen. | 

Deſſen Namen. Land Banana, wo es waͤchſt. Boden, Ignama. Manjokwurzel. Patatas. Purfelain 

der ſich dazu ſchicket. Art, wie es waͤchſt. Frucht. und Kollilu. Korn. Hirſe oder Maiz. Zwo Ar⸗ 

Deren Geſtalt und Groͤße. Wie viel davon ten davon. Kuskus, wie er gemacht werde. 

waͤchſt. Erneuert ſich ſelbſt. Leere Einbildungen Sanglet. Gernotte oder wilder Maiz. Reiß. 
davon. Anana oder Fichtenapfel. Waſſermelone. Carmeſinblume. Bunning. | 
Arthus Dantiſcus, den alle Schriftſteller, welche von Guinea gehandelt, abgeſchrieben, 
oder vielmehr beſtohlen haben, bemerket, daß der Baum, der in Guinea Banana 
heißt, anderswo verſchiedene andere Namen fuͤhret. In Braſilien heißt die Frucht Pa⸗ 
kona, und der Baum Paghover. Die Malabaren nennen ihn Patan ). Bosman 
machet eine Art des Piſang daraus, der ſeinem Berichte nach in die Bakkovens und Ba⸗ 
nantes oder Bananas abgetheilt wird 5). Die letztere Frucht wird, nach Labats Be⸗ 
richte c), von den Spaniern Plantain genannt. Aber nach dem Moore iſt der Plan⸗ 
tainbaum mit dem Banana nicht einerley, da die Frucht groͤßer iſt, ob ſie jener wohl an 
Geſtalt und Geſchmacke gleicht 4). 5 

Aabat bemerket, daß es mancherley Arten giebt. Die kurzen werden Feigen, und die 
langen Bananas oder Plantanen genannt, welche beyde er für eins hält. Er ſetzet hinzu, 
man fände die Bananabaͤume in Aſien, Africa und America e). 

Arthus ſaget, ſie waͤren durch ganz Indien uͤberfluͤßig, und nach dem Cocos die beſte 
und nuͤtzlichſte Frucht, die man da antraͤfe /). Das Land zwiſchen der Sanaga und Go⸗ 
rea bringt ihrer unzählige hervor g). Aber an der Gambra wachſen fie, nach Jobſons 
Anzeige, nur bey der Mündung, find aber fo gut und groß, als die weſtindiſchen ). Doch 
ſaget Moore, ſie waͤren an der Gambra ſehr gemein, als ob man ſie an allen Gegenden 
des Fluſſes faͤnde 1). 

Der Stamm iſt weich und feuchte, liebet einen tiefen feuchten Boden; ſo, daß man 
ihn nur in Thaͤlern und an Fluͤſſen antrifft H. 

Herr Finch bemerket, daß man ihn eher unter die Schilfe als Baͤume rechnen ſollte, 
weil er keinen holzigten Stamm hat, ſondern aus Blaͤttern beſteht, die wie ein Artiſchocken⸗ 


ſtiel genau in einander gewickelt find 1). | Arthus 
ce) Moores Reiſe, a. d. 62 8. e) Labat, am oben angef. Orte. 5 
dd) Barbot, a. d. 32 ©. 7) Arthus, am oben angef. Orte. 
a) Arthus Beſchreibung von Guinea, in de Brys ) Labat, am oben angef. Orte. 

Oſtind. 6 Th. 84 S. i 5) Jobſons Goldhandel, a. d. 130 S. 
) Bosmanns Beſchreibung von Guinea, auf i) Moore, am oben angef. Orte, a. 67 S. 

der 291 Seite. a 4 Labat, 4 Band, a. d. 165 S. 
6) Labats abendl. Afr. 4 Band, a. d. 162 S. 7) Finchens Reiſe, in Purchas Pilgrim, erſtem 


4) Moore, am oben angef. Orte, a. d. 67 S. Bande a. d. 416 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 301 


Arthus iſt eben der Meynung, nur ſaget er Strauch, ſtatt Schilf. Es hat auch keine Natur⸗ 
Aeſte, und die Frucht waͤchſt aus dem Stamme. Labat ſaget, es ſey ſchwer auszumachen, Zeſchichte. 
ob es ein Baum oder ein Kraut heißen ſolle, weil es weder Koͤrper noch Rinde hat. Es 
ſey zu zart für einen Baum, und zu groß, unter Die Kräuter geſetzt zu werden ). 


Dieſer Baum, oder dieſes Kraut wird durch Abſchnittlinge fortgepflanzt, weil es keinen Seine Hoͤhe. 
Saamen hat. Wenn es zur Reife gekommen: fo iſt es ordentlich zehn bis zwölf Fuß 
hoch »). Atkins nennt es ein Kraut, und ſaget, es wuͤchſe fo hoch, als die Kirſchbaͤume o). 


Labat verſichert, daß es feine völlige Höhe innerhalb neun Monaten erreicht, und als⸗ 
denn zehn bis zwoͤlf Zoll ſtark wird 7). Nach dem Moore iſt der Stengel etwa ſechs 
Ellen hoch, die Blaͤtter ſind zwo Ellen lang, und einen Fuß breit. 
Es waͤchſt zu der Höhe eines Mannes, und fängt alsdenn an, feine Blätter auszutrei⸗ Blatter. 
ben. Waͤhrend daß die alten verwelken, und abfallen, ſo folgen neue nach, und ſo geht es 
fort, bis die Frucht reif iſt. Dieſe Blaͤtter haben in der Mitten eine ſtarke Ribbe, welche 
fie in zwo Hälften theilet J). Wenn der Baum zur Reife gekommen iſt: fo verändern 
die Blätter ihre Geſtalt, und da fie nicht länger dienen koͤnnen, die Dicke zu vermehren, fo gehen 
ſie von dem Stamme ab, und ruhen auf einem Stengel, etwa eines Zolles dicke, der an 
einer Seite rund, und an der andern flach, in der Mitten aber hohl iſt. Dieſer Stengel hat . 
etwa eines Fußes Laͤnge, und traͤgt das ganze Blatt ſieben bis acht Fuß lang, und funfzehn bis 
achtzehn Zoll breit r). Die Faſern, welche das Blatt ausmachen, gehen in die Berlän: 
gerung des Stengels, oder in die mittelſte Ribbe. Das Blatt iſt ſo dicke, als Pergament, 
inwendig lichtglaͤnzendgruͤn, auswendig blaͤſſer und weißlicht. Weil dieſe Blätter dünne find: 
ſo zerreißt ſie der Wind leichtlich; ſo, daß ſie in der Ferne wie Riemen ausſehen t). 
Arthus ſaget, die Türken bedienten ſich des Blattes zum Papiere, andere ſprechen zu “Be: 
deckung der Haͤuſer. Ackins berichtet, wenn man die aͤußere Haut abſchaͤlte, und es fo, wie 
Haus wurz auf die Leichdornen gebraucht wird, bey einigen eiterigten Geſchwuͤren auflegte: 
ſo reinigte es ungemein 1). nn 
Wenn es erft aus dem Boden hervorſchießt: fo erſcheinen zwey Blätter wie zuſam⸗ Art feines 
mengerollt, die ſich öffnen, und zwey andern Platz machen, und fo geht es fort, bis das Ge- Wachſens. 
waͤchſe neun Monate alt iſt. Alsdann waͤchſt aus feinem Mittel ein Stamm von andert⸗ 
halb Zoll dicke, etwan drey bis vier Fuß lang, und ganz mit kleinen gelbgruͤnen Knoͤpfchen 
bedeckt. Das Ende deſſelben ſchließt ſich wie ein großer Knopf auf, in Geſtalt eines Her⸗ 
ens, ſechs bis ſieben Zoll lang, und dreye queer über, wo es am breiteſten iſt. Dieſer be: 
ſeh aus verſchiedenen Haͤuten, welche einander wie Zwiebelſchalen einſchließen, die äußere 
Seite iſt roth. Außerdem iſt es mit einer grauen Haut bedecket, die ſich in vier Theile 
theilet, und den Knopf zum Vorſcheine kommen laͤßt. 


p 3 Die 
m) Labat, 4 Band, a. d. 163 S. ter wären a Ellen lang, und 1 Fuß breit. Einige ſetzen 
1) Ebendaſ. a. d. 162 S. mehr, andere weniger. Finch ſaget, ſie waͤren zwo 
o) Atkins Reife nach Guinea und fo fort, auf Ellen lang, und eine dreit, mit einer ſehr ſtarken Ribbe 
der 49 Seite. a g in der Mitte. Ackins ſetzet drey Ellen lang, und 
5) Labat, 4 Band, a. d. 165 S. eine breit. 
7) Moore, a. d. Sy S. 2) Labats abendlaͤndiſches Africa, im 4 Bande, 
7) Arthus, am oben angef. Orte. auf der 162 S. 


) Moore ſaget a. d. 7 S. ſeiner Reiſen: die Blaͤt⸗ 1) Atkins Reife nach Guinea, a. d. 49 S. 


ratur: 


geſchichte. 


Frucht. 


IhreGeſtalt 
ind Groͤße. 


Eigenſchaf⸗ 
ten. 


Wie viel es 
traͤgt. 


Reiſen laͤugſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Früchte, welche auf die kleinen Knoͤpfchen folgen, mit denen der Stamm geziert 
iſt x), ziehen ihn durch ihre Schwere niederwaͤrts. Den alſo beladenen Stamm nennen 
fie einen Bananasklumpen. In etwa vier Monaten nach dem erſten Erſcheinen der Knoͤpf⸗ 
chen, iſt er reif, und enthaͤlt von dreyßig zu funfzig bis ſechzig Bananas, nach der Guͤte 
des Gewaͤchſes und Bodens 7). Einer von dieſen Klumpen iſt ſchon eine ziemliche Laſt. Da 
ſie zu fuͤnfen rund um den Stamm wachſen, wie die Finger an der Hand: ſo nennen die Ne— 
gern dieſe Staͤmme Bananashaͤnde 2). 

Die Frucht iſt gemeiniglich ein und einen halben Zoll dicke, und neun bis zwölf Zoll 
lang 2). Sie iſt nicht vollkommen rund, ſondern ſechseckicht, mit ſtumpfen Winkeln, und 
die Enden ſind mit einem krummen ſechseckichten Knoten geſchloſſen 6). Die Haut, welche, 
ehe die Frucht reif iſt, glatt und grün war, wird bey der Reife dunkelgelb «). Sie iſt 
ein Sechstheil eines Zolls dicke, weich und biegſam wie Leder. Sie enthaͤlt ein gelbes 
Fleiſch von der Dichtigkeit eines fetten Kaͤſe 4), ohne Saamen, nur mit groben Faſern, 
die ein uͤbelgebildetes Kreuz vorſtellen, wenn die Frucht durchſchnitten wird. Wenn die 
Frucht zu reif iſt, ſo wird die Haut ſchwarz, und das Fleiſch ſieht wie Butter aus. Wenn 
es reif iſt, fo ſchmecket es wie Quitten und Bonchretienbirnen unter einander. Es iſt ge: 
fund und nahrhaft, aber etwas blaͤhend, wenn es roh gegeflen wird e). f 

Nach des Arthus Berichte, iſt die Frucht zart und ſuͤße, das Fleiſch übertrifft die But⸗ 
ter an Geſchmacke und Weiche. Die Farbe iſt weißgelblicht. Es kuͤhlet den Magen, aber 
unmaͤßig gegeſſen, verurſacht es Heiſerkeit, und einen Durchfall. Es reizet, wenn es von 
Weibsperſonen genommen wird T7). i 

Finch bemerket, daß unter der Frucht an eben dem Stengel ein Buſch Blaͤtter haͤngt, 
welche ſcharfe Spitzen haben, und die Bluͤthe geweſen zu ſeyn ſcheinen, aber der Verfaſſer 
weis nicht, ob fie Saamen hat oder nicht ). | 

Boſman faget, fie truͤgen innerhalb eines Jahres, da fie erft aufgegangen, Frucht, und 
nur ein für allemal. Denn nachgehends wird der Stamm abgehauen, und von der Wur— 
zel ſchießen fuͤnf bis ſechs friſche Staͤmme auf jedes Jahr, daher er, ſaget der Berfaffer, 


302 


für einen immerwaͤhrenden Calender dienen kann >). 


An der Gambra trägt nach des Herrn Moore Bemerkung, ein Stamm nur einen 
einzigen Klumpen, von etwan vierzig bis funfzig Bananas; und nachdem derſelbe abgenom— 
men worden, ſchneiden ſie den Stengel ab, weil er ſonſt keine Frucht mehr tragen wuͤrde 7). 
Arthus verſichert, daß dieſer Klumpen oft uͤber hundert Feigen haͤlt. Dieß geſchieht in 
ec | | | Guinea, 


8 x) Die Feige an der andern Art der Bananas 
waͤchſt eben ſo. Arthus ſaget, im Mittel dieſer 


Blaͤtter erhuͤbe ſich die Bluhme von der Größe 


eines Straußeneyes, an Farbe einer Erbſe gleich, 
und ſehr ausgebreitet, wie Kohl. Die Frucht oder 
Feige waͤchſt daheraus, die, fo lange ſie in ihren Huͤl⸗ 
fen eingeſchloſſen iſt, unſern großen Bohnen gleicht, 
und täglich waͤchſt, bis fie eine Spanne lang, und 


eine Hand breit wird, da ſie wie große Gurken 


ausſieht. de Bry morgenlaͤndiſches Indien ſechſter 
Theil a. d. 84 S. 
5) Sinch ſaget, die Zeit der Reife fen im Sept. 


2) Labat an oben angefuͤhrtem Orte vierter 
Band, a. d. 165 u. f. S. 

a) Moore ſaget, die Frucht ſey ſechs bis ſieben 
Zoll lang, mit einer zarten gelben Haut bey ihrer 
Reife bedeckt Siehe ſeine Reiſe a. d. 67 S. 

5) Atkins ſaget a. d. 49 S. Die Plantain 
und Bananafrucht gleiche den Cucummern, ſey 
aber ſchlanker und langer. Die Frucht beſteht 
nach Finchen in einem Klumpen von zehn bis 
zwoͤlf Plantains, jedes einer Spanne lang, und fo 
dick als ein Mann um das Handgelenke. Einige 
wären einwaͤrts gebogen, und wuͤchſen an einem 

Sten⸗ 


* 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 303 


Guinea, wo die Feigenbanana am gemeinſten zu ſeyn ſcheint. Labat berichtet, daß die Eatur⸗ 
Pflanze nur einmal Frucht trägt, daß fie nachgehends welket und abfällt: aber an der Zwie⸗ geſchichte. 
bel oder Wurzel, die groß, ſtark und blaßfleiſchfarben iſt, ſchießen bald neue Stengel her⸗ 
vor, die in zwoͤlf oder vierzehn Monaten wieder tragen, und ſo geht es fort, wo die Wurzel Ermuntert 
nicht verderbt wird K). ſich ſelbſt. 
Wenn der Klumpen abgeſchnitten iſt, ſo hauen ſie auch den Baum ab, und laſſen nur 
die Wurzeln, die innerhalb eines Monats einen neuen Baum mit neuen Fruͤchten vorbrin⸗ 
gen, ſo daß er alle Monate im Jahre traͤgt. 
Wegen des vorerwaͤhnten Kreuzes, nennen ihn die Spanier Adamsapfel, und glauben, 
es ſey die verbothene Frucht, bey deren Aufſchneidung Adam dieſes Kreuz als das Geheim⸗ 
niß der Erloͤſung geſehen 1). Die Urſache dieſes Namens war dem Barbot unbekannt. 
Arthus ſaget, die (portugieſiſchen) Schwarzen, zerſchnitten die Frucht nicht, aus Ehrfurcht 
für das Kreuz. Barbot ſcheint dieſen Umſtand daher genommen zu haben. Arthus Eitle Eins’ 
bemerket ferner, daß einige, wegen der Schönheit des Baumes und der ſuͤßen Frucht ge- bildungen. 
muthmaßet haben, es ſey die verbothene Frucht n). Andere vermuthen, daß Adam und 
Eva ihre Bloͤße mit den Blättern bedeckt. Boſman geſteht, daß dieſes wahrſcheinlich 
ſey, erinnert aber dabey, daß dieſelben zur Bedeckung und Bekleidung ſehr ungeſchickt zu ſeyn 
ſcheinen, weil ein Loch in fie wird, wenn man fie mit dem Finger beruͤhret 1). HE 
Es zweifeln einige Schriftiteller, ob die Anana oder der Fichtenapfel, wie die Bana⸗ Anana oder 
na, von einem Baume oder einem Kraute herkomme. Man findet fie in großer Menge Fichtenapfel. 
unweit der Sanaga, und ſuͤdwaͤrts laͤngſt der Kuͤſte. Zu Sierra Leona iſt es die vor⸗ 
nehmſte Frucht. Sie wird ungefaͤhr ſo groß wie eine Peonie, und ſchoͤn gruͤn und gelb. 
Die Frucht iſt feſt und faftig wie eine Melone; man ißt fie mit Weine und Zucker. Ei⸗ 
nige bilden ſich ein, fie habe den Geſchmack von allen Früchten. Atkins hält ihn für 
ſaͤuerlich o). 33 e | | 
Es find in dieſem Theile von Africa haufig, ſowohl Waſſermelonen, welche die Franzo- Waſſerme⸗ 
fen Paſtaques nennen, als andere. Im Koͤnigreiche oval an der Sanaga, heißen fie lonen. 
die erſte Art Ponpon. Die rothen und gruͤnen, welche in Frankreich und Spanien wach⸗ 
ſen, kommen hier zur Vollkommenheit. Die erſtern wiegen oft ſechzig Pfund. Das 
Fleiſch iſt helleroth, der Saft ſuͤße und erfriſchend 7). Man ſieht es leicht, wenn fie reif 
find. Wenn man fie mit einem Stäbchen beruͤhret, oder mit dem Finger daran klopfet: ſo 


klingen fie wie ein holes Brett 7). 


Stengel von Blättern im Mittel der Pflanze. Es 
iſt erſt gruͤn und wird beym Reifen gelb. S. Pur⸗ 
chas Pilgrim im erſten Bande a. d. 406 S. 

c) Barbot ſaget, es ſey roth geſprenkelt, a. d. 
201 Seite. 

) Das Fleiſch iſt weich wie Marmelade und 
wohlſchmeckend, Moore a. d. 67 S. 

e) Lahat vierter Band a. d. 162 u. f. ©. 

7) Arthus a. d. 84 ©. 5 

g) Nach Labat hat es keinen Saamen. Siehe 
oben a. d. 301 S. 

b) Boſmans Beſchreib. von Guinea a. d. 291 S. 


Die 

1) Moore a. d. 7 S. 

4) Labats abendlaͤndiſches Africa, vierter Band 
auf der 165 Seite. 

1) Ebendaſ. vierter Band a. d. 163 ©. 

m) Arthus beym de Bry. 

5) Boſman a. d. 292 S. 

6) Atkins a. d. 48 S. 

pP) Barbot faget, fie wären ungeſchmackt, und 
nirgends fo gut, als in Portugall a. d. 31 

7) Labat dritter Band a. d. Ca S. und fuͤnftes 
Band a. d. 24 D. | 


Hatue: 


geſchichte. 


Ignama. 


Manjok. 


Patatas. 


Erbſen und 
Bohnen. 
Purſelain 
und Kollilu. 


304 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Ignamas iſt ein Kraut, wie die rothen Ruͤben, welches einen fetten tiefen Boden 
erfordert. Die Wurzel iſt rauh, dick, uneben und voll Stränge. Die aͤußere Seite iſt dunkel, 
violetblau, die innere ſo dicht wie die Ribde, und roh und gekocht von einer ſchlammichten 
Weiße, die ins Fleiſchfarbne fällt, Ungekocht iſt es zaͤhe, aber nachgehends leicht, nahrhaft, und 
verdaulich. Man ißt ſie ſtatt des Brodts zum Fleiſche. Sie waͤchſt auf einem viereckich⸗ 
ten Stengel, und jede Seite iſt etwan ein Drittheil eines Zolls breit. Sie kriecht auf 
dem Grunde fort, und ſchießt Faſern aus, die wieder fortwurzeln. Wenn fie Baͤume antrifft: 
ſo windet ſie ſich um ſolche wie Epheu herum. Die Blaͤtter wachſen paarweiſe, an kleinen 
viereckichten Stengeln, die etwas gekruͤmmt ſind. Sie ſind herzfoͤrmig mit einer kleinen 
braungruͤnen Spitze, und ziemlich dicke v). Dieſer Stengel treibt kleine Aehrchen heraus, 
die mit kleinen Bluhmen bedeckt ſind, ſo wie Glocken ausſehen, und der Griffel derſelben 
wird eine kleine Huͤlſe voll kleiner ſchwarzer Saamen. Man zieht die Pflanze gemeiniglich 
daraus, wo man ſie nicht ſelbſt hat; denn ſie vermehret ſich leicht durch Abſchnittlinge, und 
reift in fünf Monaten. Man ſieht das an der Farbe der Blaͤtter, die verwelken, wenn 
die Wurzel reif iſt 9). 

Die Manjok waͤchſt hier im Ueberfluſſe. Da fie aber eigentlich in America waͤchſt: fo 
wollen wir die Beſchreibung davon bis in dieſem Welttheil verſparen. Die Portugieſen 
zu Kachao bedienen ſich des Mehls davon, ſtatt des Brodtes 1). | 

Die Patatas find hier von drey Arten, roth, weiß und gelb. Man zieht fie von Ab: 
ſchnittlingen oder der Wurzel auf. Manche reifen in ſechs Wochen; andere, die man fuͤr 
die beſten haͤlt, brauchen vier Monate. Sie ſind gut, geſund, und naͤhrend, aber ein we⸗ 
nig blaͤhend. Das Blatt hat die Dicke einer Krone, und iſt herzfoͤrmig mit zwo kleinen 
Einkerbungen. Es iſt duͤnne, hellgruͤn, gelinde anzufühlen, und ſchmecket angenehm. 
Der Stengel iſt blaßgruͤn, zart, ſaftig und biegſam. Es treibt viel Sproͤßlinge aus. 
Die Bluhmen ſind klein, wie doppelte Veilchen, und gelb. An ihrer Seite treiben ver- 
ſchiedene zwieſelichte Faͤden hervor, die, ſobald „fie den Boden erreichen, einwurzeln, und 
neue Pflanzen verurſachen. 

Einige von dieſen Patatas find ſehr groß und ſchwer. Gemeiniglich haben fie eine un- 
ordentliche Geſtalt von zweene zu fuͤnf Zoll dicke. Die Farbe des innern Weſens iſt einer— 
ley mit der Farbe der Haut, dieſelbe mag roth, weiß, oder gelb ſeyn. Sie ſind von ei⸗ 
nem angenehmen und reizenden Geſchmacke u). Barbot ſaget, fie hätten nahe bey Auz 
fiſco eine kleine Art weiße Erbſen, und rothe und weiße Bohnen, welche ziemlich gut ſind x). 

Im Anfange der Regenzeit waͤchſt Purſelan daſelbſt wild. Unweit der Gambra 
iſt er ſehr gut, und dem engliſchen aͤhnlich. Es iſt auch ein Kraut da Namens Rollilu, 
welches dem Spinate ſehr aͤhnlich, und eben fo gut zu eſſen iſt 7). Es giebt da, vielerley wilde 
Kräuter, aber die Megern machen nicht viel aus Sallaten, und wundern ſich, daß die Eu— 
ropaͤer, wie fie reden, Gras wie die Pferde und Kühe eſſen. Auch haben fie kein Ver⸗ 
gnuͤgen an Bluhmen, noch einige Achtſamkeit darauf 2). 

a Was 
„) Barbot faget, fie wiegen ordentlich acht u) Labats abendlaͤnd. Africa, fuͤnfter Band 


bis zehn Pfund, ſind weiß und trocken auf dem a. d. 78 S. Barbot a. d. 113 S. 
Gaumen. Beſchreibung von Guinea auf der 113 


ee x) Beſchreibung von Guinea a. d. 30 S. 
) Labat fuͤnfter Band a. d. 80 S. y) Moore a. d. 62 und 108 S. Barbot 
2) Ebendaſ. a. d. 81 S. a ſcheint es unter dem Namen Muellitogue zu be⸗ 


ſchrei⸗ 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XV Cap. 305 


Was ſie an der Sanaga Hirſe nennen, das heißt in America Mahis oder Maez, in 
Frankreich tuͤrkiſcher Weizen, und in Italien Großtuͤrke. Es giebt zwo Arten, großen 
und kleinen. Sie ſaͤen den großen Hirſe im Koͤnigreiche der Fulier am Ende des Weinmo- 
nats, und erndten ihn im Maͤrz und April. Im Lande Soval ſaͤen ſie ihn am Ende des 
Cyriſtmonats, und erndten ihn im May und Brachmonate. 


ratur: 


geſchichte. 


Matiz. 


Den kleinern ſaͤen fie überall nach den erſten Regen, d. i. im Brachmonate. Die 


Erndte iſt im Winter- und Chriſtmonate. | 

Wenn man alſo den Fluß hinauf, d. i. im Lande der Fulier, großen Hirſe haben will, 
ſo muß man ihn um den funfzehnten des Brachmonats ſchicken, aber bey dem kleinern iſt es um 
das Ende des Wintermonats noch Zeit genug. Man beobachtet die Zeit, da die Barken 
über die Sandbaͤnke kommen koͤnnen, die an verſchiedenen Orten des Fluſſes liegen. 

Von beyden Arten wird ſehr viel unter den Negern verzehrt. Sie erhalten ihn an 

dem Stengel, indem fie ihn wo aufhängen und vor Naͤſſe und Ratten ſolchergeſtalt ver— 
wahren. Er haͤlt ſich viele Jahre. Nachdem ſie deſſen noͤthig haben, ſtoßen ſie ihn in einem 
Moͤrſer und ſieben ihn, die Kleyen abzuſondern H. f 

Moore ſaget, man ſetzte das indianiſche Korn in Löcher drey bis vier zuſammen, in 
der Weite von etwa vier Fuß. Es waͤchſt ſolchergeſtalt wie Hopfen, und ſchießt etwa acht 
bis zehn Fuß hoch, als ein großes Rohr, mit auf der Seite herausgewachſenen Blaͤttern. 


Zwo Arten. 


Das groͤßere guineiſche Korn iſt rund, von der Groͤße der kleinſten Erbſen. Sie ſaͤen es 


mit der Hand, wie wir Weizen und Gerſte. Es waͤchſt als ein ſchwaches Rohr, acht bis 
zehn Fuß hoch. Das Korn ſteht oben in einem dicken Buſche. Das kleinere guineiſche 
Korn heißt bey den Portugieſen Manſaroke. Man ſaͤet es gleichfalls mit der Hand, und es 
wird ein ſtarkes eben ſo hohes Rohr, an deſſen Spitze das Korn in einem buſchichten Kopfe 
waͤchſt. Das Korn ſelbſt iſt ſehr klein, ſieht wie Canarienſaamen aus, nur etwas größer c). 

Barbot berichtet uns, dieſes Korn wuͤchſe wie ein gerades Rohr mit vielen Blättern, 
die in zweenen Monaten hervorſchoͤſſen; es haͤtte zwoͤlf Zoll lange Aehren, die in der Weite wie 
Binſenkoͤpfe ausſaͤhen. Das Korn iſt mehr laͤnglicht, als rund, wie Cortanderſaamen. 
Sie erndten es mit einem eiſernen Werkzeuge wie eine Sichel ein; und nachdem ſie es einen 
Monat auf dem Grunde trocknen laſſen, fo ſchaffen fie es in dazu gebaute Hütten, Sie dre⸗ 
ſchen es, wie wir das Korn 4). 

Kuskus, welches die gemeine Speiſe der Negern iſt e), wird aus der Bluͤthe folgen— 
dergeſtalt gemacht: Sie bereiten ſolche zu einem Teige, ſetzen fie in einem irdenen oder hoͤl— 


zernen Topfe, der voll Löcher wie ein Durchſchlag und oben zugekleibt iſt, übers Feuer, 


mit kochendem Waſſer, in welchem fie ihn beſtaͤndig rühren, daß er ſich nicht verdickt 7). 
Auf dieſe Art entſtehen kleine, runde, trockne, harte Klumpen, die ſich eine gute Zeit halten, 
wenn man fie vor Naͤſſe bewahret. Beym Gebrauche werden fie mit warmem Waſſer be⸗ 
ſprengt, davon ſie wie Reiß quellen. Es iſt eine geſunde, leichte und nahrhafte Speiſe, wie 
man an den Negern ſieht, die ordentlich ſtark und geſund find g). 


Sanglet 
ſchreiben. Beſchreibung von Guinea auf der 113 e) Siehe oben a. d. 192 S. 
Seite. g 5) Moore a. d. 109 S. 
a) Barbot a. d. 32 S. g) Es iſt die gewöhnliche Speiſe der Negern 


6) Labat zweyter Band a. d. 165 u. f. S. und Moren, ob es Barbot gleich für hart und 
c) Moore a. d. 31 u. f. S. unverdaulich erklaͤrt. Beſchreibung von Guinea 
4) Barbot a. d. 40 S. auf der 49 Seite. 


Allgem. Keiſebeſchr. III Band. | Qq 


Kuskus. 


Natur⸗ 


geſchichte. 
e Nee 


Sanglet. 
Jer notte. 


Reiß. 


Carmeſin⸗ 
blume. 


Thiere. 


306 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Sanglet iſt nur das Mehl vom Maize, deſſen fie ſich, wie wir uns des Weizenmehls, 
bedienen, und es eben fo hoch ſchaͤten. Die Aermern eſſen es. Sie kaufen und verkau⸗ 
fen den Maiz enkweder gruͤn, oder im Korne. Ein Faß des letztern gilt ordentlich vier bis 
acht Livres in europäifchen Waaren. Man handelt an der Sanaga ſtark damit, weil das 
Land auf beyden Seiten viel trägt Y. 5 

An verſchiedenen Orten, beſonders beym gruͤnen Vorgebirge, waͤchſt eine Feldfrucht, 
Jernotte :) genannt, die zwar dem Maize ähnlich, aber kleiner iſt, und wild ohne Feldbau 
fortkoͤmmt. Das Korn iſt in eine dünne rothe Huͤlſe eingeſchloſſen, die ein weißes, dichtes 
zerreibliches Weſen enthält, welches ſehr wohlſchmecket. Die Aehre iſt etwa zweene Zoll 
lang, und einen Vierthelzoll dick. Die Schwarzen richten es wie den Maiz zu A). 

Reiß waͤchſt in Menge auf den Ufern und Inſeln der Sanaga, an der Gambra, und 


an andern Oertern der Kuͤſte, beſonders wo die Fluͤſſe austreten. An der Kuͤſte bey Ka⸗ 


chao, und ſuͤdwaͤrts von Biſſao, iſt guter Reißhandel )). Man ſaͤet den Reiß in feuch⸗ 
ten Boden, und er waͤchſt ſo hoch, wie unſer Weizen. Von dem Gipfel des Stammes 
ſchießen ſchwache Stengel heraus, welche Aehren in großer Menge tragen: ſo daß ein Vier⸗ 
thel Ausſaat oft vierzig Scheffel giebt; gleichwohl ſind ſie ſo nachlaͤßig, daß ſie oft Mangel 
haben. Herr Moore ſaget, der Reiß wuͤrde nach Furchen, wie die Erbſen in England, 
geſteckt. Er waͤchſt in feuchtem Boden, und hat Aehren wie die Gerſte m). 

Die Felder und Waͤlder ſind mit verſchiedenen Arten wilder Blumen geſchmuͤckt, die 
keine beſondere Schönheit haben, und von den europaͤiſchen ganz abgehen. Eine Art von 
ſchoͤner Carmeſinfarbe iſt derjenigen ähnlich, die im Franzoͤſiſchen Belle de Nuit heißt: aber 
die Schwarzen haben keinen Gefallen an Blumen 1). 

Eine Blume, Namens Bunning, wie unſere Waſſerlilien, hat einen ſcharfen ſauren 
Geſchmack, wie Sauerampfer. Die Engländer brauchen fie zur Brühe oder Tuͤtſche 0). 


r ES ZILSISELSELZESSLZEISZER 
Das XVI Kapitel. 
Von den wilden und zahmen Thieren. 
Inhalt. 


Thlere in dieſem Theile von Africa. Der Löwe. Seltſame Geſchichte. Großmuth eines Löwen. 
Seine Beſchreibung. Sein Geſicht und Zunge. Geſchichte von einer Loͤwinn. Ein Loͤwe wird von 
Traurige Begebenheit. Hals und Maͤhne. Fuͤße, einem Bocke beſiegt. Kampf mit einem Eber. 
Klauen und Schwanz. Seine Neigungen. Lu⸗ Wie man die Löwen fängt. Jakal. Beſchrei⸗ 
ſtiger Kampf mit einem Eſel. Der Lowe fuͤrch⸗ bung des Tygers. Kampf mit einem Schwei⸗ 
tet ſich vor den Weibsbildern, und vor Schlans ne. Ihre Wuth. Katzentyger. Leopard. Ounce. 
zen. Wie er geſtohlen und gezaͤhmet wird. Wolf. 


Jas weite feſte Land von Africa, von dem weißen Vorgebirge, bis nach Sierra 
Leona, iſt voll von allerley Thieren, beſonders raͤuberiſchen, als die hier ſichere 
Wohnplaͤtze finden. Unter dieſen ift der Löwe der Vornehmſte, welcher mit Rechte 


der Koͤnig der Thiere genannt wird. Africa 


5) Labats abendlaͤndiſches Africa II Band ſey eine ſchwarze Wurzel. Siehe auf ber 30 und 
a. b. 167 u. f. S. 40 Seite. 
1) Barbot ſaget, es ſchmeckte wie Haſelnuß, und 4) Labat im III Bande a. d. 92 ©. 


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III 


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Natur⸗ 


geſchichte. 
u 


Luſtiger 
Streit. 


Der Loͤwe 
fuͤrchtet ſich 
vor Weibs⸗ 
bildern, 


und vor 
Schlangen. 


38 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

Thiere ſeyn, nicht zu fürchten. Wenn er keine Luſt hat, fie anzufallen: fo geht er veraͤcht— 
lich vorbey, und ſetzet feinen Weg langſam fort. Treibt ihn aber der Hunger: fo fällt er 
alles an, und der geringſte Widerſtand vermehret nur ſeine Wuth; ſo daß es gefaͤhrlich iſt, 


ihn zu verwunden, wo man ihn nicht niedermachen kann. Wie ungleich auch die Partey 


iſt: fo kehret er nie den Ruͤcken; wenn er aber ſich zurückzuziehen genoͤthigt iſt, ſo thut er fol- 
ches auf dieſe Weiſe, daß er langſam ruͤckwaͤrts geht, bis er einen Wald oder ſichern Platz 
erreichen kann. a 

Ein florentiniſcher Edelmann hatte ein ſo boshaftes Maulthier, daß es nicht nur zum 
Dienſte untauglich war, ſondern auch alle Knechte und Pferde, die ihm zu nahe kamen, 
ſchlug und biß. Wie er fand, daß alle Mittel es zu beſſern nichts helfen wollten: ſo beſchloß 
er, es den wilden Thieren des Großherzogs von Florenz preiszugeben. Es wurde in die— 
fer Abſicht in den Thiergarten gebracht, und ein Loͤwe losgelaſſen, deſſen Brülfen ſonſt jedes 
Thier, als das Maulthier, würde erſchreckt haben. Das Maulthier aber, ohne einige Be— 
ſtuͤrzung zu zeigen, machte ſich ſehr kluͤglich in den Winkel des Hofes, wo es nur von hin— 
ten, da es feine meiſte Staͤrke hat, konnte angegriffen werden. In dieſer Stellung erwar- 
tete es ſeinen Feind, richtete das Auge ſtets nach ihm, und kehrte ihm das Hintertheil zu, 
nachdem er um daſſelbe herumgieng. Der Loͤwe ſchien die Schwierigkeit des Angriffs zu 
merken, und bediente ſich aller feiner Liſt, es aus feiner Hut zu bringen. Endlich erſah das 
Maulthier feine Gelegenheit, und gab dem Owen einen ſolchen Gruß mit feinem Hinter 
fuße, daß es ihm acht oder zehn Zaͤhne ausſchlug, von denen die Stuͤcken in die Luft flogen. 
Der Löwe ſah, daß nichts mehr für ihn zu thun war, zog ſich weislich zurück in fein Be⸗ 
haͤltniß, und ließ das Feld dem Maulthiere ). 

Einige behaupten, der Lowe hätte eine beſtaͤndige Hitze oder ein Fieber im Blute. Herr 
du Vernay hat bemerket, daß die Gallenblaſe dieſes Thieres verſchiedene Falten hat, wor: 
aus er muthmaßet, daß es ſehr viel Galle beſitze. Sein gewoͤhnlicher Raub ſind ſchwaͤchere 
Thiere, ausgenommen wenn er hungerig iſt; denn da ſchonet er nichts, was ihm vorkoͤmmt, 
als die Weibsbilder, die er nicht ſehen kann. Der beruͤhmte Reiſende, Paul Lucas, ver⸗ 
ſicherte den Labat, daß er es bey la Mometta, unweit Tunis, mit Augen geſehen, wie die 
Weiber des Landes die Löwen mit Stoͤcken und Steinen verfolget, ihnen den Raub abzu— 
jagen, welchen ſie auch eher fahren laſſen, als daß ſie die Weibsbilder angegriffen. 

Der Lowe leidet lange Durſt. Einige ſagen, er traͤnke in drey bis vier Tagen nur 


einmal, aber ſehr ſtark, wenn er einmal Waſſer findet. Es iſt ein gemeiner Irrthum, daß 


ihn das Kraͤhen eines Hahns erſchreckte: allein man hat Exempel, daß er ſich an Federvieh 
nicht gekehrt. Vor Schlangen aber fuͤrchtet er fich ſehr; fo daß es bey den Moren gewoͤhn— 
lich ift, wenn ein Löwe fie heftig verfolgt, daß fie ihren Turban abnehmen r), und ſolchen vor ſich 
nach Art einer Schlange bewegen; welches der Loͤwe kaum geſehen hat, da er ohne weitere 
Unterſuchung ſich fortmacht. | 
Da dieſe Leute bey ihrer Jagd oft den Löwen antreffen: fo ift merkwuͤrdig, daß ihre 
Pferde, die wegen ihrer Schnelligkeit fo berühmt find s), vor Schrecken unbeweglich ſtehen 
bleiben, und die Hunde zu ihres Herrn oder der Pferde Füßen kriechen. Das ſicherſte 5 
da 
7) Ebendaſelbſt a. d. 16 u. f. ©. 4) Dieß wird auf der 27 Seite des vorerwaͤhn⸗ 
7) Dieß feheint aus der 27 Seite am Ende des ten Briefes bekraͤftigt. 
Briefes von des Herrn Frejus Reiſe uach Mauris t) Labats abendlaͤndiſches Africa II Band 
tanien im Jahre 1671 genommen zu ſeyn. a. d. 21 u. f. S. | 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVI Cap. 309 


daß man abſteigt, und das Pferd ihm zum Raube uͤberlaͤßt. Iſt aber der Löwe zu nahe, 
und man hat keine Gelegenheit, Lunte anzuzuͤnden, oder Feuer anzuſchlagen, welches ein 
ander Mittel iſt, ihn wegzujagen: ſo thut man am beſten, wenn man ſich ſtill auf die Erde 
leget, in welchem Falle der Lowe, wo er nicht ſehr hungerig iſt, ernſthaft vorüber geht, als, 
ob er mit der Ehrenbezeugung, die man ihm machet, zufrieden wäre 1). 


Natur⸗ 
geſchichte. 


Der Löwe iſt ſtark und wohlgemacht. Die africaniſchen find ordentlich fo groß, als die Wie er ge: 


barbariſchen Pferde. Die Loͤwinn hat zwar nur zwo Zitzen, aber oft vier Junge, und mand)- 
mal mehr. Man ſaget, fie würden mit offenen Augen geworfen. Wenn die Moren eine 
$ömenhöfe finden, und Junge in felbiger antreffen: fo führen fie ſolche weg, um fie an die 
Europaͤer zu verkaufen. 2) Sollte die Loͤwinn aber ihren Räubern aufſtoßen: fo werfen 
ſie eins davon hin; und weil ſie ſolches zuruͤcktraͤgt, ſo entrinnen ſie mit den uͤbrigen. 


ſtohlen und 
gezaͤhmet 


Die Geſchichte geben viele Beyſpiele von der Guͤtigkeit und Großmuth dieſes Thieres. Seltſame 


gabat erwähnt zweene, die er von Leuten hatte, die es mit angeſehen. Bruder Joſeph 
Colombes, ein Jacobinermoͤnch von Marſeille, war zu Mequinez in der Sklaverey, und 
hatte mit einem ſeiner Cameraden beſchloſſen, zu entfliehen. Weil er gut ſteuern konnte: 
fo hoffte er den Weg nach Larache, welches den Portugieſen auf dieſer Kuͤſte gehoͤret, zu 
finden. Sie kamen fort, und reiſeten nur bey der Nacht; den Tag uͤber blieben ſie in den 
Wäldern, oder bedeckten ſich mit Buͤſchen vor der Sonnenhize. Nach zweenen Tagen 
kamen ſie zu einem Teiche, welches das erſte Waſſer war, das ſie antrafen, und ſahen un⸗ 
weit davon einen Löwen, gleich als ob er ſolchen bewachte. Nach einiger Berathſchlagung 
knieten fie vor das Thier nieder, und erzählten ihr Unglück auf das klaͤglichſte. Der Löwe 
ſchien gerührt zu ſeyn; denn er machte ſich etwas beyſeite, als ob er ihnen Freyheit zu trin⸗ 
ken gäbe. Dieſes gab dem Kuͤhnſten Zeit, zum Teiche zu gehen, und feine Gefäße zu fuͤl⸗ 
len, da indeß der andere in feiner Bitte fortfuhr. Nachgehends giengen fie bey dem Loͤwen 


Geſchichte. 


vorbey, der ſich gar nicht anſtellte, als ob er ſie verletzen wollte, und kamen den Tag darauf 


gluͤcklich nach Larache. | 

Die andere Begebenheit trug ſich zu Florenz zu. Ein Lowe des Großherzogs war aus 
ſeinem Behaͤltniſſe gebrochen, und in die Stadt gekommen, wo er große Unruhe machte. 
Unter andern floh ein Weibesbild mit ihrem Kinde in den Aermen vor ihm. In der Angſt 
ließ fie das Kind fallen, welches der Löwe nahm, und es freſſen zu wollen ſchien. Die 
Mutter lief bey dieſer Gefahr zum Loͤwen, und bath ihn fußfaͤllig um ihr Kind ). Das 
Thier ſah ſie an, ſchien durch ihr Flehen bewegt zu ſeyn, und machte ſich fort, ohne das 
Kind zu beſchaͤdigen ). | 

Folgende Geſchichte bekraͤftiget die Großmuth diefes Thieres noch mehr. Zweene Ehri- 
ſtenſklaven hatten ſich im Jahre 1614 vereinigt, nach Mazagan, welches den Portugieſen 
gehört, zu entrinnen, und ſuchten den zweyten Morgen einen Baum, ſich den Tag über zu 
verbergen, fanden aber zu ihrem großen Erſtaunen einen Loͤwen bey ſich, der gieng, wenn 
fie giengen, mit ihnen ſtillſtund, und fie allzeit im Geſichte behielt. Bald darauf wurden 
ſie von einigen Verfolgern zu Pferde faſt erreicht; der Lowe aber legte ſich vor, und noͤthigte 
jene, zuruͤckzukehren, und begleitete dieſe armen Sklaven, bis ſie Mazagan erblickten 7 

2 3 Im 


Großmuth 


einesdoͤwen. 


„) Zweene dergleichen wurden dem Herrn Ar“ 4) Warum bath ſie, weñ er vor Weibsbildern flieht? 


gebracht, der fie gezͤhmt mitnahm. Siehe den Brief 5) Aabat im II Bande a. d. 26 u. f. S. 
am Ende von Frejus Reiſe a. d. 25 S. 2) Siehe vorerwaͤhnten Brief a. d. 29 S. 


Ylatue: 


geſchichte. 
— 


Geſchichte 
von einer Loͤ⸗ 
winn. 


Ein Ziegen⸗ 
bock beſiegt 
einendoͤwen. 


Kampf mit 
einem Eber. 


Wie man ſie 
fängt. 


Eigenſchaft 
ſeiner Haut. 


Jakal. 


30 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Im Fort Louis war eine große ſchoͤne Lwinn, welche man gefangen hatte und gefeſſelt 
hielt, um fie nach Frankreich zu ſenden. Dieſes Thier bekam eine Krankheit an den Kinn— 
backen, die man bey ihnen für fo toͤdtlich Halt, als die Bruſtwaſſerſucht bey Menſchen. Es 
konnte nicht freſſen, und ward dadurch bald aufs aͤußerſte abgemattet. Die Leute hielten es 
für todt, nahmen die Kette ab, und ſchleppten den Körper vor das Fort. In dieſer Beſchaf⸗ 
fenheit fand Hr. Compagnon 4), der Erfinder von Bambuk, bey ſeiner Ruͤckkehr von der 
Jagd, die zo winn. Ihre Augen waren geſchloſſen, der Rachen offen, und voll Ameiſen. Er 
erbarmte ſich; und weil er noch etwas Leben fand, wuſch er ihr den Rachen mit Waſſer, 
und goß etwas warme Milch hinein. Dieſes belebte ſie wieder, man brachte ſie nach dem 
Fort, und ſorgte aufs beſte fuͤr ſie. Sie gewann den, der ihr dieſen Dienſt erwieſen, ſo 
lieb, daß ſie nichts, als von ihm freſſen wollte, und ihm an einem Stricke, wie ein zahmer 
Hund, folgte b). | 

Das Glück ift bisweilen ſchwaͤchern Thieren fo günftig, daß fie den Löwen befiegen. 
Da Herr Brüe zu Fort Louis Director war: fo ward eine Heerde von den Moren erkauf— 
ter Ziegen dahin gebracht. Im Fort war ein $öwe, den man daſelbſt vier Jahre wohl— 
gefuͤttert gehalten hatte. Der Anblick dieſes Thieres erſchreckte die armen Ziegen dergeſtalt, 
daß fie alle, bis auf einen Bock, flohen. Dieſer ſah den Loͤwen kuͤhn an, trat einen Schritt 
zuruͤck, und ſtieß feine Hörner mit fo ploͤtzlicher Gewalt gegen des Löwen Stirne, daß er 
beſtuͤrzt ward. Dieß wiederholte er, bis er den Löwen fo in Verwirrung brachte, daß er 
wie ein Hund zwiſchen des Herrn Bruͤe Fuͤße vor ſeinem ſo ſchrecklichen Gegner kroch. 

Ob ſich ſchon einige Thiere mit den Löwen einlaſſen: ſo gehoͤret doch der Elephant nicht 
unter derſelben Zahl. Seiner Größe ungeachtet wird er den Löwen zum Raube. Der 
Eber machet fich öfters an fie c). Man fand im Jahre 1695 in einem Moraſte bey Ma⸗ 
rokko, welcher voll ſtarken Rohrs war, einen Löwen und Eber, welche beyde an den Wun⸗ 
den ſtarben, die ſie einander an dieſem Platze wechſelsweiſe beygebracht hatten, wo alles 
niedergeriſſen und blutig war 4). 

Der Löwe bemaͤchtiget ſich feines Raubes mit großer Ueberlegung. Er ſpringt nicht 
gerade darauf zu; ſondern geht im Kreiſe herum, kriecht auf der Erden, und thut einen 
ſtarken Sprung, wenn er ſieht, daß er ihn erreichen kann. Die ungen find leicht zu zäh: 
men. Sie hatten einige davon, die fo zahm waren, als Hunde e). 

Die Löwen zu fangen, werden ordentlich tiefe Graben gemacht, die fie mit Erde und 
Aeſten bedecken, und ein Stuͤcke Fleiſch als Luder darauf laſſen. Wenn er alſo in der 
Schlinge gefangen iſt: ſo machen ſie ihn vollends mit ihren Aſſagayen und Pfeilen nieder, 
und verzehren das Fleiſch 7). 

Die Moren brauchen feine Haut zu Bettkuͤſſen, in Europa werden Kutſchenbeſchlaͤge 
und Pferdezeug daraus gemacht. Sie hat eine merkwuͤrdige Eigenſchaft, daß in dem Zim⸗ 
mer, wo ſie ſich befindet, keine Ratten und Maͤuſe dauern, wovon Paul Lucas den Labat 
aus eigener Erfahrung verſicherte ). 

Man ſaget, der Löwe hätte ein Thier, Namens Jakal, zur Begleitung, welches ihm 
ſeinen Raub aufſuchte. Jobſon bemerket, wie er in der Gambra geankert, ſo haͤtten ſie in 

der 
a) Die Entdeckung ſiehe II Band a. d. 495 S. c) Die Geſchichte ſcheint aus dem Briefe beym 


4) Marchais Reife nach Guinea, 1 Band, auf Frejus genommen zu ſeyn, a. d. 46 S. wo das 1615 
der 125 Seite. Jahr angegeben wird. N 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVI Cap. 31 


der Nacht das Laͤrmen von dieſem Thiere gehört, welches für den Löwen gejagt, und des Natur⸗ 
doͤwen Antwort vernommen; daß es eine gewöhnliche Redensart unter ihnen geweſen waͤre: geſchichte. 
wer will ans Land gehen, und den Jaͤgermeiſter begleiten Y): N 

Bosman verfichert, der Jakal oder wilde Hund ſey dem Tyger an Grauſamkeit am 
nächften, freffe was ihm vorkoͤmmt, Menſchen und Thiere, als Kühe, Schweine, Schafe 
uff. Zu Akra an der Goldkuͤſte kommen fie bey Nacht unter die Wälle, die Schweine 
oder Schafe zu holen; es werden ihnen aber, fie zu toͤdten, Selbſtſchuͤſſe gelegt, welche ſelten 
fehlen. Der Verfaſſer ſah eins im Jahre 1700, welches von des Königs von Rommani 
Bedienten im hollaͤndiſchen Caſtelle geſchoſſen worden. Es war ſo groß, als ein Schaf, 
mit laͤngern Schenkeln, und nach Verhaͤltniß dicke. Es war mit kurzen fleckigten Haaren 
bedeckt, der Kopf ſehr groß, flach und breit, mit Zähnen, deren jeder eines Fingers Breite 
hatte, in welchen, nebſt den entsetzlichen Klauen, feine größte Stärke zu liegen ſcheint. 

Eine von dieſen Beſtien kam des Nachts in eines Negern Haus nach Akra, wo ſie 
eine Negerinn wegnahm, die ſie uͤber ihren Ruͤcken ſchwang, und mit dem einen Fuße feſt⸗ 
hielt, auf den andern dreyen aber gieng. Aber der Gefangenen Geſchrey erweckte einige 
Regern, worauf fie bald befreyet ward, und nur von der Klaue, mit der fie gehalten wor⸗ 
den, eine kleine Beſchaͤdigung behielt ). 

Die Tyger find hier von der Größe eines ziemlichen Spuͤrhundes. Man ſaget, die Beſchrei⸗ 
abyßiniſchen waͤren viel groͤßer. Ihre Haut wird durch verſchiedene farbichte Flecken, die bung des 
wohl ſchattirt und geordnet ſind, geziert. Das Haar iſt ſanft und glatt; der Kopf gleicht den Tygers. 
Katzen, die Augen ſind gelb und wilde, der Anblick ſchlau und grauſam, die Zaͤhne ſpi⸗ 
tzig und ſcharf, die Zunge rauh wie eine Feile, die Muskeln lang, der Koͤrper iſt ſchlank und 
dünne, daß fie ſchnell wie eine Katze ſpringen. Der Schwanz iſt lang, mit kurzen Haaren 
bedeckt, die Schenkel ſind wohlproportionirt, biegſam und ſtark, und die Fuͤße mit ſcharfen 
Klauen bewaffnet. Er iſt ſehr gierig, und greift oft groͤßere Thiere, als er ſelbſt iſt, z. E. 

Ochſen und Elephanten, ſehr geſchickt an. Der africaniſche Tyger iſt wilder, als die in 
Aſien, Neuſpanien oder Peru. Das Fleiſch iſt gut. WR 

Da Herr Bruͤe alle mögliche Mittel gebraucht hatte, dieſe grauſame Neigung eines Kampf mit 
Tygers, den er zu Fort Louis aufgezogen hatte, zu zaͤhmen und zu beſaͤnftigen: fo war er einem 
eines Tages begierig, zu ſehen, wie ſich ein Schwein gegen denſelben vertheidigen wuͤrde. Schweine. 
Er ließ eins aus der Heerde nehmen, und die andern ans Ende der Inſel treiben. Der 
Tyger ward auf ſolches losgelaſſen, und nach einem kurzen Scharmuͤtzel zog ſich das Schwein 
in einen Winkel des Walles, wo der Tyger eine gute Zeit keinen Vortheil uͤber daſſelbe er— 
halten konnte. Endlich gieng er ihm fo nahe auf den Leib, daß das Schwein vor Schrecken 
ein entfegliches Geſchrey erhub, wodurch die ganze Heerde ihm zu Huͤlfe gelaufen kam; alle 
zuſammen fielen mit ſolcher Hitze auf den Tyger, daß er ſich zu retten in den Teich ſpringen 
mußte, wohin ihm feine Feinde nicht zu folgen wagten ). | 

Die Tyger auf der Goldkuͤſte find von ganz anderer Natur, als die europaͤiſchen; denn Ihre Grau⸗ 
fie rühren die Weißen nicht an, freffen aber die Negern begierig. Sie find wilder und ſamkeit. 
grauſamer, als die dowen. Im Hunger machen fie ſich in die Städte, und führen das 

erſte 


4) Labat, 2 Band, a. d. 30 S. . g) Ebendaſ. 2 Band, a. d. 35 ©. 

e) le Maires R. nach den Canarieninſ. a. d. 68 S. bh) Jobſons Goldhandel, a. d. 136 S. 

7) aber, am oberrangef. Orte, 2 Band, a. d. 33 1) Bosmans Beſchr v. Guinea, a. d. 246 u. f. S. 
Seite. Siehe auch den 3 Band, a. d. 304 O. k) Aabat, 2 Band, a. d. 37 u. f. S. 


za Reifen langst der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur- erſte Thier, welches fie antreffen, weg, auch in Gegenwart der Negern, die fie oft auffreſſen. 
geſchichte. Sie ſind ſchwer zu fangen, und werden mit vergifteten Pfeilen geſchoſſen. Sie machen ſich 


Tygerkatze. 


Leopard. 


Ounee. 


zur Flucht Platz, ob fie wohl oft in ſolcher todt hinfallen. Die Regern legen a Fallen 
wie unfere Mäufefallen, mit Fleiſche geludert, und toͤdten fie in ſolchen mit Pfeilen 2). 
Auf der Goldkuͤſte find unglaublich viel Tyger, manche fo groß, als Büffel. Es giebt 


vier bis fünf Arten, die an Größe und Wildheit, auch Flecken verſchieden find, Ob Leo⸗ 


parden und Panther Arten von Tygern ſind, das konnte Bosman von niemanden erfahren, 
und er fand den Plinius ſo irrig, daß er ihn bey der Beſchreibung der Thiere nicht nennens⸗ 
werth haͤlt. Die Negern unterſcheiden die Tyger mit verſchiedenen Namen, die er im 
Hollaͤndiſchen nicht auszudruͤcken wußte, und nur bemerket, daß ſie alle raͤuberiſch ſind, und 
viel Unglück ſtiften. i N f 

Sie ſchonen weder Menſchen noch Vieh, greifen aber die erſtern nicht an, ſo lange noch 
an den letztern kein Mangel iſt; ſonſt iſt gewiß alles, was ihnen von Menſchen vorkoͤmmt, 
todt. Doch koͤnnen die Jungen ſo zahm gemacht werden, daß man mit ihnen wie mit 
Hunden oder Katzen ſpielet. 8 a 

Bosman hatte acht dergleichen zu Elmina geſehen, von denen der Generaldirector 
zweene beſaß. Er bemerkte aber, daß ihre Natur bey einer oder der andern Gelegenheit 
immer hervorbrach, und ihnen daher ohne Vorſicht nicht zu trauen iſt m). 

Der Tyger, ſaget le Maire, iſt wilder, als der Lowe, und fällt ohne Unterſchied auf 
Menſchen und Vieh. Die Schwarzen toͤdten viele davon mit ihren Aſſagayen und Pfei⸗ 
len, des Felles wegen. So lange fie leben, ergeben fie fich nie, und gemeiniglich toͤdten fie 
einen, ehe ſie fallen. | Ben: 

Die Tygerkatze heißt fo wegen ihrer ſchwarzen und weißen Flecke. Sie haben die Ge⸗ 
ſtalt einer europäifchen Katze, find aber viermal fo groß. Von Natur ſind fie gefraͤßig, und 
freſſen Mäufe, Ratten, und dergleichen. Sie find von dem Tyger in nichts, als der Größe, 
unterſchieden 7). 

Der Leopard iſt grauſam und geſchwind. Doch greift er nie einen Menſchen an, als 
in einem ſo engen Platze, da es nicht zu vermeiden iſt. Alsdenn ſpringt er ihm ins Ge⸗ 
ſicht, reißt das Fleiſch mit den Klauen herunter, und toͤdtet ihn ſolchergeſtalt. Er iſt ein 
Todtfeind der Hunde o). | 

Der africaniſche Dunce ift von der Leopardenart, mit ſchoͤngefleckter Haut. Er ift ſehr 
leicht und ſchnell, von der Größe eines Spuͤrhundes, hat einen runden Kopf, weiten Rachen und 
ſcharfe Zaͤhne. Sein Anſehen hat nichts wildes, er iſt aber doch ſehr raubgierig, und 


ſchweift um die Dörfer und Heerden herum, Schafe und Federvieh zu erhalten. Man 


weis felten, daß er Menſchen oder Kinder anfaͤllt p). 
Jobſon faget, es gebe längit der Gambra viele Ounces und Leoparden, deren Haͤute 
die Schwarzen zum Verkaufe bringen. Man wies ihm daſelbſt ein Kind, das in der zar— 


teſten Kindheit von der Mutter, welche nach einer Waſſerquelle gegangen, an der Thüre auf 


einer 


7) Arthus beym de Bey Ind. Or. s Theil auf ») le Maires Reiſe nach den Canarieninſeln, auf 
der 78 Seite. der 68 u. f. S. A; 
0) Ebendaf. 
m) Bosmans Beſchreibung von Guinea, a. d. 7) Acbats abendlaͤndiſches Afriea, 4 Band, auf 
245 u. f. OS. der 361 Seite. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVII Cap. 313 


einer Matte gelaſſen worden. Ein Dunce nahm die Matte und das Kind mit; die Mut- TTatur⸗ 
ter verfolgte ihn mit großem Geſchreye, und das Thier floh gleich dahin, wo der Vater geſchichte, 
nebſt andern im Felde arbeiteten, die es alle zuſammen verfolgten, da es aber feinen Raub be= 
ſtaͤndig behielt. Doch das Kind fiel aus der Matte, welches die Eltern freudig aufhuben, 
da indeß der Dunce die Hülle fortſchleppte. Dieſes Thier iſt fo kuͤhn, daß es oft einen 
kleinen Hund, den ſie, ihre Huͤtte am Ufer der Gambra zu bewahren, hielten, zitternd an 
ihr Bette trieb, fo daß fie aufſtehen, und ihm mit Feuerbraͤnden verjagen mußten 6/0. 

Le Maire haͤlt den Ounce fuͤr eine Art vom Tyger, und mit dem Panther fuͤr einer— 
ley, ſaget aber, man hielte ihn fuͤr wilder, als den erſten, und ſeine Haut fuͤr ſchoͤner, ob ſie 
wohl eben ſo gefleckt waͤre cc). . a 

Der Wolf iſt in nichts von den franzoͤſiſchen unterſchieden Ad), außer daß er größer Wolf. 
und grauſamer iſt. 


„ K* K K * * R *R X * K X R X XK XK K XK R * K * * XK K K R K * X K * * 


Das XVII Kapitel. 
Wilde und zahme Thiere. 
Der ! Abſchnitt. 


Der Elephant. Sein Ruͤſſel. Mund und Zähne. heerdenweiſe ins Land. Thun viel Schaden. 
Groͤße und Arten. Schwer, aber doch ſchnell. Schwer zu toͤdten. Beyſpiel. Trauriger Vorfall. 
Farbe und Haut. Speiſe und Magen. Seine Mit Kugeln und Aexten faſt nicht zu beſchaͤdigen. 
Feinde unter den wilden Thieren. Sie theilen ſich Buͤffel. Nicht gemein. Wilde Kuͤhe und Eber. 


5 er Elephant iſt unſtreitig das groͤßte unter den bekannten Thieren auf der Erde. Elephant. 
Nordwaͤrts der Sanaga find ihrer wenig, aber ſuͤdwaͤrts in Menge. So ver: 
ſchwenderiſch die Natur gegen dieſes Thier mit Mittheilung der Materie geweſen, 
ſo nachlaͤßig hat ſie ſich bey ſeiner Geſtalt bezeiget. Nichts iſt ungeſchickter zu ſehen. Ein 
unförmliches Haupt, deſſen Ohren, fo lang, breit und dicke fie auch find, doch daran klein 
ſcheinen, und die Augen, die ebenfalls groß ſind, auch klein ausſehen 4). 
Seine Naſe ift breit, und fo verlängert, daß fie den Erdboden berührt, welches der Ruͤſſel. 
Ruͤſſel genennt wird. Dieſer Theil iſt fleiſchicht und nervicht, wie eine Röhre hohl, biegſam, 
und ſo ſtark, daß er damit kleine Baͤume, und die Aeſte von den großen zerbricht und abreißt, 
und ſich durch die dickſten Waͤlder den Weg bahnet. Er hebt auch damit die ſchwerſten 
Laſten von der Erde auf den Ruͤcken 5). Er holet dadurch Athem, und riecht dadurch. Kurz, 
es iſt eine Naſe, die ſich vom Kopfe nach und nach verkleinert, und in dieſen beweglichen 
Knorpel endigt, der aus zwo Oeffnungen beſteht, die ſich nach Gefallen verſchließen. Er 
hebt mit dieſem Ruͤſſel die kleinſten Körper auf c). Ohne denſelben müßte er verhungern; 


denn 
bb) Jobſons Goldhandel, a. d. 138 S. 5) Jannequiu ſaget, er truͤge mit feinem Ruͤſſel 
ec) le Maire, an oben angefuͤhrtem Orte, auf der eine aroße Canone eine Meile. Siehe deſſen Voy. 
69 Seite. de Lybie, a. d. 146 S. 
dd) Ebendaſ. c) Wie wir mit Fingern und dem Daume, hebt 
a) Siehe die Figur. er die Sachen mit dieſem Gelenke auf. \ 


Allgem. Reiſebeſchr. II Band. Re 


314 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur- denn fein Nacken iſt fo dick von Fleiſch, und fo ſteif, daß es ihm unmoͤglich faͤllt, ſein Haupt 
geſchichte, wie andere Thiere zum Freſſen genug zu beugen, und er alſo ſterben muß, wenn fein Ruͤſ— 
ſel beſchaͤdigt iſt. 
Mund und Sein Mund liegt unter dem Ruͤſſel, in dem niedrigſten Theile des Kopfes, und ſcheint 
Zähne. faft mit der Bruſt verbunden zu ſeyn. Die Zunge iſt zu feiner Größe klein. Er hat in 
jedem Kinnbacken nur vier Zähne, um die Speiſe, welche der Ruͤſſel liefert, zu zermal— 
men 4). Zur Vertheidigung gegen feine Feinde hat ihm die Natur zweene längere Zähne 
gegeben, die aus dem obern Kinnbacken herausgehen, und verſchiedene Fuß lang ſind. Mit 
ſelbigen greift er feine Feinde heftig an. Man verkaufet fie unter dem Namen der Ele— 
phantenzähne oder des Elfenbeins. Ihre Größe richtet ſich nach dem Alter des Thieres. 
Sie find bis auf die Hälfte hohl, alsdenn dichte, und am Ende ſpitzig. Da die Europäer 
dieſe Zaͤhne gut bezahlen, fo bekriegen die Negern die Elephanten beftändig derentwegen. 
Sie jagen dieſelben bisweilen verſammlet, und toͤdten fie mit ihren Aſſagayen und Pfeilen, 
öfterer aber machen fie Gruben in den Wäldern, durch die fie ziehen, und wo fie ſich mit 
ihren breiten Fußſtapfen verrathen e). | 
Größe und Ihr Fleiſch ift etwas vortreffliches fuͤr die Schwarzen, beſonders wenn es eingeſalzen 
Arten. iſt, und dienet ihnen auf lange Zeit; denn ein guter Elephant giebt mehr als vier bis fuͤnf 
Ochſen. Sie ſind hier ordentlich von acht bis zehn Fuß lang, zehn bis zwoͤlf Fuß hoch, und 
nach Verhaͤltniß dicke. Man theilet fie hier in drey Arten, nicht als ob ihre Geſtalt verſchie— 
den wäre, ſondern von den verſchiedenen Orten, wo man fie antrifft. Die, welche in bergich— 
ten und wuͤſten Plaͤtzen ſind, ſind wilder, ſcheuer und ſchlauer als die andern, ohne Zweifel 
weil ſie unter Tygern, Loͤwen, und andern wilden Thieren leben. Die in den Ebenen ſind 
mehr gewohnt, Menſchen zu ſehen, und daher gelaſſener. Die aber an der Sanaga, wel— 
che unter den Schwarzen in einem angebauten Lande wohnen, wuͤrden noch zahmer ſeyn, 
wenn fie nicht von den oͤftern Anfällen der Schwarzen wachſam und vorſichtig wuͤrden. 
Gleichwohl beſchaͤdigen ſie ſelten jemanden, wenn ſie nicht vorher gereizet worden. 
Iſt unbehuͤlf Ob wohl der Elephant wegen feines Koͤrpers zu groß und ſchwer zu ſeyn ſcheint, ſchnell 
lich doch zu gehen, noch vielweniger zu laufen: fo kann er doch beydes ſehr wohl. Sein ordentlicher 
ſchnell. Schritt iſt wie eines Menſchen, wenn er ſchnell geht, und vermuthlich iſt er im Laufen noch 
ſchneller, ob ſolches wohl felten geſchieht. Denn fein gewöhnlicher Schritt iſt langſam, 
welches ſich auch zu ſeiner gewaltigen Laſt, ſeinem ausgekruͤmmten Ruͤcken, und großem haͤn— 
genden Bauche am beſten ſchicket. Seine Beine und Schenkel ſind unfoͤrmlich, und ſehr 
dicke f). Die Füße einen Schuh queer durch, und mit einer rauhen dicken Haut fo bes 
Farbe und deckt, daß man nur das Ende der Mägel ſieht. Der africaniſche Elephant iſt, wie der aſia⸗ 
Haut. tiſche, faſt ganz ſchwarz. Seine Haut iſt rauh, runzlicht, hart, mit einigen hin und her 
darauf geſetzten langen, ſteifen, dunkeln Haaren. Der Schwanz iſt lang wie beym Ochſen, 
und nackend, bis auf wenige Haare am Ende. Er bewegt dieſen, als ob er die Fliegen ver— 
jagte, ob wohl ſolches Ungeziefer eine Haut, die Mufketenſchuͤſſe aushält, ſchwerlich verle— 
Gen koͤnnen. Es iſt ein gemeiner Irrthum, als ob er keine Gelenke in den Fuͤßen haͤtte, 
und 
A) Die untern Zähne find zwey Zoll länger, als 7) Vier Schenkel wie Saͤulen, und kurze Fuͤße, 
die im obern Kinnbacken. Siehe Phil. Tranf. die vordern breiter und runder, die hintern länger 


Abridgm. fünfter Band a. d. 121 S. und ſchmaͤhler, jeder mit vier Klauen. Phil. Tranſ. 
.) Labats abendl. Africa 3 Band a. d. 270 u.f. S. Abridgm. fuͤnfter Band a. d. 83 © 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVII Cap. 315 


und folglich weder ſich niederlegen noch aufſtehen koͤnnte. Aber ein anderer nicht fo Natur⸗ 
ſehr bekannter Fehler an ihm iſt, daß er ſich ſchwerlicher von der rechten Hand gegen die linke, geſchichte. 
als gegenfeitig wenden kann. Die Negern wiſſen ſich, wenn fie ihn in offenem Felde an- 

greifen, wohl darnach zu richten 3). i 

Ob die Aſiater gleich gelernt haben, den Elephanten zum Kriege und andern Dienſten 
abzurichten: ſo haben doch die Negern nie dergleichen verſucht. 

Einige ſagen, ſie truͤgen ihre Frucht achtzehn Monate; andere reden von ſechs und 
dreyßig: es iſt aber ungewiß, weil ſich die zahmen Elephanten nie vermehren. Andere be— 
baupten, der Elephant fähe und gienge, ſobald er auf die Welt gekommen, und föge fie: 
ben bis acht Jahre. Aber dieß alles ſind Muthmaßungen ohne Grund. 

Dem Elephanten fehlet es nicht leicht am Futter. Er lebet vom Graſe wie ein Ochs, Futter um 
und in Mangel deſſen von Aeſten und Blaͤttern der Baͤume, Geroͤhrich, Schilfe und andern Magen. 
Kräutern, die in den Moraͤſten wachſen, auch allen Arten von Feldfruͤchten, Korn und Hirſe. 

Aus Hunger nehmen ſie bisweilen Erde und Steine, aber dieſes Futter richtet ſie bald hin. 

Sie koͤnnen acht bis zehn Tage hungern; ſonſt aber freſſen ſie ſtark, welches die Negern in . 
ihren Lugans oder Pflanzgaͤrten mit Schaden erfahren. Ein einziger Elephant verzehret in N 
einem Tage mehr, als dreyßig Menſchen in acht Tagen thun wuͤrden, den Schaden, den ſie 

mit ihren Fuͤßen thun, ungerechnet. Die Schwarzen ſind daher ſehr bemuͤht, ſie von ih— 

ren Reißfeldern u. ſ. f. abzuhalten, die ſie bey Tage bewachen, und bey Nacht mit Feuer, 

wovor ſie ſich fuͤrchten, verwahren. Wenn ſie auf Tobacksfelder kommen, werden ſie trun— 

ken, und nehmen tolle Streiche vor. Bisweilen ſind ſie ſo voll, daß ſie einſchlafen, und 

da raͤchen ſich die Negern an ihnen. Sie trinken Waſſer, welches ſie zuvor mit ihren Fuͤſ— 

ſen ſchlammicht ruͤhren. 

Der Elephant hat viel Feinde, davon der vornehmſte das Nashorn iſt. Labat ſaget, Seine 
man fände keine in Africa ). Doch haben die nordlichen Elephanten an den Negern, Feinde. 
Tygern, $öwen und Schlangen Feinde genug. Der furchtbarſte iſt der Tyger, der gemei— 
niglich den Elephanten beym Ruͤſſel anfällt, und ihn beſchaͤdiget oder zerſtuͤckt. Die franzoͤſi— 
ſche Sanagageſellſchaft bekoͤmmt jährlich 500 Quintale oder faſt 50000 Pfund an Zähnen. 

Die Elephanten ziehen heerdenweiſe zu vierzig, funfzig, ſechzig zuſammen. Man Ziehen heer— 
trifft fie öfters an, aber fie thun niemanden etwas, wenn man fie nicht angreift 2). denweiſe. 

Jobſon bemerket, die Elephanten waͤren, wie aus ihren Spuren erhellet, in dem ganzen 
Lande an der Gambra haͤufig. Er hat ſechzehn große beyſammen geſehen, außer denen 
jungen, die noch ſogen, und den halb erwachſenen. Das Geroͤhrich, in dem fie ordentlich freſ⸗ 
ſen, iſt ein oder zweene Fuß hoͤher, als der groͤßte Mann, und doch ſieht man den halben 
Elephanten daruͤber herausragen. 

Ihre Zaͤhne liegen, den gewoͤhnlichen Abbildungen zuwider, in dem obern Kinnbacken. 

Sie reißen mit denenſelben Baͤume nieder. Daher kommen ſoviel zerbrochene Zaͤhne; 
denn wenn der Baum zu ſtark iſt, ſo geht es uͤber den Zahn. Der Verfaſſer ſaget, es ſey 
falſch, wie einige behauptet, daß ſie die Zaͤhne verloͤhren. Aus der Erfahrung verſichert er, 

daß 


Rr 2 
g) Labat abendlaͤndiſches Afriea auf der 275 der guten Hoffnung ſaget, man fände fie da. Bar⸗ 
und folgenden Seite. bots Beſchreibung von Guinea a. d. 28 S. ſaget, 
5) Ebendaſ. a. d. 281 u. f. S. es gebe Nashörner an der Sanaga. 


1) Kolbe in feiner Nachricht vom Vorgebirge 4) Aabat dritter Band a. d. 285 S. 


316 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Vatur- daß das Fleiſch gut und ſchmackhaft iſt. Sie find feinem Berichte nach fo furchtſam, als 
geſhichte. die Hirſche, und laufen ſehr ſchnell, wie er bey einem großen Elephanten geſehen, der drey 
Schuͤſſe bekommen, aber doch entrunnen, und im Walde todt gefunden worden 1). 

Le Maire meldet, man muͤſſe den Elephanten nie angreifen, wo er Platz hat, ſich zu 
wenden; ſonſt reißt er feinen Feind mit dem Ruͤſſel nieder, und tritt ihn todt. Das Weib 
traͤgt oft drey Jungen auf einmal, und fuͤttert ſie mit Kraͤutern und Laube, welches ſie ihnen 
mit ihrem Ruͤſſel in die Maͤuler ſtecket. 

Thu großen Das Thier koͤmmt oft bey der Nacht in die Dörfer, ohne ſich daran zu kehren, ob fie 
Schiden. bewohnt ſind. An ſtatt nun, daß es ausweichen ſollte, wenn es an die Negerhaͤuſer koͤmmt: 
fo geht es vielmehr gerade fort, und zertritt fie, wie Nußſchalen m). 

Sie thun unter den fruchtbaren Baͤumen, beſonders den Orangen, Bananen und der— 
gleichen, vielen Schaden. Von den Feigen freſſen ſie die Frucht und den Stamm. Nach 
Boſmans Berichte verſichern die Schwarzen und andere, die Elephanten verfolgten die Leute 
oft zu ihrem großen Schrecken bis ins Waſſer. Am Rio de Gabon ſind viere, fuͤnfe und 
mehrere bey dem Verfaſſer und ſeiner Geſellſchaft vorbeygegangen, ohne ihnen etwas zu 

eim ſchwer thun; aber ſie hatten nicht Herz genug, nach ihnen zu ſchießen. i Denn ſie ſind ſchwer zu 
zu töten. tödten, wo ihnen die Kugel nicht gleich zwiſchen die Augen und die Ohren koͤmmt, welche 
noch dazu von Eiſen ſeyn muß; denn wider die bleyernen Kugeln haͤlt ihre Haut ſo feſt, als 
eine Mauer, und dieſelben werden, wo ſie an erwaͤhnten Ort ſtoßen, ganz platt. 

Die Schwarzen berichten, fie thaͤten niemals jemanden von den Reiſenden in den Waͤl— 
dern Schaden. Wo aber ein Schuß auf ſie gethan wird, und fehlet: ſo werden ſie ſehr wild. 
Dieſe letzte Anmerkung fand der Verfaſſer in der Erfahrung 1) unrichtig o). 

Beypiel d⸗ Im Chriſtmonate des Jahres 1700 kam ein Elephant des Morgens auf der Goldkuͤſte 

von. nach Elmina, und gieng ganz gelaffen am Ufer unter dem Hügel St. Jago herum. Einige 
Schwarzen giengen unbewaffnet zu ihm, von denen er ſich umringen ließ, und ruhig mit ihnen 
fortgieng. Gleich unter dem Berge feuerten ein hollaͤndiſcher Officier und ein Schwarzer auf 
ihn, und trafen ihn uͤber das Auge, verurſachten aber keine Veraͤnderung in ſeinem Schritte. 
Er ſchien nur den Negern bisweilen zu drohen, und hob manchmal ſeine Ohren auf, die 
erſtaunlich groß waren. Gleichwohl gieng er fort, und machte ſich endlich in den hollaͤn— 
diſchen Garten, wo er vielleicht beſſer empfangen zu werden hoffte. 

Der Generaldirector und der Verfaſſer giengen, in Begleitung verſchiedener von der 
Factorey, in den Garten, und fanden ihn mitten darinnen ſtehen, wo er neun bis zehn Co— 
cosbaͤume fo leicht niedergeworfen hatte, als etwa ein Mann ein Kind umſtoͤßt. Weil er 
hier ſtund, wurden uͤber hundert Schuͤſſe nach ihm gethan, davon er ſo ſehr blutete, als ob 
ein Ochs waͤre geſchlachtet worden; doch wich er nicht, ſondern erhub nur ſeine Ohren, und 
ſetzte die Leute in Furcht, er wuͤrde ſie verfolgen. 

Traulger Dieſe Luſt endigte ſich aber betruͤbt. Denn ein Schwarzer, der ſich einbildete, mit dem 
Zufal. Elephanten umgehen zu koͤnnen, wie er wollte, gieng ſachte hinter ihn, und nahm ſeinen 
Schwanz in die Hand, mit dem Vorſatze, ein Stuͤck davon abzuſchneiden. Aber das Thier 

gab 

J) Jobſons Goldhandel a. d. 139 u. f. S. n) Doch erzaͤhlt er anderswo eine Geſchichte, 

m) le Maires Reifen nach den eanariſchen In⸗ welche es bekraͤftigt. Unter Akim auf der Gold: 

ſeln a. d. 68 S. kuͤſte ſchoß ein Schwarzer, der die Elephanten zu 

n jagen 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVII Cap. 317 


gab ihm mit ſeinem Ruͤſſel einen Schlag, warf ſich auf ihn, und trat ihn zwey bis dreymal; 
und als wenn das noch nicht genug wäre, fo bohrte es ihm mit feinen Zähnen zwey Löcher 
in den Leib, da in jedes zwo Mannsfaͤuſte hineingiengen. Nach dieſem ließ es ihn liegen, 
ohne ihm weiter etwas zu thun, und ſtund auch ſtill, weil zweene Schwarzen den Koͤrper 
wegſchafften, ohne ſich im geringſten an ſie zu machen. 

Aus dieſen beyden Beyſpielen iſt klar genug, daß ſie ſelten ungereizt Schaden thun; 
wenn man aber nach ihnen ſchießt, und fehlet, ſo werden ſie wild. Da dieſe Menge auf 
ihn donnernder Schuͤſſe nicht zureichte, ihn niederzuwerfen: ſo ward der Verfaſſer von 
denen, die mit dem Elephantenſchießen am beften umzugehen wiſſen, berichtet, daß fie haͤt— 
ten eiſerne Kugeln brauchen ſollen, weil die bleyernen entweder auf der dicken Haut, oder 
auf den Knochen platt wuͤrden; und ſie fanden wirklich in dem todten Elephanten, daß we⸗ 
nig Kugeln durch den Knochen in den Kopf gegangen waren. Die meiſten, beſonders die 
kleinen, waren wie von einer Mauer zuruͤckgeprallt, obgleich einige an den rechten Ort ge— 
kommen. Die Kugeln waren derowegen gewiß zu klein, weil ein Englaͤnder aus einem 
Kahne auf der Gambra einen Elephanten, der ihn verfolgte, nur mit einem Schuſſe getoͤdtet. 


Nachdem der Elephant etwa eine Stunde in dem Garten geweſen: ſo gieng er herum, 
als ob er die Hollaͤnder anfallen wollte, die wohl ſechzehn Schritte von ihm waren, und 
deswegen vor ihm flohen. Zum Gluͤcke aber verfolgte das Thier niemanden außerhalb des 
Gartens, da ihm gewiß keiner, wenn er auch zu Pferde geweſen, entronnen waͤre. Er ge— 
rieth an die Hinterthuͤre, die anderthalben Ziegelſtein dick war, und von ihm mit einer ge— 
ringen ‘Berührung weit fortgeworfen ward. Doch gieng er durch dieſe Oeffnung nicht hin⸗ 
aus, ſondern machte ſich einen Weg durch die Gartenhecke, und gieng langſam an den Berg 
St. Jago gegen den Fluß, um ſich zu waſchen oder abzukuͤhlen. Nachgehends kam er 
heraus, und ſtund unter verſchiedenen Baͤumen, wo er etliche Waſſergefaͤße und einen 
Kahn zerbrach. 


Watur⸗ 


geſchichte. 
2 


Iſt faſt un⸗ 
verletzlich 


Hier fing man von neuem an, zu ſchießen, bis er endlich fiel. Sie hieben ihm ſogleich fuͤr Kugeln 


ſeinen Ruͤſſel ab, dazu bey dreyßig Hiebe erfordert wurden. Dieſes mußte dem Thiere 
ſehr empfindlich ſeyn, weil es zu bruͤllen anfing, da es bis dahin kein Geſchrey erregt hatte. 
Nach dieſem verreckte es unter dem Baume, und bekraͤftigte damit der Schwarzen Bericht, 
daß ein Elephant, wenn er feinen Tod nahe fühlte, allezeit, wo möglich, unter einen Baum, 
oder in einen Wald zu kommen ſuchte. Sobald er todt war, fielen die Schwarzen haͤufig 
uͤber ihn her, und ein jeder ſchnitt ſo viel ab, als er konnte; ſo daß er eine große Menge 
Weiße und Schwarze den Tag uͤber mit Speiſe verſorgte. Er war nicht groß, und ſeine 
Zaͤhne hatten nicht uͤber fuͤnf und dreyßig Pfund. 

Ueberhaupt bedachte der Verfaſſer nun die Gefahr, wenn das Thier ſie verfolgt haͤtte, 
und beſchloß, ſich an keinen mehr zu wagen, und andern eben das anzurathen 5). f 

Der Elephant iſt nicht nur ſeiner Groͤße, ſondern auch ſeiner Gelehrigkeit wegen merk⸗ 
wuͤrdig. Sie leben auf hundert und funfzig Jahre, und je aͤlter ſie werden, deſto ſchoͤner 
wird auch ihr Haar und ihre Farbe. 

» Rr 3 Die 

jagen pflegte, nach einem; das Gewehr aber verſagte, o) Ebendaſelbſt a. d. 242 u. f. S. 


und der Elephant zertrat ihn und die Mufkete. 
Boſmans Beſchreibung von Guinea a. d. 318 S. ) Ebendaſelbſt a. d. 318 u. f. ©. 


und Aexte. 


Natur⸗ 
geſchichte. 


Duͤffel. 


Nicht ge 
mein. 


er 


Wilde Kühe, 


Eber. 


318 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Schwarzen fangen ſie in tiefen Graͤben, welche mit Aeſten bedeckt ſind. Wenn 
der Elephant hineingefallen iſt, ſo richten ſie ihn mit Wurfſpießen und Pfeilen vollends hin, 
und theilen nachgehends den Koͤrper unter ſich. Mit der Haut überziehen fie ihre Stühle, 
und den Schwanz bekoͤmmt der Koͤnig zum Fliegenwedel 9). 

Der Büffel, welcher hier gefunden wird, iſt größer als der Ochs »). Sein Haar iſt 
ſchwarz und kurz, wie auch ſehr grob und duͤnne; ſo daß man leicht die braune und lockere 
Haut darunter ſehen kann. Sein Kopf iſt in Vergleichung mit dem Koͤrper klein, mager, 
und niederhaͤngend. Er hat lange ſchwarze gekruͤmmte Hoͤrner; er iſt ſehr boshaft und 
ſchaͤdlich, beſonders wenn er gereizt worden. Denn er läuft ſchnell; und wenn er den Be— 
leidiger erreicht, ſo wirft er ihn nieder, tritt auf ihn, und zerquetſcht ihn, bis er keinen Athem 
mehr merket; ſo daß ſich einige von ſeiner Wuth durch Zuruͤckhaltung des Athems gerettet 
haben ). Er hat große wilde Augen, bruͤllt entſetzlich, hat kurze und ſtarke Schenkel. 
Er kann viel arbeiten, und frißt wenig. In Italien wird er zum Pfluͤgen und Karnzie— 
hen gebraucht. Er iſt ſo hitzig, daß er auch im Winter allezeit gern im Waſſer iſt. Das 
Fleiſch iſt grob und wenig werth, wird aber doch zu Rom verkauft t). 

Boſman berichtet, der Büffel ſey dem Elephanten meiſtens gleich, die Größe ausge— 


nommen. Man findet ſie durch ganz Guinea, aber ſo wenige, daß man in drey bis vier 


Jahren kaum einen ſieht. Ihr Fleiſch iſt ſehr gut zu eſſen. | 

Diefe Creaturen ſcheinen nicht ſchnell genug zu feyn, die Leute zu Lande zu erreichen, 
wo der Verfaſſer meynet, daß er fie nicht fürchten, und ihnen mehr, als im Waſſer, trauen 
wuͤrde, ob er wohl nie gehoͤrt, daß ſie da einigen Schaden gethan haͤtten. Sie ſind dun— 
kelbraun, und ſehen recht haͤßlich aus. Man ſaget, ſie ſchrien, und brauchten andere Lift, 
die Leute zu fangen; welches aber Boſman für fabelhaft hält ). 

In verſchiedenen Gegenden des feſten Landes, beſonders in den Waͤldern und in den 
Gebirgen, giebt es wilde Kuͤhe: aber ſie ſind ſo ſcheu, daß man ihnen nicht nahe kommen 
kann. Gemeiniglich find fie braunroth, mit kleinen ſchwarzen ſpitzigen Hoͤrnern. Sie 
vermehren ſich ungemein, und wuͤrden ſehr zahlreich werden, wenn die Europäer und 
Schwarzen ſie nicht aufrieben x). 

Jobſon berichtet, es gaͤbe außer den Buͤffeln noch große Eber laͤngſt der Gambra. 
Sie find dunkelblau, mit großen Zähnen bewaffnet, und haben lange haarichte Schwänze, 
die fie aufgerichtet tragen. Sie find kuͤhn und gefährlich. Die Leute bringen viel außer— 
ordentliche Felle zu verkaufen. Er ſah eins von vierzehn Fuß lang, das dunkel von Farbe 
war, und weiße Streifen hatte ). | 

Le Maire bemerfet, daß in den Gegenden um das grüne Vorgebirge viel Wildpraͤt 
iſt, als Eber, Ziegen, Boͤcke und Haſen. Der Verfaſſer ſah keinen von ihren Hirſchen, die 
Geweihe haben, wie die franzoͤſiſchen; ausgenommen daß ſolche den ſchweizeriſchen Gem— 
ſenhoͤrnern aͤhnlich, und nur gerade ſind 2). Das Fleiſch der Eber, welches man bey der 
Sanaga ſehr oft zu ſehen bekoͤmmt, iſt weißer, aber nicht ſo wohlſchmeckend, als das von 
den europäifchen Ebern 22). Der 


) Arthus beym de Bry Reiſe nach Oſtindien 5) Dieß iſt von dem ganzen Ochſengeſchlechte bes 
VI Theil a. d. 77 S. merket worden. 

+) Barbot ſaget, die Leute bey Capo Monte ·) Labats abendlaͤndiſches Africa IV Band 
aßen fie. Siehe deſſen Beſchreibung von Guinea a. d. 357 S. 
a. d. 114 Seite. 1) Boſman a. d. 245 ©, 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVII Cap. 319 
5 Natur⸗ 


Fernere Nachricht von den wilden und zahmen Thieren. 


Die Geiß oder Antelope. Hirſche und Hindinnen. paniz. Zibethkatze. Wird verſchiedentlich beſchrie⸗ 
Wie man fie fängt. Außerordentliches Thier. ben. Muffus: oder Zibethbeutel. Wie man den 
Bomba oder Capivard. Affen und Meerkatzen. Muffus von dem Thiere bekoͤmmt. Ihr Futter. 
Solche thun viel Schaden. Große Mannich- Die guineifchen find die beſten. Zahmes Vieh. 

faltigkeit derſelben. Quojas⸗Morrow oder Cham⸗ Pferde, Ochſen, Schafe. Zahme Ziegen. 


ie Geiß oder Antelope wird an der Sanaga und an der Gambra in großen Heerden Geiße. 
gefunden. Am Kopfe, Schwanze und Haaren gleicht fie dem Kameele. Ihr Leib 
iſt wie der Hindinn ihrer, und ihr Geſchrey iſt dem Meckern der Ziege aͤhnlich. An den 
Schenkeln und Füßen, die vorn kuͤrzer als hinten find, gleicht fie dem Hafen 2), und 
laͤuft eine Höhe beffer hinauf, als hinunter. Wo der Boden uneben iſt, kann fie nicht ſchnell 
laufen. Wenn fie ein Laͤrmen hören: fo ſpitzen fie die Ohren. Ihre Hoͤrner gehen gerade 
bis ans Ende, wo ſie etwa einen Zoll lang einwaͤrts gebogen ſind. Sie ſind von guter 
Art, und leicht zu zähmen. Rund um das Auge haben fie einen ſchwarzen Kreis, wie 
das Kameel. 

Es giebt auch hier Hirſche und Hindinnen in großer Menge. Sie kommen in ſtarken Hirſche und 
Heerden von denen Ländern, welche nordwaͤrts der Sanaga liegen, um ihre Weide zu ſu- Hindinnen. 
chen, die auf der Suͤdſeite des Fluſſes häufiger iſt. 5 

Die Schwarzen laſſen ſie fuͤr ihr Futter bezahlen. In dieſer Abſicht warten ſie, Wie man ſie 
bis das Gras, gemeiniglich im März und April, trocken iſt. Die Einwohner der In- fängt. 
ſeln Bifeſcha und der Elfenbeininſel verſammlen ſich, und ſetzen dieſe Ebenen an dem 
breiten Theile der Inſel in Feuer. Indem ſich ſolches ausbreitet, ſo werden die Thiere 
genoͤthigt, ſich nach dem Ende der Inſel zuruͤckzuziehen, wo ſie von den Negern und dem 
Fluſſe eingeſchloſſen werden, an deſſen Ufern andere Schwarze warten, um diejenigen, 
welche darüber ſetzen wollen, zu tödten; fo daß fie viele niedermachen. Nach dieſem thei⸗ 
len ſie den Raub, ſalzen und trocknen das Fleiſch, und verkaufen die Haut den Franzoſen 
und den Englaͤndern „). 

Jobſon ſaget, nach dem Berichte der Einwohner an der Gambra fey daſelbſt ein Seltſames 
Thier von der Größe und Farbe eines Hirſches, mit einem Horne, etwan ſo lang als ein Thier. 
Mannsarm eh, welches, wie der Verfaſſer bemerket, dem Einhorne, wie es abgemalet wird, 
nicht gleich kommt. Er wuͤrde auch vermuthlich von keinem ſolchen Thiere etwas gehoͤret 
haben, wenn er darnach geforſcht hätte. Le Maire meldet, daß Nashörner daſelbſt find, 
er hat aber keins geſehen ). 

Unweit dem gruͤnen Vorgebirge iſt ein merkwuͤrdiges Thier, das einen Leib wie ein 
Hund hat, mit Hirſchhufen, die aber etwas größer find, und eine Schnauze wie ein Maul 
wurf. Es frißt Ameiſen e). 
Unter 
x) Labat a. d. 360 S. 9) Labats abendlaͤndiſches Afriea II Band a. d. 
„) Jovſons Goldhandel a. d. 143 S. 42 S. und III Band a. d. 80 u. f. ©. 

2) le Maires Reife nach den can. Inſ. a. d. 71 S. c) Jobſons Goldhandel a. d. 146 S. 
21) Labat im III Bande a. d. 82 S. 4) le Maires Reiſe nach den can. Inſ. a. d. 70 S. 
4) Siehe das Kupfer. e) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 27 S. 


Natur- 


320 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Unter den Sereresnegern bey eben dieſem Vorgebirge, findet ſich ein Thier, welches 


geſchichte. auch in Braſilien wohl bekannt iſt, und von den deuten Bomba, von den Europaͤern Ca⸗ 
Bomba oder Pivard genannt wird 7). Einige find fo groß, als ein jaͤhriges Schwein. Das Haar 


Capivard. 


Affen und 
Meerkatzen. 


Sehr ſchaͤd⸗ 


lich. 


iſt weißlich, kurz, dünne und ſteif. Seine Pfoten find mit ſcharfen Nägeln bewaffnet, da⸗ 
mit es die Baͤume wie ein Baͤr hinauf klettert, und wenn es wieder heruntergekommen, ſich auf 
den Hintern ſetzet, und die Frucht genießt. Sein Kopf iſt eines Baͤren feinem ſehr aͤhnlich g). 
Es hat kleine lebhafte Augen, mit einem großen Rachen und ſcharfen Zaͤhnen. Es lebet 
wie die Otter, im Waſſer und auf dem Lande. Die Negern eſſen ſein Fleiſch als etwas 
ſehr angenehmes H. 

Jobſon bemerket, es gäbe längft der Gambra unzaͤhlbare Affen und Meerkaßen, fie 
hielten ſich in Geſellſchaften zuſamnien bey drey bis viertauſend, aber doch jede Art beſon⸗ 
ders. Sie haben eine Art einer Republik. Sie reifen gliederweiſe, unter gewiſſen An⸗ 
fuͤhrern von der groͤßern Art. Die Weibchen tragen ihr Junges unter dem Bauche, wo 
es nur eines iſt, und wo ſie zwey haben, das andere auf dem Ruͤcken. Einige große befin⸗ 
den ſich, als zur Wache, im Nachzuge. Sie ſind ſehr kuͤhn; und als unſer Verfaſſer den 
Fluß hinauf ſchiffte, kletterten ſie die Baͤume hinan, ſchuͤttelten die Aeſte, und ſchlugen an 
ſelbige, als ob fie ſehr böfe wären. Man konnte in der Nacht vielerley Stimmen von ih: 
nen zuſammen hoͤren. Darauf erhob ſich eine ſtarke Stimme, und auf dieſe folgte ein Still— 
ſchweigen. Jobſon hat auch an dieſem Orte, wo ſich ſolche Thiere aufhalten, eine Art 
Huͤtten von zufammengeflochtenen Aeſten geſehen, die Sonne abzuhalten. Die Schwars 
zen eſſen ihr Fleiſch H. 

Le Maire meldet, es gebe verſchiedene Arten von Affen und Meerkatzen an der Sa⸗ 
naga und laͤngſt der Kuͤſte, als die Guenons mit langen Schwaͤnzen, und Magots ohne 
Schwaͤnze, von welchen letztern der Verfaſſer keine geſehen. Von den erſtern war überall 
die Menge, und deren drey Arten. Zwo ſind klein, und nicht ſehr ſchaͤdlich. Einige von ihnen 
heißen Heuler, weil ſie wie kleine Kinder ſchreyen. 

Von der andern Art ſind einige ſo groß, als Magots. Sie haben nicht nur Haͤnde 
und Fuͤße; ſondern auch in ihrem Bezeigen etwas ſehr menſchenaͤhnliches. Die Negern 
find völlig beredet, dieſe Affen koͤnnten reden, wenn fie wollten, aber fie thaͤten es nicht, da— 
mit ſie nicht zur Arbeit gezwungen wuͤrden. Sie taugen zu nichts, als zu beißen und zu 
zerreißen. Die Schwarzen an der Sanaga bringen derowegen den Franzoſen, wenn ſie 
ſehen, daß dieſe mit den Affen freundlich umgehen, Ratten in Bauern, und ſagen, dieſe waͤ— 
ren herzhafter und raſender, als die Affen, und ſollten deswegen von ihnen hoͤher ge— 
ſchaͤtzt werden. 

Man kann ſich nicht einbilden, was fuͤr Schaden dieſe Thiere unter dem reifen Hirſe und 
Korne thun. Ihrer vierzig oder funfzig zuſammen gehen nach einem Kugan, oder Lugan. 
Einer ſteht auf einem hohen Baume Schildwache, da die übrigen einerndeen. Wenn er 
jemand merket, ſo ſchreyt er wie raſend, worauf die Rotte mit ihrer Beute auszieht, und 

von 
7) Siehe 2 Band a. d. 304 S. und das Kupfer. 1) Jobſons Gold Kuͤſte, a. d. 43 S. 

g) Sein Kopf ſoll einem Hafen, und der Leib ei⸗ FHBarbot ſaget auch fo. 
nem Schweine gleichen; das Haar iſt dick, aſchfarben, 7) le Maires Reife nach den Canarieninſeln, a. d. 
und es hat keinen Schwanz. Frogers Reiſe nach der 70 und folgenden Seite. 

Suͤdſee, a. d. 127 S. m) Frogers Reiſe, a. d. 45 ſiehe auch das Kupfer. 

b) Labat, im 4ten Bande, a. d. 168 D. n) Zabat, 3 Band, a. d. 301 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. Vl Buch XVII Cap. 321 


von Baume zu Baume erſtaunlich leichte ſpringt. Selbſt die Weibchen tragen ihre Jun- Natur⸗ 
gen mit fort, als ob fie nichts hätten ). Froger ſetzet hinzu, fie fuͤhrten oft Maͤgdchen geſchichte. 
von acht bis neun Jahren mit fort, und man koͤnnte ſie ſchwerlich wieder bekommen, weil 

fie ſolche auf ſehr hohe Bäume ſchleppten m). N 

Zur Rache kriegen die Schwarzen beſtaͤndig mit ihnen, und eſſen ihr Fleiſch. Die 
Jungen ſind leicht zu zuͤhmen. Die Weibchen tragen ſolche auf ihrem Ruͤcken, wie die 
Negerinnen ihre Kinder. Am ſicherſten bekommt man fie, wenn man fie im Geſichte 
verwundet, wodurch fie ungeſchickt gemacht werden, ſich an die Bäume zu halten, und auf 
die Erde fallen. Es wuͤrde ein ganz Buch dazu gehoͤren, alle Arten von Arguin bis Si⸗ 
erra Leona zu beſchreiben. Noch merkwuͤrdiger iſt, daß die verſchiedenen Arten ſich alle⸗ 
zeit abgeſondert in verſchiedenen Orten aufhalten ). 

Die Affen und Meerkatzen, welche ſich allezeit in und um die Waͤlder auf den Baͤu⸗ Vielerley 
men aufhalten, ſind grau oder weiß, an der Naſe geſprenkelt, oder geſprenkelt grau, roth und Affen und 
ſchwarz, mit einem ſchwarzen Geſichte, deſſen aͤußerſtes weiß iſt, und einem ſpitzigen ſchar- Meerkatzen. 
fen Barte am Ende des Kinnes. Es giebt auch eine andere ſehr haͤßliche und furchtbare 
Art. Die Schwarzen eſſen ſie als eine gute Speiſe, mit Reiße gekocht, oder wie Schinken 
getrocknet und geraͤuchert: aber der Anblick von dieſem geraͤucherten Fleiſche iſt genug, ei- 
nem Europäer übel zu machen ). 

Es giebt eine große Art von Pavianen, Quoſas⸗Morrow, oder Worrow, und Qu ass 

von den Portugieſen el Selvage, oder der Wilde genannt. Sie iſt haͤßlich, wohl fünf Morrow. 
Fuß lang, mit einem großen Kopfe, dicken Leibe und Aermen. Sie lernet leicht auf den | 
Hinterfuͤßen gehen p), ein Gefäß mit Waſſer auf dem Kopfe tragen, und dergleichen Arbeit 
verrichten 7). Dieſes Thier iſt fo ſtark und boshaft, daß es den ſtaͤrkſten Mann an— 
greift und uͤberwaͤltiget, ihm die Augen ausreißt, oder andern Schaden zufuͤgt. Sie kaͤm⸗ 
pfen auch unter einander ſelbſt. Sie zerreißen die ſtaͤrkſten Netze, und find daher nur 
jung zu fangen. Gemeiniglich find fie fo groß, als ein drey- oder vierjähriges Kind r). 
Die Ohren ſind den menſchlichen aͤhnlich, und auch das Geſicht beym erſten Anblicke; aber 
die Naſe iſt platt und gekruͤmmt. Die Weiber haben volle Bruͤſte, und einen Leib mit 
eingeſunkenem Nabel. Die Ellbogen haben ihre gehörigen Gelenke und Bänder. Die Fuͤße 
unter der Ferſe find plump und braun. Sie gehen oft aufgerichtet, und tragen ſchwere $a= 
ſten von einem Orte zum andern ). 0 | 

Jobſon meldet, es gäbe Stachelſchweine und Zibethkatzen an der Gambra, die dem Zibethkatzt. 
Federviehe viel Schaden thäten z). Die Zibeth⸗ oder Muskuskatze iſt in dieſem Theile 
von Africa, zwiſchen der Sanaga und dem Berge Atlas ſowohl, als in dem Koͤnigreiche 
Naria u) bey Abißinien und Quoſa unter Sierra Leona gemein. 

Die Schriftſteller malen dieſes Thier, ſaget Labat, auf verſchiedene Art ab. Einige 
halten es fuͤr die bey den alten Schriftſtellern fo berühmte Hyaͤna, andere heizen es die Zi— 
beth⸗, andere die Muskuskatze. x) Dieſer Name ſchicket ſich in der That nicht wohl, da es 

f nicht 
9) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 133 S. 7) Dieß iſt von der Höhe vom Ruͤcken bis auf 5 
p) Iſt der Oran Utang von Borneo und Java, Boden, wenn es auf allen Vieren ſteht, anzunehmen. 
oder der Champaniz, davon einer letzt aus Africa 5) Barbot, a. d. 115 S. 
nach England gebracht worden. f 7) Jobſons Goldhandel, a. d. 139 S. 
Das ſcheint der ſchon oben beſchriebene Pavian u) CThevenots Reiſen, 1 Th. 2 Buch, a. d. 239 S. 
zu ſeyn, a. d. 264 S. ch *] Siehe die Figur. 


Allgem. Reifebefchr. II Band. Ss 


322 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Matur⸗ nicht die geringfte Aehnlichkeit mit der Katze hat, als an den Ohren, und einigen Haaren, 
geſchichte, die ihm als ein Knebelbart dienen. Herr Thevenot, der verſchiedene zu Kairo geſehen, 
beſchreibt es als ein Thier von der Groͤße eines großen gemeinen Hundes 7). Seine 
Schnauze iſt ſpitzig, ſeine Augen und Ohren ſind klein, der Knebelbart wie bey einer Katze, 
und das Kinn weiß und ſchwarz geſprenkelt, nebſt einigen gelben Streifen. Der Schwanz 
iſt lang und buſchicht, wie beym Fuchſe 2). Es iſt wild, grauſam, gefraͤßig, und ſein Biß 
gefährlich. Man fängt fie in Schlingen, hält ſie in draͤthernen oder hoͤlzernen Bauern, 
und fuͤttert fie mit kleingeſchnittenem rohen Fleiſche. | | 
Verſchiedene Dapper, welcher das Thier faſt eben fo beſchreibt, ſetzet hinzu, feine Schenkel wären 
Beſchreibun⸗ mit ſchwarzen langen Haaren beſetzt, die Fuͤße hätten jeder fünf Klauen, mit ſcharfen geraden 
en derſelben. ſchwarzen Nägeln bewaffnet, und, einen Theil feines Kopfs ausgenommen, gliche es einem 
großen Hunde mehr, als einigem andern Thiere. 85 | 

Herr Pomet, welcher eines, das die ſiameſiſchen Geſandten mit aus China gebracht 
hatten, verwahrte, ſaget, es gliche einer ſpaniſchen Katze oder einem Iltis 2), und doch ſtellet 
es fein Kupfer wie einen Fuchs vor. Was dieſes Thier werth macht, beſteht in einem 
dicken ölichten Weſen, welches in einem Beutel geſammelt liegt, den man bey den Maͤnn— 
chen zwiſchen dem Hodenbeutel und der Ruthe, und bey den Weibchen zwiſchen der Scham 
und dem Hintern findet. Man hat aber gute Gruͤnde, zu glauben, daß dieſer Beutel bey 
den Weibchen eher unter dem Bauche ſteht, und an den Hintern ſtoͤßt. 

Muskusben- —Dieſer Beutel iſt etwan drey Zoll tief, und zwey und einen halben breit. Er beſteht aus 

tel. verſchiedenen kleinen Druͤſen, die eine riechende Materie einſchließen, welche ſich heraus— 
drucken läßt. Ihn zu bekommen, verfolget man das Thier mit einem Stecken, bis es ſich 
ans Ende des Bauers zieht: ein dazu geordneter Menſch nimmt den Schwanz, und zieht 
ihn durch das Gitter durch, an welches ſie die Hinterfuͤße feſt anſetzen. Alsdann ſtecket 
man ihm einige Stecken bey dem Bauche durch, wovon es ſo befeſtigt wird, daß es ſich 

Wie man ihn nicht regen kann. In dieſer Stellung wird ein kleiner Löffel in die Oeffnung des Beutels 

bekömmt. geſteckt, mit welchem die haͤutigten Abtheilungen gelinde geſchabt oder gedrückt werden, daß 
ſolche dasjenige, was fie in ſich halten, von ſich geben 2), . 

Man wiederholt dieſes nicht taͤglich, wozu das Thier nicht genug darbiethet, beſonders 
wenn es eingeſperrt iſt; fondern alle zween bis drey Tage, und bekoͤmmt anderthalb, oder 
hoͤchſtens zwey Quentchen, auf einmal. Die Materie ſieht, nachdem fie erſt ausgedruckt 
worden, weißgrau aus, wird aber in kurzem braun. Der Geruch iſt in der Weite gelinde 
und angenehm, in der Naͤhe aber widrig, und nimmt den Kopf ein; ſo, daß ihn diejenigen, 
welche wohlriechende Kleider damit machen, durch Verfaͤlſchung ſchwaͤchen muͤſſen. 

In Holland, wo man dieſe Waare vornehmlich nach Frankreich und England ſchafft, wer: 
Ihr Futter. den viel Zibethkatzen unterhalten. Man fuͤttert fie mit dem Gelben von Eyern und mit Milche, 
wovon der Muskus weißer wird, als bey den aſiatiſchen und africaniſchen, welche Fleiſch freſ⸗ 
fen e). Die Juden zu Kairo und in Holland treiben vornehmlich dieſes Geſchaͤffte; daher 
| man 
) Barbot vergleicht es einem Wolfe, a. d. 114 S. ) Der Löffet ſoll von Zinn oder Bley ſeyn, um 
2) In der Inſel Sokotra ſind ſie in Menge. Par» nichts zu beſchaͤdigen. Barbot, a d. 1s S. 
chas, 1 Band, a. d. 419 S. Sie verkaufen da das c) Barbot ſaget, ihr beſtes Futter ſey Einge⸗ 
Stuͤck für ſieben Schillinge. weide von Vögeln und roh Fleiſch. Doctor Stibbs 
4 pomet, Hiſt. des Drogues, 2 Th. a. d. 13 S. bemerket, fie lebten einen Monat ohne 2 5 
f a gaben 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVII Cap. 323 


Bo re ana, daß 2 Verfaͤlſchung damit vorgeht. Die medieiniſchen Ei⸗ ee 
genſchaften des Muskus find wohl bekannt, da es zu verfchiedenen Arzeneymitteln gebraucht geſchichte. 
wire, ie aden ö Ä 2 5 | u 

Auf der Goldkuͤſte find ſehr viel Zibethkatzen, welche die Portugieſen Kato de Agali, Die beſten 
und die Aethiopier Kankan nennen. Man findet zwar dieſes Thier auch in Java und ſind in Gui 
verſchiedenen Gegenden von Indien, aber keine kommen denen von Guinea gleich, welche die dea. 
Negern Kaſtor nennen. Die Portugieſen halten ihrer viel, und haben von dem Zibethe 
oder Agali großen Vortheil. Sie ſenden ihn wohlgereinigt in glaͤſernen Flaſchen nach Liß 
ſabon, wo er viel gilt. Es iſt nicht leicht, dieſe Thiere zu unterhalten; denn außerdem, 
daß fie ſehr wild find und gefaͤhrlich beißen, koſtet ihr Freſſen, als Gevoͤgel, Tauben u. d. g. 
viel. Sie ſind an Geſtalt dem Fuchſe aͤhnlich, nur mit einem Katzenſchwanze. Ihre Haut 
iſt, wie der Leoparden ihre, fleckicht. Die Negern jagen ſie ordentlich im Sommer, wenn 
die Wälder voll Laub find. Man zieht den Zibeth von den Männchen dem von denen Weib: 
chen vor, und halt den Muskus fuͤr beſſer, je wilder fie ſind e). eee 

Nach Bosmans Berichte bringt das Land drey bis vier Arten wilder Katzen vor, von 
denen die Zibethkatze eine iſt. Man verkauft ſie ſehr jung, das Stuͤck fuͤr acht bis neun 
Schillinge. Sie ſind beſchwerlich zu erhalten. Ihre Speiſe iſt ein Mus aus Hirſe, und 
etwas Fleiſch oder Fiſch. Sie bringen ſehr jung Zibeth, aber der von den Maͤnnchen iſt 
der beſte; denn die Weibchen koͤnnen es nicht laſſen, daß fie ihn nicht durch den Urin ver- 
derbten 7). Hafen und Kaninchen find hier vollauf, und wie die europaͤiſchen. 

Die Moren und Schwarzen, welche zwiſchen der Sanaga und Gambra leben, ſind mit Zahmes 
Pferden wohl verſorgt, von denen einige, welche ihren Koͤnigen und Vornehmen gehoͤren, Vieh und 
ſehr ſchoͤne und koſtbare Barbetten find. Die Moren find durchgehends große Roßtaͤu⸗ Pferde. 
ſcher, verſtehen ſich wohl darauf, und ziehen viel Pferde. Sie füttern fie mit Graſe, und 
ſtatt der Gerſte mit gequetſchtem Maize.⸗ Wenn ſie fett werden ſollen, fo quetſchen ſie den 
Maiz klein, und weichen ihn in Milch. Sie reuten ſie ſelten in die Schwemme. Der 
größte Fehler dieſer Pferde iſt, daß fie keinen Mund haben. Der Siratik, oder König 
von Fuli, hatte im Jahre 1697 einige Barbetten zu ſeinem Gebrauche, welche außerordent— 
lich ſchoͤn waren, und er ſchaͤtzte das Stück auf funfzehn Sklaven g). Bumey Hamen 
Seaka, Bruder des Königs von Barſalli, hatte im Jahre 1734 ein ſchoͤnes milchweißes 
Pferd, ſechzehn Haͤnde hoch, mit langer Maͤhne, und einem Schwanze, der auf den Boden 
nachſchleppte 7). Sie haben an der Sanaga und Gambra viel Eſel, wie Labat, Jobſon 
und Moore berichten. nei 

Alle dieſe Länder, die Eilande an der Küfte nicht ausgenommen, find voll großes Vieh. Hchfen. 
Ihre Ochſen find ſtark, fett und wohlgeſchmackt, die Kühe klein, fleiſchicht und ſtark, und 
geben viel Milch. An verſchiedenen Orten bedienen fie ſich ihrer zum Laſttragen und Reu— 
ten. Zu Biſſos erfegen die Kühe die Stelle der Pferde, und gehen einen leichten und gu— 
ten Schritt. Wenn man die große Menge Haute bedenkt, welche jährlich aus dieſen Ge— 

0 Ss 2 genden 


gaͤben mehr Zibeth, wenn fie mit Fiſchen gefuͤttert 4) Labat, 2 Band, a. d. 10f u. f. S. 

würden. Sie laſſen viel Harn, wie die Kaninchen, e) Arthus beym de Bry, s Th. a. d. 8o S. 
Philofophical Transactions N. 36, auf der 74 f) Bosmans Beſchreib. v. Guinea, a. d. 251 D. 
Seite. Blounts Naturgeſchichte, auf der 12 2) Labat, 3 Band, a. d. 60 108 und 237 D. 
Seite. 2 N hy Moores Reife, a. d. 214 S. 


324 Keifen längst der weſtichen Küste von Africa, 


WTatur⸗ genden gefuͤhret werden, und fo wenig gelten, fo iſt die Zahl faſt unglaublich. Man rech⸗ 
geſchichte. net, daß der Tin oder König von Baol, 5000 Stuͤck habe. Die Wälder find voll von 


Schafe. 


Zahme Zie⸗ 
gen. 


Gnana., 


ihnen, fie freſſen in großen Heerden von drey⸗ bis vierhundert zuſammen, die ein Neger 
huͤtet, der fie vor den wilden Thieren des Nachts in eine Umzaͤunung treibt. Die Su; 
lier ziehen unter den Schwarzen das meiſte Rindvieh. Ihre Milch iſt gut und ſuͤße. Ein 
guter Ochs gilt an europäifchen Waaren etwan zwey Stuͤcke von Achten, und eine Kuh 
viel weniger 2). A 

Es giebt hier große Heerden Schafe, die von zweyerley Art find. Die erften find 
mit Wolle wie die europaͤiſchen bedeckt, haben aber ſo lange fette und ſchwere Schwaͤnze, 
daß ihnen die Schäfer, ſolche nach zuſchleppen, einen Karen anhängen muͤſſen. Wenn die- 
ſer Schwanz von ſeinem aͤußern Fette gereinigt worden, wird er fuͤr ein gutes Eſſen gehalten. 

Die zweyte Art hat Haare, wie die Ziegen. Sie iſt groͤßer, fetter und ſtaͤrker, als jene. 
Einige haben bis ſechs Hoͤrner, welche in verſchiedene Geſtalten gekruͤmmt ſind. Ihr Fleiſch 
iſt zart und wohlſchmeckend. i | 

Einige Schriftſteller verwechſeln die letzte Art mit der Cebritto oder Ziege, deren 
viele, beſonders ſuͤdwaͤrts der Sanaga, und in den Eylanden Biſſos find, wo fie keine 
Schafe haben. Sie ſind von den europaͤiſchen nicht ſehr unterſchieden, aber ihr Fleiſch iſt 
füßer und beſſer. Bey der Sanaga giebt es zwo Arten von Ziegen, kleiner als unſere. 
Eine hat ein ſchwarzes glattes Fell, welches die Negern ſehr hoch halten. 

Die Hunde ſind hier ſehr haͤßlich, ohne Haar, und mit Fuchsohren. Sie bellen nie, 
ſondern heulen; und fremde Hunde, welche man hieher bringt, arten in ihrer Stimme aus. 
Die Schwarzen eſſen ihr Fleiſch, und ziehen es allem andern vor; ſie halten aber keine 
Schweine k). a 5 Bei ie 


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Das XVIII Capitel. 
Eidexen, Inſecten, und kriechende Thiere. 
Inhalt. 


Die Guana. Die Eider, Das Camelion. Zwo cken. Bugabugs. Muͤcken. Ameiſen. Bie⸗ 
Arten. Frißt Fliegen. Veraͤndert die Farbe. nen. Froͤſche. Seorpienen. Schlangen. Raupen 
Sieht zugleich nach zwo Seiten. Heuſchre⸗ und Wuͤrmer. N 


5 ie Guana, eine Art von Eideren, iſt häufig an der Sanaga und Bambra. Sie 
gleicht dem Krokodile a), iſt aber viel kleiner, und ordentlich nicht eine Elle lang. 
Die Schwarzen eſſen ſie, und etliche Europaͤer, die das Fleiſch gekoſtet haben, ſa— 
gen, es ſchmeckte wie Kaninchen 6). Barbot berichtet, fie beſuchten die Kombets oder 
hr Haͤuſer 
i) Labat, 2 Band, a. d. 189 u. 277 S. 3 Band, Beſchreibung von Guinea a. d. 28 S. 
a. d. 242 S. 5 Band, a. d. 121 S. ſiehe auch Bar⸗ a) Siehe die Figur. 
bots Beſchr. von Guinea, a. d. 28 S. 10) Labat III Band a. d. 75 S. Woore a. d. 
40 Labat 1 Band a. d. 276 S. auch Barbots 141 S. Barbot a. d. 84 b. 


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gel mıt vier Hugeln. 
„Das Stacheljehwein. 6. Der Adler. | ; 
Der Panther . 7.Der Bomba oder Capıverd.* 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVIII Cap. 325 


Haͤuſer der Negern ſehr oft, beſonders die kleinere Art, und find bey Nacht ſehr beſchwer⸗ Watur⸗ 
lich, weil fie den Schlafenden über das Geſicht kriechen c). geſchichte 

Herr Bruͤe ward zu Kayor an der Sanaga mit einem beſchenkt, das von der Schnauze 
bis zum Anfange des Schwanzes drey Fuß hatte, der Schwanz ſelbſt war noch zween Fuß 
lang. Die Haut war mit Schuppen von verſchiedenen Farben, gelb, gruͤn, und ſchwarz 
bedeckt, ſo lebhaft, daß ſie wie uͤberfuͤrnißt ausſahen. Die Augen waren groß, roth, und 
dem oberſten des Kopfes gleich. Wenn er beruͤhrt oder gereizt wurde, ſchienen ſie voll Feuer 
zu ſeyn, und zu gleicher Zeit ſchwoll ſein Hals unterwaͤrts, wie bey einer Taube, wenn ſie ſich 
bruͤſtet. Sein Biß iſt ſehr gefaͤhrlich, nicht daß etwas giftiges darinnen waͤre, ſondern 
weil es dasjenige nicht fahren laͤßt, was es angefallen hat, bis man es getoͤdtet, welches nichts 
leichtes iſt. Das Mittel, ſeiner los zu werden, beſteht darinnen, daß man ihm einen Stroh— 
halm durch die Naſenloͤcher zieht, worauf etliche Tropfen Bluts folgen, das Thier die Kinn- 
backen öffnet, und verreckt. Die Füße diefer-Eidere find mit ſcharfen Klauen bewaffnet, 
mit denen ſie die Baͤume erſtaunlich leicht hinauf klettert, und ſich, wenn man ſie angreift, 
mit ihrem Schwanze wehrt. Das Fleiſch iſt vortrefflich, und kann, wenn es zugerichtet 
worden, weder an Farbe noch Geſchmacke von Hühnerfleifche unterſchieden werden. Die 
Schwarzen fangen ſie mit einer Schlinge, die ſie an einer Stange befeſtigen, wenn ſie auf 
den Aeſten zu ſchlafen ſcheinen H. . 

Jannequin berichtet, daß die Eider hier fo groß iſt, als ein kleines Kind; die Eider. 
Schlange und der Baſilisk ungeheuer groß find. Dieſes iſt alles, was er erwaͤhnt, ausge⸗ N 
nommen noch den Scorpion, das Krokodil, und eine kleine Art Schlangen, davon die Eins 
wohner ſelbſt den Namen nicht wußten. Daher er mit dem Plinius, den er anfuͤhret, zu 
glauben ſcheint, Africa bringe immer neue Wunderthiere hervor e). 

Arthus Dantiſcus bemerket, daß die Holländer in Guinea eine Eider von ſechs Fuß 
lang gefunden, deren Leib ſo dick geweſen, als eines Mannes ſeiner, und welche weiße Schuppen, 
wie die Auſtern, zur Decke gehabt. Nachdem ſie es eine Vierthelſtunde betrachtet hatten, floh 
fie mit ſoviel Laͤrmen in den Wald, als ein Hirſch, der durch das Gebuͤſche bricht 7). 


Man findet das Camelion an der Sanaga und Gambra. Herr Moore meldet, die- Camelion. 
ſes Thier, welches nach der gemeinen Meynung von der Luft leben ſoll, ernaͤhre ſich von 
Fliegen und Inſekten. Es ſchießt ſeine Zunge, die ſo lang als der Koͤrper iſt, auf ſieben 
bis acht Zoll heraus, und da ſolche mit einem zaͤhen Weſen bedeckt iſt, ſo faͤngt ſie alles, 
was an fie koͤmmt. Es veraͤndert feine Farbe nach Gefallen, aber nicht nach denen Sa— 
chen, darauf es ſizt. Im Schlafe iſt es ordentlich hellgelb. Einige find fo groß, als die 
größeften Eideren, und ſehr haͤßlich; fie haben aber ſchoͤne Augen, die fo geſetzt find, daß 
eines vorwärts, und das andere zu gleicher Zeit ruͤckwaͤrts ſieht 3). 

Barbot berichtet, die Schwarzen von dem Vor gebirge Wonte, welche dieß Thier 
Daratfoe nennen, wollten es nicht toͤdten laſſen. Es iſt nicht groͤßer, als ein großer 
Froſch, gemeiniglich blaß maͤuſefarben, die Haut faſt durchſichtig; daher es die Farben 

f Ss 3 der 
c) Barbot a. d. 28 S. e) Jannequin a. d. 134 u. f. S. 
4) Labat Afrique Occidentale III Band a. 7) de Bry Reife nach Oſtindien VI Theil auf 
d. 75 S. Jannequins Reiſe nach Lybien auf der 79 Seite. 
der 134 S. g) Woores Reiſe a. d. 107 S. 


226 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
kratur der nahe liegenden Sachen leicht annimmt. Es lebet von Fliegen, und leget Eyer, wir 
geſchichte. das Krokodil und die Eider, die mit keiner Haut, ſondern einer dicken Membrane über: 
zogen ind. . et 8 . | 135 
Zwo Arten. Boſman giebt eine Abſchilderung von zweyerley Arten Camelionen. Der einen ei⸗ 
gentliche Farbe iſt gruͤn, grau, geſprenkelt; der andern, gruͤn, Feuerfarbe und grau vermengt. 
De Brupn hat in feinen Reiſen in die Levante, die allerbeſte Beſchreibung und Ab: 
ſchilderung von dieſem Thiere gegeben. Er hatte zu Smyrna einige bekommen; und zu 
verſuchen, wie lange fie leben würden, hielt er gemeiniglich viere in einem großen Keficht, 
und ließ ſie bisweilen in ſeiner Kammer herumlaufen, wo ſie ſich, wie auch im Haushofe, 
mit dem Seewinde erfriſchten, munterer als zuvor ſchienen, und den Mund öffneten, frie 
ſche Luft zu ſchoͤpfen. 
Leben von Er ſah ſie nie etwas eſſen oder trinken, als etliche Fliegen, und hatte bemerket, daß ſie 
Fliegen. ihre Farbe drey bis vier mal in einer halben Stunde verändert, ohne daß ſolches durch et— 
was verurſacht worden. Die ordentliche Farbe iſt grau, oder vielmehr blaß maͤuſefarben, 
meiſtens aber verwandeln fie ſich in ſehr ſchoͤn Grün, mit gelb gefleckt, fo ſchoͤn, als ein Pinſel 
es malen kann. Bisweilen ſind ſie auch mit Schwanz und alles, braun gefleckt, welche 
Farbe ſie manchmal ganz bedecket. Er | Ä 2) 
Verändern Die Haut ift fehr dünne, und faſt durchſichtig. Man irret fich mit der Meynung, als 
die Farben. ob ſie die Farben aller Sachen, die in ihrer Naͤhe ſind, annaͤhmen; denn ſie bekommen 
die rothe und verfchjedene andere Farben nicht, obwohl der Verfaſſer bey ihnen jaͤhlinge 
Veraͤnderungen der Farben bey der Annäherung verſchiedener Gegenſtaͤnde bemerket hat. 
De Brupn konnte fie nie über fuͤnf Monate lebendig behalten, und die meiſten ſtarben 
in vier Monaten. Weil er ſehr neugierig war, zu wiſſen, woraus ihr Eingeweide beſtuͤn— 
de: fo öffnete er eins, und fand einige kleine Eyer, wie etlicher Voͤgel ihre, die wie in einem 
Faden an einander hingen, aber weder Daͤrme noch ſonſt was. Die Zunge war am 
merkwuͤrdigſten, und ſo lang, als das ganze Thier. 5 | 
Beym Herabſteigen von einer Hohe ſetzet es erſt fehr ſorgfaͤltig einen Vorderfuß, und 
alsdenn den andern fort, auf welche die hintern mit eben der Bedachtſamkeit folgen. Sein 
Schwanz iſt indeß den ganzen Weg hindurch um etwas, das er antrifft, gewunden, und 
dieß ſetzet es fo lange fort, als es ſich mit dem Schwanze anhalten kann, nachgehends fälle 
es platt auf den Boden. Ihr Gang iſt ſehr langſam, und die Groͤße in der Figur mit 
ausgedruͤckt. | ' 
Sie halten den Mund nicht fo durchgängig offen, als einige behaupten. Gegentheils 
‚öffnen fie ihn faft nie, als an einem Orte, wo fie frifche Luft ſchoͤpfen koͤnnen. Alsdenn 
ſchnappen fie ſtark darnach, und entdecken ihre Zufriedenheit, ſowohl durch ihre Bewegung, 
als durch oͤfteres Veraͤndern ihrer Farben. ä N 
Sehen nach Die Augen ſind rund, ſehr ſchwarz, und ungemein klein; aber das merkwuͤrdigſte iſt, 
zween Orten daß ſie jeden Blick nach verſchiedenen Gegenden richten, und zugleich hinauf und hinunter 
zugleich. ſehen koͤnnen 1). | 
Sof 


5) Barbot Behr. von Guinea a. d. 14 S. 7) de Bry Reiſe nach Oſtindien VI Theil, auf 

1) le Bruyns Reiſe nach der Levante. der 79 S. | 

k) Boſmans Beſchreibung von Guinea auf der m) Labat II Band a. d. 118 S. III Band a. 
257 U. f. ©. d. 306 3e. N ö 5 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVIII Cap. 327 
Boſman fand einen Unterſchied unter den Camelions von Smyrna, und denen von Tatur⸗ 
Guinea. In dem letztern Lande lebten fie ſoviel Jahre, als Monate in dem erſten. Doch geſchichte. 
wurden ſie auch im Garten auf einen Baum geſetzt, wo ſie einige Zeit ſitzen blieben, ehe ſie 
ſich herunter machten. Man hat ſie auch verſchiedenemal lebendig nach Europa gebracht. 

Dieſer Reiſende ſah in Guinea nie ein Camelion mit offnem Munde, und folglich ſah 
er ſie nie Fliegen fangen, auch ihre Zungen nicht. | 
Ign allen übrigen Umſtaͤnden waren fie le Bruyns Beſchreibung aͤhnlich, nur ihre 
Eyer ſchienen den Eyern von Eideren ähnlicher, als von kleinen Voͤgeln zu ſeyn; denn Boſ— 
man bemerkte beſonders, daß bey allen Thieren, welche Eyer legen, als Eidexen, Came— 
lionen, Leguanes oder Guanas, Schlangen und Schildkroͤten, die Eyer nicht mit einer har⸗ 
ten Schaale, ſondern dicken und biegſamen Haut umgeben find Y. 2 

Arthus merket an, daß der Camelion von der Eidere wenig, als in der Farbe, unterfchie- 
den iſt. Seine Farbe iſt Orange, aber wenn er auf einen neuen Gegenſtand ſieht, ſo veraͤn— 
dert ſich ſolche. Sie effen fo wenig, daß man ſaget, fie lebten von der Luft, und die Schwar⸗ 
zen halten dieſe Thiere nicht Für giftig, ſondern trocknen und eſſen fie 4). J 

Es giebt hier vielerley Inſecten. Die Heuſchrecken verderben die inlaͤndiſchen Gegen: Heuſchre⸗ 
den in großen Schwaͤrmen, davon ſelbſt die Luft verdunkelt wird. Wo fie auffallen, ver- cken. 
zehren fie alles Gruͤne, ſelbſt das Laub. Sie ſind ordentlich fo breit, als ein Finger, aber 
länger, mit ſcharfen ſchneidenden Zähnen, Ihre Haut iſt roth und gelb, bisweilen ganz 
gruͤn. Die Moren und Schwarzen eſſen fie m). Durch die Zerſtoͤhrung, welche fie in denen 
Landern, wo fie durchziehen, anrichten, verurſachen fie oft Hunger. 

Man ſieht hier viel unbekannte Fliegen 2). In den Regenzeiten find fie haufig, die Infecten. 
Negern heißen ſolche Getleh. Sie ſind dick, breitkoͤpfig, ohne Maͤuler. Sie ſitzen auf den 
Bäumen, und ſchreyen Tag und Nacht entſetzlich. Die Negern eſſen ſie 9. 

Längſt der Gambra thut ein haͤßliches Geſchmeiß, Namens Bugabugs viel Schaden. Bugabugs. 
Es iſt eine Art weiße Ameiſen, deren Weiſe zu reiſen darinnen beſteht, daß ſie erſt in der 
Erde eine Hoͤhlung, wie einen Bogen oder ein Gewoͤlbe graben, unter dem fie ungeſehen fort⸗ 
wandern. Sie arbeiten ſehr ſchnell, und machen in zwoͤlf Stunden die Roͤhre, in der ſie 
reiſen acht bis neun Ellen weit, um in eine Buͤchſe, Kiſte, oder Faß zu kommen. Wo ſie 
durchdringen, ſo richten ſie ein gewaltiges Verderben an, beſonders im Wollenzeuge. Ob 
ſie wohl keine Koſtveraͤchter ſind; denn ſie freſſen auch Holz, und welches das merkwuͤrdig⸗ 
ſte iſt, ſo freſſen ſie das Innere von einer Kiſte oder Tafel aus, und laſſen das Aeußere im— 
mer dem Anſehen nach vortrefflich ſchon. Die Sonne iſt ihnen zuwider, und toͤdtet fie, 
wenn man ſie derſelben lange ausſetzet; des Nachts aber erlangen ſie ihre Lebhaftigkeit 
wieder. Man muß die Kiſten zur Verwahrung vor ihnen auf ſtark mit Theer bedeckte 
Fuͤße ſetzen, und ſolche wöchentlich wegnehmen 5). 

In den Waͤldern befindet ſich eine gruͤne Fliege, ſo groß als eine Horniſſe, nach deren 
Stiche, wie von einer Lanzette, das Blut geht 7). Das uͤbelſte aber in dieſer Gegend Muͤcken. 
find die Mücken, die, ſobald der Abend koͤmmt, millionenweiſe fliegen, fo daß die Schwar— 

zen 


„) moore malt zwey außerordentliche In⸗ 33 und 117 Seite. 8 
ſeeten an der Gambra ab, ohne fie zu beſchreiben, 8 p) Moores Reiſen auf der a2ı und folgenden 
a. d. 13 S. 6 * 5 eite. f ' 

„) Batbots Beſchreibung von Guinea auf der 7) Barbot a. d. 133 S. 


338 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur- zen gendthiget find, in ihren Hütten Feuer zu halten, und fie mit dem Rauche zu vertreiben. 
geſchichte. Sie gleichen den europaͤiſchen. Es iſt ein kleines duͤnnes braunes Inſect, mit langen Fluͤ— 


Ameiſen. 


Blenen. 


Froͤſche. 


geln, die ſich, wenn es fill ſitzt, in eine Spitze endigen. Es hat zwey Hoͤrner, und einen 
getüpfelten Ruͤſſel, durch den es feine Nahrung nimmt. Sein Stachel iſt zart und erregt 
Blaſen. Das beſte Mittel iſt, daß man den verletzten Ort mit Brandteweine waͤſcht ). 


Herr Moore ſaget, dieſe Muſquitos waͤren die groͤßte Plage an der Gambra, ja 


| ſchlimmer als die Sandfliegen. Dieſe letztern find fo klein, daß man fie kaum ſieht, beißen 


auch nicht, wenn ſich ein Wind reget; aber die Muͤcken ſind allemal beſchwerlich, beſonders 
bey Nacht. Sie find den engliſchen Muͤcken, Gnats, vollkommen aͤhnlich. Ihr Biß er: 
reget ein heftiges Jucken. Wenn man kratzet, bis es blutet, fo entſteht eine Geſchwulſt, und 
nach der Heilung iſt es allemal ſchwaͤrzlich H. 5 


Die Waͤlder ſind voll großer Ameiſen t). Sie bauen Neſter oder Haufen von Erde, 
welche rundſpitzig ſind, und faſt ſieben Fuß Hoͤhe haben. Sie kleiben dieſe ſo feſt, als 
Leim. Dieſe Ameifen find weiß, länglicht, und fo groß als ein Gerſtenkorn, ſehr lebhaft 1). 
Die Ameiſenhaufen find etwan vierzehn bis funfzehn Fuß rund x), haben nur einen Ein: 


gang, der in der Seite etwan ein Drittheil von dem Wege hinauf, der ſich vom Grunde 


nach der Spitze windet. In der Ferne fehen fie wie kleine Haͤuſer aus 7). An der Sa⸗ 
naga ſind kleine rothe Ameiſen von ſehr giftiger Art 2). a 


Die Wälder, beſonders gegen die Gambra zu, find voller Bienen, die gewaltig Wachs 
liefern, womit die Schwarzen einen ſtarken Handel treiben 2). Die Megern heißen die 
Honigbienen Kammokeſſe. Sie leben in hohlen Baͤumen. Eine andere Art, Qbollik 
Bolli genannt, giebt braunen Honig und ſchwarzes Wachs. Eine Drohnenbiene beſucht 
die Dörfer , giebt aber keinen Honig. Sie heißt Quom Bokeſſe ). Moore meldet, 
die Mandingoer an der Gambra bedienten ſich ſtroherner Bienenkoͤrbe, wie die Englän- 
der. Sie machten ein Brett zum Eingange für die Bienen daran, und hingen ſie als— 
dann mit Weiden an Baumaͤſte. Wenn fie die Zellen ausnehmen: fo erſticken fie die Bie⸗ 
nen, drücken den Honig aus, von dem fie ihren Honigwein machen, und kochen und reini⸗ 
gen das Wachs, welches fie in Kuchen von zwanzig zu hundert und zwanzig Pfunden zus 
ſammenſchmelzen. Das meiſte wird in dem Lande um Kachao herum gemacht c). 


Jobſon bemerket, die Schwarzen an der Gambra hätten viele Bienenkoͤrbe, welche 
von Rohre und Buſchwerke geflochten wären, und an den äußern Aeſten der Bäume hin: 
gen, wo die Bienen kaͤmen, und ſich aufhielten. An einigen Orten find fie fo dicke, daß fie 
in der Ferne wie Früchte ausſehen. Es giebt auch in den hohlen Baͤumen viel wild Honig A), 


Die Froͤſche an der Gambra ſind viel groͤßer, als die engliſchen, und machen in der 
Regenzeit einen Laͤrmen, der in der Weite wie Hundegebelle klingt. 


Es 
7) Cabat II Band a. d. 327 u. f. S. 2) Ebendaſelbſt III Band a. d. 298 S. 
) Barbot a. d. 30 S. | 4 
u) Labat V Band a. d. 30 S. ) Ebendaſelbſt % d. 116 ©, 
x) le Maires Reifen a. d. 77 ©. c) Moores Reiſen a. d. 44 S. 


5) Labat am obangefuͤhrten Orte. 4) Jobſons Goldhandel a. d. 133 ©. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XVIII Cap. 329 


Es giebt auch große Scorpionen, deren Biß, wo nicht bey Zeiten Huͤlfe geſchieht, todt⸗ Natur- 
lich ift. Im Jahre 1733 fand Herr Moore zu Brukoe einen erſtaunlichen Scorpion geſcbichte— 
von zwölf Zoll lang. Dieſe Thiere find ſehr giftig ). Scorpionen. 


Durch dieſes ganze Land giebt es vielerley Schlangen, von denen einige e groß ſind, und Schlangen. 

ihr Biß iſt gefaͤhrlich. Sie gehen in die Negerhuͤtten zu Kayor, und jagen die Ratten 
und Kuͤchlein, ohne den Leuten etwas zu thun. Wenn ja jemand gebiſſen wird: fo iſt dieß 
ihre gewohnliche Heilungsart, daß fie den verletzten Theil mit Schießpulver verbrennen; 
welches ein ſicheres Mittel iſt, wo es zu rechter Zeit gebraucht wird. Einige davon ſind 
funfzehn bis zwanzig Fuß lang, und anderthalb Fuß dick. Dieſe werden von etlichen fuͤr 
giftiger gehalten, als die andern von eben der Art, die nur zweene Zoll dick find, und vier bis 
fuͤnf Fuß in die Laͤnge haben. Einige ſind ganz gruͤn, daß man ſie unmoͤglich vom Graſe 
unterſcheiden kann 7). Moore ſchoß eine davon, zwo Ellen lang, an der Gambra g). 


Andere ſind ganz ſchwarz, und werden, nach des Verfaſſers Anzeige, fuͤr die giftigſten 
gehalten. Er ſah einige davon drey Ellen lang, und fo ſtark, als fein dünner Schenkel b). 
Viele ſind geſprenkelt, und einige, nach dem Berichte der Schwarzen, ganz roth, deren Biß 
toͤdtlich ſeyn ſoll. Die Sereres-Schwarzen eſſem ſie, und die Adler beunruhigen ſie be— 
ſtaͤndig 2). An dem Fluſſe Kurbali findet man Schlangen von dreyßig Fuß lang, die 
einen ganzen Ochſen verſchlingen koͤnnen H. Die Schwarzen an der Gambra berichten, 
einige Schlangen haͤtten einen Kamm auf dem Kopfe, und kraͤhten, wie ein Hahn; andere 
hätten zweene Köpfe aus einem Halſe gewachſen, dergleichen Herr Moore aber nie geſehen H. 


Es giebt hier Raupen, die ſehr haͤßlich, und fo groß als eine Mannshand find m), Raupen und 
Zwo Arten von Würmern ſind gleichfalls ſehr beſchwerlich. Die erſtern heißen Chiques, Würmer. 
und kommen in den Händen oder Fußſohlen aus. Wenn fie einmal ihre Eyer darein ges 
legt haben: ſo ſind fie nicht leicht wieder auszurottem n). Die andern bruͤtet die üble Luft 
in dem Fleiſche; ſie ſind manchmal vier bis fuͤnf Fuß lang, und gefaͤhrlich heraus zu ziehen. 

Wenn ſie ſich zuerſt ſehen laſſen, ſo erregen ſie große Geſchwulſt, und verurſachen dem Kran⸗ 
ken viele Pein, wenn ſie beym Herausziehen durch eine ungeſchickte Hand zerriſſen werden. 
Man ſaget, ſie ruͤhrten von dem Trinken des uͤblen Waſſers zur Regenzeit her o). 


Das 


e) Moore a. d. ni und 157 S. 4) Ebendaſelbſt V Band a. d. 249 S. 
F Labats abendl. Afr. IV Band a. d. 195 u. aa D Moore a. d. 140 S. 

g Moore a. d. 140 S. m) Barbot a. d. 133 S. 

5) Ebenbaſelbſt. u) Ebendaſelbſt a. d. 32 S. 

1) Labat am obangefuͤhrten . o) Moore a. d. 130 S 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Tit 


— 


330 Keifen laͤngſt der weſtlichen Küſte von Africa, 
m Das XIX Capitel. 
Von den africaniſchen Voͤgeln. 
| Inhalt. 


Der Pelican, oder die Kroßſgans. Sein Sack. Ochſenſauger. Vierfluͤgelichter Vogel. Blauer 
Adler. Falken. Fliegende Straußen. Ge⸗ Vogel. Hahavogel. Kleine Voͤgel. Kubalos 
kaͤmmte Vögel. Wilde Gaͤnſe. Aygret oder oder Fiſchervoͤgel. Ihre Klugheit. Schreyeulen. 

Zwergreiher. Nonnette oder Nonnenvogel. Cor⸗ Rebhuͤhner. Pintado, oder guineiſche Hühner. 
morants und Habichte. Ecouffes oder Geyer. Zahmes Gevoͤgel. Die Fledermaus. Wake, 
Afrieaniſcher Pfau, oder Jungfer von Nu⸗ oder Kronvogel. Fiſcherfalke. Wachteln. Wilde 
midien. Sein Hals und Federn. Verhaͤltniß Tauben. Der Stelzer. Voͤgel ohne Fuͤße. Pa⸗ 

0 feiner Theile. Trempetenvogel. Suc⸗Boeuf oder pageyen. 5 


Se n dieſem Theile von Africa giebt es eine große Menge von unterſchiedenem Gevoͤgel, 
> von denen einige in den vorhergehenden Reifen bereits beſchrieben worden: als, 
der Strauß, der vierfluͤgelichte Vogel, der Flamingo, der Spatulavogel, der Adler, 

der Monoceros, und andere mehr 2). Nun muͤſſen wir auch von ſolchen handeln, die 

in dieſen Gegenden noch gemeiner ſind, und zuvor nur erwaͤhnt worden. 
Pelican, oder Unter dieſen mag der erſte, von dem wir reden wollen, der Pelican ſeyn, den man haͤufig 
Kropfvogel. an der Sanaga und Gambra antrifft. Es iſt der Onocrotalus der Alten, und die Fran⸗ 
zoſen nennen ihn Grand Goſier. An Geſtalt, Groͤße und Kropfe gleicht er einer großen 

Gans b), hat auch eben ſolche Füße. Der Kopf iſt an den Seiten flach, an ſich ſelbſt groß, 

wie er ſeyn muß; er hat einen Schnabel von anderthalben Fuß lang c), und der dabey zwey 

Zoll breit iſt, zu tragen. Das Obertheil des Schnabels iſt beinicht, und aus einem Stuͤcke, 

das unten aus zweenen Knochen beſteht, die ſich am Ende durch einen ſtarken Knorpel ver— 

binden. Daraus entſtehen die beyden Kinnbacken, die in den obern, welcher ihr Bewegungs» 
punct iſt, eingeſchloſſen, oder mit ihm verbunden ſind. Sie haben kleine Zaͤhne, wie eine 

Saͤge, die ſehr zart und ſcharf ſind. | 
Von der Hoͤhlung zwiſchen diefen beyden Theilen des untern Kinnbackens fängt ein Sack 

an, der daſelbſt ſeine Oeffnung hat, den Hals hinuntergeht, und an ſolchem befeſtigt, aber 

zugleich durch verſchiedene kleine Baͤnder zu ſeiner Befeſtigung abgeſondert iſt. Er beſteht 
aus einer dicken fetten und fleiſchichten Haut, die ſehr biegſam iſt, und ſich dehnet, wie ein 

Fell. Es find keine Federn daran, fondern er iſt git einem gelinden feinen Haare bedeckt, 

das glatt, wie Satin, perlengrau, und mit Flecken von verſchiedenen Farben, die ein ſchoͤnes 

Anſehen haben, gezieret iſt. Wenn er leer iſt, ſo merket man ihn kaum: aber es iſt erſtaun⸗ 

lich anzuſehen, wie er ſich aufblaͤhet, und wie viel er enthaͤlt, wenn dieſer Vogel eine gute 

Mahlzeit von Fiſchen gethan hat H. Er pflegt erſt zu fiſchen, und feinen Sack anzufüllen, 


| worauf 
4) Siehe 2 Band, a. d. 343,371, 445, 310, 473, e) Moore in feinen Reifen auf der 68 Seite 
474, 493, 513 S. ſaget eben das. Froger auf der 42 Seite hat nur 


5) So melden Froger und Moore, imgleihen zwey Quart. Jannequin aber ſaget, er traͤnke ei 
le Maire, er ſey zweymal ſo groß als ein Schwan, nen Eimer Waſſer. Siehe deſſen Reiſe nach Lybien 


mit einem ellenlangen Schnabel. a. d. 168 ©, 
c) Siehe das Kupfer. ) Labats abendländifches Africa II Band 
A) Daher koͤm̃t fein franz. Name: Großkropf. a. d. 139 u. f. ©. 


var Jil. 
4. Paradies vogel 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIX Cap. 331 


worauf er ſich wegmacht, und ſich Zeit nimmt zu freſſen. Einige fagen, dieſer Sack ent- Natur⸗ 
halte ausgedehnt zwey Gallonen e) Waſſer 7). Le Maire 3) nennet es einen Kropf, Seſchichte. 
der wie ein Sack unter der Kehle liegt, und ſaget, er verſchlinge ganze Fiſche, von der Groͤße 
eines mittelmaͤßigen Karpens. * | 5 
Zu Jillefrey ſah Herr Moore eine Menge Pelicane. Sie leben von Fiſchen, und 
werden deswegen gemeiniglich an den Fluͤſſen gefunden >). 3 
Es giebt hier viererley Adler. Erſtlich der ſtaͤrkſte und größte heißt Cquolantja. Er Adler. 
haͤlt ſich gemeiniglich in den Waͤldern tiefer im Lande auf, und niſtet auf den Gipfeln der 
hoͤchſten Baͤume. Er raubet Affen. Zweytens der Cquolantja Klow, welcher Teiche und 
Moraͤſte beſuchet, und von Fiſchen lebet. Er hat ſehr krumme Klauen. Drittens der Simbi, 
welcher von Voͤgeln lebet. Viertens der Poy, welcher vornehmlich um die Seekuͤſten herum 
geſehen wird, und von Krabben und ſchalichten Meerthieren lebet ). f 
Falken giebt es hier ſo groß, als unſere Geyerfalken, die nach der Schwarzen Berichte Falken. 
wohl einen Hirſch toͤdten koͤnnen, indem fie ſich auf feinen Kopf ſetzen, und mit ihren Fu: 
geln ihn ſo lange ſchlagen, bis er umfaͤllt. Es giebt auch kleine Baſtardadler, und verſchie⸗ 
dene Arten von Geyern und Buſen [Buzzards ]. Die Haut won der einen Art riecht nach 
Muffus, wie das Krocodil Y. 8 1 80 f 
Unweit der Sanaga findet ſich ein Vogel, den man den fliegenden Strauß nennet, Fliegender 
ob er wohl mit dieſem Vogel ſehr wenig ähnliches hat. Er hat die Größe eines tuͤrkiſchen Strauß. 
Hahnes /, und eben dergleichen Füße und Hals. Sein Kopf iſt groß und rund, der Schna— 
bel kurz, dick und ſtark, mit braunen Federn, welche mit weißen untermengt ſind, gezieret. 
Die Flügel find breit und ſtark. Wenn er ſich einmal erhebt: fo fliegt er ſehr hoch, ſchnell 
und lange. Seine dicken Beine find mit kleinen Federn bedeckt, die auf die Haut wie ges 
leimt ſind. Seine Fuͤße ſind groß, und in drey Klauen abgetheilet, nebſt einem Sporne und 
ſcharfen Nägeln. Da er von Feldfruͤchten lebet: fo kann man ihn eigentlich keinen Raub» 
vogel nennen. Das Fleiſch iſt weiß, das von den Fuͤßen ausgenommen, welches ſchwarz iſt. 
Es iſt ein zartes und angenehmes Eſſen m). . 
Bey Bukſar an der Sanaga befindet ſich eine Art von Vögeln, die gekaͤmmten, oder Kammooͤgel. 
Kammvoͤgel genannt. Sie haben die Groͤße eines tuͤrkiſchen Hahns. Ihre Federn ſind 
grau, blau und weiß geſtreift. Sie haben große Fluͤgel, brauchen aber ſolche wenig, weil 
vielleicht die Staͤrke derſelben ihrer Groͤße nicht gemaͤß iſt. Sie gehen ſo bedachtſam, wie 
Spanier, und tragen ihre Koͤpfe hoch, die an ſtatt der Federn mit einer Art von zartem 
Haare, etwan vier oder fuͤnf Zoll lang, bedeckt ſind. Dieſes haͤngt auf jeder Seite herunter, 
und iſt am Ende kraus, daher er den Namen eines gekaͤmmten Vogels erhalten hat. Die 
groͤßte Schoͤnheit zeiget er im Schwanze, der wie bey einem tuͤrkiſchen Hahne beſchaffen iſt. 
Wenn er ſelbigen ausbreitet: ſo glaͤnzet fein Obertheil fo ſchwarz als Agat, und das Unter— 
theil ſo weiß als Elfenbein. Dieſe Schwaͤnze geben, wenn ſie getrocknet ſind, natuͤrliche 
Fächer ab 1). i 


| Tit 2 Die 
g) le Maires Reiſen nach den eanariſchen In⸗ ungemein groß, und zwar die fliegenden fo groß, als 
ſeln a. d. 71 S. f ein Schwan, mit ſchwarzen und grauen Federn, und 
5) Moores Reiſen a. d. 68 S. ſehr angenehm zu eſſen. Siehe deſſen Reiſen nach 
1) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 11s S. den canariſchen Inſeln a. d. 72 ©. 
4) Jobſons Goldhandel a. d. 151 ©. m) Labat im III Bande a. d. 162 S. 


D le Maire faget, einige ihrer Straußen waͤren n) Labat im III Bande a. d. 93 S. 


33% Reiſen längſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur⸗ Die wilden Gaͤnſe ſind hier von den europaͤiſchen an Farbe ſehr unterſchieden, und an 
geſchichte. jedem Flügel mit einem harten dornichten Weſen, etwan drittehalben Zoll lang, bewaff— 
Wilde Gaͤnſe. net ). Le Maire ſaget, fie wären ſehr gut, aber ihre Kriechenten uͤbertraͤfen alles andere 

Gevoͤgel an vortrefflichem Geſchmacke, und die graue Art an der Sanaga ſey die beſte. 
Rebhuͤhner niſten wie die Pintadohuͤhner auf den Baͤumen. Die letztern rechnet der 
Verfaſſer zu der Rebhuͤhner Art. 0 0 | 
Sie haben zwo Arten von Papageyen. Eine Art iſt klein und über und über grün, 
die andere Art iſt größer, mit grauen Köpfen, gelben Baͤuchen, gruͤnen Fluͤgeln, und einer 
Vermiſchung von gelb und gruͤn auf dem Ruͤcken. Dieſe ſchwatzen niemals, aber die klei⸗ 
nen haben eine klare angenehme Stimme, und lernen, was man ihnen beybringt 7). 
Aygret, oder Unweit des Fluſſes findet man den Zwergreiher, den die Franzoſen Aygret nennen. 
Zwergreiher. Er gleicht an Geſtalt dem ordentlichen Reiher J), bis auf den Schnabel und die Füße, welche 
ganz ſchwarz, und die Federn, welche rein weiß ſind. Auf den Fluͤgeln und dem Ruͤ⸗ 
cken hat er eine Art kleiner runder haarichter Federn, zwoͤlf oder funfzehn Zoll lang, welche 
die Franzoſen Aygrets 1) nennen. Die Tuͤrken und Perfianer halten fie ſehr hoch, und 
ſtecken fie zur Zierrath auf ihre Turbanen H). | | I 5 
Norienvogel. Der Vagel, welcher beym Jannequin der Nonnenvogel heißt, ift weiß und ſchwarz, 
N mit einem Kopfe, auf dem eine Kappe wie ein weißer Schleyer erhoben iſt. Er iſt von 
der Groͤße eines Adlers, und raubet Fiſche. Sie halten ſich in den Waͤldern auf, und ſind 
ſehr wild t). | 
Cormorants Le Maire bemerket, daß die Seeraben [Cormorants] und Habichte, wie die euro— 
und Habichte. paͤiſchen ſind. Von den letztern find einige ſo groß, wie die Adler, und würden kleine Kin- 
| der auffreſſen, wenn fie ſolche einzeln wegfangen koͤnnten. Eben dieſer Verfaſſer ſah 
einige Voͤgel von ſo artiger veraͤnderlicher Farbe, daß er ſie nicht genau beſchreiben konnte. 
Die Nachtigallen aber wirbeln hier nicht ſo angenehm, als in Europa 1). 
Ecouffes. Bey der Wuͤſten an der Sanaga iſt ein Raubvogel von der Geyer Art, welche die Franzo— 
fen Ecouffes nennen. Labat heißt fie eine Art von Baſtardadlern, von der Größe und Hoͤhe 
eines Hahns. Sie ſind von brauner Farbe, mit einigen ſehr ſchwarzen Federn im Schwanze 
und in den Fluͤgeln. Ihr Flug iſt ſchnell, die Fuͤße ſind groß und ſtark, der Schnabel ge— 
kruͤmmt, die Augen ſcharf, und ihr Geſchrey durchdringend. Sie fallen auf Ratten, Voͤgel 
und Schlangen; nichts iſt ihnen zuwider. Sie fuͤrchten ſich nicht fehr vor dem Feuerge— 
wehre, und ſind ſo begierig nach den Speiſen, ſie moͤgen nun roh oder gekocht ſeyn, daß ſie 
den Schiffleuten das Eſſen wohl eher vor dem Munde weggenommen haben; wie ſchon 
ein Beyſpiel von ihrer Raubgierigkeit angefuͤhret worden x). | 
Afrieaniſcher Der africaniſche oder guineifche Pfau y) den einige den Kaiſervogel, oder die numidi— 
Pfau. ſche Jungfer nennen, iſt von der Groͤße eines tuͤrkiſchen Hahns 2). Seine Federn auf dem 
Ruͤcken und am Bauche ſind dunkelſchielicht Violet, wie Tobin 2). Nachdem das Licht 
darauf fällt, ſcheint er glänzend ſchwarz, manchmal lichtviolet, oder purpurfarbicht, auch 55 
| | über: 
») Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 29 SD. ) Barbot a. d. 29 ©. ke 
pP) le Maire a. d. 72 ©. t) Jannequins Reiſe nach Lybien a. d. 70 S. 
7) Siehe das Kupfer. | u) le Maire a. d. 72 ©. a 
7) Jannequin faget, fie nifteten hey Seen und x) Siehe 2 Band, a. d. 474 S. 
Moraͤſten. Siehe feine Reiſe nach Lybien a. d. 168 S. 7) Labat im III Bande a. d. 141 S. 


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en von einem gel Ne, badet oder Ace,. De Koenigsvogel V 


27 1 
Tujeher, genannt die über dem Wasjer haengeen’6. cur jeliener Yogelan dem A2 


de man de 
er A 15 3 2 der m für den Monocerös . 
pr Die Jr, 2 e eee 7.Purtaae, oder dye Gueneahenne 


8.Der Afrtwanıjche Schwan. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIX Cap. 333 
uͤberguͤldet zu ſeyhn. Nach Frogers Berichte 5) find die Schwanzfedern violetfarbicht, Natur- 
und er hat zweene Buͤſche auf dem Kopfe, vornen einen von ſchoͤnen ſchwarzen Federn, und geſchichte. 
den andern von feinen Haaren und glaͤnzender Aurora oder Flammenfarbe. Seine Fuͤße 
und ſein Hals ſind lang, und ſein Gang iſt praͤchtig c). Er iſt gern allein, und ein großer 
Feind des Huͤhnerviehes. Sein Fleiſch iſt nahrhaft und gut 4 . 

Nach der genauen Beſchreibung, welche die pariſiſche Akademie der Wiſſenſchaften von Federn. 
dieſem Vogel, unter dem Namen Demoiſelle von Numidien, geliefert hat, iſt er wegen 
ſeines Ganges und ſeiner Bewegungen, in welchen er ein Frauenzimmer vorzuſtellen ſcheint, 
und wegen feiner Federn merkwuͤrdig. Die Ohren beſtehen aus weißen Federn, drey und 
einen halben Zoll lang, die von feinen langen Faſern zuſammengeſetzt ſind, wie die, welche 
die jungen Reiher auf dem Ruͤcken bey den Flügeln haben. Alle übrige Federn find bley⸗ 
farben, bis auf einige am Halſe, Nacken und Flügeln, die dunkelgruͤn find. 

Einige haben oben auf dem Kopfe Federn wie eine Krone aufgerichtet, welche andert— 
halb Zoll lang ſind. Die Seiten und das Hintertheil des Kopfes ſind ſchwarz, und von 
kuͤrzern Federn als die uͤbrigen. Von jedem Augenwinkel laͤuft ein Strich weißer Federn 
unter dem Anhange fort, den die federichten Ohren machen. Der Vorderhals iſt mit. 
ſchwarzen faſerichten Federn geziert, die viel feiner und ſanfter als Reiherfedern find, und 
auf eine annehmliche Art auf den Magen herunter haͤngen. A 

Vom Ende des Schnabels nach dem Aeußern der ausgeſtreckten Füße, war er viertehalb Verhaͤlt— 
Fuß. Der Schnabel zweene Zoll lang, gerade und ſpitzig, der Hals vierzehn. Von dem nißfeiner 
Schenkelbeine bis zum aͤußerſten der großen Zaͤhe zehn Zoll. Die Augen waren groß, mit Theile. 
ſchwarzen Augenliedern, das innere Augenlied weiß, und voller Blutgefäße. \ 

Die Füße waren vorne mit großen Schuppen bedeckt, welche fünf Zwoͤlftheile eines 
Zolles lang, und ein Drittheil breit waren. Inwendig hatten ſie ſechseckichte Schuppen. 

Die Fußſohle war koͤrnicht, wie Chagrin, die Klauen ſchwarz, und mittelmaͤßig gekruͤmmt, 
die größte Zaͤhe beſtund aus vier Knochen, die kleinſte, welche zu aͤußerſt ſtund, hatte fuͤnfe, 
und die mittelſte inwendig dreye, die hinterſte nur einen. . 

Alle, welche dieſe Voͤgel im Thiergarten zu Verſailles geſehen haben, vergleichen ihren Gang, 
Stellungen und Spruͤnge mit der böhmifchen Art zu tanzen. Es ſcheint, als ob fie einen Gefallen 
daran faͤnden; denn wenn man ſie anſieht, fangen fie allemal an, zu tanzen und zu fingen e). 

An der Sanaga wird eine Art Vögel geſehen, welche man von ihrem Geſchreye Trom- Trompetin⸗ 
petenvoͤgel nennt. Sie find ſchwarz, von der Größe und faſt von der Geſtalt eines tuͤrki' voͤgel. 
ſchen Hahns. Was ſie beſonders haben, beſteht in einem doppelten Schnabel oder zweenen 
Schnaͤbeln, einem in dem andern, von denen der oberſte bey Erregung des Schalles behuͤlf⸗ 
lich iſt, und ihn vorerwaͤhntem Inſtrumente aͤhnlich macht 7). 

Froger, welcher dieſen Vogel als einen unbekannten beſchreibt, ſaget, er ſey ſo groß, 
als ein tuͤrkiſcher Hahn; er habe ſchwarze Federn, und dicke und kurze Fuͤße g). Es iſt 
zweifelsohne der vorhinerwaͤhnte Monoceros 2). g 

Te 3 Eben 


2) Siehe die Figur. e) Siehe die Thiergeſch. a. d 205 S. 
a) Froger ſaget ſchwarz. Deſſen Reiſe nach der 7) Labat, 4 Band, a. d. 161 S. 
Suͤdſee, a. d. 251 S. 9) Froger a. d. 14 S. 
Y) Ebendaſ. a. d. 43 S. c) Ebendaſ. a. d. 43 S. b) S. ob. a. d. 513 S. Moore giebt a. d. 105 
4) Asbat, 2 Band, 251 S. Seite ein Kupfer ohne Beſchreibung. 


334 Seifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur- Eben derſelbe beſchreibt einen andern Vogel auf der Kuͤſte der Sanaga, der etwas 
geſchichie kleiner iſt, als der vorige, mit weißen Federn, einem langen und gelben Schnabel. Der 
Außeror. Schwanz und die äußern Enden der Fluͤgel find hell feuerfarben, und er hat ſchlanke lange 
Beni u: 1). Eitande Biſeſch 9505 . 
ogel. n dem Eilande Bifeſcha, an der Mündung der Sanaga, find viel Voͤgel 
Ochſenſau- Suc Boeuf, oder Ochſenſauger, von der Größe einer Ymfel 0 0 Er HR 
u. ſchmahlen ſpitzigen Schnabel. Sie ſetzen ſich auf dem Ruͤcken des Rindviehes feſt, und 
zwar dergeſtalt, daß der Schwanz ſie nicht erreichen kann. Sie machen mit ihren 
Schnaͤbeln Locher ins Fleiſch, und ſaugen das Blut aus; fg, daß fie dieſe armen Thiere mit 
ihrer beſtaͤndigen Verfolgung toͤdten, wenn fie von den Hirten nicht forgfältig fortge- 
jagt werden 4). de 
Wierfläge: Wir haben ſchon einen vierflügelichten Vogel aus dem Labat beſchrieben, der eigent— 
lichter Vogel. lich nur zween Fluͤgel hat; Jobſon aber erwaͤhnet einen andern, mit vier unterſchiedenen 
a Fluͤgeln. Nach feinem Berichte fliegt ſelbiger nur eine Stunde vor der Nacht. Seine 
beyden Vorderfluͤgel ſind die groͤßten, die andern ziemlich weit hinten, und ſein Koͤrper zwi— 
ſchen beyden Paaren. ui Br 
Herr Moore redet ebenfalls von dieſem merkwuͤrdigen Vogel mit vier Flügen. Er 
ſaget, er komme bey der Abenddaͤmmerung hervor, mit vier Flügeln, und ſey ungefähr von 
der Groͤße einer Taube, ſetzet aber hinzu, ob ihn die Leute gleich einen Vogel hießen: ſo 
wuͤßte er doch nicht, ob er zu den Fledermaͤuſen gehoͤre, oder nicht, weil er niemals einen 
nahe genug unterſucht hätte 7). 
Blauer Bor Herr Bruͤe fand hier einen andern ſeltſamen Vogel. Er war größer als eine Amſel, 
gel. mit glänzenden himmelblauen Federn, und einem großen Schwanze, von faſt funfzehn Zollen, 
den er beym Gehen wie ein Pfau ausbreitet. Er fliegt ſchlecht, weil fein Schwanz für fei- 
ne Saft zu groß iſt. Sein Kopf iſt wohlgeſtalt, und die Augen find lebhaft. Er hat rund 
um den Schnabel einen gelben Zirkel. Man trifft ihn ſelten an m). 
Hahavogel. Unweit des Fluſſes Paſque, ſuͤdwaͤrts der Gambra, iſt eine Art Voͤgel mit einem großen 
Schnabel, wie Amſeln; ſie ſind gut zu eſſen, und wiederholen deutlich und foͤrmlich die 
Sylben Ha! Ha! fo vollkommen, daß man ſolches für eines Menſchen Stimme halten. 
muß, der einen unvermuthet uͤberfaͤllt 1). 
Kleine Voͤ⸗ An den Ufern der Sanaga giebt es viel Voͤgel, einige blau, andere roth, andere ſchwarz, 
gel. von ſehr lebhaften Farben. Sie find von Natur zahm, und im Jahre 1723 und 1726 eini- 
ge lebendig nach Paris gebracht worden. Ihr Kopf und Hals gleichen unſerm Haͤnflinge. 
Ihre Farbe iſt lebhaft, und glänzend, wie uͤberfuͤrnißt. Sie haben eine ſchwache gelinde 
Stimme, ihrer Größe, die eine Haſelnuß nicht übertrifft, gemäß o). 
Kubalos oder Es giebt hier auch Vögel, Namens Kubalos oder Fiſcher, welche von Fiſchen leben 7). 
Fiſchervoͤgel. Sie haben die Größe eines Sperlings, mit allerhand bunten Federn 7). Ihr Schnabel 
iſt fo lang, als der ganze Körper, ſtark und ſpitzig, inwendig mit ſcharfen Zähnen, wie eine 


x Säge 
1) Froger, a. d. 15 S. | 5) Siehe die Figur. N 
k) Labat, 3 Band, a. d. 9 S. 7) Wie ein Goldfinke. S. Moore a. d. 250 S. 
J) Moores Reiſen, a d. 168 S. 7) Barbot ſah taufend Neſter an einem Bau⸗ 
m) Labat, 3 Band, a. d 247 S. me, Beſchr. v. Guinea, a. d. 132 S. und Atkins ſah 
n) Labat, 5 Band, a. d. 41 S. einen zu Sierra Leona mit fuͤnfhundert. . 


„) Labat, 3 Band, a. d. 177 S. s) Barbot ſaget von Binſen. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XIX Cap. 335 


Sage, bewaffnet. Er flattert in der Luft auf der Oberfläche des Waſſers fo ſchnell und Natur⸗ 
| ſel, wo geſchichte. 


lebhaft, daß er blendet. Sie ſind an beyden Ufern haͤufig, unweit der Elfenbeinin 
fie millionenweiſe herumſchwaͤrmen. Ihre Neſter haͤngen fo dick über dem Waſſer, daß 
die Negern es Dörfer nennen r). In dem Baue ihrer Neſter iſt etwas merkwuͤrdiges. 
Sie find laͤnglicht wie Birnen, und grau, aus ſtarkem Leime gemacht, mit Federn , Mooſe 
und Strohe vermengt, und ſo durchwebt, daß der Regen nicht durchdringt, und fo ſtark, daß fie 
nicht brechen, wenn die Winde fie gleich zuſammenſchlagen; denn fie hängen an einem lan⸗ 
gen Faden t), am Ende 1) der kleinſten Baumaͤſte, die uͤber den Fluß gehen; ſo, daß ſie 
in der Ferne wie Fruͤchte ausſehen. Sie haben nur einen kleinen Eingang x), welcher alle⸗ 
mal gegen Oſten gerichtet iſt, und ſo gemacht worden, daß keine Naͤſſe hinein kann. Dieſe 
Neſter verſichern ſie wirklich vor ihren Feinden, den Affen, die ſich aus Furcht, ins Waſſer 
zu fallen, und den Krocodilen oder Raubfiſchen zum Theile zu werden, nicht auf dieſe duͤn⸗ 
nen Aeſte wagen dürfen „). | 


Jobſon erwaͤhnet ebenfalls diefen kleinen Vogel, der nach feiner Anzeige fein Neſt an Ihre Ge: 


* 


den Bäumen mit Laube baut, das ordentlich an dem Ufer der Gambra waͤchſt. Sie haͤn⸗- ſchicklichkeit. 


gen ihre Neſter kuͤnſtlich an die Baumaͤſte, mit einem hohlen Halſe, daran es wie eine Fla⸗ 
ſche hängt. Die Meerkatzen warten auf den obern Aeſten; und wenn die Jungen erwach⸗ 
ſen ſind, ſo wagen ſich jene herunter, die untern Aeſte zu ſchuͤtteln, wovon einige heraus fal⸗ 
len. Dieſe Voͤgel machen auch runde Hoͤhlen, wie gebohrt, wenigſtens eine Elle tief, in 
dem ſteilen Ufer, ſo dick es angehen will, und in gleichen Weiten 2). 

Le Maire meldet, ſie machten ihre Neſter auf Palmbaͤumen, mit einer ſehr kuͤnſtlichen 
Bauart, und verſichern ſie durch einen wunderbaren natuͤrlichen Trieb, vor den Schlangen 
und andern Thieren, welche oftmals die Baͤume hinauf kriechen, indem ſie ſolche ans Aeußere 
der kleinſten Aeſte bauen, an welche ſie einen Strang oder eine Binſe von anderthalb Fuß 
lang haͤngen, und am Ende ihre Neſter befeſtigen, oben an der Seite aber nur eine kleine 
Oeffnung zum Eingange laſſen. Es ſieht aus wie eine Kugel, die an einem Faden hängt. 


An der Gambra findet ſich eine Art Schreyeulen, welche die Negern fuͤr Hexen halten, Schreyeu⸗ 


4 


und fehr verabſcheuen, fo, daß wenn eine in einem Dorfe gefehen wird, die Leute alle dar- len. 


auf feuern 4). 


Sie haben dunkelfarbige Rebhuͤhner, nicht fo ſchön als die engliſchen. Meiſtens halten Rebhuͤhner. 


ſich felbige bey den Dörfern auf 0). Moore meldet, fie hätten Sporen wie Haͤhne c). 
Der Hauptmann Stibbs berichtet, man faͤnde uͤber Barrakonda an der Gambra viel 
Felſenrebhuͤhner, die man von ihrem Aufenthalte fo nennt. Sie find dunkel geſprenkelt, mit 
einem runden Flecken, von der Groͤße einer halben Krone, auf der Bruſt. Fuͤße und 
Schnabel ſind roth, und einen Zirkel von eben dergleichen Farbe haben ſie um die Augen, 
wie einige unſerer Tauben. Sie haben die Geſtalt unſerer Rebhuͤhner, aber bey weitem 
nicht die Groͤße. Sie laufen ſchnell; und indem ſie dieſes thun, richten ſie ihren Schwanz 
wie die Kuͤchlein auf 4). 

| Die 


7) Anderthalb Fuß lang, nach le Maire, a. d. 72 S. I) Labat, 3 Band, a. d. 165 und 188 S. 

1) Die Geſtalt Voͤgel und ihrer Neſter auf 2) Jobſons Goldhandel, a. d. 149 S. 
der Zeichnung koͤmmt mit der Beſchreibung nicht voll⸗ a) Moore, a. d. 109 S. > 
kommen überein, woraus erhellet, daß Barbot, aus Y) Jobſon, a. d. 148 S. 
dem ſie genommen, ſeine Leſer betrogen. c) Moore, a. d. 108 S. - 

) An dem Oberſten, le Maire, a. d. 72 S. 4) Stibbs Tagebuch in Moores R. a. d. 287 S. 


Watur⸗ 
geſchichte. 


Pintado. 


356 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Die Pintado, oder guineiſche Henne, wird in dieſem ganzen Lande haͤufig gefunden. Sie ſind 
von Natur wild, aber leicht zu zaͤhmen, und werden oft nach Europa gebracht. Sie find an 
Geſtalt einem Rebhuhne aͤhnlich, aber viel groͤßer e). Ihre Federn ſind dunkel aſchfar— 
ben, und fo ordentlich mit Weiß gefleckt /), daß fie ſehr ſchoͤn ausſehen. Die Haͤhne haben eine 
Erhoͤhung wie einen Kamm auf dem Kopfe, von der Farbe einer trocknen Wallnußſchale, 
und ſehr hart. Auf jeder Seite ſtrecket ſich ein rother Streifen herunter, aber die Hennen 
haben keinen. Es iſt ein kuͤhner Vogel g). Sie haben felten lange Schwänze, außer denen, 
welche viel fliegen. Ihre Schnaͤbel ſind dick und ſtark, und die Klauen lang und ſcharf. 
Sie freſſen Würmer und Graspferde. Ihr Fleiſch iſt weiß und gut, und bey einigen 
ſchwarz. Sie halten ſich zu zwey: bis dreyhunderten zuſammen, und die Schwarzen ven: 


nen ſie mit Hunden nieder. Wenn man ſie jung faͤngt, ſo werden ſie ſo zahm, als die 


Hübner 2). 

Nach Jobſons und Moores Berichte finden ſich häufige guineifche Hühner an der 
Gambra. Der erſte meldet, ſie waͤren von der Groͤße eines Faſanen, und ſehr ſchoͤn. 
Man findet ſie hundertweiſe in den Kornfeldern freſſen, und ſie ſind eine vortreffliche 


Speiſe 1). Moore meldet ſie wären von dunkler Farbe, mit weißen Flecken, und blau 


Zahme Voͤ⸗ 
gel. 


Fledermaus. 


* 


Wake oder 
Kronvogel. 


und roth um den Kopf. Sie ſind hier wild, wie die Faſanen in England. 


Eben derſelbe Schriftſteller berichtet uns auch, der einzige zahme Vogel an der Gam⸗ 
bra naͤhre ſich auf dem Miſthaufen, wie unſer Huͤhnervieh, und ſey ſehr haͤufig. Zahme 
Gaͤnſe und Enten haben fie nicht Y. 48 

Die Fledermaͤuſe find hier fo groß als die Tauben. Sie haben lange Fluͤgel mit zwo 
bis drey Ecken, welche gekruͤmmte Spitzen haben, damit ſie ſich mit niederhaͤngenden Koͤ— 
pfen an die Baͤume befeſtigen. Man findet ihrer mit einer braunen haarichten Haut, 
welche die Negern abziehen, ehe fie ſolche eſſen. Dieſes Thier ſaͤuget allein unter allen ge— 
fluͤgelten ſeine Jungen mit Milche 7), die Negern nennen es Tonga m). Um das Vorge⸗ 
birge Monte ſind ſie haͤufig. 

Jobſon erwaͤhnet einen Vogel, der im Fliegen ein Geraͤuſche wie ein im Waſſer fort⸗ 
gehendes Schiff macht, und daher im Engliſchen den Namen Wake fuͤhret. Sie ſind 
häufig in den Reißfeldern, wo ſie großen Schaden thun, find ſchoͤn und groß, und das Ober: 
theil ihres Kopfs iſt wohlgeſtalt, mit einem feinen erhöhten Buſche auf dem Wirbel, den 
der Verfaſſer hatte von Vornehmen in England tragen ſehen ). 

Dieſes ſcheint der Vogel zu ſeyn, den Barbot unter dem Namen Alcaviack beſchreibt, 


davon man Wake als eine Abkuͤrzung anſehen kann. Nach dem Berichte dieſes Schrift— 


ſtellers, iſt er von der Größe eines Pfaues, mit einem ſchoͤnen Buſche feiner kleiner Federn 
auf dem Wirbel. Der Kopf iſt auf beyden Seiten mit Weiß gefleckt, und alle Federn ſind 
fo gelinde wie Sammt o). = | 
25 Bey 
) Siehe die Figur. h) Labat zweyter Band a. d. 326 S. und drit⸗ 
f) le Maire ſaget, grau und ſchwarz geſpren⸗ ter Band a. d. 139 G 1 
keit, und haͤlt fie für eine Art Rebhuͤhner. Siehe 1) Jobſons Goldhandel a d. 147 S. 
ſeine Reiſe a. d. 73 S. 4 Moores Reiſen a. d. Bo S. 
g) Sie find eine Art kleiner Faſane, und leicht 4) Labats fuͤnfter Band a. d. 29 S. 
zu zähmen. Man findet fie in Gebuͤſchen. La- ) Barbots Beſchreibung v. Guinea a. d. 16 S. 
bat zweyter Band g. d. 326 ©. 1) Jobſons Goldhandel a. d. 147 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 337 


Bey der Lache Eutan zwiſchen Rufiſco und Biguet giebt es eine Art Falken, wel- Natur- 
che Fiſche rauben. Ihre Federn ſind braun mit etwas weißen auf der Bruſt, und am En— geſchichte. i 
de der Flügel. Ihr Schnabel iſt groß, gekruͤmmt, und wie eine Säge gezaͤhnt, fo daß fie Fiſcherfalke. 
ihren Raub ſehr feft halten. Ihre Fuͤße find kurz, und mit ſtarken ſpitzigen Klauen be— 
waffnet. Sie fliegen wohl, ſchweben lange uͤber dem Waſſer herum, bemaͤchtigen ſich des 
erſten Fiſches, den fie ſehen, und freſſen ihn am Ufer 5). 

An der Gambra giebt es Wachteln, fo groß als Waldhuͤhner, in großer Menge, wel- Wachteln. 
ches Jobſon mit denen fuͤr einerley Art haͤlt, die auf die Iſraeliten in der Wuͤſten geregnet. 

Sie haben auch die Menge wilde Tauben, welche ſelbſt vor den Hausthuͤren dasjenige 
verzehren, was von ihrem Korne abfällt. Zahme Tauben giebt es nicht. 

Ihr groͤßter Vogel, nach eben dieſes Schriftſtellers Anzeige, heißt der Stelzer 7), we- Stelzer. 
gen feiner langen Füße und Halſes, die ihn größer als einen Mann machen. Der Rumpf 
iſt ſo groß, als ein mittelmaͤßiges Lamm; es iſt aber trocken Fleiſch, ob es gleich fuͤr nahr— 
haft gehalten, und von den Einwohnern hochgeſchaͤtzt wird. | 

Sie haben kleine Bögel von ſchoͤnen Farben und mannichfaltigem Geſange. 

Einer von den kleinern Vögeln hat keine Füße, aber zweene Stränge, damit er ſich wie Voͤgel ohne 
der arabiſche Vogel r) ohne Bewegung, mit dem Kopfe niederwaͤrts an die Bäume hängt; Füße. 
an Farbe iſt er einem verwelkten Blatte vollkommen aͤhnlich. 

Papageyen haben ſie nicht, außer den dummen Papageyen mit dem rothen Schwanze, Papageyen. 
die ſelten wohl reden. Dieſe bauen ihre Neſter auch auf die aͤußerſten Spitzen der Aeſte. 
Sie haben viel Paraketos, welches ſchoͤne Voͤgel find 5). 


* Kk * Kk *R K K *k K K W K K K KR * K R K * K R K K K * XK K X XK XK * * 


Das XX Kapitel, 
Fiſche in dieſen Gegenden. 


Der I Abſchnitt. 


Meerſchweine. Wallfiſche. Blaſer. Hay oder See- ger. Pilotfiſch. Pantouflier oder Hammerfiſch. 
hund. Wie er ſich ſeines Raubes bemaͤchtiget. Seekuh oder Manati. Woher ſie ſo heißt: Wie 
Iſt leicht zu fangen; ſehr gefaͤhrlich; gefraͤßig man ſie faͤngt: Ihr Fleiſch und Fett iſt ſehr gut. 
und kuͤhn. Staͤrke ſeines Schwanzes. Der Sau: Schwerdtfiſch. Spontons. Alte Weiber. 


ie Meerſchweine, welche von den Englaͤndern Porpoiſes, von den Portugieſen Tam⸗ Porpoiſes 
$ nos, und von den Franzoſen Marſonin genennt werden, find von zweyerley Arten. oder Meere 
Einige haben eine ſpitzige Schweinſchnauze, daher fie Meerſchweine heißen. An- ſchweine. 
dere haben ein flaches Maul wie die Lamia 4), welchen Namen ihnen die Hollaͤnder bey— 
f legen. 


6) Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 29 7) Siehe das Kupfer. 
u. f. S. Dieſe Beſchreibung ſtimmt mit des Herrn r) Hierinnen iſt er dem Manacodiata oder 
Moores Figur vom Kronvogel auf der 228 Seite. Paradiesvogel aͤhnlich. 
wobey keine Beſchreibung iſt, uͤberein. Siehe das s) Jobſons Goldhandel auf der 146 S. auch 
Kupfer. a. d. 150 S. 

p) Labat vierter Band a. d. 155 S. 4) Oder Schwerdtfiſch. 


Allgem. Keiſebeſchr. HI Band. Mu 


Tratur⸗ 


338 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


legen. Man heißt ſie auch Seemoͤnche, weil es nicht anders ausſieht, als ob ſie eine Kutte 


geſchichte. anhaͤten. Wenn man ſie aufſchneidet: fo iſt ihr Fett oder Speck, wie bey den Schweinen, 


Wallfiſche. 


Blaſer. 


Lamia. 


Hay. 


auch das Eingeweide iſt ſo. Sie ſchwimmen heerdenweiſe, und grunzen wie die Schweine, 
welches man als eine Vorbedeutung von uͤbelm Wetter annimmt 6). 

Le Maire ſaget, das Marſouin oder Meerſchwein ſey von der Groͤße des Seehundes, 
und ſehr gut zu eſſen. Sie beſchaͤdigen niemanden. Man machet Speck von ihnen, der aber 
uͤbel ſchmecket. Seiten und Eingeweide ſind wie bey den Schweinen, doch haben ſie zwee⸗ 
ne Magen, einen am Ausgange des Schlundes, den andern ihm zur Seite, der faſt ſo 
groß iſt, als jener. Es geht ein Weg, ſo enge als ein Federkiel, aus einem in den andern. 
Sie ſind voll kleine Zellen wie ein Honigkuchen. Der Zwoͤlffingerdarm entſprang, wie ſich 
le Maire ſehr wohl erinnerte, von dem letztern. Er konnte nicht alles genau unterſuchen, 
weil die Schiffleute ſoviel verderbt hatten. 

Die Wallfiſche find an Laͤnge und Dicke fo erſtaunlich, daß fie oft ein Fahrzeug von ſechs 
und zwanzig Tonnen uͤbertreffen. Gleichwohl werfen ſie niemals ein Schiff um, auch nicht 
einmal eine Barke oder Schaluppe. Man muß dieſe Bedachtſamkeit mehr der Zaͤrte ihrer 
duͤnnen Haut, als ihrer Guͤte zuſchreiben. Sie koͤnnen nicht anders, als wenn ſie verwun— 
det find, an etwas hartes ſtoßen: alsdenn aber müffen ſich die Fiſcher in ihren Booten vor 
der Gefahr in Acht nehmen und wegmachen. f 

Der Blaſer iſt einem Wallfiſche ſehr ähnlich, aber viel kleiner. Sie ſtoßen das Waſſer 
wie die Wallfiſche in die Hohe, aber nur durch einen Weg über der Schnauze, da die Wall— 
fifche hingegen zweene haben c). 

Die Lamien oder Schwerdtfiſche, ſchwimmen in Untiefen wie die Meerſchweine, aber 
viel ſchneller. Sie ſind kleiner, als die Wallfiſche, haben aber keine Oeffnung, das Waſſer 
auszuſpritzen H. 

Den Hay oder Seehund nennen die Portugieſen Tubaron, die Franzoſen Haye und 
Requiem. Er läßt ſich meiſtens bey ftillem Wetter ſehen. Sie ſchwimmen langſam, und 
haben eine hohe Finne auf dem Kopfe. Ihr Mund geht bis ins Mittel des Halſes, ſo daß 
ſie ſich mit großer Muͤhe umwenden muͤſſen, wenn ſie etwas verſchlingen wollen. Ihr 
Kopf iſt glatt und flach, und ſie haben viel Staͤrke, beſonders im Schwanze, mit dem ſie ge— 
faͤhrlich ſchlagen. Sie haben ſcharfe Saͤgenzaͤhne, mit denen ſie einen Menſchenarm oder 
Fuß fo glatt als mit einer Axt abſchneiden. Sie find hungerig und ſehr gefraͤßig; was fie 
antreffen, verſchlingen fie begierig, fo daß die Holländer oft eiſerne Haken und ſogar Aexte 
in ihrem Bauche gefunden. Ihr Fleiſch iſt grob und von wildem Geſchmacke e). 

Le Maire meldet, der Requiem oder Hay habe die Geſtalt eines Seehundes, ſey 
aber dreymal ſo lang von vier zu acht Fuß. Sie gebaͤhren lebendige Junge, und haben 
eine Baͤrmutter wie eine Huͤndinn, die andern Theile gleichen einem Fiſche 7). Labat 
meynet, der Requiem, welcher auf dieſer ganzen Küfte, und in allen Fluͤſſen häufig gefun- 
den wird, ſey von den europaͤiſchen Seehunden nur an der Größe unterſchieden. Man findet 
ihn oft zu zwanzig Fuß lang, und vier Fuß dick, mit einer ſtarken rauhen Haut bedeckt, die 

aber 


5) Arthus Beſchreibung von Guinea beym de e) Ebendaſ. 

Bry morgenlaͤndiſchen Indien sſter Theil a. d. 7s S. ) le Maire a. d. 74 S. 
0) le Maire Reif. nach den Canarieninſ. a. d. 7s S. 2) Dieſes behaupten Arthus, Bosman, und 
4) Arthus an oben angefuͤhrtem Orte. die meiſten andere. a. f 


FISCHE VON SIERRA LEONA. 


> Ac von Pulcharden g. Cın ungenannter, g. Des Moench.. 
oa. Pelamiden. Zeh. ie Banane. 
Car unbekannter Pıjch.4. Die Bekune FR 
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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 339 


aber nicht zu dicke iſt. Sein Kopf iſt lang, feine Augen find groß, rund, offen und roth. Tatur⸗ 
Der Mund iſt weit, und oben und unten mit wenigſtens drey Reihen Zaͤhnen bewaffnet, geſchichte. 
von denen einige dreyeckicht, andere flach, und noch andere ſpitzig ſind. Alle ſind ungemein 

hart und ſcharf, nahe beyſammen, ſo daß ihnen nichts widerſtehen kann. Zum Gluͤcke iſt 

dieſer gefraͤßige Mund faſt einen Fuß lang von dem Ende der Schnauze, ſo daß er ſeinen 

Raub vor ſich fortſtoͤßt, an ſtatt ihn zu beißen. 

Einige haben behauptet, der Hay kehrte ſich auf den Rücken, wenn er fraͤße g). Allein Wie er ſich 
in dieſer Stellung wuͤrde es eben fo beſchwerlich für ihn ſeyn zu ſchlingen, als wenn er auf feines Rau⸗ 
dem Bauche ſchwimmt. Er pflegt ſſich aber auf feine Seite zu legen. Seine Finnen bes bemäch⸗ 
ſind groß, auf jeder Seite zwo, und eine auf dem Ruͤcken etwa ein Drittheil der Laͤnge vom 
Kopfe, eine kleinere naͤher beym Schwanze, und zwo mittlere unweit des niedern Theils 
vom Bauche. Sein Schwanz iſt breit, ſtark und eingeſchnitten. Er verfolget ſeinen Raub 
fo hitzig, daß er oft ſelbſt darüber aufs Land läuft. 

Er iſt gefraͤßig, kuhn und gefährlich, und würde das Meer bald öde machen, wenn er Leicht zu 
nicht ſo ſchwer ſchlaͤnge. Die Bewegung, die er machen muß, ſo geſchwind er auch dabey fangen. 
iſt, giebt dem Raube Zeit, zu entwiſchen. Die Schwarzen bedienen ſich dieſer Gelegenheit, 
ihn zu treffen; und wenn er ſich auf die Seite leget, tauchen ſie unter und hauen ihm den 
Bauch auf. Aller Raub iſt gut für ihn P). Man fängt ihn leicht, weil er fo begierig nach 
allem ſchnappet. Meiſtens wird er mit einem ſtarken Haken oder einer Kette gefangen, wor— 
an ein Stuͤck Speck oder Fleiſch iſt. Sein Fleiſch iſt dichte, mager, ſchleimicht, und uͤbel⸗ 
ſchmeckend. Sein einziger ertraͤglicher Theil ift der Bauch, der vier und zwanzig Stun⸗ 
den eingeſalzen und wohl gekocht, mit Oele und Eßig zu eſſen iſt. Wenn man die Jungen, 
welche man in! dem Bauche einer Hayinn findet, einen oder zweene Tage in einem Faſſe mit 
Waſſer waͤſſern lat, fo find fie gut zu eſen. Das Gehirn eines Hayes ift fo hart, als 
Stein, wenn es trocken iſt. Die Englaͤnder ſagten, wenn man es in weißen Wein ſchabte, 
fo ſey es kreißenden Weibern vortrefflich gut, und befoͤrdere die Geburt 7), 

Dieſe Fiſche find denjenigen ſehr gefährlich, die ſich in dieſen Landern baden und wa- Sehr gefähs- 
ſchen. Im Jahre 1731 ward ein Sklavenmaͤgdchen im St. Jamesfort an der Gambra, lich. 
beym Fußwaſchen von einem Haye weggefuͤhret H. 

Als die Barke, Weymouth, auf der Gambra im Jahre 1721 hinaufruderte: fo machte 
ſich ein Hay ans Boot, und nahm, ungeachtet des Geraͤuſches ſo vieler Ruder, eines da— 
von in den Rachen, und zerbiß es. 

Zu Whydah, wo die See ſtark ans Ufer ſchlaͤgt, ſchlug ein Canda um, welcher Gi: 
ther ans Land bringen ſollte. Ein Hay bemaͤchtigte ſich eines von den Leuten, und ſie 
wurden durch den Schwall beyde ans Land geworfen. Gleichwohl ließ der Hay ſeine 
Beute nicht fahren, ſondern brachte ſie bey der erſten Ruͤckkunft der Fluth vollkom— 
men weg H. 

Boſman verſichert, nichts ſey unrichtiger, als wenn man den Hay oder Requiem mit 
dem Seehunde verwechſele, da fie einander nicht im geringſten ähnlich wären. Sie find 

Uu 2 ſehr 


5) Atkins Reiſe nach Guinea a. d. 45 S. ſaget, 1) Labats zweyter Band auf der 348 und fol⸗ 
fie Hätten drey von acht zu zehn Ellen lang in einer genden Seite. 
Stunde gefangen. Die Lebern hätten zehn Sal: * Woores Reiſen a. d. 78 S. b 
lonen Oel gegeben. I) Atkins am angeführten Orte, a. d. 46 S. 


Natur⸗ 
geſchichte. 
3 


Gefraͤßig 
und kuͤhn. 


Staͤrke ſeines 


340 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


ſehr dicke und lang, einige zwiſchen zwanzig und dreyßig Fuß groß. Sie haben ein breites 
flaches Haupt, mit einer ſcharfen ſpitzigen Schnauze, übrigens find fie ſehr haͤßlich. 

Dieſer Fiſch iſt der Schwarzen beſte und gemeinſte Speiſe. Man faͤngt ſie an der 
Goldkuͤſte taͤglich auf den großen Sandbaͤnken. Die Europaͤer eſſen ſie nie, weil das Fleiſch 
zu grob iſt. Dieſem abzuhelfen, laſſen es die Schwarzen ſieben bis acht Tage faulen, worz 
auf ſie es als einen Leckerbiſſen begierig eſſen. Tiefer im Lande wird ſtarker Handel damit 
getrieben. Der Verfaſſer haͤlt ihn fuͤr das kuͤhnſte Thier. . 

Wenn jemand uͤber Bord faͤllt, ſo iſt er verlohren; es muͤßte denn ſeyn, daß nicht gleich 
einer von dieſen Fiſchen da waͤre, welches etwas ſeltenes iſt, oder daß ihm ſogleich geholfen 
wird. Boſman hat die Gefraͤßigkeit dieſer Thiere nicht ohne Entſetzen angefehen, wenn . 
todte Sklaven uͤber Bord geworfen worden. Sogleich ſchoſſen vier bis fünf nach dem 
Leichname unter das Schiff, ihn zu zerreißen. Bey jedem Biſſe geht ein Arm, Bein, oder der 
Kopf weg, und bisweilen iſt alles verzehrt, ehe man Zwanzig zaͤhlen kann. Wenn einer 
zu ſpaͤte koͤmmt, fein Theil zu erhalten: fo machet er ſich an die andern. Sie fallen einan— 
der mit großer Heftigkeit an, heben ihre Koͤpfe und die halben Leiber aus dem Waſſer, und 
geben ſich ſolche gewaltige Streiche, daß die See davon zittert. Wenn er gefangen iſt, und 
an Bord geſchleppt wird: ſo halten ſich die Seeleute entfernt; denn außer ſeinen ſcharfen 
Zähnen, mit denen er um ſich hauet, ſchlaͤgt er noch mit dem Schwanze, welcher ungemein 


Schwanzes. ſtark iſt, und wer ihm zu nahe koͤmmt, der verliert einen Arm oder ein Bein, oder es wird 


Der Sauger. 


ihm wenigſtens zerſchmettert. 

Er ſetzet hinzu, auf der Goldkuͤſte fielen ſie kein Menſchenfleiſch an. Er vermuthet, es 
gerchähe deswegen, weil ſie ſich leichter mit kleinen Fiſchen ſaͤttigen koͤnnen, die zu Ardra 
und Fida oder Whida fehlen; daher ſie, um nicht zu verhungern, daſelbſt menſchliche 
Körper freſſen, und bisweilen ſogar Schiffe zu dreyen Wochen oder einen Monat lang ver: 
folgen, um auf Sklaven, welche uͤber Bord geworfen werden, zu warten. ' 

Dieſem ungeachtet ward Boſman von gewiſſen Leuten verfichert, an dem grünen 
Vorgebirge, wo dieſe Fiſche raͤuberiſch genug ſind, ſey ein hollaͤndiſcher Steuermann, weil 
er nicht ſchwimmen koͤnnen, in Gefahr geweſen, zu erſaufen, da ihn denn ein Hay ganz ge— 
linde beym Fuße angefaßt, und an Bord gefuͤhret habe. Wir vermuthen, alle Leute wer— 
den mit dem Verfaſſer dieſe Geſchichte in Zweifel ziehen 1). 

Arthus und andere bemerken, daß der Hay ordentlich mit einem Haufen kleiner Fiſche, 
Quequadores genannt, umgeben ſey m), die einen breiten Mund und flachen Kopf haben, 
womit fie ſich an den Körper des Hays hängen. Wenn er feinen Raub nimmt, fo ſamm⸗ 
len fie ſich rings um ihn herum, und theilen mit ihm, ohne daß er ihnen etwas thut 1). 

Der Sauger hat dieſen Namen, weil er ſich an die Fahrzeuge mit dem Munde fau- 
gend anhaͤngt. Sie ſind von der Groͤße einer Scholle. Wenn ſie ſich ans Ruder haͤn— 


gen, 

N) Boſmans Beſchreibung von Guinea auf der nauere Beſchreibung dieſes und anderer Fiſche aus 

281 u. f. ©. dem 5 e 2 
i ie Ri p) Atkins Reiſe nach Guinea. 

m) Siehe die Figur. f f 7) Reiſe nach Lybien a. d. 46 S. 

1) Arthus beym de Bry im VI Theile auf der +) Labats America im IV Bande a. d. 351 S. 
76 Seite. s) Siehe die Figur. 
o) le Maires Reiſe nach den canarifchen In⸗ t) Siehe eine merkwuͤrdige Begebenheit von 
ſeln. Siehe auch oben auf der 272 Seite eine ge, dieſem Fiſche beym Labgt am obangefuͤhrten Orte. 


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Der Meermond oder 


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\ 2: Die Meerkroete. 


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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 341 


gen, fo hindern fie das Schiff; aber fie halten es nicht auf, wie man von dem Remora Latur⸗ 
falſchlich berichtet o). Es iſt aber dieſer Schriftſteller in dieſen beyden Umſtaͤnden betro- geſchichte. 
gen worden. Sie haͤngen ſich mit dem Hintertheile ihres Kopfes an, und ſind viel zu klein, 

die Bewegung eines Schiffes unter Segel im geringſten zu hindern. 

Der Hay wird gleichfalls von einem andern Fiſche begleitet, den man deswegen den 
Piloten nennet. Er chat die Größe eines Haͤrings, und geht um jenen Freſſer herum, Pilot. 
oder hängt fich auf ſeinen Ruͤcken, ohne daß er ihm was thaͤte pP). 

Der Figene oder Pantouflier 7), ſonſt auch der Hammerfiſch genannt, iſt nach Tanz Zigene oder 
nequins Berichte ſehr ſtark und gefraͤßig, auch fo gefährlich als der Hay. Labat ſah Ham̃erfiſch. 
einen Jungen über zwölf Fuß lang, und fo groß als ein Pferd 7). Er gleicht dem Hay bis 
auf den Kopf, der ſehr groß, und faſt wie ein Hammer ' geſtaltet ift )). Seine Augen find 
groß, an beyden aͤußerſten Enden geſetzt, und ſehen furchtbar aus. Seine Zähne ſtehen, 
wie beym Han, in verſchiedenen Reihen t). 

Die Seekuh, welche die Spanier Manati, und die Franzoſen Lamentin nennen, iſt Seekuh oder 
gemeiniglich ſechzehn bis achtzehn Fuß lang 1), und vier bis fuͤnf Fuß dick. Sie iſt vom Manati. 
Kopfe bis an den Nabel rund, wird alsdann nach und nach flach, und hat einen Schwanz, 
wie eine Beckerſchaufel, oder vielmehr wie die Eiſenplatten, aus denen Pflugſcharen gemacht 
werden, wenn ſie erſt aus der Schmiede kommen. Ihr Kopf iſt groß und ungeſtalt, ihr 
Mund weit, mit großen Lippen und langen rauhen einzelnen Haaren am Obertheile. Ihr 
Augen find klein und truͤbe, ihr Geſicht ſchwach, aber ihr Gehör ſcharf x); fo daß das 
entfernteſte Geraͤuſch ſie in Bewegung bringt; da ſie zumal, wie alle Fiſche ohne Zaͤhne, 
die ihr gleichfalls mangeln ), ſehr furchtſam iſt. 

Der Name Wanati, oder der Fiſch mit Händen, hat viele verleitet, daß fie ihr wirk- Woher der 
liche Aerme und Hände zugeſchrieben, wie fie auch die Maler und Kupferſtecher fo vorgeſtellet Name koͤmt. 
haben 2). Dieſe Haͤnde ſind aber in der That nur zweene Fluͤgel oder ſtarke Finnen, dicht 
an den Ohren. Sie ſind am Ende breiter, als da, wo ſie eingewachſen ſind, und in drey 
Abtheilungen eingeſchnitten, woraus vier kleine Spitzen entſtehen, deren jede ſich mit etwas 
hornichtem endiget. Das Weibchen bedienet ſich derſelben, ihre Jungen fortzutragen, und 
an die Zitzen zu halten, die ein wenig über dieſen Finnen ſtehen 2). Dieß iſt der einzige 
Nutzen, den ſie davon haben kann; denn ſie koͤmmt nie aufs Land, wie das Flußpferd; ſie 
koͤnnte auch ihren großen Koͤrper auf dieſen zarten Finnen nicht tragen, da ſie zwoͤlf- bis 
funfzehnhundert Pfund wiegt. Man wird dieſes gewahr, wenn die Manati bey der Ebbe 
auf Untiefen geraͤth, da ſie aus Mangel des Waſſers auf dem Grunde bleibt. Ihr Freſſen 
iſt das Gras am Ufer der See und Fluͤſſe. 

Sie lieben friſches Waſſer; daher man ſie ſelten weit von den Kuͤſten ſieht. Wenn ſie Wie man 
bisweilen mit dem Munde über dem Waſſer einſchlafen: fo werfen die Negerfiſcher ſogleich fie fängt. 


1) Von eilf zu zwoͤlf Fuß lang. Atkins auf 
der 43 Seite. 


x) Gleichwohl find nach dem Atkins die Ohren 
ſo klein, daß man kaum eine Stecknadel hineinbrin⸗ 
gen kann. 


„) Atkins ſaget, fie hätten im Hintertheile des 
Rachens Zaͤhne, wie ein Ochs, dem ſie auch am 


Uu 3 Har⸗ 


Kopfe und an der Schnauze gleichen. Siehe auf der 
43 Seite. 5 

2) Wie in Labats Zeichnung, die von ſeiner 
Beſchreibung unterſchieden iſt. Siehe deſſen II Band 
a. d. 338 Seite. 

a) le Maire a. d. 79 S. ſaget, fie brauchten 
dieſe Finnen an ſtatt der Fuͤße, wenn ſie aufs Land 
giengen. 


Watur⸗ 
geſchichte. 
— 


Schwerdt⸗ 
fich. 


Spontons. 


Aſte Weiber. 


342 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Harpunen auf ſie, und ziehen ſie aufs Land, wenn ſie ſich verblutet haben. Man weis 
nicht, wie oft fie Junge werfen; deren fie ordentlich zwey zugleich haben, die man gemeinig- 
lich mit dem Weibchen faͤngt, wofern ſie nicht ſchon aufgehoͤret haben zu ſaugen. Man 
kann das Fleiſch feiner Zartheit wegen Flußkalbfleiſch nennen “). Die beſten Stuͤcke 
ſind am Bauche und an den Bruͤſten befindlich. Sie hat laͤngſt dem Leibe vier bis fuͤnf 
Zoll dickes Fett, ſo ſtark und gut als Schweinefett. Dieſes und ein gewiſſer Theil des 
Eingeweides c) zuſammengeſchmelzt, giebt vortreffliche Butter, welche ſich lange Zeit hält. 
Die Haut iſt derb genug: ſo daß ſie koͤnnte gegerbet werden; und ſie wuͤrde in verſchiedenen 
Faͤllen an ſtatt des Leders dienen 4). Im Kopfe findet man vier weiße Steine, denen 
große Heilungskraͤfte zugefchrieben werden, und die Ribben werden bey Blutfluͤſſen hochge— 
halten. Wenn dieſe Fiſche nicht vom Krocodille und dem Hape beſtaͤndig beſtritten wuͤr— 
den: ſo koͤnnten ſie ſich ſehr vermehren e). f 

Le Maire meldet, an der Sanaga wären mehr Seekuͤhe, als an der Gambra. Sie 
waͤren fo groß, als die Meerſchweine, und hätten eben ſolches Fleiſch und ſolchen Speck 7). 

Er meldet auch von einem Fiſche, der einen Knochen aus ſeinem obern Kinnbacken her— 
ausragen hat, welcher vier Fuß lang, und queeruͤber mit ſcharfen Stacheln verſehen iſt, die 
auf beyden Seiten in gleicher Weite voneinander ſtehen. Er wußte den Namen dieſes 
Fiſches nicht; aber fein Ueberſetzer heißt ihn den Schwerdtfiſch, mit dem Zuſatze, fie waͤ— 
ren Todtfeinde des Wallfiſches, den fie oft fo verwundeten, daß er nach dem Lande zuge: 
hen, und ſich zu tode bluten müßte g). 

Eine Art wird von den Schiffleuten Spontons genannt. Sie haben einen großen 
Knochen wie die vorigen, der aber glatt und ſehr ſcharf iſt, und dem erdichteten Einhorne 
gleicht. Le Maire hält ihn für denjenigen, den die Franzoſen Naruval heißen. Er 
kann ein Fahrzeug durchſtoßen und laͤck machen, aber manchmal bricht er fein Horn, womit 
ſelbſt die gemachte Luͤcke verſtopft wird. 

Die alten Weiber, eine große Art von Stockfiſchen, werden laͤngſt dieſer weſtlichen 
Kuͤſte in großer Menge gefunden, befonders bey der Bay von Arguin und dem weißen 
Vorgebirge. Sie find dem Stockfiſche in allem gleich, nur in der Größe nicht. Einige 
wiegen zweyhundert und mehr Pfunde. Das Fleiſch iſt weiß, zart, fett und feſt, und loͤſet 
ſich in Flocken ab. Die Haut iſt grau, dick und fett, und mit kleinen Schuppen bedeckt. 
Sie ſind begierig, und alſo leicht zu fangen, ob fie wohl wegen ihrer Staͤrke erſtaunliche Ge— 
walt anwenden, um ſich loszumachen. Das Fleiſch iſt friſch, und wohl zu eſſen; wenn es 
aber fuͤnf oder ſechs Stunden eingeſalzen wird: ſo ſchmecket es deſto zaͤrtlicher. Der Kopf 
giebt eine vortreffliche Bruͤhe. Das Fleiſch iſt nahrhaft und verdaulich, wenn es vollkom⸗ 
men gekocht iſt: denn ſonſt iſt es ſchaͤdlich. Es erfordert wegen feiner Große mehr Salz, 
als der Stockſiſch von Neufoundland, auch große Sorgfalt beym Trocknen und Einpa⸗ 
cken. Wird dieß aber beobachtet, fo haͤlt es ſich wohl, und es koͤnnte ein guter Handel da- 
mit getrieben werden. Die Holländer führten viel davon aus, als fie Arguin im Beſitze 


hatten Y). 
Der 


5) Atkins a. d. 43 u. 35 S. ſaget, das Fleiſch Sklaven damit zu zuͤchtigen, wie wir uns der Och⸗ 


ſey wie Kalbfleiſch, aber grob. ſenziemen bedienen. 
c) Franzoͤſiſch: Panne. e) Labats abendlaͤndiſches Africa IV Band auf 


dy Man bedienet ſich ihrer in Weſtindien, die der 338 Seite. 


Noz. weltliche Küſte von Africa 


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== Der Krampffijch oder Zorpredo nach Kempfern £ 


Der Bauch und die Hochlung der Bruft von 
dem Weibchen, vorinnen man das Har die cue MerBauch von dem Maennchen. 


und das öingeweyder sieht. 
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von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 343 
Natur⸗ 


Der II Abſchnitt. geſchichte. 
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Der Torpedo. Wirkung feiner Berührung. Sein genſchaften des Torpedo. Er iſt von verſchiede⸗ 
Name und ſeine Geſtalt. Kopf, Augen und nen Arten und Beſchaffenheiten. Der Krebs. 
Mund. Der Hinter und Schwanz. Haut, Bei: Karpe. Aale. Muletten. Barben. Schild: 
ne und Eingeweide. Daͤrme und Eyer. Bes kroͤten. Ihre Patten oder Finnen. Eyer. Pil⸗ 
taͤubende Eigenſchaft, wenn ſie am ſtaͤrkſten iſt. chards. Krabben, welche Tourleroux heißen. 
Außerordentliche Natur derſelben. Andere Ei: 


Urn allen ſchwimmenden Geſchoͤpfen iſt keines von mehr erſtaunlicher Natur, als der Torpedo. 
Torpedo, oder betäubende Fiſch, den einige den Krampffiſch nennen. Rolbe, wel⸗ 
cher ihn unter dem letztern Namen anfuͤhret, ſaget, man finge ihn an dem Vorgebirge der 
guten Hoffnung oft mit dem Netze nebſt andern Fiſchen. Er iſt von der knorplichten Art, 
und rundlicht, als ob er aufgeblaſen waͤre, aber nicht breit. Seine Augen ſind ſehr klein, 
und die Augaͤpfel ſchwarz und weiß untermengt. Der Mund, welcher Zaͤhne hat, iſt ſehr 
klein, und halbmondenfoͤrmig gegen das untere Theil des Fiſches. Der Kopf aber raget 
nicht vor dem Körper hervor. Der Mund und die Augen des Fiſches ſtehen fo genau dar— 
innen, als ob fie auf eine Kugel gemalt wären. Ueber dem Munde find zwo kleine Oeff— 
nungen, welche die Mafenlöcher zu ſeyn ſcheinen. Der Rücken iſt orangefarben; und der 
Bauch weiß. Der Schwanz iſt duͤnner und fleiſchicht, wie bey der Tornbutte. Die Haut 
iſt uͤber und uͤber ganz glatt, und voͤllig ohne Schuppen. Wenn man den Fiſch oͤffnet: ſo 
ſieht man das Gehirn ſehr deutlich. Die Galle iſt groß, die Leber aber weiß und ſehr zart. 
Der Fiſch wiegt in allem nicht uͤber ein Vierthelpfund. 

Kolbe hat den Bericht verſchiedener Schriftſteller in der Erfahrung gegruͤndet be- Wirkung feis 
funden. Wenn er dieſen Fiſch mit der Hand, oder mit dem Fuße, oder auch nur mit einem nes Beruͤh⸗ 
Stocke berührt: fo find feine Gliedmaßen gleich von einem ſolchen Krampfe gezogen, und fo rens. 
betaͤubet geworden, daß er ſie nicht bewegen koͤnnen, und eine ſchmerzliche Pein darinnen 
gefuͤhlt hat, beſonders an dem Gliede, damit er den Fiſch beruͤhrt, oder den Stock gegen 
denſelben ausgeſtreckt hat. Er empfand uͤber und uͤber ſtarke Zuckungen; aber dieſe Wir— 
kung dauerte nie uͤber eine halbe Stunde. Sie iſt eine oder zwo Minuten am heftigſten, 
und nimmt nach und nach ab, bis ſie ganz weg iſt. 

Die Fiſcher an dem Vorgebirge fürchten ſich außerordentlich, ihn zu berühren; fo daß 
ſie ihr Netz halb ausſchuͤtten, um ihn los zu werden, wenn ſie einen darinnen vermuthen; 
ja ſie wuͤrden lieber den ganzen Fiſchzug verlieren, als ihn ans Land bringen 4). 

Wir wollen doch Doctor Kaͤmpfers Nachricht davon, welche die vollſtaͤndigſte iſt, 
allhier einruͤcken. | 

Der Fiſch, den die Roͤmer von der Betaͤubung, welche er denen, die ihn berühren, ver- Sein Name 
urſachet, Torpedo nennen, heißt aus eben der Urſache bey den Perſern Lerz Mahi, und und Geſtalt. 
bey den Arabern Riaad. Der perſiſche Meerbuſen hat unter feinen vielen ſchuppichten 
Fiſchen verſchiedene von ſeiner Art. Der Koͤrper iſt flach, gleich einem Rochen, den Schwanz 
ausgenommmen, aber mehr zirkelrund 0). Er iſt nicht über zwo Spannen breit, auch in 

der 


F) le Maires Reiſen nach den canarifhen In- ſchreibung von Guinea a. d. 101 S. 

ſeln a. d. 78 S. a) Kolbens Vorgebirge der guten Hoffnung 
g) Ebendaſelbſt a. d. 76 S. II Band a. d. 207 S. 
7) Aabas a. d. 60 u. f. S. Barbots Be 6) Siehe die Figur. 


ratur: 
geſchichte. 


Kopf, Augen 
und Mund. 


Hintere und 
Schwanz. 


* 


344 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 

der groͤßten Breite. In der Mitte iſt er weich, und ohne Beine, und zween Zoll dick; von 
dar nimmt er nach und nach gegen das Ende ab, welches knorplicht wird, und die Stelle 
der Finnen vertritt. Die Haut iſt ſchluͤpfrich, ohne Schuppen, und voll Flecke, davon die 
auf dem Ruͤcken weiß und braun, und die am Schwanze dunkler ſind. Der Bauch iſt 
weiß, wie bey den meiſten flachen Fiſchen, welche ſich zum Ufer halten. Seine Oberflache 
iſt auf beyden Seiten uneben, beſonders auf dem Ruͤcken, deſſen Mittel ſich wie ein kleines 
Schild erhebt. Von da erhebt ſich der Schwanz gleicherweiſe, und erſtrecket ſich eine 
Querhand breit uͤber den Leib hinaus. 

Der Kopf iſt ſehr flach, und mit in dem Zirkel des Leibes enthalten. Die Augen ſind 
klein, und erheben ſich von dem Ruͤcken einen guten Zoll von dem Ende wo der Kopf an— 
fängt, und von einander ſelbſt. Ein jedes hat ein doppeltes vorwärts gerichtetes Augen— 
lied c), von dem das aͤußere ſtark iſt, und fich ſelten ſchließt, das innere ift dünner und durch— 
ſcheinend, welches er im Waſſer zumacht. Zwo Hoͤhlen zum Athemholen ſtehen ſchief un— 
ter den Augen, von eben der Groͤße, welche der Fiſch im Waſſer mit einer dicken Haut 
ſchließt, welches gerade ſo ausſieht, wie ein Menſch, der winket; ſo, daß man glauben ſollte, 
es waͤre ein zweytes Paar Augen, wodurch vielleicht Berrichius in dieſen Irrthum verfuͤh— 
ret worden. ' 

Der Mund liegt an der untern Seite, den Augen gegenüber, und ift fo klein, daß man 
ihn mit einem Gelenke des Daumens bedecken kann, wenn er geſchloſſen iſt, man kann ihm 
aber einen weiten Umfang zuſchreiben, weil ſich feine Lippen ſehr ausbreiten. Die Lippen, 
welche in die Hoͤhlung des Mundes eingedruckt find, haben ſcharfe und kleine Spitzen, die 
ſo liegen, daß dasjenige, was verſchlungen worden, nicht leicht verlohren geht. In der 
Hoͤhlung des Kinnhackens iſt eine duͤnne Reihe ſcharfer Zähne. Auf jeder Seite des Mun— 
des liegt eine runde Hoͤhlung, wie ein Naſenloch, welches von der innern Hoͤhlung des Mun- 
des durch ein weich Stuͤck Fleiſch abgeſondert iſt 4), und mit einem feſten Knochen vor 
dem Herabfallen verſichert wird. RE 

Läͤngſt des mittlern Bauches find zwo Reihen kleinere Löcher, auf jeder Seite fuͤnfe. 
Der Bauch iſt ſehr ſchwammicht, weich und duͤnne. Die Locher find enge, nicht lang, queer 
uͤber geſetzt, und jedes mit einer ſtarken Haut bedeckt, die durch zwo Sehnen an die Seiten 
jedes Loches befeſtigt wird, welche Sehnen mit den Löchern einerley Länge, Lage und Ord- 
nung haben. Gleich unter dem Anfange des Schwanzes iſt der Hintere mit einer laͤnglich— 
ten Oeffnung durchloͤchert. Wenn man ihn druͤcket: ſo giebt er einen ſchwarzen irdiſchen 
Unflath, mit duͤnnen und uͤber eine Querhand langen Erdwuͤrmern vermengt. Der 
Schwanz iſt dick, wie ein Kegel geſtaltet, und endiget ſich in eine Finne, die eine fehiefe 
Spitze hat, und außen wie nach Art eines X eingefchnitten iſt e). Darüber liegen in einer 
kleinen Entfernung zwo andere Finnen, welche gegen den Ruͤcken breiter, gegen den Schwanz 
ſchmaͤhler ſind, und deren aͤußerſtes Ende rund iſt. Der Anfang des Schwanzes hat auf 
jeder Seite eine flache Finne, die ſehr ſtark und fleifchicht, bey zween Zoll breit if. Beym 
Maͤnnchen endiget fie ſich in eine ſchlanke knorplichte männliche Ruthe, einen Zoll lang, wel- 
che eine Röhre hat, und am Ende zwey Löcher zeiget, die bey einem gelinden Drücken einen 
fetten und zaͤhen milchichten Saft geben. 6 | 
Bey 
c) Oder vielmehr, nach ber Figur, ſchief eingeſetzt. 4) Craticula. 
e) Extremitate decuſſata. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 345 


Bey Zerſchneidung des Torpedo fand der Verfaſſer eine dicke Haut, ein weißes mit blauem Natur⸗ 
vermiſchtes Fleiſch; das Dermiell oder Peritonaum war feft, die Ruͤckenwirbel knorplicht, und geſchichte, 
liefen gegen die Wendung des Schwanzes zu. Er hat keine Graͤten oder Seitenknochen, aber Haut, Kno⸗ 
ſtatt derſelben ſtarke Sehnen aus den Wirbeln herausgeben. Sein Gehirn hat fuͤnf kenntliche chen und 
Paar Nerven; das erſte geht nach den Augen, das letzte begleitet die Leber ein kurzes Stück Eingeweide. 
Weges. Die uͤbrigen theilen ſich nicht weit von dem Urſprunge nach verſchiedenen Seiten. 

In der engen Hoͤhlung der Bruſt liegt das Herz los, welches vollkommen die Geſtalt 

einer Feige hat. Der Unterleib hat einen großen Magen, den verſchiedene Fibern verftär- 
ken, und der voll ſchwar zen ſtinkenden Unraths iſt. Er hat verſchiedene Adern, von denen 
eine beſonders groß iſt, ſich nach den rechten Lappen der Leber erſtrecket, und rund um die 
Gallenblaſe ſchlingt. Die Leber iſt von einem dicken Weſen, blaßroth, in zweene Lappen 
getheilt, von denen der erſte die ganze Hoͤhlung auf der rechten Seite ausfüllet, der andere 
zur Linken aber, welcher kleiner iſt, eine kenntliche Ader voll ſchwarzen Blutes entdeckt. 
Man koͤnnte den linken Lappen fuͤr die Milz anſehen, wenn er nicht mit dem kleinern Iſthmus 
unter der Bruſt zuſammenhinge, und deutlich von eben dem Weſen und eben der Farbe 
waͤre. Dieſe Lappen ſind voll Druͤſen, welche dicht beyſammen ſtehen, und vielleicht von 
dem Penis herkommen 7). Beym Zerſchneiden geben ſie ein dickes Weſen wie Butter. 
Sind die Eingeweide nebſt dem Magen weggenommen: ſo entdeckt ſich ein duͤnner durchſichti⸗ 
ger Sack, der auf jeder Seite an dem Ruͤcken befeſtigt, gekruͤmmt und uneben, und voll gewun⸗ 
dener Roͤhren iſt. Daran haͤngt ein fleiſchichtes Weſen, wie die Fluͤgel einer Fledermaus. 
Dieſes kann man die Baͤrmutter oder den Eyerſtock nennen. In dem Weibchen fand der 
Verfaſſer verſchiedene Eyer an dem linken Lappen der Leber liegen, die in keiner Schale, ſon⸗ 
dern in einer duͤnnen blaſſen bimſteinfaͤrbigen Haut eingeſchloſſen waren, uͤbrigens dem Gelben 
aus einem Huͤhnereye glichen, und in einem ſchleimichten durchſichtigen Safte ſchwammen, zu⸗ 
ſammen aber in eine Haut wie ein Eyerſtock eingeſchloſſen waren, die duͤnne, durchſcheinend, 
und an die Leber befeftigt war. Die Hitze des Wetters, welche machte, daß man ſich in 
dem Zimmer unmöglich langer aufhalten konnte, unterbrach die fernere Unterſuchung 2). 


Der Torpedo des perſiſchen Meerbuſens ſcheint in verſchiedenen Stücken von dem in Betaͤubende 
dem mittellaͤndiſchen Meere unterſchieden zu ſeyn, wie der letztere vom Ariſtoteles, Plinius Eigenſchaft. 
und Galen beſchrieben wird. Des erſtern betaͤubende Eigenſchaft aͤußert ſich nicht alle⸗ 
mal nothwendig, ſondern nur bisweilen bey Gelegenheit, wenn das Thier etwas fuͤhlet, das 
ihm Schaden thun, oder ſeine Flucht verhindern will. Es bringt dieſe Wirkung in einem 
Augenblicke durch einen Ruͤlps oder durch eine convulſiviſche Bewegung der Gedaͤrme her⸗ 
vor. Es erweitert in denſelben die Luftloͤcher des Unterleibes, ſaugt die Luft ein, und ſtoͤßt 
mit eben der Bemuͤhung ſeine ſchaͤdlichen Ausduͤnſtungen heraus. Dieſer Gift wirket un⸗ 
ter dem Waſſer nicht merklich, entweder weil ihm das Waſſer hinderlich iſt, oder weil er in 
feinem Elemente nicht alle Kraft ausuͤbet. Selbſt außer dem Waſſer kann man ihn manch- 
mal eine kleine Zeit ſicher handthieren, bis er feinen Gift, entweder weil man ihn gedruͤckt, 
oder weil er wieder ins Waſſer will, auslaͤßt. 

Wenn er friſch gefangen iſt: ſo ſind ſeine Wirkungen haͤufiger und empfindlicher, nach Wenn ſie am 
einigen Stunden aber nimmt die Kraft ab, wenn er oft iſt handthiert worden. e ſtaͤrkſten iſt. 

N at 


F Fortaffe p. u. naſcentibus. 20 Kaͤmpf. Am. Exot. a. d. 309 u. f. S. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Er 


Natur⸗ 


geſchichte. 
eee 


345 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


hat die Wirkung bey dem Weibchen heftiger und gefaͤhrlicher gefunden; ſo, daß ſie auf die 
Berührung mit den Händen die Aerme und Schultern entſetzlich betäubt, auch wenn man 
auf ſie, obgleich mit Schuhen, getreten, ſo hat ſie eben dieſe Unempfindlichkeit in den Fuͤßen, 
Knien und dicken Beinen verurſacht. Diejenigen, welche fie mit den Fuͤßen beruͤhrt, fühl: 
ten ein ſtaͤrkeres Herzklopfen, als die, welche ſie nur angegriffen, und diejenigen, welche die 


Erfahrung ſchon ein oder zweymal angeſtellt, fühlten auch zum wiederholten male die Be— 


Außeror⸗ 
dentliche Na⸗ 
tur deſſelben. 


Andere Ei⸗ 
genſchaften. 


taͤubung. Die Fiſcher ſagen, das Gift gienge, wenn ſie in dem Netze waͤre, nicht durch die 
Leinen in die Hand. Es iſt gewiß, daß die Betaͤubung die Hand nicht betrifft, wenn er 
mit einem Schwerdte verwundet wird, auch nicht, wenn man ihn mit einem Speere oder 
Stabe beruͤhret, wie Plinius verſichert. 

Dieſe Betaͤubung gleicht demjenigen nicht, was wir fuͤhlen, wenn ein Glied eingeſchla— 
fen iſt. Es iſt eine jaͤhlinge Empfindung, welche durch die Schweißloͤcher des geruͤhrten 
Gliedes augenblicklich zu dem Sitze des Lebens dringt, ſich von daraus durch deib und Seele 
durch und durch ſchmerzlich erſtrecket, und die nervichten Theile dergeſtalt zuſammenzieht, 
daß es iſt, als ob alle Knochen, beſonders die an dem zuerſt geruͤhrten Theile, ausgerenkt 
waͤren. Darauf folget ein Zittern des Herzens, eine Verzuckung aller Glieder, und eine 
durchgaͤngige Betaͤubung. Die Gewalt dieſes Giftes iſt ſo ſchnell und ſo heftig, daß es den 
Geruͤhrten wie ein Blitz durchdringt, und niemand wird ſich, es ſey für was für eine Beloh— 
nung es wolle, bereden laſſen, den Fiſch in der Hand zu halten, nachdem er den Schmerz 
gefuͤhlt hat. Gleichwohl ſah Kaͤmpfer, weil er dieſe Beobachtungen machte, einen Afri— 
caner, der den Fiſch ohne Bedenken nahm, und ohne Bewegung und Schaden handthier— 
te 5). Der Verfaſſer war begierig, dieſes Geheimniß zu erfahren, und fand in eigener Er— 
fahrung die Nachricht wahr, daß man die Betaͤubung durch Anſichhalten des Athems ver⸗ 
hinderte, welches auch ſeine Freunde richtig befanden. Er meynet, die Ausduͤnſtungen aus 
unſerm Koͤrper widerſtuͤnden auf dieſe Art denen, die von dem Fiſche herkommen; denn er 
bemerkte, daß die Betaͤubung empfindlich war, wenn man nach einem langen Zuruͤckhalten 
den Athem ein wenig gehen ließe. | N | 

Der Torpedo ift ein zarter Fifch und leicht zu toͤdten. Man hielt ihn in einem großen 
Faſſe voll Seewaſſer, und er ſtarb den Nachmittag, da er den Morgen nur gelinde war 
handthiert worden. Todt kann er nicht nur ſicher berührt, ſondern auch, wie man ſaget, 
gegeſſen werden. Gleichwohl laͤßt man ihn wegen ſeiner ſchaͤdlichen Eigenſchaft, auch wenn 
man ihn gefangen hat, ordentlich los. Die Fiſcher glauben, die Natur habe ihm ſolches 
zur Vertheidigung gegen andere Fiſche gegeben. Ariſtoteles bejahet dieſes; Plinius bil- 
ligt es, und Kaͤmpfer fand es durch die Steinbeißer bekraͤftiget, die er oft unter andern 
kleinen Fiſchen in dem Magen des Torpedo antraf 7). Wenn er indeſſen mit andern le» 
bendigen Fiſchen in ein Gefaͤß mit Waſſer gethan wurde: fo ſchien er fie nicht zu beſchaͤdigen, 
vielleicht, ſaget der Verfaſſer, weil er ſeine Feinde aus der Acht laͤßt, wenn er gefangen iſt. 

Da dieſes Thier keinen Mutzen bringt, wenn es gefangen wird: ſo erhaͤlt man es leicht 
von den Fiſchern. Ludolf J) erzaͤhlet, die Aethiopier heilten Fieber, indem fie den Torpe⸗ 

- do 


; 5) Gvingtons Reife nach Surat a. d. 49 Seite Fiſche, die hierdurch betaͤubt und ihm zum Raube 
führer dieſen Umſtand aus Kaͤmpfers Berichte an, wurden. Deſſen Goldhandel, a. d. 23 S. ' 
den er, nach der 252 Seite, in Indien geſehen hatte. 40 Hift. Aethiop. L. I. c. 2. 

7) Jobſon ſaget, er ſtoße im Waſſer an andere 1) Kaͤmpf. Am. Exot. a. d. 313 u. f. S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XX Cap. 347 


do an den Kranken brächten. Die aͤthiopiſchen Torpedos werden in Fluͤſſen und Seen Natur⸗ 
gefangen. Sennert und andere hätten ſich die Mühe erſpahren konnen, die Art, dieſe Be— ge ſchichte. 
täubung zu heilen, zu beſchreiben, da fie von ſich ſelbſt, in kurzer Zeit, und ohne Zuruͤcklaſ⸗ 
fung uͤbeler Folgen, weggeht. Die Figur eines italieniſchen Weibchens vom Torpedo, die 
Matthiolus liefert, ift Kaͤmpfers feiner vollkommen aͤhnlich, bis auf die Ordnung der 
Flecke und Geſtalt des Schwanzes, der bey dem perſiſchen Torpedo erhaben und ſchief, bey 
dem andern eben und rund iſt 1). a 
Die Schriftſteller find wegen der Geſtalt und Beſchaffenheit des Torpedo nicht völlig Die betaͤu⸗ 
eins. Atkins ſtimmet wegen der Geſtalt mit Kaͤmpfern überein. Er ſaget, er fey flach, benden Fiſche 
wie ein Scate, und fo kalt, daß er die Gliedmaßen derer, die ihn berühren, betaͤube, welches FÜ? verſchie⸗ 
aber in wenig Stunden vergehe m). Dieſer Verfaſſer ſcheint die Wirkung der kaͤltenden ech 
Beſchaffenheit des Fiſches zuzuſchreiben: aber alsdann wuͤrde ſie ohne des Fiſches Willen 
und allemal erfolgen, wovon Kaͤmpfer das Gegentheil fand. 
Nach des Windus Beſchreibung, der, wie er bey Tetu an in Marokko ankerte, verſchie⸗ in ihren Ar⸗ 
dene in dem Schlamme ſah, iſt er von der Groͤße eines ziemlichen Plateiß, aber dicker und ganz ten 
rund; fo, daß man den Kopf ſchwerlich vom Leibe unterſcheiden kann n). So weit find 
dieſe beyden mit Kaͤmpfern eins, aber Jobſon und Moore beſchreiben die Geſtalt ganz 
anders. Der erſte meldet, er ſey wie ein Braſem, aber viel dicker 0); und der zweyte ſaget, 
er ſey wie eine Kreſſe, (Gudgeon) aber breiter 7). Hieraus erhellet, daß verſchiedene Arten 
von Fiſchen dieſe Eigenſchaft haben ). 
Beyde berichten, daß fie nichts gefühlt, wenn fie den Torpedo mit einem Stecken be⸗ 
ruͤhrt. Atkins ſaget ſogar, man koͤnnte ihn ſolchergeſtalt ohne den geringſten Schaden eis 
nen ganzen Tag hinter einander ruͤtteln. | 
Aber Windus berichtet, fie hätten zu Pferde dieſen Fiſch mit Möhren berührt, und ei- und Eigen: 
ne Betäubung gemerkt, welche ihre Aerme hinauf gegangen, und eine oder zwo Minuten, ſchaften. 
nachdem fie die Roͤhre weggenommen, fortgedauert hätte r). Dieſes ſtimmt mit Kol⸗ 
bens Berichte uͤberein. Die Kraft des Torpedo kann alſo an einem Orte ſtaͤrker, als an 
dem andern, oder ſonſt verſchieden ſeyhn. Herr Moore ſaget, kein Engländer hätte die 
Hände über einen Zwanzigtheil einer Minute am Fiſche laſſen köͤnnen. Er machte ſelbſt 
verſchiedene Verſuche mit einem Finger, und augenblicklich ward ſein Arm bis an den Ell— 
bogen todt: aber wie er die Hand zurück zog, fo bekam er die Empfindung wieder. Er fand 
eben das bey dem todten Fiſche, ja bey der friſch abgezogenen Haut, aber nicht mehr bey 
der trocknen 5). 5 
In der Sanaga findet man haͤufige Krebſe, und Karpen, welche größer und von Krebſe, Kar: 
beſſerm Geſchmacke find, als die franzoͤſiſchen. Wenn die Waſſer hoch find, fo werden hier ben, Aale. 
jährlich viel Aale gefangen. Sie find fett und groß. Die Negern trocknen fie an der 
Sonne, oder raͤuchern ſie ohne Einſalzen, und verkaufen ſie das Land hinauf. 
Man findet auch Mullets im Fluſſe, und an der Kuͤſte. Sie ſind mit großen ſchwar— 
zen Schuppen bedeckt, worinnen fie ſich von den americaniſchen, denen ſelbige mangeln, uns 
N 2 2 terſcheiden. 
) Atkins Reiſe nach Guinea, a. d. 47 S. 7) Kolbens Torpedo hat zwar im Hauptwerke 
n) Windus Reiſe nach Marokko, a. d. 21 S. die Geſtalt von Kaͤmpfers, iſt aber in der Beſchaf⸗ 
o) Jobſons Goldhandel, a. d. 25 S. ſiehe auch fenheit und Lage einiger Theile unterſchieden. 
oben a. d. 42 Seite. a 1) Windus, am oben angef. Orte. 
pP) Moores Neiſe, a. d. 176 S. 4) Moore, am oben angef. Orte. 


348 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Natur- terſcheiden. Die Naſe des africaniſckhhen Mullet iſt kurz, fein Körper laͤnglicht. Meiſtens 
geſchichte. find fie ſehr fett, und ſchwimmen ſchneell. Die Fiſcher fangen ſie mit dem Angel oder in 
weidenen Koͤrben. Man ſaget, der geetuͤpfelte Stein, der in ihrem Kopfe gefunden wird, ſey 
gepulvert für Stein und Grieß gut. Die Eyer können wie die vom Stöhr zu Caviare 
gebraucht werden. 0 f 
Barde. Die Barbe iſt mit großen gelindeen Schuppen bedeckt, und etwas groͤßer, als die euro⸗ 
paͤiſche. Man findet fie in der See und in Fluͤſſen. Die in der Sanaga wiegen ordent- 
lich von acht zu zehn Pfund. Es iſt eiin Raubfiſch. Man fängt ihn leicht, und er iſt nahr⸗ 
haft und gut zu eſſen 1). 5 
echlldkroͤte. Die grüne oder Seeſchildkroͤte wlird das ganze Jahr durch an den Inſeln in der Bay 
von Arguin gefunden. Sie iſt nichtt ſo groß, als auf den americaniſchen Inſeln, aber eben 
ſo gut. Das Fleiſch iſt weiß, mit grruͤnem Fette, welches feſt und wohlgeſchmackt iſt, und 
vor dem Fette anderer Thiere den Voorzug hat, daß es nicht ekel ſchmecket, ſondern allein 
kann gegeſſen werden. Weil das Fleifch fo zart iſt: fo kann man es nicht einſalzen, aber 
friſch iſt es ſehr nahrhaft, und fo verdaaulich, daß es niemals beſchwerlich fällt, man mag 
auch noch ſoviel davon eſſen, und es ſery wie es wolle zugerichtet, allemal gut ſchmecket. Das 
beſte Stück iſt der Bauch, wozu man auch die zweene Finger dicke Schale nimmt. Dies 
ſes thun ſie ganz in den Ofen, mit Lirmonienbruͤhe, Salz, Pimento, und gemeinem Pfeffer, 
nebſt Wuͤrznelken. So wird es bey gelirndem Feuer gebacken, und giebt ein vortreffliche Eſſen. 
Ihre Parts Die Schildkroͤte leget ihre Eyer aıns Land, unterſuchet den Platz genau, und koͤmmt rich 
ten und Fin⸗ tig den ſiebenzehnten Tag zuruͤck, um ziu legen. Sie hat vier Patten oder vielmehr Finnen, an 
nin. der Stelle der Füße unter dem Bauch)he. Selbige find kurz, und haben nur ein Gelenke 
am Leibe; fie ſtrecken ſich wie Finnen aus, und ihr aͤußerſtes iſt etwas eingeſchnitten, fo daß es 
dadurch etwas wie Klauen bekoͤmmt, diie mit einer ſtarken Haut zuſammenhaͤngen, und ſcharfe 
gekruͤmmte Naͤgel haben. So ſtark dietfe Patten auch find, fo koͤnnen fie doch das Thier nicht er⸗ 
tragen, das wegen feines Bauchs allemal auf der Erde ſchleppet. Eine Schildkröte geht, wenn 
fie ſich fürchtet, ziemlich geſchwind, undd trägt zweene Männer auf ihrem Rücken ans Ufer. 
Eyer. Einige legen bis zu zweyhundert und funfzig Eyer. Sie ſind von der Groͤße eines 
Balles und ganz rund. Die Schale iſt nicht härter, als feuchtes Pergament, und niemals 
ganz voll. Das Gelbe wird vom Siieden hart, und iſt gut zu eſſen; die Weißen moͤgen es 
aber doch nicht. Wenn die Schildkrroͤte ihre Eyer gelegt und bedeckt hat: ſo uͤberlaͤßt ſie 
ſolche der Sonne auszubruͤten, und ddie Jungen laufen, ſobald ſie ausgekrochen ſind, nach 
der See. Die Moren fangen ſie mitt dem Netze, oder legen ſie, wenn ſie ans Land gekom⸗ 
men find, auf den Rücken; denn fie fönınen ſich nicht wieder umkehren. Ihr Oel haͤlt ſich aus⸗ 
geſchmolzen wohl, und giebt, beſonders ffriſch, dem Dlivenöle und der Butter nicht viel nach 1). 
Pilchards. Zu Rufiſco, und in einem großen See, zwiſchen ſelbigem Hafen und dem Fort Louis an 
der Sanaga, fange man häufig Fifche,, die den Pilchards ähnlich fehen, und von den Negern 
getrocknet werden. Sie haben drey oder: vier Arten von Mönchen x). Ihre Schollen, 25 
f iken, 
t) Kabats abendlaͤndiſches Africa zweyterr Band 7) Labats abendlaͤndiſches Africa vierter Band 
a. d. 331 u. f. D. a. d. 155 S. k 
) Ebendaſelbſt a. d. 63 ©. 2) In Jamesfort giebt es Auſtern, die an den 
x) Barbot ſaget, eine Art ſey mit blaueen Fle⸗ Aeſten der Mangrovebaͤume unter dem Waſſer 


cken bedeckt. wachſen, und zu Pampamakunda fangen die Ne⸗ 
gern 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XXI Cap. 349 


Piken, und Rochen, gleichen den europäifchen, aber die Krebſe, Braſem und Meerkrebſe find Lraur⸗ 
unterſchieden ). Es giebt häufige große Auſtern 2) im Fluſſe Biyurt, auf der Süd- gefbchte, 
ſeite der Sanaga, und an andern Theilen der Kuͤſte a2). Auf der Kuͤſte find Grampuſſe, 
Meerſchweine, Schwerdtfiſche u. ſ. f. bb). 

An der Spitze der Barbarey, an der Muͤndung der Sanaga, giebt es häufige kleine Tourbu⸗ 
Krabben, welche die Franzoſen Tourlouroux nennen. Man hält es für gefährlich, fie zu our. 
eſſen. Sie find eine ſehr kleine Art der Landkrabben, und unſern Seekrabben an Geſtalt 
ahnlich. Ihr größter Durchmeſſer iſt drey Zoll, ihre Schale hart, obgleich duͤnne, und von 
Natur roth, das obere ihres Ruͤckens röthlich⸗ braun, welches nach und nach heller wird, bis 
es ſich an den Seiten und dem Bauche in glaͤnzend roth verwandelt. Die Augen find ſchwarz, 
und ſo hart wie Horn. Sie koͤnnen ſelbige nach Gefallen erheben und niederdruͤcken. Auf jeder 
Seite haben ſie vier Fuͤße, deren jeder aus vier Gelenken beſteht, damit ſie ſehr geſchwind 
gehen. Ueber dieß haben ſie zwo Vorderpatten unweit des Mundes, die groͤßer als ihre 
Fuͤße find, Ihre Scheren ſind wie bey den Seekrabben; was ſie einmal angegriffen, das hal⸗ 
ten fie ſehr feſt, und haben den Vortheil, daß ihre Fuͤße fo leicht abgehen, als ob fie nur ange⸗ 
leimt waͤren, ſo daß man das Gelenke, bey dem man ſie angefaßt hat, in der Hand behält, 
weil ſich das Thier auf den uͤbrigen fortmacht, und bey der naͤchſten Mauſung ein neues 
Glied bekoͤmmt. Es iſt bey ihnen etwas beſonders, daß ſie ſelbſt diejenigen von ihrer Art, die 
ſolchergeſtalt verſtuͤmmelt worden, auffreſſen. Sie ziehen in ſtarken Heerden, und allezeit 
gerade fort, bis ſie ein Haus, eine Mauer, oder andere Hinderniß antreffen, da ſie einen an⸗ 
dern Weg nehmen muͤſſen cc). 

* * * * * * * * u A A A A E * * * * 2 


Das XXI Kapitel. 
Thiere, welche zugleich im Waſſer und auf dem Lande leben. 


Der 1 Abſchnitt. 
Vom Krokodile. 


Seine Geſtalt und Gliedmaßen. Seine Haut ſpiele. Die Negern fechten mit ihnen. Wild, 
haͤlt einen Muſketenſchuß aus. Man braucht aber doch zu zaͤhmen. Koͤmmt aus Eyern. Riecht 
ſie zu Helmen. Der Schwanz. Iſt ſchnell und ſtark nach Muſk. Andere Arten deſſelben. Der 
wachſam, ſich feines Raubes zu bemaͤchtigen. Lagartos oder Alligator. ö 
Außerordentliche Groͤße. Iſt gefaͤhrlich. Bey⸗ 


e Maire ſaget, man ſaͤhe auf den Weſtkuͤſten von Africa nicht viel Thiere, welche zu⸗ 
gleich im Waſſer und auf dem Lande leben; man faͤnde daſelbſt weder das Kroko⸗ 
dil, Seepferd, oder Seekalb, den Lemantin, noch die Schildkroͤte, als an den Muͤn⸗ 


dungen der Sanaga und Gambra 4). 
+ r 3 Das 


gern einen kleinen Fiſch wie Sprats, den ſie zum hand groß. Beſchreibung von Guinea a. d. 30 S. 
Gebrauche trocknen. S. Moore Reiſen auf der bb) Labats zweyter Band a. d. 146 S. 
35 und 139 Seite. ec) Ebendaf. a. d. 136 ©. 

sa) Gleichwohl jaget Barbor, fie hätten garfer a) le Maires Reife nach den Canerieninſeln 
ne Auſtern, aber häufige Jambles wie eine Manns⸗ auf der 77 S. f 


359 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


NTatur⸗ Das Krokodil, welches Labat als die größte Art der Eideren anſieht, iſt nach des Herrn 
geſchichte, Smith Berichte von dunkelbrauner Farbe b). Labat ſaget, fein Kopf wäre flach und 
Geſtalt und ſcharf, mit kleinen runden trüben Augen c); daher vermuthlich die Erzählung von feinen 
Gliedmaßen. Weinen entſtanden iſt 49. Sein Machen iſt weit, und von einem Ohre zum andern 

offen e), mit zwey, drey, oder vier ſchyrecklichen Reihen Zähne, von verſchiedener Geſtalt 
und Laͤnge, aber alle ſcharf und ſpitzig. Die Füße find kurz und mit krummen langen fpigi- 
gen Klauen bewaffnet. Die vordern haben jeder fünf, die hintern jeder viere, damit zerreißt 
es ſeinen Raub. 
Seine Haut Es iſt mit einer harten dicken ſchuppichten Haut bedeckt, welche über und über wie mit 
haͤlt einen Naͤgelkoͤpfen beſetzt iſt, die aber nicht ſo ordentlich ſtehen, als die Maler und Kupferſte— 
Mufketen⸗ cher fie vorſtellen. Einige Theile ſſeines Körpers, als Kopf, Ruͤcken und Schwanz, in 
ſchuß aus. welchem letzten feine meifte Stärke liege, find fo hart, daß eine Muſketenkugel fie nicht 
durchdringt 7). 1 
Bosman ſaget, die Schuppen, mit denen die Haut bedeckt iſt, wären viereckicht, und 
hielten einen Muſketenſchuß aus. Die Negern machten Kappen daraus, die fo hart als 
Knochen waͤren; man koͤnnte ſie nicht mit einem Streiche eines Saͤbels durchhauen, und ſie 
wären der Schale der Landſchildkroͤte Mehr ahnlich g). Herr Smith berichtet, die Schup— 
pen waͤren groß genug, Kappen oder vielmehr Helme fuͤr die Schwarzen daraus zu ma— 
chen, die fie oft tragen, und hielten einen Muſketenſchuß aus. Dieſes zeiget, wie ver— 
geblich es iſt, das Krokodil mit kleinem Gewehre anzugreifen 5). Doch kann der Bauch, 
und Untertheil des Rachens leicht verwundet werden, deswegen ſie, wie Bosman meldet, 
dieſe weichen Theile nicht oft in Gefalhr ſetzen 2). | | 

Der Nach Barbots Anmerkung ift der Schwanz fo lang, als der übrige Körper. Sie 

Schwanz. kehren mit ſelbigem Canoas um, find aber außer dem Waſſer nicht fo gefährlich, als in ſel— 
bigem, und koͤnnen nur den obern Kinmbacken bewegen H). Das letzte leugnet Labat 1). 
Navarette fuͤhret einen, Namens Colins, an, der verſichert, das Krokodil gebe keinen 
Unflath von fich, habe auch keinen Ausgang dazu m). 
Schnell und Obgleich fein Körper unbehuͤlflich zu ſeyn ſcheint: ſo geht es doch auf ebenem Boden ge: 
wachſan, ſchwinde, wo es ſich nicht wenden darf. Denn dazu iſt es wegen der Steife feines Ruͤckgrades 
nicht ſehr geſchickt, da die Wirbel deflelben fo nahe beyſammen ſtehen, daß er ganz unbe— 
weglich wird. Daher treibt es den Strom hinunter, wie ein Scheitholz, und lauret nur 
auf das Vieh oder die Menſchen, welche ihm in den Weg kommen. Labat ſaget, es falle bis- 
weilen die Canoas an, und laſſe ſich durch feine eigene Begierigkeit leicht verführen, den An— 
gel zu verſchlingen 1), und ſich ſelbſt zum Raube zu machen. i 
feinen Raub Wenn fie auf ihren Raub warten: ſo verbergen fie ſich, wie le Maire erzaͤhlet, in denen 
iu fangen. Fluͤſſen, welche oft beſucht werden o); und wenn ein Ochſe zu trinken, oder jemand zu baden, 
oder 
6) Smiths neue Reiſe nach Guinea a. d. 46 S. bra verſchlaͤngen ein ganzes Kind. Siehe deſſen 
c) Navarette in feiner Beſchreibung vion Chi- Reiſe a. d. 77 ©. 0 
na a. d. 317 S. behauptet aus eigener Bemerkung, J) Labats abendlaͤudiſches Africa zweyter Band 
das Krokodil habe vier Augen, zwey oben umd zwey a. d. 347 u. f. S. Siehe auch das Kupfer. 
unten. 9) Bosmans Deſchr. von Guinea a. d. 247 S. 
4) Jannequin meldet, er habe fie wie ein Kind bh) Smitb an oben angefuͤhrtem Orte. 
ſchreyen hören, um die Negern an den Fluß zu lo: 1) Bos man an oben angefuͤhrtem Orte. 
cken, Voy. de Lib. a. d. 136 S. *) Barbot a. d. 73 und 210 S. 
e) le Maire ſaget, die Krokodile an der Gam⸗ I) Kabat a. d. 344 S. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XXI Cap. 351 


oder ein Canoa koͤmmt, fo fangen fie ſolche mit ihrem Schwanze, und freſſen ſie. Außer dem ratur: 
Waſſer thun fie nicht viel Schaden 7). Sobald fie ſich ihres Raubes bemaͤchtigt haben, geſchichte. 


ſo machen ſie ſich eilends zum Waſſer, ihn zu verbergen, und ziehen ihn, wenn es ſie an⸗ 
kommt, wieder heraus, ihn am Lande zu verzehren. | 
Barbot ſaget, ihr ordentliches Freſſen ſeyn Fiſche, die fie beſtaͤndig an dem Ufer der 
Fluͤſſe jagen. Le Maire meldet, einige fraͤßen nichts als Fiſche, andere auch Menſchen. Auch 
wären einige giftig, andere nicht. Sie freſſen Ameiſen 9), welches Barbot r) beſtaͤtiget. 
Navarette bemerket, man habe Hirnſchalen, Knochen und Kieſelſteine in ihrem Bau⸗ 
che gefunden; die letztern ſollen ſie, wie man ſaget, als Ballaſt verſchlingen Ss). 


7 


Das Krokodil iſt an verſchiedenen Orten von mancherley Groͤße. In Guineg rech ⸗ Seine Große. 


nen Arthus und Bosman feine Lange nicht über zwanzig Fuß. Barbot ſaget, man 
habe einige von fuͤnf und zwanzig zu dreyßig Fuß lang an der Sanaga und Gambra ge⸗ 
ſehen!). Smith berichtet eben das von dem Fluſſe Sierra Leona u), Aber Jobſon fand 
aus Merkmaalen im Sande der Gambra die Laͤnge von einigen, drey und drehßig Fuß x). 

Die meiften verſichern, es ſey ſehr gefräßig und gefährlich, und falle Menſchen und 
Thiere im Waſſer an: aber Bos man ſtellet es als ein unſchaͤdliches Thier vor, und ſaget, 
er hätte nie gehört, daß es Menſchen oder Thiere gefreſſen )). | 

Jobſon erinnert, die Schwarzen an der Gambra fuͤrchteten es ſehr, und unterftüns 
den ſich deswegen nicht im Fluſſe zu baden, oder zu waten, ließen auch ihr Vieh nicht ohne 
große Vorſichtigkeit darüber ſchwimmen 2). Gleichwohl ſaget Bosman, in Guinea laͤ— 
gen ſie an heißen Tagen, haufenweiſe an den Ufern, und ſpraͤngen, wenn ſich jemand nahte, 
ſchnell ins Waſſer 4). | 

Gleichwohl find die Reiſebeſchreibungen von Beyſpielen ihrer Gefraͤßigkeit voll. Herr 
Smith gieng einen Abend um das Eyland Benſe herum, nebſt dem Hauptmanne Connel, 
der einen großen engliſchen Hetzhund hatte. Sie fahen ein großes Krokodil am Ufer lies 
gen, das wie ein Stamm eines alten Baums, den die Fluth da gelaſſen hätte, ausſah. Da 
aber der Hund, welcher etwas voraus gieng, ſelbigem nahe kam, that es einen Sprung nach 
ihm, und bemächtigte ſich feiner. Die beyden Herren wurden ſo erſchreckt, daß fie ſich auf 
ihre Fuͤße machten; und Herr Smith muthmaßet, ſie wuͤrden eben das Schickſal erfahren 
haben, wenn fie die vorderſten geweſen wären b), 

Man muß das Krokodil oft noch da fürchten, wenn es ſchon todt if. Man erzähle, 
ein Schwarzer haͤtte auf Verordnung eines Franzoſen eins abgezogen; und wie er damit 
ganz fertig geweſen, bis auf den Kopf, fo habe er, um ſolchen ganz zu behalten, den Rachen 
aufgebunden, da denn das Krokodil ihm den Finger abgebiſſen H. 


Iſt gefaͤhr⸗ 
lich. 


Beyſpiele. 


So kuͤhn dieſes Thier iſt, ſo greifen die Schwarzen es doch in untiefen Waſſern an. Die Negern 
Dieſerwegen wickeln fie ein Stuͤck Ochſenhaut um ihren linken Arm, nehmen ein Bajonet a mit 


oder 
m) Tavarette an oben angeführtem Orte. n) Smith an oben angeführtem Orte. 
1) Kabat a. d. 345 ©. x) Jobſons Goldhandel a. d. 16 S. 
13 Age 7 wi 47 5 8 ) Bos man an oben angefuͤhrtem Orte. 
5 le ee Be 5 2) Jobſons Goldhandel a. d. 17 S. 
1) HBarbot an oben angefuͤhrtem Orte auf der 555 „ Beſchreibung von Guinea auf der 
Seite. eite. 
er 5) Smiths neue Reife nach Guinea a. d. 47 ©. 


5) An oben angeführten Orte. 


») Barbot a. d. 75 S. c) Labats dritter Band a. d. 152 S. 


0 


352 Reiſen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 


Natur · oder eine Aſſagaye in die rechte Hand, und halten mit jener ihm den Mund offen, da es 
geſchichte. denn im Waſſer erſaufen muß, weil es keine Zunge hat. Um es nun deſto eher hinzurich⸗ 
ten: ſo verwunden ſie ihm die Kehle, und ſtechen ihm die Augen aus H. 
Ein Schwarzer zu Fort Louis machte aus dergleichen Gefechte ſeine taͤgliche Uebung. 
Er toͤdtete fie meiſtens, und brachte fie ans Land, kam aber manchmal jaͤmmerlich zerfleiſcht 
zuruͤck, und waͤre einſt ohne die Huͤlfe eines Kahns umgekommen e). 
Atkins erzaͤhlet einen Kampf, der zu Sierra Leona zwiſchen einem von dieſen gefraͤ⸗ 
ßigen Thieren und einem engliſchen Bootsmanne vorgefallen, der durch Beyhuͤlfe eines Ne⸗ 
gern zwar geſiegt, aber auch erbaͤrmlich zerfleiſcht worden 7). f 
Iſt doch leicht Alles ſeines wilden Weſens ungeachtet iſt es doch zu zaͤhmen. An dem Flecken le Bot, 
zu ahmen. an der Mündung des Fluſſes St. Domingo, laſſen dieſe Thiere die Kinder mit ſich ſpie⸗ 
len, und ſich von ihnen füttern g). Herr Bruͤe hatte eines, das feine Schwarzen bey 
Tuabo an der Sanaga gefangen. Es war fuͤnf und zwanzig Fuß lang, und ward bey 
Gelegenheit mit zweyen andern jungen lebendigen von fuͤnf Fuß lang weggeſchenkt, die ein 
Fiſcher im Schlafe gefangen hatte. Wie aber niemand ſich unternehmen wollte, ſie nach 
Fort Louis zu führen: fo mußte er fie zu Erhaltung der Haute toͤdten ). Der daͤni⸗ 
ſche General zu Akra in Guinea hatte dem Barbot ein junges ſieben Fuß lang geſchenkt, 
welches ſelbiger, in der Abſicht, es nach Europa zu bringen, in ein großes Gehaͤuſe geſperrt 
hatte. Weil er aber ſolches für allzubeſchwerlich hielt: fo ließ er es hinrichten, u. einige feiner deute 
das Fleiſch eſſen, welches wie Kalbfleiſch ſchmeckte, und einen ſtarken Muskusgeruch hatte 1). 
We es ſich Dieſes Thier kriecht aus Eyern aus, die nicht größer als Gaͤnſeeyer find. Es leget ſol⸗ 
fottpflanzet. che ans Ufer in den Sand, wo die Sonnenhiße fie ausbruͤtet H); und die Jungen machen 
ſich, ſobald fie heraus find, ins Waſſer oder ins Holz 1). 
Recht nach Die Schriftſteller ſind uͤberhaupt darinnen eins, daß es ſtark nach Muskus riecht, und 
Muskus. dieſen Geruch dem Waſſer, in welchem es ſich aufhält, mittheilet. Mavarette meldet, 
man habe an dem Orte, wo die beyden Vorderfuͤße an dem Leibe angewachſen ſind, zweene 
Saͤcke mit Muskus gefunden. Colins aber ſaget, unter den Ohren m). 


Dieſem ungeachtet eſſen die Schwarzen das Fleiſch ohne Bedenken, ja auch, wie Herr 
Moore berichtet, die Eyer, mit fingerslangen Jungen darinnen: welches eins von ihren bes 
ſten Leckerbiſſen iſt 7). a 
Andere Ar: Barbot meldet, es gebe eine kleine Art von Krocodilen, Namens Legaen, an Geſtalt 
tei. den vorigen aͤhnlich, aber felten über vier Fuß lang. Sein Leib iſt ſchwarz geſprenkelt, die 
Augen ganz rund, und die Haut zart. Sie beſchaͤdigen nichts, als Huͤhner und Kuͤchlein, 
und die Leute halten ihr Fleiſch für befler, als von allen Vögeln. Er ſetzet hinzu, die dritte 
Art, welche allezeit auf dem Lande bleibe, heiße bey den Schwarzen Langadi o). 


. Barbot und andere verwechſeln das Krocodil mit dem Alligator, der nach den Ab— 
8 „zeichnungen und Beſchreibungen doch davon unterſchieden iſt. Smith ſaget, der Alliga⸗ 
der, 
4) Ebendaſ. zweyter Band a. d. 347 S. *) Arthus in de Brys oſtind. Reife 6 Theil, 
e) Ebendaſ. fünfter Band a. d. 239 ©. a. d. 79 S. Aabat II Band a. d. 347 S. 
5 Siehe oben a. d. 21 S. I) Boſman a. d 247 S. ö 
g) Labat a. d. 238 ©. m) NTavarette Beſchr. von China a. d. 317 ©. 
7) Ebendaſelbſt III Band a. d. 152 ©. ) Moores Reiſen a. d. 108 S. 


1 Barbot a. d. 210 S. 0) Barbot am obangefuͤhrten Orte. 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XXI Cap. 353 


tor, welcher zu Sierra Leona gemein iſt, habe viel von der Natur des Krocodils, und ſey Natur⸗ 
wie ſelbiges geſtaltet, aber viel kleiner, da die groͤßten nicht laͤnger als acht Fuß ſind, und gefchichte. 
deswegen nicht viel Schaden thun konnen. Sie rauben vornehmlich Fiſche Ir f 
Der II Abſchnitt. 
er Von dem Flußpferde | 
Das Flußpferd iſt nirgends, als in Africa. Seine Beyſpiele. Fuͤrchtet ſich vor dem Feuer. Lebet 
Große. Kopf und Zahne. Ohren, Augen und meiſt auf dem Ufer. Futter und Jungen. Wird 
Hals. Füge. Die Haut haͤlt einen Musketenſchuß angebethet, aber doch gegeſſen. Iſt dem Schlage 
aus. Iſt gefährlich, wenn es angegriffen worden. unterworfen. Blaͤſt Waſſer aus. Seine Geſtalt. | 
Das Flußpferd, welches ebenfalls im Waſſer, wie auf dem Lande, lebet, heißt bey den Flußpferd. 
Griechen Hippopotamus, und wird oft in der Gambra und St. Domingo, wo Ka⸗ 
chao liegt, geſehen. Man findet es auch im Nil, und kurz auf allen Kuͤſten, von dem 
weißen Vorgebirge, bis ans rothe Meer. Es wird nur in Africa, und weder in Ajien _ 
noch America, angetroffen. Es iſt in feiner völligen Große ein Drittheil größer, als ein Große. 
ſtarker Ochs 7), dem es in einigen Stuͤcken, wie dem Pferde in andern, aͤhnlich iſt. Sein 
Schwanz gleicht eines Schweines ſeinem, aber er hat am Ende kein Haar. Einige wie⸗ 
gen zwölf: bis funfzehnhundert Pfund. Der Leib iſt groß, fleiſchicht und dicht, mit dickem 
kurzen braunen Haare bedeckt, welches im Alter graulicht oder maͤuſefarben wird. Dieſe 
Haut ſcheint im Waſſer allemal glatt und glaͤnzend zu ſeyn. N 
Der Kopf iſt groß und breit, aber in Vergleichung mit dem Koͤrper kurz, und oben Kopf und 
flach. Sein Rachen hat runde und große Lippen; die Naſe iſt groß und aufgeworfen, mit Zaͤhne. 
offenen weiten Mafelöchern 7). Außer den Backzaͤhnen, die groß, und gegen die Mitte zu 
hohl find, hat es vier große Zahne oder Hauer, wie der Eber, auf jeder Seite und in jebem 
Kinnbacken zweene, von ſieben zu acht Zoll lang, und an den Wurzeln bey fuͤnf Zoll im 
Umkreiſe. Die untern ſind mehr gebogen, als die obern. Sie ſind viel haͤrter und weißer, 
als Elfenbein, fo daß fie, wenn das Thier fie im Zorne zuſammenſchlagt, wie Feuerſteine, 
Feuerfunken geben, und auch zum Feueranſchlagen konnen gebraucht werden ). 
„Die Verfertiger falſcher Zaͤhne ſuchen dieſe Gattung von Zahnen oft, weil fie härter 
ſind, als Elfenbein, und nie die Farbe verlieren. Wenn man kleine Schalen davon an ein 
Band anreihet, und auf dem Ruͤcken traͤgt: fo follen fie ein bewaͤhrtes Mittel wider das 0 
Huͤftenweh, den Huſten und den Krampf abgeben t). 1 eh 
Die Ohren, gegen den Kopf zu rechnen, find ſehr klein. Sie find ſcharf, und er er- Ohren, Aus 
hebt und ſchuͤttelt fie, wie ein Pferd, wenn es auf etwas merket oder ein Gerauſch hörer, gen u. Hals. 
wie es denn ein ſehr ſcharfes Gehoͤr hat. Es wiehert wie ein Pferd, und ſo laut, daß man 
es weit hoͤren kann. Sein Geſicht iſt ſcharf, die Augen ſind groß und wohl gebildet. Im 
Zorne ſehen ſie ganz roth und feurig aus; und alsdann iſt ſein Anblick entſetzlich. Man 
. | weis 
1) Smiths neue Reife nach Guinea auf der ) Dadurch blaͤſt es Waſſer, wie der Wallfiſch. 
a8 Seite. TER UONE Na Stibbs Tagebuch in Moores Reifen a. d. 4256 
) Die Geſtalt iſt wie eines Reutpferdes, mit und 287 Seite. Siehe auch oben a. d. 78 S. 
runden Hinterbacken und einem Ochſenkopfe. Job: 5) Labats abendl. Africa V Band a. d. 261 S. 
ſons Goldhandel a. d. 20 S. 1) Cbendaſelbſt a. d. 278 S a 


Allgem. Reiſebeſchr. I Band. 9 5 i 


334 Reifen laͤngſt der weſtlichen Kuͤſte von Africa, 
Natur- weis zwar nicht oft, daß es Schaden thut; aber wenn es angegriffen, verwundet, oder 
geſchichte. heftig verfolgt wird, und nicht ins Waſſer kommen kann: ſo kehret es ſich wuͤtend gegen 


ſeine Feinde, die aber in keiner großen Gefahr ſind, da ſie leicht entrinnen koͤnnen. Weil 
es keine Hoͤrner hat, ſo ſind ſeine Zaͤhne und Fuͤße die einzigen Waffen, womit es ſich be⸗ 


ſchuͤtzet. Sein kurzer und dicker Hals verliert das Haar im Alter, iſt aber ſewohl als ſeine 


Seine Haut 


haͤlt einen 
Musketen⸗ 


ſchuß aus. 


Iſt gefaͤhr⸗ 

lich wenn es 
angegriffen 

wird. 


) Jobſon ſaget, es habe einen in fünf Klauen ) Barbot a. d. 73 Seite ſaget, fie hielten fh 


| Bande a. d. 149 ©. ! 


Lenden ſehr ſtark. Ein berühmter Reiſender faget, eine Welle haͤtte ein hollaͤndiſches Boot 
mit vierzehn Waſſerfaͤſſern nebſt dem Schiffsvolke auf den Ruͤcken eines Flußpferdes ge⸗ 
worfen, welches geduldig gewartet, bis dis wiederkommende Fluth es von der Saft befreyet 
hätte, ohne zu thun, als ob es ihm beſchwerlich waͤre. u, 
Die Fuͤße find groß, fleiſchicht und ſtark, auch unten mittelmäßig breit. Die Hufe 
ſind geſpalten, wie beym Ochſen. Weil aber feine Fußſohle zu ſchwach iſt, eine ſolche Laſt 


zu tragen: fo hat es zweene kleine Hufe darunter, auf denen es im Gehen ruhet, und alſo 


eine Spur von vier Ecken im Boden laͤßt 2). Einige Schriftſteller haben es daher mit 
Klauen, wie das Krocodil bewaffnet, vorgeſtellt. Es geht ſehr geſchwind, beſonders auf 
gleichem Boden, und wenn es gejagt wird; aber es kann mit keinem Pferde, ja nicht mit 
einem Menſchen, der ſtark läuft, wie alle Schwarzen thun, aushalten. Dieſerwegen grei⸗ 
fen fie es deſto Fühner an, beſonders wenn fie es in einer Entfernung vom Fluſſe antreffen, 
und ihm den Ruͤckweg abſchneiden koͤnnen. Denn es bemuͤhet ſich allezeit mehr, zu entrin⸗ 
nen, als ſich zu vertheidigen; und wenn es einmal ans Waſſer kommen kann: fo ſpringt es 
bis auf den Boden hinein, fährt alsdannö herauf, ſchuͤttelt die Ohren, ſieht ſich rund herum 
nach feinen Stoͤhrern um, wiehert, und tauchet wieder unter x). Es iſt zu Lande viel ſtaͤr⸗ 
ker und gefaͤhrlicher, als im Fluſſe, und ſchwimmt ſchneller, als es lauft. Man findet es 
durchgehends häufig an den Kuͤſten, beſonders in den Fluͤſſen Y), weil es das ſuͤße Waſſer 
liebet, und gern auf den Wieſen und gebauten Feldern herumwandert 2); es iſt aber felten in 
der See zu ſehen. a te ee N FE at 
Seine Haut iſt, beſonders auf dem Ruͤcken, Halſe, dem Aeußerſten der dicken Beine 
und Hinterbacken, ſo hart, daß Musketenkugeln, Wurfſpieße und Pfeile nichts dagegen 
vermoͤgen. Die Schwarzen und Portugieſen machen Schilder daraus, wenn ſelbige wohl 
getrocknet und ausgeſtreckt iſt. Am Bauche aber und zwiſchen den dicken Beinen iſt es 
viel weicher, und die Jaͤger ſuchen es daſelbſt zu treffen. Es iſt nicht leicht zu tödten. Die 
Europaͤer ſchießen ihm gern die Füße mit Armbruͤſten entzwey; und wenn es einmal fällt, 
ſo kommen ſie leicht mit ihm zurechte. Die Schwarzen, die ſich an das Krocodil und den 
Hay mit ihren Meſſern wagen, machen ſich doch nicht an das Flußpferd, als wenn ſie es 
mit großem Vortheile angreifen koͤnnen. n; 1 Ri 
Wenn man es im Waſſer angreift, entweder, indem es auf den Boden fährt, oder zu 
wiehern und Luft zu ſchoͤpfen herauffaͤhrt: ſo greift es ſeine Feinde wuͤtend an, reißt oft aus 
einem feſten Boote mit feinen Zähnen große Stuͤcken heraus, oder durchloͤchert den Boden, 
daß es ſinkt. Man findet viele ſolche Beyſpiele 4). Bl a its 
7 | Im 


getheilten Huf. Siehe ſeinen Goldhandel auf der meiſt in ſchlammichten Oertern auf. 
20 Seit. ) Labat im V Bande a. d. 464 S. 
x) Man hoͤret es eine Meile. Agbat im Vten a) Ebendaſelbſt a. d. 260 u. 274 GS. 
ie . 5). Siehe oben a. d. 16 S. 


IE 


von Capo Blanco bis Sierra Leona. VI Buch XXI Cap. 35s 
Im Jahre 1731 wurden Herr Galand, ein Factor der Geſellſchaft, und Herr Hayes, Klare 
ein Unterbootsmann eines engliſchen Fahrzeuges, durch einen ſolchen Zufall ungluͤcklicher geſchichte. 
Weiſe in der Gambra erſaͤuft /). Eines von dieſen Thieren war in der Sanaga geſchoſſen Beyſpiele. 
worden; und weil es die Seite des Bootes, woraus der Schuß gekommen, nicht erreichen 
koͤnnen, gab es ihm mit dem Fuße ſo einen gewaltigen Stoß, daß es ein Brett von andert⸗ 
halben Zoll ſtark hineinſtieß und ein Loch machte, davon es faſt ſinken wollte c). 

Jobſons Boot ward auf der Reiſe die Gambra hinauf und hinunter N von 
einem Flußpferde geſtoßen, einmal ſtieß es feinen Zahn ganz durch die Seite, und machte 
ein gefaͤhrliches Loch; gleichwohl hielten fie es in der Nacht damit ab, daß fie ein Stück⸗ 
chen Holz, auf welchem ein brennend Licht ſtack, laͤngſt dem Strome treiben ließen, vor dem 
es mit Entſetzen floh 4). Der Verfaſſer fand fie allezeit am wildeſten, wenn ſie Junge hat⸗ 
ten, welche ſie auf dem Ruͤcken ins Waſſer trugen. Er bemerket, daß fe ſich mit denn 
Krocodile wohl vertragen, und friedlich neben einander ſchwimmen 9. 

Dieſes Thier lebet mehr am Lande, als im Waſſer, unter dem es nicht über dreh Vier⸗ Lebet meiſt 
chelſtunden dauren kann, ohne heraufzukommen und Luft zu ſchoͤpfen, worauf es wieder un- am Ufer. 
tertaucht. Es leget ſich öfters unter das Geroͤhricht ans Land ſchlafen, und verraͤth ſich 
durch ſein lautes Schnarchen. In dieſen Umſtaͤnden iſt es leicht zu toͤdten, wenn man ſich 
ihm fachte naͤhert; denn es hat ein ſehr ſcharfes Gehör, und plumpet fo bald in den Fluß, 
als es etwas merket. Man kann es nicht mit Netzen fangen; es wuͤrde mit einem Hiebe ſeiner 
Zähne mehr: Maſchen zerreißen, als ein guter Arbeiter in vierzehn Tagen ergaͤnzen koͤnnte. 

Wenn die Fiſcher gewahr werden, daß es ſich ihren Degen uäßert; ; fo werfen fie ihm einen 
Fisch hin, den es nimmt, und ſich fortmacht Y). 

Außer feiner vornehmſten Speife, den Fiſchen, frißt e8 PR Gras, nb dicht den ei, Sutter und 
Mais, und andere Wurzeln, die es in den Lugans findet, ſehr. Weil es einen guten Jungen. 
Magen hat: ſo richtet es in kurzer Zeit viel eee an. Die Schwarzen muͤſſen oft 

die ganze Nacht durch Feuer halten g), dieſe Thiere und die Elephanten von ihren Fel- 
dern zu verſcheuchen. Es verachtet auch Thierfleiſch nicht, wenn es welches finder; denn 
Thiere lebendig zu jagen, iſt es zu langſam und zu ſchwer. Die Schwarzen ſagen, es fraͤße 
Maͤnner und Kinder, wenn es ſolche an den Slußufern e finde, und haſſe die Reif 
fen mehr, als die Schwarzen. ; 

Die Weibchen bringen ihre Jungen am Ufer zur Welt, wo ſie ſelbige faugen, Sie 
tragen diere auf einmal: fo daß man ihre Zahl leicht berechnen kann, wo ſie nur einmal des 
Jahres werfen. Man hat fie in Heerden von drey-bis vierhundert in eigen Flüſſen an 
der Kuͤſte treiben ſehen. An der Sanaga find fie am wenigſten >). 

Die Leute von Angola, Rongo, Elmina, und den Oſtkuͤſten von Africa, ſeben das Wird ange⸗ 

Fluß pferd als eine Art von Gottheit oder Setisho.an, und eſſen es gleichwohl ohne Be⸗ bethet und 
denken. Die Portugieſen an allen Fluͤſſen dieſer Kuͤſte, und die Negern, lieben fein Fleiſch! gegeſſen. 
ſehr. Ob es > wohl fett iſt, und ein gutes 175 hat: 90 ſchmecket es gleichwohl den Euro⸗ | 

y 2 paͤern 


c) Labat im V Bande a. d. 270 S. ieh, ſie g) Daher geräth Jannequin vielleicht auf den 
kehrten oft die Boote um, ohne die Leute zu be⸗ Irrthum, daß dieſe Thiere Feuer liebten, und von 


ſchaͤdigen. den Negern mit angezuͤndeten Feuern am Ufer ge⸗ 
4) Eine Laterne am Hintertheile thut eben das. fangen würden. Siehe ſeine Reiſe nach ki 
e) Jobſons Goldhandel a. d. 22 S. a. d. 176 S. 


N Labat a. d. MR ea G... wi m. Aabar am age Orte a. d. 272 G. 


is N 


* Saen ung der welchen Me den dien 


Tratur⸗ 


paͤern trahnicht, und riecht ihnen übel; doch überwinden fie ſich es zu eſſ Mean 1 bel a 


geschichte. es gebraten und im Ragout beſſer / als gekocht; und die Bruſt eines Flußp erdes auf die 


If dem 


Schlage un⸗ 


terworfen. 


erſte = l e wird ſo gut als Kalbſteſſch, gehalten. Das Fleiſch den Jungen iſt 
vortreffli nn 

Es ſcheint mehr ein Eu, als Sahier zu ſeyn, gleichwohl nennen es die Portugiefen 
einen Fiſch, vermuthlich, damit ſie es in der Faſten eſſen duͤrfen. 

Weil es fett und vollbluͤtig iſt, ſo iſt es dem Schlage ſehr unterworfen. Die Natur 
hat es dieſerwegen gelehrt, ſich ſelbſt zur Ader zu laſſen, indem es ſich an eine ſcharfe Fel⸗ 
ſenſpitze reibt, bis es eine Oeffnung gemacht. Wenn es nun Blut genug nach ſeinem Gut⸗ 
duͤnken gelaſſen: ſo liegt es ſo lange i im Schlamme, bis die Wunde verharrſcht iſt 1). | 

Moore ſaget, es gäbe überall in der Gambra Flußpferde die Menge. Die Mandin⸗ 
goer nennen es Malley. Sie ſchwimmen in dem Fluſſe mit erhabenen Koͤpfen, und bla⸗ 
fen das Waſſer durch die Naſenlöͤcher, wie die Wallfiſche, wobey fie abſcheulich grunzen und 
bruͤllen. Ueber Barrakonda find fie fo zahlreich, daß man vor ihrem Lärmen faſt nicht 
ſchlaſen kann. Der Hauptmann Stibbs konnte fie nie in der Nähe zu ſehen bekommen; 
er ſaget aber, ſie lebten vom Graſe, wie ak ee; REN, und Panne Pomets 
Beſchreibung als die beſte an A). 

Le Maire, der es, wie viele andere, mit dem Sürferte Vnwechſelt, 09%, die in der 


8 Sanaga waͤren ſo groß als ein Eſel, und wie ein Pferd geſtaltet. Die Haut ſey hart und 


ohne Haare, es lebe auf dem Lande, ſowohl als in dem Waſſer, und gehe nur aufs Land, 
um zu freſſen. Im Reiße und Hirſe verderbe es zehnmal mehr, als es freſſe „ und habe 
zweene große Zaͤhne, die man wie Elfenbein brauche 7). | 
Schouten berichtet, es gleiche einem Bären mehr, als einem Pferde, und habe dieſen 
Namen vermuthlich nur von ſeinem Wiehern erhalten. Nach einiger, andern Berichte 


habe es nichts vom Pferde, als die Ohren, und uͤbrigens gleiche es dem Ochſen, die Hoͤr⸗ 


ner ausgenommen. Sechs Zähne dienen ihm zu Waffen, denen man große Heilungs: 


kraͤfte zuͤſchreibe. Einige davon wäre ſechzehn Zoll lang, und dreyzehn Pfund ſchwer ges 


funden worden. Im Hoſpitale zu Goa werde einer aufgehaben, von dem man wunderbare 
Sachen erzählt, und unter andern, daß er augenblicklich das Blut ſtillen folle m). 

Man hat dieſes Thier falſchlich für die Matruſſe oder Seekuh n) angeſehen, und der 
Verfaſſer irret ſich eben fo ſehr, wei er mehner, das n werde a. das Flußpferd 


genannt, da es doch verſchiedene Thiere ſind. 
1 ) Labats abendländiſhes Africa v Band a. d. a. d. 73 S. ſaget, man babe befunden, daß es Blut 


273, 276 u. f. S. ſtille, und die guͤldene Ader heile, und daher dazu 
4) Moores Reiſen a. d. 256 u, 25% S. gebraucht werde. 
J) le Waires Reiſen nach den canariſchen In⸗ n) Schoutens neue Reife dach Oſtindien in 


fin ä. d. 78 S. bder hollaͤndiſchen Sammlung im sten Bande, im 


. dude e Beſchreibung von Guinea aten Theile a. d. 440 ©. 


Ende des ſichsten Buches. 


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de. en ff yon dem Fluſſe Sierra Leona bis an IN 
A 3 1 0 @chdenTagebüchern und Anmerkungen der Seefährer entworfen.) N | 
3 UN von N-Belln Ingen.de la Marine. N 
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Das VII Buch. 178 


Reiſen 1 Guinea und Benin, wi die e Küſe 
von Sierra Leona bis zu he —_ Lope Sahib 1 
0 in ſich faſſen. = 4 


Dias 1 Capitel. 
Auszug aus einer Reife nach den Kuͤſten von 2 97 ica und 1666 
ö Guinea, im Jahre 1666 | Pillen 8 


von dem Ritter villault, Serrn von Bellefond. 
Aus dem Franzoͤſiſchen. 8 


Einleitung. | . 


a wir in dem erſten Bande die erſten Reifen der Engländer nach Guinea geſam⸗ Die letzten 
melt haben: fo woller wir hier die letztern Begebenheiten einruͤcken. Unter Reifen nach 
dieſen werden wir die Reiſen des Mißionaͤrs Loyers, des Ritters de Mat⸗ Guinea. 
chais, und anderer Fremden, wie auch Atkins, Snelgravens und Smiths 

ſeine beyzubringen ſuchen, welche die letzten ſind, die von den Englaͤndern herausgegeben wor⸗ 

den. Wir werden nach unſerer Art erſt den Auszug aus ihren Reiſen geben, und alsdann 

ihre Anmerkungen von den Oertern, Gebraͤuchen, und der Naturgeſchichte, nebſt des Artus von 

Danzig, Bosmans und anderer ihren einruͤcken, welche viel von Guinea geſchrieben haben, 

wiewohl mehr als Erd⸗ oder Geſchichtſchreiber, denn als Reiſende. 

Des Herrn von Villault Erzaͤhlung, womit wir dieſes Buch anfangen, iſt urſpruͤnglich Villaults 
franzoͤſiſch geſchrieben. Die engliſche Ueberſetzung, die überhaupt ſehr ſchlecht iſt, enthalt feine. 
zweyhundert und achtzig Seiten in Duodez 4), und hat weder Vorrede, noch Regiſter, 
noch Kupfer. Das Buch faſſet verſchiedene nuͤtzliche Anmerkungen in ſich; es ſcheint aber, 
der Verfaſſer habe viele aus dem oberwaͤhnten Artus von Danzig abgeſchrieben, ohne imm 
gehörig dafür zu danken, wie andere nachher gethan haben. Dieſe Reiſebeſchreibung iſt ö 
erg ge u. in ee abgetheilet. Ihre Abfahrt von be rg Sa 5 en 

NY 3 f 
) Der Titel von het Ueberſchung heißt: Eine melt auf einer Reiſe von dem Serra es er 

Nachricht von den Küften von Africa, Guinea ges tern, Herrn von Bellefond, im Jahre 1666 und 1667, 

nannt, nebſt einer Beſchreibung des Landes, der Sit⸗ London, verlegts Johann Starkey, in der Muͤtze, in 

ten und Gebraͤuche der Einwohner; von den Früch: Fleetſtreet, nahe bey Temple Bar, 1670. Man hat 

ten des Lanbes, und denen Kaufmannswaaren und auch eine andere Ausgabe, die kt eben dem Jahre, 

Guͤtern, die das Land hervorbringt, nebſt einigen doch ohne Zufäge und Verbeſſerungen rn und 

Hiftorifchen Anmerkungen von den Küͤſten; geſam⸗ 230 Seiten enthaͤlt. 5 


38 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


1666 bung vom grünen Vorgebixge. Das Koͤnigreich Sierra Leona. Beſchreibung von dem 
Villault. Vorgebirge de Monte. Das Vorgebirge Miſerado. Rio de Junco. Klein Dieppe, 
Rio Sertos, Malaguetta, oder die Koͤrnerkuͤſte, Die Elfenbeinkuͤſte. Die Goldkuͤſte, 
und Begebenheiten daſelbſt. Beſchreibung dieſer Kuͤſte. Von deren Einwohnern, ihren 
Sitten und ihrer Kleidung. Von den Weibern, deren Gemuͤthsart und Kleidung. Von 
50010 bre und ihrer Kinderzucht. Von ihren Häufern, Speiſen und Getraͤnken. 
on ihren Maͤrkten, und ihrer Art zu handeln, nebſt ihrem Gewichte und ihren Maaßen. 
Von ihrer Religion, ihren Fetiſchen, Opfern und Prieſtern, nebſt ihren Begraͤbniſſen. 
Von ihren alten und lahmen Sklaven und Dienern, ihren Krankheiten und Huͤlfsmitteln. 
Von ihren Tänzen und 810 Von ihren Leibesuͤbungen, Handwerkern, ihrer Handlung, 
ihren Waaren, und ihrer Fiſcherey. Ben den Köngen des Landes, ihrer Gewalt, ihren 
taatsbedienten, ihren Weibern und Kindern, ihrer Reichsfolge, ihren Einkuͤnften, ihrem 
Tode, ihrem Begraͤbniſſe, und ihrer Wahl. Von ihrem Adel, ihrer Art, Krieg zu fuͤhren, 
und Friede zu ſchließen, ihren Waffen. Von Verwaltung der Gerechtigkeit und ihren Rich⸗ 
tern. Von den Thieren, Voͤgeln und Fiſchen. Von den Fruͤchten, Kraͤutern und dem Ge⸗ 
treyde. Von ihrem Golde, wo es gefunden wird, und was ſie daraus machen. Von der 
| Ruͤckkehr nach Frankreich. Eine Beſchreibung von der Inſel St, Thomas. 

Der Guinea: Herr Villault bemuͤhet ſich im Anfange des erſten Artikels, ehe er feine Reiſebeſchreibung 
handel wird anfängt, die Franzoſen zu erregen, den Guineahandel wiederum zu erneuern, welchen fie, 
wegen gewiſſer Vorurtheile wider die Himmelsgegend, faſt ganz verlaſſen hatten. Er bes 
richtet, er bemerke mit großem Verdruſſe, daß die Englaͤnder, Holländer und Dänen den 
Ort auf eine fo liſtige Art für ungeſund ausſchrien, daß ſie die Franzoſen beynahe meift be⸗ 
redet haͤtten, die ganze Kuͤſte zu verlaſſen, die ſich auf ſiebenhundert Seemeilen weit vom 
grünen Vorgebirge bis zum Vorgebirge Lope Gonſalvo erſtrecket; und fie verfuͤhret, ei» 
nen Handel aufzugeben, von welchem andere ſolchen anſehnlichen Gewinnſt zoͤgen. Bey 
dieſer Gelegenheit fraget er: wie die Franzoſen ſo unempfindlich ſeyn, und an dieſer Kuͤſte 
verſchiedene Bayen, welche die Eingebohrnen franzoͤſiſche Bayen nennen, und verſchiedene 
Städte, als klein Dieppe, und andere, ohne Vorwurf ſehen koͤnnten, da doch ihre Namen 

ihre Stifter anzeigten; die aber jetzt von ihren Landesleuten völlig verlaſſen waͤren? 
von denFran⸗ Er geſteht, daß fie waͤhrend des franzöfifchen bürgerlichen Krieges unter Heinrichen dem 
zoſen verlaſ; IV alle Plaͤtze in dieſem Lande verlohren haben, weil fie nicht Zeit gehabt, ihre Beſatzungen 
ſen. zu verſtaͤrken, die fie ſeit Ludwigs des XI Zeiten ſtets daſelbſt gehabt haben. Die Portugies 
ſen vertrieben ſie aus allen ihren Plaͤtzen an der Goldkuͤſte; und um ihre Eroberungen ſicher 

u erhalten, baueten fie ein Caſtell, St. Georg del Mina genannt. 5 
— Zu einem Beweiſe, daß ſich die Franzoſen ehemals daſelbſt niedergelaſſen, fuͤhret Villault 
eine ſchoͤne Kirche an, die noch ſteht, welche mit den Denkmaͤlern und Wapen feiner Na⸗ 
tion gezieret iſt; wie auch daß die vornehmſte Batterie gegen die See noch ſelbſt von den 
Eingebohrnen die franzoͤſiſche Batterie genennt wird. An dieſen Küften hatten die 
Franzoſen ehemals Akara, Kormentin, Cap Corſe und Takoray. An dieſem letzten 
Orte errichteten die Schweden ein neues Fort aus einem verfallenen franzoͤſiſchen, welches 
nunmehr wieder verfallen iſt, da ſie durch ihre deutſchen Kriege verhindert worden, ſolches 
zu unterhalten. Außer dieſen maßten fich die Holländer des franzöfifchen Forts zu Roms 
mendo, zwo Seemeilen von del Mina an, woſelbſt zu des Verfaſſers Zeiten zweene Fran⸗ 
zoſen ein ſchoͤnes Haus hatten, deſſen Mauern feſt waren, und von den Eingebohrnen 00 
0 


— 


W 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch I Cap. 359 
hoch gefehägt wurden. Die Holländer waren alſo genöthiget, bis auf ihren Tod zu warten, 1666 
ehe ſie ſich daſelbſt niederließen. Die Eingebohrnen hatten eine Neigung zu den Franzoſen, Villaalt. f 
und ſchlugen ihre Trummeln auf franzoͤſiſche Art. a 


Die duft in dieſem Lande, ſaget Villault, iſt nur drey Monate lang im Jahre gefahr: Die Luft iſt 
lich, und alsdann auch ſo wenig, daß ein Menſch, wenn er ſich nur ewas in Acht nimmt, gut. 
und mäßig iſt, eben ſo geſund, und vielleicht noch gefünder leben kann, als in Frankreich, 
indem viele Krankheiten, die in Se herumgehen, allhier unbekannt find. Er ſetzet hin⸗ 
zu, der ſchlechte Ruf von dieſer Himmelsgegend ſey bloß eine ausgeſprengte Sache von den 
Hollaͤndern, um die Franzoſen von dieſer Küfte abzuſchrecken, damit fie den oörtpeilhaften 
Handel für ſich allein behielten. | ER ee EN 
Er überläßt es der Welt, zu überlegen, ob es wahrſcheinlich ſey, daß die Holländer, ein + 
Volk, das wegen ſeines Eigennutzes ſo bekannt iſt, den letzten Krieg mit England bey Ge⸗ 
legenheit, daß ſich dieſe Nation des Forts Kormantin bemächtiget, gewagt haben würde, 
wenn ihr Gewinnſt nicht ſehr groß geweſen wäre? Gewiß, ſaget der Verfaſſer, fie find fol- 
che Leute, daß fie weder die Engländer, noch Dänen an dieſem Handel wuͤrden haben Theil 
nehmen laſſen, wenn die Eingebohrnen fie nicht dazu gezwungen hatten. Das Exempel, 
welches der Verfaſſer von dem uͤbeln Verfahren des Herrn Walhenborg, hollaͤndiſchen 
Generals zu Mina, gegen die Franzoſen anfuͤhret, und zwar zu-einer Zeit, da ſie mit den 
Hollaͤndern nicht nur in einem Buͤndniſſe ſtunden, ſondern auch deswegen litten, daß ſie ih⸗ 
re Partey genommen, zeiget, ſeiner Meynung nach, ganz deutlich, daß nichts ſo barbariſch 
und unfreundlich iſt, als fie: allein, fie werden ftets nach ihrem eigenen Nutzen handeln. | 
Daß die Franzoſen mehr nach der Gemuͤthsart und Neigung der Schwarzen find, als Die Schwar⸗ 
irgend ein anderes Volk, das erhellet, wie Villault denket, daraus, daß andere Nationen ſie zen ſind den 
fo forgfältig davon abzuhalten ſuchen; indem fie befürchten, ihr Handel möchte gänzlich Frauzeſen 
verlohren gehen, wenn feine Landesleute ihren Nutzen an dieſer Kuͤſte wiederum entdecken gewogen. 
ſollten. Dadurch, ſchließt er, wuͤrden ſie noch mehr Elfenbein und Goldſtaub, als jährlich 
von hier aus weggeführt wird, erhalten, den Vortheil ungerechnet, den fie durch den Skla⸗ 
venhandel für die amͤkieaniſchen Pflanzungen haben wuͤrden. Aus dieſer Urſgche, meynet 
er, ſollte keine Schwierigkeit die Franzoſen abſchrecken; weil, wenn ſie die Canarien vorbey 
er Ankergrund ſo gut iſt, daß ein Anker von neun oder 


* 


gefahren, der Wind ſtets geneigt, und d 


zehn Zollen ein Schiff von vierhundert Tonnen halten kann H). 


e er de Li e e Abh. 
Veranlaſſung zu dieſer Reiſe. Seetaufe. Ankunft nigs von Burre Bruder. Hollaͤndiſche Verka⸗ 
bey der africaniſchen Kuͤſte. Das gruͤne Vorge⸗ therey gegen die Englaͤnder. Ihr Factor wird 

birge. Gorea. Rio Freſeo. Der Alkair geht ausgelöſet. Madre Bomba, oder der Fluß Scherz 

an Bord. Sie kommen nach Sierra Leona; bro. Vorgebirge de Monte. Der König kommt 
werden vom Hauptmanne Thomas angegriffen. herab. Ceremome bey der Zuſammenkunft. Der 
Die Schwarzen werden geſchlagen. Des Koͤ⸗ Verfaſſer wartet ihm auf. 5 1 

Hen Daliez, Sergeantmarſchall, wurde von der weſtindiſchen Compagnie zu Paris Veranlaf⸗ 

gebrauchet, ein neues Schiff von vierhundert Tonnen, Europa genannt, zu ihrem ſung zu die⸗ 

Dienſte auszuruͤſten, und Herr Villault auf demſelben zum Controlleur beſtellt. Er ver- ſer Reiſe. 
ließ Paris am St. Matthiasabende, im Jahre 1666, und kam ben. ızien des Herbſtmonats zu 

98 & | ERHEBT Amſterdam 


* 
e 


| 0 > villaults Reife, auf der 1 und folgenden Seite. 


360 Reiſen nach Guinea und Benin 
1666 Amſterdam an. Nachdem er einige Wochen daſelbſt mit Ladung des Schiffes zugebracht: 
Villault. fo reiſte er den uten des Wintermonats mit dem Herrn Williamburg, dem Hauptmanne, 
den Herren Vantesk und Vanderberg und Matthews, dem Secretar, von da nach dem 
Texel ab. Den folgenden Morgen giengen fie an Bord, und den ızten ſegelten fie ab. 
Sie begruͤßten das Fort vom Texel mit drey Stuͤcken; und damit ſie nicht aufgehalten wuͤr⸗ 
den, ließen fie oſtindiſche Flaggen fliegen; indem allen Holländern ausdruͤcklich verbothen 
war, den Fremden an dieſer Kuͤſte zu dienen. Sie giengen, vermittelſt eines Nebels, ſich 
vor den = ändern, vor denen fie ſich fuͤrchteten c), in Sicherheit zu halten, durch den Canal, 
| und erreichten einige Inſeln, ungefähr zwanzig Seemeilen weit von dem Fluſſe Liffabon. 
Seetaufe. Die Hollaͤnder haben in Gewohnheit, welche ſie genau beobachten, diejenigen Schiffs⸗ 

Y feute und Reiſende, die noch niemals durch die Linie gefahren, zu taufen; und der Verfaſſer 
giebt folgende Nachricht von dieſer Ceremonie. Weil das Wetter ſchoͤn war: ſo wurde 
die Glocke gelaͤutet; und nachdem ſich die Schiffsleute auf dem Verdecke verſammelt, die 
Segel nachgelaſſen. Darauf bemächtigten ſich diejenigen, welche diefe Reiſe ſchon vorher 
gethan, der andern; und nachdem fie ihnen die Aerme hinten auf den Rücken gebunden, und 

ein Seil unter ihren Aermen feſtgemacht: ſo zogen ſie ſolche hinauf bis an die Rhaa des 
Hauptmaſtes, und ließen ſie von da in die See hinab, und zogen fie drey⸗ oder viermal nach 
einander wieder heraus. Einige tauchten fie für den König in Frankreich, andere für die 
Generalſtaaten, und zuletzt für die Schiffsbedienten und ihre Weiber, wenn fie welche hatten, 
ein. Hierauf gaben ſie ihnen ein Glas Brandtewein oder Sect, und ſo waren ſie wieder 
Freunde. Die Schiffsjungen wurden bis aufs Hemde ausgezogen, und unter einen Korb 
geftelft, wo ihnen ſieben bis acht Eimer Waſſer über den Kopf gegoffen wurden. Auch die 
Officier waren nicht ausgenommen. Denn nachdem fie den Schiffsleuten etwas zu vertrin⸗ 
ken gegeben, ſo mußten ſie leiden, daß ihnen ein wenig Waſſer aus einem Glaſe oder Topfe 
auf die Stirn geſpritzet wurde, welches die Ceremonie beſchloß. Weil das Schiff dieſe 
Reiſe noch nicht gethan hatte: fo war der Hauptmann nach eben der Gewohnheit verbun- 
den, den Seeleuten einige Butelljen Brandtewein zur Strafe zu gehe, um ſeine Geſundheit 
u trinken. 4 9 9 0 
Die Kuͤſte a Durch Irrthum des Steuermanns fuhren fie Maderas vorbey, wo fie hatten anlaͤn⸗ 
von Africa. den wollen, und kamen an das Ufer der Barbarey, bey dem Meerbuſen von Santa Cruz, 
e nahe an dem Vorgebirge Geer, welches ein hohes fand war. Nachdem ſie zwiſchen den 
Canarien und dem Vorgebirge Boſador hingeſegelt: fo giengen fie den roten des Chriſt⸗ 
monats über den Wendezirkel des Krebſes; und den raten, da fie das weiße Vorgebirge 
vorbeygefahren, kamen ſie an das Ufer im achtzehnten Grade Norderbreite, und fuhren bis 
zum ſechzehnten Grade an der Kuͤſte hin. Sie fanden das Land fandig und niedrig. Den 
Iten hatten fie bey der Sonnen Aufgange an der Mündung der Sanaga im funfzehnten 
Grade Windſtille. Den ısten entdeckten fie die Zitzen von dem grünen Vorgebirge, und 
beſegelten das Vorgebirge den folgenden Tag, da fie Willens waren, zu Rio⸗Freſco ein⸗ 
zulaufen, einer Stadt an der Kuͤſte, ſechs Seemeilen von dem Vorgebirge 4). ö 
Das grune. Das gruͤne Vorgebirge ift einer von den angenehmſten Dertern in der Welt, wegen ſei⸗ 
Vorgebirge. nes Gruͤns. Die Nordſeite iſt bergicht, und ſtets mit grünen Baͤumen bedeckt. Seine 
f 1 | Spige 
e) Dieß war zur Zeit des erften hollaͤndiſchen 4) Villaults Reife, auf der 10 und folgenden | 
Krieges. a Seite. At 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch J Cap. 361 
Spitze gegen Oſten iſt ungefähr eine Meile weit, und ein ſehr ſteiler und ſchroffer Fels ge- 1666 
gen die See zu, welche den Fuß deſſelben auf eine angenehme Art waͤſcht, indem die Staͤrke Villault. 
der Wellen durch verborgene Klippen gebrochen wird, die denſelben umgeben. Dieſe zwo 
Spitzen, die ſich wie Berge gegen einander erheben, machen eine Art von einer grünen Ter⸗ 
raſſe zwiſchen ſich, welche eine unvergleichliche Ausſicht durch die Baͤume an der Oſtſeite 
giebt. Es iſt gegen Süden eben fo ſchoͤn, obgleich das Land niedrig liegt, weil die Bäume 
daſelbſt ſo ordentlich ſtehen, als wenn ſie nach einer Linie gepflanzet waͤren. 
Von hier fegelten fie drey Seemeilen weit nach Goree, welches damals in der Hollän⸗ Gore. 
der Handen war, die ein Fort auf einem Berge an der Weſtſeite hatten. Gleich nachdem ſie 
ſolches begruͤßt, ſchickte der Statthalter fein Boot an Bord, um zu vernehmen, wer fie wären. 
Der Officier, welcher gut franzoͤſiſch ſprach, erhob den Ort, als den angenehmſten Platz von 
der Welt, und den beiten zur Handlung. . Er lobte das Vorgebirge als ein ſchoͤnes sand 
zur Jagd, welches viel Wildpraͤt, Rebhuͤhner, Rehe, Haſen und verſchiedene andere Thiere 
hätte, die gut zum Eſſen, in Europa aber unbekannt wären. Nach dem Mittagsmahle 
gieng er nach dem Fort züruͤck, und verlangte, die Franzoſen möchten nach der Gambra ge⸗ 
hen, wo die Engländer ein kleines Fort mit acht Stücken hätten, und woſelbſt die Statthal⸗ 
terſchaft jahrlich zweytauſend Pfund eintruͤge. 0 
Von hier glengen ſie nach Rio ⸗Freſco e), und kamen in der Bay von Frankreich vor Nio⸗Freſca. 
Anker, welche ein feſter kieſigter Grund, und bey niedrigem Waſſer ſechs Faden tief war. 
Hier ſchickten fie den Secretaͤr mit Geſchenken für den Alkair oder Statthalter, die in Meſ⸗ 
ſern und Brandteweine beſtunden, ans Ufer, um Erfriſchungen zu bekommen, und zu ſehen, 
wie es mit dem Handel gienge. Der Alkair nahm den Secretaͤr hoͤflich auf, und bewirthete 
ihn mit ſolchen Weinen und Fruͤchten, als das Land hervorbrachte. Er verſprach ihm den 
folgenden Tag friſche Lebensmittel, und wollte von feiner Ankunft den Kaufleuten, vor: 
nehmlich den daſelbſt lebenden Portugieſen, Nachricht geben, wofern ſie vierzehn Tage 
warten wollten. a N 
Unterdeſſen daß der Secretaͤr am Ufer war, kamen verſchiedene Kaͤhne mit Fiſchen 
an Bord, welche ſie fuͤr Meſſer und Brandtewein eintauſchten. Es kam auch ein Kahn 
von dem Alkair, der ſo bemannet war, daß ſich der Verfaſſer daruͤber wunderte. Die 
Leute waren uͤberaus ſchwarz, und zogen nicht beſſer auf, als die Bettler in Frankreich. Sie 
waren nackend, wie fie vom Mutterleibe gekommen, außer daß fie ein wenig Leinewand vor— 
hatten. Sie fragten, wer fie wären, und nachdem fie vernommen, daß fie Franzoſen waͤ⸗ 
ren: fo fragten fie, ob fie gekommen, da zu bleiben, oder nur bloß Lebensmittel einzuneh- 
men. Sie erwiederten: Lebensmittel einzunehmen; ſie wollten aber bald wieder kommen, 
und ſich etwas aufhalten, worauf die Schwarzen antworteten: gut, gut! die Franzoſen ſind 
mehr werth, als alle andere in der Welt 7). 2 | 
Dieſe Nacht hielten fie gute Wache, und fuͤrchteten einen Ueberfall von Gorea. Den Der Alkair 
ıgten des Morgens kam der Alkair, Abdenſech genannt, in Begleitung der Vornehmſten gebt an 
aus der Stadt in ihrem Boote an Bord. Er war ungefaͤhr vierzig Jahre alt, wohlgeſtaltet, Bord. 
und verſtund die Handlung. Seine Kleidung war ein langer weißer cattuner Rock, mit 
langen weiten Aermeln, der ihm bis an die Knie gieng, und um den Hals und die Haͤnde 
f „ . dicht 
2) Dieſe Stadt iſt im II Bande a. d. 299 Seite 7) Villaults Reiſe auf der 17 und folgenden 
aus unſerm Verfaſſer beſchrieben worden. eite. ü a 8 


Allgem. Reifebefchr. III Band. 33 


362 | Reifen nach Guinea und Benin, 


1666 dicht zu war. Um ſeinen Hals hatte er verſchiedene Flecken von rother Wolle. Er trug 

Villault. rothe Hoſen, und eine Kappe, wie eine Kapuzinerkutte. Seine Begleiter hatten Mäntel 

von geſtreiftem Cattun, weiß und blau, ſo wie die Zigeuner. Sie machten einen Vertrag 

mit dem Alkair, der ihnen ſagte, der Koͤnig hieße Damel Biram, Koͤnig von Kaillor; er 

lebte drey Tagereiſen weit im Lande, und liebte die Franzoſen. Der Alkair ſprach engliſch, 
franzoͤſiſch, und vollkommen gut hollaͤndiſch. Alle Leute ſprachen portugieſiſch g). 

Ob ſie gleich von Natur große Lügner find, und man ihnen nicht trauen darf: fo gab 
dennoch der Alkair den Einwohnern des Landes, wie er verſprochen, Nachricht. Sie hiel- 
ten es aber nicht für rathſam, ihm zu trauen, weil fie von einem amſterdamiſchen Schiffe 
Nachricht hatten, welches ſeinen eigenen Nutzen dadurch machte. Sie kauften einige Huͤhner, 
Ziegen, u. ſ. w. und hielten ſich fo lange am Ufer auf, daß das Schiff ein Stück abfeuerte, 
um fie an Bord zu rufen, aus Furcht, es möchte ihnen von den Hollaͤndern einiges Un: 
glück begegnet ſeyn. i . 

Sie kommen Dieſen Abend ſegelten fie nach Sierra Leona; und weil fie es nicht für rathſam hiel⸗ 
nach Sierra ten, unterwegens irgendwo einzulaufen: ſo gelangten ſie den 26ſten des Chriſtmonats da- 
Leona, ſelbſt an, und ankerten den folgenden Tag, vermittelſt der Fluth, in der vierten franzoͤſiſchen 
55 Bay von dem Vorgebirge Ledo, an der Suͤdſeite des Fluſſes, in fechs Faden, einen Flin⸗ 
tenſchuß weit von der Quelle, wo fie vortreffliches Waſſer fanden. Hier toͤdteten fie eine 

Gemſe. Sie ſteckten oſtindiſche Flaggen auf, weil ein Englaͤnder bey einer von dieſen 

Inſeln ankam, der daſelbſt ein ſchoͤnes Haus und vier Stuͤcke hatte, und von dem Koͤ⸗ 

nige des Landes geliebt und beſchuͤtzt wurde. Den 27ſten des Chriſtmonats ſchickten ſie 
zweene von ihren Bedienten ungefähr zehn Seemeilen weit den Fluß hinauf, zu dem Koͤ⸗ 

nige von Burre mit den gewoͤhnlichen Geſchenken, um Erlaubniß zu erlangen, handeln 

zu duͤrfen, und Holz und Waſſer einzunehmen. Unterdeſſen gieng das Boot ans 

Land, ſich mit dieſen beyden Nothwendigkeiten zu verſehen. Der Schreiber und 

der Verfaſſer giengen mit ihren Bedienten als eine Wache mit. Während ihrer Ab⸗ 

weſenheit kamen fuͤnf oder ſechs Kaͤhne an Bord. In einem von denſelben war 

ohann Thomas, das Haupt von einer der Inſeln in dem Fluſſe, welcher einiges 

Ifenbein zu verkaufen brachte. Der Hauptmann, welcher der einzige Officier am Borde 

war, empfing ihn ſehr wohl, weigerte ſich aber, das Elfenbein zu kaufen, weil er es 

werden vom fuͤr zu theuer hielt. Thomas wurde dadurch ſo ſehr beleidigt, daß er mit Schnauben da⸗ 
Hauptmann von gieng, und um fuͤnf Uhr mit funfzehn oder ſechzehn Schwarzen bey der obgedachten 
Thomas ans Duelle ans Land ſtieg +). Der Schreiber und Villault kamen in ihrer großen mit Bal⸗ 
gegriffen. faſte beladenen Schaluppe eben wiederum zuruck, und rückten fo nahe an, als es ihnen die 
Fluth erlauben wollte. Als Thomas und ſeine Schwarzen dieſes ſahen: ſo machten ſie 

ſich wieder in ihre Kaͤhne, und ruderten gegen die Leute zu, die am Ufer Holz fällten. Zu⸗ 

gleich gab das Schiff ein Zeichen mit feiner Flagge, um es ihnen zu melden, und der Ver⸗ 

faffer eilte an Bord, weil er einige Empörung befürchtete. Weil aber Villaults Leute eine 

Flinte hatten: ſo hielten ſie die Schwarzen ab, und die uͤbrigen vertheidigten ſich mit ihren 

Aexten fo wohl, daß keiner von ihnen verwundet oder getoͤdtet wurde, außer daß ein alter 

Mann eine Schramme in den Arm bekam. Das Schiff fuhr ſo gleich ans Ufer, um den 

| a ea "Er PR Leuten 

g) Villaults Reiſe auf der 17 und folgenden Seite, 
5) In der Ueberſetzung heißen fie Moren. 


- 


j . - er er. 
von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch I Cap. 363 
Leuten beyzuſtehen. Sobald aber die Schwarzen ſolches ſahen, flohen fie in das Gehölze, 1666 
wo fie den ganzen Tag ſtille lagen; in der Nacht aber konnte man hören, daß fie bey der, Villault. 
Quelle ein großes Geraͤuſch machten. . a a x 
Den 29ſten des Chriſtmonats giengen der Schreiber und der Unterſteuermann, nebſt Die Schwar⸗ 
verſchiedenen Bedienten, und ungefaͤhr zwanzig Bootsknechten in dem Boote ans Ufer, um den werden 
Holz und Waſſer zu holen. Bey ihrer Landung verließen die Schwarzen die Quelle, und geſchlagen. 
flohen in das Gehölze, wo fie ein großes Geraͤuſch machten. Als aber die Leute auf fie zus 
giengen und ſechs oder ſieben blinde Schuͤſſe thaten: ſo verſchwanden ſie gaͤnzlich. Nach 
Tiſche kamen ihre Abgeſchickten von des Königs von Burre Hofe zuruͤck, wo ſſie fi) die 
ganze Nacht uͤber aufgehalten. Sie brachten einige mit Elfenbeine beladene Kaͤhne mit, 
welches ſie um einen billigen Preis kauften. Den folgenden Tag kam des Koͤnigs von 
Burre Bruder, und mit ihm ein Portugieſe an Bord, den ſie ſchon vorher geſehen hatten, 
und der in des Fuͤrſten Geſchaͤfften gebraucht wurde. Sie erkannten feine Würde durch 
die Trompeter in ſeinem Kahne, und ſchickten ihr Boot, ihn zu empfangen, in welches er 
mit einem Trompeter und Trummelſchlaͤger ſtieg, und er ward mit einer Lage begrüßt ). A 
Des Königs von Sierra Leona Bruder war ungefähr funfzig oder fechzig Jahre alt, Des Königs 
und fing an, grau zu werden. Er war von mittelmaͤßiger Größe, aber von einem ernſt⸗ von Burre 
haften Betragen. Er ſchien ſich auf ſeine Sachen gut zu verſtehen. Seine Kleidung war Bruder. 
des Alkairs von Rio Freſco ſeiner nicht ſehr ungleich, außer daß die Streifen ſchwarz und | 
blau waren. Er trug einen grauen Hut und einen Stab, faſt wie 5 Stuͤck von einer 
Flinte in der Hand. Seine Begleiter hatten cattunene Roͤcke, der Portugieſe aber war 
nach ſeiner eigenen Art gekleidet. Sie gaben ihm eine Nachricht von Johann Thomas, 
worauf er antwortete, er waͤre ein Aufruͤhrer, und wenn ſie ihn fangen koͤnnten, ſo wollte er 
es ihnen nicht nur verzeihen, ſondern auch danken. Nach Tiſche zog er zwanzig kleine 
Steine aus einem Beutelchen, die er auf die Tafel warf, und ſo viel Stangen, wie ſie es 
nennen, forderte er fuͤr des Koͤniges Gebuͤhren, als auch fuͤr Holz und Waſſer. Obgleich 
diefe Voͤlker weder leſen noch ſchreiben koͤnnen: fo bedienen fie ſich doch der Art durch Stan— 
gen zu rechnen, welches ſie aus der Handlung mit den Portugieſen gelernt haben. 
Der Hauptmann bezahlte des Prinzen Forderung, als zwoͤlf Stangen in Eiſen; ein 
klein Faͤßchen Brandtewein fuͤr vier Stangen, einen Keſſel fuͤr zwo Stangen, und einen 
Hut für zwo Stangen. Hierauf beſchenkte er den Prinzen mit zwo Butelljen Brandte— 
wein, und ſein Gefolge mit Meſſern. Gegen Abend giengen er und ſeine Begleiter wohl 
gefättiget und vergnuͤgt zuruͤck, und wurden bey ſeinem Abſchiede einige Stuͤcke geloͤſet. 
Der Fuͤrſt wird von ſeinem Volke ſehr geehret. Er fuͤhret ſeine Trompete und Trummel 
ſtets bey ſich, auch bey feinen geringſten Geſchaͤfften ). Es kamen hier einige Portugie— 
fen an Bord, von denen Villault fo viel Nachricht, als er nur konnte, von den Sitten des 
Landes einzuziehen ſuchte 1). f ; wi | 
Die Engländer hatten in einer von den Inſeln innerhalb der Mündung des Fluſſes Verraͤtherey 
von Sierra Leona ein Waarenhaus. Der Factor deſſelben, Namens Abraham, ſchrieb der Hollan⸗ 
verſchiedenemal an den Hauptmann, und bath um Freyheit, daß er kommen und mit ihm En 
handeln dürfte, Man antwortete, er koͤnnte ſicher kommen. Er kam alſo auf ihr Wort 
. 2 7 29 312 | den 
i) villaults Reife, a.] d. 29 u. f. S. 7) Villaults Nachricht von Sierra Leona, ſteht 
4) villaults Reiſe, a. d. 35 u. f. S. vorher auf der 255 Seite. f 


364 Reiſen nach Guinea und Benin, 


1667 den zıften des Chriſtmonats an Bord, da fie ihren Handel mit den Portugieſen und Ein⸗ 


Villault. 


gegen die 
Englaͤnder. 


Der Factor 
wird losge⸗ 
kaufet. 


gebohrnen ſchon gemacht hatten. Er war in ſeinem eigenen Boote, welches drey Sklaven 
ruderten, und wurde von einem Hollaͤnder und zweenen andern Dienern begleitet. Der 
Hauptmann empfing ihn freundlich, nahm ihn aber nach der Abendmahlzeit, wider das Gut— 
achten aller andern, nebſt den drey andern, zu ihrem großen Erſtaunen, verraͤtheriſcher Weiſe 
gefangen m). Du Morgen darauf, als den ıften Jenner 1667 wurde eine große Scha⸗ 
luppe mit dreyßig Mann, dem Hauptmanne, Wundarzte und dem Verfaſſer, nebft einem 
Stuͤcke beſetzet, um Abrahams Factorey oder Waarenhaus zu belagern oder zu plündern. 
Dieſer Ort, war von Ziegel-und Quaterſteinen gebauet, und wurde von vier vierpfuͤndigen 
Stuͤcken vertheidiget. Rundherum waren Palmbaͤume, und auf der einen Seite hatte 
es ein Negerdorf von funfzehn oder zwanzig Haͤuſern, und auf der andern eine Quelle. 
Die Hollaͤnder verſuchten, allhier zu landen, und entdeckten auf zweyhundert Schwarze 
in den Waffen, das Haus zu vertheidigen, und eine groͤßere Anzahl in dem Walde, eine 
Ecke davon. Da dieſe aber ſahen, daß das Boot den Fluß hinaufruderte, um den Vor⸗ 
theil des Windes zu erhalten: fo ſchickten fie einen Kahn ab nach Bulom, um daſelbſt Laͤrm 
zu machen, und meynten, die Hollaͤnder wuͤrden nach Burre gehen. Die Hollaͤnder folg⸗ 


ten dieſem Kahne und nahmen ihn weg: ſie konnten aber von den Leuten, welche darinnen 


ruderten, nichts herausbringen, als daß ſie dem Portugieſen zugehoͤrten, der mit Abraham 
gefangen worden. Die Stuͤcke aus Abrahams Factorey wurden abgebrannt, und drey 
von den Kugeln fielen zehn Schritte weit von dem Boote. Sie ankerten ſo, daß ſie von 
den Stuͤcken nicht konnten beſtrichen werden, und warteten auf die Fluth, um deſto beſſer 
ihre Ruͤckkehr zu nehmen. Da das Wetter ſtill war, fo erſchienen eine halbe Stunde dar⸗ 
auf zweene Moren, die zu einem von den benachbarten Eylanden gehoͤrten, in einem Kah— 
ne, und kamen ungefaͤhr einen Piſtolenſchuß weit von ihnen, ſie wollten aber auf keine Art 
und Weiſe an Bord kommen. Sie feuerten darauf zweymal auf ſie, nicht in der Abſicht, 
ihnen zu ſchaden, ſondern ſie von der Wahrheit zu unterrichten. Als ſie ſolches hoͤrten, ſo 
ruderten ſie ſo geſchwind weg, als ſie konnten, und buͤckten ſich bey Erblickung ihres Feuers 
ſo tief, daß ſie wie Katzen ausſahen. Waͤhrend der Zeit fuhr das engliſche Geſchuͤtz fort, 
Feuer zu geben, ob es gleich wenig Schaden that. Der Verfaſſer meynet, es ſey ſolches 
geſchehen, den Eingebohrnen zu zeigen, daß fie ihre Vertheidigung unternommen. 

Als die Fluth kam, ſo kehrten die Hollaͤnder wiederum zuruͤck an Bord, wo ſie einige 
Moren und Portugieſen fanden, unter welchen des Koͤnigs von Bullom Sohn, Bombo 
genannt, ein ſchoͤner, wohlgebildeter und majeſtaͤtiſcher Mann, von ungefaͤhr dreyßig oder 
vierzig Jahren, und ein großer Freund vom Abraham, war. Er war deſſen Ausloͤſung 
wegen gekommen, und kam, nachdem er ans Ufer gegangen, den folgenden Tag mit hundert 
Zaͤhnen, welche neunhundert Pfund wogen und zwo Zibetkatzen wieder. Nach Empfange die⸗ 
fer Sachen, ließ der hollaͤndiſche Hauptmann Abrahamen los, und gab ihm ein klein Faͤßchen 
abgezogen Waſſer, eine Rolle Tobak, einen Kaͤſe, und beehrte ihn mit drey Stuͤckſchuͤſſen. 

Den sten Jenner hatten fie abfahren wollen. Weil aber das Wetter ſtill und die 
Fluth ihnen entgegen war: ſo konnten ſie nicht auslaufen. Gegen Abend kam ein Kahn 
mit zweenen Maͤnnern an Bord, die vorgaben, daß ſie nach Bulom gehoͤrten. Sie brach— 
ten einige Fruͤchte. Weil ſie aber kein Elfenbein hatten: ſo ſah ſie der . für 

. ; 1 und⸗ 


m) S. die Forts und Fastoreyen im 2 Bande a. d. 263 S. ) Villaults Reife a. d. 49 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. vn Buch I Cap. 365 


Kundſchafter an, und fandte fie zuruͤck. An eben dem Abende fegelten fie ab; und nachdem 1667 
fie das Vorgebirge Ledo beſegelt, fo ſteureten fie gegen Suͤdoſt, um die St. Annenbaͤnke Villault. 
zu vermeiden. Den folgenden Tag trafen fie ein klein hollaͤndiſch Schiff an, welches 

5 r. den a nahm, um das Vorgebirge Monte zu erreichen, ſechzig Meilen von Sier⸗ 

ra Leona 2). ; £ | 

Den ten Jenner giengen fie bey der Muͤndung des Fluſſes Madre Bomba 0) vor: Madre 
bey, wo ſich die Engländer niedergelaſſen. An eben dem Tage waren fie im Geſichte von ki 
Rio das Gallinas, von der Menge Hühner fo genannt, die daſelbſt fo wohlfeil find, daß herbro. 
die Schwarzen zwey oder dreye für ein Meffer für einen Pfennig, verkaufen. Die Hol⸗ 
länder hatten vordem allhier ein Haus. Die Eingebohrnen machten ihnen Zeichen, hinan 
zu kommen. Die Naͤchbarſchaft der Englaͤnder aber hielt ſie davon ab. Sie ſetzten alſo 
ihren Lauf oſtwaͤrts bis den Sten Jenner fort, da fie zehn Seemeilen weit von ſich, bey hel- 
lem Wetter, das Vorgebirge Monte entdeckten. Weil ſie aber wenig Wind hatten: ſo 
konnten ſie nicht eher ankern, als auf den Abend, eine halbe Seemeile vom Ufer in zwölf. 

Faden bey niedrigem Waſſer, im Sande. | N r 

Das Vorgebirge Monte wird von einer Spitze fo genannt, welche ihm dieſe Figur giebt. Das Vorge⸗ 

Da ſich ſolche gleich von der See erhebt, ſo machet ſie einen runden Berg, da die ganze birge Monte. 
übrige Kuͤſte (hr niedrig liegt. Sie konnten an derſelben weder Haus noch Hütte ent⸗ * 
decken, bis den ıgten, da fie ans Ufer giengen, und vier oder fünf Haͤuſer in einiger Ent- 
fernung antrafen, woſelbſt die Schwarzen Salz machten. Dieſe ſchienen bey ihrer Ans 
kunft furchtſam, und berichteten ihnen, ihr König lebte drey Tagereifen weit im Lande. 
Sie ſetzten hinzu, ſie wollten ihre Ankunft melden; und wenn ſie morgen wiederkommen 
wollten, ſo ſollte Elfenbein herabgebracht werden. Man machte mit einander aus, daß 
zwey Stuͤcke als ein Zeichen abgeſchoſſen werden, und ſie am Ufer Feuer halten ſollten, wel⸗ 
ches auch geſchah. Der zote und zıte Jenner ward mit Tauſchen am Borde zugebracht. 

Den neten gieng Villault, wiewohl mit einiger Beſchwerlichkeit, ans Ufer, weil ſich die Der König 
See fo gewaltig brach, daß die Schaluppe zwanzig Schritte weit auf dem Grunde gelaſſen, kommt. 
und die Schiffsleute gezwungen wurden, auszuſteigen, und die Officier auf ihren Rüden 
herauszutragen. Sie fanden, daß die Moren daſelbſt eine große mit Blaͤttern und Zwei⸗ 
gen bedeckte Laube gemacht hatten, um die Guͤter trocken zu erhalten, und ſie vor der Hitze 
zu beſchuͤtzen. Als fie daſelbſt handelten, hörten fie ein ploͤtzliches Geraͤuſch, und ſahen die 
Moren in großer Verwirrung auf allen Seiten herumlaufen. Sie befuͤrchteten, fie moͤch⸗ 
ten überfallen werden, und ergriffen alfo ihre Waffen. Als fie aber ausgiengen, fo ſahen 
ſie, daß der Koͤnig zu ihnen kam. Es giengen ihm darauf einige von ihren Leuten entge⸗ 
gen, und bewillkommten ihn mit einer Salve aus fuͤnf oder ſechs Feuerroͤhren. Vor ihm 
her giengen ſein Trummelſchlaͤger und Trompeter, nebft feinen Bedienten. Seine Wei⸗ 
ber und Toͤchter giengen an ſeiner Seite, und ſeine Sklaven folgten nebſt vielen Weibern, 
die feine Speiſen in zinnernen und hölzernen Gefäßen trugen, welche fie fo hoch in die 
Hoͤhe hielten, als ſie nur konnten. Neben ihm giengen vier Sklaven; zweene davon be⸗ 
deckten ihn mit breiten Schilden, die andern trugen ſeinen Bogen, ſeine Pfeile und ſeinen 
Wurfſpieß 2). 13 | we 


333 „ 


o) Er meynet Scherboro. 2) Villaults Reife auf der 3s und folgenden Seite. 


7 


366 Reiſen nach Guinea und Benin, 0 


1667 
Villault. 


Ceremonie 
bey ſeiner 
Ankunft. 


Bey feiner Annäherung theilten ſich die Schwarzen, die Männer auf die eine, und die 
Weiber auf die andere Seite, tanzten und ſprangen mit tauſenderley laͤcherlichen Geberden. 
Der König nahm einen Pfeil, und wollte nach ihnen ſchießen. Sogleich fielen fie nieder 
auf die Erde, da denn diejenigen, die mit dem Koͤnige gekommen waren, anfingen zu tanzen 
und zu ſingen. Darauf nahm der Koͤnig einen Pfeil, ſchoß ſolchen in die Luft, und ſogleich 
liefen alle nach dem Orte, wo er nieder fiel. Gluͤcklich war derjenige, der ihn zuerſt bekom⸗ 
men, und dem Koͤnige bringen konnte. Hierauf ſtellte er ſich, als ob er recht unter ſie 


ſchoͤſſe, und fie fielen wiederum mit großem Geſchreye nieder; welcher Zeitvertreib eine Vier⸗ 


thelſtunde waͤhrte. In dieſem Triumphe und in dieſer Pracht näherte ſich der König, und 
wurde von den Hollaͤndern mit Abfeurung des kleinen Geſchuͤtzes bewillkommet. Der Kö- 
nig war ein ernſthafter ehrwuͤrdiger alter Mann, von ungefaͤhr ſechzig Jahren oder druͤber, 


und hieß Falam Burre. Er hatte ein majeſtaͤtiſches Anſehen, und war ſehr empfindlich. 


Seine Kleidung war bloß in der Farbe von ſeiner Großen ihren unterſchieden, indem ſie 


Der Verfaſ⸗ 
ſer wartet 
ihm auf. 


Beſchrei⸗ 
bung des 
Vorgebirges 
Monte. 


ganz blau war; da ihre Roͤcke hingegen blau und weiß geſtreift waren. Sie bezeugten ihm 
ſo viel Ehrerbiethung, als ſie konnten, und nach den gewoͤhnlichen Geſchenken begab er ſich 
unter eine andere Laube, welche die Moren fuͤr ihn gemacht hatten, und ließ die Hollaͤnder 
bey ihren Geſchaͤfften. . 2 6 di BGE 
Bald darauf wartete ihm der Verfaſſer unter feiner Laube auf, wo er mit ihm portu⸗ 
gieſiſch redete. Der König meldete ihm, er haͤtte ſeit vier Jahren keinen Weißen geſehen, 
und verſicherte ihn mit Freudenthraͤnen, die Franzoſen ſollten ihm willkommen ſeyn; ſie 
waͤren zwar hitzige und eigenſinnige, aber doch ehrliche Leute, und er und ſein Land, wovon 
er meynte, daß es eben nicht zu verachten waͤre, wollten ewig zu ſeinen Dienſten ſeyn. Un⸗ 
terdeſſen, daß der Prinz in ſeinem eigenen Zimmer ſpeiſte, nahm ſich Villault die Freyheit, 
einer von den Frauen ſeines Sohnes eine Geſundheit in Palmenweine zuzubringen, welche 
ihm franzöfifch antwortete: Monſieur, je vous remereie, und ihm darauf im Portugieſi⸗ 
ſchen meldete, ihres Ehemanns Vater haͤtte ſtets unter den Franzoſen gelebt, da fie in dieſen 
Gegenden geweſen, und ſie koͤnnten es leicht an ihrem Anſehen erkennen, daß er und ſein 
Diener die einzigen Franzoſen in der Geſellſchaft wären J). AR? an 


Der II Abſchnitt. 

Das Vorgebirge Monte wird beſchrieben. Erd⸗ Seltſame Gewohnheit. Rio Sanguin. Portugie⸗ 
reich und Fruͤchte. Bewegliche Städte. Das fen; ihre Handlung und ihr Anſehen daſellbſt. 
Vorgebirge Miſerado. Die Eingebohrnen ſind Die Kuͤſte Malaghetta. Der Koͤnig und ſein 

argwoͤhniſch; ſehr aberglaͤubig. Sie kommen Bruder. Sie treffen zwey Schiffe an. Feige 
nach Rio Junco. Der Fluß wird beſchrieben. Hollaͤnder. Staͤdte, Guͤter, ſchlechte Luft, wohl⸗ 
Klein Dieppe. Der Fluß Sertos oder Seſtos. geſtaltete Eingebohrne, reden Franzoͤſiſch. . 


Das Vorgebirge Monte iſt ein fo ſchoͤnes Land, daß wenn ihm ganz Africa gleich wäre, 
ſolches allen Gegenden von Europa vorzuziehen ſeyn wuͤrde. So bald man landet, 
ſieht man eine ſchoͤne Ebene, die auf allen Seiten mit ſtets grünen Waͤldchen umgeben iſt, 
deren Laub faſt dem Lorber gleicht. Die Ausſicht gegen Suͤden wird von dem Berge des 
Vorgebirges begraͤnzet, und gegen Norden von einem großen Walde, der ein kleines Ey⸗ 
land in einem kleinen Fluſſe beſchattet, welcher hier in das Meer fällt, wiewohl nur Kaͤhne, 


| oder 
1) Eben derſelbe, a. d. So u. f. S. | 


— 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch I Cap. 367 
oder höchftens Schaluppen darauf fahren koͤnnen. Gegen Oſten verlieren ſich die Augen 1667 
in großen und ſchoͤnen Wieſen und Ebenen, die mit wohlriechenden Kraͤutern beſetzt ſind, Villault., 
und von verſchiedenen angenehmen Stroͤmen gewaͤſſert werden, welche von dem innern Ne 
Lande herauskommen. a | Ben 

Reiß, Hirſe und Maiz find hier in groͤßerm Ueberfluſſe, als an irgend einem Orte in Erdreich und 
Guinea. Man hat Orangen, Eitronen, Mandeln, Beeren, Melonen, Kuͤrbiſſe, und eine Fruͤchte. 
Art von Pflaumen, wie die Brunellen, aber nicht von ſo gutem Geſchmacke. Sie haben . 
vielerley Vögel, als Hühner, Tauben, zahme und wilde Enten, welche fo wohlfeil find, daß 
man ſie uͤberfluͤßig hat. Ziegen und Schweine ſind hier ſehr gemein, ſo wie die Affen, 
die aber haͤßlich find. Sie haben Fluß- und Seefiſche im Ueberfluſſe, welche fie. dem Flei⸗ 
ſche vorziehen, wie auch Schildkroͤten, die eine vortreffliche Speiſe ſind; doch ſind ihre 
Schalen nicht einen Pfennig werth. ED, 2 5 7% 

Obgleich bey ihrer Anlaͤndung nur vier oder fünf Hütten anfänglich zu fehen waren: Bewegliche. 
ſo wurde dennoch innerhalb zween Tagen die Ebene, ungefaͤhr eine Meile weit im Umfan⸗ Staͤdte. 
ge, mit Huͤtten fuͤr das Volk bedeckt, welches hieher kam, zu handeln. Sie bekamen eine 
gute Menge Elfenbein, Reiß und Matten allhier gut und wohlfeil. Der König verſprach 
ihnen noch zehnmal ſo viel Elfenbein, wenn ſie drey Tage warten wollten. Sie ſegelten 
aber den ızten in der Nacht nach dem Vorgebirge Miſerado, und den folgenden Tag war- Vorgebirge 
fen fie drey Seemeilen vom Ufer Anker, da fie ſich das Land näher einbildeten, als es war. Miſerado. 
Sie feureten zwey Stuͤcke ab, um den Eingebohrnen von ihrer Ankunft Nachricht zu ges- 
ben. Den ısten ſahen fie ihren Irrthum, und weil das Wetter ſtill war: fo waren fie 
genoͤthiget, bis Nachmittage vor Anker zu bleiben; um welche Zeit ein Kahn, mit zweenen 
Schwarzen 7) darinnen, zu ihnen kam, welche fie einluden zu landen, auf keinerley Weiſe 
aber an Bord kommen wollten, bis fie das Schiff unter Segel, und dem Ufer zufahren ſa⸗ 
hen. Sie ſagten, es waͤren ſeit einem Jahre keine Weißen da geweſen, und ſie wollten den 
folgenden Tag Elfenbein genug bringen . 5 uf 

Der Hauptmann ließ fie mit einigen kleinen Geſchenken von fih, und ankerte in ſechs 
Faden, eine halbe Meile vom Ufer, an der Muͤndung eines kleinen Fluſſes, Duro genannt, 
an dem Fuße des Vorgebirges, und hatte ſechs Faden bey niedrigem Waſſer. Weil der 
Fluß Duro ſeinen Namen von der grauſamen Eigenſchaft der Eingebohrnen bekommen: 
fo verſtaͤrkten fie ihre Schaluppe, um fie in Furcht zu halten. Er fällt gegen das Vorge⸗ 
birge in die See, iſt aber ſo klein und unanſehnlich, daß er nichts, als nur Kaͤhne, fuͤhret. 

Da ſie ans Ufer giengen, fanden ſie, daß die Eingebohrnen eine Huͤtte aufgerichtet Die Einge⸗ 
hatten, und daß ihr Hauptmann oder Fuͤhrer, nebſt einigen von ſeinen Bedienten, unter bohrnen ſind 
den Bäumen ſaß, und auf ihre Ankunft wartete. Sie beſchenkten ihn mit zwo Flaſchen argwohniſch. 
Brandtewein, welche er ohne Zwang austrank, und darauf fuͤhrte er ſie nach einem Hauſe, 
wo ſie bis in die Nacht blieben. Er ſchien ein ſtarker Mann zu ſeyn, und hatte ein ernſthaf⸗ 
tes Anſehen. Er hatte einen Rock an, wie der Alkair von Rio Freſco, nur daß er roth 
war, nebſt einer Muͤtze von eben der Farbe. Ihn begleiteten funfzig oder ſechzig Schwarze, 
mit großen Wurfſpießen, Bogen und Pfeilen und Schwerdtern bewaffnet, nebſt einigen 
wenigen Weibern, die fie wiederum ins Holz zuruͤckſchickten, welches nicht über funfzig 

| 7 1 Schritte 
5) In der Ueberſetzung heißen fie Moren, welches recht ſeyn möchte, wenn man ſchwarze Moren 
verſteht. a 6) Villaults Reiſe auf der 63 Seite. 78 ne 


we Reifen nach Guinea und Benin, 
1667 Schritte von ihrer Wohnung war, von da ſie nicht über zwanzig Ellen weit ſich herauswa⸗ 
willault. gen durften. Sie fragten die Holländer, ob ſie als Feinde oder Freunde kaͤmen, da ſie ein 
Stück in dem Boote ſahen? Weil fie aber ſelbſt bewaffnet waren, wider die Gewohnheit 
der andern Schwarzen, die ſie angetroffen hatten: N ab dieſes den Hollaͤndeen eine Ent⸗ 
ſchuldigung; ſie verſprachen aber doch Guter ans Ufer zu bringen, und zu handeln. 
Einige von des Hauptmanns Weibern, die ihre Kinder mitſchleppten, kamen, die Hol⸗ 
länder zu beſuchen, und dieſe waren genoͤthiget, fie zu beſchenken, obgleich der Hauptmann 
ſein Elfenbein ſo theuer hielt, daß man es nicht kaufen konnte. Sie ſprachen insgeſammt 
portugieſiſch, und waren wohl gekleidet. a 
Als der Hauptmann zu Tiſche war, ſo bath er einige von ihnen, bey ihm zu bleiben. 
Villault both ſich dreuſt dazu an, und der Hauptmann nahm deſſen Hand, und legte ſie in 
ſeines Tochters ihre und ſagte, er gabe ſie ihm zum Weibe. Hierauf wurden ſie ſehr ver⸗ 
traut. Er nahm den Verſaſſer und zeigte ihn den uͤbrigen Schwarzen, die ihn ihren 
Landsmann und Freund nannten, und ihm Sklaven verfprachen. Sie fuhrten ihn an 
fich, festen ihn in die Mitte und gaben ihm Palmwein. 0 Eu 
Sehr aber⸗ Villault bemerkte, daß einer von den Bedienten, der mit ihnen ſpeiſte, Wein auf die 
glaubich. Erde goß, ehe er trank. Als man ihn um die Urſache fragte, fo ſagte er, wenn feinen ver⸗ 
ie ſtorbenen Vater duͤrſtete, fo wuͤrde er dahin kommen und trinken. Er ſah auch einige von 
ihren Pfaffen, denen ſie als Drakel glauben, und große Ehrerbiethung erweiſen. Ihre 
Kleidung iſt mit denen, die ſie hernach an der Goldkuͤſte ſahen, einerley. Der Hauptmann 
zeigte Villaulten einen von ihnen und ſagte, wenn er etwas verlohren hätte, fo koͤnnte ſol⸗ 
cher ſagen, wo es waͤre; und ſchrie ihn alſo für einen großen Propheten aus. Sie find in 
Anſehung ihrer Fetiſches ungemein aberglaͤubig. Ihr Handel beſteht vornehmlich in El⸗ 
fenbein, welcher vortrefflich iſt, und Reiße, welcher ſehr ſchoͤn ſchmecket. Die Engländer 
hatten ein Waarenhaus hinter dem Vorgebirge, und ſtunden bey den Eingebohrnen in gro— 
* die mit den Hollaͤndern damals ſehr uͤbel umgiengen, bloß weil ſie mit jenen 
| waren. 1 | | 
Als fie wieder nach dem Fahrzeuge zuruͤck giengen: folverfprachen fie, den folgenden 
Morgen wieder zu kommen. Weil fie aber anfaͤnglich eine gute Menge von Elfenbein 
wahrgenommen, welches ſie hernachmals nicht weiter ſahen: ſo wurden ſie argwoͤhniſch. 
Die Engländer hatten die Abſicht, ſie ſo lange mit Handlung aufzuhalten, bis fie Staͤrke 
genug hatten, ſie anzugreifen. Dieſer Urſache wegen lichteten ſie in der Nacht den Anker 
und ſegelten nach Rio Sextos, obgleich einer von den Bedienten einen goldenen Ring bey 
dem Hauptmanne als ein Pfand von ſeinem Worte gelaſſen hatte. 
Sie kommen Als ſie vor dem Vorgebirge vorbey waren, entdeckten fie laͤngſt dem Ufer Feuer, wel⸗ 
nach Rio ches Zeichen waren, die von den Einwohnern des Handels wegen gemacht worden. Um 
Junco. zehn Uhr des folgenden Tages, kamen ſie gerade dem Feuer bey Rio Junco gegen uͤber vor 
Anker, und feuerten zwey Stuͤcke ab. Da fie aber ſahen, daß keine Canoes herbey kamen: 
ſo. ſchickten fie ihr Boot mit einigen Guͤtern den Nachmittag ab: ſie getraueten ſich aber 
nicht, zu landen, wegen der Heftigkeit der Wellen. Sie gaben den Moren Zeichen, die ſich 
ſcheueten, hinan zu kommen, indem fie den halben Weg ſchwammen, und darauf wieder zu⸗ 
ruͤckkehrten. Zuletzt wagten es noch dreye in einem Kahne, und wurden freundlich aufge⸗ 
nommen. Hierauf ſchwammen noch dreye an Bord, welche der Hauptmann mit einer Bu— 
tellje Brandtewein beſchenkte, die ſie voller Bergnügen mit ans Ufer vahmen. Sie zeig⸗ 
975 ten 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. vn Buch 1 Cap. 369 


ten ihnen ihre Keſſel und andere Waaren, worüber fie fo ſehr erfreut zu ſeyn ſchienen, als 166 
wenn fie das Paradies ſelbſt geſehen hätten. Sie fragten nach weißer breiter Kaſade, da Villsult. 
die am Ufer viele große Elephantenzaͤhne in die Höhe hielten, damit ſie fortmachen möchten. 
Weil man aber ſah, daß es unmoͤglich war, ohne große Gefahr zu landen: ſo ſandten ſie 
die zweenen Moren zuruͤck, die am Borde geblieben waren, welche ihrem Anſehen nach 
Vornehme zu ſeyn ſchienen 1). W * 

Rio de Junco liegt im fünften Grade 50 Minuten Norderbreite. Man kennet die Muͤn⸗ 
dung an drey großen Baͤumen, welche ſehr hoch ſtehen, und an drey großen Bergen, die in 
einiger Entfernung ins Land hinein ihnen gegen über ſtehen. Sie iſt ungefähr fuͤnf hundert 
Schritte breit, aber ſeicht. Die Ufer ſind ſo artig mit Baͤumen beſetzt, und mit Blumen 
geziert, daß ſie nebſt dem ſanften Strome eine vortreffliche Landſchaft machen. b 

Orangen, Citronen und Palmbaͤume find laͤngſt denſelben in einer auserleſenen Ord- Beſchrei⸗ 
nung gepflanzet. Die Eingebohrnen haben viel Federvieh und Palmwein. Weil ſie hier bung des 
nichts zu handeln fanden: ſo ſegelten ſie den Abend ab, und kamen den folgenden Morgen Fe: 
vor klein Dieppe. Dieß iſt eine Stadt unweit des Fluſſes, der in feinem Laufe nach der Klein 
See ein artiges kleines Eyland machet. Die Franzoſen beſaßen es vordem; es iſt aber Dieppe. 
lange Zeit verlaſſen geweſen. An der Muͤndung des Fluſſes giebt es viele Felſen, welche 
den Eingang gefaͤhrlich machen. Sie entdeckten ein kleines Fahrzeug an der Kuͤſte, dem 
fie die Jacht gaben, aber vergebens. Den 22ften Jenner kamen fie zu Rio Sextos an. 
Rio Sexrtos kommt weit aus dem Lande her von Nord und Nordweſt, und iſt unge- Rio Sertos 
fähr eine halbe Meile breit in der Muͤndung. Die Ufer find auf eine angenehme Art mit oder Seſtos 
großen ſchlanken Bäumen beſetzet. Ungefaͤhr drey Seemeilen weit den Fluß hinauf hat⸗ 
ten die Englaͤnder vordem ein Waarenhaus, wovon nichts mehr uͤbrig iſt, als die Waͤnde. 
Der Fluß iſt zwölf Seemeilen hinauf für eine große Jacht oder Barke ſchiffbar. 

Hier erfuhren fie von den Fiſcherbooten der Schwarzen, daß ungefähr vierzehn Tage 
vorher zwey flaͤmingiſche Fahrzeuge dieſen Weg nach Mina genommen haͤtten; und daß 
daſelbſt Elfenbein wäre, welches man hier haben koͤnnte: allein ihre Kaͤhne wären fo klein, 
daß es noͤthig waͤre, die Guͤter ans Ufer zu ſchicken. Sie ankerten darauf eine halbe See— 
meile vom Lande in ſechzehn Faden Waſſer; und einige von ihren Bedienten giengen in der 
Schaluppe mit gewiſſen Waaren ans Land, welche ſie drey Seemeilen weit den Fluß hin— 
auffuͤhrten. Der König, welcher noch höher im Lande hinauf wohnte, kam hieher herab, 
und erhielt, dem Gebrauche nach, ſeine gewoͤhnlichen Geſchenke. \ 

Der Schreiber, welcher ſpaͤt zuruͤckkam, berichtete Villaulten, der König waͤre ein 
ſtarker Mann von einem ernſthaften ſtolzen Anſehen. Er bezeugte große Freundſchaft ge: 
gen die Englaͤnder, und haͤtte viel Elfenbein herabgebracht. Weil er aber erſt kuͤrzlich die 
flaͤmingiſchen Schiffe damit verſorget hätte: fo hielt ers fo theuer, daß man nichts kaufen 
koͤnnte. Dieſe Leute fehienen viel bösartiger zu ſeyn, als die an dem Vorgebirge Miſerado. 
Sie fanden den Fluß ſehr ſchoͤn, und deſſen Ufer mit kleinen Steinen, wie Flintenſteine, 
angefuͤllt, die Feuer ſchlugen, aber haͤrter waren. \ ; 

Als die Schaluppe auf dem Fluſſe war: fo kamen zehn oder zwölf Kaͤhne mit einer Ar 
von Seehechten, die ungemein gut ſind, und verſchiedenen andern Arten von Fiſchen an 
Bord zu verkaufen. f 

Das 


t) Villaults Reiſe auf der 70 und folgenden Seite. ö 
Allgem. Reiſebeſchr. HI Band. Aaa 
— 


20 ie Keifen nach Guinea und Benin, 


ae Das Volk hier ift durchgehends ſtark, und von guten Gliedmaßen. Weil ein jeder 
lault. den Namen von einem Heiligen oder einem andern fuͤhrte: ſo war Villault ſehr begierig, 

Hunderüche den Urfprung von dieſer Gewohnheit zu wiſſen, und durch ein Paar zugetrunkene Glaͤſer er— 

Gewohuheit. fuhr er, daß wenn einige Schiffe ankaͤmen, die den Eingebohrnen einige Gefaͤlligkeiten er— 
wieſen, ſie bey deren Abreiſe ſich ihre Namen auszubitten, und ſolche ihren Kindern zu geben 
pflegten, damit ſie ſich derſelben dankbarlich erinnerten. Dieß brachte den Verfaſſer auf 
die Gedanken, daß fie kein fo ſchlimmes Volk wären, als fie vorgeſtellet würden. Der Kö- 
nig nahm bey dem Abſterben eines engliſchen Kaufmanns von allem ſeinem Elfenbeine und 
andern Gütern Beſitz, und lieferte ſolches bey der Ankunft des erſten englifchen Schiffes 
freywillig dem Hauptmanne aus; ein klarer Beweis von ihrer Aufrichtigkeit und Gerechtig— 
keit! Villault gab dem Schwarzen, von dem er dieſe Nachricht erhielt, zwey kleine Meſſer. 
Dieß Geſchenk machte ihn ſo erſtaunt, daß er ſich ſeinen Namen ausbath, und verſprach, 
wenn feine Frau, die eben ſchwanger war, mit einem Knaben niederkaͤme, fo follte ſolcher 
nach ihm heißen, und er follte ihn ſehen, wofern er wieder hieher kaͤme. | 


Den 2zſten Jenner bey Anbruche des Tages entdeckten fie eine kleine Fiſcherflotte, von 
ungefaͤhr vierzig Kaͤhnen, welche ſich in einer Vierthelſtunde rund herum zerſtreuten. Von 
ihnen allen aber kam nur ein einziger mit einigen wenigen Zähnen zu ihnen, die aber fo 
Rio Sangu⸗ theuer waren, daß fie den Kahn ſo wegſchickten, als er gekommen war, und nach Rio San— 
in. guin zwoͤlf Seemeilen davon fuhren. Sie ſteuerten vier Stunden lang, ſuͤdwaͤrts, um die 
Felſen zu vermeiden, deren es zwiſchen dieſen beyden Oertern unzählige giebt. Sie fegel- 

ten hierauf nach Oſten und gen Nord, und kamen daſelbſt an u), Re 


Daß die Franzoſen am erſten hier gehandelt, das, meynet Villault, ſey aus den Na- 
men von verſchiedenen Bayen und hundert andern Denkmaͤlern ihres Ruhms klar. Itzo fuͤh— 
ren die Englaͤnder, vermittelſt ſieben oder acht Haͤuſer, allen dieſen Gewinnſt dieſes Orts fort. 

Portugieſen Die Portugieſen folgten den Franzoſen, wurden aber von den Englaͤndern und Hollaͤndern von 

ihre Hands den Kuͤſten vertrieben; und da fie ſich im Jahre 1604 weiter ins Land zuruͤck zogen, und 

lung. mit den Eingebohrnen verheiratheten: fo zeugten fie ein Geſchlecht, welches Mulatten ges 
nennt wird. Dadurch haben fie das Volk dergeftalt an ſich gezogen, daß man keine weitere 
Entdeckungen von dem Lande machen kann; denn ſie beſitzen alle inlaͤndiſche Handlung, 
und wer ſich bemuͤhen wollte, daran mit Theil zu nehmen, der wuͤrde Gefahr laufen, von 
den Schwarzen vertilget zu werden. Sie handeln alſo ohne Mitwerber, und fahren den 
Niger ſo weit hinauf bis Benin x), welches achthundert Seemeilen weit iſt. Sie haben 
verurſachet, daß die Dänen Kantozi ), ein kleines Eyland an dem Niger, zweyhundert 
Seemeilen auf der Gambra, verlohren haben. 

Ihre Gewalt. Ihre Gewalt über die Schwarzen an der Kuͤſte iſt fo groß, daß fie nach ihrem Belie— 
ben mit ihnen umgehen. Und dennoch haben die Eingebohrnen ſich niemals wider fie em— 
poͤret, wie ſie wider die andern Europaͤer gethan haben. Ja, ſie ſind ſo gewaltig, daß ihnen 
oftmals die Söhne des Königs von Rio Sanguin bey Tiſche dienen. Wenn ein anderer 
Weißer nur einen von ihren Vornehmen beleidiget: ſo werden ſie auf nichts, als Rache 
denken. Einer von dieſen Portugieſen, der mit ihrem Schiffe nach Sierra Leona zu han— 

deln 


u) Villaults Reife auf der 79 und folgenden ) Villault hat dem Niger einen Lauf gegeben, 
ite. woran noch kein anderer Verfaſſer gedacht. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch! Cap. 371 


deln kam, erzählte dem Verfaſſer, fie giengen jährlich nach der Sanaga, zweyhundert See- 1567 
meilen von da. Wenn er nun nicht bequem zu Waſſer fortkommen koͤnnte: ſo wuͤrde er Villault. 
und ſeine Guͤter von den Schwarzen getragen. Dieſe Portugieſen haben kleine Kapellen Küͤſte von 
bey ihren Haͤuſern, und wenden alle mögliche Mittel an, Neubekehrte zu machen, um deren Malaghetta. 
Hals ſie einen Roſenkranz haͤngen, und hernach ſtets fuͤr ſie Sorge tragen. 


Zu Rio Sanguin fangt ſich die Küfte von Malaghetta oder Manighetta an, und 
geht ſechzig Seemeilen weit bis an das Vorgebirge de las Palmas, im dritten Grade vier: 
zig Minuten Norderbreite. Sie begreift die Derter Rio Sanguin, Seſtre-Krou, 
Brova, Baſou, Zino, Krou, RrousSeftre, Wapo, Batou, Groß⸗Seſter, Klein⸗ 
Seſter und Gopane in ſich, welche Oerter ſie insgeſammt in neunzehn Tagen beſuchten. 

Rio Sanguin fällt Suͤdſuͤdoſtwaͤrts ins Meer, und wird eine Petache auf zwölf See- 
meilen hoch hinauf, aber nicht weiter, tragen. An dem Ufer dieſes Fluſſes iſt eine Stadt 
von ungefaͤhr hundert Haͤuſern, mit großen Baͤumen rund umgeben; ſie iſt aber nicht uͤber 
fuͤnfhundert Schritte breit, wo ſie am groͤßten iſt. N 

Den Abend kam ein Canoe mit drey Schwarzen an Bord, wovon der eine des Königs Konig und 
Bruder war, der am Borde blieb. Er war drey Jahre in Holland geweſen, und ſprach fein Bruder. 
gut hollaͤndiſch. Beym Abendeſſen berichtete er ihnen, es waͤre vor ungefähr einem Mo— 
nate ein flaͤmingiſches Schiff wegen Holz und Waſſer eingelaufen; es ſey aber bey Annaͤhe— 
rung eines engliſchen Fahrzeuges in See gegangen, welches darauf ſeinen Lauf nach Rio 
Sertos ſortgeſetzet. Er beſchrieb das Schiff fo gut, daß fie ſchloſſen, es ſey eben daſſelbe, 
welches fie an der Kuͤſte von klein Dieppe kreuzen ſehen. Der Prinz feste hinzu, daß eini- 
ge wenige Jahre vorher die Engländer ein Haus verlaffen, welches fie zu Rio Sanguin ge— 
habt, und daß ein kleines Fahrzeug, welches neulich vorbey gefahren, zwoͤlf Moren bey 
Krou⸗Seſter überfallen und weggefuͤhret hätte. Den 2sften Jenner, da fie die Segel 
hiſſeten, kam der König ſelbſt, in Begleitung zweener andern Canoen, und zehn oder zwölf 
Schwarzen an Bord. Er war ein ernſthafter alter Mann, mit weißem Haare, dick und 
ſtark. Seine Kleidung war blau, und er wollte nichts anders trinken, als bloß Waffer, 

Er und ſein Bruder blieben bis auf den Abend, und giengen nach Erhaltung einiger Ge— 
ſchenke weg. el) NN. 

Den sten des Hornungs kamen fie bey Wapo vor Anker, und entdeckten bey Sony Sie treffen 
aufgange ein Schiff in der See, welches mit vollen Segeln auf fie zufuhr. Sie hielten zwey Schiffe 
anfangs dafuͤr, es wuͤrde das oberwaͤhnte engliſche Schiff ſeyn, und machten alles zu deſſen an. 
Aufnahme fertig. Weil aber die Nacht herankam, verlohren ſie es aus dem Geſichte. Den 
sten des Hornungs kamen fie bey Batou vor Anker, wo fie ein ander Schiff mit vollen 
Segeln auf ſie zukommen ſahen. Die Menge von Schwarzen, die damals am Borde war, 
verhinderte ſie, ſolches vollkommen zu erkennen. Bey Annaͤherung deſſelben aber wurden 
ſie gewahr, daß es ſo groß war, als ihr eigenes. Sie ließen alſo ihre Kaufleute von ſich, 
lichteten die Anker, fuhren ihm entgegen, und waren entſchloſſen, ſolches anzugreifen. Als 
fie auf eine Seemeile weit von ihm waren: ſo ſteckte es hollaͤndiſche Flaggen auf, ließ ſeine 
Zinken von ſeinem Boegſprietsſegel hoͤren, und 1. Europa ſteckte franzöfifche Flaggen 

f aa 2 auf. 


9 Dieſe Stelle fcheint fo unverſtaͤndlich zu ſeyn, das Kamtorzi anderer Schriftſteller verſtehen. Siehe 


als die vorige. Vielleicht muß man durch Rantozi oben a. d. 160 Seite. 


» 
1667 


372 Reiſen nach Guinea und Benin, 


auf. Bald darauf erkannten ſie, daß es eine amſterdamer Fregatte von vierhundert Ton— 


Villault nien und ſechs und dreyßig Stücken war, die mit Vergoͤnſtigung der holländiſch - oftindi- 


Feige Hol⸗ 


laͤnder. 


Staͤdte. 


Guͤter. 


Schlechte 
Luft. 


ſchen Compagnie von einem Privatmanne ausgeruͤſtet war, und nach Ardres oder Ardra 2) 
gehen ſollte. 

Der Hauptmann dieſes Schiffes, Namens Wilare, hatte ſich gelte da ſie im 
Texel lagen, er wollte verſinken oder ſie wegnehmen, wenn er ſie antraͤfe. Er ſteckte daher 
eine rothe Flagge auf, und bemuͤhte ſich auf drey Stunden lang, ihnen den Wind abzuge— 


winnen, da er ſchlechter ſegelte, als ſie, ob er gleich alle feine Segel ausgefpannt hatte. Ge= 


gen Senflenuntergang zog er feine Segel ein, da er den Wind verlohren, und fie nur 
vierzig Ellen weit von ihm waren. Er machte Zeichen mit ſeinem Hute, zu erfahren, ob 
fie von der Europa wären, und forderte ein Glas Wein, krank ihre Geſundheit, und ſagte 
ſeinen Namen; und ſie thaten ihm Beſcheid. Darauf nahm er von ihnen Abſchied, ſetzte 
feinen Lauf nach Mina fort, und fie kamen an demſelben Abende vor Groß-Seſtre vor An— 
ker, wo ſie ihren Handel fortſetzten. * 

Zu Groß ⸗Seſtre arbeiten fie gut in Eiſen. Sie verbeſſerten für den Hauptmann 
die Scheeren, deren man ſich zu bedienen pfleget, die Eiſenſtangen zu ſchneiden, und Beben 
ihnen eine ſolche Art, daß ſie beſſer waren, als zuvor. 

Alle Städte laͤngſt dieſer Kuͤſte find an den Ufern, einiger kleinen Flüſſe gebauet, von denen 
fie ihren Namen haben. Die vornehmſten find Rio Sanguin und Groß-Seftre, welche ein 
gut Stuͤck im Lande fließen, und tief genug ſind, eine Petache zu fuͤhren. Das Volk zu 
Dieppe nennt dieſen letzten Ort Paris, wegen des vielen Pfeffers an beyden Orten. 

Man nennet es die Küfte von Malaghetta, wegen des Pfeffers zu Rio Sextos, den 
die Franzoſen Malaghetta, oder Manighetta nennen. Da dieß die vornehmſte Waare iſt: 
ſo bringt ſie auch mehr Gewinnſt, als man ſich einbildet; vornehmlich wenn der Pfeffer 
theuer iſt, oder die indiſche Flotte aufgehalten wird. Er iſt ſchaͤrfer und beſſer, als der ges 
meine Pfeffer, vornehmlich der weiße. 

Außer dem Pfeffer bringt diefe Kuͤſte Reiß und Hirſe, wovon fie ihr Brodt machen, 
vortreffliche Erbſen, die zart, und gut zu kochen ſind, Bohnen, Citronen, Orangen, Pflau— 
men, und eine Art von vortrefflichen Nuͤſſen, deren Schale etwas dicker, als der franzoͤſi— 
ſchen ihre, aber ohne Haut uͤber dem Kerne, und ganz rund iſt, wie die ſpaniſchen Mandeln 


oder Piſtacien. Ihr Palmwein iſt ſehr gut, vornehmlich aber ihre Pflaumen, die von ſo 


angenehmem Geſchmacke ſind, daß er geſehen, wie die Eingebohrnen alles, was ihnen nur 
am Borde angebothen werden mochte, ausgeſchlagen, damit fie ſolche eſſen koͤnnten. Sie 
haben auch Ochſen, Kühe, Ziegen, Schweine und Federvieh, welches alles ſehr wohlſeil ift. 
Dieſe ganze Kuͤſte iſt voller großen Baͤume, das Land niedrig und flach, und wird von 
ſo vielen Baͤchen und Fluͤſſen gewaͤſſert, daß ſolche die Luft ungeſund machen. Es koͤnnen 
ſich wenig Weiße hier aufhalten, ohne krank zu werden. Der Verfaſſer kann von der 
Kuͤſte von Malaghetta nichts mehr fagen, noch von der Religion und den Sitten ih- 
rer Einwohner. Er bildet ſich nur ein, daß ſie ſo viel Weiber haben, als ſie halten koͤn— 
nen; denn der Schwarze zu Rio Sanguin meldete ihm, ſein Bruder haͤtte funfzig, und 


er ſelbſt funfzehn. 
Weil 


2) Villaults Reiſe, a. d. 88 u. f. S. ; ig a 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch I Cap. 373 


Weil ſie nichts von ihrer Sprache verſtunden: ſo waren ſie gezwungen, mit den Einge— 
bohrnen durch Zeichen zu reden. Dieſe Schwarzen ſind wohlgebildet, und wohlgewach⸗ 


1667 
Villault. 


ſen. Sie gehen nackend und mit bloßem Kopfe, außer daß fie ein Stuͤck Leinwand vor- Die Schwar⸗ 
haben; und obgleich die Himmelsgegend ſo ungeſund iſt: ſo ſind ſie doch ſtark und zen ſind 


friſch. Villault ſah einen von ihnen, der einen Bruch hatte, welcher ihm bis mitten auf 
den Schenkel hing, und eine ſo große Wunde am Kopfe, daß man ſeine Hirnſchale ſehen 
konnte; und dennoch kam er täglich an Bord, rauchte und trank gebrannte Waſſer, als ob 
ihm nichts gefehlet hätte. 

Die Einwohner von Dieppe hatten lange an dieſen Kuͤſten gehandelt, und waren ſo 
ſchlau geworden, daß ſie ein Mittel gefunden, den Pfeffer mit dem indiſchen zu vermengen. 
Dieß war, ehe er ſo gemein ward, oder die Portugieſen das Eyland St. Thomas entdeckt 
hatten, und ſich von da uͤber ganz Guinea ausbreiteten; ſo, daß alles zuſammen koͤmmt, zu 
beweiſen, die Franzoſen haben hier vormals gehandelt; denn nicht nur Groß⸗ Seſtre hat 
noch den Namen Paris, ſondern das wenige, welches die Eingebohrnen von einer europaͤi— 


ſchen Sprache verſtaͤndliches reden, iſt Franzoſiſch. Sie nennen den Pfeffer weder Sex⸗ 


tos mit den Portugieſen, noch Korner, wie die Holländer, ſondern Malaghetta, mit 
den Franzoſen; und wenn ein Fahrzeug ankoͤmmt, und die Begruͤßungen vorbey ſind: ſo 
rufen ſie aus: Malaghetta tout plein, tout plein, tout a terre de Malaghetta, welches 
Fran zoͤſiſche ſie lernen. 

Wenn einige Freunde aus verſchiedenen Orten zufammenfommen: fo nehmen fie ein- 
ander bey dem obern Theile des Armes, und indem ſie ſolchen ausſtrecken, rufen ſie, Toma. 
Darauf faſſen ſie den Ellbogen feſt an, und rufen wieder, Toma; und zuletzt nehmen ſie 
einander bey den Fingern, und machen, daß ſolche knacken, wie man zu Rio Sertos wahr— 
genommen, und rufen: Enfa Nemate, Emfa Memate, welches ein Moor, der holfän- 
diſch ſprach, ihnen erklaͤrte, daß es ſo viel hieße, als: mein lieber Freund, wie gehts? 
Alles, was ich habe, iſt zu deinen Dienſten; ſogar mein Leben ſelbſt. Dieß zei⸗ 
get, 5 es ihrer Sprache, bey denjenigen, die ſie verſtehen, nicht an Zierlichkeit fehle 2). 


Der III Abſchnitt. 


Das Vorgebirge de las Palmas. Ein franzöfiich birge Corſe. Der Statthalter ſchicket an Bord. 
Privatſchiff. Verrichtung zu Sierra Leona; und Villault geht ans Land. Händel zu Korman⸗ 
auf der Inſel St. Thomas. Sie nehmen Waf: tin. Hollaͤndiſcher Controlleur wird getoͤdtet. 
fer ein. Asbini. Vorgebirge Apollonia. Axim. Eniacham. Kormantin. Inſel St. Thomas. 
Vorgebirge de tres Puntas. Botrou. Kom- Sie 6 wieder nach Haufe. 
mendo. Geſchenk von dem Könige, Vorge— 


Den lrten des Hornungs, des Morgens, lichteten fie vor Goyane den Anker, ſteuerten 

Suͤdoſt, um das Vorgebirge de las Palmas zu beſegeln, und vermieden die Klip— 
pen, welche ſolches umgeben. Hierauf kamen ſie vor Grova, dem erſten Orte an der 
Zahn- oder Elfenbeinkuͤſte, vor Anker. 

Das Vorgebirge Palmas wird von den Palmen ſo genannt, welche es auf allen Sei— 
ten gegen die See zu beſchatten. Es erhebt ſich in verſchiedenen Huͤgeln, welche mit dieſen 
Baͤumen bedeckt ſind, in vier Graden zehn Minuten Norderbreite. Dieſe Kuͤſte nimmt 

anz a ihren 


4 villsults Reiſe, a. d. 97 u. f. S. 


wohlgeſtal⸗ 
tet; 


reden fran⸗ 


zoͤſiſch. 


Vorgebirge 
de las Pal⸗ 
mas. 


1667 
Villault. 


Ein franzo⸗ 
ſiſch Privat: 
ſchiff 


Verrichtung 
zu Sierra 
Leona 


und zu St. 
Thomas. 


3734 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


ihren Ramen von den vielen Elephantenzaͤhnen, die allhier verkauft werden, deren es eine 
ſo große Menge giebt, daß die Schiffe, die nach Ardres oder Mina beſtimmt ſind, wenn ſie 
ſich hier 9 80 zu handeln, ſelten einige Waaren uͤbrig behalten, ſie an andern Orten zu 
vertauſchen b 

Die Elfenbeinküste erſtrecket ſich vier und zwanzig Seemeilen vom Paltzendorgsbich 
bis an den Fluß Aſene, oder Iſſini, wo die Goldkuͤſte anfaͤngt. Sie enthaͤlt folgende 
Derter an der See: Kroua, Tabo, klein Tabo, Groß⸗Drouin, Tao, Rio St. Ans 
dre, Jiron, klein Drouin, Bartrou, Vorgebirge la How, Jacques la Sow, Dal: 
loſch und Gammo, an welchem Orte ſie ſiebenzehn Tage mit Handeln zugebracht, ohne 
einen merkwuͤrdigen Zufall, außer was ſich an dem Vorgebirge la How begeben. 

Den 26ſten des Hornungs, als ſie daſelbſt vor Anker lagen, entdeckten ſie ein Schiff, 
welches mit vollen Segeln auf fie zufuhr. Weil ſie ſich einbildeten, es möchte das englis 
ſche Privatſchiff ſeyn, wovon fie zu Kio Sanguin gehoͤrt: fo lichteten ſie und fuhren in 
die See, da fie franzoͤſiſche Flaggen aufſteckten. Hierauf gab es ihnen eine Lage und hif- 
fete die hollaͤndiſche Flagge, welches die Europa auf gleiche Art beantwortete. Es ſchick— 
te darauf ſein Boot. Ob nun aber gleich der Officier, der ſolches fuͤhrte, wußte, daß der 
größte Theil von ihren deuten Holländer waren: fo konnte man ihn doch nicht bereden, an 
Bord zu kommen ; ſondern er gieng zuruͤck. Bald darnach kam der Lieutenant in eben dem 
Boote zu ihnen an Bord, und wurde hoͤflich aufgenommen, und hielt ſich auf zwo Stun— 
den auf. Unterdeſſen ſegelte dieſes kleine Fahrzeug, welches nicht uͤber hundert Tonnen 
groß, und wie eine Pinaſſe, mit acht Stuͤcken und vierzig Mann, gemacht war, rund um 
ihr Schiff, ruͤhrte die Trummeln, ließ die Trompeten erſchallen, und machte ſonſt andere 
Freudensbezeugungen. Es gehoͤrte nach Brittanien, ob es gleich von einem Seelänber 
geführt wurde, 

Der Lieutenant berichtete ihnen, er hätte Fluſching mit fechs und zwanzig Privatſchif 
fen in Compagnie verlaſſen, und wäre in einem Sturme von ihm abgekommen: da fie zu 
Sierra Leona eingelaufen, fo hätten fie das kleine Fahrzeug gefunden, welches Villault 
daſelbſt gelaſſen; es hätte ſich beklagt, daß Abraham, der Engländer, welchen Willemburg 
gefangen genommen, und wiederlosgelaſſen, mit Beyſtande der Portugieſen ſich ſeines Lang— 
boots nebſt neun Mann bemaͤchtiget, worauf es mit ſeinem groben Geſchuͤtze die Wohnung 
niedergeſchoſſen, verſchiedene Schwarzen, die ſolche vertheidiget, getoͤdtet, und feine Leute be— 
freyet. Weil ſolche aber wären in die Wälder gefuͤhrt geweſen: fo hätte es muͤſſen drey⸗ 
tauſend Pfund Elfenbein fuͤr ihre Ausloͤſung geben. Sie richteten dem Lieutenante ein 
Mahl an, und darauf beurlaubte er ſich co). 

Gegen Mitternacht kam der ſeelaͤndiſche Officier an Bord, mit ihren Officieren zu 
trinken. Er erzaͤhlte ihnen, die Schwarzen, welche bey ihrem Schiffe geweſen, da ſie die 
Anker gelichtet, ihnen entgegen zu gehen, haͤtten geſagt: wenn ihr Englaͤnder ſeyd, ſo muͤſſet 


ihr fort; wenn ihr aber Holländer ſeyd, fo ſeyd ihr ſicher genug; worauf fie fich in ihre 


Kaͤhne niedergeworfen, um den Ausgang abzuwarten, indem fie gehofft, wenn eins von ih 
nen in Grund geſchoſſen wuͤrde, Beute zu machen. Beym Abſchiede des Seelaͤnders ga— 


ben ſie ihm einen Kaͤſe, zwey Faͤſſer Pulver, und vier Faͤſſer Kugeln, und beehrten ihn mit 


drey Stuͤckſchuͤſſen, welche er beantwortete. Er ſagte ihnen, er wollte nach Mina gehen, 
und 
4) Die engliſche Neberſetzung iſt hier ee c) Villaults Reife a. d. 104 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch I Cap. 375 


und von da nach Ardres und dem Vorgebirge Lopez Gonſalvo; und wenn er da nichts 1657 
antraͤfe, fo wollte er nach den Eylanden gehen. Sie hörten aber hernachmals zu St. Tho⸗ Villault. 
mas, daß er mit vierhundert Schwarzen vorbey gegangen, die er aus zweyen Schiffen beym 
Vorgebirge Lopez genommen, wo er friſch Waſſer eingenommen haͤtte. Das erſte habe ſich 
ohne Widerſtand ergeben, das andere aber habe er, nachdem es ſeinen Hauptmaſt verlohren, 
in Grund geſchoſſen. n 
An eben dem Tage kamen die Schwarzen, da ſie ſahen, daß die beyden Schiffe gute 
Freunde waren, wieder an Bord, um ihren Handel zu Ende zu bringen. Den folgenden 
Tag fuhren ſie nach der Goldkuͤſte. 0 
Den gten des Hornungs kamen fie an dieſem Orte vor Anker, [nämlich zu Rio St. Sie nehmen 
Andre] und brachten drey Tage mit Waſſer einnehmen zu. Die Quelle iſt ſehr rein; weil Waſſer ein. 
fie aber von einem großen Baume befchaitet wird, fo tauget das Waſſer, wenn das Laub 
abfällt, auf eine Zeitlang nichts. Das Waller, welches fie hier einnahmen, daurete faſt fo 
lange, bis fie St. Thomas erreichten . N 
Den 2öften des Hornungs lichteten fie, und ſetzten ihren Lauf bis den folgenden Tag des Aſſini. 
Abends fort, da ſie die Goldkuͤſte entdeckten, auf welche ſie gerade zufuhren; und den 28ſten 
kamen ſie bey Aſſini e), dem erſten Orte an der Kuͤſte, vor Anker in ſechzehn Faden nie⸗ 
drigem Waſſer. Das Land daherum iſt ſehr niedrig. Die Stadt liegt an der Muͤndung 
eines Fluſſes eben dieſes Namens, welcher nordweſtwaͤrts unter den Huͤgeln wegfließt, und 
ſuͤdwaͤrts in das Meer faͤllt. Hier hielten ſie ſich drey Tage lang auf, und handelten 
Goldſtaub ein. n 5 | 1 
Den sten März giengen fie bey Albiani, Tabo, und andern Städten an der Kuͤſte vor— 
bey, welche niedrig und holzigt iſt, aber keine Fluͤſſe hat. Die Canoen, welche herbey ka— ‘ 
men, verſicherten, fie Hätten kein Gold. Sie ſetzten daher ihren Lauf fort, und wollten das 
Vorgebirge Apollonia den Abend beſegeln. Weil aber zweene Kaͤhne heran kamen, und 
Handlung verſprachen: ſo ankerten ſie. Den folgenden Tag brachten einige Kaͤhne etwas 
weniges Gold, welches ſie kauften. a 5 
Das Vorgebirge Apollonia erſtrecket ſich ein gut Stüd in die See, und erhebt ſich Vorgebirge 
nach und nach zu Huͤgeln, welche ſtufenweiſe zu Bergen werden, und eine angenehme Aus⸗ . 
ſicht geben. Die See ſchlaͤgt fo heftig an dieſelben, daß es gefährlich iſt, ſich hinan zu 
wagen. Sie lichteten den Abend: das Wetter aber war ſo ſtill, daß ſie Axim nicht eher, 
als den öten Maͤrz Nachmittags erreichen konnten. 4 74 
Arim iſt ein Fort, welches den Hollaͤndern zugehoͤret, zwölf Seemeilen vom Vorge- Axim. 
birge Apollonia. Es liegt an der Seite eines Fluſſes, welcher nordwaͤrts ins Land hinein 
fließt, und viel Goldſtaub hat, welcher der beſte an der Kuͤſte iſt. Die Ufer ſind hoͤher, als 
Aſſini, oder das Vorgebirge Apollonia. Hier hielten ſie ſich zweene Tage auf; da ſie 
aber ſahen, daß die Holländer die Schwarzen verhinderten, an Bord zu kommen: fo lich⸗ 
teten fie den 8ten und beſegelten das Vorgebirge der dreyen Spitzen, welches von den Vorgebirge 
dreyen Gebirgen fo genennt wird, die in einiger Entfernung erſcheinen, und ihrer Lage nach der dreyen 
zweene kleine Bayen machen. | | | vn 
Den sten März, des Nachmittages, erreichten fie Botrou, ein anderes Fort, welches Botrou. 
den Hollaͤndern zugehoͤrte, und hinter dem Vorgebirge auf einer Spitze lag, die von einem 
| — ange: 
4) Villaults Reiſe a. d. 1o8 u. f. & 2) In der Ueberſetzung Asbini. 


1 


5 0 u 56 | . 5 5 Bus 
376°... Reifen nach Guinea und Benin, 


1667 angenehmen Bache gewwäflert wurde. Nachdem fie fich hier ein wenig aufgehalten, well 
. Villault. ſich ihnen einige Handlung darboth: ſo lichteten fie den irten Marz, und ankerten zwiſchen 


Sakonda und Takoray, ungefähr ſechs Seemeilen von Botrou. Dieſe Oerter liegen zwi 
ſchen den Bergen, die ſich an die Ufer zu lehnen ſcheinen; ſo nahe liegen ſie denſelben. Hier 
erhielten fie Briefe von dem Statthalter von Friedrichsburg, welches nicht. weit von dem 
Vorgebirge Corſe llegt, der ihnen wegen des Buͤndniſſes zwiſchen Frankreich und Daͤne⸗ 

mark feine Rheede anboth, und fie erſuchte, einige Güter für ihn aufzubehalten. 


Sie blieben zweene Tage in dieſer Stellung. Villaulten Eränfte es ſehr, daß er zu * 


Takoray die Truͤmmern von einem franzoͤſiſchen Fort ſah. Es hatte auf einem Berge ge⸗ 


ſtanden, welcher das ganze Land beſtrich; die Seiten waren trocken und vom Graſe ent⸗ 


bloͤßet, und die Felſen von einer roͤthlichen Farbe. | | 
Kommende. Den ızten lichteten fie die Anker, und erreichten in zwoen Stunden die Rheede von 
| Kommendo, wo die Eingebohrnen den Franzoſen geneigter find, als fonft irgend einem 
Fremden. Das Haus, welches vordem den Franzoſen zugehoͤrte, ſtund an der Nordſeite 
der Stadt, die in das Land hinein gieng. | 


Geſchenk Die Schwarzen, welche an Bord kamen, wußten ihre Freude nicht genugſam aus zu⸗ 


von dem Kö⸗ drucken. Der König, der fein Hoflager vier Seemeilen davon hatte, in der Stadt von 
or Großkommendo, ſchickte ihnen friſche Speifen und andere Geſchenke, und lud fie in 
ſeine Reſidenz ein. Er both ihnen alle Waaren der Stadt an, und meldete ihnen, wie er 

ſich geweigert, eine Flagge anzunehmen, die ihm von Willemburg, dem hollaͤndiſchen 


Generale zu Mina, waͤre geſchickt worden, indem er ihm zur Antwort gegeben, fein and 


waͤre bereits im Beſitze der Franzoſen, und fie allein wuͤrden daſelbſt willkommen ſeyn. 
Nachdem ſie dem Koͤnige wegen ſeiner Geſchenke gedanket: ſo ſegelten fie den ı6ten 


Maͤrz nach Friedrichsburg, und erreichten noch vor Abends das Caſtel Mina, wo fie drey 


Vorgebirge kleine Fahrzeuge auf der Rheede fanden. Zwo Stunden darauf beſegelten fie das Vor⸗ 
Corſe. gebirge Corſe, wo die Engländer ein kleines Fort hatten 7). | Be: 

Der Statt. So bald fie vor Anker gekommen waren, ſchickten ſie einen Officier mit ihren Compli⸗ 
halter ſchickt menten an den hollaͤndiſchen General, Namens Harry Dalbreckhe. Er war ein Ham⸗ 
rg au burger, klein von Perſon, aber kuͤhn und hitzig, jedoch höflich, verftändig und wohlgeſittet. 
8 Er ſchickte feinen Seeretaͤr, Namens Daſſe, von Amſterdam, der ſechs Jahre lang bey ihm 
geweſen, in einem Kahne an Bord, der von acht Sklaven gerudert wurde, welche den gan⸗ 

zen Weg uͤber ſungen oder bruͤllten, welches ihre Gewohnheit iſt, wenn ſie einige Weiße 

führen. Sie ruderten dreymal ums Schiff, fo ſchnell als fie konnten, ehe ſie an Bord 

kamen. Sie begruͤßten den Secretaͤr mit drey Stuͤcken, und unterhielten ihn den Tag und 

die Nacht uͤber, da ein fo großer Sturm war, daß fie genoͤthiget wurden, ihren groͤßten An⸗ 

ker auszuwerfen. Den folgenden Tag, nachdem der Secretaͤr ſolche Güter ausgelegt, als 

der General verlangt, gieng er wieder ans Ufer. Den Morgen darauf, da der Schiffsſchrei⸗ 

ber mit den Kaufwaaren fuͤr den Statthalter ans Ufer gieng, wurde von dem Vorgebirge 

Corſe aufs Boot gefeuret, und die Kugel fiel ſechs oder ſieben Fuß von ihnen. Sogleich 

ſchoß der Statthalter in Friedrichsburg mit einem Stuͤcke auf das Caſtel, und die Kugel 

davon fiel an dem Fuße der zweyten Batterie; worauf die Englaͤnder weiter keinen Schuß 
thaten, weil ſie ſahen, daß der daͤniſche General ſie unter ſeinen Schutz nahm. Die Urſa⸗ 
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f) Villaults Reiſe auf der 120 und folgenden Seite. 8 


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von Sierra Leona bis Lone Gonſaleo, VII Buch 1 Cap. 77 
che davon war, daß, ob man gleich zwiſchen England und Danemark den Krieg erklaͤrt 1667 
hatte, die Generale von dieſen beyden Nationen ſich dennoch wegen einer Neutralität mit Villault. 
einander verglichen, die fo wohl beobachtet wurde, daß die Soldaten aus beyden Beſatzungen 
cage einander umgiengen und tranken. 5 a 


en 2often März gieng Villault ans Ufer, dem Generale aufzuwarten, der ihn Villault geht 


freundlich aufnahm. Die Unterredung geſchah Lateiniſch, welches der Statthalter gut ans fer. 

ſprach; er konnte aber kein Franzoͤſiſch. Villault erhielt von ihm Nachricht, daß die Koͤ⸗ 

nige des Landes vier Jahre lang mit einander gekrieget hätten, welches der Handlung ſehr nach⸗ 

theilig geweſen; daß drey engliſche Fahrzeuge auf der Rheede Ardra wären, daß er ge⸗ 

noͤthiget wäre, Lebensmittel nch dem [dänifchen Fort zu] Chriſtiansburg zu ſchicken, wo⸗ 

ſelbſt der Krieg ſo gehauſet, daß das Land unbebauet laͤge. N 5 40 
Der übrige März, und die erſten vier Tage des Aprils wuͤrden mit der Handlung zu- Händel zu 

gebracht. Den sten entdeckten ſie eine Petache, die nach Mina gieng, nebſt einer Scha⸗ Kormantin. 

luppe voller Soldaten, welche der hollaͤndiſche General nach Kormantin ſchickte, einem Fort, 

welches dieſer Nation zugehoͤrte. Es wurde ihnen von den Schwarzen erzaͤhlet, daß der . 

Befehlshaber des Forts, da er mit verſchiedenen von ſeinen Soldaten nach Anambu oder 

Anamaboe gegangen, um daſelbſt zu trinken und ſich luſtig zu machen, indem daſelbſt der 

beſte Palmwein in ganz Africa waͤre: ſo waͤre er mit ſeiner ganzen Geſellſchaft von dem 

Könige des Landes weggenommen worden, in deſſen Gebiethe Kormantin lag. Zweene von ſei⸗ 

nem Gefolge, die ſich wehreten, wurden getoͤdtet. Die Urſache von dieſem Verfahren war, 

daß der Koͤnig von Fantin, da er den Englaͤndern zu Cap Corſe verſprochen, ſie in den 

Beſitz des Forts Kormantin zu ſetzen, ihnen ſeinen Sohn zur Geiſel gegeben. Weil er 

aber ſolchen wiederhaben wollte: ſo weigerten ſich die Englaͤnder, ihn eher herauszugeben, 

bis die Artikel erfuͤllt wären. Dieſerwegen bemaͤchtigte er ſich des hollaͤndiſchen Generals 

und vier anderer, in der Abſicht fie gegen feinen Sohn auszutauſchen. | en 
Den zten bekamen fie die Nachricht, der hollaͤndiſche General: Eontrolleur wäre zu Holländifher 

Axim getoͤdtet, und die Eingebohrnen dieſer Gegend hätten ſich für die Engländer erklart, Controlleur 

An eben dem Tage nahmen fie zweene Schwarze auf ihrem Schiffe zu Gefangenen, und wird getöd- 

behielten ſie wegen einer Schuld, die ſie bey zweenen Kaufleuten am Lande ausſtehen hatten. 185 

Sie behielten fie zweene Tage. Weil ſich aber der daͤniſche General dazwiſchen ſchlug, fo 

wurden ſie losgelaſſen, und das Geld in acht Tagen bezahlt. | 4 

5 Am Charfreytage, den Sten April, lichteten fie, und fuhren von Friedrichsburg nach 

Eniacham, einer Stadt, vier Seemeilen davon. Das daͤniſche Fort begrüßte fie bey ih: 

rer Abfahrt, welches ſie beantworteten. Sie ſegelten vor Maure vorbey, wobey die Hol⸗ 

länder ein kleines Fort haben, Naſſau genannt. Er 25 
Den Nachmittag erreichten fie Eniacham, wo die Engländer ein kleines Fort haben, Eniaham. 

auf einer kleinen Anhöhe, ſechshundert Schritte im Lande. Es gehoͤret dem Könige von 

Sabou, deſſen Stadt nahe dabey liegt. f Sa BR: 

Den ıcten, als am Oſtertage, brachten ihnen die Eingebohrnen einen guten Vorrath 

von Palmweine, und verſprachen, ihre Kaufleute wuͤrden den folgenden Tag mit Golde 

genug herabkommen. Den uten ſchickten fie ein Fricaſſe von Huͤhnern, welches fie fo gut 

zurichten, als die Franzoſen, an Bord, und berichteten ihnen, des Koͤnigs von Fantin Sol⸗ 

daten wären die Nacht in Sabou eingefallen, hätten vier Leute getoͤdtet, und verſchiedene 

Gefangene gemacht. Die Stadt haͤtte darauf ihre Weiber und Kinder weggeſchickt, und 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. 8 . 


„s WMeoeſen von Gutes nach Benin, 


1667 
Villault. 


Kormantin. 


Inſel St. 
Thomas. 


Sie kehren 
heim. 


* 


1 
1 


ſich in die Waffen begeben. Sie merkten ihre Abſicht, und entſchloſſen ſich, den Abend 
nach Friedrichsburg zurück zu gehen, da fie zu Kormantin wegen der Holländer nichts zu 
thun hatten, noch zu Akara wegen des Krieges, den der Koͤnig mit Takara fuͤhrte. 

Von Eniacham konnten ſie Kormantin ſehen, allein in einer viel zu großen Entfer⸗ 
nung, als daß ſie die Feſtungswerke unterſcheiden konnten. Es liegt auf Ahem Huͤgel, und 
gehoͤret den Hollaͤndern, die eine Wohnung zu Fantin haben, und eine andere zu Nama⸗ 
bou g), in eben dem Koͤnigreiche. 15 8 

Den ı2ten April kamen fie durch Huͤlfe eines nordlichen Landwindes, der an dieſer Kuͤ⸗ 
ſte beſtaͤndig von Mitternacht bis Mittags blaͤſt, zu Friedrichsburg an. Hier blieben ſie 
bis den 2often, und darauf giengen fie nach dem Eylande St. Thomas unter Segel, um 
mehr Lebensmittel einzunehmen ). Den öten May kamen fie vor dem Caſtelle vor An⸗ 
ker. Den gten beſuchten fie den Statthalter, der fie hoͤflich aufnahm, ihnen aber nicht die 


Freyheit verſtatten wollte, in die Stadt zu gehen. Weil er krank war, ſo gab er ſeinem 


Lieutenante Befehl, ihnen mit aller Ehrerbiethung zu begegnen. Er hieß Acoſta, und 
war ein kleiner Mann von vierzig oder funfzig Jahren, wohlgebildet, heftig und auffah— 
riſch, aber höflich. Den Abend kam der Hauptmann des Forts an Bord, dem fie Rach; 
richt gaben, was fuͤr Lebensmittel ihnen abgiengen; indem der Statthalter Befehl gegeben, 
ſie ſollten den letzten Tag in der Woche damit verſehen werden. 5 

Alle Tage, ſo lange ſie vor Anker lagen, giengen ihre Leute hin, Waſſer zu fuͤllen bey 
einem kleinen Fluſſe, der in die See lief, und das beſte Waſſer in Africa iſt; denn ſie er⸗ 
hielten es uͤber Jahr und Tag ſo friſch und gut, als es den erſten Tag war. Dem unge⸗ 
achtet aber war keinem erlaubt, ans Ufer zu gehen, außer Villaulten, der ſeiner Geſund⸗ 
heit wegen drey Tage am Ufer war. Allein, da er um eben die Erlaubniß fuͤr ſeinen Schrei⸗ 
ber anhielt: ſo ſagte ihm der Statthalter, ihm ſtuͤnden alle Oerter frey, er moͤchte hingehen 
wohin er wollte, und kaufen, was ihm beliebte; er koͤnnte aber dieſe Freyheit ſeinem Schrei⸗ 
ber nicht verſtatten, als welcher ein Holländer waͤre, auf welchen die Portugieſen eiferſuͤch— 
tig zu ſeyn Urſache genug hätten. Die Stadt würde nur erſt wieder aufgebauet, und hätte 
noch die Kennzeichen von der Verheerung, welche die Hollaͤnder allhier, und vornehmlich in 
ihren Kirchen, angerichtet, als welche ſehr ſchoͤn geweſen. ö 

Am Himmelfahrtstage lichteten ſie die Anker, und begruͤßten das Caſtell mit fuͤnf Stuͤ⸗ 


cken, welches mit dreyen antwortete. Sie ſteureten Suͤdweſt, und entdeckten den folgenden 


Tag Anabon, ein anderes Gyland, welches den Portugieſen zugehoͤrte, worauf fie anfin— 
gen, ihren Lauf zu aͤndern, und ihn nach Europa zu richten. Als ſie in die nordlichen Meere 
gekommen: ſo fuhren ſie an den hinterſten Kuͤſten von Schottland hin, und giengen bey 
den Eylanden Ferro vorbey, welche den Daͤnen gehoͤren. An der Kuͤſte von Norwegen 
trafen fie einige hollaͤndiſche Schiffe an, die ihnen von dem Bredaerfrieden Nachricht ga⸗ 
ben. Ihre bootſen hatten fich bey ihrer Ruͤckkehr dergeſtalt geirret, daß fie über zweyhun; 
dert Seemeilen zu weit windwaͤrts gefahren. 

| | Den 
9 Ein Druckfehler für Anembou oder Ana: 1) Ebendaſelbſt a. d. 289 u. f. S. N 
maboe. a) Sie faͤngt auf der 171 Seite an, und endi⸗ 

2) villaults Reiſe auf der 129 und folgenden get ſich auf der 239 Seite. Der Titel it: Ein 
Seite. AJTaagebuch von einer Reiſe, die im Jahre 1693 und 


8 


5 N 
von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch II Cap. 379 
Den often Auguſt kamen fie bey der Mündung vom Texel an, und den aten des 1662 

Herbſtmonats kamen fie zu Amſterdam vor Anker, da fie zehntehalb Monate ausgeweſen, Villault. 
ohne ein Unglück zu haben, außer dem Verluſte eines einzigen Mannes, welcher, da fie 
durch die Linie giengen, an einem Durchlaufe ſtarb, den er ſich auf dem Eylande St. Thomas 
durch vieles Zuckereſſen zugezogen hatte 9. | b 
* * * * * * * * * N K N * N * * N * N N K * X N K K * 


Senn, 


Kurzgefaßte Beſchreibung einer Reiſe laͤngſt der Kuͤſte von Guinea 
nach Whidaw, dem Eylande St. Thomas, und von da nach Barbadoes, 


im Jahre 1693. | 1 5 
g Von dem Hauptmanne Thomas Phillips. ie Phillips. 
WEGE Einleitung. id 


Nie Reife des Hauptmanns Phillips, von welcher diefe kurzgefaßte Beſchreibung ge⸗ 
$ macht worden, ift in den ſechſten Band von Churchills Sammlung eingerüct a), 
und beſteht aus ſieben und ſechzig Seiten, oder faſt ſiebenzehn Bogen in Folio. Die- 
ſes Tagebuch enthaͤlt verſchiedene merkwuͤrdige Nachrichten, iſt aber ungemein wortreich, 
und mit vielen Kleinigkeiten und Schiffsanmerkungen angefuͤllet, welche die Winde und den 
Lauf ihrer Fahrt betreffen. Da ſolche von ſehr wenigem Nutzen find, und nur die Erzaͤh⸗ 
lung aufſchwellen und fie trocken machen: fo haben wir fie durchgängig ausgelaſſen. Sie 
iſt mit einem Grundriſſe von Porto Praya und einigen in Holz geſchnittenen Ausſichten, 
als von dem Piko von Teneriffa, Mayo, der Nordſpitze von St. Jago, dem Vorgebirge 
Monte, und Monſerado, und dem Vorgebirge Lope Gonſalvo, begleitet. Er iſt ſehr 
ſorgfaͤltig, ſo wie den Lauf und die Entfernung der Oerter, alſo auch die Breite anzuzeigen, 
welche er mit ſo vieler Genauigkeit beobachtet, als es zur See füglich geſchehen fonnen, 


a Der ! Abſchnitt. % fi 
Phillips wird von den Franzoſen weggenommen; ſchiff an; läßt ſich mit ihm ein. Es entflieht. 
bekoͤmmt ein ander Schiff; ſegelt aus den Duͤ. Schade, der den Englaͤndern und Franzoſen ge⸗ 
nen. Der Commodor laͤuft auf den Grund. ſchehen. Eyland Ferro. Er koͤmmt nach Por⸗ 
Die Hauptleute find oft kleine Tyrannen. Sie to Praya; beſuchet den Befehlshaber. Bay 
verlieren das Land aus dem Geſichte. Des St. Jago. Des Statthalters ſchlechte Bewir⸗ 
Bootsmanns Schelmerey. Southern erfaͤuft. thung. Liſtige Streiche der Seeraͤuber. Des 
Eine Frauensperſon dienet als Soldat. Der Piko Statthalters Gewalt. Seine Perſon. 
von Teneriffa. Er trifft ein franzoͤſiſches Privat⸗ b N 


Al⸗ Hauptmann Phillips, in des Koͤnigs Wilhelms Kriegen, von Venedig und Zant, in dem Phillips 
Wilhelm, einem Schiffe von zweyhundert Tonnen und zwanzig Stuͤcken, nach Hauſe wird von den 

gieng: fo ergab er ſich ohne Widerſtand an drey franzoſiſche Kriegsſchiffe, die ungefaͤhr Franzoſen 
x B b b 2 4 fe chzig . 

1694 von England nach dem Vorgebirge Monfes London gethan worden, nebſt einer beylaͤufigen Er: 

rado in Africa, und von da laͤngſt der Kuͤſte von zaͤhlung von dem Lande, dem Volke, ihren Sit— 

Guinea nach Whidaw, dem Eylande St. Thomas, ten, Forts, ihrer Handlung u. ſ. w. durch Tho— 

u. ſ. w. nach Barbadoes, in dem Hannibal von mas Phillips, Befehlshaber auf beſagtem Schiffe. 


30 2 Meifen nach Guinea und Benin, 
1693 ſechzig Seemeilen ſuͤdweſtwaͤrts, von dem Vorgebirge Clear in Irland auf ihn ſtießen. 
Phillips. Das Schiff, an welches er ſich ergab, war die Krone von 70 ehernen Stuͤcken. Weil es 
kun non rg queer über fein Vordertheil einen Schuß that: fo hielt es Phillips für rathſam, der Auf: 
forderung zu gehorchen. Er wurde an Bord gebracht, und von dem Ritter von Mon⸗ 
broun ſehr höflich aufgenommen, der ihn forgfältig nach Breſt begleitete, und ihn alſo nö: 
thigte, ein Land zu beſuchen, vor welchem er damals einen vollkommenen Abſcheu hatte. 
erhalt ein an. Nach feiner Zuruͤckkehr nach England war er eine Zeitlang außer Dienſten, bis ihm Herr 
deres Schiff; Jeffry Jeffreys deſſen Gefaͤliigkeit er mit vielem Danke erkennet, befahl, den Hannibal 
| zu bauen, ein Schiff von vierhundert und funfzig Tonnen und ſechs und dreyßig Stücken; 
wozu Herr Jeffry nicht nur ſelbſt das Geld gab, ſondern auch ſeinen Bruder, Johann 
Jeffreys, Samuel Stanper, Subgouverneur der koͤniglich⸗africaniſchen Compagnie, und 
einige andere große Kaufleute vermochte, zuerſt Theilhaber mit ihm zu werden, und her⸗ 
nach ihn gedachter Compagnie ſelbſt anpries. Er ward von derſelben auf eine Handlungs⸗ 
reife nach Guinea, wegen Elephantenzaͤhne, Gold und Sklaven geſchickt. | 
Er verließ London den sten des Herbſtmonats im Jahre 1693, und erreichte den izten 
die Dünen, wo er den Admiral Mevil mit der Unionsflagge auf der Spitze des Beſans⸗ 
maſtes fand. Er begruͤßte ihn mit eilf Stuͤcken, und ihm ward mit neunen geantwortet. 
Nachmittage ſegelte der Admiral, nebſt dem Hauptmanne Cole in einem andern Kriegs⸗ 
ſchiffe vom dritten Range, wegen einiger wichtigen Geſchaͤffte nach Copenhagen in Däne- 
nt und verließ den Hauptmann Wiſchart in dem Swiftſchire zum Admirale von den 
uͤnen. | 5 | | 
fegeltausden Den sten des Weinmonats gieng er mit dem oſtindiſchen Kaufmanne, einem Schiffe 
Duͤnen ab. von dreyßig Canonen, unter dem Hauptmanne Thomas Schurley; dem Mittellaͤnder 
von vier und zwanzig Stuͤcken, der unter dem Hauptmanne Daniel nach Angola gehen 
wollte; dem Jeffery von zwoͤlf Stuͤcken, der unter dem Hauptmanne Somes nach Bite 
beſtimmt war; der Fortune von zwölf Stuͤcken, die unter dem Hauptmanne Hereford 
nach Angola wollte; und dem Adler, einem Packetboote, unter dem Hauptmanne Perry, 
nach der Gambra und den Kuͤſten, in Geſellſchaft in die See. Weil Hauptmann Schur⸗ 
ley den Guineahandel lange getrieben hatte: fo wurden fie einig, ihn zu ihrem Commodor zu 
machen 5), daß er namlich Befehl zum Abſegeln geben, die Fahrt einrichten, und das Licht 
fuͤhren ſollte. Pr . 4 
Der Commo⸗ he Weil der Wind nach Süden, und Suͤd gen Oſt umſchlug, und es fehien, daß es ſchlecht 
‚dor läuft auf Wetter werden wuͤrde: fo liefen fie wieder in die Dünen ein; und da ein dicker Nebel 
den Grund. entſtund: fo lief Hauptmann Schurley zwo Meilen gen Suͤdoſt von dem Suͤdvorgebirge 
auf den Grund. Phillips kam ihm zu Huͤlfe; er fand aber ſeine Leute ſehr widerſpaͤnſtig, 
und ſie fragten eben nicht viel nach ihres Officiers Befehlen, noch nach des Schiffes Sicher- 
heit. Phillipps meynet, daß die Aufführung bey dieſem ungluͤcklichen Umſtande vermuth⸗ 
lich des Hauptmanns uͤbelm Verfahren mit ihnen vorher zuzuſchreiben ſeh. Er ergreift 
dieſe Gelegenheit, es als eine große Klugheit und einen Vortheil eines Fuͤhrers, vornehm⸗ 
lich auf einem Kauffartheyſchiffe, anzupreiſen, daß er den guten Willen und die Gewogen— 
heit feiner Leute dadurch zu gewinnen ſuche, daß er leutſelig gegen fie fen, und ihnen ihr vol- 
ſes Maaß guter und geſunder Speiſen gebe. Denn nichts, ſaget er, beleidigt die Schiff: 
f 8 f leute 
3) Dieß iſt eine Gewohnheit, die durchgängig beobachtet wird, wenn verſchiedene Kaufleute zuſammen 
in Geſellſchaft fahren. 


2 . — 4 a u n ; * 5 
von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 281 
leute mehr, als wenn man ihrem Bauche etwas abbricht, oder ihnen mit Grauſamkeit und 
Verweiſen begegnet. Wenn man ihnen hingegen Gerechtigkeit wiederfahren läßt, und 
ihre kleinen Liederchen und Schaͤckereyen frey erlaubet: ſo werden ſie um ein gutes Wort 
zuweilen durch Feuer und Waſſer laufen, ihrem Hauptmanne zu dienen. Auf der andern 
Seite muß man ſie ſo lange in der Arbeit erhalten, als es was zu thun giebt. Man muß 
ſie aber nicht damit plagen, daß man ſie ohne Noth etwas thun laͤßt, und noch vielweniger 
bloß um einer tyranniſchen Gemuͤthsart, zum Nachtheile des Schiffes und der Eigenthuͤ⸗ 
mer, zu willfahren, welches oftmals geſchieht c). f 
Der Verfaſſer giebt hiervon ein Beyſpiel an zweenen Schiffern, welche er in der Straße 
gekannt hat. Einer von ihnen ließ die Leute oftmals ein Tau auf dem Verdecke zufammen- 
ſchlagen, darauf das Ende ohne Brett durch die Thuͤre der St. Barber ziehen, und es wie⸗ 


1693 


phillips. 
a 


Hauptleute 
ſind oft Ty⸗ 
rannen⸗ 


der herauf bringen, da es denn von neuem ſo zuſammengeſchlagen wurde, als es vorher ge⸗ 


weſen. Dieſes that er, wie er ſagte, um die Hunde zu plagen, obgleich ſein Tau durch das 
Reiben und Anſtoßen bey dem Werke viel litt. Allein, ſaget Phillips, ich befuͤrchte ſehr, 
fie werden ihm bey einem Ungluͤcksfalle eben fo dienen, als die Schiffleute dem von New⸗ 
caſtle kommenden Kohlenſchiffer dienten, der wider die Gewohnheit das Butterfaͤßchen ver⸗ 
ſchloſſen hatte. Als diefer Mann windwaͤrts mit der Fluth zwiſchen den Sandbaͤnken durch⸗ 
ſegeln wollte, damit er nicht auf dieſelben liefe: ſo befahl er, das Steuer umzudrehen. Seine 
Leute aber antworteten ihm einmuͤthig: es wuͤrde keiner von ihnen Hand anlegen, bis das 


Butterfaͤßchen an den Maſt gebracht worden. Nachdem er nun vergebens deswegen mit 


ihnen geſtritten: fo verſprach er, fie follten ſolches haben, fo bald als fie frey wären. Die 
Leute verſetzten, fie glaubten nichts, als was fie ſaͤhen. Als er nun ſah, daß nichts anders 
zu thun war: fo lief er hinab in die Kajüte, die Butter zu holen, und ſetzte ſie an den Maſt. 
Die Leute giengen darauf zu Werke, es war aber zu ſpaͤte. Denn ehe die Segel konnten 
aufgezogen und. gefüllt werden, ſtieß das Schiff auf eine Sandbank, und kam niemals da⸗ 
von wiederum los: ſo daß er, nach dem Sprichworte, ein Schwein für einen halben Pfennig 
Schmalz verlohr. eee ve 

Der andere Schiffer, den Phillips kannte, ſchmiß ein Stuͤckchen Holz oder fonft eine 
Kleinigkeit über Bord, und ließ feine Leute das Boot ausſetzen, und eine halbe Meile dar— 
nach rudern. Unterdeſſen ſetzte er alle Segel an, fo viel er nur konnte, damit er ihnen vor- 
kaͤme, da ſie denn fuͤnf oder ſechs Stunden hinter ihm her ruderten, bis gegen Abend, ehe 
er einhielt, ſie aufzunehmen. i 1 | 

Freytags den 27ſten giengen fie die Inſel Wight vorbey, von da er feinen Abſchied 
nahm, indem er kein anderes Land von England weiter zu Geſichte bekam. Weil ein fri⸗ 
ſcher Wind blies: ſo verlohren ſie den Hauptmann Somes aus dem Geſichte, indem ihr 
Commodor Schurley keine Segel einziehen ließ. Sie ſahen viele Schiffe, ſprachen aber 
nur mit einem portugieſiſchen von zweyhundert Tonnen, welches von Oporto nach London 
mit Weine gieng. Sie wollten von ihm etwas davon handeln: allein der Wind wollte es 
nicht zugeben. Er reinigte darauf das Schiff, und wies ſeinen Leuten ihren Stand an, im 


Sie verlie⸗ 
ren das Land 
aus dem Gs⸗ 


ſichte. 


Falle ſie ſich mit einem Feinde einlaſſen muͤßten. Er hatte ſiebenzig Mann, die zu dem 


Schiffe gehoͤrten, und drey und dreyßig von den Reiſenden der africaniſchen Compagnie, zum 
Dienſte ihrer Caſtelle in Guinea, daß fie alfo in allem, Männer und Jungen, hundert und 


dreye ausmachten. 5 | ’ 
8 B bb 3 Montags, 
c) Phillips Reiſe wie oben a. d. 173 u. f. ©. ö 


+ 


382 Reifen nach Guinea und Benin, 
1693 Montags, den zoſten des Weinmonats ſtieß der Hauptmann Hereford zu ihnen. Des 
Pbillips. Bootsmanns Robert Fabins und Johann Hardins Kleider wurden vor dem Maſte ver⸗ 
Des Boots, kauft. Dieſe zwey Leute waren von dem Schiffe weggelaufen, da es in den Dünen lag. 
knechts Spitz; Der erſte hatte ein groß Theil von der Schiffsladung, wie auch von dem Vorrathe des 
buͤberey. Schiffes durchgebracht, da fie in dem Fluſſe lagen, und ſich ausruͤſteten. . 
Den ıften des Wintermonats entdeckte er vier große Segel, die er fuͤr franzoͤſiſche 
Kriegesſchiffe, jedes von ſechzig oder fiebenzig Canonen hielt; worauf er ſich zum Commo⸗ 
dor, dem Hauptmanne Schurley, begab; und ſie verglichen ſich, davon zu gehen, und ſie 
zu verlieren. Sie thaten ſolches gleich, weil es dickes neblichtes Wetter und ein harter 
Wind war, der bald zu einem Sturme wurde. Es wurde nicht nur fein Haupt: und Be: 
Southern ſansſegel zerriſſen, ſondern Johann Southern, einer von den Leuten, fiel von dem Arme 
erfäuft. der Rhaa, und erſoff. Philipps war ſehr betruͤbt uͤber dieſen Verluſt; es war aber in 
keiner menſchlichen Gewalt, ihn zu retten; denn es blies ein boͤſer heftiger Wind, und die 
See gieng ſehr hoch; außerdem hatte er keine Segel, das Schiff zu regieren. | 
Den aten des Wintermonats um zwölf Uhr fanden fie, daß ihr Fockemaſt drey Fuß 
uͤber den Stuͤtzen in dem Vordercaſtelle geſprungen war. Der Riß war ſehr breit, und 
bey der Unterſuchung fanden fie, daß er daſelbſt bis auf den Kern verfaulet war. Als er 
ſich dieſerwegen mit feinen Officieren berathſchlagte: „fo waren ſolche der Meynung, man 
ſollte nach Plymouth gehen, einen andern zu holen; welches aber der Hauptmann keineswe— 
ges billigte, und es fuͤr dienlicher hielt, dieſen Einfall in der Brut zu erſticken. Er erklaͤrte 
ſich alſo muthig, er wollte feine Reife fortſetzen, wenn er gleich ſollte genoͤthiget ſeyn, mit 
einem geflickten Maſte zu fahren, und gab daher Befehl, ihn ſo gut zu verwahren, als es 
moͤglich waͤre. In dieſem Sturme verlohr er den Hauptmann Schurley 4). 1 
Eine Weibes⸗ Den ıgten machten fie ausfündig, daß einer von denen Soldaten, die für die Caſtelle der 
perſon iſt ein Compagnie in Guinea mitgefuͤhret wurden, eine Weibsperſon war, welche unter dem Na⸗ 
Soldat. men Johann Brown in ihre Dienſte getreten, und drey Monate lang, ohne den gering- 
ſten Verdacht, am Borde geweſen war, indem ſie ſtets unter den andern Reiſenden gelegen 
hatte, und eben ſo ſtark und fertig war, etwas zu arbeiten, als einer von ihnen. Allein, 
a ſie krank wurde, ward das Geheimniß entdeckt; und bey weiterer Unterſuchung bekannte 
12 die ganze Wahrheit. Der Hauptmann wies ihr darauf einen von den Mannsperſonen 
abgeſonderten Aufenthalt an, und gab dem Schneider einige gemeine Zeuge, ihr Frauenklei— 
der zu machen. Solches zu vergelten, war fie ihm ſehr nuͤtzlich, fein Seinen zu waſchen, und 
andere Arbeit zu thun, bis er fie mit den andern auf dem Vorgebirge Coaſt Caſtle über: 
gab. Sie war auf zwanzig Jahre alt, und ein huͤbſches ſchwarzes Maͤgdchen. ii 
Der Piko Den 21ſten ſahen fie die Pike von Teneriffa fünf und zwanzig Seemeilen Suͤdweſt gen 
von Tene: Weſt. Er bemerket, daß, wenn die Oſtſpitze des Eylandes die Weſtſpitze von Großcanaria 
riffa. einfchließt, ſolche gerade Süd gen Oſt halb Oſt liegt. Ihr ganzer weſtlicher Lauf, alle Verhin⸗ 
derungen mit dazu genommen, war ſiebenhundert und zwanzig Meilen. In dieſem Laufe 
oder der Straßen wegen, gab Phillips noch zwoͤlf Seemeilen gegen Oſten mehr, als es ſein 
Lauf mit ſich brachte, für die große weſtliche See zu, die unvermerkt ein Schiff wider Ver: 
muthen nach Oſten treibt, wie er aus der Erfahrung auf vielen Reifen befunden hatte. . 
ade | 1 


4) Phillips Reiſe a. d. 175 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 383 
Den 22ften des Wintermonats, um vier Uhr des Morgens, da fie nahe bey der Rheede 1693 | 
von Oratava waren, und der Piko von Teneriffa gerade gegen Oſten lag, wurden fie zwey Phillips. 
Segel zwiſchen ſich und dem Ufer gewahr; eins war ein Schiff, das andere ſchien eine Dresden ein 
Barcolongo zu ſeyn. Kurz darauf ſahen fie, daß das Schiff mit allen feinen Segeln auf Privatſchiff 
fie zukam. Sie wandten ſich alfo gegen Norden, um Zeit zu gewinnen, ſich in einen Ver- an. 
theidigungsſtand zu ſetzen, im Falle es ein Feind wäre, Um 12 Uhr, da fie das Schiff auf⸗ 
geraͤumet, und ihre verſchloſſenen Staͤnde eingenommen hatten, auch zum Fechten fertig waren, 
ſo zogen ſie ihre Fockeſegel auf, um an das Schiff zu kommen, welches ſo ernſtlich mit ihnen 
ſprechen zu wollen ſchien. Weil aber wenig Wind war, ſo kamen ſie erſt um drey Uhr 
Nachmittags den 23ften ungefähr auf einen Stuͤckſchuß weit zuſammen. Es ſchien eine 
ſchone, lange, bedeckte Fregatte zu ſeyn, fo, daß fie nicht laͤnger zweifelten, einen Feind an 
ihr zu finden. rt ' MEN: | a * 
Hauptmann Phillips ließ darauf ſeine Flaggen fliegen, und that einen Schuß queer Laſſen ſich 
über ihr Vordertheil, worauf fie eine engliſche Flagge zeigte. Allein, ihres Betruges un⸗ mit ihm ein. 
geachtet, wußte er, wer ſie war, und war bereit, ſie zu bewillkommen, da er unter ſeinen 
Gefechtſegeln bis um vier Uhr leicht wegfuhr. Um dieſe Zeit, da ſie einen rabinenſchuß 
weit von ihm war, ruͤckte ſie ihre unterſte Reihe Canonen heraus, neune auf jeder Seite, 
welches Phillips nicht vermuthete, ung welches ihm nicht gar zu angenehm war. Zugleich 
nahm fie ihre falſche Flagge ein, und hiſſete die franzoͤſiſche weiße Flagge. Da Phillips 
nun ſah, daß der Franzoſe ein Hühnchen mit ihm pfluͤcken wollte: fo befahl er, nachdem er 
einmal herumgetrunken und feine Leute aufgemuntert hatte, fie ſollten zu ihren Stücken gehen, 
und des Feindes Lage erwarten. Er gab ihnen ſolche nebſt einer Salve aus Fe kleinen 
Geſchuͤtze, da ſie einen Piſtolenſchuß weit von einander waren. Phillips beantwortete ſeine 
Hoͤflichkeit herzlich; worauf das Privatſchiff ihnen vorfuhr, und wieder herbey kam, ihre 
Backbordsſeite anfiel, und ihnen die zweyte Lage gab, die auch beantwortet wurde. 
Das Feuern auf beyden Seiten hielt bis um zehn Uhr des Nachts an, da des Feindes Es entflicht, 
Vorbramſtenge herabgeſchoſſen wurde. Hierauf blieb er hinter ihnen, und fuhr, ſo gut er 
konnte, wider den Wind, nebſt ſeinem Boote vor ihm, und nahm alſo von ihnen Abſchied. 
Sie begleiteten ihn mit ihren Trompeten und Stuͤcken, die fie geladen hatten, und waren 
ſehr froh, daß fie dieſer unruhigen Gaͤſte los wurden. Dem ungeachtet aber war Phillipſens 
Schiff elendiglich zugerichtet, und an feinen Maſten und Tauen ſehr beſchaͤdigt. Es hatte 
eilf Schuͤſſe in dem Hauptmaſte, wovon dreye ganz durchgiengen; acht Schuͤſſe in dem 
Fockemaſte, und zweene davon durch und durch. Ihre große Bramſtenge war in Stuͤcke 
zerſchoſſen; ihre große Stenge halb zerſplittert, ihre Beſansrhaa entzwey geſchoſſen; ihr 
Boegſprietsſegel, ihre Bugſtenge, ihre Fahne und ihr Fahnenſtock hinweg geſchoſſen, und 
ihr Flaggenſtock gleichfalls, ſo, daß ſie faſt die meiſte Zeit des Gefechts uͤber keine Flaggen 
fliegen hatten, außer des Koͤnigs Wimpel, unter welchem Phillips, kraft ſeines Freyheits⸗ 
briefes, Repreſſalien zu gebrauchen, fochte. Sein Tauwerk war durch die eiſernen Stan⸗ 
gen, welche der Feind ſchoß, ſehr zerriſſen. In dem Körper des Schiffes hatten ſie nicht 
über dreyßig Schuͤſſe, wovon viere unter dem Waſſer waren. Das Privatſchiff feuerte 4 
meiſtentheils ſehr hoch auf ihre Maſten, Rhaen und Tauen; und wenn es nicht ftilles Waſ⸗ 
fer geweſen, eine Sache, die an dieſem Orte nicht gewöhnlich iſt: fo würden fie ſeyn weg⸗ 
getrieben worden. 5 ” Ä 
x Der 


* 


38% Reifen nach Guinea und 


1693 Der Hannibal feuerte niedrig in den Körper des franzöſiſchen Schiffes, und lud feine 
Phillips. untere Reihe Stuͤcken mit doppelten und runden Schüffen, und feine Vierthelverdecksſtuͤcke 
mit runden S üſſen und zinnernen Buͤchſen voller Musketenkugeln, fo, daß die Franzo⸗ 
Schade, der fen eine große Anzahl Leute mußten verlohren haben. Auf der Seite der Engländer wa⸗ 
Engländer ren drey Boote und Baume an verſchiedenen Orten durchſchoſſen, und viele Segel ganz zer⸗ 
nichtet, da einige voller Löcher wie ein Durchſchlag waren. Sie hatten fuͤnf Todte und. 
zwey und dreyßig Verwundete, unter welchen des Hauptmanns Bruder, der Conſtabler, 
Zimmermann und Bootsmann waren. Dem Zimmermanne war der Arm weggeſchoſſen, 
und dreyen andern die Beine. Fuͤnfe oder ſechſe von ihren beſten Leuten waren ganz er⸗ 
ſchrecklich vom Pulver verbrannt. Dem Harfeniſten war durch einen kleinen Schuß die 
Hirnſchale zerſchmettert. Das Gefecht dauerte ſechs Stunden, von vier Uhr bis um zehn, 
da ſie ſtets nur einen Piſtolenſchuß weit von einander waren, wenig Wind und ſtilles Waſ⸗ 
ſer hatten, und auf benden Seiten ſo geſchwind feuerten, als ſie nur laden konnten. Die 
Englaͤnder riefen n Treffens oftmals ihr Huzza, welches die Franzoſen mit Vive 
le Roi beantworteten. Da aber die Franzoſen hinter ihnen wegruderten: fo veränderte ſich 
das Liedchen; denn man hörte ein erſchreckliches Heulen unter ihnen. Phillips hielt es fi 
ein Kriegsſchiff von acht und vierzig Stuͤcken. Den folgenden Morgen bey Anbruche 15 
Tages ſah er dieſes Privatſchiff ungefähr drey Seemeilen von ſich nordwaͤrts, nachdem es 
die Nacht vorher, wie Phillips glaubet, ſeinen Bauch voll gehabt. IE NER 
und Franzo⸗ Nachdem Phillips nach England zurück gekehrt: fo erfuhr er von einem Hauptmanne, 
ſen. Peter Wall, der von dieſem Schiffe war weggenommen worden, und zur Zeit des Tref⸗ 
fens mit feinen Leuten als Gefangene am Borde war, daß es der neulich unter dem Haupt: 
manne de Gra ausgelaufene Ludwig von St. Malo geweſen, der zwey und funfzig 
Stücke und zweyhundert und achtzig Mann gefuͤhret; daß ihm Phillips drey und ſechzig 
Mann getödtet, und über in verwundet; daß er nach dem Treffen den Hauptmann 
Wall und einige andere Gefangene in ſeinem Boote ans Ufer von Teneriffa geſchickt, und 
fo gut er gekonnt, nach Lira gefahren, um feine verwundeten Leute ans Land zu ſetzen, und 
fein Schiff auszubeſſern, welches ſehr beſchaͤdigt geweſen. 5 
Freytags den 24ften wurden dieſe vier und zwanzig Stunden angewandt, den in dem 
en erhaltenen Schaden auszubeſſern, und das Schiff auszupumpen, welches die See 
urch die vier Locher, die es unter dem Waſſer bekommen, ſehr geſchwind einließ; denn fie 
konnten ſolche wegen der See nicht recht verſtopfen. Dieſen Tag aßen fie nur Kaͤſe und 
Brodt, und tranken Punſch, indem ſie keine Speiſen anrichten konnten, weil ihr Heerd und 
Ofen niedergeſchoſſen waren. Es war ihnen auch ein Orthoͤefd Brandtewein in der Laza⸗ 
rethkammer durchgeſchoſſen, welcher Verluſt fehr bedauert wurde. — * ; 
Sonnabends, den a5ften, um neun Uhr des Morgens brach der Arm von der großen 
Segelſtange, ungefähr zehn Fuß an der Steuerbordsſeite, indem fie daſelbſt über die Hälfte 
Infel Ferro. durchgeſchoſſen war. Um zehn Uhr konnte man das Eyland Ferro erkennen, welches zwoͤlf 
Seemeilen weit von ihnen gegen Nordoſt lag. Von da giengen ſie nach St. Jago ab, 
um daſelbſt ihre Lacke zu verftopfen, ihre Maſten und Rhaen zu ergänzen, und einige friſche 
lebensmittel für die Verwundeten einzunehmen. Sie nahmen das Fockeſegel ab, welches 
dreyßig große durchgeſchoſſene Löcher hatte, einige eine halbe Elle groß, die von den langen 
eiſernen Stangen gemacht worden, die ſie geſchoſſen; und brachten ein anders an deſſen 
Stelle. ö * . 
| Den 


“ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 385 


Dien 27ſten ſahen ſie ein Segel, und ruͤſteten ſich zu einem neuen Treffen. Das Schiff 1693 
war in weniger, als einer Stunde Zeit zum Gefechte fertig, indem die Leute ſeit dem letztern Pbillips. 
hurtiger dazu geworden. Allein das Fahrzeug fuhr fo geſchwind fort, als es konnte; und fie 
hielten dafuͤr, daß es Hauptmann Daniel in dem Mittellaͤnder waͤre. An dieſem Tage 

wurde dem Sackpfeifer das Bein ein wenig unter dem Knie, und an dem folgenden Tage 
Thomas Cronowen abgenommen. ö 

Den zoften ſah er die Eylande Sal, St. Jago und Bona Viſta. Den folgenden Kommen 
Tag entdeckte er Santa Mayo, und den zten des Chriſtmonats kamen fie zu St. Jago nach Porto 
vor Anker, in der Bay von Porto Praya, die bereits beſchrieben worden e). Sie ſahen Prapa. 
das Eyland Fuego uͤber der Weſtſeite des Hafens den ganzen Tag rauchen, und die ganze 
Nacht Funken Feuer ſpruͤhen 7). | | | 
Dien sten ſtarb Cronow, der ein ehrlicher tapferer Mann aus Wallis war, an feinen 
Wunden. Eins von ſeinen Beinen war ihm uͤber dem Knoͤchel, und durch eben den Schuß 
ſein halber anderer Fuß weggenommen worden. 

Als ſie hier landeten, wurden ſie von einem Dutzend halb verhungerter Soldaten em⸗ 
pfangen, deren jeder mit einer Lanze und einem Schwerdte bewaffnet war. Sie fuͤhrten 
ſie durch einen ſteinichten, ſteilen, ungebaͤhnten Weg zu ihrem befehlshabenden Officier, ei⸗ 
nem wohlgebildeten alten Manne. Er nahm ſie ſehr hoͤflich auf; und indem ſie mit ihm 
ſpatzieren giengen, fo entdeckten fie unter Weges eine Kuh, die geſchlachtet, ausgeweidet, und 
in verſchiedene kleine Stuͤcke geſchnitten, beym Schlachten aber ſehr ekelhaft gemacht, und 
eben ſo hager war, als die Wache. | 8 

Dieſer alte Officier hatte ein altes Haus, mit einem Paar gebrechlichen Treppen, auf Beſuch bey 
welchen ſie in einen großen freyen Saal kamen. Hier gab er ihnen einen hinlaͤnglichen dem Befehls⸗ 
Bericht, warum er bey ihrer Einfahrt ſo feindſelig gefeuert, (denn er hatte dreymal, und haber. 
das letztemal mit einer Kugel geſchoſſen) indem er ſie fuͤr Seeraͤuber gehalten. Kurz, ſie 
fanden, daß er ein ſehr vernuͤnftiger, wohlgeſitteter Mann war, der ſeiner eigenen Erzaͤhlung 
nach in Oſtende gebohren, und von dem Statthalter zu Liſſabon durch ſchoͤne Verſprechun— 
gen hieher gelocket worden, die man aber niemals gehalten hat. | 

In kurzer Zeit fahen fie den Gouverneurlieutenant fo ſchnell, als er auf einem Mauleſel 
konnte, ankommen, der zwiſchen den rauhen Gebirgen ſo geſchwind gieng, als die engliſchen a 
Pferde auf ebenem Grunde. Er war ein unerfahrner Burſche von ungefähr zwanzig Jah— 
ren, ſtolz und eitel; ſo, daß es dem Verfaſſer ſehr verdroß, da er ſah, mit was fuͤr einem 
uͤbermuͤthigen Anſehen er die niedertraͤchtigſte und knechtiſche Ehrerbiethung annahm, die 
ihm von dem alten erfahrnen Flanderkin geleiſtet wurde. 

Sonntags, den zien, gieng Phillips in feiner Pinnaſſe nach St. Jago. Nachdem Bay St. 
fie ungefähr ſieben Meilen gerudert, fo kamen ſie um eine Spitze herum in die Bay, nahe Jago. 
bey der Stadt. Er lief gerade gegen das Thor der Stadt ein, und ſeine Trompeter, die 
ein Stuͤckchen blieſen, brachten alsbald einen Officler herbey, der ihn zu dem Pallaſte des 
Statthalters an dem obern Ende der Stadt fuͤhrte. Sie ſahen daſelbſt niemand, als einige 
unverſchaͤmte ſchwarze Weibesſtuͤcke, die ihnen viele ſchmutzige Worte im Engliſchen ſagten, 
und indem fie ihre kurzen Schurztuͤcher, die ihnen nur bis an die Mitte ihres dicken Beins gien- 

gen, aufhuben, ihnen oftmals ihre Waare zeigten. Der Statthalter, welcher in der Kirche war, 
a und 
e) Siehe II Band, a. d. 201 u. f. S. ) Pbillips Reiſe, a. d. 170 u. f. S. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. e 


386 Reifen von Guinea bis Benin, 


1603 und durch den Schall der Trompeten aufmerkſam gemacht worden, erſchien gleich und gieng 
Phillips. an der Spitze der Verſammlung. Er wurde von zweenen jungen Hauptleuten und dem 
Prieſter begleitet, und hinter ihm kam ein leeres Pferd mit ziemlich gutem Zeuge. Nach⸗ 
dem er fie eingeladen: fo fuͤhrte er ſie durch einen Hof in eine große Hütte, wo ein eiſerner 
Balcon war, der nach der See zugieng, wohin er eine ſchoͤne Ausſicht hatte. Nach eini⸗ 
gem Geſchwaͤtze ſchickte der Hauptmann ſeine Officier weg, weil fuͤr ihn und ſeinen Bruder 
Des Statt eine Mahlzeit gebracht wurde. Dieſe beſtund in einem Laibe gutes weißes Brodtes, einer 
u. Buͤchſe Marmelade, die auf einer Serviette überreicht wurde; und zum Trinken hatten fie 
glechte Be: eine kleine Butellje halb voller Maderawein, der aber fo dick, ſchlecht und heiß war, daß 
wurthung. u Verfaſſer viel Muͤhe hatte, ihn zu trinken. 
Als ihn Phillips um Vieh bath: ſo weigerte er ſich, ihm einiges zu laſſen, außer fuͤr 
Geld, und beſtaͤtigte das, was ihm der alte Officier zu Praya geſagt hatte, daß niemanden 
außer ihm frey ſtuͤnde, einiges zu verkaufen. Doch erlaubte er ihm Ziegen, Schafe u. ſ. w. 
von dem Volke durch Tauſch zu erhandeln. Nach dieſem kaufte er zweene oder drey engli— 
ſche Spagierftöce, und da er auf einen artig lakirten mit einem geſtochenen Silberknopfe 
ſein Auge hatte, den Phillips in der Hand fuͤhrte: ſo ſagte er zu ihm, dieß waͤren Geſchenke 
von engliſchen oſtindiſchen Hauptleuten. Phillips konnte hierauf nichts weniger thun, als 
daß er dem Beyſpiele ſeiner Bruͤder folgte, welches von dem Statthalter mit großem Ver⸗ 
gnuͤgen aufgenommen wurde. 11 Ir | 
Liſtige Der Hauptmann bath ihn, an Bord zu kommen; er entſchuldigte ſich aber, daß er die 
Streiche der Einladung nicht annehmen koͤnnte, weil dawider, wegen einiger Privatſchiffer und Seeraͤu— 
Seeräuber. ber, eine Verordnung gemacht worden. Denn wenn dieſe den Statthalter an Bord be— 
| kommen, fo hätten fie ihn nicht eher wieder ans Land gelaſſen, bis er alle Lebensmittel her- 
beyzubringen befohlen, die fie verlangt, wofür fie denn einen Wechſelbrief, der zu London 
auf den Johann Nimmerstag zahlbar war, oder an die Pumpe zu Aldgate auszuſtellen 
pflegen, wie des Seeräubers Avery Wechſel war, den er dem Statthalter auf St. Tho— 
maseylande gegeben hatte. 
Des Statt⸗ Als Phillips mit feiner Excellenz auf dem Balcon war: fo fragte er, ob man hieſelbſt 
halters An: einigen guten Maderawein zu Kaufe bekommen koͤnnte? Er ſagte, es wäre einiger da; und 
ſehen. indem eben ein Portugieſe in einer ſchoͤnen Kleidung auf der Straße unter ihnen gieng: ſo 
rief ihn der Statthalter an und fragte, ob er einigen Wein für Waaren umzuſetzen hätte? 
Sobald dieſer Menſch den Statthalter ſah, nahm er feinen Hut ab, machte eine tiefe Ber: 
beugulig, kniete auf der Straße nieder und antwortete, er hätte ein Faß, das er jemanden 
verlaſſen koͤnnte: er muͤßte aber Geld dafuͤr haben. Als ihm nun der Statthalter berich- 
tet, Phillips hätte keins und er hätte ihn nichts weiter zu ſagen: fo ſtund er auf, und nach= 
dem er einen andern tiefen Buͤckling gemacht, gieng er mit ſeinem Hute in der Hand fort, 
bis er ihnen aus dem Geſichte kam. Nach dieſem nahm der Verfaſſer als ein ſehr guter 
Freund von dem Statthalter Abſchied, mit dem Verſprechen, ihm den folgenden Tag einen 
Cheshirekaͤſe zu ſchicken. 
Seine Per⸗ Der Statthalter war ſehr klein von Geſtalt, von ungefähr funfzig Jahren, und aus ei— 


fon. nem edlen Geſchlechte in Portugall. Seine Farbe war ſchwarzbraun, ſein Anſehen ſchlecht, 
N und 
g) phillips Reiſe a. d. 182 u. f. S. ſer Kuͤſte geweſen, und haben keinen Tornado ge⸗ 


5) Einige find fünf oder ſechs Monate auf die⸗ ſehen. * 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 387 


und ſeine Kleidung ſehr gemein. Er trug eine lange ſchwarze Peruͤke, die ihm bis mitten 1693 
auf den Leib gieng; es hatte aber jemand alle Locken herausgeriſſen. Er fehien ein Mann Pbillips- 
von guten Gemuͤthsgaben, vieler Erfahrung und Schlauigkeit zu ſeyn 3). 1 


Der TI Abſchnitt. 


Sie haben einen Tornado. Vorgebirge Monte. ley und König Peter. Die Englaͤnder fürchten | 


Vorgebirge Monſerado oder Miſerado. Königs 
Andreos Stadt. Wunderliche Art vom Aber⸗ 
glauben. Ihre Art zu fechten. Art von Schnep⸗ 
pen. Die Seeleute werden faͤlſchlich beſchuldi⸗ 
get; durch eine Liſt losgemacht. 
diſcher Koͤnig. Ein ſchottiſcher Seeraͤuber. Sie 
gehen weiter. Klein Seſtos. Hauptmann Lum⸗ 


Großer inlaͤn⸗ 


ſich vor den Eingebohrnen. Die Stadt San⸗ 
guin. Der Fluß Sins. Wappo, des Haupt⸗ 
manns Bruder, ſtirbt. Druin. Die rothen Klip⸗ 
pen. Das Vorgebirge La ho. Das Volk iſt 
furchtſam. Gemalte Negern; berufene Men⸗ 
ſchenfreſſer; ſind aber ſcheu. Die Urſache da⸗ 


von. 


Donnerſtags, den 7ten des Chriſtmonats, da ſie die Eylande des grünen Vorgebirges 

verließen, reinigten ſie alles vorn und hinten zwiſchen den Verdecken; und nachdem 
fie die Löcher dicht mit gepichter Schiffsleinwand zugedeckt, fo verbrannten fie drey Theer⸗ 
tonnen, zwiſchen dem Verdecke, um das Schiff geſund zu erhalten. 

Den roten hatten fie einen Tornado, die auf der Kuͤſte von Africa ſehr gemein find. 
Weil es aber der erſte war, in dem ſich Phillips befand: ſo erſchreckte ihn ſolcher ein wenig. In 
einer halben Stunde liefen die Winde rund um den Compaß, wobey er niemals ein folch er- 
ſchrecklich Donnern und Blitzen gehört und geſehen hatte. Er war beſorgt, das Schiff möchte in 
Brand geſteckt ſeyn, indem es einen ſchwefelichten Geruch hinter ſich ließ. Es beſuchten ihn 
aber dieſe Tornados hernach ſo vielmals, daß er wenig Acht mehr darauf hatte. Weil er ſtets zei⸗ 
tig genug Nachricht von ihrer Ankunft hatte, die Segel zu beſchlagen: fo ließ er ſie ihre Wuth 
austoben, welche felten eine Stunde daurete, und ohne große Gefahr an den Kuͤſten von 
Guinea waren, wo ſie durchgehends vom Ufer blafen 5). Dieſe nebſt dem außerordentlichen 
Donner und Blitzen find ein ſicheres Zeichen von Annäherung dieſer Kuͤſte 79); denn an 
der Suͤdſeite der Linie ſegelte er vierhundert Seemeilen, zwiſchen zwey und drey Graden 
Suͤderbreite auf ſeinem Wege von St. Thomas nach Barbados, und traf weder ſie, 
noch einigen Donner und Blitzen an, ſondern hatte ſchoͤne, ene und friſche Winde 
zwiſchen Suͤdſüdoſt und Oftfüdeft, 

Den 22ften entdeckten fie das Vorgebirge Monte, ſeben Seemeilen weit von ihnen, Vorgebirge 
gegen Oſten gen Nord, und um Mittag fanden ſie die Breite ſechs Grade ſechs und dreyßig Monte. 
Minuten nordlich. Das Vorgebirge, war damals Nordoſt gen Oſt vier Meilen weit 
von ihnen, fo daß, da fie zehn Minuten ſuͤdlich und ſechſe weſtlich davon waren, das Vor⸗ 
gebirge Monte, ſeiner Beobachtung nach, die er fuͤr ſehr gut haͤlt, in der Breite ven ſechs 
Graden ſechs und vierzig Minuten, nordlich liegt, welches weit nordlicher iſt, als es gemei⸗ 
niglich in den Karten ſteht Y. 

Den 23jten ſahen fie das Vorgebirge Monſerado. Hauptmann Schurley entdeckte 88 
fie von dieſer Rheede, und ſchickte daher feine Pinnaſſe ab, fie zu erſuchen, zu feinem Ben Miſerado. 
ſtande daſelbſt einzulaufen. Denn es war ihm, unweit des Vorgebirges, kai Fockemaſt 

Cce 2 und 

4) Seine oſtliche Fahrt von St. Maxo zu 
dem Vorgebirge Monte war 754 Meilen. 


Ein Tor⸗ 
nado. 


1) Eine einzige Rei iſt wohl nicht zureichend, 
eine Regel zu machen. 


— 


a N Reiſen von Guinea bis Venin, AS nan 


1693 
Phillips. 


Des Koͤnigs 


Andreo 
Stadt. 


und feine Fockemaſtrhaa durch einen Donnerkeil zerſplittert, und fein Vorbramſegel durch den 
vorhergehenden Blitz angezuͤndet worden 7). Phillips war Willens, zu Junco, zwolf See⸗ 
meilen gegen Oſten, wo ein guter Fluß und eine Menge von Holz tt, Holz und Waſſer ein— 
zunehmen. Auf dieſes Anſuchen aber lief er allhier ein, und ankerte a ab Meilen 
Suͤdoſt von der Mündung des Fluſſes. Hier fand er einen Gubbins, en Zwiſchen⸗ 
laͤufer =) von Barbados, der vornehmlich Rum geladen hatte, um Gold un, Sklaven 
dafuͤr zu handeln. Phillips kaufte fuͤnfhundert Gallonen oder zwey tauſend engliſche 
Kannen davon ſehr wohlfeil, und verkaufte ſie wieder mit gutem Vortheile. Hier war 
auch die Schaluppe Stanier mit Herrn Colker am Borde, welcher der Agent von Cher— 
borough war und dahin kam, laͤngſt der Kuͤſte Zähne zu handeln. | 

Das Vorgebirge Monſerado iſt auf ſechzehn Seemeilen weit vom Vorgebirge Mon⸗ 
te entfernt, und iſt zwiſchen denſelben kein hohes and. Es iſt ein rundes Gebirge, noch 
nicht ganz fo hoch, als das Vorgebirge Monte. Bey demſelben gegen Nordnordoſt iſt 
ein guter Ankerplatz, in zwoͤlf, zehn oder acht Faden Waſſer. Der beſte Ankergrund iſt 
in neun Faden, ſo daß das Vorgebirge gegen Süden und halb Weſt von einem, in zwo 
Meilen Entfernung, liegt. 

An einem Morgen gieng der Hauptmann mit einigen von felten Bedienten in einer 
Pinnaſſe ungefähr acht Meilen den Fluß hinauf, um den König: Andreo in feiner Stadt 
zu beſuchen. Unterwegens ſahen ſie verſchiedene Meerkatzen auf den Baͤumen, die von ei⸗ 
nem zum andern ſprungen. Sie ſchoſſen nach einigen, toͤdteten aber keinen. Die Stadt 
liegt an der linken Seite des Fluſſes hinaufwaͤrts, und ungefaͤhr eine Vierthelmeile von dem 
Ufer deſſelben. Die Anfuhrt zu derſelben iſt zwifchen zweenen hohen Bäumen, wo ihnen 
der Koͤnig Andreo mit feinem Adel entgegen kam, der ihm durch die Wälder zu einer offe⸗ 


nen Ebene fuͤhrte, worinnen die Stadt lag. Dieß war der einzige Fleck in dieſer 1 
ö deiß 


Wunderliche 


Art von 
Aberglauben. 


der von Gehoͤlze frey war, ſo daß er ſich verwunderte, wo doch die große Menge? 
wuͤchſe, welchen ſie hatten. 

Sie bewillkommten ſie beym Eintritte in die Stadt, und fuͤhrten ſie darauf zu ihrem 
Ve ſammlungsſaale. Weil ſolcher mit Thone vier Fuß hoch von der Erde erhoben war: 
ſo k etterten fie hinauf, und es wurden ihnen einige Kloͤtze ungefähr einen halben Fuß hoch 
von verſchiedener Geſtalt gebracht, darauf zu ſitzen; dergleichen König Andreo und zweene 
oder dreye von ſeinen Großen hatten. Die uͤbrigen ſaßen hinter ihm mit kreuzweiſe uͤber⸗ 
einander geſchlagenen Beinen, auf der Erde. 

Nachdem ſie ſich geſetzet: ſo machten ſie etwas Punch, und thaten ihre Kuapſäcke 
auf, einen Biſſen von Rindszungen und einigen andern kalten Speiſen zu eſſen, die fie mit 
ſich gebracht hatten. Sie bathen Seine Majeſtaͤt und deſſen Große mit zu ſpeiſen, und 
theilten etwas unter ihnen aus. Sie verwunderten ſich aber ſehr, da fie ſahen, daß ein je⸗ 
der von ihnen zu einem Loche in dem Saale gieng, wo ſie aßen, und mit großer Andacht und 
Sorgfalt ein Stuͤck von jeder Art von Speiſen und etwas von jedem Getraͤnke, Punch, 
Bier, Brandtewein, und Rum hinein fallen ließ, welches ihnen der Hauptmann gab. Wenn 


ſie nun darauf zurihekmnen, ſo aßen ſie ſehr gierig hinein, und Seine Majeſtaͤt und ihre 


Hof⸗ 
7) Er hatte den Hauptmann Schurley indem m) Das iſt ein Privatkauffahrer, der von der 


Sturme den erſten des Wintermonats und alle Compagnie ſo genennt wird. 


andern den Tag vorher verlohren. 1) Viereckigte Stuͤcke von dünnen Brettern 
Mr vier 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 389 


Hofleute hatten ein großes Vergnügen an dem Abſchabſel und den Schalen von den Zun⸗ 
gen, und was ſonſt die Engländer nicht eſſen konnten. Auf Befragen berichteten ſie Phil 
lipſen, ihr voriger Koͤnig lage daſelbſt begraben; und weil das Loch auf feinen Leichnam 
gienge, fo meynten fie, ibm etwas von allen dieſen Arten von Leckerbiſſen zu geben, bevor fie 
ſelbſt etwas anruͤhrten. | A 


1693 
Phillips. 


Wee e nien den ene en ener e t 
Nach der Mahlzeit befahl der Hauptmann, feinen Bootsleuten, ihr Gewehr vor dem Ihre Art 


N 


Könige zu löfen, woruͤber er ſich ſehr verwunderte und vergnügte, vornehmlich daß ſie fo 
ordentlich feuerten. Zur, Vergeltung befahl er feinen Leuten, den Engländern ihre Art zu 
fechten zu zeigen, welches auf eine ſehr verwirrte Weiſe mit Lanzen und Bogen geſchah. 

Es waren hier einige Soldaten von dem Fluſſe Junco hergekommen, dem Könige in 


zu fechten. 


ſeinen Kriegen beyzuſtehen. Zweene von ihnen hatten alte Flinten, mit denen ſie hinter er 


zweenen andern giengen, welche Tartſchen ‚führten, 1), zwiſchen welchen die Spitzen von 
ihrem Gewehre hervorkuckten. In dieſer Stellung krochen ſie ganz ſtille hinan, den Feind 
zu entdecken, wenn er da war. So bald ſolches geſchehen, gaben die beyden Schuͤtzen 
Feuer; ihre Lanzen wurden geworfen, und ihre Pfeile mit einem ſehr abſcheulichen Geſchreye 
und Lärmen abgeſchoſſen; und darauf liefen fie unordentlich zu ihrem erſten Poſten zuruͤck. 
Wenn ſie nun daſelbſt wieder geladen, und ſich in ſolche ordentliche. Unordnung geſetzet hat⸗ 
ten, als ſie zu thun pflegen: ſo erneuerten fie den Angriff, wie zuvor 9. 


Sie hatten hier guten, Zeitvertreib, da fie kleine Voͤgel ſchoſſen, meiſt von der, Größe Eine Art 


und Geſtalt einer Schneppe. Sie waren langft dem Sande in fo großen Heerden, d 


von Schnep⸗ 


fie fieben oder acht auf einen Schuß toͤdteten. Sie ſchmeckten durchgehends ſehr gut, obe ben. 


gleich einige ſehr mager waren. An der Mündung des Fluſſes warfen fie oftmals die See⸗ 
ge aus, und fingen viele gute Fiſche. Sie hatten keinen Mangel am Wildprette; denn Herr 
Colker, der Agent von Cherborough, ſchickte ſeine Grumettos oder Schwarzen aus, in den 
Wäldern zu jagen, und war verſichert, daß ſie ihm ein oder zwey Schmahlthiere vor 
Abends bringen wuͤrden. Einer von ſeinen Schwarzen war ihr Dollmetſcher; denn ſie 
konnten hier weder Engliſch noch Portugieſiſch ſprechen. | 


Waährender ihrer Anweſenheit wurden die Schiffleute von einem von den geringern Schiffleute 
Schwarzen beſchuldiget, ſie haͤtten ihm einen Sack Reiß geſtohlen. Als er ſich beym Koͤ⸗ werden 


nige darüber beklagt, ſo berichtete dieſer ſolches dem Hauptmanne, und forderte mit vielem 
Ernſte und Misvergnuͤgen deswegen Genugthuung. Phillips ließ darauf alle ſeine Leute 
am Ufer zuſammenkommen, um den Verfaſſer zu entdecken. Da er aber fand, daß ſie alle 
ausfagten, fie wären unſchuldig: fo meldete er ſolches dem Koͤnige. Dieſer fing an, zornig 
zu werden, und ſagte, feine Unterthanen ſollten nicht beſtohlen werden, und forderte Genug: 


thuung. Als ſie alſo gewahr wurden, daß ihre ſanſtmuͤthige Auffuͤhrung ihn nur uͤbermuͤ⸗ 


thiger machte; fo entſchloſſen fie-fich endlich, ſich zu ſtellen, als wenn ſie gleichfalls entruͤ⸗ 
ſtet waren, und ließen ihn ſehen, daß ſie eben fo gut zu trotzen wuͤßten, als feine Majeſtat. 
Die beute wurden hierauf beordert, ihr Gewehr zur Hand zu nehmen, und der Agent Col 
ker, der die Gewohnheit des Landes wußte, ſchuͤttelte feinen Stock gegen den König, und er: 


7 


ſuchte ihn inſtandigſt, roth Waſſer 7) zu bringen. Ee betheuerte, die ganze Schiffs⸗ 
8117 Cec 3 geſell⸗ 
vier Fuß lang und zweene breit. ßbholzigten Lande nicht gar zu uneben zu ſeyn ſcheint. 


0) Dieß he fit ein Buſchgefechte, welches bey den 5] Der Saft von einem Baume, ein Urtheils⸗ 
Schwarzen in Jamaica üblich iſt, und in einem ſehr waſſer unter den Schwarzen. 


FI 9 


faͤlſchlich bes 


ſchuldiget; 


durch eine 
Liſt losge⸗ 
macht. 


1593 


phillips. 
ee — 


Ein großer 
inlaͤndiſcher 
Koͤnig. 


Ein ſchotti⸗ 
ſcher See⸗ 
raͤuber. 


eine lange flaͤchſerne Peruͤcke, einen weißen Biberhut, und andere gute Kleider. Er both 


30 Reifen von Guinea bis Benin, 


geſellſchaft wollte ſolches zu Bezeugung ihrer Unſchuld trinken; und wenn fie ſich alſo ſelbſt 
frey und rein machten: fo ſollten feine Majeſtaͤt ihnen wegen des angethanen Unrechts Ge: 
nugthuung leiſten. Kaum war dieſe Erklaͤrung geſchehen: ſo redete man aus einem andern 
Tone; und der König, der fie alle, feinem Beduͤnken nach, entſchloſſen ſah, das Waſſer zu 
trinken, wurde ſehr demuͤthig und unterthaͤnig. Er meldete ihnen, derjenige, der ihre Leute 
angeklaget, waͤre ein Boͤſewicht, und er wollte ihn ſtrafen, indem er ihn ſogleich von ihren 
Zelten verbannte 7). So viel Wirkung hatte dieſe Vorſtellung über den König Andreo, 
obwohl in der That, wenn er ſie zu der Probe getrieben, keiner von ihnen Willens war, die 
Kraft feines rothen Saftes zu verſuchen 5). ö | | | 

Unterdeſſen daß fie hier waren, kam einer von den inlandifchen Koͤnigen an die Seite 
des Verſammlungsſaals, wo ſie ſaßen. Er war groß, hatte ein maͤnnliches Anſehen und 
eine gute Geſichtsbildung; kurz, er war der majeſtaͤtiſchte ſchoͤnſte Schwarze, den Phillips 
jemals geſehen hatte, den König von Siboa ausgenommen; ob er wohl ſehr alt, und feine 
Haare und ſein Bart vollkommen grau waren. Sein Haupt war mit mehr als hundert klei⸗ 
nen Hoͤrnern bedeckt, ungefähr einen Zoll lang, die an feine Haare geknuͤpfet, und mit einer 
rothen Maſſe oder einem ſolchen Teige zurecht gemacht waren. Dieß war ſein Fatiſch, 
oder Gott, ihn vor dem Uebel zu beſchuͤtzen. Der Verfaſſer hatte ſogleich, da er ſich nur 
blicken ließ, fein Auge auf ihn, und vergnügte fich ſehr über fein ehrwuͤrdiges Geſicht; hielt 
ihn aber nicht von dem Stande, weil Andreo und feine Edlen ſich nicht um ihn bekuͤm⸗ 
merten. Eine Stunde nach ſeiner Ankunft erfuhr Phillips auf Befragen, daß er ein 
großer inländifcher König wäre; und verwunderte ſich ſehr uͤber die üble Begegnung des 
Andres, feines Bruders in der koͤniglichen Würde, und erſuchte ihn, feine Majeſtaͤt herein 
zu bitten. Da der Hauptmann ſah, daß er ſelbſt zurück gieng, und ihn nicht bereden konnte, 
zu ihm herauf zu kommen: ſo brachte er ihm einen Becher mit Punch zu, aus welchem der 
Koͤnig ohne Zwang trank, bis er den en ſah. Phillips wollte noch einen fuͤr ihn ma⸗ 
chen laſſen; er konnte ihn aber nicht bef@den, zu warten, indem er einen langen Weg nach 
Hauſe hatte. Er beſchenkte den Hauptmann mit einer guten Leopardshaut, die in England 
drey oder vier Pfund werth war, welches er durch drey oder vier Butelljen Rum und eben 
fo vielen Händen voll Kowries vergalt. Hierauf giengen fie freundſchaftlich von einan» 
der. Zwiſchen dem Koͤnige Andreo aber und ihm gieng nicht die geringſte Ceremonie vor, 
weil fie, wie er hernachmals erfuhr, nicht gut mit einander ſtunden. N 

Unter den Eingebohrnen fanden fie einen Schotten, der keine gute Nachricht von ſich 
geben konnte; und Phillips hörte hernachmals, daß er ein Seeraͤuber in einer kleinen Bri- 
gantine geweſen, die von einem, Namens Herbert, gefuͤhrt worden, welcher damit aus ei: 
nigen Pflanzungen in Weſtindien entlaufen waͤre. Er war eben auf dieſe Kuͤſte angekom⸗ 
men, um etwas aufzuſuchen, als das Schiffsvolk einen Streit unter ſich anfing. Viele von 
ihnen wurden im Gefechte erſchlagen und toͤdtlich verwundet, und es blieb keiner übrig, der 
das Schiff regieren konnte, als dieſer Kerl. Er ließ es gegen Suͤdoſt des Vorgebirges 
ans Ufer laufen, und rettete ſein Leben; die andern ſtarben an ihren Wunden. Er trug 


ſeine 


) Bey ihrer erſten Landung errichteten ſie zwey Zimmerleute bey Nacht, wenn fie Holz faͤllten. Auf 
Zelter auf einer Sandſpitze an der Muͤndung des Fluſ⸗ der 191 Seite. 
ſes, zur Bequemlichkeit des Handels, und ihrer 7) Phillips Reife a. b. 189 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 391 


feine Dienſte als Segeler an; er hatte aber fo was ſchelmiſches in feinem Geſichte, daß 1694 
weder Schurley noch Phillips etwas mit ihm zu thun haben wollten: doch nahm ihn der Phillips. 
Agent Colker in der Schaluppe Stanier mit nach Scherborow >). J 
Sie hielten die Weihnachten ſehr luſtig, und jedes Schiff feuerte alle ſeine Stuͤcken ab. Sie gehen 
Den 28ſten lief Hauptmann Johann Soans in dem Jeffrey allhier ein; und nachdem weiter. 
er ſich mit etwas Holze, Waſſer und Neiße verſehen hatte: fo ſegelte er wieder nach Bight, 
den zten des Jenners, nachdem er ein Pack Briefe an den Herrn Jeffrey Jeffries zus 
ruͤckgelaſſen, die mit der erſten Gelegenheit nach Europa moͤchten geſchickt werden. Agent 
Colker gieng den sten nach Scherborow unter Segel, und Gubbins in dem barbadoi⸗ 
ſchen Zwiſchenlaͤufer an eben dem Morgen nach der Goldkuͤſte. Phillips ſchickte durch 
ihn an die drey Oberkaufleute der africanifchen Compagnie im Cap Corſe⸗Caſtelle :) 
Briefe, und berichtete ihnen, daß ihm die Compagnie verwilliget, Sklaven an der Gold⸗ 
kuͤſte zu 1 * und erſuchte ſie um ihren Fleiß, ihm ſo viel zu verſchaffen, als ſie koͤnnten, 
gegen feine Ankunft daſelbſt, und was ſonſt noͤthig wäre. Er war genoͤthiget, ſich hier zehn 
Tage aufzuhalten, nachdem er feine Geſchaͤffte für den Hauptmann Schurley mit Ausbeſ⸗ 
ſerung feines Schiffes verrichtet. Als dieſes geſchehen, fegelten fie beyde den gten Jenn 
des Jahres 1693 = 94 mit dem Morgenwinde nach der Kuͤſte, und den folgenden Tag wurde 
Hauptmann Schurley von einem Fieber befallen. | | 
Den uten giengen fie das Vorgebirge Monſerado vorbey, und den folgenden Tag Klein Seſtos. 
kamen ſie in dreyzehn Faden vor Anker unfern Picinini, oder klein Seſtos. Es kamen 
aber verſchiedene Canoes an Bord, fie nach Seſtos einzuladen, und verfprachen ihnen gu⸗ 
ten Handel mit Zaͤhnen. Sie lichteten und fuhren mit einem kleinen ſchwachen Winde 
laͤngſt dem Ufer hin. Es kamen einige Kaͤhne mit zweenen Schwarzen an Bord. Sie 
hatten aber nichts, als ein wenig Vögel, Orangen, Bananas, und einige kleine Elephanten⸗ 
zaͤhne, wofuͤr fie mehr forderten, als ſie werth waren. ; kan 
Sonnabends, den ı3ten, anferten fie bey dem Fluſſe groß Seſtos, drey Meilen von 
dem Vorgebirge Baxos, oder der oſtlichen Spitze von Seſtos, die ſehr niedrig und felſicht 
iſt. Sie giengen in ihrer Pinnaſſe mit einigen Guͤtern ans Land, um zu handeln. Haupt⸗ 
mann Schurlep ſchickte gleichfalls feine Pinnaſſe mit feinem Buchhalter dahin, da er ſelbſt 
ſo krank war, daß er nicht gehen konnte. i 
An der Spitze, die in den Fluß geht, ungefähr eines Kabels Lange davon, iſt eine Ne- Dick Lumlen 
gerſtadt von ungefähr dreyßig oder vierzig Hauſern. Das Haupt derſelben nennet ſich Per Konig 
Dick Lumley, von dem Hauptmanne Lumley, einem alten Befehlshaber, der vormals e 
die guineiſche Handlung trieb. Ungefähr acht Meilen hinauf liegt die Stadt, woſelbſt Koͤ⸗ 
nig Peter, ihr Monarch, lebet. Dem Verfaſſer, welcher nicht dahin gieng, wurde geſagt, 
die Einwohner wären ſehr verraͤtheriſch und blutgierig, wie einige europaͤiſche Kaufleute * 
erfahren. Die Guͤter, wornach hier gefragt wurde, waren eherne Keſſel, zinnerne Becken 
von verſchiedener Größe, Buſis oder Kowris, Flinten, Meſſer und dergleichen. Sie 
brachten von jeder Art etwas ans Ufer: ſie fanden aber nichts dagegen einzutauſchen, als 
ein wenig kleine Kalbeszahne 4%), die nicht dee Muͤhe werth waren, und dennoch ſehr theuer 
n ö | ' gehal⸗ 
) Im Originale hier und anderer Orten Cher⸗ nale Cabo Corce und ſehr oft auch fo an andern 
borougb N Orten; oder auch Cape Corce. 
7) Oder Cape Coaſt Caſitelle; in dem Origi⸗ um) Das iſt, junge Elephanten. 


bitte 


Die Englaͤn⸗ 
der ſind in 
Furcht. 


Sanguin. 


Wappo. 


32 Reeiſen nach Guinen und Benin 
gehalten wurden. Sie kauften einige Hühner, Limonien und Orangen. Man both ihnen 
auch Reiß an: allein theurer, als zu kMionſerado, wo fiefich ſchon damit verſorgt hatten. 
Zuweilen ließen die Leute die Seege in den Fluß, und fingen viele gute Fiſche !). 
Die Art zu gruͤßen, ſowohl hier als zu Monſerado, iſt folgende: Sie nehmen jeman⸗ 
des Daumen und Vorderfinger zwiſchen ihren, und knacken ſolche, wobey ſie rufen: 
Akky O! Akky G0! Das Volk hier war ſehr fauerröpfifch, und ſah wie Spitzbuben aus 
fo daß er ihrer Geſellſchaft bald üͤberdruͤßig ward, und um vier Uhr des Abends an Bord 
gieng. Seine Leute blieben bey ihrem Gewehre, bis fie aus dem Fluſſe und einige Weite 
vom Ufer waren. Denn die Schwarzen kamen in ſolcher großen Anzahl mit Bogen und 
Pfeilen herab, ehe ſie weggiengen, daß ſie in Furcht waren, man moͤchte ihnen einen bos⸗ 
haften Streich ſpielen. Dieß befchleunigte ihre Abfahrt, ungeachtet des ernſtlichen Anhal⸗ 
tens des Volks, welches ihnen nicht das geringſte zu Leide that. e 
Von dem Vorgebirge Baros liegt eine Reihe Klippen zwo oder mehr Seemeilen in 
die See. Hier trafen fie den raten einen fo ſtarken Strom an, der nach Suͤdoſt gieng, 
daß er ſie drey Seemeilen weit gegen Oſten von dem Vorgebirge trieb. Ungefaͤhr drey 
Seemeilen weit von der Seſtosſpitze ſahen ſie einen großen weißen Fels, der wie ein Segel 
aussah, und zwo Seemeilen weiter einen andern Felſen, fünf Seemeilen von Sangüln. 
Sanguin erſchien in der See zuerſt in einem Gebuͤſche hoher Bäume, Die Kuſte zwl⸗ 
ſchen Seſtos und Sanguin iſt überall felſicht, unter zwanzig Faden Waſſer, und man kann 
daſelbſt nicht weniger, als in fünf und zwanzig Faden ankern. 100 eiten 
Den 1sten ankerten fie unfern Battowa, wo das Sand, höher wird, als zwiſchen dieſem 
Orte und Sanguin. Hier erforſchten fie den Strom, und fanden, daß er in einer Stunde 
drey Meilen gegen Suͤdoſt trieb. Es kamen verſchiedene Candes aus dem Fluſſe San⸗ 
guin an Bord, wo die Körner- oder Malaghettasküͤſte anfängt; fie brachten aber nichts 
mit ſich. Um zehn Uhr waren ſie bey dem Fluſſe Sino, ungefaͤhr zwölf Seemeilen von 
Sanguin, welcher leichtlich an einem Baume erkannt wird, der wie ein Schiff mit ſchlaf⸗ 
fem Bramſegel ausſieht. Es kamen aus demſelben verſchiedene Candoes mit Pfeffer oder 
Malaghetta, welcher dem indianiſchen Pfeffer ſehr ahnlich, und vielleicht eben fo gut iſt. 
Er wurde in Weidenkoͤrben gebracht. Phillips kaufte tauſend Pfund fuͤr eine eiſerne 
Stange, die in England drey Schillinge und ſechs Pence galt, und ein Daſchi oder Ge⸗ 
ſchenk von einem oder zweyen Meſſern fuͤr den Maͤkler. Er bediente ſich deſſen hernach— 
mals, ſeine negriſchen Speiſen damit zu wuͤrzen, damit ſeine Leute nicht den Durchfall und 
das Bauchgrimmen davon bekaͤmen, die leicht von denſelben entſtunden. Um Mittag gien⸗ 
gen ſie von Kroe ab nach dem Palmenvorgebirge, und ſteureten Suͤdoſt gen Oſt. Den 
folgenden Tag waren fie Wappo gegenüber, von da mehr Kaͤhne mit Malaghetta ka⸗ 
men, von welchen er dreyhundert Pfund für drey zweypfuͤndige zinnerne Becken kaufte. 
Mittewochs den 17ten fuhren ſie um die Spitze des Palmenvorgebirges, die mit Felſen 
umgeben, und der letzte Ort von der Koͤrnerkuͤſte iſt, indem man hinter derſelben kein Ma⸗ 
laghetta mehr bekommen kann. An dieſem Tage ſtarb des Hauptmanns Bruder, der auf 
acht Tage am hitzigen Fieber krank gelegen, von welchem viele von den Schiffsleuten be- 
fallen worden. . | | 
x) phillips Reife auf der 193 ger. 
) Es iſt gewoͤhnlich, daß der Doctor oder Wundarzt die Gebethe lleſt. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 393 


Den folgenden Tag um ſechs Uhr des Morgens, da fie unter Segel drey Seemeilen 1694 
weit Suͤdoſt von Growa waren, wurde der Verſtorbene in feinem Kuffer genagelt; und Phillip. 
nachdem die Pinnaſſe ausgeſetzet, giengen der Hauptmann, der Doctor und Buchhalter in Dec gent 
derſelben ab, den Leichnam zu begraben. Die Flaggen ſowohl vom Hannibal, als dem oſt⸗ manıs Bru⸗ 
indiſchen Kaufmanne hingen halb herab, und die Trummeln und Trompeten erſchallten, der wird be⸗ 
wie es bey ſolchen traurigen Begebenheiten gewoͤhnlich iſt. Sie ruderten ungefahr eine graben. 
Vierthelmeile von dem Schiffe wider den Wind; und nachdem die Begraͤbnißgebethe 
geleſen worden ): ſo half der Hauptmann den Körper in die Tiefe laſſen. Darauf feuerte 
der Hannibal ſechzehn kleine Stuͤcke ab, weil er ſo viele Jahre alt war, und der oſtin⸗ 
diſche Kaufmann zehne. 117 

Als ſie den igten vor Anker waren, hatten ſie einen ſchweren Tornado, der auf eine 
Stunde waͤhrte. Es kamen zweene Kaͤhne mit einigen Zaͤhnen, ſie wollten aber nicht an 
Bord kommen, zu handeln, ob man ihnen gleich allerhand Guͤter zeigte, und noch außerdem 
Brandtewein anboth. OR | | 195 1 

Den folgenden Tag hatten ſie einen andern Tornado, und kamen bey Druin, dreyßig Druin. 
Seemeilen von dem Palmenvorgebirge vor Anker. Man kann es an den großen buſchich— 
ten Baͤumen, und an einem hohen Striche Landes hinter denſelben leicht erkennen, indem 
das Land nahe an der Kuͤſte weißer Sand iſt. Um Mittag waren ſie neben der erſten von 
den rothen Klippen. Es ſind ihrer eilfe an der Zahl, nicht ſehr hoch, und faſt eines Die rothen 
Kabels Lange von einander. Es kamen keine Kaͤhne mehr an Bord, zu handeln, nachdem Klippen. 
ſie das Vorgebirge beſegelt, ob ſie gleich alle Nacht vor Anker lagen, damit ſie nicht vorbey 
giengen, ohne geſehen zu werden; und bey Tage fuhren ſie dicht an dem Ufer hin. 

Den 2ıften um Achte waren fie neben Koetre, einer fehr niedrigen Bucht im Lande, und 
drey oder vier Meilen weiter kamen fie nach dem Vorgebirge La⸗ho. Hier kamen ver⸗ Cabo La⸗ho. 
ſchiedene Kaͤhne mit vielen großen und ſchoͤnen Zähnen. Ehe fie ſich aber an Bord wagen 
wollten, verlangten ſie, der Hauptmann ſollte an die aͤußere Seite des Schiffs kommen, Das Volk iſt 
und drey Tropfen Seewaſſer zum Zeichen der Freundſchaft in fein Auge fallen laſſen. Er furchtſam. 
that ſolches, in Hoffnung einen guten Markt zu halten. Da ſie aber ſo viele Leute auf dem 
Verdecke ſahen: ſo wurden ſie mistrauiſch, und giengen wieder in ihre Kaͤhne 2). Den⸗ 
noch aber vermochte ſie der Hauptmann mit vieler Muͤhe dahin, daß ſie wieder zuruͤckkehr⸗ 
ten. Er gab einem jeden ein gut Glas Brandtewein, zeigte ihnen ſeine Guͤter, und ſie 
brachten einige Zähne. Indem ſie aber beſchaͤfftigt waren, einen Tauſch zu treffen: fü kam 
ein großer Schaͤferhund, den er am Borde hatte, als er ein Geraͤuſch auf dem Verdecke 
hoͤrte, mit offenem Maule und bellend aus der Huͤtte heraus. Sogleich ſprangen ſie von 
dem Verdecke in die See, und ſchwammen eine Ecke fort, da ihnen ihre Kaͤhne folgten, 
und ſie ihre Elephantenzaͤhne hinter ſich ließen. Phillips bach ſie, wieder zuruͤck zu kom⸗ 
men, und hielt ihre Zaͤhne uͤber die Schiffsſeite: allein ſie wollten nicht. Darauf gieng 
er hinab, und troͤpfelte etwas Waſſer in ſeine Augen; aber umſonſt. Endlich, nachdem er 
den Hund hervorgefuͤhrt, und ſich ſtellte, als ob er ihn wacker abpruͤgelte, kamen ſie wieder 
an Bord: man konnte aber ihren Argwohn in ihren Augen leſen; denn es durfte ſich 
nichts regen, ſo waren ſie gleich fertig, in die See zu ſpringen, und hatten ihre Augen auf 
alle Winkel. Dennoch aber waren ſie im Handel fein genug, und hielten ihre Zaͤhne ſo 
hoch, daß man ihnen keine abkaufen konnte. 3 

2) Man pfleget hier nur wenig Leute auf dem Verdecke ſehen zu laſſen. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. D d d 


1694 
Pbillips. 
Die gemal⸗ 
ten Schwar⸗ 
den 


werden fuͤr 


Menſchen⸗ 
freſſer gehal⸗ 
tenz 


find aber 
ſcheu, und 
warum. 


Pikinini La⸗ 
ho. 


5 


34 NReeiſen nach Guinea und Benin, 


Die meiſten verunzieren ſich noch mit einer Art von dunkler roͤthlicher Farbe, mit wel⸗ 
cher fie ihre Leiber an verſchiedenen Orten beſchmieren. Sie flechten etwas Flachs in ihre 
Haare, und machen von jeder Locke eine kleine Schnur, die ihnen auf ihre Schultern hinab 
hänge, Einige binden fie in einem Ringel hinten zuſammen, wie die engliſchen Weiber ihre 
Haare, und andere oben auf dem Kopfe. Phillips erſtaunte, als er bey ſeiner erſten An⸗ 
kunft nichts anders hoͤrte, als Qua, Qua, Qua, wie eine Trift Enten; daher, wie er 
vermuthet, dieſe Zahnkuͤſte fey die Quaquaakuͤſte genannt worden, welche von dem Vor⸗ 
gebirge Palmas bis Baſſam Picolo reichet, wo er das erſte Gold antraf. N 

Die Schwarzen in dieſer Gegend werden Menſchenfreſſer genannt; und fein alter 
Steuermann, Robfon, der dieſen Handel lange getrieben, erzählte ihm, fie aͤßen ihre Fein⸗ 
de, wenn ſie ſolche gefangen bekaͤmen, und ihre Freunde, wenn ſie todt waͤren. Sie ſahen 
ſehr wild und gefraͤßig aus. Alle ihre Zaͤhne waren ſpitzig, wie Nadeln, vermuthlich weil 
ſie ſolche feilten; denn ihre benachbarten Schwarzen waren nicht ſo. Sie waren ſtarke 
Leute von feſten Gliedmaßen, aber dem Anſehen nach, die haͤßlichſten, die er jemals ge⸗ 
ſehen hatte. 17 „„ 8 | 

N Ein jeder Kahn bringt einen Makler mit, welcher, ſobald er ins Schiff tritt, ein Daſchi 
von einem oder einem Paar Meſſern fordert, unter dem Vorwande, er bringe einem den 

Handel zu; und bey jedem Kaufe erwartet er auch ein Daſchi. Dieß iſt alles, was er 
gewinnt; indem ihm die Kaufleute nichts zugeſtehen. Sie werden aber fo von ihnen ge 
plagt, daß ſie ihnen etwas geben muͤſſen, um nur Ruhe zu haben. Der Verfaſſer hat nir⸗ 
gends auf der Kuͤſte die Schwarzen ſo ſcheu gefunden, als hier. Er bildete ſich daher ein, 

es müßten ihnen einige Streiche von ſolchen Burſchen, als Long Ben, fonft Avery, ſeyn 
geſpielet worden, die ſich ihrer bemaͤchtiget, und fie weggefuͤhret hätten. Die Güter, wor⸗ 
nach hier am meiſten gefragt wurde, waren zinnerne Becken, je breiter, je beſſer, Eiſenſtan⸗ 

gen, Meſſer, und große zinnerne Flaſchen mit Schrauben, die ihnen am meiſten anſtunden a). 


Der III Abſchnitt. 


Pikinini La⸗ ho. Baſſam. Handlung allhier. gebirge tres Puntas. Dickys Cove. Fort und 
Treffen ein hollaͤndiſches Privatſchiff an. Ein Caſtell Sukkandi. Geſchichte von Johnſon. 
ander hollaͤndiſch Schiff. Aſthani. Hollaͤn⸗ Seine Liebſte wird weggefuͤhrt. Er ſelbſt wird 

diſche Juterlopers. Vorgebirge Apollonia. Schre- ermordet. Schuma. Holkaͤndiſcher Uebermuth. 
cken eines hollaͤndiſchen Factors. Urſache davon. Ein anderer Beweis. Kommendo. Ampeni. Paß 
Ein Canoe wird vom Vorgebirge Coaſt oder Corſe beym Caſtelle Mina. Sie kommen auf dem 
geſchickt. Fort Mina. Ein Negertanz. Vor⸗ Vorgebirge Coaſt an. i 


Den 23ften, als fie unter Segel waren, kamen drey Kaͤhne von Pikinini La⸗ho, unge⸗ 
— faͤhr ſechs Seemeilen von Cabo La⸗ho. Einer kam zum Hauptmanne Schurley an 
Bord, und die beyden andern zu Phillipſen, mit verſchiedenen guten Zaͤhnen. Sie kauften 
einige, aber ſehr theuer. Sie verlangten eben dergleichen Güter, als zu Cabo La⸗-ho. 
Dieß war der letzte Ort, wo er einige Zaͤhne ſah; und er bemerkte, daß ſie ihre großen Zaͤhne 
nur zur Schau brachten; denn ſie wollten keine, als kleine und mittelmaͤßige, verkaufen. 
Den 25ſten kamen zweene Kaͤhne von Baſſam Picolo, mit Golde zu handeln; wo— 
von ſie dreyßig Achis fuͤr eiſerne Stangen, zwo Stangen fuͤr drey Achis einnahmen; ein 
0 b b jedes 
a) Phillips Reiſe a. b. 195 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 305 


jedes Achi war ungefähr fünf Schillinge. Das Gold, das fie hier einnahmen, war alles 1694 
in Fatiſchen, welches kleine Stückchen find, woraus man allerhand artige Figuren gemacht, Phillips. 
welche die Schwarzen an alle Theile ihres Koͤrpers zur Zierrath binden, und insgemein ſehr | 
gut Gold ſind. Staub oder Klumpen ſah er weder hier, noch zu Baſſam. ; 

Den 25ſten kamen einige Kaͤhne, und verſprachen Sklaven; fie brachten aber keine. Baſſam 
Den folgenden Tag kam ein Kahn von Baſſam mit vier Mann an Bord, und blieb die Handlung 
ganze Nacht da. Den Morgen nahmen fie ſechs und dreyßig Achis Gold von ihnen ein, daſelbſt. 
und noch von zweenen andern Kaͤhnen, welche herbey kamen, ſechzehn Unzen in Fatiſchen fuͤr 
eiſerne Stangen, als für eine Stange anderthalb Achi, für ein Duzend Meſſer ein Achi, für ein 
vierpfuͤndiges zinnernes Becken ein Achi, nebſt verſchiedenen Meſſern zu Geſchenken für diejeni⸗ 
gen, welche hurtig handelten. Hier konnten ſie das Bankgewicht bey den Schwarzen brauchen: 
allein an der Seite unter dem Winde kennen fie das Apothekergewicht fo gut, als die Englän- 
der, und haben ihr eigenes Gewicht, nach welchem ſie alles andere abwaͤgen. So ſind auch 
allhier die Güter in beſſerm Preife, als dort, weil ſie nicht fo viele Gelegenheit haben, dasjenige 
zu kaufen, was ihnen abgeht. Sie haben aber auch nur wenig Vorrath vom Golde. 
Montags den 28ſten waren des Hauptmanns Phillips Leute meiſt geneſen, und ſie hat⸗ 
ten keinen, als nur ſeinen Bruder, verlohren. Hauptmann Schurley aber hatte achte be⸗ 
graben, und er ſelbſt war mit den meiſten von den uͤbrigen ſehr krank. Sie bekamen eine 
Windſtille, und hatten bis den ten des Hornungs einen ſehr dicken Nebel. Das Wetter 
war ungemein heiß, und kaum ein kleines Luͤftchen zu ſpuͤhren. Der Strom gieng auf zehn 
Tage lang gegen Weſten, zwo Meilen in einer Stunde. | FRE? 09 

Den aten kam ein Segel dicht neben ihnen, ehe fie ſolches entdecket. Sie gruͤßten es Sie treffen 

mit einem Schuſſe queer über ihren Vorderfuß, um es zum Ankern zu bringen. Weil es ein hollaͤn⸗ 
ſich aber daran nicht kehrte: ſo feuerten ſie noch zweymal auf daſſelbe, worauf der Haupt⸗ diſches Pri⸗ 
mann herbey kam, und es ſich zeigte, daß es ein hollaͤndiſches Privatſchiff war. Anfaͤng⸗ wach an. 
lich hielten fie es wegen feiner weißen Farbe und Bauart für einen Franzoſen. Der Haupt⸗ 
mann, Wilhelm Flemming, hatte eine Privatcommißion von dem Koͤnige Wilhelm. 
Er handelte auf der Kuͤſte, wo er über neun Monate auf- und niedergefahren, ohne alle feine 
Ladung abſetzen zu koͤnnen. Er kam zuletzt von Angola. Das Schiff hieß Jacob 
Hendrick, hatte ſechzehn Stücke, und zwey und vierzig Mann, welche Ppillipſen berichte— 
ten, daß der Hauptmann Gubbins und ſein Doctor in dem barbadoiſchen Interloper todt 
waͤren; daß das ganze Land Krieg fuͤhrte, ſo, daß es auf den Rheeden unſicher waͤre, und 
man wenig Gold auf der Kuͤſte bekommen koͤnnte; und daß die Schwarzen das daͤniſche 
Fort zu Akra weggenommen, einige von den Factoren getoͤdtet, und die andern ſehr ver- 
wundet hätten. Phillips bekam eine Dunkelheit in feinen Augen, fo, daß er nicht zehn 
Ellen weit ſehen konnte, und einen Schwindel in feinem Haupte, daß er nicht ohne Bey⸗ 
ſtand ſtehen oder gehen konnte. ; | 

Mittewochs den öten hörten fie verſchiedene Stücke abfeuern, und entdeckten ſogleich Ein ander 
ein anderes Schiff. Nachdem Phillips ein Stuͤck queer über ihren Vorderfuß abgefeuert: hollaͤndiſches 
fo ſtund es ſogleich dicht hinter ihnen. Sie gaben eine Nachricht, daß es der hollaͤndiſch— Schiff. 
weſtindiſchen Compagnie zu Amſterdam zugehoͤrte, und nach Mina gehen wollte; es hätte 
fünf Monate zu Plymouth gelegen, und wäre neun Wochen unterwegens geweſen; es 
hätte funfzig Seemeilen von Scilly mit einem franzoͤſiſchen Privatſchiffe gefochten, und 
der Graf Torrington waͤre aus England geſtoher Sie zweifelten nicht, daß dieſes letzte 

dd 2 eine 


* 


1694 eine falſche Zeitung waͤre; weil die Holländer keine große Neigung für dieſen alten und er- 
phillips. fahrnen Seehelden hatten, ſeit der Zeit fie durch ihre eigene Unbedachtſamkeit und Dumm⸗ 
heit von der franzoͤſiſchen Flotte von Beachy im Jahre 1690 fo übel waren gemis handelt 
worden. Dieſes Schiff hatte vier und zwanzig Stuͤcke, und achtzig Mann Schiffsleute 
a und Soldaten. Um ſechs Uhr des Abends anferten fie, ihrem Urtheile nach, bey Aſthany, 
Aſthany. zwoͤlf Seemeilen von Baſſam. Die Stuͤcke, welche fie den Morgen gehört hatten, wur⸗ 
den von dieſem Schiffe auf den hollaͤndiſchen Interloper gefeuert, welcher von ihnen vorher 
abgieng. Es ſiel ſolchen an, und gab ihm die Jagd, doch der Zwiſchenlaͤufer ſegelte ihm 
Holländische ge Es handelten um dieſe Zeit über ein Dutzend hollaͤndiſche Zwiſchenlaͤufer an der Küfte, 
Interlopers. ungeachtet ihre Compagnie eine ſolche Bewilligung dieſes Handels hatte, die alle andere 
davon ausſchloß, nebſt der Macht und Gewalt, alle Privatkauffahrer anzugreifen, und weg⸗ 
zunehmen, und Schiffe und Guͤter zum Beſten der Geſellſchaft einzuziehen. Phillips 
ſetzet hinzu, daß die Leute in dem Gefaͤngniſſe zu Mina als Gefangene behalten, und der 
Hauptmann nebſt den vornehmſten Schiffsofficieren, wie er glaubte, zum Tode verdammt 
würde; indem der General zu Mina Vollmacht hätte, alle Verbrecher der Nation zu verur⸗ 
theilen und hinrichten zu laſſen, die durch das Kriegesrecht „) deſſen ſchuldig erkannt wor⸗ 
den, ohne daß ſie davon nach Europa appelliren duͤrften. Eben dieſe Gewalt erſtrecket er 
auch uͤber die benachbarten Schwarzen, vornehmlich uͤber die von der Stadt Mina, welche 
unter ſeinen Stuͤcken ſteht. Dieß macht eine große Ehrerbiethung und Furcht bey ihnen: 
doch koͤnnen die engliſchen Agenten ſich allein des Uebelthaͤters verſichern, und ihn in Feſſeln 
’ nach England ſchicken, um daſelbſt verhoͤrt zu werden c). 
Ihre Kuhn Die hollaͤndiſchen Caſtelle haben ſich oftmals durch Liſt einiger von dieſen Zwiſchenlaͤu⸗ 
heit. fern bemaͤchtiget, und ihnen mit der aͤußerſten Strenge begegnet. Dieſes ſchrecket ſie aber 
doch nicht ab; indem ſie ſich mit behenden Schiffen verſehen, welche der Geſellſchaft ihre 
uͤberſegeln, und wohlbemannt und bewaffnet ausgehen, und gemeiniglich bis auf den letzten 
Mann fechten, ehe ſie ſich ergeben. Phillips ſaget, er habe vier oder fuͤnfe von ihnen auf 
einmal vor dem Caſtelle Mina eine ganze Woche lang liegen, und daſelbſt handeln ſehen, 
als wenn ſie ſolches gleichſam herausgefordert. 
Vorgebirge Weil der Verfaſſer zu Aſthany keinen Handel fand: ſo gieng er hinab nach dem Vor⸗ 
Apollonia. gebirge Apollonia, wo ihnen ihre Hoffnung wiederum ſehl ſchlug, indem kein Canoe zu ihnen 
herabkam, woruͤber ſie ſich ſehr verwunderten, weil dieſe zweene Oerter vormals wegen des 
vielen ſehr guten Goldes berühmt waren, und man daſelbſt einen leichten und vortheilhaften 
Handel treffen konnte. g 
Den ı3ten, da fie das Vorgebirge befegelten, ankerten fie auf dem Vorgebirge Axem 4), 
ungefaͤhr zwo Meilen von dem hollaͤndiſchen Fort; und den folgenden Tag kam der hol— 
laͤndiſche Factor, Kawlifſon, an Bord, um etwas Neues aus Europa zu erfahren. Sie 
bathen ihn, da zu bleiben, welches er that, und ſich dabey als einen guten Geſellſchafter be= 
zeugte. Er trank ſein Glas Wein ſehr gern, und ſang und tanzte verſchiedene Stuͤckchen 
Der hollaͤn- für ſich ſelbſt. Allein, feine Luſtigkeit wurde bey Erblickung eines großen mit zwölf Mann 
diſche Factor beſetzten Canoe mit einer Flagge plotzlich erſtickt, das von Oſten auf fie zu kam. Phillips 
wird er⸗ ver⸗ 


reckt. 
rs 5) Es ſcheint folches nicht eigentlich unter einen ner beſondern Clauſel in der Vollmacht zugeſchrieben 


Kriegesrath zu gehören, und muß, wofern es iſt, eis werden. c) Phillips Reiſe a. d. 198 u. f. S. 


* 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 397 


verwunderte ſich uͤber dieſe außerordentliche Veraͤnderung, und fragte ihn um die Urſache. 1694 
Er erboth ſich, auf das Canoe zu feuern, wenn er etwas boͤſes davon befuͤrchtete. Allein, Pbillips. 
er bath, ſolches zu unterlaſſen, und ſprang ſogleich in einen kleinen Kahn, der an der Schiffs⸗ 
ſeite Fiſche verkaufte, und ließ die Leute, da er ſich flach auf den Bauch legte, gegen Weſten 
zurudern, ſo ſchnell, als ſie konnten. Nachdem er alſo einen langen Umſchweif genommen: 
ſo ſtieg er ungefaͤhr eine Vierthelmeile von dem Caſtelle ans Land. ö 
Phillips erfuhr hernachmals, daß alle dieſe Eilfertigkeit von der Furcht entſtund, das Die Urſache 
große Canoe kaͤme von dem Caſtelle Mina mit dem Fiſcale, welches ein Bedienter in den davon. 
hollaͤndiſchen Factoreyen iſt, der alle die Caſtelle der Hollaͤnder, die ſie auf der Kuͤſte haben, 
beſuchen und nachſehen muß, wie die Regierung verwaltet wird, und daß die Factore keinen 
heimlichen Handel wider ihren Eid treiben. Um hinter die Wahrheit davon zu kommen, 
bedienet er ſich eben ſo vieler Liſt und Strenge, als der ſtrengſte alte Guͤterbeſchauer in dem 
Hafen von London; und wenn er etwas entdeckt: ſo nimmt er nicht nur alle Contrabande⸗ 
guͤter hinweg, ſondern bemaͤchtiget ſich auch vermuthlich alles Goldes, welches der Factor 
zum Beſten der Compagnie hat, fuͤhret deſſen Perſon nach Mina, wo er ins Gefaͤngniß 
geſetzt wird; und wenn man noch am gelindeſten mit ihm umgeht, ſo wird er brav am Gelde 
geſtraft, und gendthiget, als ein gemeiner Soldat eine Muskete zu tragen, und Schildwache 
zu ſtehen. Ein anderer aber wird an ſeine Stelle geſetzet. Eben dergleichen geſchieht 
auch, wenn er in ſeinem Amte als Statthalter etwas verabſaͤumet oder vernachlaͤßiget, z. E. 
wenn er auswaͤrts ſchlaͤft, oder ſchwarze Weibsperſonen des Nachts einlaͤßt. Ob dieſes 
letzte gleich in den engliſchen Caſtellen eine gemeine Gewohnheit iſt: ſo thun es doch die 
Hollander felten oder niemals; wiewohl fie insgeſammt, eben ſowohl als die Engländer, 
ſchwarze oder Mulattenweiber haben, die ſie nach Belieben verwechſeln. Dieſer Urſache 
wegen iſt ihnen der Fiſcal fo fuͤrchterlich.— 5 
Das große Canoe kam bald zu ihnen an Bord, und brachte Franken, den Kellermei⸗ Canoe von 
ſter, von dem Cap Coaſtcaſtelle e), der von den Agenten der Compagnie daſelbſt geſchickt dem Vorge⸗ 
wurde, ihre Briefe in Packete, nebſt den Factoren abzuholen, die fie fuͤr die Caſtelle am Borde birge Coaſt. 
hatten. Unterwegens rief es ee Hrn. Buckerige an, der das Haupt von Dickys 
Cove war, und mit ihnen kam. Durch dieſes Canoe riethen ihm die Agenten, ſo viel von 
feiner Ladung abzuſetzen, als er koͤnnte, ehe er dahin Fame, weil daſelbſt wegen des Krieges 
weder Handlung noch Gold waͤre; und daß man ihm auf der Goldkuͤſte vermuthlich keine 
Anzahl von Sklaven ſchaffen koͤnnte. a 
Rawlifſon ſchickte einige Zeit darnach, da er ans Ufer gekommen, eine Canoe auf 
Kundſchaft. Weil er nun dadurch ſeinen Irrthum erfuhr: ſo verbannte er ſeine Furcht, 
und entſchloß ſich, ſich noch einmal mit ihnen luſtig zu machen. Sie hatten ihn alſo wieder 
am Borde, wo er bis ſpaͤt in die Nacht blieb, und mit Weine und Punch wohl beladen ans 
Ufer geführet wurde. Ehe er aber Abſchied nahm, mußten ihm Buckerige, Schurley und 
Phillips verſprechen, den folgenden Tag in ſeinem Fort mit ihm zu ſpeiſen. Sie giengen 
alſo bahin, und wurden beym Ausſteigen von Rowlifſons Gehuͤlfen, einem jungen Fran. 
zoſen, feinem Doctor, empfangen, der fie bis an das Caſtellthor führte, wo fie von ihm ſelbſt 
mit einer Begruͤßung von neun Stuͤcken empfangen wurden. 
D dd 3 Sie 
1) Axem iſt zehn Seemeilen von Apollonia. Corce in dieſem Tagebuche genannt, wie vorher bes 
e) Es wird oft das Vorgebirge Corce, oder Cabo merket worden. a 


1694 


38 Reeiſen nach Guinea und Beninn 


Sie giengen vor dem Eſſen um das Caſtell ſpazieren, welches alt und auf einem Fel⸗ 


Pbillips. fen nach Art der Portugieſen gebauet iſt, denen es die Holländer abgenommen. Es hat 


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Fort Mina. 


Ein Neger⸗ 
tanz. 


vier Flanken, und in allen auf achtzehn Stuͤcken. Die gegen die See ſind lang und gut, 
und einige darunter von Metall. Die Mauren find ziemlich hoch und die Thore ſtark, wel⸗ 
che nach dem feſten Lande zugehen. In der Mitte des Forts iſt ihr Waarenhaus, ihre 
Kuͤche und Wohnung der Soldaten, uͤber welche drey oder vier kleine Zimmer fuͤr die Fa⸗ 
ctore ſind. Ein großer Theil von der Decke und den Mauren desjenigen, worinnen ſie 
ſpeiſten, war eingefallen. Zum Mittagsmahle hatten ſie einige moſcovi che Enten, 
Schoͤpſe, Fiſche und viele andere Speiſen. Was Phillipſen aber am beſten anſtund, war 
ein Pudding, der ſehr angenehm ſchmeckte, und von dem franzoͤſiſchen Doctor mit Zucker 
und Orangenſafte zurechte gemacht war. Sie hatten vielen Punch und angemachten Rhein⸗ 
wein. Er zog aber allen andern ein Getraͤnke vor, Rokoro genannt, welches wie dünne 
Molken ausſah, und eine Art von Palmweine war. Seinem Beduͤncken nach ſchmeckte 
es wie Meth, oder beſſer Verdy, oder weißer Florentinerwein, wie ſie ihn zu Livorno (oder 
Leghorn) nennen. Nachdem die Mahlzeit vorbey war, und fie des Königs Geſundheit, 
den Flor der africaniſchen Compagnie, und ihre eigene Geſundheit, jede mit Abfeurung ſie⸗ 
ben Stuͤcke, getrunken hatte: ſo wurden ſie zu einem Spaziergange nach einem Orte einge⸗ 
laden, wo die Schwarzen zu tanzen pflegen, ungefaͤhr eine Vierthelmeile von dem Fort un⸗ 
ter rs oder dreyen ſehr großen Baumwollenbaͤumen, wovon ihre Kaͤhne gemacht 
werden 77). dach: | | | 


Nachdem man nun Sitze und Getraͤnke gebracht, fo kam bald darauf die Muſik, wel⸗ 
ches drey Schwarze waren, mit eben ſo vielen hohlen Elephantenzaͤhnen, durch welche ſie 
ein erſchreckliches Gebruͤlle machten, und ſie wurden von einem andern accompagnirt, der 
ein hohles Stuͤck Erzt mit einem Stecken ſchlug g). Darauf kam Rawliffons, des Fa⸗ 
ctors Weib, eine artige junge Mulattin, mit einem reichen ſeidenen Zeuge mitten um ihren 
Leib, und einer ſeidenen Muͤtze auf dem Kopfe, unter welcher ihr Haar lang herunter heraus⸗ 
gekaͤmmet war. Denn die Mulatten wollen es darinnen den Weißen nachthun, und le⸗ 
gen es alſo niemals in Locken oder kraͤuſeln es auf, wie die Schwarzen thun. Sie wurde 
von des Gehuͤlfen und des Doctors Weibern begleitet, welches junge Schwarzen von un⸗ 
gefaͤhr dreyzehn Jahren waren. Nachdem die Englaͤnder fie gegruͤßt hatten: fo giengen 
ſie wechſelsweiſe zu tanzen auf eine laͤcherliche Art, indem ſie mit ihren Aermen, Schultern 
und Koͤpfen ſeltſame Geberden machten; die Fuͤße aber das wenigſte dabey thaten. Sie 
fingen ſanft an, verſtaͤrkten ihre Bewegungen aber nach und nach, bis ſie zuletzt vollkommen 
wuͤtend und außer ſich zu ſeyn ſchienen. Es kamen auch verſchiedene andere Weiber zu 
tanzen. Unter den uͤbrigen waren zwey, deren jede einen Kinnbacken von einem Manne an 
dem hölzernen Handgriffe ihres Schwerdtes geknuͤpfet hatte, welches in ihrem Gürtel ſteckte, 
und ungefaͤhr eine halbe Elle lang und drey Zoll breit war, und einem Schneidemeſſer glich. 
Die Beine, ſagten fie, gehörten einigen großen Kriegern zu, welche fie im Gefechte getoͤd⸗ 


tet, womit ſie ſich viel wußten. Nachdem ſie muͤde waren, nahmen ſie Abſchied und gien⸗ 


gen an Bord >). 
Die 


7) Dieß iſt der beſte und wohlfeilſte Ort für dem fie an der Seite unter dem Winde ſehr ſelten 


Schiffe, die nach Whidaw gehen, Sklaven zu kau⸗ und theuer ſind. 
fen, wenn fie ſich mit Kaͤhnen verſehen wollen; in⸗ g) Dieß iſt wie eine Keſſelpauke. 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 309 


Die Stadt liegt an der Oſtſeite und enthaͤlt ungefaͤhr hundert Haͤuſer oder Huͤtten, 1694 
dicht an dem Ufer des Fluſſes, der ſich nahe bey dem Caſtelle in die See ergießt, und an pbillips. 
deſſen Mündung der Landungsplatz iſt. Der Verfaſſer ſah über hundert Männer und 
Weiber mit Waſſereimern an der Seite dieſes Fluſſes, welche, wie ihm geſagt wurde, den 
Sand und Dreck wuſchen, Goldſtaub zu ſuchen. Sie hatten hier nur wenig Handlung, 
und giengen daher den 16ten unter Segel nach dem Vorgebirge tres Puntas, wo ſie in Vorgebirge 
zwey und zwanzig Faden etwas davon hielten, um eine Reihe Klippen zu vermeiden, die tres Puntas. 
eine gute Strecke von dem mittelften Vorgebirge hinaus liegt. Um zwoͤlfe waren fie bey 
einer andern brandenburgiſchen Factorey, und um drey Uhr des Abends kamen fie in Di⸗Dickys Cove. 
ckys Cove, ungefaͤhr drey Seemeilen gen Oſten von dem Vorgebirge der dreyen Spitzen 
vor Anker, woſelbſt die beſte und leichteſte Landung von irgend einer engliſchen Factorey 
auf der Kuͤſte iſt. f b 

Hier bauete Buckerige ein kleines Fort auf einem großen flachen Felſen, ungefaͤhr 
eine halbe Meile oſtwaͤrts von der Stadt. Es war damals noch nicht halb fertig, und nur 
wenig kleine Stuͤcken, die auf dem Felſen unter dem offnen Fort gepflanzet ſtunden, waren 
alle ſeine Vertheidigung. Die Stadt iſt ziemlich groß. Sie giengen eines Tages am Ufer 
und fpeiften mit Buckerige; fie füllten hier etwas Waſſer, nahmen ein wenig Holz ein, und 
einige Reibſteine fuͤr die Sklaven, Korn zu malen. Weil ſich hier keine Handlung zeigte: 
fo verließen fie den Ort, und waren um eilfe des Morgens neben Tagaratha. 

Dieß war der letzte Ort auf der Goldkuͤſte, der ihnen von der Compagnie angewieſen 
war, ihre Windwaͤrtsladung abzuſetzen. Wenn ſie dieſer Verordnung gefolget waͤren: ſo 
haͤtten ſie vieles davon wieder nach Hauſe bringen muͤſſen; denn ein jeder von ihnen hatte 
drey tauſend Pfund Windwaͤrtsladung, und hatte bey ihrer Ankunft allhier noch nicht fuͤr 
zweyhundert Pfund am Werthe verkauft, ſo daß ſie genoͤthiget waren, ihre Verhaltungs⸗ 
befehle zu brechen. 8 

Um zwey Uhr anferten fie auf der Rheede von Sukkandi in ſieben Faden, unge⸗ Sukkandi 
fahr zwo Meilen vom Ufer. Auf der Spitze ſtund ein kleines hollaͤndiſches Fort, welches Fort und 
den Landungsplatz beſtrich, etwas höher, als das englische Caſtell, und einen Stüͤckſchuß Laltel. 
weit davon. 1 

Den 20ſten giengen der Hauptmann Schurley und der Verfaſſer bey dem englifchen 
Caſtelle ans Ufer, wo ſie den Herrn Johnſon in ſeinem Bette aberwitzig faſelnd antrafen; 
weil er ſich eine Beleidigung ſo zu Gemuͤthe gezogen, die ihm Vanhukeline, der Kauf⸗ 
mann in dem Caſtelle Mina, angethan hatte. Dieſe beſtund darinnen, wie ihnen ſein Ge⸗ 
huͤlfe erzaͤhlte, welches ein junger Burſche war, und ein blauroͤckigter Hoſpitalknabe geweſen. 

Eine bekannte Negerweibesperſon, Namens Taguba, in der Stadt Cape⸗Coaſt wur: Johnſons 
de von einem Soldaten in dem Caſtelle geſchwaͤngert, und kam mit einem mulattiſchen Geſchichte. 
Maͤgdchen nieder. Als ſolches eilf Jahre alt war, fo hatte dieſer Johnſon, der damals 
Factor zu Capo⸗Coaſt 2) war, eine große Neigung zu ihr, und nahm ſich vor, fie zu fei- 
nem Weibe zu nehmen, fo wie man in Guinea ein Weib nimmt k). Weil er nun um dieſe 
Zeit zum Oberfactor nach Sukkandi geſetzt wurde: ſo nahm er die Dirne, um ſich 
ihrer zu verſichern, mit fich, fo lange bey ihm zu leben, bis fie zu dem Alter kaͤme, das ſich 

5 zu 
5) Phillips Seife auf der 200 und folgenden 1) In dem Originale das Vorgebirge Eorce. 
Seite. 4) Das iſt, ſo lange das Vergnuͤgen dauret. 


1694 
Phillips. 


Seine Liebſte 
wird wegge⸗ 
fuͤhret, 


und er ſelbſt 
ermordet. 


Schuma. 
Hollaͤndi⸗ 
ſcher Ueber⸗ 
muth. 


Ein ander 
Beyſpiel da⸗ 
von. 


0 Reifen nach Guinea und Benin, 


zu den ehlichen Umarmungen ſchickte. Er begegnete ihr ſehr zaͤrtlich, und hatte zwey oder 
drey Jahre lang groß Vergnuͤgen in ihrem Umgange. Als ſie aber heran gewachſen, und 
ein artiges Maͤgdchen war: fo beſtach Vanhukeline ihre Mutter Taguba, und brachte 
ſolche auf ſeine Seite. Er beredete ſie nach Sukkandi zu gehen, und unter dem Vorwan⸗ 
de, ihre Tochter zu beſuchen, ſie in einem ſchnellen Kahne herab zu bringen, der auf ſeine 
Anordnung zu dem Ende unter dem hollaͤndiſchen Fort lag. 

Die Mutter gieng demnach hin; und da fie vom Johnſon guͤtig aufgenommen wor⸗ 
den, der nichts boͤſes vermuthete, ſo gieng ſie mit ihrer Tochter ausſpazieren. Als ſie nahe 
an dem beſtimmten Platze kamen: ſo zogen ſie die Schiffleute mit Gewalt in den Kahn, 
und ihre Mutter folgte. Sie fuͤhrten ſie beyde hinweg zum Vanhukeline, der alsbald die 
Nuß aufknackte, welche Johnſon ſo lange fuͤr ſeinen eigenen Zahn gekocht hatte. Als 
Phillips bey dem hollaͤndiſchen Generale zu Mina ſpeiſte: ſo ſah er ſie daſelbſt, indem ſie 
hereingefuͤhrt wurde, vor ihnen zu tanzen. Sie war ſehr ſchoͤn, und fuͤhrte den Titel, Ma⸗ 
dame Vanhukeline. Dieſes und einige andere alte Zwiſtigkeiten zwiſchen ihm und den 
Hollaͤndern hatten ihm ganz den Kopf verruͤckt. Der Verfaſſer erfuhr nach der Zeit, daß 
die angraͤnzenden Schwarzen auf Vanhukelinens und des hollaͤndiſchen Generals Anſtif— 
tet, das Fort in der Nacht überfallen und ſich bemaͤchtiget, den Factor Johnſon in Stü- 
cken zerhauen, und alle Güter und Kaufmanns waaren gepluͤndert hatten. | 

Sie wurden von dem jungen Gehuͤlfen fo gut unterhalten, als er konnte; und giengen 
darauf wieder an Bord, wo ſie bald ein kleines Schiff entdeckten, welches das Packetboot, 
der Adler war, das mit ihnen aus den Duͤnen abſegelte, und mit Briefen nach der Gam⸗ 
bra 1), Scherborow und Cape⸗Coaſt abgieng. Als es vor Anker kam, erfuhren fie, 
daß fein Führer, Hauptmann Peery, zu Gambra mit verſchiedenen von feinen Leuten ge⸗ 
ſtorben, und daß ihm ſein Beyſtand Brown gefolget waͤre, der ihnen erzaͤhlte, daß der 
Agent Colker mit ihm nach Monſerado abgereiſt, und mit ſeinem Gehuͤlfen zu Scherbo⸗ 
row in Handgemenge gerathen, ehe er hätte Erlaubniß erhalten koͤnnen. 

Den zıften ankerten fie zwiſchen der Spitze Abady m) und Schuma, wo einige Ca⸗ 
noes an Bord kamen, mit denen fie einen guten Handel um Gold hatten. Allein die Ne⸗ 
gerkaufleute fuͤrchteten ſich, die Holländer möchten ihnen ihre Güter wegnehmen, weil fie 
mit ihnen handelten; welches, wie Phillips erfuhr, oftmals geſchehen war, und daß nicht 
nur, wenn ſie aus engliſchen Compagnieſchiffen, ſondern auch aus ihrem Caſtelle zu Suk⸗ 
kandy gekauft, wovon man noch erſt kuͤrzlich ein Beyſpiel hatte. Da ſich aber die Schwar⸗ 
zen daruͤber zu Cape⸗Coaſt beklagten: ſo ſchickten die Oberkaufleute daſelbſt zu dem Ge⸗ 
nerale zu Mina, um Genugthuung zu fordern, und verſicherten ihn, die Güter gehörten der 
Compagnie: fie wurden aber bloß mit ſchoͤnen Verſprechungen abgewieſen. 

In der That, die Hollaͤnder waren ſehr uͤbermuͤthig auf dieſer Kuͤſte, ſonderlich ſeit der 
letzten Veranderung, und bemuͤhten ſich auf alle Art, die engliſche Handlung daſelbſt zu un- 
tergraben und zu zernichten. Sie begegneten den Schwarzen ſehr ſtrenge, wenn ſie ſolche 
ergriffen, daß fie mit den Englaͤndern handelten; obgleich ſolche den Hollaͤndern nicht be- 
ſchwerlich fielen. Sie hatten Kommendo den Englaͤndern entriſſen, einen Ort, der am 
bequemſten zum Goldhandel auf der Kuͤſte liegt. Sie behalten ſolchen auch noch immer, 
obgleich die Agenten der Compagnie Schriften unter den Haͤnden der Koͤnige des Landes 
| | haben, 

1) In dem Originale Gambo. m) Zwo Seemeilen von Sukkandy. 


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von Sierra Leona big Lope Gonſalbo. VII Buch U Cap. 401 


haben, welche außer dem langen Beſitze ein unſtreitiges Recht darauf zeigen. Auf dieſe 1694 
Anſpruͤche haben fie ſolchen wieder in Beſitz zu nehmen, ſchon vor einigen Jahren verſuchet. Phillips. 
Als der Oberagent bey dem Caſtelle Mina mit Materialien zu dieſer Abſicht vorbey gieng:  ——’ 
fo waren die Holländer fo dreuſte, daß fie verſchiedene Canonenſchuͤſſe auf fein Canoe tha⸗ 

ten, ob es gleich vorne des Königs Flagge fliegen hatte. Dem ungeachtet ſetzte er feine 

Abſicht fort, und fing an, es zu verſchanzen und zu befeſtigen. Ehe fie aber noch zu hin⸗ 

laͤnglicher Vertheidigung Werke aufrichten konnten, wurden ſie von den anliegenden Schwar— 

zen beſtaͤndig beunruhiget, welche von den Hollaͤndern gemiethet und aufgemuntert wurden, 

die ſie mit Waffen und Kriegesvorrathe verſorgten, ſo daß ſich die Englaͤnder mit Verluſte 

einiger Mann zuruͤckziehen mußten. Ä 

Dien 2often lagen fie neben den hohen dicken Klippen zwiſchen Schuma und Rom Kommende. 
mendo, von welchen beyden Oertern ſie am Morgen einen guten Handel hatten. Allein 

die Schwarzen waren immer in großer Furcht vor den Hollaͤndern. Denn obgleich einige 

von ihnen zweene oder drey Ballen Perpetuanos kauften: ſo wollten ſie ſolche doch nicht 

ganz nehmen, ſondern machten fie von einander und ſteckten ſie in Saͤcke, die fie mitgebracht 

hatten, ſoviel, als ein Mann nehmen, und leicht damit weglaufen konnte. Den Nachmit⸗ 

tag ankerten fie an der Spitze Ampeni zwiſchen Kommendo und der Stadt Mina, in- Ampent. 
nerhalb zwo Meilen von dieſer letztern, wo ſie recht ſchoͤn zur Handlung von beyden Oertern 

lagen. Hier hatten fie guten Handel, und nahmen über dreyßig Mark Gold ein, jedes 

Mark acht Unzen Apothekergewichte. f 


Den 25ſten giengen fie vor dem Caſtelle Mina vorbey, und begruͤßten es mit fieben Caſtell Mina. 
Stuͤcken. Sie ankerten zwiſchen demſelben und dem Vorgebirge Coaſt in der Mitte, un— 
gefaͤhr eine Seemeile weit von jedem. Hier fanden ſie die beſte Handlung unter allen. 
Die Schwarzen kamen von allen Städten gegen Oſten, ſoweit als Kormantin zu ihnen. Cabo Coree 
Den 27ſten ankerten ſie auf der Rheede des Vorgebirges Coaſt, und begruͤßten das oder Cap 
Caſtell mit funfzehn Stücken, welches fo beantwortet wurde 1). Coaſt. 


Der IV Abſchnitt. 


Der Hauptmann tractiret die Factore zu Cape- Die Schwarzen bemaͤchtigen ſich des daͤniſchen 
Coaſt. Verſchiedene Todesfälle. Ein Trompeter Forts. Des ſchwarzen Generals Bewirthung 
und Serjeant ſchlagen ſich. Bevollmaͤchtigte See- und Standarte. Das Fort wird wiedergegeben. 
raͤuber. Verrichtung des Königs Sabo. Eine Zwey hollaͤndiſche Schiffe werden von dem See— 
Heirath auf Cape⸗Coaſt. Ein Tornudo. Ani: raͤuber Avery zernichtet. Hauptmann Schurley 
ſchen. Animabo. Aga. Caſtell Kormantin. Wir ſtirbt. Ein zahmer Tyger. Ein heftiger Tore 
niba. Beſuch bey der Koͤniginn. Quamboer- nado. Der Fluß Volta. Die Kuͤſte Alampo 
ſchwarze. Wildes Reh. Sie kommen nach Akra. und daſige Schwarze. 


Sie hielten ſich neun und zwanzig Tage zu Cape-Coaſt auf, während welcher Zeit der Des Haur 
Hauptmann Phillips das Caſtell und die Factorey genau beſah, welches der vor- manns Gaf 
nehmſte Platz der Engländer in ganz Guinea iſt. Vor ihrer Abreiſe bewirthete Haupt- mahl. 
mann Schurley und er die Agenten, Factore und andere Officiere zu Mittage, in einem 
viereckigten Sommerhauſe, welches mitten in dem Caſtellgarten ſtund; denn ihre Gaͤſte 

a ö wollten 


1) Phillips Reiſe a. d. 202 u. f. S. 
Allgem. Reifebefchr. II Band. Eee 


402 | Reifen nach Guinea und Benin, 


1694 wollten ſich nicht an Bord wagen, aus Furcht, es möchte ſich in ihrer Abweſenheit ein Zu— 
Phillips. fall ereignen. Ein jeder von ihnen hatte ſechs von ihren Vierthelverdecksſtuͤcken ans Ufer 
gebracht, und wurden bey jeder Geſundheit eilfe abgefeuert. 


Verſchiedene Als ſie ſich hier auf hielten, ſtarb Herr Clayton, das Haupt von dem Fort, Friedrichsburg 
Todesfälle. oder dem daͤniſchen Hügel, ein ſtarker Mann, in dreyen Tagen am Fieber. Er wurde mit 
den gewöhnlichen Ceremonien in des ſchwarzen Johanns Garten begraben, welcher naͤ— 
her an dem Forte liegt, als der andere, und der ordentliche Begraͤbnißort der Weißen iſt. 
Ihm folgte Johann Rootſey, ein Barbadier, welcher mit ihren Schiffen uͤberkam. 
Zu Cape Coaſt ſetzten ſie dreyßig Soldaten fuͤr die Compagnie ſo geſund aus, als ſie 
England verlaſſen hatten. In einer Zeit von zweenen Monaten aber war die Haͤlfte von 
ihnen geſtorben. i a i 
Ein Trompe-⸗ Als der Verfaſſer ſich hier aufhielt: fo ſchlug ſich Wilhelm Lord, ein Trompeter von 
ter und Ser: feinen Leuten, betrunkener Weiſe mit einem Serjeanten aus dem Caſtelle in einem Zwey— 
jeant ſchla- kampfe, und ſtieß ihm in den Bauch, weswegen er ins Gefaͤngniß geworfen wurde. Phils 
gen ſich. lips beſuchte, nachdem er die Agenten darum gebethen, den Serjeanten, mit feinem Wund— 
arzte, der die Wunde unterſuchte, und ſolche nicht toͤdtlich fand. Der Degen war auf fuͤnf 
Zoll tief queer hineingegangen, ohne etwas von dem Eingeweide zu beruͤhren. Lord ward 
darauf losgelaſſen. Weil ſolcher zwar ein herzhafter, aber doch luͤderlicher und verſoffener 
Kerl war: ſo ſah ſich der Hauptmann genoͤthiget, ihn in Feſſeln auf dem Vordertheile die 
ganze Reiſe hindurch von St. Thomas bis nach Barbados zu halten, wo er ihn an Bord 
eines Kriegesſchiffes ſetzen wollte. Er wurde aber doch beredt, ihn zu feiner großen Mar: 
ter nachher, bey ſich zu behalten. Denn er gieng daſelbſt alsbald ans Ufer, und lief von 
dem Schiffe weg, verſteckte ſich ſo lange, bis er alle ſein Geld durchgebracht hatte; und 
darauf gieng er, wie verſchiedene andere von ſeinen Leuten thaten, an Bord einer kleinen 
neuenglaͤndiſchen Fregatte von 20 Stuͤcken. Sie fegelte vortrefflich, und hatten einige bar— 
badiſche Kaufleute ſolche gekauft, bemannet, und auf eine kriegeriſche Art ausgeruͤſtet. Sie 
hatten auch den Oberſten Ruſſel, den Statthalter, dahin gebracht, daß er mit ihnen Theil 
daran nahm, der ihr denn ihre Verrichtung auftrug. 
Bevollmaͤch⸗ Der Vorwand ihrer Reiſe war, fie ſollte nach Madagaſcar gehen, Schwarze zu 
9 See- kaufen. Allein Phillips war wohl verſichert, daß ihre Abſicht nach dem rothen Meere 
{rn war, um ihren beften Markt mit den Schiffen des Moguls zu machen. Wenn fie diefes 
gethan, und einige wenige Schwarze zum Scheine gekauft: ſo konnte ſie ſicher nach Bar— 
bados zuruͤck kommen, weil der Statthalter ſelbſt Theil daran hatte, und ein ſo naher An— 
verwandter des engliſchen Admirals war. Phillips verkaufte einem gewiſſen Richter und 
Kaufmanne daſelbſt um dieſe Zeit ein großes Pack Feuergewehr zu ihrem Gebrauche, mehr 
als fuͤr ein ſolches kleines Fahrzeug gewoͤhnlich, oder zu ſeiner Vertheidigung auf einer 
Handlungsreiſe noͤthig war. Wie es mit dieſer Fregatte gegangen, das erfuhr er nicht. 
Die uͤbrigen Kauffahrdeyſchiffe verlohren bey eben dieſer Gelegenheit einige von ihren 
Schiffsleuten. Dieſes, nebſt den Krankheiten und dem Matroſenpreſſen der Kriegesſchiffe 
zu des Koͤniges Dienſten, machte die Leute ſo rar, daß ein gemeiner Matroſe dreyßig 
Pfund fuͤr eine Reiſe nach England forderte, die gemeiniglich in ſechs Wochen gethan war, 
ü und 
o) Phillips Reife nach Guinea anf der 205 und folgenden Seite. 


H 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 403 


und außerdem noch darauf beſtund, in dem erſten Hafen, wo ſie in England einliefen, los- 1694 
gelaſſen zu werden. Hauptmann Sinclare von der Fregatte, die Leyer, erboth ſich in Pbillips. 
Phillips Beyſeyn, dem Hauptmanne Thomas Scheirman, Befehlshaber von dem 
Kriegesſchiffe, der Tyger, unter deſſen Begleitung er nach Hauſe kommen ſollte, hundert 

Pfund zu bezahlen, daß er ihm nur zehne von ſeinen ſchlimmſten Leuten leihen moͤchte, und 

er wollte den Leuten einen Lohn geben, den fie nur forderten: welches Scheirman aber 

unter irgend einer Bedingung zu thun ſich weigerte. 

Auf dem Vorgebirge Coaſt nahmen fie etwas vom indianifchen Korne ein, welches 
zum Unterhalte ihrer Schwarzen zu Barbados beſtimmt war. Das Maaß iſt eine Kiſte, 
welche ungefähr vier Scheffel für einen jeden Schwarzen enthält. Es wird der Compa- 
gnie die Kiſte auf zwey Achis das geſtrichene Maaß angerechnet, ob ſie gleich von den 
Schwarzen das gehaͤufte Maaß beſſern Kaufes haben koͤnnte. Palmoͤl iſt wohlfeiler zu 
Whidaw, als hier, am wohlfeilſten aber auf dem Eylande St. Thomas. 

Als fie hier lagen: fo machten der König von Sabo, und Wimfa, der General der Verrichtun⸗ 
Arkanier, mit zwanzigtauſend Schwarzen auf ihrer Ruͤckkehr von dem Kriege wider den gen des Ss 
König von Futtu, den ſie aus feinem Lande vertrieben, und genoͤthiget hatten, in dem Ca— 8. 
ſtelle Mina Schutz zu ſuchen, deſſen Bruder zum Könige, der ihnen bald nach dem Cap⸗ 
Coaſts⸗Caſtelle nachfolgte, wo er das Fatiſch nahm, ein beſtaͤndiger Feind feines Bru— 
ders zu ſeyn, den Englaͤndern ſtets treu zu verbleiben, und die Arkanier in ihrem Handel 
nicht zu ſtoͤhren, welches die Gelegenheit zum Kriege mit feinem Bruder geweſen o). 

Eines Tages geſchah hier eine Heirath, die angemerkt zu werden verdienet. Der Con- Eine Cap: 
ſtabler des Caſtells war feiner Frauen entweder uͤberdruͤßig, oder fie gefiel ihm nicht mehr, Coaſts⸗Hoche 
und ſchaffte ſie alſo ab. Er nahm ſich eine andere, welche des Hauptmanns Amo Tochter zelt 
war, einer von des Caſtells Kaboſchiren 7). Die Ceremonie beftund bloß darinnen, daß 
er den Officieren des Caſtells und einigen von ihren ſchwarzen Verwandten eine Mahlzeit, 
ihr ſelbſt aber ein Kleid gab, und alſo waren ſie Mann und Frau. Das Maͤgdchen aber, 
dem ihr Ehemann nicht gefiel, und welches nicht über zwoͤlf Jahre alt war, konnte nicht 
uͤberredet werden, bey ihm zu ſchlafen. Dieß verdroß den Conſtabler dergeſtalt, daß er 
ſich mit ihr zankte. Weil er aber dennoch wohl ſah, daß rauhe Mittel nichts verfangen 
wuͤrden: ſo kaufte er drey oder vier Ellen rothen gebluͤhmten ſeidenen Zeug von dem Schiffe, 
welches er ſeinem Weibe zeigte, und ihr ſolches zu einem Kleide zu geben verſprach, wenn 
fie ſich ihm ergeben und gehorchen würde. Die Schönheit des ſeidenen Zeuges ſtach dem 
Maͤgdchen in die Augen, und hob alle Schwierigkeiten; denn den folgenden Morgen war 
die Frau in ihrem ſeidenen Zeuge, und ſie beyde gute Freunde. 

Nachdem ſie alle Ladung fuͤr das Vorgebirge ans Land gebracht hatten, welches ihnen Ein Torna— 
viel Zeit wegnahm: fo verließ Phillips den zaften April das Vorgebirge Coaſt. Auf do. 
feinem Wege nach dem Schiffe befiel ihm ein ſtrenger Tornado. Weil die See fehr 
hoch gieng: ſo ruderten ſie aus Furcht wegen des Boots, welches zwo Kiſten Gold fuͤr die 
Compagnie fuͤhrte, gerade vor dem Winde, und wurden den halben Weg nach dem Caſtelle 
Mina getrieben. Um zehn Uhr des Nachts, da ſich der Wind legte, kehrten ſie wieder 
um, und fanden das Schiff bey dem Forte Daͤnenhuͤgel vor Anker. Als ſie an Bord ge— 

Eee 2 kommen, 


p) Dieß wird von dem Verfaſſer Capaſchiers und Cappaſchiers geſchrieben. 


— 


404 Reiſen nach Guinea und Benin, 


BR kommen, fo nahmen fie den folgenden Morgen mit funfzehn Stuͤcken von dem Caſtelle Ab⸗ 
Pbillips. ſchied. Den 2öjten giengen fie bey Mauri 7), oder dem Forte Maſſau, vorbey, wel⸗ 


Aga. 


Caſtell 


Winiba. 


ches die Holländer ungefähr eine Seemeile weit vom Cap Coaſt beſitzen. Es ſtund hoch, 
und ſah wie ein neues Feſtungswerk von ſechzehn oder zwanzig Stuͤcken aus. Um neun 
Uhr giengen fie bey Aniſchen vorbey, wo die Compagnie eine kleine Factorcy hat, welche 
ein Haus mit einem Strohdache iſt, und kamen eine Stunde darnach zu Animabo, eine 
Seemeile davon, an. ; Be“ 

Nachdem Phillips das Caſtell mit fieben Stuͤcken begrüßt, welches mit eben fo vie« 
len Stücken antwortete: fo gieng er ans Ufer, vom Herrn Searl, dem Factore allhier, das 
Korn zu fordern, welches ihm von den Kaufleuten zu Cap⸗Coaſt angewieſen worden, daß 
ſie es hier vollmachen ſollten, ſiebenhundert Kiſten ein jeder. Er willfahrte ſogleich, wie 
Herr Cooper, ein junger aufrichtiger Herr zu Aga, ungefaͤhr eine halbe Seemeile weit 
oſtwaͤrts von Animabo. Beyde ſpeiſten bey ihm am Borde mit ihren Weibern, welches 
Mulattinnen waren, wie des Herrn Ronons ſeine zu Cap⸗Coaſt. Dieſes, ſaget er, iſt 
eine angenehme Art zu heirathen; denn fie koͤnnen ihre Weiber abſchaffen, und andere neh— 
men, nach ihrem Belieben, welches fie denn fehr forgfältig machet, ihre Ehemaͤnner beym 
Guten zu erhalten. Sie waſchen ihnen ihr Leinen, reinigen ihre Zimmer u. ſ. w. und es 

koſtet wenig oder gar nichts, ſie zu unterhalten. 
Weil fie hier lagen, fo hatten fie ſehr oft Geſellſchaft von dem Herrn Fafleman, dem 


Kormantin. hollaͤndiſchen Statthalter in dem Caſtelle Kormantin, der bey ihnen zu Mittage ſpeiſte, 


und fie eines Tages in dem Caſtelle ſehr prächtig bewirthete. Es ift ein artiges nettes Fort 
von ungefähr zwanzig Stücken, und liegt etwas höher, als das engliſche, und eine Seemeile 
gegen Oſten davon. Phillips bekam hier zweene kleine ſchwarze Knaben von den Facto— 
ren geſchenket, und zweene vorher zu Cap-Coaſt, nebſt einem guten Vorrathe von mu- 
ſcoviſchen Enten und andern friſchen Lebensmitteln. a 

Den zten May, nachdem Hauptmann Schurley und der Verfaſſer, jeder hundert und 
achtzig Kiſten Korn erhalten hatten: ſo ſegelten ſie weiter. Da ſie laͤngſt an dem Ufer 
hinfuhren: ſo kamen verſchiedene Canoes herab, es war aber wenig zu handeln; denn die 
Leute hatten kein Gold. 

Dtieen ten ankerten fie zu Winiba, wo ihnen der Factor, Nicolas Buckerige, Kaͤh⸗ 
ne zu ihrem Gebrauche zu Whidaw verſprochen hatte. Dieſem zu Folge erhielten ſie 
auch ein jeder einen Kahn von fuͤnf Mann, welchen ſie mit Zimmerholze und Baͤumen aus⸗ 
ruͤſteten, um ſie ſtaͤrker zu machen. Hier zogen ſie ihr Langboot ans Ufer, und beſſerten es 
aus, indem es laͤck und ſehr wurmſtichig war. Sie ſchoͤpften etwas Waſſer, und fällten 


Beſuch bey einen guten Vorrath von Brennholze, mit Erlaubniß der Koͤniginn. Dieſe Koͤniginn iſt 


der Koͤni⸗ 


ginn. 


ungefähr funfzig Jahre alt, ſo ſchwarz als ein Agat, aber ſehr dicke. Sie giengen mit 
Buckerige hin, ihr unter einem großen Baume aufzuwarten, wo ſie ſaß. Sie empfing 
fie ſehr freundlich, und ließ ihre Bedienten nach ihrer Art vor ihnen tanzen. Sie war mit 
ihren Kuͤſſen ſehr freygebig gegen den Herrn Buckerige, den ſie ſehr hochzuhalten ſchien; 
und er verdiente auch viele Ehrerbiethung von allen, die ihn kannten; indem er ein unge⸗ 
mein gutgearteter und wackerer Herr war, der dieß Land und deſſen Sprache ſehr wohl 
kannte. Sie beſchenkten ſie ein jeder mit einem Anker Brandteweine, und einigen Haͤn⸗ 

7 | den 

1 Pon andern MWonree oder Mowree. 


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GLISCHE CASTEL zrr 
B. Hafen zwifchen den Foyer, C. 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 405 


den voll Toback, welches ſie mit ſehr vielem Danke und Vergnuͤgen annahm. Sie war ſo 1694 
überaus höflich, ehe fie abreiſten, daß fie einem jeden von ihnen eine Beyſchlaͤferinn von Phillips. 

ihrem jungen Ehrenfrauenzimmer anboth, fo lange fie dablieben: allein fie lehnten ihrer 
Majeſtaͤt Anerbiethen beſcheidentlich ab, und ſchliefen dieſe Nacht bey Buckerigen am 

Ufer. Den folgenden Tag waren fie gezwungen, einen Faſttag zu halten; denn da der, 

Koch das Eſſen anrichtete, worunter auch ein Spannferkel war, welches an einem hellen 

Feuer briet: ſo erreichte die Flamme davon die trocknen Palmzweige, womit die Kuͤche be— 

deckt war, welche ſogleich Feuer faßten, und auf eine ſo heftige Art loderten, daß in weni⸗ 

ger als einer Vierthelſtunde ihr Mittagsmahl und die Kuͤche in Aſche verkehrt war. 

Buckerige lebte hier in einem kleinen mit Strohe bedeckten Hauſe, ohne einige andere Die Quam⸗ 
Vertheidigung, als die leimernen Waͤnde, und war oft in großer Furcht und Gefahr, von boerſchwar— 
den Quamboern zerſtoͤhret und geplündert zu werden. Dieß iſt ein inlaͤndiſches Volk, den. 
welches oftmals gegen die Suͤdſeite herausſtreifet, Beute zu machen, und ihm einige dro— 
hende Bothſchaften geſchickt hatte. Die Koͤniginn hatte ihn zwar verſichert, ſie wollte 
eher ihr eigen deben verlieren, als zugeben, daß ihm einiges Unrecht angethan würde. Allein 
er verließ ſich darauf ſehr wenig, ſondern war ſehr froh, daß ihre Schiffe da waren, ſich bey 
Gelegenheit ſicher zuruͤck zu ziehen. An einem Abende packte er ſchon alle Güter zuſam— 
men, und kam geſchwind an Bord; es war aber nur ein falſcher Laͤrm. Er bauete ein vier— 
eckigtes Fort zu ſeiner Sicherheit, ungefaͤhr einen Flintenſchuß weit von der See auf einer 
Anhoͤhe. Er hatte damals die Mauren ungefaͤhr acht Fuß hoch aufgefuͤhret, und ſie mit 
Palmzweigen wider den Regen bedecket, und er grub darinnen einen kleinen Teich 7). Weil 
er aber keine Arbeitsleute noch andere Nothwendigkeiten von Cap⸗Coaſt hatte: ſo gieng 
das Bauen zu ſeiner Marter nur ſehr langſam von ſtatten. Die Mauerſteine, die er hier 
machte, waren ſchlechtes zerbroͤcklichtes Zeug: der Kalk aber, der von Auſterſchalen ge— 
macht wurde, war ein ſtarker Kitt. 1 ö 

Der Verfaſſer ſah hier viele guineiſche Huͤhner, und mancherley ander Gefluͤgel; er Wilde Rehe. 
hatte aber noch ein groͤßer Vergnuͤgen uͤber die Heerden wilde Rehe, welche auf der Ebene 
giengen. Er ſah wenigſtens fuͤnf hundert auf einmal; ſie waren aber ſo wild, daß ſie keins 
ſchießen konnten. Buckerige erzaͤhlte ihm, die Schwarzen pflegten bey dem Brunnen, 
wo ſie ſoͤffen, zu lauren, und ſie zu ſchießen. Hierauf wurden die beyden Conſtabler von 
den Schiffen, welche in England alte Wilddiebe geweſen, mit allen Nothwendigkeiten aus— 
geruͤſtet, und giengen aus, große Thaten zu verrichten. Den folgenden Tag aber kamen 
ſie mit vielen Entſchuldigungen an ſtatt des Wildpraͤts zuruͤck. Hier giebt es auch große 
Baviane, davon einige ſo ſtark ſind, als große Schaͤferhunde. Es gehen ihrer funfzig oder 
hundert zuſammen. Es iſt gefaͤhrlich, ihnen zu begegnen, ſonderlich fuͤr Frauensperſonen, 
deren, wie der Verfaſſer glaubwuͤrdig verſichert wurde, ſie ſich oftmals bemaͤchtigen, und 
die ſie zu Tode ſchaͤnden, indem ſie einer nach dem andern bey ihnen liegen. 

Buckerige hatte hier einen guten Handel fuͤr Gold, und es wurden hier eben die Guͤter 
geſucht, als an der Goldkuͤſte windwaͤrts. 

Den gten giengen ſie nebſt Buckerigen, den ſie zu einem Beſuche bey ſich hatten, nach Kommen 
Akra unter Segel, wo ſie den ızten anlangten. Hier gs ihnen der Factor Joh. Bloome nachuAkra. 

ö ee 3 das 


+ 


1) Oder Waſſerbrunnen. 


406 Reifen nach Guinea und Benin, 


1694 das uͤbrige Korn. Sie nahmen dieß an Bord, fuͤllten etwas Waſſer, und hatten ziemlich 
Phillips. guten Handel, welches fie aufmunterte, bis den 1ꝛten da zu bleiben. In dieſer Zeit nahmen 
ſie vierzehn Mark Gold ein, wie ſie denn auch unterwegens von Cap Coaſt hieher noch 
dreyzehn Mark eingenommen hatten. Sie hatten in allem für fo viel von ihrer Winde 
waͤrtsladung, als ſie abſetzen koͤnnen, hundert und dreyzehn Mark Goldes auf Rechnung 
der Compagnie und der Eigenthuͤmer des Schiffes eingenommen. Phillips kaufte einen 
Das daͤniſche Kahn für fünf Mann von dem ſchwarzen Generale, der ſich des daͤniſchen Forts allhier be— 
Fort wird üͤ⸗ maͤchtiget, und den General gezwungen hatte, zu den Hollaͤndern zu fliehen. Er hatte feinen 
berfalen Gehuͤlfen und verſchiedene von feinen Soldaten getoͤdtet, und handelte darauf mit den hol- 
laͤndiſchen Zwifchenläufern, die er mit Waſſer und andern Nothwendigkeiten verſah, welche 
ſie ſonſt nirgends, als zu St. Thomas, oder auf dem Prinzeneylande bekommen konnten. 
Als das Caſtell erobert wurde: ſo waren viele Guͤter von allerhand Art darinnen, und uͤber 
funfzig Mark Goldes, wie Phillips von dem däniſchen Generale erfuhr, der die Hollaͤnder 
bald verließ, und zu dem Cap Coaſtcaſtelle kam. Als er daſelbſt keine daͤniſche Schiffe 
fand: ſo nahm er Phillipſens Anerbiethen an, ihn umſonſt mit nach Europa zu nehmen; 
ob er gleich fagte, er befürchtete ſehr, wegen des Verluſts des Caſtells in Daͤnemark zur Re— 
chenſchaft gezogen zu werden +). 

von den Es ſcheint, es ſey durch eine Partey Schwarzen weggenommen worden, die ſich inge— 
Schwarzen. heim gewaffnet, und unter dem Vorwande zu handeln, hineingegangen; und nachdem ſie 
feinen Gehuͤlfen umgebracht, da er ihnen die Guͤter zeigte: fü zertheilten fie ſich, um ſich 
aller der andern im Caſtelle zu bemaͤchtigen. Eine Partey lag außerhalb verſteckt, um ihnen 
auf das gegebene Zeichen beyzuſtehen. Als der General das Laͤrmen hoͤrte: ſo kam er aus 
ſeinem Zimmer, mit dem Degen in der Fauſt, um zu ſehen, was es gaͤbe, und wurde ſogleich 
von zweenen Schwarzen angefallen. Er vertheidigte ſich wider ſolche eine Zeitlang gut, 
und rief um Huͤlfe. Weil aber niemand kam, und mehr Schwarze hineindrangen: fo 
ſprang er ſelbſt aus einem Fenſter, und floh zu den Hollaͤndern, wie oben gedacht worden, 
nachdem er verſchiedene Wunden erhalten, wovon eine feinen linken Arm unfüchtig ge— 

macht hatte. a 5 
Des ſchwar⸗ Dieſer ſchwarze General, der nunmehr Statthalter geworden, ſchickte zweene von ſei— 
zen Generals nen Bedienten, den Herrn Bloome, Buckerige, und den Hauptmann zum Eſſen einzuladen. 
Sie nahmen ſolches an, und wurden in Haͤngebetten hingetragen, die er ihnen dazu geſchickt 
hatte. Die Wache an dem Thore des Caſtells forderte ihre Degen, welche ſie alle abga— 
ben, außer Phillipſen, der ſich ſolches weigerte. Als ſolches dem Generale berichtet wor— 
den: ſo kam er, und meldete ihm, es waͤre ſolches ſtets ſeine Gewohnheit. Der andere 
verſetzte: das koͤnnte ſeyn; es wäre aber niemals die Gewohnheit der engliſchen Befehlsha— 
ber, ihre Degen um irgend einiger Urſache willen, von ſich zu geben. Als der General 
ſah, daß er herzhaft dabey blieb: ſo ſchien er vergnuͤgt zu ſeyn, und ließ ſie hinein. Er 
zeigte ihnen den Weg in den Speiſeſaal, zu welchem man auf einer Leiter hinauf klettern, 
und durch ein Loch hineinkriechen mußte. Als ſie hinaufgeſtiegen waren: ſo trank er ihnen 
zu, und alle Stuͤcke in dem Fort wurden geloͤſet. Nachdem ſie eine Vierthelſtunde in dem 
Caſtelle herumgegangen: ſo nahm Phillips aus eigener Bewegung ſeinen Degen ab, und 
gab ihn ſeinem Bedienten zu halten, welches der Koͤnig, wie er merkte, ſehr gnaͤdig aufnahm. 
Sie 

6) Phillips Reife auf der 208 und folgenden Seite. 


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A. Ort zum Ausjchffen 


3. Dorf Pocquefe 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch II Cap. 407 


Sie wurden reichlich mit Punch und Speiſen bewirthet, welche ſehr wohl zugerichtet wa— 
ren; denn der Statthalter war in einer engliſchen Factorey Koch geweſen, und gieng jetzo 
ſehr oft in die Küche, um die nöthigen Befehle zu geben, ob er gleich bey der Tafel in grof- 
ſem Staate war, und einen ſchwarzen Knaben mit einer Piſtole an jeder Seite zur Wache 
hatte. Er trank des Königs von England, der africaniſchen Compagnie, und feiner Gafte 
Geſundheit ſehr oft, mit Abloͤſung der Stuͤcke, deren er uͤber zweyhundert waͤhrendes ihres 
Daſeyns abfeuerte. Die Flagge, die er fliegen hatte, war weiß, mit einem in die Mitte 
gemalten ſchwarzen Manne, der einen Saͤbel ſchwang. Das Caſtell war alt, und nicht 
ſonderlich mehr zu verbeſſern. Es hatte auf ſechzehn Stuͤcke, die aber nicht ſonderlich bes 
ſtellt waren. Es lag auf vier Meilen von dem englifchen Caſtelle gegen Oſten. Auf ih: 
rem Ruͤckwege toͤdteten ſie vier Haſen mit Keulen. Dieß Geſchmeiß beſuchet in großer 
Anzahl das Riedgras und den Genſt, welches hier herum ſehr dicke ſteht. Herr Bloome 
hatte einen kleinen Wachtelhund, der ihm zu dreyen oder vieren in einer Stunde verholf. 
Phillips aber hielt ſie fuͤr ein ſehr unſchmackhaftes Eſſen. 


Den folgenden Tag kamen zwey daͤniſche Schiffe an, jedes von ſechs und zwanzig Stuͤ— 
cken, die von Daͤnemark in der Abſicht geſchickt waren, mit dem ſchwarzen Generale wegen 
Uebergabe des Forts zu handeln, um es wieder herzuſtellen, zu welchem Ende ſie einen 
Statthalter, Soldaten, Lebensmittel, Kriegsvorrath, Kaufmannswaaren u. d. g., mitge— 
bracht hatten. Er machte aber bey Phillipſens Anweſenheit gar zu große Forderungen. 
Dem unerachtet erfuhr man nachhero, daß ihnen das Fort übergeben worden, nachdem man 
ein Inſtrument unterſchrieben, man wollte een wegen Erſetzung des Schadens 
oder Genugthuung von dem ſchwarzen Generale und ſeiner Mitgenoſſen, wegen Wegneh— 
mung des Caſtells, wie auch wegen der Kaufmannswaaren und Guͤter, und der funfzig 
Mark Goldes darinnen, fahren laſſen, und bey Uebergabe deſſelben noch funfzig bezahlen. 
Alles dieſes geſchah; und nachdem ſie ſich daſelbſt wiederum geſetzt, ſo giengen ſie nach 
Whidaw, Sklaven zu kaufen. Auf ihrem Wege aber von da nach Weſtindien, da fie 
bey dem Prinzeneylande einliefen, Waſſer zu ſchoͤpfen, fiel ſie der Seeraͤuber Avery an, 
focht mit ihnen, nahm ſie weg, pluͤnderte ſie, und verbrannte ſie. Dieß war das ungluͤck— 
ſelige Ende ihrer Reiſe. Der arme daͤniſche General gieng von Phillipſen zu ſeinen Landes— 
leuten an Bord, wiewohl nicht ohne Widerſtreben, aus Furcht, es moͤchte ihm in Daͤne— 
mark hart begegnet werden: es ſchien aber, daß Long Ben t) dieſem zuvor gekommen. 


Hauptmann Schurley ſtarb hieſelbſt, nachdem er lange an einem Durchfluſſe krank ge— 
weſen. Er wurde in dem Caſtelle Akra auf ſoldatiſch ſehr ſchoͤn begraben. Sein Schiff 
feuerte die ganze Zeit uͤber, da fein Körper ans Ufer gebracht wurde, die Stuͤcke ab. Bloo—⸗ 
me, Phillips, Buckerige, und das Haupt von der hollaͤndiſchen Factorey hielten das Lei— 
chentuch. Nachdem er begraben war: ſo feuerte ſein Schiff dreyßig, der Hannibal ſechs 
und zwanzig, das Fort Akra zwanzig, und das holländifche und ſchwarze Fort, jedes ſech— 
zehn Stuͤcke ab. Er wollte durchaus kein Teſtament machen, und nahm es ſehr uͤbel, als 
Phillips ihn darzu antrieb. Er verließ die Fuͤhrung ſeines Schiffes ſeinem Oberſteuer— 
manne, Herrn Clay; und was ſeine eigenen Sachen anbetraf: ſo ſagte er, ſein Buchhalter, 
Price, wuͤßte, wo alles waͤre. | | | Per | 

2 55 | | Bloome 


7) Averys Spottname. 


1604 
pbillips. 


Bewirthung 
und Stan⸗ 
darte, 


Das Fort 
wird wieder⸗ 
gegeben. 


Schiffe wer⸗ 
den von Ave⸗ 
ry zernichtet. 


Schurley 
ſtirbt. 


n 


se. 


48 RNieiſen nach Guinea und Benin, 
1694 Bloome berichtete den Hauptleuten, es wären hierherum mehr Lowen, Tyger, Zibeth⸗ 
phillips. katzen und andere wilde Thiere, als in irgend einer andern Gegend von Guinea. Eben die— 

Enn zahmer fer Herr hatte einen jungen Tyger zu dem Herrn Ronan nach Cap Coaſt geſchickt, welcher 

9525 ſehr zahm war, und Herr Ronan ſchenkte ihn Phillipſen, der ihn in einem hoͤlzernen Kaſten 

| am Borde behielt, und mit Gedaͤrmen von Vögeln und andern Abgaͤngen fuͤtterte; denn 
er wollte nichts anders, als Fleiſch freſſen. Er war ſehr freundlich, ſo, daß alle Weiße mit 
ihm durchs Gitter mit der Hand ſpielen konnten. Wenn er aber Schwarze ſah, ſo ward 
er boͤſe. Der Verfaſſer ſaget, er habe oftmals ſeine Hand in ſeinen Mund geſteckt, und 
ihn bey der Zunge und den Tatzen gefaßt, ohne daß er ihm das Geringſte zu Leide gethan. 
Er ſpielte ſehr muthwillig und litt, daß man ihn wie eine Katze ſtrich, welches ihm ungemein 
wohl gefiel, Er war aber ſehr niedlich geſprenkelt, wie ein Leoparde, ungefähr von der 
Groͤße eines Windſpiels, und eben ſo geſchlank in ſeinen Beinen und ſeinem Koͤrper. Zu⸗ 
letzt aber entdeckte er doch, daß er ein rechter Tyger war, und daß ſich die Natur nicht aͤn⸗ 
dern ließe. Phillips hatte auch zwo Zibethkatzen gekauft, welche vollkommen den Fuͤchſen 
glichen, und von eben der Groͤße, aber nur von einer lichten grauen Farbe, waren. Sie 
wurden in hölzernen Kaſten aufbehalten, und mit Mehle und gekochtem Waſſer ernaͤhret; 
ſie rochen aber ſo ſtark, daß er ihnen niemals nahe kommen mochte. Sie kauften verſchie⸗ 
dene Meerkatzen, Baviane und Papageye, jeden fuͤr ein Stuͤck von Achten, von einem hol⸗ 
laͤndiſchen Interloper, der von Angola kam, wo die beſten gruͤnen Papageye ſeyn ſollen. 
Heftiger Tor⸗ Den ıöten hatten fie einen außerordentlichen heftigen Tornado, in welchem ihr beſtes 
nado. Ankerſeil und ihr Stromtau riß. Den folgenden Tag, da ſie ihren beſten Anker lichten 
wollten: fo riß ihr großes Tau, welches neu, und ſechzehn Zoll dick war, und noch nie vor- 
her ins Waſſer gekommen. Dieß iſt der aͤrgſte anhaltende Grund, den er jemals gekannt 
hatte, welches ſie denn noͤthigte, alle Abend und Morgen den Stromanker zu lichten, damit 
er ſich nicht fo feſt in den Thon ſetzte, daß fie ihn nicht wieder herausbringen konnten. Es 
kamen wenig Schiffe hieher, welche nicht ihre Anker hinter ſich ließen, ſo wie es Phillipſen 
itzo mit feinem beſten ergangen. Da er unter Segel gieng: fo trieb ihn der Strom auf 
vier Meilen gegen Oſten von Akra, ungeachtet aller feiner Bemühungen, ſich gegen den 
Wind zu halten. 

Fluß Volt. Den ıgten waren fie neben dem Fluſſe Volta, wo das Waſſer ſehr ſeicht war; daher 
ſie davon abſtießen, und den Bleywurf alle halbe Stunden zur Hand nahmen. Als ſie uͤber 
die Sandbank gekommen, welche der gewaltige Strom dieſes großen Fluſſes uͤber drey Seemei⸗ 
len in die See geführet hatte: fo wurde das Waſſer tief. Man ſagte dem Verfaſſer, daß vers 
mittelſt des Stromes von dieſem Fluſſe, das Waſſer zwo oder drey Seemeilen weit friſch ſey. 
Allein da ers verſuchte: fo fand er es auf der Bank gegen die Spige zu eben fo ſalzigt, als 
es ſonſt irgend wo war. 

Alampokuͤſte Den ıgten, da fie an der Kuͤſte Alampo waren, kam ein Canoe mit drey Weibern 

und Schwar⸗ und vier Kindern zu verkaufen. Sie forderten aber fehr viel für fie, ob fie wohl nicht 

ze. werth waren, zu kaufen; denn ſie waren bloße Gerippe, und ſo ſchwach, indem ſie ganz aus⸗ 
gehungert waren, daß fie nicht ſtehen konnten. Der Schiffer von dem Canoe verſprach 
zwey oder dreyhundert Sklaven, wenn er ans Ufer kommen, und zweene oder drey Tage da⸗ 
ſelbſt bleiben wollte. Allein, weil er von den uͤbrigen nach der gebrachten Probe urtheilte, 
und nicht gern einem Volke trauen wollte, wo ſie nicht zu handeln pflegten, und keine Fa⸗ 


ctorey hatten: fo lehnte er ſolches ad. 
Der 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 409 


Der Verfaſſer bemerket, daß die Eingebohrnen allhier fuͤr die ſchlechteſten und den Aus- 1694 
wurf von allen gehalten werden, die man nach Weſtindien bringt, wo fie am wenigſten gel- Phillips. 
ten. Er weis aber nicht warum; denn fie ſcheinen ihm eben fo friſch und ſtark zu ſeyn, als — —" 
irgend einige andere Schwarzen. Der bloße Unterſchied, den er darunter wahrnahm, iſt, 
daß ſie nicht ſo ſchwarz, und daß ſie insgeſammt beſchnitten waren, welches ſonſt keine 
Schwarze auf der ganzen Kuͤſte waren, ſo viel er wahrnehmen konnte. Die Schwarzen 
von der Goldkuͤſte, oder wie ſie ſolche nennen, die Kormantiner, werden zu Barbados ſehr 
geſucht; und ſie gelten das Stuͤck drey oder vier Pfund mehr, als die Whidaw⸗ oder wie 
ſie ſolche nennen, die Papaſchwarzen. Allein, dieſe werden den Angolaſchwarzen, ſo, 
wie dieſe den Alampoſchwarzen, vorgezogen, welche für die ſchlechteſten unter allen ges 


halten werden 1). - 
Der VAbſchnitt. 


Whidaw oder Auedaw. Die Eingebohrnen find Sklaven zu kaufen und zu zeichnen. Haupt⸗ 
diebiſch. Unertraͤgliche Musquitos. Der Haupt⸗ mann der Sklaven und des Landes. Die 
mann geht mit dem Factore hin, den Koͤnig zu Schwarzen erſchrecken vor der Sklaverey. 
beſuchen. Sein Thron und Staat. Audienz und Schutzſchrift fuͤr ſie. Der Kaboſchiren Abga⸗ 
Bewirthung der Engländer. Des Koͤnigs Ver⸗ ben. Art zu vergiften. Eine ſubtile Spezerey. 
ſchlagenheit. Preis, der für die Güter aus: Luſtige Geſchichte. Portugieſen find große 
gemacht wird. Krankheit der Euglaͤnder. Art, Vergifter. 


Den 2often kamen fie nach Whidaw oder Quedaw x), ungefähr ſechzig Seemeilen Whidaßw oder 
von Akra gegen Oſten, und den folgenden Tag giengen die beyden Hauptleute in Quedaw. 
Begleitung ihrer Aerzte und Buchhalter, und ungefaͤhr ein Dutzend bewaffneter Seeleute 
zu ihrer Wache ans Ufer, um ſich daſelbſt ſo lange aufzuhalten, bis ſie dreyzehnhundert 
Sklaven kaufen koͤnnen, um die Zahl der ſiebenhundert fuͤr den Hannibal, und der ſechs⸗ 
hundert und funfzig für den oſtindiſchen Kaufmann vollzumachen, wegen welcher fie mit 
der Compagnie einig geworden. Sie brachten aber mit Anſchaffung derſelben auf neun 
Wochen zu. | 
Weil die Factorey ungefähr drey Meilen von der Seeſeite lag: fo ſchickte der Facto 

Joſeph Pierſon Haͤngebetten hinab, um ſich derſelben bey ihrer Landung zu bedienen, nebſt 
verſchiedenen bewaffneten Schwarzen zu ihrer Wache. Dieſe Haͤngebetten ſind an einer 
Stange gebunden, deren Enden auf den Köpfen zweener Schwarzen getragen werden, wel- 
che ſehr ſchnell gehen oder laufen. Dieſer Art zu reiſen bedienet man ſich ſonſt ſelten an 
einem andern Orte, als in Africa. 

Die Factorey ſteht im Moraſte, und iſt ſehr ungeſund; ſie war aber doch dem Haupt⸗ 
manne nuͤtzlich, feine Güter daſelbſt zu beherbergen, die ſpaͤt ans Ufer kamen, und nicht zu 
des Koͤnigs Stadt gelangen konnten, wo er ſein Waarenhaus hatte, ehe es finſter ward. 
In dieſem Falle wuͤrden ſie ſehr in Gefahr geweſen ſeyn, von den Schwarzen gepluͤndert Die Einge⸗ 
zu werden, welche fie trugen, und zur Ueberbringung ausgeſucht waren; denn ſie ſtohlen bohruen find 
ſogar bey Tage die Kowris, obgleich die Weißen Acht darauf hatten. Sie hatten Werk- diebiſch. 
zeuge wie Keile gemacht, die Faßſtaͤbe von einander zu treiben, und die Schalen herausfal⸗ 

len 
u) Phillips Reiſe auf der 211 und folgenden *) Der wahre Name iſt Fida oder Fidaw. Sie 
eite. wird von den Franzoſen Juda genennt. a 


Allgem. Reifebefchr, III Band. Fff 


1694 
Phillips. 


Unertraͤgliche 


Musgquitos. 


40 Reiſen nach Guinea und Benin, 


len zu laſſen; wenn einer von den Weißen hinankam, ſo zogen ſie den Keil aus, und alles 
ſchien wiederum dichte zu ſeyn. Dieſe Träger hatten ſtets ihre Weiber und Kinder bey 
ſich, die Beute wegzubringen. Die Weißen beklagten ſich Darüber oftmals bey dem Könige: 
allein die Schwarzen konnten ihre alte Gewohnheit nicht laſſen, ob fie gleich oftmals grau: 
ſam gepruͤgelt, und einige von ihnen verjagt wurden. 

Die Factorey war ihnen auch nuͤtzlich, weil ſie bey der Hand lag, die Sklaven zu em⸗ 
pfangen, die oftmals von der See zuruͤckkamen, wenn die Kaͤhne wegen des ſchlimmen Wet— 
ters, oder weil die See ſo hoch gieng, nicht ans Ufer kommen konnten, ſie abzuholen; ſo 
daß ſie zuweilen hundert von beyderley Geſchlechte auf einmal wegſchifften. 

Dem ungeachtet iſt es doch ein ſehr ſchlechter Ort, daſelbſt zu leben, wegen der benach⸗ 
bartem Suͤmpfe, von welchen ein garſtiger Geſtank, und eine große Menge von Musqui- 
tos hervorkoͤmmt. Dieſe ſind ſo unerträglich und beſchwerlich, daß, wenn man nicht Sau: 
danum oder ſonſt ein anderes Opiatum einnimmt, es unmöglich iſt, in den Schlaf zu kom— 
men. Die eine Nacht, da der Verfaſſer da cchlief, war die unruhigſte, die er jemals ge⸗ 
habt hatte. Denn er hatte noch nicht uͤber eine Stunde in des Factors Bette gelegen: ſo 
wurde er von dieſen kleinen Thieren dergeſtalt gemartert, daß er gezwungen war, wiederum 
aufzuſtehen, ſich anzukleiden, Handſchuhe anzuziehen, und ein Schnupftuch uͤbers Geſicht 
zu decken, bis der Tag anbrach, welches ihm aber doch vor ihren Stichen nicht verwah— 
ren konnte. 


Geht mit dem Herr Pierſon, der ein munterer Mann war, hatte guten Vortheil bey dem Koͤnige, 


ne hin 


den König zu 
be ſuchen. 


und großes Anſehen bey dem Volke. Weil er ihre Gemuͤthsart kannte, welche ſehr verzagt 
iſt: ſo wußte er, wie er mit ihnen rauh und freundlich umgehen ſollte, nachdem es die Gele— 
genheit erforderte. Viele von ſeinen zur Factorey gehoͤrigen Sklaven waren Schwarze 
von der Goldkuͤſte, die ſehr kuͤhn, tapfer und empfindlich ſind. Sie waren ihm auch ſehr 
ergeben, und zehne von ihnen wuͤrden die beſten vierzig Mann ſchlagen, die der Koͤnig von 
Whidaw hatte. 

Von der Factorey bis zur Koͤnigsſtadt ſind ungefaͤhr vier Meilen, durch ſehr angeneh- 
me Felder voller indiſchen und guineiſchen Korns, Potatoes und Pame in großer Menge, 
wovon fie jährlich zwo große Erndten halten. 

Auf dem Wege dahin trifft man verſchiedene kleine Doͤrfer oder Haufen von Häusern 
an, die von den Schwarzen Krums genennt werden, und deren jedes von ihnen einen 
Hauptmann hat. Wenige von den Haͤuſern ſind uͤber fünf Ellen hoch. Sie haben insgeſammt 
kein Licht, außer des Hauptmanns ſeinem, welches ein Loch in der Wand hat, und den 
Schaͤferhuͤtten in Wallis ſehr gleich iſt. Sie haben groͤßten Theils nur einen Saal, wo ſie 
gemeiniglich auf der bloßen Erde zuſammen eſſen und ſchlafen. Die Kaboſchiren haben 
eine Matte unter ſich und einen Stein, oder ein hartes Buͤndel zu einem Kuͤſſen. 

Bey ihrer Landung ſchickte der Koͤnig zweene von ſeinen Kaboſchiren oder Edelleu— 
ten zur Factorey, mit feinen Complimenten. Sie zeigten denſelben durch einen eigenen Bo— 


then zu Fuße an den König an, fie wollten ihm den folgenden Tag aufwarten. Er war 


aber mit dieſer Antwort nicht zufrieden, ſondern ſchickte noch zweene Große ab, ſie einzu⸗ 
laden, ſie moͤchten dieſen Abend kommen. Dieſe ſagten, er erwartete ſie, und alle vorige 
Hauptleute hätten ihm den erſten Abend aufgewartet. Weil fie nun Seiner Majeſtaͤt 
nicht gern vor den Kopf ſtoßen wollten: ſo wurden alle diejenigen, welche * hatten, 
nebſt dem Herrn ka nach des Königs Stadt gebracht. ei 
ie 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. Au 


Sie wurden an dem Thore des Pallaſts von einigen Kaboſchiren empfangen, welche 
ſie mit den gewoͤhnlichen Ceremonien begruͤßten, da ſie zuerſt in ihre eigene Haͤnde klopften, 
hernach jener ihre nahmen, und ſolche herzlich ſchuͤttelten. Da fie in den Hof des Pallaſtes 
hinein giengen: ſo fielen alle Edlen bey der Thuͤre des Zimmers, wo der Koͤnig war, auf die 
Knie, klopften in ihre Haͤnde, ſtießen mit der Stirm auf die Erde und kuͤßten ſolche, welches 
ſie dreymal wiederholeten, als . r die gewöhnliche Ceremonie war, wenn fie den Koe 
nig faben. 

Seine Majeſtaͤt kuckten hinter einem Vorhange hervor, und winkten den Englaͤndern 
zu; worauf ſie ſich dicht zu dem Throne verfuͤgten, der von Thone war, ungefaͤhr zweene 


1694. 
Pbillips. 


Thron und 
Staat. 


Fuß hoch von der Erde, und auf fechs Fuß viereckigt, mit alten ſchmutzigen ſtets zugezoge⸗ 


nen Vorhaͤngen umgeben; denn er wollte feinen Raboſchiren nicht erlauben, fein Antlitz 
zu ſehen. Er hatte zwey oder drey kleine ſchwarze Kinder bey ſich, und rauchte Tobak aus 
einer langen hölzernen Pfeife, deren Kopf ſo groß zu ſeyn ſchien, daß er eine Unze hielt. 
Er ſaß bey einer Butellje Brandtewein, und einer kleinen ſchmutzigen ſilbernen Schale 
neben ſich, auf dem Throne. Sein Kopf war mit einer Rolle groben Calico umwunden, 
und er hatte einen flüchtigen rothen damaſtenen Rock zu feiner Bedeckung. Er hatte Roͤcke 
und Maͤntel von reichem Silber und Gold; geſtickte ſeidene, mit Blumen von kleinen bun⸗ 
te / Knoͤpfen beſetzet, welche ihm, wie er ſagte, von weißen Hauptleuten geſchenkt worden, die 
allhier gebandelt hätten; und er zeigte oftmals die große Mannichfaltigkeit, die er davon hatte. 
Allein Seine Majeſtaͤt trugen in ihrem Leben niemals weder Schuhe noch Strümpfe Y). 
Sie gruͤßten ihn mit ihren Huͤten, und er nahm ſie bey der Hand und ſagte: „Es 

f „wäre ihm lieb, fie wohl zu ſehen; denn er liebte die Engländer herzlich; fie 
„ waͤren feine Bruder, und er wollte ihnen alle gute Dienſte leiſten, die er nur 
„ koͤnnte . Sie dankten ihm durch feinen Dollmetſcher, und verſicherten ihn von der Ge— 
ſellſchaft in England Zuneigung, als welche, ungeachtet es an vielen andern Orten noch mehr 
Schwarze gäbe, die um ihre Kundſchaft anhielten, dennoch alle ihre vortheilhaften Anerbie— 
thungen ausgeſchlagen, und fie hieher geſchickt haͤttte, um mit ihm zu handeln, und fein Land 
mit den Nothwendigkeiten zu verſehen. Sie hoffften daher, er wuͤrde ihnen ſchleunig ihre 
Ladung Sklaven verſchaffen, als weswegen ſie dieſſe Reiſe gethan haͤtten, und ſeine Kabo— 


ſchiren anhalten, daß fie fie in dem Preiſe nicht uͤlbberſetzten, welches fie alles ihren Herren 


getreulich wieder erzaͤhlen wuͤrden, wenn ſie nach Emgland kaͤmen. Er antwortete: die afri⸗ 
caniſche Compagnie wäre ein guter braver Mann; er liebte ihn, und man woll⸗ 
te aufrichtig mit ihm handeln. Allein man durfte ſich auf ſein Verſprechen eben nicht 
verlaſſen, und ungeachtet ihm feine Kaboſchiren ſo viel Ehrerbiethung erwieſen: fo durfte 
er doch nichts thun, als was ihnen gefiel. 

Er verlangte, ſie ſollten ſich auf eine Bank dicht neben ihm niederſetzen, welches ſie 
thaten. Darauf trank er feines Bruders, des Koͤniges in England, Geſundheit, den Flor 
der africaniſchen Compagnie, und das Willkommem des Hauptmanns in Brandteweine und 
Pitto. Diecß iſt ein liebliches Getraͤnk aus indianifchem Korne im Waſſer eingeweicht. 
Einiges iſt ſo ſtark, daß es ſich drey Monate haͤlt, und ein Noͤßel kann einen Menſchen voll 
machen. Es trinkt ſich faſt, wie friſch engliſch Bier. Sie hatten nicht lange gewartet, als 
eine Mahlzeit auf einem kleinen viereckigen Tiſche gebracht wurde, mit einem alten Stuͤcke 

Fff 2 5 Zeuge 
5) Phillips Reiſe nach Guinea, auf der 214 und folgenden Seite. 2 


5 DerEnglätis 
der Audienz 


und Bewir⸗ 
thung. 


1694 
phillips. 


Des Koͤnigs 
Verſchlagen⸗ 
heit. 


Preis wird 
ausgemacht. 


U 


42 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Zeuge zum Tiſchtuche, alten geſchlagenen zinnernen Tellern und Löffeln; wie auch ein großes 
zinnernes Becken von eben der Farbe, als das Geſicht Seiner Majeſtaͤt, welches mit ges 
kochten Vögeln und Brühe angefüllt war, und ein hoͤlzernes Gefäß mit geſottenen Potatoes 
an ſtatt des Brodtes. Sie hatten weder Servietten noch Meſſer noch Gabel; denn ſie 
zerreißen ihre Speiſen ſtets mit den Fingern. Außerdem waren die Voͤgel fo weich ges 
kocht, daß man ſie nicht zerſchneiden konnte. Sie hatten keine große Luſt zu ihren Lecker⸗ 
bißchen; dennoch aßen fie aus Gefaͤlligkeit ein Paar Loͤffel voll von der Brühe, welche mit 
Maleghetta und rothem Pfeffer ſehr wohl gewuͤrzet war. 

Sie tranken oftmals Seiner Majeſtaͤt zu, aus einer von Cocoa-Nußſchalen gemachten 
Schale. Alles Silbergeſchirr, was ſie ſahen, war ein kleiner ſilberner Trinkbecher. Er beugte 
ſich gegen ſie, kuͤßte ſeine Hand, und brach oft in ein erſchreckliches Gelaͤchter aus. Als ſie 
gegeſſen hatten: ſo gab er einige von den Voͤgeln aus der Bruͤhe mit ſeiner eigenen Hand 
den kleinen Kindern bey ihm, und die übrigen feinen Edlen, welche darnach auf ihrem Baus 
che wie fo viele Hunde hinkrochen, und Loͤffel aus ihren Händen machten, die fie in die Bruͤ⸗ 
he eintuͤtſchten, und darauf ableckten; ein ſehr ekelhafter Anblick für Phillipſen. 


Nach Tiſche fragte der König nach dem Hauptmanne Schurlep; und als man ihm ges 
ſagt, er wäre zu Akra geſtorben, fo brach er ploͤtzlich in ein lautes Heulen und Geſchrey aus; 
rang ſeine Haͤnde, und wiſchte oft ſeine Augen ab, obgleich keine Zaͤhre herauskam, und 
ſagte: Schurley waͤre ſein großer Freund geweſen. Er ſagte, man haͤtte ihn auf der 
Goldkuͤſte mit Gifte vergeben. Darauf berichtete er ihnen, Hauptmann Schurley hätte 
ihm verſprochen, Gewehr, Gemaͤlde, ſeiden Zeug, und viel andere Dinge zum Geſchenke 
mitzubringen. Und als Herr Clay ſagte, es waͤren dergleichen Sachen nicht am Borde: ſo 
ſchien er darüber verdrießlich zu ſeyn, und erwiederte, er wuͤßte gewiß, daß es mitgekom⸗ 
men; weil aber Schurley geſtorben, ſo wuͤrde ers fuͤr ſich behalten wollen. Um ihn zu 
beruhigen, verſprach ihm Clay, ihn mit Flinten, ſeidenem Zeuge u. d. g. zu beſchenken, wel- 
ches er zu dieſem Ende von der africaniſchen Compagnie hatte. Nachdem der Koͤnig ſich 
erkundiget, was fuͤr Arten von Guͤtern ſie haͤtten, und wie viele Sklaven ſie brauchten: ſo 
nahmen ſie Abſchied. 

Den Morgen darauf warteten ſie Seiner Majeſtaͤt, ihrem Verſprechen gemaͤß, mit 
Proben von ihren Guͤtern auf, und machten ihr Palavera oder ihren Vergleich 2) wegen 
des Preiſes, wie viel fie namlich von einer jeden Art Güter für einen Sklaven geben follten. 
Dieß geſchah nicht ohne Schwierigkeit; denn er und feine Kaboſchiren forderten ſehr 
viel. Endlich wurden fie doch auf hundert Pfund Rowris für ein Stuͤck eins, wovon er 
von hunderten vier Pfund bekam. Darauf wurden ihnen Waarenhaͤuſer, eine Kuͤche und 
Wohnungen angewieſen. Keins von ihren Zimmern aber hatte Thuͤren, bis ſie ſolche mach— 
ten, woran ſie denn Schloͤſſer ſchlugen. Den folgenden Tag bezahlten ſie dem Koͤnige und 
den Kaboſchiren den Zoll. Darauf ward befohlen, daß die Klocke herumgehen ſollte, 
allem Volke Nachricht zu geben, ſie moͤchten ihre Sklaven nach dem Trunk 4) bringen, ſie 
zu verkaufen. Dieß iſt eine eiſerne Klocke, wie ein hohler Zuckerhut, wovon die Hoͤhlung auf 
funfzig Pfund Kowris halten wuͤrde. Sie wurde mit einem Stecken geſchlagen, und 
gab einen kleinen todten Klang. f 


Waͤhrend 
2) Palavera heißt in den weſtlichen Gegenden ein Streit oder Zank. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 413 


Während ihres Aufenthalts lud fie der König alle Morgen zum Fruͤhſtuͤcke, woſelbſt 1694 
fie ſtets einerley Gerichte von geſottenen Voͤgeln und Potatoes fanden. Er ſchickte ihnen Phillips. 
auch alle Tage ein Schwein, eine Ziege, ein Schaf oder einen Topf Pitto zu ihrer Tafel, 
und fie vergalten feine Höflichkeit mit drey oder vier Butelljen Brandtewein, welcher fein 
hoͤchſtes Gut iſt. Sie hatten ihren Koch am Ufer, und ſpeiſten fo gut, als fie konnten, in⸗ 
dem die Lebensmittel überflüßig und wohlfeil waren. Sie verlohren aber bald die Luft zu Krankheit 
effen durch Krankheit; indem viele von ihren Leuten das Fieber, und Phillips ſelbſt ein der Englän, 
heftiges Kopfweh hatten; ſo daß er kaum ohne Beyſtand nach dem Trunk gehen konnte, der. 
und daſelbſt von dem Geſtanke der Schwarzen oftmals ohnmaͤchtig wurde. Denn es war 
ein altes Haus, worinnen alle Sklaven zuſammen gehalten wurden, und fie leerten ſich da⸗ 
ſelbſt aus, wo ſie lagen, ſo daß alſo kein heimliches Gemach aͤrger ſtinken konnte. Weil 
er nun genoͤthiget war, daſelbſt drey oder vier Stunden hintereinander zu ſitzen: fo verderbte 
ſolches feine Geſundheit völlig; dem war aber nicht ab zuhelfen. Hauptmann Clay und 
der Verfaſſer machten es mit einander aus, ſie wollten wechſelsweiſe dahin gehen, ein jeder 
einen Tag, um den Streitigkeiten und Uebervortheilungen vorzubeugen, wodurch die Preiſe 
nur erhoͤhet werden; indem die Schwarzen wohl wiſſen, wie ſie ſich ſolcher Gelegenheiten 
bedienen ſollen, und wie ſie fanden, beſtaͤndig verſuchten, ein Misverſtaͤndniß unter ihnen 
in dieſer Abſicht zu erwecken. . g 1 

Bey dem Trunk wurden des Königs Sklaven zuerſt zum Verkaufe dargebothen, und Art, Skla⸗ 
die Kaboſchiren noͤthigten ſie gewiſſermaßen, ſolche zu kaufen, ehe ſie ihnen einige andere ven zu kau⸗ 
zeigen wollten; indem fie ſagten, dieß wären Keys Coſa und müßten nicht ausgeſchlagen fen 
werden, ob ſie wohl nicht nur uͤberhaupt die ſchlechteſten, ſondern auch die theuerſten waren. 

Weil dieß aber eins von Seiner Majeſtaͤt Vorrechten war, ſo half nichts darwider. Als 
dieſes geſchehen, ſo brachten die Kaboſchiren ihre Sklaven, ein jeder nach ſeinem Range 
und ſeinem Stande. Der Wundarzt unterſuchte, um zu ſehen, ob ſie geſund waͤren, ihren 
Athem und ihre Gliedmaßen genau; er ließ ſie ſpringen, ihre Aerme hurtig ausſtrecken, und 
ſah ihnen in den Mund, um von ihrem Alter zu urtheilen; denn ſie werden alle, ehe ſie zu 
Markte kommen, glatt geſchoren und geputzt, und mit Palmoͤle wohl geſchmiert; ſo daß es 
nicht leicht iſt, einen alten Sklaven von einem in ſeinen mittlern Jahren anders, als aus 
den verderbten Zaͤhnen, zu unterſcheiden. Am meiſten aber wird dafuͤr geſorgt, daß man 
keinen kaufet, der die Franzoſen hat, damit nicht die andern am Borde angeſteckt werden. 
Denn obgleich die Mannsperſonen von den Weibsperſonen durch Bretter und Verſchlaͤge 
abgeſondert find, um Streitigkeiten zu verhuͤten: fo werden fie doch zuſammen kommen. 
Dieſe Krankheit heißt die Naws, und iſt fehr gemein unter ihnen. Sie hat mit dem 
Tripper faft einerley Anzeichen und Zufaͤlle; daher der Wundarzt genöthiger iſt, beyderley 
Geſchlechte auf das ſorgfaͤltigſte zu unterſuchen. f 
Wenn ſie nun diejenigen, die ihnen anſtehen, ausgeſucht haben: fo kommen fie mit ein⸗ und zu bes 
ander überein, in was fir Gütern fie ſolche bezahlen ſollen. Da der Preis bereits ausge- zeichnen. 
macht worden: ſo braucht es nicht mehr vieles Haderns. Sie geben dem Eigenthuͤmer 
eine Anweiſung auf die ausgemachte Art von Guͤtern, und er bekoͤmmt ſolche, bey Ueberlie— 
ferung derſelben, den folgenden Tag. Darauf bezeichnen ſie die Sklaven auf der Bruſt 
oder Schulter mit einem heißen Eiſen, auf welchem der Buchſtabe von des Schiffs Na⸗ 
Fff 3 men 
4) Dieß iſt eine Art von Boͤrſe. 


* 


4¹4 Reiſen nach Guinea und Benin, a 
1694 men iſt, nachdem der Ort vorher mit Palmoͤle beſchmiert worden. Dieß macht nur we: 
Pbillips. nig Schmerzen, und iſt das Zeichen gemeiniglich in vier oder fünf Tagen gut, und erſcheint 
nachher 5) ſehr deutlich und weiß. . 
Sklaven⸗ Wenn ſie funfzig oder ſechzig gekauft haben: ſo ſchicken ſie ſolche an Bord. Man hat 
hauptmann, einen Kaboſchir, der den Titel fuͤhret, Sklavenhauptmann, deſſen Amt es iſt, ſie ſicher 
an die Waſſerſeite zu bringen, und nachzuſehen, daß ſie alle da ſind. Wenn unterwegens 
einer verlohren geht: ſo muß er ſolchen erſetzen; ſo wie der Hauptmann des Trunks, wenn 
einer weglaͤuft, ſo lange ſie unter ſeiner Aufſicht ſind. Dieſer letzte hat ſie unter ſeiner Auf— 
ſicht ſo lange, bis der Sklavenhauptmann ſie wegfuͤhret. Dieſe beyden Officier werden 
von dem Koͤnige deswegen beſtellt; und jegliches Schiff bezahlet einem jeden von ihnen fuͤr 
ihre Muͤhwaltung, einen Sklaven werth an Guͤtern, welche ihnen anſtehen, wenn es gehan— 
delt hat. Sie verrichten ihr Amt ſehr treulich; denn von dreyzehnhundert daſelbſt gekauf— 
ter Sklaven gieng nicht einer verlohren c). MRS | 
und Landes Man hat auch einen Landeshauptmann, der beſtellet ift, dahin zu fehen, daß die Schwar⸗ 
hauptmann. zen die zum Handeln ans Ufer gebrachten Waaren nicht ſtehlen, indem man oftmals genoͤ⸗ 
thiget iſt, die Guͤter aus Mangel der Traͤger eine ganze Nacht am Ufer zu laſſen. Unge⸗ 
achtet ſeiner Sorgfalt und ſeiner Macht aber, kommen ſie doch oftmals um vieles, und das 
kann nicht wieder gut gethan werden. 5 in 
Wenn die Sklaven an die Seeſeite gekommen ſind: ſo fuͤhren die Schiffskaͤhne ſie zu 
dem Langboote, welches fie an Bord des Schiffes bringt, wo ſie alle in Feſſel gelegt wer: 
den, zweene und zweene zuſammen, um ihrer Empörung vorzukommen, oder daß fie nicht 
ans Ufer ſchwimmen. 115 $ | Re Mt 
Der Schwar⸗ Die Schwarzen haben einen ſolchen Abſcheu, ihr Vaterland zu verlaffen, daß fie oft- 
zen Furcht mals aus dem Kahne, Boote oder Schiffe in die See geſprungen ſind, und ſich unter dem 
vor der Skla· Waſſer gehalten haben, bis fie erfoffen find, damit fie nur nicht von den Booten ergriffen, 
er und gerettet würden, die ihnen nachfuhren. Sie fürchten ſich weit erſchrecklicher vor Har⸗ 
bados, als vor der Hölle, ob fie gleich daſelbſt wirklich beſſer leben, als in ihrem Vater⸗ 
lande. Sie haben auch einige von den Seehunden freſſen geſehen, wovon ſich eine große 
Anzahl um das Schiff herum an dieſem Orte aufhaͤlt; und man hat dem Verfaſſer er- 
zaͤhlet, daß ſie ſolchem bis nach Barbados wegen der todten Schwarzen folgen wuͤrden, die 
man uͤber Bord wuͤrfe. Phillips ſaget, ſie haͤtten alle Tage einige unterwegens geſehen, 
er koͤnnte aber nicht ſagen, ob es ſtets eben dieſelbigen geweſen. 
Schutzſchrift Sie hatten ungefähr zwoͤlf Schwarze, die ſich freywillig erſaͤuften, andere hungerten ſich 
fuͤr ſie. zu Tode. Denn ſie glauben, wenn ſie ſterben, ſo kehrten ſie zu ihren Freunden und in ihr 
Land zuruͤck. Man rieth Phillipſen, er ſollte einigen Arm und Beine abſchneiden, um den 
uͤbrigen eine Furcht einzujagen, wie es andere Hauptleute gemacht: er ließ ſich aber nicht 
bereden, mit ſolcher Grauſamkeit gegen arme Geſchoͤpfe umzugehen, die ſowohl ein Werk 
der Hand Gottes, und ihm ohne Zweifel eben ſo lieb ſind, als die Weißen. Er konnte ſich 
auch nicht vorſtellen, warum fie ihrer Farbe wegen ſollten verachtet werden, als welche fie 
von Natur haben; oder daß die Weiße innerlich eine beſſere Farbe ift, als die Schwaͤrze. 
Er beobachtet, daß alle Arten von Leuten geneigt ſind, in ihrer eigenen Sache vortheilhaft 
zu urtheilen, und daß die Schwarzen zur Verachtung der weißen Farbe ſagen, der Teufel ſey 
weiß, und daß ſie ihn auch ſo malen. Für 
6) Aber nicht lange. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch II Cap. 415 


Fuͤr jeden Sklaven, welchen die Kaboſchiren ihnen oͤffentlich verkauften, mußten ſie einen 1694 
Theil der dafür empfangenen Guͤter dem Könige als einen Zoll abgeben, vornehmlich die Phillips. 
Buſier, von denen er eine kleine Schale voll aus jedem Maaße herausnahm. Dieſes zu Der Kabo⸗ 
vermeiden ließen fie oft des Nachts den Hauptmann nach ihren Haͤuſern holen, und ver- ſchiren Abs 
kauften ihm zweene oder drey Sklaven zugleich, und er ſchickte ihnen eben ſo geheim die da- gaben. 
für verlangten Güter, Allein fie thaten dieſes nicht fehr oft, aus Furcht den König zu be— 
leidigen, der ihnen verbothen hatte, ſonſt nirgend, als bey dem Trunke, zu handeln. Da 
er einige von ſeinen Weibern und Unterthanen verkauft hatte: ſo wollte er ſolche zuweilen 
ausloͤſen, und verlangte, fie gegen andere zu vertauſchen, welches fie oftmals freywillig tha— 
ten, und er ſehr gnaͤdig aufnahm. * i 

Der Verfaſſer forſchte nach ihrer Art zu vergiften ſehr genau, die man fo ſehr fuͤrchtet, Art zu ver⸗ 
und wovon in der Welt ſo viel geredet wird. In dieſer Abſicht ſprach er mit verſchiedenen giften. 
Kaboſchiren. Er nahm fie, einen auf einmal, in fein Waarenhaus. Nachdem er fie 
nun daſelbſt mit Brandteweine und anderm ſtarken Getraͤnke, als dem Schluͤſſel zu den mei: 
ſten Geheimniſſen, wohl erhitzt, ihnen viel Guͤtigkeit bezeuget, und ihnen einige Geſchenke 
gemacht hatte: ſo bath er ſie, ihm aufrichtig zu erzaͤhlen, wie ſie die Weißen vergifteten; 
ob ſolches eine gemeine Gewohnheit unter ihnen waͤre, und was fuͤr ein Gegengift dawider 
ihnen als das ftärffte bekannt wäre. Alles, was er von ihnen herausbringen konnte, war, 
daß ſehr hoch in dem Lande hinauf ein Gift verkauft wuͤrde, welches aber ſo theuer waͤre, 
daß ſo viel, als zur Vergiftung eines Mannes diente, den Werth von drey oder vier Skla⸗ ig 
ven goͤlte; daß die gemeine Art, wie man ihnen berichtet, dieſe wäre, daß man es ins Waſ⸗ Eine fubtile 
fer, oder anderes Getränke thäte, welches die Perſon traͤnke; daß gemeiniglich die kleine SPY. 
Kugel Gift unter den Nagel ihres kleinen Fingers geſteckt wuͤrde, als welche Naͤgel ihnen 
ſehr groß wachſen; daraus ſie denn ſolche unvermerkt in den Kalabaſch oder die Schale 
traͤufelten. Es loͤſte ſich dieß Gift den Augenblick auf, und wäre von ſolcher Staͤrke, daß 
nichts ſeiner Kraft widerſtehen koͤnnte, wenn es recht zubereitet wuͤrde. Sie ſetzten hinzu, 
ſie wuͤßten nicht, daß es jemals in dieſem Lande waͤre gebraucht worden; und ſie glaubten, 
die vornehmſte Urſache davon waͤre deſſen Seltenheit und Theure. | 

Phillips bath bey feinem erften Beſuche den Koͤnig, er moͤchte doch Sorge tragen, daß 
ihnen kein Gift beygebracht wuͤrde. Der König lachte darüber, und ſagte, es waͤre der⸗ 
gleichen in allen ſeinen Herrſchaften nicht. Der Verfaſſer aber bemerket, daß er nicht mit 
den Englaͤndern und ſeinen Kaboſchiren aus eben der Schale trinken, noch ihren Brandte⸗ 
wein aus der Butellje koſten wollen, bis ſie zuerſt getrunken hatten. 5 

Seine Kaboſchiren hingegen trunken aus einer jeden Schale, die er ihnen gab, und be— 
ſuchten die Factorey drey⸗ oder viermal des Tages, wo ein jeder ein großes Glas Brandte⸗ 
wein haben mußte, welches ſie freywillig hinuntergoſſen. Wenn die Englaͤnder zu dem 
Trunke giengen: ſo mußten ſie drey oder vier Butelljen Brandtewein mitnehmen, um da⸗ 
durch den Kauf zu beſtaͤtigen; und dieſe Herren von Adel bettelten oft um Getraͤnke, unter 
dem Vorwande, ſie haͤtten eine neue Frau genommen, und muͤßten ſich luſtig machen. Es 
wurde ihnen auch allezeit gegeben, um ſie bey guter Laune zu erhalten. W a 

Ben dieſer Gelegenheit erzaͤhlet der Verfaſſer, es habe der weiberſuͤchtige alte König Luſtige Ge: 
von Whidaw an einem Abende insgeheim zu ihm geſchickt, und ihm ſagen laſſen, weil er ſchichte. 

g a Ki a an 
e) Phillips Reife a. d. 217 u. f. S. i 


8 


1694 
phillips. 


416 Keifen nach Guinea und Benin, Be 


ein artig junges Maͤgdchen geheirathet, bey der er die Nacht fchlafen wuͤrde: ſo baͤthe er 
um ein Geſchenk von einem kleinen Faͤßchen Brandteweine, ſolches ihren Freunden zu ge⸗ 
ben, um fie luſtig zu machen, und uͤberdieß möchte er feinem Arzte befehlen, ihm einen 
Staͤrktrank zu verfertigen. Im beyden wurde ihm gewillfahret; und der Arzt bereitete 


ie ihm eine gute Herzſtaͤrkung, welche zu des alten Mannes Abfichten kraͤftig genug war, und 


Portugieſen 
ſind Vergif⸗ 
ter. 


Des Koͤnigs 
Serail, 


und Eifer» 
ſucht. 


den folgenden Tag ſprach er mit vielem Lobe von dem Arzte, den er mit zweenen guten 
Maͤnteln beſchenkte. 3 | — * 3 1 

Auf dem Eylande St. Thomas ſind die Portugieſen im Vergiften ſo geſchickt, daß, 
wenn fie, wie Phillips gehört hatte, Speiſen von einem Stuͤcke mit einerley Meſſer ab⸗ 
ſchneiden, das Stuͤck, welches ſie fuͤr ihren Feind abſchneiden, vergiftet iſt, das andere nicht, 
indem bloß die eine Seite von dem Meſſer vergiftet iſt. Dem ungeachtet aber geſteht er, 
er könne ſolches nicht aus feiner eigenen Erfahrung für eine Wahrheit ausgeben, ſondern 
muͤßte fügen, daß weder ihm, noch feinen Leuten, einiger Schaden geſchehen ſey, da er die⸗ 


ſes Eyland beruͤhret d). a 
| Der VI Abſchnitt. 
von dem Koͤnige gethan worden. Des Siegert 


Des Könige von Whidaw Serail. Seine Eifer: 


ſucht. Die franzoͤſiſche Faetorey. Eine Neger⸗ 
garkuͤche. Laͤrmende Andacht. 


Huͤlfloſe hoͤl⸗ 
zerne Goͤtter. Der Schwarzen Vertheidigung 
derſelben. Ihre Fatiſchen und Eidſchwuͤre. Ar⸗ 
kani. Ihr Handel wird unterbrochen; verur⸗ 
ſachet einen Krieg. Fatiſch oder Eidſchwur, der 


Triumph. Fatiſch oder Bezauberungen. Schutz⸗ 
thiere. Des Königs Fatiſchman. Seine Art, 
die See 0 beſaͤnftigen, und den Tod wegzuzau⸗ 
bern. Des Königs Perſon. Seine Kaboſchi⸗ 
ren. Schlechte Landung zu Whidaw. Unter⸗ 
richt fuͤr Handelsleute. 


f ihnen arbeiten, und ſprachen mit ihnen. 


Der Koͤniges Weiber leben in einer Stadt 15 ſich. Der Verfaſſer gieng mit andern 
in Geſellſchaft dahin, und da ſie uͤber die Mauer kuckten, ſahen ſie verſchiedene von 
ö Der franzoͤſiſche Factor, der etwas zu vorwitzig 
war, gieng hin, das Thor zu öffnen, welches mit Weiden zugemacht war, worauf alle Wei⸗ 
ber ſchreyend davon liefen, und ſogleich kamen einige Kaboſchiren von dem Koͤnige, welche 
verlangten, fie möchten ſolches unterlaffen, und weggehen, welches fie insgeſammt willig 
thaten, außer dem Franzoſen, der ſchwerlich dazu konnte beredet werden. 8 


Den folgenden Morgen beym Fruͤhſtuͤcke redete der Koͤnig ganz ſanftmuͤthig von ihrer 


— 


Grobheit, indem es wider die Geſetze des Landes waͤre, daß irgend jemand zu der Stadt 


ſeiner Weiber gienge. Er ſagte aber, er entſchuldigte ſolches bey ihnen als Fremden, doch 
bath er, ſie moͤchten ſolches kuͤnftig nicht mehr thun. Sie verſprachen ſolches, und bezeug⸗ 
ten, wie es ihnen leid waͤre, daß ſie ihm unwiſſend etwas zu Leide gethan haͤtten. Er nahm 
ihre Entſchuldigung an, war aber uͤber den Franzoſen ſehr ungehalten, welcher, wie er ſagte, 
die Geſetze des Landes wüßte, und fie nicht hätte dahinfuͤhren ſollen, wobey er drohete, ihn 
ſolches ſchon empfinden zu laſſen. Phillips nahm darauf, um ihn zu entſchuldigen, alles 
über ſich, und verficherte feine Majeſtaͤt, er hätte fie zufälliger Weiſe dahin gefuͤhret; und 
aus keiner andern Abſicht uͤber die Mauer gekuckt, als zu ſehen, was fuͤr eine brave Stadt 
er für feine Weiber Hätte, damit er eine Nachricht davon geben koͤnnte, wenn er 27 
. - ö n. 

phillips Reiſe auf der 219 und folgenden e) Das ift, verrotteter Fiſch mit Maismehle ver⸗ 
Seite mengt. Im Originale wird es Kancy geſchrieben. 


7 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 47 


nach England gienge. Der Koͤnig nahm ihn darauf bey der Hand, und ſagte, wenn es 1694 
nur das wäre, fo wäre es ihm ſehr leid, daß er etwas davon geſagt hatte, und er wollte auf Phillips. 
den Franzoſen nicht ungehalten ſeyn. fi | | en 
Dieſer arme franzöfifche Factor und fein Gehuͤlfe lebten in einem kleinen leimernen Franzoͤſiſche 
Hauſe, nahe bey des Koͤnigs ſeinem. Es war in drey oder vier Jahren kein franzoͤſiſches Sartre. 
Schiff da geweſen; ſo daß ſie bloß von des Koͤnigs Gnade leben mußten, und keine Gele⸗ 
genheit hatten, von da wegzukommen. Der Hauptmann hatte ſie die meiſten Tage zu 
Tiſche, und gab ihnen bey ſeiner Abreiſe einige Lebensmittel. Er erboth ſich auch, ſie auf 
feinem Wege nach Martinik, mit nach Barbados zu nehmen. Weil fie aber befuͤrchteten, 
man moͤchte ihnen daſelbſt uͤbel begegnen, indem ſie Feinde waͤren: ſo wollten ſie es nicht 
darauf wagen. al rg 6 4 1 . 
Nahe bey des Koͤnigs Stadt ſind dreyßig oder vierzig große Baͤume in einiger Ord⸗ 
nung und in einer Linie gepflanzt, welche den angenehmſten Spaziergang in dieſem Lande 
machen; indem die Zweige fo dicke find, daß fie die Sonne abhalten, und eine ſchoͤne fühle, 
duft daſelbſt machen. Unter dieſen Bäumen brachte der Verfaſſer feine meiſte Zeit zu. 
Hier wurde ein kleiner Markt gehalten, und unter andern Dingen bemerkte er auch daſelbſt 
eine Garkuͤche, welche er der Neuigkeit wegen beſchreibt. Sr 
Sie wurde an dem Fuße eines großen Baumes gehalten. Der Wirth davon hatte Eine Nege 
an ſtatt des Tiſches ein Stück flaches Holz, ungefähr einer Elle breit, welches auf der Erde garkuͤche. 
ſtund. Das Eſſen war gekochtes Rind- und Hundefleiſch, welches in eine rohen Kuͤhhaut 
gewickelt war, und auf der einen Seite lag. Auf der andern Seite ſtund ein irdener Topf 
mit gekochtem Kankis e) darinnen, welches ſtatt des Brodtes dienete. Wenn nun einer 
zu ſpeiſen kam: ſo ſetzte er ſich bey dem Tiſche auf die Knie nieder, und legte acht oder neun 
Kowriſchalen darauf. Der Koch ſchnitt ihm alsdann von demjenigen, was er erwaͤhlte, 
ſehr ehrlich ſo viel ab, als er bezahlt hatte, gab ihm ſein Stuͤck Kanki, und etwas Salz. 
Wenn dieß für feinen Magen noch nicht genug war: fo legte er noch mehr Schalen hin, 
und bekam mehr Eſſen. Der Verfaſſer hat auf acht oder neune auf einmal um ſeinen Tiſch 
geſehen, die er alle ſehr geſchickt und ohne die geringſte Verwirrung bediente. Wenn ſie 
trinken wollten: ſo giengen ſie ans Ufer; und die Schwarzen pflegen auch nur erſt nach 
Tiſche zu trinken. ji | 
Der König hatte zweene kleine Zwerge, die oftmals zu den Englaͤndern kamen, Row; Laͤrmende 
vis von ihnen zu betteln, welches fie ihnen nicht abſchlagen durften, ob fie wohl eher vers Andacht. 
dienten, von ihnen gehangen zu werden. Denn fie wurden alle Nachte durch ein hoͤchſt 
unnatürliches Geheule unter den Baͤumen bey ihrer Wohnung von ihnen beunrubiget; und 
fie konnten ſolche auch nicht dahin vermögen, es zu unterlaſſen, indem fie anfuͤhrten, fie be⸗ 
theten fuͤr ihren Koͤnig zu dem Fatiſch, der oftmals zu ihnen aus einem großen hoͤlzernen 
Bilde /) bey dem Palafte geredet hätte, welches fie wie einen Menſchen auszuſchneiden 
ſich bemuͤhet; es glich aber mehr einem Teufel, ſowohl wegen der Geſtalt, als wegen des 
Geraͤuſches. ä 
Nachdem man Phillipſen oftmals erzaͤhlet, dieſes Bild redete alle Nacht zu den Ka: 
boſchiren und Andaͤchtigen: ſo gab er ihnen zu verſtehen, er moͤchte ſolches gern einmal 
a hören, 
F) Dies iſt eins von den Pfaffenftäckchen, fo wie der Zo⸗rey, oder Wumbo Jumbo der Schwar⸗ 
zen an der Gambra. 


Allgem. Keiſebeſchr. III Band. W 


1694 hören, und wollte deswegen mit ihnen gehen, wenn es ihnen beliebte. Sie ſagten, die ei- 
Phillips. gentliche Zeit waͤre des Nachts. Er gieng demnach einsmals — — ihnen: 
.. aus Furcht aber, man möchte ihm einen leichtfertigen Streich fpielen, nahm er viere von 
Huͤlfioſe hol feinen Leuten mit, die mit Piſtolen und Saͤbeln wohl bewaffnet waren. Die Schwarzen 
zeıne Götter. kamen zu dem Bilde, und machten viele tiefe Verbeugungen und andere Kruͤmmungen, da 
der Hauptmann ſtund, und auf die Stimme wartete. Nach einer halben Stunde War⸗ 
tens fragte er ſie, warum es nicht redete? Sie verſetzten, es wuͤrde gleich ſprechen. Er 
wartete noch zwo Stunden; es kam aber nicht ein Wort aus dem Klose, worüber die Schwar— 
zen ſehr erſtaunt zu ſeyn ſchienen, und ſagten, fie wuͤßten niemals, daß es vorher fo lange 
ſtill geſchwiegen. Er fing an, über fein langes Warten ungeduldig zu werden, und ſteckte 
ihm die Spitze von ſeinem Stocke ins Maul, und kehrte ſie darinnen verſchiedenemale um. 
Sie wuͤnſchten, er möchte ſolches unterlaffen, damit es ihm nichts zu Leide thaͤte. Er ſagte 
aber zu ihnen, er fühe bloß ein Stück Holz, wobey nichts zu befürchten wäre: und wenn es da⸗ 
her ſprechen koͤnnte: ſo waͤre er Willens, es dazu zu bringen. Er zog darauf eine von ſei⸗ 
nen kleinen Piſtolen heraus, die er ſtets aus Furcht vor einem Ueberfalle geladen in ſeiner 
Taſche bey ſich fuͤhrte, ſchoß damit auf das ungnaͤdige Bild, und traf es mit einer Kugel 
unter das linke Auge. Als die Schwarzen ſahen, daß er ſchießen wollten ſo liefen ſie alle 
weg. Er und feine Leute warteten noch eine halbe Stunde länger; fie konnten aber nicht 
eine Sylbe von Klagen über die Wunde oder ſonſt etwas hören g); fo, daß er den ſinnlo⸗ 
ſen Klotz gleichfalls verließ, und zu Bette gieng. u 

Der Schwar⸗ (Den folgenden Morgen waren ſie alle erftaunet, daß fie den Hauptmann noch am Le⸗ 
zen Verthei⸗ ben ſahen. Als er den König darauf beſuchte: ſo erzaͤhlte er ihm die ganze Sache. Seine Ma⸗ 
digung. jeſtaͤt verſicherten ihn ganz ernſthaft, es fpräche alle Nacht zu den Schwarzen; es wollte es 
a aber gegen die Weißen nicht thun /). Phillips antwortete, wenn es ſprechen koͤnnte, fo 
würde es ſolches gewiß gethan haben, als er nach demſelben geſchoſſen. Allein, weil es 
wirklich nichts anders, als ein Stuͤck Holz ware: ſo koͤnnte es unmöglich reden. Der König 
erwiederte: er wüßte, daß es Holz waͤre; allein es wäre auch ganz gewiß, daß der Fatiſch 
oder Gott dadurch zu fprechen pflegte. Er hätte es ſelbſt oftmals gehoͤret, und wuͤnſchte, 
der Fatiſch moͤchte ihm, naͤmlich dem Hauptmanne, kein Leid zufuͤgen, daß er ihn ſo mis⸗ 
gehandelt. Phillips meldete ihm, er forderte den Fatiſch heraus, und fuͤrchtete kein an⸗ 
deres Ungluͤck von ihm, als das Gift ſeiner Unterthanen. Was aber dieſes anbetraf: ſo 

5 verſicherte ihn der König, er brauchte ſich deswegen nicht im geringſten zu fürchten 7). 
Ihreßßatiſche Phillips ſah oftmals kleine Bilder von Thone um ihre Haͤuſer mit Oele, Reiße, Korne 
und Eid⸗ und andern Opfern vor ihnen; wie auch Ziegen, die aufgeſchlitzt und als Opfer für den 
ſchwüre. Fatiſch auf die Bäume gelegt, oder gehangen waren. Kurz, fie nannten fo vielerley 
Dinge Fatiſche, daß er niemals den rechten Verſtand des Worts wiſſen konnte. Wenn 
auf der Goldkuͤſte ein feyerliches Verſprechen oder ein Eid gethan wird: ſo nimmt man 
ungefähr ſechs Löffel voll Waſſer, welches mit einigen Pulvern von verſchiedener Farbe ver⸗ 
miſcht wird, die der Fatiſchman hinein thut. Dieſes Getraͤnke ſoll ſie den Augenblick 
toͤdten, wenn fie ihren Eid brechen; welches fie ſteif und ſeſt glauben. Hauptmann 
Schurley pflegte ſeine Schwarzen am Borde den Fatiſch nehmen zu laſſen, daß ſie nicht 
1 65 ans 


990 Dieß war in der That ein ſehr unbeſonnenes ſinnloſen Goͤtzen würde ihm in einem andern Lan⸗ 
Unternehmen; und eine ſolche Beſchimpfung eines de das Leben gekoſtet haben. 


* 


5 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 49 


ans Ufer ſchwimmen, und davon laufen wollten, und alsdann ließ er fie aus den Feſſeln. 
Sein Trank war eine Schale engliſch Bier, mit einem wenig Aloe, welches bey ihrem Glau⸗ 
ben eben ſo viel wirkte, als wenn es von den beſten Fatiſchen in Guinea gemacht worden. 
Ich meines Theils, ſaget Phillips, ſetzte mehr Vertrauen auf meine Feſſel, als auf einigen 
Fatiſch, den ich ihnen geben konnte. ane, BETON EN 
Zu Cap⸗Coaſtcaſtelle ſah er, wie der Fatiſch mit allen feinen Umftänden von den 
Herren Platt, Roman und Melroß, den dreyen Oberkaufleuten der africaniſchen Com⸗ 
pagnie daſelbſt, von dem Könige von Sabo, und von dem Generale der Arkanier, Nimfa, 
dem neuen Könige von Futto gegeben wurde. Die Gelegenheit dazu war, fo viel er er- 
fahren konnte, folgende. | . 32 oh 
Die Arkanier, welche die beften Handelsleute find, mit denen die Engländer handeln, 
und das reinſte Gold haben, ſind ein inlaͤndiſches Volk, und genoͤthiget, durch anderer Fuͤr⸗ 
ſten Länder zu gehen, wenn fie ihren Handel bis zu den Caſtellen und Schiffen führen wol: 
len. Unter andern war auch der König von Futto einer, der ihnen ſolches eine Zeitlang 
ohne Beſchwerde zuſtund. Zuletzt aber verſagten ihnen die Futtoſchwarzen, welche Wil⸗ 
lens waren, auf Anſtiften der Hollaͤnder in dem Caſtelle Mina, etwas von 1 zu erbeuten, 
den Durchzug; und wollten fie noͤthigen, ſchlechtere Güter, die fie von den Hollaͤndern hat⸗ 
ten, um einen theurern Preis zu kaufen. Da aber die Arkanier nicht mit ihnen handeln 
wollten: ſo mishandelten die Futtoer die Kaufleute, und nahmen ihnen ihr Gold. b 
Dieß erregte einen Krieg zwiſchen ihnen, in welchem die Arkanier einen, Namens 
Nimfa, der ein vornehmer Kaufmann war, und ſich auch ſonſt anderer Abſichten wegen, 
zu dem Poſten ſchickte, zu ihrem Heerfuͤhrer beſtellten. Sie berichteten ihr Vorhaben nach 
Cap-⸗Coaſt, und die Kaufleute daſelbſt verſprachen ihnen, fie mit Waffen, Kriegesvorrathe 
und andern Beduͤrfniſſen zu ihrem Zuge zu verſehen. Die Arkanier mietheten auch den 
Koͤnig von Sabo und ſeine Unterthanen zu Huͤlfsvoͤlkern. Dieſer Fuͤrſt war einer von 
den majeſtaͤtiſchten und ſtreitbarſten Schwarzen, die Phillips jemals geſehen hatte, den man 
auch verſicherte, daß feine Thaten im Felde mit feinem Anſehen uͤbereinkaͤmen. Die Arka⸗ 
nier, zu denen die von Sabo und verſchiedene Schwarze von Cap⸗Coaſt, unter der Anführung 
des Hauptmanns Hanſiko, Hauptmanns Amo, und anderer Kaboſchiren des Caſtells, ge: 
ſtoßen, machten ein Heer von zwanzigtauſend Schwarzen aus, und zogen gerade wider 
den König von Futto, der zu feiner Vertheidigung ein anderes eben fo großes Heer auf- 
gebracht hatte. Sie hatten verſchiedene kleine Scharmuͤtzel mit einander; denn die 
Schwarzen laſſen es nicht zu einer freyen Hauptſchlacht kommen, ſondern geben Acht, wie 
ſie durch Hinterhalt und Ueberfallungen einen Vortheil erhalten moͤgen. Hierinnen waren 


1694 


Phillips. 
weten aaa 


Handel der 

Arkanier 

wird unter 
rohen; 


verurſachet 
einen Krieg. 


die Arkanier und die deute von Sabo ſo gluͤcklich, daß ſie den Koͤnig von Futto noͤthigten, 


nach Mina zur Beſchuͤtzung zu fliehen. a 
Unterdeſſen zogen Wimfa und der König von Sabo triumphirend in feine Haupt: 
ſtadt ein, pluͤnderten und verbrannten das meiſte davon, und machten feinen Bruder zum 
Könige an feiner Statt. Nachdem fie nun alle große Kaboſchiren in Futto genoͤthiget hat: 
ten, den Fatiſch zu nehmen, um ihrem neuen Koͤnige treu zu ſeyn: ſo brachten ſie ihn ſelbſt 
mit ſich nach Cap⸗Coaſtcaſtelle, daſelbſt den Fatiſch oder Eid zu thun. Dieſer beſtund 
Ggg 2 Ri darin 
5) Eben dieſe laͤcherliche Entſchuldigung kann nen, nur daß ſie Ketzer für Weiße ſetzen. 
auch andern Pfaffen bey gleicher Gelegenheit die ) phillips Reiſe a. d. 222 u. f. S. 


Feyerlicher 
Fatiſch oder 
id. 


ee 


42⁰ rt A. Reiſen don Guinea bis Benin, e 2 W 


1694 darinnen, daß ae ue treu ſeyn, ihren Nutzen auf alle Art en und mit 


2 


Der Sieger 


Triumph. 


Fatiſchen o⸗ 


der Zauber⸗ 
mittel. 


Schutzthiere. 


ſeinem Bruder, dem letzten Könige, in ewiger Feindſchaft leben 4); dagegen mit den Arka- 
niern eine unverbruͤchliche Freundſchaft halten, und. zugeben wollte, daß ſie mit ihrem Golde 
und ihren Gütern ohne Beſchwerde durch fein Land zoͤgen. Dieſe Artikel wurden im Na- 

men der engliſch⸗africaniſchen Compagnie, des Nimfa, und des Königs von Sabo auf 
Pergament geſchrieben. Der Koͤnig von Futto unterzeichnete ſolches, indem er ſein Zei⸗ 
chen machte; und Hauptmann Schurlen, Phillips, und verſchiedene Factore und Kaboſchi⸗ 
ren des Caſtells bezeugeten ſolches. Darauf nahm der Koͤnig von Futto den Fatiſch auf 
ſeinen bloßen Knien, um ſolches unverbruͤchlich zu halten. Es waren ſechs Loͤffel Waſſer, 
worein der Fatiſcher ungefähr zwoͤlferley Pulver gethan hatte, welche ſonſt niemand, als 
er ſelbſt, kannte. Nachdem er ſolche wohl umgeruͤhret, ſo gab er dem Koͤnige von Futto 
feinen Trank, und verſicherte ihn, er wuͤrde bey der geringſten Verletzung der Artikel in ei- 
nem Augenblicke als ein Thuͤrnagel todt niederfallen, welches der Fuͤrſt auch feſt zu glauben 
ſchien. Dieſer neue Koͤnig von Futto hatte eine ſehr dumme, einfältige Mine, und wurde 
uͤberall auf dem Ruͤcken eines Schwarzen getragen, indem ſein Fuß einen Wurm hatte. 

Als der Koͤnig von Sabo und Nimfa auf ihrer Zuruͤckkunft aus dem Kriege zuerſt nach 
. Coaſt kamen: ſo wurden ſie von dem Caſtelle und den Schiffen, jeder mit neun Stuͤcken 
begrüße, welches fie mit kleinen Schuͤſſen beantworteten. Sie giengen unter Traghim⸗ 
meln, an welche verſchiedene Roßſchweife gebunden waren; und ihre Leute ſchoſſen beftän- 
dig vor ihnen her, bis ſie zu dem Thore des Caſtells kamen. Nachdem ſie hier ihre Degen 
auf altvaͤteriſche Art geſchwungen: fo giengen fie hinein, und kuͤßten mit großer Ehrerbie— 
thung insgeſammt den Englaͤndern die Hand, die ſie mit ihrer Hand ſchuͤttelten, und ſie will⸗ 
kommen hießen. Die Agenten ließen ein Orhoefd Brandtewein außerhalb dem Caſtelle 
hinſetzen, und es aufſchlagen, damit das ganze Heer der africaniſchen Compagnie Wen: 

heit trinken möchte, - 

Der König von Sabo hatte ftets zwey Weiber bey fich, die ihn in den Krieg 9 
ten, welche auch itzt bey ihm waren, und ihm oft öffentlich den Kopf lauſeten, und die Laͤuſe 
aßen, welches hier eine mee Gange iſt; und es iſt auch keine Achendg unter ihnen, 
lauſicht zu ſeyn. 

Der Verfaſſer (aa, er habe die beſte Nachricht von dieſer Art von Fatiſch und der 

Veranlaſſung dazu, gegeben. Sie haben kleine Stuͤckchen Gold, aus welchen ſehr ſchoͤn 
verſchiedene Figuren gemacht ſind, welche die Schwarzen als einen Zierrath in ihren Haa⸗ 
ren, und um ihren Hals, Aermen und Beinen tragen, und gleichfalls Fatiſchen nennen. 
Ein jeder Schwarzer hat auch ein oder das andere Geſchoͤpf, dem er ſeine Andacht bezeuget, 
und welches er fuͤr ſeinen Schutzheiligen haͤlt, der ſich um ihn bekuͤmmert, und ihn vor al⸗ 
lem Ungluͤcke bewahret m), welches er feinen Fatiſch nennet. Des Generals Nimfa 
ſeiner war eine Kuh; und als man eine geſchlachtet hatte, ihn vor ſeiner Abreiſe aus dem 
Caſtelle zu bewirthen ): fo konnten die Agenten ihn nicht bereden, einen Biſſen davon an⸗ 

DEN noch auch das Eſſen Auel ere o), ob er gleich die Bewagenbeit hatte, en 


„5 Ein. unchriſtliches Verlangen. 1 füuͤr die Thiere; die Schwarzen machen Esusser 
7) Diefe find wie Grisgris oder Gregories ber lige aus den Thieren. 
Gambra- und anderer weſtlichen Schwarzen „oder ) Das größte Ehrenzeichen, welches einem 
wie die Teraphim der Juden. Freunde in dieſem Lande kann erwieſen werden, iſt, 
m) Die roͤmiſche Kirche beſtimmt Schutzheilige was der hollaͤndiſche General in dem Caſtelle ine 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 421 


mit den Koͤnigen von Sabo und Futto zu Tiſche ſaß. Seine Urſache war, weil es ſein 1694 
Fatiſch wäre, und es ihn kraͤnkte, daß fie folche getoͤdtet hätten, Andere haben einen Hund, Pbillips. 
ein Schaf, einen Leoparden, oder was ſie ſich ſonſt einbilden, zu ihrem Fatiſch, um ſie vor n n 
Ungluͤck zu bewahren. Und zu Monſerado meldete dem Verfaſſer ein vornehmer Schwar⸗ 

ger, der einen Riemen von Leopardshaut um den Arm hatte, daß ſolches fein. Fatiſch wäre, 
ihn vor dem Donner zu behüten, der daſelbſt ſehr fuͤrchterlich iſt. Andere tragen Tygerzaͤh⸗ 

ne, Ziegenhoͤrner, die mit einer roͤthlichen Maſſe angefuͤllt find, Fiſchgraͤten u. f. w. welche 

alle ihre Bun Kraft haben, fie von einer oder der andern bevorftehenden Gefahr zu 
befreyen p 

Des Koͤnigs Fatiſchman allhier ruͤhmet ſich einer großen Macht und Geſchicklichkeit. Art des Fa⸗ 
Weil Phillips eben zu der regnichten Jahreszeit hier war, da die See ſehr ſtuͤrmiſch iſt: tiſchmans 
ſo traf ſichs, daß es einſt ſo ungeſtuͤm war, daß die Kaͤhne in achtzehn Tagen keine Guͤter 
bringen konnten. Dieß hielt die Kaboſchiren zuruͤck, Sklaven zu verkaufen, weil die Eng⸗ 

länder keine Güter am Ufer hatten, fie zu bezahlen. Da ſich nun ſolche weigerten, ihnen 

ſo lange Credit zu geben, bis die Güter koͤnnten ans Land geſetzt werden: fo beklagten dieſe 
ſich darüber bey dem Könige, welcher fie bath, fie möchten nur ruhig ſeyn, er uni ſchon 

machen, daß die See den folgenden Tag ſtille feyn ſollte. 

Dieſemnach ſchickte er feinen Fatiſchman mit einem Kruge Palmöfe, einem Sacke mit die See zu 
Reiße und Korne, einem Kruge voll Pitto, einer Butellje Brandtewein, einem Stuͤcke bun- befänftigen 
ten Calico, und verſchiedenen andern Dingen ab, die See zu beſchenken. Als er an die See⸗ 
ſeite gekommen: ſo redete er, wie dem Verfaſſer von ſeinen Leuten geſagt worden, welche die 
Ceremonie mit angeſehen, die See an, und verſicherte ſie, der Koͤnig waͤre ihr Freund, und 
liebte die Weißen; fie wären ehrliche Leute, und kaͤmen hieher, ihm dasjenige zu verhandeln, 
was er brauchte; und er baͤthe die See, nicht ſo zornig zu ſeyn, noch ſie zu verhindern, ihre 
Guͤter ans Land zu bringen. Er ſagte dabey, wenn fie Palmoͤl brauchte, fo hätte fein Kö- 
nig ihr etwas mitgeſchickt; und zugleich warf er den Krug mit dem Oele ins Meer, wie 
er denn ſolches auch unter eben den Complimenten mit dem Reiße, Korne, Brandteweine, 

Pitto, Calico u. ſ. w. that. 

Es traf ſich den folgenden Tag, daß die See etwas ſtiller war, und ſie einige Guͤter ans 
Land brachten, worüber der alte König ſehr ſtolz ward, und ſolches feinem Fatiſchman zu: 
ſchrieb, ob es gleich wirklich von nichts anderm herruͤhrte, als weil der Mond nahe beym 
Wagen war, um welche Zeit in allen dieſen ſuͤdlichen Landern die Winde gelinder und die 
See ſtiller iſt, als im Vollmonde, und bey dem Mondeswechſel. Indeſſen war doch der 
Hauptmann froh, daß er Güter hatte, zu handeln. Dieſer Fatiſchman berühmte ſich, er koͤnnte 
nach ſeinem Belieben Korn oder Salz regnen laſſen. Phillips verſprach ihm eine große Be⸗ 
lohnung fuͤr eine Probe von ſeiner Geſchicklichkeit; er konnte ihn aber nicht dazu bereden. 

Die folgende Geſchichte hat Phillips von dem Herrn Pierſon. Es kam folder als und den Tod 
Gehuͤlfe zu dem damaligen Factor Smith, welcher bald nach feiner Ankunft an einem ge- A 
faͤhelichen Fieber des Landes ſehr krank wurde. Als Ba König, der ihn ſehr 9 hy 


99 
dem Herrn Roman, den Hauptleuten Schurley, ein, es 5 kein Menſch ſo thoͤricht, daß er El 
Freemann und Philipsen zeigte, da er ſie einlud, ge ißt, was er anbethet. Es giebt aber dergleichen 
daſelbſt zu ſpeiſen, und eine Kuh geſchlachtet, und Thoren unter den Chriſten, wo nicht unter den Hei⸗ 
ganz auf einmal angerichtet wurde. den und Schwarzen. 
e) Dieß koͤmmt mit Cicerons Anmerkung über: 5) Phillips Reifen. d. 124 u. f. S. 


422 Reeiſen von Guinea bis Benin vv 


1694 ſolches vernahm, fo ſchickte er feinen Fatiſchman hin, daß er den Tod wegzaubern ſollte. 
‚Phillips. Da der Fatiſchman zu Smiths Bette kam: fo berichtete er ihm feine Bothſchaft. Dar⸗ 
auf gieng er hin zu dem Gottesacker, wo die Weißen begraben wurden, und nahm etwas 
Brandtewein, Rum, Oel, Reiß u. d. g. mit ſich. Er rief daſelbſt laut aus: „O ihr tod⸗ 
„ten weißen Leute, die ihr hier lieget, ihr wollet gern dieſen Factor haben, welcher krank iſt, 
„daß er bey euch ſeyn ſoll! allein er iſt unſers Koͤniges Freund und er liebet ihn, und will 
„ihn noch nicht von ſich laffen,,. Darauf gieng er zu des Hauptmanns Wiburns Grab, 
welcher die Faetorey gebauet hatte, und rief: „O Hauptmann aller todten weißen Leute, 
„die hier liegen, dieß ift dein Werk! Du willſt dieſen Mann haben, daß er dir Geſellſchaft 
„leiſten ſoll, weil er ein ehrlicher Mann iſt: allein unſer König will ihn nicht weglaſſen; 
„nein, du ſollſt ihn noch nicht haben,, Darauf machte er ein Loch in die Erde über ſei⸗ 
nem Grabe, und goß Brandtewein, Rum, Oel, Reiß u. ſ. w. hinein. Er meldete ihm: 
„wenn er dieſe Dinge brauchte, ſo waͤren ſie hier da fuͤr ihn; den Factor aber duͤrfte er 
„noch nicht erwarten, und ſollte ihn auch nicht haben „; und was dergleichen Unſinn mehr 
war. Nach dieſem gieng er zu Smithen und verficherte ihn, er wuͤrde nicht ſterben. Weil 
er aber dem kranken Manne beſchwerlich fiel, ſo fuͤhrte ihn Pierſon aus der Factorey, und 
zweene Tage darnach nahm der arme Smith ſeinen Abſchied. ö f 
Des Koͤnigs Der König von Whidaw war ungefähr ſechzig Jahre alt, ſo viel Phillips muth⸗ 
Perſon. maßen konnte; denn keiner von den Schwarzen weis ſein eigenes Alter, und ſie haben keine 
a Rechnung von der Zeit, und koͤnnen fie auch nicht halten. Er war von mittler Größe und 
mager; fein Haar und Bart waren grau; fein Geſicht ſehr gemein und niedertraͤchtig, und 
ſo war auch, wie der Verfaſſer glaubet, ſein Herz. Er ſchien von einer guten, freyen Ge⸗ 
muͤthsart zu ſeyn, und voller Luſtigkeit und Freundlichkeit, vornehmlich wenn er um ein Ge⸗ 
ſchenk bitten wollte. Er gieng niemals aus ſeinem Pallaſte, ſo lange ſie hier waren. In 
dem Hofe ſeines Pallaſtes aber gieng er barfuß durch Moraſt und Waſſer, und machte 
ſich eben ſo wenig daraus, als einer von ſeinen armen Unterthanen, von welchen er vierzig 
tauſend Mann innerhalb vier und zwanzig Stunden auf die Beine bringen konnte, wie 
man Phillipſen geſagt hatte. 1 b 
Seine Kabo⸗ Sein vornehmſter Kaboſchir war Hauptmann Springgatha, ungefähr achtzig Jahre 
ſchiren. alt, und ein Staatserfahrner Mann. Er hoffte, kuͤnftig einmal zu regieren, und regierte 
den gegenwärtigen König, wie es ihm beliebte. Sie fanden bey Aufrichtung ihres Han- 
dels J) mehr Widerſpruch von ihm, als von dem Könige und den andern Kaboſchiren. 
Der naͤchſte nach ihm iſt Hauptmann Charter, des Königs großer Vertrauter, der 
vormals bey dem Factore Charter ein Junge geweſen, und deſſen Namen angenommen, 
worauf er ſich ſehr viel einbildete. Er war ein ſehr ſchoͤner vernünftiger Schwarzer, un: 
gefaͤhr dreyßig Jahre alt, und ein großmuͤthiger Kaufmann. Er verkaufte ihnen mehr 
Sklaven, als alle andere Kaboſchiren zuſammen. Die Schwarzen hatten ihre Augen auf 
ihn, weil Springgatha ſehr alt war. Nach Chartern folget Hauptmann Tom, der Doll⸗ 
metſcher, Hauptmann Biby, Hauptmann Aywa, und verſchiedene andere, die dem Koͤnige 
aufwarten. Unter den uͤbrigen war Koͤnig Tom, ein Bruder des Koͤniges von groß Ar⸗ 
da, der einiger Verbrechen wegen verbannt war, und hier ſeine Sicherheit fand. 


f Von 
7) Er meynet, was den Werth und die Art der Güter betrifft. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 423 
Von der Rheede, wo die Schiffe liegen, ſchlagen die Wellen fo heftig ans Ufer, daß 


1694 


ein Menſch ſtets in Gefahr ſteht zu erſaufen, wenn er ans Land geht, und, weil die Kaͤhne Pbillips. 


oftmals überfegen, ſich nur dadurch rettet. Es find aber die Leute in den Kaͤhnen ſolche vor⸗ 
treffliche Taͤucher und Schwimmer, daß ſie denjenigen das Leben erhalten, denen ſie gewo⸗ 


gen ſind; gegen welche ſie aber einen Haß haben, die moͤgen ſich ſelbſt zu helfen ſuchen. 


Schlechte 
Landung zu 
Whibaw. 


Ein jeder Befehlshaber bauer feine Kähne an der Goldkuͤſte, und verſtaͤrket ſolche mit Unterricht 
Kniehoͤlzern und Sturmbrettern hinten und vorn, damit fie die See aushalten, indem fie füͤr die Kaufe 


ſehr tief gehen, wenn ſie darauf fahren. Sie werden aus dem Stamme von einem aus⸗ 
gehöhlten Baumwollenbaume gemacht, und find ſolche für zweene bis zwoͤlf Mann. Der 
größte Kahn iſt nicht uͤber vier Fuß breit, aber acht und zwanzig oder dreyßig Fuß lang. 
Diejenigen, die man zu Whidaw am beſten brauchen kann, ſind fuͤr fuͤnf oder ſieben Mann, 
und muß jedes Schiff, welches viele Sklaven kaufet, dergleichen zweene haben. Denn es 
begiebt ſich ſehr oft, daß ſie von der großen See, wenn ſie uͤberſetzen, zerſchlagen werden, 
und man kann ſolche hier nicht erſetzen; ohne dieſelben aber kann man weder landen noch 
Leute oder Guͤter vom Ufer bringen. Die Kahnleute werden von dem Befehlshaber 
gleichfalls von Cap⸗Coaſt gebracht, und find ſieben an der Zahl, worunter einer Boots⸗ 
mann iſt, der einer von den erfahrenſten Kahnleuten in Guinea iſt. Er ſteuert den Kahn 
ſtets, und befiehlet den übrigen; er ertheilet ihnen Befehl, wenn fie rudern oder ſtille lie- 
gen, auf eine ſtille See Acht haben, oder eine hohe vermeiden ſollen. Ihr Lohn iſt gewiß 
und beſtimmt; die Haͤlfte davon wird im Golde zu Cap⸗Coaſt, und das uͤbrige in Guͤtern 
bezahlt. Wenn man das Seinige mit ihnen zu Whidaw verrichtet: fo pfleget man ihnen 
gemeiniglich einen Kahn zu geben, der fie zurück fuͤhret, und der andere wird meiſtentheils 
zu Brennholze zerhauen; denn man kann ihn ſelten verkaufen. Dieſe Kahnleute brachten 
Phillipſen um ſechs oder ſieben Faͤßchen Kowris, mehr als hundert Stangen Eiſen und 
andere Guͤter, da ſie mit den Kaͤhnen ans Land giengen; und er konnte ſolches niemals 
wieder bekommen, und hatte auch nicht die geringſte Genugthuung dafür; ſondern war ge= 
zwungen, ihnen noch gute Worte zu geben, damit ſie ihm nicht aus Rache noch mehr der⸗ 
gleichen Streiche ſpielten 5). b 


Der VII Abſchnitt. 


Sie nehmen Waſſer ein. Das Prinzeneyland. Vor: Durchlaufe und den Pocken. Ein Orean. Seu⸗ 
gebirge St. Johann. Ein Grampus, und Dre⸗ che zu Barbados. Sie ſegeln nach England, 
ſcher. Der Tyger reißt ſich los. Das Vorge- kommen zu Seilly an. Ungluͤcklicher Zufall. 
birge Lope Gonſalvo. St. Thomas und Catras. Der Hannibal iſt in Gefahr. Laͤuft zu Spit⸗ 
Phillips Beſuch bey dem Statthalter. Er fer head ein. Der Verfaſſer verliert fein Gehör. 
gelt nach Barbados. Schwarze ſterben an dem Verſuchet vergebens allerhand Mittel. 


hrer. 


Phillips hielt hier beftändig zweene Mann am Ufer, Waſſer zu füllen, welche in der Far Sie nehmen 
ctorey lagen und aßen. Sie fuͤllten fein kleines Ochshoͤefd in der Nacht, und wälz: Waſſer ein. 


ten es über den Sand, nach der Scefeite, da es denn gleich des Morgens abgeholt werden 
konnte, ehe noch der Seewind kam, als welches die einzige Zeit dazu iſt. Man hat kein an⸗ 
der Mittel, es fortzubringen, als auf Floͤſſen; und indem man es nach dem Langboote ſchlep— 

pet, 


) Phillips Reife auf der 226 und folgenden Seite. 


N 


1 
uiid s. 
IRRE 


— 


eie verlaſſen 
Whidaw. 


Prinzeney⸗ 
land. 


Vorgebirge 
St. Johann. 
Grampuſſe 
unz Dreſcher. 


Der Tyger 
reißt ſich 


los. 


N 
* 


424 RMaeeiſen nach Guinea und Benin 
pet, wird die große See oftmals das Floß zerreißen, und das Gefaͤß zerſchlagen. Das 


Langbost ward vornehmlich gebrauchet, Waſſer an Bord zu bringen, welches in die großen 


Fäffer in dem Raume gegoſſen wurde, und das kleine Gefäß ward den folgenden Morgen 
wiederum ans Ufer geſchickt, wozu er zwo Parteyen Leute hatte. Er hatte ein klein tan⸗ 
nen Schiffchen, welches ihm große Dienſte that, indem es bloß mit zweenen Jungen darin⸗ 
nen, Kühe, Schweine, Sklaven, Briefe u. ſ. w. von den Kaͤhnen brachte. ieh 

Den a7jten des Heumonats, nachdem fie ſiebenhundert Sklaven, als vierhundert und 
achtzig Mannsperſonen, und zweyhundert und zwanzig Weibesperſonen gekauft hatten, 
nahm der Verfaſſer von dem alten Koͤnige Abſchied, der ihn mit großer Hoͤflichkeit beur⸗ 
laubte. Er gieng in Geſellſchaft mit dem oſtindiſchen Kaufnanne, welcher ſechshundert 
und funfzig Sklaven gekauft hatte, nach dem Eylande St. Thomas unter Segel, wo ſie 
ſtill lagen und Lebensmittel einnahmen. a a 

Den aten des Auguſts befegelten fie die Suͤdſpitze von dem Prinzeneylande, welches ſehr 
hoch und bergicht iſt, und von Whidaw neun und neunzig Seemeilen gegen Oſten zu liegt. 

Den aten kamen fie in ſieben und funfzig Minuten Norderbreite, nach der Obſervation, 
ans Land, welches eine niedrige ebene Gegend, voller Baͤume, nebſt einem kleinen Eylande 
an der Suͤdſeite deſſelben war, welches Phillips für das Vorgebirge St. Johann in 
der Bucht hielt. Dieſe Nacht verlohr er den oſtindiſchen Kaufmann aus dem Geſich⸗ 
te, indem ſie wegen verſchiedener Grampuſſen vorne an dem Schiffe aufgehalten wurden, 
welche die Leute, die herausſahen, für zweene Felſen hielten. Dieſe See hat viele Gram⸗ 
puſſe, die ſo groß ſind, als kleine Wallfiſche, und die Schiffe ſehr lieben. Denn ſie folgen 
ihnen und ſpielen luſtig um dieſelben herum; indem ſie, wie er vermuthet, ſich einbilden, es 
waͤren einige große Rieſenbruͤder des waͤſſerichten Elements. Sie hatten viel Vergnuͤgen 
bey Erblickung eines Fiſches, der Dreſcher getan t, welcher mit dieſen Grampuſſen ſtritt; 
denn wo ſie nur einander antreffen, da geht dei Streit los. So viel als er muthmaßen 
kann, iſt der Dreſcher vier Ellen lang, aber ſehr geſchlank. Wenn er ſich einlaͤßt, fo er— 
hebt er ſich mit dem einen Ende ganz aus dem Waſſer, und fälle mit ſolcher Heftigkeit auf 
den Grampus, daß man auf eine Meile weit das Geraͤuſch hoͤren, und den Riß in der 
See ſehen kann, welchen der Stoß machet. | | 

Phillips ließ ſich den sten für fein Hauptweh ein Fontanell fegen, nachdem er ſich oft— 
mals, aber vergebens, Blaſen ziehen laſſen, und andere Mittel gebrauchet hatte. 

Den öten fuhren fie durch die Linie. Als die Schwarzen zu Mittage insgeſammt auf 
dem Verdecke waren: ſo brach der obgedachte junge Tyger aus ſeinem Kaſten auf dem 
Vierthelsverdecke; und da er das Bein einer ſchwarzen Frau zu faſſen bekam: ſo riß er 
ihr die ganze Wade ab. Als dieſes einer von den Quartiermeiſtern gewahr ward: ſo lief 
er hinzu und gab dem Tyger mit der Fläche feines Hirſchfaͤngers einen kleinen Schlag; 
worauf ſich folcher fogleich wie ein ſpaniſcher Hund niederlegte. Der Mann nahm ihn 
auf ſeine Aerme, ſchleppte ihn hinweg und ſperrte ihn ohne einigen Widerſtand, und ohne 
daß er ihm etwas that, wieder in feinen Kaͤſicht. Man hatte dieſes Tygers Guͤtigkeit ge⸗ 
gen die Weißen, und Feindſchaft gegen die Schwarzen bereits gemerket; und ſie waren nun⸗ 
mehr genoͤthiget, ſtets ein altes Segel vor feinen Kaͤficht zu haͤngen, wenn die Sklaven zu 
Tiſche waren; denn ſonſt konnten ſie ihn nicht befriedigen. 

en 


4) Phillips Reiſe auf der 229 und folgenden Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 425 


Den gten entdeckten fie das Vorgebirge Lope, ſechs Seemeilen gegen Suͤdweſt gen 1694 
Weſt. Sie waren einer großen weißen Sandbank an dem Ufer gegenüber, welche ſehr Pbillips. 
weit ins Land hineingieng. Man hielt ſolche fuͤr den großen weißen Flecken an dem Das Botge⸗ 
hollaͤndiſchen Fuhrmanne, um den Fluß Gabon. Es lief eine Sandbank davon ein birge Lope r 
groß Stück in die See, welches denn machte, daß fie in dieſer Entfernung nicht mehr als Gonſalvo. 
zehn Faden Waſſer hatten. Es iſt aber keine Gefahr dabey, indem die Tiefe gegen das 
Ufer zu ſtufenweiſe geht. Da das Vorgebirge Lope Gonſalvo fünf Seemeilen gerade 
gegen Suͤden liegt: ſo bemerket er, daß die Breite fuͤnf und dreyßig Minuten iſt. 

Phillips war Willens, an dieſem Vorgebirge Holz und Waſſer einzunehmen. Allein 
die Ungewißheit der Winde und der Strom, der gegen den Wind gieng, nebſt dem großen 
Sterben unter ſeinen Schwarzen, und dem Mangel an einigen Lebensmitteln bewogen ihn, 
nach St. Thomas, ungefaͤhr vierzig Seemeilen davon, uͤberzufahren. Sie richteten alſo 
den gten ihren Lauf dahin; den nuten ſahen fie das Eyland Nordweſt gen Wet liegen, und 
Catras Nordweſt, ſechs Seemeilen davon. Als fie näher kamen, fuhren fie laͤngſt dem St. Thomas 
Ufer nach der Stadt zu, und gieng die Tiefe ſtufenweiſe von vierzehn bis zu fieben Faden. und Catras. 
Ein wenig windwaͤrts gegen die Stadt zu aber hatten ſie auf einmal nur fuͤnf Faden, wor— 
auf ſie am Rande fortgiengen, und in vier und einem halben Faden dem Caſtelle gerade 
gegenuͤber Anker warfen. Sie bemerkten aber dennoch, daß hier keine Gefahr ſey, indem 
man zwo Meilen rund umher nicht weniger Waſſer findet: es wird aber gegen das Ufer zu 
tiefer, wie er hernachmals beym Nachforſchen fand. a | | 1 

An eben dem Tage beſuchte Phillips den Statthalter, da der General todt war. Er Beſucht den 
empfing ihn hoͤflich, und nach einigen Fragen gab er ihm Erlaubniß, ſich mit Holze, Waſſer Statthalter. 
und Lebensmitteln zu verſorgen. Zugleich berichtete er dem Hauptmanne, die gewoͤhnlich⸗ 
ſte und befte Rheede für Schiffe wäre unter dem Caſtelle; wobey er zu verſtehen gab, als 
ob er dafuͤr hielte, daß Phillips nicht gern unter dem Gebothe ſeiner Stuͤcke ſtehen wollte, 
weil er nicht daſelbſt vor Anker lage. Um nun ſeinen Verdacht zu heben, kam Phillips 
unter das Caſtell, welches er mit fünf Stücken begrüßte, Er ließ aber alle feine Schwar— 
zen in Feſſel legen, damit ſie nicht davon ſchwaͤmmen, indem ſie ſo nahe am Ufer waren. 

Die bequemſte Zeit allhier Waſſer einzunehmen iſt des Nachts; weil die Weiber aus 
der Stadt es den Tag uͤber durch das Waſchen ihrer Kleider, oder auf andere Art truͤbe 
machen. Daher waren der Kuͤper und zweene Matroſen zu dieſem Ende am Ufer. Einer 
von den Leuten aber war bewaffnet, und mußte beſtaͤndig in der Nacht Wache halten; 
denn ſonſt wuͤrden die Portugieſen, welche die groͤßten Diebe in der Welt ſind, alle ihre 
eiſerne Reife von den Faͤſſern weggeſtohlen haben 4). 
f Seine Schwarzen ftarben fo ſchnell, daß er nach verrichteten Sachen genoͤthiget war, Segelt nach 
den oſtindiſchen Kaufmann zuruͤck zu laſſen, und den 25ften nach Barbados zu ſegeln. Barbados. 
Den ganzen Weg von dieſer Reiſe zeiget er in einer Tabelle an, und geht ſolcher von St. Tho— 
mas nach Barbados ganz gegen Weiten vier tauſend fuͤnf und ſiebenzig engliſche Meilen, fechs 
und ſiebenzig Grad vier und funfzig Minuten, oder ein tauſend dreyhundert acht und funf- 
zig Seemeilen. Man kann uͤberhaupt anmerken, daß ſie einen guten Weg hatten, und 
niemals drey Grad ſuͤdwaͤrts von der Linie abgiengen. Je weiter ſuͤdwaͤrts ſie aber giengen, 
deſto ſtaͤrker waren die Winde, und deſtomehr drehten ſie ſich um nach Oſten, und es wurde in 
Anſehung der Breite ſehr kalt Y). Von 


4) Zwiſchen den Meilen und Minuten iſt nur eine Meile Unterſchied. 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. ö 


426 Reiſen nach Guinea ünd Benin, 


1694 Von dem 20ſten des Weinmonats fegelten fie in dreyzehn Graden zwölf Minuten Nor⸗ 
Phillips. derbreite, die ausgemachte Breite von Barbados, bis den aten des Wintermonats, da ſie 
ſolches entdeckten, und es gegen Weſt gen Nord ſieben Seemeilen weit von ihnen lag. Er hatte 
da eine gute Obſervation in dreyzehn Graden zwölf Minuten Norderbreite gemacht; fo daß 
er die Lage des Eylandes in dreyzehn Graden acht Minuten, und die Meridianentfernung 
von St. Thomas acht und ſechzig Grad neun und vierzig Minuten Weſt ſetzet. Er ſchließt 
daraus, diejenigen müßten ſich irren, welche als gewiß behaupteten, feine Laͤnge ſey nur fech- 
zig oder zwey und ſechzig Grade weſtlich von dem Vorgebirge Lope; indem er gewiß 
wüßte, daß er feine Rechnung mit aller möglichen Sorgfalt und Erfahrung gemacht hätte, 
die man nur durch die Schiffahrt erhalten koͤnnte. L 


Sterben un⸗ Sie kamen den sten des Wintermonats zu Bridgetown an, nachdem fie auf ihrer 
ter den Ne- Reiſe von St. Thomas zweene Monate und eilf Tage zugebracht hatten. In dieſer Zeit 
en kam eine ſolche Krankheit und ein ſolches Sterben unter feine Leute und Negern, daß er von 
den erſtern vierzehn, und von den letztern dreyhundert und zwanzig begrub. Dieß war ein 
großer Schade fuͤr ſeine Reiſe; denn die Compagnie verlohr mit einem jeden Sklaven, der 
ſtarb, zehn Pfund, und der Eigenthuͤmer zehn Pfund zehn Schilling, welches die Fracht 
war, die fuͤr einen jeden Sklaven ſollte bezahlt werden, welcher dem Agenten der Compagnie 
zu Barbados lebendig uͤberliefert werden wuͤrde. Der Verluſt belief ſich alſo in allem 
auf ſechstauſend fuͤnf hundert und ſechzig Pfund Sterling. Der Hauptmann uͤberlieferte 
dreyhundert und zwey und ſiebenzig am Leben, welche, da ſie verkauft wurden, durch die 

Bank das Stuͤck auf neunzehn Pfund zu ſtehen kamen. 
durch den Die Krankheit, woran ſowohl die Weißen als Schwarzen vornehmlich ſtarben, war der 
weißen Fluß weiße Fluß, welcher fo heftig und eingewurzelt war, daß zuletzt keine Arzeney dawider hel- 
fen wollte. Man bielt diejenigen, die damit befallen wurden, fogleich für todte deute. Es 
fing ſich ungefähr eine Woche nachher an, nachdem fie das Eyland St. Thomas verlaſſen; 
und was die Weißen betraf: ſo konnte er dieſe Krankheit naͤchſt der ungeſunden Luft nichts 
anderm, als dem ungereinigten ſchwarzen Zucker, und dem rohen ungeſunden Rum zufchrei- 
ben, den ſie, daſelbſt kauften, wovon fie aller feiner Vorſtellungen ungeachtet uͤbermaͤßig 
Punch tranken. Er beftrafte nicht nur einige deswegen, ſondern ließ auch allen Rum und 
Zucker, den er nur finden konnte, uͤber Bord werfen. Er war genoͤthiget, ſeinen Trompe— 
ter, Lord, in Feſſel legen zu laſſen, weil er dieſes Saufen befoͤrderte, und unter andern ab— 
ſcheulichen Thaten einmal in trunkenem Muthe mit einem Meſſer in der Hand hinlief, den 
Bootsmann in ſeinem Bette umzubringen. Dieſer Menſch aber wurde, ungeachtet er 
zweene Monate lang, Tag und Nacht, auf dem Vordertheile des Schiffes unter freyem Him— 
mel, ohne einige andere Decke uͤber ſich zu haben, gefeſſelt blieb, doch die ganze Zeit uͤber 
von keiner einzigen Krankheit befallen, und machte alſo das Sprichwort wahr: Unkraut 

vergeht nicht. 

und Kinder⸗ Die Kinderblattern waren die andere Krankheit, worein die Negern auf dieſer Reiſe 
blattern. fielen. Es ſtarben aber in dem ganzen Schiffe nicht über ein Dutzend daran. Aller Bey— 
ſtand, den ſie den Kranken leiſteten, war, daß ſie ihnen ſo viel Waſſer gaben, als ſie trin— 
a ken 
c) Der Schluß iſt vielleicht gar zu uͤbereilt aus 4) Dem Hauptmanne, Wundarzte und Steuer: 


einem Beyſpiele, wo man es noch wohl der Ge- leuten iſt es gemeiniglich erlaubt, auf ihre Rech⸗ 
lindigkeit der Krankheit zuschreiben koͤnnte. * nung 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 427 


ken wollten, und ein wenig Palmöl, ihre Schwaͤren damit zu ſchmieren. Eins iſt bey die- 1694 
fer Krankheit unter den Schwarzen zu bewundern, ſaget der Verfaſſer, daß ſolche, ob fie Phillips. 
gleich die von ihrer eigenen Farbe alsbald anſtecket, doch niemals einen weißen Menſchen 
angreift c). Denn es befanden ſich verſchiedene weiße Maͤnner und Knaben am Borde, 
welche dieſe Krankheit niemals gehabt hatten, und beftändig unter den Kranken waren, aber 
doch nicht damit angeſteckt wurden. Indeſſen iſt fie nach ihren Wirkungen und Zufaͤllen 
doch mit der in England einerley Krankheit; fie fänge mit einem Schmerzen im Kopfe 
und Ruͤcken, Schaudern, Brechen, Fieber u. ſ. w. an. x 95 

Was die Blattern aber verſchonten, das nahm der Durchlauf zu ihrer großen Betruͤb⸗ Die Negern 
niß hin, aller ihrer Sorge und Mühe ungeachtet, ihnen ihr Eſſen ordentlich zu geben, und And unfld-: 
ihre Behaͤltniſſe ſauber und rein zu behalten, fo viel es möglich geweſen; und was das (ig. 
argfte iſt, nachdem fie fo viel Elend und Geſtank unter einem Haufen Geſchoͤpfe fo lange 
ausgeſtanden, welche ſaͤuiſcher als die Schweine find. Keine Schundkoͤnige koͤnnen ſolche 
garſtige Sklavenarbeit ausſtehen, als diejenigen thun muͤſſen, welche Regern fuͤhren; in⸗ 
dem fie ſich nicht von ihren Beſchwerden erhohlen konnen, ſo lange noch einer von ihren Skla⸗ 
ven am Leben iſt; und dennoch wurde durch ihr Sterben, ſaget Phillips, unſere Reiſe zer⸗ 
nichtet, und wir graͤmten uns faſt ſelbſt zu Tode, wenn wir erwogen, daß wir ſo viel Be⸗ 
ſchwerden und fo viel Mühe für fo wenigen Nutzen übernehmen mußten 4). 


Drey Wochen vorher, ehe er nach Barbados kam, hatten fie einen ſehr ſtarken Or- Ein Orcau. 
can, welcher die meiſten Schiffe auf der Rheede ans Ufer getrieben hatte, von denen fie 
acht oder neune an den Felſen zerfcheitert liegen ſahen. Das Kriegesſchiff Briſtol unter 
dem Hauptmanne Gurney kappte ſein Ankertau, und gieng in die See, ehe der Sturm 
ſo heftig wurde, und kam wieder zurück, nachdem er vorbey war. Das Schiff, der Spiels 
preis, unter dem Hauptmanne Bowles, hielt ihn, nebſt noch zweyen oder dreyen andern 
Schiffen, aus; und der Tyger, unter dem Hauptmanne Thomas Scherman, welcher 
nebſt dem Oberſten Kendal, dem neulichen Satthalter auf der Inſel, von dem Eylande 
nach England abgeſegelt, traf unterwegens ſolche gewaltige Stuͤrme an, daß er ſeinen Maſt 
verlohr, und genoͤthiget war, wieder zuruͤck zu gehen, um ſolchen zu erſetzen. 

Barbados, welches eine angenehme liebliche Gegend iſt, und damals von ſehr vielen Peſt zu Bar⸗ 
rechtſchaffenen und gaſtfreyen deuten bewohnt wurde, war ſehr ſtark von der Peft angefte- bados. 
cket; ſo daß es in dem letzten Kriege fuͤr die Neuankommenden ein rechtes Grab war die 
durchgaͤngig von der Seuche angefallen wurden, wovon ſehr wenige genaſen. Der Haupt⸗ 
mann Thomas Scherman begrub in denen zweyen Jahren, die er daſelbſt lag, auf ſechs⸗ 
hundert Mann, obgleich ſeine Ergaͤnzung des Abgangs derſelben nur zweyhundert und 
zwanzig Mann waren, da er noch ſtets neue Leute aus den Kaufmannsſchiffen preßte, die 
daſelbſt einliefen. Phillips verlohr achtzehne von feinen Leuten; und ob er gleich befuͤrch— 
ten mußte, felbft von dieſer Seuche befallen zu werden: fo beſuchte er doch alle feine Freun— 
de und Bekannten, die davon angeſteckt waren. Dieſes war vermuthlich, feiner Meynung 
nach, die Urſache, daß er ſolcher entgieng, indem er ſich alſo an die Stadt und die anſteckende 
Luft gleich vom Anfange gewoͤhnte, welches er auf des Oberſten Kendals Anrathen that. 

| Hhh 2 Dieje⸗ 
nung einige Sklaven zu kaufen, die auf des Schiffs daß ſolche, vornehmlich des Hauptmanns ſeine, ſel⸗ 
Unkoſten erhalten werden; und man hat angemerkt, ten oder niemals ſterben. i 


1695 
Phillips. 


Segelt nach 
England. 


Koͤn mt nach 


Seilly. 


Ulngluͤcklicher 


Zufall. 


Schiffe ſind 
in Gefahr. 


428 Reiſen nach Guinea und Benin, 

Diejenigen hingegen, die ſich auf dem Lande in einer beſſern Luft, aus Furcht vor der in der 
Stadt, auf hielten, wurden gemeiniglich angeſteckt, wenn ſie einiger Geſchaͤffte wegen nach 
der Stadt kamen. Es ſtarben waͤhrend der Zeit ſeines Aufenthalts daſelbſt auf zwanzig 
Steuerleute, unter deren Anzahl die Hauptleute Gurney und Bowls waren, welche die 
Kriegesſchiffe, Briſtol und der Spielpreis, führten e). 

Nachdem Phillips faſt ſiebenhundert Oxthoͤfd Zucker für neun und zehn Schilling 
Fracht für hundert Pfund; etwas Baumwolle für zwey Pence das Pfund, und Ingwer 
um acht Schillinge fuͤr hundert Pfund, eingeſchifft hatte: fo machte er ſich den aten April 
fertig, in Geſellſchaft mit drepßig andern Schiffen, worunter ihrer ſieben acht und zwanzig 
und mehr Canonen fuͤhrten, unter der Begleitung des Tygers, eines Kriegesſchiffes abzu— 
ſegeln. Der Hauptmann Scherman hatte ihnen befohlen, eine Schlachtordnung zu ma— 
chen, wofern ſie einen Feind antraͤfen. Er hatte den Hannibal beſtimmt, den Angriff an 
der Steuerbordsſeite zu fuͤhren, und den Hauptmann Buttrom in dem Falkenberge auf 
die Backbordsſeite beſtellt, wofern ſie ſich in ein Treffen einlaſſen muͤßten; er ſelbſt aber 
blieb im Mittel, und die andern Schiffe von der Linie waren beſtellt, ihnen zu Huͤlfe zu 
kommen. Sie liefen mit Abfeurung aller Stuͤcke rund um die Stadt aus, und den zten 
gingen fie in Geſellſchaft mit dem Kriegesſchiffe Cheſter nach England unter Segel. Der 
Oberſte Codrington, General der Inſeln unter dem Winde, hatte ihnen ſolches von An⸗ 
tigua geſchickt, um ihre Begleitung zu verftärfen, bis fie vor dem Eylande Diſeada vor⸗ 
bey waͤren; weil er die Nachricht erhalten „daß daſelbſt ein Geſchwader franzöſiſcher Krie⸗ 
gesſchiffe von Martinik laͤge, welches daherum auf fie laurete. 


Den zeſten May erreichten fie das Eyland Scilly. Phillips hatte den 1g ten deſſl. 
ben gewaltige Verzuckungen und Reißen im Kopfe bekommen, und von der Zeit an nahm 
auch das Gehör auf feinem linken Ohre ſehr ab. Er hatte ſchon auf der Goldkuͤſte durch 
einen vorhergehenden Anfall das Gehoͤr auf ſeinem rechten Ohre verlohren. Da er itzo 
nun niemand hatte, der nach ihm ſah, indem ſein Arzt an der Peſt i in Barbados geſtor⸗ 
ben: ſo nahm ſeine Taubheit taͤglich zu. 

Sie hatten unterwegens nichts merkwuͤrdiges, außer dem Todesfalle der Frau Worth, 
der Schwiegermutter des Oberſten Ruſſels, und dem Ungluͤcke, welches einem von ſeinen 
Kajuͤtenjungen begegnete. Dieſer ſpielete mit dem Tyger in feinem Kaͤfichte, und ritzte 
zuletzt ſeine Hand an der Spitze eines Nagels, daß ſie ein wenig blutete. So bald der 
Tyger das Blut ſah, bemaͤchtigte er ſich der Hand 7), und riß fie in einem Augenblicke bis 
an den Knoͤchel in Stuͤcken, bevor er konnte losgemacht werden. Sie wurde von dem 
Wundarzte verbunden, bis Phillips zu Falmouth einlief, wo er ihn den 24ſten May ver- 
ließ, damit fuͤr ihn geſorget wuͤrde, und von da er den 28ſten abgieng. Als er aus dem 
Hafen ausfuhr, ſo ließ ſein Steuermann das Schiff auf den Grund laufen; es ward aber 
bald wieder flott. 

Den 2gften des Morgens giengen fie den plymuthsſund, und den Abend vor dem 
Start vorbey, wo ſie zu der Bilboaflotte ſtießen, welche unter der Begleitung des Haupt⸗ 
manns Sughes in dem Rochefter, und des Hauptmanns Guy in der Krone, zweyen 
Kriegesſchiffen, nach Hauſe gieng. Sie ſetzten mit ihnen ihre Reiſe fort, bis ſie gegen Oſten 


von 
e) Phillips Reiſe a. d. 234 u. f. S. 


7) Dieß bekraͤftiget, was bereits von dem Löwen angemerkt worden oben a. d. 307 S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch II Cap. 429 


von Beachyhead kamen. Weil der Wind fie hier gegen Oſtnordoſt trieb: fo gedachten 1695 
ſie in die Duͤnen hineinzufahren. Dieſemnach gieng fein Steuermann, welcher betrunken Phillips. 
war, mit dem Schiffe vom Ufer ab, der Hauptmann Gillum aber, ein neuenglaͤndiſches 

Schiff von acht und zwanzig Canonen, blieb an demſelben halten, wodurch beyde Schiffe 

ſehr nahe aneinander kamen. Weil nun keins von beyden aus Hartnaͤckigkeit aus dem 
Wege ſegeln, oder ſich beyzeiten wenden wollte: fo liefen beyde Schiffe aneinander, und 
ſtießen fich dergeſtalt, daß Gillum genoͤthiget war, fein Schiff mit feinen Stuͤcken auf die 

Seite zu bringen, damit er es vom Sinken abhielt. Was den Hannibal betraf: ſo gieng 

deſſen Spitze, Boegſpriet, Fockemaſt und Vorbramſtenge verlohren. Die drey Boote, 

welche an der Seite des Schiffes waren, ſanken; und waͤre es nicht ein ſtarkes wohlgebau— 

tes Schiff geweſen: ſo wuͤrde es ſelbſt geſunken ſeyn. 

Phillips lag ungemein krank im Bette, und wußte nichts von dieſem Zufalle. Da er Er laͤuft zu 
aber feinen Buchhalter ſehr erſchrocken in die Wache kommen ſah: fo ftund er vom Bette Spithead 
auf; und indem er zur Kajüte kroch, ſah er fein Schiff wie ein Wrack in der See ſchwim⸗ n 
men. Er machte hierauf die gewöhnlichen Nothzeichen, und der Rocheſter und die Krone 
kamen herbey; und der Hauptmann Gup, welcher vordem Lieutenant auf dem Hannibal 
geweſen, als er noch als ein Schiff vom vierten Range in des Koͤniges Dienſten geſtanden, 
ſchleppte ihn hinter ſich her nach Spithead, wo er mit großer Beſchwerlichkeit anlangte. 
Die alte beſoffene Beſtie vom Steuermanne lag in einem feſten Todtenſchlafe auf dem Vor⸗ 
agſtelle, und ſchlief den Rauſch aus, da ſeine Leute und die von dem Kriegesſchiffe fein Schiff 

wieder in Stand ſetzten, die Maſten flickten u. ſ. w. | 
Das Schrecken über dieſen letzten Zufall benahm Phillipſen vollends fein Gehör. Er Verllert ſein 
ſchrieb daher einen Brief an feine Eigenthuͤmer, und erſuchte fie, fie möchten einen an: Gehör. 
dern Hauptmann ſchicken, der fuͤr das Schiff auf deſſen Reiſe nach London ſorgte, und es 
ausbeſſerte. Es ward auch der Hauptmann Johann Sereford mit den gehörigen Offi⸗ 
eieren abgeſchickt, dem er die Aufſicht übergab, und die beyden Kiſten Gold, die er am 
Borde hatte, ſtellte er den Bedienten der africaniſchen Compagnie zu, die mit einer Wache 
deswegen gekommen waren. Er gieng mit ihnen in einem Wagen nach London, um ſeine 
Geſundheit und ſein Gehoͤr wieder zu bekommen. | | 
Als er in die Stadt kam, fo wurden ihm viele große berühmte Aerzte angepriefen, welche Brauchet 
insgeſam̃t vorgaben, ſie wollten ihn von ſeiner Taubheit befreyen. Nachdem er aber vier oder f e 
fuͤnf Monate lang von den Apothekern taͤglich mit einigen Doſen von garſtigen Arzeneyen ge— e 
martert, und von den Wundaͤrzten mit Blaſenziehen, Fontanellen und Setonen zerfleiſchet 
worden, und uͤber hundert Guineen aufgewandt hatte, ohne daß ihm dadurch fuͤr einen 
Dreyer beſſer geworden wäre: fo entſchloß er ſich, die Aerzte fahren zu laſſen, und ſich aufs 
Land zu begeben. Er brachte alſo ſeine Sachen zu London in Ordnung; und weil er 1 
nungen untuͤchtig geworden: ſo gieng er hinab nach Wales zu ſeinen Verwandten in Breck⸗ 
nock, feiner Vaterſtadt, um daſelbſt fein uͤbriges Leben fo ruhig und vergnuͤgt zuzubringen, 
als er es bey feinem ſchweren Ungluͤcke thun konnte g). 


n 


25h | Das 


2) phillips Reife a. d. 237 u. f. S. 


1701 


Loyer. 
— 


430 Reiſen nach Guinea und Benin, 


4 Das III Capitel. es 
Kurze Nachricht von einer Seefahrt nach Iſſini auf der Gold⸗ 


kuͤſte, im Jahre 1701; nebſt einer Beſchreibung des Landes 
und ſeiner Einwohner. 


Durch Gottfried Loyer, einen Jacobitermöͤnch. 
Jetzo zuerſt aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzet. 


| Einleitung. 
Di Beſchreibung von dieſer Reiſe ward zu Paris im Jahre 1714 in Octav gedruckt, 


und beſteht aus zweyhundert und acht und neunzig Seiten, außer der Vorrede und 
den Freyheitsbriefen 2). Sie iſt in Artikel abgetheilt, und mit Kupfern verſehen, 
hat aber weder ein Verzeichniß des Inhalts, noch ein Regiſter. Der Verfaſſer war Prx- 
ectus Apoſtolicus der Predigerbruͤder auf der Kuͤſte von Guinea. Seine Vorrede machet 
nur drey Seiten aus, und enthaͤlt nichts merkwuͤrdiges; daß ſie alſo nur der Gewohnheit 
wegen, oder dem Buchhaͤndler zu Gefallen geſchrieben zu ſeyn ſcheint. Er bedienet ſich der 
gewoͤhnlichen Mittel, ſeinen Leſer anzulocken, verſichert ſeine Aufrichtigkeit, und daß er alles 
ſelbſt geſehen habe. Gleichfalls machet er Hoffnung zu beſondern Begebenheiten und neuen 
Anmerkungen von den Ländern. | 
Der Leſer, ſaget Loper, wird ohne Zweifel mit Verwunderung von Koͤnigreichen :hö- 
ren, deren Monarchen Bauern ſind, von Staͤdten, die aus Schilfe erbauet ſind, von 
Fahrzeugen, welche ſegeln, und deren jedes doch nur aus einem Baume beſteht. Be— 
ſonders wird er ſich uͤber ein Volk verwundern, das ohne Sorge lebet, ohne Regeln ſpricht, 
ohne Schriften handelt, und ohne Kleider geht, von dem einige im Waſſer wie Fiſche, an⸗ 
dere in Erdhoͤhlen, und ſo nackend und unempfindlich wie Wuͤrmer leben. h 
Dieſer Schriftfteller ertheilet die beſte Nachricht, welche man nur von Ißini und den 
daſigen Einwohnern antrifft, und auf eine ſehr natürliche ungezwungene Art, welche gemei- 
niglich die Aufrichtigkeit zu begleiten pflegt. Sein Werk iſt in folgende Hauptſtuͤcke 
abgetheilt. N 
Vorlaͤufige Reife nach den americaniſchen Inſeln, auf der ıften Seite. Des Verfaſ⸗ 
ſers Abreiſe nach Ißini, auf der raten Seite. Beſchreibung von Teneriffa, auf der zıften 
Seite. Beſchreibung des Eylandes Gorea und der anliegenden Kuͤſte, von dem Koͤnige 
und den Sitten des Volks, auf der aiſten Seite. Von dem Vorgebirge Bernard und Rufiſco, 
auf der zoſten Seite. Vom Koͤnigreiche Seſtro, auf der 82ſten Seite. Mit was für Um⸗ 
ftänden Akafini, König von Ißini, Herrn Damon aufgenommen, auf der unten Seite. 
ö Von 
) Der Titel iſt: Nachricht von einer Reiſe nach dem ſich die Franzoſen hier geſetzt. Alles an dem 
dem Koͤnigreiche Ißini, auf der guineiſchen Goldkuͤſte Orte ſelbſt ſorgfaͤltig angemerkt, durch den Ehrw. 
in Africa. Nebſt einer Beſchreibung von dem Lan⸗ Vater, Gottfried Loyer, Præf. Ap. der Jacobi⸗ 
de, der Beſchaffenheit, Sitten und Glauben der Ein- nermißionen nach der guineiſchen Kuͤſte, und einem 
wohner, und was denkwuͤrdiges vorgegangen, ſeit⸗ Bruder des Convents der Verkuͤndigung zu Men 


* 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 431 


Von dem Könige von Ißini, deſſen Pallaſte, wie er mit feinen Hofleuten in Geſellſchaft 1701 
lebet, feinem Reichthume und feiner Macht, und der Folge auf dem Throne, auf der 122 Seite; Loyer. 
von den Einwohnern, ihrer Statur, Gemuͤthsbeſchaffenheit, Neigungen, Fleiß und Klei⸗ 
dung, auf der 137ſten Seite; von den Weibsbildern, ihren Neigungen, Heirathen, Erzie⸗ 
bung der Kinder und Kleidung, auf der 150ſten Seite; von den Veteres und Kompas, auf 
der 157ſten Seite; von ihren Haͤuſern, Hausrathe, Brodte, Koros, Palmweine und Oele, 
und wie ſolches gemacht wird, auf der 166ſten Seite; Ißini, ein Königreich auf der Gold⸗ 
kuͤſte, wie und warum es feinen Ort verändert hat, auf der ı78ften Seite. Boden und 
Fluß von Ißini, daſige Fruͤchte und Pflanzen, Luft, Landesbeſchaffenheit und Krankheiten, 
auf der ı85ften Seite. Daſige Thiere, Voͤgel, Fiſche und Infecten, auf der 203ten Seite. 
Kaufleute und Handel, auf der 2ıgten Seite. Gerechtigkeit in bürgerlichen und peinlichen 
Sachen, Art die Schulden einzufordern und Strafen auszuüben, auf der 222ſten Seite. 
Arzeneymittel, Tod und Leichenbegaͤngniſſe, auf der 234ſten Seite. Religionen, Glauben, 
Fetishen, Aberglauben, Eide und Ofnon oder Hoherprieſter, auf der 242ſten Seite. Kriege, 
Waffen, Kriegsinſtrumente, wie die Holländer die Franzoſen hier den ızten Nov. im Jahre 
1702 angegriffen, auf der 258ſten Seite. Des Verfaſſers Ruͤckkehr nach Frankreich, auf 
der 282ſten Seite. | 5 

Der Kupfer ſind achte, ſo groß als das Format, ſehr ſchlecht, und von keiner großen 
Wichtigkeit. | | 

Titelkupfer. Herrn Damous Audienz bey dem Könige Akafini; Negern und Neger- 
haͤuſer, auf der ziſten Seite. Negerhaus, auf der zaften Seite. Ein bekleideter und ein 
nackter Neger, auf der 62ſten Seite. Einer auf einem Kameele reitend, auf der gaften 
Seite. Negerhaͤuſer, auf der gaften und urten Seite. Negern, die den Palmbaum hinauf 


klettern, auf der 75ſten Seite. 1 


Der I Abſchnitt. 


Mißion nach Guinea. Loyer wird dazu erleſen. Santa Cruz in Teneriffa. Beſuch beym Statt, * 
Aniaba, oder Ludwig Hannibal, praͤtendirender halter. Koͤnig von Kayllor oder Kayor. Groß 
Prinz von Ißini. Sie verlaſſen Frankreich. Seſtro oder Paris. Portugieſiſches Schiff. In 
Großer Sturm. Schiffe in Gefahr. Sie treffen großem Glende. Kuͤſte von Quaqua. Landung 

einen Kaper von Salee an, dem ſie entrinnen, zu Ißini. Aufnahme beym Koͤnige. 


Im Auguſt des Jahres 1687 begab ſich P. Gonſalvez, ein Jacobinermoͤnch, von Puy Mißion nach 
N en Vellay gebürtig, zu Rochelle mit einigen andern Brüdern 5) zu Schiffe, um nach Guinea. 
Guinea als Mißionarien oder Glaubensbothen zu gehen. Sie kamen zu Ißini den 24ften 

des Chriſtmonats dieſes Jahrs gluͤcklich an, wo Jena, der damals dieſes kleine Königreich 

regierte, fie guͤnſtig aufnahm «). Dieſer Fuͤrſt gab dem P. Gonſalvez zweene junge 

Negern, von denen man einen fuͤr ſeinen Sohn hielt, der ſich nachgehends unter dem Namen 

Aniaba und Roanga 4) in Frankreich ſehen ließ. Gonſalvez ſchickte ſie mit der Ge⸗ 


ſelſchaft 
in Bretagne. Mit Kupfern. Paris, bey Se⸗ c) Er war König der Ißininegern, und floh un: 
neuze und Marol, 1714, mit Freyheit. ter den Schutz der Veteres. Siehe Marchais auf 


6) Aabat ſaget, es wären ihrer ſechſe geweſen, der 204 Seite. 

und ſey er dazu durch die gute Aufnahme, die ihm zuvor ö 

zu Ißini widerfahren, aufgemuntert worden. Siehe 4) Labat ſaget, er hätte ihn nach Frankreich 
Marchais Reife nach Guinea, 2 Band, a. d. 204 S. geſandt, daſelbſt Standesgemaͤß erzogen zu werden. 


1701 
Royer. 
U. 


Loyer dazu 
erleſen. 


Prinz von 


Ißini. 


Sie gehen 
aus Frank⸗ 
reich fort. 


332 Reeiſen nach Guinea und Benin 


ſellſchaft zuruͤckkehrenden Schiffen wieder e), und ließ P. Heinrich Cerizier zu Ißini, wo 
der Koͤnig ihm ein Haus mit etwas Felde und ſechs Sklaven zur Bedienung gelaſſen hat⸗ 
te 7), er aber gieng mit den andern Mißionarien nach Indien, mo fie alle innerhalb acht- 
zehn bis zwanzig Monaten g), nicht ohne Argwohn einer Vergiftung, ſtarben. Cerizier 
ſtarb einige Jahre nach ihnen, und wie Labat 5) muthmaßet, auf eben die Art. 

Hierdurch blieb die Mißion ohne Arbeiter bis 1700, da P. Gottfried Loyer, ein Ja- 
cobinermoͤnch von Rennes in Bretagne, der einige Jahre in den americaniſchen Inſeln ge: 
braucht worden, Zeit ſeines Aufenthalts zu Rom wegen des Jubeljahrs auf Befehl Inno⸗ 
centii XIl durch die Geſellſchaft de propaganda fide, Præfectus Apoſtolicus von einer neuen 
Mißion auf der Kuͤſte von Guinea ernannt wurde. Labat, ein Mitglied eben dieſes Or 
dens und Kloſters, ſaget, er habe um ſolchen Titel angehalten, und dazu den Beyſtand des 
Hofes mit einer ziemlichen Geldſumme genoſſen 1). Als er mit dieſer Gewalt bekleidet 
war: ſo kehrte er nach Paris zuruͤck; und weil er da den Hof um Erlaubniß mit der Geſell⸗ 
ſchaft Schiffen fortzugehen erſuchte, both ſich gleich eine vortheilhafte Gelegenheit dar, da der 
Koͤnig den Prinzen Louis Aniaba nach ſeinem Koͤnigreiche Ißini Y) zurück ſandte. 

Der Koͤnig hatte ihn ſeiner wirklichen, oder vorausgeſetzten Geburth gemaͤß erziehen 

laſſen, und er hatte als Rittmeiſter unter den franzoͤſiſchen Voͤlkern gedient. Wie aber ſein 
Vater Fena todt war: ſo hielt man fuͤr dienlich, ihn zuruͤck zu ſenden. Der Koͤnig gab ihm 
eine Equipage, die ſich für feinen Rang ſchickte, nebſt Bedienten, und zweenen Soldaten zur 
Begleitung. Ohne Zweifel erwartete die Geſellſchaft, er wuͤrde aus Dankbarkeit ihre 
Handlung befoͤrdern, und bey dem neuen Sitze, den ſie ſich dort anlegen wollte, behuͤlflich 
ſeyn. Als der Marquis de Ferolle, Generallieutenant der Inſeln unter dem Winde, 
dem Prinzen den P. Loper vorgeſtellt, und ihm die Abſicht der Reife eröffnet hatte: fo 
verſetzte dieſer, es ſey ein großes Vergnuͤgen fuͤr ihn, da ihn ein Dominicaner als einen Hei⸗ 
den nach Frankreich gebracht haͤtte, daß ihn ein Ordensmann von eben dieſem Orden als eis 
nen Chriſten wieder nach feinem Lande zurück bringen ſollte. 


Nachdem Koyer mit dem Ritter Damon, beſtimmtem Befehlshaber eines zu dieſer 
Fahrt verordneten königlichen Schiffes, Poly, die Einrichtungen abgeredet hatte: ſo reiſte 
er nach Orleans ab, und gieng von dar die Loire hinunter nach Angers, und weiter zu Lande 
nach Rennes, um von ſeinen Verwandten Abſchied zu nehmen. Darauf begab er ſich nach 
Rochelle, wo ſie zu Schiffe gehen ſollten. Hier fand er den P. Jacob Willard, einen 
Moͤnch aus der Pariſer Provinz, den er zu Lion beredet hatte, ihn bey der Mißion zu be⸗ 
gleiten. Bald darauf langten Prinz Aniaba und der Hauptmann Damou an; und wie 
alles fertig war, ſo giengen fie den 18ten April im Jahre 1701 zu Schiffe, und ſegelten den 
folgenden Tag von der Rheede von Chedebois mit gutem Winde. 

Den 20ſten fuhren fie bey dem Hafen Belle-Isle vorbey, und anferten den Tag dar⸗ 
auf bey der Inſel Groas, zwo Seemeilen von dem Hafen Louis, wo fie bis den 17ten ſtille 
lagen, um Erfriſchungen einzunehmen, und auf zwey Schiffe, welche der Geſellſchaft von 
St. Domingo gehörten, zu warten, die fie nach der Kuͤſte von Africa begleiten ſollten. 

s 
e) Unter der Auſſicht eines feiner Moͤnche. 5) Ebendaf, 


Aabat. 5) Ebendaſ. a. d. 206 S. 
Fr Marchgis, 2 Band, a. d. 203 ©. 1) Ebendaſ. a. d. 207 S. 


Du 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 433 


Es waren ſolches der Unverſchaͤmte, den Hr. Baſſet, und Holland, welches Hr. le Carle 170 
führte, jedes mit zwanzig Stuͤcken und zweyhundert und funfzig Mann beſetzet 7). Coyer. 


Den 27ften April verließen fie Groas mit gutem Winde, der aber die beyden folgenden Tage Großer 
veränderlich wurde, und fo ſtark wehte, daß fie ihre Segel einnehmen, und vor dem Winde Sturm. 
treiben mußten. Den agſten zu Abende erreichten fie Capo Finiſterre, und fanden die 
See fo ſtuͤrmiſch, daß fie um zwey Uhr des Morgens ein Stuͤck von dem Hintertheile des 
Schiffes wegfuͤhrte, und die Fenſter und Thuͤren des Verſammlungsraums zerſchmetterte, 
und Waſſer in ſolcher Menge hinein drang, daß zwey Reiſende, welche daſelbſt ſchliefen, 
mit ihren Matrazen an den Fuß des großen Maſtes geführt wurden. Es eutſtund ein ges 
waltiger farmen am Borde. Loper, welcher mit feinen apoſtoliſchen Geſellen in des Ca- 
noniers Kajuͤte ſchlief, ward durch das Waſſer, welches auf ſie trieb, erweckt, ſowohl als 
durch das Geſchrey und Arbeiten der Bootsleute. In dieſer Gefahr hielten ſie ſich ſelbſt 
für verlohren, kamen aber durch kluge Anſtalten der Officier noch davon. 7 


Die andern beyden Schiffe waren nicht fo gluͤcklich. Der Unverſchaͤmte verlohr Die Schiffe 
feinen Hauptmaſt, und mußte einen Theil feiner Ladung an Guͤtern und Brettern, zu dem in find in Ge— 
Ißini anzulegenden Handlungsſitze über Bord werfen, welches am Ende ein großer Verluſt für fahr. 
fie war. Sie warfen auch ihr Küͤchengeraͤthe über Bord. Die Bootsleute waren ganz in 
Verzweifelung, da Herr Gazan, Faͤhndrich des Schiffs, im Namen des Volks eine Gekibde 
that, in ſeinem bloßen Hemde mit einem Stricke um den Hals, von dem erſten Hafen, wo 
fie anländen würden, nach der naͤchſten Kirche zu gehen, und daſelbſt Gott zu danken, wel: 
ches er zu großer Erbauung zu Santa Cruz in Teneriffa ausfuͤhrte. 


Auf dieſe Gefahr folgte eine neue von anderer Art. Den iſten May um ein Uhr des Sie treffen 
Morgens entdeckte das koͤnigliche Schiff unweit von ihnen ein Fahrzeug, welches es wegen einen See— 
der Lichter, die es in ſeinen Maſtſeilen fuͤhrte, fuͤr Holland hielt. Aber an der Art zu ſe⸗ raͤuber von 
geln merkten fie bald, daß es ein ſaleeiſcher Seeraͤuber war; weil dieß die ordentliche Breite Salee an, 
iſt, in der fie kreuſen. Ihr Argwohn vermehrte ſich, da es auf ihr Zeichen nicht antworte— 
te. Das Volk griff ſogleich nach ſeinen Waffen, die es aber durch die Benetzung beym 
letzten Sturme unbrauchbar gemacht fand. Mittlerweile legte ſich jenes Schiff an ihren 
Bord, aber es verfehlte ſeinen Zweck, weil die See hoch gieng, und brach ſeinen Fockemaſt 
an des koͤniglichen Schiffes feinen, ohne dieſes beſonders zu beſchaͤdigen. 


Indeß bemuͤhten ſich die Franzoſen vergebens, auf den Feind zu feuern, und zu fragen, dem ſie ent⸗ 
wer er waͤre. Er antwortete manchmal von Hamburg, manchmal ein Holländer, Eng: rinnen. 
länder und Franzoſe. Zum Gluͤcke war er fo zugerichtet, daß er ſich nicht wieder an ihren 
Bord legen wollte, ſonſt waͤren ſie verlohren geweſen, indem ſie ſich nicht im Stande befan— 
den, ſich zu vertheidigen. Man ſchlug vor, den Tag zu erwarten, den Seeraͤuber anzugreis 
fen, aber der Ritter hielt es für Flüger, ſich fortzumachen. 

Den 7ten May fegelten fie im Geſichte von Forteventura und Lancerotta, zwey von 
den Canarieneylanden. Gegen Nordweſt von Forteventura ſieht man eine Spitze, auf der 

vier 
) Aoyer betrachtet vielleicht feines Glaubens Loyers Landsleute, für einen Betruͤger ausgeben. 
oder ſeines Koͤnigs wegen dieſe Perſon als einen I) Loyer, a. d. 14 u. f. S. s 
fouverainen Prinzen, den andere Schriftſteller, ſelbſt ö 


Allgem. Reiſebeſchr. Il Band. Jii 


434 Reiſen nach Guinea und Benin, 
1701 vier kleine Berge ſind, von denen der letzte die Spitze machet, die nach Suͤdweſt abgetheilt iſt, 
Koyer. und wie eine Inſel erſcheint. Denſelben Tag, um neun Uhr des Morgens, ſahen fie ein 
Schiff mit vollen Segeln auf fie zulaufen; und weil fie es für einen Saleer hielten, mach— 
ten ſie ſich bereit, ihn zu empfangen, und ſetzten engliſche Flaggen auf: Aber als er ſich ih— 
nen auf eine Seemeile genaͤhert und fie betrachtet hatte, machte er ſich fort m). 
Santa Cruz um ſechs Uhr des Abends entdeckten fie das Eyland Teneriffa, und ankerten den Tag 
in Teneriffa. darauf bey Santa Cruz, wo fie ein Schiff von St. Malo fanden. Es waren in der Rhee— 
de verſchiedene andere Schiffe, beſonders ſpaniſche und ein engliſches oſtindiſches mit Sil— 
bermuͤnze reich beladen, welches bey Erblickung der Franzoſen ſich ſegelfertig machte. Aber 
wie der ſpaniſche Statthalter ſolches merkte: ſo that er einen ſcharfen Stuͤckſchuß, ihm zu un⸗ 
terſagen, daß es nicht fortgienge, und es ſeines Schutzes zu verſichern, worauf es wieder 
ankerte, und auch bey Loyers Abreiſe noch da war. Der Ritter Damou ankerte in fünf 
und vierzig Faden braunen Sand, innerhalb eines Stuͤckſchuſſes von der Stadt, und ſchickte 
ſeinen Faͤhndrich ans Land, den Statthalter zu begruͤßen, und zu fragen, ob er, im Falle das 
Fort begruͤßet wuͤrde, Schuß fuͤr Schuß geben wollte. Der Statthalter verſetzte, die Fran⸗ 
zoſen moͤchten anfangen, und er wuͤrde alles thun, was er koͤnnte, den Ritter von ſeiner 
Hochachtung zu verſichern. Darauf thaten ſie eilf Schuͤſſe, welche das Fort mit eben der 
Zahl erwiederte, und die ſpaniſche Flagge ausſteckte. 
Beſuch beym Lopyer gieng den Viceroy zu beſuchen, welcher damals der Graf von Palmas war, 
Statthalter. und ſich zu Laguna aufhielt. Er empfing die Miſſionarien hoͤflich, und bezeugte viel 
Vergnuͤgen uͤber des Herzogs von Anjou Erlangung der ſpaniſchen Krone. Herr Peter 
Muſtelier 1), damaliger franzoͤſiſcher Conſul, bewirthete feine Landsleute prächtig. Dieſer 
Herr, welcher aus Boulogne in der Picardie war, hatte hier eine Spanierinn geheirathet, und 
verſchiedene Kinder von ihr. Dem Ritter und ſeinen Officieren zu Ehren, zeigte er ihnen 
der daſigen Gewohnheit zuwider, feine ältefte Tochter reichgeſchmuͤckt mit Juwelen von 
zehn tauſend Livres werth; aber ihre Aufführung war fo ſittſam und angenehm, daß fie da= 
durch noch mehr einnahm als durch ihren Schmuck. 

Den ıcten May, nach eingenommenem friſchen Waſſer und Erfriſchungen, fegelten fie 
von Santa Cruz des Abends ab, und fuhren den 18ten unweit der Muͤndung der Sanaga 
vorbey, wo ſie ſich anlegten, aus Furcht, ſie moͤchten das gruͤne Vorgebirge uͤberfahren. 
Den Mittag darauf ankerten fie in dreyzehn Faden am Eylande Gorea o). 

Koͤnigreich Sieben bis acht Seemeilen von dem Fluſſe Sanaga, ſuͤdwaͤrts von dem grünen Vor: 
Kayllor. gebirge, gehoͤret die ganze Kuͤſte zum Koͤnigreiche Kayllor, welches von den Jalofern 7) 
bewohnt wird, die ein unumſchraͤnkter Monarch Damel Fal Biram ) beherrſchet. 
Dieſer Name iſt deſſen Ehrentitel. Er nennt ſich König von Kayllor und Baol oder 
Jain, welches letzte Land einem andern Volke den Sereres, welche Nachbarn der Jalo—⸗ 
fer, und mit ihnen im beftändigen Kriege find, gehoͤret. Ehe die Europäer Forts in die- 
ſem Lande hatten, war der ordentliche Sitz ihres Königs funfzehn Seemeilen das Land hin— 
auf; aber der Handlung wegen hat er ſich der See genaͤhert, und haͤlt ſich jetzo ordentlich zu 
Rufiſco auf, wo er eine feine Wohnung hat, welche mit artigen Matten von verſchiede⸗ 
nen Farben und ſchoͤn gewoͤlkt, geziert iſt. Dergleichen machen ſie hier in großer Vollkom⸗ 
menheit. 
m) Loyer a. d. 20 u. f. ©. Sanaga 1712, und ſtarb zu Tuabo in Galam. 
u) Er war nachgehends Generaldireetor an der Siehe zweyter Band a. d. 500 Seite. 


. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 433 


menheit. Dieſer König verkaufet bey dem geringſten Scheine des Rechtens feine Untertha⸗ 
nen fuͤr europaͤiſche Waaren, beſonders Brandtewein, von dem er ſo ein Liebhaber ſeyn ſoll, 
daß er, welches faſt unglaublich iſt, ſechs Quart den Tag trinket. Er iſt ſo tyranniſch, daß 
ein ganzer Flecken den Fehler eines Einwohners buͤßen muß, und bey der geringſten Ueber— 
tretung in die Sklaverey verkauft wird. 

Sie giengen auch an dem Vorgebirge Bernard ans Land, welches zwo Meilen von Goree 
iſt, wo ſich ein Negerdorf mit einer franzöfifhen Factorey und einem Waarenhauſe be⸗ 
findet. Der Oberſte im Dorfe nahm ſie ſo gut auf, als es ſeine ſchlechte Bequemlichkeit 
zulaſſen wollte. Nach dieſem giengen ſie, dem Alkair ſeinen Zoll zu bezahlen, der in einer 
Flaſche Brandtewein (welchen die Einwohner Sangara nennen), fuͤr jede Bootsladung 
Holz oder Waſſer beſteht; fie fanden aber, daß er mit dem Damel in Krieg gezogen war. 

Den ꝛ22ſten May lichteten fie und ankerten zu Rufiſco, welches eine größere Stadt iſt, 
als die am Vorgebirge Bernard r). Sie fegelten hier erſt den 28ſten des Abends ab, 
und entdeckten den uten des Brachmonats die Hoͤhe von Seſtro, wie ein kleines Eyland, 
und kamen den Abend eine Meile weſtwaͤrts von groß Seſtro oder Paris in eilf Faden 
zu ankern, da der Fluß von Seſtro ihnen gerade nach Oſten lag. 

Dien ı2ten des Brachmonats, fruͤhmorgens kamen drey Negern an Bord, in einem Ca⸗ 
noa mit drey Ananas, zu fragen, woher ſie kaͤmen, oder vielmehr einige Geſchenke, wornach 
ſie ſehr begiarig ſind, zu erhalten. Einer von ihnen verlangte Thee, den er den Herrn Ani⸗ 
aba trinken ſah; ihm ward aber berichtet, er ſey nur fuͤr die Weißen. Er war mit der Ant⸗ 
wort nicht zufrieden, fondern wies auf den Aniaba, und meynte, wenn dieſer Schwarze 
welchen traͤnke, ſo duͤrfte er es auch thun. Aniaba ſchien uͤber dieſe Freyheit nicht wenig 
empfindlich zu ſeyn, aber ſolches verhinderte ihn nicht, ans Land zu gehen, und die acht Tage, 
da er ſich hier aufhielt, mit den ſchwarzen Weibsbildern ein niemanden erbauliches Leben 
zu führen. Sie fanden hier ein engliſches Schiff vor Anker, und eins, das gleich bey ih⸗ 
rem Einfahren lichtete, und fie mit drey Schuͤſſen begrüßte 5). | 

Den ısten Junii früh ſahen fie zwey Schiffe mit vollen Segeln einlaufen, welche nahe 
bey ihnen ankerten. Eins war ein Englaͤnder, das andere ein Portugieſe. Als ihr Boot 
mit Waſſer vom Lande kam: ſo rief es der portugieſiſche Hauptmann, ein freyer Schwarze, 
und kam darinnen an Bord des Ritters Damon mit einem Dollmetſcher, den alles Schiffs⸗ 
volk für einen Provenſal hielt, ob er es gleich ſteif verneintsz. Der Hauptmann berichtete, 
ihnen, er ſey nach der Bay Allerheiligen in Braſilien beſtimmt gerdefen, Schwarze einzuneh⸗ 


1708 
Koyer. 


Vorgebirge 
Bernard. 


Groß Seſtro 
oder Paris. 


Portugieſi⸗ 
ſches Schiff 


men, hätte aber auf der Ruͤckkehr durch einen harten Sturm feinen Maſt verlohren, und 


nach der Kuͤſte laufen muͤſſen, mit dem Zuſatze, fein Schiff hätte fo ſchnell Waſſer ge⸗ 
ſchoͤpft, daß er ohne Beyſtand des engliſchen Schiffs wuͤrde geſunken ſeyn; und die Be⸗ 
ſchaffeuheit feines Schiffs brächte ihn zu dem Entſchluſſe, es zu verlaſſen, wenn der Ritter 
Damou ihm die Erlaubniß mitzureiſen, und ein Zeugniß von denen Umſtaͤnden, darinnen 
er ihn gefunden, ertheilen wollte. 

Der Ritter ſchickte alſobald ſeine Zimmerleute an Bord des Portugieſen, die weder 
Nagel noch Hammer zu Ausbeſſerung der Lücken, und alles verrottet und zerbrochen fan- 
den. Sie arbeiteten zweene Tage daran, es ſo dichte, als moͤglich, zu machen; worauf der 


. Jii 2 Ritter 
0) Loyer a. d. 29 u. f. ©. r) Loyer a. d. 47 u. f. S. 
p) Im Franzoͤſiſchen Geloffes. s) Siehe ebendaſelbſt auf der 79 und folgenden 


70 Katir Sal Sakabe beym Labat. Seite. 


in elenden 


Umſtaͤnden. 


1701 
Foyer. 


Kuͤſte von 
Quaqua. 


Landung in 


Iſſini. 


Aufnahme 


beymoͤnige. 


436 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Ritter dem Portugieſen rieth, nach St. Thomas (einer portugleſiſchen Inſel unter der $i- 
nie) zu ſegeln, wo er ſeine Barke ablegen, und die achtzig Sklaven, welche er am Borde 
hatte, ausſetzen koͤnnte. Nach dieſem gab er ihm ein Quintal Biſcuit, und funfzig Pfund 
- gefalzen Fleiſch zum Vorrathe, mit dem Verlangen, er ſollte zu ihm nach Iſſini kommen, 
wo er ihm ferner beyſtehen wollte, welches jener verſprach, aber nicht hielt. 


Den 18ten des Brachmonats lichteten fie von Seſtro, und kamen den zıften bey dem 


Vorgebirge Palmas vorbey, wo ſie ankerten. Die Einwohner dieſer Elfenbeinkuͤſte 


heißen Quaquas, weil ſie dieſes Wort oft wiederhohlen, da es ſo viel heißt, als: Die⸗ 
ner t). Man hält fie für ſehr wilde, und fie ſollen alle Weißen freſſen, die fie bekommen 
koͤnnen. Die Kuͤſte iſt wegen der Felſen ſehr gefaͤhrlich. Sie bringen in ihren Canoes 
Pfeffer, Hirſe, Reiß, Huͤhner, Papageyen, Affen, und viel Elfenbein, welches ſie gegen 
Meſſer, Brandtewein, Aexte, Eiſenwaare und Cattunzeug vertauſchen. 

Den 2aſten ſegelten fie früh ab, und ankerten den naͤchſten Nachmittag, wo fie ihr 
Boot nach einem kleinen engliſchen Fahrzeuge, das alle Segel ausſetzte, von ihnen zu lau— 
fen, ſchickten. Wie das Boot ſolches erreichte, war das ganze Schiffsvolk in Waffen, weil 
es ſie fuͤr Seeraͤuber hielt, bewillkommte ſie aber am Borde, als es ſeinen Irrthum ſah, 
und berichtete ihnen, daß ſie unweit Iſſini waͤren 1). 


Sie verließen ſich gleichwohl auf dieſe Nachricht nicht; und als ſie verſchiedene Negern 
am Ufer ſahen, ſo ſchickten ſie ihr Boot aus; und ihr zweyter Zimmermann, ein freyer 
Schwarze, wagte es, ans Ufer zu ſchwimmen, um Nachricht einzuhohlen. Er kam mit 
großer Schwierigkeit ins Boot zurück, und meldete, die Kuͤſte, welche fie fähen, wäre im Koͤ— 
nigreiche Abaſſam, zehn Seemeilen von Taqueshua x), wo die Landſchaft von Hi ini 
angeht. 10 

Den 25ften des Brachmonats „), lchteten ſie und ankerten zu Mittage unweit Ta⸗ 
queshua, wo ein Canoa, der hochgehenden See ungeachtet, an Bord kam. Als derſelbe 
fand, daß fie Franzoſen wären, die ſich hier ſetzen wollten, und den Herrn Damou, der ver: 
ſchiedenemal an der Kuͤſte geweſen war, kannte: ſo ruderte Amonin ihr Steuermann, 
und die uͤbrigen dreymal ums Schiff, ſpeungen frey aufs Verdeck, und ſungen und tanzten 


vor Freuden. Um ihnen ein Vergnuͤgen zu machen, gruͤßte der Ritter ihren Flecken mit 


drey Schuͤſſen. Nachdem ſie gegeſſen und getruncken hatten, kehrten ſie mit der Zeitung 
von der Ankunft der Franzoſen ans Land. Sie waren zweene Monate ib etliche Tage un⸗ 
terwegens geweſen. 


Die übrige Zeit des 26ſten ward in Handlungen mit den Negern zugebracht, von de- 
nen neune oder zehne am Borde uͤber Nacht blieben, und in der Nacht mit allem Schiffsvolke 
die Ceremonie Aquio Mingo machten. Sie ſchlagen naͤmlich die Haͤnde in einander, 
daß die Gelenke der Finger knacken, und wiederhohlen oft dieſe Worte, die euer Diener 
mein Freund bedeuten. 

Den Tag darauf gieng Herr Damon und Prinz Aniaba mit etlichen Soldaten ans 
Land; und den 28ſten kam der Hauptmann Akafini, König von Iſſini, von der Hauptſtadt 
Aſſoko, in Begleitung ſeiner Vornehmſten und vieler Sklaven. Er empfing den Ritter 

mit 
7) Oder: gehorſamer Diener. Als ein Compliment. x) Im Franzoͤſiſchen Takuechue. 
u) Aoyer auf der 94 Seite. 5 Anbar jeger ihre Ankunft zu Iſſini den sten 
des 


— 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 437 


mit den groͤßten Merkmaalen von Liebe und Hochachtung, dankte ihm beſonders fuͤr des 1701 
Königs Güte gegen den Aniaba, und verſtattete ihm, ein Fort 2) in feinem Lande zu. Koper. 


bauen, wo er wollte ). 8 


Der II Abſchnitt. 


Platz zu einem Fort. Der Verfaſſer kommt in Ge⸗ Schmuck feiner Weiber. Anſuchen der Franzo⸗ 
fahr zur See und zu Lande. Wie ſie Land ab⸗ ſen. Antwort des Koͤnigs. Zweyte Audienz. 
treten. Sie gehen nach Hofe. Audienz beym Beſchreibung des Forts. Es wird ſchlecht ver— 
Koͤnige. Saal und Thron. Perſon des Koͤnigs. ſorgt verlaſſen. 


Die beyden folgenden Tage wurden zugebracht, ſich um die Freundſchaft der Großen zu Platz zu els 
bewerben. Nachdem nun alle noͤthige Einrichtungen wegen Anlegung des Handels nem Fort. 
gemacht waren: fo kehrte der Ritter den ıften des Heumonats mit feinen Verrichtungen 

wohl vergnuͤgt zuruͤck. Den Morgen darauf lichteten ſie, um drey Seemeilen tiefer unter 

dem Munde des Fluſſes zu ankern, einer ſchmalen Halbinſel gegen über, die zwo Seemei⸗ 

len lang, und etwa achtzig oder hundert Schritte breit war, und zwiſchen der See und dem 

Fluſſe lag. Hier ward der Platz ausgezeichnet, auf welchem nachgehends das Fort gebaut 

wurde. Den zten und 4ten des Heumonats gieng die See fo hoch, daß es unmoͤglich fiel, 

zu landen. Dieſes iſt in den Monaten Junius, Julius und Auguſtus auf dieſer Kuͤſte 
gewöhnlich, da die Landung fehr gefährlich wird. Den sten des Heumonats war die See 

etwas ſtiller, und der Ritter Damou ſchickte feinen Lieutenant, Herrn von Gabarel, ans 

Land, den Grund zu unterſuchen, ob er fuͤr das Fort tuͤchtig waͤre. | 

A osyer und Villard giengen mit ihm; und als fie die Barre erreicht, mußten fie in Der Verfaſ⸗ 
die Negercanoes gehen, weil keine andere Boote fortkommen konnten. Kaum hatten fie aber \er ft in Se 
die großen Wellen erreicht, fo gieng der Canoa Kikribu (womit die Negern das Umwer— fahr 

fen ausdruͤcken), und fie fielen alle in die See. Zum Gluͤcke hatten fie nicht weit zu ſchwim— 

men, und die Negern halfen ihnen ans Land. Sie verlohren niemanden; aber ihre Kleider 

waren alle naß oder verlohren, und am Lande fanden ſie keine Bedeckung, daß ſie alſo den 

ganzen Tag der Sonnenhitze ausgeſetzt blieben. 

Einige Stunden nachdem ſie gelandet, kamen der Hauptmann Namoke, des Königs 
Bruder, Aniaba und verſchiedene Negern, ſie zu ſehen, und wollten ſie nach Aſſoko 
ſchaffen. Aber weil Herr Gabarel Befehl hatte, den Platz nicht zu verlaſſen: fo mußten 
ſie die Nacht unter einem ſo heftigen Regen zubringen, der bis an den Tag anhielt, daß 
zweene Franzoſen, welche bey ihnen waren, und ſich verſchiedene Jahre im Lande aufgehalten 
hatten, ſie verſicherten, es ſey in ſechs Jahren kein ſolcher Guß gefallen. 

Damit aber ihr Ungluͤck recht vollkommen ſeyn moͤchte, ſo hatten ſie nichts zu eſſen, zur See und 
ob fie wohl alle hungrig waren, und es war ſpaͤt gegen Nacht, als Herr de Mesnil de du Lande. 
Champigni, verordneter Statthalter des neuen Forts, von Affofo zuruͤckkam, und ihnen 
einige Stuͤcken Biſeuit gab, den er mitgebracht hatte, wodurch fie ſehr erfriſcht wurden. 

Er ſtarb drey Wochen darauf. 


Jii 3 Den 
des Heumonats. Siehe Warchais Reiſe zweyter ſchrieben, ſieht dieſe Gewogenheit als von geringem 
Band a. d. 208 S. Nutzen fuͤr die Geſellſchaft an. Siehe ebendaſelbſt. 


2) Aabat welcher die Geſchichte des Aniaba be⸗ a) Noyer a. d. Io u. f. S. 


1761 
Koyer. 


Wie fie Land 


übergeben. 


Sie gehen 
nach Hofe. 


Audienz 


4.8 Reiſen nach Guinea und Benin, 

Den folgenden Tag kamen der Hauptmann Namoke, des Königs Bruder und Nach⸗ 
folger, mit dem Hauptmanne Emond und dem Herrn Aniaba, in Begleitung einer groß 
ſen Menge von Sklaven, welche große Sonnenſchirme von vielerley Farben trugen, ſie zu 
beſuchen, und zu ſehen, wie fie die Nacht zuvor ohne Bedeckung gelegen. Aber fie brach— 
ten ihnen nichts zu eſſen, und forderten hingegen Brandtewein zu trinken und mitzunehmen, 
den ſie auch bekamen, damit man ſich ihnen gefaͤllig machte. 

Nachdem ſie fo viel getrunken, als fie gewollt hatten: fo rief der Hauptmann Namoke 
die Franzoſen, welche ſich am Lande befanden, an der Zahl zwoͤlf oder funfzehn, zuſammen, 
und ließ den Aſt von einem Baume abhauen. Dieſen gab er dem Hauptmanne Emond, 
der ihn vor ihnen in die Erde pflanzte, und alsdann von allen Franzoſen anruͤhren ließ, 
wobey er im Namen des Königs Akafini, und der ganzen Nation, ſich erklaͤrte, daß er 
dieſen Grund den Franzoſen uͤberließe, ein Fort darauf zu bauen, oder ſelbigen, wie ſie ſonſt 
wollten, zu gebrauchen, von welcher Schenkung er die Verſammlung zu Zeugen nahm. 
Dieſes dienet ihnen in Ermangelung der Schrift fuͤr einen Schenkungsbrief. Die Fran⸗ 
zoſen dankten ihnen für dieſes Zeichen der Freundſchaft, und bathen um derſelben Fortſe⸗ 
tzung. Nachdem ſich jene hier zwo bis drey Stunden aufgehalten: ſo kehrten ſie wieder 
nach Aſſoko zuruck. 

Den 6ten des Heumonats landete der Ritter Damou mit verſchiedenen Officieren, und 
brachte Zelte mit. Hauptmann Emond empfing ihn, als er aus dem Boote ſtieg, und 
ließ alſobald durch ſeine Sklaven eine Huͤtte von Schilfe, mit Palmblaͤttern bedeckt, aufrich⸗ 
ten, in welche ſich die Franzoſen begaben, bis ihre Zelter aufgeſchlagen waren, worauf ſie, 
bis zur Einrichtung eines beſſern Aufenthalts, unter Zelten blieben. Mittlerweile hatte der 
König feine Kaboſhiren b) oder Großen verſammlet, und bereitete ſich, die Franzoſen vor 
ſich zu laſſen, welches den gten folgender Weiſe geſchah c). 

Der König Akafini ſchickte den Hauptmann Emond zum Herrn Damon und den 
Franzoſen, um fie nach Aſſoko einzuladen, welches eine Art von einer Stadt iſt, die in ei⸗ 
ner Inſel eben dieſes Namens liegt, welche von dem Fluſſe von Ißini gemacht wird. Sie 
liegt etwan zwo Seemeilen uͤber den Ort hinauf, wo ſie ſich bisher aufgehalten, und der 
König und feine Vornehmen wohnen daſelbſt. Sie wurden in einem großen Canoe unter 
Trompeten und Trummeln hingefuͤhrt, welche einen ſolchen Laͤrm machten, daß man fonft 
nichts hoͤren konnte. Gleich bey ihrer Ankunft zu Aſſoko draͤngten ſich die Schwarzen am 
Ufer, fie zu ſehen, und fie wurden zum Hauptmanne Namoke geführt, um daſelbſt auszu⸗ 
ruhen, weil ſich der Koͤnig zur Audienz geſchickt machte. Als alles fertig war, ſo giengen 
Herr Damou und ſeine Begleiter uͤber drey Hoͤfe zu dem Palaſte, und kamen durch eine 
doppelte Reihe Negerſoldaten, die mit Saͤbeln und Mufketen bewehrt waren, welche fie mit 
aufgezogenem Hahne praͤſentirten. Auf dieſe Art wurden ſie in den Audienzſaal gefuͤhrt, wo 
der Koͤnig auf einem Throne ſaß. 3 | 

Nachdem Herr Damou ſich vor feiner Majeftät geneigt hatte, ftellte er den Bruder 


beym oͤnige. Coyer vor, der, wie nachgehends die andern zehn bis zwölf Franzoſen, feinen Reverenz 


machte. Der Koͤnig that den beyden erſten die Ehre, daß er ihnen Stuͤhle geben ließ; die 
übrigen aber ſetzten ſich wie fie konnten. So ſaßen fie beyderſeits bey einer Stunde, ohne 
zu 
5) Im Franzoͤſiſchen: Capacheres. Phillips c) Zeyer a. d. 104 fu. f. S. 
ſchreibt ordentlich Cappaſhiers. ER 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 439 


zu ſprechen. Die Trompeten, Trummeln und andere ſolche Inſtrumente machten auch ein 1701 
fo entfegliches Geröfe, daß kein Menſch etwas hören konnte. Alle Kaboſchiren befanden Loper. 
fich in ihrer Ordnung auf dem Boden, oder auf kleinen Stühlen, etwan einen halben Fuß 

boch. Der Hauptmann Namoke ſaß zu des Königs Rechten im Winkel des Thrones, 

und Herr Aniaba auf der andern Seite, auf einem etwas niedrigern Sitze. Der Haupt⸗ 

mann Emond ſaß unweit den Franzoſen auf einem Stuhle, dem Koͤnige gegen uͤber. 

Der Audienzplatz war eine kleine Hütte von Schilfe mit Palmen bedeckt, etwan vier⸗ Saal und 
zehn oder funfzehn Fuß hoch, zwanzig Fuß lang, und funfzehn breit, und die Decke hing 91 7 
überall auf die Erde herunter. Dieſer Saal war weder geziert, ausgeſchmuͤckt noch geebe⸗ 
net, und der Boden beſtund in beweglichem Sande. Des Koͤniges Thron war wie ein 
Spannbette, welches er zu dieſem Gebrauche von den Europaͤern gekauft hatte, und ruhte 
auf vier gedreheten Pfoſten, welche ſchwarz gemalt waren, um Ebenholz vorzuſtellen. Es 
hatte weder Kanopee, noch Himmel, noch Vorhaͤnge, ſtund am Ende des Saals, und war, 
wer weis wie, mit einigen rauben Brettern zuſammengeſchlagen, und mit drey bis vier Ty⸗ 
gerhäuten bedeckt. In der Mitte befand ſich der König, feine Fuͤße hingen auf die Erde 
herunter, und im Munde hatte er eine Pfeife, etwa einen Faden lang, aus der er beſtaͤndig 
rauchte. Dieſes iſt bey ihnen die edelſte Stellung. 

Er war nackned; nur hatte er um die Mitte ein Payne von weißem Cattune blau ge- Des Königs 
ſtreift. Er hatte einen ſchwarzen Hut mit Silber eingefaßt, und einer weißen Feder nach Perſon. 
franzoͤſiſcher Mode auf. Sein großer Bart war in zwanzig kleine Locken getheilt, welche 
mit ſechzig Stuͤckchen Aygrisſteinen eingeflochten worden, die rund, lang, und durch: 
bohrt waren. Dieß iſt eine Art von Edelgeſteine, der bey ihnen gefunden wird, der we⸗ 
der Glanz noch Schoͤnheit hat, und ausſieht wie unſere Glaskorallen 4); aber dieſe Leute 
halten ihn fo hoch, daß fie dafür fo viel Gold geben, als er wiegt. Nach dieſer Rechnung 
war des Koͤnigs Bart tauſend Kronen werth. 

Auf jeder Seite des Koͤnigs, auf eben dem Throne, aber etwas zuruͤck, ſaßen des 
Koͤnigs zwo liebſte Gemahlinnen, deren jede auf ihrer Schulter einen langen Saͤbel mit 
einem goldenen Griffe hatte, an welchem ein von Gold gebildetes Schaffell in Lebensgroͤße 
und noch groͤßer hing. An der Scheide war eine große goldene Muſchel, und rings um 
dieſelbe ein Hundert durchbohrte Tygerzaͤhne eingeſchlagen. 

Dieſe beyden Weiber hatten große goldene Halsbänder und Armringe, mit Platten Putz feiner 
von eben dem Metalle, die fi) auf ihre Bruͤſte ſchickten, und mit goldenen Ketten befeſtigt Weiber. 
waren. Ihr Haar war mit verſchiedenen goldenen Zierrathen durchflochten, uͤbrigens aber 
giengen fie ganz nackend, nur daß fie cattunene Pagnes um den Unterleib hatten. Hinter 
ihnen ſtunden ſechs andere Weibesbilder mit goldenen Armbaͤndern, aber nicht ſo reich wie 
die vorigen, geſchmuͤckt. Jede von ihnen träge etwas zu des Königs Gebrauche. Eine 
hat ſeine Pfeife, die andere ſeine Brandteweinflaſche, die er ſehr liebet u. ſ. w. 

Am Fuße ſeines Thrones auf jeder Seite gleich unter ihm waren zweene Maͤnner mit 
Saͤbeln bewaffnet, und mit Platten und Halsbaͤndern von Golde reich gezieret, deren jeder in 
feiner Hand eine Aſſagaye hielt, die mit eben dem Metalle ausgeſchmuͤckt war e). 


Nach⸗ 
d) Resſade de Verre. e) Loper a. d. In u. f. S. 


170¹ 

‚Koyer. 
Anfuchen der 

Franzoſen. 


Des Koͤnigs 
Antwort. 


Zweyte 
Audienz. 


44⁰ Reiſen nach Guinea und Benin, 0 


Nachdem der König feine Pfeife ausgeſchmaucht, ließ er die Muſik aufhören, welche 
bis dahin ununterbrochen gewaͤhrt hatte, und ſchickte den Herrn Banga, der als Dollmet- 
ſcher diente, zu fragen: warum die Franzoſen hieher gekommen wären, und was fie von 
ihm verlangten? Sie verſetzten durch ihren Dollmetſcher: das Verlangen, Seiner Maje⸗ 


ſtaͤt ihre Ergebenheit zu bezeugen, hätte fie von ihren Schiffen nach Aſſoko gebracht; aber 


die Abſicht, warum ſie aus Frankreich gegangen, ſey, ihre Religion auszubreiten, und eine 
gute Handlung mit ſeinen Unterthanen einzurichten, in Hoffnung, daß Seine Majeſtaͤt ihres 
Monarchen guten Abſichten befoͤrderlich ſeyn wuͤrden, wovon der damals gegenwaͤrtige 
Aniaba und der Dollmetſcher Banga Zeugen waͤren. 


Der Koͤnig dankte fuͤr die Guͤtigkeit des Koͤnigs von Frankreich gegen ihn und ſeine 
Unterthanen. Etwan drey Vierthelſtunden vergiengen mit beyderſeitigen Complimenten, 
ohne daß der König mit den Kaboſchiren geredet hätte, die auf alles, was vorgieng, ſehr 
aufmerkſam zu ſeyn ſchienen. Hierauf ſtund der König plöglich von feinem Throne auf, 
und die andern alle blieben an ihren Plaͤtzen, ausgenommen der Hauptmann Namoke, ſein 
Bruder, der Hauptmann Emond, und zwey oder drey der Vornehmſten, die ihm folgten. 
Bald darauf ſchickte er nach dem Herrn Damon und dem Bruder Loper, und noͤthigte 


den erſten, ſich mit dem Aniaba zu verſoͤhnen, der ihn durch feine uͤbele Aufführung belei⸗ 


digt hatte. Als Herr Damou hiezu willig war: ſo gaben ſie einander die Haͤnde, und da⸗ 
mit endigte ſich die Audienz. M 

Von hier wurden fie zu des Hauptmanns Namoke Haufe geführet, der fie mit Fiſchen 
bewirthete, welche in Palmoͤle gut zugerichtet waren, imgleichen mit einem wilden Schweine 
und Federvieh. Der Tag, und ein Theil der folgenden Nacht, wurden von den Schwar— 
zen mit Tanzen zu ihrer Ergoͤtzung zugebracht. Den folgenden Morgen um drey Uhr wa⸗ 
ven fie ſchon wieder am Thore, und machten eben fo einen Lärm, 


Den 1cten des Heumonats um Eilfe des Morgens hatten fie die zweyte Audienz beym 
Könige, in Gegenwart feiner Kaboſchiren. Er ſtund wieder unvermuthet auf, wie bey 
der erſten, und fuͤhrte ſie mit ſeinen Vornehmen in einen kleinen Hof, unter einen Cocos— 
baum, wo ſich alle zuſammen niederſetzten. Seine Weiber und das Volk aber blieben in 
dem Audienzſaale. Er fragte den Herrn Damou, was er ihm zu Erbauung des Forts 
für Gefaͤlligkeit erzeigen koͤnnte? Herr Damou erſuchte ihn, er möchte Befehl ertheilen, 
daß große Pfaͤhle gehauen wuͤrden, und daß die Sklaven der Kaboſchiren ſolche ans Ufer 
herunter brächten. Er willigte darein, wenn jeder ein klein Geſchenk bekaͤme; und bald 
kamen zwo oder drey Bootsladungen mit großen Palifaden, jede zu funfzehn oder ſechzeh 
Fuß lang. 145 

Den ı4ten fingen die Franzoſen an, ihr Fort zu bauen, und es ward eine Courtine da— 
von denſelben Tag abgeſteckt, die von zwey Bollwerken beſtrichen ward, deren jedes vier 
Achtpfuͤnder und etliche Steinſtuͤcke haben ſollte. 


Akafini 

7) Marchais Reife nach Guinea II Band auf 1) Barbot hingegen berichtet, es haͤtte einer, 
der 209 S. der gegen Ausgang des Jahres 1701 zu Iß ini ges 
2) Zoyer a. d. 17 u. f. S. weſen, die Schwarzen gefragt: wie ſie ſich mit den 


Franzoſen vertruͤgen? worauf ſie geantwortet: alle 


ꝗ— 


5) Warchais II Band a. d. 210 u. ſ. S. Kaboſchiren und ihre Unterthanen wären von da 


weg⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 44ı 


Akafini /), König von Ißini, war dazumal über fiebenzig Jahre alt, wohlgemacht, 1701 
bey Leibe, von einem majeftätifchen Anſehen, und ein Mann vom Verſtande. Er war reich Loper. 
und geizig, ob er wohl nur wenig Kinder hatte. Sein Bruder Namoke ſollte ihm nach⸗ Es 
folgen, und der Hauptmann Emond, fein Vetter, wünfchte dem Anſehen nach beyder Tod, 
um den Thron zu erhalten 2). Wie dieſe drey Haͤupter große Gewogenheit für die Frans - 
zoſen hatten: fo ift es gewiß, daß die Handlung hier mit großem Vortheile hätte Finnen 
eingerichtet werden, wenn man ſich ſolcher Umſtaͤnde recht hatte zu bedienen gewußt. Fol⸗ 
gende Beſchreibung des Forts iſt aus dem Labat. 


Der dazu erwaͤhlte Boden war eine lange Halbinſel, welche gegen Oft und Süd die See, Beſchrei⸗ 
und gegen Weſt den Fluß hatte. Sie hing durch eine ſchmale Erdzunge, etwan hundert bung des 
und funfzig Schritte breit, am Lande. Ob das Land gleich auf der Oberflaͤche duͤrre zu Forts. 
ſeyn ſchien: ſo war es doch mit großen ſchoͤnen Baͤumen bedeckt, und der Grund trug, wo 
er frey war, gut Gras. Es war leicht, ſie zu befeſtigen. Wo die See anſtrich, da befanden 
ſich Felſen, an denen ſich die Wellen beſtaͤndig ſchrecklich brachen, und die Seite am Fluſſe 
war durch eine gefaͤhrliche Barre geſichert; ſo daß man nur durch den engen Landſtrich da— 
zu kommen konnte. Das Fort beſtund aus einer Courtine und zweyen halben Bollwer— 
ken, die von Paliſaden etwan zehn bis zwoͤlf Fuß hoch gemacht, und inwendig nur mit Erde 
ausgefüllt waren, ohne daß außen ein Graben herumgieng. Auf jedem Bollwerke befan- 
den ſich vier Dreypfuͤnder mit etlichen Steinſtuͤcken. Hinter dieſer ſchlechten Verſchanzung 
waren einige Hütten für die Officier, mit Behaͤltniſſen für die Waaren und andern Vor— 
rath, die zwar klein, aber doch fuͤr das, was ſie hatten, groß genug waren. Indeß ließ man 
die Beſatzung daſelbſt mit ſtarker Verſicherung, daß ſie mit allen Arten von Beduͤrfniſſen 
innerhalb acht oder zehn Monaten reichlich ſollte verſorgt werden. . 


Als die Schiffe, welche den Prinzen Aniaba uͤbergefuͤhrt hatten, nach Frankreich zu- Wird ver: 
rück kamen: fo war die Geſellſchaft mit dem Verluſte bey dieſer Unternehmung ſo uͤbel zufrie- laſſen. 
den, daß ſie an die neue Einrichtung zu Ißini nicht eher, als bis im Jahre 1705, wieder 
gedachte, da einem franzoͤſiſchen Kriegesſchiffe befohlen ward, die daſelbſt gelaſſenen Fran— 
zoſen abzuholen, und das Fort und alles, was darinnen waͤre, den Negern zu uͤberlaſſen, 
welches auch geſchah. i N 

Labat tadelt hier das Verfahren ſeiner Landesleute, und ſaget, nach denen Verſprechun— 
gen, die fie von den Einwohnern zu Ißini gehabt, hatten fie es anders machen ſollen. Er 
ſetzet zum Ruhme der letztern hinzu, daß ſelbige ihren Vertrag treulich gehalten, ſo lange 
fie die geringſte Hoffnung von Seiten der Franzoſen gehabt hatten 7). Dieſes erhellet aus 
ihrer Widerſetzung gegen die Hollaͤnder, die alles moͤgliche thaten, um ſie zu gewinnen. 

So weit Labat 1). f f 

Nach eben dieſes Verfaſſers Meynung kamen die Hollaͤnder, auf die Nachricht von ihrer 
ſchlechten Verfaſſung, das folgende Jahr, wider fie von el Mina. 

b Der 


weggegangen, und haͤtten ſich eine Meile uͤber dem von acht Mann beſetzt waͤre. Dieſe kleine Beſa⸗ 

Flecken niedergelaſſen; fle unterhielten nicht die ge- Kung wäre mit Lebensmitteln, welche die Franzoſen 

ringſte Freundſchaft mit den Franzoſen, und die letz» zuruͤckgelaſſen, wohl verſehen, litte aber bisweilen 

tern hätten nur eine Härte am Ufer, welche mit Mangel am Waſſer, welches die Einwohner ihnen 

Paliſaden umgeben, mit fuͤnf Stuͤcken verſehen, und immer zu benehmen ſuchten. i 
k 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 


* 


1702 
Royen. 


ei Reiſen nach Guinea und Benin, 
Der II Abſchnitt. 


ea nere Die Holländer von Mina greifen das Fort an. Es Schiffe ſcheitern. Sie treffen einen an, der ver⸗ 


Die Hollaͤn⸗ 
der von Mi⸗ 
na 


greifen das 
Fort an. 


wird durch Bienen gerettet. Tapferkeit der bothene Handlung treibt. Das Schiff wird ge⸗ 
Negern. Aniabas Undank, und Betrug. Die nommen. Loyer entrinnt ans Ufer. Nachricht 
Gefangenen werden ausgewechſelt. Vorwuͤrfe, von ſeinem Gehuͤlfen. Das Fort Spini wird von 
welche den Franzoſen gemacht werden. Der den Franzoſen verlaſſen. een vom 
Verfaſſer leidet Schiffbruch. Die braſiliſchen Aniaba; ſeine Herkunft. 


On der That war Herr William de Palme, hollaͤndiſcher General zu el Mina, auf die 
. uͤbeln Folgen, welche es fuͤr den hollaͤndiſchen Handel haben koͤnnte, daß ſich die Fran⸗ 
zoſen zu Ißini feſt ſetzten, aufmerkſam, und bediente ſich aller Mittel, die Negern von den 
Franzoſen abwendig zu machen, oder wenigſtens es dahin zu bringen, daß ſie ihnen, wenn 
fie angegriffen würden, nicht beyſtuͤnden 3). Aber, als weder Verſprechungen noch Ge⸗ 
ſchenke etwas vermochten: ſo beſchloß der hollaͤndiſche General, ſie mit Gewalt abzutreiben. 
In dieſer Abſicht erſchien er den aten des Wintermonats im Jahre 1702 mit vier Schiffen 
im Geſichte des Forts, und ankerte drey Seemeilen davon zu Taqueshua. Den sten 
lichtete eines ſeiner Schiffe, lief mit franzoͤſiſchen Flaggen durch die Bay, und kam inner⸗ 
halb eines Canonenſchuſſes vom Fort zu ankern, begruͤßte auch ſolches mit dreyen Schuͤſſen. 
Da aber die Franzoſen nichts erwiederten: fo feuerte er die übrige Zeit des Tages noch viers 
mal von Zeit zu Zeit, ſie gleichſam zu verſichern, daß er franzoͤſiſch ſey. Beym vierten 
Schuſſe brannte das Fort ein Stuͤcke los, und ſteckte die franzoͤſiſche Flagge auf, um das 
Schiff, wenn es ſeinem Vorgeben nach franzöſiſch ſeyn wollte, zu noͤthigen, daß es das Boot 
ans Land ſchickte. Als aber der Hauptmann ſich alſo entdeckt fand: ſo kehrte er zu ſeinen 
Schiffen zuruͤck, nachdem er zweene Tage vor Anker gelegen; und der hollaͤndiſche General 
verſuchte vergebens alle Mittel, die Negern abſpenſtig zu machen: aber die Franzoſen be⸗ 
hielten ſie durch große Verſprechungen, und die Verſicherung, daß ſie ſtets acht bis neun 
Schiffe erwarteten, treulich auf ihrer Seite; ſo, daß der Hollaͤnder aus Zorn, daß ſie ſein 
Anerbiethen verſchmaͤhten, ihnen zwo bis dreh Lagen gab, die Anker lichtete, und ſich an« 
ſchickte, das Fort anzugreifen. 5 

Mittlerweile kamen die Negern haufenweiſe zu Lande dahin, und reizten die Franzoſen 
an, ſich mit ihrem groben Geſchuͤtze tapfer zu vertheidigen, und das übrige ihnen zu uͤber— 
laſſen, mit dem Erbiethen, ſie wollten darauf Acht haben, wenn ſich der Feind unterſtehen 


ſollte, zu landen. Sie hielten alle Naͤchte eine gute Wache an der Kuͤſte, eine Landung zu 


verhindern; und wenn die franzoͤſiſche Beſatzung zu Nacht Runde gieng, fo vereinigte ſich 
ein Haufen von funfzig Schwarzen mit ihnen, welche Verhaltungsbefehle von dem Statthal⸗ 
ter annahmen. Den ıten des Wintermonats ankerten die hollaͤndiſchen Schiffe vor dem 
Fort, um drey Uhr. Den folgenden Tag brachten fie zu, die Rheede zu unterſuchen, die Fran⸗ 
zoſen aber ſich in Vertheidigungsſtand zu ſetzen. Den izten um acht Uhr des Morgens, 
naͤherten fie fich, und das Fort ſteckte die franzöſiſche Flagge aus, und that zweene San. 
Schuͤſſe. 
a) Im May 1702, da er von feiner neuen Statt⸗ c) Eoyer, a. d. 204 u. f. S. 
baz Beſitz zu nehmen gieng. 
b) Aabat ſaget, er fen zu Ausbeſſerung feines 4) Labat ſaget, die drey andern Emoes waͤren 
Schadens genoͤthiget geweſen, ſich aus der Linie zu durch die Wellen zerſchmettert worden. Marchais, 
ziehen, a. d. 215 Seite. 2 Band, a. d. 216 Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 443 


Schuͤſſe. Der erſte gieng durch ihr Schiff durch und durch, und haͤtte beynahe einen por⸗ 1702 
tugiefiſchen Officier getoͤdtet; der zweyte verlegte einen Theil von des Admirals Tauwerke, Koyer. 
und befehadigte feinen großen Maſt. Sie erwiederten den Gruß mit allem ihren Geſchuͤtze, 

und feuerten auf eine raſende Art, welches die Franzoſen fo tapfer beantworteten, daß der 

dritte Schuß vom Fort zwiſchen die Verdecke eines von ihren Schiffen gieng, und des Steu⸗ 
ermanns dickes Bein zerſchmetterte. Die übrigen, beſonders das Admiralſchiff 5), waren 

ſo beſchaͤdigt, daß ſie ſich kaum flott halten konnten, und alle wuͤrden geſunken ſeyn, wo es 

den Franzoſen nicht ſowohl an Munition als an Lebensmitteln gefehlt, da ſie ihres Unter⸗ 

halts wegen ihre Kleider verkaufen mußten c). 

Da ſie aber nur noch zwey Faß Pulver übrig hatten, welches fie für dienlich hielten, für Wird durch 
ihr kleines Gewehr zu ſpahren: fo mußten fie bald zu feuern aufhören. Indeſſen ängftig> Bienen, und 
ten die Holländer fie mit Armbruſtſchuͤſſen, deren fie wohl eilfhundert, obwohl mit geringem 
Schaden des hoͤlzernen Forts chaten. Um zwey Uhr des Nachmittags gieng etwas vor, 
das dem Anſehen nach der Belagerten Verderben haͤtte ſeyn koͤnnen, aber doch ihre Rettung 
war. Im Fort, unweit der Capelle, hatten ſie einen großen Bienenſtock, der durch einen 
Canonenſchuß umgeworfen ward. Die Thierchen wurden uͤber dieſe Stoͤrung an einem 
hellen gelinden Tage ſo zornig, daß ſie auf die Beſatzung dergeſtalt fielen, daß ſolche ſich 
fortmachen mußte. Der Feind glaubte, fie verließen den Platz, und der hollaͤndiſche Ge⸗ 
neral befahl ſogleich, daß ſechs bewehrte Canoes funfzig Mann ans Land ſetzen ſollten. 
Mittlerweile kam die Beſatzung wieder durch eine Schießſcharte des Bollwerks nach dem 
Fluſſe zu, wo die Hollaͤnder ſie nicht ſehen konnten, zuruͤck. 8 

Wie die Negern auf ihrer Seite die Holländer zu landen bereit ſahen, ließen fie den der Negern 
Franzoſen melden, fie ſollten ſich weder ergeben, noch auf die Holländer feuern, um ihnen Tapferkeit 
nicht Schaden zu thun, und ſollten abwarten, wie fie ſelbige empfangen wuͤrden. Ver⸗ gerettet. 
muthlich hatten fie einen Hinterhalt in dem Gebuͤſche, unweit des Ufers, wo fie die Hollaͤn⸗ 
der erwarteten. Sie ließen ſelbige geruhig ans Land ſteigen; ſobald aber ſelbige fortruͤcken 
wollten, fielen Namoke, Emond, und die übrigen, fo hitzig auf fie, daß fie bey dem erſten 
Angriffe wichen; und ungeachtet ſie von dem Feuer ihrer Schiffe unterſtuͤtzt wurden, doch 
keiner von ihnen zurück kam, die Zeitung zu uͤberbringen. Die Negern nahmen zweene 
große Canoes 4) mit ihrer Ladung, Fahnen, Trummeln und Trompeten, und toͤdteten alle, 
die in ihre Haͤnde fielen, bis auf zweene, welche ſie als Gefangene mitbrachten, und neune, 
die von den Franzoſen im Fort auf ihre dahin genommene Zuflucht Quartier erhielten. 

Die Negern hieben den Erſchlagenen Koͤpfe e), Füße und Hände ab, nachdem fie ih: 
nen erſt das Fell abgezogen, ließen die verftümmelten Leichname der Flotte zum Anſchauen 
ausgeſetzt, und kehrten im Triumphe zuruͤck. Der hollaͤndiſche General verlohr uͤber eine 
ſo ungluͤckliche Unternehmung den Muth, lichtete noch denſelben Tag, und kehrte nach el 
Mina zuruͤck, da er hierbey den Herrn de Medeins, feinen Ingenieur /), verlohren, der 
die Voͤlker anfuͤhrte, auch etliche ſeiner beſten . eingebuͤßt hatte g). Dieſer mislungene 

1 


Anſchlag 
e) Labat faget, die Negern hätten dieſe Köpfe ) Die Pariſer Zeitung vom 7ten Oetober 1703 
dem Koͤnige gebracht. ſaget, fie hätten fünf und zwanzig Todte, darunter 


ihren Ingenieur, und eilf Gefangene gehabt, auch ihre 
7) Er ward durch den franzoͤſiſchen Statthalter Candes zuruͤck gelaſſen. Siehe Barbots Beſchr. 
getoͤdtet. | von Guinea, a. d. 430 D. 


1702 
Aoyer. 


Aniabas Un: 
dank 


444 Reiſen nach Guinea und Benin, 

Anſchlag war ihm deſto empfindlicher, weil er ſich des gluͤcklichen Erfolgs verſichert hielt, 
da ihn die Negern, wie mehr als zu wahr war, berichtet, daß es dem Fort an Vorrathe von 
Kriegs⸗ und Lebensmitteln fehlte. 

Die Negern verlohren hierbey nur drey Mann, darunter des Koͤnigs Y) ältefter Sohn 
war, dem der Schenkel von einer Canonenkugel weggenommen ward, woran er in drey Ta⸗ 
gen ſtarb. Die Franzoſen kamen nicht um einen Mann. 

Herr Aniaba hatte vor dieſem Zufalle den Herrn de la Vie fragen laſſen, ob er ihm 
zu Huͤlfe kommen ſollte; der Statthalter ließ ihm melden, wenn er kaͤme, ſo wuͤrde es eine 


Ehre fuͤr ſie ſeyn; thaͤte er es nicht, ſo wuͤrde er ſich beſchimpfen, weil er in Frankreich 


und Betrug. 


Auswechs⸗ 
lung der 


Gefangenen. 


Voͤlker commandirt haͤtte. Aber er fand fuͤr gut, ſich drey Tage nicht ſehen zu laſſen, und 
alsdenn dem Statthalter feinen Gluͤckwunſch abzuſtatten, ohne daß er ſich wegen feiner Ab— 
weſenheit im geringſten entſchuldigte, welche auch der andere nicht erwähnte ER 
Die Wahrheit zu geſtehen, ſaget Labat, nachdem er vierzehn Jahre in Frankreich auf« 
erzogen worden, und von dem Könige die größte Guͤtigkeit genoſſen: fo hatte er bey feiner 
Ruͤckkehr nach Ißini auf einmal alle Empfindungen der Dankbarkeit vergeſſen, und mit der 
franzöfifchen Kleidung auch alle Triebe der Ehre und Religion abgelegt. Die Mißionarien 
und der Statthalter, die ein beſſeres Vertrauen zu ihm gehabt, hatten ihm ſeine Veraͤnderung 
oft, aber vergebens, vorgehalten. Man argwohnte auch, er unterhielt ein heimlich Ver— 
ſtaͤndniß mit den Hollaͤndern, und naͤhme bey Hofe öffentlich ihre Parteyx. Wie feine 
Auffuͤhrung ſo undankbar war: ſo gab der Ritter Damou die Geſchenke, die er von dem 
Koͤnige fuͤr ihn erhalten hatte, wenn er auf dem Throne ſeyn wuͤrde, dem Koͤnige Akafini, 
deſſen Bruder Namoke und Enkel Emond, die alle mehr als der Abtruͤnnige fuͤr Frank— 
reich geneigt zu ſeyn ſchienen. Das uͤbrige nahm er nach Frankreich wieder mit, beſonders 
des Königs Bildniß mit Diamanten beſetzt, und Aniaba ward feinem Schickſale überlaffen. 
Der Ritter des Marchais, der mit Aniaba wohl bekannt war, ertheilte dem Herrn 
Labat von dieſen Umſtaͤnden Nachricht. Nach deſſelben Erzaͤhlung, ward er durch den 
Hauptmann Compere, Fuͤhrer eines Kaufmannsſchiffes, nach Frankreich gebracht, der ihn 
zu ſeinem Bedienten beſtimmt hatte; aber einige Leute ſtohlen ihn, die einen Vortheil dabey 
hatten, daß ſie ihn am Hofe und zu Paris fuͤr einen Prinzen ausgaben. Der Juͤngling ließ 
ſich leicht bereden, eine für ihn fo vortheilhafte Perſon zu ſpielen. Wie er fo auferzogen, und 
mit fo vieler Pracht nach Ißini geführt ward: fo wurde er durch feine Landesleute ausgeklei— 
det, die ihn noͤthigten, nach ihrer Art zu leben. Der Ritter war der Meynung, weil er 
Reuterey in Frankreich commandirt hätte: fo follte er Statthalter des Forts zu Ißini gewor— 
den ſeyn; aber die nachherige Auffuͤhrung zeigte, daß er ſich darinnen betrogen Y. 
Der hollaͤndiſche General ſchrieb zweene Briefe an den franzoͤſiſchen Befehlshaber. 
In dem erſten, der zu Axim den aten des Wintermonats unterſchrieben war, den Tag 
nach ſeiner Flucht, bath er, die Gefangenen wohl zu halten, und wegen ihrer Auswechſelung 
ein Cartel aufzurichten. Wie aber dieſe Briefe durch die Haͤnde des Akafini kamen, durch 
welche auch die Antworten gehen mußten, und die Negern ſehr argwoͤhniſch waren, daß die 
Franzoſen einen beſondern Frieden mit den Hollaͤndern machen moͤchten: ſo hielt man nicht 
für gut, en dergleichen Gelegenheit zu geben; ſondern weil die Beſatzung wegen der Le— 
bensmittel 


) Kabat ke der franzoͤſiſche Statthalter hätte und durch feinen Bruder Yamoke feinen Gluͤck⸗ 
den König Akafini für den geſandten Beyſtand dan⸗ wunſch wegen des Sieges abſtatten laſſen. Far: 
ken laſſen, welches der Koͤnig wohl aufgenommen, chais, am oben angef. Orte. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 445 
bensmittel vollig in ihrer Gewalt ſtund, ihnen die ubfahune des Friedens und die Gefange⸗ 1703 
nen vollig zu uͤberlaſſen. Daher antwortete man dem holländifchen Generale nicht, welcher Coper. 
ungeduldig ward, dem Akafini Geſandten ſchickte, und nach vielem unnuͤtzen hin⸗ und her⸗ 
ſenden, endlich einen Kaboſchir, in Dienſten der hollaͤndiſchen Geſellſchaft, Namens Ro; 
fit, ganz mit Ketten und Platten von Golde beladen, abſchickte, wegen der Loskaufung der 
Gefangenen mit voller Macht zu handeln. 


Dieſer trieb die Sache fo klug, daß er nicht nur der Gefangenen Erledigung ohne Geld Vorwuͤrfe, 
erhielt; ſondern auch den König Akafini zwang, zehn Bendes, oder viertauſend Livres die denFran⸗ 
an Golde, als eine Erſetzung für den Angriff, zu zahlen, womit er nebſt den Gefange- zoſen ge; 
nen den 17ten Jenner im Jahre 1703 zurückkehrte. Die Franzoſen hatten bey dieſem Ver. ch ER 
gleiche nichts zu thun, welches fie von der Verbindlichkeit befreyte, die Gefangenen aus ih- 
rem geringen Vorrathe zu unterhalten. Mit dieſem Geſandten kam Afamushu, Koͤni⸗ 
ginn von Ghiomray, unweit dem Vorgebirge Apollonia, nach Aſſoko, welche die Franzoſen 
fragte, wenn ſie ihre Schiffe erwarteten? Sie antworteten, alle Tage; worauf ſie verſetzte, 
wenn die Franzoſen fo viel Ehre als Ehrbarkeit hätten: fo würde die ganze africaniſche 
Kuͤſte ihre ſeyn, aber es waͤre ihre Art, viel zu verſprechen, und wenig zu halten, welches 
ihre Freunde hinderte, ſich auf ſie zu verlaſſen. i 

Wie P. Loper keine Hoffnung einer Beyhuͤlfe aus Europa ſah: fo begab er fich im Layer leidet 
März des Jahres 1703 auf eine elende portugieſiſche Barke, welche Sklaven zu kaufen nach Schiffbruch. 
Ißini gekommen war. Dieſes ſchlecht verſorgte Fahrzeug hatte das Ungluͤck, daß es fin 
ken mußte, nachdem es etwa hundert und funfzig Seemeilen geſegelt. Die Sklaven, und ein 
Theil des Volks, kamen um, und Loyer mit noch zehn andern entkam; neune davon waren 
Portugieſen, und der zehnte ein Franzoſe von Bayonne. Sie kamen an Bord einer andern 
portugieſiſchen Barke, welche nach St. Thomas unter der Linie gehen wollte, wo fie ſich 
ſechs Wochen aufhielten, und von dannen nach der Bay Allerheiligen in Braſilien gelangten. 

Loyer ward wegen deſſen, was er ausgeſtanden, daſelbſt von einer Gicht befallen, die ihn 

ein Jahr lang im Bette behielt: aber durch die Beſorgung des daſigen franzoͤſiſchen Conſuls, 

Herrn Verdois, und durch die Staͤrke ſeiner Natur, kam er noch davon, und begab ſich 1 
auf Setuval, ein Schiff, welches zu der braſilianiſchen Flotte gehoͤrte, die Don Antonio 

Sauſa fuͤhrte 2). 

Die Flotte beſtund in vierzig Segeln, von denen ſieben in einem Sturme vor dem Vor- Braſiliſche 
gebirge St. Auguſtin verlohren giengen. Das Admiralſchiff befand ſich unter ihnen, wel- Schiffe ſind 
ches nur erſt in Braſilien neuerbaut war, und den Pater Loper hatte mitnehmen ſollen. ungluͤcklich. 
Es fuͤhrte vierzig Stuͤcke und dreyhundert Mann, auch ſechs und dreyßig Arobes Gold, 
jede zu ſechs und dreyßig Pfund, welche des Koͤnigs Fuͤnftheil von den Bergwerken zu St. 

Paul, unweit Rio Generre m), waren. Setuval verlohr feinen großen Maſt in dieſem 
Sturme, der drey Tage dauerte; aber nach einer Seefahrt von hundert und acht Tagen lang- 
ten fie zu Liſſabon an, wo P. Loper ſich einige Monate aufhielt, ſowohl feine völlige Staͤrke 
wieder zu erhalten, als eine Gelegenheit nach Frankreich zu erwarten, weil der Krieg 
angegangen war. 6 ee" 

Kkk 3 e Da 


1) Loyer, a. d. 272 u. f. S. J) Loyer, a. d. 277 u. f. O. 
k) Warchais, 2 Band, a. d. 27 u. f. S. m) Janeyro. 


416 RMeeiſen nach Guinea und Beim’ 


1703 Da ſein Warten vergebens war, ſo erhielt er einen Paß von dem Koͤnige von Portu⸗ 
Zoyer. gall, zu Lande zu reiſen, und gieng durch Coimbra, Aveyra, Porto und Viana. Er 
verließ Portugall, ſetzte bey Villa Nova über den Fluß Minho, und erreichte deey Mei: 
len darunter das Bisthum Tuy in Gallicien. Von dar gieng er nach Ponte Vedro 
und Compoſtello, wo er bey dem Grabe des heiligen Jacobs ſeine Andacht hatte. Von 

dar reiſete er nach Corogne 7), ſich nach einem Schiffe umzuſehen. 

Nachdem er ſich daſelbſt drey Wochen aufgehalten: ſo gieng er auf ein Schiff, welches 
nach Nantes gehörte, und von einem, Namens Lingart, geführt wurde. Sie ſegelten 
den taten Julii 1706 ab, hatten aber kaum funfzehn Seemeilen zurück gelegt, als ihnen ein 

S Schiff mit franzöfifchen Flaggen, das heimliche Handlung trieb, aufſtieß, welches, ſobald 
das heimliche ſie ſich auf einen Schuß genaͤhert hatten, nur hollaͤndiſche Flaggen aufſteckte, und ihnen 
Handlung eine Lage gab. | | 
treibt. Lingart lief voll Furcht nach dem Lande, wo fie ankerten, da indeß jener unter beftän- 
digem Feuer ihn verfolgte, ſich an ſeinen Bord zu legen. Die Franzoſen feuerten ihres 
Theils ſehr ſchwach, und die Bootsleute bereiteten ſich mit allem, was ſie konnten, ſich ans 
Loyers Schiff Land zu retten. Zu gleicher Zeit traf eine Lage von dem Gegner ihr Hintertheil, toͤdtete 
wird genom- den Hauptmann Lingart, und verwundete noch zwey oder drey gefährlich, worauf die uͤbri⸗ 
he gen flohen, und der Gegner ſich bereitete, fein Boot an Bord zu fenden, er 

Mittlerweile ergriff Pater Loyer die Gelegenheit, auf einem Fiſcherboote, welches nach 
Barrez, einem kleinen Flecken, etwa funfzig Schritt vom Schiffe, gehoͤrte, ſich fortzuma⸗ 
chen, welches ſich fuͤr wenig Piaſter darboth, ihn wegzunehmen, ehe der Feind an Bord des 

Lover ent- Schiffes kam. In dieſem Boote entrann Loyer mit einem Kaufmanne von Salmur, und 

rinnt aus Hoffen Sohne, einem Knaben von funfzehn Jahren, und kam ans Land, ohne daß das Schiffs⸗ 

9 85 volk es merkte. Das Boot wollte noch eine Ladung abhohlen, aber es war zu ſpaͤt. 
Hoyer und feine Gefährten, giengen in das Haus des Pfarrers zu St. Eſtevan de la Valle 
etwa eine und eine Vierthelmeile von dem Flecken Barrez, welcher fie guͤtig aufnahm, 
und drey Tage behielt 0). a 

Hier mietheten ſie eine offene Fiſcherbarke, ſie nach St. Jean de Luz zu fuͤhren, liefen 
aber große Gefahr, auf dem Wege umzukommen, weil das Fahrzeug kein Verdeck hatte, 
und die See fehr hohl gieng. Sobald fie St. Sebaſtian erreicht, verließen fie es, und 

Zeitung von beſchloſſen, zu Lande zu a Nachdem fie vier Tage zu St. Sebaſtian geblieben, gien- _ 

feinem Ge: gen fie durch Bayonne, Dax, Bourdeaux, Ponts und Kaintes, nach Rochefort, und 

huͤlfen. von dar nach Rochelle, wo Pater Loyer erfuhr, daß Pater Dillard, fein Mitgeſell, nach 
Frankreich zuruͤckgekommen, und daß eine Zeitung, als ob er todt waͤre, unter ſeinen 
Freunden ausgebreitet worden. Dieſes hatte einen Circularbrief 7) vom Convent von Renz 
nes in Bretagne veranlaßt, daß in allen Klöftern von der Provinz feine Obſequien ſollten 
gehalten werden. Von Rochelle gieng er nach feiner Geburtsſtadt Rennes, und von 
dar nach den Waſſern von Bawbon, wo er von erwaͤhntem Villard, der damals Prior 


des 
1) Corunna oder Groyne. von der Geſellſchaft verlaſſen, und bey den Schwar⸗ 
eh Loyer a. d. 283 u. f. S. zen beſtaͤndig mehr und mehr verhaßt geſehen, und 


. 5 a da ſie alſo nichts mehr zu handeln gehabt, ſich im 
2) In der Grundſchrift befindet ſich der Brief. Junio 1704 nach Frankreich zu Schiffe begeben, 


4) Barbot meldet, die Franzoſen hätten ſich zuvor aber ihre Facterey der Erde gleich gemacht. 
Er 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 447 


des Convents von Chamberry in Savoyen war, Briefe erhielt, die ihn von dem Schick⸗ 
fale der Franzoſen, die er zu Iſſini verlaſſen, benachrichtigte. | 
Das Elend diefer armen Beſatzung ward nach Paters Loyers Abreiſe im Jahre 
1703 ſehr groß, da es ihnen ganz an Lebensmitteln fehlte, außer was fie von den Negern 
erhielten. Endlich langten drey Kauffartheyſchiffe an, nebſt einem Kriegsſchiffe, welches 
der Hauptmann de Grosbois fuͤhrte. Die See gieng an der Barre ſo ſchrecklich, daß 
es acht Tage währte, ehe Herr Gerard, einer von der Beſatzung, an Bord kommen konn⸗ 
te, da er denn erfuhr, daß Herr Grosbois Verordnung hatte, ſie wegzubringen. Weil 
dieſer Hauptmann den Negern unhoͤflich begegnete, und ihnen nicht die gewöhnlichen es 
ſchenke gab: fo ward der König fo misvergnuͤgt, daß er verboth, es follten Feine Canoes an 
Bord gehen. Pariſion, einer von der Beſatzung, wagte es, an Bord zu ſchwimmen, um dem 
Herrn de Grosbois das Unuͤberlegte in ſeiner Auffuͤhrung zu erkennen zu geben, und wie 
die Franzoſen Gefahr liefen, niedergemacht zu werden, wo er die Schwarzen auf braͤchte; 
aber Grosbois war gegen alle Vorſtellungen taub, und beſchloß, fie ſollten mit nach Frank: 
reich zuruͤckkehren. Pariſion gieng mit dieſer Nachricht zuruͤck, und an eben dem Tage 
ſchickte Herr Grosbois eine Floͤſſe, ſie abzuhohlen, auf welchem Pater Villard nicht ohne 
Gefahr zu erfaufen, bloß in feinem Hemde, und mit dem Roſenkranze um den Hals ab: 


1708 
Koyer. 


gieng. Er wollte feiner Kleider und der Kapelle wegen zuruͤckkehren, welches aber der Das Fort 
Hauptmann nicht verſtattete. Sieben erſoffen bey dieſer Art an Bord zu kommen. Alſo Iſſini wird 


ward das Fort den Negern uͤberlaſſen ), die hoͤchſt zornig waren, daß die Franzoſen fo 
fortzogen, und ihnen weder Geſchenke noch Waare brachten. Villard wollte ſich zu Fort: 


mann nicht verwilligte 5). | | 

Zu fernerm Vergnuͤgen des Leſers, wollen wir hier aus andern Schriftſtellern einige 
Nachricht vom Aniaba oder Hannibal beyfuͤgen. Der europaͤiſche Mercur fuͤr das 
Jahr 1701 zu Paris gedruckt, ſtellet dieſen Betrüger unter dem Namen Ludwig Hannibal 
als König von Iſſini vor, und berichtet uns, er ſey vom Biſchofe von Meaur getauft 
worden, und Ludwig XIIII, fein Pathe geweſen. Den 27ſten des Hornungs haͤtte er das 
Abendmahl vom Cardinale von Woailles empfangen, und der heiligen Jungfrau ein Ge⸗ 
naͤlde gewiedmet, deren Schutze ier ſeine Laͤnder unterworfen, und ein Geluͤbde gethan, bey 
einer Ruͤckkehr die aͤußerſte Mühe anzuwenden, daß feine Unterthanen den chriſtlichen 
Hlauben annaͤhmen 5). Er gieng den ꝛaſten dieſes Monats ab t), ſich in Port Louis 
u Schiffe zu begeben, und ward von zwey bis drey Kriegsſchiffen unter der Fuͤhrung des 
Ritters Damon u) begleitet. ia i 

Dieſer vorgegebene Prinz von Iſſini war der zweyte von der Art, der nach Frankreich 
zebracht worden; denn de Gennes, der im Jahre 1695 das Fort St. Jacob an der Gam⸗ 
ra pluͤnderte, hatte auch einen Prinz von Iſſini überzuführen, den er in dieſem Fluſſe an 
Bord eines franzoͤſiſchen Freybeuters, der nach dem rothen Meere gehen ſollte, ſetzte, um 
ach feinen Landern gebracht zu werden. f Aus 
Er will dieſe Nachricht von einem Namens Pors ) Hieraus erhellet, daß er ein Betruͤger war, 
uet von Dieppe haben, der dabey gegenwaͤrtig ges da er ſich für einen regierenden Fuͤrſten ausgab. 
vefen, Siehe Barbot 2 Band von Guinea auf t) Bosman, der dieſe Nachricht auf der 420 S. 
er 429 Seite. giebt, nennt den Monat nicht. 

7) Zoyer d. d. 288 u. f. S. 5 u) Loyer nennt ihn Damon. 


von den 


Franzoſen 
verlaſſen. 


pflanzung des Glaubens zu Juda (oder Whidaw) aufhalten, welches aber der Haupt⸗ 


Fernere 
Nachricht 
vom Aniaba. 


— 


448 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


1703 Aus dieſen Begebenheiten erhellt, daß die Schwarzen, ſo dumm ſie auch zu ſeyn ſchei⸗ 
Coyer. nen, liſtig genug waren, die Franzoſen, die ſich ſoviel auf ihre Einſicht einbilden, zu betruͤgen. 
Deſſen Her: Bos man giebt wegen der Abkunft des letzten vermeyntlichen Prinzen von Iſſini 
kunft. oder Aſſini eine ganz andere Nachricht. Vor einigen Jahren, ſaget er, da die Franzoſen 
ſich aller Schwarzen, welche auf ihre Schiffe kamen, bemaͤchtigten, und ſolche nach Weſt⸗ 
indien zu verkaufen pflegten, fanden ſie bey beſagtem Hannibal einen aufgewecktern Geiſt, 
als bey feinen Landesleuten, und beſchloſſen, ſtatt ihn zu verkaufen, ihn nach Frankreich zu 
fuͤhren. Er gab ſich daſelbſt fuͤr den Sohn und kuͤnftigen Erben des Koͤnigs von Iſſini 
aus, und brachte ſich bey Hofe in eine fo gute Meynung, daß ihm der König verſchiedene 
koſtbare Geſchenke gab, und vorerwaͤhntermaßen zuruͤck ſchickte. Aber wie er daſelbſt lan⸗ 
dete, ſo ward entdeckt, daß er nur ein Sklave eines Kaboſchir von Iſſini geweſen, zu dem 
er ſich bald nach ſeiner Ankunft wieder begab, und an ſtatt ſeine Unterthanen zu bekehren, 

ſelbſt wieder ein Heide ward x), 


Der IV Abſchnitt. 


Graͤnzen von Iſſini. Luft und Witterung. Schoͤn⸗ Tyger. Zibetkatze. Stachelſchweine. Allerley 
heit des Landes. Fluß Iſſini. Reihe von Klip- Arten von Affen. Voͤgel. Wildvoͤgelwerk. Huͤh⸗ 
pen auf ſelbigem. Sein langer Lauf. See und nervieh Fiſche. Schildkroͤte. Schlangen. Ei⸗ 
Eyland. Flecken. Boden und Fruͤchte. Alfa: deren. Gewuͤrme und Inſekten. Fliegende Scor⸗ 
huaya Frucht. Ikaquas. Kiromonts und Huͤlſen⸗ pionen. Bienen. Aigrisſtein. 
fruͤchte. Portulak. Wilde Thiere. Verwegner 


Graͤnzen von Das Koͤnigreich Iſſini graͤnzet nordlich an die Kompas, die eine Art von Republik 
Iſſini. ausmachen, und ſuͤdlich an Ghiomroy oder dem Vorgebirge Apollonia, und Edona, 
welches nur zehn Seemeilen von Aſſoko iſt. Suͤdwaͤrts ift die See, und weſtwaͤrts die 
Elfenbeinkuͤſte, die von Menſchenfreſſern, Namens Quaquas, bewohnt wird. Laͤngſt dem 
ufer hält es zehn oder zwölf Seemeilen, und iſt von Süd nach Nord zwo oder drey Sees 
meilen breit J). 5 ah Ä | 
Luft und Ob es gleich unweit der Linie im heißen Erdſtriche liegt: fo iſt es doch weder fo heiß, 
Witterung. noch ſo ungeſund, als man in Europa geglaubt hat, und die Luft iſt das meiſte Theil des 
Jahrs über rein und angenehm. Die Liſt der Engländer, Holländer, u. ſ. f., hat fo eine 
uͤbele Beſchreibung davon gemacht, um die Franzoſen zu verhindern, daß ſie ſich nicht dahin 
ſetzen mochten. Wahr iſts, daß in der Regenzeit vom May zum Auguſt, oft dicke Nebel 
find, daß es gefährlich iſt auszugehen, bis die Sonne felbige zerſtreut hat, aber die Nebel 
in Europa um die Herbſtzeit ſind eben ſo ungeſund. Iſt man aber mit Speiſen, die die 
Europaͤer gewohnt ſind, verſehen, und ſetzet ſich der Nachtluft nicht aus: ſo wird man es 
hier fo geſund finden, als in einem andern Welttheile. Indeß iſt doch die Luft vom Octo 
ber, bis mitten in den April fo heiß, und die Gewalt der Sonne fo unertraͤglich, daß es die⸗ 
jenigen, welche aus kaͤltern Gegenden kommen, kaum ausſtehen konnen, wo fie nicht von 
beſonders ſtarker Natur find: aber man kann ſich hier ſchonen, wenn man ſich im Schatte 
und Kühlen Hält, Kurz, es find hier nicht fo viel Krankheiten zu befürchten, als in Europa. 
Es iſt kaum ein Land in der Welt, welches dem Auge ein ſchoͤners Aus ſehen darbiethet. 
Je weiter man in die weiten Ebenen, die mit ſchoͤnen Gebuͤſchen untermengt ſind, hinein 


koͤmmt 


*) Bosman 2ter Band von Guinea a. d. 420 S. 7) Eoper a. d. 183 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 449 


koͤmmt, deſto mehr neue angenehme Vorſtellungen entdecket man, indem fi) immer von ei- 101 
nem Platze zum andern Waͤlder zeigen. Zu dieſem koͤmmt ein ſchoͤner Fluß, deſſen Ufer Loyer. 
mit großen Baͤumen geziert ſind, die ſo ordentlich wachſen, als ob ſie gepflanzt waͤren 2). 15 
Die Kuͤſte von Iſſini iſt fo niedrig, daß fie in der Weite einer Seemeile kaum wuͤrde Fluß Iſſ lu. 
kenntlich ſeyn, wo ſich die großen Bäume auf ihr nicht auf drey Seemeilen weit entdeckten. 
Sie wird durch einen von den ſchoͤnſten Fluͤſſen in Africa gewaͤſſert, der durch und durch 
ſchiff bar ſeyn möchte, wenn die Einfahrt etwas bequemer wäre. Dieſes hat vermuthlich 
verurſachet, daß er weder ſo groß noch ſo merkwuͤrdig in den Landkarten angedeutet iſt, als 
es doch wirklich ſeyn ſollte. Seine Muͤndung wird durch eine große Sandbank verſchloſſen, 
die den Eingang auf dieſer Seite verhindert, obwohl einige Negercanoes bey ſtiller See ſich 
darüber wagen, mit Schiffen in der Rheede zu handeln. Der Fluß iſt breit und tief. Sie⸗ 
ben oder acht Seemeilen von ſeiner Muͤndung, wenn man hinauf geht, gleicht er einer großen 
See faſt ohne irgend einige Graͤnzen. Loper konnte kaum von der einen Seite das 
Ufer gegenuͤber entdecken, ob es wohl bergicht war. Dieſe Huͤgel ſchienen wie eine dicke 
Wolke, fo helle auch der Himmel war. Er ſah einen großen Felſen in der Mitte, den er 
vier bis fuͤnf Seemeilen weit entfernet zu ſeyn rechnete. c 
Die Negern erzaͤhlen, fechs Tagreiſen hinauf wuͤrde der Fluß durch große Felſen auf- Reihe von 
gehalten, uͤber die er mit einem wundernswuͤrdigen Waſſerfalle liefe. Wenn fie hier weiter Klippen. 
wollen: ſo muͤſſen ſie ihre Canoes etwa einen Musketenſchuß weit ſchleppen, und alsdenn wie⸗ 
der in den Fluß laſſen, der fernerhin durch und durch ſchiffbar iſt, und ſich in unbekannte 
Länder erſtrecket. Einige von ihnen find bis nach Abahini und Enzoko geſchifft. Das erſte 
iſt ihrem Vorgeben nach zehn Tagereiſen, (wenigſtens hundert Seemeilen), und das andere 
dreyßig Stationen, (oder dreyhundert Seemeilen). Lopyer ſah zu Iſſini bey den Ne⸗ 
gern, die in dieſen Gegenden geweſen waren, tuͤrkiſche Teppiche, und ſchoͤne Cattunſtoffe, 
auch ſtreifigte blaue und rothe Seidenzeuge, die fie mitgebracht, und dorten ihrer Erzaͤh— 
lung nach wirken ſehen, wie ſie denn auch große und ſchoͤne Staͤdte von Steine gefunden. 
Die Sache verdient unterſucht zu werden. 
Der Fluß ergießt ſich, wie die Einwohner berichten, durch verſchiedene Muͤndungen in Sein langer 
die See, welche ſie ſich den Franzoſen zu zeigen erbothen; aber man kann ſich nicht ſehr auf Lauf. 
ſie verlaſſen; denn wie ſie wenig reiſen, ſo kennen ſie das Land nicht uͤber zehn oder zwoͤlf 
Seemeilen um ſich herum. Es iſt Schade, daß der Fluß nicht weiter hinauf entdeckt iſt; 
denn vermuthlich iſt es ein Arm vom Nil oder Riger. Dem ſey wie ihm wolle, ſo gehen 
die verſchiedenen Aerme zuſammen, nachdem fie unweit des franzoͤſiſchen Forts, ſieben ar- 
tige aber meiſt unbewohnte Inſeln gemacht, und der Strom iſt, wo er beym Fort vorbey 
fließt, ſehr ſchmahl; er ſcheint daſelbſt nicht breiter, als die Seine, und fällt eine Seemeile 
weit unter dem Fort in die See a), | 
In Abſicht auf diefen Fluß, wollen wir einige Umſtaͤnde aus dem Ritter des Mar⸗ 
chais hinzufuͤgen. Dieſer Schriftſteller, welcher im Jahre 1724 hier geweſen, ſaget, er 
ſey für große Barken, ſechzig Seemeilen hinauf ſchiffbar. Wenn man einmal darinnen iſt: 
ſo findet man das Waſſer ruhig und ſtille. Acht Meilen von ſeiner Muͤndung machet er Teich und 
einen Teich, ſechs bis ſieben Seemeilen breit 6), und eben fo lang, in deſſen Mitten eine Inſel. 
Inſel iſt, und deſſen Seiten uͤberall ſteil und felſicht ſind, ſo daß er in der Weite wie ein 
oder Felſen ausſieht. Wenn man aber daran landet: fo findet man einen fetten und frucht⸗ 
| baren 
2) Loyer a. d. 197 u. f. S. a) Ebendaſ. a. d. 188 u. f. S. 5) Koyer nennt ihn eine kleine See. 
Allgem. Reiſebeſchr. II Band. Lt 


i 


1701 
Boyer. 


„* 
.. 


Flecken. 


Boden und 
Fruͤchte. 


Aſſahuaye⸗ 
feucht. 15 


4 an: Reiſen nach Guinea und Benin, 


baren Boden, mit ſchoͤnem Graſe und Baͤumen von mancherley Art bewachſen. Eine Co⸗ 
lonie wuͤrde hier ſehr ſicher ſeyn; denn der Platz iſt von der Natur befeſtigt. Von hier ſind 
funfzig Seemeilen bis zu der großen Reihe Klippen, die den Fluß verſchließen. Der Waf- 
ſerfall iſt da ſehr ſteil, und ſieht ſchoͤn aus, man kann auch das Geraͤuſche davon auf viele 
Meilen hören. Die Schwarzen haben an beyden Seiten des Felſen Hoͤhlungen ausgehauen, 
wodurch fie ihre Canoes ſchleppen, und wieder ins Waſſer laſſen; denn fie ſagen, fie koͤnn⸗ 
ten dreyßig Tage den Fluß ohne einige Hinderniß hinaufſegeln. Iſt dieſes wahr, wie man 
Urſache hat, zu glauben, (ſaget der Ritter, oder ſein Herausgeber Labat), und iſt der Lauf 
des Fluſſes manchmal Nord, oder Nordoſt, oder Nordweſt: ſo muß er ſehr nahe an den 
Niger kommen, und vielleicht ein Arm deſſelben ſeyn, wie ſich unlängft ein Reiſender c) 
vorgeſtellt hat 4). | 

Das Königreich Ißini hat etwa zwölf Flecken längft der Küfte, oder auf den Eylan⸗ 
den, die der Fluß machet. Die Hauptſtadt iſt Aſſoko, welche auf einer Inſel eben dieſes 
Namens liegt, die vom Fluſſe anderthalbe Seemeilen von der See gemacht wird. Es find 
zweyhundert Hütten darinnen, und etwan tauſend oder zwoͤlfhundert Einwohner. Es hat 
nur zweene Seehäfen, namlich Taquefhue und Bangayo; an dem erſten hält ſich der be⸗ 
ruͤhmte Kaboſchir, Namens Emond, auf. k | 

Das Königreich Aboſſam liegt nur zehn Seemeilen von Taqueſhue, und es find 
außerdem noch verſchiedene kleine Herrſchaften, oder eigentlich Doͤrfer, wo die Reichſten 
über die andern herrſchen. Jedes von dieſen Völkern hat ein Oberhaupt, das fie Haupt: 
mann nennen; aber ſeit ihrer Handlung mit den Europaͤern, und ſeitdem einige in Europa 
geweſen ſind, haben ſie ſich Koͤnige genannt, obwohl ihre Herrſchaften kaum viertauſend 
Perſonen enthalten konnen. So kann Ißini auf den Nothfall kaum zweytauſend Mann 
mit den Sklaven ſtellen e). 

Der Boden von Ißini iſt, wie der meiſte auf der Goldkuͤſte, weißer trockner Sand, 
und für die Reiſenden ſehr unbequem. Er traͤgt nur wenig Gras für großes Vieh, wel- 
ches hier wohl fortkommen wuͤrde, wenn die Leute nicht zu nachlaͤßig waͤren, dergleichen zu 
ziehen. Aber fie wollen lieber verhungern, als ſich für Arbeit Ueberfluß erkaufen. Einige 
naſſe Stuͤcke Erdreich geben Bananas, und das iſt ihr vornehmſter Unterhalt. Bis⸗ 
weilen reinigen ſie ein Stuͤck Erdreich durch Wegbrennen, und ſaͤen ein wenig Reiß, Hirſe 
oder ſpaniſchen Weizen 7) darauf. Der Boden iſt in den Inſeln, die der Fluß macht, beſſer, 
und der Grund giebt daſelbſt ams, Potatoes, Feigen, Cocos, Ananas, Palmbaͤume, Ko: 
ros, Papas, und verſchiedene andere Früchte. Zuckerrohr waͤchſt hier vortrefflich. Loyer 
ſah einiges, welches aus dem Lande der Kompas gekommen, und erſtaunlich groß war. 
Baumwolle und Toback wuͤrden hier auch gut fortkommen, wenn ſie gewartet wuͤrden, da 
man ſie ſchon wild von guter Art antrifft. Manighetta oder guineiſcher Pfeffer koͤnnte hier 
gleichfalls mit Vortheile gepflanzet werden. f ö 

Sie haben eine kleine rothe Frucht, Namens Aſſahuaye, welche fo groß als eine mit⸗ 
telmäßige Pflaume iſt. Es giebt auch noch eine kleinere Art, nicht größer, als das letzte 


| Glied 

c) Dieſer Reiſende iſt Loyer. 1 f * Je höher man von der See das Land hinauf 

. S. mmt, deſto beſſer wird der Boden, wie aus den 
eee 1 Band a. d. 198 u. f. S. nach großen Baͤumen und den gruͤnen Gewaͤchſen auf 


der Erde erſcheint. Die niedrigen Gegenden ſind 
e) Loyer a. d. 183 u. f. ©. waſſerreich, und die Inſeln im Fluſſe fruchtbar. Aber 
a die 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 451 
Glied von einem Finger, die faſt nichts als Haut iſt, und ungeſchmackt und weichlich ſchmecket: 1701 
fie hat aber die Eigenſchaft, daß, wenn man nur eine von dergleichen genoſſen, die faureften Loyer. 
Orangen oder Citronen, und der ſchaͤrfſte Eßig, wie Confect und Syrup ſchmecken. La⸗ 
bat verſuchte dieſes zu verſchiedenen malen mit Erſtaunen, und glaubet, dieſe Frucht koͤnnte 
dieſer alkaliſchen Eigenſchaft wegen von großem Nutzen in der Arzneykunſt ſeyn. 
Die Wälder find voll von mancherley Arten kleiner Fruͤchte, von denen die meiſten ei- Ikaquas. 
nen wuͤrzhaften Geſchmack und Geruch haben, verſchiedene andere aber ohne Geſchmack 
find. Eine andere Art, Ikaquas g) genannt, gleicht der europäifchen Pflaume; fie hat 
aber nur eine Haut über den Stein gezogen. Der Stein iſt nicht ſehr hart, und enthaͤlt 
einen Kern in ſich, der geroͤſtet gut zu eſſen, ſonſt aber bitter iſt. Dieſe Baͤume wachſen 
haͤufig, und tragen Ikaquas von allerley Farben. Sie kriechen gemeiniglich auf dem Grunde 
hin, obwohl einige hoch wachſen. a 
Außer den Orangen und Citronen giebt es hier von den Franzoſen ſogenannte Aepfel, 
die zwar dergleichen Geſtalt haben, aber fo wenig den Geſchmack, als der Baum die Ge- 
ſtalt des Apfelbaumes zeigen. Die Frucht iſt rund, und groß wie eine Mannsfauſt, mit 
einem Steine von der Größe eines Eyes. Wenn ſie gut ſeyn ſollen: fo muͤſſen fie fo reif 
als Miſpeln werden. Einige hungrige Negern eſſen ſie, aber meiſtens dienen ſie den Affen 
und Elephanten zur Speiſe, die im Herbſt- und Wintermonate, welches ihre Zeit ift, haus 
fenweiſe kommen, ſie zu verzehren. Ueberhaupt ſind ihre Fruͤchte hier nicht viel werth. 5 
An der Erde wachſen auch Jiromonts, welches eine Art von Kürbiffen iſt, die man Jiroments 
aber nicht fo gar häufig antrifft, weil die Schwarzen zu nachlaͤßig find, fie zu pflanzen. Es und Pülfen- 
giebt auch zwo Arten von Erbſen, von denen eine unter der Erde waͤchſt. Dieſe Art treibt PRO 
einen Stengel einen halben Fuß hoch, mit zwanzig oder dreyßig Blättern, die drey und drey 
zuſammen an einem langen Stengel wachſen. Die Wurzeln breiten ſich in verſchiedene Aeſte 
aus, welche kleine Huͤlſen von der Geſtalt und Farbe der Piſtazien haben, und jede Huͤlſe 
enthält eine oder zwo Erbfen, wie die Wolfsbohnen. Dieſe Art waͤchſt erſtaunlich, und 
iſt gekocht ſehr gut. N 
Die andere Art gleicht an Blaͤttern und Frucht den franzoͤſiſchen Bohnen, nur daß ſie 
von viel beſſem Geschmack iſt. Ihre Huͤlſe gleicht der Huͤlſe von der Felderbſe; ſie kann 
aber nicht gegeſſen werden. Sie wachſen das ganze Jahr durch: ihre vornehmſte Zeit aber 
iſt der Herbſt⸗ und Weinmonat. Sie vermehren ſich hundertfaͤltig. Wollten die Schwar— 
zen ſie bauen: ſo wuͤrden ſie zulaͤnglich das Jahr hindurch ſich behelfen koͤnnen; aber ſie 
ſind mit dem zufrieden, was wild waͤchſt. 1 
Purzelkraut oder Portulake waͤchſt hier gleichfalls wild, wie auch ein ander Kraut, Namens Purzel 
Eppa, welches an Blaͤttern und Geſchmacke dem Saurampfer gleicht. Die Schwarzen eſſen kraut. 
es, und brauchen es als eine Bruͤhe mit Fiſchen und Palmoͤle. Sie bauen auch eine Pflanze, 
Kakos genannt, die bey den Franzoſen in America Caribbe Cabbage heißt. Das Laub 
iſt groß und herzfoͤrmig, die Wurzeln ſind ſtark, und ſchmecken beißend. Sie brauchen dieſe 
| LI 2 | Wurzel 
die Ißineſen geben ſich nicht gern die Mühe, ein Feigen und Cocosnuͤſſen, auch Palmweine, welches 
wenig zu fäen, ſondern verlaſſen ſich auf ihre Nach- ihnen keine Mühe koſtet. Auch geben ſie ſich ſel⸗ 
barn, die Veteres. Sollten dieſe ihnen zweene Tage ten die Mühe, zu fiſchen. S. Marchais I Band 
lang Lebeusmittel vorenthalten: fo wuͤrde Hungers a. d. 196 u. f. S. 
noth entſtehen. Sie vergnügen ſich mit Bananas, 8) Im Franzoͤſiſchen: Neaquas. Loyer. 


1701 
na 


— 


452 Reifen nach Guinea und Benin, 


Wurzel ſtatt der Nams, ob fie gleich nicht gut ſchmecket, und werfen die Blätter weg, die 
doch gekocht gut ſind. Papayen, eine Art wohlſchmeckender Melonen, ſind hier gemein, 
und wachſen auf dem Gipfel eines Baumes. Ihre Samkoͤrner ſchmecken wie Pfeffer. Dir 


Frucht wird noch gruͤn bey den Franzoſen zur Suppe gebraucht 5). 


Wilde 
Thiere. 


Kuͤhner 
Tyger. 


Zibethkatzen 
und Stachel⸗ 
ſchweine. 


Schafe und 
Ochſen. 


Die Wälder geben einer großen Menge von Thieren ihren Aufenthalt, für deren einige 
die Schwarzen keine Namen haben. Das vornehmſte iſt der Elephant, den die Schwar- 
zen der Zaͤhne und des Fleiſches wegen toͤdten. Mit den Ohren uͤberziehen ſie ihre Trum— 
meln, haben aber keinen Begriff davon, wie er zu zaͤhmen iſt, ob er ihnen wohl dadurch 
ſehr nuͤtzlich werden koͤnnte. Die Wilder find voll wilder Ochſen, Hirſche, Ziegen und an⸗ 
dern Wildpraͤts, welches noch viel zahlreicher ſeyn wuͤrde, wenn die Lwen, Tyger, Panther 
und andere Raubthiere es nicht aufrieben. Dieſe find in ſolcher Menge daſelbſt anzutref- 
fen, daß die Schwarzen die ganze De durch 57080 halten muͤſſen, um ſie von ihren 
Huͤtten abzuſchrecken. 

Einige Zeit vor Lopers Ankunft verzehrten ſie einen Schwarzen am hellen Tage. 
Weil er da war: ſo kam ein Tyger durch das Dach in ein Haus von Aſſoko, und toͤdtete dem 
Koͤnige Akafini acht Schafe. Auch waren die Franzoſen in ihrem Fort nicht ſicher; denn 
den 7ten März im Jahre 1702, um eilf Uhr in der Nacht, führte ein Tyger eine Huͤndinn 
weg, die fie zu Bewachung des Platzes hielten. Den ızten um eben die Zeit kam er wie— 
der, ſprang uͤber die Paliſaden, die doch zehn Fuß hoch waren, toͤdtete zwey Schafe und 
einen Widder, der ſich eine Zeitlang mit ſeinen Hoͤrnern trefflich vertheidigte; wie der Ty⸗ 
ger aber merkte, daß die Leute im Forte Laͤrm machten: ſo begab er ſich auf den Ruͤckweg. 
Einige Stunden darauf kam er durch das Bollwerk unweit der See wieder, griff die Schild- 
wache an, die gewaltig erſchrack, und durch ihr Geſchrey die Beſatzung zu Huͤlfe K ; die 
Beſtie aber kam fort. 

Ziebethkatzen ſind hier gar gemein. Die Franzoſen machten einige ganz zahm. Sie 
haben das Geſchrey und alle uͤbrigen Eigenſchaften einer zahmen Katze, und ſreſſn Ratten 
und Maͤuſe. Man kennet die Oerter, wo fie ſich auf halten, an dem Muskusgeruche; denn 
ſie reiben ſich an den Baͤumen, und laſſen etwas von der koͤſtlichen Waare daran, welches 
die Schwarzen ſammlen, und an die Europaͤer verkaufen. Es ſind auch viele Stachel— 
ſchweine hier, deren Fleiſch ſehr wohl ſchmecket; Aguties, eine Art von Hafen, und Aſſo—⸗ 
monglie, die einer 5 gleichen, aber Rattenkoͤpfe haben, und auf dem Leibe ſchoͤn gefleckt 
find, wie die Tyger. Die Schwarzen ſagen, dieſes Thier tödte den Tyger, wo es ihn 
nur antreffe. 

Die Fluͤſſe ſind voller Ottern und anderer Thiere, die im Waſſer und auf dem Lande 
leben, mit ſchoͤnen Fellen und gut zu eſſen. Die Schwarzen ziehen auch Hunde und Ka— 
tzen, welche ſie Agheromowe nennen; ſie verkaufen ſolche auf dem Markte, und lachten, 
daß die Franzoſen einen Ekel davor bezeugten 1). | 

Es giebt auch hier vortreffliche Schafe, ohne Wolle, mit glatten Fellen, das Fleiſch aber 
iſt viel beſſer, als das franzoͤſiſche Schoͤpſenfleiſch. Sie haben auf einmal zwey Laͤmmer, 
und tragen fünf Monate. Ihre Ziegen find nur kleiner, als die franzoͤſiſchen. Die wil— 
den Thiere haben faſt alle Schweine, welche die Europäer hier gelaſſen, aufgerieben, weil 
ſich die Schwarzen nichts darum bekuͤmmert. Sie brauchen ihre zahmen Kuͤhe eben fo 
| weni 
) oper a. d. 189 u. f. ©. * 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 453 
wenig, weil fie ſolche nicht zu melken wiſſen; und wenn es ihnen einfaͤllt, fo ſchlachten fie or 
dann und wann eine zum Eſſen. ’ Leyer. 
Affen von allen Arten und Groͤßen ſind im Ueberfluſſe hier. Die ſchoͤnſte Art iſt klein, rn 
und heißen Sagowins. Sie find nicht größer, als eines Mannes Fauſt. Einige find ſchwarz 
auf dem Ruͤcken, mit weißen Baͤuchen und langen Baͤrten, andere grau, ohne Haare im Ge— 
ſichte und an den Haͤnden, und ſo groß, wie ein mittelmaͤßiger Hund. Andere ſind ſehr groß 
und wild, und ſtreiten mit den Schwarzen, wo ſie angegriffen werden. Die Einwohner 
heißen ſie wilde Leute, die aus Furcht zu arbeiten nicht reden wollen. Sie bauen Huͤtten 
in den Wäldern, und gehen ſchaarenweiſe aus, die Schwarzen zu plündern, 

Im Jenner des Jahres 1702 ſchoß der Bootsmann aus dem Fort, welcher ein Jaͤger 
war, einen davon, und bekam ihn. Die andern wollten deſſen Tod raͤchen, und ſchrien, 
warfen den Mann mit Steinen und Koth, daß er verſchiedene male feuern mußte, um fie 
abzutreiben. Endlich brachte er ſeinen Gefangenen nach dem Forte, mit einem ſtarken 
Seile gebunden. Die erſten vierzehn Tage ließ er nicht mit ſich umgehen, ſondern biß und 
raſte. Er bekam aber alle Tage eine gute Tracht Schläge, und nicht viel zu freſſen. Das 
durch ward er bald zahm, daß er einen Buͤckling machen, die Hand kuͤſſen, und tauſend an⸗ 
dere luſtige Streiche lernte. In zweenen bis dreyen Monaten ließen ſie ihn frey herumgehen, 
und er verließ das Fort nicht. 

Die Voͤgel hier ſind nicht leicht zu beſchreiben. Die Waͤlder ſind voller Pintados Voͤgel. 
oder guineiſcher Huͤhner, Faſanen und Rebhuͤhner. Die kleinen ſind wie die unſerigen. Tur— 
teltauben findet man alle Jahre, beſonders im April, May und Brachmonate, da die Saat 
reif ift, um welche Zeit man unzählige Haufen derſelben ſieht. Schwarze und weiße Adler 
find hier gut zu eſſen. Auch giebt es Seelerchen, Gouaillians, Meeven und Waldhuͤh⸗ 
ner, welche von den franzoͤſiſchen zwar unterſchieden, aber doch vortrefflich ſind. Enten, 

Reiher und Falken find die Menge da. Die Schwarzen brachten dem Loper einen Tag 

einen Vogel, den fie getoͤdtet hatten, der fo groß als ein Damm war. Die Franzoſen brie- 

ten ihn, und fanden ihn ſehr gut zu eſſen. Große graue Papageye ſind hier gemein, ſowohl 

als Droßeln, Wachteln und dergleichen. Vom Weinmonate bis in den Maͤrz giebt es 

haͤufige Schwalben hier, die anderswo hecken. N 

Es befinden ſich auch noch andere artige Vögel hier, die etwas größer, als ein Haͤnfling, Wilde Voͤgel. 
und ſo weiß wie Alabaſter ſind, mit einem rothen ſchwarzgeſprenkelten Schwanze. Sie 

machen die Waͤlder mit ihrem Geſange ſehr angenehm. Die Sperlinge ſind roͤther, als 

die europäifchen, und ſehr gemein. Die Hühner, welche fie Amoniken nennen, find hier Huͤhnervieh. 
kleiner, als in Frankreich; aber ihr Fleiſch iſt zaͤrter, weißer, und von beſſerem Geſchmacke. 

Wollten ſich die Schwarzen nur einigermaßen bemühen: fo konnten fie viel mehreres Huͤh— 

nervieh erhalten, in Betrachtung der Wärme des Landes und des Uleberfluſſes an Geſaͤ— 

me. König Akafini, und fein Bruder Namoke, haben einige aus Europa gebrachte tuͤr⸗ 

kiſche Hühner, welche ſich hier wunderſam vermehret, wie auch Gänfe und Tauben. Dieſe 

letztern haben ſich ſo vermehret, daß das Land von ihnen voll iſt. 

Die See und der Fluß Ißini find voll Fiſche; die vornehmſten find Hayen, Meer: Fiſche. 
ſchweine, Becunes, Dorados, Bonattas, Carcouades, Mullets, Sardellen, Chabris, on 

LI 3 ruͤcken, 


i) Loyer a. d. 202 u. f. S. 


1701 
Aoyer. 


Schildkroͤte. 


Schlangen. 


Eydexen. 


Gewuͤrme 
und In⸗ 
ſeeten. 


Fliegende 
Scorpionen. 


Bienen. 


Aigrisſtein. 


454 Reiſen nach Guinea und Benin, 
ruͤcken, Schollen, und ſehr große See- und Flußhechte, Aale, Haͤringe, Pilchards, Sei 
Moons, Palourdes, Weißfiſche, Muſcheln, und Auſtern von außerordentlicher 9 . 


Vom Herbſtmonate bis in den Jenner kommen Seefchildfrösen an dieſer Kü i 
nonate b n. | / dieſer Küfte zu lie 

gen, da alsdenn die ftürmifche Zeit iſt. Man findet ihre Eyer vermittelſt ihrer a u 

Sande; eine leget hundert und fünfzig oder zweyhundert auf einmal. Sie find rund, und 


ſo groß, als Huͤhnereyer, aber mit einer weichen Haut ſtatt einer Schale bedeckt. Sie ſind 


nicht angenehm, und haben einen ſeltſamen Geſchmack, find aber doch beſſer, als die Fluß- 
ſchildkroͤten, die man hier findet. Man trifft auch Seekaͤlber und Caymans an. 5 5 5 
letztern ſind Krocodile oder große Waſſereydexen, die aber, wenn fie ſich auf dem Lande bes 
finden, anſtatt die Leute, wie in America, anzufallen, vor ihnen ins Waſſer laufen. 


Schlangen giebt es hier von ſolcher Groͤße, daß ſie einen ganzen Menſchen verſchlin 

naar 8 5 8 f 
wenn ſie ihn ſchlafend antreffen N denn fie bewegen ſich zu langſam, als daß fie ihn de 
e A er auf 17 0 ‚on ar Die Schwarzen, welche dieſer Schlangen und der 
wilden Thiere wegen allezeit bewaffnet gehen, toͤdten fie leicht, und halten ih iſch fu 
beſondere Leckerbiſſen. 4 f Helene kmh bil | 


Enhydexen von zwanzig oder dreyßig Pfund find gut zu eſſen. Im Wintermon 1 
Jahres brachte Loyer eine nach dem Fort, die er 25 einem Sa an dem Stufe 5 
hatte, die ihnen bey ihrem Elende eine große Huͤlfe war. 

Auch iſt das Land von Gewuͤrme und anderm Ungeziefer nicht frey. Ratten u h 
find haufenweiſe hier. Die Graspferde machen en e — ſelbſt e = 
chern der Haͤuſer ein folches beſtaͤndiges Getoͤſe das ganze Jahr hindurch, daß man kaum hoͤ⸗ 
ren kann, was geredet wird. Dieſes, nebft-den Heuſchrecken, und Crickets k) und Mücken, 
oder Musquitos, die einem mit ihren Stacheln weder Tag noch Nacht Ruhe laſſen, iſt ges 
nug, die größte Geduld auf die Probe zu ſetzen, beſonders wenn noch die Tauſendfüße dazu 
kommen, deren Stiche eine ſchmerzliche Entzuͤndung vier und zwanzig Stunden lang ash 
urſachen. Es giebt auch eine große Menge haarichter Spinnen, fo groß als Eyer, die 


überall niſteln, auch fliegende Scorpionen, deren Biß toͤdtlich iſt. Ferner Motten, Wan⸗ 


zen, fliegende und kriechende Ameiſen, die alles, man mag es auch noch ſo ſehr in Acht neh— 
men, als Papier, Leinwand, Buͤcher, Waaren und Zeuge zerftören. fo ſehr in Acht neh⸗ 


Das Land iſt voll Bienen, die ein vortreffliches Wachs, und un i i ; 

ll Bien | ches! N gemein weißen Hon 
machen. Den gten April im Jahre 1702 ſetzte ſich ein Schwarm in dem ee 
in ein leeres Pulverfaß, das ſie bald mit Wachs und Honig fuͤllten, und andere Schwaͤrme 
abgaben, die ſich, wo ſie recht waͤren gewartet worden, ungemein vermehrt haben wuͤrden 70 

Der Aigrisſtein, welcher hier gefunden und für Geld gebraucht wird n i 
. { | eint 
blaue Koral zu ſeyn, von dem wir, wenn wir auf Benin kommen, Nachricht W 


Der 
J) Grillen. m) Loyer, a. d. 209 u. f. S. 1) Ebendaſ. a. d ung S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch III Cap. 455 


Der VAbſchnitt. 
Die Veteres und Kompasſchwarzen. 


Staatsveraͤnderung in Ißini. Eine andere im und Schlingen. Treiben einen großen Handel 
Jahre 1670. Eſieps durch die Ißineſen vertrie- mit Fiſchen. Kompasſchwarze. Vergleichung 
ben. Die Veteres. Ihre Sitten und Regie- der Veteres und Ißineſen. 
rungsart. Aigrisſtein. Sie fiſchen mit Netzen 


1701 


Loy 


— 


E. 
ö 


Di Königreich Ißini, welches vormals unter dem Namen Albini bekannt war, wird Staatsve⸗ 
von zweyerley Völkern, den Ißineſen und Veteres bewohnt. Die letztern waren änderung in 


die eigentlichen Landeskinder, und ihr Name bedeutet Flußfiſcher. Sie ſagen, die 
Eſieps, ein Volk, welches in der Nachbarſchaft von dem Vorgebirge Apollonia wohnet, 
deren Koͤnig Fay geheißen, waͤren durch die Leute von Axim uͤber dem Vorgebirge, etwa 
vor ſechzig oder ſiebenzig Jahren, ſo beunruhigt worden, daß ſie ihr Land verlaſſen, und nach 
Aßini gefluͤchtet, welcher Ort den Veteres gehoͤret. Dieſelben hätten ſich jener ihres Elen⸗ 
des erbarmet, ſie guͤtig aufgenommen, ihnen Laͤnder zu bauen verſtattet, und ſie als ihre 
Landesleute angeſehen. Auf dieſe Art haͤtten ſie einige Jahre in gutem Verſtaͤndniſſe ge— 
lebt, bis die Eſieps, welche von Natur unruhig waren, ſich durch die Handlung mit den 
Europaͤern bereichert, und darauf ihre alten Wohlthaͤter zu verachten und zu unterdruͤcken 
angefangen, auch ihre Tyranney ſo weit getrieben, daß die Veteres die Guͤtigkeit, welche ſie 
ihnen erzeigt, zu gereuen anfing. Endlich verlohren ſie alle Geduld, und beſchloſſen, dieſe 
undankbaren Gaͤſte auszutreiben. Es war nicht ſo gar leicht, dieſes zu thun. Die Eſieps 
waren, vermittelſt des Handels mit den Europaͤern, ſehr wohl mit Feuergewehre verſehen, 
welches gegentheils den Veteres unbekannt, und folglich ſehr furchtbar war. Sie waren 
alfo genoͤthiget, auszuhalten, und erwarteten mit Ungeduld eine Gelegenheit, ſich zu befreyen, 
welche ſich endlich im Jahre 1670 darboth. 


Ißini. 


In dieſem Jahre kriegte eine Negernation, Oſchin genannt, welche in einem Lande, Eine andere 
Namens Ißini, zehn Seemeilen unter dem Vorgebirge Apollonia, wohnte, mit dem Volke im J. 1670. 


Ghiomo oder Ghiomray genannt, welches das Vorgebirge bewohnte. Nach verſchie— 
denen von den Ißineſen verlohrnen Schlachten, beſchloſſen ſelbige, ſich aus ihrem Lande wo 
anders hin zu begeben. In dieſer Abſicht warfen ſie die Augen auf die Veteres. Sie 
wußten, wie guͤtig dieſelben die Eſieps aufgenommen hatten, die ſich vollkommen in eben 
dergleichen Umſtaͤnden befunden. Zum Gluͤcke erinnerten fie ſich, daß dena, ihr König, von 
der Familie der Aumowans a) war, welcher dem Könige der Veteres angehoͤrte, und glaub: 
ten, fie koͤnnten nicht beſſer thun, als daß fie fich zu ſelbigen begaben, beſonders da fie Land 
genug überley hatten, und ihren Schutz ihnen nicht verſagen wuͤrden, den fie kurz zuvor eis 
nem Volke, das fie gar nichts angienge, geſtattet hatten. Die Veteres hielten dieß für 
eine gute Gelegenheit, ſich an ihren alten Gaͤſten, die für fie zu ſtark waren, wegen des ans 
gethanen Unrechts zu raͤchen, nahmen die Ißineſen mit Freuden auf, raͤumten ihnen Land 
ein, und entdeckten ihnen ihre Klagen. 


Die Ißineſen, um ſich ihnen gefällig zu machen, verfprachen ihnen Huͤlfe, worauf ſich Die Eſieps 
die Veteres verließen, und die Eſieps anfingen, verächtlich anzuſehen. Daraus entſtunden werden ver⸗ 


bald 
„) Im Franzoͤſiſchen Aumousns. 


trieben 


2 


1701 
Loyer. 


von den Ißi⸗ 


Die Veteres; 
ihre Sitten 


/ 


456 Reiſen nach Guinea und Benin, 

bald Uneinigkeiten, die in einen offenbaren Krieg ausbrachen. Die Veteres gewannen darin⸗ 
nen, durch Huͤlfe ihrer neuen Freunde, verſchiedene Vortheile; und weil die Ißineſen mit 
Feuergewehre verſehen, und von den Veteres unterſtuͤtzt waren: ſo mußten die Eſieps nach 
verſchiedenen Niederlagen ſich ihrer eigenen Sicherheit wegen aus dem Lande machen, und 
nach einem unbewohnten Platze auf der Zahn- oder Quaquakuͤſte ziehen, unweit dem Fluſſe 
St. Andre weſtwaͤrts, wo fie ſich noch jetzo aufhalten, obwohl die Ißineſen, ihre unverföhn- 
lichen Feinde, ſie ſehr oft anfallen, und nie ohne Beute zuruͤckkehren. 

Der Platz alſo, der anfaͤnglich den Veteres gehoͤret, und nachgehends von den Efieps 
eingenommen, und Ashini, wie der Fluß dabey, genannt worden, gehöret jetzo den Ißineſen, 
welche die ſtaͤrkſten waren, und hat von der Zeit an ſeinen Namen veraͤndert, und iſt von 
ihnen Ißini genannt worden. Ihr erſtes Land, welches jetzo zum Unterſchiede groß Ißini 
heißt, liegt zehn Seemeilen davon unbewohnt. N 

Daher koͤmmt es, daß Landkarten, die vielleicht vor dieſer Veranderung gemacht wor⸗ 
den, Ißini an ſeinem jetzigen Orte nicht zeigen. Der Fluß Ashini hatte eben dieß Schick⸗ 
ſal; und ob er wohl ſeinen Namen im Lande der Veteres behielt, ſo heißt doch die Muͤndung 
von den neuen Beſitzern Ißini ). Die Ißineſen wurden im Beſitze der Seekuͤſte gelaſſen, 
welches ihnen ein großer Vortheil, und der Veteres Verderben war; denn jene bereichern 
ſich, indem ſie Waaren von den Europaͤern kaufen, und an die Veteres theuer verhandeln. 

Die Veteres haben keine Beſchaͤfftigung und keinen andern Reichthum, als die Fiſche⸗ 


rey im Fluſſe Ißini, der ſo fiſchreich iſt, und wobey ſie ſo viel Geſchicklichkeit beſitzen, daß 


es faſt unglaublich iſt. Sie leben unter den Ißineſen untermengt c), nur daß ihre Huͤt⸗ 
ten auf Pfoſten in den Fluß gebaut ſind, da der Ißineſen ihre auf dem Lande ſtehen. Der 
Fluß iſt in der That ihre Vormauer, dadurch fie vor jeder Nation, die keine guten Schiff- 
leute hat, verſichert wird. Auf der andern Seite haben die Ißineſen zu Lande die Ober: 
hand, und ſind beſſere Soldaten, als die Veteres. Sie unterſcheiden ſich auch auf andere 
Arten. Die Ißineſen tragen ihr Haar lang, in Ringeln auf ihren Schultern, da die De: 
teres es kurz tragen, und ſich oft den Kopf abſcheeren. Die Veteres haben Pagnes von 
Graſe oder Baumrinden, und die Ißineſen von Baumwolle oder europaͤiſchen Zeugen. Der 
Saͤbel der Ißineſen iſt ein breiter Dolch, anderthalb Fuß lang, in einer Haut oder kleinen 
Scheide, welche wie ein Fiſchſchwanz gemacht iſt, und der Ißineſen ihrer hat die Geſtalt 


einer Sichel. Die Weiber der Veteres gehen ganz nackend, und die ißineſiſchen bedecken 


und Regie⸗ 
rungsart. 


ſich mit einem Pagne. 

Die Veteres find zahlreich, und bewohnen ein weitlaͤuftiges Stuͤck Land, an einem grof 
ſen Theile des Fluſſes Ißini, von dem ſie allein ihren Unterhalt haben. Sie ſind mit den 
Veteres anderer benachbarten Fluͤſſe verbunden, denen fie zu Waſſer Beyhuͤlfe ſenden, wo 
es noͤthig iſt, oder ſolche von ihnen erhalten, weil die Fluͤſſe in dieſem Lande alle zuſammen⸗ 
haͤngen. Sie werden von einem Oberhaupte oder Hauptmanne regiert, der jetzo Kukrokii 
heißt. Er war des vorigen Koͤnigs Sklave, und ward durch das große Vermoͤgen, welches 

ihm 
5) Loyer a. d. 178 u. f. S. ten, und ſcheinen nur ein Volk zu machen. Sonſt 
c) Die Veteres und Ißineſen leben nach Mar⸗ aber find fie an Gemuͤthsbeſchaffenheit und Sitten 
chais Berichte ſehr einig. Jede Nation hat ih- ſehr unterſchieden. Siehe Marchais 1 Band, 
ten eigenen König und Geſetze. Gleichwohl ver- a. d. 199 S. Ta 
einigen fie ſich bey gemeinſchaftlichen Gelegenhei⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 457 


ihm dieſer verließ, in den Stand geſetzt, den Vornehmſten die Spitze zu biethen, und ſich rror 
zu dieſer Würde zu erheben, die er friedlich genießt. oper. 

Die Veteres kennen nur die natürlichen Geſetze, und uͤbertreten ſolche oft. Sie haben 
eben die Neigungen, wie andere Schwarze, beſonders zum Diebftahle und der Verraͤtherey, 
zumal in Abſicht auf die Weißen, die ſie gar nicht ara konnen. Ihr Geld heißt Beti⸗ 
quets 4) oder Aigris e). 1 

Der Aigrisſtein dienet hier ſtatt des Geldes. Die bei zerbrechen ihn in ſehr kleine o Mareen. 
Stuͤckchen, die ſie mit einem Feuerſteine ſehr geſchickt durchbohren, an Gras reihen, un 
alsdann den Veteres verkaufen, die ſich ihrer ſtatt des Geldes bedienen f 9 — Einer gi Ä 
zwey Liards franzoͤſiſche Minze, Gold haben fie wenig oder nichts. = 

Die Waffen der Veteres find der Saͤbel- und die Aſſagay, mit einer Art von halben 
Piken. Einige haben Feuergewehr, welches fie erſt von den Ißineſen kaufen, die es ſelbſt 
von den Europäern erhalten, aber wenige gebrauchen es. 

Sie bedienen ſich Netze, welche von Graſe oder Baumrinden geflochten ſind, wie auch Fiſchen mit 
Angeln und Speere, die fie fo geſchickt zu gebrauchen wiſſen, daß ihnen ſelten ein Fiſch ent: Netzen 
geht. Hiermit fiſchen fie in Canoes, die aus einem einzigen Baume gemacht find, und 
meiſtens drey Perſonen, manchmal auch fuͤnfe, enthalten. Bey ihrer großen Fiſcherey, wel⸗ 
che ordentlich um den Neu- und Vollmond geſchieht, verſammeln fie oft dreyßig oder vier⸗ 
zig Canoes, und machen ſich um ſechs Uhr des Abends dahin, wo fie wiſſen, daß ſich die Fiſche 
einfinden, und bringen daſelbſt die Nacht bis den⸗ folgenden Morgen zu, da ſie ordentlich mit 
einer großen Menge Fiſche, beſonders Mulets, die ſehr gut und wohlfeil ſind, zuruͤckkommen. 

Den folgenden Tag ruhen ſie aus, und ihre Weiber verkaufen die Fiſche auf dem Markte. 


Unterdeſſen daß die Männer fiſchen, oder auch wenn der Markt vorbey iſt, verſieden 
die Weiber Seewaſſer, um Salz zu Ye welches ihnen wohl gekärg. Ihr Salz iſt 
ſehr weiß, und ſchaͤrfer, als unferg.: >. 

Weil ſich die Veteres nicht auf die See wagen: ſo fiſchen ſie nur in den Flüſſen, wo und Neufen. - 
ſie Reuſen legen. Dieſe beſtehen in einem weiten Kreiſe von Schilfe, der an großen 
Stangen in untiefen Gegenden befeſtigt iſt, und nur eine Oeffnung hat, da der Fiſch hinein 
kann. Dahin gehen ſie mit kleinen Bogen, wu ſuchen fich die Fiſche aus, wie wir in 
Europa aus den Fiſchhaltern. 
Siie treiben einen ſtarken Fiſchhandel mit den gebirgiſchen Kompas, die fie dafuͤr mit Starker 
Breodte vonRocken, Maize, Reiße, Dams, Bananas, Koras, ‚Palmöle und andern Lebensmitteln Fiſchhandel. 
verſorgen. Die Veteres verkaufen ſolche wieder zu Aſſoko an die Ißineſen, die ohne ſolche 
Beyhuͤlfe verhungern wuͤrden. Wenn dieſe beyde Nationen einen Streit haben: fo be⸗ 
ſteht alle Rache, welche die Veteres ausüben, darinnen, daß fie nichts 6 Markte bringen, 
worauf ihnen die Ißineſen alſob gs au zugeſtehen. f 
Die Kompas, welche an die Veteres graͤnzen, machen eine Art von Kepubtif aus, wo Kompas. 
die Vornehmſten gemeinſchaftliche Sachen durch ihre Stimmen D Ihr Land be⸗ 
l | ſteht 
4) Zwey davon gelten eine Krone. Marchais einen Edelſtein, 'der bier gefunden wird, gruͤnlich⸗ 
Band, a. d. 199 ©. blau, wie Glaskorallen ausſieht, aber mit Go de 


e) Coyer, a. d. 137 u. f. S. von ihnen aulgrergen wird. Joyer auf der 115 
F) Asoyer beſchreibt anderswo die Aigris als Seite. 


Allgem. Reifebefchr. III Band. M m m 


1701 


er. 
ee 


Veteres und 
Asinefen 


verglichen. 


Der Ißine⸗ 
ſen Bildung. 


458 Reiſen nach Guinea und Benin, 


ſteht aus angenehmen Hügeln, die angebaut find, und alles, was darauf gefäet wird, uͤber⸗ 
fluͤßig hervorbringen; der Boden der Kuͤſte aber tauget nichts, und iſt trockener und von 
der Sonne verbrannter Sand. Daher koͤnnten die Veteres und Ißineſen ohne die Kom- 
pas nicht leben, die gegentheils Feuergewehr, Salz und Pagnes nehmen, als welche Sachen 
ihnen fehlen. Die Ißineſen erhalten auch das Gold, welches ſie im Handel brauchen, von 
den Kompas, die es ſelbſt von einem Volke, das tiefer ins Land hinein liegt, bekommen. 
Ihr Land erſtrecket ſich von Oſt gen Weſt dreyßig oder vierzig Seemeilen, und iſt funfzehn 
bis zwanzig breit. Sie gehen weit nackender, als die Nationen an der Küfte, find aber 
keine große Kriegshelden ). 

Labat hat in des Ritters Marchais Reife einen Auszug aus Loyers Beſchreibung 
von Ißini gemacht, und ihn denen Anmerkungen, die vermuthlich von ſeinen Schriftſtellern 
gemacht worden, beygefuͤgt. Dieſelben ſind, daß die Haͤuſer der Veteres hoch genug uͤber 
die Flaͤche des Waſſers erhaben ſind, um vor der Ueberſchwemmung ſicher zu ſeyn, daß ſie 
ihre Canoes unter die Haͤuſer ſtellen, und gute Schiffer auf dem Fluſſe, wie die Ißineſen 
auf der See, find. Die Veteres laffen ihr Haar wachſen, und ſcheeren ſich die Baͤrte glatt 
ab, die Ißineſen ſchneiden ſich das Haar ab, und laſſen ſich die Baͤrte lang wachſen. Die 
Ißineſen find durch die Handlung geſitteter geworden, als die Veteres, die ſelten Weiße fe- 
hen. Die Ißineſen ſchneiden auch den Aigrisſtein in kleine Cylinder einen Zoll lang. 
Labat haͤlt ihn für eine Art Jaſpis. 

Ihre Rindennetze halten gut, und fie durchſpießen einen Fiſch auf fünf bis ſechs Fuß 
weit. Sie beladen uͤberhaupt ihre Canoes innerhalb zehn bis zwoͤlf Stunden mit allerley 
Arten von Fiſchen, beſonders Mulets, die ſehr groß, fett und wohlgeſchmackt ſind. 

Dieß Land iſt zwar gut und fruchtbar, aber überall ungebaut; entweder weil fie zu nach- 
laͤßig find, oder weil ſie die Fiſcherey ſtets auf dem Waſſer behaͤlt. 


Der VI Abschnitt. 


Von den 
Ihre Geſichtszuͤge. Kleidung. Gemuͤthsbeſchaf⸗ 


fenheit. Unterſtuͤtzen die Dieberey; ſind mis⸗ 
trauiſch und geizig; welches aus ihren Speiſen 
erhellet. Ihre Weibsbilder. Heirathen. Kleidung 


Iſſineſen. 


der Weibsbilder. Wie ſie Kinder zur Welt bringen. 
Speiſe und Trank. Ragout von Fiſchen. Koros⸗ 
bruͤhe. Palmwein. Bauart. Reinigungshaͤuſer. 
Hausrath. 


Die Ißineſen haben außer der ſchwarzen Farbe nichts unangenehmes in ihrer Bildung 
und Geſtalt. Es ſind wenig plattnaͤſigte unter ihnen. Ueberhaupt ſind ſie von guten 
Gliedmaßen, groß und wohlgeſtalt; ſtark und gelenke, haben lebhafte Augen und weiße 
Zaͤhne, welche ſie durch Reiben mit einem gewiſſen Holze erhalten, das hier waͤchſt, und dazu 
vortrefflich iſt 2). Sie ſind für ihre ſchwarze Farbe ſehr beſorgt, und reiben deswegen 
die Haut alle Tage mit Palmöle, welches mit geſtoßnen Kohlen vermengt iſt. Dadurch 
wird die Haut ſchwarzglaͤnzend, wie ein Spiegel. Sie leiden weder Haare noch Unreinig— 
keit am Leibe. Wenn fie alt werden: fo vermindert ſich ihre Schwaͤrze, und ihr wolligt 
Haar 


1) Siehe oben Herrn Brues Reiſe nach Rayor, 


g) Loyer a. d. 16 f u. f. S. 
zweyter Band a. d. 454 Seite. 


7) Warchais 1 Band, a. d. 200 u. f. —. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 459 


Haar wird grau. Sie find auch ſehr forgfältig für dieſes Haar, und binden es auf hun⸗ Tor 
derterley verſchiedene Arten auf. Sie kaͤmmen es mit einer hölzernen oder elfenbeinernen Loper. 
vierzackichten Gabel, welche allemal auf ihrem Kopfe ſtecket. Sie beſtreichen auch ihr Haar 

mit dem Palmoͤle und Kohlen wie den Leib, um es ſchwarz und wachſend zu machen. Sie 

zieren es mit kleinen Stuͤckchen Gold, oder artigen Muſchelſchalen, und jeder will den andern 

hier an Kunft übertreffen, 105 

Sie ſcheeren ſich mit Meſſern, die fie beynahe fo ſcharf zu machen wiſſen, als Scheer⸗ Ihr Pub. 
meſſer. Einige ſcheeren nur die Haͤlfte des Kopfes, und legen die Haare auf der andern 
wie eine Nachtmuͤtze aufgeſtuͤlpt über das Ohr. Andere laſſen hier und da breite Flecken 
ungeſchoren, wie es ihnen einfällt. Sie machen viel aus ihren Baͤrten, kommen ſolche 
täglich, und tragen fie fo lang, als die Tuͤrken. Sie find ſehr reinlich, und waſchen ſich 
Geſicht, Hände und Kopf oft. Sie gehen ohne Scham und Scheu nackend; bloß die 
Brembis und Bahumets haben Kleider. Sie tragen ein Pagne, etwa zwo Ellen lang, 
und drey Viertheil breit, rings um den deib. Ein Ende davon laſſen fie vorne herunter 
fallen, das andere ſtecken fie zwiſchen den Beinen durch, und ſchleppen es hinten nach. Ei⸗ 
nige tragen es wie einen Guͤrtel oder wie ein Degengehenke, das queer uͤber eine Schulter 
geht, und an den Enden zuſammengebunden iſt. Die Armen und Sklaven haben nur ein 
Stuͤck zuſammengewebte Baumrinden oder Gras, ihre Blöße zu bedecken. Einige, beſon⸗ 
ders die Kaboſchiren, haben Muͤtzen von Ziegenfellen. Sie lieben aber die europaͤiſchen 
Muͤtzen und Hüte ungemein, und tragen fie nur, wenn fie Staat machen wollen, wie ſie 
denn ſehr eitel ſind. Dieſe Huͤte gehen hier wohl ab, wo ſie nicht theurer, als ein oder zwo 
Kronen ſind. f 

Die Ißineſen haben einen guten Verſtand und eine gute Ueberlegung, find liſtig, und Ihr Cha⸗ 
große Luͤgner und Diebe, ob man ſie wohl nicht aͤrger ſchimpfen kann, als wenn man ſie rakter. 
Kruki oder Räuber heißt. Man muß ihnen auf die Füße ſowohl Achtung geben, als 
auf die Haͤnde; denn wo ſie etwas auf der Erde liegen ſehen, ſo vergraben ſie es mit den 
Zaͤhen, und hohlen es nachgehends. Da dieſes Laſter bey ihnen niemals geſtraft, ſondern 
vielmehr gelobt wird: ſo wiſſen ſie ſich ſehr viel damit, daß ſie auch ihre Heldenthaten von 
der Art erzählen. Der König ſelbſt muntert fie dazu auf; denn wer etwas geſtohlen hat, 
und befürchtet, entdeckt zu werden, darf es nur dem Könige bekennen, und ihm einen Theil 
davon geben. So bekoͤmmt er alles zur Hälfte, was den Weißen genommen wird. Des 
Königs aͤlteſter Sohn ſtahl im Herbſtmonate des Jahres 1702 den Franzoſen einen zinner— 
nen Loffel, und brachte ihn ohne Scham wieder, als er ſah, daß er entdeckt war ). 

Sie kamen ſelten, ihre Schulden zu bezahlen. Japin, des verſtorbenen Koͤnigs Sohn, Mistrau— 
war fuͤnf Takus oder Sous, einem Franzoſen im Fort ſieben Monate lang ſchuldig, und iſch 
wollte doch endlich ihm nur dreye bezahlen. Sie ſind ſo mistrauiſch, daß man ihnen das 
Geld eher weiſen muß, als fie ihre Waare zeigen. Wenn fie etwas für einen thun ſollen: 
ſo muß man ſie zum Voraus bezahlen, und wird dabey oft betrogen; denn ſie halten ihren 
Vergleich ſelten vollkommen; und um ſie beym Guten zu erhalten, muß man ihnen be— 
ſtaͤndig Geſchenke geben. Wenn fie aber etwas kaufen: fo muß man ihnen wenigſtens 
einen Theil borgen, und dieſes betruͤgeriſche Verfahren geht vom Koͤnige bis zum gering: 
ſten Sklaven. 


Mm m 2 Sie 
*) Loyer a. d. 137u. f. S. ö 


1701 
Zoyer. 
und geizig 


im Eſſen. 


460 | 20 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Sie find fo filzig, daß fie über ein Schaf, welches fie geſchlachtet, wohl zehn Tage kla⸗ 
gen, und doch werden ſie ſolches ſelten thun, außer wenn ſie einen Europaͤer bewirthen, von 
dem ſie zehnmal ſoviel wieder hoffen. Sie ziehen nur Huͤhnervieh, um Gold dafuͤr zu be— 
kommen. Kaum werden ſie fuͤnf Sous an ſich wenden, und ſind mit ein wenig Bananas, 

oder etwas Fiſchen zufrieden, die ihre Sklaven mit dem Angel fangen, oder mit einigen 

elenden Krebſen, welche ſie am Ufer aufleſen, wozu ſie ſtinkend Waſſer trinken. Ein tod⸗ 
tes Aas iſt ein herrliches Eſſen für fi. Ein Ochſe, welcher an einer Krankheit am Bord 
des Ritters Damou verreckte, ward in die See geworfen, und ans Land getrieben, da ſie 
ihn denn halb verfault, begierig auffraßen. Sie haben gute Magen, und naͤhren ſich wohl, 
wo ſie bey den Weißen zu Gaſte ſind, da es ſie nichts koſtet. Sie ſind ſo wenig gefaͤllig, 
daß ſie einem gerade deswegen eine Sache abſchlagen, wenn ſie ſich einbilden, man habe ein 
Verlangen darnach. Will man einen Dienſt von ihm haben, fo muß man ganz gleichgül: 
tig dazu thun, oder hundertmal mehr dafuͤr geben, als er werth iſt. 


ungerechtig⸗ Sie ſind ſo begierig, etwas zu erwerben, daß ſie etliche wenige Pfennige zu bekommen, 


keit. 


Die Weibs⸗ 
bilder. 


Heirathsce⸗ 


remonien. 


einige Saft elender Früchte zwo bis drey Meilen tragen; und gleichwohl, wenn man fie 
braucht, etwas zu tragen, ſo ſchlagen ſie es ab, wo man ſie nicht nach ihrem Gefallen bezahlt, 
und wenn ſie das Geld bekommen, laſſen ſie doch wohl die Ladung auf dem halben Wege 
zuruͤck. Loyer meldet, daß er ſolches oft erfahren, und beſchreibt ſie als das boshafteſte, 
betruͤglichſte, und undankbarſte Volk, von dem man allezeit deſto uͤbler belohnt werde, je⸗ 

mehr man ihm gutes thue. f 
Die Weibsbilder von Iſſini, find ſchlank und wohlgewachſen, aber nicht ſehr artig. 
Sie ſind ſcheu und liſtig, und noch viel geiziger, als die Maͤnner. Außerdem ſind ſie zu 
Ausſchweifungen geneigt, welches hier für keinen Fehler geachtet wird, wo fie nicht verhei— 
rathet ſind, und den Fetiſch zum Zeichen der ehelichen Treue gegeſſen haben. Sie ſind 
ſehr eitel, ſehen beſtaͤndig in ihre kleinen Spiegel, reiben ihre Zaͤhne, um ſie weiß zu ma⸗ 
chen, oder putzen ihr Haar auf. Sie falben es mit Palmoͤle, und ſchmuͤcken es mit Stuͤck⸗ 
chen Gold und andern Zierrathen, alles in der Abſicht, reizend, beſonders fuͤr die Weißen 
aus zuſehen. Sie würden dieſen gern alles verſtatten, wofern fie ſich nicht vor ihren Män- 
nern fuͤrchteten, die das Recht haben, wofern ſie des Ehebruches uͤberwieſen wuͤrden, ſie zu 
tödten, wie auch den Ehebrecher, wo er nicht dafür mit Golde genug thun kann. Die gewoͤhn⸗ 
lichſte Strafe iſt ein Bende, d. i. hundert Livres; iſt aber der beleidigte ein Kaboſchir, und 
der Beleidiger reich, fo fordern fie mehr. Im Jahre 1702 mußte Herr Aniaba auf Ur: 
theil der Richter, dem Hauptmanne Emond ſieben Bendes geben. a 
Ihre Hochzeitceremonien ſind kurz und luſtig genug. Ein Vater, der ſeinen Sohn kn 
den Umſtaͤnden ſieht, daß er ſelbſt eine Frau erhalten kann, ſuchet ihm eine aus, und meldet 
ihm alsdann, daß er felbige anſehen ſolle. Sie vergleichen ſich meiſt bald, und gehen als- 
denn zu des Maͤgdchens Vater, um zu ſehen, was er haben ſoll. Darauf eſſen ſie den Fe— 
tiſch zuſammen, zum Zeichen ihrer Freundſchaft, und als eine Verſicherung von der Frauen 
Treue gegen den Mann. Zweene oder drey Tage werden mis Tanzen und Luſtbarkeiten 
zugebracht. Endlich fuͤhret der Braͤutigam ſeine neue Braut nach Hauſe, wo ſie uͤber alle 
ſeine Sklaven unumſchraͤnkte Herrſchaft hat. Er nimmt zwar auch oft noch andere Weiber, 
aber 


I) Loyer a. d. 4 u. f. ©. m) Iſt das portngieſiſche Wort Amigo verdorben. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 461 
aber keine ohne ihren Willen. Sie unterſaget ihm auch ſolches ſelten, weil die Menge von 
Kindern hier ihren Reichthum ausmachet. Alle die andern find eigentlich nur Beyſchlaͤfe⸗ 
rinnen; für jede zahlet der Mann dem Vater acht Kronen werth in Goldſtaube, behält fie 
alsdenn, fo lange er will, oder ſendet fie zuruck, ohne daß dieſes auf beyden Seiten Ber: 
druß verurſachte. 5 = 


1701 
Boyer. 


Die Weibsbilder tragen Pagnes wie die Männer , aber gern von friſchen Farben, Kleldung 
als roth und blau, oder aus verſchiedenen Streifen zuſammengeſetzt. Sie binden ſie hinten der Weibs⸗ 


mit einer großen Wulſt auf, darauf ſie ihre Kinder tragen, und binden ſich große Klumpen 
Kupfer, Erzt, oder eiſerne Schluͤſſel an den Leib, ob ſie gleich vielleicht nicht eine Buͤchſe zu 
Hauſe haben. Unter dieſen haͤngen viele Beutel, mit nichtswuͤrdigen Dingen gefuͤllt, nur 
um reich, beſonders in den Augen der Weißen, auszuſehen. Ihre Aerme und Fuͤße ſind 
mit Eiſen, elfenbeinernen und kupfernen Ringen mehr beladen als geziert. Loper ſah 
welche, die zehn Pfund ſchwer trugen; und ihr anderer Armſchmuck war ſchwerer, als die 
Ketten europaͤiſcher Gefangenen 7). 

Den Tag, da ihre Kinder gebohren ſind, tragen ſie ſolche an den Fluß, waſchen das 
Kind und ſich, und gehen alsdenn wie zuvor an ihre Arbeit. Darauf nennen ſie mit des 
Vaters Einwilligung, das Kind nach einem Baume, Vogel oder Thiere. Manchmal nen⸗ 
nen fie es nach ihrem Fetiſch oder einem Europäer, der ihr Mingo d. i. Freund iſt m). Sie 
haben ihre Kinder ungemein lieb, aber ſelten mehr als zwey oder drey. Sie tragen ſie 
überall auf dem Ruͤcken mit ſich herum, auch wenn fie arbeiten; daher werden einige platt= 
näficht. Im fiebenten oder achten Monate laſſen fie ſolche allein gehen, da fie wie die Kaͤtz⸗ 
chen kriechen. Solchergeſtalt lernen ſie eher gehen, als wir. Sie gewoͤhnen ſolche zeitlich 
eiſerne und metallene Ringe zu tragen. Wenn ſie zehn bis zwoͤlf Jahre alt ſind, ſo lehret 
der Vater die Knaben etwas, ihr Leben hinzubringen, als, Fiſchen, Jagen, Palmwein za⸗ 
pfen, oder handeln, und unterrichtet ſie, was ſie fuͤr Gewinnſt dabey machen muͤſſen, der 
wenigſtens hundert vom hunderte iſt. Die Frau lehret die Maͤgdchen das Haus auskehren, 
Maiz, Reiß, und Hirſe ſtoßen, backen und kochen, auf dem Markte kaufen, und verkau⸗ 
fen, und beſonders gute Hauswirthinnen ſeyn, in welchem Stuͤcke ſie dem geſchickteſten 
europaͤiſchen Frauenzimmer aufzurathen geben ). | 

Ihre ordentliche Speifen find Feigen, Bananas, Yams, Reiß, Maiz und Hirſe. Von 
den drey letztern machen ſie Brodt. Die Hauswirthinn, oder vornehmſte Frau, nimmt je⸗ 
den Abend ſoviel aus der Vorrathskammer, als ihren Gedanken nach auf den folgenden 
Tag zureicht. Den Morgen verſammlen ſich die Maͤgdchen und Sklavinnen, oder wo deren 
keine vorhanden, die andern Weiber, es in einem weiten hoͤlzernen Moͤrſel mit dergleichen 
Stempfel zu ſtoßen, um es von den Huͤlſen abzuſondern; darauf ſichten ſie es mit breiten 
Stuͤcken Holz; und wenn das Korn gereinigt iſt, thun ſie es wieder in einen kleinen Moͤrſel, 
und ſtoßen es klein, wobey fie von Zeit zu Zeit Waſſer, um es zu verdicken, hinein gießen. 
Darauf breiten ſie den Teig auf einen breiten flachen Stein, wie ein Farbenſtein, aus, und 
arbeiten ihn mit einer ſteinernen Keule, wie die Maler ihre Farben. Sie theilen dieſen 
Teig in kleine Pfennigbrodtchen 0), welche fie Tokay nennen, und kochen fie mit etwas 
wenigem Waſſer in einem offnen Topfe, nachdem ſie etwas Stroh daruͤber gelegt haben, 

mm 3 um 


5 „) oper a. d. 154 u. f. S. | o) Petits pains d'un Sol, 


bilder. 


Was ſie mit 
den neuge⸗ 

bohrnen Kin: 
dern machen. 


Speiſen. 


1701 
Köyer. 


Ragout von 
Fiſchen. 


Korosbruͤhe. 


Palmwein. 


Bauart. 


462 Reiſen nach Guinea und Beni, 


um zu verhindern, daß ſie nicht verbrennen. Dieß iſt die taͤgliche Arbeit der Weibsbilder. 
Dieſe Laibchen find ſehr ſchlecht Brodt, und die beſten darunter noch diejenigen, die von 
Hirſe gemacht ſind, die gleichwohl gewaltige Colik im Magen erregen. ˖ 

Wenn fie an Feſttagen einen guten Fiſch bekommen, fo machen fie ein Ragout dar: 
aus, welches fie Toro nennen. Sie nehmen Koros, welches eine Frucht von Palmbaume 
iſt, fo groß wie unſere Pflaumen, und einer Dattel nicht unaͤhnlich, obwohl davon in der N 
That unterſchieden. Sie iſt von Pergamentfarbe, aber roͤther, und beſteht nur aus einer 
Haut, welche uͤber einen großen Stein gezogen iſt, und wenig Fleiſch unter ſich hat. Sie 
kochen dieſen Koros mit Fiſchen, thun ihn, wenn er gut iſt, in einen Mörfer und ſtoßen 
ihn. Nachdem ſie den Saft ausgepreßt, thun ſie ihn wieder mit dem Fiſche in den Topf, 
und ein wenig Salz und viel Pfeffer dazu, und laſſen alles zuſammen dicke werden. Dieſes 
Eſſen ſchmecket den Europaͤern ſehr wohl, wenn es nur nicht zu ſehr geſalzen iſt; denn fuͤr 
die Schwarzen iſt es nie genug geſalzen. f x 

Diefes Koros iſt ihre gewöhnliche Speiſe, und wenn fie Feine Fiſche haben, zu ihrem g 
Brodte zu eſſen, fo machen fie eine Brühe von Palmöleftate der Butter, folgendermaßen: 
Sie nehmen eine Menge Koros, und laſſen fie aufgehaͤuft liegen, bis fie zu faulen anfan⸗ 
gen; darauf thun ſie ſolche in einen Moͤrſer oder vielmehr in ein Faß, und rühren fie mit 
Stoͤcken um, alsdenn gießen fie warm Waſſer zu, und rühren ſolches beſtaͤndig. Wenn es 
ihren Gedanken nach genug iſt, lehnen fie das Gefäß auf eine Seite, und ſchieben die Nuͤſſe 
zuruͤck, daß ſie das reine Oel zum Verkaufe in große Toͤpfe gießen koͤnnen. 

Palmwein iſt der Saft von einer andern Art Palmen, die nicht ſo ſtachlicht ſind, als 
die, welche die Koros trägt. Sie waͤchſt hier häufig, und viele Schwarzen leben bloß da⸗ 
von, den Saft davon zu zapfen. Wenn ſie an gewiſſen Merkmaalen ſehen, daß der Baum 
zu ſeiner Reife gekommen iſt: ſo klettern ſie hinauf, und ſchneiden zweene oder drey Aeſte 
unweit des Gipfels ab. Mit einem kleinen flachen Meißel, etwa einen Zoll breit, machen 
ſie eine Hoͤhle, ſo groß als eine Mannsfauſt, und ſtecken ein langes und ſtarkes Blatt hin⸗ 
ein p), wodurch der Wein in einen großen an den Baum gehaͤngten Topf troͤpfelt. Wenn 
man ihn über einen Tag behält, wird er ſauer; aber die Regern ſchaͤtzen ihn deswegen nichts 
minder. Bey jedesmaligem Abzapfen muß ein neuer Schnitt gemacht werden; ſonſt laͤuft 
der Baum nicht. Ein Baum giebt drey Monate lang Wein, alsdenn aber wird er ver⸗ 
trocknen und ſtirbt. Aus dem Stamme wachſen Wuͤrmer, ſo groß als ein Daumen, wel— 
che die Schwarzen als Leckerbiſſen effen, und theuer verkaufen J). 

Sie find hier nicht fo forgfältig im Bauen, als in andern Gegenden der Kuͤſte. Ihre 
Häufer find elende Hütten von Schilfe, mit Palmblaͤttern bedeckt. Im ganzen Lande ſind 
keine leimernen Haͤuſer, als des Koͤnigs, ſeines Bruders Namoke, und zwey oder drey der 
vornehmſten Kaboſchiren oder Brembis zu Aſſoko, welche nur neulich gebaut, und von 
Holze ſind. Die uͤbrigen alle, auch der Vornehmſten, ſind noch ſchlechter, als die Kohlen— 
brennerhuͤtten in Frankreich ?). Kaum kann ein Mann aufgerichtet in ihnen ſtehen. Sie 


muͤſſen hier ſitzen oder liegen, und gehen in der That ſelten hinein, außer zu ſchlafen oder bey 


Regenwetter; ſonſt bringen ſie den Tag vor der Thuͤre der Kuͤhlung wegen in Huͤtten von 
Baumaͤſten zu. | 


Die 
7) So zufammen gerollt iſt. a) Foyer a. d. 170 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 463 


Die Thuͤre iſt ein Soc) von einem und einem halben Fuß ins Gevierte, wodurch man nicht Not 
ohne Muͤhe kriecht. Sie iſt mit einem Riegel von Schilfe, der inwendig mit Stricken be⸗ Loper. 
feſtigt iſt, vor den Tygern verwahrt. Bey Nacht machen ſie ein Feuer in die Mitte, wo⸗ 
von alles voll Rauch wird, weil ſie keinen Schorſtein haben. Hier ſchlafen ſie auf Mat⸗ 
ten, mit den Füßen gegen das Feuer gekehrt. Ihre Weiber ſchlafen und eſſen in befons 
dern Hütten, felten mit ihren Ehemaͤnnern. Alle dieſe Huͤtten find ordentlich mit Schilf⸗ 
paliſaden umgeben, welche eine Art vom Hofe machen, in welchem ein Thor iſt, das alle 
Nacht verſchloſſen wird. Dieſer Hof und der Fußboden ihrer Huͤtten, welcher nur Sand 
iſt, werden des Tages zehnmal von ihren Weibern und Toͤchtern gekehrt, die alles in guter 
Ordnung halten. 

Es iſt eine Gewohnheit ſeit undenklichen Zeiten unter ihnen, daß jedes Dorf ein Haus Reinigung 
etwa hundert Schritte von dem andern abgefondert hat, welches Burnamon heißt, in wel⸗ der Käufer, 
chem alle Weiber und Maͤgdchen waͤhrend ihrer monatlichen Zeit verſperrt ſind. Man 
bringt ihnen hier zu eſſen, als ob fie die Peſt hätten, und fie wagen es nicht, ihre Krankheit 
zu verhehlen, weil ſie bey Schließung der Heirath auf den Fetiſch geſchworen haben, ſobald 
ſie es vermerken, ihren Maͤnnern Nachricht davon zu geben, und ſich nach dem Burna⸗ 


mon zu machen. 
Sie find wegen des Hausraths fo gleichguͤltig, als wegen des Bauens. Sie haben Hautrath. 

nur etliche wenige Stuͤhle, etwa einen halben Fuß hoch, welche ihnen des Nachts zu Kopf⸗ 

kuͤſſen dienen. Sie tragen ſolche mit ſich, oder laſſen fich ſelbige durch ihre Sklaven nach⸗ 

tragen, ſich darauf zu ſetzen. Wenn einer eine alte Kuͤſte von einem Bootsknechte erhalten 

hat: ſo iſt er ein großer Mann. In der Kuͤche haben ſie etliche elende irdene Toͤpfe, die 

ſchlecht gebrannt find, und bald brechen, und einige hölzerne Schuͤſſeln, in denen fie ihre 

Speiſe aufbehalten. Auch eſſen ſie daraus auf der Erde ſitzend, und tunken die Haͤnde 

ſaͤuiſch darein; denn fie haben weder Servietten, Meſſer, Gabel noch Loͤffel ). 


Der VII Abſchnitt. 
Staͤrke, Krankheiten, Begraͤbniſſe, und Religion der Iſſineſen. 
Die Eingebohrnen von Ifſſini find kriegeriſch. Ihre Hügel und Baͤume. Geweihte Altaͤre. Opfer. 
Waffen, Stärke, und Art zu fechten. Trum⸗ Verehrung der Fetiſche vom Verfaſſer verſpot⸗ 
meln und Trompeten. Seltſames Inſtrunent. tet. Eide beym Fetiſch. Von anderer Art. Ihr 
Krankheiten. Arzneyen. Begraͤbniſſe. Trauer Hoherprieſter. Art ihn zu wählen. Seelenwan⸗ 
weiber. Saͤrge. Beerdigungen. Religion. Glau- derung. 
ben einen Gott. Gebeth. Fetiſches. Fetiſchtage. 
Die Iſſineſen ſind ohne Widerſpruch die beſten und geuͤbteſten Soldaten auf der Gold⸗ Sie ſind 
kuͤſte. Daher find fie von ihren Nachbarn ſehr gefuͤrchtet, ob fie wohl nur eine kleine kriegeriſch. 
Nation ausmachen. Sie haben, entweder durch ihrer Anfuͤhrer Geſchicklichkeit, oder ihre 
eigene gute Uebung oft vortheilhafte Einfaͤlle, bis an den Fluß St. Andre gethan, d. i. bis 
an die Goldkuͤſte uͤber funfzig oder ſechzig Seemeilen, wo ſie die Oſchins t) ihre alten 
Feinde, welche fie aus ihrem Lande vertrieben hatten, verfolget. Loyer ſah fie im Jahre 1701 
von einem ſolchen Zuge mit reicher Beute an Gold und Sklaven zuruͤck kommen. 
Ihre 


7) Ebendaſ. a. d. 124 und 183 u. f. S. 7) Loper a. d. 166 U. f. S. 7) Im Franzoͤſiſ. Ochyns. 


464 Reiſen nach Guinea und Benin, 8 


1701 Ihre Waffen ſind ein Saͤbel, eine Aſſagay und Flinte, womit ſie geſchickt umgehen, 
Loyer. und ſolche ordentlich halten. Sie koͤnnen aus einer ſchlechten Muskete, durch Verbeſſerung. 
W des Schloſſes, eine gute machen. Die Franzoſen haben geſehen, daß ſie dieſes mit alten 
Musketen, welche ſie ihnen verkauft, weil ſelbige kein Feuer mehr geben wollten, gemacht. 
Sie haben ſolche zu ſo einer Vollkommenheit gebracht, daß ſie kaum jemals mehr verſagt, 
und haben fie fo glaͤnzend wie Silber gehalten. Ihre Befehlshaber brauchen vieveckichte 
Schilde etwa drey Fuß lang und zweene breit, welche ihnen die Sklaven nachtragen. Sie 
find aus Ochſenhaͤuten gemacht, mit Togerfellen bedeckt, und an jeder Ecke hängt eine eis 
ferne Schelle, die klingt, indem es der Sklave am linken Arme trägt, und in der Rechten ei⸗ 
nen Saͤbel zur Vertheidigung haͤlt. Wenn der Heerfuͤhrer den Feind angreift, ſo nimmt 
er gemeiniglich eins von dieſen Schildern. 
Ihre Stärke Es find zu Iſſini drey Heerfuͤhrer von faſt gleichem Anſehen, naͤmlich König Akafini, 
und Art zu Namoke, und Emond. Jeder hat faſt ſoviel Sklaven, als der andere, und darinnen be: 
fechten. ſteht ihr Reichthum und ihre Macht. In Kriegszeiten machen dieſe Sklaven den ge⸗ 
meinen Haufen aus. Jeder freye Schwarze, geht mit dem General, den er am liebſten, 
oder fuͤr den er die meiſte Verbindlichkeit hat. Jeder von dieſen dreyen Heerfuͤhrern, be⸗ 
ſitzt etwa fünf- oder ſechshundert Sklaven. Die Kaboſchiren oder Brembis haben ein je⸗ 
der von zwanzig bis funfzig Sklaven. Dieſe folgen dem Koͤnige, der die, welche ſich in 
der Schlacht hervorthun, durch einen wichtigen Antheil an der Beute belohnet. 

Waͤhrenden Streitens gehen die Trummeln, Trompeten, und andere Inſtrumente be⸗ 

i ftändig, welches, nebſt dem Geſchreye der Schwarzen, ein ſtaͤrkeres Laͤrmen als der Donner 
Trummeln macht. Ihre Trummeln ſind aus einem Stuͤcke Holz gemacht, welches nur an einem Ende 
und Trom- ausgehoͤlt iſt, und mit einem dicht über die Oeffnung gezogenen Elephantenohre bedeckt 
regen. wird. Sie ſchlagen ſolche mit zweyen Stuͤcken Holze, die wie Haͤmmer geftaltet, und mit 

einem Ziegenfelle uͤberzogen ſind. Es giebt einen rauhen dumpfigen Klang. 

Ihre Trompeten find faſt ganz ausgehoͤlte Elephantenzaͤhne, an deren Seite fie eine 
kleine Oeffnung bohren, wodurch der Trompeter, gemeiniglich ein Knabe von zwölf bis funf- 
zehn Jahren blaͤſt. Sie geben einen, hellen Ton, aber ohne Veraͤnderungen, wie die Kub- 
hirtenhoͤrner. N 5 0 

Seltſames Zu dieſer ſchoͤnen Muſik (die Aniaba gegen den Loper, den Hoboiſten zu Verſailles 

Inſtrument. vorzog), koͤmmt ein Inſtrument, das wegen feiner einfachen Beſchaffenheit fo merkwuͤrdig 
iſt, fo ſchwer es ſich beſchreiben laͤßt. Es iſt von Eiſen, wie zwo kleine hohle Feuerfchau: 
feln gemacht, welche etwa einen Fuß lang, zuſammen verbunden find, und eine eyfoͤrmige Ge— 
ſtalt ausmachen. Ein Knabe hält es an dem ſchmalen Ende, und ſchlaͤgt ſes mit einem 
Stecken von einem halben Fuß lang, nach der Cadanz der Trummeln und Trompeten, 
die ſo lange das Gefecht dauert, d. i. bis ein Theil geſchlagen iſt, allezeit unweit des Heer⸗ 
fuͤhrers ſind. a | i 10 

Dieſe Negernkriege ſind meiſtens bald angefangen und bald geendigt. Eine Kleinig⸗ 

keit bringt fie zuſammen, und eben fo was geringes veranlaſſet ſie zum Frieden 1). 
Krankheiten. Die gemeinſte Krankheit hier iſt die Faͤulniß, welcher alle mehr oder weniger unter⸗ 
worfen ſind. Einige verfaulen daran, wenn ſie ſich vom Anfange nicht in Acht nehmen. Es 
ruͤhret ſolche von ihrem Umgange mit den Weibsbildern her, in welchem fie ihr ganzes Glück 
etzen. 
1) Loyer auf der 259 und folgenden Seite. f 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. vn Buch III Cap. 465 


ſetzen. Blindheit und boͤſe Augen find wegen des weißen Sandes hier gemein. Fleiſch⸗ 1701 
wuͤrmer find auch häufig; einige werden über eine Elle lang, und find fo dick, wie eine Naͤh⸗Loper. 
nadel, andere kleiner. Loyer ſah einen Mann, der ſieben dergleichen auf einmal im dicken 8 
Beine hatte. Die Schwarzen find den Fiebern ſehr unterworfen; ihr Mittel dafuͤr iſt, daß fie 
den Kranken in einem Fluſſe baden, bis er völlig abgekuͤhlt iſt: es werden aber mehrere bier- 
durch getöͤdtet, als geheilet. Insgemein fterben die Schwarzen beym erſten Anfalle der Krank⸗ 
heit, weil ſie keine Kenntniß von Arzeneyen haben, ob ſie gleich mit Kraͤutern wohl verſehen 
find. Alles, was fie bey dieſer Gelegenheit thun, iſt, daß fie ihre Fetiſchen fragen x). 
Sie haben bey Krankheiten nicht viel Mitleiden miteinander. Nur ſind ſie beſorgt, Arzneyen. 
den Kranken mit Kaͤmmen von verſchiedenen Arten, zu Ehren ihrer Fetiſchen, zu Fam: 
men, und geben ihm eine Art von Herzſtaͤrkung, ohne die Diät einigermaßen zu veraͤn⸗ 
dern. Zwey oder drey Arzneymittel brauchen fie bey allen Arten von Krankheiten. Die: 
ſelben beſtehen aus dem Manighetta oder guineiſchen Pfeffer, und dem Safte gewiſſer 
ſtarken Kraͤuter, die ſie ſtoßen und auspreſſen, daß es der Kranke trinkt. Bey Lungenbe⸗ 
ſchwerungen ſchroͤpfen fie die Schultern, und ſetzen kleine Hoͤrnerchen als Schröpfföpfe auf. 
Bey Wunden bedienen fie ſich eines Krauts, deſſen Blaͤtter, wenn fie mit dem ausgepreß⸗ 
ten Safte aufgelegt werden, ſo wunderſam heilen, daß ſie ſich aus einer fuͤnf Zoll tiefen 
Wunde nichts machen, wenn auch gleich der Knochen verletzt iſt; weil fie verſichert find, ſol— 
che, vermittelſt dieſes Krautes, innerhalb dreyen Wochen zu heilen. Loyer hat ſolche er⸗ 
ſtaunliche Beyſpiele von dieſer Art geſehen, daß er fie, aus Furcht für einen Fabelhans ge- 
halten zu werden, nicht erzaͤhlet. 
Die Schwarzen find ſehr ſorgfaͤltig, noch bey ihrem Leben alles, was zu ihrem Begräb- Begraͤbniſſe. 
niſſe gehoͤret, fertig zu machen, als eine feine cattunene Payne, fie hineinzuwickeln, einen 
Sarg, und goldene und andere Zierrathen für den Koͤrperz weil fie ſich einbilden, ihre Auf: 
nahme in der andern Welt werde nach ihrem Putze eingerichtet ſeyn. Nur ſeit kurzem fa- 
men ſie aus dieſem Irrthume, der vormals verſchiedenen Weibern und Sklaven das Leben 
gekoſtet hat, weil fie folche mit aufopferten, damit ihre Könige oder reiche Brembis in der 
andern Welt deſto beſſer begleitet erſcheinen ſollten. 
Wenn ein Schwarzer todt iſt: fo breitet ſich die Zeitung alſobald aus, und es verſamm-⸗Klageweiber 
len ſich ſogleich hundert meiſtens alte Weiber, die den Klageweibern der Alten ſehr ahnlich 
ſind. Ihr ſchreckliches Geſchrey, und ihre ausſchweifenden Bewegungen, erregen ſowohl 
Furcht als Gelächter. Einige gehen mit Grabeſchaufeln durch das ganze Haus des Ver— 
ſtorbenen, als ob ſie ihn wieder ausſcharren wollten, und rufen ihn laut bey ſeinem Namen. 
Andere rennen von Hauſe zu Hauſe, wie Raſende, ſuchen ihn, wo er ſonſt oft anzutreffen 
war, und fragen alle, die ihnen begegnen, ob fie ihn geſehen haben? wobey ihnen die Zaͤh— 
ren über die Backen und auf den Buſen herablaufen. Die Gefragten ſenken den Kopf, 
und antworten: Awru „), das iſt: er iſt fort. Indeſſen find andere Weibsbilder auf 
eben die Art an dem Koͤrper beſchaͤfftigt, die unter ihren Klagen ſeine Thaten, ſeinen Reich— 
thum, und feine Tugenden preiſen. Nachgehends färben fie fein Haar, kaͤmmen es, und 
wickeln es auf, und ſchmuͤcken ſeine Pagne mit Juwelen. 
Wenn die andern Trauerweiber zuruͤckkommen, ſo fragen ſie ihn, warum er geſtorben 
fen, da er doch hätte ehrlich zu leben gehabt, und ob er nicht Gold, Weiber, Korn und Skla— 
an “ ven 
x) Loyer a. d. 200 u. f. S. 5) Im Franzoͤſiſchen: Aourou. 


Allgem. Reifebefchr. II Band. Nun 


466 Reifen nach Guinea und Benin, 


1701 ven genug gehabt haͤtte? Unter ihre Fragen mengen fie ein lautes Geſchrey; darauf brin⸗ 
Joyer. gen fie feinen Sarg, wo er anders bey feinen Lebzeiten für einen geſorgt hat: wo aber nicht, 
Ihre Saͤrge. ſo machen ſie einen von alten Brettern, und packen den Leichnam hinein, und zwar ſo, daß 
ſeine Ferſen unter die Hinterbacken kommen, und ſein Kopf auf die Knie zu liegen koͤmmt. 
So ſtecken ſie ihn in dieſen Kaſten, der ordentlich etwan drittehalben oder drey Fuß ins 
Gevierte hält. Zur Seite ſetzen fie ihm feinen Stuhl und einen irdenen Topf, den einen, 
ſich zu fegen, und den andern, fein Eſſen zu kochen. Iſt er ein Koͤnig oder reicher Brem⸗ 
bis: ſo beſtreuen ſie den Leichnam mit haͤufigem Goldſtaube. Auch mit den Aermſten 
wird etwas Gold, zu ihrem Gebrauche in der andern Welt, begraben. 
Mittlerweile verſammlen ſich die Knaben aus der Nachbarſchaft mit Gewehr, und 
wenn der Verſtorbene vornehm geweſen ift: fo verſehen die Anverwandten felbige mit Pul⸗ 
ver, und fie ſchießen hernach, fo lange ſolches dauret. Iſt er aber arm geweſen: fo thun fie 
zweene bis drey Schüffe, welches fie für eine Schuldigkeit halten, dazu einer dem andern ver⸗ 
bunden iſt, ohne daß darum angeſucht werde; und fie glauben, dieſes veranlaſſe, daß fie in 
der andern Welt als Kaboſchiren aufgenommen werden. 
Seerdigun- Wenn dieſe Ceremonien voruͤber find: fo machen ſie den Sarg zu, oder vernageln ihn 
gen. genau, und vier Sklaven tragen ihn in den Wald an einen abgeſonderten Ort, wo ſie ohne 
weitere Zeugen ein Loch machen, und ihn einſcharren. Bey ihrer Zuruͤckkunft nehmen ſie 
mit den Klageweibern die Mahlzeit ein, welche die Verwandten des Verſtorbenen zuberei⸗ 
tet haben. Niemand nimmt weiter an dieſer Mahlzeit und an der Beerdigung Theil, fon: 
dern alle halten ſich die Zeit über zu Haufe. Bey Weibern und Männern wird einerley 
Gewohnheit beobachtet. Iſt der Verſtorbene vornehm geweſen: ſo legen ſeine Weiber 
etliche Tage nach der Beerdigung ihren beſten Schmuck an, und jede nimmt ein Dagaya 
auf die Schulter. In dieſem Aufzuge gehen fie ſingend paarweiſe durch den Flecken, und 
alsdann zu der Thuͤre eines jeden Brembis, wo fie einen Zirkeltanz halten, der bey ihnen 
Bahua 2) heißt; bey jedem Schritte thun ſie mit dem Pagaya einen Schlag ins Mittel 
des Kreiſes. Darauf muß ihnen jeder Brembis drey Takus, welches etwan funfzehn Sous 
austrägt, geben; worauf fie zurückkehren, und die Freyheit haben, bey naͤchſter Gelegen⸗ 
heit wieder zu heirathen ). 

Die Religion dieſer Schwarzen iſt ſehr falſch vorgeftellt worden. Unter andern irret 
ſich Herr Villault von Bellefond ſehr, wenn er ſaget, daß die Schwarzen die Fetiſchen 
als Götter anbetheten, welches fie durchaus gänzlich leugnen. 

erkennen ei⸗ Sie erkennen einen Gott als Schoͤpfer aller Dinge, beſonders aber der Fetiſchen, die 

gen Gott. er zum Dienſte der Menſchen auf die Erde geſandt hat. Doch ſind ihre Begriffe von die⸗ 
fen Fetiſchen ſehr dunkel. Der aͤlteſte unter ihnen weis nicht, was er davon fagen ſoll; 
nur haben fie einen alten Glauben, daß fie ihnen für alle Gluͤckſeligkeit des Lebens verbun- 
den ſind, und daß es in ihrer Gewalt ſtehe, ihnen alles Uebel zuzuſchicken, das ihnen nur 
immer beliebt. | 

Jeden Morgen, fo bald fie aufgeftanden find, gehen fie an den Fluß, ſich zu waſchen, 
fehütten eine Hand voll Waſſer auf den Kopf, oder thun dergleichen mit Sande, ihre Er⸗ 

niedrigung auszudruͤcken, ſchließen die Hände zuſammen, und öffnen ſolche wieder, wobey 
ſie 

2) Im Franzoͤſiſchen: Babous. 5) Barbot in feiner Beſchreibung von Guinea 
) Loyer a. d. 234 u. f. ©. a. d. 308 S. bemerket, daß Feitiſſo ein a 

tt 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 467 


ſie oft das Wort Ekſuvais ſachte herſagen. Darauf erheben ſie die Augen gen Himmel, 1701 
und thun folgendes Gebet: Anghiume mame maro, mame orie, mame ſkikke e Zoyer. 
okkori, mame akaka, mame brembi, mame anguan e avonfan. Das iſt: „Mein Gebeth 
„Gott, gieb mir dieſen Tag Reiß und ams, gieb mir Gold und Aigris, gieb mir Skla— f 
„ven und Reichthuͤmer, gieb mir Geſundheit, und daß ich möge hurtig und ſchnell ſeyn! „ 

Das iſt die Hauptſumme ihres Gottesdienſtes. Sie halten Gott für fo guͤtig, daß er ih⸗ 

nen keinen Schaden thun kann, da er alle ſeine Gewalt den Fetiſchen uͤberlaſſen, und keine 

fuͤr ſich ſelbſt behalten hat. 1 

Dieſe Fetiſchen 5) find nach eines jeden Gutduͤnken und Einbildung unterſchiedlich. Fetiſchen. 
Kaum zweene Schwarze auf der Kuͤſte von Guinea find in der Geſtalt oder Art, fie zu ver: 
ehren, eins. Einer hat ein Stuͤck rothes oder gelbes Holz, ein anderer einen Zahn von einem 
Hunde, Tyger oder einer Zibethkatze, der dritte einen Elephantenzahn, ein Ey, oder den 
Knochen oder Kopf von einem Vogel, Ochſen oder einer Ziege, der vierte einen Fiſchknochen, 
oder das aͤußerſte eines Widderhorns, voller Unreinigkeit, der fuͤnfte etliche Aeſte von Dor⸗ 
nen, oder ein Buͤndel Stricke von Baumrinden gemacht, oder andere dergleichen unnuͤtze 
Dinge. Sie haben fuͤr dieſe Fetiſche außerordentliche Achtung, und halten alles, was ſie 
ihnen verſprechen, heilig. Einige enthalten ſich, aus Ehrfurcht fuͤr ſelbige, vom Weine, 
andere vom Brandteweine, andere von gewiſſen Speiſen oder Fiſchen, von Neiße, Maize oder 
Fruͤchten. Alle ohne Ausnahme verſagen ſich aus Andacht für ihren Fetiſch gewiſſe Ber: 
gnuͤgungen zur Kaſteyung, und wuͤrden eher ſterben, als dieſes Verſprechen brechen. 

Sie haben im Jahre verſchiedene den Fetiſchen geheiligte Tage, von denen der vor- Fetiſchtage, 
nehmſte ihr Geburthstag iſt, den ſie damit begehen, daß ſie ihren Fetiſch und deſſen Altar 
anweißen, ſich ſelbſt mit weißer Farbe beſtreichen, und einen weißen Pagne anlegen. An⸗ 
dere feyren den Freytag in jeder Woche, wie wir den Sonntag, bringen ſolchen mit Anpu— 
tzung ihres Fetiſchen zu, und bringen ihm ein Opfer. Außer den Fetiſchen der Privatper⸗ 
ſonen giebt es welche, die dem ganzen Koͤnigreiche gemein ſind. Dieſe ſind ordentlich ein 
großer Berg oder merkwuͤrdiger Baum. Sollte jemand fo kuͤhn ſeyn, ſelbigen abzuhauen, Hügel und 
oder zu verderben: ſo wuͤrde er ohne Barmherzigkeit getoͤdtet werden. Jedes Dorf hat Baͤume. 
auch einen Schutzfetiſch, der auf gemeine Unkoſten geputzet wird, und für die allgemeinen 
Vortheile den Dank erhält. Für dieſen richten fie in den oͤffentlichen Plaͤtzen einen Altar 
vom Schilfe auf, der auf vier Säulen ruhet, und mit einem Dache von Palmblaͤttern bedeckt 
iſt. Überdieß hat jede Privatperſon in ihrem Haufe oder an ihrer Thuͤre einen beſondern 
Platz fuͤr ihren eigenen Fetiſch, den ſie nach ihrer Art ſchmuͤcket, und mit verſchiedenen Far⸗ 
ben woͤchentlich einmal beſchmieret. 5 

Man trifft in den Waͤldern und Buͤſchen viele ſolche Altaͤre an, die mit allerley Arten Geheiligte 

von Fetiſchen beſetzt find, und irdene Töpfe voll Maiz, Reiß und Früchte vor ſich ſtehen Altaͤre. 
haben. Fehlet ihnen Regen: ſo ſetzen ſie Waſſerkruͤge; im Kriege Saͤbel und Dolche, 
um Sieg von ihnen zu erbitten; und wenn ſie Fiſche noͤthig haben, ſo legen ſie Fiſchbeine 
vor ſie. Palmwein zu erlangen, laſſen ſie den kleinen Meißel da, welchen ſie, den Einſchnitt 
damit zu machen, brauchen u. ſ. f. im feſten Glauben, der Fetiſch werde ihre Bitte erhoͤren. 
Alles Ungluͤck ſchreiben ſie der Rache des Fetiſch zu, und fragen ſogleich nach, womit er zu 
beſaͤnftigen iſt. Nun 2 Zu 
ſches Wort iſt, eine Zauberey damit zu bezeichnen, borgt, da bey ihnen Boſſum oder Boſſefoe einen 
und daß es die Schwarzen von den Portugieſen er⸗ Gott oder Goͤtzen anzeiget. 


1701 
oper. 


—ͤ — 
Opfer. 


4688 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Zu dieſem Ende laſſen fie gewiſſe Wahrſager den Tokke c) folgendergeſtalt machen: 
Der Zauberer hat neun Streifen Leder, jeden etwa einen Finger breit, und voll kleiner Fe— 
tiſchen in der Hand. Dieſe ſchüͤttelt er zuſammen, und murmelt gewiſſe Worte, worauf er 
ſie zweene oder dreye auf einmal, wie ſie kommen, aus der Hand wirft. So, wie ſie nun 


fallen, nach dem machet der Betruͤger eine Auslegung, und was er verordnet, das muß ge— 


Andacht zu 


denßetiſchen. 


Vom Ver⸗ 
faſſer ver⸗ 
fpottet, 


Eide beym 
Fetiſch. 


lium ſchwoͤrt . 


ſchehen. Spricht er, der Fetiſch muͤſſe Schafe oder Huͤhnervieh haben: ſo werden ſolche 
ſogleich gebracht, geopfert, und der Fetiſch mit ihrem Blute beſprengt. Vefragen ſich die 
Brembis wegen des Krieges oder einer andern wichtigen Sache: ſo werden oft ein oder 
ein Paar Sklaven zum Opfer gefordert 4). 


Sie bringen ihrem Fetiſch ſehr ſorgfaͤltig jeden Morgen etwas von dem beſten Vor⸗ 
rathe im Haufe, und glauben, wenn fie dieſes verabfäumten, fo wuͤrden fie vor dem Ende 
des Jahres umkommen. Man kann ihre Andacht fuͤr die Fetiſchen mit nichts beſſerm, als 
mit der roͤmiſchkatholiſchen Verehrung der Heiligenbilder vergleichen. 


Sie naͤhern ſich dieſen Fetiſchen mit großer Ehrfurcht, und wundern ſich, daß ſelbige 
nicht die Beleidigungen raͤchen, die ihnen von den Weißen wiederfahren. Jeder waͤhlet 
und machet die ſeinigen. Loper war oft bey ſolchen Gelegenheiten, beſonders einmal 
zu Tapa. Nachdem ſie das Ding gewaſchen hatten: ſo beſprengten ſie die ganze Familie 
mit dem Waſſer, und kamen endlich, unter dem Murmeln gewiſſer Woͤrter, auch ihn zu 
beſprengen. 


Hier ergriff Loyer, um ihren Aberglauben offenbar zu verſpotten, den ohnmaͤchtigen Fetiſch, 
brach ihn in tauſend Stücken, zertrat ihn, und warf ihn ins Feuer, wo er bald verbrannte, da er 
aus einem Ende von einer Koros, oder Palmnuß, und einem rothgemalten Dorne gemacht war. 
Augenblicklich flohen fie alle, mit Vermelden, der Blitz vom Himmel würde ihn tödten, oder 
die Erde ihn verſchlingen. Als ſie aber ſahen, daß ſich ihr Fetiſch nicht raͤchen konnte: ſo 
betrachteten ſie den Loyer mit einer Art von Verwunderung, und ſagten zu ihm, er waͤre 
deswegen nicht umgekommen, weil er nicht glaubte, und der Fetiſch haͤtte keine Macht uͤber 
die Weißen. Er verſetzte: wo ſie auch Unglaͤubige werden wollten: ſo wollte er ſie auch 
vor ſeinem Zorne verſichern. Ihre Antwort aber war: der Fetiſch wuͤrde ſie ſchlagen, und 
fie wollten nichts von Abſagung ihres Aberglaubens hören, 


Wenn die Schwarzen beym Fetiſch ſchwoͤren: ſo halten ſie den Eid gewiß, beſonders 
wenn ſie ihn eſſen. Um die Wahrheit von einem Schwarzen herauszubringen, darf man 
nur etwas in ein wenig Waſſer mengen, und darauf einen Biſſen Brodt hinein tunken, als⸗ 
denn fordern, daß er dieſen Fetiſch als ein Zeichen der Wahrheit eſſen ſoll. Verhaͤlt fichs 
fo: fo wird er es freymuͤthig thun, gegentheils aber es nicht anrühren, in den Gedanken, er 
wuͤrde auf der Stelle, wenn er falſch ſchwuͤre, ſterben. Sie ſchaben etwas von ihrem Fe⸗ 
tiſch in ein wenig Waſſer, oder auf etwas von eſſender Waare, und nehmen es ſo in den 
Mund, ohne es hinterzuſchlingen. Ein Schwarzer, der auf dieſe Art ſchwoͤrt, hat bey fei- 
nen Landesleuten unendlich mehr Glauben, als unter uns ein ori, der aufs Evange⸗ 


Sie 


e) Ii Franzoͤſiſchen Tocqgue. che Eldbruͤchige find. Aber wir hoffen, daß er nur 
4) Foyer a. d. 242 u. f. S. des Verfaſſers Glaubensgenoſſen trifft. 
e) Ein bitterer Vorwurf, daß dle Chriſten fol: N 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 469 


Sie haben andere Arten von Eiden, die nicht fo feyerlich geſchehen, aber gleich aberglaͤubiſch 1701 
find. Z. E. fie ſchwoͤren bey eines Menſchen Kopfe, Aermen oder Leibe, und glauben feſt, wo ſie Loper. 
falſch ſchwuͤren: fo würden ſolche Theile an ihrem Leibe verdorren. Auch ſchwoͤren fie beym Andere 
Anghiume oder Gotte folgendergeſtalt: ſie nehmen etwas Sand in die Hand, thun ihn in Eide. 
den Mund, ſehen gen Himmel und ſprechen: Gott toͤdte mich durch dieſen Sand, 
wenn es nicht wahr iſt. Sie brauchen dieſe Verwuͤnſchung ſelten, als im Zorne, oder 
einer andern Leidenſchaft. N | 


Sie haben weder Tempel, noch Priefter, noch Plaͤtze zum Gottesdienſte, ausgenom⸗ Hoherprie⸗ 
men die Altaͤre der Fetiſchen. Gleichwohl iſt eine Art von Pabſte unter ihnen, den fie ter. K 
Ofnon heißen. Die Brembis und Babumets werden vom Koͤnige zuſammenberufen, 
wenn ein Ofnon ſtirbt, und erwaͤhlen einen neuen. Er wird auf oͤffentliche Unkoſten er⸗ 
halten. Wenn ſie einen nach ihrem Gutbefinden erwaͤhlt haben, der insgemein ein guter 
Mann, und im Fetiſchmachen wohl erfahren iſt: ſo weihen ſie ihn mit den Zeichen ſeiner 
Wuͤrde ein, die in Fetiſchen beſtehen, welche an einander gebunden ſind, und ihn vom Kopfe 
bis auf den Fuß bedecken. Solchergeſtalt führen fie ihn durch die Straßen, nachdem fie 
ihm zuerſt acht oder zehn von dem gemeinen Weſen gelieferte Bendes Gold gegeben haben /). 

Ein Schwarzer ſchreyet, ſo laut er kann, vor ihm her, daß die Leute ihr Opfer dem neuen Art, ihn zu 
Ofnon bringen ſollten, damit er fuͤr ſie bethete. Selbige zu empfangen, haͤngt am Ende erwaͤhlen. 
eines jeden Fleckens eine zinnerne Schuͤſſel an einem Stricke. 


Dieſes iſt der einige Prieſter, wenn man ihn ſo nennen kann, im ganzen Lande. Sein 
Amt iſt, die großen öffentlichen Fetiſchen zu machen, und bey allen Berathſchlagungen des 
Königs zu ſeyn, der nichts ohne feinen Rath oder feine Einwilligung thut. Iſt er krank: fo 
ſchicken ſie deswegen zu ihm. Iſt es kalt, oder haben ſie oͤftern Regen oder Blitzen: ſo 
ſchreyt das Volk, dem Ofnon fehle etwas, und es wird ſogleich eine Collecte für ihn ge⸗ 
ſammelt, dazu jeder etwas nach ſeinem Vermoͤgen beytraͤgt. 


Die Lehre von der Seelenwanderung wird von ihnen geglaubt. Weil fie alſo auf Seelenwan— 
nichts wirkliches und dauerhaftes hoffen: ſo ſind ſie nur beſchaͤfftigt, Reichthuͤmer zu ſam⸗ derung. 
meln, und der Vergnuͤgungen dieſes Lebens zu genießen, ſo lange ſie koͤnnen. Sie lachen, 
wenn man ihnen vom Himmel oder von der Hoͤlle vorredet. Sie halten die Welt fuͤr ewig, 
und die Seele fuͤr unſterblich. Dieſelbe wird nach ihrem Tode in die andere Welt gehen, 
welche fie in den Mittelpunct der Erde ſetzen. Daſelbſt wird fie einen neuen Körper in 
dem Leibe eines Weibesbildes beleben, und die Seelen von dort her thun eben dergleichen 
bey uns. Nach dieſer Lehre geſchieht alſs eine beſtaͤndige Verwechſelung der Einwohner 
beyder Welten. Die groͤßte Gluͤckſeligkeit eines Menſchen iſt bey ihnen, reich, maͤchtig, 
gluͤcklich, wohlbedient, und verehrt zu ſeyn. Wenn ſie eſſen oder trinken: ſo gießen ſie et⸗ 
was unter Murmeln gewiſſer Woͤrter auf den Grund, ihren Verwandten und Freunden in 
der andern Welt zu gefallen, die eben das fuͤr ſie thun, und dadurch an dem Gluͤcke Urſache 
ſind, das ſie genießen g). f 


Nun 3 Der 
J Achthundert oder tauſend Livres. g) Aoyer a. d. 249 u. f. S. 


o Reiſen nach Guinea und Benin, 
va Dee VIII Abſchnitt. | 
Regierung und Geſetze der Ißineſen. 


Des Koͤnigs Pallaſt, Leibwache und Bedienung. alle Kaufleute. Wie fie gemacht werden. Por 
Er vergraͤbt ſein Gold. Seine Sparſamkeit. licey und Juſtiz. Wie die Schulden wieder ein⸗ 

Sein Handel; und Reichthum. Einkuͤnfte. gefordert werden. Strafen. Hinrichtungen. 
Erbſchaften. Kaboſchiren oder Vornehme, ſind Nachrichter. Seltſame Gewohnheit. 


25 ale Der Pallaſt des Königs iſt von in einander geflochtenen Aeſten gebaut, mit Leime bewor⸗ 
Pallaſt 38 fen, und mit rother, grüner und gelber Erde hier und dar ohne Ordnung und Ein- 
richtung beſtrichen. Er hat zwey bis drey Zimmer auf der Erde, und eben fo viele daruͤ⸗ 

ber, alle auf einerley Art gepflaftert, und mit Leimwaͤnden, und Decken von Palmblaͤttern. 

Dieß Haus liegt mitten in verſchiedenen großen Verzaͤunungen von Baumaͤſten, welche 

drey Vorhoͤfe ausmachen, bis man hinein koͤmmt. Um in den erſten zu gelangen, muß 

man eine breite, aber beſchwerliche Leiter hinaufſteigen, welche ſieben bis acht Stufen jede 

zweene Fuß von der andern hat; und an dem oberſten der Verzaͤunung findet man eben der= 

gleichen herabzuſteigen. Dieſe Leitern ſind ſo uͤbel gemacht, daß ein jeder anderer Menſch, 

außer den Schwarzen, den Hals da brechen wuͤrde. Rund um des Koͤnigs Pallaſt ſind 

die Hütten feiner Weiber, nur von Baumaͤſten gebaut, und mit Palmäften gedeckt, wie die 

gemeinen Haͤuſer. | 


Leibwache Der Koͤnig hält fich ordentlich an der Leiter feiner erſten Verzaͤunung zweene Sklaven 
und Bedie⸗ zur Wache, die eine Aſſagay und einen Saͤbel haben, und einander abloͤſen. Wenn er 
nung. ausgeht: ſo begleiten ihn etwa funfzig derſelben, mit Saͤbeln und Musketen bewehrt, nebſt 
einigen ſeiner Bahumets oder Aelteſten, und ſeiner Kaboſchiren, die ſeinen Hof ausma⸗ 
chen. Alle dieſe bemuͤhen ſich, ſeine Gunſt zu erlangen, indem ſie ihn beſuchen, mit ihm 
ſprechen und rauchen, welches ſie Palabra heißen. Bey dieſen Gelegenheiten berathſchla⸗ 
gen fie ſich mit einander von Staatsſachen, und entſcheiden die Streitigkeiten, welche ihnen 
vorgelegt werden. Ein jeder giebt ſeine Meynung frey von ſich, ſelbſt bis auf die Sklaven. 
Dieſes ift zwar langweilig, verhindert aber, daß fie nicht leicht betrogen werden, weil fie 
alles reiflich uͤberlegen. Dem ungeachtet werden ihre Berathſchlagungen fo geheim gehal- 
ten, daß ſie eher ſterben wuͤrden, als dasjenige, was vorgegangen, entdecken; das geringſte 
Vergehen von dieſer Art wird mit dem Tode, oder der Einziehung der Guͤter, worauf Are 
muth und Schande folgen, beſtraft. 


Vergraͤbt Es iſt nicht leicht, des Koͤnigs Reichthuͤmer zu wiſſen, ſo wenig als der Brembis und 
fein Gold. Kaboſchiren ihre. Sie find ſehr beſorgt, ſolche zu verbergen, ohne daß ſich begreifen ließe 
warum, da fie ſonſt das eitelſte Volk von der Welt find, und allezeit gern für reicher wol: 

len angeſehen ſeyn, als es die Wahrheit iſt: nichts iſt ihnen empfindlicher, als die Beſchim⸗ 

pfung Afingompwe, d. i. Bettler. Das gemeine Volk zwar thut vielleicht wohl dar: 

an, daß es ſeinen Reichthum verbirgt, damit ihnen der Koͤnig oder die Vornehmen ſolchen 

nicht nehmen. Dieſe letztern vrrgraben ihr Gold, und nach dem Berichte der Schwarzen, 

den zweene Franzoſen, welche ſich lange hier aufgehalten, beſtaͤtigten, hatten Akafini und 

fein Bruder Hamoke viel große Kiſten voll Goldſtaub fo verſcharrt. Der Koͤnig befahl einmal 

im Trunke, ſie auf Matten vor ihm auszuſchuͤtten. Insgemein verbergen ſie ſolche am Fuße 

eines 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 471 


eines Baumes oder in ihren Bananafeldern, und nehmen nie mehr als einen mit ſich, der 1701 
alle Fetiſchen zu Verſicherung ſeines Schweigens eſſen muß. Loyer. 

Sie beſuchen dieſe Plaͤtze nur einmal des Jahrs, bloß die Kiſten zu verändern, oder et⸗ Seine Spar⸗ 
was dazu zu legen. Sie nehmen nur im hoͤchſten Nothfalle etwas heraus, z. E. ſich oder ihre ſamkeit. 
Babumets aus der Sklaverey loszukaufen, Kriegskoſten zu tragen, oder ihre Nachbarn 
zu erkaufen, daß ſie ihre Partey nehmen, u. d. g.; denn ſich ſelbſt zu helfen, wuͤrden ſie 
nicht eine Krone heraus nehmen. Der Koͤnig und alle ſeine Weiber geben das Jahr nicht 
zehn Piſtolen fuͤr Kleider und Lebensmittel aus. Der Koͤnig geht ſelbſt zu Markte, einen 
Fiſch, eine Banana oder Pam zu kaufen, um welches ihn Loper fo lange handeln ſah, als 
es der ſchlechteſte Sklave thun koͤnnte. So ſehr haͤngt Seine Majeſtaͤt dem Nationallaſter 
der Schwarzen, dem Geize, an. 3 f 

Außer dem hat er noch einige Pfund Gold, die er im Handel nutzet, ohne das, was er Sein Hand⸗ 
noch an gearbeitetem Golde, Fetiſchen, und andern Zierrathen auf Feſttage hat, wenn er ſeine del und 
Pracht zeiget. Dieſes zuruͤckgelegte Gold leget er in Pulver und kleinen Gewehr an, wel- Reichthum. 
ches niemand von ſeinen Unterthanen, als ſein Bruder und Vetter, kaufen duͤrfen. Auch 
kaufet er Pagnes, Perpetuanas, Leinewand und Tobak, welches alles er wieder an feine Un⸗ 
terthanen verhandelt, oder mit Sklaven in die benachbarten Länder fendet, und von zwey⸗ zu 
ſechshundert vom Hunderte gewinnt, ohne Gefahr und Unkoſten, ſo, daß ſich ſein Reichthum un⸗ 
glaublich vermehren muß. Hierzu koͤmmt, daß er nichts fuͤr Eſſen und Kleidung ausgiebt, weil 
ſeine Weiber und Sklaven, die keinen Lohn erhalten, ihm ums Brodt arbeiten muͤſſen. 

Seine Einkuͤnfte beſtehen nur in dem, was er einzieht, und ſonſt ſich zueignen kann, und hat Seine Ein⸗ 
er keine Tafelgüter oder Land, feinen Staat zu unterhalten, ſo, daß die Krone arm heißen kann, kuͤnfte 
obgleich der Koͤnig reich iſt. Daher haͤufen alle Kaboſchiren, die ehrgeizig ſind, Geld 
zuſammen. Der König hat ſowohl an dem, was die Vornehmen auspreſſen, als was fie 
von den Weißen bekommen, Theil, wenn es ihm gefaͤllt. Zum Exempel, die Bootsleute, 
welche ein Geſchenk von einem Schiffshauptmanne empfangen, muͤſſen es dem Koͤnige 
bringen, der davon nimmt, was ihm gefällt. 4 

Zur Saatzeit, die fuͤr den Reiß im Herbſt⸗ und Weinmonate, fuͤr den Maiz im April und Unter⸗ 
und May, und fir den Hirſe im Wein- und Wintermonate iſt, geht der König in Perſon halt. 
auf die Felder, welche von ſeinen Sklaven gepfluͤgt werden, die ihm alle einen oder zweene 
Tage Arbeit umſonſt, und nicht mehr, ſchuldig find. Er befiehlt ihnen, in feiner Gegenwart 
zu arbeiten, da er unter dem Schatten im Kühlen ſitzt, worauf er fie mit Palmweine bewir⸗ 
thet, und den Fetiſch zu Bewahrung des Feldes ſetzet, der ſie, ihrem Glauben nach, gewiß 
toͤdten wuͤrde, wo ſie etwas angriffen. a 

Zur Erndtezeit koͤmmt er wieder; ſie iſt fuͤr den Reiß im Chriſtmonate und Jenner, 
für den Maiz im Auguſt und Herbſtmonate, und für den Hirſe im Hornung und März 
Er ladet alle Unterthanen ein, ihm einzuerndten, und giebt ihnen durch Abſchneidung zwoer 
eder dreyer Hände voll ein Beyſpiel. Jeder geht deſto williger ans Werk, weil man die 
Freyheit hat, ein Drittheil von den Fruͤchten mitzunehmen. Wenn ſeine Fruͤchte gehauen, 
und an der Sonne getrocknet ſind: ſo thut er ſie in kleine Vorrathshaͤuſer, rings um den 
Pallaſt. Gleichwohl iſt merkwuͤrdig, daß er nie ſeinen eigenen Reiß, Maiz oder Hirſe ge⸗ 
nießt, ſondern ſo viel er braucht, gegen eben ſo viel von einem Kaboſchiren tauſchet; weil er 
glaubet, ſeine Felder wuͤrden unfruchtbar werden, wo er von ſeinen eigenen aͤße. 8 

eine 


1701 
Loyer. 


EEE 
Seine Ge⸗ 


walt. 


Erben. 


* 
8 * 
* 


ae Reifen nach Guinea und Benin, 


Seine Gewalt iſt nur in Abſicht auf die Armen und Sklaven eingeſchraͤnkt, mit denen 
er umgeht, wie es ihm gefaͤllt. Aber die Kaboſchiren und Reichen, beſonders, wenn ſie viel 
Sklaven haben, find nicht fo unterthänig, und nur gehalten, zu den öffentlichen Palavers 
oder Berathſchlagungen zu kommen, und dem Koͤnige mit ihrer Macht beyzuſtehen, wenn 
es die gemeine Sicherheit erfordert. * a 8 


Die Thronfolge koͤmmt hier auf des Koͤnigs naͤchſten Anverwandten, ſeine Kinder aus⸗ 


genommen, denen der König, vermoͤge der Landesgeſetze, nichts hinterlaſſen kann, fo daß fie 
nichts haben, als was ſie bey ſeinen Lebzeiten ſammlen koͤnnen, ob er wohl insgemein ſie ver⸗ 
ſorgt, und ſie einen Handel oder eine Profeßion lehret, davon ſie nach ſeinem Tode leben 
koͤnnen. Dieſes Geſetz erſtrecket ſich auf alle feine Unterthanen. Des Königs Kinder 
werden zwar verehrt, ſo lange der Vater lebet, und haben eine Wache; aber ſobald er todt 
iſt, haben fie weiter keinen Vorzug vor dem geringſten, als in Betrachtung ihrer Verdien⸗ 
ſte; alles, was ſie bekommen, ſind etliche wenige Sklaven. Der neue Koͤnig bekoͤmmt 


alles übrige, und der, welcher ihm nachfolgen ſoll, erbet des verftörbenen Königs Schatz, 


Kaboſchiren. 


wodurch er oft reicher wird, als der König ſelbſt Y. | 


Die Vornehmen heißen Brembis und Bahumets, d. i. Reiche und die Oberſten, 
welches in der Lingua Franca durch Kaboſchiren ausgedruckt wird 5). Dieſen gehoͤret 
das Vorrecht allein zu, mit den Europaͤern zu handeln, und wenn ſich ſolches fonft jemand 
unterſteht, ſo ſind ſeine Guͤter verfallen. Daher ſind dieſe allein reich, und das Geld oder 
Gold koͤmmt alles bey ihnen zuſammen. Ihrer ſind ordentlich vierzig bis funfzig, obwohl 
ihre Anzahl nicht beſtimmt iſt. Das uͤbrige Volk iſt bis zum hoͤchſten Elende arm, und 
haben ſie nur ein Stuͤck Zeug, ſich zu bedecken, und kaum zu leben, als was ihnen die Brem⸗ 
bis uͤberlaſſen. Daher muͤſſen ſie ſich zum Unterhalte ihrer Familien vermiethen, und oft 
ſelbſt an die Großen verkaufen, damit ſie zu leben haben. Hat jemand von ihnen durch 
ſeinen Fleiß gleich etwas weniges geſammlet, ſo ſtellet er ſich doch arm, ſolches zu erhalten. 
Ueberhaupt aber ſuchet er durch feine Freunde unter der Hand, durch den König und deſ— 
ſen Brembis, zu einem Kaufmanne oder Edlen gemacht zu werden. Wird ihm dieſe Bitte 


gewaͤhrt: fo ſetzet der König mit den Brembis einen Tag an, an dem fie ans Ufer gehen, 


Wie ſolche 
gemacht wer: 
den. 


dieſe Ceremonie vorzunehmen. 

Der Candidat bezahlet alsdann dem Könige feine Gebühr, welches acht Kronen in 
Goldſtaube beträgt, worauf der König in Gegenwart feiner Kaboſchiren erklaͤrt, daß er 
ihn als einen Edlen und Kaufmann aufnimmt, und dafur erkennt. Darauf kehret er ſich 
gegen die See, und verbiethet ſolcher, dem neuen Handelsmanne Schaden zu thun, feine Ca— 
noes umzuwerfen, oder feine Güter zu beſchaͤdigen. Alsdenn gießt er eine Flaſche Brand: 


tewein in die See, dieſen guten Willen zu erwerben. Folgends geht der neue Edle zum 
Könige, der ihn bey den Haͤnden nimmt, ſolche zuſammenſchließt, wieder oͤffnet, hinein⸗ 
haucht, und das Wort Akshue, d. i. ich gebe euch meinen Frieden, oder: geht in 
Frieden, ſachte herſaget. Alle Brembis machen es wie der Koͤnig, und alsdenn gehen ſie 


zu einer Gaſterey, die der Candidate angeſtellt hat, der nach dieſem für einen Kaufmann 


und Edlen erkannt wird, ohne Beſchwerung kaufen oder verkaufen darf, und wenn er Reich— 

thum erlangt, ein Kaboſchir wird, mit dem Rechte Sklaven zu kaufen und zu halten. Wenn 

1 r 
3) Ebendaſ. auf der 129 und folgenden Seite. 


i 
{ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch III Cap. 473 


er den Koͤnig in den Krieg begleitet, fordert er ſeinen Antheil an der Beute, und genießt 1704 
überhaupt aller Vorrechte, welche mit dem Titel der Großen verknuͤpft ſind. Loyer. 


Ihre Ausübung der Gerechtigkeit beſteht nur in einigen Geldſtrafen, in welche die Ver⸗ Policey und 
brecher verurtheilt werden. Nur drey Verbrechen werden mit dem Tode beftraft, nämlich Gerichtsſa⸗ 
Sklaven, welche entlaufen, Verraͤtherey, und Zauberey. Alle andere bleiben ungeſtraft, ter, 
und der Diebſtahl ift gegentheils geehrt und belohnt. Meineid und Mord werden mit 
Gelde beſtraft, wenn aber die Anverwandten des Umgebrachten den Moͤrder bekommen 
koͤnnen: fo mögen fie ihn zur Rache toͤdten. Entwiſcht er zum Könige, fo wird er nur in 
zehn Bendes Gold oder tauſend Livres verurtheilt, davon der Koͤnig nur die Haͤlfte, und 
die Verwandtſchaft des Umgebrachten die andere bekoͤmmt. Iſt der Verbrecher ein Skla⸗ 
ve, ſo verkaufet man ihn an die Europaͤer. „ 

Wenn ein Gläubiger feine Schuld wieder haben will: fo wendet er fich zum Könige, Wie die 

der auf ſein Anſuchen einen ſeiner Sklaven ſendet, den Schuldner zu erinnern. Der Sklave Schulden 
traͤgt des Koͤnigs Stab als ein Zeichen ſeiner Macht, und beſtimmt dem Schuldner einen — 
Tag zu erſcheinen, oder bringt ihn mit ſich wo es dringend iſt. Der Klagende muß als⸗ er 
denn den Proceß damit anfangen, daß er dem Könige acht Unzen Gold giebt, Brandtewein 
zu kaufen, und muß wenigſtens ein Dritthel und oft die Haͤlfte der Summe, die er 
fordert, niederlegen, welches unter den Koͤnig und ſeine Hofleute als Richter getheilt wird. 
Darauf ſchwoͤrt der Klaͤger durch Genießung des Fetiſch, daß einer, der ſo heiße, und hier 
gegenwaͤrtig ſey, ihm ſo und ſoviel ſchuldig ſen. Der Beklagte wird wieder gehoͤrt; und 
wenn ſeine Gründe unzulänglich zu ſeyn ſcheinen, fo wird er verurtheilt, innerhalb einer 
gewiſſen Zeit zu bezahlen, welches er folgendergeſtalt beſchwoͤrt: Er nähert ſich dem Kö- 
nige, beruͤhret fein Haupt und ſaget, ich ſchwoͤre bey eurem Haupte, die verlangte Summe 
zur geſetzten Zeit zu bezahlen. Auf dieſe Art endigt ſich der Proceß. Fehlet er nur um 
einen Tag: ſo beſtrafet ihn der Koͤnig mit einem oder zweenen Bendes, wenn er reich iſt, daß 
er ſeinen Eid gebrochen hat, und ſetzet ihm einen andern kurzen Termin. Solchergeſtalt fallen 
alle Unkoſten auf den Glaͤubiger; daher ſie oft lieber ihr Geld verliehren. 


Diejenigen, die nicht bezahlen koͤnnen, werden zu Sklaven verkauft. Hexeren wird Strafen. 


* 


J 


durch Erſaͤufen geſtraft. Verraͤther oder die des Königs Rathſchluß entdecken, haben 
keine Gnade zu hoffen, fondern werden ohne Umftände enthauptet. Sklaven oder Kriegs- 
gefangene, die zu entlaufen ſuchen, werden fo geſtraft: der König verurtheilet nach gepflo— 
genem Rathe mit dem Brembis und Bahumets, den Verbrecher zu ſterben. Darauf 
binden ſie ihm die Haͤnde auf den Ruͤcken, legen ihm einen Knebel ins Maul, der auf jeder 
Seite mit einem Seile befeſtigt iſt, das ſie hinter dem Kopfe an einen kleinen Stecken 
binden. Darauf nimmt einer von den koͤniglichen Sklaven, der acht Kronen in Gold⸗ 
ſtaube zur Belohnung erhält, den koͤniglichen Fetiſch auf feinen Kopf, läuft wie raſend 
durch die Stadt, und lehnet den Fetiſch auf eine oder die andere Seite, als ob er fallen 
wollte. Wenn er endlich an den Plaz koͤmmt, wo der Verbrecher von dem Volke umringt 
ſteht: fo fraget er den Fetiſch, wer ihn tödten ſoll? Der erſte junge Mann, den er hierauf mit 
dem Ellbogen beruͤhrt, wird der Nachrichter. Er wiederholet alsdenn eben dieſe Poſſen, 
und fraget den Fetiſch, ob der Mann genug iſt, den Verbrecher zu toͤdten. Bisweilen wer⸗ 
den 


1) In der Grundſchrift Capcheres. 5 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Oo o 


1704 
Koyer. 


Execution. 


Nachrichter. 


Seltſame 


47% NRaeiſen nach Guinea und Benin 


den auf dieſe Art zehn Nachrichter ernannt. Wenn alles ſo eingerichtet iſt: fo wird der 
Sklave unweit des Fetiſch gebracht, und ſolchem geopfert. Er muß ſeinen Hals gerade 
uͤber ſelbigen ſtrecken, worauf der, welcher zuerſt zum Nachrichter ernannt worden, einen 
Dolch sen u ihm die Kehle abſchneidet, unterdeß ihn andere feſt halten, bis das Blut 
auf den Fetiſch läuft, wobey der Rachrichter ſaget: Nimm, Fetiſch, das Blut dieſes 
Sklaven, den wir dir opfern. Sobald er todt iſt, hauen ſie den Körper in Stuͤcken, 
machen ein rundes Loch an dem Fuße des Fetiſch, und vergraben ſolche darein, den Kinn⸗ 
backen ausgenommen, den ſie an dem Fetiſch befeſtigen. a | 

Diefe Rachrichter werden drey Tage für unrein gehalten. Sie bauen ihnen, etwas 
vor der Stadt, eine beſondere Hütte auf. Mittlerweile laufen dieſe Kerls wie raſend durch 
den Ort, und bemaͤchtigen ſich alles, was ihnen unter die Haͤnde koͤmmt, Huͤhnervieh, Scha⸗ 
fe, Brodt und Oel, alles, was fie berühren, iſt ihre; denn, man hält es für fo verunreinigt, daß 
die Eigenthuͤmer es willig hingeben. | 

Sie bleiben drey Tage in ihrer Hütte, wohin ihnen ihre Freunde zu effen bringen. 


Gewohnheit. Nachgehends zerlegen fie ihre Hütten in Stuͤcken, die fie auf binden, fo daß ſie nicht einmal die 


Aſche vom Feuer da liegen laſſen. Der erſte Nachrichter fuͤhret ſie mit einem Topfe auf 
dem Haupte dahin, wo der Verbrecher hingerichtet worden. Da rufen ſie ihn dreymal 
bey ſeinem Namen; darauf zerbricht der erſte Nachrichter ſeinen Topf, und ſie laſſen ihre 
alten Lappen und Buͤndel da, und gehen nach Hauſe, wo ſie ihre beſten Paignes anlegen, 
und die Bahumets und Brembis beſuchen, die ihnen ſoviel Gold geben, als ſie fordern. 
Niemand, der einmal in dieſer Verrichtung vom Fetiſch ernannt worden, bedenkt ſich, ſie an⸗ 
zunehmen, wenn es auch des Königs Sohn wäre, da fie nur auf drey Tage unehrlich macht, 
nachgehends aber Ruhm bringt. Sie reihen einen von den Zaͤhnen des Hingerichteten 
an; je mehr ſie zeigen koͤnnen, defto mehr Ehre machen fie ſich daraus 9. 


„ * * * * * * * * * Se U U E E „ „ * * * * * * * * * 


r Eine Reiſe nach Guinea, Braſilien, und Weſtindien, in den 
„eins. Kriegsſchiffen der Schwalbe und Weymouth a), im Jahre 1721. 


Durch Johann Atkins, Wundarzt auf der koͤniglichen Slotte. 
| a sah en ‚Einleitung. Ä 
58 Nie Reiſebeſchreibung ift in Oetav, von zweyhundert fünf und ſechzig Seiten, ohne die 
Verrede von fünf und zwanzig Seiten, aber weder mitRegiſtern noch Kupferſtichen 59. 
i Sie hat zweene Theile; der erſte heißt: Reiſe nach Guinea, und beſteht wieder aus 


folgenden Artikeln: Madeita auf der 23ſten Seite; die Canarien auf der zoſten Seite; 


|  Eofanbe 
15 dien, in Sener Majetäe' Schiffen, der Schwalbe 


g ı FR j 5 2 * I 10 - 
*) Zoyer a. d. 140 und 219 u. f. S. N valbe 
a) Sie führten funfzig Stuͤcke, des erſten Ca⸗ und Weymouth. Nebſt Beſchreibung der ver: 


pitain war Chaloner Ggle, jetzo Ritter und Ad⸗ ſchiedenen Eylande und Pflanzoͤrter, als Madera, 

miral. den Canarien, Vorgebirge de Verd, Sierra Leona, 

4) Reife nach Guinea, Braſilien, und Weftins Seſthos, Vorgebirge Apollonia, Cabo Corſo, 15 
NA au 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 475 


Eylande des grünen Vorgebirges auf der zıften Seite; Africa überhaupt auf der 34ſten 1721 
Seite; Sierra Leona auf der 38ſten Seite; Körner und Malaghuetta Kuͤſten aufdersöften Atkins. 
Seite; Seſtos auf der 6aften Seite; Vorgebirge Apollonia auf der ö8ſten Seite; Cabo 
tres Puntas auf der 75ſten Seite; Cabo Corſo auf der goften Seite; Kuͤſte von Cabo 
Corſo nach Whydah, auf der orten Seite; Whydah auf der noten Seite; Stroͤme auf 
der Kuͤſte von Guinea auf der 1zaſten Seite; Regen auf der 136ſten Seite; Winde auf der 
larſten Seite; Guineahandel auf der 149ſten Seite; Sklaven auf der 176ſten Seite; El⸗ 
fenbein auf der 18iſten Seite; Gold auf der 183ſten Seite; Ruͤckkehr nach der Goldkuͤſte 
auf der 186ſten Seite; Seeraͤuber auf der ıoıften Seite; St. Georg de Elmino auf der 
ıgaften Seite; Vorgebirge Lopez auf der 196ſten Seite. 1 

Der zweyte Theil iſt eine Reife nach Braſilien und Weſtindien auf der aorften Seite; 
die Artikel find, Barbadoes auf der 2osten Seite; Zuckerroͤhre auf der 2ısten Seite; 
Weſtindien auf der 22ꝛſten Seite; Jamaica auf der 223ften Seite; Stürme auf der 237ſten 
Seite; Abkuͤrzung der vorigen Reiſe auf der 255ſten Seite. ö 

In der Vorrede unterhält der Verfaſſer feine Leſer zum Scherze mit einigen Betrach- Leben und 
tungen über das Leben und Element eines Schiffmannes. Er zeiget deſſelben Ungluͤck Element ei: 
durch die Bequemlichkeiten, die er ſich verſagen, und die Gefahr, der er ſich ausſetzen muß, es Schiff⸗ 
wozu koͤmmt, daß er weder in Speiſen noch Geſellſchaften Abwechslung hat. Man koͤnnte ak 
noch dazu ſetzen, daß die Ausſicht auf der See ihm auch keine Veraͤnderung giebt. Und 
unſer Unglück vollkommen zu machen, ſaget er, ſo ſtehlen die Schelme zu Lande uns unter: 
deſſen vielleicht die Herzen unſerer tiebften und Frauen. Eu 

Bey dieſer Gelegenheit erwaͤhnet er einen Schluß, den ein Nationalſynodus zu des Königs Rathſchluß 
Johanns Zeiten gemacht, daß niemand, der verheirathet waͤre, ohne beyderſeitige Einwilli⸗ eines Sy: 
sung über See gehen ſollte. Und die Sachſen hätten ein Geſetz gemacht, wenn ein nodi. 

aufmann die weite See dreymal durchſtrichen harte, fo ſollte er mit den Ehrentitel eines 

Thane belegt werden c). 15 1 

Auf der andern Seite zeiget er einige anlockende Umſtaͤnde bey den Leben eines Schiff- Gelehrter 
fahrers, z. E. daß die auf der Flotte beſonders der Schutz des Landes ſind, daß fie beſſer Artikel. 
beſetzt, und wider Gefahr verſehen ſind, als Handelsſchiffe, gutgeſinnte Officiere „gutes 
gegenſeitiges Begegnen, die Betrachtung der Wunder in der Tiefe, und endlich die Ver⸗ 
ſorgung im Alter, wozu in den letzten Jahren die Officier noch dem edelmuͤthigen Beytrag 
zum Unterhalte ihrer Witwen und Kinder rechnen koͤnnen . 57 

Das Element theilet er nach den Graden des Vergnuͤgens ein, die es im Schiffen giebt. 
Nach dem mittellaͤndiſchen Meere, das er wegen feiner gemäßigten Luft und andern Vor- Mittellaͤndi⸗ 
theile für das angenehmſte hält, preift er den Theil des Oceans, wo die beſtaͤndigen Winde Ihe Meer. 
ſind, weil man da keine ſtuͤrmiſche See, noch Ungewitter in einiger Entfernung vom Lande Hibiger Erd 
antrifft, und immer Tag und Nacht gleich hat. Dieſes liegt in dem hitzigen Erdſtriche. Er e 
haͤlt das atlantiſche und Suͤdmeer außerhalb den beſtaͤndigen Winden, naͤmlich von dreyßig 


maͤßigter 
O oo 2 zu Erbſtrich. 


Flotte. London verlegt von Caͤſar Ward, und 


auch andere an der Kuͤſte von Guinea, Barbadoes, 


Jacnaica u. a. in Weſtindien. Die Farbe, Lebensart, 
Sprachen, Sitten, Gewohnheit, und Religion. 
Mit Anmerkungen über den Gold: Elfenbein: und 
Sklavenhandel, und die Winde und Stroͤme von 
Johann Atkins, Wundarzte auf der koͤniglichen 


Richard Chandler 1735. 

c) Kapin auf der 15 Seite. n 

4) Bey dieſer Gelegenheit fuͤhret er der Fänge 
nach, die Artikel der Witweneaſſe auf der 5 und 
folgenden Seite an. 


1721 
Atkins. 


Kalter 
Erdſtrich. 


Keine Cani⸗ 
halen. 


476 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


zu ſechzig Graden Breite fuͤr den ſchlimmſten Theil der Seefahrt, weil die Seen da un: 
ruhigen Ungewittern und veraͤnderlichem Wetter unterworfen, und lange kalte und dunkele 
Naͤchte ſind. Gleichwohl iſt es uͤber ſechzig Graden noch ſchlimmer. Indeſſen hat der 
Verfaſſer von Leuten, die in Groͤnland geweſen, erfahren, daß dieſer unfreundliche Himmel 
nichts als Nebel, Schnee und Regen iſt, daß die See von Winden eben nicht fo ſehr beun⸗ 
ruhigt wird, und daß ſolche meiſt noͤrdlich gegen die Sonne, das iſt, gegen eine verduͤnnte 
Luft gehen, wie aus dem Treibeiſe von daher erhellet, das man weiter ſuͤdwaͤrts auf der eu- 
ropaͤiſchen und americanifchen Seite findet. Noch einen andern Vortheil haben fie an dem 
Mondenſcheine, der die lange Abweſenheit der Sonne ertraͤglich machet; und wenn dieſer 
ganz fehlet: fo geht die Sonne nie völlig unter, und troͤſtet ſie noch mit dem Glanze des 
Eiſes und des Schnees. 

Daß er die Canibalen, angeſehenen Schriftſtellern zuwider, 179155 das ſey, ſaget er, 
daher gekommen, weil ſeinen Gedanken nach dieſe Beſchuldigung die groͤßte Beſchimpfung 
fuͤr die Menſchlichkeit und den Schoͤpfer iſt. Er beruft ſich auf die Verſtaͤndigſten unter 
den Guineafahrern e), ob ſie die Erzaͤhlungen von den Einwohnern vom Vorgebirge St. 
Marie, vom Vorgebirge Monte, Monſerado, Drewin und Kallabar, nicht für offen- 
bare und noch dazu ſchaͤdliche Erdichtungen halten. 

Mit den Karibbeen, ſaget er, verhaͤlt ſichs eben ſo. Denn wenn die Weiber auf die⸗ 
ſen kleinen Inſeln auch wie die Kaninchen geheckt haͤtten: ſo haͤtten ſie doch muͤſſen wuͤſte 
werden, wenn ihre Bewohner Menſchenfreſſer geweſen, oder ſie haͤtten nur Menſchenfleiſch 
an Feſttagen freſſen müffen, wo fie nicht erſt etwa bey der ſpaniſchen Entdeckung folche Un- 
menſchen geworden waͤren. Herr Atkins bemerket bey dieſer Gelegenheit, daß Lahontan 
oder ein anderer Franzoſe bey Erwaͤhnung der Canibalen, welche an Canada graͤnzen, eine 
ſtarke franzoͤſiſche Prahlerey vorbringt, als ob fie das Fleiſch der Franzoſen von einem feinern 
Geſchmacke erklärten, als der Engländer ihres. 

Dieſes machet ihm die ganze Erzählung unglaublich, wozu noch kommt, daß die Euto⸗ 
päer den Oſtindianern fo was nicht ſchuld geben, die mehr Macht hätten, als bloße Ameri⸗ 
caner oder Schwarze, den Vorwurf zu raͤchen, und er iſt der Meynung, daß Laufe und Muͤ⸗ 
cken u. f. f. die einzigen Menſchenfreſſer find. 

Dieſer Verfaſſer ſtellet in ſeiner Abhandlung von den Canibalen den Hauptmann Snell⸗ 
grave als den letzten Vertheidiger der Menſchenfreſſer vor, und unterſuchet deſſen Beweis⸗ 
thuͤmer. Snellgrave that die Reiſe nach Guinea wenig Jahre nach dem Atkins, gab 


aber ſeine Erzaͤhlung ein Jahr eher heraus. 


Unter andern iſt merkwuͤrdig, daß der Verfaſſer mit dem itzigen Admiral Ogle in der 
Schwalbe gieng, da ſelbiger den Seeräuber Roberts und deſſen Mitgenoſſen nahm, welche 
zu Cape Corſe verurtheilt und hingerichtet wurden, und einen oder zweene Tage zu ſegeln von 
Madera traf er auf den Admiral Matthews, damaligen Commodore in dem Loͤwen, der 
mit einem Geſchwader von vier Segeln nach Oſtindien ebenfalls wider Seeraͤuber gieng. 

Er war auch in dem Sturme zu Jamaica im Auguſt 1722, den er umſtaͤndlich be⸗ 
ſchreibt, und brachte eine Tochter des Statthalters von Cape Corſe über, die zwar eine Mu: 
lattinn, aber ein ſchönes flachshärichtes junges Frauenzimmer war. D 

Der 


e) Vielleicht hat eine Nation die andere dadurch wo fie hin handeln, wie die Franzoſen den Englaͤn⸗ 


verhindern wollen, nach den Gegenden zu kommen, dern und Hollaͤndern ſo was vorwerfen. Siehe oben 
auf 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. vu Buch IV Cap. 477 
MAR ö 1721 


Der 1 Abſchnitt. A1 
—— 


Nordlichter. Seegefträuche. Delphine. Fliegen⸗ engliſchen Schiffshauptmanns. Händel mit Jo⸗ 
der Fiſch. Sierra Leona. Vorgebirge Monte hann Conny am Vorgebirge der dreyen Spitzen. 
und Monſerado. Fluß Seſtos. Audienz beym Johanns Streit mit den Hollaͤndern. Beſuche 

Koͤnige Pedro. Seine altfraͤnkiſche Kleidung vom Verfaſſer bey ihm abgeſtattet. Sein Haus. 

und bettlerhaftes Anſuchen. Luſtiger Streich Seine Abkunft. Hoͤflichkeit gegen die Englaͤn⸗ 
mit feinen Söhnen. Einer von feinen Palaͤ⸗ der, und die hollaͤndiſchen Hirnſchaͤdel. Men⸗ 
ſten. Ein gelber Mann. Geſchichte von dem ſchenopfer ſind hier gewoͤhnlich. Hinrichtung 
Neger Tomba. Teufliſche Grauſamkeit eines eines Moͤrders. 


Sie fegelten den sten des Hornungs im Jahre 1720 21 von Spithead ab, und nahmen 
das Noͤthige zu einer doppelten Reife die Kuͤſte von Guinea hinunter ein, in der Ab— 
ſicht, die Seeraͤuber aufzutreiben, die dieſe Gegenden ſehr beunruhigten, und ihren Handel 
und ihre Factoreyen zerſtoͤrten. Die Statthalter der africaniſchen Geſellſchaften nach der 
Gambra und andern Plaͤtzen giengen unter ihrer Bedeckung. | 

Den Abend von fechs bis neun Uhr fahen fie die huͤpfenden Ziegen, welche bey den Nordlichter. 
Bootsleuten moriſche Tänzer heißen. Es find Lichtſtroͤme am Himmel, die jähling ins 
einander fahren, und auf eine oder ein Paar Minuten ſichtbar ſind. Dieſe, die fliegen⸗ 
den Fuͤnkchen, und ſolche ſalpetrichte Ausduͤnſtungen, haben vermuthlich zu allen den 
Wunderzeichen Gelegenheit gegeben, davon die Luft vorzeiten voll geweſen iſt. 

Sie kamen nun bey dem weſtlichen Ende von England vorbey, welches, wie der Vers 
faſſer berichtet, vormals mit den kleinen felſichten Eylanden von Scilly ſoll durch ein Land, 
Namens Lioneß, zuſammengehangen haben. Man will dieſes aus der gleichen Tiefe des 
Waſſers, die daſelbſt zu finden iſt, imgleichen aus Thuͤren, Fenſtern und Baumwurzeln, 
welche vormals von Fiſchern heraufgezogen worden, ſchließen, und der Verfaſſer haͤlt dieſes 
wegen aͤhnlicher Veraͤnderungen, die er anderswo geſehen, fuͤr etwas mehr, als eine ſchlechte 
Muthmaßung. Die Felſen, ſpricht er, ſcheinen nun mit trauriger Stimme die Abreißung 

u beklagen. | 

Auf der Höhe von dem Vorgebirge Finisterraͤ trafen fie beftändige Weſtwinde an, 
die auf der Kuͤſte von Portugall fehr ungewoͤhnlich find. Einen oder zweene Tage von 
Madera /) zu ſegeln trafen ſie auf den Commodore Matthews im Loͤwen, der mit 
einem Geſchwader von vier Segeln nach Oſtindien wider die daſigen Seeraͤuber zu kreuzen 
beſtimmt war. | 

Es ſchwamm häufiges Seegeſtraͤuche hier um fie herum, auf die Weite von vierzig Seegefträn: 
Seemeilen von der Inſel, bis fie an ſolche kamen. Er vermuthet, daß ſolches auf dem che. 
Grunde der See waͤchſt, und die Nahrung der großen Fiſche iſt. Denn erſtlich finden 
es die Perlen- und Korallentaucher bis auf acht oder zehn Faden; zweytens erhellet bey 
einigen Fiſchen aus ihrer Groͤße, und bey andern aus der Art, wie ſie zum Kauen verſorgt 
ſind, daß ſie vom Wiederkaͤuen, und nicht vom Raube leben. Drittens finden ſie ſich 
haͤufiger gegen das Ufer, als in der weiten See, und vielleicht haben ſie, wie manche kleine 
Fiſche in den engliſchen Seen, ihre gewiſſe Zeit der Ankunft, da ſie ſich hier weiden. Vier⸗ 

| 9093 tens 
auf der zsgften Seite. Verde⸗Eylanden ſiehe oben im II Bande a, d. 43, 
) Seine Nachricht von Madera und den Capo und 158 u. f. ©, 


478 Reifen nach Guinea und Benin, 
1721 tens ſpielten häufige Meerſchweine täglich um fie herum, die gleichwohl mit dem Angel 
Atkins. nicht zu fangen waren, zum Beweiſe, daß fie ihr Futter am Grunde der See nahe wußten, 
ob er wohl geſteht, daß fie ſicherlich kleine Fiſche gefreſſen, vielleicht ſind dieſes ihre Lecker⸗ 
biffen, wie jenes die ordentliche Speiſe ift 2). 
Den zoften März giengen fie mit dem Weymouth ab, der den Statthalter und die 
Factore vom Gambrafluſſe auf ſich hatte. Unweit des Landes vom gruͤnen Vorgebirge 
fingen fie verſchiedene Schildkroͤten, die gern auf der ebenen Fläche des Waſſers, wie ſolche 
itzo wegen der Windſtille war, ſchlafen. | | 9 
Delphinen. Sie ſahen auch verſchiedene fliegende Fiſche, und ihre beſtaͤndigen Feinde, den Albacore 
egende und Delphin. Der letztere iſt ein ſchoͤngefaͤrbter gerader Fiſch, vier oder fünf Fuß lang, 
iche. mit einem zweyſpitzigen Schwanze, der ſenkrecht auf das Waſſer ſteht; er ſpielet ſehr frey um 
die Schiffe, iſt von trocknem Geſchmacke, giebt aber gute Bruͤhen. Man ſieht fie felten 
außerhalb der Breite eines beftändigen Windes, und den fliegenden Fiſch niemals. Dieſe 
find fo groß, als ein kleiner Häring; ihre Flügel etwa zwey Drittheile von der Länge, gehen 
enge aus dem Körper heraus, und enden ſich breit. Sie fliegen durch ihre Huͤlfe eine Hufe 
lang in einem fort, wenn ſie verfolgt werden; ſie kehren ſich bisweilen im Fliegen um, tau⸗ 
chen in die See, und machen ſich wieder fort, wodurch der Wind ſie beſſer fortfuͤhret. 
Von dem Vorgebirge ſteureten fie Suͤdſuͤdweſt, die Untiefe von Grande zu vermei: 
den, und liefen wieder nach dem Lande, bis ſie in die Breite von Sierra Leona kamen, 
weil einige andere Untiefen an der Nordſeite des Fluſſes liegen. Die Tiefen find bey dem 
Vorgebirge nach und nach von ſechzig Faden, in der Weite von etwan zwoͤlf Seemeilen, 
bis zu dreyzehn. | | 
Sierrageona. Das Vorgebirge Sierra Leona iſt an einem einzelnen Baume kenntlich, der viel 
größer, als die ubrigen ift, und an dem hohen Lande hinter demſelben. Sie ankerten den 
Iten in der dritten Bay vom Vorgebirge, wo ſehr bequem Waſſer und Holz einzunehmen, 
und fo ordentliche Ebbe und Fluth, als in einem Theile des Canals von England iſt 7). 
Sie ge bier den 18ten ans Land, und befuchten, wie ſchon erzähle worden, Herrn 
oſeph ). 
3 Den 28ſten verließen fie Sierra Leona, und vereinigten ſich den rſten May mit dem 
Weymouth, der von der Gambra kam. Sie liefen auf eine Sandbank in dieſem Fluſſe, 
wo ſie drey Tage und drey Naͤchte in einem Strome zu arbeiten hatten, und mit großer Muͤhe 
abkamen. Die in der Schwalbe hatten auch zu Sierra Leona, als ſie einen Tag Waſſer 
ins Schiff gelaſſen, die Verſtopfung vergeſſen, bis ſie ſechs bis ſieben Fuß Waſſer im 
Schiffsboden hatten. | | 
* Am Vorgebirge St. Maria fanden ſie keine Canibalen, wie unter den Schiffleuten 
die Rede geht, ſondern ein leutſeliges Volk, bey dem ſie ihr Schiff mit Holze verſahen. | 
Capo Monte Den aten waren ſie beym Vorgebirge Monte, und den Tag darauf bey Monſerado, 
und Monſe⸗ heydes hohe Laͤnder. Das erſte zeiget zweene, das letzte einen Hügel, und das Land ſtrecket 
rado. ſich von ihnen niedrig und holzig. Drey Seemeilen vom Ufer ſind etwa vierzig Faden Tiefe. 
Von dem letztern kam ein Kahn mit einem Kaboſchir Y), Hauptmann Johann See, 
der ſich durch einen alten Hut und eine Bootsknechtsjacke, nebſt einer großen Menge dicker 


metal⸗ 


g) Atkins a. d. 1 oder vielmehr a. d. 17 u. f. S. i) Siehe oben a. d. 275 u. f. ©. 5 
4) Ebendaſelbſt a. d. 32 u. f. S. i ö 


MUNDUNG DES FLUSSES SESTOS. 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 479 


metallener Ringe an den Fingern und Zaͤhen, von ſeinen Begleitern unterſchiede. Er ſchien 


1721 


ſich zu ſcheuen, in das Schiff zu gehen, aus Furcht wegen des Panyarings /), weil die Atkins. 


Leute aus feiner Stadt oft durch die Treuloſigkeit der Schiffer gelitten, und ſich dafür oft 
mit einiger Grauſamkeit geraͤchet hatten. Eben dieß hatte Gelegenheit zu der Erzaͤhlung 
gegeben, daß ſie an einigen Orten Menſchenfreſſer waͤren, welches ſie aber vermuthlich nir⸗ 
gends ſeyn mochten, weil fie ſonſt weder Handel noch Nachbarn gehabt hätten. 

Der Fetiſch, den ſie auf dieſe gefaͤhrliche Reiſe mitgenommen, war ein Buͤndel ſchwar⸗ 
zer Stöckchen, in einem Beutel von Seidengraſe, welcher über eine von ihren Schultern hing. 
Sie ſchienen Sicherheit und Vertrauen darein zu ſetzen. Atkins wollte es begreifen und 
damit handthieren, fand aber, daß ſie ſehr erſchracken, und, um ihn abzuhalten, ſagten: 
Nou didee, you kikatavoo; das iſt: wo ihr eſſet, werdet ihr ſogleich ſterben. 

Das Mistrauen auf beyden Seiten ſchraͤnkte ihren Handel nur in Bitten um alte 
Beinkleider, Hemden, Lappen, und was ſie ſonſt ſahen, ein. Sie machten ſich darauf eilig 
fort, und riefen einander dazu, in einem Tone, faſt wie wenn unſere Fleiſcher ihr Vieh treiben. 

Den loten May ankerten ſie vor Seſthos oder Seſthio. Der Fluß iſt etwa halb 
ſo breit, als die Themſe, und hat nur eine ſchmale Einfahrt fuͤr Boote an der rechten Seite 
zwiſchen zwoen Klippen, die bey großen Wellen und Winden die Fahrt dadurch ſehr gefaͤhr⸗ 
lich machen, da das übrige mit Sande gefüllt iſt. Man kann hier ſehr viel Reiß kaufen. 
Der Fluß iſt voll Fiſche, und man bekoͤmmt ziemlich viele Ziegen und Gevoͤgel, oder man 
bildet ſich dieſes wenigſtens in Vergleichung mit derſelben großen Seltenheit von Sierra 
Leona bis Whidaw ein. Der Fluß hat eine Barre vor ſich, iſt aber bequem genug, 
Waſſer einzunehmen. e . | 

Der König hier heißt Pedro. Er hält ſich etwan fünf Meilen den Fluß hinauf auf, 
und iſt ein Muſter einer ſchwarzen Majeftär. 

Weil ein Daſchi erwartet wird, ehe die Schiffe hier Holz und Waſſer einnehmen duͤr⸗ 
fen: ſo haͤlt man für gut, ſolches durch einen Lieutenant oder Zahlmeiſter zu ſenden. Wie 
ſie in des Koͤnigs Stadt kamen: ſo wurden ſie durch einige Hofleute in den gewoͤhnlichen 
Palaverplatz gefuͤhret oder geſtoßen, um daſelbſt zu verziehen, bis ſich der König angeklei⸗ 
det hätte, und aus dem Palaſte kaͤme, weil er allezeit in Gegenwart des Volks öffentliche 
Audienz giebt. Nach einer Stunde kam feine Majeſtaͤt in Begleitung hundert nackender 
Edelleute, die alle Toback rauchten; und vor ihm ward ein Horn geblaſen. 

Seine Kleidung war ſehr altfraͤnkiſch. Er hatte einen beſchmutzten rothen Rock an, 
der mit Flickwerke von andern Farben, einem Harlekinskleide Ähnlich, gemacht war, und ein 
Kerl trug ihm die Schleppe nach, die aus einem ſchmalen Stuͤcke Culgee beſtund, welches 
an das Ende des Rocks genäht war. Er hatte eine alte, ſchwarze, ungekaͤmmte Paruͤcke auf, 
einen alten Hut, der nicht halb groß genug war, und den er ſo weit zuruͤckgeſetzt hatte, daß 
ſein mageres Geſicht darunter wie eine Voͤgelſcheu ausſah; beſchmutzte Schuhe und 
Struͤmpfe ohne Schnallen und unaufgebunden, und eine metallene Kette wenigſtens von 
zwanzig Pfunden um den Hals. an, e 
Dieſer Figur fielen die geputzten Abgeſandten in ihren Sonntagskleidern zu Füßen, und 


Fluß 
Seſthos. 


Audienz 
beym oͤnige 
Pedro. 


Seine alt⸗ 
fraͤnkiſche 
Kleidung 


und bettel⸗ 


wuͤrden daſelbſt noch liegen, wenn ſie auf Pedros Erinnern erſt haͤtten aufſtehen ſollen. Er 8 
ver⸗ g 


4) In der Grundſchrift Cabieeer. m) Atkins a. d. 53 und 256 u. f. S. 
J) Gefangennehmen. wii 


1721 
Atkins. 


Luſtiger 
Streich mit 
ſeinen Soͤh⸗ 


nen. 


Ein Pallaſt 
von ihm. 


Gelber 
Menſch. 


480 Reeiſen nach Guinea und Benin,, 
verwunderte ſich in der That etwas, hielt es aber für die Landesart, und ließ fie alfo, dabey 
er inſtaͤndigſt um die Daſchi anſuchte. Hierauf erhoben fie ſich, und gaben ihm eine Reiſe⸗ 
flinte, zwey Stuͤcke Rindfleiſch, einen Kaͤſe, eine Flaſche Brandtewein, ein Dutzend Pfei⸗ 
fen und zwey Dutzend Buͤcklinge. Pedro aber, der die Geſchenke beſſer, als die Compli⸗ 
menten, verſtund, ſchien uͤber dieſelben nicht ſehr vergnuͤgt zu ſeyn; nicht, als ob ſie nicht 
recht geweſen waͤren, ſondern weil es Sachen waren, die er jetzo nicht brauchen konnte: er 
bath alſo, ſolche wegzulaſſen, und ihm ihre Hoſen zu geben, die ein wenig beſchmutzt waren, 
weil ſie im Speichel gekniet hatten. Nach einem Palaveer mit ſeinen Miniſtern aber ward 
das Geſchenk angenommen, und die Abgeſandten mit einem Glaſe Palmwein und Atte, 
zuruͤckgeſchickt, welches der gewohnliche Gruß iſt, wobey fie Daumen und Finger zu⸗ 
ſammenhalten, und abſchnappen. K 5 

Dem Koͤnige einen guten Begriff von ihrer Freygebigkeit beyzubringen, machten ſie ſich 
an ſeinen Sohn Tom Freeman, der, ſein gutes Gemuͤthe zu zeigen, uneingeladen an Bord 
kam, ſeine Flageolet mitbrachte, und ſie mit einigen wilden Toͤnen beluſtigte. Sie putzten 
ihn mit einem alten Hute, einer Paruͤcke und einem Degen, und gaben ihm ein Patent auf 
einem großen Blatte Pergament, wodurch er fuͤr einen Herzog von Seſthos erklaͤrt wurde, 
wozu ſie ſich alle unterſchrieben, und einen Butterfleck ſtatt des Siegels machten. Dieſes 
gefiel dem Vater ſowohl, daß er ihnen zur Erkenntlichkeit ein Paar Ziegen, und ſeinen 
juͤngern Sohn Joſee, ſolchem fernere Gewogenheit zu erzeigen, ſchickte, den ſie auch, nach 
einiger Ueberlegung, mit dem Titel eines Prinzen von Baxos beehrten. 5 

Es waren in der That vielen zuvor Titel ertheilt worden, aber keinen ſo anſehnliche ver⸗ 
mittelſt eines Patents, und dieß erwarb ihnen des Koͤnigs Gewogenheit voͤllig, der ihnen 
auch erlaubte, jederzeit ihre Netze ») im Fluſſe zu haben, wo fie einen guten Vorrath von 
Mullets, Schollen, Pumpnaſen, und Klippfiſchen fingen. Sie hatten auch die Freyheit, 
unbeunruhigt durch die Flecken zu gehen. s 

In einem dieſer Flecken beſuchten einige andere Seine Majeftät, die fie in einem Pallaſte 
fanden, der wie ein Schweinſtall gebaut war. Der Eingang war ein enges Loch, und 
führte in das, was man feinen Vorhof nennen konnte, ein unreiner kleiner Fleck, und zwey 
bis drey Hütten darinnen, welche feiner Weiber Zimmer waren. Von hier krochen fie durch 
ein anderes Portal, und entdeckten ihn auf der linken Hand, auf einem Platze außer ſeinem 
Hauſe, wie eine Schneiderwerkſtatt, wo er mit zweyen oder dreyen alten Weibern Tobak rauchte. 
Dieſes iſt der Zeitvertreib beyder Geſchlechter. Seine Kleidung und ſein Anſehen, wie 
gegentheils das fremde Weſen der Englaͤnder, machte, daß ſie von beyden Seiten laͤchelten, 
worauf nach einigen Minuten der Abſchied mit dem Atticho genommen wurde. 6 499055 

In einer Stadt an dem Fluſſe fanden fie einen glaͤnzendgelben Mann; und es wurde 
ihnen berichtet, (wofern ſie der Leute ihre Zeichen und Sprache recht auslegten,) daß er von 
einer Gegend kaͤme, die ein gut Stuͤck landwaͤrts läge, wo fich ihrer mehr befaͤnden. Der 
Hauptmann Bullfinch Lambe und andere, berichteten nachmals dem Verfaſſer, fie hätten 
verſchiedene geſehen, und Herr Thompſon meldete, er haͤtte einen zu Angola, und einen 
andern zu Madagaskar geſehen. Das ift eine große Seltſamkeit, ſaget Atkins, und fo 


ſchwer zu erklaͤren, als die Schwaͤrze o). 


Den 

1) In der Grundſchrift Searn ſtatt Sayn. g p) Siehe oben a. d. 269 S. i mr 
) Atkins a. d. 62 u. f. S. J) Dieſes Schiff berichtete ihnen auch, daß die Leute 
* tiefer 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 481 


Den ıgten May verließen fie Seſthos, ſegelten laͤngſt einer niedrigen Kuͤſte, wie 1221 
etwa Holland, und erreichten in zweenen bis dreyen Tagen das Vorgebirge Palma, lichteten Atkins. 
von Jaque a Jaques den 28ſten, kamen den zoſten vor Baſſam oder Baſſau, und den 
zrſten vor Aßini, nachdem fie durch die grundloſe Gegend, wo man mit dem Senkbleye 
nicht auf Grund koͤmmt, geſegelt waren, die drey Meilen querdurch betraͤgt. Die Einwoh⸗ 
ner ſchienen überall leuteſcheu zu ſeyn, bis fie an die Goldkuͤſte kamen. Den zen Jun. an⸗ 
kerten ſie an dem Vorgebirge Apollonia. Das Land wird hier hoͤher, und die Einwohner 
waren munterer zum Handel. | 

Zu Jaque a Jaques trafen fie den Robert von Briſtol, deſſen Hauptmann Harding Geſchichte 
war, an. Derſelbe war vor ihnen von Sierra Leona abgeſegelt, und hatte dreyßig Sklaven vom Tomba. 
gekauft, unter denen Hauptmann Tomba p) einer war. Er erzählte ihnen folgende trau⸗ 
rige Geſchichte J): dieſer Tomba hätte fich etwa eine Woche zuvor mit zweenen oder dreyen 
der hartnaͤckigſten feiner Landesleute vereinigt, einen Aufſtand zu erregen, worinnen ihnen eine 
Sklavinn beygeſtanden, die ihnen einen Abend berichtet, daß nur fuͤnf Weiße auf dem Ver⸗ 
decke waͤren, und ſchliefen, auch ihm zugleich einen Hammer, ſeine Verraͤtherey auszufuͤhren, 
gebracht haͤtte. Er Hätte außer der Sklavinn nur noch einen bereden konnen, mit auf das 
Verdeck zu gehen, daſelbſt von dreyen Schiffleuten, welche vorne waren, gleich zweene mit ſo 
viel Schlägen auf die Schlaͤfe hingerichtet, den dritten, der von dem Getoſe aufgewacht, 
haͤtten feine Geſellen ergriffen, und Tomba ihn auf eben die Art niedergemacht. Die letz⸗ 
ten beyden von den fuͤnfen aber hatten den Laͤrmen gehoͤrt, und durch ihre Vertheidigung 
bald den Steuermann drunten im Schiffe erweckt, der heraufgelaufen kam, den Tomba 
mit einem Handfpieße überfiel, und fie alle in Eiſen ſchlug. 

Vielleicht, ſaget Atkins, verlangt der Leſer ihre Strafe zu wiſſen. Der Hauptmann 
Harding zog die Tapferkeit und Verwegenheit dieſer beyden Sklaven in Betrachtung, und 
machte es mit ihnen, wie man es ſonſt in andern ändern mit vornehmen Schelmen zu mas 
chen pflegt. Er ließ fie nur geifeln, da er indeſſen drey andere, welche daran Theil genom— 
men, ob fie wohl nicht die Staͤrke gehabt hatten, etwas dabey zu thun, zu einem grauſamen 
Tode verdammte, und fie erſt das Herz und eber des einen von ihm hingerichteten freſſen Teuftiſche 
ließ. Das Weib ließ er an den Daumen in die Hoͤhe ziehen, und im Geſichte der andern Grauſam⸗ 
Sklaven mit Meſſern bis auf den Tod peitſchen. keit. 

Den ten des Brachmonats ankerten ſie zu Axim, der erſten europaͤiſchen Factorey, 
welche den Hollaͤndern gehoͤrt, und kamen den Tag darauf nach dem Vorgebirge der dreyen 
Spitzen. Die meiſten Schiffe gehen des Waſſers wegen (welches man weiter hinauf 
ſchwerlicher erhalt) hieher, und jedes Schiff giebt eine Unze Gold für die Erlaubniß. Jo⸗ 
hann Conny, der damalige vornehmſte Kaboſchir, deſſen Stadt drey Seemeilen weftwärts 
liegt, ſchickte einen Bedienten mit einem großen Stocke mit goldenem Knopfe, worauf ſein 
Name geſtochen war, als dem Zeichen der Vollmacht, ſolches zu fordern. ! 

Weil fie dieſe Schuldigkeit nicht abfuͤhrten, und dem Abgeſandten ſchimpflich begegne⸗ Händel mit 
ten: fo kam Johann den Tag darauf herunter, mit einigen von feinen Leuten, die ſich der Johann Con⸗ 
Waſſergefaͤße, welche am Lande waren, bemaͤchtigten, und zehn oder zwoͤlfe von den Leuten 1% 
gefangen nach der Stadt führten. Der Officier unter denſelben, der den Leuten den rn 

| ie 


tlefer im Lande, die von den Cobelahou und Drewins fire Hätten, und der Handel jetzo in gutem Stande 
gelitten hatten, ſich aufgemacht und dieſe Plaͤtze zer, waͤre. ; n 


Allgem. Keiſebeſchr. Il Band. Pp p 


482 Reifen nach Guinea und Benin, 


1721 ſchied unter einem koͤniglichen Schiffe und andern erklaͤren wollte, bekam Kopfſtoͤße, und 
Atkins. Johann, der engliſch genug konnte, darinnen zu fluchen, ſagte: beym zz: ich bin Koͤnig 
hier, nicht nur uͤber mein Waſſer, ſondern auch der Muͤhe wegen, die ich ge⸗ 
habt, es zu ſammeln. Trinket, fuhr er zu den Bootsleuten fort, (indem er auf ein Faß 
Brandtewein wies, ) und eſſet, was ich habe; ich weis, ihr muͤſſet den Befehlen folgen. Jo⸗ 
hann nahm nach einigen Schwierigkeiten ſechs Unzen Gold, und einen Anker Brandte— 
wein an H). | | 
Auf einer anliegenden Höhe ſtund das daͤniſche, oder wie fie fagen, des Brandenbur⸗ 
gers Fort, welches einige Jahre zuvor von ihnen war verlaſſen worden, und dadurch in 
Johann Connys Beſitz gefallen. Es find darüber einige Streitigkeiten zwiſchen ihm 
Sein Streit und den Holländern entſtanden. Dieſe letztern gaben vor, fie hätten es gekauft, und ſende— 
mit den Kol: ten im Jahre 1720 ein Bombardierfahrzeug, nebſt zwoen bis dreyen Fregatten, dahin, die Ue— 
laͤndern. bergabe zu fordern. Wie aber Johann ein kuͤhner und liſtiger Mann ift: fo antwortete 
er ihnen in Ueberlegung ihrer Staͤrke, er muͤßte eine Schrift ſehen, wodurch des Branden— 
burgers Verkauf erwieſen wuͤrde, und auch alsdenn, ſagte er, ſehe ich nicht, was ſie fordern 
koͤnnen, als das Geſchuͤtz, und die Steine, da Grund und Boden nicht ſeine war. Sie 
haben mir Zins dafuͤr gegeben, fuhr er fort, und ſeitdem haben ſie fuͤr gut befunden, ſich 
fortzumachen. Ich will es keinen Weißen mehr vermiethen. N 
Dieſe Antwort brachte die Hollaͤnder auf, die ſogleich etliche Bomben und Steine ein— 
wurfen, alsdenn voll Grimm und Brandtewein vierzig Mann ans Land ſetzten, die unter 
der Anfuͤhrung eines Lieutenants den Ort angreifen ſollten. Sie feuerten einmal ohne eini— 
gen Schaden, worauf Johann unter der Bedeckung der Haͤuſer mit groͤßerer Gewalt her— 
vor kam, ſie niederhieb, und den Eingang ſeines Palaſtes bald darauf mit ihren Hirn— 
ſchaͤdeln zierte. N 
Beſuche bey Dieſer Vortheil machte, daß er auf das, was er für fein Recht hielt, bey allen Leuten 
ihm. ſehr ſcharf ſah, ob er gleich dabey redlich im Handel verfuhr. Wie die Engländer ſich 
beffer beſonnen hatten, gieng der Verfaſſer mit einigen Officieren, ihn zu beſuchen. Die 
Suͤdwinde machten ihre Landung gefaͤhrlich, und ſie konnten nicht einmal ihre eigenen Boote 
dazu brauchen, ſondern mußten ſich Kaͤhne ſchicken laſſen, fuͤr die ſie ein Akki bezahlten. 
Die Schwarzen wiſſen, wenn man ſicher hin und her kommen kann. Johann ſtund ſelbſt 
am Ufer, ſie zu empfangen, mit einer Wache von zwanzig oder dreyßig Mann, welche 
glaͤnzende Waffen hatten, und ſie nach ſeinem Hauſe fuͤhrten. 
Sein Haus. Dieſes war ein artiges großes Gebaͤude, aus den Materialien des Forts erbaut. Es 
hat außen eine doppelte ſteinerne Treppe von zwoͤlf Stufen, auf dem Boden ſind drey gute 
Zimmer, eins iſt ſeine Ruͤſtkammer, das andere ſein Schlafzimmer, mit einem Bette dar— 
innen, das dritte dienet Gaͤſte zu bewirthen, und hat Tafeln, Stuͤhle u. ſ.f. 
Der Weg dazu gieng durch zweene Vorhoͤfe; der äußere hatte Haͤuſer für die Officier und 
Bediente, welche ihm angehoͤrten, der innere war ein großer viereckichter Platz, hatte ein 
Wachhaus und eine gute Ruͤſtkammer dem Eingange gegen uͤber, nebſt Plaͤtzen fuͤr die Wache, 
dadurch er einigermaßen die Pracht der preußiſchen Statthalter nachahmte, bey denen er 


| | einige 
7) Atkins auf der Sg und folgenden Seite, auch 7) Der Verfaſſer bemerket in einer Note, daß 
V. d. 257 Seite. General Phips am Vorgebirge Corſe, wie er nur 


neunzehn 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 483 


einige Jahre gedient hatte. Er hatte von dieſen das Ceremoniel gelernt, und wußte, wie er 1721 
ſich ein Anſehen geben ſollte. Er war ein ſtarker Mann, etwa in funfzigen, von einem Atkins. 
murriſchen Geſichte, und alle Schwarzen, die ſonſt Mügen trugen, mußten vor ihm mit Seine Ab; 
bloßen Koͤpfen erſcheinen. kunft. 

Er erzeigte den Englaͤndern große Hoͤflichkeit, wie fie feinen Gruß mit ſechs Schüffen Höflichkeit 
erwiedert 7), und den Waſſerhandel nach feinem Gefallen gut gemacht hatten. Zur Er- gegen die 
kaͤnnklichkeit verſtattete er ihnen in einem Fluſſe hinter feiner Stadt zu fiſchen. Wie fie aber Engländer 
nicht gluͤcklich waren, welches Johann nicht hatte voraus ſehen koͤnnen: fo kamen fie um ihr 
Mittagsmahl, und wurden noch dazu vom Johann geſcholten. Er ſagte, ihr Unglück kaͤme 
daher, weil ſie dem Waſſer kein Daſchi gegeben; es waͤre eines großen Mannes Fetiſch, 
und verdiente mehr Achtung. Doch bekamen fie etwas Kanki, Brodt, Salz, Butter, Kaͤſe, 
Palmwein und Bier, welches auf reinen Schuͤſſeln, mit Meſſern, Servietten u. ſ. f. aufge⸗ 
tragen wurde. Eine von ſeinen Weibern, (denn er ſchien viele zu haben,) ſaß die ganze 
Zeit, da er mit ihnen fprach, hinter feinem Stuhle. Sie war ſchwanger, hatte ein reines Tuch 
um ſich gewickelt, und war ſchoͤn gefetiſcht. Das Gold, welches beyde an Ketten um die 
Haͤlſe, Leiber, Aerme und Fuͤße hatten, nebſt den Zierrathen in ihren Haaren, belief ſich auf 
acht bis zehn Pfund Apothekergewichte. 

Als ſie ihn luſtig und leutſelig fanden: ſo wagte es der Verfaſſer, zu fragen, was aus und holland 
den hollaͤndiſchen Hirnſchaͤdeln geworden, die letztens den Eingang feines Hauſes geziert ſchen Hirn- 
hätten? Er antwortete frey, etwa einen Monat vor des Schiffes Ankunft, hätte er fie alle ſchaͤdel. 
mit etwas Brandtewein, Pfeifen und Tobak, in eine Kiſte gethan, und verſcharrt; denn, 
fagte er, es iſt Zeit, daß einmal alle Feindſchaft aufhoͤret, und fo ehren wir die Verſtorbenen, 
daß wir etwas von Lebensnothwendigkeiten mit dem Leichname vergraben. 


Atkins erfuhr auch, daß es bey ihnen gewöhnlich fey, einen oder zweene Sklaven bey Menſchen— 
dem Leichenbegaͤngniſſe der Reichen zu opfern. Johann wies ihm die untern Kinnbacken opfer. 
der Hollaͤnder an einem Baume im Vorhofe haͤngend. 


Johann war eben fo ſcharf im Beſtrafen, als in Beobachtung feines Rechts, und Ein: 
treibung feiner Gebühren. Etliche Wochen vor des Schiffs Ankunft hatte er einen Mör- Exeution. 
der verurtheilt, ob ſich ſolcher gleich mit der Selbſtvertheidigung ſchuͤtzte, welches aber Je-  - 
hann nicht verſtund, und des Verbrechers eigener Bruder, einer ſeiner getreuſten Diener, 
mußte die Hinrichtung vor ſeinem Angeſichte verrichten, indem er ihm einen großen Stein, 
wie ein Muͤhlſtein, an den Hals band, und aus einem Canoe in die See ſtuͤrzte. 

Er hatte durch Reichthum und Macht den Handel des Ortes an ſich gebracht, und da— 
durch den Gewinnſt der Kaufleute auf zwanzig von hundert herunter geſetzt, welchen Scha— 
den ſie ſich gewiſſermaßen ſelbſt zugezogen haben, indem einer es immer wohlfeiler, als der 
andere, gegeben. Seine Leute geben noch weniger; denn in dem kleinen Handel, den ſie mit 
den Englaͤndern hatten, bezahlten ſie alles in Krakkragolde, nicht einen Viertheil des Werths, 
in dem es genommen ward H. 


Ppp 2 Der 


neunzehn Schuͤſſe für ein und zwanzig wieder er: auf zweyen oder drey Tage vergangen. 
halten, ſich fo geärgert, daß ihm die Luft zu eſſen 5) Atkins auf der 77 Seite. 


1721 
Atkins. 


484 Reiſen nach Guinea und Benin, 
f Der II Abſchnitt. 


ape Corſo oder Kuͤſten Caſtel. Elend der Faetore und nehmen fie ohne einigen Verluſt. Beſuchen 


Cape Corſo. 


Elend 


und Bedienten der Geſellſchaft. Beyſpiele. Des das bollaͤndiſche Caſtel zu el Mina. Verlaſſen 
Generals Konſa oder auf eine Zeit angenommene Cape Corſo. Das Vorgebirge Lope Gonſalvo. 
Frau. Seine hochmuͤthige Auffuͤhrung. Sie Die Einwohner. Hauptmann Jacob. E. > 
kommen nach Whidaw. Prinzeneyland. Groſ⸗ Landesleute begegnen ihm übel. Braſilienn 
ſes Sterben am Borde. St. Thomaseyland. bados. Jamaica. Donna Maria Bay. 
Nachrichten vom Robert, und dem Aufſtande Schweinſtaͤlle. Golfogeſtraͤuche. Ruͤckkehr nach 
an der Gambra. Die Santis oder Aſſantis. England. 

Sie verfolgen die Seeraͤuber. Treffen ſie an, 


Den ı4ten des Brachmonats verließen fie das Vorgebirge der dreyen Spitzen, und an⸗ 
kerten den ısten bey Dixcove, einer engliſchen Factorey. Dieſe, Sukkonda, Ana⸗ 
maboo, und andere, ob es gleich Factoreyen heißen, ſind nur der Sitz eines oder zweener 
Leute, deren Principal zu Cape Corſo iſt, und die außer ihrer Beſoldung noch wegen des 
Handels, den ſie treiben, Commiſſion bekommen. 

Den ıöten des Brachmonats lichteten fie von dar, und ankerten den Tag darauf vor 
dem Caſtelle von Cape Corſo t), welches der engliſchen africaniſchen Geſellſchaft Hauptfort 
iſt. Daſelbſt haͤlt ſich ihr Statthalter auf, welcher Generaldirector genannt wird, mit zweenen 
Kaufleuten, einem Secretaͤr, Capellan, Wundarzte, Factore, Schreibern, Minirern, Kuͤnſt— 
lern, und einer Compagnie von Soldaten, nebſt Gebaͤuden und Wohnungen darinnen fuͤr 
ſie ſelbſt oder die Sklaven. 

Um die Zeit dieſer Reife, hatte die Geſellſchaft durch Subſeription 392400 Pfund zus 
ſammen gebracht, und im Chriſtmonate des Jahrs 1722 einen Ausruf von fuͤnf von hundert 
gehalten, wobey ſie den Eigenthuͤmern, wie gewoͤhnlich, ein Dividend von drey von hundert 
zugeſtund. Im Chriſtmonate des Jahres 1723, ſetzten ſie 200000 Pfund Capital auf 
dreyßig von hundert zum Verkaufe aus, welches, ſaget der Verfaſſer, zeiget, daß ſich die Sa— 
chen des vormaligen Flors ungeachtet uͤbel anließen. Dieſes, faͤhrt er fort, ward den fol— 
genden Winter beſtaͤtiget, da ſie der Regierung vorſtellten, ſie waͤren verdorben, und der afri— 
caniſche Handel verlohren, wo man ihnen nicht die Macht gaͤbe, eine neue Einrichtung zu 
machen. Die Projectmacher bey der Geſellſchaft ſchlugen vor, wenn die Regierung ihnen 
eine Bekraͤftigung geben wollte, fo wollten fie ſich anheiſchig machen, den Aetiengeiſt zu 
erwecken, und eine Million zuſammenbringen, mit der ſie freygebig ſeyn wollten. 

Die Factorey, die Oberſten ausgenommen, welche die Einrichtung des ganzen Handels 
machen, ſind alle zuſammen eine Geſellſchaft weißer Negern, die ganz und gar nach der 
ſchaͤrfſten Unterthaͤnigkeit, unter des Statthalters Gewalt ſtehen. Sie werden wie eine 
Beſatzung, mit Gelde, Gefangenſchaft, oder dem Eſel beſtraft, und daß ſie das ausſtehen, 
bekoͤmmt jeder eine Beſoldung Kanky, Palmoͤl, und ein wenig Fiſche zu kaufen, daß ſie 
nicht verhungern. Denn ob die Beſoldungen gleich in Leadenhallſtreet ertraͤglich klingen, 
(naͤmlich ein Factor, das Jahr, von funfzig Pfund zu neunzig Pfund, ein Kuͤnſtler funf— 
zig Pfund )fo bezahlet fie doch der General in Guinea in Krakkra, einer falſchen Muͤnze, 
die in daſelbſt gilt, und daher koͤnnen fie von den Schiffen, welche dahin kommen, nichts 
kaufen. 


— 


| Sollten 
7) Der Auszug von der Faetorey zu Cape Corſo, und geographiſche Beſchreibung. | 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 485 

Sollten die Unterthanen andere Münze haben: fo würde es wider den Vortheil der 2 
Geſellſchaft ſeyn, zu verſtatten, daß ſelbige von ihnen irgendwo ausgegeben wuͤrde, well da- Atkins. 
durch ihr Capital muͤßig liegen müßte, Sie find alſo genoͤthigt, zu Erhaltung der Noth— e. 
wendigkeiten des Lebens, oder vielleicht zur Ausführung ihrer jugendlichen Thorheiten, von 
der Geſellſchaft etwas zu borgen, und dadurch in der That ihre Freyheit zu verpfaͤnden, 
weil keiner fortgelaſſen wird, bis er alles bezahlt hat. Wenn der Menſch zu klug iſt, 
Schulden zu machen: ſo wird ihm Verſehen und Verluſt der anvertrauten Guͤter Schuld 
gegeben. Auf die Art muͤſſen ſie ſich alle fuͤr Trunkenheit, Schwoͤren, Nachlaͤßigkeit, daß 
fie uͤber Nacht aus dem Caſtelle geblieben, ja daß fie nicht in die Kirche gegangen, (fo fromm 
ſind ſie) ſtrafen laſſen, und auf die Art wird immer ihr Dienſt nach Gefallen verlaͤngert. 
Eben ſo machet er es mit den Schwarzen aus dem Flecken, die ohne Ueberlegung immer 
Waaren auf borgen, und alſo Pawns der Geſellſchaft, d. i. verbunden werden, ſich, wenn 
es dem Generale gefaͤllt, verkaufen zu laſſen. N 

Die meiften Factore hatten, wie er bemerkte, das artige Weſen, welches fie anfangs ge- und Bedien⸗ 
habt, verlohren. Sie trugen weder ſpaniſch Rohr noch Tabattiere, welche Leute von Ge- ten. 
ſchaͤfften nicht kleiden. Sie hatten magere Koͤrper, blaſſe Geſichter, zugenehte oder unge⸗ 
brauchte Taſchen, und gebundene Zungen. Eine Urfache ihrer Magerkeit ift in der That 
die Seltenheit der Lebensmittel; es iſt nicht viel, als Plantain, kleine Fiſche, indianiſch 
Korn, und viel Kanky auf dem Markte zu kaufen. Dieſes wird von den Schwarzen ge= 
ſotten, und man kaufet fuͤr einen Akki neune. Die Englaͤnder backen es. Eine magere Ziege 
kann man manchmal fuͤr fuͤnf Akkis haben, eine moſcowitiſche Ente, einen Papagey oder 
ein Paar Huͤhnerchen fuͤr einen. | | 

Der arme T.. . d, war ein artiger Juͤngling, und lebte fo lange er konnte. Als der Benfpiele. 
Verfaſſer einmal wegen Geſchaͤffte tin dem Kaufhauſe war: fo kam ein Negerweib, und 
ſchrie ihm die Ohren voll, daß er ihr einen Plantain geſtohlen. Dieſes war der einzige 
Biſſen, den er ſeit dreyen Tagen gegeſſen; weil die Ausſchweifung einer einzigen Nacht, und 
etliche Geldſtrafen, feinen Beutel leer gemacht hatten. Die naͤchſte Zeitung, welche At: 
kins von ihm hoͤrte, war, daß man zugenau auf ſein untreues Handeln Acht gehabt, und 
er verhungert, und ſeinen Landesleuten die Warnung hinterlaſſen, ſich lieber der entfernten 
Gefahr zu Hauſe gehaͤngt zu werden, auszuſetzen, als uͤbers Meer hieher zu gehen. 

Ein ander Beyſpiel, wie gut ſie leben, ſaget er, war der Hauptmann ihrer Soldaten, 
der ſich bey Nacht aus dem Caſtell ſchlich, ſich an Bord einer Brigantine, die an der Kuͤſte 
war, zu machen, die aber zum Ungluͤcke gejagt, und den Tag darauf vom Weymouth 
aufgebracht ward. Der General verurtheilte den Fuͤhrer des Schiffs, in ſiebenzig Unzen 
nach dem gemeinen Rechte, außer noch einer Leibesſtrafe. 

Der General fühlte dieſen Mangel nicht; denn obgleich Vieh und Gevoͤgel theuer iſt, 
da niemand als er ſelbſt welches hat, ſo erſetzet er ſolches auf andere Art durch ihre eigenen 
Handelsſchiffe und Geſchenke von den Schiffshauptleuten und benachbarten Nationen. 
Zu Kräutern hat er einen kleinen Garten außerhalb des Caſtells, den erſt Herr Dalby 
Thomas angelegt, welcher vormals Statthalter daſelbſt geweſen. Derſelbe iſt voll dafi- 
ger und engliſcher Fruͤchte, und gehoͤret ihm allein zu. 

Er hat eine Konſa, wie die Negern eine Frau nennen, die nur auf eine Zeitlang ge- Des Star 
nommen wird, welche nicht verbunden iſt, das Vaterland zu verlaſſen, welches fie als eine halters 

Ppp 3 Sklave⸗ Kon. 


1721 
Atkins. 


Seine hoch⸗ 
muͤthige 
Auffuͤhrung. 


Whidaw. 


435 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


Sklaverey anſehen. Sie iſt eine Mulattinn von einem hollaͤndiſchen Soldaten zu el 
Mina 1), und er hat von ihr vier flachshaͤrigte Kinder von ſchoͤner Farbe. Ihre Anver- 
wandten und Freunde, welche Negern ſind, bringen ihm noch Vortheil und Macht zuwege, 
und er kann ihnen wieder bey den Pawns, die von der Beſatzung unrechtmaͤßiger Weiſe 
gemacht werden, Dienſte leiſten. Er hat ſie ausnehmend lieb, und beredet ſie dann und 
wann mit in ſeine Capelle zu gehen, welches ſie aber ohne Andacht thut, weil ſie feſt an 
den Negergewohnheiten bleibt. Rt 33 5 | 

Atkins beſorgte eines von ihren Kindern, welches krank war, und nachgehends den 
General ſelbſt, und fand ſolchen beydemal ſo ſchwach, oder ſo weiſe, daß er die Fetiſchen 
den Arzneymitteln vorzog, und ſolche am Halſe trug. Er warf ein Mann von gutem Ver⸗ 
ſtande, konnte aber doch die thoͤrichten Gewohnheiten, die aus unſerer Furcht entſpringen, 
nicht verbannen, welches zeiget, wie maͤchtig dieſelben in der Wahl oder Veraͤnderung von 
einer Religion ſind. \ | 

Er konnte dieſe Frau nicht bereden, ihr Land zu verlaffen, ob er ihr wohl die Auferzie⸗ 
hung aller ihrer Kinder abgeſchwatzt oder abgezwungen hatte; Sie gieng ſtets wie die Ne⸗ 
gern, barfuß und mit goldenen Ketten an den Achſeln, dem Leibe und Haare gefetisht. Sie woll⸗ 
te ſich durch dieſe Kleidung, und fremde Auffuͤhrung in England nicht zum Gelaͤchter machen. 

Außer daß dieſer General ein guͤtiger Ehemann und Vater iſt, fo dienet er der Geſell— 
ſchaft eifrig, und erhält ſich gegen den hollaͤndiſchen Statthalter zu el Mina im Anſehen. 
Herr Butler, der daſige hollaͤndiſche Generaldirector, hatte mit ihm oͤftere Streitigkeiten 
gehabt, bisweilen über ein angebliches übeles Bezeigen gegen feiner Konſa Anverwandte, 
mehrentheils aber uͤber den Handel. Gleichwohl verurſachet das Anſehen, welches er ſich in 
dieſem kleinen Staate erhalten muß, und das den Schwarzen gewoͤhnliche niedertraͤchtige 
Bezeigen gegen ihn, daß feine Aufführung gegen alle unter ihm hoffaͤrtig iſt. Er bleibt 
beftändig in feiner Feſtung mit feinen Leuten, wie ein Rieſe in einem bezauberten Schloſſe. 
Man ſieht ihn nicht öfter, als es die Noth erfordert, und wen er würdigt zur Mittagsmahl⸗ 
zeit zu laden, der muß wohl auf feiner Hut ſeyn, oder er wird die Mahlzeit verlieren; denn 
er erniedrigt ſich nie ſo weit, daß er nach einem frage, ob er wohl weis, daß ſonſt nirgends 
Speiſen zu finden find. Man hat letztens vorgeſchlagen, daß die Geſellſchaft irlaͤndiſche 
Rinder und Schweine einführen ſollte, da neunzehn und zwoͤlf Pfund für einen Akki koͤnn⸗ 
ten gegeben werden. Gleichwohl geſteht der Verfaſſer x), daß er die ſechs Wochen über, 
da er den Proceß der Seeraͤuber abgewartet, hier ſehr wohl tractirt worden. 

Den 26ſten des Brachmonats, giengen fie nach Annamaboe einem Hafen, der für 
die windwaͤrts kommenden Schiffe ſehr gut iſt. Den 28ſten, nach Mountford, den zoften 
nach Barkee, und alsdenn Schalloe, den ganzen Weg von Sierra Leona. Hier iſt zu 
merken, daß Holz leichte, und andere Schiffsnothwendigkeiten ſchwer zu erhalten ſind. 
Das band iſt zwar voll Holz, aber man kann ſolches nicht bekommen, weil kein ſchiffbarer 
Fluß iſt, und die Schwarzen nicht trauen; andere Dinge bekoͤmmt man nicht, weil ſich 
Kauffartheyſchiffe auf keinen ſolchen Handel verſehen. 

Wie ſie bey Akkra, dem Fluſſe Volta, und der Papau Kuͤſte vorbey waren: ſo an⸗ 
kerten fie zu Whidaw den aten des Heumonats. Die ganze Kuͤſte geht in einer geraden 
Linie, ohne Meerbuſen und Bayen, iſt dicke mit Baͤumen beſetzt, und überall ein ſtuͤrmi— 
ſches Ufer. Ehe 

u) In der Grundſchrift des Minas. x) Atkins Reiſe a. d. 89 und 258 S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 487 


Ehe fie Akkra erreichten, giengen fie bey einem hohen Berge vorbey, den einige, wie 1721 
dem Verfaſſer berichtet wurde, wie einen feuerſpeyenden Berg rauchen ſahen. Dieſerwe- Atkins. 
gen, und weil er voller wilden Thiere iſt, heißt man ihn den Teufelsberg. Das gefaͤhr⸗ 
lichſte aber fuͤr die Reiſenden iſt die erſtaunliche Menge Affen, einige von fuͤnf Fuß lang, 
und Meerkatzen, die einzelne Reiſende anfallen, und ſie ins Waſſer treiben, wofuͤr ſich dieſe 
Creaturen ſehr fuͤrchten ). 1 
Sie verließen Whidaw den 2often, und kamen den 28ſten am Prinzeneylande an, Prinzen: 
das den Portugieſen gehoͤrt. Bey ihrer Annaͤherung ſahen ſie taͤglich haͤufige Wallfiſche, eyland. 
Dreſcher und Petrel. Sie reinigten ihre Schiffe hier; weil fie aber alle dicht beyfammen 
ſteckten: fo begruben fie ſowohl wegen der Arbeit und Hitze, als auch wegen des unordent— 
lichen Lebens der Bootsknechte, täglich drey bis vier Mann, ſechs Wochen hintereinander. 

Ob fie gleich ſehr geſund ankamen, ſo verfielen die Seeleute doch bald in Ausſchweiſun⸗ 
gen, weil die Mittel dazu wohlfeil waren, die Zelte Gelegenheit gaben, und das Eyland 
Palmwein lieſerte; dieſes verurſachte ein boͤsartiges Fieber, welches ſie bald zu uͤberlegen 
noͤthigte, ob fie ohne Verſtaͤrkung aus England ſicher fortſegeln koͤnnten? Der Wep— 
mouth konnte ſeinen Anker gar nicht, und die Schwalbe mit Schwierigkeit, aufwinden. 

Der Verfaſſer aber hielt als Wundarzt fuͤrs beſte, auch in ſchlechten Umſtaͤnden fortzuge— 

hen; denn da fie von den Urſachen ihres Elendes, als Windſtille, Hitze und unordentlichem 

Leben, entfernet waͤren: ſo wuͤrde es ſich mit den Kranken entweder zur Beſſerung, oder 

zum Tode, aͤndern, und dieſes das Anſtecken der Krankheit aufhalten. Sie giengen alſo 

mit Beyſtande einiger Leute von einem hollaͤndiſchen Schiffe, das gleich einlief, unter Se— 

gel. Aus Mangel der Nothwendigkeiten verwandelte ſich das Fieber bey einigen in Durch- Großes 
faͤlle, und verfolgte fie alſo, obwohl nicht fo grauſam. Der Weymouth, welcher zwey⸗ Sterben. 
hundert und vierzig Mann aus England gebracht, hatte am Ende der Reiſe hundert und 

acht Todte in den Buͤchern. N | 

Das Prinzeneyland war der Geburtsort vom Africanus und Moulee, von dem fie 
dieſe traurige Erzaͤhlung machen: es habe dieſe ihres Herrn Gunſt gewonnen, ſie ſey aber 
vom Africanus genothzuͤchtigt worden; und als ſie nun ein Kind bekommen, das ſeinen 
wahren Vater verrathen: ſo haͤtte Africanus beyde, und nachgehends ſich ſelbſt, hinge— 
richtet, um der Strafe zu entgehen. a 

Sie verließen das Prinzeneyland den 20ſten des Herbſtmonats, und ankerten den 28ſten 
zu St. Thomas, etwan eine Seemeile vom Forte, welches an der Spitze linker Hand der St. Thomas: 
Bay liegt. Dieß iſt das vornehmſte von den dreyen portugieſiſchen Eylanden auf dieſer ehland. 
Kuͤſte. Schweine und Bögel find ungemein wohlfeil. N 

Es war ein Gluͤck für Herrn Kowry, Meiſter eines Schiffes von Briſtol 2), daß das 
Kriegsſchiff hereinkam; denn ſeine Leute hatten ihn zum Gefangenen gemacht, und handel— 
ten gleich wegen der Sklaven nach einem ſehr geringen Preiſe mit dem Statthalter, der 
keine Gelegenheit zu feinem Nutzen aus den Händen läßt. Rowrp, der durch feiner Leute 
Klagen bey ihm uͤbel war angeſchrieben worden, ward in der That nun von ihm gehoͤrt. 

Weil er aber nicht wußte, wie er Leute erhalten ſollte, feine Brigantine in dieſer Geſellſchaft 
fortzubringen: ſo war er genoͤthigt, ſie dem Statthalter, nebſt der Ladung fuͤr einen Preis, 
en 0 N wie 
„ Eebbendaſelbſt auf der 107 und 259 Seite. 
2) Ein Führer der Kauffahrdeyſchiffe wird Meiſter genannt. 


488 Reifen nach Guinea und Benin, 


1721 wie dieſem beliebte, zu laſſen, und gieng mit ihnen nach Cape Corſe, wo er auf Verlangen 
Atkins. ſeinen Abſchied mit dankbarem Erkennen des ihm gegebenen Unterhalts nahm, und mit der 
—— Rechnung nach Hauſe gieng. 

Sie kamen in funfzehn Tagen von dieſem Eylande wieder an die Goldkuͤſte, und als 
ſie ſolche wieder verließen: fo wandten fie ſich den sten des Weinmonats rechter Hand weft: 
waͤrts, in der Abſicht, ſo ſehr ſie koͤnnten, windwaͤrts zu gehen, damit, wenn ein Seeraͤuber 
an der Kuͤſte ſeyn ſollte, fie ſolchen unter dem Winde hätten. Den zoften gelangten fie an 
das Vorgebirge Apollonia, und ankerten den 2zſten zu Axim, nachdem fie in ihrer Fahrt 
einige Spruͤhregen gehabt, die, wie fie erfuhren, auf dem Lande heftige Guͤſſe geweſen wa— 
ren. Den ꝛaſten kamen fie an das Vorgebirge der dreyen Spitzen, wo fie unterließen, den 
Johann Conny für das Waſſer zu bezahlen, deswegen er, bis er Genugthuung erhalten, 
einige Leute pfaͤndete a). N 

Nachricht Den zoften reiſeten fie ab, und kamen den Tag darauf zu Cape Corſe an, wo fie er⸗ 
vom Roberts fuhren, daß die Seeraͤuber unter Roberts Anfuͤhrung die Schiffe die ganze Kuͤſte hinun— 
ter geplündert hätten, damals aber, wie man glaubte, fort waͤren, weil die letzte Nachricht 
von einem gepluͤnderten Schiffe im Auguſt eingelaufen. Wie ſie alſo ihre Rückkehr nicht 
befürchteten: fo theilten fie den Vorrath, der ihnen aus England hieher geſchickt worden, und 
verließen den Weymouth, welcher nun außer Stande war, feine Anker zu lichten, den 10ten 
des Wintermonats. Die Schwalbe gieng windwaͤrts, und wiederholte in einer Kreuz— 
fahrt von einem Monate ihre Beſuche zu Sukkonda, Dixcove, Akquedah, dem Bor 
gebirge der dreyen Spitzen, Axim, dem Vorgebirge Apollonia, Aßini, Baſſam, Ja⸗ 
que a Jaques, u. ſ. f. Ihre Abſicht war, die Handlung in Sicherheit zu ſetzen, einem 
Schiffe, worauf Krankheiten herrſchten, Veraͤnderung der Luft zu ſchaffen, überall Nach⸗ 
richten erhalten zu koͤnnen, und ihr Schiff durch Erkaufung von Sklaven, und Preſſen der 
Leute von Kauffahrdeyſchiffen zu bemannen. Viele kamen dieſem zuvor, indem ſie wegen 
uͤbeln Begegnens, wie ſie es nannten, und wegen genauer und ſchlechter Koſt, davon liefen. 
Wie aber mehrere unter eben dem Vorwande mit dem Seeraͤuber giengen: fo erhellet dar⸗ 
aus, daß die Bootsleute hierinnen bloß von ihrem Eigenſinne und Einfaͤllen regieret werden. 


und ber Meu⸗· Zu Sakkonda kielten und reinigten fie ihr Schiff, und erfuhren zu Dixcove durch 

terey an der den Carlton, daß die Soldaten, welche unter ihrer Bedeckung zum Dienſte der africani⸗ 

Gambra. ſchen Geſellſchaft an die Gambra gebracht worden, wider den Hauptmann Maſſey H, ei⸗ 

nen ihrer Officier, einen Aufſtand erregt, weil ſie uͤber das uͤbele Bezeugen der Kaufleute, 

welche ſie mit Eſſen verſorgen ſollten, misvergnuͤgt geworden, daß ſie die Stuͤcke vernagelt, 

und ſich auf das Schiff, das volle Glas genannt, begeben, welches ſie uͤbergebracht hatte, 

und von dar mit Einwilligung des Unterbootsmanns, Georg Lowther, und einiger 
Schiffleute, in See gegangen war. | 

Auf dem Vorgebirge Apollonia fanden fie keinen von ihren alten Bekannten mehr. 

Die Koͤniginn, welche drey oder vier Monate zuvor ein Daſchi von vier Akkis abgeſchickt 

hatte, war endlich mit ihren Leuten genoͤthigt worden, ſich nach Aßini zu machen. Ver⸗ 

Santis. muthlich hatten die Santis oder Aſſantis, welche hinter den Apollonianern liegen, da 

ſie durch dieſer ihr haͤufiges Berauben und Pfaͤnden aufgebracht worden, ſich herunter ge⸗ 

macht 

5) Atkins Reife auf der 138 und 259 Seite. che, 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch IV Cap. 489 


macht, und ſie aus ihren Wohnungen getrieben, ob ſie wohl ſagen, es ſey auf Anreizung des 
Johann Conny, ihres Nachbars und Miteiferers, geſchehen. Sie fanden ſie alſo zu 
Aßini mit Zubereitung zur Rache beſchaͤfftigt; fie kauften alle ihr Gewehr, das zu verhan— 
deln war, um guten Preis, und gaben einen Vogel fuͤr jeden Feuerſtein, den ſie entbehren 
konnten, weil dergleichen nicht im Lande zu finden find. Sie find fo beherzt, als einige an— 
dere von ihrer Farbe, ſowohl im Handel als im Kriege, und verſprachen ſich ein beſſeres 
Gluͤck, welches ſie auch, wie dem Verfaſſer berichtet worden, gegen Conny gehabt hatten. 


Auf dem Vorgebirge der dreyen Spitzen fanden ſie den Waſſerteich faſt vertrocknet, 
ob ſchon der Suͤdoſtwind zwey bis drey ſtarke Regenguͤſſe ohnlaͤngſt gebracht hatte. Als 
dieſe aufhoͤrten, folgten den Tag beſtaͤndig dicke Rebel, und, welches ſehr ungewöhnlich war, 
ſo hatten ſie in der Weite, da ſie vor Anker lagen, des Nachts Thau am Borde. Der 
Strom ſtrich weſtwaͤrts. N 

Den öten des Jenners ankerten fie zu el Mina, wo der holländifch - africanifchen Ge⸗ 
ſellſchaft vornehmſtes Fort iſt, und den Tag darauf zu Cape Corſo, welches fie den ıofen 
verließen, Seeraͤuber zu verfolgen; weil der Statthalter zweene bis drey Bothen bekommen 
hatte, daß ſelbige ein Schiff unweit Arim genommen haͤtten, wo ſie nur erſt hergekom⸗ 
men waren. | Ä | | | 

Roberts hatte durch den kuͤhnen Streich, den er im Auguſt gemacht, alle Handels: 
ſchiffe in Furcht geſetzt, und daher wurden die Kriegsſchiffe bey ihrer letzten Kreuzfahrt oft 
mit der Nachricht beunruhigt, daß ſelbige wiederum windwaͤrts waͤren, welches machte, 
daß fie hin- und herfuhren. Wie aber dieſen Nachrichten widerſprochen ward, und fie das 
unuͤberlegte Verfahren bey ihrem Unternehmen bedachten: ſo kehrten ſie nach ihrem Sammel⸗ 
platze in die Rheede von Cape Corſo zuruͤck. Sie waren kaum daſelbſt angekommen, als 
Herr Phips Nachricht erhalten, daß fie etliche Seemeilen davon ein Schiff genommen, und 
große Grauſamkeiten ausgeübt hätten. Die Seeraͤuber waren wohl mit Mannſchaft verſehen, 
hatten durch dieſe doppelte Unternehmung ihre Zahl ſtark vermehrt, und ſich Ruhm erwor— 
ben, daß die Seeleute ſich gern zu ihnen ſchlugen, oder ſolches doch oͤfter aus Furcht, als 
aus Abſcheu vor ihrem Verfahren, unterließen. | | 

Sie befchloffen alfo, ihnen nach Whidaw zu folgen, welches nach Cape Corſo der 
Hauptplatz, Beute zu machen, iſt. Sie kamen auch den ısten Jenner daſelbſt an, und er— 
fuhren, daß die Seeraͤuber eilf Schiffe gepluͤndert, und von ihnen Ranzion bekommen, 
auch den Ort nur vor zweenen Tagen verlaſſen, weil ſie Nachricht von der Verfolgung er— 
halten, daß ſie alſo dieſelben nur um vier und zwanzig Stunden verfehlet hatten. Den igten 
ſetzten fie die Verfolgung fort, und kamen den 29ſten vor das Prinzeneyland, wo die Por- 
tugieſen nichts von dieſen Zeitungen wußten. 


1721 
Atkins. 


> 


Verfolgen 
die Seeraͤu⸗ 
ber. 


Den ıften des Hornungs ankerten ſie an der Muͤndung des Fluſſes Gabone, wo fie dieſel⸗ 
ben nicht fanden, und den zten nach dem Vorgebirge Lopez abgiengen. Bey ihrer An- Finden und 
kunft entdeckten ſie daſelbſt gar bald die drey Raubſchiffe vor Anker in der Bay. Eines nehmen ſie 


von ihnen machte ſich gleich an fie, ward aber noch vor Nacht ihre Priſe. 
Den ıoten kamen fie wieder an das Vorgebirge, und trafen der Priſe Gefellen ganz 


ſicher in der Bay an, wo ſie ſich ſo lange aufhielten, daß ihre Verfolger zweifelten, ob ſie 
ihnen 


5) Siehe eine Nachricht davon oben auf der 26 Seite. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Qqq 


1721 


Atkins. 
— — 


ohne Ver⸗ 
luſt. 


bs Reifen nach Guinea und Benin, 


ihnen zu gefallen herausgehen würden. Endlich aber, als die Kriegsſchiffe vorruͤckten, gien⸗ 
gen ihnen die Augen auf; ſie kappten ganz toll und voller Furcht ihre Taue, und ſetzten ihre 
Segel aus; die ſchwarze Flagge ward aufgeſteckt, und ihre Herzhaftigkeit entfiel ihnen. 
Sie fochten alſo im Fliehen, da nur die Jagdſtuͤcke auf ſie ſpielen konnten, und gaben ſich 
ſogleich c), als ſie nur eine Lage bekommen hatten, ohne daß die Schwalbe den geringſten 
Schaden erhielt. Trunkenheit, Unbedachtſamkeit und Unordnung machten fie zu einer 
leichten Priſe. Den ı2ten des Hornungs ankerten fie in der Bay von dem Vorgebirge Lo— 
pez, wo ſie das dritte Raubſchiff bekamen, das von den Leuten war verlaſſen worden, damit 
fie ſich auf dem andern beſſer vertheidigen oder retten möchten. 

Gute Ordnung, ſaget der Verfaſſer, iſt ein vortreffliches Mittel zum Siege, und die 
Herzhaftigkeit lernet man, wie den Handel durch Lehrjahre, wenn man ſich genau an Re— 
geln und Uebung halt, Ob die Seeraͤuber gleich jeder für ſich beherzte Leute waren: fo 
hatten fie doch keine Ordnung, keinen Führer, ihre Kräfte zu vereinigen, und fie waren da= 
her ein veraͤchtlicher Feind, und genommen, ohne daß ſie jemanden getoͤdtet oder verwun⸗ 
det haͤtten. 

Sie fanden in den dreyen Schiffen etwa dreyhundert Englaͤnder, ſechzig oder ſiebenzig 
beherzte Negerſklaven, viel Waare, und was ihre Augen noch mehr an ſich zog, viel Gold— 
ſtaub, etwa acht bis zehntauſend Pfund. Das fleißige Nachſuchen, da die Officier ſelbſt 
Theil daran nahmen, machet dieſe Summe wahrſcheinlich, welche die Seeraͤuber noch ein— 
mal ſo groß ausgaben. Ueber alles dieß erhielt der Fuͤhrer zu Hauſe die Erklaͤrung, daß 
es ihm allein gehoͤre. 

Die Schiffleute, ihre Weiber und Witwen, welche ſich dadurch fuͤr beleidigt hielten, 
ſuchten bey den Lordscommiſſarien der Admiralitaͤt, den Secretarien und andern Staats— 
bedienten, um Wiederrufung dieſer Verguͤnſtigung an. Die Officier gaben auch eine 
Schrift ein, worinnen ſie bathen, daß alles dasjenige unter ihnen getheilt werden moͤchte, 
wovon ſie beweiſen koͤnnten, daß es die Summe uͤberſtiege, welche der Commandeur ange— 
geben hatte, als er um die Verordnung angeſucht, daß ihm alles moͤchte zugeſprochen 
werden: es war aber vergebens. f | 

Doch wir müffen wohl von diefer Ausſchweifung wieder zurück kommen. Die Menge 
der Gefangenen war ihnen auf einer ſechswoͤchentlichen Fahrt 4) ſehr beſchwerlich, in der 
Furcht, die Gefahr des Stranges moͤchte ſie zu einem verzweifelten Mittel, ihre Freyheit zu 
erhalten, antreiben. Als ſie aber wieder gluͤcklich zu Cape Corſo anlangten, welches den 
18ten des Hornungs geſchah: fo wurde ſelbigen der Proceß gemacht, und fie gehängt e) oder 
frey geſprochen. Die Regierung bewilligte einem Schreiber fuͤr ſechs und zwanzig Tage 
Arbeit dreyßig Schillinge und ſechs und zwanzig Pfennige den Tag, wovon zu Hauſe ein 
Drittel abgezogen wurde. Dem Profoß ſieben Schilling und ſechs Pfennige einen Tag, 
neun Pfund und funfzehn Schillinge. Der General auf der Kuͤſte ſpeiſte ſie, welches 
machte, daß aller Aufwand ſich nur auf dieſe beyden Stücke belief. 

Waͤhrend ihres Aufenthalts in der Rheede beſuchten ein oder ein Paar Officier den 
Herrn Butler, Generaldirector der Holländer zu St. George el Mina, drey Seemeilen 
windwaͤrts. Er empfing ſie deſto guͤtiger, weil er die achtzehn Jahre, da er ſich auf der 

| Kuͤſte 
4) Die Urſache der jaͤhlingen Uebergabe war Ro- 4) Sie hatten ein oder zwo Projeete zu ihrer 


. Tod, der mit Schrot in den Hals geſchoſſen Brefreyung gemacht. 
wurde. 


von Sierra Leona bis Loße Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 401 
Kuͤſte aufgehalten, felten, und zuletzt gar nicht, von feinen Landesleuten beſucht worden, wel⸗ 1721 
ches er den oͤftern Misverſtaͤndniſſen zwiſchen ihm und Herrn Phips zuſchrieb, die der Atkins. 
Handlung wegen entſtanden waren, daher fie ihm keine Höflichkeit erzeigen koͤnnen, ohne | 
den andern zu beleidigen. Seine Tafel hatte zehn Trachten, welche an einem Orte, wo als 
les ſo theuer war, ſehr viel hieß, nebſt vielerley Bier und Weine, und ſechs Negerſklaven zur 
Aufwartung, jeder mit einer goldenen Kette um den Hals. f 

Nach Tiſche gab er ihnen vier goldene Ringe, jedem einen, welche im Lande gemacht 
werden, ſich ſeiner bey dieſer Kleinigkeit zu erinnern, und wies ihnen alsdenn ſein großes 
und wohlverſehenes Waarenhaus. Nachmittage begaben ſie ſich in ein Sommerhaus im 
Garten, und den Abend begleiteten ſie ſeine Officier nach dem Boote, wo ihnen noch unver— 
diente Ehrenbezeigungen erwieſen wurden. Sie bekamen drey bis vier Packen braſiliſchen 
Zucker, und wurden beym Abſtoßen mit neun Stuͤcken begrüße. Aber im engliſchen Caſtelle 
ward ihnen nicht ſo gaſtfrey begegnet. 

Den ıften May im Jahre 1722 verließen fie Cape Corſe, (ich hoffe, ſaget Atkins, was 

mich betrifft, auf ewig) und kamen den zten nach Whidaw herunter. Hier nahmen ſie Verlaſſen 
einen Bootsmann aus einem portugieſiſchen Schiffe, der dabey geweſen war, als ſich die Cape Corſo. 
Leute des Hauptmanns Bowrps Schiff bemaͤchtigt hatten. In Ueberlegung feines Ver— 

brechens, und aus Furcht vor etwas aͤrgern, ſchnitt er ſich die Kehle ab. 

Um dieſe Zeit ward Atkins Zahlmeiſter auf dem Weymouth; weil alle diejenigen, 
welche ſonſt dazu getaugt haͤtten, todt waren. Er nahm es mit Widerwillen an, weil er 
ſich für ungeſchickt erkannte, und weder Kellner, Speiſemeiſter, noch die Nothwendigkeiten 
auf dem Schiffe waren, aber die Nachſicht, welche er von dem Commandeur verhoffte, 
nebſt einigen Vortheilen bey Verlaſſung der Wundarztſtelle waren die Bewegungsgruͤn⸗ 
de dazu. u 

Den sten fteuerten beyde Kriegsfchiffe von Whidaw nach dem Vorgebirge Lopez, Holz 
und Waſſer einzunehmen, und nach Weſtindien zu gehen, wo fie den 26ften anlangten. 

Dieß iſt eine fichere und angenehme Bay. Sie ankerten in zwanzig Faden, und hat- Vorgebirge 
ten das Vorgebirge Nordweſt gen Nord, den Waſſerplatz Süd gen Oſt, jedes anderthalbe Lope Gone 
Meile weit. Wie ſie einliefen, hatten ſie das Vorgebirge Suͤdweſt, die Bank, welche die ſalvo. 
meiſten Karten unter dem Namen Franzoſenbank zeigen, zu vermeiden, welches etwa 
anderthalbe Seemeile Nordnordoſt von dem Vorgebirge iſt. Einige ſagen, es gaͤbe noch 
andere Baͤnke zwiſchen ihr und dem Lande nordwaͤrts. Das Vorgebirge iſt niedrig und 
ſteil, aber voll Bäume, 

Auf dem Vorgebirge Lopez ſind die Leute nicht boshaft, und verkauft nie einer den an— 
dern. Sie ſind furchtſam, und wohnen deswegen etwas von der See ab, auch wagen ſich 
wenige auf ein Schiff, vermuthlich weil fie ſonſt von den Kaufleuten ſchon hintergangen 
worden. a 

Ihre Art, wenn fie zuſammen kommen, einander zu grüßen, iſt, daß fie die Hände Einwohner. 
zwey bis dreymal in einander ſchlagen. Gegen einen Obern, (einen Kaboſchir oder Aeltern) 
beugen ſie die Knie, heben zuvor die Haͤnde zum Aeußern ihrer Schultern oder Aerme, 
faffen alsdann den andern dreymal gelinde bey der Hand, ſchreyen jedesmal Chamba, fallen 

Q 4g 2 zuruͤck, 
e) Es wurden zwey und funfzig hingerichtet, Marſchalſea verurtheilt. Siehe die umſtaͤndliche 
zwanzig zur Dienſtbarkeit, und ſiebenzehn nach der Erzaͤhlung in Johnſons Geſchichte der Seeraͤuber. 


7 
5 


492 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


1722 zuruͤck, und ſchlagen ihre eigenen Haͤnde zuſammen. Eine außerordentliche Freundſchaft 
Atkins. zu erkennen zu geben, heben fie des andern Hand fo hoch auf, als fie koͤnnen. 

Viele haben von den Europaͤern erborgte Namen, und ſind vergnuͤgt, wenn man ſie 
an Kindes ſtatt annimmt, ihnen ein ſolches Andenken zu hinterlaſſen. Sie ſuchen darum 
nicht an, bis ſie nach verſchiedenen Unterredungen bemerkt haben, daß man etwas, das ſie 
bewundern, an ſich, oder eine eingebildete Sympathie oder Aehnlichkeit mit ihnen hat 7). 

Wie fie in Haufen zu handeln herunterkommen: fo hat jeder Haufen einen Führer, der 
ſich gern durch Nachahmung der europaͤiſchen Kleider unterſcheidet, und oft mit einem Hute, 
einer Paruͤcke und Beinkleidern ſo ſeltſam geputzt iſt, daß er funfzigmal laͤcherlicher aus⸗ 
ſieht, als ſeine nackten Unterthanen. ; 

Hauptmann Jacob war einer von dieſen, der den Titel eines Koͤnigs annahm, ohne zu wiſſen, was 

Jacob. ſolcher hieß, und an Bord der Schwalbe in einer ſehr luſtigen Geſtalt kam. Er hatte 
eine alte Bootsknechtsparuͤcke auf, das unterſte zu oberſt geſetzt, ein halb Paar Hoſen, Jacke, 
Hut u. ſ. f. ſchien aber gleichwohl von den andern viel Ehrfurcht zu genießen. Wenn er trank, 
ſo hielten allemal zweene ein Tuch vor ſein Geſicht, daß man ihn nicht ſehen konnte. Dieſe 
Gewohnheit ſcheint eine Art von Pracht in ſich zu haben, und von einem benachbarten Mo: 
narchen, vielleicht von dem von Monomotapa, erborgt zu ſeyn. 

Als Jacob und ſeine Geſellſchaft trunken wurde; denn ſie tranken nichts, als große 
Glaͤſer voll Brandtewein: ſo ward dieſe Ehrenbezeugung beyſeite geſetzt, und zu noch größerm 
Ungluͤcke ſahen der Prinz und ſeine Begleiter mit truͤben Augen alle ihre Huͤtten auf dem 
Lande in Flammen. i 

Es geht ih: Dieſes gieng fo zu, das Schiff hatte alle Flaggen, dem 2gften May zu Ehren, wehen 

nen ungluͤck⸗ und einige Stuͤcke losbrennen laſſen. Dieſes legte ein anderer Fuͤhrer auf dem Lande als 

lich. eine Ehrenbezeugung fuͤr den Jacob aus, bemaͤchtigte ſich aus Neide ſeines Hauſes, ſeiner 
Weiber und Daſchis, trank allen ſeinen Brandtewein aus, aß ſeine Lebensmittel auf, pruͤ— 
gelte feine Leute, und ſteckte feine beyden Haͤuſer an. Den Morgen darauf, als ſich das 
Geheimniß entdeckte, war aller Zorn vorbey, und ſie wieder gute Freunde. 

i Sie kennen das Feuergewehr ſehr wenig, weil ſie faſt keinen Handel haben. Ihr Ge— 
wehr find Spieße, Pfeile und Keulen; und wenn ein halb Daͤtzend auf einer Seite zu Bo— 
den geſchlagen worden ſind: ſo iſt es eine blutige Schlacht geweſen. 

Ein Faden Holz gilt ein alt guineiſch Hemde. Das Waſſer iſt frey, und leicht dazu 
eee aber es iſt ſtehend Waſſer, und ſchmecket daher nicht ſo gut, als von Quellen. 

ie kauften hier Wachs zu Lichtern, die nun ſehr ſelten waren, und es iſt der beſte Platz 
fuͤr Kriegesſchiffe, die das Land verlaſſen. | 

Den sten des Brachmonats verließen fie das Vorgebirge Lopez, und die Küfte, und 

Annabona. kamen ins Geſicht des Eylandes Annabona, mit gelinden Suͤdwinden und untermiſchten 
Windſtillen. Darauf kreuzten ſie drey oder vier Tage wegen der Schwalbe, die ſie in 
einem Nebel verlohren hatten, und ruͤckten alsdann weiter. 

. Brafilien. Den ıften des Heumonats erreichten fie das Vorgebirge St. Auguſtin in Brafilien, 

welches eine portugieſiſche Pflanzſtadt ift, und ankerten den ten in der Rheede von Per- 
nambuk, dem naͤchſten großen Handels hafen in dieſer Provinz nach Bahia. 
en 

P Atkins Reife auf der 192 und 263 Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch IV Cap. 493 


Den nꝛten verließen fie Braſilien, wie fie befunden hatten, daß die beftändigen Winde 1723 
heimwaͤrts weheten, und bier an Staͤrke zunahmen, auch gefährliche Wellen auf der Atkins. 
Rheede machten. | 4 

Den zten Auguſt anferten fie in Carlisle Bay zu Barbados, wo fie Rum und Lebens- Barbados. 
mittel einnahmen, und von da fie den gten abgiengen. 

Den 2zſten langten fie zu Portroyal in Jamaica an, wo die Schwalbe eine Woche Jamaica. 
zuvor angekommen war; aber den 28ſten trieb ein Sturm das genommene Raͤuberſchiff 
ans Land, riß alle ihre Maſten weg, und that andern Schaden; ſo daß fie hier ſechs Monate 
der Ausbeſſerung wegen bleiben mußten. 

Den 1 Jenner im Jahre 1723, wie beyde Schiffe ihre Maſten befeſtigt hatten, verließen fie 
Portroyal, und ankerten an den Kays. Den 7ten des Hornungs verließen fie die Kays, die 
Fahrt windwaͤrts zu thun, und liefen nach Portmorant in ſechs oder ſieben Tagen, wel: 
ches zwoͤlf Seemeilen betraͤgt, wo die Fahrt gewiſſer maßen gewonnen iſt, weil der Wind 
von Hiſpaniola das Waſſer ebenet, und den beſtaͤndigen Wind oft zum Vortheile in die 
Flaggen wendet. Sie hatten gleichwohl drey bis vier Tage Windſtille. Den ı7ten aber 
entdeckten fie das kleine Eyland Novaſia, wo die Jamaicaner Guanas tödten, 

Den ıgten liefen fie in Donna Maria Bay am Weſtende von Hiſpaniola ein, wel- Donna 
ches der Ort iſt, wo ſich beſonders die koͤniglichen Schiffe wegen Holz und Waſſer aufhal— Maria. 
ten. Sie fuͤllten ihre Gefaͤße in einem Thale, eine Seemeile ſuͤdwaͤrts von den beyden 
braunen Klippen, wo ſehr gut Waſſer iſt, ausgenommen wenn einige Winde die See uͤber 
die Barre treiben. Es ſind noch zweene andere Plaͤtze unweit dieſen Klippen, die nicht ſo 
leicht uͤberſchwemmt werden. Sie kauften hier einiges Schweinefleiſch von zweenen oder 
dreyen freundſchaftlichen Jaͤgern, die nach klein Guavas gehörten. 

Als ſie die Bay verließen, ſo trieb ſie ein ſtarker Suͤdwind bald zwiſchen das Vorge⸗ 
birge St. Nicolas und Maize, wo ſie in ſchwache Winde und einen ihnen vortheilhaften 
Strom kamen, den die alte Bahama⸗Meerenge und die daſigen Eylande machten. 

Den 26ſten unweit des Eylandes Heniago bekamen fie einen wahrhaften beſtaͤndigen 
Wind wieder, welcher Oft halb Nord war. Den 2gften ſahen fie die Klippen, welche man 
Schweineſtaͤlle heißt, die nach ihrer Bemerkung im ein und zwanzigſten Grade acht und 
dreyßig Minuten waren, etwas nordlicher, als in den Karten. Zu Mittage kamen ſie 
rund um Aklins Kaye, welche ſehr hoch aus dem Waſſer hervorragen, und erreichten noch 
vor Abende Crooked oder Welleyland. Das letzte, wovon ſie abgiengen, war Wat⸗ 
lins Kay, vier und zwanzig Grade Nord, da der beſtaͤndige Wind mit ihnen, bis in die 
Breite von zwey und dreyßig Graden, fortgieng, aber vom ſieben und zwanzigſten Grade 
an ſchwach und matt war, vielleicht weil er von dem veraͤnderlichen Winde ziemlich ge⸗ 
ſchwaͤcht wurde. 

Von ſechs und zwanzig bis fieben und dreyßig Grad Breite, fo weit nordlich, als Vir- Golfoge- 
ginien geht, fanden fie täglich häufiges Golfogeſtraͤuche um das Schiff herum ſchwim⸗ ſtraͤuche. 
men, welches ſich mit der Weite verminderte. Man nennet es ſo, weil man verſichert iſt, 
daß es von den Sandbaͤnken von Florida herkoͤmmt; es wird drey-bis vierhundert See⸗ 
meilen Nordoſt dem feſten Lande gegenuͤber gefunden. Dieſes erweiſt, daß ein Strom, 
obwohl unmerklich, fortgeht, oder laͤnger und ſtaͤrker nordwaͤrts, als ſuͤdwaͤrts, in dieſen 
Breiten ſtreicht. Im Gegentheile ſtreichen die Seen und hoͤhern nordlichen Breiten un⸗ 

Qqq 3 weit 


1723 
Atk ins. 


1725 
Marchais. 
— — 


494 ‚Reifen nach Guinea ünd Benin, 


weit des feften Landes ſuͤdwaͤrts, welches aus den Eisinſeln erhellet, die alle Sommer von 
Nordweſt laͤngſt der Kuͤſte von Newfoundland bis Neuengland treiben. 
Nordwaͤrts der Bermuden wurden die Winde veraͤnderlich, und immer ſtaͤrker. Sie 
hatten einen heftigen Wind Nordweſt im acht und ſechzigſten Grade, der fie nöthigte, vier⸗ 
zehn Tage lang ihr Fockeſegel einzunehmen; und die See gieng ſo hoch, daß ſie das Waſſer 
mit Tonnen aus dem Hintertheile ſchoͤpfen mußten. | 
Sie langten in England im April des Jahres 1723 an a). 


* * * * * * * X XK * N N KN XXXIX XN XXX NTX INM Ze Ze Ze 


Das V Kapitel. 
Eine Fahrt nach Guinea und den anliegenden Eylanden, 


im Jahre 1725. 
Durch den Ritter des Marchais. 
Jetzo zuerſt aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt. 


Einleitung. 
Ni Labat ſeine Nachricht von der weſtlichen Kuͤſte von Africa bekannt gemacht 


hatte: ſo fing er an, ſich zu Fortſetzung ſeines Unternehmens vorzubereiten, wie wir 
ſolches ſchon erwaͤhnt haben 5), Dieſerwegen hatte er verſchiedene Nachrichten 
der Portugiefen und Franzoſen, als einen reichen Vorrath zu feiner naͤchſtfolgenden Ab⸗ 
handlung geſammlet. Dieſelbe geht von Sierra Leona, wo die erſte ſich endigte, nach 
dem Vorgebirge Gabon und Coriſco, einem neuen Sitze der Portugieſen. Weil aber 
dieſe auch fo zahlreichen Materien fein Werk nicht vollſtaͤndig machten: fo war er im Des 
griffe, es liegen zu laſſen, als er mit dem Ritter des Marchais, einem großen Seefahrer, 
bekannt wurde, der verſchiedene Fahrten nach Africa und America gethan hatte, und gleich 
von einer Fahrt nach Guinea und Cayenne für die guineiſche Geſellſchaft zurück kam. 
Dieſe Reiſe, in welcher der Verfaſſer die in den vorigen gemachten Anmerkungen ver- 
beffert und vermehret hatte, liefert uns Labat in vier Octavbaͤnden c), und bat fie ver 
muthlich mit den vorhin geſammleten Materien vermehret. 


Der Ritter des Marchais hat alles, was er geſehen, genau berichtet, und war befte 
beſſer dazu geſchickt, da er viel Verſtand und Neugier beſaß, gut zeichnete, die Geometrie 
gut, und die Schiffkunſt vortrefflich verſtund. Und, was vielleicht noch wichtiger iſt: ſo 
ſprach er die meiften von den zahlreichen Sprachen auf dieſen Kuͤſten. Dieſer beſondere 
Vortheil machte ihn geſchickt, die Wahrheit zu erforſchen, und Entdeckungen zu machen, 
welche diejenigen, die ſtets einen Dollmetſcher haben muͤſſen, zu erhalten unfaͤhig ſind. 


Dabey 
4) Atkins Reiſe a. d. 199 u. f. S. und umſtaͤndlichen Beſchreibung dieſer Länder, und 
4) Siehe II Band die 247 S. dem daſigen Handel. Nebſt einer großen Menge 


c) Reiſe des Ritters des Marchais nach Gul⸗ Landkarten und Kupfer. Durch P. Labat vom 
nea, den anliegenden Inſeln und Cayenne, in den Predigerorden. Amſterdam auf Unkoſten der Ge⸗ 
Jahren 1725, 1726, und 1727, mit einer genauen ſellſchaft 


von Sierra Leona bis Lope Gonfalvo. VII Buch V Cap. 495 
Dabey erwarb er ſich dadurch, und durch ſein einnehmendes Bezeigen die Bekanntſchaft der 1725 
Könige und Großen, ſowohl als ihre Hochachtung, daß es ihm nie an etwas, was er ver⸗Marchais . 
langte, fehlte. i 

Wie der Haupthandel der Franzoſen auf dieſe Kuͤſten zu Whidaw iſt H, ſo hat ſich 
der Verfaſſer ſorgfaͤltiger bemüht, dieſe kleine Herrſchaft und ihre Einwohner, derſelben 
Sitten, Gewohnheiten, Regierung, Geſetze und Religion, zu beſchreiben. Er hat ſolches 
ſehr richtig gethan, ſo daß andern wenig zuzuſetzen uͤbrig bleibt. Er war zu Whidaw, 
kurz zuvor, ehe es die Dahumahs zerſtoͤrten. Labat erwaͤhnet dieſen Vorfall in feiner 
Vorrede, aber der Hauptmann Snellgrave, deſſen Reiſe folget, hat ihn ausfuͤhr— 
lich erzaͤhlt. | | 

Da das Werk meiſt aus Beſchreibungen von dem Lande und den Einwohnern beſteht, fo 
laͤßt es ſich nicht viel abkuͤrzen. Die vier Bände (von denen die zwey erften zu Guinea, 
und die letzten zu Cayenne gehoͤren), find voll Kupfer; und Karten. Die Karten find 
vom Herrn Danville, einen von des Koͤnigs Geographis, entworfen, deſſen Arbeit ſehr 
vortrefflich iſt, die Kupfer ſind nach Zeichnungen, die der Ritter auf dem Platze gemacht 
hat, geſtochen, und in einem feinen Geſchmacke ausgearbeitet. Soviel lernen wir aus 
Labats Vorrede; und da wir jetzo nur die Reiſe nach Guinea liefern wollen, ſo werden 
wir dem Leſer nur den Inhalt der erſten beyden Baͤnde vorlegen, und die andern der Ab⸗ 
handlung von America vorbehalten. Ä 

Der erſte Band hat zwölf Capitel: 1) Des Verfaſſers Abreife von Havre de Grace, 
Beſchreibung dieſes Hafens, und das Port Orient, auf der ıften Seite; 2) von Port Louis, 
und Port Orient, nebſt der gewöhnlichen Ladung zum Guineahandel, auf der 21ſten Seite; 
3) den Inſeln Madera und Puerto Santo, Abweichung der Nadel, dem Koͤnigreiche Bure, 
auf der zoſten Seite; 4) Weg von Sierra Leona nach dem Vorgebirge Monte, Beſchreibung 
des Landes, auf der 66ſten Seite; 5) das Vorgebirge Monte und daſiger Handel auf der 
gıften Seite; 6) das Vorgebirge Meſurado, auf der 9zſten Seite; 7) Entwurf zu einem 
Sitze daſelbſt auf der noten Seite; 8) Weg nach dem Vorgebirge Palmas, und das Land 
bis an das Vorgebirge der dreyen Spitzen, auf der ıs7ften Seite; 10) Goldkuͤſten, Der, 
ſchreibung des Landes bis el Mina, auf der ıgoften Seite; 1) von dem Schloffe del Mina; 
Geſchichte des daſigen Sitzes, auf der 238ſten Seite; 12) Sitten und Gewohnheiten der Des 
wohner der Goldkuͤſte, auf der 277ſten Seite. f 

Der zweyte Theil hat zwoͤlf Capitel: Y) Der Fluß Volta; alte und neue Graͤnzen des Koͤ⸗ 
nigreichs Ardres (oder Ardra) auf der iſten Seite; 2) vom Koͤnigreiche Juda (oder Whidaw); 
deſſen Lage, Groͤße, Boden, auf der gten Seite ;3) Barre von Juda, Flecken Gregwa, franzoͤſiſche 
und engliſche Forts, auf der 23zſten Seite; 4) Stadt Javier, oder Sabi, auf der 3öften Seite; 
5) Koͤnige von Juda. Ihre Auferziehung, Kroͤnung, Geſchaͤffte, Begraͤbniß, Einkuͤnfte, auf 
der 4ıften Seite; 6) Handel von Juda, auf der 8zſten Seite; Neutralitaͤtsvergleich unter 
den vier Nationen, welche nach Juda handeln, auf der 88ſten Seite; 7) Religion, auf der 
127 ſten Seite; 8) Gewohnheiten, auf der 161ſten Seite; 9) von den Malayen, auf der 218ten 

Seite; 
ſellſchaft 1731. Der erſte Band enthält 335 Sei⸗ A) In der Grundſchrift Juda, wie es die Frans 
ten, außer der Vorrede von 32 Seiten; der zweyte zoſen nennen, der wahre Name aber iſt, wie uns 


292; der dritte 330; und der vierte 392 Seiten; berichtet worden, Sid, So verderben die Europaͤer 
außer dem Regiſter uͤber alle vier Baͤnde. fremde Namen. 


1725 


Eie fegeln 
von Havre 
de Graee. 


Eyland 
Uſchant. 


496 Reiſen nach Guinea und Benin, 
Seite; 10) Das Königreich Ardres (oder Ardra auf der 236ften Seite; 11) Streit zwiſchen 


Marchais. den Franzoſen und Hollaͤndern, auf der 267ſten Seite; 12) Geſandtſchaft vom Könige von Ar⸗ 


dres nach Frankreich, auf der 274 ſten Seite. Wir koͤnnen hiezu die erſten Capitel des drit⸗ 
ten Bandes ſetzen, naͤmlich die Reiſe von Juda nach dem Prinzeneylande, nebſt der Be⸗ 
ſchreibung davon, und von den Eylanden St. Thomas und Annabon. 

Kupfer im erſten Bande. 1) Guineiſche Kuͤſte. 2) Ausſicht von Uſchant, Portoſanto und 
den Salvages. 3) Ausſicht von dem grünen Vorgebirge und der Rheede von Goree. 
4) Ein Seegeſchoͤpſe: Dorado. 5) Waflerhofen, Beccaſſes oder Seehuͤhner. 6) Waſ⸗ 
ſerhoſen, Seeteufel, eine Art vom Ray. 7) Ausſicht von dem Vorgebirge Monte. 8) Das 
Vorgebirge Meſurado, und die Einfahrt in den Fluß. 9) Negerhaͤuſer am Vorgebirge. 10) 
Außerordentliche Fiſche am Vorgebirge. 11) Einfahrt in den Fluß Seſtos. 12) Ausſicht 
von dem Fluſſe Seſtos. 13) Das Vorgebirge Apollonia. Die drey Forts von Akara, und 
Ausſicht von Juda. 14) Forts von St. George del Mina und Cape Corſe. 


Im zweyten Theil: 1) Karte von Guinea, von Iſſini nach Ardra. 2) Karte von 
Juda. 3) Ausſicht von Juda. 4) Mondfiſch. 5) Europaͤer Forts zu Juda. 6) Facto⸗ 
reyen zu Kavier. 7) Krönung des Königs von Juda. 8) Beſtrafung eines Ehebruchs 
daſelbſt. 9) Des Koͤnigs von Juda Liebling. Sein Grabmaal. 10) Agoye, der Rath⸗ 
gott. u) Proceffion nach der großen Schlange, bey Krönung der Könige von Juda. 
12) Kleidung und Waffen der Negern. 13) Erbſen von Juda. | 


Die Seefahrt. 
| Inhalt. 

Sie ſegeln von Havre de Grace. Eyland Uſchant. oder Coaſt, Rheede. Rio Volta. Rheede von 
Grovais Eyland, Waaren, welche nach Guinea Whidaw. Liſt der Schwarzen, Waaren zu ſteh⸗ 
gehen. Porto Santo. Die Salvages. Das gruͤ⸗ len. Wie man ſolcher zuvorkoͤmmt. Die Hand⸗ 
ne Vorgebirge. Goree. Merkwuͤrdige Waſſer⸗ lung hier wird unterbrochen. Sie verlaſſen Whi⸗ 
hoſe. Das Vorgebirge Monte; Vorgebirge Me- daw. Prinzeneiland. Dahingehoͤrige Nachrich⸗ 


ſurado. Vorgebirge Palmas. Groß Drewin. ten. Das Schiff wird laͤck. Man beſſert es, und 
Vorgebirge Tres Puntas. Vorgebirge Corſe ſie ſegeln nach Cayenne. 


Der Ritter des Marchais fegelte von Havre de Grace, in der Fregatte die Unter⸗ 
nehmung, Sonntags den öten Auguſt im Jahre 1724 ab, mußte aber auf der Rhee⸗ 
de verſchiedene ſeiner Bootsleute erwarten, die ihren im Voraus ausgezahlten Monat, auf 
dem Lande durchbrachten. Den sten war das Volk beyſammen, und er ſegelte ab. Den 
loten traf er ſieben Schiffe von der Kuͤſte der Normandie an, von denen zwey die Haupt⸗ 
maſten verlohren hatten. Den ızten kam er innerhalb zwoer Seemeilen von Uiſchant, wo 
ſie ſich wandten, die Klippen um dieſe Inſel zu vermeiden. 

Uſchant hat nur drey Seemeilen im Umkreiſe, und verſchiedene kleine Inſeln um ſich 
herum, von denen jede ihren beſondern Namen fuͤhret, ob fie wohl zuſammen von der Haupt⸗ 
inſel genennt werden. Sie liegen an der weſtlichſten Spitze von Bretagne. Die Schiffe, 
welche nach Breſt, Portlouis, oder andern ſuͤdlichen Plaͤtzen beſtimmt find, gehen ordent⸗ 
lich zuerſt dahin, ihres Weges ſicher zu ſeyn, und die gefährlichen Klippen an der Kuͤſte zu 
vermeiden. Ob dieſe Inſel gleich ſehr wohl bewohnt iſt: ſo hat ſie doch nur wenige kleine 

Flecken, 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch V Cap. 497 


Flecken, und ein altes Caſtell, wohin ſich die Einwohner machen, wenn fie ſich nicht ſtark 1725 
genug gegen ihre Feinde finden. Es find vornehmlich Fiſcher, die ſich mit ihren Barken Merchais. 
in einen .. Hafen oder Meerbuſen machen, dahin keine ſchwerere Schiffe einlaufen 
koͤnnen e). a 

Den ıöten ſegelten fie bey Glenan und Pemark vorbey, und ſteuerten von dleſen ge⸗ 
fährlichen Inſeln ab. Donnerſtags den 7ten Auguſt ankerten fie eine Seemeile weit von 
dem Eylande Gro vais in einem ſehr dicken Nebel. 

Grovais iſt eine kleine Inſel, dem Munde des Blavet gegen über. Es iſt daſelbſt Grovaicep⸗ 
in einer gewiſſen Weite gut zu ankern; denn es iſt faſt mit Klippen ringsherum umgeben, land. 
dadurch die Einwohner beſchirmt werden. Es iſt hier eine gute Fiſcherey nach Congers 
oder Seralen, von denen viele ausgefuͤhrt werden. Den Tag darauf liefen ſie in Port⸗ 
louis ein. 

Die Unternehmung hatte hier nichts zu thun, als ihre Taue auszuladen, und ſolche 
Waaren dagegen einzunehmen, wofuͤr fuͤnf hundert Sklaven in Guinea ſollten gekauft 
werden. Es waren ſolches folgende: 


Kowris oder Bujis = 2 „ „ = =: = *V20, oo Pf. Gewichte. Waaren 
hamburgiſche Platillas = = = = = 13500 Stucke. nach Guines 
weiße Guineas, jede von dreyßig Ellen = = = = 100 

blaue Baftas 7 5 7 = = = = s = = = = 50 

weiße Salamporis, von vierzehn oder funfzehn Ellen jedes 250 

großbluͤhmichte Calicoss = = = = = 10 

Doug = >» a = „ „„ „ „„ 2.25: 90 

inne = u 0.8 ñòvꝙv 49 

Tapſals . ee > 5 

Feuergewehr oder Slintn = = = = = = = = 200 

kupferne oder metallne Beden = = = = » = = 600 Pfund. 

Dülmen are a ee OR 

Eifenftangen RE ee ee 

Korallen 2 2 2 2 4 2 = z 2 — 2 s 2 50 

hollaͤndiſche Pfeifen von den beiten fünf Buͤchſen -= 350 


Nebſt etwas Glaswaare von allerley Farben. 
Außer dieſem laͤuft man keine Gefahr, wenn man gleich mehr Guͤter einnimmt, weil man 
um Gold, Elfenbein und grauen Ambra handeln kann. Man kann auch feine Hüte, Zinn: 
waare, Seiden, Muſſeline, feine Calicos, Kryſtallen, Kleinigkeiten, abgezogene Waſſer und 
Wein von allerley Arten, auch Zucker ſchicken. Die Schwarzen, welche den Europaͤern 
ſehr gern nachahmen, wollen mit allen dieſen Sachen verſehen ſeyn, und die Europaͤer, die 
ſich in den daſigen Gegenden niedergelaſſen, nehmen auch viel ab. | 
Bujis, die den erſten Artikel der Guinea Ladung ausmachen, find kleine weiße Mu- Kowris oder 
ſcheln, die man an den Maldiveneylanden fiſchet. Auf der Küfte von Guinea heißt man Bujis, 
fie Kowris. Es find ihrer zwo Arten große und kleine. Die letztern werden am hoͤch⸗ 
ſten geſchaͤtzt. Wende gelten als Scheidemuͤnze in einem großen Theile von Africa ſuͤd— 
a waͤrts 
e) Warchais Reiſe erſter Band auf der 13 und folgenden Seite. 


Allgem. Reifebefchr. III Band. Krr 


498 Reiſen nach Guinea und Benin, 


17a wärts der Sanaga, ſowohl als in einigen Theilen von Oſtindien. Man wird anderswo 
Marchais. zeigen, wie fie im Handel gehen. Seitdem die Holländer im Beſitze von Ceylon find, 
haben fie dieſe Handlung faſt allein / = i 
Contrebrode. Contrebrode ift eine Art von Glaskuͤgelchen von verſchiedener Größe, welche zu Bes 
nedig gemacht werden. Man heißt ſie ſo, weil ſie auf einen weißen oder ſchwarzen Boden, 
mit den entgegengeſetzten Farben geſtreift ſind. Die Schwarzen binden ſie um ihrer Kin⸗ 
der Leib, bis felbige ein gewiſſes Alter erreichen. 
Hamburgiſche Platillas find eine Art Leinenzeug, welche daſelbſt und anderswo in 
Deutſchland gemacht wird, aber weit unter den brittaniſchen iſt. 
Catune. Guineas, Salamporis, Baftas, Goras, Douettas, Tapſals, und andere Leinen⸗ 
zeuge He aus Oſtindien, alle von Catun, weiß, blau, oder ftreificht, von mancherley Länge 
und Breite. | 


Becken. Alles Kupfer oder Metall, welches nach Africa geht, beſteht in Becken von ſechs oder 
acht Pfund. 125 

Brandtes Die Negern find große Liebhaber und Kenner des Brandteweins. Man darf ihnen 

wein. keinen Rum für guten Franzbrandtewein verkaufen, der in kleinen Faͤßchen, welche Anker 

„bheiißen, jedes von etwa ſechs Gallonen ausgeführt wird. Ob gleich in dieſen kleinen Gefaͤßen 


mehr auf die Gefaͤße geht, fo erſetzet doch die Bequemlichkeit des Fortſchaffens dieſen Verluſt. 
Das Pulver iſt vornehmlich ſolches, welches zum kleinen Gewehre gehoͤrt. Die Schwar⸗ 
zen als durchgehends gute Schuͤtzen verthun viel davon. 
Man ſuchet in Guinea nicht foviel Eiſen, als an der Sanaga, weil in dieſem letzten 
Lande die Schwarzen fich ihr Hausgeräthe, als Spaten, Haken, Angeln, u. ſ. f. ſelbſt ma⸗ 
chen, und darinnen ſehr geſchickt find. In Guinea kaufen fie es lieber von den Englaͤndern 
und Holländern ſchon fertig. Die Stangen, welche in Guinea verkauft werden, find kuͤrzer 
als die man an die Sanaga und Gambra ſendet; ſie haben nur ſieben Fuß Laͤnge, zwey 
Zoll Breite, und ein Vierthel Zoll Dicke. | 
Hollaͤndiſche Obwohl die Schwarzen ſelbſt Pfeifen machen, ſo haben ſie doch die hollaͤndiſchen ſehr 
Pfeifen. gern. Aber fie muͤſſen von der beften Art ſeyn. Sie haben von den Europaͤern gelernt, 
das Fremde hochzuſchaͤtzen, und das Ihrige zu verachten. 
Korallen und Glaskuͤgelchen brauchen ſie als Armzierrathen, Halsbaͤnder, u. d. g. und 
fragen beſtaͤndig darnach. f 
Der Ritter des Marchais ſegelte nach eingenommener Ladung von Port Orient, 
Montags den 24ſten des Herbſtmonats im Jahre 1724 ab, um vier Uhr des Morgens. 
Er hatte ein Schiff der Geſellſchaft, nach der Sanaga, den Protheus, zu bedecken. Die 
Schiffe, welche nach Guinea beſtimmt ſind, lenken ſich ordentlich nach Madera, welches ſie 
linker Hand laſſen, um nach dem Vorgebirge Monte zu feuern. Die, welche nach der Sa⸗ 
naga oder Gorea gehen, ſteuren nach Teneriffa, welches fie oftwärts laſſen. Dieß iſt eine 
von den Canarien, die im Jahre 1405, von einem normaniſchen Edelmanne, Bethancourt, 
entdeckt, und zum Theile erobert worden 3). 
Porto Santo. Den ıgten des Herbſtmonats mit Anbruche des Tages, entdeckten fie die Inſel Porto⸗ 
ſanto, Suͤdſüͤdoſt acht oder neun Seemeilen weit, von der der Verfaſſer zwo Ausſichten 
zeichnete. 
7) Marchais auf der 19 und folgenden Seite. Entdeckung und Eroberung, die er ſehr merkwuͤrdig 
2) Asbat verſpricht die Geſchichte von dieſer nennt, anderswo zu geben. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch V Cap. 499 


zeichnete. Sie liefen zwifchen dieſem Eylande und Madera, welches man für den gefaͤhrlichſten 1725 
Ort des ganzen Weges hält, weil ſich daſelbſt ordentlich die faleeifchen Raubſchiffe aufhalten. Marchals. 

Den zıften befanden ſich die beyden Schiffe unweit der Salvages, welches zwo kleine Die Sal- 
wuͤſte Inſeln Suͤdſuͤdoſt von Madera find. Der Boden iſt unfruchtbar, und vermurb- vages. 8 
lich haben die Portugieſen zu Madera, und die Spanier in den Canarien, aus dieſem 
Grunde ſie den Canarienvoͤgeln uͤberlaſſen, die ſich daſelbſt gewaltig mehren Y. g 

Den 24ften gieng der Protheus, der nun nichts mehr von den Saleern zu fürchten hatte, 
in ſechs und zwanzig Grad funfzehn Minuten Breite, von der Unternehmung ab, die 
nach dem Vorgebirge Monte lief. Eben den Tag fand der Ritter, daß die Nadel neun 
Grad nach Nordweſt abwich. In ihrem Laufe von den Canarien hatten ſie haͤufige Bonet⸗ 
tas gefangen. Dieſe Fiſche ſind in den Seen achtzig oder hundert Seemeilen rund um 
die Canarien und Madera in Menge. | | 

Den 28ſten machte der Verfaſſer zwo Beobachtungen von der Abweichung, eine des 
Morgens beym Aufgange, die andere des Abends beym Niedergange der Sonne. Dat 
erſtemal fand er ſieben Grad Nordweſt, und das anderemal fuͤnf Grad, einen Unterſchied 
von zweenen Graden in einem Tage. 1 

Den zten des Weinmonats waren ſie in funfzehn Graden dreyßig Minuten Breite, und 
entdeckten die Spitze der Barbarey. Wie der Ritter in Bedeckung des Protheus viel 
Zeit verlohren hatte: ſo mußte er ſich nach Goree lenken, Holz und Waſſer einzunehmen. 
Dieſer Verzug war der Geſellſchaft ſehr nachtheilig, da der Hauptmann dadurch die rechte 
Zeit, von Guinea nach America zu ſegeln, verlohr. | 

Den aten entdeckten fie die Spitze von Almadia, zweene und eine halbe Seemeile von Das grüne 
dem gruͤnen Vorgebirge, und um ſechſe des Morgens ankerten ſie unweit der Forts von Vorgebirge. 
Goree in dreyzehn Faden. Labat ſchilt auf die Nachlaͤßigkeit der Geſellſchaft, daß fie Gore. 
dieſe Inſel nicht mit Baͤumen bepflanzet, und mit Waſſer verſieht, welches von dem feſten 
Lande dahin muß geholt werden. Man koͤnnte auf dem Berge St. Michael Quellen gra⸗ 
ben, oder Ciſternen machen. | 

Er fegelte den rzten des Weinmonats von Boree ab, und fand denſelben Tag die Ab» 
weichung vier Grad Nordweſt. Den 25ſten fing er einen ſeltſamen Fiſch, den niemand 
vom Volke kannte. ö | 

Den Tag darauf fing er in der Breite von Sierra Leona, zehn Seemeilen vom Lande, 
eine Fledermaus, fo groß als eine Henne ). 4 

Den 2ten des Wintermonats um zwey Uhr acht und zwanzig Minuten zwey und funf⸗ Mondfin⸗ 
zig Secunden, nach Mitternacht, hatten fie eine Mondfinſterniß, welche zwo Stunden ſterniß. 
dreyßig Minuten zwoͤlf Secunden dauerte. Die Abweichung der Nadel, welche den 29ſten 
des Weinmonats vier Grad Nordweſt, und den dreyßigſten zwey Grad geweſen, ward den 
sten des Wintermonats ſechs Grad. Hieraus erhellet, wie noͤthig dieſe Bemerkung, be⸗ 
ſonders in einer Entfernung vom Lande, und wo Stroͤme und Sandbaͤnke ſind, iſt. Den gten 
in ſieben Grad ſechs und dreyßig Minuten, nordlicher Breite, fand er ſie wieder ſechs Grad. 
Den ızten um vier Uhr des Nachmittags, ſah er zwo außerordentliche Waſſerhoſen, welche 
wohl eine Beſchreibung verdienen. 

| Rrr 2 Die 


5) Warchais erſter Band auf der 27 und 1) Marchais an oben angefuͤhrtem Orte auf 
folgenden Seite, g der 34 Seite. 


1725 


Marchais. 


Seltſamer 
Fiſch. 


Vorgebirge 
Monte. 

Vorgebirge 
Meſurado. 


Vorgebirge 
Palmas. 


500 N Reiſen nach Guinea und Benin, 


Die groͤßte gieng aus einer dicken, ſchwarzen und hohen Wolke. Sie war gekruͤmmt, 
obgleich kein Wind nicht wehte, und machte die See auf hundert Schritte rund herum 
wallen. Eine andere gieng aus dem Obertheile eben dieſer Wolke in eine andere nicht ſo 
dicke und dunkele Wolke, als die erſte, aber viel tiefer. Dieſes dauerte etliche Minuten, 
worauf aus der letzten Wolke eine Waſſerhoſe in die See gieng, auf etwa zweyhundert 
Toiſen weit, die das Meer wie die vorige erregte. Beyde Hoſen hingen anderthalbe Stunde 
in der Luft voll Waſſer, riſſen endlich, und gaben einen ſo heftigen Regen, daß ſie das Ver— 
deck mit Schoͤpfgefaͤßen vom Waſſer befreyen mußten. Das Schiff war nur eine halbe 
Seemeile davon, und waͤre ohne Huͤlfe verlohren geweſen, wo eine unweit demſelben geborſten 
wäre, Es waren Vorbothen von Windſtillen und beſtaͤndigen Regen, die den aten des 
Monats nach der Mondfinſterniß folgten, und das Volk ſehr krank machten. i 

Sie fingen hier viel Dorados, welche zur Erfriſchung der Leute und Erſparung ihres 
Vorraths dienten. Den 21ſten fanden fie die Abweichung fieben Grad. Dieß war in 
ſechs Graden neun und dreyßig Minuten Norderbreite. Denſelben Tag fingen ſie einen 
ſeltſamen Fiſch, den der Ritter einen Seehahn hieß. Den 29ſten war er Rio das Gallinas 
in acht Seemeilen Entfernung gegen uͤber, wo ſie einen andern ſeltſamen Fiſch fingen, den 
Marchais einen Seeochſen oder Hornfiſch hieß. 

Nachdem ſie viel Stuͤrme, Windſtillen, Regen, und Blitze ausgeſtanden, langten ſie 
den ten des Chriſtmonats des Abends auf dem Vorgebirge Monte Y an. ö 

Man rechnet von da acht Seemeilen nach dem Vorgebirge Meſurado. Die Kuͤſte iſt 
ſicher, und den ganzen Weg hin gut zu ankern. Man kann alſo bey widrigem Winde oder 
Windſtille uͤberall liegen bleiben, und die Landwinde erwarten, welche ordentlich alle Naͤchte 
vom Ufer wehen. Der Ritter hatte bey dieſer kurzen Fahrt alle ſeine Geduld noͤthig; denn 
fie koſtete ihm ſechs Tage, ob man fie wohl oft in ſechs Stunden zurück leget, fo, daß er 
den gten des Chriſtmonats im Jahre 1724 erſt das Vorgebirge Meſurado erreichte, und 
eine halbe Meile davon, in leimichtem Boden von Schieferfarbe, mit Grieß und zerbroch— 
nen Muſchelſchalen vermengt, ankerte. 

Sobald dieß geſchehen, kam ein Canoe, zu fragen, wer er wäre. Seine Ankunft ver⸗ 
urſachte unter dieſen Leuten eine große Freude, weil ſie ihn lange gekannt, und viel Liebe fuͤr 
ihn hatten. Der Hauptmann Peter, der Koͤnig, ſchickte ſeinen vornehmſten Marbuten, ihn 
zu bewillkommen und ans Land zu laden, wo der Koͤnig ihn den Tag darauf empfing, ihm 
außerordentliche Guͤtigkeit bezeigte, und mit Beſtimmung des Preiſes ſogleich Befehl er— 
theilte, daß ſie Waſſer, Holz, und was fuͤr Lebensmittel ihnen fehlten, als Ochſen, Schafe, 
Ziegen und Huͤhnervieh, welches alles hier ſehr wohlfeil war, an Bord führen follten 2). 

Der Ritter ſegelte von dem Vorgebirge Meſurado den 18ten des Chriſtmonats ab, und 
verließ den Hauptmann Peter ſehr geneigt, einen Sitz da anlegen zu laſſen. 

Den 23ſten fand er ſich dem Palmenvorgebirge gegenüber, welches feinen Namen von 
den haͤufigen Palmenbaͤumen darauf erhaͤlt. Es liegt im vierten Grade zehn Minuten 
nordlicher Breite. Die Kuͤſte von dar nach dem Vorgebirge der dreyen Spitzen, iſt un— 
ter dem Namen der Zahn- oder Elfenbeinkuͤſte bekannt. Die Hollaͤnder nennen fie 
Tandkuͤſte m). 

Den 


*) WVarchais, 1 Band, auf der Sound folgenden 7) Ebendaſ. a. d. 35 u. f. S. 
Seite. m) Ebendaſ. a. d. 131 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch V Cap. For 


Den 256ſten war er bey dem großen Drewin. Die Windſtillen, Ströme und widri⸗ 1725 
gen Winde hatten fie fo zurück gebracht, daß er ſich entſchloß, in dreyßig Faden zu ankern, Warchais, 
um den Weg nicht zu verliehren, den er von dem Vorgebirge Meſurado zuruͤck gelegt hatte, S 
Ein engliſches Kriegsſchiff, welches am Lande lag, gab ihm fein Ungluͤck durch Zeichen zu Drewin. 
verſtehen, und ſandte gleich ſein Boot zu ihm, ihm zu berichten, daß der Hauptmann in To⸗ 
desgefahr, und niemand zu helfen vorhanden fey. Der Ritter ſchickte feinen Wundarzt mit 
zurück, nebſt dienlichen Huͤlfsmitteln, und befuchte den Kranken auf den Abend ſelbſt, der durch 
Hülfe feiner guten Natur in wenig Tagen wieder geſund ward. Er beſchenkte den Ritter 
mit einem jungen Schwarzen, wofür ihm dieſer feine Vogelflinte wieder ſchenkte ). 

Den zten Jenner im Jahre 1725 befand ſich der Ritter in der Höhe von dem Vorge⸗ Vorgebirge 
birge der dreyen Spitzen, nach verdruͤßlichen Windſtillen und widrigen Winden. Er an⸗ der dreyen 
kerte hier in fünf und zwanzig Faden, leimichtem Boden, drey Seemeilen vom Ufer. Den Syitzen. 
sten war er la Mina gegen uͤber, wo er aus keiner andern Urſache ankerte, als feinen zwey⸗ 
ten Hauptmann, einen unwiſſenden eingebildeten Officier, zu überzeugen, daß dieſes wirklich 
der Ort ſey: nachdem ſolches geſchehen, lichtete er, und kam in Cape Corſe in der Rheede zu 
ankern, wo er vier Schiffe liegen fand 6). 8 E 

Hier ſchickte er ſeinen Unterhauptmann mit ſeinem Complimente an den Statthalter, der Cape Corſo 
ihn erſuchte, ans Land zu kommen. Aber der Ritter entſchuldigte ſich, daß er nur da läge, Rheede. 
auf guten Wind zu warten, worauf ihm der Statthalter fuͤr die Huͤlfe, die er vorerwaͤhntem 
engliſchen Schiffe ertheilte, ſchriftlich dankte, und ein Geſchenk von Huͤhnervieh, Enten 
und anderm Gevögel, mit Früchten und Wurzeln ſandte. N N 

Den ten ſetzte er feine bis hieher verdruͤßliche Reiſe fort, da er zwiſchen Goree und 
Whidaw pP) nicht weniger als vier und zwanzig mal geankert hatte. | 

Wie der Ritter im Jahre 1704 als Major eines Geſchwaders von vier Kriegsſchiffen, 
welches die Aßientogeſellſchaft unter der Anfuͤhrung des Herrn Doublet, eines erfahrnen 
Officiers, nach Guinea geſchickt, zu Akra, wo das daͤniſche Fort iſt, landete: ſo ward er mit 
Loͤſung des Geſchuͤtzes, wie Herr Doublet, auf eben die Art, am Borde empfangen. Der 
Ritter gab vor, wie er ans Land gieng, er wolle nur Erfriſchungen kaufen; in der That aber 
hatte er die Abſicht, die Umſtaͤnde zu unterſuchen, ob man die engliſchen und hollaͤndiſchen 
Forts durch Ueberfallung einnehmen koͤnnte, welches er aber nicht thulich befand. Doch 
handelte er innerhalb vier Tagen mit dem daͤniſchen Statthalter um fuͤnfhundert Sklaven, 
und der Statthalter ſchickte ihnen einen großen Vorrath von Lebensmitteln umſonſt 7). 

Den gten erreichte der Ritter die Höhe von Rio Volta, zehn Seemeilen von Akra, und Rheede von 
ankerte den ııten in der Rheede von Whidaw, wo er das Schiff der Geſellſchaft, den Eben⸗ Whidaw. 
theurer, antraf, welcher alsbald die Flagge an ſeinem großen Maſte einnahm, weil dem Ritter 
als älteftem Hauptmanne das Commando gehörte, Er gruͤßte das Fort mit eilf Schuͤſſen, 
und bekam ſolche wieder. 

Es iſt hier vielleicht nicht unnuͤtz, zu erinnern, daß die Schiffe ein Fort allezeit erſt, 
nachdem ſie geankert, gruͤßen; ein anderes Schiff hingegen, oder auch diejenigen, welche 
vor Anker liegen, begrüßen fie, wenn fie noch unter Segel find, Alle Begruͤßungen zwi— 
ſchen Schiffen mit Rufen oder Schuͤſſen, geſchehen nach ungeraden Zahlen; das letztere ge— 

N | er 3 | ſchieht 
1) Ebendaſ a. d. 164 S. pP) Im Originale durchgehends, Juda. 
o) Ebendaſ. a. d. 227 und 263 S. 7) Warchais, 1 Band, a. d. 268 und 275 S. 


1502 | Reiſen nach Guinea und Benin, 
1725 ſchieht durch den Ruf: lange lebe der König 5), welches von ihnen fo öfters geſchieht, 

Warchais als fie das Schiff, das fie grüßen, zu ehren gedenken. Die Galeeren grüßen allezeit un⸗ 
gerade, und ihr Ruf iſt Hou, welches nach Beſchaffengeit der Perſonen, die ſie gruͤßen, 
allemal gerade wiederholt wird 5). 

Lit der Tra Der Ritter, welcher aus langer Erfahrung der Schwarzen Argliſt und Neigung zum 

ger, Stehlen kannte, und eine große Menge Waaren nach Eavier 1) zu ſenden hatte, befahl fie: 
ben von ſeinen Leuten, ſolche zu bedecken, und die Traͤger keinen Augenblick aus dem Ge⸗ 
ſichte zu laſſen. Man gehorchte ihm genau. Die Bedeckung hatte ſchon über die drey 
Fluͤſſe geſetzt, wie fie die drey Aerme vom Fluſſe Jaquin am Zollhauſe, wo ſie uͤberſetzen, 
nennen, ohne daß die Schwarzen Gelegenheit finden koͤnnen, etwas wegzubringen. End⸗ 
lich fingen ihrer zweene einen Zank mit einander an, legten ihre Buͤrden nieder, und ſchlugen 
ſich. Andere nahmen Theil daran, und die Weißen, als ſie der Unordnung ein Ende ma⸗ 
chen wollten, wurden von den Schwarzen umgeben, und gebethen, mit ihrem Anſehen Blut⸗ 
vergießen zu verhüten. Die Franzoſen, welche den Streich nicht merkten, as ſich große 
Muͤhe, die Sache beyzulegen, daruͤber eine Stunde hingieng. 


die Guͤter zu Mittlerweile hatten die Träger, welche bey den Faͤſſern mit Bujis geſtanden, ihre und 

beftehlen. ihrer Geſellen Packete aufgemacht, und kamen wieder zu den übrigen. Mit ihrer Ruͤck⸗ 
kunft endigte ſich der Streit. Ein jeder nahm ſeine Laſt, und fie ſetzten ihren Weg fort, 
als ob nichts vorgefallen waͤre. Da die Traͤger ihre Waaren in die Magazine abgegeben, 
verſchwanden ſie. Als die Weißen das Vorgegangene dem Generaldirector und dem Rit⸗ 
ter Marchais berichteten: ſo kamen dieſe auf die Vermuthung, daß der Zank eine ange⸗ 
ſtellte gift geweſen, und fanden, daß verſchiedene Faͤſſer mit Bujis waren geöffnet, und viele 
davon weggenommen worden. Man beklagte ſich beym Hauptmanne Aſiu, aber zu ſpaͤt: 
denn die Traͤger waren mit der Beute fort, daß der Verluſt alle auf den Ritter fiel, weil 
die Geſellſchaft, die Officier ſorgfaͤltiger zu machen, oder aus Eigennutze fie noͤthiget, für al⸗ 
les, was an Brandtewein oder an den Faͤſſern von Bujis und Kowris fehlet, zu ſtehen. 


Wie man Sie wuͤrden vielleicht nicht ſo ſtrenge ſeyn, wenn ſie wuͤßten, wie unmoͤglich es iſt, die 

ſolches ver⸗ Schwarzen vom Stehlen abzuhalten. Vergebens hat man die Waaren in doppelten Ge⸗ 

meidet. faͤßen verſichern wollen. Die Engländer haben ihre Faͤſſer mit eiſernen Haken zuſammen 
befeſtigt, daß eines ohne das andere nicht konnte bewegt werden, aber dadurch den Verluſt 
nur vergroͤßert; denn die Schwarzen warfen die Canoes an ihnen bekannten Orten um, und 
fifchten fie bey Nachte wieder auf. Das ſicherſte iſt, allezeit Weiße in den Canoes zu ha⸗ 
ben, welche die Güter ans Land führen, und eine zulaͤngliche Menge Seeleute zur Beglei⸗ 
tung mitzuſchicken. Wenn die Schwarzen einen falſchen Zank anfangen: ſo muͤſſen dieſe 
fie ſelbſten laſſen ausfechten, und mittlerweile ſcharf auf die Waaren Acht haben x). 


Unterbre⸗ Wie der Krieg zwiſchen den Koͤnigen von Whidaw und Ardra x) ſehr hitzig war: fo 
chung des hatte ſolcher zu Ardra alle Handlung dergeſtalt unterbrochen, daß man keine Sklaven be⸗ 
Handels. kommen konnte, weil der Koͤnig von Ardra, durch deſſen Länder fie mußten, alle Wege ver⸗ 


ſchloſſen hatte. Daher bekam der Ritter in vier Monaten, da er auf der Rheede lag, nur 
hundert 


r) Die Franzoſen ſagen Vive le Roi; die Englaͤn⸗ 1) Sabee, Sabi oder Sabbi, die Hauptſtadt von 
der thun es durch ein Huzza. Whidaw, Juda oder Fida. 
9) Marchais, 2 Band, a. d. 1 und 17 u. f. S. ) Marchais, a Band, a. d. 1 und ru. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch V Cap. 503 


hundert und acht und dreyßig Sklaven, von denen er drey und zwanzig am Borde eines franzo⸗- 1725 

ſiſchen Interlopers fand, den er fuͤr die Compagnie nahm, und confiſcirte. Marchais. 
Er ſegelte von der Rheede von Whidaw den sten May nach Prinzeneiland, in Ab: Er verlaͤßt 

ſicht, Waſſer, Holz und Lebensmittel zur Reiſe nach Cayenne einzunehmen, wo er feine Whidaw. 

Sklaven abgeben ſollte. Dieſes iſt zu Whidaw nicht zu haben, die Leute ſehen die Waͤlder 

als heilig an, und laffen kein Holz hauen. Ihr Waſſer iſt auch ſalzig, und ihre Lebensmit⸗ 

tel ſind ſelten und theuer. © 

Erfriſchungen bedeutet alle friſche Speiſen, die am Borde des Schiffs koͤnnen erhals 
ten werden, als Schweine, Schafe, Ziegen, Huͤhnervieh, tuͤrkiſche Haͤhne und Enten. 
Man findet dieß im Ueberfluſſe in dem Prinzeneylande, St. Thomas und Annabona. 
Auch ſind ſie voll Citronen, Orangen, Bananas, und andere Fruͤchte, ſuͤßer Sachen, und 
noch nicht feingemachten Zucker; denn die Einwohner, welche Portugieſen, Mulatten und 
Schwarze ſind, haben noch nicht gelernt, den Zucker ſo weiß und vollkommen zu machen, 
als in den americaniſchen Inſeln, Madera und den Canarien. . 

Die Winde und Ströme waren fo widrig, daß der Ritter des Marchais zwanzig Prinzen⸗ 
Tage auf der Reiſe nach dem Prinzeneylande zubrachte, wo er den 29ſten May im Jahre epland. 
1725 ankam. Als er hier fein Boot mit einem Officier ans Land nach einem Piloten ges 
ſchickt hatte: ſo behielt der Statthalter den Officier zur Geiſel, aus Furcht, das Schiff 
moͤchte ein Seeraͤuber ſeyn, dem nur ein Pilote fehlte, eine Landung zu thun. An einem 
Orte, der wie dieſer, oft durch irrende Ritter beſucht wird, iſt eine ſolche Vorſicht noͤthig. 

Weil der Wind fehlte, und die Ströme Nordweſt trieben: fo kam der gte des Brachmonats 
heran, ehe ſie in den Hafen von dem Platze, wo ſie ankerten, kommen konnten, ob es gleich 
nur drey Seemeilen war, und ihnen ein portugieſiſcher Pilot half. 

Der Verfaſſer warnet alle Schiffe, die von Whidaw hieher kommen, wo moͤglich, Nachrichten 
ſich an die Nordſeite der Inſel zu machen, fo, daß fie unweit eines kleinen Eylandes, aber für ſolche. 
von außen herum, und nicht zwiſchen durch, ſegeln, weil in ſelbiger Meerenge Klippen unter 
dem Waſſer ſind, die fuͤr ein großes Schiff nicht Waſſer genug haben, obwohl Barken mit der 
Fluth daruͤber gehen. Man kennt dieſe kleine Inſel leicht; ſie ſieht wie eine runde ſpitzige 
Klippe aus ). Wenn man bey ihr vorbey iſt: fo halte man ſich dicht ans Ufer, und ſe⸗ . 
gele laͤngſt demſelben hin, in den Hafen, welcher Mordoft liegt, zu kommen: denn wenn man 
nach Suͤd oder Weſt koͤmmt, findet man uͤberall Stroͤme, die auswaͤrts nach der See 
treiben, große Muͤhe machen, und oft verurſachen, daß man den Hafen verliehrt 2). Ä 

Der Ritter hatte ſehr noͤthig, in einen Hafen einzulaufen, weil fein Schiff während des Sein Schiff 
langen Aufenthalts in der Rheede von Whidaw ſehr von Wuͤrmern beſchaͤdigt worden. iſt laͤck. 

An der linken Seite ſchoͤpfte es an verſchiedenen Orten Waſſer, und ein Loch war ſo groß, 
daß es geſunken waͤre, wo ſie es hier nicht verſtopft haͤtten. Man merkte ſolches nicht ſo 
ſehr, weil ſie noch vor Anker lagen: aber als ſie ſich in die See wandten, und das Schiff 
anfing, die Gewalt der Segel einigermaßen zu fuͤhlen: ſo ſahen ſie, was fuͤr Gefahr ſie ge⸗ 

laufen waͤren, wo ſie ein Sturm betroffen. 5 
es 


&) Durch den König von Ardra muͤſſen wir den ) Siehe die Karte. Barbots Ausſicht und Bes 
Koͤnig von Dahome oder Dahomay verſtehen, der ſchreibung von Guinea a. d. 395 S. ſaget, es ſey eine 
damals im Beſitze von Ardra war, wie aus den bey⸗ Durchfahrt dazwiſchen. 
den folgenden Erzaͤhlungen erhellen wird. 2) Warchais, 3 Band, 1.2. 25 U. f. S. 


504 Reifen nach Guinea und Benin 
725 Des Verfaſſers erſte Sorge war, das Schiff zu durchſuchen, um dieſe Luͤcken zu ver⸗ 
Atkins. ſtopfen, da indeß ſeine Officier die Erfriſchungen und Lebensmittel einnahmen. Er fand 
Wird ausge⸗ zu, St. Antonio zwey engliſche Schiffe, die ihm zum Umlegen feines Schiffes ſehr behuͤlf⸗ 
beſſert. lich waren, und ſtatt ſeines kranken Zimmermanns ihren liehen. So ſtehen einander zur 
See die verſchiedenen Voͤlkerſchaften ohne Betrachtung einiges Unterſchieds bey. 

Er mußte hier einige Tage laͤnger, als er Willens war, bleiben, weil ſein Bootsmann 
und zwey Leute, wie er vermuthete, mit Einſtimmung der Portugieſen, davon liefen. Dier 
ſen fehlten damals Leute zu ihren Handels barken; und da fie dieſe willig fanden: fo verheel⸗ 
ten fie ſelbige, bis zu des Ritters Abreiſe. Der portugieſiſche Statthalter ftellte ſich, als 
ob er große Muͤhe anwendete, ſie zu finden; man ſah aber die Heucheley leicht ein. Statt 
ihrer nahm der Ritter fuͤnf Franzoſen und einen Kajuͤtenjungen, welche vermuthlich zu dem 
an dieſer Kuͤſte geſcheiterten Seeraͤuber gehoͤrt hatten. Er hatte auch das Gluͤck, einen 
franzoͤſiſchen Interloper mit viertauſend einhundert Cruſados zu nehmen, die ihm die Unko⸗ 
ſten, welche er in dieſem Hafen gehabt, erſetzten. Er blieb hier acht Tage, und ſegelte nach 

Cayenne a) in America, wo er den Ben Auguſt im Jahre 1725 ankam. 


* * * * * * 4K * * K * * „ * * * * „ * * * K * * * * * * * * K 4K 


Das VI Capitel. 
s Eine Reiſe nach Guineg “, im Jahre 1726. 


Smith. Durch Wilhelm Smith, 

Ingenieur der Föniglich = africanifhen Geſellſchaft. 
| ee Einleitung. 1565 | N 
5 ieſe Reife, welche im Jahre 1745, oder vielmehr am Ende des Jahres 1744, gedruckt 
iſt, enthalt zweyhundert und ſechs und ſiebenzig Seiten, ohne die Vorrede von zwoen 
2 Seiten, und das Regiſter von acht Seiten. Sie beſteht aus einer aneinander 
haͤngenden Erzählung, ohne Abtheilungen in Capitel und Artikel. Der Herausgeber er⸗ 
theilt keine Nachricht von dem Verfaſſer und Manuſeripte, als daß das letztere in einer ge⸗ 
wiſſen Buͤcherſammlung beybehalten, und aus ſelbiger herausgegeben worden. 3 
Obwohl in der Vorrede dem Leſer viel verfprochen wird: ſo findet man doch bey der 
Unterſuchung, daß es mehr aus einigen unvollkommenen Nachrichten, welche Herr Smith 
hinterlaſſen hat, geſammlet, und aus andern ergaͤnzt, als von ihm ſelbſt wirklich unter dieſer 
Geſtalt aufgeſetzt worden iſt. Man braͤuchet hiezu keine deutlichere Probe, als daß die Ge⸗ 
5 in braͤuche 
) Ebendaſelbſt a. d. 33 u. f. S. Einwohnern merkwuͤrdig iſt. Nebſt einer Nach⸗ 
5) Der Titel heißt: Neue Reiſe nach Guinea, richt von den Thieren, Mineralien, und einer groſ⸗ 
mit Beſchreibung der Gewohnheiten und Sitten, fen Mannigfaltigkeit erzoͤtzender Vorfaͤlle, die merk⸗ 
des Bodens, der Landart, Kleidung, Bauart, Auf: würdig find, und ſich Zeit des Verfaſſers Aufent⸗ 
erziehung, Kuͤnſte, Ackerbau, Handlung, Beſchaͤff⸗ halts in dieſem großen Lande zugetragen. Mit Ku⸗ 
tigungen, dem Standesunterſchiede, der Wohnun⸗ pfern, nach Zeichnungen, die nach dem Leben gemacht 
gen, Ergoͤtzungen, Heirathen, und was unter den worden, und einem alphabethiſchen Regiſter. — — 

| | Wilbe 


N 
VERF 0L G DER 


Us TE VON GUINEA 
n dem V. we Palma bis an das N 
der e n Spitzen 
Hahrer entworfen 
von . Bellum 2. Marıne. 
174 

lib von Bis ochlchen sad Englilchen PER 

Ei ee: 25 25 30 


or Mi 


— 


*Vorgeb. Palma 


24 20 


Vorgeb. 1er 
Dreyen „pitzen 8 


De von von dem mn Eylande Ferro 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch VI Cap. 505 


braͤuche der Goldkuͤſte, und die ganze Nachricht von Benin, aus dem Boſman, vielleicht 
ohne die geringſte Veränderung, genommen find, Die Beſchreibung der engliſchen Forts 
und Handelsplaͤtze iſt ſehr ſchlecht, ausgenommen, was er vom Cape Corſe erzaͤhlet. Die 
Naturgeſchichte iſt gleichfalls, bis auf etliche wenige Artikel, kurz, und dem Ruhme, der in 
der Vorrede davon gemacht worden, gar nicht gemaͤß. 

Die Abſicht von Herrn Smiths Reiſe war, Plane und Zeichnungen von allen engli⸗ 
ſchen Forts und Handelsplaͤtzen in Guinea zu machen c). Er that dieſes ſehr fleißig, und 
gab ſelbige bey ſeiner Ruͤckkehr in dreyßig Folioplatten heraus, welche Zeichnungen er oft 
in feinem Tagebuche erwaͤhnet. Der Herausgeber aber ſcheint dieſer Sache ganz unwif- 
ſend geweſen zu ſeyn, ob er wohl die Abſicht von Herrn Smiths Reiſe gedenket. Es 
wuͤrde ein angenehmer und nuͤtzlicher Zierrath fuͤr dieſes Buch geweſen ſeyn, wenn man die 
Zeichnungen ins Kleine gebracht haͤtte, an ſtatt deſſen der Leſer vier bis fuͤnf Platten, jede 
mit ſechs kleinen, dem Vorgeben der Vorrede ungeachtet, elende gezeichneten Figuren von 
Voͤgeln und Thieren antrifft. 

Gegen das Ende der Vorrede findet man eine Nachricht von Guinea, welche einer, 
Namens Wheeler, ſoll gegeben haben. Sie vergleicht die Gewohnheiten dieſes Landes 
mit den engliſchen. Sie iſt als ein Geſpraͤch zwiſchen dieſem Herrn und ſeiner ſchwarzen 
Liebſte abgefaßt, und ſcheint mehr eine Erfindung, als wirklich gehalten zu ſeyn. 

In dieſer Geſtalt hat ſich bey genauerer Unterſuchung die neue Reiſe nach Guinea uns 
gezeigt. Doch enthaͤlt das Buch verſchiedene nuͤtzliche Anmerkungen, und giebt zu unſerm 
Auszuge ſehr gute Materialien. 

Weil wir unſere Sammlung mit den merkwuͤrdigſten unter Herrn Smiths Zeichnun⸗ 
gen auszieren wollen: ſo ergreifen wir dieſe Gelegenheit, ihr Verzeichniß zu liefern. 


1 Platte. Der Titel, ein Elephant, und das Caſtell. 


2 Die Kuͤſte von Guinea, von dem Vorgebirge Mount Jaquin. 
3 = » Der Fluß Gambra. 
4 = = Güdmeftausficht vom Jacobseylande in der Gambra. 
5 Grundriß vom Jacobseplande und dem Fort. 5 
6 = = Karte des Fluſſes Sierra Leona, und der Kuͤſte von dar nach Scherbero. 
7 = »PNordweſtausſicht vom Benſeeylande im Fluſſe Sierra Leona. 
8 = = Das Benſeepland. 
9 = = Karte vom Fluſſe Scherbro. 
10 = = Giüdausficht vom Dixcove⸗Fort. 
11 „Grundriß deſſelben. 
12 = = Güdmeftausfiche von den engliſchen und hollaͤndiſchen Forts zu Sekondi. 
13 = s Grundriß des engliſchen Forts zu Sekondi. 


Wilbelm Smith, Rittern, welcher von der koͤnig⸗ Zeichnungen von Guinea durch Wilhelm Smith, 

lich⸗africaniſchen Geſellſchaft verordnet worden, ihre Ingenieur der koͤnigl.africaniſchen Geſellſchaft. Uns 

Handelsplaͤtze abzuzeichnen, Entdeckungen zu ma⸗ ter jedem Kupfer befindet ſich eine kurze Beſchreibung 

chen u. ſ. f. London, bey Johann Nourſe, der Ca: von dem vorgeſtellten Platze, welches eben dieſelbe 

tharinenſtraße im Strande gegen über 1745. mit wenigen Zuſaͤtzen iſt, die man in der neuen Reiſe 
c) Das Werk iſt betitelt: Dreyßig verſchiedene nach Guinea antrifft. 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Ss s 


1726 


Smith. 
— — 


5 Reeiſen nach Guinea und Benin, 
1726 14 Platte. Suͤdweſtausſicht des engliſchen und hollaͤndiſchen Forts zu Kommenda. 


Smith. 15 = Grundriß des engliſchen Forts zu Rommenda. 
—— 6 Ausſicht von der Cape Coaſt⸗Rheede, von el Mina, St. Jago, Phips⸗ 


Thurm, Cape Coaſt⸗Caſtell, und Fort Royal. 


7 „Oſtliche Ausſicht vom Cape Coaſt⸗Caſtelle. 

18 = »Nordweſtliche Ausſicht. 

19 Grundriß deſſelben. 

20 Karte von den vornehmſten Gängen in den Gärten. 

21 Suͤdausſicht vom Fort Tantum query. 

22 = Grundriß deſſelben. | 

23 „Suͤdweſtausſicht vom Winneba⸗Fort. 

24 Grundriß deſſelben. 

25 fNordausſicht von den engliſchen und hollaͤndiſchen Forts zu Akra. 
26 = = Ausſicht von der See vom Jacobsfort zu Akra. 

27 „Grundriß deſſelben. 

28 Suͤdweſtausſicht vom Williamsfort zu Whidaw. 

29 Grundriß deſſelben. 

30 Grundriß von der See in Prinzenhaven, welcher den Portugieſen gehoͤrt. 


Der I Abſchnitt. 


Abſicht der Reiſe. Ankunft zu Jacobsfort. See⸗ Sprache. Engliſche Factorey. Sie verlaſſen 
raͤuberſchaluppe; welche ein Factor genommen. die Gambra. Fuͤrchten ſich vor den Seeraͤu⸗ 
Es iſt ſchwer, den Plan zu nehmen. Luſtiger bern. Sierra Leona. Schoͤnes Land. Benſe⸗ 
Vorfall mit den Schwarzen. Der Verfaſſer Inſel. Roberts, der Seeraͤuber, nimmt das 
wird uͤberfallen. Beſuch beym Koͤnige von Bar⸗ engliſche Fort weg. Fluß Sierra Leona. Taſſo⸗ 
rah. Freundſchaft der Schwarzen. Irrthum Eyland. Abzeichnung des Fluſſes. 
wegen der Gambra. Religion der Einwohner. | 


Abſicht der Als die koͤniglich⸗africaniſche Geſellſchaft von ihren Handelsplaͤtzen an der Kuͤſte von Gui⸗ 

Reife, nes eine genaue Zeichnung haben wollte: fo befchloß fie im Jahre 1726, einen dazu 
geſchickten Mann dahin zu fenden, und gab darauf dem Herrn Smith nach angeſtellter Prü- 
fung ſeine Verhaltungsbefehle, nebſt Vollmacht: „Genaue Plane, Zeichnungen und Aus⸗ 
„ſichten von allen ihren Forts und Oertern, wo fie ſich niedergelaſſen, zu verfertigen, wie 
„auch von allen den vornehmſten Fluͤſſen, Hafen und andern Handelsplaͤtzen laͤngſt der afri— 
„ caniſchen Kuͤſte, von der Gambra bis Whidaw 4. 

Mit dieſer Vollmacht vom Aßiſtentenrathe gieng Herr Smith, Sonnabends den 
2often Auguſt, an Bord der Schaluppe Bonetta, unter dem Hauptmanne Livingſtone, der 
zu Graveſand lag, in Geſellſchaft mit dem Ritter Walter Charles, Statthalter von Sierra 
Leona. Den 22ften Auguſt ſegelten fie mit gutem Winde durch die Duͤnen, und erreich— 
ten den 25ften die Schwanzſpitze (Startpoint), von da fie ihren Weg weiter fort nahmen. 
Sie hatten viele Tage Nordoſtwinde und ſchoͤn Wetter, bis ſie in den wahrhaftig beſtaͤndi⸗ 
gen Wind Nordoſt kamen, mit dem fie den raten des Herbſtmonats durch den Wendezir⸗ 
kel ſegelten. Sie ſahen hier verſchiedene weiße Voͤgel, mit einer einzigen langen Feder in 

| den 
d) Siehe den Abbruck der Vollmacht a. d. 23 Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 507 
den Schwaͤnzen. Sie fliegen ſehr hoch, und heißen bey den Seeleuten Voͤgel des Wende⸗ 1726 
kreiſes, weil man fie nur im hitzigen Erdſtriche zwiſchen den Wendekreiſen ſieht. Smith. 

Den 22ften des Herbſtmonats erreichten fie Land auf ſechs Seemeilen von ihnen, mel- Nate u 

5 . 7 7 € R 4 zu 
ches ein niedriges ſandiges Ufer etwas Nordoſt vom grünen Vorgebirge war, welches fie St. Jacobs⸗ 
vier Stunden darauf vollkommen entdeckten. Herr Smith machte eine Zeichnung davon, fort. ö 
als den Anfang ſeines Dienſtes bey der Geſellſchaft. Den Tag darauf kamen ſie rund um 
das Vorgebirge ins Geſichte von Goree, einer franzoͤſiſchen Factorey, und liefen den 25ſten 
in die Gambra bey Jacobseyland zu ankern. 

Den naͤchſten Tag landeten ſie, und wurden nach dem Schloſſe gefuͤhret, wo ſie den Kaiſer von 
Kaiſer von Fonia nebſt feiner Begleitung fanden, die fie mit Haͤndegeben nach europaͤi- Fonia. 
ſcher Art gruͤßten, und das Wort Mentonie, welches im Mandingiſchen heißt: Gott 
ſegne euch, oft wiederholten. Als ſie ſich geſetzt hatten: ſo ergoͤtzte es den Verfaſſer, die 
Großen des Kaiſers, wie die Affen, auf dem Hintern ſitzen zu ſehen. Eine Stunde nach 
feiner Ankunft giengen fie alle an Bord ihrer Canoes, den Kaiſer ausgenommen, dem der 
Statthalter ſein Boot mit den Leuten und der Unionflagge gab, und bey der Abreiſe mit 
fuͤnf Stuͤcken begruͤßte e). 

Kurz vor ihrer Ankunft lief in der Gambra eine Schaluppe ein, welche auf dem Ey- Seeraͤuber⸗ 
lande Rhode gebaut war, und achtzig Tonnen und ſechs Stuͤcke fuͤhrte. Sie hieß die ſchaluppe 
Arche, und ihr Führer Edmonſon. Derſelbe hatte feinem Volke verſchiedenemale vor= 
geſchlagen, Seeraͤuber zu werden, darein ſie aber nicht willigen wollten, und deswegen alle, 
bis auf drey weiße Jungen, ans Land in Jacobsfort giengen, und dem Statthalter nebſt 
dem Rathe eidlich davon benachrichtigten. Mittlerweile ſegelte Edmonſon aus Furcht, 
er möchte entdecket werden, unter die le Maine Spitze, außerhalb den Stuͤcken des Forts, 
wo er wegen des Seewindes und der Fluth ankern mußte, und ſich wenigſtens bis den 
naͤchſten Morgen ſicher hielt. Als aber feine jaͤhlinge Abreiſe der Bootsknechte Ausſage 
beſtaͤtigte: ſo ſendeten die Herren des Raths die Schaluppe, Gambra, mit einem beherzten 
Haufen Weißer und Schwarzer aus, ihn zurück zu bringen, und fernern Schaden zu ver— 
hüten, Herr Orfeur, einer von der Geſellſchaft Factoren, welcher einige Zeit auf Kriegs: 
ſchiffen geweſen war, fuͤhrte ſie. | 

Weil Herr Orfeur den Canal kannte: fo bediente er fich der Mitternacht⸗Ebbe, um durch einen 
dadurch hinter die Arche, ohne daß ihn Edmonſons Leute entdeckt hätten, zu kommen, Factor ges 
derer nur neune, als die drey Jungen, und ſechs unwiſſende nur gekaufte Sklaven waren. MM 
Bey Anbruche des Tages lichteten beyde Schaluppen; und da der Seeraͤuber die Gam⸗ 
braſchaluppe erkannte: ſo beſchloß er, ſich durchzuſchlagen. Als ihm Herr Grfeur ſo 
nahe war, daß er ihm zurufen konnte: ſo verlangte er von ihm, er ſollte herkommen; wor— 
auf Edmonſon an ſtatt der Antwort einige Muſketenſchuͤſſe that. Dieſes erzuͤrnte die 
Schwarzen am Borde der Gambraſchaluppe ſo ſehr, daß ſie um Erlaubniß bathen, auf 
jene zu feuern; welches aber Herr Orfeur, um noch Gelindigkeit zu gebrauchen, verboth, 
und dem Edmonſon wieder zurief, er ſollte die Segel ſtreichen. Aber dieſer brannte ein 
geladenes Geſchuͤtz auf den Factor los, der, weil ihm dieſes nicht gefiel, ſeine Leute gleich— 
falls feuern hieß; da denn einer von den Schwarzen Edmonſon durch die Bruſt ſchoß; 
worauf die Schaluppe an Bord der Arche lief, und ſie wegnahm. Edmonſon ſprang 

Sss 2 aus 
e) Smiths Reife, nad) Guinea auf der 1 und folgenden Seite. 


8 geen nach Guinea und Benin, 


1726 aus Verzweifelung in den Fluß, und war nicht mehr zu ſehen. Herr Orfeur brachte die 
Smitb. Schaluppe auf, die bey Herrn Smiths Ankunft vor Anker lag. 

— — 

Die Abzeich⸗ Den zrtendes Herbſtmonats, fing Herr Smith an, ſeine Grundriſſe aufzunehmen, welches 

nung fällt bis Montags den 10ten des Weinmonats dauerte. Er fand einige Schwierigkeiten. Den 

ſchwer. erſten Tage, da er zu Jillefrey Jacobseyland, gegen über ans Land gieng, fand er das 
Ufer ſo tief moraſtig, daß es kaum moͤglich war, von einem Stande zum andern zu meſſen, 
oder zu kommen. Ferner war nicht auf das trockne Land zu kommen, wo die Waldung 
verhinderte, fortzukommen und ſich umzuſehen. Noch mehr, die Baͤume waren voll großer 
ſchwarzer Ameiſen und giftiger Weſpen, von denen eine den Herrn Sull einen Gehuͤlfen 
des Herrn Smith, ſehr heftig in die Lippe biß. 

Luſtiger Vor⸗ Der Verfaſſer meldet einige Vorfaͤlle, die ihm bey Aufnehmung der Grundriſſe begegnet, und 

fall die von der Einfalt und Unwiſſenheit der Einwohner zeigen. Wie er eines Tages in dem König- 
reiche Kumbo an der Spitze Bunion, unweit der Muͤndung von der Gambra, zu Lande 
war, die Weite von dar nach der Spitze Barra zu nehmen, welche gegen uͤber liegt: 
ſo wollte der vornehmſte Bootsmann, der bey ihm war, die Art und Weiſe gern ſehen, wie 
man die Weiten, zu denen man nicht kommen kann, mißt. Sie landeten deswegen an einem 
ſandigen ebenen Ufer, nahe an einer kleinen Stadt, wo fie funfzig oder ſechzig Stuͤck Rindvieh, 
welches mit den Hoͤrnern an Pfaͤhle gebunden waren, im Sande treiben ſahen. Waͤhrend der 
Zeit daß er ſein Werkzeug ſetzte, kamen einige der Einwohner die Waſſerſeite herunter, ihm zu— 
zuſehen; und weil ſie ſein Theodolit oder Meßrad nicht verſtunden, ſo ließen ſie einige Furcht 
blicken. Herr Smith bemerkte dieß Anfangs nicht. Als er aber ein oder ein Paar Staͤbe zu 
Zeichen zu ſtecken brauchte, ſo gieng er nach dem Viehe, um daſelbſt ein Paar auszuziehen, 
darauf geriethen die Leute für ihr Vieh in Furcht, liefen und trieben ſolches das Land hin— 
auf, und brachten die Stadt in Laͤrmen, ſo daß die Weiber und Kinder in die Waͤlder liefen, 
und die Männer in weniger als zehn Minuten bewaffnet herunter kamen 7). 


mit den Ne: Der Verfaſſer fragte der Geſellſchaft Sklaven, welche im Boote ruderten, was das hieße: 

gern. worauf fie ihm meldeten, die Einwohner wären durch feine Inſtrumente in ſolches Schre⸗ 
cken geſetzet worden, weil ſie glaubten, er wollte ſie bezaubern. Um auf allen Fall gefaßt 
zu ſeyn, folgte der Hochbootsmann dem Herrn Smith mit einer geladenen Büchfe, da in— 
deß einer von den Sklaven das Meßrad fortrollte. Die Einwohner ſuchten ſolches zu ver⸗ 
hindern, indem ſie ihm queer vor den Weg liefen, wagten aber nicht es anzuruͤhren. Der 
Sklave, welcher es rollte, ſuchte alle Gelegenheit, es ihnen an die Beine zu ſchieben, aber ſie 
waren ihm zu ſchnell, und huͤpften zur Rechten und Linken wie die Boͤcke. Nach verrich— 
teter Meſſung kehrte Herr Smith wieder an den Ort, wo das Boot lag. Weil es ſehr heiß 
war: ſo ſetzte er ſich unter den Schatten eines Baumes, und befahl Punch zu machen. Wie 
der Bootsmann die Sachen dazu zu hohlen nach dem Boote gieng, und nur aus dem Ge: 
ſichte war: ſo ſah ſich Herr Smith, welcher ſich nun allein befand, von den Leuten, alle mit 
Wurfpfeilen, Bogen, giftigen Pfeilen und Schießgewehre bewaffnet, umringt. 

Der Verfaſ⸗ Dieſes machte ihn erſchrecklich beſtuͤrzt. Endlich erſchien der Bootsmann mit einem 

fer wird Ceoebeſch guten Punch, aus dem ein ſtarker Zug ihn fo muthig machte, daß er jaͤhlings vom Bo— 

überfallen. den aufſprang, worauf die Schwarzen mit ſolchem Schrecken wegliefen, daß viele ihre Waffen 


von 
F) Smith auf der 10 und folgenden Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 509 


von ſich warfen, und in einer guten Entfernung ſtehen blieben; weil, wie er nachgehendes 1726 
erfuhr, fie glaubten, er hätte die Macht, fie hinzurichten. Darauf nahm Smith eine Buͤchſe, Smitb. 
welche fie hatten fallen laffen, und wollte unter fie feuern: aber kaum daß er losbrennen konnte, 
ſo waren ſie alle fort. Der Bootsmann wollte haben, er ſollte ſeinen Sieg verfolgen. Er 
hielt es aber fürs kluͤgſte, nach dem Ufer zurück zu gehen, und ſich an Bord der Bonetta 
zu machen, wo er die Officier mit Erzaͤhlung des Vorfalls beluſtigte. 


Den loten des Weinmonats gieng er mit dem Statthalter Rogers den König von Beſuch beym 
Barra zu beſuchen. Weil derſelbe von ihrer Ankunft ſchon Nachricht erhalten: ſo kam er 
ihnen etwa eine Vierthelmeile vor feiner Stadt entgegen, in Begleitung drey: oder vierhun⸗ 
dert Unterthanen, von denen verſchiedene auf große ſtarke Trummeln ſchlugen, andere auf 
Trompeten von Elephantenzaͤhnen blieſen, welches alles zuſammen ein kriegeriſches Laͤrmen 
machte. Der König bewillkommte fie, und führte fie nach der Stadt Barra. Seine 
Leute druͤckten ihre Freude durch lautes Geſchrey und Schießen aus, wobey ſie tauſend ſelt— 
ſame Stellungen machten. Bey ihrer Ankunft ließ der König feine Canonen losbrennen, 
die ohne Laffeten an feinem Palaſte, d. i. an einer durch Moraſt umgebenen, mit Palmblät- 
tern gedeckten Huͤtte lagen. 

Als fie ſich geſetzt hatten, ließ der König feinen Muſikanten hohlen, der auf einem Bal⸗ König von 
lafo ſpielte. Das Inſtrument war wohlgeſtimmt, und von einem angenehmen Klange. Varrah. 
Seine Majeftät ließen auch zu ihrer Ergoͤtzung verſchiedene Megern mit bloßen Schwerd— 
tern vor ihnen tanzen, die ſie ſehr geſchickt ſchwungen. Darauf hielt der Koͤnig eine kluge 
Rede, die dem Verfaſſer von des Königs juͤngern Bruder folgendergeſtalt verdollmetſcht 
wurde: „Es wäre für die Schwarzen ſehr gut, die Weißen zu lieben, und nicht zu be⸗ 
„ſchaͤdigen, weil der Weißen Schiffe ſtarke Getraͤnke und allerley gute Sachen, nach der 
„Schwarzen Lande brächten,. Aus dieſer herrlichen Rede erhellt, daß die Freundſchaft 
der Schwarzen gegen die Europaͤer ſich auf Eigennutz gruͤndet. 

Nach der Bewirthung nahm Herr Smith auf kurze Zeit Abſchied von der Gefell- Freundſchaft 

ſchaft, feine Ausmeſſung zu endigen. Des Königs Bruder und verſchiedene von feinem der Negern. 
Adel wollten ihm folgen. Im Fortziehen fragten fie des Königs Bruder, wer Smith wäre, 
warum er die Geſellſchaft fo plöglich verlaſſen hätte, und was er vorhaͤtte? Er berichtete 
ihnen, Smith ſey ein großer geſchickter Mann, den die Geſellſchaft geſandt, alle Koͤnigreiche, 
Eylande und Fluͤſſe von Guinea auszumeſſen. Sie verſetzten, das waͤre ſehr gut und ſie 
freuten ſich, daß er gekommen, ihr Land auszumeſſen; ihren Beyfall zu bezeigen, machten 
fie unzählige feltfame Stellungen, liefen rund um den Herrn Smith herum, und ſahen ihm 
ſtarr, auch lachend ins Geſicht, welches, wie er erfuhr, ein Compliment war. Aus ſeinem 
Lachen ſahen ſie, daß es ihm gefiel, und ſchrieben ſeine Freude dem Complimente zu, ob ſie 
gleich von der affenmaͤßigen Art, mit der fie ſolches gemacht, herruͤhrte. 

Der Verfaſſer bemerket, daß der Niger in einigen Karten in eben der Breite, wie die Irrthum 
Gambra, gezeichnet ift, ſo, daß er folches für einen Misverſtand halt, wo nicht der Gam- weden, der 
bra ſonſt Niger geheißen; denn die Gambra iſt der breiteſte Fluß in dieſem Theile von Samba: 
Africa. Er meldet, daß er Tagebücher, von einer Schaluppe der Geſellſchaft von funfzig 
Tonnen geſehen, die den Fluß mehr als dreyhundert Seemeilen hinaufgeſegelt, welches faſt 
tauſend gemeine engliſche Meilen betraͤgt, und ihm ward verſichert, der Fluß ſey in dieſer 
Hoͤhe breit, und ſchiffbar. Er zweifelte auch nicht, daß die Fluͤſſe, Sanaga, Rio Grande, 

88 3 Rio 


510 Reifen nach Guinea und Benin, 


1726 Rio St. Domingo, Burſalli, Rio Nunnez Rio Pungo ꝛc. alle verſchiedene Aeſte 
Smith. von dieſem großen Fluſſe find, der wie der Nil auf der entgegengeſetzten Seite von Africa, 
ſich durch verſchiedene Canale in die See ergießt. 

Religion. Die Religion der Heiden, welche hier zahlreicher als die Muhammedaner find, beſteht 
ganz und gar in Verehrung ihrer Fetiſchen 9), dazu ihnen jedes Ding, eine Feder, ein 
Lappen, ein Hundebein u. ſ. f. dienet. Das Wort Fetiſch bedeutet auch eine Bezauberung. 
Den Fetiſch nehmen heißt ſchwoͤren, und Fetiſch machen heißt den Gottesdienſt verrichten. 
Sie tragen alle ihre Fetiſche bey ſich, der ſo heilig iſt, daß ihn niemand außer ihnen an⸗ 
ruͤhren darf. Den Tag, da Herr Smith mit dem Koͤnige von Barra ſpeiſte, bemerkte 
er, daß der Muſikante auf ſeiner Muͤtze oben den Federbuſch eines Kronvogels hatte. Weil 
ſolcher ſehr ſchoͤn war, ſo gieng er hin, und wollte ihn von des Kerls Kopfe nehmen und 
beſehenz aber der Mann lief ſehr erſchrocken davon. Einige Herren, die es geſehen, lachten 
und berichteten dem Herrn Smith, es ſey des Muſikanten Fetiſch. 

Sprache. Die Sprachen an der Gambra ſind ſo mannigfaltig und unterſchieden, daß die Leute 
an einer Seite des Fluſſes die auf der andern nicht verſtehen koͤnnen. Dieß iſt ein 
großer Vortheil fuͤr die Europaͤer, die daſelbſt um Sklaven handeln; weil die Gambrayer, 
welche von Natur faul ſind, die Sklaverey verabſcheuen, und alles moͤgliche um Erlan⸗ 
gung der Freyheit thun, es mag auch noch fo was verzweifeltes feyn. Der Verfaſſer hat 
einige traurige Begebenheiten erfahren, wie das Schiffsvolk hier uͤberfallen und abge⸗ 
ſchnitten worden. Das ſicherſte iſt, daß man mit verſchiedenen Nationen auf jeder Seite 
handelt, und immer welche von mancherley Art zuſammen am Borde hat; ſo darf man ſich 
nicht fo vor einer Verſchwoͤrung befürchten >), | 

Engliſche Fa: Die Engländer haben hier eine Factorey, welche unter dem Gambracaſtelle ſteht, an 

seoreyen. einem Orte Namens Joar, etwa funfzig Seemeilen den Fluß hinauf, und noch eine zu 
Kuttejar, funfzig Seemeilen hoͤher, auch die dritte an des Fluſſes Mündung, welche Port 
Dendalli heißt. Sie hatten einmal einen Handelsplatz an der Carlinſel, aber wegen ei- 
nes Pallaver (oder Zwiſts) mit den Leuten, ergriffen die letztern! die Gelegenheit einer 
Mitternacht Ebbe, und wateten von dem Lande heruͤber, durch welchen Ueberfall fie in Be: 
ſitz kamen, und die Englaͤnder aus der Inſel ſchlugen, die ſeitdem iſt verlaſſen worden. 
Auf Jacobseylande aber haben fie ein ſtarkes, ordentlich und wohlgebautes Caſtell, mit zwey 
und dreyßig großen Canonen, außer noch andern, welche unweit der Waſſerſeite gepflanzt 
ſind, und den Nordcanal beſtreichen. 

Das alte Fort, ward im Jahre 1725 ungluͤcklicher Weiſe durch ein Feuer, deſſen Urs 
ſprung man nicht wußte, welches aber vermuthlich vom Blitze herruͤhrte, der ins Magazin 
geſchlagen, in die Luft geſprengt, wobey verſchiedene Leute umkamen, und unter ſelbigen 
auch General Plunket. Es ward aber bald wieder, mit vielen Verbeſſerungen durch den 
jetzigen Statthalter Anton Rogers Eſquire aufgefuͤhret. | 

Sie verlaf- Den ııten des Weinmonats fegelte Herr Smith von der Gambra in der Schaluppe 

fen die Bonetta, in Geſellſchaft der Byam, einer Galeere von Antigua, unter dem Hauptmanne 

Gambra. Heſter, beyde nach Sierra Leona. Dieſen Tag und den folgenden, ſteuerten fie Suͤdweſt, 
und Weſtſuͤdweſt, in die See, die Untiefen von Grande, welche ſich funfzig Seemeilen 

ü vom 

g) Fetiſch iſt der Name, welcher in Guinea ge 5) Smith a. d. 16 u. f. S. 
braͤuchlich iſt. An der Gambra heißt es Grisgris. 1) Sie heißen auch die Eylande von Tamara. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. zu 


vom Ufer ab erſtrecken, zu vermeiden. Den ı3ten ſteuerten fie Sid nach Sierra Leona. 
Den Tag darauf hatten fie Windſtille, welche vierzehn Tage lang anhielt. Die Schaluppen 
vertrieben ſich damit die Zeit, daß ſie taͤglich einander beſuchten, obwohl ihr Vergnuͤgen oft 
durch Tornados, welche ordentlich eine Stunde dauerten, unterbrochen wurde. Dieſelben 
meldeten ihre Ankunft mit außerordentlichem Donner, Blitzen, und dunkeln Wolken, dar— 
auf ſolche Regenguͤſſe folgten, als wenn Waſſer durch ein Sieb floͤſſe. Dieſes Wetter 
dauerte die ganze naſſe Jahrszeit von Guinea hindurch. Dieſe verdrießliche Windſtille brachte 
ſie zu einem ſolchen Mangel des Waſſers, daß ſie ohne den Beyſtand des Byam umge⸗ 
kommen wären, Sie unterſuchten während dieſer Windſtille den Strom, welcher Nord— 


oſt ſtrich. 


1726 
Smitb. 


Den zten des Wintermonats erreichten fie Land, zehn Seemeilen weit, in fünf und zwan- Sie fuͤrch⸗ 


zig Faden. Weil ſolches ſehr hoch war, fo glaubten fie, es fey der hohe Berg von Sierr 
Leona, und ſetzten alle Segel aus, noch vor Abend dahin zu kommen. Um vier Uhr ſa⸗ 
hen ſie ein Segel am Lande; und weil ſie merkten, daß ſolches auf ſie wartete, ſo geriethen 
fie in Furcht, weil fie wußten, wie fleißig die Seeraͤuber voriges Jahr auf dieſer Kuͤſte ge⸗ 
weſen. Sie ſetzten ſich in beſtmoͤglichſten Vertheidigungsſtand, und hielten ihren Lauf bis 
fuͤnf Uhr Nachmittags fort, da fie fanden, daß es Freunde waren, nämlich die Koͤniginn Eliſa⸗ 
beth, unter dem Hauptmanne Craighton, welche von Sierra Leona nach Rio Nun⸗ 
nez, um Gold, Zaͤhne, und Holz zu handeln, beſtimmt war. Weil er daraus, daß ſie nach 
dem Lande liefen, urtheilte, fie wollten nach Sierra Leona geben: fo hielt er ſich auf, ih: 
nen zu melden, daß dieſe hohen Laͤnder die Idolos, waͤren, welches kleine felſigte Eylande 
zwanzig Seemeilen nordwaͤrts von Sierra Leona find 7). Nachdem fie ihm gedankt, 
giengen ſie fort, und entdeckten um zehn Uhr des Morgens die Sauſaws, ein ungemein 
hohes Land, zwanzig Seemeilen das Land hinauf. 

Sobald ſie dem Vorgebirge gegen uͤber gekommen waren, welches etwa gegen Untergang 
der Sonne war: ſo hiſſeten ſie die Unionflagge, auf dem oberſten großen Maſte, und gruͤß⸗ 
ten es mit ſieben Schuͤſſen, wie auch der Byam that. Alle Statthalter von Guinea ha⸗ 
ben die Erlaubniß, die Unionflagge jeder in feinen Gegenden, zu führen 4). Ob es wohl 
Nacht war, fo liefen fie doch unter beſtaͤndigem Gebrauche des Senkbleyes in den Fluß ein. 
Allem Unfalle vorzukommen, hingen ſie ein Licht an ihren Flaggenſtock, und der Byam 
hing gleichfalls eines aus. Sie hielten fc) hart unter den hohen Hügeln, 

Nachdem fie fo hoch gekommen waren, als die Franzoſenbay liegt: fo ſahen fie dicht am 
Ufer zwey Lichter. Eines gehoͤrte zu einer kleinen Handelsbarke, das andere zu der Freund⸗ 
ſchaft, einer Schaluppe von Barbados, unter dem Hauptmanne Croker, die, auf Er⸗ 
blickung ihrer beyden Schiffe Nachmittages in der See, Lichter aushingen, ihnen zu zeigen, 
wo fie ankern follten. Sobald fie geankert, kam der Hauptmann Croker an Bord der 
Bonetta, um zu fragen wer fie wären, und bewillkommts fie alsdann. Weil fie nur 
Madera ⸗Wein hatten, indem ihre Limonien alle verthan waren: fo ließ er ein Schnupftuch 
voll Limonien von feiner Schaluppe hohlen, und gab ihnen, bey einer Schale Punch, Nach: 
richt von den Geſellſchaftſachen auf dem Eylande, Bonal, welches damals unter des Herrn 


Marmaduke Panwell Aufſicht ſtund. 
Den 


4) Sie hatten Herrn Charles, den neuen Statthalter von Sierrg Leona am Borde, 


a ten ſich vor 


Seeraͤnbern, 


Sierra 
Leona. 


512 Reifen nach Guinea und Benin, 


1725 Den sten des Wintermonats befanden ſie ſich in einer ſchoͤnen angenehmen Bay mit 
Smitb. außerordentlich hohen Hügeln umgeben. Dieſelben waren mit ſchoͤnen Baͤumen bedeckt, und 
Schöne Ge⸗ die Baͤume voll mancherley Voͤgel, die durch ihren Geſang bey Anbruche des Tages die 
gend. Waͤlder erſchallen machten. Der Hauptmann Croker gruͤßte die Unionflagge mit fuͤnf 
Schuͤſſen, und bekam dreye wieder. In dieſer Bay iſt ungemein gut Waſſer, welches aus 
den Felſen wie ein Strom herabſchießt; ſo, daß ſie ihre Faͤſſer ohne ein Schoͤpfgefaͤß 
fuͤllten. Sie nahmen hier Waſſer ein; und da der Boden der See von Klippen rein war, 
ſo zogen ſie ihre Seege, und bekamen viel Mullets und andere Fiſche, auch einen Alligator, 

den die Schwarzen begierig fraßen 1). 

Denſeeyland. Den öten giengen fie alle nach dem Benſeeylande hinauf, wo ſich eine ordentliche Art 
von Feſtung, mit zwey und zwanzig großen Stücken beſetzt, findet, nebſt noch einer Batte⸗ 
rie unter dem Walle der Feſtung, mit noch fuͤnf Stuͤcken. Dieß iſt die Wohnung des 
Statthalters; und Herr Charles gieng ans Land, von ſeinem Poſten Beſitz zu nehmen, und 
die gewöhnlichen Complimente zu empfangen, wobey der Verfaſſer feines unglücklicher 
Weiſe verdarb; denn weil er ſich auf den Namen des Eylandes nicht recht beſann: ſo ſagte 
er Baratraria, (welches eins von geringer Achtung iſt,) ſtatt Benſe. 


Den 7ten des Wintermonats fing er feine Ausmeſſung an, ohne dergleichen Widerſtand 
der Leute, als er an der Gambra angetroffen hatte, zu finden. Die Einwohner waren da: 
ſelbſt mehr an die europaͤiſchen Sitten gewoͤhnet. 

Fort auf dem Es iſt ungewiß, wenn die Engländer Herren von Sierra Leona geworden, welches fie 

Benſeeylan⸗ ungeftört beſeſſen, bis es der Seeraͤuber Roberts im J. 1720 weg nahm. Der alte Plunket, 

de, der nachgehends in Jacobsfort in die Luft flog, war damals hier Statthalter. Sie 
Sache verhielt ſich ſo: Robert hatte drey gute Schiffe, und lief damit in Sierra Leona 
ein, friſch Waſſer zu nehmen. Als er in der Franzoſenbay ein Handelsſchiff fand: fo nahm 
er es daſelbſt weg, und fuͤhrte es in eine andere unweit des Vorgebirges, die ſehr tief iſt, 
und eine lange enge Einfahrt hat. Dieß hatte der Verfaſſer in feinem Riſſe die Seeraͤu⸗ 
berbay genannt; denn wie Roberts dieſes Schiff gepluͤndert hatte: ſo ſteckte er es in 
Brand, und man ſah einen Theil von dem Boden, wie Herr Smith hier war, bey niedri⸗ 
gem Waſſer. Den Tag darauf ſchickte Roberts ein wohlbewaffnetes Boot an den Statt⸗ 
halter Plunket, mit Befragen, ob er ihm einigen Goldſtaub, oder Pulver und Kugeln über: 
laſſen koͤnnte. Plunket meldete, er hätte keinen Goldſtaub übrig, Kugeln und Pulver aber 
ſtuͤnden ihm zu Dienſte, wenn er ſich bemuͤhen wollte, darnach zu kommen. 


vom Robert Voberts ankerte mit feinen Schiffen bey der nächften Fluth, vor dem Eylande Benſe, 
genommen. und darauf folgte ein Scharmuͤtzel zwiſchen ihm und dem Statthalter einige Stunden lang, 
bis Plunket, nachdem er ſich verſchoſſen, in ſeinem Boote auf eine kleine Inſel, Tomba, 

floh. Aber die Seeraͤuber uͤberfielen ihn, und brachten ihn nach dem Eylande Benſe zu⸗ 

rück, wo Roberts gewaltig auf ihn fluchte, daß er die irlaͤndiſche Unverſchaͤmtheit gehabt, 

ihm zu widerſtehen. Als Plunket ſah, unter was fuͤr uͤbele Geſellſchaft er gerathen war: 

fo fing er an, ärger als Roberts zu fluchen und zu ſchwoͤren, worüber ein großes Gelaͤchter 

unter den Seeraͤubern entſtund, die dem Roberts zu ſchweigen befohlen, weil er in dem 

Zanke mit Plunket gar nichts aufbringen koͤnnte. Man ſaget wirklich, der alte Plunket 

| haͤtte 

7) Smithl a. d. 32 u. f. S. 


2 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 513 


haͤtte ſein Leben nur durch die Geſchicklichkeit zu ſchwoͤren gerettet. Nachdem Roberts die 1726 
Waarenhaͤuſer geplündert: fo gieng er an Bord, und verließ den Plunket wieder im Beſitze Smitb. 
des Forts, das die Seeraͤuber ſehr beſchaͤdigt hatten. x 

Der Fluß Sierra Leona iſt bey der Einfahrt fehr breit; denn es find vier Seemeilen Fluß Sierra 
von dem Vorgebirge am Leopardeneylande nach der gegenüber ſtehenden Seite von der Leona. 
Muͤndung. Das Mittel iſt in der That nicht tief, und hin und wieder bey niedrigem 
Waſſer trocken; denn der tiefſte Theil des Canals liegt hart bey dem Vorgebirge, und die 
Einfahrenden muͤſſen ſich auf das Ufer rechter Hand halten, und hart unter dem hohen 
Lande ſegeln, wo ſie ſicher ſind, ordentliche Tiefen anzutreffen, und in allen Bayen guten 
Ankergrund zu finden; aber am Ende der Sandbaͤnke iſt der Boden uneben und untuͤchtig. 

Die Geſellſchaft hat in dieſem Fluſſe noch ein ander Eyland, namlich Taſſo, das groß und Eylans 
flach iſt, und faſt drey Seemeilen im Umkreiſe betraͤgt. Ihre Sklaven haben hier einen guten Taſſo. 
Pflanzort. Das uͤbrige von der Inſel iſt mit Waldung, beſonders Seidenwollenbaͤumen 
von erſtaunlicher Groͤße bedeckt. Es bringt auch andere Baumwolle und Indigo vor. 

Der Fluß Sierra Leona iſt voll verſchiedener Arten Fiſche, welche meiſtens gut find, 
bis auf die Auſtern, die an den Aeſten der Mangrovebäume wachſen. Man findet ſolche 
in Untiefen; weil die Aeſte natürlicher Weiſe gegen das Waſſer hängen. Der Verfaſſer 
hieb einen ſolchen Aſt ab, der fo voll Auſtern, Bernaclen, u. ſ. f. war, daß er ihn kaum ins 
Boot heben konnte. 

Während der Zeit, daß Herr Smith Sierra Leona ausmaß, verlohr der Hauptmann Ausmeſſung 
Livingſtone keine Zeit, die Guͤter und Waffen, welche fuͤr das Fort beſtimmt waren, ans des Fluſſes. 
Land zu ſenden. Weil aber das Schiff gekielt werden, und einen neuen Hintermaſt befom- 
men mußte: fo hielt der Verfaſſer für gut, bey dieſer Gelegenheit den Fluß Sherbero aus- 
zumeſſen. Er erhielt dazu eine von der Geſellſchaft Schaluppen vom Statthalter, mit den 
gehörigen Leuten; weil Herr Charles, wie die andern Statthalter, Vererdnung von der Ge⸗ 
ſellſchaft hatte, die Ausmeſſung auf alle Art zu befoͤrdern m). . 


Der II Abſchnitt. 


Abreiſe von Benſe. Fluß Sherbero. Beſuch von bracht. Der Doflmetfcher verwundet. Er wird 
dem Könige. Er hat Haͤndel mit den Faetoren. befragt. Vorſchlag des Königs. Ein anderer 
Smith kommt ihnen zu Huͤlfe. Pruͤgelt Seine von der Factorey. Abgeſandter an den König. 
Majeſtaͤt aus; welche gefangen genommen wer, Die Factorey wird nach Jamaica verlegt. Der 
den, aber zu entwiſchen geruhen. Berathſchla- König ſaget ſich von der Regierung los. Es wird 
gung darüber. Der Verfaſſer koͤmmt in Ge⸗ ein anderer erwaͤhlt. 
fahr. Ein ſchwarzer Abgeſandter wird umge⸗ 
Den ı4ten des Wintermonats ſegelte Herr Smith von dem Eylande Benſe, in der Abreiſe von 
— Schaluppe, Sierra Leona, ab, deren Hauptmann Kirkham war, in Begleitung der Benſe. 
Schaluppe Jaquin a), unter dem Hauptmanne Ridley, der mit ihnen gieng, dieſen Fluß 
zu unterſuchen. Den röten erreichten fie die Bananaseylande, von denen das größte wohl 
bewohnt iſt. Herr Smith fand hier einige Weiße, die den Dienſt der Geſellſchaft verlaſ⸗ 
fen, und ſich ſelbſt geſetzt hatten. Sie handelten mit eigenen Schaluppen nordwaͤrts 1 70 
| ' SG er Rio 5 
n) Smiths Reiſe, a. d. 40 u. f. S. a) In der Grundſchrift: Jackquin, 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Tet 


1726 
Smith. 


Fluß Sher⸗ 
bero. 


pr 


Defuch vom 
Könige. 


15 Der Haͤndel 


514 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Rio Pungo und Rio Nunez um Sklaven, Zaͤhne und Bauholz, wodurch ſie einen wichti⸗ 
gen Handel auf dieſe Inſeln gebracht hatten, daß wenig Schiffe, welche die Kuͤſte hinunter 
beſtimmt waren, hier nicht vorbey giengen. | | 
Den ıgten überfiel fie an der Mündung des Sherbero eine Windſtille, und fie ſahen 
verſchiedene Waſſerhoſen ſehr nahe. Den Tag darauf kamen fie bis an eine kleine Stadt, 
welche einem, Zacharias Cummerbus, einem Mulatten, Sohne des letzten engliſchen Agen⸗ 
ten auf Vorkeylande, gehörte, wo er wohl bewirthet ward. Aber Herr Smith gieng voll 
Verlangen, den Zuſtand von den Geſellſchaftſachen zu Norkeylande zu ſehen, den Fluß ge⸗ 
rade hinauf, und landete den 20ſten an dieſem Orte, wo er keinen Weißen, als einen Factor, 


Solditch, ohne allen Beyſtand wider die Landeseinwohner fand. Sie hatten ihn ver⸗ 


ſchiedenemal beſucht, und allezeit von der Geſellſchaft Waaren mitgenommen, was ihnen 
am beſten gefallen. Das Fort war ein elender Steinhaufen. 


Als der Koͤnig von Sherbero Herrn Smiths Ankunft vernommen: ſo kam er den 
a5 ſten mit einer Begleitung von wenigſtens dreyhundert Mann, ihn zu befuchen, und brachte 
als ein Geſchenk zwey Kentels 5) Reiß, zwo Ziegen, und ein gutes wildes Schwein. 
Zur Erkenntlichkeit beſchenkte der Verfaſſer Seine Majeſtaͤt mit zwo metallnen Pfannen, 
zween zinnernen Tellern, einem Faden Sletias c), und vier Buͤſcheln Korallen, die begierig 


aufgenommen wurden. Die Sletias band er ſogleich um den Hals, mit einem doppelten 


Knoten unter dem Kinne, daß ihm die beyden Enden vornen uͤber ſeinen Cape Monte Ueber⸗ 
wurf hinabhingen, der von Cattun blau und weiß geſtreift war. Darauf zog der Koͤnig 
das buſchigte Ende von einem Lwenſchwanze aus dem Buſen, welches er hin und her ſchwang, 
und eine lange Rede hielt, deren Inhalt durch Herrn Cummerbus erklaͤrt wurde, daß der 
Lowenſchwanz Seiner Majeſtaͤt Fetiſch ſey, und fie durch ſolches Schwingen ihre Macht, und 
die Groͤße ihrer Herrſchaften anzeigten, und endlich verlangte er durch ſeine Rede einige 


Lebensmittel, ſich und ſeine Leute zu erfriſchen. Daraus ſchloß der Verfaſſer, er wuͤrde 


von Seiner Majeſtaͤt Geſchenke nicht viel Vortheil haben. 
Den dritten Tag darauf, nachdem ſie der Geſellſchaft Sachen aufgezeichnet, und einen 


mit dem Fa⸗ Schreiber, Allen, dem Holditch zum Gehuͤlfen da gelaſſen hatten, gruͤßte Herr Smith den 


store hat. 


Koͤnig mit fuͤnf Schuͤſſen, und ſegelte den Fluß hinab. Holditch und Allen hatten ſich ein⸗ 
gebildet, der Koͤnig wuͤrde nach Sherbero zuruͤckkehren. Da ſie aber fanden, daß er ſich 
auf ihre Unkoſten hier aufhalten wollte: ſo beſchloſſen ſie, ihn um ſeine Ruͤckkehr zu erſuchen. 
Darauf ward der Koͤnig ſehr erzuͤrnt, und ſchwur bey ſeinem Fetiſch, das Land waͤre ſein, 
und er hätte den Englaͤndern nur unter gewiſſen Bedingungen erlaubt, zu Norkeylande zu 
bleiben; der Grund, und alle Guͤter darauf, gehoͤrten ſeine, und er wollte ihnen ſolches zu ver⸗ 
ſtehen geben, weil fie ihm feinen Role nicht bezahlt 4). Solditch verſetzte, fein Role 
waͤre ihm erſt vor dreyen Monaten bezahlt worden, und alſo haͤtten Seine Majeſtaͤt keine 
rechtmaͤßige Forderung an die Geſellſchaft. 

Dieſe Antwort brachte den Koͤnig ſo auf, daß er den Holditch ſchlug, den Allen nach der 
Waſſerſeite ſchleppte, und in einen Canoe warf, mit Befehle an ſeine Leute, ihn zum Herrn 


| | Smith 
) Oder Quintals. Der Verfaſſer ſaget, ein ) Kole iſt der jährliche Zins, den die Geſell⸗ 
Kentle ſey hundert Pfund. ſchaft fuͤr Jorkeyland, und die Erlaubniß, den Fluß 


c) Ein dünner leinener Zeug. hinauf zu handeln, giebt. 


von der Mündung des Flußes 
SCHERBRO oder CERBERA 
ander Kufte von Gwuinca in ꝙ Grad 40Min: 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 513 


Smith zu führen, und ſelbigem zu melden, daß ihm Allen, der nichts auf dem Fluſſe Vork 1726 
zu thun haͤtte, zurück geſchickt wuͤrde. Da aber niemand die Bothſchaft auf ſich nehmen Smith. 
wollte: fo erhielt Allen Erlaubniß, nach dem Fort zuruͤck zu kehren. Mittlerweile hatte 
Holditch einen Brief geſchrieben, den er heimlich durch einen Mann in einem Canoe fen= 

dete, dem Herrn Smith das Vorgefallene zu berichten, nebſt Vermelden, der Koͤnig beluͤde 

feine Canoes aus dem Waarenhauſe, und würde, wo man ihm nicht zuvorkaͤme, alle Guͤ⸗ 

ter wegfuͤhren e). 5 


Bey Empfange dieſes Briefs theilte ihn der Herr Smith ſogleich den Hauptleuten Smith eine 
Kirkham und Ridley mit, und erklaͤrte feine Meynung, fie müßten ſogleich dem Holditch 
und Allen zu Huͤlfe kommen; ſie haͤtten nichts zu befuͤrchten, da ſie ein gutes Schiff mit acht 
Stuͤcken haͤtten, und duͤrften deswegen nicht daſtehen, und die Geſellſchaft ruhig vor ihren 
Augen berauben laſſen. Kirkham meldete, er ſey bereit, dem Hrn. Smith beyzuſtehen, weil 

er von Herrn Charles Befehl habe, ſeinen Verordnungen zu folgen: aber Ridley ſagte, es 

ſey raſend, mit ſechs bis acht Mann dreyhundert oder vierhundert anzugreifen. Da aber 
Kirkham auf ſeinem Entſchluſſe blieb: ſo willigte er ein. Sie lichteten, und erreichten 
Norkeyland bald, durch Huͤlfe einer ſtarken Fluth und eines Seewindes; unterwegs luden fie alle 

ihr Geſchuͤtz mit Muſketenkugeln. Sie ankerten zwanzig Ellen vom Ufer, weil der Canal 
ſicher war, außen an des Königs Canoes, der mit feinen Leuten über ihre Ankunft nicht nes 
nig erſtaunte, beſonders da ſie den Herrn Smith in Begleitung beyder Hauptleute und zweener 
Sklaven der Geſellſchaft landen ſahen, welche alle mit Hirſchfaͤngeru bewaffnet waren. 


Sie zogen nach dem alten Paradethore hin, welches damals noch ſtund, wo etwa hundert ihnen zu 

von des Königs Schwarzen mit Buͤchſen, Wurfſpießen, Saͤbeln, Stilleten und Hirſchfaͤngern, Huͤlfe; 
es zu bewahren ſtunden. Smith merkte, daß ſie erſchrocken waren; denn ſie machten zur 
linken und zur rechten Hand auf, ihn durchzulaſſen. Sie giengen gerade nach dem Facto- 
reyhauſe, wo der König mit ſeiner Wache vor dem Thore ſtund. Dieſe that einigen Wi: 
derſtand, aber Smith trieb ſie, nebſt dem Ridley, ins Haus, wo er mit Vergnuͤgen noch 
einen Weißen neben Holditch und Allen ſah. Dieſes war ein Soldate der Geſellſchaft, 
Wild genannt, welcher denſelben Tag den Fluß heruntergekommen war. Smith machte 
ſich an den Koͤnig, der Engliſch verſtund, und es ein wenig ſprach, und fragte ihn hitzig: 
wohin alle feine Canoes, die mit der Geſellſchaft Gütern beladen waren, gehen ſollten? Der 
König antwortete nichts: aber Holditch und Allen brachten ihre Klagen, wegen der uͤbeln 
Begegnung, die ihnen von Seiner Majeſtaͤt erwieſen worden, vor. Smith fragte den Koͤ— 
nig, ob ſolches wahr waͤre, erhielt aber keine Antwort; worauf er ſagte, er haͤtte dem Koͤnige 
einen Strick, ſich daran zu haͤngen, geſchenkt, und ſchleppte ihn bey ſeinem neuen Halsban⸗ 
de, welches er noch umhatte, aus dem Hauſe ins Mittel des Paradeplatzes, wo er vor der 
ganzen Wache Seiner Majeſtaͤt Ueberwurf mit feinem Degen ausklopfte 7). 

Die Wache erſchrack hierüber ſehr; denn fie wußten, daß ihr Herr nach Verdienſt be- pruͤgelt den 
lohnet ward, weil ein Geſetz zu Sherbero iſt, daß, wer einen Weißen ſchlaͤgt, wo er zu ver- König aus, 
kaufen iſt, der ſoll verkauft, fonft aber getoͤdtet werden g). Herr Smith ſchleppte den König 

e weiter, 
e) Smith a. d. 54 u. f. S. zu verderben, wie auch der Ausgang zeiget. 


) Dieß war wohl allzuhitzig, und diente nur, g) Aber das kann ſich nicht auf den König er: 
die Engländer verhaßt zu machen, und die Handlung freiem. ö 


1726 
Smith. 


welcher ge: 
fangen wird; 


aber ent⸗ 


wiſcht. 


516 Reifen nach Guinea und Benin 


weiter nach der Waſſerſeite, in einem Canoe, mit Verordnung an Ridley und Wild, ihn 
an Bord der Schaluppe zu fuͤhren, und in Bande zu ſchlagen. Seine Unterthanen aber, 
die erhitzt wurden, daß man mit ihrem Koͤnige ſo umgieng, ſuchten ſolches zu verhindern, 
und hielten den Canoe an, bis die Engländer, nachdem fie verſchiedene von ihnen verwun⸗ 
det, den Canoe losmachten. Sie verfolgten ihn zwar bis ins Waſſer, und einer von ihnen 
hatte ſich hinter den Herrn Smith gemacht, um ihm mit einem Negerſaͤbel den Kopf zu 
zer ſpalten; aber Ridley ſah ihn, und ſprang gleich noch zu rechter Zeit aus dem Canoe, um 
durch einen Hieb von hinten dieſes Kerls Hand untuͤchtig zu machen. Er zerbrach durch 
dieſen Hieb ſeinen Hirſchfaͤnger, ſtatt deſſen er des Schwarzen Saͤbel nahm. Die Leute 
fochten nun verzweifelt, da fie ihren König im Canoe gefangen ſahen, den Ridley mit dem 
Saͤbel, und Wild mit einem Hirſchfaͤnger bewachten, und drangen fo auf ſie, daß Smith 
ſich kaum vertheidigen konnte. | 

Mittlerweile riefen die Leute in der Schaluppe ans Land, ob fie feuren ſollten? Weil 
aber das Boot dem Schuſſe nahe lag: ſo wollte Smith ſolches nicht zugeben. Es war 
nun finſter, und einer von den Leuten war herumgekommen, den Verfaſſer im Ruͤcken zu 
durchſtoßen. Bidley aber, welcher des Kerls Abſicht merkte, ſprang ein Paar Schritte 
vorwaͤrts, und oͤffnete ihm mit einem portugieſiſchen Stilette das Maul von einem Ohre 
zum andern; worauf er entſetzlich zu bruͤllen anfing, denn reden konnte er nicht. Dieſes 
erſchreckte ſeine Cameraden dergeſtalt, daß Herr Smith dadurch Zeit gewann, einem, der 
ihm ſehr nahe drang, einen guten Stoß ins Bein zu geben, worauf der Kerl ſein Schwerdt 
fallen ließ, und davon lief. Die übrigen folgten demſelben, und ſie ſetzten ihnen bis an die 
Waͤlder nach. 

Unterdeſſen fuͤhrte Ridley feinen koͤniglichen Gefangenen nach der Schaluppe. Da fie 
aber an ihre Seite gekommen waren, und Ridley den Canoe mit einem Stricke an die 


Schaluppe befeſtigte, ſtreifte der König feinen Hut und Ueberſchlag ab, und ſchwamm un 


Berathſchla⸗ 
gung daruͤ⸗ 
ber. 


vermerkt ans Ufer. Als der Hauptmann den Canoe befeſtigt hatte: ſo verordnete er, daß 
zweene von ſeinen Leuten Seiner Majeſtaͤt hinaufhelfen ſollten, die aber von ihm nur ſeine 
aͤußere Schale fanden. Er kam voller Grimm daruͤber ſogleich nach dem Ufer, und gab 
dem Herrn Smith des Königs Kleidung, nebſt der Nachricht von feiner luſtigen Ente 
rinnung >). 

Gleichwohl urtheilte Smith, diefes möchte übele Folgen haben, weil der König fo viele 
bewaffnete Leute auf der Inſel hatte, die, ſowohl als er ſelbſt, uͤber dieſe Begegnung erzuͤrnt 
waren. Deswegen hielt er für gut, mit der übrigen Geſellſchaft die gehörigen Einrichtun- 
gen zu ihrer Sicherheit zu uͤberlegen, damit der Feind nicht die Factorey zu Benſe uͤber⸗ 
fiele. Sie hielten ihren Rathein einem großen Canoe unter einem Mangrovenbaume. 

Man beſchloß alſo auf des Verfaſſers Vortrag, daß Holditch, Allen und Wild ſich 
wieder nach dem Factoreyhauſe machen, und ihre Schwarzen da in Vertheidigungsſtand 
ſetzen ſollten. Sie ſollten die ganze Nacht auf dem Paradeplatze herumgehen, und wo ſie 
einen Schwarzen ſaͤhen, ſogleich auf ſelbigen feuern. Herr Smith aber, nebſt den beyden 
Hauptleuten und den beyden Gromettas, ſollten der Geſellſchaft Waaren an Bord der 
Canoes beobachten. Dieſes wurde ſogleich ins Werk gerichtet. Allen, Holditch und Wild 
giengen mit geladenen Muſketen nach der Faetorey, Herr Smith gieng, die Canoes in 


Sicherheit zu bringen, welche fortgeſchleppt, und an die Schaluppe gebunden wurden. 


5) Smith auf der 62 und folgenden Seite. Nach⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. Sr 
Nachdem dieſe verſichert waren, und die beyden Hauptleute und Sklaven ſich am Bor⸗ 
de befanden, auch auf ein gehoͤriges Zeichen Feuer zu geben Befehl hatten: ſo gieng Herr 
Smith wieder ans Land, in der Abſicht, die Beſatzung der Factorey zu verſtaͤrken. Unterwe⸗ 


— 


1726 
Smitb. 


Des Verfaſ⸗ 


gens aber ſtrich ihm ein Schuß aus dem Walde hart bey dem Ohre durch feine Perücke vorbey. ſers Gefahr. 


Dieſes feste ihn in ſolche Furcht, daß er nach der Factorey zulief, wo er, verſchiedener auf ihn ges 
richteter Schuͤſſe ungeachtet, gluͤcklich in das Paradethor kam, welches etwan drey Achttheile 
einer Meile von der Waſſerſeite iſt. Hier wagte er es, herauszukucken, und ſah ganz deut⸗ 
lich einen großen Haufen Schwarze unter einem Seidenwollenbaume verſammlet, woraus 
er erkannte, was fuͤr einer Gefahr er entronnen ſey. Nachdem er ſich mit einem Trunke 
erfriſcht, und den Feind noch an eben dem Orte ſah: ſo rief er dem Ridley am Borde der Scha⸗ 
luppe zu, zwey ſeiner Geſchuͤtze ſo nahe nach der Wurzel des Baumes, als er koͤnnte, loszu— 
brennen; welches fo glücklich angieng, daß eilf Schwarzen getoͤdtet, oder toͤdtlich verwund 
wurden, wie ſie den Tag darauf erfuhren. 
Dieſes zerſtreute den Feind, und ſie ſchleppten ihre Todten ins Holz. Herr Smith 
gab darauf Befehl, daß die Weißen von dem Paradeplatze feuren ſollten, wenn ſich Schwarze 
unweit der Factorey ſehen ließen, und gieng auszuruhen. Als er bey ſeinem Erwachen 
alles ruhig fand: ſo wagte er es, zwiſchen zweenen Sklaven nach der Waſſerſeite hinunter 


zu gehen, und ruderte an Bord der Schaluppe, wo er die ganze Nacht auf dem Verdecke 


Wache hielt. | | 

Mm ein Uhr rief ihm Holditch mit dem Sprachrohre zu, er ſaͤhe einen Haufen Ne: 
gern nach dem Paradethore ziehen. Herr Smith befahl ihm, zu feuern, welches er that, 
und einen toͤdtete, und einen andern verwundete, welcher der Geſellſchaft Dollmetſcher An⸗ 
tonio war. Um drey Uhr hörte Herr Smith das Geraͤuſch von einem Canoe unweit 


des Ufers, worauf er zweene Sklaven ſandte, um zu ſehen, was es wäre, Sie entdeckten 


drey Leute, die bey ihrer Annaͤherung uͤbee Bord ſprangen, und unter den Mangroven ans 
Land ſchwammen. Die Sklaven brachten den Canoe an Bord, und mit Anbruche des 
Tages brachte einer von den Leuten dem Herrn Smith einen Loͤwenſchwanz, den ſie darinnen 
gefunden hatten, und der fuͤr des Koͤnigs Fetiſch erkannt wurde; woraus ſie ſchloſſen, der 
Koͤnig wuͤrde dieſe Nacht entwiſcht ſeyn, wo ſie ihn nicht aufgehalten. 

Bey Aufgange der Sonne gieng Herr Smith mit dem Herrn Cummerbus, Ridley, 
und zweenen andern ans Land, um zu überlegen, wie der Geſellſchaft Waaren von dem Porkey⸗ 
lande wegzuſchaffen wären. Das erſte, was fie fahen, war Antonio, auf dem Boden lie- 
gend, und uͤber ſeine Wunden winſelnd. Als Herr Smith daruͤber erſtaunt zu ſeyn ſchien: 
ſo berichtete ihm Holditch, Antonio ſey unter den Leuten geweſen, auf die er ihm den Mor⸗ 
gen zu feuren befohlen. Antonio ſagte : „es iſt wahr, Herr, ich habe zwo Zungen, eine 


„Zunge fuͤr Weiße, und eine Zunge fuͤr Schwarze. Ich bin es werth, daß ich umkomme; 


„aber ich komme, euch zu ſagen, daß die Weißen die Schwarzen nicht födten, ſondern ihre 
„Freunde ſeyn follten. „ Herr Smith fragte: warum er nach Feindes Art gekommen 
waͤre? Antonio meldete ihm, ihrer waͤren ſieben geweſen; der eine, der getoͤdtet worden, 


waͤre vom Könige abgeſchickt geweſen, Friedens vorſchlaͤge zu thun, und die andern fuͤnfe waͤ⸗ 
ren zuruͤckgegangen. Darauf befahl Herr Smith ſeine Wunden mit einer vortrefflichen 
Salbe, welche er mit aus England gebracht hatte, zu beſtreichen, und verficherte ihn, er 


ſollte leben bleiben, wo er die Wahrheit geſagt haͤtte. 
Tit 3 Um 


Ein Neger: 
abgefandter 
wird getöds 
tet; 


der Doll⸗ 
metſcher ver⸗ 
wundet. 


1726 
Smith. 


Er wird be⸗ 
fragt. 


Vorſchlaͤge 


vom Koͤnige. 


Von der Fa- 


etorey. 


58 Reiſen nach Guinea und Benin, 4 


Um zehn Uhr hielten fie Rath, und Smith ſchlug vor, der Geſellſchaft Waaren nach 
einer Stadt, Namens Jamaica, hinunter zu ſchaffen, die dem Herrn Cummerbus ge⸗ 
hoͤrte, weil jener Platz in gar keinem Vertheidigungsſtande war, im Falle die Leute ihre 
Feindſeligkeiten fortſetzten. Herr Holditch verſetzte, dieſe Fortruͤckung koͤnnte der Geſell⸗ 
ſchaft ſchaͤdlich ſeyn. Weil er aber ſeine Urſachen nicht angeben wollte: ſo hielt man fuͤr 
gut, den Antonio zu befragen, ehe man einen Schluß faſſete. Solditch ward zum Ge⸗ 
richtspraͤſidenten ernannt, und Antonio vorgefuͤhrt, der mit ausſchweifenden Bezeugun⸗ 
gen von Unterthaͤnigkeit und Freude erſchien. Sie erfuhren von ihm, daß der Schatzmei⸗ 
ſter des Königs felbigen wegen des Role oder Tributs betrogen; wie der König ſolches er⸗ 
fahren: ſo haͤtte er ſechſe von ſeinen Unterthanen mit ihm geſandt, den Englaͤndern ſolches 
zu melden, und Frieden zu ſchließen. Mittlerweile haͤtte der Koͤnig allen ſeinen Untertha⸗ 
nen bey Lebensſtrafe befohlen, die Waffen wegzulegen, und die Weißen nicht zu beleidigen, 
und es litten Seine Majeſtaͤt nebſt Dero Leuten großen Mangel an Lebensmitteln 2). 
Kaum war Antonios Verhoͤr geendigt: ſo kam einer von der Wache, und meldete, 
daß ein einzelner Schwarzer unbewaffnet aus dem Walde kaͤme, und ſich im waͤhrenden 
Gehen immer dann und wann auf die Erde wuͤrfe. Antonio ſchien hieruͤber erfreut zu 
ſeyn, ſprang auf, und ſchrie: Das iſt der Bothe vom Koͤnige von Sherbero. Nun 
die Wahrheit! das errettet mein Leben! 


Der Bothe ward durch den Herrn Cummerbus vorgefuͤhret, und berichtete ihnen: 
„der König, fein Herr, bedauerte, daß er die Weißen durch Abforderung des Role, den fie 
„ nicht ſchuldig geweſen, beleidigt hätte, wie er dieſes durch das Geſtaͤndniß feines Schatz⸗ 
„meiſters entdeckt. Er haͤtte auch ſelbigen, als die Urſache dieſes Zwiſtes, hingerichtet. 
„Seine Majeſtaͤt wuͤnſchten, mit den Weißen Frieden zu ſchließen, und haͤtten Ihren Un⸗ 
„ terthanen befohlen, die Waffen niederzulegen, und ihnen bey Todesſtrafe verbothen, einen 
„Weißen zu beleidigen; mit dem Zuſatze: der König und feine deute, welche Mangel an 
„Lebensmitteln litten, bäthen fie um Beyhuͤlfe. Bey feiner Ruͤckkunft nach Sherbero ſollte 
„ ſolches erſetzt werden. „ 


Dieſe Bothſchaft, welche mit des Antonio Ausſage uͤbereinſtimmte, rettete ihm das 
Leben. Weil aber der Abgeordnete nichts von der vorigen Geſandtſchaft erwaͤhnte: ſo 
fragte ihn Herr Smith darum, und fand es fo, wie Antonio geſagt hatte, mit dem Zu⸗ 
ſatze, die Entdeckung wegen des Role fey vermittelſt des Antonio geſchehen. 

Als ſich der Abgeſandte fortgemacht hatte, fo ward des Königs Bothſchaft in Ueberle⸗ 
gung gezogen; und weil man glaubte, es ſey dem Vortheile der Geſellſchaft zuwider, ſich 
von dem Norkeylande wegzumachen, wo man einen ſichern Frieden erhalten koͤnnte: ſo hielt 
man fuͤr gut, des Koͤnigs gegenwaͤrtige ſchlechte Umſtaͤnde zu Erhaltung mehrerer Sicher⸗ 
heit zu gebrauchen. Man beſchloß alſo, durch den Herrn Cummerbus als Abgeſandten, dem 
Könige zu berichten, daß ſie gern mit ihm und ſeinen Unterthanen friedlich leben wollten; 
da aber Seine Majeftät auf den uͤbeln Rath Dero Minifter Feindſeligkeiten begangen, die 
Englaͤnder angegriffen, und der Geſellſchaft Waaren weggenommen hätte: ſo wollten ſie, 
um beſſerer Sicherheit wegen, ſich von dem Norkeylande nach der Stadt Jamaica machen, 
wo Seine Majeſtaͤt ihnen nicht folgende Vorrechte geſtattete: 1) Bey feinem a zu 
g woͤ⸗ 


) Smith auf der 69 und folgehben Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 5:9 


ſchwoͤren, daß er Norkeyland hinfuͤhro mit nicht mehr als vier und zwanzig unbewaffneten 1726 
Begleitern beſuchen wollte. 2) Wenn einer oder mehrere Schwarzen das Eyland als Feinde Smith. 
beträten, fo follten fie hingerichtet werden. 3) Wenn Seiner Majeftät der Role auszuzah⸗ 
fen wäre, fo follten, folchen einzunehmen, nicht mehr als ſechs Perſonen kommen. 4) Die 
Chriſten oder Weißen, welche in Sherbero wohnten, follten ihre freye Religionsuͤbung 

aben. a ' 
Nachdem fie dieſen Entſchluß gefaßt hatten, fo machte ſich Herr Cummerbus mit des Geſande⸗ 
Königs Geſandten nach dem Walde fort, um feine Commißion auszurichten, und nahm den ſchaft an den 
vor zweenen Tagen gefundenen Fetiſch des Königs mit. Der König ſaß am Fuße eines König. 
Seidenwollenbaumes, und war von feinen Unterthanen umringt. Er ſtund auf, dem Herrn 
Cummerbus entgegen zu gehen, der nach abgelegten Complimenten das ihm aufgetra⸗ 
gene ausrichtete; worauf der König verſetzte, er ſey gar nicht Willens, mit den Weißen 
in Feindſchaft zu leben; wenn er nach Sherbero zuruͤck kaͤme: ſo wollte er eine Verſamm⸗ 
lung halten, und den Englaͤndern die verlangten Vorrechte beftätigen, mit Bitte, fie moͤch⸗ 
ten ſich nicht von dem Eylande wegmachen, er wallte ihnen Sklaven, Elfenbein und Bau⸗ 
holz um guten Preis laſſen. | 

Als Herr Cummerbus zurück kam, und des Königs Antwort beym Rathe überlegt 

wurde: fo beſchloß man innerhalb einer halben Stunde, der Geſellſchaft Waaren von Pork⸗ 
eylande nach Jamaica zu ſchaffen; erſtlich, weil man ſich auf des Koͤnigs Wort nicht ver⸗ 
laſſen durfte; zweytens, weil Porkeyland nicht zu vertheidigen, Jamaica hingegen bes 
feſtigt war; drittens, da ihre Lebensmittel ziemlich abgenommen haͤtten: ſo moͤchten die 
angebothenen Sklaven vielleicht durch Verraͤtherey ihr Verderben, oder wenigſtens der Ge⸗ 
ſellſchaft zur Saft ſeyn; viertens, würde ihre Fortruͤckung der Geſellſchaft wenigſtens den 


Role, oder den Tribut erſparen, den man dem Könige bezahlen müßte, 


Man überließ die Beſorgung des Fortruͤckens dem Herrn Smith und Solditch, und Die ßaetorey 
ſchickte den Herrn Cummerbus wieder zum Könige, mit ihm einen Pallaver zu halten, wird fortger 
bis fie ihre Abſicht ausgefuhrt hätten. Dieſes that er; und wie er den Schuß hörte, wel⸗ ruͤckt. 
cher das Zeichen war: ſo meldete er dem Koͤnige mit vieler Betruͤbniß, er haͤtte gar nicht 
wohl gethan, daß er mit den Englaͤndern ſo umgegangen waͤre, und die Factorey pluͤndern 
wollen, ſie haͤtten nun die Waaren ſchon an Bord gebracht, um ſolche nach Jamaica zu 
fuͤhren, wovon der Schuß das Zeichen waͤre. | 

Der König ſchien hierüber ſehr unruhig zu ſeyn, und feine Unterthanen bezeigten ihr 
Misvergnuͤgen. Herr Cummerbus gieng in Begleitung des Antonio nach einer Spitze 
von der Inſel, wo ihn einer von ihren Canoes aufnahm; aber er ließ den Antonio zuruͤck, 
um die Bewegungen des Feindes zu beobachten. Noch war der Canoe nicht weit vom 
Lande, ſo verfolgten ihn ſchon einige Leute mit Pfeilen und Wurfſpießen. Er ſah ihre 
Zahl ſich vermehren, war aber ihnen bald aus dem Schuſſe. f 

Den Tag darauf fanden Antonio und ſechs andere ein Mittel, in einem hohlen Bau- Der König 
me nach Jamaica zu ſchiffen, und berichteten ihnen, daß nach des Herrn Cummerbus leget die Re⸗ 
Abreiſe ein Pallaver zwiſchen dem Könige und feinen Unterthanen entſtanden, daß der Koͤ- gierung nies 
nig, ihrem Jorne zu entgehen, ihnen befohlen, den Cummerbus, als den Abgeſandten, zu der. 
verfolgen, und ſelbigen todt oder lebendig zuruͤck zu bringen, als welcher die Urſache von 
dem Wegweichen der Engländer wäre, wie daraus erhellte, weil fie nach Jamaica gien⸗ 

a gen. 


1725 
Smith. 


Es wird ein 
anderer ge⸗ 
waͤhlt. 


Stadt Ja⸗ 
maica. 


Wle er em⸗ 
pfangen 
worden. 


Smith die hoͤchſte Ehrenbezeigung zu erweifen, welches folgendergeſtalt geſchah. 


50 Reeiſen nach Guinea und Benin, | 


gen. Dieſer Anſchlag hatte feine Wirkung; denn weil fie den Cummerbus verfolgten: 
ſo entwiſchte der Koͤnig, der ſich fuͤrchtete, ſie moͤchten ihn aus Grimme, daß ſie den Vor. 
theil des Handels mit der Geſellſchaft verlohren, umbringen, und man hörte nichts mehr 
von ihm. 

Die Leute, als fie bey ihrer Ruͤckkunft fanden, daß ſich der König verſteckt, oder die Ne: 
gierung niedergelegt hatte, machten es folgendergeſtalt, einen neuen Koͤnig zu waͤhlen. 
Nachdem die Edlen ihren aͤlteſten Hauptmann zum Nachfolger erwaͤhlt hatten, ſo oͤffnete 
ſich der Haufe des Volks, und machte eine Gaſſe, durch welche der Candidat von zweenen 
Leuten, denen er auf den Schultern ſtund, getragen wurde. Im Vorbeytragen, betrachteten 
ihn feine Unterthanen, warfen ſich nieder und ſchryen. So wird der König durch feine 
Länder gefuͤhrt, und die Ceremonie endiget ſich mit einem luſtigen Tage. 

Der neue König, Namens Maximo, ſchickte einen Sklaven nach Sherbero in einem 
Canoe, mit Befehle an die Kaboſchiren Y, ihm eine Menge Canbes fuͤr ihn und fein 
Volk, vom Eylande hinzukommen, zu ſenden. Darauf brachte er die Nacht in der Facto⸗ 
rey zu, gieng den folgenden Morgen, wie die Canoes ankamen, in ſelbige, und verwarf 
den Vorſchlag einiger ſeiner Edlen, die Factorey zu verbrennen. 


Der III Abſchnitt. 


Stadt Jamaiea. Wie Smith da aufgenommen Gezuͤchtigter Stolz. Croß wird ausgeloͤſt. Vorge⸗ 


13 


worden. Seine Abreiſe. Nachricht vom Bau- birge Meſurado. Rie Junko. Rio Seſtos. Se: 


holze. Fluß Sherbero. Das Boot iſt wegen der ſtra Krue. Sie ſchicken ans Land. Vorgebirge Pal⸗ 
Klippen in Gefahr. Heftiger Tornado. Er trifft mas. St. Andreas. Geſchichte vom Johann: 
die Schaluppe an. Croß wird gefangen genommen. Conny. Friedrichsburg. 


Meclerweile langte die Schaluppe mit den Candes und Waaren der Geſellſchaft gluͤck— 


lich zu Jamaica an. Smith gieng hier mit Cummerbus ans Land, und ſuchte 
zwey gute Haͤuſer aus, die er ihnen für die Geſellſchaft wohlfeil abkaufte. Bey feiner 
erſten Landung empfing ihn ein Haufen Volks auf der Waſſerſeite, und Cummerbus re⸗ 
dete mit zweenen von den oberſten Hauptleuten, daß ſie dem Volke ſagen ſollten, dem Herrn 


Sie umringten ihn erſtlich, worauf ihn zweene in die Aerme nahmen, auf die Schul⸗ 
tern ſetzten, und mit ihm nach der Stadt liefen, wobey ſie als Beſeſſene bruͤllten und laͤrm⸗ 
ten, einige ſprangen und huͤpften, andere ſchoſſen mit ihren Musketen, ſo geſchwind ſie 
konnten. Anfangs fuͤrchtete Herr Smith einen Betrug, ward aber bald uͤberfuͤhret, daß 
es lauter Poſſen waren; denn ſie ſchleppten ihn ſo durch alle Winkel der Stadt, da ſich in⸗ 
deß die Weiber und Kinder verſammleten, und vor Freuden in die Haͤnde klopften. Waͤh⸗ 
rend dieſer Ceremonie, welche etwa eine Vierthel Stunde dauerte, ward vor Herrn Cum⸗ 
merbus Thuͤre eine Trummel geſchlagen, und eine Trompete geblaſen, wo man ihn end⸗ 
lich niederſetzte, nachdem ſeine Traͤger ſich und ihn aus den Athem gelaufen. 1 

Cummerbus gruͤßte ihn mit einer Salve von verſchiedenen kleinen, vor ſeinem Hauſe 
gepflanzten Geſchuͤtze, und fuͤhrte ihn nachgehends in ein großes Zimmer, wo man zur Mit⸗ 
tags⸗ oder vielmehr Abendmahlzeit, weil es ſchon über vier Uhr war, gedeckt hatte. Die 

e Tafel 
5) In der Grundſchriſt Caboceros. 1 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 521 


Tafel war mit verſchiedenen Schuͤſſeln geſottener und gebackener Fiſche, und Wurzeln, als 1726 
ams und Potatoes beſetzt. Die zweyte Tracht Gebratens war ein Bug von einer Cabo Smith. 
rita oder jungen Ziege, fo gut als Wildpraͤt, und vier große Voͤgel. Herr Smith litt 
hier nie Mangel an wohlzugerichteten Speiſen. Er fand ſogar abgezogene Waſſer; und 
wie ſein Zucker alle war, tranken ſie Maderawein. 
Nachdem Herr Smith die Factorey allhier eingerichtet: fo ſegelte er den 29ſten des Seine Ab⸗ 
Wintermonats ab, und begrüßte die Stadt mit ſieben Schüffen, die ordentlich erwiedert wur- reife. 
den. Als ſie unter Segel waren, ſo berichtete der Hauptmann Kirkham dem Herrn Smith, 
ſie haͤtten nur noch acht Flaſchen Madera, welches eine ſchlimme Zeitung war, weil in die— 
fen heißen Laͤndern vielmehr Getraͤnke als in Europa nörhig'ift. Wie fie aber bey niedrigem 
Waſſer an einem Orte ankerten, woſelbſt, nach dem Berichte eines Grometta, Zuckerrohr 
wuchs: ſo ſchickten fie ihn, und zweene Sklaven in einem Kahne ab, die auch in zwoen Stuns 
den mit einem Bündel zurück kamen. Dieſes ſchnitten und preßten fie, und weichten es nach= 
gehends in Waſſer, bis ſolches ſuͤße genug war, Punch zu machen, denn Rum und Limonien 
hatten fi. Den zoften des Wintermonats, kamen fie außer der Mündung des Fluſſes, 


pe: anferten an dem Plantaineylande, wo fich die Herrn Pearce und Sanderſon 
aufhielten. 


Weil Kirkham mit ihnen bekannt war, fo nahm er Herrn Smithen ans Land, der ver- 
hoffte, von ihnen einige Nachricht wegen der Gegenden den Fluß hinauf zu erhalten, wo 
das Bauholz waͤchſt, weil man bisher nur einen ſehr unvollkommenen Bericht von den Ne⸗ 
gern dieſerwegen hat. Dieſe letztern meldeten ihm, wenn ſie ein gut Stuͤck den Fluß 
Sherbero hinaufgeſegelt, fo kaͤmen fie in ein bergicht Land, wo der Fluß ſehr gewunden 
floͤſſe, aber nicht ſchnell, ausgenommen bey zweenen oder dreyen Waſſerfaͤllen. Einer von 
denſelben ſey breit, der Fluß falle zwanzig Fuß gerade herunter uͤber die Felſen, mit großem 
Geraͤuſche; die andern beyden hießen nicht viel. Bey dem erſten mußten fie zu Lande ge— 
hen, und ihre Canoes über den Fall ſchleppen; bey dem andern, wenn ihre Canoes umwuͤr⸗ 
fen, fanfe das Holz zu Boden, und in der trocknen Jahrszeit kaͤmen fie und nahmen es her— 
aus, da der Canal voͤllig trocken waͤre. Sie gehen allemal am Ende der Regenzeit hin⸗ 
auf, die insgemein fuͤnf Monate anhaͤlt, Holz zu hauen, und Zaͤhne zu ſuchen. Mit dem 
naͤchſten Regen kommen fie zuruͤck. Sie ſehen vielerley wilde Thiere, werden aber ſelten 
beſchaͤdigt. Man berichtete dem Herrn Smith, daß ein großer Arm vom Fluſſe Scher⸗ 
bero ſich in die See unweit des Vorgebirges Monte ergießt, aber für kein Schiff zu be— 
fahren ift, weil unweit des Mundes, eine große Barre Namens Scheabar liegt; ſonſt 
wuͤrde es nur eine kurze Reiſe von Sierra Leona nach Cape Monte ſeyn. 


Um den Fluß Sherbero iſt eine ſehr fruchtbare Gegend. Sie verſorgt beſonders Sierra Fluß Scher⸗ 
Kona mit friſchen Lebensmitteln. Herr Smith erhielt die verhoffte Nachricht von den Plan- bero. 
taineylanden nicht; denn als er mit dem Hauptmanne Kirkham ans Land gieng, fanden 
ſie, daß Pearce, und Sanderſon in ihren Schaluppen weggegangen waren, um zu Rio 
Pungo nordwaͤrts Sklaven zu handeln. Doch fanden ſie Pearces Frau zu Hauſe, die als 
eine gute Hauswirthinn, mit ihren Sklavinnen Korallen anreihete, und Bufis zählte. Sie 
nahm ſie freundlich auf, und ſchickte einige Ihrer Sklaven aus, Kokosnuͤſſe für fie zu ſammlen ; 

| un 

7) Smith auf der 78 und folgenden Seite. 


Allgem. Beifebefchr. II Band. u u u 


1726 


Smith. 
Er 


Das Boot 
in Gefahr, 


wegen der 
Klippen. 


Heftiger Tor⸗ 
nado. 


522 RMeeiſen nach Guinea und Beninn 
und ob fie gleich keinen Zucker hatten, machten fie etwas guten Punch von feinem Honig, von wel⸗ 
chem Kirkham, ohne daß es Smith wußte, einen Topf mit an Bord zu nehmen ſich ausbath. 

Es ſtrecket ſich hier eine Reihe Klippen unter dem Waſſer auf eine Seemelle weſtwaͤrts 
dieſer Inſeln in die See, die man an den Wellen, welche ſich daran brechen, leicht entdeckt 
und vermeidet. Außen an denſelben lag ihre Schaluppe etwa vier Seemeilen vom Ufer. 
Es war finſter, als ſie das Eyland verließen; und ehe ſie eine Meile fortkamen, ward es ſo 
dunkel, daß ſie kein Land mehr erkennen konnten, noch vielweniger ihre Schaluppe, auch war 
kein Stern am Himmel zu ſehen. Doch ruderten ſie eine Weile auf und nieder, ungewiß 
wohin ſie giengen. Herr Smith ward endlich unruhig, und erſuchte Kirkham, die Nacht 
ſtille zu liegen, damit fie nicht im Finſtern fo weit in die See ruderten, daß fie des Morgens 
kein Land mehr ſaͤhen, in welchem Falle, da ſie keinen Compaß hatten, ſie die Kuͤſte nicht 
würden wieder gefunden haben, und in Gefahr geweſen ſeyn, auf der See zu verderben, be— 
ſonders da ſie nichts, als etwas Cocosnuͤſſe und den Honigtopf am Borde hatten. Kirkham 
geſtund, daß die Furcht gegruͤndet ſey, erwiederte aber, es waͤre auf der andern Seite eben 
ſo viel Gefahr; denn da die Regenzeit weit heran waͤre, ſo haͤtte man alle Urſache, zu fuͤrch— 
ten, daß ein Tornado die Nacht kommen moͤchte, und alsdenn ſey keine Hoffnung, in ihrem 
offenen Boote das Sinken zu vermeiden m). 

Darauf ward beliebt, noch etwas laͤnger zu rudern, in Hoffnung, daß ſie Land oder die 
Schaluppe ſehen wuͤrden. Um eine Stunde darnach fanden ſie ſich unweit einiger ſich 
brechenden Wellen, und glaubten, es waͤren die erwaͤhnten Klippen unter Waſſer, die ſich 
von dem Ufer an die Schaluppe ſtreckten. Sie behielten ſolche alſo zur rechten Hand, und 
ruderten längfthin, in Hoffnung, daß ſelbige fie ſicher, entweder ans Land, oder zur Scha⸗ 
luppe, leiten würden. Als fie aber ihr Ende erreichten, ſahen fie kein Licht von einem Schiffe. 
Dieſes Ungluͤck hatte Hauptmann Kirkham verurſacht, weil er ſich ſo lange auf dem Lande 
aufgehalten, um einen Sklaven zu handeln, der ſich bey Nacht davon ſchlich. 

Indem ſie voll Betruͤbniß waren, erſchreckte ſie das Bruͤllen eines wilden Thieres 
welches Smith für einen Loͤwen hielt. Es ſchien ihnen nahe zu ſeyn, und fie ruderten deswegen 
darauf zu, und ſahen ſogleich Land, welches ein glaͤnzend ſandicht Ufer, mit etwas Felſen 
daran, war. Hinter einem dieſer Felſen hielten fie ihren Canoe, fo, daß fie vor den See⸗ 
wellen ſicher waren, ſich aber nicht ans Land wagten, weil das Bruͤllen der wilden Thiere 
beſtaͤndig zunahm. 

Sie urtheilten, es möchte um zwey oder drey Uhr ſeyn, und waren nicht lange hier ge- 
weſen, als es zu donnern und blitzen anfing, als ob die Elemente im Feuer ſtuͤnden. Dieß 
waren die Vorbothen eines heftigen Tornado, der ſo laut durch die Baͤume rauſchte, daß 
fie die wilden Thiere nicht mehr konnten bruͤllen hören. Auf ihn folgte ein außerordentli- 
cher Regen. Sie hatten keine Bedeckung in ihrem Canoe, und durften ſolche aus Furcht 
vor den Thieren nicht unter den Baͤumen ſuchen. Doch hielten ſie ſich fuͤr gluͤcklich, daß 
fie der See entrunnen waren, und ertrugen den Guß ſtandhaft. Mit Anbruche des Tages 
hörte er auf; und weil fie nur weiße Weſten anhatten, fo waren fie vortrefflich durchnetzt. 

Sie fanden nun, daß fie in VNawrybay zwo Seemeilen nordwaͤrts von den Plantai⸗ 
neneylanden waren, welches fie deutlich genug, aber nichts von ihrer Schaluppe ſehen konn⸗ 

ten. 


) Smith a. d. 88 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 3523 


ten. Dieſer letzte Zufall war deſts betruͤbter, weil fie unmöglich trockne Kleider bekommen 1726 
konnten. In dieſem Elende beſchloſſen fie, nach den Banangeylanden, welche fie im Ge- Smith. 
ſichte hatten, zu rudern, die vier Seemeilen von ihnen waren, um ſich bey Herrn Bonner⸗ 

manen zu erfriſchen; und wo ſie nichts von der Schaluppe hoͤrten, ſo wollten ſie ihre Reiſe 

im Canoe laͤngſt dem Ufer nach Sierra Leona fortſetzen. 

Sie machten ſich alſo fort; und ob es wohl ein weiter Weg fuͤr die armen hungrigen Sie treffen 
Gromettas war: fo machte doch die Noth, daß fie ſcharf zuruderten, bis ihnen um zehn die Schalup⸗ 
Uhr der Seewind in die Zaͤhne gieng, und ihre Arbeit und Noth vermehrte. Zum Gluͤcke pe an. 
waͤhrte es nicht lange; denn ſie ſahen ein Schiff nach dem Lande zulaufen, ruderten nach 
ſelbigem, und fanden, daß es ihre eigene Schaluppe war, die durch den Tornado war aus⸗ 
waͤrts nach der See getrieben worden, und nun nach dem Plantaineylande zuruͤck wollte, 
nach ihnen zu fragen, weil ſie befuͤrchteten, daß ihnen etwas widriges begegnet waͤre. 

Sobald ſie am Borde waren, liefen ſie zwiſchen denen Bananas und dem Vorgebirge 
Schelling, und rückten ſofort nach Sierra Leona, wo fie den Tag darauf, und den folgenden zu 
Benſe ankamen. Ein gefaͤhrliches Fieber noͤthigte hier den Verfaſſer, bis den 29ſten das 
Bette zu hüten; er konnte auch nicht eher, als den aten Jenner im Jahre 172627, aufs 
Verdeck gehen, an welchem Tage ſie bey dem Vorgebirge Meſurado anlangten. 

Den ıgten des Chriſtmonats fegelten fie von Sierra Leona, und ankerten den 25ſten an Creß wird 
den Gallinas. Die Königinn Eliſabeth, deren vorhin erwaͤhnt worden, lag hier. Ihr panyarer. 
Fuͤhrer, Creighton, erſuchte den Hauptmann Livingſtone, eine Weihnachtmahlzeit mit ihm 
einzunehmen, und zeigte ihm einen Brief, von einem, Namens Benjamin Croß, dritten Boots⸗ 
manne von der Unternehmung, unter dem Hauptmanne Meltiſſe, der durch die Leute von 
dem Vorgebirge Monte, drey Monate zuvor war panyaret n) worden. Sie hatten ihn 
zur Vergeltung für einige ihrer Leute zurück behalten, die ein engliſcher Handelsmann weg⸗ 
gefuͤhrt. Dieſes niedertraͤchtige Verfahren iſt nur gar zu gewoͤhnlich, beſonders bey den 
Schiffen von Briſtol und Liverpool, und thut dem Sklavenhandel viel Schaden auf der 
Kuͤſte, welche windwaͤrts liegt o). 

Als Croß der Koͤniginn Eliſabeth Ankunft zu las Gallinas vernahm: ſo ſchrieb er, 
als von feinem eigenen Schiffe zuruͤckgelaſſen, an den Hauptmann Creigthon, daß ihn ſol— 
cher ausloͤſen ſollte. Weil aber dieſer nach Sherbero beſtimmt war: ſo nahm der Haupt⸗ 
mann Livingſtone uͤber ſich, es zu thun, wenn er nach dem Vorgebirge Monte kaͤme, weil 
er die Kuͤſte hinunter, der Unternehmung nach, beſtimmt war. 

Denſelben Tag lief die Freundſchaft, eine Brigantine von Briſtol, in der Rheede von Gezüchtig⸗ 
Rio Gallinas ein. Ihr Fuͤhrer, Barry, hatte auch mit auf der Eliſabeth geſpeiſt, und wie er ter Stolz. 
zu viel getrunken, beyden Hauptleuten übel begegnet, die ihm ihre Empfindlichkeit zu erfen- 
nen gegeben. Dieſes erzuͤrnte den Barry dergeſtalt, daß er an ſeinen Bord gieng, und auf 
ſeeraͤuberiſche Art einen Schuß nach der Koͤniginn Eliſabeth that, der beynahe ihren Vorder— 
ſteven weggenommen haͤtte; er hatte auch dem Livingftone gedroht, an Bord zu kommen, 
und ihn zu geiſeln. Lvingſtone machte ſich wieder in feine Schaluppe, ſich in Vertheidi— 
gungsſtand zu ſetzen, und wie er ſah, daß die Brigantine nach ihm lief, that er verſchiedene 
Schüffe auf fie, welches fie noͤthigte, ſich fortzumachen. 5 

f a Uun 2 Den 
n) Gefangen genommen. ) Aber wie viel war wohl fein eigen Verfahren mit dem K. v. Sherbero beſſer? 


1727 
Smith. 


— 
Croß wird 


ansgelöft. 


Vorgebirge 
Meſurado. 


Rio Juneo. 


Rio Seſtos. 


— 


5 Reeiſen nach Guinea und Benin, 


Den 26ſten des Chriſtmonats ſegelten fie von las Gallinas, und langten den 29ſten bey 
dem Vorgebirge Monte an, wo fie ſich vier Tage aufhielten. Der Hauptmann Livingſtone 
loͤſte hier den Herrn Croß fuͤr etwa funfzig Pfund Sterlinge aus, und brachte ihn an Bord 
der Bonetta, wo er bis den 26ſten Jenner verzog, und alsdenn zu St. Andreas anlangte. 
Daſelbſt waren verſchiedene engliſche und franzoͤſiſche Schiffe, auch Hauptmann Maltiſſe auf 
der Unternehmung, der für den Hauptmann Livingſtone bezahlte, und Croſſen wieder nahm. 


Herr Smith bemerkte, daß die Leute, welche an dem Vorgebirge Monte kamen, mit 
ihnen zu handeln, ſehr ſcheu waren, an Bord zu gehen, weil fie ſich vor dem Panpyaren fuͤrch⸗ 
teten. Auch die, welche ſich an Bord wagten, ſprangen bey Erblickung einiger Waffen auf 
dem Schiffe ſogleich in ihre Canoes, und machten ſich ans Land. Sie ſchienen ſehr arbeit⸗ 
ſam zu ſeyn, da ſie alle in Zeugen von ihren eigenen Manufacturen gekleidet waren. l 

Den 2ten Jenner ſegelten fie nach dem Vorgebirge Meſurado, wo fie den aten anka⸗ 
men, und in acht Faden Waſſer hinter dem Vorgebirge, etwa zwo Seemeilen von der 
Muͤndung des St. Paulsfluſſes ankerten. Hier lagen ſie bis den naͤchſten Mittag. Weil 
fie aber keine von den deuten kommen ſahen, und fich nicht ans Land wagen wollten: fo lichtes 
ten fie, und fegelten, fo nahe fie konnten, laͤngſt dem Ufer hin, einen richtigen Abriß der Kuͤſte 
zu machen; dieſes hielt ihre Reiſe auf, weil ſie jede Nacht ankern mußten. 

Den sten ankerten ſie vor Rio Junco in fuͤnf Faden Waſſer, und Herr Smith gieng 
mit dem Langboote hinein, die Tiefen und Strecken zu bemerken. Die Muͤndung iſt ſo voll 
Klippen, daß ein kleines Schiff unmöglich hinein kann, aber inwendig iſt der Fluß ſchiffbar, 
und ſtreicht mit einem ſanften Strome von Oſt. Um ſechs Uhr des Abends kamen ſie an 
Bord zurück, ohne mit den Leuten, deren ſich doch viel am Ufer ſehen laſſen, geredt zu haben p). 

Den Tag darauf lichteten fie, und Herr Smith ſetzte feine Abmeſſungen die Kuͤſte hin⸗ 
unter fort. Den gten Jenner ankerten ſie vor Rio Seſtos, wo ſie ſechs Tage in Geſell⸗ 
ſchaft der Brigantine, die Vorſicht von London, unter dem Hauptmanne Cutler, lagen. 


Herr Smith unterſuchte waͤhrend der Zeit die Tiefen und Strecken des Fluſſes. Die 


Setra Krue. 


Einfahrt iſt ſo voll Klippen und Untiefen, daß nichts weiter, als ein Langboot hinein kom⸗ 
men kann, ob gleich das Becken inwendig geraum und breit iſt. Auf der rechten Hand 
des Fluſſes beym Einfahren iſt eine große ſchoͤne Stadt, die nach dem Fluſſe genennt wird. 
Sie nahmen hier Holz und Waſſer, gegen eine kleine Erkenntlichkeit für den König, ein. 
Die Leute find gegen Fremde höflich genug, aber doch vor den Englaͤndern etwas ſcheu. Die 
Lebensmittel find nicht theuer, aber ſehr ſelten, ausgenommen Reiß, davon fie viel, nebſt ei- 
nigen Voͤgeln, kauften. Den ızten Jenner hatten fie einen heftigen Wind Oſtſuͤdoſt, der 
fie noͤthigte, ihren beſten Gabelanker gehen zu laſſen, und ihre Segelſtange und Gipfel: 
maſte niederzulaſſen. 

Den Tag darauf ſegelten fie mit ſchoͤnem Wetter, und langten den zoften zu Setra 
Krue an, wo ſie vor der Stadt in ſechzehn Faden ankerten. Etwa eine Stunde darnach 
kam ein Canoe, und ſie fragten einen von den Schwarzen, der etwas Engliſch ſprach, ob ſie 
Ziegen, Schweine oder Huͤhner auf dem Lande haͤtten? Der Kerl antwortete: ſie haͤtten 
zu viel Ziegen, zu viel Suͤhner, welches ihnen Hoffnung machte, die Lebensmittel wohl⸗ 
feil und überflüßig zu finden. Den folgenden Tag gieng Herr Smith nebſt dem Hoch⸗ 

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2) Smith a. d. 56 u. f. S. 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 525 


bootsmanne, nachdem ſie die Tiefen und Strecken genommen, ans Land, und wurden an 1727 
der Waſſerſeite von einer großen Menge Einwohner empfangen, und nach der Stadt ge⸗ Smith. 
führe. Die Häufer waren alle fünf Fuß hoch, von dem Grunde auf Pfeilern gebaut, ent 

weder der ſchaͤdlichen Duͤnſte oder der wilden Thiere wegen. Weil die Leute ihn ſo ſehr 
angafften: fo ſchloß er, fie müßten noch nicht ſehr gewohnt feyn, Fremde zu ſehen. 

Indeß wollte Herr Carſe, der Bootsmann, nach Speiſen fragen, und gieng zu dem 

Oberſten der Stadt, der eine Art von einem kleinen Könige iſt, die Freyheit zu handeln zu erhal— 
ten, welche er ihnen verſtattete; und weil er gleich Mittagsmahlzeit hielt: ſo bath er Hr. Car⸗ 
ſen, ſich zu ſetzen, und mit ihm vorlieb zu nehmen. Sie hatten gekochten Reiß und Palmoͤl, 
und einer von den aufwartenden Herren gab dem Herrn Carſe eine Muſchel ſtatt des töffels, 
Nach der Mahlzeit ſagte ihm der König, er ſollte feinen Löffel einſtecken, welches er that; aber 
wie er gehen wollte, meldete er ihm, er duͤrfte nicht weg, bis er ihm ein Geſchenk fuͤr ſeine 
Muſchel gegeben. Herr Carſe gab ihm eine Kleinigkeit aus ſeiner Taſche, welche jener be⸗ 
gierig annahm, und ihn fort ließ. Sie aͤrgerten ſich, daß ſie wegen der Lebensmittel ſo 
falſch waren berichtet worden; denn hier war nichts, als Malaghettapfeffer, und etwas 
Tannaͤpfel, welches die angenehmſten Früchte von der Welt find, wenn ſie reif find; fie ha— 
ben ſechs bis zehn Zoll Laͤnge. 

Etwa viertehalb Seemeilen Suͤdoſt von Setra Krue, ſind Klippen unter dem Waſſer, 
ungefaͤhr ſieben oder acht Meilen von dem Ufer, und auf zweyhundert Ellen von einander. 
Die nordlichſte ift flach, etwa funfzig Ellen lang, die andere ſpitzig, auf der ein Schiff, wel- 
ches dem Herrn Harris in London gehoͤrte, im Jahre 1719 verlohren gieng, da es neun Fuß 
Waſſer auf einer Seite, und fuͤnf Faden auf der andern hatte. 

Den 22ften Jenner verließen fie Setra Krue, und ſchifften den 24ſten bey dem Vorge- Vorgebirge 
birge Palmas vorbey. Etwa ſieben Seemeilen Nordoſt davon iſt eine Stadt, Namens Palmas. 
Oſtende, wo ihnen berichtet wurde, daß die Leute von der naͤchſten Stadt St. Andreas un⸗ 
laͤngſt Drewin bekriegt, und in Aſche gelegt, auch die Maͤnner, Weiber und Kinder den 
Schiffen, welche zu St. Andreas gelegen, ſehr wohlfeil verkauft haͤtten. Auf dieſe Nachricht 
ſchifften ſie bey Drewin vorbey, und langten den 26ſten Jenner in Rio St. Andreas an, wo 
fie die Unternehmung nebſt verſchiedenen engliſchen und franzöfifchen Schiffen fanden. 

St. Andreas iſt eine vortreffliche Rheede fir Schiffe, und unlaͤngſt ein guter Handels: St. Ans 

platz geworden, beſonders ſeit der Zerftörung von Drewin. Sie hielten fich hier nicht län- dreas. 
ger auf, als nur die Bay auszumeſſen, und giengen alsdenn die Quaquaküͤſte vollends hinunter. 
Dieſe ſtrecket ſich von dem Vorgebirge Palmas Oſt und gen Nord, etwa hundert Seemeilen 
nach dem Fluſſe Manga, den einige Rio Cobra, andere den Goldfluß nennen. Sie iſt 
bey weitem nicht ſo wohl bewohnt, als die Koͤrnerkuͤſte, die ſich von dem Vorgebirge Monte 
Suͤdoſt hundert und funfzehn Meilen nach dem Vorgebirge Palmas erſtrecket. 

Den aten des Hornungs ankerten fie fünf Meilen weſtwaͤrts von Axim, welches das Axim. 
hoͤchſte hollaͤndiſche Fort auf der Goldkuͤſte iſt. Es iſt eine artige kleine dreyeckichte Feſtung, 
mit eilf Stuͤcken, und einer Batterie in jedem Winkel. Die beyden nach dem Lande zu haben 
jede drey Stuͤcke, und die nach der See fuͤnfe. Es iſt hier eine große volkreiche Neger: 
ſtadt unter den Stuͤcken des Forts erbaut, wie dergleichen alle europaͤiſche Forts auf der 


Goldkuͤſte haben 7). 
Aan Sieben 


79 Die 14, 115 und 116 Seite find von Wort zu Wort aus Bosman. 


* 


+ 550 RE er | 
5 525 Reifen nach Guinea und Benin 9 


1727 Sieben oder acht Seemeilen von Axim iſt ein ander großes und ſchoͤnes Fort, welches 
Smith. die Brandenburger erbauet haben, nun aber den Holländern gehört, und unter dem Na⸗ 
3 Geſchſchte men Connys Schloß bekannt iſt. Denn als die Preußen, welche es ſonſt im Beſitze hat⸗ 
Br vom Johann ten, die Küfte verließen, fo überließen fie es einem ſchwarzen Kaboſchir, Namens Jo⸗ 
5 Conny. hann Conny, mit ſcharfer Verordnung, es an niemanden, als an Preußen, zu übergeben, 

Bald darauf verkaufte der Koͤnig von Preußen ſeinen ganzen Antheil an der Kuͤſte von 
= Guinea der hollaͤndiſch⸗weſtindiſchen Geſellſchaft, worinnen nebft dieſem Forte noch ein an⸗ 
3 ders unweit dem Vorgebirge der dreyen Spitzen begriffen war. m 

Als die Holländer das Fort in Beſitz nehmen wollten: fo ſchlug ihnen ſolches Johan 
Conny ab, worauf ein Krieg von etlichen Jahren erfolgte, welcher die Holländer viel Blut 
und Geld koſtete. Conny ward auf ſeine Siege ſtolz, und ein Todfeind der Hollaͤnder. 
Er hatte einen kleinen Weg von dem aͤußern Thore nach der innern Abtheilung ſeines 
Schloſſes aus den Hirnſchaͤdeln der von ihm erſchlagenen Holländer pflaſtern laſſen ), und 
brauchte auch einen großen Hirnſchaͤdel eines Holländers mit Silber eingefaßt, ſtatt eines 
Trinkgeſchirres. Doch ward er im Jahre 1724 aus feinem Schloſſe geſchlagen, und gendͤ⸗ 
thigt, vor den aufgebrachten Hollaͤndern nach dem Lande Fantin zu fliehen. 
Friedrichs⸗ Den öten Jenner ankerten fie unweit dieſes berühmten Schloſſes in ſechs Faden. Ges 
burg. gen Abend kam ein Canoe von dem hollaͤndiſchen Statthalter, ihnen zu melden, daß ſie 
mit Holze und Waſſer koͤnnten verſorgt werden, wenn ſie es noͤthig haͤtten. Der Verfaſſer 
vermuthet, es wuͤrde ziemlich theuer geweſen ſeyn, weil ihm berichtet worden, daß alle hol⸗ 
laͤndiſche Statthalter an den auswaͤrtigen Häfen Befehl hätten, kein engliſches Schiff mit 
Holze oder Waſſer zu verſehen, als die einem großen engliſchen Kaufmanne gehoͤrten H. 
Der Bothe meldete ihnen auch, die Hollaͤnder haͤtten an verſchiedenen Orten nachgegraben, 
um eine Kiſte voll Goldſtaub zu finden, die Johann Conny hier ſollte vergraben haben, 
als er weggegangen; es waͤre aber vergebens geweſen t). 108 0 


Der IV Abſchnitt. 


Cape Coaſt. Luſtiger Streich. Waſſer ift ſelten. werden zerſtoͤrt. Ihr voriger Zuſtand. ‚Ge: 
Akera oder Akra. Rheede Whivah. Gefaͤhr⸗ faͤhrliches Ufer. Prinzeneyland. Das Schiff 


E ² .ä— —ôÄ . —5V . 7§7—7—˙· en 


liche Landung. Betruͤbter Zufall. Engliſches 
Fort. Der Koͤnig von Dahomey zerſtoͤret Akra. 
Herr Lamb wird gefangen genommen. Die 
Stadt Sabi oder Xavier, und die Fartoreyen 


wird laͤck. Sie ſegeln queer durch den Ocean. 
Sind in großem Elende. Ankunft zu Barba⸗ 
dos. Ein Fiſch rettet fie. Ruͤckkehr nach Eng⸗ 


land. 


Den. zen des Hornungs reiſeten fie von Friedrichsburg ab, giengen nach Dixcove, 

Sekondi, und Kommenda, wo Herr Smith überall Abzeichnungen machte, und 
Cape Coaſt. ankerten den 17ten in Cape Coaſt Rheede, wo fie verſchiedene Schiffe fanden. 

Weil ſie zu St. Jacobsfort lagen: ſo fanden ſie einen Brief von Holland, den ein 

engliſches Schiff da gelaſſen hatte. Er war an den hollaͤndiſchen General zu Elmina ge⸗ 

richtet, den fie nach Cape Coaſt gebracht hatten. Herr Smith hielt dieſes für eine gute 

Gelegenheit, die Ausſicht des Caſtells abzuzeichnen, und gieng mit dem Hauptmanne Li⸗ 

en ving⸗ 

+) Siehe oben a. d. 481 S. £ A 

5) Herr Zumphrey Morrice, Eigenthuͤmer von Snellgraves Schiffe. 


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von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 527 


vingſtone in einem großen Canoe dahin, um dem hollaͤndiſchen Generale den Brief zu 1727 
uͤberliefern. Allein derſelbe mußte ziemlich gute Kundſchaft haben; denn weil der Verfa; Smith. 
ſer ſeiner Einbildung nach unbekannt und unbemerkt ſich umzuſehen herumgieng: ſo folgte 1 
ihm der General auf dem Fuße nach, zupfte ihn beym Aermel, und ſchleppte ihn ploͤtzlich nach 
der großen Halle zuruͤck, wo er ihm mit ordentlicher Nennung ſeines Namens gerade her— 
ausfagte: ob er gleich herkaͤme, ganz Guinea in der Taſche mit zurück zu nehmen: fo ſollte 
er doch Elmina nicht bekommen. Elmin. 
Dieſer unverſehene Vorwurf machte ihn erſtlich beſtuͤrzt. Nachdem er ſich aber etwas uf 
erholt hatte; fo ſagte er zum Generale: er traute dem Generale mehr Wiſſenſchaft zu, als 5 
daß er fich einbilden ſollte, man koͤnnte einen Platz ohne die gehörigen Werkzeuge aufneh-⸗ 
men; und da er keine haͤtte: ſo wunderte er ſich, wie man ihm ſo etwas zutrauen koͤnnte. 


Der General ſchwieg ein wenig, und ſchien, als ob ihn ſein Bezeugen gegen den Herrn 
Smith gereute, bath auch ihn und den Hauptmann Livingſtone zur Mittagsmahlzeit, 
wo ſie ſich auch einſtellten. Er zeigte darauf dem Herrn Smith einige unvollkommene 
Zeichnungen, welche die letzten hollaͤndiſchen Ingenieurs zuruͤckgelaſſen hatten, die von der 
weſtindiſchen Geſellſchaft in eben den Abſichten, wie jetzo Herr Smith, geſchickt worden. 
Das Werk war artig angefangen; aber die Ingenieurs waren, wie verſchiedene andere, auf 
eben dieſer Unternehmung geſtorben, ehe ſie ſolche vollendet. 


Den 23ften März ſegelten fie von Cape Coaſt. Weil es hier das Ende der trocknen Waſſer ſt 
Zeit war: fo hatte die Beſatzung ſelbſt das Waſſer fo noͤthig, daß fie dem Schiffe keins feltfam. 
abgeben konnte. Da nun innerhalb acht Meilen von Cape Coaſt kein Waſſer iſt, als was 
ſie waͤhrender Regenzeit in einer großen gemauerten Ciſterne unter der Erden aufbehalten, 
wohin aller Regen von den Daͤchern in bleyernen Roͤhren geleitet wird: ſo werden alle die 
Forts der Goldkuͤſte auf ſolche Weiſe mit Waſſer verſorgt. 


Den 22ften März waren fie bey Tantumquerry. Den 27ſten im Jahre 1727 anker⸗ 
ten fie zu Winnebah in fünf Faden. Hier erhielten fie gut friſch Waſſer aus der Ciſterne 
des Forts; und ob ſie wohl verſchiedene Tonnen herausſchoͤpften: ſo konnte doch Herr 
Smith nicht merken, daß ſich das Waſſer ſechs Zoll erniedrigte. Sie ſchloſſen daraus, 
es muͤſſe ein Quell darinnen ſeyn, weil der Boden felſicht war. 


Den 28ſten fegelten fie von Winnebah, und ankerten den zoften zu Akera 1) in ſechs Akera oder 
Faden. Weil es ein muͤrber felſichter Grund war: fo machten fie ihr Schießtau fertig, um Akra. 
es gehen zu laſſen, wo die andern etwan reißen ſollten. Der Landungsplatz iſt ſehr ſicher, 
weil 905 einige kleine Klippen bedecken, welche daſelbſt vorliegen, und die Gewalt der Wel— 
len brechen. 

Als ſich Herr Smith zu Ara aufhielt: fo gieng er einsmals mit einem engliſchen 
Faetore durch das Thor des hollaͤndiſchen Forts, wo einige hollaͤndiſche Herren ſtunden. Weil 
der Factor felbige kannte: fo ſprach er eine Weile mit ihnen; fie aber nöthigten ihn, wider 
die Gewohnheit, nicht hinein, beſuchten ſie auch waͤhrend der Zeit ihres Hierſeyns nicht. 
Smith muthmaßte, fie hätten errathen, wer er wäre, und vom Generale zu Elmina Befehl 
gehabt, zu Verhuͤtung weiterer Beobachtungen, ihn nicht zu ſich zu laſſen x), 4 

en 


3) Smith a. d. 106 S. Akra und Akkara. 
1) In der Grundſchrift Aeera. Bey andern x) Smith a. d. 121, 129 u. f. S. 


1727 
Smith. 


Rheede 
Whidah. 


Gefaͤhrliche 
Landung. 


Betruͤbter 
Zufall. 


Engliſches 
Fort. 


508 NReeiſen nach Guinea und Benin, 


Den zten April riß ihr Tau, als ſie vor Akra lichteten; ſie ließen aber ihren Werfan⸗ 
ker gehen, der das Schiff gleich heraufbrachte, da ſie denn die Segel nach Whidah richte⸗ 
ten. Den sten kamen fie queer durch die Mündung des großen Fiußes Volta, den die 
Portugieſen ſeines reißenden Stroms wegen ſo nennen, der durch ſeine Heftigkeit auf acht 
Seemeilen vom Ufer Wellen erregt, und die Farbe des Waſſers verändert, Er theilet die 
Goldkuͤſte von der Sklavenkuͤſte. ; g | | 

Den 7ten mit Anbruche des Tages, kamen fie in der Rheede Whidah in fieben Fa⸗ 
den zu ankern, und gruͤßten das Fort, welches uͤber eine Meile vom Ufer iſt. Sie fanden 
hier drey franzoͤſiſche und zwey portugieſiſche Schiffe liegen. Dieß iſt der gefaͤhrlichſte Platz 
in ganz Guinea zu landen, weil die See ſo weit vom Lande Wellen wirft, und ſo ungeſtuͤm 
iſt, daß kein europaͤiſches Boot auf zweyhundert Ellen hinankommen kann, ſondern auf eine 
gute Entfernung davon ankern, und auf Canves warten muß, welche die Leute und Güter 
ans Land fuͤhren. Die geſchickten Canoefahrer thun dieß ordentlich ſicher, obwohl oft auch 
das Gegentheil geſchieht. Bey der Nachricht von ihrer Ankunft kam ein großes Canoe nach 
ihrem Boote, um fie ans Land zu fuͤhren, welches es ohne allen Schaden that, nur daß ſie 
etwas benetzt wurden. 

Herr Smith erſtaunte, als ſie unter die großen Wellen kamen, die wohl ein Schiff 
haͤtten verſenken koͤnnen, und erſah, mit was fuͤr Geſchicklichkeit die Schwarzen ſie durch⸗ 
fuͤhrten, und ihr Canoe auf einer von den Wellen ein gut Stuͤck aufs Land hinlaufen ließen. 
Darauf ſprangen ſie alle heraus, und ſchleppten es etliche Ellen mit das Ufer hinauf, daß 
es die naͤchſte wiederkommende Welle nicht erreichen konnte. Es iſt nur bloß eine Moͤglichkeit, 
daß ein Menſch, der umgeworfen worden, ſein Leben durch Schwimmen rettet; aber kaum 
4 zu hoffen, weil allezeit viel Hayen die Canoes in Hoffnung des Raubes begierig 

olgen. 

Die Schiffe, welche hier handeln, haben allezeit Zelter als Waarenhaͤuſer am Ufer. 
Als Herr Smith gelandet hatte, fo gieng er zu einem franzoͤſiſchen Zelte, wo ihm der Boots. 
mann, der die Aufſicht Darüber hatte, und ein Irrlaͤnder war, auf engliſch einen Trunk an- 
both, den er auch annahm. Es waren viele Anker Brandtewein im Zelte hingeſtellt, die alle 
von außen naß zu ſeyn ſchienen. Wie Herr Smith nach der Urſache fragte: ſo meldete man 
ihm, fie wären alle heute aus dem Langboote geworfen worden; und wie einer von den Leu— 
ten ſich etwas zu weit in die See nach einem Anker gewagt, der aufs Land geworfen wor⸗ 
den: fo hätte ihn ein kleiner Hay angepackt, von dem er ſich aber mit ſeinem Meſſer gluͤck⸗ 
lich losgemacht. Die naͤchſtfolgende Welle aber hätte zweene andere Hayen mitgebracht, 
die den Menſchen vor ihren Augen in Stuͤcken zerriſſen. 

Dieſer uͤbele Zufall machte dem Verfaſſer den Ort etwas verhaßt. Als aber die Trag⸗ 
matten fertig waren, ſie nach dem Fort zu bringen: ſo machten ſie ſich hinein, und wurden 
über drey Fluͤſſe, oder vielmehr drey Aerme von einem Fluſſe, getragen. Da fie auf die ans 
dere Seite gebracht waren: ſo wollten ſie lieber gehen, weil die Gegend die angenehmſte war 
die der Verfaſſer je geſehen hatte. Die Engländer und Franzoſen haben hier ihre Forts in. 
nerhalb eines Muſketenſchuſſes von einander, welche aus einem dicken Leimwalle, der rings 
herum einen tiefen Graben hat, beſtehen. Das engliſche Fort iſt groß, mit vier Batterien, auf 
welchen fiebenzehn ſchwere Stuͤcke ſtehen. | 

0 Unter 


5) In der Grundſchrift allezeit Ardah. a) Smith a. d. 166 u. f. S. 
2) Steht am Ende des Tagebuchs. 


—— 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 529 


Unter dieſer Statthalterſchaft ſteht die Factorey zu Jakquin, etwan achtzehn Meilen 1727 
nach Oſten, und die zu Sabi, etwan fünf Meilen Nord, welche damals durch den großen Smith. 
und mächtigen König von Dahomey, der unlängft ſolch Laͤrmen in Europa gemacht hat, Ardroh wich 
in die Aſche gelegt worden. Seine erſte Eroberung war groß Ardrah Y, funfzig Meilen zerſtört. 
Nordweſt von Sabi, im Jahre 1724. Der König von Ardrah hatte einiges Verkehr 
mit dem Statthalter Baldwin zu Whidah, und die Rechnungen waren nicht in Richtig⸗ 
keit gebracht, deswegen der Koͤnig einen engliſchen Factor zu Ardrah, den Herrn Lamb, 
zuruͤck behielt, in Hoffnung, dadurch von dem Herrn Baldwin die Rechnung zu erhalten. 
Wahrend der Zeit ward Ardrah durch des Königs von Dahomeys Heer belagert, und 
nach einem tapfern Widerſtande eingenommen, dabey der Koͤnig von Ardrah ſelbſt am 
Thore ſeines Palaſtes umkam. b 

Herr Lamb ward alſo als ein Gefangener vor des Koͤnigs von Dahomeys General Herr Lamb 
gebracht, der aus Verwunderung uͤber ein ſo ſeltſames Geſchoͤpf, als ein weißer Menſch iſt, wird gefan⸗ 
ihm das Leben ſchenkte, und dieſe Seltenheit zu dem Könige, feinem Herrn, führte, Der⸗ gen. 
ſelbe befand ſich damals zweyhundert Meilen weit ins Land hinein, wo zuvor nie ein Weißer 
war geſehen worden. Weil er hier gefangen lag, ſo ſchrieb er an den Statthalter 2) Tins 
ker, der dem Herrn Baldwin zu Whidah nachfolgte, und gab dem Herrn Smith die 
Abſchrift davon 2). 50 g 
Nach dieſer Eroberung ward eine Landung zu Whidah vorgenommen. Dieſer Fuͤrſt Stadt Sabi 
fing im Anfange des Hornungs im Jahre 172627 an, die große Stadt Sabi b), die 
Hauptſtadt dieſes Koͤnigreichs, zu belagern, wo der Koͤnig ſeinen Sitz, und die Englaͤnder, 
Franzoſen und Portugieſen Factoreyen hatten. In wenig Stunden gieng er mit dieſem 
Platze, wie mit Ardrah, um. Allein Seine Majeſtaͤt von Whidah, welche der größte und 
fetteſte Mann war, den Herr Smith jemals geſehen hatte, hielten ſich für allzu ſchwer⸗ 
fällig zum Fechten, und wurden durch ein Paar ſtandhafte Schwarzen in einer Tragematte 
weggeſchleppt. Die europaͤiſchen Factoreyen wurden gepluͤndert, und die Weißen gefan⸗ 
gen nach dem Lager zu Ardrah zum Könige von Dahomey gefuͤhret. Als der Statthal— 
ter Tinker vor den König kam: fo meldete er ihm, es koͤnne ihm in dem eroberten Lande 
keinen Vortheil bringen, daß er den Weißen beſchwerlich fiele; im Gegentheile wuͤrde ſol— 
ches die Schiffe vom Handel dahin abſchrecken; und was wurde alsdann aus ſeiner 
Groͤße werden? 
Der Konig ſagte, das wäre wahr, und er haͤtte ſeinem Generale keinen ſolchen Befehl und Facto⸗ 
ertheilt. Er und die übrigen Engländer möchten nach ihren Forts zuruͤckkehren; welches reyen wer⸗ 
fie auch etliche Tage darauf chaten. Als aber der engliſche und franzoͤſiſche Statthalter denzerftört. 
durch Sabi nach Whidah reiſeten: ſo ſetzte ihnen der General vor ihren Augen ohne koͤnigl. 
Befehl die Factoreyhaͤuſer in Feuer. Dieſes war ein großes Betruͤbniß, beſonders fuͤr den 
franzoͤſiſchen Director, der nicht, wie Tinker, nach Europa zuruͤck wollte, ſondern Sabi und 
die Handlung daſelbſt bald wieder hergeſtellt zu fehen hoffte. Aber der verwuͤnſchte General 
ſchlug dieſe Hoffnung bald nieder, und ließ ſie weiter gehen, um ihre Zuflucht in ihren Forts zu 
nehmen. Damit ſich die Jugend in ſeinem Heere gewoͤhnte, da, wo zu pluͤndern wäre, kein 
Blut zu ſchonen: ſo ließ er durch alle Jungen in feinem Lager, die nicht über ſieben bis acht 
Jahre alt waren, allen alten und verwundeten Sklaven, die alſo nicht zum Verkaufe taug⸗ 


ten, die Koͤpfe abſchlagen. Die 


5) In der Grundſchrift: Sabee. Im Franzoͤſiſchen: Xavier. 
Allgem. Reiſebeſchr. Ill Band. Err 


530 Reifen nach Guinea und Benin, 


1727 Die Stadt Sabi hatte etwa fünf Meilen im Umkreiſe; die Haͤuſer waren artig ge⸗ 
Smith. baut, obwohl nur mit Leimwaͤnden und Daͤchern, da im ganzen Lande kein Stein fo groß, 
Ihr voclger wie eine welſche Nuß, iſt. Indeß waren die Factoreyen, auf europäiſche Art, luftig und 
Zustand. geraum, mit vielen artigen und bequemen Zimmern erbaut. Jede hatte eine ſchoͤne große 
offne Halle mit kuͤhlen Gaͤngen, die alle auf der gleichen Erde waren, und unter ihnen die 
Waarenhaͤuſer. Dieſe angenehmen Wohnungen trugen vieles nicht nur zum Vergnuͤgen, 

ſondern auch zur Geſundheit der Europaͤer bey. Die Stadt war ſo volkreich, daß man 

mit Mühe, durch die, gleichwohl ſehr breiten Straßen kommen konnte. Es mar täglich 

Markt, wo man allerley ſowohl europaͤiſche als africaniſche Waaren, außer den Lebensmit— 

teln fand. Unweit den europaͤiſchen Factoreyen war ein großer Platz mit ſtarken Baͤumen 

beſchattet, unter welchen die europäifchen Kaufleute und Hauptleute wie auf einer Boͤrſe 

a handelten. Alles diefes war wenig Tage vor des Herrn Smiths Ankunft in Aſche ver⸗ 

wandelt worden c). ö 

. Dien 2often April im Jahre 1727 bedienten ſie ſich eines windſtillen Tages folgender- 
ie geſtalt, von Whidah zu Schiffe zu gehen: Ihr Canoe lag auf dem Ufer mit dem Vor⸗ 
dertheile nach der See, und die Reiſenden ſetzten ſich gedrange ins Vordertheil, weil hinten 

die Canoeleute gemeiniglich eilf oder dreyzehn an ihren Rudern ſtehen. Als fie ſich feſt ge⸗ 

ſetzt hatten, nahmen die Schwarzen den Canoe, und beobachteten die Gelegenheit mit ihm 

auf den Ruͤcken einer Welle zu laufen; darauf ſprangen ſie hinein, und brauchten ihre Ru⸗ 

der fo geſchickt, daß, ehe die naͤchſten Wellen wiederkamen, fie außer aller Gefahr vor den 

Wellen, welche ſich am Ufer brechen, waren. Dieß war noch nicht alles; denn etwa dreyßig 

Ellen davon, iſt eine Barre, wo die See ungeſtuͤmer geht, als am Ufer. Allein ſie kamen 

auch uͤber dieſe, an welcher außen, die dritte Barre, die gefaͤhrlichſte unter allen, liegt. Zwi⸗ 

ſchen dieſe beyden Reihen ſich brechender Wellen, die wie Donner bruͤllten, ruderten fie 

beynahe eine Vierthel Stunde. Endlich, als die Leute eine große Welle ploͤtzlich brechen 

ſahen, thaten ſie einen Schub gegen ſelbige, und wurfen ihren Canoe gleich durch die nach— 
folgende Welle, die, wie fie allemal pflegen, ſehr klein war, und fie zu großem Verdruſſe der 
Hayen, die ihnen folgten, nur ein wenig netzte, daß fie glücklich an Bord kamen. | 
Prinzeney⸗ Den folgenden Morgen, den arſten mit Anbruche des Tages, lichteten ſie von Whi⸗ 
land. dah, in der Abſicht auf Prinzeneylande Holz und Waſſer zur Reife nach Haufe einzuneh⸗ 
men, und langten den 8ten May in dieſem Hafen an. Sie kauften hier ſoviel friſche Le⸗ 

bensmittel als ſie konnten, auf, obwohl theuer, nahmen Holz und Waſſer und kielten 
ihr Schiff. | 
Den ıöten reiſten fie ab, und fegelten den 20ſten durch die Linie, wo fie, wie gewöhnlich, 
bezahlten 4). Den 23ſten entdeckten fie das Vorgebirge Lopez in einem Grade ſuͤdlicher 
Breite, welches das letzte war, was ſie vom africaniſchen Ufer ſahen. Hier hatte Herr Cha⸗ 
Toner Ogle den berühmten Seeraͤuber Roberts überwunden, dafür er Ritter geworden. 
Herr Smith ſah verſchiedene von ſeinen Leuten auf Cape Coaſt in Ketten haͤngen e). 
Nachdem ſie etwa vier Grade ſuͤdwaͤrts der Linie herunter gelaufen, kamen ſie in den 
ordentlichen beſtaͤndigen Suͤdoſtwind, und ſteuerten weſtwaͤrts ab, faſt vierhundert Seemeilen 
in ſuͤdlicher Breite, worauf ſie ihren Lauf Nordnordweſt richteten, und die Linie wieder 
— 3 den 


c) Smith a. d. 190 u. f. S. d) Durch Geldbuſſe oder Seetaufe. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 531 


den sten des Brachmonats durchſegelten. Den Tag darauf geriethen fie in Windſtillen, 
die allezeit um dieſe Jahrszeit, beſonders zwiſchen den Rordoſt und Suͤdoſt beſtaͤndigen Win⸗ 
den, unweit der Linie ſind. Das Wetter ward ſehr betruͤbt, dunkel und ſo regnigt, daß die 
Leute, welche auf dem Verdecke bleiben mußten, nicht genug Kleider zu wechſeln hatten, 
um trocken zu ſeyn, und es war ſelbſt unter der Linie kalt und rauh. Einmal den Tag 
konnten ſie auf einen Tornado Rechnung machen, durch deren Huͤlfe ſie endlich gut in den 
wahren beſtaͤndigen Nordoſtwind kamen, und mit gutem, guͤnſtigen, ſtarken Winde ihren 
Lauf um Nordnordweſt bis den iſten des Heumonats hielten. | 


Sie befanden ſich damals in dreyzehn Grad neunzehn Minuten Nord, und ihr Schiff 
ward laͤck. Als ſie fanden, daß mehr Waſſer hineintrat, als ihre Pumpen fortſchaffen konn⸗ 
ten, geriethen ſie in große Furcht, weil ſie ſich fern vom Lande befanden, und kein Schiff 
zur Geſellſchaft hatten: doch entdeckte der Hauptmann endlich nach fleißigem Suchen ein 
kleines Lack hart unter ihrem Hintertheile, etwa einen Fuß tief unter Waſſer. Weil man von 
außen unmöglich darzu kommen konnte, indem das Schiff fo weit unter Waſſer gieng: fo 
ſchafften fie einen Theil der Ladung anderswohin, wodurch das Hintertheil erhoben, und alſo 
die Oeffnung aus dem Waſſer gebracht wurde. 


Indeß nahm doch das Waſſer immer nach und nach bey ihnen zu, weswegen ſie be⸗ 
ſchloſſen, ſich vor den Wind zu wenden, welches auch, wie fie fanden, das Schiff ſehr er- 
leichterte, ſo daß ſie gleich ſoviel Waſſer mit beyden Pumpen herausbringen konnten, als 
hinein kam. Darauf uͤberlegten ſie, was am beſten zu thun ſey, und beſchloſſen auf des 
Hauptmanns Vorſchlag, ſich nach Weſtindien zu lenken; denn ſie waren in dem Nordoſt 
beſtaͤndigen Winde, ſo daß in der vorerwaͤhnten Breite ein weſtlicher Lauf ſie gerade nach 
Barbados bringen mußte. Doch rechneten ſie ihre Entfernung dahin beynahe ſiebenhundert 
Seemeilen. Ein weiter Weg fuͤr ein Schiff, das ſinken will. Gleichwohl beſchloſſen ſie, es 
fo gut als möglich über dem Waſſer zu erhalten, und in dieſer Abſicht ward jedem feine 
Verrichtung angewieſen. Der Hauptmann und Hochbootsmann ſollten wechſelsweiſe 
von vier Stunden zu vier Stunden das Steuerruder nehmen, Herr Wheeler, und der Ver⸗ 
faſſer ſollten einander im Kochen ablöfen, und fuͤr die Leute an der Pumpe heißen Punch 
machen, deren jeder, jede Wache oder jede vier Stunden, anderthalben Pinte zur Erhaltung 
ihrer Kraͤfte bekam. Die Bootsleute wurden zum Pumpen in zwo Wachen ge⸗ 
theilt. Zweene kleine ſchwarze Jungen halfen Wheelern, und Smithen im Kochen, Feuer⸗ 
machen, u. ſ. f. 5 


Nach neun oder zehn Tagen dieſes Elendes, wurden die Leute durch die außerordent⸗ 
liche Arbeit niedergefchlagen, und einige fingen auf eine verzweifelte Art zu murren an, 
ob ihnen gleich alle Tage friſches Vieh geſchlachtet wurde. Sie bemuͤhten ſich, dieſelbigen 
fo gut als moͤglich durch die Hoffnung, daß fie Barbados bald fehen würden, aufzurich- 
ten. Ihr Dar, ein gutes breites Boot, welches fünf Leute erforderte, war auf dem Ver⸗ 
decke: aber da ihr kangboot zwiſchen den Verdecken verwahrt wurde, fo verlangten verſchie⸗ 
dene, daß es aufgebracht, und die Segel, Maſten, und Ruder, nebſt andern Nothwendig⸗ 
keiten, als Compaſſen, Lebensmittel, Waſſer, an deſſelben und des Vawls Bord gebracht 
wuͤrden, damit ſie auf allen Fall die Boote zur Zuflucht haͤtten. Dawider waren andere 

2 aus 
e) Ebendaſelbſt auf der 238 und folgenden Seite. 5 


1727 
Smith. 


Ihr Schiff 
wird laͤck. 


In ſchlechten 
Umſtaͤnden. 


Ankunft zu 
Barbados. 


Ein Fiſch 


rettet ſie. 


Ruͤckkehr 
nach Eng⸗ 
land. 


832 Reiſen nach Guinea und Benin, 
aus Furcht, einige von den deuten, die fo verzweifelten, möchten bey Nacht ſich ins Langboot ma⸗ 
chen, und die andern verlaſſen, welches das Verderben des Schiffs geweſen waͤre, weil 
alle Leute zum Pumpen noͤthig waren. Alle ihre ſeltene fremde Thiere ſtarben aus Man⸗ 
gel der Wartung. | 
Den ıöten des Heumonats wurden drey von ihren Leuten, welche linker Hand von vier 
bis acht Uhr die Wache hatten, an den Pumpen ohnmaͤchtig, und fuͤr todt vom Verdecke 
getragen; daher die Leute zur rechten Hand, vor acht Uhr gerufen wurden. Dieſes machte 
Schrecken und Verwirrung in aller Geſichtern kenntlich. Doch hatte Herr Smith ein 


Fruͤhſtuͤck beſorgt, und weil ſie aßen, ſprang einer von den Leuten an der Pumpe auf, ſchrie 


was er konnte: Land! Land! und lief wie ein raſender vor Freuden herum. Darauf 
ließen ſie das Eſſen ſtehen, ſahen genau nach und erkannten das Land deutlich. Dieß war 
die angenehmſte Ausſicht, welche ſie je gehabt hatten. Es war die Inſel Barbados, und 
der Tag der ı6fe des Heumonats um neun Uhr früh. Um vier Uhr Nachmittags an⸗ 
kerten ſie in Carlisle Bay, welche voll Schiffe war. Noch die Nacht kam Thomas 
Leake Eſquire, Agent der koͤniglichen Gefellfchaft, ihre ermuͤdeten Leute von der Pumpe 
abzuloͤſen, und den Morgen darauf gieng Herr Smith in Herrn Leakes Haus. Bald 
darauf fuͤhrte ihn fein Freund Herr D. Warren zu Seiner Excellenz, dem Statthalter Wor⸗ 
ſley, der ihn zur Mahlzeit behielt: aber das Vergnuͤgen ward durch einen Bothen, der Sei⸗ 
ner Majeftät Tod entdeckte, geſtoͤrt. 

Mittlerweile ward ihr Boot den 17ten an die Seite eines Schiffs gebracht, das maſt⸗ 

los in der Bay am Ende lag; und weil einige beſchaͤfftigt waren, die Güter in dieſes Schiff 
auszuladen, damit man den Boden unterſuchen koͤnnte, ſo arbeiteten die uͤbrigen beſtaͤn⸗ 
dig an beyden Pumpen, die jetzo kaum zulaͤnglich waren, es uͤber Waſſer zu halten, ob ſie 
wohl ohne Bewegung in einer ſanften Bay lagen. 
Als der Hauptmann Livingſtone, Herr Leake, und einige andere Herren, einen Tag 
am Borde waren: ſo pumpten die Leute einen kleinen halb verfaulten jungen Delphin heraus, 
der weder Kopf noch Schwanz hatte, und etwa drey und einen halben Zoll lang war. Der 
Hauptmann that ihn in Weingeiſt, ihn nach Hauſe zu bringen, weil er verſichert war, daß 
dieſer kleine Fiſch einige Zeit im Laͤck gelegen, und manche Tonne Waſſer aufgehalten, daß 
ſie ihm alſo die Erhaltung des Schiffs zu danken hatten. Weil ſie den Kiel des Schiffs 
aus dem Waſſer brachten, entdeckten fie eine große weit aufſtehende Lücke, zwiſchen zwoen 
Ribben ihres Kiels, wo ſie etwa vier Fuß breit keine Ausfuͤtterung gelaſſen hatten. Sie 
nahmen alles von dieſer Seite ab, fanden aber auf dieſer ganzen Seite des Bodens kei⸗ 
nen Laͤck von einiger Wichtigkeit, aber auf der andern Seite etliche wenige kleine. Das 
Bretterwerk war alles noch gut. Der Hauptmann fand nicht noͤthig, ſie von neuem auszu⸗ 
fuͤttern, und ließ ſie nur wohl kalfatern, und den Boden gut verpichen. 

Solchergeſtalt verließen fie Barbados, den 18ten Auguſt; und nachdem ſie den beſtaͤn⸗ 
digen Nordoſtwind durchkreuzet, und in den Strich der veraͤnderlichen Winde gekom— 
men waren, fo trafen fie in der Breite vom neun und zwanzig Grad Nord ſtarke Weſt⸗ 
und Suͤdweſt⸗Winde an, die ſie die Stunde neun bis zehn Knoten oder Meilen fuͤhrten. 

Den 22ften des Herbſtmonats entdeckte ihnen das Senkbley feinen Sand achtzig Faden. 
Den zıften erreichten fie das Vorgebirge Lizard, und kamen mit einem mittelmaͤßigen Süd- 
weſtwinde in den Canal. Mit Anbruche des 26ſten waren ſie dem Eylande Wight gegen uͤber, 
da ſich der Wind in Suͤdoſt aͤnderte, und ſo ſtark war, daß ſie ſich nach Portsmouth 15 2 

muß⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cap. 533 


mußten; und ob fie wohl einen Wimpel ausſteckten, und drey Schüffe thaten, ſo wollte doch 17272 
kein Bootsmann ſich wagen. Weil aber ihr Hochbootsmann mit dem Canale wohl be- Smith. 
kannt war: ſo unternahm er, das Schiff hineinzufuͤhren, welches er auch gluͤcklich vollendete, 

und um eilf Uhr ankerten ſie im Hafen Portsmouth, den 26ſten des Herbſtmonats im 

Jahre 1727, von wannen der Berfaffer nach London gieng 7). 


Der WAbſchnitt. 


Herrn Bullfinch Lambes Brief an den Statthalter Tinker, den König von 
Dahomey betreffend. 


Der Koͤnig von Dahomey. Deſſen Reichthuͤmer. ſte haben. Hat eine Mulattinn zur Berfchläs 
Abſichten, die Handlung in Aufnehmen zu brin⸗ ferinn. Erobert Ardrah. Grauſames Metzeln. 
gen. Er liebet die Weißen. Papierdrache, und Lambe wird in großes Schrecken geſetzt. 
andere Spielwerke. Will gern eine weiße Lieb⸗ 


Aus des großen Königs Truro Audatis Palaſte, von Abomey im Roͤnig⸗ 
zeighe Dabomey, den zıften November 1724. 


Mein Herr! 
Etwa vor fuͤnf Tagen gab mir 90 Koͤnig euren Brief vom iſten jetztlaufenden, und Koͤnig von 
verlangte ſogleich, ſolchen in ſeiner Gegenwart zu beantworten, welches ich that. Aus Dahomey. 
der letzten Unterredung, die ich mit Seiner Majeſtaͤt gehalten, als ich euren Brief bekom⸗ 
men, urtheile ich, daß er nicht ſehr darnach verlangt, einen Preis zu meiner Loskaufung zu 
beſtimmen; denn da ich ihm ſehr anlag, mir zu fagen, unter was für Bedingungen ich los⸗ 
kommen ſollte, ſo antwortete er immer, er verlangte nicht, mich zu verkaufen, ich fey kein 
Schwarzer. Als ich weiter in ihn drang: ſo forderte er im Scherze ſiebenhundert Sklaven, 
welches einen zu vierzehn Pfund gerechnet, auf zehn tauſend Pfund Sterling kam. Dieſe 
ironiſche Art zu reden, machte, daß mir, wie ichs ihm auch ſagte, das Blut in den Adern erſtarrte. 
Als ich mich erholt hatte, fragte ich ihn, ob er mich fuͤr den Koͤnig meines Landes hielte? 
Ich ſetzte hinzu, ihr und die Geſellſchaft wuͤrden glauben, wir haͤtten beyde den Verſtand 
verlohren, wenn ich ſchreiben follte, was er mir ſagte. Darauf lachte er, und fagte, ich 
ſollte nichts dergleichen in den Brief ſetzen; denn er wollte ſeinen vornehmſten Handelshaupt⸗ 
mann ſchicken, mit euch daruͤber zu ſprechen; und wenn ihr nicht was recht ſchoͤnes zu Whi⸗ 
dah fuͤr ihn haͤttet, ſo muͤßtet ihr ſeinetwegen an die Geſellſchaft ſchreiben. 

Zur Antwort ſagte ich ihm, ich ſaͤhe wohl, ich ſollte in ſeinem Lande ſterben, und baͤthe nur, Seine 
einige von feinen deuten nach Kleidern und Nothwendigkeiten fuͤr mich zu ſchicken, welches er be- e 
willigte. Ich ſehe alſo, daß kein anderer Weg iſt, mich loszumachen, als wenn ihm die Geſellſchaft 
eine Krone und Zepter zum Geſchenke ſendet, welches von dem, was man noch dem letzten Koͤni⸗ 
ge von Ardrah ſchuldig iſt, kann bezahlt werden. Sonſt glaube ich, wird ihm alles ſchlecht ſeyn, 
weil er mit Silber, gearbeitetem Golde, und andern Koſtbarkeiten reichlich verſehen iſt, auch 
mit allen Arten von Roͤcken, Kleidungen, Huͤten u. ſ. f. Er hat auch alle Arten gemeine 
Guͤter, ohne Maaß, und giebt Bußis, wie Koch weg, und Brandtewein wie Waſſer; denn 
er iſt ungemein eitel und ſtol. Bey dem allen iſt er der größte Krieger und reichſte König 
in dieſem Welttheile, und wird ſicherlich mit der Zeit ge Sander um ihn herum „ ſich 

rin⸗ 
) Smith auf der 267 und folgenden Seite. 2 


534 Reiſen nach Guinea und Benin, 
1727 bringen. Er hat ſchon ſeine beyden vornehmſten Palaͤſte rund herum mit Menſchenſchaͤdeln be⸗ 
Smith. legt, fo dicke fie an den Mauern an einander liegen koͤnnen. Alle dieſe hat er im Kriege um⸗ 


gebracht. Jeder von dieſen Palaͤſten iſt im Umkreiſe größer, als St. Jamespark, etwa 
anderthalbe Meile in der Rundung. 


Absichten Er ſpricht viel von Aufrichtung eines Vergleichs mit der Geſellſchaft, und daß weiße 
wegen der Leute herkommen ſollen. Ihr muͤſſet ihn dazu anfriſchen, und melden, das Mittel dazu ſey, 
Handlung. mich loszugeben; denn er ſpricht, er wollte gern, daß Schiffe an einen Ort kaͤmen, nur ſein er 
Sklaven wegen, und ihm ſolche Dinge zu bringen, die ſich fuͤr ſo einen Koͤnig, wie er, ſchick⸗ 
ten. Dieß alles hoͤre ich willig von ihm an; und wenn ihr ihn in dieſen Gedanken erhal⸗ 
tet: ſo kann es ein wirkſames Mittel ſeyn, mir aus dieſen elenden Umſtaͤnden zu helfen. 
Ich hoffe, meine koͤniglichen Herren werden meinen Zuſtand in Betrachtung ziehen, und an 
das gedenken, was ich ihrentwegen fo lange und fo haufig ausgeſtanden, und in was für 
Elende ich noch bin. Ich bin von allen Ergoͤtzungen des Lebens, nicht nur von meiner Frau 
und meinen Freunden, ſondern von allem Umgange uͤberhaupt abgeſondert, gleichſam leben⸗ 
dig begraben, und glaube, nichts gleicht meinem Ungluͤcke, da ich meine Jugend ſo umſonſt 

an ſo einem verwuͤnſchten Orte zubringen muß. | 
Liebet die Er hat es gern, wenn Briefe oder ſonſt etwas an mich koͤmmt, und es wuͤrde ihm zu 
Weißen. veraͤchtlich ſeyn, mir etwas vorzuenthalten, wenn es auch zwanzig Sklaven waͤren. Ich 
glaube auch nicht, daß er einen andern Weißen, welcher hieher kaͤme, aufhalten wuͤrde; denn 
mich ſieht er als einen Kriegsgefangnen an. Er ſchaͤtzet mich ſehr hoch, weil er nie einen 
Weißen hier gehabt hat, als einen alten portugieſiſchen Mulatten, den er, ſo viel ich rechnen 
kann, fuͤr fuͤnfhundert Pfund von den Popoleuten gekauft. Ob dieſer Weiße gleich ſein 
Sklave iſt: fo haͤlt ihn doch der König wie einen Kaboſchir 2), und hat ihm zwey Haäuſer, 
und eine Menge Weiber und Bedienten gegeben. Vielleicht beſſert er, (als ein Schneider,) 
etwa alle zweene oder drey Monate eine Kleinigkeit fuͤr Seine Majeſtaͤt aus, aber ſehr ſchlecht; 
ſo, daß wenn ein Schneider, Zimmermann, Schmidt, oder anderer Weiße, welcher frey 
waͤre, herkommen wollte, er viel Berdienft haben, und große Gewogenheit genießen würde, 
wenn er ſich nur dieſes Leben eine Zeitlang koͤnnte gefallen laſſen; denn Seine Majeſtaͤt be 

zahlen jeden, der fuͤr ſie arbeitet, ausſchweifend. ; 

Seine Guͤ⸗ Vielleicht wäre dieß auch ein Mittel, daß er mich gehen ließe, unter dem Verſprechen, 
tigkeit gegen daß ich wiederkommen, und mit ihm handeln wollte. Jetzo aber ſpricht er, wenn ich fort- 
den Lambe gienge, fo wüßte er nicht, ob er jemals wieder Weiße zu ſehen bekaͤme; denn er glaubet, fie 
vermehren ſeine Pracht. Wenn alſo einer, es moͤchte ſeyn wer es wollte, herkoͤmmt, und 
wieder abreiſt: ſo wird er auf die Gedanken gerathen, daß mehr Weiße kommen werden, 
und alſo mich gehen laſſen, ſie dazu anzufriſchen. Wenn mein Bedienter, Heinrich Tench, 
zu Whidah iſt, und zu mir kommen will: ſo kann es ihm wohl mit der Zeit viel Vortheil 
bringen; denn weil er ein Knabe iſt, wird ihm der Koͤnig ganz und gar gewogen werden. 
Ob ich gleich nichts für ihn thue: fo hat er mir doch ein Haus und ein halb Dutzend 
Sklaven und Sklavinnen gegeben, nebſt beſtaͤndigen Einkuͤnften mich und ſelbige zu unter⸗ 
halten. 


g In der Grundſchrift: Caboceror. ) Smitbs Reifen nach Guinea, auf der 171 und 
1) Ein Kabes ift ein Pfund Sterling am Werthe. folgenden Seite. | 


2) Dieſer wird nachgehends vom Snelgrave er⸗ 4) Er ſchrieb um zwo von, feinen Kiſten, und ver⸗ 
waͤhnet. : ſchiedene 


| 
2 
) 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. vn Buch VI Cap. 335 


halten. Wenn ich Brandtewein liebte: fo koͤnnte ich mich bald zu Tode faufen, weil genug 727 
davon da iſt, wie auch von Zucker u. d. g. Wenn er, wie oft geſchieht, Ochſen ſchlachtet: Smith. 
ſo bekomme ich ſicher mein Viertheil, und manchmal ein lebendig Schwein, Schaf oder eine 

Ziege, daß ich nicht verhungern werde. Wenn er öffentlich ausgeht: fo werden der Portu⸗ 

gieſe und ich gerufen, den ganzen Tag in der Sonne zu ſitzen; nur dürfen uns unſere Jungen 

alsdann die Ridepfols oder Sonnenſchirme über die Köpfe halten. Aber er bezahlet uns 

gut dafür, zu Zeiten mit zwey, drey und vier Grand Kabes „), und einer großen Flaſche 
Brandtewein, daſelbſt zu trinken, nebſt noch zwoen oder dreyen mitzunehmen. 

Auf dieſe Aet leben alfo der Portugieſe 7) und ich, fo gut wir koͤnnen, und find zufrieden, und einen 
wenn wir uns nur noch geſetzt erhalten. Weil ich meines elenden Lebens uͤberdruͤßig war: Portugie: 
fo bath ich Seine Majeftät vor einiger Zeit, mich feinem Generale zu zu geben, daß ich zu ſen. 
Pferde mit in den Krieg gienge. Darein wollte er aber gar nicht willigen, und fagte, er ver 
langte nicht, daß ich umkommen ſollte; denn er wollte mir bald was anders auftragen; daher 
ſollte ich ruhig zuſehen, was er thaͤte. Dieß verſtehe ich jetzt noch nicht. Der General 
war auch dawider, daß ich nicht in den Krieg gehen ſollte; denn wenn ich umkaͤme: ſo 
möchte der König auf ihn, als ob er die Gelegenheit dazu geweſen, zornig werden. Indeß 
befahlen Seine Majeftät, mir ein Pferd zu geben, und ſagte, wenn er ausgienge, ſollte ich 
bey ihm ſeyn. Er läßt ſich oft in einem ſchoͤnen Trageſeſſel mit vergoldeten Aermen und 
Vorhaͤngen austragen. Er haͤlt ſich auch oft in einigen ſeiner andern Palaͤſte auf, die etli⸗ 
che Meilen von hier, und wie mir berichtet worden, eilfe an der Zahl ſind. 

Wie es ſehr beſchwerlich iſt, ein ungeſattelt Pferd zu reuten: fo bitte ich euch, mir ge⸗ eiebet kleine 
wiß ein altes Pferdezeug mit Spornen und Peitſche zu ſenden. Der König hat mir gleich Hunde. 
falls aufgetragen, euch um das beſte Pferdezeug, welches zu Whidah zu haben iſt, zu ſchrei⸗ 
ben, wofür er bezahlen will, was verlangt wird, auch um ein Paar Schuhſchnallen und ei⸗ 
nen engliſchen Hund. Wenn 5 es fuͤr gut befindet: ſo koͤnnet ihr es an mich ſenden, mit 
der Verſicherung, daß auch ein ſchlechtes Geſchenk von mir nicht nur angenehm ſeyn, ſon⸗ 
dern auch mich beliebter machen wird, ich mag nun bleiben oder abreiſen. Ich bitte alſo, 
ſchicket mir dasjenige unfehlbar, was von dieſen Sachen zu erhalten iſt, wodurch nicht nur 
mein elender Zuſtand kann verbeſſert werden, ſondern Seine Majeftät auch auf die Gedan⸗ 
ken kommen werden, daß man gar nicht daran denket, mich loszukaufen, und mich alſo, wenn 
ſie einmal bey guter Laune ſind, fortſchicken duͤrften H. f 

Ich hoffe, ihr werdet kein Bedenken tragen, alles zu ſchicken, warum ich ſchreibe 7), da 
ich ſeit meines Aufenthalts in Guinea weder Beſoldung noch Koſtgeld bekommen habe. 

Ihr duͤrfet euch auch nicht wundern, daß ich um ſo viel ſchreibe; denn Seine Majeſtaͤt haben 
befohlen, ein ander Haus fuͤr mich in einer Stadt zu bauen, wo er meiſtens hingeht, wenn 
er Kriegsanſtalten machet. Dieß erfuͤllet mich mit betruͤbten Gedanken; denn es läßt, als 
duͤrfte ich ſobald noch nicht aus der Gefangenſchaft kommen. N f 

Wenn ihr wollet, daß ich mit dem Koͤnige um einige Sklaven handeln ſoll: ſo muͤſſet ihr 

feinen Leuten davon ſagen, und mir einen Aufſatz ſchicken „)); denn fo lange ich hier bin, 
2 will 
ſchiedene in der Grundſchrift ausgelaſſene Sachen. Pfund, als dem Werthe einer Mark Gold; aber ich 


m) In der Grundſchrift ſteht ein Mark. Die vermuthe, es bedeutet eine Vollmacht zu handeln, 
Anmerkung dabey erklärt es von zwey und dreyßig oder ein Zeichen, das auf die Waaren geſetzt iſt. 


536 Reiſen nach Guinea und Benin, 


1727 will ich gern der Geſellſchaft alle mögliche Gefaͤlligkeit thun. Ich muß aber alsdenn ei 
Smith. Verzeichniß von allen Arten von Gütern mit Zeichen und Zahlen, auch den Preifen, ; 
Vermeidung des Irrthums erhalten. 
Papier⸗ Seine Majeſtaͤt haben mir den größten Theil des Papiers abgenommen. Er hat eine 
drache, fliegenden Drachen im Kopfe, und ob ich ihm wohl geſagt habe, daß dieſes nur ein Kinder 
ſpiel wäre: fo ſpricht er doch, ich müßte einen für ihn und mich machen, damit zu fpieler 
Ich erſuche euch alſo um zwey Buch ordentlich Papier, und etwas Gepaptes dazu, auch un 
ein Stuͤck Lunte; denn Seine Majeſtaͤt verlangen bisweilen von mir, ich ſolle feine große 
Stuͤcke losbrennen, und ich fuͤrchte, durch die Funken um meine Augen zu kommen. E 
hat fünf und zwanzig Canonen, von denen einige über tauſend Pfund wiegen; man ſollt 
denken, der Teufel haͤtte ihm geholfen, fie hieher zu ſchaffen, da dieſer Ort über zweyhunder 
Meilen von Whidah, und wenigſtens hundert und ſechzig von Ardrah iſt. Seine Majefti 
vergnuͤgen ſich ſehr, ſie jeden Markttag zweymal rund herum abfeuern zu laſſen, ausgenom 
men jetzo, da ſeine Leute Laffeten dazu machen. 
und andere Ob er gleich ein Herr von großen Gaben zu ſeyn ſcheint: ſo findet er doch ein beſondere 
Spielwerke. Vergnügen an Spielwerken, und ſeltſamen Einfällen. Wenn ihr etwas dergleichen habe 
fo bitte ich, mir ſolches, wie auch Bücher und Gemälde zu ſchicken; denn er ſieht gern i 
Buͤcher, und traͤgt ordentlich ein lateiniſches Meßbuch in ſeiner Taſche, welches er von einen 
Mulatto bekommen. Wenn er jemanden eine Bitte verſagen will, ſo ſieht er ſo aufmerk 
ſam in dieſes Buch, als ob er es verſtuͤnde. 5 
Will eine Er ſchmattert gern auf Papier, und ſchicket mir oft Briefe, aber auch allemal eine: 
weiße Liebſte Dollmetſcher, mit einer guten Flaſche Brandtewein, und einem oder ein Paar großen Ka 
haben. bes. Wenn etwa dort eine abgeſetzte Beyſchlaͤferinn iſt, fie mag eine Weiße oder Mulat 
tinn ſeyn, die nach dieſem Lande kommen will, feine Frau zu werden, oder ihre alte Handthierun; 
fortzuſetzen: fo würde ich durch fie Seiner Majeſtaͤt Herz gewinnen, und er wuͤrde alle 
glauben, was ich ihm vorſagte, z. E. daß ich fortgehen, und mit mehr Weißen von der Ge 
ſellſchaft zurück kommen wollte. Kein Weibsbild, das herkommt, hat ſich etwa eines Zwar 
ges zu befürchten; denn er hat wenigſtens zweytauſend Weiber, die er beſſer, als ſonſt ei 
ſchwar zer König hält, und nichts, als für ihn ſelbſt, in feinem Haufe oder Palaſte thut 
laßt, das einer kleinen Stadt gleicht. Wenn hundert und ſechzig oder zweyhundert voı 
ihnen mit kleinen Gefaͤßen nach Waſſer gehen: ſo tragen ſie den einen Tag reiche ſeidene, de 
andern ſcharlachene Kleider, mit drey oder vier breiten Korallenſchnuͤren um den Hals, un! 
ihre Führer haben bisweilen carmoſine, grüne oder blaue Sammtkleider, mit ſilbernen vergol 
deten Staͤben in den Haͤnden. 
Eine Mulat: Als ich erſt herkam: fo hatte der Portugieſe eine Mulattinn, mit der der König ſeh 
tinn zur Bey wohl umgieng, und ihr viel Geſchenke gab. Sie hatte zwey Weiber, und ein Mägdche 
ſchlaͤferinn. zur Bedienung. Da fie aber an den Pocken geſtorben: fo will er gern mehr haben, und fa 
get, kein weißer Körper ſollte etwas vergebens verlangen, das er für Gold zu erkaufen 
müßte. Er muntert auch ſchwarze Fremde ſehr auf, und iſt einigen Malayen 1), die jetz 
hier ſind, ſehr gnaͤdig. | 
Das Land ift wegen feiner Höhe, da es beſtaͤndig ſchoͤne Fühle Winde hat, ſehr gefund 
Es iſt auch ſehr angenehm. Man hat das ganze große Popo im Geſichte, ob gleich wei 
entfernt. Auch plagen uns die Muͤcken nicht. 
RT 


m) Marchais und Snelgrave geben von ihnen Nachricht, wie man nachgehends fehen wird. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo VII Buch VI Cap. 537 

Ich hoffe, ich werde noch beffere Gelegenheit haben, die Macht und Größe dieſes Sie: 
gers zu beſchreiben, die mich oft erſtaunt gemacht hat, weil ich nicht vermuthete, ſo was in 
dieſem Welttheile zu finden. Ich will daher meinen Brief mit einer kurzen Erzaͤhlung von 
dem Kriege beſchließen, den ich ſelbſt mit angeſehen, und aus dem ich nichts auf der Welt geret- 
tet, als was ich auf dem Leibe gehabt, und darinnen beynahe im Feuer umgekommen. Die⸗ 
ſes wuͤrde mir mit hundert andern wiederfahren ſeyn, wenn mir nicht ein Mann uͤber die 
Mauer des alten Blancos Hauſe geholfen haͤtte, in das ich eingeſchloſſen war, ſobald das 


Kriegsgeſchrey kam. Ohne dieſes Ungluͤck wuͤrde ich vielleicht entronnen ſeyn. Ich vermu⸗ 


the, daß der König von Ardrah und der alte Blanco dieß befuͤrchtet, weil fie mich einge: 
ſperrt hatten. 

Da dieſes Haus das erſte war, welches die Dahomeye anſteckten, fo kam ich zeitig ge⸗ 
nug heraus, ein betruͤbter Zuſchauer der folgenden Verwuͤſtung zu ſeyn. Gleich darauf 
fuͤhrten ſie mich durch die Stadt zu des Koͤnigs Hauſe, wo der General von Dahomey 
war. Ob er gleich ſehr beſchaͤfftigt, und auf feinen Sieg ſtolz war: fo nahm er mich doch 
guͤtig bey der Hand, und gab mir einen Trunk, welches ein Troſt fuͤr mich war, ob ich ihn 
gleich nicht kannte. Zuerſt hielt ich ihn fuͤr des Koͤnigs von Ardrah Bruder, ob ich mich 
alsdenn wohl verwunderte, daß ſein Geſicht ſo zerfetzt war o), und das Haus in Flammen 
ſtund. Ich erfuhr aber bald, wer er war. 


1727 
Smith. 


Eroberung 
von Ardrah. 


Als wir ausgiengen, ſo konnten wir vor enthaupteten Leichnamen kaum fortkommen; Grauſames 
und wenn es Blut geregnet, fo hätte ſolches nicht dicker auf dem Boden liegen koͤnnen. Niederme⸗ 
Beym Einbruche der Nacht gieng ich unter einem Haufen Volks mit dem Generale nach beln. 


dem Lager. Nachdem er mir hier zwey bis drey Truͤnke gegeben: ſo ließ er mich bey ei⸗ 
nem von den kleinen Kriegshauptleuten, der ſehr guͤtig und ſorgfaͤltig mit mir umgieng. 
Den Tag darauf brachten ſie mir einen von meinen Jungen, welcher des Hauptmanns 
Blancos Sohn war: aber weil ſelbiger ſo toͤdtlich in den Kopf verwundet war, daß man 
das Gehirn ſah; fo war er nicht im Stande, mir zu melden, was fie ſagten. 

Zween Tage darauf ließ mich der General bey ſich und ſeinen Hauptleuten ſitzen, weil 
ſie die Sklaven durchzaͤhlten, indem ſie jedem ein Buji gaben. Die Zahl ſtieg auf zwey 
große Kabes, welche achthundert Sklaven ausmachten. Ich ſah unter ſelbigen noch zween 
von meinen Jungen, von denen einer ins Knie, der andere ins dicke Bein verwundet war. 
Dieſer Zufall gab mir Gelegenheit, etwas mehr mit dem Generale zu ſprechen, der ſich be— 
muͤhte, mir ein Herz zu machen, eine Flaſche Brandtewein forderte, mir zutrank, und das 
uͤbrige mich behalten ließ. Er both mir auch einige Stuͤcken Sletias u. ſ. f. an, welches 
ich aber, weil ſie mir nichts nuͤtze waren, ausſchlug, und meldete, wenn ſie unter der Beute 
Hemden oder Kleider faͤnden: ſo wollte ich ihnen dafuͤr danken, weil ich, wie ihr ſelbſt erach⸗ 
ten koͤnnet, ſehr beſchmutzt ausfah. 

Die Leute, deren Gefangene meine Bedienten waren, wollten ſie, ohne dabey zu ſeyn, 
nicht zu mir kommen laſſen. Indeß ſagte der General, ich ſollte daruͤber im geringſten 
nicht unruhig ſeyn; denn niemand ſollte mir etwas thun, bis ich den Koͤnig, ſeinen Herrn, 
geſehen, der mich, wie in der That geſchah, guͤtig aufnehmen wuͤrde. Der General gab 
mir ein Kideyſol, oder Sonnenſchirm, und einen Tragfeffel, mich das Land hinauf zu ſchaf⸗ 
fen, welches ich freudig annahm. | = 

ei 


0) Oder zur Zierrath zerſchnitten. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Yyy 


1727 
B.ambe. 


1730 


Snelgrave. 
— —— 


Nachricht 
vom Buche. 


538 “ Reifen nach Guinea und Benin, 


Weil ich geſehen hatte, wie viel Grauſamkeiten an den Leichnamen alter Maͤnner und 
Weiber begangen wurden, auch an denen, welche wegen ihrer Wunden, und weil fie ver⸗ 
brannt waren, u. ſ. f. nicht fortkommen konnten: ſo war es natuͤrlich, daß ich mich fuͤrch— 
tete, beſonders den erſten Morgen, da ſie mich, meiner Einbildung nach, zum Opfer ausfuͤhr⸗ 
ten. Eine Trummel ſchlug einen Todtenmarſch vor mir her, und viele hundert verfamm- 
leten ſich um mich, welche ſprungen und ſchrien, daß es gen Himmel ſchallte. Viele hatten 
bloße Schwerdter und Meſſer in den Haͤnden, welche fie um mich, als ob es auf die Hin- 
richtung losgienge, herumſchwungen. Weil ich indeß Gott um Barmherzigkeit anflehte: 
ſo ſchickte der General meinem Hauptmanne Befehl, mich zu ihm zu bringen, da er ſich 
zwo Meilen vom Lager befand. Sein Befehl ward ſogleich erfuͤllt, und ich zu ihm ge— 
bracht. Womit ſich meine Furcht endigte. ' 

Ich ſollte auch einige Nachricht von meiner Vorführung beym Könige ertheilt haben, 
wenn Seine Majeſtaͤt nicht dieſen Augenblick eilfertig nach gegenwaͤrtigem Briefe ſchickten, 
daß ich ihn weder auszubeſſern noch abzuſchreiben Zeit habe. Ich hoffe daher, ihr werdet 
die Wiederholungen und andere Fehler verzeihen, und bin ꝛc. 3 

uer 
Bullfinch Lambe. 

Herr Lambe blieb etwan zwey Jahre beym Könige von Dahomey, und endlich ſandte 
ihn der König auf fein Verſprechen, daß er mit mehr Weißen wiederkommen wollte, wohl⸗ 
bereichert weg 5). Er beſaß am Werthe hundert Sklaven 7). Lambbe hielt fi nur kurze 
Zeit zu Whidah auf, und gieng darauf nach America. Herr Smith ſah ihn nachge— 
hends zu Barbados ). 


Kk R KR XK KR KR KR X * * * KR R XR * XK K KR KR NR K K X X R X X X K XK XK X * 


1 Das VII Kapitel. 


Neue Nachricht von einigen Theilen von Guinea und dem 
Sklavenhandel, im Jahre 1730. | 


Durch Hauptmann Wilhelm Snelgrave. 
| Einleitung. 
Di Nachricht von Guinea iſt in Octavo zweyhundert und acht und achtzig Seiten 


ſtark, außer einer Zueignungsſchrift von zwoen Seiten, einer Vorrede von vier, und 

einer Einleitung von vierzehn Seiten. Davor ſteht eine Karte von der Kuͤſte von 
Guinea, von dem Fluſſe Sanaga nach dem Vorgebirge Lopez; aber fie hat weder Ku— 

pfer, noch Regiſter. Der Inhalt ihrer drey Bücher ſteht auf dem Titel 4). 
Sie 


b) Er gab ihm 320 Unzen Gold, oder 1280 Pfund 7) Smiths Reifen auf der 180 und folgenden 
und acht Sklaven. Dnelgrave auf der Srften Seite. ö 
Seite. | 4) Der Titel heißt: Reue Nachricht von einigen 
dieß iſt 2000 Pfund, einen Sklaven zu 20. Gegenden von Guinea und dem Sklavenhandel, 
Pfund gerechnet. enthaltend 1) die Geſchichte der letzten Eroberung 


von 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch VII Cap. 539 


Sie iſt den Londner Kaufleuten, die nach der Guineakuͤſte handeln, als den beſten 1730 
Richtern von der Wahrheit der Erzaͤhlung, zugeeignet, da der Verfaſſer den meiſten von Snelgrave. 
— — * Jahre bekannt geweſen, und einige auch fein Manuſeript mit Beyfalle gefe- 
hen haben. 5 g 

In der Vorrede bereitet er des Leſers Gemuͤthe vor, feine Erzählungen geneigt aufzu- Es ſoll wirk⸗ 
nehmen. Dieſerwegen ſuchet er den Vorurtheilen zu begegnen, die wider ihn wegen deſſen, lich Men— 
was er von Menſchenopfern und Menſchenfreſſern ſaget, entſtehen koͤnnten. Er bemerket, ſchenfreſſer 
daß die erſten nichts neues wären, da man aufgezeichnet findet, daß die Mexicaner jahrlich geben. 
ihren Goͤttern viele Kriegsgefangene aufgeopfert haben. Was das andere, das Menfchen- 
freſſen, betraͤfe, welches am unglaublichſten zu ſeyn ſcheint: ſo iſt, wie er ſaget, außer den 
Dahomes, von denen er in feinem Buche redet, bey einem Volke, Namens Acquas, am 
Fluſſe, Alt Kallabar, und bey den angraͤnzenden Kamerones, felbiges gar gewöhnlich. 

Der Hauptmann Arthur Lone, welcher damals in London war, und andere, haben es ſo 
wohl geſehen, als er. | | 

Wegen der Gefchichte vom Könige von Dahomey überhaupt, nennet er als Währ- Zeugen. 
männer den Ritter Jeremias Tinker, den Statthalter Wilſon, und andere, welche vor: 
dem ſich im Namen der africanifchen Geſellſchaft zu Whidaw aufgehalten haben, und 
gleichfalls in der Stadt geweſen ſind, und einen großen Theil davon wiſſen. Er beruft ſich 
auch auf den Ritter Carl Dunbar, von Antigua, der daſelbſt das Negerweibsbild von 
ihm kaufte, das ihre merkwuͤrdige Geſchichte ſo oft verſichert hatte. | 

Das zweyte Buch ward einem Freunde zu gefallen aufgeſetzt, der die Rechtmäßigkeit 
des Sklavenhandels beſtritten hatte. 

Wegen der Wahrheit des dritten Buches fuͤhret er den Herrn Jacob Bleau an, der 
damals ſein Wundarzt geweſen, und als das Buch herauskam, in gutem Anſehen zu 
Woodford lebte. 5 6 

In dieſe drey Gegenſtaͤnde ſchraͤnket ſich der Verfaſſer völlig ein, ohne ſonſt eine Nach— 
richt von Guinea, den Sitten, Gewohnheiten und der Handlung der Schwarzen zu geben. 
Dieſerwegen verweiſt er die Leſer auf Boſmans Beſchreibung, welche, wie er berichtet, die 
vollkommenſte Geſchichte iſt, die wir von dem Lande haben, und die er, ſo viel er unterſuchen 
koͤnnen, durchgaͤngig wahr befunden hat. 

Die Einleitung ward aufgeſetzt, dem Leſer einen allgemeinen Begriff von der guinei— Groͤße von 
ſchen Handlung zu geben, und zu zeigen, warum die Europaͤer ſo wenig Kenntniß von den Guinea. 
Gegenden haben, welche tiefer ins Land liegen. Nach feinem Berichte erſtrecket ſich Gui⸗ 
nea von dem gruͤnen Vorgebirge nach Angola, und der Fluß Kongo iſt die Graͤnze, wie 
weit die Englaͤnder mit ihrer Handlung gehen. Dieſelbe hat ſeit dem letztern franzoͤſiſchen 
Kriege fo zugenommen, daß im Jahre 1725 zweyhundert Segel dieſe Kuͤſte beſuchten, dahin 
im Jahre 1712 nur drey und dreyßig Segel gegangen. 


Yyy 2 Der 


von Whidab durch den König von Dahomey, ret u. ſ. f. 3) Wie der Verfaſſer von den See⸗ 
nebſt des Verfaſſers Reiſe nach des Siegers Lager, raͤubern gefangen worden, und wie viel Gefahr er 
wo er verſchiedene Gefangene opfern ſah u. ſ. f. ausgeſtanden habe. London, verlegts Jacob, Jo⸗ 
2) Wie die Schwarzen Sklaven werden, wie viel han und Paul Knapton, in der Krone in Ludga⸗ 
man deren jaͤhrlich von Guinea nach America fuͤh⸗ teſtreet. Im Jahre 1734. 


5440 Reifen nach Guinea und Benin, 


1730 Der Verfaſſer hat faſt ſiebenhundert Seemeilen weit laͤngſt dieſer Küfte vom Fluſſe 
Snelgrave. Sherbero nach dem Vorgebirge Lope Gonſalvo gehandelt. Er theilet dieſen Raum in 
vier Theile ein. Den erſten heißt er die Kuͤſte windwaͤrts, etwan zweyhundert und funfzig 
Seemeilen lang von dieſem Fluſſe bis zu dem Fluſſe Ankober, unweit Axim. Auf dieſer 
Kuͤſte befindet ſich weder ein Handelsplatz, noch eine Factorey einer europaͤiſchen Nation. 
Die Leute machen am Ufer einen Rauch, dadurch ſie den Schiffen das Zeichen geben, zu 
Bosheit des ankern, und ſolche darauf mit ihren Waaren in Canoes beſuchen; es waͤre denn, daß durch 
Negerſteh⸗ gewaltſame Wegfuͤhrung der Kaufleute ihnen eine Beleidigung wiederfahren ſey. Dieſes, 
lens. ſaget der Verfaſſer, iſt, zu großer Schande der Englaͤnder und Franzoſen, mehr als zu oft 
geſchehen, und man hat eine Beleidigung, welche ſie ſollten gethan haben, zum Vorwande 
erzwungen. Allein, ſetzet er hinzu, eben dieſes hat die Handlung an dem Orte, wo es ge: 
ſchehen, auf eine lange Zeit unterbrochen; und unſchuldige Leute, welche der Handlung we⸗ 
gen in kleinen Fahrzeugen hieher gekommen find, haben für ihrer Landsleute Bosheit buͤßen 
muͤſſen, indem das Volk fie zur Rache hingerichtet ). | 
Der zweyte Theil erſtrecket ſich von dem Fluſſe Ankober nach Akra, etwan funfzig 
Seemeilen weit. Er wird die Goldkuͤſte genannt, und iſt voller engliſchen und hollaͤndi⸗ 
ſchen Factoreyen. Un 
Der dritte Theil geht von Akra nach Jaquin, etwan ſechzig Seemeilen, und hat nur 
zu Whidaw und Jaquin Factoreyen. 
Der letzte Theil von Jaquin nach der Bay von Benin, und um die Kallabaren, 
Kameronen, und das Vorgebirge Lopez herum, erſtrecket ſich auf dreyhundert Seemeilen, 
und hat keinen europaͤiſchen Handelsplatz. 5 
Laͤngſt der erſten Abtheilung der Kuͤſte wagen ſich die Europaͤer nicht gern ans Land, 
weil die Einwohner ſehr wild ſind. An den wenigen Oertern, wo der Verfaſſer landete, 
konnte er nirgends zulaͤngliche Nachricht von den Gegenden, welche tiefer im Lande liegen, 
erhalten, noch einen Weißen antreffen, der ſich in das Land hinauf gewagt haͤtte. Er 
glaubte, wer ſich das unterſtuͤnde, der wuͤrde von den Leuten aus Misgunſt, daß er nicht 
Entdeckungen zu ihrem Nachtheile machen ſollte, ſeyn hingerichtet worden. 
Obwohl die Schwarzen an der Goldkuͤſte durch den Umgang mit den Europäern geſit— 
teter find: fo läßt doch ihre Staatskunſt nicht zu, daß ein Weißer in das Land hinauf geht. 
Ueber dieſes ſind die Leute tiefer im Lande auf die Schwarzen misguͤnſtig, die unter dem 
Schutze der Factoreyen ſtehen. 
Schwierig⸗ Die Nachrichten, welche die erſtern, wenn ſie mit den letztern Frieden hatten, und an 
keit, das Land das Seeufer kamen, dem Verfaſſer ertheilt, ſchienen daher ſo widerſprechend und fabelhaft 
weiter hinein zu ſeyn, daß man ſich gar nicht auf fie verlaffen konnte. Denn die Schwarzen betriegen 
zu entdecken. 9° 

die Weißen ſehr gern. 

Ebendaſſelbe laͤßt ſich auch von der dritten Abtheilung der Kuͤſte ſagen. Denn vorher, 
ehe der König von Dahome Whidah und Jaquin erobert hatte, war wenig von den Ge— 
genden tiefer ins Land zu erfahren, weil keinem Weißen verſtattet wurde, uͤber das Koͤnig— 
reich Ardrah zu gehen, das etwan funfzig Meilen von der Seeſeite liegt. 

In der vierten Abtheilung ſind die Leute faſt noch barbariſcher, als in der erſten, ſo daß 
man von da her wenig Nachricht erhalten kann. 8 

er 


5) Man ſollte dieſes ſchaͤndliche Verfahren als eine Seeraͤuberey beſtrafen. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. sa 


Der Verfaſſer beſchließt ſeine Einleitung mit zweyen merkwuͤrdigen Beyſpielen von 1730 
Menſchenopfern zu Alt⸗Kallabar. Das erſte geſchah im Jahre 1704. Jabru, der da- Snelgrave, 
ſige König, war krank, und ließ auf Rath feiner Priefter, ein Kind von etwan zehn Mona⸗ Opfer eines 
ten, feinem Zotte um Erhaltung der Geſundheit opfern. Der Hauptmann Snelgrave Kindes. 
ſah das Kind, nachdem es hingerichtet worden, an einem Baumaſte haͤngen, mit einem leben⸗ 
digen Hahne darneben. i Br | 

Auf feiner letzten Reife hieher, im Jahre 1713, hatte er das Gluͤck, ein Kind von einer Zu Kallabar 

dergleichen Opferung zu befreyen. Akqua, der vornehmſte König oder Herr des Landes, 
(denn es ſind verſchiedene kleine Fuͤrſten am Kallabar⸗Fluſſe), kam an Bord, das Schiff 
zu ſehen, und die Muſik zu hoͤren. Weil ihm alles ſehr wohl gefallen hatte: ſo lud er den 
Hauptmann ein, aufs Land zu kommen. Snelgrave gieng in wenig Tagen ans Ufer. 
Weil er aber das Volk als grauſame viehiſche Menſchenfreſſer kannte, die ſich gleichwohl 
vor dem Feuergewehre fuͤrchteten: ſo nahm er zehn Bootsleute und ſeinen Canonier mit. 

Nach ſeiner Landung fuͤhrte man ihn etwan eine Vierthelmeile von der Seeſeite, wo er den 
Koͤnig auf einem Stuhle unter ſchattichten Baͤumen ſitzend fand. Man ſetzte einen andern 
Stuhl fuͤr ihn darneben. Der Koͤnig ſagte kein Wort, und machte keine Bewegung, bis 
er ſich geſetzet hatte; worauf er ihn bewillkommte, und ſich nach ſeinem Wohlſeyn erkun⸗ 
digte. Der Hauptmann that eben dergleichen, nachdem er erſtlich ſich gebuͤckt, und den Hut 
abgezogen. Es waren verſchiedene Hofleute gegenwaͤrtig, und etwan funfzig von ſeiner 
Wache ſtunden in einiger Entfernung mit Bogen und Pfeilen bewehrt, mit Schwerdtern . 
an der Seite, und Lanzen in der Hand haltend. Die Englaͤnder ſtellten ſich ihnen ungefaͤhr 
auf zwanzig Schritte gegen uͤber. 

Nachdem er den König mit einigen Kleinigkeiten beſchenket hatte, die ihm gleichwohl befreyet der 
hoͤchſtangenehm zu ſeyn ſchienen, ſah er einen kleinen Schwarzen mit dem Fuße an einen Verfaſſer ein 
in die Erde geſchlagenen Pfahl gebunden, um den es von Fliegen und Gewuͤrme wimmelte, und anderes. 
zweene Prieſter ſtunden bey ihm. Der Hauptmann erſtaunte uͤber dieſen Anblick, und fragte 
den Koͤnig: warum dieſes Kind ſo gebunden waͤre? Dieſer verſetzte: es ſollte dieſe Nacht 
feinem Gotte Egbo für fein Wohl geopfert werden. Dieſes ſetzte Snelgraven in Be: 
wegung, und er rief (wie er ſelbſt geſteht, zu hitzig) einem ſeiner Leute zu, das Kind von 
der Erde wegzunehmen, in der Abſicht, es zu erhalten. ; 

Darauf näherte fich einer von des Königs Leibwache dem Manne in einer drohenden 
Geſtalt mit feiner Lanze, und Snelgrave, aus Furcht, er würde ihn durchrennen, zog ein 
klein Piſtol aus ſeiner Taſche; woruͤber der Koͤnig erſchrocken aufſprang. Der Hauptmann 
aber ließ ihm durch den Dollmetſcher ſagen: er wollte ihm und den Seinigen nichts thun, 
wo er nur ſeiner Wache befoͤhle, die Englaͤnder nicht anzugreifen. 

Die es war jener bald zufrieden; und wie alles ruhig war: fo verwies Snelgrave dem Koͤ⸗ Der König 
nige, daß er durch die Erlaubniß, mit der Lanze auf einen Engländer loszugehen, die Pflichten wird belel⸗ 
gegen Gaͤſte verletzt hätte. Der König verſetzte hierauf: der Hauptmann habe nicht wohl ge: digt; 
than, daß er dem Menſchen befohlen, er follte das Kind wegnehmen, welches fein Eigenthum 
waͤre. Dieſes erkannte der andere; entſchuldigte es aber mit ſeiner Religion, die zwar nicht 
verſtattete, jemanden das Seine gewaltſam zu nehmen; aber doch fo was abſcheuliches, als die 
Hinrichtung eines armen unſchuldigen Kindes ſey, verböthe: und dieſes würde an ſtatt des Se⸗ 
gens vielmehr den Fluch des hoͤchſten Gottes, den die Weißen anbetheten, auf ihn bringen. Es 
ſey das größte Geſetz der Natur, andern dasjenige zu thun, was wir wollten, daß man uns thun 

ſollte. Yyy 3 Snel⸗ 


1730 
Snelgrave. 
wieder befri⸗ 
digt. 


Die Mutter 
erfreut ſich. 


32 Reifen nach Guinea und Benin 


Snelgrave brachte noch viel Beweisgruͤnde vor, und erboth ſich zugleich, das Kind 
zu bezahlen, welches der Koͤnig ſogleich annahm, und zu ſeinem großen Erſtaunen nur ein 
Bund himmelblaue Glaskorallen etwa eine halbe Krone werth forderte. Der Verfaſſer hatte 
ſich wenigſtens zehnmal ſoviel vermuthet, weil die Schwarzen vom Koͤnige bis auf den 
Kaufmann, gern bey außerordentlichen Vorfaͤllen ihren Vortheil von den Europäern ziehen. 
Hierauf bewirthete der Hauptmann Seine Majeſtaͤt mit Speiſen und Getraͤnken, welche 
er ans Land bringen ließ. Er nahm darauf Abſchied; der Koͤnig bezeugte ſein Vergnuͤgen 
über den Beſuch, und verſprach, wieder an Bord zu kommen. een, 

Den Tag, ehe der Verfaſſer den Koͤnig zu beſuchen gieng, hatte er die Mutter des er⸗ 
waͤhnten Kindes gekauft, ob er ſolches wohl damals nicht wußte. Weil der Wundarzt 
damals bemerkte, daß ſie viel Milch hatte, ſo fragte Snelgrave denjenigen, der ſie an 
Bord gebracht, ob ſie ein Kind gehabt haͤtte, als er ſie von dem Kaufmanne gekauft, der 
ſie tiefer aus dem Lande gebracht haͤtte, welches dieſer aber leugnete. 5 

Kaum aber war das Kind ins Schiff gekommen, als dieſe arme Frau es entdeckte, mit 
großer Heftigkeit zulief, und es aus den Armen des Weißen riß, der es hielt. Der Haupt⸗ 
mann glaubet, es ſey nichts beweglicher zu ſehen geweſen, als dieſer Anblick der Mutter 
und ihres Sohnes, der ein feiner Knabe von etwa achtzehn Monaten war c), beſonders 
als ihr der Dollmetſcher ſagte, der Hauptmann haͤtte ihr Kind vom Opfern errettet. | 

Sobald dieſe Gefchichte unter den Schwarzen am Borde bekannt ward, druͤckten fie ihre 
Dankbarkeit durch Haͤndeklatſchen, und Abſingen eines Liedes, zu des Verfaſſers Ruhme 
aus. Dieſes ward dem Schiffsvolke ſehr nuͤtzlich; denn die Schwarzen erhielten dadurch 
einen guten Begriff von den Weißen, ſo daß ſie waͤhrend der ganzen Reiſe keinen Aufſtand 
erregten, ob ihrer wohl über dreyhundert waren. | 

Der Verfaſſer gieng von alt Kallabar nach dem Eylande Antigua, wo feine Ladung. 


verkauft ward. Er erzählte dieſe merkwuͤrdige Geſchichte dem Herrn Studely, der dar⸗ 


auf Mutter und Sohn kaufte, und ſie ſehr guͤtig hielt. 


Ankunft zu 
Whidah. 


115 a Der I Abſchnitt. | | 
Reiſe nach Whidaw, nebſt einer Nachricht von der Zerftörung dieſes Königs 
reichs im Jahre 1727. | 


Ankunft zu Whidav. Sein bluͤhender Zuſtand. ſtadt Sabi wird eingenommen. Die Statthal⸗ 


Geraͤth durch verſchwenderiſche Lebensart ins 
Verderben. Des Koͤnigs weibiſches Weſen. Der 
Koͤnig von Dahome erobert Ardra. Nachricht 
vom Bullfinch Lambe. Whidaw wird angegrif⸗ 
fen und erobert. Man verehrt daſelbſt Schlan⸗ 


ter Duport und Tinker werden gefangen genom⸗ 
men, aber bald wieder losgegeben. Jaquin der 
Hafen von Ardra. Der Statthalter ergiebt 
ſich. Der Koͤnig von Dahome ladet den Snel⸗ 
grave in ſein Lager ein. 


gen. Des Siegers Staatsklugheit. Die Haupt⸗ 

Mit Ausgange des März im Jahre 1726-27, langte der Hauptmann Snelgrave in der 

Gallere Catharine in der Rheede von Whidaw an, wohin er ſchon verſchiedene Rei⸗ 

ſen gethan hatte. Bey ſeiner Landung gieng er nach dem engliſchen Fort, welches etwa drey 
Meilen von der Seeſeite, und nicht weit vom franzoͤſiſchen Fort iſt. 8 


e) Aus Lambes Briefe erhellet, daß er Truro 
Audati geheißen, Labat nennt ihn Dada, in der 
Vorrede zu des von Marchais Reife nach Guinea. 


„ Die Negerweiber ſaͤugen ihre Kinder gemei⸗ 
niglich bis ſie zwey Jahr ſind. 180 
4) In der Grundſchrift Sabee. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch VII Cap. 543 


Dieß Land war vom Könige von Dahome, etwa drey Wochen zuvor angefallen und 1727 
zerſtoͤrt, auch die Leute der europaͤiſchen Factoreyen mit den Schwarzen in die Sklaverey Snelgrave' 
gefuͤhret worden. Die Zerſtoͤrung, welche in einem fo ſchoͤnen und volkreichen Lande mit 
Feuer und Schwerdte angerichtet worden, war entſetzlich, beſonders die Niedermetzelung 
der Einwohner, mit deren Knochen die Felder beſtreut waren. Die weißen Gefangenen 
waren kurz vor ſeiner Ankunft nach ihren Forts zuruͤck gekommen, und er erhielt von ihnen 
folgende Nachricht von dieſer außerordentlichen Veraͤnderung. ö BEN 

Der Zuftand des Landes vor der Verwuͤſtung war folgender: Ä Sein bluͤ⸗ 


Die Kuͤſte von dieſem Koͤnigreiche liegt in ſechs Graden vierzig Minuten nordlicher ee 


Breite. Sabi ), die Hauptſtadt des Landes, liegt etwa ſieben Meilen von der Seeſeite. 
Hier waren die europaͤiſchen Factoreyen. Die Rheede war fuͤr alle Nationen frey, und 
man rechnete, daß die Englaͤnder, Franzoſen, Hollaͤnder und Portugieſen uͤber zwey tauſend 
Schwarze jaͤhrlich von dieſem und den benachbarten Plaͤtzen ausfuͤhrten. Die Leute wa⸗ 
ren durch die Handlung ſo geſittet, daß man mit Vergnuͤgen mit ihnen zu thun hatte. Das 
ſchlimmſte war die Dieberey des gemeinen Volks, die hierinnen ſoviel Kuͤhnheit als Geſchick⸗ 
lichkeit beſaßen. Wenn man ſie uͤber der That ertappte, ſo wurden ſie des beſtohlnen 
Sklaven. a * Br BED 4 tet n t inte 
Durch die Vielweiberey, da ein vornehmer gewoͤhnlichermaßen etliche hundert Weiber Die Schwel⸗ 
und Kebsweiber hatte, war das Land dergeſtalt mit Volke erfüllt worden, daß alles voll gerey if fein 
Städte und Dörfer war, und als ein fruchtbarer und wohlangebauter Boden, einem einzi- Verderben.) 
gen Garten glich. Eine lange und blühende Handlung hatte das Volk gleichfalls berei⸗ 
chert, wodurch ſie ſchwelgeriſch und ſo weichlich geworden, daß ob ſie wohl wenigſtens zehn 
tauſend Mann haͤtten ins Feld ſtellen koͤnnen, ſie doch durch zweyhundert Feinde aus ihrer 
Hauptſtadt vertrieben wurden, und endlich ihr Land einem Volke laſſen mußten, das ſie 
zuvor verachtet hatten. a Bm in 
Der König von Whidaw war etwa im vierzehnten Jahre zur Krone gekommen, und Des Königs 


y v 


daher fiel die Regierung in die Haͤnde der Vornehmen, die, indem fie fich in feine Neigun- weichliches 
gen ſchickten, die Gewalt gänzlich, bis zu dieſer Veränderung, in ihren Händen behielten, Weſen. 
da er uͤber dreyßig Jahre alt war. Er war ein ſehr nachlaͤßiger und geiler Herr, hatte etli⸗ 
che tauſend Weiber an ſeinem Hofe, und ward von ſelbigen auf alle Art bedient; denn es 
durften keine andere Bedienten da ſeyn e). Dieſes endigte ſich mit feinem Verderben. 
Die Großen ſorgten jeder nur fuͤr ſich, und wurden ſoviel Tyrannen, die das Volk unter 
ſich theilten, daß fie ihrem gemeinen Feinde, einem entfernten inlaͤndiſchen Prinzen, dem Koͤ⸗ 
nige von Dahome 7), leicht zum Raube wurden. 5 ’ 
Dieſer Prinz hatte vormals den König von Whidah um eine freye Handlung nach 
der Seeſeite erſuchen laſſen, mit dem Anerbiethen, für die Schwarzen, welche ausgefuͤhret 
wuͤrden, den gewoͤhnlichen Zoll zu bezahlen. Weil ihm dieſes abgeſchlagen ward, fo ſchwur 
er, ſich bey Gelegenheit zu rächen. Dieſe Drohung ward damals zu Whidaw verachtet, 
ſo daß der Koͤnig dem Verfaſſer bald darauf ſagte, wo der Koͤnig von Dahome ihn an⸗ 
RR „%%% Nenn A | fiele 
) Dabume oder Dahumay liegt Nordwaͤrts, bats vorhin angeführte Vorrede. Der Einfall 
der Koͤnigreiche Fowin und Ulkumi, welche Nord⸗ geſchah 1724. 
waͤrts des Königreichs Ardrah liegen. Siehe a 


1 


1727 


fiele, fo wollte er ihm, nachdem er ihn gefangen bekommen hätte, nicht nach ihrer Gewohn⸗ 


Snelgeave. heit den Kopf abſchlagen laſſen, ſondern ihn als einen Sklaven zu den ſchlechteſten Dien- 
——ſten behalten. 


Nachricht 
von Herrn 
Lambe. 


Angriff von 
Whidaw; 


Eroberung 
deſſelben. 


Dier Koͤnig von Dahome, als ein ſtaatskluger und beherzter Herr, hatte in wenig Jah⸗ 
ren die Seekuͤſte bis ans Königreich Ardra, das naͤchſte das von Whidaw nach dem 
Lande zuliegt, erobert, wo er bis zu völliger Verſicherung feiner Eroberungen ruhig zu ſitzen 
gedachte. Aber da der Koͤnig von Ardra ſeinen eigenen Bruder Haſſar beleidiget hatte, 
ſo ſchickte dieſer heimlich zu ihm, mit der Anbiethung einer großen Geldſumme, ſeines 
Bruders Unrecht zu rächen. Der ſtaatskluge Fuͤrſt gab dieſem bald Gehör, und als der 
König von Ardra die Abſicht, welche man über ihn hatte, entdeckte: fo ſchickte er nach 
Whidaw um Beyſtand zu bitten. Aber der König von Whidaw ſchlug ſolches ohne 
Ueberlegung ab, und ließ das Heer von Ardrah von funfzig tauſend Mann aufs Haupt 
ſchlagen, und den König ſelbſt gefangen nehmen. Bald darauf ward er, nach der barbari: 
ſchen Gewohnheit dieſer ſchwarzen Fuͤrſten, in des Siegers Gegenwart enthauptet. 

Zu dieſer Zeit war ein Weißer, Bullfinch Lambe, in dieſen Gegenden, den der Statt⸗ 
halter von dem Handelsplatze der africaniſchen Geſellſchaft zu Jaquin, wegen einiger Ge⸗ 
ſchaͤffte, an den König von Ardra geſandt hatte. Dieſer aber hatte ihn, unter dem Vor⸗ 
wande einer Anforderung von hundert Sklaven, die er vormals zur Factorey der Gefell- 
ſchaft geſchickt, zurück behalten. Der König ließ auch dem Statthalter melden, wo er die 
Schuld nicht naͤchſtens abfuͤhrte, ſo wollte er den Herrn Lambe zum Sklaven machen. Da der 
Statthalter es abſchlug, ſo blieb Lambe, obwohl mit ſehr guͤtigem Begegnen, ein Gefange⸗ 
ner, etwa zweene Jahr, bis ihn der Koͤnig von Dahomey in dieſem Kriege bekam. 

Als er vor den Koͤnig kam, der zuvor nie einen Weißen geſehen hatte: ſo ward er ſehr 
gütig aufgenommen, bekam vom Koͤnige eine Haus haltung mit verſchiedenen Bedienten, und 
etlichen feiner nahen Anverwandtinnen zu Weibern. Nachdem er auf dieſe Art etwa drey 
Jahre geblieben, ſo ward er auf inſtaͤndiges Anſuchen, von dieſem Prinzen mit einem ſchoͤnen 
Geſchenke an Gold und Sklaven losgelaſſen, nach Europa zu gehen. Ja die Einwohner 
der Staͤdte und Flecken, wo er durchgieng, erhielten, durch einen beſonders abgeſchickten Bo⸗ 
ten Befehl, ihm alle mögliche Hochachtung und gute Verſorgung zu bezeigen ) 


Dieſer Lambe hatte, wie dem Verfaſſer gemeldet worden, dem Koͤnige von Dahomey 
allezeit widerrathen, Whidaw anzufallen, ſowohl wegen der großen Menge der Einwohner, 
die das Feuergewehr gut zu brauchen wußten, als weil ihnen die Weißen, welche ſich daſelbſt 
auf hielten und handelten, ihres eigenen Vortheils wegen beyſtehen wuͤrden. Aber da 
10 feiner Abreife dieſer ſtaatskluge Herr durch feine Kundſchafter gefunden hatte, wie 
ſehr die Großen und das Volk getheilt waren, und daß der Koͤnig in der Regierung nur 
eine Nulle vorſtellte: fo zog er wider fie aus. Er griff zuerſt das nordlichſte Theil des Lan⸗ 
des an, wovon ein Großer, Namens Appragah, erblicher Statthalter war, der ſogleich zu 
feinem. Könige um Beyſtand ſchickte. Weil er aber Feinde am Hofe hatte, die feinen Fall 
W ſo ſchlug man ihm ſolches ab; deswegen er ſich nach einem geringen Widerſtande 
dem Koͤnige von Dahome unterwarf, der ihn guͤtig annahm. 

Die Eroberung von des Appragah Gebiethe gab dem Könige einen leichten Eingang ins 
Herz des Landes. Aber er mußte bey einem Fluſſe halten, der etwa eine halbe Meile nordwaͤrts 

ee i der 


20 Snelgrave a. d. 15 und 1 u. f. S. ı 


j 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 545 


der Hauptſtadt der Whidawer, Namens Sabi laͤuft, wo die Reſidenz ihres Koͤnigs iſt. 1727 
Hier lagerte ſich der König von Dahomey einige Zeit, und bildete ſich nicht ein, daß ihm Snelgrave: 
die Eroberung ſo leicht fallen wuͤrde, als er es nachgehends fand. Denn der Paß uͤber den 

Fluß war fo beſchaffen, daß fuͤnf hundert tapfere Leute ihn wider fein ganzes Krieges heer 

haͤtten vertheidigen koͤnnen. Aber an ſtatt deſſen hatte dieſes verzagte weichliche Volk in 

den Gedanken geſtanden, bloß der Ruf von ihrer Menge wuͤrde die Dahomer abhalten, 

und hatte alſo keine Wache hingeſetzt. Nur giengen ſie Morgens und Abends hin, Feti⸗ 

ſche 5) zu machen, d. i. ihrem vornehmſten Gotte, welches eine beſondere unſchaͤdliche 

Schlange iſt, ein Opfer zu bringen, und ihn zu bitten, daß er ihre Feinde an dem Uebergange 

über den Fluß verhindern ſollte. 5 

Dieſe Art von Schlangen iſt ihrem Lande eigen. Sie hat eine beſondere Geſtalt, iſt in Schlangen⸗ 

der Mitte ſehr ſtark, auf dem Ruͤcken rund wie ein Schwein, aber am Kopfe und Schwanze dienſt. 
ſehr klein; daher fie ſich ſehr langſam bewegt. Sie iſt gelb und weiß mit braunen Streifen. 
Dieſe Schlangen find fo unſchaͤdlich, daß wenn man unverſehens auf fie tritt, (denn es frey⸗ 
willig zu thun, iſt ein Verbrechen, das die Todesſtrafe verdienet), aus ihrem Biſſe keine 
uͤbele Wirkung erfolget; und dieß iſt eine Urſache, warum ſie ſolche verehren. Sie haben 
auch eine alte Erzählung, daß die Anrufung der Schlange um Beyſtand, fie allemal von 
einem bevorſtehenden großen Elende befreyt hätte. 

Dieſes mag ſonſt geweſen ſeyn wie es will, ſo geſchah es jetzo nicht; und die Schlangen 
ſelbſt wurden nach der Eroberung nicht verſchont. Denn weil die Schlangen haͤufig und 
eine Art von Hausthieren waren, ſo fanden die Eroberer viele derſelben in den Haͤuſern, mit 
denen ſie folgendergeſtalt umgiengen. Sie hielten ſie beym Mittel in die Hoͤhe und ſagten: 
Seyd ihr Goͤtter, ſo redet, und rettet euch. Weil die armen Thiere dieß nicht thun 
konnten, fo hieben ihnen die Dahomer die Koͤpfe ab, riſſen fie auf, brieten fie auf Kohlen, 
und aßen fie, N f 

Aber wider zum Koͤnige von Dahome zu kommen, ſo war ſolcher ſo ſtaatsklug, daß er Des Sie⸗ 
zu den Europaͤern ſandte, die ſich zu Whidaw aufhielten, und fie verſicherte, wo fie neu- gers Staate. 
tral blieben, ſollten fie nicht nur unbeſchaͤdigt bleiben, wenn er ſiegte, ſondern auch von ver- klugheit. 
ſchiedenen Beſchwerden, welche der König von Whidaw auf ihren Handel gelegt haͤtte, befreyt 
werden. Wo ſie gegentheils wider ihn erſchienen, fo möchten fie feine Rache erwarten. 

Dieſe Bothſchaft machte ſie zweifelhaft; denn ſie haͤtten ſich gern von Sabi nach zweyen 
Forts mit Leimwaͤnden gezogen, die den franzoͤſiſchen und engliſchen africaniſchen Geſellſchaften 
gehoͤrten, und innerhalb drey Meilen an der Seeſeite waren. Weil ſie aber fanden, daß der 
Koͤnig von Whidaw dieſes uͤbel aufnehmen wuͤrde, als wodurch ſeinen Leuten der Muth 
entfallen koͤnnte: fo mußten fie in der Stadt bleiben. Sie hatten ſich gar nicht vermu⸗ 
thet, daß die Leute ſo zaghaft als ſie thaten davon laufen, oder ſie das Kriegsgluͤck mit 
ihnen theilen ſollten. 

Da der Paß über den Fluß alſo unbewacht der Vorſorge der Schlangen war über: Sabi wird 
laſſen worden: ſo ſchickte der König von Dahomey zweyhundert Mann hin, ihn durch- eingenom⸗ 
zuwaten. Sie thaten daſſelbe ohne Widerſtand, und giengen nachgehends nach der Stadt men. 
Sabi, unter dem Getoͤne kriegeriſcher Inſtrumente zu. Der König ward hievon durch 
feine äußern Wachen, die in die Stadt gelaufen kamen, benachrichtigt, und floh fogleich 

ohne 
5) In der Grundſchrift Fetiche. So verſchiedentlich ſchreiben unterſchiedene Nationen ein Wort. 
Allgem. Reiſebeſchr. U Band. 333 


345 Reiſen nach Guinea und Benin, 


1727 ohne Widerſtand mit allen feinen deuten. Er gieng mit einer großen Menge feiner Unter: 
Snelgrave. thanen nach der Seekuͤſte auf ein Eyland, welches durch einen Fluß gemacht ward. Viele 
aber, die keine Canoes hatten, erſoffen, indem fie nach den Eylanden unweit Popo, dem 
naͤchſten Lande auf der Seekuͤſte weſtwaͤrts, ſchwimmen wollten. Viel tauſend, welche fich 

in die Buͤſche verborgen, kamen durch Schwerdt und Hunger um 7), . 


Duport und Als die Soldaten von Dahome in Sabi kamen: ſo ſteckten fie ſogleich den Palaſt an, 
Tinker wer⸗ und meldeten alsdann ihrem Generale den gluͤcklichen Erfolg. Darauf kam das ganze 
den gefan⸗ Heer an den Fluß, die kaum ihren Augen trauten. Herr Duport, damaliger Statthalter 
gen; der africaniſchen Geſellſchaft, meldete dem Verfaſſer: als die dahomeiſchen Soldaten, die vor- 
mals nie Weiße geſehen, in ſein Haus gekommen: ſo haͤtten ſie erſtaunt geſtanden, und ſich 
nicht an ihn wagen wollen, bis er gewinkt, und die Hand nach ihnen ausgeſtreckt. Darauf 
haͤtten ſie ihn angegriffen; und als ſie befunden, daß er in allem eben ſo ein Menſch waͤre, 
als fie, bloß die Farbe ausgenommen: fo hätten fie alle Hochachtung beyſeite geſetzt, was 
er vom Werthe bey ſich gehabt, ihm aus der Taſche genommen, und ihn mit noch etwa vier⸗ 
zig Weißen, Englaͤndern, Franzoſen, Holländern und Portugieſen zum Gefangenen gemacht, 
mit denen ſie auf eben die Art umgegangen. h 
Unter diefen befand ſich Jeremias Tinker Eſqu., der gleich zuvor die Sachen der afri⸗ 
caniſchen Geſellſchaft dem Herrn Duport uͤbergeben hatte, und in wenig Tagen nach England 
zu Schiffe zu gehen Willens war. Aber Hr. Pereira, der portugieſiſche Statthalter, entrann 
von Sabi nach dem franzoͤſiſchen Fort. Den Tag darauf ward die Stadt eingenommen, 
die Weißen an den Koͤnig von Dahome in Ardrah geſchickt, der etwa vierzig Meilen davon 
war. Man verſorgte fie nach der Landesgewohnheit mit vierzig Tragſeſſeln. 


aber bald Sie wurden in des Koͤnigs Lager gebracht, und nach den verſchiedenen Nationen abge⸗ 

befreyt. ſondert, aber einige Tage lang ſchlecht bewirthet, bis ſie beym Koͤnige eine Audienz erhielten, 
der ſolches durch das gemeine Schickſal und die Verwirrung des Krieges entſchuldigte, aber 
es kuͤnftig zu ändern verſprach. Sie wurden auch wirklich in wenig Tagen ohne Löfegeld 
frey gelaſſen, und jeder nach ſeinem Fort geſchickt; aber was ihnen abgenommen worden, 
bekamen ſie nie wieder. Den vornehmſten wurden Sklaven geſchenkt, und Seine Majeſtaͤt 
verſicherten ſie, ſobald er mit ſeiner Eroberung zu Stande waͤre, wollte er die Handlung 
bluͤhend machen, und auf ſie beſonders zu ihrem Vortheile aufmerkſam ſeyn. 


Anguin, Hr Als ſich der Hauptmann Snelgrave drey Tage zu Lande zu Whidaw aufgehalten 
fen von Ar⸗ batte, woſelbſt er die Engländer und Franzoſen in fo großer Beſtuͤrzung, als er felbft war, 
drah. gefunden: ſo gieng er nach dem Hafen oder der Rheede Jaquin, welche etwa ſieben Seemeilen 
| oſtwaͤrts liegt, und beynahe drey Meilen von der Seekuͤſte hat. Dieſes ift allemal des 
Koͤnigs von Ardrah Hafen, und ihm zinsbar geweſen. Er hatte einen erblichen Statthalter, 

der ſeinen Tribut in Stuͤcken Salz bezahlte, wovon hier viel gemacht wird. 


Sobald der Koͤnig von Dahome Ardrah erobert hatte, ließ der Herr dieſes Platzes 
ſeine Unterwerfung erklaͤren, und erboth ſich zu dem Tribute, den er dem beſiegten Koͤnige 
i gegeben. Dieß ward fogleich angenommen, und zeigte die Staatsklugheit des Siegers; 
denn ob er wohl die Einwohner der inlaͤndiſchen Gegenden, welche er beſiegt, gewaltig hin⸗ 
gerichtet 

1) Snelgrave a. d. 9 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 547 


gerichtet hatte: fo hatte er doch nun feine Abſicht in Erhaltung eines freyen Weges zur See 1727 
erreicht, und glaubte, die Jaquiner würden ihm ſehr nützlich ſeyn, weil fie die Handlung ver- Dnelgrape. 
ftünden, und er wuͤrde durch ihre Huͤlfe allemal Waffen und Pulver zu feinen fernern Eroberun⸗ Der Statt⸗ 
gen bekommen koͤnnen. Ueberdieß waren dieſe Leute allemal auf die Whidawer misguͤnſtig halter unser- 
wegen der Handlung geweſen, und hatten einen alten Haß wider fie, weil fie den meiſten wirft ſich. 
Handel von den Jaquinern nach ihrem Lande gezogen; denn weil das letztere ſo angenehm, 

und vorzeiten die Regierung daſelbſt fo gut war: fo hatten die Europäer den größten Theil 

ihres Handels nach der Hauptſtadt Sabi verlegt. Ba 


Den zten April im Jahre 1727, ankerte Snelgrave zu Jaquin, und ſchickte feinen 
Wundarzt ab, Schutz von dem Herrn des Orts auszuwirken k). Als ſolcher bey dem Fe⸗ 
tiſch in Gegenwart eines Franzoſen und Hollaͤnders war verſprochen worden: ſo landete er 
den Tag darauf, und gieng die Stadt etwa drey Meilen von der See hinauf, wo man ihn 
guͤtig aufnahm, und ihm ein Haus zu einer Factorey anwies. 8 | 


Den Tag darauf kam einer, Namens Buttenoe, welcher ihm auf gut engliſch ſagte, Snelgrave 
er hätte ihn auf des Königs von Dahomey Befehl zu Whidaw geſucht, und waͤre nun wird 
nach Jaquin gekommen, ihn ins Lager einzuladen, und in Seiner Majeſtaͤt Namen aller 
Sicherheit und gütigen Begegnnug zu verſichern. Snelgrave hatte erſt keine Luſt; aber 
auf Erinnern, daß es uͤbele Folgen haben konnte, beſchloß er endlich, der Einladung zu ge⸗ 
horchen, beſonders weil einige Geſellſchaft mit ihm gienge: denn ein hollaͤndiſcher Schiffs: 
hauptmann, deſſen Schiff die Portugieſen kurz zuvor zu Grunde gerichtet hatten, entſchloß 
ſich auch, mitzugehen, und der oberſte hollaͤndiſche Factor ſchickte dem Eroberer Geſchenke 
durch einen ſeiner Schreiber; auch ſchickte der Herr von Jaquin ſeinen Bruder mit großen 
Geſchenken ab, dem Koͤnige zu huldigen. kr | 


Den sten April fegten fie alle über den Fluß hinter Jaquin, mit hundert Schwarzen von dem Ks 
zur Bedienung, in Canoes, und der Abgeordnete fuͤhrte ſie. Dieſer Mann, der mit dem Herrn nige von Da— 
Lambe gefangen worden, lernte als ein Knabe in der Factorey zu Whidaw Engliſch, und bome einge— 
war ihr Dollmetſcher. Die Leute von der Stadt begleiteten fie in Menge nach der Waſſer- laden. 
ſeite, und wuͤnſchten ihnen Gluͤck, waren aber in erſtaunlicher Furcht ihrentwegen, weil ſie 
unter ein fo barbariſches Volk giengen. Beſonders aͤngſteten fie ſich wegen des Herzogs 2). 
ihres Herrn Bruders, der ein Herr von fo liebenswuͤrdigen Eigenſchaften war, als Snel⸗ 
grave jemals bey deuten von dieſer Farbe angetroffen hatte m). 


TEN s n Der 


5) Denn er hatte einigen Europäern ſchlimme J) Wer gab ihm dieſen Titel? 
Streiche geſpielt. t) Snelgr. a. d. 1j u. f. S. 


548 | Reiſen nach Guinea und Benin 


1727 
Snelgrave. 


Abreiſe. 


Ankunft im 
Lager. 


Zerſtoͤrung 
der Haupt⸗ 
ſtadt von 
Ardrah. 


Der II Abſchnitt. 
Reiſe nach des Koͤnigs von Dahomey Lager 
Der Verfaſſer geht von Whidaw ab. Ankunft im kungen der Furcht. Männer, Weiber und Kin; 
Lager. Zerſtoͤrung der Hauptſtadt von Ardrah. der geopfert. Urſachen dazu. Weiße Negerinn. 
Den Weißen wird gut begegnet. Menſchen⸗ Die geopferten Leichname werden gegeſſen. 
opfer. Todtenzaͤhne. Audienz. Des Koͤnigs Beſuch bey einem Portugieſen. Die J⸗ os 


Pracht und Kleidung. Haufen von Koͤpfen. fallen in Dahome ein. Man beſieget ſie durch 
Er wird ſehr verehrt. Zweene Vielfraße. Wir⸗ eine Kriegsliſt. 


DE fie auf der andern Seite des Fluſſes gelandet hatten: fo traten fie in Begleitung ihrer 

Bedienten die Reiſe an. Jeder von den Vornehmſten hatte ſechs Traͤger, die einan⸗ 
der abloͤſten, weil nur zweene die Stange, an der die Haͤngematte befeſtigt iſt, zu tragen 
erfordert werden. Sie hatten auch jeder ein kleines Pferd zu reuten, wenn ſie des Liegens in 
der Matte muͤde waͤren. Sie reiſten etwa vier engliſche Meilen in einer Stunde, und warteten 
oft auf die Bagagetraͤger; denn es giebt weder Karn noch gute Pferde zu Jaquin, und die 
wenigen, die man antrifft, find nicht viel größer, als die engliſchen Eſel. Die Wege waren 
gut, und das Land ſchoͤn, obwohl durch den Krieg verwuͤſtet. Sie ſahen die Steinhaufen 
vieler Städte und Dörfer, mit häufigen Menſchenbeinen auf die Felder geſaͤet. Sie ſpeiſten 
dieſen Tag, unter einigen Cocosbaͤumen, die kalte Kuͤche, welche ſie mit ſich fuͤhrten. Die 
Nacht ſchliefen ſie auf dem Boden auf Matten, in einigen elenden Huͤtten; und weil deren 
nicht genug waren: ſo ſchliefen ihre Bedienten unter freyem Himmel. 


Den folgenden Tag giengen ſie um ſieben Uhr des Morgens fort, und hielten um neun 
Uhr etwa eine halbe Meile von des Koͤnigs Lager. Sie waren ihrer Rechnung nach etwa vierzig 
engliſche Meilen von Jaquin gereiſt. Ein Bothe von dem Koͤnige kam hier zu ihnen, nach 
deſſen Verordnung ſie ſich kleideten, und dem Lager naͤherten, wo ſie des Koͤnigs vornehmſter 
Officier, den man den großen Hauptmann hieß, empfing. Dieſes geſchah, ſaget der Ver⸗ 
faſſer, auf eine außerordentliche Art. Er kam mitten unter fuͤnfhundert Soldaten, welche 
Feuergewehre, bloße Schwerdter, Schilder und Fahnen in den Haͤnden hatten, und ſo viel 
ſeltſame und laͤcherliche Dinge vornahmen, daß man erſt nicht wußte, ob fie es gut oder böfe 
meynten. Der große Hauptmann nebſt einigen feiner Officier näberte ſich darauf ihnen. Sie 
ſchwungen ihre bloßen Schwerdter ihnen um die Koͤpfe, richteten ihnen ſolche nach der Bruſt, 
und ſprungen unter ihnen wie die Affen herum. Endlich ward der große Mann gelaſſener, 
gab ihnen die Hand, bewillkommte ſie in des Koͤnigs Namen, und trank ihnen Palmwein zu, 
der hier ſehr gemein iſt. Sie trunken des Koͤnigs Geſundheit, in Wein und Bier, welches ſie 
mitgebracht, worauf er ſie nach dem Lager fuͤhrte. Die Soldaten hielten Wache, und die 
Muſik machte ein wiederwaͤrtiges Getoͤne vor ihnen. N 


In etwa einer halben Stunde langten fie im Lager an, welches bey einer großen zerftör: 
ten Stadt war, die vor kurzem die Hauptſtadt a) des Königreichs Ardrah geweſen. Das 
Kriegsheer lag hier in Gezeltern, welche nach der Gewohnheit der NMegern aus kleinen Baum⸗ 
äften mit Leime bedeckt, wie Bienenkoͤrbe waren. Jedes enthalt zehn bis zwoͤlf Soldaten, die 
zu einem Loche in der Seite hinein krochen, und mit den Koͤpfen und Seiten dichte bey ein⸗ 
ander 


a0 Andere heißen dieſe Stadt, welche der Verfaſſer nicht nennt, Aſſem oder zem. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 549 


ander lagen. Bey ihrem Eintritte ins Lager wurden ſie zu einigen großen Baͤumen ge- 1727 
führt, wo man ihnen Stühle, welche von den Whidawern erobert worden, brachte, im Snelgrave: 
Schatten zu ſitzen, und die Leute drangen ſich tauſendweiſe zu ihnen, um weiße Leute zu be⸗ 

trachten, dergleichen ſie noch niemals geſehen hatten. 

Nachdem ſie hier zwo Stunden geſeſſen, und verſchiedene Proben von der Geſchicklich⸗ 
keit der Soldaten zu ihrer Ergoͤtzung angeſehen: fo fuͤhrte man fie in ein leimern für fie 
zubereitetes Haus. Sie krochen hier durch eine niedrige Thuͤre, fanden aber Plat genug, 
ihre Tragematten aufzuhaͤngen. Nachdem fie ihr Geraͤthe in Ordnung gebracht: fo gieng Den Weißen 
der große Mann fort, und ließ ihnen eine Wache, alle Beunruhigung von dem Volke zu wird wohl 
verhindern. Er ſelbſt gieng hin, den Koͤnig zu benachrichtigen. Gleich darauf ſetzten ſie ſich, begegnet. 
weil es Mittag war, zur Mahlzeit, ihren mitgebrachten kalten Schinken und ihr Vogelwerk zu 
verzehren. Ihr Zelt war mitten in einem großen ringsherum verpaliſadirten Hofe, wo das 
Volk ruhig ſtund; denn der König hatte bey Lebensſtrafe verbothen, daß niemand ohne Er⸗ 
laubniß ihrer Wache kommen follte, fie zu ſehen. Dieſe Nachricht war ihnen ſehr ange⸗ 
nehm, weil ſie daraus erkannten, daß Seiner Majeſtaͤt ihr Wohl am Herzen laͤge. Sie 
wurden aber mit ſo unzaͤhligen Fliegen geplagt, daß ſie, ungeachtet der Bedienten, welche 
ſelbige mit Fliegenwedeln von den Speiſen abtreiben ſollten, keinen Biſſen in den Mund 
bringen konnten, ohne zugleich welche von dieſen Ungeziefern mit zu bekommen. 

Um drey Uhr Nachmittags beftellte fie ein Abgeſchickter von dem großen Hauptmanne Menschen 
an des Königs Thor. Auf dem Wege ſahen fie zwo große Bühnen voll Todtenkoͤpfe. opfer. 
Von denſelben naͤhrten ſich die Fliegen, die ihnen bey der Mahlzeit ſo beſchwerlich geweſen. 

Der Dollmetſcher meldete ihnen, es waͤren Koͤpfe von viertauſend Whidawern, welche von 
den Dahomern etwa vor drey Wochen ihrem Gotte zum Danke fuͤr den Sieg geopfert worden. 


Des Koͤnigs Thor war nur ein Eingang in einen großen rings herum verpaliſadirten 
Hof, der verſchiedene Haͤuſer mit Leimwaͤnden enthaͤlt. Sie ſetzten ſich hier auf Stuͤhle, 
und der Officier beſchenkte ſie mit Kuͤhen, Ziegen, Schafen und andern Lebensmitteln, wobey 
er ſagte, weil Seine Majeſtaͤt i im Lager waͤren: ſo koͤnnten ſie es jetzo nicht beſſer machen. 

Nach abgelegtem Danke giengen ſie heraus, und erſtaunten, als ſie an dem Thore vierzig 
ſtarke Mann in einer Reihe mit Flinten auf den Schultern und breiten Schwerdtern in den 
Haͤnden ſahen. 

Selbige hatten Schnuͤre voll Menſchenzaͤhne um die Hälfe, die ihnen bis mitten an den Todte Mer 
Leib reichten, und hinten und vorne herum giengen, in ſolcher Menge, daß alle Barbierſtu⸗ ſchenzaͤhne. 
ben in Europa damit hätten koͤnnen verſehen werden. Der Dollmetſcher meldete ihnen, 
das waͤren des Koͤniges Helden oder Tapfere, denen erlaubt waͤre, die Zaͤhne ihrer Feinde 
zu tragen, welche fie umgebracht hätten. Er ließ fie bemerken, daß einige mehr als die ans 
dern hatten, welches den Unterſchied unter ihrer Tapferkeit anzeigte; weil nach ihren Geſetzen 
der Tod darauf ſtuͤnde, wenn einer einen Zahn anſchnuͤrte, ehe er vor dem gehörigen Officier 
dargethan haͤtte, daß ſelbiger einem Feinde, den er ſelbſt in der Schlacht umgebracht, zuge⸗ 
hört. Snelgrave ließ ihnen durch den Dollmetſcher ein Compliment machen, und ſagen, 
ſie waͤren eine 3 tapfere Leute. Sie erwiederten mit gleicher ee ſie ſchaͤtz⸗ 


ten die et hoch Y. 
833 3 Nach 


) Snelgrave a. d. 25 u. f. S 


1727 


550 75, Reifen nach Guinea und Benin, 
Nach dieſem, ſaget der Verfaſſer, kehrten wir in unſere Zelte zur Abendmahlzeit zuruͤck, 


Snelgrave. hingen unſere Matten auf, und lagen bis an den folgenden Morgen. Dieſe Nacht ver⸗ 


Aubienz. 


Seine Pracht 


gieng viel beſſer, als die vorige. Des Hrn von Jaquin Mutter ward von dem großen Haupt⸗ 
manne bey ſich behalten, damit ſie in ihrem Gezelte beſſern Platz haͤtten. a 


Den folgenden Morgen wurden ſie zum Koͤnige gefuͤhret. Seine Majeſtaͤt waren in 


einem großen verpaliſadirten Hofe, und ſaßen, wider die Landesgewohnheit, auf einem ſchoͤ⸗ 


nen vergoldeten Stuhle, der dem Koͤnige von Whidaw war abgenommen worden. Drey 
große Sonnenſchirme wurden ihm von Weibsbildern uͤber dem Kopfe gehalten, und noch 
vier Weibsbilder ſtunden hinter dem Stuhle, mit Flinten auf den Schultern. Dieſe 
Weibsbilder waren von der Mitte des Leibes herunter ſchoͤn angekleidet; denn oberwaͤrts 
gehen beyde Geſchlechte nackend. Sie hatten auch verſchiedene breite Manellos, oder gol- 
dene Ringe von großem Werthe um die Aerme, und um die Hälfe und in den Haaren viele 
von ihren Landesjuwelen. Dieſe ſind eine Art Kuͤgelchen von mancherley Farben, die aus 
einer weit ins Land hinein gelegenen Provinz gebracht werden, wo man ſie aus der Erde 
graͤbt. Die Schwarzen halten ſie eben ſo hoch, als wir die Diamanten. 


Der Koͤnig hatte einen mit Golde geſtickten Rock an, der ihm bis an die Ferſen reichte, 


und Kleidung einen europäifchen eingefaßten Hut auf dem Kopfe, und Pantoffeln an den Füßen. Man 


Haufen von 
Todtenkoͤ⸗ 
pfen. 


ſagte den Weißen, fie follten zehn Ellen weit von des Königs Stuhle ſtehen bleiben, der fie 
darauf durch feinen Dollmetſcher bewillkommte. Nach dieſem bezeugten fie ihm ihre Ber: 
ehrung mit dem Hute, und buͤckten ſich nach Anweiſung des Dollmetſchers ſehr tief; wor: 
auf Seine Majeſtaͤt den Snelgrave ihres Schutzes und ihrer Gnade verſicherten. Man 
brachte Stühle, und fie ſetzten ſich. Der König trank ihre Geſundheiten; es wurden Ge: 
traͤnke gebracht, und fie tranken Seiner Majeſtaͤt Geſundheit. TORE 

Den Abend langten über achthundert Gefangene von einem Lande, Namens Tuffo, 
ſechs Tagereiſen weit, im Lager an. Weil der Koͤnig mit den Whidawern zu thun gehabt 
fo hatten dieſe Leute fuͤnfhundert von feinen Soldaten angegriffen, die Seine Majeſtaͤt zwoͤl 
fen von ihren Weibern zur Wache geſandt hatten, welche mit einer Menge von Waarer 
und Koſtbarkeiten nach Dahome giengen. Die Tuffoer zerſtreuten die Bedeckung, mach 
ten die Weiber nieder, und bemaͤchtigten ſich der Guͤter. Der Koͤnig ließ ſie nach der Er 
oberung von Whidaw durch einen Theil ſeines Heeres abſtrafen. | Be. 

Er befahl, dieſe Gefangene in den Hof zu bringen, und wählte darauf felbft eine groß 
Menge von ihnen, feinem Fetiſche oder Schutzengel zum Opfer; die andern behielt er fü 
ſich, oder zum Verkaufe an die Europaͤer als Sklaven. Die Gefangenen wurden den Sol 
daten durch eigene Officiere abgenommen, und ihnen fuͤr jeden zwanzig Schillinge Werth 
für eine Frau, einen Knaben oder ein Maͤgdchen aber zehen in Rowris bezahlet. Di 
Soldaten brachten gleichfalls etliche tauſend Todtenkoͤpfe in den Hof, welche an Schnuͤr 
angereihet waren, und die Officier gaben fuͤr jeden fuͤnf Schillinge. Darauf trugen ver 
ſchiedene Leute ſolche zu einem großen Haufen Koͤpfe, welcher unweit dem Lager lag, au 
dem, nach dem Berichte des Dollmetſchers, Seine Majeſtaͤt ein Siegeszeichen aufrich 
ten wollten. 


Großelinter⸗ Die Vornehmſten vom Hofe und dem Kriegesheere, welche gegenwaͤrtig waren, lage 


thaͤnigkeit. 


auf dem Grunde ausgeſtreckt, und niemand durfte naͤher als zwanzig Fuß zu des Koͤnig 
Stuhle kommen. Wenn fie dem Könige etwas zu fagen hatten: ſo kuͤſſeten fie 1 di 
: | vd 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 551 


Erde, und liſpelten es darauf einem alten Weibe ins Ohr, das zum Koͤnige gieng, und mit 1727 
der Antwort wiederkam. Seine Majeſtaͤt beſchenkten die Hofleute und Officier wenigſtens Snelgrave. 
mit zweyhundert Gefangenen. Als die Schenkung geſchehen war: ſo rief ein Officier 

ſoſche aus, und das Volk antwortete darauf, welches in großer Menge am Thore auf die 

Opfer wartete c). N 

Nach dieſem kamen zweene Kerle mit einem großen Faſſe von ſechs Gallonen voll Korn Zweene 
oder dergleichen Frucht, festen ſolches auf die Erde, fielen auf die Knie, ſteckten es mit den Vielfraße. 
Faͤuſten ins Maul, und fraßen es in wenig Minuten auf. Der Dollmetſcher ſagte, dieſes 
geſchaͤhe taͤglich, um den Koͤnig zu ergoͤtzen; aber die es thaͤten, lebten nicht lange, und es 
folgten ihnen immer andere nach. Es wurden verſchiedene noch laͤcherlichere Dinge vor⸗ 
genommen, die zu verdruͤßlich ſeyn wuͤrden anzufuͤhren. Sie ſtunden, ſolches anzuſehen, 
beynahe drey Stunden in der Sonnenhitze, worauf ſie Erlaubniß erhielten, fortzugehen. 

Nach Tiſche kam der Herzog, Bruder des Herrn von Jaquin, fo ſehr erſchrocken in Wirkungen 

ihr Zelt, daß ſein Geſicht, von einer zierlichen ſchwarzen Farbe, ganz ſchwarzbraun gewor- der Furcht. 
den war. Vermuthlich hatte er auf dem Wege eine große Menge von Leuten geſehen, die 
zum Opfer gefuͤhrt wurden, und ihr Winſeln hatte ihn fo beftärze gemacht. Denn die Leute 
von der Seekuͤſte verabſcheuen ſolche Grauſamkeit, beſonders aber das Eſſen der Leichname. 
Indeſſen war dieſe Gemuͤthsbeſchaffenheit den Dahomern ſehr vortheilhaft. Denn wie 
der Verfaſſer nachgehends den Whidawern vorwarf, warum ſie ſo zaghaft davon gelau⸗ 
fen waͤren? ſo antworteten ſie: es waͤre keine Möglichkeit geweſen, ſolchen Menſchenfreſ⸗ 
ſern zu widerſtehen, von denen bloß die Erzaͤhlung die ganze Nation in Furcht geſetzet haͤtte. 
Wenn er ihnen einwarf: es ſey ja einerley „ob die Leichname von ihres gleichen, oder von 
Geyern, deren ſie eine große Menge haben, verzehret würden: fo zuckten ſie die Achſeln, 
und ſagten: der Gedanke, von ihres gleichen gegeffen zu werden, waͤre ihnen viel ſchreckli⸗ 
cher, als die Furcht vor dem Tode. 

Der Herzog ſchien wegen feiner eigenen Sicherheit ſehr ungewiß zu ſeyn, weil ihn der Maͤnner und 
Koͤnig noch nicht zur Audienz gelaſſen hatte. Snelgrave und der hollaͤndiſche Haupt⸗ Weiber, 
mann aber, giengen mit Erlaubniß des oberſten Fetiſchir weg, die Ceremonie mit anzuſe⸗ 
gen, welche bey vier kleinen Bühnen, etwan fünf Fuß hoch von der Erde, verrichtet ward. 

Das erſte Opfer war ein wohlgeſtalteter alter Mann „zwiſchen funfzig und ſechzig Jah⸗ 
en alt, mit auf den Rücken gebundenen Händen, Er zeigte ein beherztes Gemuͤth, 
hne einige Merkmaale von Furcht. Weil er aufgerichtet an der Seite der Buͤhne ſtund: 
o legte ein Fetiſchir oder Prieſter feine Hände ihm auf den Kopf, und murmelte etliche 
Sinweihungsworte, etwan zwo Minuten lang. Darauf gab er einem Manne, der mit 
inem breiten Schwerdte hinter dem Opfer ſtund „das Zeichen zum Schlachten, welcher 
hm alſobald in den Nacken, und den Kopf mit einem Streiche vom Leibe herunter hieb; 
vorauf das Volk ein großes Geſchrey erhub. Man warf das Haupt auf die Buͤhne, und der 
eib, nachdem er eine Weile, um aus zubluten, auf dem Boden gelegen hatte, ward durch Sklaven 
n einen Ort bey dem Lager weggeſchleppt. Der Dollmetſcher berichtete ihnen, der Kopf des 
Ipfers ſey für den König, das Blut für den Fetiſch, und der Koͤrper fuͤr das gemeine Volk. 
Sie ſahen noch viele opfern, und bemerkten, daß die Maͤnner beherzt hingiengen; aber und Kinder 
as Geſchrey der Weiber und der Kinder machte den Hauptmann und Snelgraven fuͤr geopfert. 
ſich 


€) Snelgrave auf der 33 und folgenden Seite. 


552 Reifen nach Guinea und Benin, 
1727 ſich ſelbſt furchtſam. Sie vereinigten ſich daher, ſich zu verſtellen, und bey der erſten Ge⸗ 


Snelgrave. legenheit ſich fortzumachen. Bald darauf kam ein Oberſter von dem Heere, den Snel⸗ 
grave zu Jaquin geſehen hatte, zu ihnen; und Snelgrave fragte ihn: warum ſie ſo viele 
Leute opferten, die fie vortheilhafter verkaufen koͤnnten? Er verſetzte: es ſey bey ihrer Na⸗ 
tion allemal die Gewohnheit geweſen, nach einer Eroberung ihrem Gotte eine gewiſſe An⸗ 
zahl Gefangene zu opfern, die der König allemal ſelbſt ausſuchte. Sie glaubten, wenn 
fie dieſes unterließen: fo würden fie kein Gluͤck mehr haben, und ſchrieben den guten Fort⸗ 
gang ihrer Waffen einige Zeit her der genauen Beobachtung dieſer Gewohnheit zu. Man 
hätte eine Staatsurſache, alte Leute dazu zu nehmen, weil ſolche fonft ihrer Klugheit und 
Erfahrung wegen im Stande ſeyn wuͤrden, wider ihre Herren Meutereyen anzuſtiften, und 
da ſie in ihrem Lande die Vornehmſten geweſen, nicht ruhig Sklaven ſeyn wuͤrden. Die 
Europaͤer wuͤrden ſolche auch ihres Alters wegen nicht kaufen. Die jungen Leute aber, 
welche er opfern ſehen, ſollten in jener Welt des Koͤnigs Weibern, die von den Tuffoern 
umgebracht worden, aufwarten. i 
Als der Verfaſſer hieraus ſah, daß ſie Begriffe von einem zukuͤnftigen Zuſtande hat⸗ 
ten, ſo fragte er: was ſie von ihrem Gotte glaubten? Darauf gab der Oberſte eine ſehr 
verwirrte und undeutliche Antwort. Snelgrave aber ſchloß daraus, fie hielten ihn für eis 
nen unſichtbaren Schutzengel, der unter einem andern Gotte ſtuͤnde, der, ſagte der Oberſte, 
vielleicht eurer ſeyn kann, der den Weißen ſo viele außerordentliche Dinge mitgetheilet hat, 
wie mir Herr Lambe davon benachrichtiget hat. Weil aber dieſem Gotte nicht gefallen hat, 
ſich uns zu offenbaren: ſo muͤſſen wir mit dem zufrieden ſeyn, den wir verehren H. 
Nachdem ſie ſich hier etwan zwo Stunden aufgehalten hatten, ohne daß ihnen etwas 
zuwider geſchehen waͤre: ſo giengen ſie nach ihrem Gezelte, und der Oberſte mit ihnen, wo 
fie europaͤiſche Getraͤnke bis auf den Abend tranken, und alsdann den Oberſten nach ſeinem 
Gezelte begleiteten. Im Vorbeygehen kamen fie an den Platz, wo die geopferten Leich⸗ 
name in zweenen großen Haufen, vierhundert an der Zahl, wie ſie ſagten, aufgehaͤuft lagen. 
Der Oberſte bewirthete fie mit Palmweine, und fie bathen ihn wieder zum Abendeſſen zu— 
ruͤck, welches er annahm. Weil ſie bey Tiſche ſaßen: ſo kamen verſchiedene Bedienten mit 
Schuͤſſeln voller Fleiſch und Fiſche, nach der Landesart zugerichtet, die ein portugieſiſcher 
Mulatte, welcher im Kriege von Ardrah gefangen worden, und noch gefangen war, ſchickte. N 
Er kam bald darauf mit ſeiner Frau nach, die viel weißer, als er, war. Der Koͤnig 
hatte ſie ihm gegeben, und ſie war, ſaget Snelgrave, ſo weiß, als eine Englaͤnderinn, ob 
wohl nicht von ſo lebhafter Farbe. Sie hatte eben die Geſichtszuͤge und das wollichte Haar 
der Schwarzen. Ihr Ehemann ſagte, ſie waͤre tiefer im Lande von ſchwarzen Eltern ges 
zeuget, die ſo wenig, als ſie ſelbſt, einen Weißen, vor Herrn Lambes Ankunft, geſehen haͤt⸗ 
ten. 


Urſachen 
dazu. 


Weiße Ne⸗ 
gerinn. 


d) Snelgrave auf der zoſten und folgenden 


eite. 

e) Herr Atkins haͤlt dieſes fuͤr eine Erfindung 
des Dollmetſchers, um die Zaghaftigkeit der Whi⸗ 
dawer zu bemaͤnteln, oder die Leichtgläubigfeit der 
Engländer zu hintergehen. Er ſchließt, fie wären 
begraben worden, weil die Knochen fehlten, welche 
entweder ganz oder zerbrochen wuͤrden vorhanden 


geweſen ſeyn, wenn die Geyer oder die Menſchen 
fie verzehret hätten. Siehe feine Reife nach Gui⸗ 
nea a. d. 127 S. 

7) Dieſes iſt der ſtaͤrkſte Beweis, den Snelgra⸗ 
ve anfuͤhret. Aber Atkins bemerket, wo Moore 
nicht lebendiges Menſchenfleiſch beym Sklavenhan⸗ 
del gemeynet: ſo haͤtte er wohl koͤnnen Affenfleiſch 
dafuͤr angeſehen haben, weil ſolches an den Haͤnden 

und 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalbo. VII Buch VII Cap. 553 


ten. Er fragte ſehr begierig nach demſelben, und ſagte, wenn er zurück kame, fo würde ihm 
der Koͤnig, feinem Verſprechen nach, die Freyheit ſchenken. | 

Den Tag darauf kam der Herzog in ihr Gezelt, und meldete ihnen, daß er die Nacht 
zuvor eine lange Audienz beym Koͤnige gehabt, der ihm ſehr guͤtig begegnet haͤtte. Seine 
Furcht, getödtet und gefreſſen zu werden, war alſo vollig verſchwunden; aber er berichtete 
ihnen mit dem aͤußerſten Abſcheue, daß die Opfer von dem Poͤbel in der Nacht wären weg: 
genommen, gekocht, und als eine heilige Speiſe gefreſſen worden. | 


1727 


Snelgrave. 


Sie giengen nach dem Platze hin; und wie ſie fanden, daß ſolche alle weg waren: ſo Geopferte 
ſagte der Dollmetſcher lachend, die Geyer hätten fie verzehret. Als aber Znelgrave Leichname 
anmerkte, daß es nicht natürlich wäre, daß dieſe die Knochen und alles mit verzehrten, weil verzehret. 


nichts, als eine große Menge Bluts, noch auf dem Platze zu ſehen war: ſo geſtund er, daß 
der Fetiſchir die Leichname unter das Volk vertheilet, und daſſelbe ſolche auf die vom Her: 
zoge beſchriebene Art verzehrt hätte e). 


Der Verfaſſer iſt nicht Buͤrge fuͤr dieſe Begebenheit, weil er ſie nicht ſelbſt geſehen 
hat; er erzaͤhlet aber zur Bekraͤftigung, was er nachgehends von dem Herrn Robert MWoo⸗ 
re, einem ſehr aufrichtigen Manne und damaligem Wundarzte einer italieniſchen Galeere, 
gehört hatte. Dieſes Schiff kam nach Whidaw, weil Snelgrave zu Jaquin war, und 
der Hauptmann Johann Dagge, der es führte, befand ſich unpaß, daher er den Moore 
nach des Königs von Dahome Lager mit Geſchenken für Seine Majeſtaͤt ſchickte. Die⸗ 
fer ſah daſelbſt auf dem großen Markte oͤffentlich Menſchenfleiſch verkaufen. 7) Der Ver⸗ 
faſſer geſteht, daß er ſelbſt nie auf dem Markte geweſen, ſonſt würde er unſtreitig eben das 
geſehen haben; denn es wurden von Tuffo viele alte und verſtuͤmmelte Gefangene, außer 
denen, die man opferte, gebracht, welche Fein Europäer würde gekauft haben 2). | 


Weil fie denſelbigen Tag keine Audienz erhalten konnten: fo giengen fie zu dem Haufe 
eines Portugieſen. Der Dollmetſcher gab ihnen die Nachricht, weil zweene Abgeſandte des 
Königs von Whidaw im Lager wären, feine Unterwuͤrfigkeit zu erklaren: ſo ſollten fie ſich 
mit keinem von deſſelben Leuten unterreden, wenn fie ſolche auf der Straße antraͤfen. 


Als fie ſich geſetzt hatten: fo ſchickten fie den Dollmetſcher zum Herzoge, um ihn loszu- 
werden. Darauf bathen ſie den Portugieſen um einige Nachrichten, wie ſie ſich im Handel 
mit dem Koͤnige aufzufuͤhren haͤtten. Er that dieſes mit großen Lobeserhebungen von der 
Großmuth und Klugheit des Koͤnigs, die ſie nachgehends vollkommen richtig befanden. 


Dieſer Mann hatte in ſeinem Hofe zwey artige Pferde, jedes etwan dreyzehn Haͤnde 
hoch, und durchgehends beſſer, als die, welche ſie zu Jaquin geſehen hatten. Er ſagte, ſie 
kaͤmen 


und am Geſichte gewiſſermaßen den Moren gleichet. che Menſchenfleiſch ſollte ſeyn verkauft worden; oder 
Des Herrn Atkins ſtaͤrkſter Einwurf iſt, warum ſich erkundigt haͤtte, was aus den geopferten Leich⸗ 
Snelgrave einen andern Zeugen anfuͤhret, da er die namen, die man zum Eſſen beyſeite geſetzt, gewor⸗ 
Wahrheit davon im Lager der Dahomer ſo gut als den waͤre. Er haͤtte ſich noch bey andern Leuten, 
Moore ſelbſt erfahren koͤnnen. Siehe Atkins als dem Dollmetſcher und dem Portugiefen, erkun⸗ 
Reiſe nach Guinea a. d. 131 S. Wir ſetzen hinzu, digen ſollen. 5 N‘ 

daß er folches leicht hätte erfahren Finnen, wenn ) Eine ſehr ſchlechte Folge, fo einen Schluß zu 
er auf den Markt gegangen wäre, wo das angebli⸗ unterftügen. 


Allgem. Keiſebeſchr. II Band. Aa a a 


Beſuch bey 
einem Por⸗ 
tugieſen. 


554 1 Reiſen nach Guinea und Benin, 


1727 kaͤmen vom Koͤnige von ro 4), welches etliche Tagereiſen Nordoſt über einen großen 
Snelgrave. und berühmten See liegt, woraus ſich verſchiedene Fluͤſſe in die Bay von Guinea 


Die J: os 


ergießen. f 
Er ſetzte hinzu, verſchiedene flüchtige Prinzen, deren Vaͤter der König von Dahome 


fallen in Da, beſiegt, und enthauptet haͤtte, waͤren zum Könige dieſes Landes geflohen, und hätten ihn end— 


home ein; 


werden 
durch eine 
Kriegsliſt 
beſiegt. 


lich beredet, den König von Dahome zu bekriegen, welches er bald darauf gethan, nach- 
dem der letztere Ardrah erobert. Der König von Jso ſchickte ein großes Heer von viel 
tauſend Pferden, (denn ſie brauchen nie Fußvolk), nach Dahome. Der Koͤnig von Da⸗ 
home verließ darauf Ardrah, zog gegen ſie, fand aber viel Schwierigkeit, weil er nur Fuß: 
volk, mit Feuergewehre und Schwerdtern bewaffnet hatte. Denn da das Land offen iſt, ſo 
haͤtten es die Reuter, welche mit Bogen, Pfeilen, Wurfſpießen, und ſcharfen Schwerdtern 
bewaffnet waren, ſicherlich erobert, wenn das ungewohnte Knallen von der Dahomer 
Feuergewehre die Pferde nicht ſo erſchreckt haͤtte, daß ihre Reuter den Feinden nicht auf den 
Leib kommen konnten. Indeß hielt der Streit vier Tage an, und des Königs von De: 
homey Leute waren fo ermuͤdet, daß fie nicht länger aushalten konnten. 


Er erdachte daher folgende Kriegsliſt. Er hatte viel Brandtewein, der vor Zeiten zu 
Whidaw gekauft worden, bey ſich, und beſchloß, ſich bey Nacht zurück zu ziehen, den Brand⸗ 
tewein aber mit verſchiedenen Sachen von großem Werthe, in einer Stadt unweit des La⸗ 
gers, dem Feinde zur Lockſpeiſe zu laſſen. Dieß that feine Wirkung. Bey Anbruche des Ta= 
ges fingen die Jos, in den Gedanken, daß die Dahomer geflohen wären, an zu pluͤndern, 
zerſtoͤrten die Stadt, unterließen auch nicht den Brandtewein begierig zu ſaufen, den fie zur 
vor ſelten gekoſtet hatten. Dieſes nahm ſie ſo ein, daß ſie bald ſchlaͤfrig wurden, und haͤu— 
fig auf der Erde herum lagen. Als der König von Dahome hievon durch feine Kund— 
ſchafter Nachricht erhalten, ſo kehrte er eiligſt zuruͤck, griff ſie in dieſer Unordnung an, und 
ſchlug ſie leicht, doch entrannen eine große Menge durch Huͤlfe der Pferde, und flohen aus 
dem Lande. Der Portugiefe ſetzte hinzu, er hätte auf der Flucht die erwähnten beyden 
Pferde bekommen, und die Soldaten von Dahome haͤtten deren ſehr viele erhalten. 


Er ſetzte hinzu, die Dahomer fuͤrchteten ſich ſehr vor einem zweyten Einfalle. Ein 
Kriegesheer zu Pferde waͤre ihnen ſchrecklich, und der Koͤnig haͤtte dieſem vorzubauen, dem 
Könige von Jo große Geſchenke geſchickt. Sollten fie aber angefallen werden, und den 
Jos nicht widerſtehen koͤnnen, fo koͤnnten fie zur Seekuͤſte fliehen, wohin ihnen die JF os 
nicht zu folgen wagten. Denn da die See ihr National-Fetiſch wäre 7): fo unterſagten 
ihnen ihre Prieſter, dieſelbe zu ſehen. Wer ſo kuͤhn waͤre, der ſollte das Leben durch den 
Zorn ihres Gottes verlieren Y). 


Der 


5) Im Original J- oe. Herr Snelgrave :) Die Negern an der Küfte haben alle ihre 
theilet das Wort ganz billig, anzuzeigen, daß es aus beſondere Fetiſchen auf dieſe Art. Einige duͤrfen 
zwo Sylben beſteht. keine Vögel mit weißen Federn, andere 42 mit 

ſchwar⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 555 


Der III Abſchnitt. 
Vorfaͤlle im Lager des Koͤnigs von Dahome. 


Des Verfaſſers zweyte Audienz. Des Königs Hoͤf⸗ Herrn, welche endlich geändert werden. Theurung 
lichkeit. Sein artiges Compliment. Er iſt wi⸗ zu Whidaw. Schlechter Zuſtand des Handels. Der 
der Whidaw aufgebracht. Klagen wider Bulls große Hauptmann wird geſchickt, die Sachen in 
fine) Lambes. Lambes Lift. Ein falſcher Prinz. Ordnung zu bringen. Speiſet in der Faetorey. 
Preis der Sklaven wird feſt geſetzt. Des Kö: Seine hungrigen Bedienten. Die See iſt et⸗ 
nigs Perſon und regulirte Voͤlker. Die Ma- was neues fuͤr ihn. Seeopfer; welches auf eine 
layen ein Volk tiefer im Lande. Suelgrave kehret außerordentliche Art entwiſcht. Der Verfaſſer 
nach Jaquin zuruck. Gelderpreſſungen des verläßt Jaquin. Ruͤckkehr nach England. 


Den Tag darauf hatten ſie auf folgende Art Audienz. Als ſie in den Hof kamen, wo 
fie den König zuvor geſehen hatten: wurden fie ein wenig aufgehalten, bis die Ge- 
ſchenke ins Haus gebracht worden, damit Seine Majeſtaͤt folche erſt beſehen möchten, Bald 
darauf wurden fie in einen kleinen Hof gefuͤhret, an deſſen obern Ende der König mit ge— 
ſchraͤnkten Beinen auf einer ſeidenen Tapete ſaß, die auf der Erde ausgebreitet war. Er 
war koſtbar angekleidet, und hatte nur wenige Bedienten. Er fragte ganz gnädig, wie fie 
ſich befanden, und verordnete zwo Matten auf die Erde vor ihm zu breiten, worauf fie ſich 
ſetzen ſollten; fie thaten ſolches, weil ihnen der Dollmetſcher meldete, daß es die Gewohn⸗ 
heit waͤre. | 

Darauf fragte der Koͤnig nach ihren Verrichtungen allhier, und Snelgrave meldete ihm, 
er waͤre gekommen, um Sklaven zu handeln, und verließe ſich wegen baldiger Abfertigung 
auf Seiner Majeſtaͤt Gnade. Der König ſagte, es follte geſchehen, aber fein Zoll müßte 
erſtlich ausgemacht werden; deswegen er ſie an einen damals gegenwaͤrtigen, Namens 
Fuinglar, verwies. Dieſes war ein liſtiger Kopf, den Snelgrave bey den vorigen Rei⸗ 
fen zu Whidaw geſehen hatte, wo er des Königs Agent geweſen war. Dieſer Mann 
ſagte, ſein Herr waͤre Willens, die Handlung empor zu bringen, und wollte alſo, ob er wohl 
das Land erobert haͤtte, nicht mehr Zoͤll als gewohnlich geweſen, auflegen. 

inelgrave antwortete, wie Seine Majeftät ein viel größerer Herr, als der König von 
Whidaw waͤren: fo würden ſie hoffentlich nicht einmal ſoviel nehmen. Als Zuinglar 
dieſes nicht ſogleich beantwortete, und der Koͤnig, dem der Dollmetſcher alles ſagen mußte, 
was geredet wurde, folches bemerkte: fo verſetzte er ſelber: Als ein größerer Fuͤrſt konnte 
er wohl noch groͤßern Zoll erwarten, aber, ſetzte er hinzu, weil ihr der erſte engli- 
ſche Hauptmann ſeyd, den ich ſehe, ſo will ich mit euch wie mit einer jungen 
Frau oder Braut umgehen, der man gleich anfaͤnglich nichts abſchlaͤgt. Snel⸗ 
grave wunderte ſich über dieſen Ausdruck fo ſehr, daß er dem Dollmetſcher einen Betrug 
ſchuld gab, welches der Koͤnig bemerkte, laͤchelte, und ſich wieder eben ſo ausdruͤckte, mit dem 
Zuſatze, feine Thaten ſollten feinen Worten gemäß ſeyn. 

Auf dieſe Art wurde Snelgrave aufgemuntert, und nahm ſich die Freyheit, Seiner 
Majeftät vorzuftellen, daß der beſte Weg, die Handlung empor zu bringen, wäre, wenn man 

Aaaa 2 leichte 

ſchwarzen eſſen, manche eſſen keine Schafe, ande: ſchrieben, und ſorgfaͤltig beobachtet. 


re keine Ziegen. Dieß wird ihnen von dem Prie⸗ k) Siehe Snelgrave auf der 48 und folgenden 
fer den Tag, da fie ihren Namen erhalten, vorge» Seite. 


1727 


Snelgrave. 
9 


Neue Au⸗ 
dienz. 


Des Ri 
nigs Holich⸗ 


eit. 


Sein arti⸗ 
ges Compli⸗ 
ment. 


1727 
Snelgrave. 


Iſt gegen 
Whidaw 
aufgebracht. 


Klaget uͤber 
Lambe. 


Nachricht 
vom ſchwar⸗ 
zen Tom. 


— 


5565 Reiſen nach Guinea und Benin, 

leichte Zölfe auflegte, und die Engländer ſowohl vor der Dieberey der Leute, als den Geld⸗ 
erpreſſungen der Vornehmen ſchuͤtzte. Der König von Whidaw haͤtte durch Verabſau⸗ 
mung dieſer Vorſicht ſeinem Handel viel Schaden gethan. f 

Der Koͤnig nahm dieß wohl auf, und verlangte, er ſollte ſeinen Zoll ſelbſt beſtimmen, 
darauf ſchlug der Verfaſſer vor, halb ſoviel zu geben, als ſie in Whidaw gewohnt geweſen, 
worein der König leicht einwilligte. Er ſetzte hinzu, er wollte die Handlung bluͤhend ma⸗ 
chen, die Europäer gegen das Uebel, worüber ſie ſich beklagten, beſchuͤtzen, und fein Gott 
haͤtte ihn zum Werkzeuge gemacht, den König von Whidaw und ſeine Leute fuͤr die 
vielen Bosheiten, welche ſie gegen Weiße und Schwarze ausgeuͤbt, zu beſtrafen. 

Nach dieſem bezeugte der König ein großes Vertrauen gegen den Verfaſſer, und Snel— 
grave ergriff dieſe Gelegenheit, für das geg Volk von Whidaw zu bitten, weil der⸗ 
ſelben Dieberey durch der Großen Theilnehmüng daran aufgemuntert worden. Wollte 
aber Seine Majeftät ihnen Gnade erzeigen, und fie gegen Erlegung eines gewiſſen Tributs 
in ihr Land wieder einſetzen, ſo wuͤrde ihnen ſolches ein großer Vortheil ſeyn, weil ſie in 
Anbauung des Landes ſehr fleißig wären, und viele von ihnen die Handlung, in der feine eige— 
nen Leute wenig geuͤbt waren, vollkommen wohl verſtuͤnden. Ueberdieß waͤre es unter den 
weißen Fuͤrſten ein Grundſatz, daß die Menge nuͤtzlicher Unterthanen ihre groͤßte Ehre und 
Staͤrke waͤre; und wenn Seine Majeſtaͤt auch ſo daͤchten, ſo haͤtten ſie Gelegenheit, viele 
hundert tauſend zu ihren vorigen Unterthanen zu ſetzen. Der Koͤnig erwiederte, er erkennte 
dieſe Wahrheit ſehr wohl, aber die Eroberung von Whidaw koͤnnte nicht ſicher ſeyn, wo⸗ 
fern der König nicht enthauptet würde; und er hätte dem Volke ſchon angebothen, ihr Land 
wieder zu geben, wenn ſie ihm ſelbigen lebendig oder todt ins Lager ſchicken wollten. 

Darauf verfiel er in allerley Unterredungen, und beklagte ſich unter andern über Herrn 
Lambe. Ob derſelbige gleich, wie er von ſeinem Hofe gegangen, dreyhundert und zwanzig 
Unzen Gold, und acht Sklaven bekommen, und eidlich wiederzukommen verſprochen hätte, fo 
wären doch nun zwölf Monate vergangen, ohne daß er etwas von ihm gehört. Er hätte 
einen Schwarzen, Namens Tom aus Jaquin mitgeſchickt, der zu gleicher Zeit gefangen 
worden, und gut Engliſch ſpraͤche, mit Befehle nebſt dem Herrn Lambe zuruͤck zu kommen, 
damit er erfuͤhre, ob das wahr waͤre, was dieſer Herr von dem Könige von England, 
den daſigen Sitten und Gewohnheiten erzaͤhlet. Snelgrave verſetzte darauf, er haͤtte 
Herrn Lambe nicht gekannt, ſey aber benachrichtigt, daß ſelbiger von Whidaw 
nach Barbados, einer von England ſehr weit entfernten Inſel, gegangen, und hoffte, er wuͤr⸗ 
de feinem Eide gemäß wieder kommen. Der König antwortete darauf, wenn auch Lam⸗ 
be ſein Wort nicht hielte, ſo ſollten es doch andere Weißen nicht entgelten; was er dem 
Lambe gegeben, ſchaͤtzte er fuͤr gar nichts, und wenn er bald zuruͤck kaͤme, und auch ein noch ſo 
großes Schiff hätte, ſollte ihm ſolches mit Sklaven, die fein eigen ſeyn follten, gefüllt werden 2). 
Dieſer ſchwarze Tom war das letzte Jahr in England geweſen m). Deswegen der 
Verfaſſer von den Handelsherren ſeinetwegen befragt wurde, und folgende Nachricht ſeinet— 
wegen ertheilte. 

Herr Lambe fuͤhrte ihn nach Barbados und verſchiedenen andern Plaͤtzen, und ließ 

ihn endlich in Maryland, brachte ihn aber im Jahre 1731 nach London. Bald darauf 

ſah der Verfaſſer Lamben, und rieth ihm, nicht zum Koͤnige von Dahome zuruͤck zu ge⸗ 

hen, 

1) Siehe Snelgrave auf der 60 und folgenden ) Vermuthlich das Jahr zuvor, ehe Snelgra⸗ 
Seite. vens neue Nachricht gedruckt worden. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 557 


hen, weil es zu fpäte wäre, und er des Königs Rache zu fuͤrchten haͤtte, wie Herr Teſteſole 1727 
letztens mit Schaden erfahren, der, ob er gleich Statthalter der africaniſchen Geſellſchaft zu Snelgrave, 
Whidaw war, doch grauſamlich hingerichtet ward. 

Nach dieſem überlieferte Lambe Seiner Majeſtaͤt dem Könige Georg einen Brief, Lambes Liſt. 
als ob ſolcher vom Koͤnige von Dahome kaͤme. Als aber die Sache den Lords von der 
Schatzkammer, die den Verfaſſer befragten, uͤbergeben ward, ſo erklaͤrten ſie ſolchen ihren 
Gedanken nach nicht fir aufrichtig; gleichwohl urtheilten fie, man müßte für den Schwar⸗ 
zen ſorgen, und ihn ſeinem Koͤnige zuruͤckſenden. Dieſem gemaͤß verſchaffte ihm der Her⸗ 
zog von Richmond und Montagu die Reiſe, auf dem Kriegsſchiffe, der Tyger, unter 
dem Hauptmanne Berkeley. Ihre Herrlichkeit ſchickte ſeinem Koͤnige gleichfalls verſchie⸗ 
dene ſeltene Geſchenke. Der Verfaſſer hoͤrte nachgehends, daß bey ſeiner Anlandung zu 
Whidaw er alſobald zum Könige geſchickt worden, der ſich dazumal in Dahome feinem 
eigenen Lande befunden; er ſey daſelbſt gnaͤdig aufgenommen, und mit Geſchenken von Wich⸗ 
tigkeit für den Hauptmann Berkeley, an felbigen geſandt worden. Dieſer aber ſey vor 
jenes Ruͤckkunft von Whidaw abgeſegelt geweſen, weil er ſo lange, als die Ruͤckkehr von 
einer ſo tief im Lande liegenden Provinz erforderte, nicht verziehen wollen. 

Der Verfaſſer hat dieſe Nachricht ertheilt, um diejenigen eines beffern zu belehren, wel⸗ Falſcher 
che dieſen Schwarzen für einen Abgeſandten des Königs von Dahome hielten. Man Prinz. 
trieb dieſe Comoͤdie ſoweit, daß verſchiedene Schauſpiele, welche ſich dahin bezogen, geſpielt, 
und in dem Anzeigezettel, als zur Ergoͤtzung des Prinzen Adomo Oroonoko Tomo, an: 
gegeben wurden. Er war zu Jaquin gebohren, und lernte die engliſche Sprache als ein 
Knabe in ihren Factoreyen. Er befand ſich einiger Geſchaͤffte wegen zu Ardrah, als ſelbi⸗ 
ges erobert ward. | | | 

Aber wieder zum Hauptwerke zu kommen. Nachdem diefe Unterredung wegen des Herrn Preis der 
Lambe vorbey war, fo meldete Snelgrave Seiner Majeſtät, der Eigenthuͤmer feines Sklaven 
Schiffs haͤtte noch fuͤnf andere große Schiffe, welche nach Whidaw handelten, und ſagte, beſtimmt⸗ 
er hoffte, man wuͤrde es wegen des Zolles mit ſolchen ſo billig machen, als mit ihm. Der 
Koͤnig anwortete ihm laͤchelnd, das ſey eine beſondere Gnade fuͤr ihn, doch wenn welche von 
ſelbigen kaͤmen, fo ſollten fie keine Urſache haben, ſich zu beſchweren, und fie möchten zu Ja⸗ 
quin oder Whidaw nach Gefallen bleiben; denn nun wäre er Herr von beyden Platzen. 

Darauf fragte ihn Seine Majeſtaͤt, ob er die Sklaven, welche im Lager waren, waͤhlen, oder 
haben wollte, daß ſie erſt nach Jaquin geſchickt wuͤrden. Als er das letztere verlangte, ſo 
verglich man ſich über einen billigen Preis, und der Verfaſſer ſchrieb jeden Punet in feiner 
Gegenwart nieder. Darunter war auch, daß er drey Maͤnner gegen eine Frau haben, und 
nur diejenigen, die ihm gefielen, nehmen ſollte. 

Darauf ward nach dem Bruder des Herrn von Jaquin geſchickt, und der Koͤnig be⸗ Seine Ge⸗ 
fohl Snelgraven ihrer Vorſorge an, mit der Erklarung, wo er an feiner Perſon oder feinen rechtigkeit. 
Guͤtern durch ihre Leute Schaden litte, ſo ſollten ſie beyde dafuͤr ſtehen; und wenn ihm je⸗ 
mand Waaren ſtoͤhle, ſo ſollte ſolcher den Traͤgern und andern, welche die Guͤter von der 
See nach der Stadt fuͤhrten, zum Beyſpiele lebendig an der Seeſeite geſpießt werden. Weil 
es nun um neun Uhr in der Nacht, und des Koͤnigs Waſchzeit war, wie ihnen gemeldet 


wurde, fo nahmen fie Abſchied 1). 
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1) Ebendaſ. 4. d. 68 u. f. S. 


1727 
Snelgrave. 


Des Koͤnigs 
Perſon 


und regulirte 
Voͤlker. 


Malayen. 


558 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Weil fie faſt fünf Stunden dem Könige fo nahe waren: fo hatte der Verfaſſer gute 
Gelegenheit, ihn genau in Augenſchein zu nehmen. Er war von mittler Größe, und voll- 
kommnen Koͤrper, dem Anſehen nach etwa fuͤnf und vierzig Jahre alt. Sein, obwohl etwas 
pockengruͤbichtes Geſichte, hatte doch was einnehmendes, und war vollkommen majeſtaͤtiſch. 
Ueberhaupt fand er ihn als den außerordentlichſten Mann von dieſer Farbe, mit dem er je⸗ 
mals umgegangen, und traf nichts barbariſches, als die Aufopferung der Feinde, an ihm an. 
Der Portugieſe meldete ihm, dieſes geſchaͤhe vermuthlich aus Staatsurſachen, und er aͤße 
auch wohl ſelbſt kein Menſchenfleiſch. | 

Den Tag darauf wurden fie wieder an des Königs Thor beſtellt. Die Offtcier mel— 
deten ihnen, es ſey des Königs Fetiſchtag; daher Seine Majeftä fie nicht ſprechen konnten, 
aber ein Geſchenk für fie verordnet hätten, das in Sklaven, Kuͤhen, Ziegen, Schafen und 
andern Lebensmitteln beſtund. Sie koͤnnten ſich auf ſein Verſprechen verlaſſen, ſetzte er 
hinzu, und fie möchten nach Jaquin gehen, wenn es ihnen gefiele. Auch ihren ſchwarzen Be: 
dienten wurden einige gute Stuͤcken Zeug zur Bedeckung des Mittelleibes, nebſt einer klei— 
nen Geldſumme fuͤr jeden, gegeben. Sie wollten dieſen Tag abreiſen, warteten aber auf 
den Herzog, der ſeine Abſchiedsaudienz noch nicht gehabt hatte. b 


Nachmittags ſahen fie das übrige von des Königs Heere auf der Ruͤckkehr von Tuffo 
bey dem Föniglichen Thore vorbey ziehen. Sie zogen viel ordentlicher, als fie jemals zuvor 
von andern Schwarzen, ſelbſt denen von der Goldkuͤſte, geſehen hatten, die man doch allezeit 
fuͤr die beſten Soldaten unter den Schwarzen haͤlt. Dieſes Heer beſtund aus etwa drey⸗ 
tauſend regulirten Voͤlkern, außer noch einem Schwarme von wenigſtens zehntauſend, wel— 
che die Bagage, Lebensmittel, Todtenkoͤpfe, u. ſ. f. führten. Die verſchiedenen Compagnien 
Soldaten hatten ihre eigenen Fahnen und Officier, welche mit Schilden, Musketen und 
Hauſchwerdtern bewaffnet waren. Wenn ſie bey des Koͤnigs Thore vorbey zogen: ſo fiel 
jeder Soldate auf die Erde, kuͤſſete ſolche, und ſprang mit einer erſtaunlichen Geſchwindig⸗ 
keit wieder auf. Der Platz vor des Königs Thore war viermal fo groß, als Tower Sill 
zu London. Sie machten daſelbſt ihre Uebungen im Geſichte unzaͤhliger Zuſchauer, und 
feuerten in weniger, als zwo Stunden, ihr kleines Gewehr wenigſtens zwanzig mal rund 

erum ab. 
b Weil der Verfaſſer merkte, daß den Soldaten eine Menge von Knaben nachfolgte: fo 
ward ihm von dem Dollmetſcher berichtet, der König hielte jedem Soldaten einen Jungen, 
damit ſolche fich von ihrer Jugend an harte gewohnten. Der groͤßte Theil gegenwärtigen 
Heeres ſey auf dieſe Art und unter der jetzigen Einrichtung auferzogen worden. Der Ver— 
faſſer wunderte ſich alſo über die Eroberungen des Königs nicht mehr, da derſelbe ſo wohl 
eingerichtete Voͤlker und ſo viel Staatsklugheit hatte. 


Nach dieſem giengen ſie zum Aufenthalte des großen Hauptmannes, wo er zweene 
Schwarze ſah, welche lange Roͤcke anhatten, auf den Köpfen ein Stuͤcke Zeug wie tuͤrkiſche 
Turbande gewunden, und an den Fuͤßen Pantoffeln trugen. Der Dollmetſcher ſagte zu 
ihnen, es wären Malayen o), eine Nation, welche tief ins Land hinein laͤge, und an die 
Moren graͤnzte. Ihre Leute ſchrieben fo gut wie die Weißen. Um dieſe Zeit wären ihrer 
etwa vierzig im Lager, die in verſchiedenen Kriegen gefangen worden, wenn ſie von einem 


Lande 
) Marchais und Smith erwähnen auch dieſes Volk. 


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5 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 559 


Lande nach dem andern gehandelt. Der König begegnete ihnen gnaͤdig; denn fie beſaͤßen 1627 
die Kunſt, Ziegen⸗ und Schaffelle mit verſchiedenen Farben zu färben, woraus fie Patron-Snelgravs. 
taſchen, auch Pulverflaſchen u. d. g. machten. Snelgrave erhielt aber nicht die Erlaub⸗ 

niß, mit ihnen zu reden. 

Den Morgen darauf giengen fie alle nach Jaquin ab, und die muſikaliſchen Inſtru⸗ Ruͤckkehr 
mente der Schwarzen machten ein großes Laͤrmen bey ihrem Abzuge. Der große Haupt: nach Jaquin. 
mann begleitete ſie eine Stunde weit auf dem Wege, und nahm alsdenn unter einer Salve 
von feinen Soldaten und ihren Bedienten Abſchied. Ihre Träger eilten dergeſtalt, aus 
dieſem Lande zu kommen, daß ſie den Abend in der Stadt Jaquin waren, wo das Volk ſie 
mit viel Freuden aufnahm 7). f 

Den Tag darauf, als den ısten April, bezahlte Snelgrave des Königs von Dahome 
Bedienten den verglichenen Zoll, und zweene Tage nachher kamen ſehr viel Sklaven an, die 
der Koͤnig herſchickte, daß er ſich einige ausleſen ſollte. Darauf drang der Herr von Jaquin Preſſung 
auf einen größern Zoll für fich ſelbſt, als bey der erſten Ankunft war abgeredt worden, und we- des Herrn; 
nig Tage darauf wollten die Traͤger ſeine Waaren nicht von der Seeſeite hinauf ſchaffen, 
wo er ihnen nicht doppelt ſo viel als zuvor gaͤbe. Er mußte dieſe beyden Verdruͤßlichkeiten 
aushalten, bis ihn ein unerwarteter Zufall befreyte. 

Vermuthlich wenig Tage nach dieſem, ſchickte der Herr des Orts nach ihm, und meldete 
ihm, er hätte ſogleich Nachricht erhalten, daß ein engliſch Schiff in der Rheede von Whi⸗ 
dam angelangt wäre. Er erſuchte Snelgraven, ſelbiger möchte fein Boot abſchicken, da⸗ 
mit der Hauptmann nach Jaquin kaͤme. Snelgrave antwortete, das Schiff waͤre ohne 
Zweifel die italieniſche Galeere, unter dem Hauptmanne Dagge, welches ihm wohl bekannt 
wäre, weil es eben dem Eigenthuͤmer gehörte; und wenn er alſo ein Boot abſchickte, fo würde 
ſolches geſchehen, den Hauptmann Dagge zu erſuchen, daß er zu Whidaw bleiben, und zu 
dem Koͤnige von Dahome ſenden moͤchte, ihm ſein ungerecht Verfahren zu wiſſen zu thun. 

Gleichwohl wollte er alles vergangene vergeſſen, wenn ihm jetzo Recht geſchaͤhe. 

Dieſes brachte jenen ſogleich zu einem beſſern Entſchluſſe. Er nahm gleich ſelben Tag zie aber ge: 
feinen gewöhnlichen Zoll, gieng den folgenden felbft nach der Seeſeite, in die Städte, wo ändert wird. 
ſich die Träger aufhielten, und beredte fie, die Güter für den gewoͤhnlichen Preis — 
ortzuſchaffen. f 

Der Verfaſſer unterſtund ſich nicht, dieſes dem Koͤnige von Dahome zu klagen, weil der 
Abgeordnete wuͤrde von den Jaquinern unterwegens ſeyn hingerichtet worden. Man mel⸗ 
dete ihm auch, fie und ihr Herr hätten ihre liebſten Weiber und beften Waaren nach einem 
Eylande, etwa dreyßig Meilen oſtwaͤrts von Jaquin, unter dem Schutze des Koͤnigs von 
Appah, geſchickt, deſſen Land ſich bis an die Bay von Benin erſtrecket. Sie wuͤrden da⸗ 
ſelbſt, im Falle eines feindlichen Verfahrens von dem Könige von Dahome, dem fie nicht 
recht traueten, ſicher ſeyn, weil die Dahomer keine Canoes haben, fie zu verfolgen, und wenn 
ſie welche haͤtten, ſie nicht zu regieren wuͤßten. 

Der Hauptmann Dagge hielt ſich mit gutem Nutzen zu Whidaw auf; denn dieſe Theurung zu 
leute waren in aͤußerſter Hungersnoth, und mußten ihre Bedienten und Kinder verkaufen, Whidaw. 
damit ſie Geld bekamen, von ihren Nachbarn in Popo, Speiſe zu erhalten. Daher war | 

fein 


2) Snelgrave a. d. 75 u. f. S. 


1727 
Snelgrave. 


Schlechter 
Zuſtand des 
Handels. 


Der große 
Hauptmann 


8 Reiſen nach Guinea und Benin, 


ſein Schiff bald von Schwarzen voll, und er ſegelte acht und dreyßig Tage vor Snel 

von der Kuͤſte ab. Nicht lange nach Dagges Ankunft ward ln au: 
fein Wundarzt ftarb ihm, und zu Vermehrung feines Ungluͤcks wurden des Koͤnigs von 
Dahome Kaufleute auch beſchwerlich und betruͤgeriſch; doch hatte er den Troſt, daß ihm 
nichts geſtohlen wurde, welches er dem oberwaͤhnten ſcharfen Befehle des Koͤnigs zuſchrieb. 


Die Kaufleute aber wurden ganz unerträglich, verachteten den mit dem Könige einge⸗ 
gangenen ſchriftlichen Vergleich, und der Dollmetſcher trat auf ihre Seite. Alle wandten 
vor, daß das, was fie thaten, des Königs Befehl wäre. Einer von ihnen richtete einmal 
ſeine Flinte auf den Verfaſſer, als dieſer feine ſchlechten Sklaven nicht nehmen wollte. Er 
fing alſo an, furchtſam zu werden; denn fie kamen allezeit mit Schwerdt und Dolche zu 
handeln, und ein Junge trug ihnen ihre Flinte nach. 

Verſchiedene portugieſiſche Schiffe, welche um dieſe Zeit zu Whidaw ankamen, hiel⸗ 
ten ſich RE auf, in Hoffnung, daß das Land wieder in Aufnehmen kommen wuͤrde; 
denn der König von Dahome hatte einer großen Menge Volks erlaubt, wieder dahin zu 
gehen, die bey dem engliſchen und franzoͤſiſchen Fort Haͤuſer bauten. Aber dieß geſchah 
nur, wie nachgehends erhellte, die Europäer zu betruͤgen. Gleichwohl verlangte den König 
von Dahome nach dem portugieſiſchen Golde, damit ſie Sklaven kauften, und er ſchickte de⸗ 
ren ſehr viele nach Whidaw, welches den Handel zu Jaquin verderbte; denn ſeit der Zer- 
ſtoͤrung des Landes bleibt nur ein Hafen, Namens Lukkami, Nordoſt, fuͤr die Jaquiner zu 
handeln übrig, die vermittelſt eines breiten Fluſſes entrunnen waren 7). 


Als ſich der Verfaſſer in dieſen betruͤbten Umſtaͤnden befand: ſo kam einmal ein alter 
Bekannter von dem Hauptmanne, der gegen ihn im Lager ſo hoͤflich geweſen war, ihn zu 


wird geſchickt, beſuchen, und auf erhaltene Nachricht von ſeinen Beſchwerden meldete er ſolche bey ſeiner 


die Sachen 
beſſer einzu⸗ 
richten. 


Rückkunft dem Könige. Weil die Jaquiner misvergnuͤgt waren: ſo hatte der Koͤnig ſchon 
beſchloſſen, den großen Hauptmann zu ſenden, daß ſolcher die Sachen in Ordnung braͤchte, 
und dieſe Nachricht beſchleunigte deſſen Abfertigung. Er war fo eilfertig, daß er feine An⸗ 
kunft ſelbſt zuerſt meldete. Ob er wohl viel Begleitung hatte: ſo ließ er doch, den Schein 
der Feindſeligkeit zu vermeiden, die meiſten auf der andern Seite des Fluſſes, und kam nur 
mit hundert Begleitern in die Stadt. Der Herzog gieng ihm entgegen, und alle Weißen 
verſammelten ſich an der Thuͤre der hollaͤndiſchen Factorey, ihm, da er vorbey zog, ihre 
Ehrenbezeugung zu machen. Seine Begleiter hielten ſich erſt unweit von Snelgravens 
Factorey auf, machten aber einen fo verdrießlichen Larmen mit ihren muſikaliſchen Inſtru— 
menten, daß er ſie wegſchaffte. . 

Der große Hauptmann befahl bey ſeiner erſten Ankunft, die Dahomer⸗Kaufleute alle 
gefangen zu nehmen. Auf erhaltene Nachricht davon flohen verſchiedene, und man bekam 
nur etwa zehne, die ſogleich in Ketten zum Koͤnige geſchickt wurden. Unter dieſen befand 
ſich der, welcher dem Verfaſſer mit der Flinte gedrohet. Er wurde nebſt einem andern, 
der ihm gleichfalls ſehr uͤbel begegnet, nach des großen Hauptmanns Wiederkunft enthaup: 
tet, die übrigen wurden in Banden gehalten, nur mit Brodte und Waſſer geſpeiſt, und ſe 
oft es regnete, in dem Gefaͤngnißhofe dem Guſſe ausgeſetzt. Man erkannte hieraus, daf 
die Kaufleute und der Dollmetſcher den Koͤnig ſchaͤndlich belogen hatten. 8 

er 


7) Snelgrave a. d. 2 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gomalvo. VII Buch VII Cap. 561 


Den Tag nach dieſes großen Mannes Ankunft warteten ihm alle Weißen mit Geſchen⸗ 1727 
ken auf, und ſpeiſten auf feine Einladung den folgenden Tag in feiner Factorey mit Snel⸗Snelgrave. 
graven. Er hatte viel Begleiter, ließ aber nur einen, nebſt dem Herzoge, mit an der Tafel Er ſpeiſt in 
ſizen. Er brauchte die Gabel ſehr ungeſchickt; ein Schinken ſchmeckte ihm ſehr wohl, und derßactorey. 

zer aß ſehr begierig von einer Paſtete, mit Befragen, wie fie gemacht wäre, Der Verfaſſer 

‚erzählte. es ihm, mit dem Zuſatze, wenn fie in irdenen Pfannen aufbehalten würde, fo ſollte 
fie fich in dieſem heißen Lande wenigſtens ſechs Monate halten. Als Snelgrave ſagte, 
ſeine Frau haͤtte fie gemacht: fo fragte ihn der große Hauptmann, wie viel Weiber er haͤt⸗ 
te? Da er nun vernahm, daß den Englaͤndern nicht mehr, als eine verſtattet würde: ſo⸗ 
fing er an zu lachen, und ſagte, er haͤtte ihrer fuͤnfhundert, und wuͤnſchte, daß funfzig davon 
ſo eine Paſtete machen koͤnnten. Nach dieſem kamen Bananas mit andern Landesfruͤchten 
auf Schuͤſſeln von Delfter Porcellan. Dieſes geftel ihm ſehr, er bath um die, auf der er 
aß, nebſt Meſſer, Gabel und Serviet, welches er gebraucht, worauf ihm Snelgrave nicht 
nur ſelbiges, ſondern alles, was auf dem Tiſche war, gab. Darauf nahmen ſeine Leute es 
fo jaͤhlinge weg, daß die Schuͤſſeln mit Mühe und Noth unzerbrochen blieben. Es kamen 
auch einige Kruͤge und Becher zu dieſem Hausrathe. N 

Als fie fich erſt niedergeſetzt hatten: fo nahmen einige feiner vornehmſten Bedienten Seine hung⸗ 
hinter feinem Stuhle dann und wann von feinem Teller einen Schnitt Schinken, oder Vo⸗ rigen Be⸗ 
gel. I nelgrave ſagte ihnen, fie ſollten keinen Mangel an Speiſen haben; denn es wäre gleiter. 
der Weißen Gewohnheit nicht, ihrer Gaͤſte Bedienung hungrig nach Hauſe gehen zu laſſen. 

Er befahl alſo, ſie ſollten kuͤnftig ruhig ſeyn. Sie trunken nach Tiſche ſtark, und er zog 
Punch dem andern Getraͤnke vor. Beym Abſchiede ſagte er, den folgenden Tag wollte er 
drey Meilen gehen, die See zu ſehen; und weil er weder ſelbige, noch ein Schiff, jemals 
geſehen haͤtte: ſo ſollte ihm der Verfaſſer Geſellſchaft leiſten, der ſich aber mit dem ſchlechten 
Zuſtande ſeiner Geſundheit entſchuldigte. N 3555 

Wenige Tage vorher, ehe der große Hauptmann nach Jaquin kam, brachte der Doll⸗ 
metſcher Snelgraven zwey ſchwarze Weibsbilder, eines uͤber funfzig, das andere uͤber 
zwanzig Jahre alt, mit Vermelden, der König verlangte daß er fie kaufen, und von nieman⸗ 
den ausloͤſen laſſen ſollte. Weil er aber die alteſte nicht kaufen wollte, und ſie nicht ſollten 
getrennt werden: fo gieng der Handel zuruͤck ). 

Der große Hauptmann ergoͤtzte ſich, als er ans Ufer kam, ſehr mit Betrachtung der Die See, 
See, und konnte ſich daran nicht ſatt ſehen. Er bewunderte auch zwey portugieſiſche etwas neues. 
Schiffe, beſonders die Galeere Catharine, die auf Snelgravens Anſtalt ihm zur Ergoͤtzung 
einige Stuͤcke losbrannte; und weil das Waſſer am Ufer ſo untief iſt, daß ſie, um fuͤr das 
Schiff ſuͤßes Waſſer zu haben, genoͤthiget ſind, ſolches in Gefaͤßen mit Stricken von den 
Booten zu ſchleppen: ſo gieng er, dieß zu ſehen, ſo weit nach der See, daß ihn eine Welle 
erreichte; und weil er vor Erſchrecken auf den Ruͤcken fiel: ſo mußte er etwas Salzwaſſer 
hinunter ſchlucken. Seine Bedienten brachten ihn ſogleich zum engliſchen Zelte, wo fie ge— 
ſpeiſt hatten, und er trank eine halbe Pinte Brandtewein, das Salzwaſſer zu verbeſſern, 
kehrte den Abend nach Jaquin zurück, und ließ ſich bey dem Verfaſſer für die Bewirthung 
bedanken. | ! 

* Als 


7) Snelgrave a. d. 9o u. f. Seite. et 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. B bb b 


563 Reifen nach Guinea und Benin, 


1727 Als dieſer Abgeordnete wieder weg war, ſo meldete der Dollmetſcher dem Verfaſſer 
Snelgrave, heimlich, das aͤlteſte Weibsbild, welches er nicht hätte kaufen wollen, wäre denſelben Tag 
Pen ea von dem großen Hauptmanne der See, ſtatt einer andern, die dazu beſtimmt geweſen, ge: 

opfert worden. Sie haͤtte, wie er dermuthete, den König hoͤchlich beleidigt, indem fie ſei⸗ 
nen Weibern, bey Ausfuͤhrung heimlicher Haͤndel, behuͤlflich geweſen. Der Dollmetſcher 
verrichtete dieſes Opfer ſelbſt, weil keiner von den Dahomern ſich wagte, in einen Canoe 
zu gehen. Dem Weibe wurden die Hände auf den Ruͤcken, und die Fuße kreuzweis ge⸗ 
bunden. Auf dieſe Art brachte man ſie in einen Canoe, und fuͤhrte ſie eine halbe Meile 
vom Ufer, wo ſie die Ruderknechte auf ſeinen Befehl über Bord warfen. Er fagte, er hätte 
einige Hayen geſehen, die fie den Augenblick zerriſſen hätten. 
welches auf Den Tag darauf erſtaunte der Verfaſſer uͤber einen Brief von ſeinem Bootsmanne, 
eine ſeltſame mit der Nachricht, daß fie am Borde feines Schiffes waͤre. Vermuthlich giengen einige 
Art entrinnt. Boote, die am Lande gelegen hatten, gleich um dieſe Zeit nach dem Schiffe; und da ſie 
einen Menſchenkoͤrper auf dem Ruͤcken ſchwimmen ſahen, der Waſſer aus dem Munde ſpru— 
delte: ſo machten ſie ſich auf ſie zu, nahmen ſie ins Boot, und brachten ſie ins Schiff, wo 
fie wieder zu fich ſelbſt gebracht wurde. Er befahl, aus Furcht vor des Königs Rache, 
dieſen Zufall geheim zu halten, ob wohl das Weib, als er ſelbiges am Borde befragte, ver— 
ficherte, fie hätte wiſſentlich dem Könige nichts zuwider gethan. 

Dieſe Frau that ihnen aus Dankbarkeit große Dienſte auf der Reiſe, indem ſie den 

Schwarzen ein gutes Exempel gab, beſonders den Weibsbildern, die mit ihrem Geſchreye 
und Larmen ordentlich am beſchwerlichſten waren. Sie hielt ſolche in fo guter Ordnung, 
daß er dergleichen auf keiner Reiſe zuvor geſehen hatte. Als er nach Antigua kam, kaufte 
ſie ihm der Ritter Charles Dunbar, Generalingenieur von Barbados und den Eylanden 
unter dem Winde, ab, und dem Verfaſſer war es ſehr lieb, daß ſie ſo einen edelmuͤthigen 
Herrn bekommen hatte. 

Der Verfaſ⸗ Beym Abſchiede von dem großen Hauptmanne meldete Snelgrave ſelbigem es fehl⸗ 

fer verläßt ten ihm nur noch achtzig Schwarze, feine Ladung voll zu machen, welches jener dem Könige 

Jaquin. zu melden verſprach; er konnte aber keine verſchaffen; denn Seine Majeftät hatten damals 
keine Schwarzen zu verkaufen, ob ihnen wohl viele Gefangene das Feld bauen und andere 
ſolche Arbeiten thun mußten. Denn wenn ſie in ſeine Dienſte aufgenommen ſind, ſo ver— 
kauft er ſie nicht, als im Falle ſie große Verbrechen begehen. Nach Verfließung einigen 
Zeit brachte endlich des Koͤnigs Factor die Sklaven mit Entſchuldigungen und Complimen⸗ 
ten. Er gab ihnen bey der Abreiſe einige kleine Geſchenke. 

Als dieſes geſchehen war, ſprach er mit dem Herrn von Jaquin, ihre Rechnungen zu 
vergleichen, welche jener ſogleich richtig zu machen verſprach, ſolches aber nie that. Bald 
darauf ward ſein Waarenhaus gewaltſam gepluͤndert, zum Gluͤcke aber war nicht viel dar— 
innen. Er beklagte ſich darüber, ohne Huͤlfe zu erhalten. Den ıften des Heumonats im 
Jahre 1727 ſegelte er von Jaquin ab, ohne zu drohen, daß er ſich daruͤber beym Koͤnige 
beklagen wollte, und brachte ſechshundert Schwarze nach Antigua, die daſelbſt ſehr ange— 

Rückkunft nehm waren. Von dar ſegelte er mit einer Ladung Zucker mit Ausgange des Hornungs 


nach Eng: ab, und langte den 25ſten April im Jahre 1728 nach PR Reiſe von ſechzehn Monaten auf 
land. der Themſe an. 
Der 


6) Snelgrave auf der 99 und folgenden Seits. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VI Buch VII Cap. 563 


e e . 
Zweyte Reiſe nach Whidaw, im Jahre 1729. e 


Des Königs ſchlechte Umſtaͤnde. Die Dahomer Feuer zu Jaguin. Die engliſche Factorey wird 
nehmen das franzoͤſtſche Fort ein. Franzoͤſiſche beſchaͤdigt. Des Herzogs Hof verbrennet. Ne⸗ 
Untreue. Das Königreich Dahome wird von germirakel. Man greift die Vahus an. Ja⸗ 
den J os angefallen. Teſteſoles Unbedachtſam⸗ quin wird zerſtört. Die europaͤiſchen Factore 
keit. Eine feine Kriegsliſt. Trudos Staats: werden gefangen genommen. Sind dem Koͤ⸗ 
fehler. Teſteſole wird gefangen genommen, und nige zuwider. Der Sklavenhandel wird ver⸗ 
grauſam hingerichtet. Friede mit den Jos. derbt. 


Der Hauptmann Snelgesve gieng im Jahre 1729 wieder in eben dem Schiffe nach Des Königs 
Whidaw. Er hielt ſich unterwegens zu Großpopo, etliche Seemeilen windwaͤrts von Whidaw 
von Whidaw, auf. Unweit davon war der Koͤnig von Whidaw mit einem Hauptmanne, Eros. 
Oſſue genannt, welcher einer von feinen vornehmſten Kaboſchiren war. Sie befanden 
ſich mit verſchiedenem andern Volke auf zwey wuͤſten ſandichten Eylanden. Er beſchenkte 
den Koͤnig, der ihm wieder eine Ziege zuruͤck ſchickte. Sein Bootsmann meldete ihm, der 
König und fein Hauptmann Oſſue lebten auf eine ſehr elende Art, weil die Eylande nichts 
hervorbraͤchten. Nur wären fie wegen der Dahomer durch einen Fluß verſichert, an wel 
chen fie verfihiedene große Stücke zu Verhinderung eines Ueberganges gepflanzer hätten. 
Die Lebensmittel erhielten fie bloß von ihren Nachbarn von Groß- und Klein- Popo, 
welches ihre Zahl beſtaͤndig verringerte, indem ſie dieſerwegen oͤfters ihre Weiber, Kinder 
und Bediente zu Sklaven verkaufen muͤßten. 

Er gieng von hier über Whidaw nach Jaquin, den zoften des Hornungs im Jahre 
1729: 30. Als er ans Land gieng, ſo kam des Königs von Dahome Agent, ihn zu beſuchen, 
und ſchickte einen Bothen ab, um dem Koͤnige des Hauptmanns Ankunft zu melden. Weil 
aber Seine Majeſtaͤt damals in Dahome waren: ſo bekam er erſt nach drey Wochen eine 
Antwort, und Snelgrave ſah den Koͤnig nicht wieder. 

Seit dem der Verfaſſer dieſen Ort verlaſſen, hatte der König von Dahome, weil ihm Franzsͤſiſche 
der Anſchlag nicht gelungen, den König von Whidaw hinzurichten, ſich begnuͤget, das fand Vout 
durch ein Kriegsheer, welches ſich bey Sabi lagerte, im Beſitze zu behalten. Weil aber 
dieſes Heer mit der Zeit abnahm: fo bekam der Hauptmann Oſſue Herz, ſich unweit des 
franzoͤſiſchen Forts, etwan vier Meilen von Sabi, zu ſetzen; wobey er ſich auf den Schutz 
ſeiner großen Stuͤcke verließ. Wie der Koͤnig von Dahome ſolches erfuhr, ſo beſchloß er, 
ein Heer zu Wegtreibung des Oſſue hinzuſenden, der ſich auf dieſe Nachricht mit verſchie— 
denen ſeiner Leute in das franzoͤſiſche Fort zog, ohne einige Verraͤtherey von dem daſigen 
Statthalter zu vermuthen. | 

Den Tag darauf kam das Heer der Dahomer herunter, and griff das Fort an. Sie wird von den 
wuͤrden ihm nicht viel gethan haben, weil fie nur kleine Feuergewehre hatten. Aber ver- Dahomern 
muthlich gerieth das Stroh auf den Dächern in Brand. Die Weißen, welche wußten, ITEM 
daß vieles Pulver im Magazine, und das Feuer nicht aufzuhalten war, geriethen daruͤber AN 
in eine ſolche Beſtuͤrzung, daß fie in das engliſche Fort, einen Muſketenſchuß weit von dem 
ihrigen, flohen. Das Magazin ſprang in die Luft, toͤdtete etwan tauſend Schwarze, und 
verwundete viele. Indeß entrann der Hauptmann Oſſue nebſt verſchiedenen von feinen 
Leuten auch nach dem engliſchen Forte, wo ihm der Agent der africaniſchen Geſellſchaft, der 

Bbb b 2 Statt: 


1729 
Snelgrave. 


Franzoͤſiſche 
Untreue. 


Das Koͤnig⸗ 
reich Daho⸗ 
Me, 


wird von den 
Jos ange⸗ 
fallen. 


— * * 


564 | ‚Reifen nach Guinea und OO 


Statthalter, Wilſon, Schutz gab. Er ließ auch zu Vermeidung eines Ungluͤcks alle Hau 
fer im Forte abdecken, und erſchoß verſchiedene von den Dahomern, und hielt dadurch die 
uͤbrigen zuruͤck. 

Die Dahomer machten ſich i in das franzöſt ſche Fort, aus dem ſie zu dem Statthalter 
Wilſon ſchickten, und ihn fragen ließen: warum er auf fie gefeuert hatte? 'Er verſetzte: 
weil er geſehen, wie fie heruntergekommen wären, und feine Nachbarn überfallen haͤtten: 
fo hätte er geglaubet, das gienge alle Europaͤer an. Die Dahomer antworteten, als fie 
herunter gekommen waͤren, hätten fie gar nicht die Abſicht gehabt, das Fort anzugreifen, 
weil ſie gar keine Haͤndel mit den Weißen hätten; weil aber der Statthalter den Haupt⸗ 
mann Oſſue mit feinen Leuten aufgenommen, und dadurch fein ee gebrochen h bätte: 
fo hätten fie fo verfahren muͤſſen. 

Zugleich fagten fie auch dem Statthalter ins Geſichte, er hätte den Koͤnig zuerſt ver⸗ 
mittelſt eines franzoͤſiſchen Wundarztes, der ſich damals bey ihrem Herrn aufhielt, bereden 
laſſen, daß er ein Heer zu Aufreibung des Hauptmanns Oſſue und ſeiner Leute herunter— 
ſchicken ſollte, mit dem Verſprechen, ihnen keinen Schutz zu geben. Ob nun der Statthal— 
ter dieſes gleich leugnete: fo glaubten es doch alle Gegenwaͤrtige, und fahen es als ein Mit⸗ 
tel an, deſſen ſich der Statthalter bediente, um von dem Hauptmanne Oſſue für den ihm 
ertheilten Schutz Geld zu erpreſſen. Gleichwohl erhielt er nachgehends BR Lohn, indem 
ihn die Whidawer, die er ſo ſehr beleidigt hatte, umbrachten. 


So bald der Koͤnig von Dahome von der Einnahme des Frangöfifigen Forts benach⸗ 
richtigt war: ſo ließ er dem Statthalter zu wiſſen thun, er hätte dieſes Ungluͤck ſich ſelbſt 
durch feine Treuloſigkeit zugezogen, weil man ſonſt mit ihrer Nation keinen Streit hätte. 
Er wollte deswegen ſeinen Soldaten befehlen, das Fort auszubeſſern, welches vom Pulver 
ſehr beſchaͤdigt war; oder wenn er dieſes nicht verlangte, fo möchte er ſich mit allen Fran⸗ 
zoſen nach ſeinem eigenen Lande machen. 


Als der König von Dahome innerhalb wenig Jahren verſchiedene Länder erobert und 
verwuͤſtet hatte: ſo floh der Sohn des Koͤnigs von Whidaw, nebſt verſchiedenen andern 
Prinzen, deren Vaͤter der Koͤnig von Dahome gefangen und enthauptet hatte, zu einem 
mächtigen Volke, das tief ins Land hinein wohnet, und Jos heißt. Der König von Whi⸗ 
daw hatte nach des Oſſues Niederlage Mittel gefunden, an dieſen Koͤnig Abgeſandte zu 
ſchicken. Sie und die andern, welche ſich unter ſeinen Schutz begeben hatten, erhielten ein 
Heer von ihm, um wider den Koͤnig von Dahome zu ziehen, den ſie alle als den ef | 
ſamſten Verwuͤſter des menſchlichen Geſchlechts anſahen. 


Dieſe J⸗os fechten alle zu Pferde; und da fie weit nordwaͤrts gegen Nubien woh⸗ 


Wetter einfaͤllt. Als der König von Dahome Nachricht von ihrer Ankunft erhielt, und 


PH ſchon erfahren hatte, mit wie wenigem Vortheile fein Fußvolk gegen dieſe Reuter focht: 


fo vergrub er feine Schaͤtze, verbrannte feine Städte, und floh mit feinen Leuten in die Waͤl— 
der und Gebuͤſche. Die Schwarzen, wenn fie ſchwaͤcher als der Gegentheil find, thun die: 
ſes insgemein, da ſie keine befeſtigten Oerter, wie die Europaͤer, haben. Die alſo Meiſter 


nen, fo koͤnnen fie nur ſuͤdwaͤrts ziehen, wenn die Jahreszeit zur Fütterung, und das trockne 
vom Felde ſind, haben das Land weit und breit in ihrer Gewalt 7). ö 
Auf 


7) Snelgrave u der 112 und folgenden Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 565 
Auf dieſe Art machte der Koͤnig von Dahome der 7:08 Anſchlag zunichte. Weil aber 


1729 


Appragah mit ſeinen Leuten, die nur unlaͤngſt unter der Dahomer Gewalt gekommen Snelgrave, 


waren, ſich nicht zeitig genug fortgemacht hatte: fo wurden ihrer viele gefangen; woben 
man Appragahs Reichthuͤmer alle bekam, ſo daß er kaum ſelbſt mit etlichen wenigen Be— 
dienten enfrann 9). s 

Nach dieſem fuchten die J⸗os die Dahomer auf, die ſich beftändig in den Gebuͤſchen 
verborgen hielten, bis die Regenzeit einfiel. Da dieſelbe ihre Feinde noͤthigte, ſich zuruͤck 
zu ziehen: fo kehrten die Dahomer wieder in ihr Land, und bauten ihre Städte wieder auf. 


Um dieſe Zeit, im Anfange des Herbſtmonats im Jahre 1729, gieng der Statthalter Teſteſoles 


Wilſon von Whidaw ab, und ließ einen, Namens Herr Teſteſole, an feiner Stelle. Die- gar 
amkeit. 


fer war verſchiedene Jahre daſelbſt geweſen, glich ihm aber an Klugheit nicht, wie fein Un— 
gluͤck zeigen wird. Er hatte oft in des Koͤnigs von Dahome Lager viele Hoͤflichkeit genoſ⸗ 
fen, gleichwohl aber rieth er jetzo den Whidawern, wieder in ihr Land zuruͤck zu gehen, 
weil er glaubte, der König von Dahome ſey gedemuͤthigt. Dieſe wurben, mit Beyſtande 
der Popos, die ihre Handlung dadurch wieder in die Hoͤhe zu bringen gedachten, ein Heer 
von funfzehntauſend Mann zuſammen an, und lagerten ſich unter dem Koͤnige von Whi⸗ 
daw bey den engliſchen und franzoͤſiſchen Forts. B 

Die Dahomer wußten nichts davon, bis der Koͤnig etliche Kaufleute mit Sklaven 
hinabſchickte, welche dieſe Zeitung zu großer Beſtuͤrzung des Königs mitbrachten. Denn 
weil ihn die J- os in den Wäldern gehalten hatten: fo hatte er verſchiedene feiner beſten 
Soldaten verlohren, und noch uͤberdieß unlaͤngſt ein Heer ins Land geſchickt, um Sklaven zu 
fangen; denn er treibt keinen ordentlichen Sklavenhandel, ſondern verlaͤßt nur die, welche 
er im Kriege bekoͤmmt. Gleichwohl half er ſich durch folgende Liſt. | 

Er ließ eine große Anzahl Weibsbilder wie Soldaten bewaffnen, und gab jeder Com⸗ 
pagnie Officier mit Fahnen, Trummeln und Sonnenſchirmen, wie bey den Schwarzen ge⸗ 
cen iſt. Darauf ließ er, als das ordentliche Kriegesheer marſchirte, die Weiber, damit es 
nicht entdeckt wuͤrde, im Nachzuge bleiben. So eine Menge von Soldaten, als die Whidawer 
zu ſehen glaubten, brachte eine allgemeine Furcht unter fie. Sie flohen groͤßtentheils, und gaben 
den Dahomern Gelegenheit, auf Oſſues Parte 
fliehen genoͤthigt wurden. Der Koͤnig von Whidaw that alles moͤgliche, die Flucht der 
Seinigen zu verhindern, und verwundete verſchiedene mit der Lanze; es war aber alles um⸗ 
ſonſt. Endlich mußte er ſelbſt zu Rettung ſeines Lebens in den trocknen Graben des engli— 
ſchen Forts fliehen, wo er mit Hilfe zweener von feinen Söhnen über den Wall kam, und 
auf dieſe Art der Wuth feiner Feinde entrann; viele aber von feinen Leuten wurden umge— 
bracht, und andere gefangen genommen. | er 

Dieſe Sache machte dem Herrn Teftefole einigen Verdruß; endlich aber beredete er 


* 


den König, das Fort bey Nacht zu verlaſſen, und wieder auf feine wuͤſten Inſeln zu flͤch⸗ 


ten. Der Koͤnig von Dahome aber nahm es ſehr übel auf, daß der Statthalter Ur⸗ 


ſache an dem Aufruhre geweſen. Er ließ ein kleines Heer in Sabi, und als er wieder in ſein 


Land zuruͤck kehrte, kamen viele Banditen von andern Voͤlkerſchaften zu ihm, ſo daß er ſich 
in kurzer Zeit wiederum ſo ſtark befand, als er um die Zeit geweſen, da er vor den Jos floh. 
B bb b 3 Indeß 
1) Siehe oben auf der 344 Seite. RE 


mit den Popos zu fallen, die auch bald zu 


Feine 


Kriegsliſt. 


. 


4: 


1729 


566 | Reifen nach Guinea und Benin, 


Indeſſen muß man anmerken, daß er zweene große Staatsfehler begangen hatte. Erſt⸗ 


Snelgrave. lich hat er zwar ein großes Königreich, welches ſich auf viele hundert Meilen erſtreckt, in el⸗ 


Trudos 
Staatsfeh⸗ 
ler. 


Teſteſole 
wird gefan⸗ 
gen 


5 


ud grau⸗ 
ſam hinge⸗ 
richtet. 


nem Lande, das ſo ſchoͤn iſt als eines von Africa; iſt aber nur dem Namen nach ein Koͤnig, 
dem die Unterthanen mangeln. Denn weil er die meiſten beſiegten Voͤlker hingerichtet, ſo ſind 
die andern Nationen vor ſeiner Grauſamkeit geflohen. Ferner hatte er verſchiedenen vor— 
maligen Einwohnern dieſer Lander ihre alten Vorrechte, gegen Erlegung eines gewiſſen 
Tributs verſprochen, welches viel tauſend wieder ins Koͤnigreich Ardrah brachte. Sobald 
fie ſich aber feſte geſetzt, uͤberſielen ſie die Dahomer, und toͤdteten oder fingen alle diejeni⸗ 
gen, welche nicht entrinnen konnten. Daher traut ihm niemand, und das Land wird ver— 
muthlich Zeit feines Lebens wuͤſte bleiben. Daher iſt die Handlung zu Whidaw völlig 
verderbt; denn die Leute tiefer im Lande haben keine Marktplaͤtze; und da die Dahomer 
keine Waaren als zum Kriege brauchen, fo werden den Europäern wenig Schwarze ges 
bracht x). | 

Indeß bediente fich Herr Teftefole aller Gelegenheiten, den Dahomern uͤbel zu be: 
gegnen, wippte endlich einen ihrer Vornehmſten am Flaggenſtocke; und als dieſer ſich dar— 
uͤber beſchwerte, verſetzte Teſteſole hitzig, er wuͤrde mit dem Koͤnige eben ſo umgehen, 
wenn er ihn haͤtte )). Dieß alles ward Seiner Majeſtaͤt hinterbracht, worüber er hoͤchſt 
beleidigt ſagte: Dieſer Mann muß gewiß voll Bosheit gegen uns ſeyn, ſonſt haͤtte 
er die ihm von uns erzeigte Guͤtigkeit nicht ſobald vergeſſen. 

Darauf befahl er ſeinen Leuten, ihn, wo moͤglich, mit Liſt gefangen zu nehmen, welches 
ſie auch bald thaten, und ihn in dem franzoͤſiſchen Fort, wo er einen Beſuch ablegte, bekamen. 
Die Dahomer umringten die Factorey, und forderten ihn; die Franzoſen ſchloſſen ihn in 
eine Kiſte, und ſagten, ſie koͤnnten ihn nicht finden. Dieſes brachte die Dahomer auf, 
daß ſie den Hauptmann mit einem Piſtole in den Arm ſchoſſen, ins Haus brachen, den Te— 
ſteſole aus der Kiſte nahmen, ihm Haͤnde und Fuͤſſe bunden, und ihn in einer Tragmatte 
zum Koͤnige brachten, der ihn nicht ſehen wollte, aber in wenig Tagen nach Sabi etwa vier 
Meilen vom Fort ſchickte. Hier meldete man ihm, wenn er an den, welcher in feiner Ab— 


weſenheit die Oberaufſicht haͤtte, wegen verſchiedenen Sachen, die zu ſeiner Loskaufung zu 


ſenden verlangt wurden, ſchreiben wollte, ſo ſollte er ſeine Freyheit haben. 


Als aber dieſe Sachen, welche ziemlich koſtbar waren, ankamen: ſo befeſtigten ſie ihn 
an eingeſchlagene Pfaͤhle, wo ſie ihn auf den Bauch legten, ihm an verſchiedene Orten in 
die Aerme, Ruͤcken, Schenkel und Fuͤſſe, Wunden hieben, und ſolche mit einem Gemenge 


von Limonienſafte, Salz und Pfeffer fuͤllten, darauf enthaupteten, den Leichnam zertheilten, 
auf Kohlen brieten und aßen 2). 


Seine Majeſtaͤt hat ſich nach der Zeit damit entſchuldigen wollen, daß er nur befohlen 


haͤtte, ihn nach Sabi zu führen, und daſelbſt, wie fie für gut befaͤnden, mit ihm umzugehen; 


er hätte ſich nicht eingebildet, daß fie mit einem Weißen fo umgehen würden, Indeß, ſagte 


enelgrave, haben fie ohne Zweifel ihres Herrn Sinn dieſer Sache wegen gewußt. Denn 
alles ernſtlichen Anhaltens ungeachtet beſtrafte Seine Majeſtaͤt niemanden, der an dieſer 
Sache Theil gehabt. Einige, welche etwas von ihm gegeſſen, haben nachgehends etlichen 


Portugieſen, die mit ihnen davon ſprachen, geſagt: Engliſch Rindfleiſch ſchmeckte 
| Nach 


ſehr gut. | 


x) Snelgrave a. d. 122 u. f. S. Teſteſole Mitleiden haben? . 
5) Wer kann hierauf den Koͤnig tadelu oder mit 2) Dazu wird ken Zeuge angeführt. 


| 
| 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 567 


Nach des Herrn Teftefoles Ungluͤcke, meldeten zweene weiße Ueberlaͤufer aus dem 1729 
englifchen Fort dem Koͤnige, er koͤnnte es leicht einnehmen, weil nur noch vier Weiße im Snelgrave. 
Platze übrig wären. Er verfeßte, er hätte mit der engliſchen Nation keinen Streit, was 
dem Statthalter wiederfahren waͤre, das haͤtte ſich ſolcher durch ſeine Unbedachtſamkeit 
ſelbſt zugezogen und er hoffte, die africaniſche Geſellſchaft wuͤrde kuͤnftig einen geſchicktern 
Befehlshaber ſenden. 8 | 

Einige Zeit darauf, ſchickte er, in Ueberlegung, daß die T:08 ihn ficherlich anfallen wuͤr⸗ 
den, ſobald es die Jahreszeit zuließe, ihrem Koͤnige große Geſchenke, mit einer von ſeinen 
ſchoͤnſten Töchtern. Seine Abgeſandten beſchenkten die Vornehmen am Hofe mit großen Friede mit 
Stuͤcken Korallen, welche die J! os uͤber alles andere ſchaͤtzen, und erhielten dadurch einen den Jr os. 
vortheilhaften Frieden. Zur Bekraͤftigung deſſelben, ſchickte der König der J-os eine 
kurze Zeit darauf, eine feiner Töchter dem Könige von Dahome zur Frau, die vom Volke 
und vom Koͤnige mit großen Freuden aufgenommen ward. 

Dieſe Erzählung ward dem Verfaſſer bey ſeiner Ankunft zu Jaquin gemacht, wo er 
die Handlung ſehr ſchlecht fand, und wegen der Verwirrung, welche der Krieg verurſacht, 
keine Hoffnung in vielen Jahren zur Beſſerung ſah. In den beyden Monaten, da er ſich hier 
aufhielt, brannte es wenigſtens fünfmal, wodurch wichtiger Schaden geſchah. Die Haͤu— 
ſer haben Leimwaͤnde, ein Stockwerk hoch, und die Dachſparren find von Bambus; dar⸗ 
auf legen ſie eine Bedeckung von Stroh, welche in der trocknen Zeit wie Zunder iſt. 


Die erwähnten Feuersbruͤnſte entſtunden durch die Nachlaͤßigkeit der Einwohner, und Feuersbeün⸗ 
dieſe vermuthlich daher, weil ihr Hausrath zu ſchlecht iſt, als daß fie einige Sorge dafür ſte zu Ja 
truͤgen. Nur einige von den Vornehmſten ausgenommen, fo haben die andern weiter nichts, MIN 
als Matten, darinnen zu ſchlafen, einige irdene Toͤpfe ihre Speiſen zu kochen, und etliche andere 
Dinge von geringem Werthe. Ueberdieß bringt das Feuer ihren Leimwaͤnden mehr Nu— 

Gen als Schaden, indem es fie härter zuſammen baͤckt. Bloß die europaͤiſchen Factoreyen 
leiden öfters ſehr dabey a). 

Die engliſche Factorey befand ſich in einem großen Hofe, der dem Herzoge gehörte, und Die eglifhe 
an die Zimmer feiner Weiber ftieß, in welchen die Landeskinder bey Lebensſtrafe nicht ger Factorey le 
hen duͤrfen. Die andere Seite gieng aufs Feld, und gleich an der Thuͤre fing ſich eine det Schaden. 
enge Gaſſe an, wo des Herrn von Jaquins Fetiſchir mit ſeiner Familie lebte. Er hatte 
dieſen Platz wegen groͤßerer Sicherheit vor Feuerſchaden ausgeleſen, weil der Herzog auf 
dieſen Fall verſchiedene Bediente hatte, welche die Haͤuſer abdecken, und dadurch verhin— 
dern konnten, daß das Feuer nicht weiter um ſich griff. Ueberdieß waren diejenigen, welche 
nahe am Hofe wohnten, beſonders forgfältig, das Feuer zu verhuͤten, weil nach den Geſe⸗— 
tzen derjenige, bey dem es auskam, nebſt ſeiner ganzen Familie hingerichtet wurde. 

Dem allen ungeachtet kam das Feuer in des Fetiſchirs Hauſe, gleich der Thuͤre der 
Geſellſchaft gegen uͤber, aus, welche Feuer fing und dadurch verhinderte, daß ſie daſelbſt 
nicht hinauskommen konnten. Doch kam ſein Bedienter, obwohl verbrannt, durch, mit dem 
Rechnungsbuche und andern Nothwendigkeiten, in einer Schachtel. Des Verfaſſers naͤch⸗ Des Herzogs 
ſte Sorge war, das Gold zu retten, welches in einer großen hollaͤndiſchen Kiſte aufbehal: Hof ver: 
ten wurde. Als er den Schluͤſſel nicht finden konnte, und die Flammen ſchon das Stroh- brennt. 


dach 
3) Snelgrave a. d. 130 u. f. ©, 


8 
Snelgrave. 
— — 


Negermira⸗ 
kel. 


338 Reiſen nach Guinea und Benin, 


dach ergriffen hatten, auch alle feine Leute bis auf einen Weißen, ein Negerbegraͤbniß zu 


ſehen, ausgegangen waren: fo ſchaffte er die Kiſte mit Hilfe deſſelben in die Zimmer 
der Weiber des Herzogs, wo ſie ihn und ſeinen Bruder antrafen, die mit vielen Leuten 
giengen, das Feuer zu daͤmpfen. Sie ſchleppten, mit Beyſtande zweener Schwarzen, die 


Kiſte durch verſchiedene Wendungen und Gänge in des Herzogs Haͤuſer, und brachten ſie 


endlich uͤber eine zehn Fuß hohe Mauer auf die Straße, von dannen aber in die hollaͤndi⸗ 
ſche Factorey. Das Feuer hielt eine Stunde lang ſo heftig an, daß alle Haͤuſer des Her⸗ 
zogs darauf giengen, nur ſeines Bruders ſeine wurden erhalten; indem man diejenigen, wel⸗ 
che unweit des Hofes ſtunden, abdeckte. Waͤre es aber bey Nacht geſchehen, ſo wuͤrde 
alles mit den Leuten zu Aſche verbrannt ſeyͤn. a 


An das Haus des Fetiſchirs, welches abgebrannt war, ſtieß ein großer viereckichter 
Hof, ringsherum mit großen Baͤumen beſetzt, und mitten in ſelbigem war des Herrn von 


Jaquin Fetiſch. 


Es war wie ein großer Heuſchober gemacht, und mit Strohe überdeckt, oben auf lag 
ein Hirnſchaͤdel, vor welchem fuͤr des Herzogs Geſundheit und Wohl geopfert ward. Die⸗ 


— 


ſer Fetiſch verbrannte nicht, obwohl alle daranſtoßende Haͤuſer verzehrt wurden, und das 


Volk rief dieß als ein großes Wunderwerk aus. 


Etwa zehn Tage darnach entſtund eine andere Feuersbrunſt, welche ein Drittheil der 
Stadt verzehrte. Aber die Factorey als ein neuerbautes Haus ward erhalten. Das Feuer 
entſtund vom Palmoͤle, welches ſich entzuͤndete, weil ein Negerkoch Fiſche darinnen fort. 
Als ſein altes Haus wieder ausgebeſſert war, ſo begab er ſich dahin, und ſah, wie tauſend 


Leute Bambus und Stroh zu Ausbeſſerung von des Herzogs Hauſe brachten. Dieß war 


die Gewohnheit, wenn der Herr oder fein Bruder dergleichen verlangten. Aber das Lär⸗ 
men von der Leute Muſik, und ihrem ſeltſamen Tanzen beunruhigte ihn ſehr. Weil der 
Handel zu Jaquin ſchlecht war, und die Geſundheit des Hauptmanns es erforderte, fo fer 


gelte er nach England, wo er bey feiner Ankunft 4) den ızten des Heumonats im Jahre 


Die Yahus 


werden an⸗ 


gegriffen. 


1730 vollkommen geſund war. 


N Des Leſers Neugier, in Abſicht auf den König von Dahome, zu ſtillen, hat der Ver: 
faſſer eine fernere Nachricht von dem Verfahren dieſes Monarchen, nebſt dem gänzlichen 
Untergange des Handels, durch die Zerftörung von Jaquin den 22ften März im Jahre 


1731.32, nach den letzten Zeitungen von dieſen Gegenden beygefuͤgt. 1 
Als der König von Dahome vorerwaͤhntermaßen mit den J-os Frieden gefchloffer 
atte, und doch der Ehrgeiz ihm keine Ruhe ließ: fo zog er gegen eine weit im Lande woh. 
nende Nation, die VNahus genannt c). Dieſe vertheidigten ſich in ihren Wäldern und 


Gebirgen, bis die Regenzeit kam, da denn des Königs Heer einen Aufſtand erregte, uni 


nach Hauſe wollte. Er richtete verſchiedene von den vornehmſten Officieren hin, bloß wei 


ſie ihm dieß gemeldet hatten. Darauf verließen ihn verſchiedene ſeiner Hauptleute mit vielen 


Soldaten, unter denen ſich auch einer von ſeinen Soͤhnen befand, der mit vier tauſend Mam 
zum Könige von Wimey floh ). 5 


b) Snelgrave a. d. 138 u. f. S. c) In der Grundſchrift Nahoos. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 569 


In dieſen Umſtaͤnden beſchloß er, einen heftigen Angriff auf die Nahus zu thun, und 1730 
ehielt darinnen die Oberhand; fie zogen ſich aber ſehr gut zuruͤck, fo daß ihnen feine ermü- Snelgrave. 
eten Soldaten nicht folgen konnten. Er kehrte alſo, bald nach feinem Lande, mit Verluſt 
eines meiſten Volks und feiner Ehre, zurück, 

Darauf bekamen die Leute von Jaquin Herz, und hofften, er wuͤrde endlich einmal 
imkommen. Es hielt ſich an dieſem Orte ein Holländer. auf, den man Mynheer Hertog 
hieß, und der vermittelſt eines Fluſſes, welcher ſich aus Jaquin in die Bay von Benin 
rgießt, einen ſtarken Handel in verſchiedene entfernte Laͤnder fuͤhrte. Dieſer wiegelte nebſt 
em Könige von Jaquin, den König von Wimey und verſchiedene andere Fuͤrſten wider 
en Koͤnig von Dahome auf, und verſah fie mit Kriegsbeduͤrfniſſen. Derſelbe erhielt von 
lem dieſem Nachricht, und beſchloß, ſich zu rächen. Sie aber deſto beſſer zu betruͤgen, gab 
r vor, er wollte wieder einen Zug tiefer ins Land thun, undbefohl dieſem gemäß feinen 
Heerführern, daß fie nach den inlaͤndiſchen Gegenden marſchiren ſollten. In der Nacht aber 
vandte ſich das Heer, und kam ſehr eilfertig über Whidaw nach Jaquin, ohne entdeckt zu 
verden, als bis ſie gleich in die Stadt zogen, ob ihrer wohl etwa funfzehn tauſend waren. 

Der Koͤnig von Jaquin entrann mit verſchiedenen von ſeinen vornehmſten Leuten in Jaquin wird 
Tanoes, die zu ſolchen Gelegenheiten allezeit fertig gehalten wurden, nach einem Eylande, zerſtoͤrt. 
velches er mitten in dem Fluſſe gegen Appah zehn Seemeilen oſtwaͤrts befeſtiget hatte. N 
Aber ſeine Reichthuͤmer verlohr er alle, und ſeine Mutter ward gefangen. Mynheer 
Hertog floh auch nach Appah, verlohr aber alles in der Factorey, welche damals voll 
uropäifcher Guͤter von ſehr großem Werthe war. Die Eroberer waren mit der Plündes 
ung nicht zufrieden, ſondern machten nach ihrer barbariſchen Gewohnheit ein grauſames 
Blutbad unter dem Volke, und ſteckten die Staͤdte und Flecken in Brand. 

Es befanden ſich verſchiedene andere europaͤiſche Factore in der Stadt, die rein ausge⸗ Die europaͤi⸗ 
slündert wurden. Darunter war ein Hauptmann, Namens Robert More, Fuͤhrer der ſchen Faetore 
Galeere, das Eichhoͤrnchen, welche dem Herrn Humphry Morrice Eſquire gehörte, 
Diefer Herr wurde mit den Weißen in feiner Factorey, wie die Franzoſen und Portugieſen 
in den ihrigen, gefangen genommen, und mußte mit ihnen zu Fuße nach Ardrah gehen, 
wo der König von Dahame ſich damals aufhielt. a 

Bey ſeiner Ankunft beſchwerte ſich More, daß er ſo hart gehalten wuͤrde, da er ſeit⸗ 
dem nichts zu eſſen bekommen. Darauf ſtund der Koͤnig auf, gieng in ein ander Zimmer, 
und kam mit einer Axt in der Hand wieder heraus, worüber einige Portugieſen fo ſehr er⸗ 
ſchracken, daß ſie auf die Knie fielen, ihn um Gnade zu bitten, in der Einbildung es ſollten 
ihnen die Köpfe abgeſchlagen werden. Da ihnen aber der Hauptmann ihr verzagtes Be- werden ge⸗ 
zeigen verwies, ſtunden fie auf, und hatten bald darauf das Vergnügen zu fehen, daß da- fangen ges 
mit ein kleines Gefaͤß voll Rindfleiſch aufgemacht, und verſchiedene Stuͤcken fuͤr ſie zuge- nommen. 
richtet wurden. Vermuthlich war dieſes Faß in des Hauptmanns Factorey gefunden, und 
mit anderer Beute, den Tag zuvor hergeſchickt worden. 


Nach dieſem wurden ſie nach ihren Nationen, unter der Aufſicht verſchiedener Großen 
eingetheilt. Der Hauptmann More und ſeine Leute wurden dem Allegi, dem engliſchen 
Kaboſchir, d. i. demjenigen, der beſtimmt iſt, mit ihnen insbeſondere zu handeln, uͤber⸗ 


& ’ 4 geben, 
* 4) In der Grundſchrift Weeme y. PER 
Allgem. Reifebefehr. II Band. DEREN RN *. (1 


570 Reifen nach Guinea und Benin, 
geben, der ihnen mit großer Hoͤflichkeit begegnete, aber wenig Tage hernach gefan⸗ 


Snelgrave. gen genommen, und enthauptet wurde, ob fie wohl die Urſache nie erfahren konnten. 


Sind dem 
Koͤnige un⸗ 
angenehm. 


Der Skla⸗ 


More und die andern Europäer blieben eine gute Zeit gefangen, bis Herr Dean, Statt« 
halter der africaniſchen Geſellſchaft zu Whidaw, nach Ardrah kam, und ihre Freyheit er⸗ 
hielt. Drauf ward einer Wache befohlen, den Hauptmann nach Jaquin zu begleiten; er 
wollte aber lieber nach Whidaw, wo er auf einem franzoͤſiſchen Schiffe nach Jaquin gieng. 


Es ſcheint, als ſey der Koͤnig von Dahome gegen ſein Volk ſehr grauſam geworden, 
weil er allezeit wegen Zuſammenverſchwoͤrungen Argwohn hatte. Aus Verdruß über dieſe 
Umſtaͤnde, und wegen des Schadens, den ihm die J⸗os gethan, war er gegen die Europäer 
ſehr veraͤndert e), wie es der Hauptmann More erfahren. 


Ueberdieß blieben der Koͤnig und das Volk ſo wild, als ſonſt, ob ſie wohl verſchiedene 
Jahre mit Weißen umgegangen waren; denn als die Rathsverſammlung eines Tages ſich 
einen Gefangenen ausgebethen hatte: fo gab ihnen der König willig einen, den fie toͤdteten 
und verzehrten. Weiter waren alle Lander an der Seeſeite, wo der König von Dahome 
nur hinkonnte, verwuͤſtet, nebſt den inlaͤndiſchen Gegenden; und es iſt nicht zu hoffen, daß 
die Handlung werde wieder in Aufnehmen kommen, ſo lange der Eroberer lebet. Der 
geringe Handel wird vornehmlich zu Appah, einem Platze, den ein Moraſt und Fluß vor 
ihm verfichern, geführt /). 

Aus Herrn Snelgravens Nachricht erhellet, daß der Sklavenhandel zwar durch die 


venhanbel iſt Kriege, welche alles in Unordnung gebracht, zu Jaquin und Whidaw verderbt, aber doch 


verderbt. 


von dem Koͤnige von Dahome verſtattet und angefriſcht worden. Aber Herr Atkins ſetzet 
zum Voraus, eine Abſicht bey feinem Einfalle in dieſe Länder, ſey mit die Zerftörung des 
Sklavenhandels geweſen, und ſuchet ſolches aus zwoen oder dreyen Stellen im nelgrave zu 
ſchließen, die, fo wahrſcheinlich fie auch ſolches zeigen, doch feiner ausdruͤcklichen Erklaͤrung 
des Gegentheils ſchwerlich das Gewicht halten. Die Stelle, welche am meiſten fuͤr den 
Herrn Atkins beweiſt, iſt von dem Vorſchlage wegen des Handels hergenommen, den der 
König von Dahome ſoll gegeben, und Bullfinch Lambe den engliſchen Commiſſarien vor« 
gelegt haben. Einige von den Artikeln heißen ſo: die Landeskinder wollten ſich ſelbſt 


den Englaͤndern verkaufen, mit dem Bedinge, daß ſie nicht weggefuͤhrt wuͤrden: 
die Engländer möchten Pflanzſtaͤdte anlegen ıc. Dieſes war, wie Herr Atkins be⸗ 


merket, von dem bisherigen Sklavenhandel gänzlich unterſchieden g). Wenn man aber 


ein gehoͤriges Urtheil von dieſer Sache faͤllen wollte: ſo muͤßte der ganze Vorſchlag beyge⸗ | 


bracht, und unterſucht werden, ob er auch nicht erdichtet fon. 


Der 


„) Vermuthlich nicht ohne Urſache. a) Geſetzt, die Sache waͤre richtig: ſo machet es 


) Snelgrave a. d. 47 u. f. S. den Sklavenhandel nicht rechtmäßig, und die Negern | 


0 Atkins Reiſe nach Gufnea, g. d. v2 S. ziehen gemeiniglich den Tod der Knechtſchaft vor. 


* 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VI Cab. 371 


Der VAbſchnitt. N 
Einige Nachricht von den Negerſklaven, und ihrer aufruͤhriſchen Neigung. | 


Wie fie Sklaven werden. Wie viel man ihrer Schiff Eliſabeth. Ihre Schwarzen erregen eis 
jährlich aus Guinea fuͤhret. Vertheidigung des nen Aufruhr. Der Kellermeiſter wird umge⸗ 
Sklavenhandels. Wie man mit den Sklaven bracht. Der Moͤrder hingerichtet. Haupt⸗ 
am Borde der Schiffe umgeht. Ein Aufruhr mann Meſſervy. Seine Unbeſonnenheit. Er 
der Schwarzen wird gluͤcklich unterdruͤckt. wird von den Schwarzen umgebracht. Das 
Zweyter Aufruhr. Gefahr des dritten. Das Schiff geht verlohren. 


Die Hauptabſicht des Verfaſſers in ſeinem zweyten Buche iſt, eine Nachricht von den 
Aufruhren zu ertheilen, die auf den Schiffen, wo er ſich befunden hat, entſtanden ſind. 
Er ſetzet eine kurze Erzaͤhlung von der Art, wie die Schwarzen zu Sklaven werden, nebit- 
einer Vertheidigung des Sklavenhandels, voran. 

Erſtlich machen die Schwarzen nach einer undenklichen alten Gewohnheit alle Kriegs Wie bie Ne: 
gefangenen zu Sklaven. Vor der Einführung des Sklavenhandels toͤdteten fie derſelben gern Skla— 
ſehr viel, aus Furcht vor dem Aufruhre. ven werden. 

Sweytens werden die meiſten Verbrechen bey ihnen mit Gelde, und im Mangel der 
Zahlung, mit Verkaufung des Verbrechers fuͤr einen Sklaven beſtraft. Dieß iſt an der 
Kuͤſte und tiefer im Lande gewoͤhnlich. 

Drittens werden Schuldner, welche nicht bezahlen wollen oder koͤnnen, zu Sklaven, 
und wo ihre Freunde ſie nicht auslöfen, gemeiniglich verkauft, aber wenig an die Europäer ; 

denn fie behalten ſolche meift zu eigenem Gebrauche. 

Viertens iſt dem Verfaſſer berichtet worden, daß einige von den Leuten tiefer im Lande 
oft ihre Kinder auch ohne dringende Noth zu Sklaven verkaufen, welches er aber auf der 
Seekuͤſte nie, als in der aͤußerſten Noth, geſehen hat. 

In einigen Jahren, ſaget er, waͤren wenigſtens ſiebenzigtauſend ausgefuͤhrt worden. Ihre Zahl. 
Dieſes ſcheint nichts ſo gar außerordentliches zu ſeyn, da die Guineakuͤſte von dem gruͤnen 
Vorgebirge nach Angola ungefaͤhr viertauſend Meilen lang, und die Vielweiberey durch 
und durch verſtattet iſt. 

Der Verfaſſer unternimmt nicht, alle Einwuͤrfe zu widerlegen, welche wider die Recht⸗ Vertheidi⸗ 
maͤßigkeit dieſes Handels gemacht werden; er glaubet aber, der Vortheil, den er ſowohl den gung des 
Kaufleuten als Sklaven bringe, entſchuldigte ihn ſo gut, als einige andere, die nur eben die 9 
Entſchuldigung haben. ARE 

Denn erftlich wird, wie geſagt, dadurch einer großen Menge nuͤtzlicher Perſonen ihr 
Leben erhalten 2). 

Zweytens leben fie viel beſſer, als in ihrem eigenen Lande H. 

Drittens iſt dadurch den Zuckerlaͤndereyen großer Vortheil zugewachſen, wo die Schwar⸗ 
zen zum Anbaue geſchickter find, als Weiße ). 

Viertens iſt es ein Vortheil fuͤr die Negernationen, daß ihre Verbrecher weggefuͤhrt 
werden, und nimmer wieder kommen. Man verlangt dergleichen ſehr in England 4). 

n Kurz, 
) Das muͤßte man die Schwarzen ſelbſt entſchei-⸗ man die Schwarzen aus allen Ländern, wo ihrer find, 
den laſſen. Geſetzt aber, daß es wahr wäre, wie gewaltſam nach den engliſchen Pfla Ae fuͤhrte. 


rechtfertigt es den Sklavenhandel? 4) Aus uͤbeln Gewohnheiten koͤnnen Vortheile 
c) Dieſer Grund würde es auch rechtfertigen, daß entſtehen, dadurch jene nicht vertheidigt werden. 


572 Reiſen nach Guinea und Benin, 


1704 Kurz, die Vortheile überwiegen die Beſchwerlichkeiten ſehr, und das ſchlimmſte, was man 
Snelgrave, davon fagen kann, iſt, es ſey wie alle irdiſche Vortheile, mit Guten und Böfen vermengt e). 


Wie man mit Dem ſey wie ihm wolle: ſo ergreifen die Schwarzen ſorgfaͤltig alle Gelegenheit, ſich zu 
ihnen auf den befreyen; denn ſie fuͤrchten die Sklaverey uͤber alles. Aber wenn ſie auf den Schiffen ei⸗ 
Schiffen um nen Aufruhr erregen: ſo ruͤhret es meiſtens von dem uͤbeln Begegnen der Bootsleute her. 
geht. Der Verfaſſer zeiget, wie man mit ihnen umgeht. Sie bilden ſich insgemein ein, man wer⸗ 
de fie auffreffen, welches von den inländifchen Schwarzen ſehr geglaubt wird. Daher war 
er ſogleich beſorgt, ihnen zu melden, man kaufte fie nur, daß fie das Feld bauen ſollten; und 
wenn ihnen jemand am Borde uͤbel begegnete: ſo ſollten ſie ſich gegen den Dollmetſcher be⸗ 
klagen, und baldige Gerechtigkeit erhalten; wo ſie aber Unordnung anfingen, oder einen 

Weißen ſchlagen wuͤrden: ſo ſollten ſie einer ſcharfen Strafe gewaͤrtig ſeyn. 


Wenn fie Schwarze kaufen: fo werden die widerſpenſtigen Männer paarweiſe mit Feſ⸗ 
ſeln zuſammengebunden; die Weiber und Kinder aber laͤßt man frey herum gehen. Bald 
nachdem ſie von der Kuͤſte abgeſegelt ſind, werden alle Maͤnner frey gelaſſen. 


Man giebt ihnen des Tages zweymal zu eſſen, und laͤßt ſie bey ſchoͤnem Wetter um ſie⸗ 
ben Uhr des Morgens auf das Verdeck kommen, und bis zum Untergange der Sonne da blei« 
ben. Alle Montage bekommen fie Pfeifen und Tobak, welche fie ſehr lieben. Die Neger: 
maͤnner ſind von den Weibern und Kindern abgeſondert, und die Oerter, wo ſie ſchlafen, 
werden taͤglich gereinigt, wöruͤber ein Weißer die Aufſicht hat. Das übrige würde zu lang- 
weilig fallen, und deswegen ſchließt er mit der Anmerkung, wenn ein Befehlshaber gut ge⸗ 
ſinnt ſey: fo waren die Schwarzen leicht zu regieren 7). 


Aufruhr der Auf feiner erſten Reife im Jahre 1704, in dem Adler, einer Galeere von London, wel⸗ 

Negern che ſein Vater fuͤhrte, ob er wohl auch Theil daran hatte, ſah er den erſten Negeraufruhr. 
Sie hatten zu Alt⸗Kallabar vierhundert Negern gekauft, und waren auf dieſem Fluſſe, 
da ſie einen Aufruhr erregten. Nur zehn Weiße konnten am Borde Dienſte thun; denn 
viele waren todt und krank, auch zwoͤlfe ans Land nach Holze gegangen. Die Schwarzen 
uͤberlegten dieſe Umſtaͤnde, und regten ſich gleich vor der Abendmahlzeit. Weil aber der 
Maͤnnner Ketten jeden Morgen und Abend ſorgfaͤltig unterſucht worden: ſo hatte fie feiner 
abgebracht, welches eine große Hülfe war, fie zu baͤndigen. Drey Weiße hielten mit Hirfch- 
faͤngern, oder großen Schiffermeſſern, Wache, von denen einer auf dem vordern Verdecke war, 
und ſah, daß ſie an den Hochbootsmann Hand legten, ihn uͤber Bord zu werfen. Er noͤthigte 
ſie aber bald, denſelben zu verlaſſen, worauf dieſer hinlief, Waffen zu holen. 


Der Verfaſſer lag damals eben in der Kajuͤte krank. Als er aber das Geſchrey vom Auf: 
ruhre hoͤrte: ſo nahm er zwey Piſtolen, und lief mit ſolchen auf das Verdeck, traf daſelbſt 
ſeinen Vater und den Bootsmann an, deren jedem er eines gab. Darauf giengen ſie wei— 
ter vorwaͤrts, und riefen die Schwarzen; dieſe aber gaben nicht viel auf ſie, und hatten mit 
der Schildwache zu thun, die den Hochbootsmann von ihnen befreyet. Sie hatten ſich ſei— 
ner bemaͤchtigt, weil ſie aber den Strick, der das Meſſer an ſeinem Leibe befeſtigte, nicht 
zerreißen koͤnnen, fo konnten fie ſolches nicht gebrauchen; fie wollten ihn darauf über Bord 
werfen, welches er dadurch verhinderte, daß er ſich feſt um einen herum ſchlung. PR 

er 


) Dieſe Gruͤnde fegen die Streitfrage ſchon zum Voraus, daß der Sklavenhandel an ſich nicht boͤſe ſey. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch vn Cap. 373 


Der alte Snelgrave machte ſich endlich unter ſie, ſeinen Mann zu retten, und ſchoß 1721 
ihnen das Piſtol uͤber die Koͤpfe los, in Meynung, ſie zu ſchrecken: aber ein ſtammhafter Snelgrave. 
Kerl unter ihnen betaͤubte ihn faſt mit einem Schlage von einem Scheite Holz, und wollte wd gläck⸗ 
den Streich wiederholen, als ein junger Menſch von etwa ſiebenzehn Jahren, gegen den er lich ges 
ſich guͤtig bezeigt hatte, ſolchen mit feinem Arme auffing, darüber ihm aber der Arm zerſchmet-⸗ dämpft. 
tert ward. In dem Augenblicke erſchoß der Bootsmann den Schwarzen mit ſeinem Piſtole, 
und bey Erblickung dieſes hoͤrte ſogleich der Aufruhr auf, und alle warfen ſich auf ihre An⸗ 
geſichter, und bathen um Barmherzigkeit. Bey der Unterſuchung fand man nicht uͤber 
zwanzig Mann ſchuldig. Die beyden Rädelsführer ſprangen, als fie ihr Vornehmen entdeckt 
ſahen, über Bord, und erſoffen; und hierinnen beſtund ihr ganzer Verluſt. 


Die Kormantiner auf der Goldkuͤſte ſind die widerwaͤrtigſten Kerle. Im Jahre 1721 
ſegelte der Verfaſſer im Heinrich von London hieher, kaufte ihrer viel, und verwahrte fie 
wohl mit Ketten, ließ ſie auch ſcharf bewachen. Gleichwohl erregten ſie an einem Platze, 
Namens Mumfort, an dieſer Kuͤſte Aufruhr. Es waren fuͤnfhundert Schwarze am 
Borde, darunter dreyhundert Maͤnner. Aber ſie hatten funfzig Weiße bey ſich, die alle ge⸗ 
ſund, und mit guten Officieren verſehen waren. 


Der Aufruhr fing um Mitternacht bey hellem Mondenſcheine an. Die beyden vordern Zweyter 
Schildwachen ließen vier Schwarze zuſammen aufs heimliche Gemach gehen; und weil ſie Aufruhr. 
verſaͤumten, die Gitterthuͤren wieder vorzulegen, fo kamen noch viere herauf. Dieſe achte 
machten ihre Eiſen ab, fielen alle zuſammen auf die beyden Schildwachen, die ſogleich um 
Huͤlfe riefen. Die Schwarzen verſuchten, ihnen die Meſſer zu enkreißen, aber die Leinen, 
mit welchen ſolche um den Leib gebunden ſind, waren ſo feſte, daß, ehe ſie ſolches thun konn⸗ 
ten, Beyſtand herzu kam. Darauf ſprungen die Schwarzen uͤber Bord: aber ſie fanden 
fie alle an den Ankertauen, wo fie ſich anhielten g). a 


Nachdem ſie in Verwahrung gebracht worden: ſo fragte ſie der Hauptmann, was ſie 
zum Aufruhre bewegt haͤtte. Sie antworteten: er waͤre ein großer Boͤſewicht, daß er ſie 
kaufte, fie aus ihrem eigenen Lande wegzufuͤhren, und fie wären entſchloſſen, auf alle moͤg⸗ 
liche Art ihre Freyheit wieder zu erwerben. Er verſetzte, fie hätten, als er fie gekauft, ihre 
Freyheit entweder durch Verbrechen verwirkt, oder als Kriegsgefangene verlohren gehabt; 
und da ſie auf dem Schiffe nicht uͤbel gehalten wuͤrden, ſo ſollten ſie bedenken, daß ihre Lan⸗ 
desleute ſie gefangen nehmen, und auf andere Schiffe verkaufen wuͤrden. Dieſes that ſeine 
Wirkung; denn fie bathen ſogleich um Verzeihung, und legten ſich ruhig ſchlafen. 

Gleichwohl erregten fie in wenig Tagen wieder neue Meutereyen, und einer von den Gefahr we: 
Raͤdelsfuͤhrern ſchlug einem Dollmetſcher vor, wenn er ihm eine Axt ſchaffen wollte, ſo woll- gen eines 
te er in der Nacht das Tau abhauen, dadurch es ans Land treiben wuͤrde, da ſie denn heraus dritten. 
kommen koͤnnten, auch Zeit Lebens ſeine Bedienten ſeyn wollten. Der Dollmetſcher mel⸗ 
dete dieß dem Hauptmanne, und rieth ihm, ſcharfe Wache zu halten; denn er koͤnnte ver: 
ſichert ſeyn, daß ſeine letzten Vorſtellungen nun von keiner Wirkung mehr uͤber ſie waͤren. 
Snelgrave ward hieruͤber ſehr unruhig, weil er wußte, daß die Kormantiner verzweifelte 
Kerle ſind, die ſich aus der Strafe, und ſelbſt aus dem Tode, nichts machen; denn zu 

ck 3 * Barba⸗ 


7) Snelgrave a. d. 157 u. f. S. 4) Ebendaſ. a. d. 164 u. f. g. ; 


1721 


Snelgrave. 
— 


Das Schiff 
Eliſabeth. 


Aufruhr der 
Schwarzen. 


Der Keller⸗ 
meiſter wird 
umgebracht. 


744 Reifen nach Guinea und Benin, 


Barbados und anderswo haben ſie ſich oft, wenn fie wegen ihrer Halsſtarrigkeit, da fie 
nicht arbeiten wollen, ſind hart gehalten worden, zu zwanzigen oder dreyßigen auf einmal 
in einer Plantage gehenket. x | 

Doch brachte einige Zeit darauf ein ſchlimmer Zufall die Sklaven auf beffere Gedan⸗ 
ken. Zu Animabo, welches der vornehmſte Theil der Goldkuͤſte ift, traf der Verfaſſer die 
Eliſabeth, ein ander Schiff von eben dem Eigenthuͤmer, an. Der Hauptmann Thomp⸗ 
fon, welcher fie geführt hatte, war nebſt dem Hochbootsmanne todt, und das Schiff war 
bey dem Vorgebirge Lahoe von dem Seeraͤuber Roberts genommen worden, zu dem ver: 
ſchiedene von den Seeraͤubern uͤbergetreten waren. Gleichwohl hatten etliche von den See⸗ 
raͤubern es verhindert, daß die Ladung nicht geplündert, und das Schiff dem Unterboots— 
manne wiedergegeben worden; wobey fie ihm meldeten, daß fie es aus Hochachtung für 
den Eigenthuͤmer, wegen deſſen edelmuͤthiger Gutthaͤtigkeit gegen arme Bootsleute, thaͤten. 


Als Snelgrave dieſes Schiff antraf, ſo hatte er ſeines Schiffs Ladung meiſtens abge— 
ſetzt; und da die Eliſabeth unter ſeiner Aufſicht ſtund, ſo ſchlug er dem Bootsmanne vor, 
ihre Sklaven, welche etwan hundert und zwanzig waren, in ſein eigen Schiff zu nehmen, 
und von der Kuͤſte abzugehen, dabey ihm den Ueberreſt ſeiner Ladung zu uͤberliefern, daß er 
ſolche nebſt feiner eigenen abfegen koͤnnte. Der Bootsmann war willig, aber das Schiffs- 
volk ſetzte ſich dawider, beſonders der Kellermeiſter, der ihm ſagte, die Sklaven waͤren lange 
Zeit am Borde geweſen, ihnen ſehr gewogen, und ſie wollten ſelbige alſo behalten. Als er 
alle Vorſtellungen vergeblich fand, nahm er Abſchied, und meldete dem Hauptmanne, er 
wollte den Morgen darauf kommen, und ſehen, wer ſich ihm widerſetzen ſollte. 


Aber dieſelbe Nacht, etwan einen Monat nach dem Aufruhre zu Mumford, da der 
Mond eben fo, wie damals, helle ſchien, hörten fie um zehn Uhr zwo oder drey Mufſketen 
auf der Eliſabeth losbrennen, worauf Onelgrave ſelbſt in der Pinnaſſe, in Begleitung 
der andern Boote, an ihren Bord gieng. Auf dem Wege fahen fie zweene Schwarzen 
von der Eliſabeth wegſchwimmen, die durch Hayen zerfleiſcht wurden, ehe ſie ſolche errei— 
chen konnten. Als fie an des Schiffs Seite kamen, fanden fie noch zweene andere Schwarz 
zen, die ſich an einem Stricke hielten, und nur mit dem Kopfe uͤber das Waſſer ragten. 
Der Anblick von dem Schickſale ihrer Landsleute hatte fie erſchreckt. Sie nahmen dieſe 
auf, giengen ins Schiff, und fanden die Schwarzen ſehr ruhig, und alle unter dem Verde— 
cke, aber das Schiffsvolk in großer Verwirrung auf dem oberſten Boden, welche fagten, fie 
glaubten, der Kellermeiſter, welcher vor den Thuͤren Wache geftanden, waͤre niedergemacht. 
Snelgrave wunderte ſich, daß dieſe verzagten Kerle, die ſich ihm vor wenigen Stunden fo. 
hitzig widerſetzt, als er die Sklaven in ſein Schiff nehmen wollen, nicht ſo viel Herz gehabt, 
ihren Cameraden zu retten, ſondern ſich durch Verſchließung der Thuͤre des Bodens verfi 
chert hatten, hinter der ſie alle bewaffnet ſtunden. Er gieng alſo mit einigen ſeiner Leut 
auf das Vordertheil des Schiffes, und fand da den Kellermeiſter ganz todt auf dem Ruͤcke 
liegen, und den Kopf mit einer Axt, welche bey ihm lag, zerſpalten )). 

Etliche wenige Kormantin⸗Schwarzen, die zwey bis drey Tage zuvor gekauft wo 
den, hatten dieſe Meuterey angeſtiftet, und die übrigen Schwarzen, welche von der Kuͤ 
windwaͤrts waren, wußten nichts davon. Endlich gab einer von den beyden, die ſie an 

N de 


5 Snelgrave auf der 170 und folgenden Seite. in 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 575 


der Seite des Schiffs aufgenommen hatten, ſeinen Geſellen an, und dieſer geſtund, er haͤtte 1722 
den Kellermeiſter aus keiner andern Abſicht getoͤdtet, als damit er mit dem andern ſicher Snelgrave. 
ans Ufer ſchwimmen koͤnnte. Denn als fie auf das Verdeck gekommen waͤren, fo hatten ” 
fie bemerkt, daß alle Weißen, welche Wache halten follen, geſchlafen; fie haͤtten ferner des 
Kochs Axt beym Heerde gefunden, und ſolche, ohne Abſicht Schaden damit zu thun, mit⸗ 
genommen. Weil aber der Kellermeiſter, indem er vorbey gegangen, erwacht: fo hätte er ihn 
in den Kopf gehauen, worauf ſie uͤber Bord geſprungen waͤren. 

Als Snelgrave die Sklaven aus der Eliſabeth in ſein Schiff ohne Widerſpruch ge⸗ 
ſendet: ſo folgte er ſelbſt nach; und weil noch acht Segel auf der Rheede von Animabo 
waren: fo ließ er ihre Haͤupter zu ſich wegen einer Sache von Wichtigkeit an Bord einla= 
den. Die meiſten kamen, und ſie ſchloſſen, nach Anhoͤrung der Sache, einmuͤthig, er ſollte 
den Schwarzen hinrichten. 

Sie ließen alſo den Schwarzen wiſſen, er ſollte innerhalb einer Stunde ſterben, weil 
er den Weißen umgebracht hätte. Seine Antwort war, er geſtuͤnde, daß es was unuͤber⸗ 
legtes von ihm geweſen, den Kellermeiſter zu toͤdten; aber der Verfaſſer ſollte bedenken, 
wenn er ihn hinrichtete, ſo wuͤrde alle das Geld, das er fuͤr ihn ausgegeben, verlohren ſeyn. 
Snelgrave erwiederte, ob gleich in feinem Lande die Mordthaten mit Gelde bezahlt wuͤr⸗ 
den: fo waͤre es doch bey den Engländern nicht fo gebräuchlich ; und er follte erfahren, daß 
fein Käufer bey ihm nicht auf feinen Vortheil ſaͤhe 7); denn fobald das Stundenglas, das 
indem umgekehrt ward, ausgelaufen waͤre, ſollte er hingerichtet werden. Darauf giengen 
die andern Befehlshaber an Bord ihrer Schiffe, um alle ihre Schwarzen zur Zeit der Hin⸗ 
richtung auf dem Verdecke zu haben, und ihnen die Urſache davon zu melden. | 


Als das Stundenglas ausgelaufen war, fo wurde der Mörder auf das Vordertheil des Der Moͤrder 
Schiffs geführt, und ihm ein Strick unter feine Aerme befeſtigt, womit er an die vordere wird hinge⸗ 
Segelſtange ſollte in die Höhe gezogen und daſelbſt erſchoſſen werden. Als einige feiner richtet. 
Landesleute ſahen, wie der Strick befeſtigt war: ſo troͤſteten ſie ihn, er wuͤrde gewiß nicht 
umgebracht werden, ſonſt haͤtte man ihm den Strick, ihn zu haͤngen, um den Hals gelegt; 
denn ſie hatten keinen Begriff davon, daß er koͤnnte erſchoſſen werden. Sie ſahen aber 
alſobald das Gegentheil; denn wie er aufgezogen war, brannten zehn Weiße, welche hinter 
der Verdeckung des oberſten Bodens ſtunden, ihre Muffeten los, und toͤdteten ihn augen= 
blicklich. Dieſes beftürzte die Negern ungemein, welche glaubten, er würde ihn feines Bor: 
theils wegen geſchonet haben. | 2 

Als der Körper auf das Verdeck heruntergelaflen war, fo ward ihm der Kopf abge: 
hauen, und uͤber Bord geworfen. Man that dieſes deswegen, damit die Schwarzen ſehen 
ſollten, daß alle dergleichen Verbrecher auf eben die Art ſollten beſtraft werden. Denn 
manche von den Schwarzen glauben, wo ſie getoͤdtet und ganz über Bord geworfen wuͤr— 
den, ſo kehrten ſie wieder in ihr Vaterland zuruͤck. Aber die Kormantiner ſind nicht ſo 
einfaͤltig. 

Nach vollbrachter Hinrichtung meldete Snelgrave ſeinen Schwarzen, man wuͤrde mit 
allen ſo verfahren, die einen Weißen umbraͤchten. Sie verſprachen darauf Gehorſam; und 
er verſicherte ſie, daß ſie ſollten gut gehalten werden, wo ſie ihr Verſprechen hielten; wel— 

ches 
1) Und doch wurde er in der That nur deswegen gehangen, damit duzch weitere Meutereyen nicht 
noch mehrere yerlohren gehen ſolſten. | a 


er >. Reifen nach Guinea und Benin, 


1723 ches ſie auch thaten. Denn zweene Tage hernach ſegelte er von Animabo nach Jamaica; 
Snelgrave. und ob ſie wohl vier Monate am Borde waren, ehe ſie in dieſem Eylande verkauft wurden, 
— ſo gaben fie ihm doch nie den geringſten Grund zum Verdachte H. 


Hauptmann Dieſes ſind alle die Meutereyen, die ihm ſelbſt vorgekommen ſind. Er erzaͤhlet aber 

Meſſervpy noch eine ſehr merkwuͤrdige, welche am Borde der Ferrers Galeere von London unter dem 
Hauptmanne Meſſervy vorgegangen. Snelgrave traf dieſen Herrn im Jenner des Jah⸗ 
res 1722 zu Animabo an, der ihm meldete, daß er ſo gluͤcklich geweſen, in wenig Tagen 
faft dreyhundert Schwarzen zu Setre Krue zu erhandeln. 

Vermuthlich waren die Einwohner dieſer Stadt von Yen Nachbarn tiefer im Sande 
oft beleidigt worden. Da dieſe wußten, daß jene fie ihrer Speiſe wegen, welche in Neiße 
beſteht, nicht entbehren konnten: ſo preßten ſie, was ſie konnten, an Salz und andern Waa⸗ 
ren dafür aus. Endlich griffen die Setre-Äruer zu den Waffen, ſuchten ſich zu raͤchen, 
und machten alle Einwohner der vornehmſten Stadt, wo ſie ſonſt den Reiß gekauft hatten, 
nieder, oder zu Gefangenen. Der Hauptmann Meſſervy kam gleich zu dieſer Zeit dahin, 
und kaufte die Gefangenen wohlfeil. Denn wenn kein Schiff in der Rheede geweſen waͤre: 
fo Hätten die Setre⸗Kruer die meiften, ihrer eigenen Sicherheit wegen, hinrichten muͤſſen. 
Als Dnelgrave dieſes hörte, fo warnete er ihn, weil er nie zuvor dergleichen Reife gethan 
hatte, ſehr, auf ſeiner Hut zu ſeyn, da er ſo viele Schwarzen aus einem Lande beyſammen 
haͤtte. Den Tag darauf gieng Snelgrave an Bord jenes Schiffs, ſah den Hauptmann 
daſelbſt bey den Schwarzen, die des Abends ſpeiſten, da er ihnen Palmoͤl und Pfeffer in 
ihren Reiß that, und erinnerte ihn, es ſey unbedachtſam, daß er ſich, ohne eine gute Wache 
von Weißen mit Feuergewehre, ſo nahe zu ihnen machte. Der Hauptmann dankte ihm fuͤr 
die Warnung, ſchien aber keinen großen Gefallen daran zu finden, und ſagte, er hielte das 
alte Spruͤchwort fuͤr gut: des Herrn Auge machet das Roß feiſt. 


In dreyen Tagen ſegelte er nach Jamaica. Und als Snelgrave nach einigen Mo⸗ 

naten gleichfalls daſelbſt anlangte: fo erhielt er folgende traurige Nachricht von feinem 

Tode, der ſich etwan zehn Tage nachher zugetragen, nachdem er die Kuͤſte von Guinea 

verlaſſen hatte. = | 
wirdvonden Er befand ſich unter den Männern von den Schwarzen auf dem Vordertheile des 

Schwarzen Schiffs, als ſie ſpeiſten. Sie ergriffen ihn, und zerſchmetterten ihm den Kopf mit den klei⸗ 

umgebracht, nen Gefäßen, daraus fie ihren Reiß aßen. Weil dieſer Aufruhr unter allen den erwachſe⸗ 

nen Schwarzen am Borde abgelegt war: fo liefen fie zuſammen nach dem Vordertheile 

des Schiffs, und bemuͤhten ſich, die Verwahrung des obern Bodens aufzubrechen. Sie 

fragten nichts darnach, daß ihnen die Weißen durch die Oeffnungen Muſketen und Piken 

entgegen hielten. Daher mußte der Hochbootsmann endlich ein Stuͤck mit Vogelſchrote 

geladen unter fie abfeuren laſſen, wodurch faſt achtzig getoͤdtet oder erſaͤuft wurden. Denn 

wie es losgieng, ſprangen viele uͤber Bord. ar > 


und das Dieß endigte zwar ihren Aufruhr, aber fi verhungerten meiſtens nachgehends aus Ver⸗ 
Schiff geht druſſe, und verſuchten zweymal wieder Aufſtand zu erregen, nachdem das Schiff ſchon zu 
verlohren. Jamaica angelangt war, ehe der Verkauf angieng. Weil dieſes nebſt ihrem vorigen Be⸗ 


zeigen 


) Wie oben auf der 179 und folgenden Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 577 


eigen bekannt wurde, fo wollte fie Feiner von den Beſitzern der Plantagen, wenn fie auch 1719 
och fo wohlfeil geweſen wären, kaufen. Dieſe Reife war alſo hoͤchſt ungluͤcklich; denn das Snelgrave. 
Schiff blieb dieſerwegen verſchiedene Monate zu Jamaica liegen, und gieng endlich in — 


einem Sturme verlohren. . 
Der VI Abſchnitt. 


Nachricht, wie der Verfaſſer im Jahre 17 18 von den Seeraͤubern 
gefangen worden. | 
Fr geht von England ab. Cocklyn und Davis, ein Seeraͤuber. Ausſchweifungen der Seeräuber. 
zweene Seeraͤuber. Ankunft zu Sierra Leona. Es entſteht ein Zank. Der Verfaſſer entwiſcht zum 
Er wird von Cocklyn genommen. Entrinnt drittenmale der Hinrichtung. Naͤrriſche Verwuͤ⸗ 
kaum der Hinrichtung. Der Seeraͤuber Kocher ſtung. Seeraͤubervermahnung. Die Pluͤnderer 
rey. Snelgrave wird befragt. Ein alter Schul⸗ werden gezuͤchtigt. Der Seeraͤuber Großmuth 
geſelle rettet fein Leben. Der Bootsmann wird gegen Snelgrave. Er beköͤm̃t ein Schiff u. Guͤter. 


em Wintermonate des Jahres 1718 ward der Verfaſſer durch den Herrn Morrice in Abreife vou 
A der Galeere, der Vogel genannt, nach Holland geſchickt, um eine Ladung für Guinea England. 
einzunehmen. Den loten des Chriſtmonats ward das Schiff im Sturme ans Land getrie— 
hen, lief gegen den Damm, und drang ſieben Fuß tief in den Strand. Sie machten aber 
einen Graben faft dreyhundert Fuß lang, nach dem untern Merkmaale des Waſſers, und 
kamen ohne Schaden in den Damm von Helvoetſluys. Sie machten ſich hier zurechte, 
und ſegelten, ihrer Fahrt nach, im Jenner ab, wurden aber durch einen andern Sturm nach 
Spithead getrieben. Daſelbſt liefen ſie wieder aus, und trafen einen andern heftigen Sturm 
an, etwan ſiebenzig Meilen Weſt vom Vorgebirge Lizard, der fie noͤthigte, nach Kingſale 
in Irland zu laufen. Von da ſegelten ſie den roten Maͤrz ab, und hatten eine gute Fahrt 
nach Sierra Leona in Guinea, wo fie den-ıften April im Jahre 1719 anlangten. 

Auf ihrer Fahrt bey den Canarien jagte ſie ein Schiff, welches ſie damals fuͤr einen 
Raͤuber von Salee hielten, dem ſie aber noch entſegelten. 

Bey feiner Ankunft zu Sierra Leona waren drey Seeraͤuberſchiffe daſelbſt, die da- 
mals zehn engliſche Schiffe genommen hatten. Das erſte, welches anlangte, war die auf? 
gehende Sonne, unter der Anfuͤhrung eines Cocklyn, der nicht über fünf und zwanzig Cocklyn und 
Mann hatte. Sie waren einige Monate zuvor marunirt, oder ohne ihren Theil von der 
vormals durch das ganze Volk genommenen Beute, an Bord geſetzet worden, welches ein 
berühmter Seeraͤuber, Hauptmann Moody, gethan hatte. Als fie in dieſem Fluſſe an: 
kamen: fo überfielen fie daſelbſt den Herrn Joſeph, einen Schwarzen, der vormals in Eng— 
land geweſen, und hier in gutem Anſehen ſtund. Seine Loskaufung verſchaffte ihnen Vor⸗ 
rath an Lebensmitteln und Kriegsbeduͤrfniſſen. Verſchiedene Schiffe von Briſtol und an— 
derwaͤrts her, die nachgehends allhier anlangten, wurden gleichfalls genommen. Da auch 
viele von den Leuten darauf zu den Seeraͤubern uͤbertraten: fo hatten fie, als ihnen der Ber: 
faſſer in die Hande fiel, faſt achtzig Mann beyſammen. 

Bald nachdem Moody ſich von der aufgehenden Sonne geſchieden hatte, misfiel 
ſolches ſeinem Volke; ſie machten einen Aufruhr, und ſetzten ihn nebſt noch zwoͤlf andern 
in ein offenes Boot, welches ſie von den Spaniern in den Canarieninſeln genommen hatten. 
Man hoͤrte nach dieſem nichts mehr von ihnen, und glaubte, daß ſie in der See umgekom⸗ 

Allgem. Reiſebeſchr. III Band. y Dodd d men 


1719 
Snelgrave. 


Davis, zwee⸗ 
ne Seeraͤu⸗ 
ber. 


578 Reiſen nach Guinea und Benin, 


men wären. Darauf erwaͤhlten fie einen Franzoſen le Bouſe zum Führer, der ſie in die 
fen Fluß brachte. Sie vereinigten ſich daſelbſt mit dem Cocklyn und feinem Volke, einen 
Monat nachdem ſie waren getrennt worden. f 


Eben den Tag langte auch Davis an, der in einer Schaluppe Seeraͤuberey getrieben, 


und ein großes Schiff an den Eylanden des grünen Vorgebirges genommen hatte. Er 
lief mit einer ſchwarzen Flagge an dem Gipfel des Hauptmaſtes ein, welche Seeraͤuber⸗ 
ſchiffe insgemein führen, Kauffahrteyſchiffe zu ſchrecken. Dieſer Davis war ein großmuͤ⸗ 
thiger Mann, und hielt ſein Volk, faſt hundert und funfzig ſtark, in guter Ordnung, verei⸗ 
nigte ſich auch nicht mit den andern, und dieß zu des Verfaſſers Ungluͤcke. Denn Cocklyn 
und ſein Haufen, die ihn nahmen, waren eine Rotte der niedertraͤchtigſten und grauſamſten 
Boͤſewichter. Sie meldeten ihm nachgehends, ſie haͤtten denſelben ſeiner Unvernunft und 
Unwiſſenheit wegen erwaͤhlt, und wollten nie einen Fuͤhrer von guten Eigenſchaften haben, 
wie erwaͤhnter Moody war. ee 

Der Hauptmann eines Seeraͤuberſchiffs wird vornehmlich erwaͤhlt, mit denen Schiffen, 
die ſie antreffen, zu fechten. Ueber dieß erwaͤhlen ſie einen Quartiermeiſter, der die Oberauf⸗ 


ſicht über alle Vorfaͤlle hat, und oft des Hauptmanns Verordnungen umſtoͤßt. Dieſer iſt 


Ankunft zu 
SierraLeona. 


auch der erfte an Bord des Schiffes, das fie angreifen, oder bey einer verzweifelten Unter⸗ 
nehmung, ins Boot zu gehen. Außer dieſen beyden Perſonen, hatten die Seeraͤuber alle 
Officiers, wie auf den Kriegsſchiffen 7). ’ 5 

Den Tag, da der Verfaſſer innerhalb drey Seemeilen von der Muͤndung des Fluſſes 
Land erreichte, ward es windſtille; und weil er einen Rauch am Ufer ſah, ſo ſchickte er nach 
ſeinem Hochbootsmanne Simon Jones, und ſagte ihm, er ſollte in der Pinnaſſe ans Land 
gehen, und ſehen, wo der Rauch waͤre. Aber als Jones verſetzte, es wohnten keine Leute 
da, und es muͤßten nur Reiſende ſeyn, welche Auſtern brieten: ſo war Snelgrave zufrieden, 
indem er keinen Argwohn auf jenes Treuloſigkeit hatte. Um fuͤnf Uhr liefen ſie mit einer 
ſtarken Fluth nach der Muͤndung des Fluſſes ein, und merkten gegen Untergang der Sonne 
ein Schiff vor Anker, welches den Fluß weit hinauf lag. Dieß war der Seeraͤuber, der 
ſie bald darauf nahm, die andern beyden mit ihren Priſen wurden durch eine Landſpitze 
verdeckt. . 

Es war um ſieben Uhr windſtille und ward finſter, worauf ſie in der Muͤndung des 


Fluſſes ankerten. Um acht Uhr, als der Verfaſſer ſpeiſte, ließ ihm der Dfficier, welcher die 


Wacht auf dem Verdecke hatte, melden, er hoͤrte ein Boot rudern. Sie machten ſich dar⸗ 
auf alle auf den obern Schiffsboden, wohin er zur Vorſicht zwanzig Leute mit Feuerge⸗ 
wehr und Meſſern kommen ließ. Weil es auch dunkel war: ſo befahl er ſeinen Leuten, das 
Boot zu rufen, worauf die Leute darinnen antworteten, fie gehörten zu den zweenen Freun⸗ 


den, unter dem Hauptmanne Eliot von Barbados. Gleichwohl befahl er, das Feuergewehr 
fertig zu machen, Laternen und Lichter heraufzubringen, und das Boot noch einmal zu ru- 


fen, worauf die Leute antworteten, ſie waͤren von America; und thaten zugleich eine Salve 
von kleinem Gewehre ins Schiff, ob ſie wohl nicht uͤber einen Piſtolenſchuß weit davon waren. 


Dieß, faget Snelgrave, zeiget die Verwegenheit dieſer Kerl an. Ihrer waren nur zwoͤlfe 


im Boote, und ſie wußten die Staͤrke des Schiffs nicht, welches doch ſechzehn Stuͤcke und 
fuͤnf und vierzig Mann hatte. 1 
Als 


J Snelgrave a. d. 194 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch | VII Cap. 579 


Als ſie anfingen zu feuern, rief der Hauptmann ſeinem Bootsmanne zu, aus den 1719 
Schießloͤchern beym Steuerruder zu feuern. Weil dieß nicht geſchah, fo gieng er ſelbſt hin⸗Snelgrave⸗ 
unter, und fand die Leute, daß fie einander anſahen. Einige ſagten, fie Hätten wollen Ge: Wird von 
wehr nehmen, aber die Kiſte wäre nicht zu finden geweſen. Die Seeraͤuber legten ſich den Seeraͤu⸗ 
alſo ohne Widerſtand an Bord, kamen auf den Oberboden, und feuerten verſchiedenemal bern genom⸗ 
herunter, und ſchoſſen einen Bootsmann in den Unterleib, daß er ſtarb. Sie warfen auch men. 
verſchiedene Granaten unter ſie, die aber ohne Schaden zerſprangen. 

Endlich als jemand Quartier rief, kam der Quartiermeiſter herunter, und fragte nach 
dem Hauptmanne. Als Snelgrave ſagte, bisher waͤre er es geweſen: ſo fragte der an⸗ 
dere, warum er ſich unterſtanden haͤtte, ſeinen Leuten zu befehlen, aus den Schießloͤchern 
beym Steuerruder auf ſie zu feuern? Der Verfaſſer antwortete, er haͤtte es fuͤr ſeine Schul⸗ 
digkeit gehalten, das Schiff zu vertheidigen. Darauf hielt ihm der Quartiermeiſter ein Piſtol 
vor die Bruſt, welches er mit genauer Noth wegſchlug, ehe es losgieng, daß ihm alſo die 
Kugel zwiſchen der Seite und dem Arme durchfuhr. Da der Böfewicht fah, daß er ges 
fehlt: fo gab er ihm mit dem Kolben einen ſolchen Schlag, daß er auf die Knie niederfiel, 
ſich aber gleich erhohlte und auf den Oberboden ſprang. Der Seeraͤuber Bootsmann zog 
fein breites Schwerdt aus, und ſchwur, ein Hauptmann, der ſich unterſtuͤnde, fein Schiff zu 
vertheidigen, ſollte kein Quartier haben, that auch zugleich einen vollkommenen Hieb nach 
ſeinem Kopfe. Weil er ſich aber wandte, kam ſolcher auf das Gelaͤnder des Oberbodens, 
und gieng wenigſtens einen Zoll tief hinein. Da das Schwerdt von der Gewalt zerbrach, 
kam er fo. davon, daß er nicht in Stuͤcken zerhauen wurde m), 

Zum guten Gluͤcke, waren die Piſtolen, welche in des andern Gürtel ſteckten, alle losge⸗ Entgeht dem 
brannte: er verſuchte aber, dem Verfaſſer den Kopf mit einer ihrem Kolben zu zerſchmet- Tode. 
tern. Dieſes ſah einer von den Leuten, und ſchrie: bring den Hauptmann nicht um, wir 
haben nie einen beſſern gehabt. Dieß rettete ſein Leben, aber einem von ſeinen Leuten ward 
das Kinn faſt ganz geſpalten, und ein anderer erhielt eine Wunde, daß er fuͤr todt aufs 
Verdeck fiel. Als der Quartiermeiſter hinauf kam: fo ſagte er zu Snelgraven, einige feiner 
Leute muͤßten ihr Boot ſchaffen, welches ſie hatten auf den Sand laufen laſſen, wie ſie an 
Bord feines Schiffs gekommen; ſonſt ſollte er in Stuͤcken zerhauen werden. Sein Ober: 
bootsmann Jones gieng alſo darnach, und brachte es zuruͤck, nahm darauf den Verfaſſer 
bey der Hand, und ſagte zu ihm, ſein Leben waͤre ihm nun ſicher; denn es haͤtte ſich keiner 
von ſeinen Leuten uͤber ihn beſchweret. | 

Die Seeraͤuber thaten darauf verſchiedene Freudenſchuͤſſe, und ihre Cameraden im 
Schiffe kappten ſogleich das Tau, und trieben mit der Fluth auf ſie. Als jene ihre Lichter 
ſahen, gaben fie ihnen, ohne zu fragen, eine Lage mit dem groben Geſchuͤtze, in der ſichern 
Meynung, ſie haͤtten das Seeraͤuberboot mit den Leuten uͤberwaͤltigt. Als ſie ſolcherge⸗ 
ſtalt in großer Verwirrung waren, fragte Snelgrave den Quartiermeiſter, warum er jenen 
nicht durchs Sprachrohr meldete, daß das Boot ſein Schiff genommen haͤtte? Darauf 
antwortete dieſer ihm zornig, ob er ſo furchtſam waͤre, durch einen Canonenſchuß zum Teu⸗ 
fel zu fahren; er für feinen Theil hoffte nächfter Tage durch eine Stuͤckkugel in die Hoͤlle zu 
kommen. Doch folgte er dem Rathe, und meldete jenen, ſie haͤtten eine rechtſchaffene 
Priſe, mit allen Arten von Lebensmitteln und Getraͤnken genommen. Mi 

Dodd 2 Gleich 
mi) Ebendaſ. a. d. 200 u. f. S. 


1719 
Snelgrave. 


— — 
Seeraͤuber⸗ 


kocherey. 


Snelgrave 
wird befragt. 


Ein alter 
Schulgeſelle 


rettet ſein 
Leben. 


* ‚Reifen nach Guinea und Benin, 


Gleich darauf befahl der Hauptmann Cocklyn eine Mahlzeit zuzurichten, worauf ſie ver⸗ 
ſchiedene Gaͤnſe, tuͤrkiſche Hühner, Voͤgel und Enten nahmen, und ſolche, ohne ihnen weiter 
etwas als die großen Schwingfedern auszurupfen, in den großen Ofen zuſammen ſteckten. 
Dazu thaten ſie verſchiedene weſtphaͤliſche Schinken, und eine große Sau mit dem Ferkel, 
die ſie nur ſengten, und das Haar daran ließen: denn der Koch hatte Befehl, ſie ſogleich aus 
der Hand zu kochen. ge 

Um dieſe Zeit kam einer von den Quartiermeiſtern zum Snelgrave, mit der Frage, 
welche Zeit es an feiner Uhr wäre, die vom Golde war. Er hielt dieß fuͤr ein hoͤfliches 
Abfordern, und ſchickte fie ihm mit der Antwort, es wäre eine recht gute Uhr. Der Quar⸗ 
tiermeiſter legte fie auf das Verdeck nieder, trat auf fie, und ſagte, es wäre ein artiger Fuß: 
ball, worauf einer von den Seeraͤubern fie aufhob, und ſagte, er wollte fie in den gemeinen 
Kaſten legen, daß ſie am Maſte verkauft wuͤrde. 


Gleich darauf ward er an Bord des Seeraͤuberſchiffs gefuͤhrt, worauf ihm der Befehls⸗ 
haber ſagte, es waͤre ihm leid, daß ihm nach gegebenem Quartiere uͤbel begegnet worden, aber 
das waͤre das Schickſal des Krieges bisweilen. Er hoffte nun von ihm eine richtige Ant— 
wort auf alle Fragen, ſonſt wollte er ihn in Stuͤcken hauen: fagte er ihm aber die Wahr: 
heit, und ſeine Leute klagten nicht uͤber ihn, ſo ſollte er ſoviel bekommen, daß er dieſes fuͤr die 
beſte Fahrt, welche er Zeit ſeines Lebens gethan, erkennen ſollte. Eine von ſeinen Fragen 
war, wie fein Schiff mit gerade und ſeitwaͤrts kommendem Winde ſegelte, worauf Snel— 
grave antwortete, ſehr wohl. Cocklyn nahm darauf ſeinen Hut ab, und ſagte: es wuͤrde 
alſo ein gut Seeraͤuberkriegsſchiff abgeben. 

Nachdem dieſes Befragen vorbey war, ſo kam ein großer Mann mit vier Piſtolen im 
Gürtel, und einem breiten Schwerdte in der Hand, und ſagte zu ihm, fein Name wäre Ja⸗ 
cob Griffin, und ſie waͤren ſonſt Schulgeſellen geweſen. Ob ihn nun der Verfaſſer gleich 
kannte: fo hielt er doch fürs beſte, ſich zu verſtellen. Darauf ſagte jener, er ſey nicht von 
der Rotte, ſondern gezwungen, und waͤre zuletzt beym Hauptmanne Jacob Creichton zu 
Briſtol Oberbootsmann geweſen, der ſich damals mit ſeinem Schiffe in der Seeraͤuber 
Gewalt in dieſem Fluſſe befand. Sie haͤtten ihn genöthiget, Steuermannsdienſte zu ver- 
richten, und er gienge zu ſeiner Sicherheit vor ihnen ſo gewaffnet; denn es waͤren die grau— 
ſamſten Boͤſewichter. Er wollte aber für ihn dieſe Nacht forgen, die am gefahrlichſten 
ſeyn würde, weil ſich viele in dem guten Getraͤnke, das fie auf dem Schiffe gefunden, voll⸗ 
ſaufen würden 1). 

Dieſe edle Erklaͤrung brachte Snelgraven dazu, daß er die vormalige Bekanntſchaft 
geſtund. Darauf wandte ſich Griff in zum Hauptmanne Cocklyn, und verlangte einen 
Becher Punch. Als dieſer gemacht war, giengen ſie alle drey zur großen Kajuͤte, wo ſie 
ſich in Mangel der Stühle, mit geſchraͤnkten Beinen aufs Verdeck ſetzten, und Cocklyn 
trank unter verſchiedenen andern Geſundheiten, auch des Praͤtendenten ſeine, unter dem Na— 
men Koͤnig Jacob III. x 

Um Mitternacht bath Griff in um eine Hängematte für feinen Schulgefelfen, welche 
ihm verſtattet wurde. Er legte ſich hinein, konnte aber nicht ſchlafen, und hörte entſetzli— 
che Fluͤche und Gotteslaͤſterungen von ihnen. Herr Griff in gieng, feinem Verſprechen ge— 

maͤ 
Snelgrave a. d. 207 u. f. S. 8 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 381 
maͤß, mit ſeinem Schwerdte in der Hand bey ihm herum, und etwa um zwey Uhr kam der 


1719 


Seeraͤuber Bootsmann ſehr betrunken an Bord; und als er hörte, wer in der Hängematte Snelgsave. 


waͤre, machte er ſich mit feinem Meſſer darauf zu. Griff in fragte, was er wollte, wor⸗ 
auf jener antwortete, Snelgraven die Leber zerſpalten; denn es wäre ein luͤderlicher Hund, 
daß er haͤtte befohlen, aufs Boot zu feuern, auch haͤtte er ſeine Uhr nicht hergeben wollen, 
als der Quartiermeiſter ſolche das erſtemal gefordert. Als Griffin hoͤrte, daß die letzte 
Beſchuldigung falſch waͤre: ſo ſagte er zu jenem, er ſollte zuruͤck bleiben, oder er wollte ihn 
zerſpalten. Da der Böfericht nichts deſtoweniger ſich näherte, ihn umzubringen, fo 
that Griff in mit ſeinem Schwerdte einen Hieb nach ihm, daß er mit Noth davon kam, 
und fortlief. 

Sobald ſie insgeſammt nuͤchtern waren, beklagte ſich Griff in uͤber dieſen Anfall beym 
Quartiermeiſter und der Geſellſchaft, mit Vorſtellung, ſie muͤßten die unter ihnen ange⸗ 
nommene Grundregel genau beobachten, daß Gefangenen, denen Quartier gegeben 
worden, nicht uͤbel begegnet wuͤrde. Viele waren der Meynung, er ſollte gewippt 
werden, Snelgrave aber bath ſehr kluͤglich fuͤr ihn, und es ergieng alsdenn ein allgemeiner 
Befehl, Snelgraven nicht im geringſten fernerhin zu beleidigen; gleichwohl ſuchte der 
Boͤſewicht ihn noch einmal zu toͤdten. 

Den Morgen darauf, da er gefangen worden, kam ſein Hochbootsmann Jones zu ihm 
und ſagte: Seine Umſtaͤnde zu Hauſe waͤren ſchlecht, und er haͤtte eine Frau, die er nicht 
lieben koͤnnte; deswegen hätte er ſich unter die Seeraͤuber gemacht, und ihre Artkkel unters 
ſchrieben. Snelgrave ſah aber nachgehends, daß er von ſeinen Bruͤdern der Ungerechtigkeit 
verachtet wurde, und hörte, daß er wenige Monate nachdem ſie den Fluß verlaſſen hatten, geftor: 
ben wäre. Doch begegnete er Snelgraven allezeit höflich, wie auch die zehn andern, die er mit 
überredet hatte. Verſchiedene von ihnen bereuten es hernach, bathen den Verfaſſer, daß ſie 
wieder losgemacht werden moͤchten; denn dem Quartiermeiſter durften fie nichts davon mel⸗ 
den, weil das Leben darauf ſtund: aber die Sache war für ihn zu kuͤtzlich, als daß er ſich damit 
haͤtte vermengen ſollen. c 


Einige Tage hernach meldete ihm einer von denſelben, er haͤtte den Joues verſchiede⸗ 
nemal waͤhrender Reiſe bey der Nachtwache ſagen hoͤren, er deff bey der Ankunft in dem 
Fluſſe Sierra Leona einige Seeraͤuber anzutreffen, und er hätte die Gewehrkiſte 
mit Vorſatze verſteckt. Verſchiedene von den Leuten haͤtten ſolche auf brechen wollen, als 
die Seeräuber auf fie gefeuert, Jones aber wäre ihnen mit der Erflärung zuvorgekommen, 
er hätte dieſe Gelegenheit lange gewuͤnſcht, und wenn fie eine Muskete losbrennten, fo wuͤr⸗ 
den ſie alle in Stuͤcken zerhauen werden. Sie ferner deſto eher zu bereden, haͤtte er vor— 
gegeben, der Verfaſſer wollte ſelbſt unter die Seeraͤuber gehen. Dieſer Menſch ſetzte hinzu, 
die Seeraͤuber haͤtten ihm gemeldet, Jones waͤre die vornehmſte Urſache, daß ſie das 
Schiff bekommen hätten x). 

Sobald der Rauſch vorbey war: fo fingen fie alle an, die Prife auszuraͤumen. Sie 
warfen Ballen Wolle und Guͤter uͤber Bord, nebſt Kiſten von indianiſchen Waaren, und 
viel Koſtbarkeiten; fo, daß fie den ten April vor Abends zwiſchen drey bis viertauſend 
Pfund werth an der Ladung verwuͤſtet hatten; denn ſie bekuͤmmerten ſich nicht viel um dieſe 

it Dddd 3 Dinge, 
x) Snelgrave a, d. 216 u. f. S. 


Der Boots: 
mann be⸗ 
giebt ſich zu 
den See⸗ 
raͤubern. 


Ausſchwei⸗ 
fung dern 
Seeraͤuber 


1719 


5 582 Reiſen nach Guinea und Benin, 


Dinge, weil fie hauptſaͤchlich nach Gelde und Nothwendigkeiten fragten. Es befanden ſich 


Snelgrave. verſchiedene Engländer, welche für ſich handelten, zu Sierra Leona, und darunter auch der 


Ein Zank. 


Snelgrave 


enttinnt das Bootsmann befand, am Borde der Priſe. Als er mit dem Zimmermanne in der Kajuͤte 
ſaß: fo kam der Bootsmann betrunken herunter, und ſchimpfte auf ihn. Der Zimmermann 
ſagte: 


drittemal 
dem Tode. 


Hauptmann Heinrich Glynn, welcher nachmals als Statthalter von Jacobsfort an der 
Gambra ſtarb. Dieſer Herr beredete die beyden Seeraͤuber, Davis und le Buſe, daß 
fie mit ihm Snelgraven beſuchten. Bald darauf kam Cocklyn und fein Duartiermeifter 
an Bord der Priſe. Weil Davis ein großmuͤthiger wackerer Mann war: ſo ſprach er 
ſtark zum Vortheile des Verfaſſers, und ſagte zum Cocklyn, er hoffte, er würde ihm gut 
begegnen, und ihm einige Nothwendigkeiten, auch was von dem ſeinigen insbeſondere uͤbrig 
waͤre, geben. Dieß alles gefiel dem Cocklyn gar nicht. Dem ungeachtet lud er ihn und 
den Glynn an Bord der Priſe ein, wohin ſie Snelgrave auf ihr Anſuchen begleitete. 

Bald nachdem ſie am Borde waren: ſo giengen ſie alle in die große Kajuͤte, wo er zwey 
Schreibezeuge und Buͤcherkiſten zerbrochen, und alle feine Waaren und Nothwendigkeiten 
darinnen weggenommen, fand. Die Bücher waren uber Bord geworfen worden; denn 
einer von den Seeraͤubern hatte geſchworen, es waͤre ſo viel Mundwerk da, daß eine Nation 
daran genug hätte. Er hatte auch gefuͤrchtet, es möchten Bücher darunter ſeyn, die ſie an 
Fortſetzung ihrer Reife nach der Holle hinderte, wohin fie alle ſegelten. 

Des armen Inelgravens Getraͤnke gieng luſtig herum, und die Dberfeeräuber wur— 
den aufgeräumt. Der Hauptmann Glynn bediente ſich dieſer Gelegenheit, verſchiedene 
Nothwendigkeiten für ihn von dem Quartiermeiſter auszubitten. Da ſolches leicht gewaͤh⸗ 
ret wurde: fo band man fie in Buͤndel zufammen, und der Hauptmann Glynn wollte fie 
mit nach feinem Haufe für den Verfaſſer nehmen: aber durch einen unglücklichen Zufall ver: 
lohr er alles. Denn als einige von Davis Leuten an Bord kamen: ſo hatte ein verwegner 
junger Kerl von achtzehn Jahren eine Kiſte aufgebrochen, ſolche zu pluͤndern. Als es der 
Quartiermeiſter hörte: fo gieng er aus der Kajuͤte, ihn zu beſtrafen; und der Kerl antwor⸗ 
tete, weil fie alle Seeräuber wären, fo haͤtte er geglaubt, recht zu thun. Darauf hieb der 
andere mit ſeinem Schwerdte nach ihm: der junge Menſch aber lief davon, und zu ſeinem 
Herrn in die Kajuͤte. Der Quartiermeiſter verfolgte ihn, und hieb den jungen Menſchen 
in den Ballen von einem Daumen, verwundete auch zugleich den Hauptmann Davis ſelbſt 
hinten in die Hand. Davis ſchwur Rache, und ſagte, ob gleich ſein Mann unrecht haͤtte: 
fo hatte man ihn doch nicht in ſeiner Gegenwart, ohne es ihm zu melden, beſtrafen konnen. 

Er gieng darauf ſogleich auf ſein Schiff, und feuerte auf Cocklynen, der gewiß waͤre in 
Grund gebohrt worden, wo der Verfaſſer nicht den Hauptmann Glynn erſucht, auf des 
Davis Schiff zu gehen, und einen Vergleich zu ſtiften. Mit vieler Muͤhe ward die Sache 
folgendergeſtalt beygelegt: Davis und fein Volk ſollten ihren Theil von Getraͤnken und Noth— 
wendigkeiten, die ſich am Borde der Priſe befaͤnden, haben, und der Quartiermeiſter vor des 
Davis ganzem Volke ſeinen Fehler bekennen, und um Verzeihung bitten. Weil ſich die Nacht 
näherte: fo mußte Glynn ans Land gehen, ohne die Sachen abzufodern, die er ſich ausge: 
bethen hatte, und war Willens, den folgenden Tag wieder zu kommen Y. / 

Der Verfaſſer blieb nur mit drey bis vier Seeräubern, unter denen ſich der blutduͤrſtige 


9) Snelgrave a. d. 223 u. f. S. 


S = 


von Sierra Leona bis Lope Gonſaloo VII Buch VII Cap. 583 


ſagte: er wäre ein Boͤſewicht, und ſtieß ihn aus der Kajuͤte. Bald darauf blies ihnen der 119 
Wind das Lieht aus; und wie fie beyde aufſtunden, es wieder anzublafen: fo verwechſelten Snelgrave. 
ſie im Finſtern ihre Stellen. | Ar | kam rer 
Mittlerweile kam der Bootsmann herein, und als er das Licht ausgelöfcht fand, fing 
er an zu ſchmaͤhen und zu fluchen, mit dem Vorgeben, Snelgrave hätte es gethan, um 
heimlich in die Pulverkammer zu kommen, und das Schiff in die Luft zu ſprengen: und 
ob ihm gleich der Zimmermann meldete, daß es von ungefaͤhr geſchehen, ſo kam er doch in 
die Kajuͤte, und weil er nicht wußte, daß fie die Stellen verwechſelt hatten, hielt er ein Piftof 
hin, und ſchwur, den Augenblick wollte er Snelgraven das Gehirn aus dem Kopfe ſchießen. 
Zum Gluͤcke brannte vom Piſtole nichts weiter, als das Zuͤndkraut von der Pfanne, los, aus 
deſſen Glanze der Zimmermann wahrnahm, daß er würde ſeyn getroffen worden, wenn es losge⸗ 
gangen waͤre; worauf er im Grimme im Flnſtern auf den Bootsmann zulief, das Piſtol jenem 
aus der Hand riß, und damit, auch mit der geballten Fauſt ihn dermaßen zerſchlug, daß er 
fuͤr todt liegen blieb. Das Laͤrmen brachte das Seeraͤuberſchiff in Bewegung, welches einen 
Officier ſchickte, und den Boͤſewicht, der den Verfaſſer nun das drittemal ermorden wollen, 
wegnehmen ließ. 5 
Er ſchlief darauf wohl, ward aber bey frühen Morgen durch das Laͤrmen von Davis gäreifhe 
Volke erwecket, welches die verglichenen Getraͤnke und Nothwendigkeiten abzuholen kam. Sie Verwuͤſtung. 
ſtifteten, nebſt Cocklyns Volke, eine ſeltſame Verwuͤſtung darunter an. Sie zogen eine große 
Menge halbe Orthoͤfde von Claret und Franzbrandteweine aufs Verdeck hinauf, ſchlugen die 
Boden aus, ſteckten Röhren und Becher hinein, daraus zu trinken, und goſſen einander zum 
Scherze ganze Kruͤge voll über die Köpfe; den Abend wuſchen fie das Verdeck mit dem, was 
in den Faͤſſern übrig geblieben war, ab. Bey den Getraͤnken in Bouteillen wollten fie ſich 
nicht die Muͤhe geben, den Kork herauszuziehen; ſondern koͤpften ſolche, wie fie redeten, d. i. 
fie ſchlugen mit ihren Meſſern die Haͤlſe ab, wodurch insgemein eine von dreyen zerbrochen 
ward. Es war alfo in kurzem nur ein wenig Franzbrandtewein noch übrig, und die ER: 
waaren, als Butter, Kaͤſe, Jucker, u. ſ. f. waren eben ſobald fort. 


Der Quartiermeiſter hatte zwar dem Verfaſſer einige Nothwendigkeiten gegeben, aber 
eine Geſellſchaft trunkener Räuber kam in die Kajuͤte; und als fie über einige Waaren ſtol⸗ 
perten: fo warfen fie ſolche, nebſt dreyen Buͤndeln des Verfaſſers, über Bord, daß ihm nur 
ein Bündel übrig blieb, in welchem ein ſchwarzes Kleid mit einigen andern Sachen war. 


Nachdem fie wegwaren, kam ein anderer, der noch leidlich nüchtern war, und wollte fer Seeraͤuber 
hen, was in dem Bündel wäre. Er nahm alſo das Kleid mit einem guten Hute und einer Vermah— 
Peruͤke daraus; und als ihm Snelgrave zuredete, ihm doch dieſes nicht auch zu nehmen: nung. 
ſo zog er ſein breites Schwerdt aus, und gab jenem mit der Flaͤche einen Schlag auf die 
Schulter, wobey er ihm ſagte: ich gebe euch die Warnung, niemals dem Willen eines See⸗ 
raͤubers zu widerſprechen; denn ſetzet einmal, ich hätte euch eurer Unverſchaͤmtheit wegen den 
Kopf geſpalten; was haͤttet ihr anders damit gewonnen, als euer Verderben? Es iſt wahr, 
ihr koͤnntet euch troͤſten, ich wuͤrde ſeyn hingerichtet worden, weil ich einen Gefangenen mit 
kaltem Gebluͤte getoͤdtet; aber ſeyd verſichert, meine Freunde würden mir davon geholfen 
haben. Snelgrave dankte ihm fuͤr die Vermahnung; und bald darauf zog jener die Kleider 
an. Aber in weniger als einer halben Stunde zog er ſie aus, und warf fie über Bord; denn 
einige Seeraͤuber, die ihn in dieſem Putze geſehen, hatten ihm Kruͤge mit Claret Ri 

en. 


1719 
Snelgrave. 


——— 
Ein Pluͤnde⸗ 
rer wird ge⸗ 
zuͤchtigt. 


Großmuth 
der Seeraͤu⸗ 
ber 


gegen Snel⸗ 


grave. 


584 Reiſen nach Guinea und Benin, | 


fen. Dieſer Kerl meldete dem Verfaſſer, fein Name ſey, Sonne: aber fein wahrer Name 
war Franz Kennedy, und er ward nachgehends gehangen 2). . | 
Mit Anbruche der Nacht hatte der Verfaſſer nichts mehr von allen Buͤndeln, als den 
Hut und die Peruͤke. Da ſelbige an Naͤgeln in der Kajuͤte hingen, kam ein halbtrunkener 
hinein, und ſetzte ſie auf, mit Vermelden, er ſey ein großer Kaufmann auf dem Lande, Na⸗ 
mens Hogbin. Weil ihn aber Snelgrave fuͤr einen Seeräuber hielt: ſo ſagte er nicht 
viel zu ihm. Als er aus der Kajuͤte gieng, begegnete ihm Cocklyns Quartiermeiſter, der 
ihn kannte, daß er nicht zum Volke gehörte, und ihn tuͤchtig auspruͤgelte, daß er Sachen genom⸗ 
men, zu welchen er kein Recht gehabt. Darauf kam er zu dem Verfaſſer, und fragte ihn 
ganz höflich, wie er ſich nach dieſem Laͤrmen befaͤnde. Da ihm dieſer meldete, daß er alle 
das Seinige verlohren: ſo verſprach er ihm, ſo viel als angienge, wiederzuſchaffen, hielt aber 
ſein Wort nicht. Gleichwohl geſteht Snelgrave, daß ſie bey dem Pluͤndern ſich niemals 
an ſeiner Perſon vergriffen, und gegentheils verſchiedene ihm Getraͤnke, und gekochten 
Schinken mit Biſcuit gebracht, und ihr Mitleiden bezeugt A), NN | 
Den Tag darauf ward le Buſes Volk an Bord der Prife gelaffen, wo fie. auf eben 
die Art, wie ihre Vorgänger, das noch übrige verwuͤſteten. 45 
Hierauf erhielt der Verfaſſer Erlaubniß, nach Glynns Hauſe zu gehen, wo ſelbiger und 
die Seeraͤuberhauptleute ihn höflich aufnahmen; und als er ihnen meldete, daß er alles ver⸗ 
lohren: fo verſprachen die letztern, alles, was fie thun koͤnnten, anzuwenden, daß er einiges 
wiederbekaͤme. Er erfriſchte ſich ſehr, wie er fi) von dem Glynn ein weiß Hemde ausge⸗ 
bethen, und blieb die ganze Nacht bey ihm. N 
Den Tag darauf gieng er mit den Hauptleuten an Bord, und Davis erſuchte den 
Cocklyn, daß er alle ſein Volk auf den Oberboden kommen ließe, und hielt eine Rede fuͤr 
ihn, die bey ihnen mehr Beyfall fand, als die er zuvor gehalten; daher beſchloſſen ward, ſie 
wollten Snelgraven das Schiff, das ſie zu verlaſſen Willens waren, um auf die Priſe zu 
gehen, nebſt den Ueberbleibſeln, nicht nur von ſeiner Ladung, ſondern auch von verſchiedenen 
andern Prifen, geben, welches zuſammen etliche tauſend Pfund austrug. Einer von den 
Anführern ſchlug vor, ihn die Kuͤſte von Guinea mit ihnen hinunter zu nehmen, wo er ſeine 
Waaren für Gold vertauſchen koͤnnte, und ſagte, wenn er fie zu baldigerm Verkaufe für die 
erſten Koſten losſchluͤge: ſo wuͤrde er Geld genug damit gewinnen. Sie würden unſtrei⸗ 
tig, da ſie die Kuͤſte hinunter giengen, etliche franzoͤſiſche und portugieſiſche Schiffe nehmen, 
und wollten ihm alsdann von den beſten Sklaven ſo viel geben, als er auf ſein Schiff brauch⸗ 
te. Darauf wollte er ihm rathen, nach dem Ehlande von St. Thomas in Weſtindien, ei- 
nem freyen daͤniſchen Hafen, zu gehen, und fein Schiff daſelbſt zu verkaufen, wo er feine 
Leute auf eine gute Art belohnen, mit einer ziemlichen Geldſumme nach Hauſe kehren, und 
den Kaufleuten trotzen koͤnnte. g f | 
Als Snelgrave dieß ausſchlug: fo wurden fie zornig; denn viele waren fo unwiſſend, 
daß ſie ſich einbildeten, ihre Schenkung wäre rechtsbeſtaͤndig. Davis ſagte darauf, ich 
kenne dieſen Mann, und kann ſeine Gedanken leicht errathen. Wenn er eurem Vorſchlage 
folgte, ſo fuͤrchtet er, ſeinen guten Namen auf immer zu verliehren. Nun laſſe ich gern 
5 8 a jeden i 
2) Siehe eine Nachricht von ihm in Jobnſons Geſchichte der Seeraͤuber. ö 
a) Snelgrave auf der 231 und folgenden Seite. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 585 


jeden nach ſeiner Weiſe zum Teufel gehen, und will alſo, daß ihr ihm den Reſt feiner Ladung 
mit dem, was ihm von ſeinem eigenen uͤbrig geblieben, gebet, damit er machen mag, was 
ihm gut duͤnkt. | 

Dieß ward leicht zugeſtanden, und fie riethen dem Verfaſſer, le Buſes Brigantine zu 
nehmen, die ſelbiger nur verlaſſen hatte, und ſie laͤngſt an die Seite des Schiffs zu fuͤhren, 
damit er die noch nicht verwuͤſteten Guͤter dahinein ſchaffen koͤnnte, wozu ſie ihm einige von 
ihren eigenen Leuten gaben. Dadurch retteten fie noch einen großen Theil von der Ladung, 
aber von ſeinem eigenen nicht uͤber dreyßig Pfund werth, weil ſolches meiſt in Nothwendig— 
keiten und Lebensmitteln, nebſt feinen Waaren beſtanden, die von den Seeraͤubern bald 
verwuͤſtet worden. Z. E. fie nahmen verſchiedene Stuͤcke feine hollaͤndiſche Zeuge, brei⸗ 
teten ſie aufs Verdeck, und legten ſich darauf; alsdenn kamen andere, und begoſſen ſie 
mit Kruͤgen Claret, wovon ſie aufſtehen mußten, da ſie denn die verunreinigten Zeuge 
uͤber Bord warfen. | | 

Der Hauptmann Davis erhielt ferner für den Snelgrave, daß ſolcher an Bord der 
beyden Freunde ſchlafen moͤchte, welches ſie genommen, und zu ihrem Vorrathsſchiffe ge— 
braucht hatten, und daß er nach Gefallen in des Hauptmanns Glynns Haus ans Land 
gehen moͤchte, mit dem Bedinge, wenn ſie nach ihm ſchickten, wieder zu kommen. Er 
brachte alſo die Brigantine an die Seite der Priſe, und ſo, wie ihnen Waaren, Ballen und 
Faͤſſer in die Hände kamen, warfen fie ſolche hinüber, wobey dann und wann einige verlohren 
giengen; denn wenn die andern ſie nicht ſobald auffangen konnten: ſo ließen jene ſie uͤber 


1719 


Snelgrave. 
m 


Bekoͤmmt 
ein Schiff 
und Waaven. 


Bord fallen. Eben das thaten fie mit einer Menge irlaͤndiſchen Rindfleiſch, den Tag 


darauf, da Snelgrave genommen worden; denn fie verſchmaͤheten ſolches, weil fie in den 
andern Priſen fo viel Engliſches hatten. Als Snelgrave bath, fie möchten ihm ſolches 
für feine Leute laſſen: fo antwortete Cocklyn, es wären in der Prife für ihn und für fein 
Volk auf ſechs Monate Pferdeknochen. 


Der VII Abſchnitt. 
Fortſetzung der Seeraͤuberbegebenheiten. 


Gefahr aus falſchen Nachrichten. Tapferkeit zwee⸗ raͤth in Brand. Iſt in Gefahr, in die Luft zu flie⸗ 
ner Hauptleute. Tod des Quartiermeiſters. gen. Das Feuer wird noch gluͤcklich gedämpft. Ein 
Die Seeraͤuber werden wankend. Ihre Haupt⸗ guͤtiger Seeraͤuber. Ein boshafter. Davis 
leute werden Stutzer. Ihr Putz wird ihnen wird von den Portugieſen verraͤtheriſcher Weiſe 
ausgezogen. Viele Schiffe werden genommen. ermordet. Noberts folget ihm. Der Verfak 
Grauſames Verfahren. Große Gefahr. Snel⸗ fer ſegelt nach England. Langer zu Briſtol 
grave wird in Freyheit geſetzt. Das Schiff ge⸗ an. 1 — 


If eben dem Tage kamen die Gefangenen durch einige Schwarzen in große Gefahr. 
Dieſe bekannten, daß einer von dem Seeraͤubervolke von zweenen Hauptleuten, Ben⸗ 
net und Thompſon, ermordet worden, die vormals vor ihrem Grimme in die Wälder ge: 
flohen waren, mit dem Zuſatze, wie dieſe beyden, Lebensmittel zu holen, in Herrn Jones 
Haus, der ein groß Stuͤcke Weges den Fluß hinauf wohnet, gekommen wären: fo hätten 
fie daſelbſt denjenigen, den fie ermordet, angetroffen. Darauf beſchloſſen die Seeräuber, 
ſolches an den Gefangenen, auch mit an dem Verfaſſer, zu rächen. Dieſer aber beſaͤnftigte 
ihre Wuth durch Vorſtellung, wie ungewiß dieſe Nachricht, und wie ungerecht fo ein Ver⸗ 

Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Eee e fahren 


Gefahr, aus 
falſchen 
Nachrichten. 


1719 


586 ‚Reifen nach Guinea ind Benin, 


fahren waͤre. Der vorgegebene Todte kam endlich an Bord, und meldete, er hätte wirk⸗ 


Dnelgrave. lich dieſe Hauptleute beym Jones angetroffen, die ihm aber nur gedrohet hätten ). 


Tapferkeit 
zweyer 
Hauptleute. 


Tod des 
Quartier: 
meiſters. 


Von dem Ungluͤcke dieſer beyden Hauptleute hatte Snelgrave folgende Nachricht aus 
ihrem eigenen Munde. Johann Bennet ſollte von Antigua nach Guinea gehen, und 
ward vom Davis an den Tylanden des grünen Vorgebirges genommen, der ihn pluͤnderte, 
und ihm darauf das Schiff wieder zuſtellte, mit dem er den Fluß Sierra Leona hinaufgieng, 
wo der andere vor ihm eingelaufen war. Bey Cocklyns Ankunft führten fie ihre Schiffe 
nach dem Eylande Benſe c) hinauf, wo die africaniſche Geſellſchaft einen Handelsplatz 
hat, von welchem Plunket Statthalter war. Sie machten hier eine Batterie, und ſetzten 
Kriegsvorrath ans Land. i 

Als le Buſe in den Fluß lief, griff er fie an, und fie vertheidigten ſich tapfer. Bald 
darauf aber kam ihm Cocklyn zu Huͤlfe, da denn ihre Leute anfingen, verzagt zu werden, 
daß die beyden wackern Hauptleute mit Plunket und verſchiedenen Officieren, ihr Leben zu 
retten, in die Waͤlder fliehen mußten, wo ſie ſich einige Wochen lang mit Reiß und Auſtern, 
welche ſie bey Nacht vom Flußufer nahmen, erhielten. Ihre Schiffe wurden verbrannt, 
und le Buſe nahm fuͤr ſich das Schiff eines, Namens Lambe, welches den Fluß 
weiter hinauf lag. 5 ’ | 

Um wieder auf den Verfaſſer zu kommen, ſo brachte ſolcher vier Tage mit Bergung 
feiner Güter zu. Er ſchlief am Borde des Vorrathsſchiffes der Seeraͤuber, welches El⸗ 
liot fuͤhrte, der, weil er bey dem oberſten Seeraͤuber wohl ſtund, den Gemeinen hart be- 
gegnete, fie öfters pruͤgelte, und ihnen ins Geſicht ſagte, er wollte fie noch einen Tag 
haͤngen ſehen. 4 2 

Der Quartiermeiſter bekam um dieſe Zeit ein Fieber, und ließ Snelgraven um Ver⸗ 
zeihung bitten, daß er ihn erſchießen wollen. Er ſagte, er wäre der größte Boſewicht ges 
weſen, und jetzo quälte ihn fein Gewiſſen, daß er feinen Lohn im hoͤlliſchen Feuer empfangen 
würde. Als ihn Inelgrave zur Reue vermahnte, fo antwortete er: o mein Herr, mein 
Herz iſt verhaͤrtet; verſprach aber gleichwohl, es zu verſuchen. Weil er in dieſen guten 
Gedanken war, ſo befahl er ſeinem Jungen, er ſollte Snelgraven, was er wollte, aus ſei⸗ 
ner Kiſte von Nothwendigkeiten nehmen laſſen, wodurch ſich dieſer mit Hemden, Struͤm— 
pfen und dergleichen verſah. 


Der Quartiermeiſter ſtarb dieſe Nacht in ſchrecklicher Angſt, und fluchte feinem Schoͤ— 
pfer auf eine ſo entſetzliche Art, daß einige, die erſt neu beygetreten waren, geruͤhrt wurden, 
und Snelgraven um Rath fragten, wie ſie wegkommen moͤchten. Er wagte es nicht, ſich 
darein zu mengen, vermahnte ſie aber, die, welche ſie gefangen nehmen wuͤrden, nicht zu 
ermorden, oder andere Grauſamkeiten gegen fie auszuüben, welches ihnen ein großer Vor— 


theil ſeyn wuͤrde, wo fie einmal um des Königs Gnade flehten. 


Er hatte Seiner Majeſtaͤt Ausſchreiben wegen aller Seeraͤuber, die ſich vor dem iſten 
des Heumonats im Jahre 1719 in einem von den britannifchen Pflanzörtern ergeben wuͤr— 
den, am Borde. Dieſes, und die Kriegserklaͤrung gegen Spanien? fiel in die Haͤnde der 
Seeraͤuber; und weil ſie nicht leſen konnten, ſo verlangten ſie, er ſollte es ihnen leſen. Weil 

denen, 
6) Snelgrave 4. d. 238 u. f. ©. c) In der Grundſchrift: Brents Eyland. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VI Buch VII Cap. 587 


denen, welche Seeraͤuber wegnehmen oder hinrichten würden, Belohnungen verſprochen 1719 
wurden: ſo machte ſie ſolches ergrimmt; aber auf Vorleſung der Kriegserklaͤrung gegen Snelgrave. 
Spanien ſagten einige, ſie wollten, daß ſie ſolches vor ihrem Abgange aus Weſtindien ge⸗ Die Seren 
wußt hätten. Darauf gab ihnen Snelgrave zu erkennen: es wäre noch jetzo Zeit genug, der werden 
weil fie noch drey Monate bis zum Ablaufe der im Ausſchreiben geſetzten Zeit übrig haͤtten. wankend ge⸗ 
Sie koͤnnten als Freybeuter von den ſpaniſchen Schiffen reich werden. Bey verſchiedenen macht. 
fand ſolches Beyfall; aber einige alte Buckanier, die fih Mordthaten und dergleichen ſchuldig 

gemacht hatten, giengen mit dem Ausſchreiben veraͤchtlich um, und zerriſſen es H. 


Unter andern, welche den Verfaſſer um Rath fragten, wie ſie wegkommen moͤchten, 
war auch einer, Ambroſius Curtis genannt, der wegen ſeiner ſchlechten Geſundheit ordent⸗ 
lich auf dem Verdecke in einem ſeidenen Schlafrocke herumgieng. Er kannte Inelgra⸗ 
ven, ob dieſer ſich wohl nicht auf ihn beſinnen konnte, und ſagte zu ihm: ich war vor eil Jah— 
ren mit eurem Vater zur See, der mich als einen unglücklichen Jungen hart hielt. Wie 
er in Virginien ſtarb, ſo brachtet ihr das Schiff nach Hauſe, und gienget mit mir auf der 
Reiſe guͤtig um. Er verſprach, wenn des Verfaſſers Sachen am Maſte verkauft wuͤrden, 
einiges für ihn zu kaufen, und hielt fein Wort. Er ſtarb, ehe fie Sierra Leona 
verließen. 1 
Der Verfaſſer hatte unter feinen eigenen Sachen drey bordirte Kleider. Die drey Die Haupt⸗ 
Seeraͤuberhauptleute kamen an Bord der Priſe, befahlen ſie herauszunehmen, und zogen leute werden 
ſolche ſogleich an. Das längfte fiel auf Cocklyns Theil, dem es, als einem fehr kleinen ER 
Manne, bis an die Ferſen gieng. Er wollte es mit den andern vertauſchen; ſie ſchlugen 
es aber ab, und ſagten zu ihm: weil fie aufs Land zu dem ſchwarzen Frauenzimmer gien- 
gen, die der Weißen Moden nicht wuͤßten, ſo haͤtte es nichts zu bedeuten. Noch mehr, ſie 
bildeten fich ein, er wuͤrde bey ihren Liebſten den Vorzug haben, weil fein Kleid von Schar— 
lach, und mit Silber bordirt waͤre, da die ihrigen nicht ſo viel Staat machten. Als dieſes 
ihn beruhigte, giengen ſie zuſammen ans Land. 
Die Seeraͤuber leiden in ihren Schiffen, wenn ſie im Hafen liegen, kein Weibsbild; 
und wenn fie eins auf einem Schiffe mitbekommen, fo thut ihr niemand Gewalt. Daruͤ—⸗ 
ber halten ſie, um Unordnung zu vermeiden, ſehr genau. Daher giengen dieſe ans Land 
zu den Negerweibsbildern, die ſie ihrer Geſchenke wegen liebten. Ja einige Weißen liehen 
ihnen ihre ſchwarzen Weiber ohne Bedenken. 


Weil aber dieſe Kleider ohne des Quartiermeiſters Erlaubniß genommen worden: ſo Ihr Putz 
war das Volk ſehr uͤbel damit zufrieden. Sie ſagten, wenn ſie ſo was litten, ſo wuͤrden wird ihnen 
die Hauptleute alles, was fie wollten, für ſich nehmen. Kurz, es wurden ihnen, als fie den Lenommen. 
andern Morgen wiederkamen, ihre Kleider ausgezogen, und in die gemeine Kiſte gethan, 
am Mafte verkauft zu werden; und weil erzähle wurde, daß Snelgrave ihnen zugeredet 
haͤtte, ſie anzulegen: ſo zog es ihm beſonders des Quartiermeiſters von le Buſes Schiffe, 
Williams, Unwillen zu. 

Als dieſer Mann ſah, daß der Verfaſſer im Boote des Vorrathsſchiffes an Bord eines 


franzoͤſiſchen Schiffes gieng, das unlängft genommen worden war, und wo er ſich damals 
Eee e 2 befand; 


4) Snelgrave auf der 245 und folgenden Seite. 


588 | Reifen nach Guinea und Benin, | 
1719 befand: fo ſchwur er, wenn er dahin Fame, er wollte ihn wegen des Rathes, den er den 
Snelgrave. Hauptleuten gegeben, in Stuͤcken zerhauen. Elliot aber, welcher ſich im Boote befand, 
ſagte zu Snelgraven heimlich, er ſollte ſich nicht fuͤrchten, denn das ſey ſeine ordentliche 
Airt zu reden; und er ſollte ihn nur, fo bald fie an Bord kaͤmen, Herr Hauptmann heißen. 
Er war Fuͤhrer einer Seeraͤuberſchaluppe geweſen, welcher mit einer Brigantine vor zweyen 
Jahren den Hauptmann Lorenz Prince, in der Galeere Whidaw, unweit Jamaica 
genommen hatte. Weil ihm ſein jetziger Poſten eines Quartiermeiſters nicht gefiel: ſo ließ 
er ſich gern Hauptmann heißen. Bey dem Eintritte in das Schiff ſagte der Verfaſſer zu 
ihm: Herr Hauptmann Williams, ich bitte euch, hoͤret mich wegen der Sache, daruͤber 
ihr fo erzuͤrnet feyd. Darauf gab ihm Williams einen geringen Schlag auf die Schul⸗ 
ter mit der Flaͤche ſeines Hirſchfaͤngers, und ſagte, er waͤre nicht Willens, ihm Schaden zu 
thun. Als der Verfaſſer ihm den wirklichen Verlauf der Sache erzaͤhlte, ſo gab er ihm 

einen Becher mit Weine, und war hernach beſtaͤndig ſein Freund. 


Viele Schiffe Das franzoͤſiſche Schiff gerieth ihnen folgender Geſtalt in die Hände. Aus Mangel 
werden ges einer richtigen Wahrnehmung ward es nach Sierra Leona getrieben, wo es eine große 
nommen. Menge Schiffe ſah, und ohne Furcht auf ſolche zuſegelte. Der Verfaſſer, welcher ſich da— 
mals auf Cocklyns altem Schiffe befand, ſah die Furcht und Verwirrung unter ihnen, und 
ſein Bootsmann, welcher ſich zu den Seeraͤubern gemacht hatte, ſagte, er urtheilte aus des 
Schiffes Verwegenheit, es muͤßte das Kriegsſchiff Launceſton von vierzig Stuͤcken ſeyn, 
das Snelgrave in Holland gelaffen hatte, und das ihm nach der Kuͤſte von Guinea 

folgen ſollen. 


Der Verfaſſer wuͤnſchte, es möchte dieſes, oder nur eines von zwanzig Stücken ſeyn; denn 
dergleichen wuͤrde ſie, weil er ſich unter ihnen befand, leicht niedergerichtet haben, weil die 
neuen Leute kein Herz hatten, und alle betrunken waren. In dieſem Falle wuͤrden ein Hun— 
dert Schiffe ihrem Ungluͤcke entgangen ſeyn, die ihnen nachgehends, als ſie die Kuͤſte von 
Guinea hinunter giengen, in die Haͤnde fielen. Wie denn auch der Schade unterblieben 
waͤre, den einige von dieſer Rotte eine gute Zeit darnach in Oſtindien thaten; imgleichen 
das Verderben, das Roberts, welcher ſich aus Davis Aſche erhob, zum zweytenmale auf 
dieſer Kuͤſte anſtiftete, bis er durch den Herrn Chaloner Ogle, im Kriegsſchiffe, die 
Schwalbe genannt, glücklich beſiegt wurde. Die Urſache aber, warum man nicht fo vie 
lem Ungluͤcke bey Zeiten vorgebauet, ſaget der Verfaſſer, gehoͤret nicht hieher e). | 


Als Snelgrave an Bord des Vorrathsſchiffes gehen wollte: fo wurde ihm folches 
leicht gewaͤhrt; auch ſagten verſchiedene ſeiner Leute, die ſich mit den Seeraͤubern eingelaſſen 
hatten, ſie wollten mit ihm gehen; denn ſie haͤtten nie ſehen ein Stuͤck im Ernſte losbren— 
nen. Als Cocklyn dieſes hörte, prügelte er fie tapfer, und ſagte, fie follten ſchon lernen 
Pulver riechen. | 


Grauſames Der Franzoſe that keinen Widerſtand. Weil er aber nicht auf ihr erſtes Feuer die 
Verfahren. Segel geſtrichen hatte: fo thaten fie ihm einen Strick um den Hals, und zogen ihn verſchie⸗ 
denemale an der Segelſtange des großen Maſtes hinauf und herunter, bis er faſt todt war. 

Le Buſe, welcher den Augenblick ankam, rettete ihm zum Gluͤcke das Leben. Derſelbe 

| nahm 

e) Snelgrave auf der 253 und folgenden Seite. | 


von Sierra Leona bis Lope Gonfaloo, VII Buch VII Cap. 389 


nahm dieſes grauſame Verfahren gegen feine Landsleute hoͤchſt übel auf, und verſicherte, er 1719 
wollte bey ſolchen Barbarn nicht laͤnger bleiben. Sie uͤberließen alſo, ihn zu beſaͤnftigen, Snelgrave. 
den Franzoſen mit dem Schiffe ſeiner Vorſorge, und nachdem die Ladung verwuͤſtet war, 
kappten ſie des Schiffes Maſte, und ließen es aufs Ufer laufen; denn es war ſehr alt, und 
fuͤr ſie ganz untauglich. | 
Nach dieſem war der Verfaſſer beſchaͤfftigt, die ihm aus der Prife gegebenen Güter aus 
der Brigantine ans Land in Herrn Glynns Haus zu ſchaffen, der ſo ſtark arbeiten half, als 
er ſelber. Denn feine eigenen Leute, die ſich nicht zu den Seeraͤubern begeben hatten, muß— 
ten ihnen gleichwohl die Priſe zu ihrem Gebrauche einrichten helfen, und die Landeseinwoh— 
ner, die dem Glynn in feinem Haufe dienten, waren durch die vielen Waaren, welche ih— 
nen die Seeraͤuber gegeben, ſo ſtolz geworden, daß ſie nichts thaten, als wozu ſie Luſt hatten. 
Dem ungeachtet ſchafften ſie die Guͤter endlich alle ins Haus. 


Den 20ſten April war die Priſe, welche des Verfaſſers Schiff geweſen, völlig ausge⸗ 
ruͤſtet, und wurde ihr den Tag darauf der Name beygelegt. Man lud ihn zu der Ceremo⸗ 
nie ein. Als fie in die große Kajuͤte kamen, wurden ihnen Becher mit Punch in die Haͤn⸗ 
de gegeben. Der Hauptmann Cocklyn ſagte laut: Gott ſegne die Wyndhamgaleere! 
worauf ſie tranken, die Glaͤſer zerbrachen, und die Stuͤcke losbrannten. 


Weil das Schiff nach Galeerenart gebauet war: fo gieng die Thuͤre zur Pulverkammer Große Ges 
in die große Kajüte, und war gleich offen. Eines von den letzten Stuͤcken ſpang am Zuͤnd- fahr. 
loche, ſetzte einige Patronen in Brand, welche zum kleinen Gewehre da lagen, und das Feuer 
davon flog weit herum, und verurſachte nicht wenig Unordnung. Nachdem es vorbey war: 
ſo bemerkte Davis erſt, in was fuͤr Gefahr ſie wegen der offenen Thuͤre geweſen, da in der 
Kammer darunter uͤber zwanzigtauſend Pfund Pulver lagen. Cocklyn verſetzte: er wollte, 
es hätte Feuer gefangen; denn es wäre doch ein vortreff licher Schlag geweſen, 
damit zur Soͤlle zu fahren. 


Nach dieſem wurde verordnet, daß drey Priſen ſollten verbrannt werden. Als aber 
Snelgrave deswegen ſich an Davis wandte, fo wurden fie alle gelaffen, und fie machten nur 
ein Freudenfeuer aus der alten aufgehenden Sonne. Der Hauptmann Davis erhielt 
auch die Freyheit fuͤr den Verfaſſer, und gieng hierauf wieder in ſeines guten Freundes 
Glynns Haus. | 1 
Zweene Tage hernach ward nach ihm geſchickt, und er gieng zum Hauptmanne El- Snelgrave 
liot, der ihm, als er an Bord kam, insgeheim vorſtellte, weil ihn die Seeraͤuber wider ſei⸗ wird beſreyt. 
nen Willen genoͤthigt haͤtten, eine große Menge von andern Leuten zuſtaͤndigen Waaren in 
ſein Schiff zu nehmen, derentwegen er einmal koͤnnte zur Rechenſchaft gefordert werden: 
ſo erſuchte er Snelgraven, ihm dieſerwegen ein ſchriftliches Zeugniß auszuſtellen, worein 
der Verfaſſer leicht willigte. Elliot war ein ſehr ehrlicher Mann; denn als ihn die See- 
raͤuber noͤthigten, mit ihrem Vorrathsſchiffe weit aus dem Fluſſe zu laufen, fo ergriff er die 
erſte Gelegenheit, ſich von ihnen zu trennen, indem noch dieſe Nacht ein Tornado entſtund. 
Es gelang ihm, und er that eine gute Reiſe fuͤr ſeine Eigenthuͤmer mit Sklaven nach Bar⸗ 
bados, wo er krank ward, und ſtarb. 


Eee e 3 Weil 


590 | Reifen nach Guinea und Benin, 8 


Weil er hier war, ſo kamen drey Seeraͤuberhauptleute, und nahmen ihn mit zu einem 
Abendeſſen zum Hauptmanne Davis. Als ſolches angegangen war, ward Muſik gemacht. 
Dabey befand ſich ein Trompeter, den man aus einer von den Priſen, ſich zu ihnen zu bege⸗ 
Das Schiff ben, gezwungen hatte. Aber etwa mitten unter dem Effen entſtund ein Feuergeſchrey, und 
1 0 es kam fogleich einer, mit Vermelden, der Weg zu den Thuͤren im Schiffsboden ftünde ganz 

— in Flammen. Sie waren, das Schiffsvolk ausgenommen, meiſt trunken. Es befanden 
ſich wenigſtens funfzig Gefangene auf dem Schiffe; und weil viele Boote laͤngſt der Seite 
des Schiffes ſtunden, fo ſprangen verſchiedene hinein, und machten ſich davon. Als Snel- 
grave darauf dem Hauptmanne Davis vorſtellte, daß ihnen bey dieſer Gefahr ſelbſt kein 
Boot übrig bliebe: fo brachte er fie mit einem Stuͤckſchuſſe zuruͤck F). 


Gefahr in die Hierauf rief der Untercanonier Golding, um Waſſer und Bedeckungen auf die Pulver⸗ 

Luft zu flie⸗ kammer. Beydes wurde aufs eilfertigſte herbeygeſchafft, und das Schiff alſo gerettet. Hätte 

gen, die Pulverkammer Feuer gefangen: ſo waͤre alles in die Luft geflogen, da ſich auf dreyßig 
tauſend Pfund Pulver am Borde befanden, die als eine Waare, welche die Negern ſehr ſu— 
chen, aus verſchiedenen Priſen genommen waren. Das Feuer gieng indeß immer noch fort; 
und als die Boote in der Verwirrung wieder entwiſcht waren, ließ der Verfaſſer eines von 
den Gelaͤndern des Oberbodens an einem Stricke hinunter, in Willens ſich damit zu retten, 
wo er genöthige wäre, das Schiff zu verlaſſen. Weil er fo in Gedanken ſtund, fo hörte er 
einen ſtarken Schlag am Hauptverdecke, mit einem Huzza, daß ſolches ein trefflicher Knall 
wäre, mit zur Hölle zu fahren: aber verſchiedene von den neuangehenden Seeraͤubern 
entſetzten ſich, und verdammten ihre Thorheit, daß fie ſich unter ſolche Boͤſewichter ges 
macht haͤtten. 0 

wird ge⸗ Auf dieſen Laͤrmen kletterten etwa funfzig Leute auf die Boegſpriet, und Sprietſegelſtange, 

daͤmpft. in Erwartung wenn das Schiff zerſtaͤuben wuͤrde. Aber der Steuermann Taylor, ein be⸗ 
herzter und geſchwinder Mann (der nachgehends ein engliſches oſtindiſches Schiff, die Caſ— 
ſandra, commandirte, und es nach Neuſpanien fuͤhrte, wo er und ſein Volk ſich trennten, 
kam mit noch funfzehn, die alle Muͤhe angewandt hatten, das Feuer zu loͤſchen, um zehn 
Uhr aufs Verdeck, und meldete, daß die Gefahr voruͤber waͤre, da man es am wenigſten 
erwartete. Sie waren aber jaͤmmerlich verbrannt, und der Wundarzt verband fie. Das 
Feuer war durch die Nachlaͤßigkeit eines Negern entſtanden, der ſein Licht zu nahe an das 
Spundloch eines Faſſes Rum gehalten hatte, weil er daraus zapfte, daß ein Funke hinein— 
gefallen war, und gleich zuͤndete. Davon brannte ein ander Faß an, und aus beyden ſpran— 
gen die Boden, mit einem Knalle, wie von einer kleinen Canone. Aber zwanzig andere 
Faͤſſer mit Rum, wie auch ſoviel Faͤſſer mit Pech und Theere blieben unverletzt. 


Noch vor Morgen, als Golding vom Verfaſſer, wegen deſſen Bezeugen bey dem Feuer 
vortheilhaft geſprochen hatte, verlangten verſchiedene von dem Volke, er ſollte an Bord der 
Wyndham⸗Galeere kommen, wo fie ihm beym Verkaufe feiner Sachen am Maſte, Gefäl- 
ligkeit erzeigen wollten. Eben das that Hauptmann Davis, der, weil er verſichert war, 
daß ſeine Uhr gut waͤre, ſagte, er wollte ſie fuͤr ſich kaufen, ſie moͤchte kommen was ſie 
wollte. Weil ſie ſo ſchwatzten, ſchlug ein halbtrunkner Bootsmann vor, der Verfaſſer 
ſollte 


1710 
Snelgrave. 
Lou 


F) Snelgrave a. d. 261 u. f. S. 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. For 


ſollte mit ihnen als Pilote die Kuͤſte von Guinea hinunter gehen, Davis aber meldete ihm, 1719 
fie brauchten keinen; und wie jener ungeſtuͤm ward, prügelte er ihn vom Oberboden hin-Snelgrade. 
unter. Bald darauf gieng Snelgrave ans Land nach Glynns Hauſe. Nee 


Zweene Tage hernach, ward von ihnen ein klein Fahrzeug genommen, das in den Fluß Ein guͤtiger 
einlief. Es hieß: die geſchwinde Abfertigung, unter dem Hauptmanne Wilſon, und Seeraͤuber. 
gehörte der africaniſchen Geſellſchaft. Snelgravens Hochbootsmann Jones erzaͤhlte ih⸗ 
nen, er haͤtte einmal ein Schiff gefuͤhrt, welches von der africaniſchen Geſellſchaft gemie⸗ 
thet und befrachtet worden. Weil fie mit ihm ſehr ungerecht verfahren: fo verlangte er, 
dieſes Schiff ihm zur Rache zu verbrennen. Wie dieſes ſo beliebt ward, ſtund Johann 
Stubbs, ein munterer witziger Menſch, auf, und ſagte: Ich bitte euch, ihr Herren, hal⸗ 
tet inne, ich will euch beweiſen, wenn dieſes Schiff verbrannt wird, daß ihr da⸗ 
mit der Geſellſchaft einen großen Dienſt thut. Als ſie nun alle aufmerkſam wur⸗ 
den, fo fuhr er fort: Das Schiff iſt zwey Jahre auf der Reife, alt, vermadert, und 
faſt von den Wuͤrmern zerfreſſen; die Waaren ſind nicht viel werth, und die La⸗ 
dung beſteht nur in etwas rothem Holze, und Malaghetta⸗Pfeffer; alſd wird die 
Geſellſchaft durchs Verbrennen nicht viel verlieren, und der Leute ihren Sold, 
der dreymal ſoviel beträgt, erſparen. Auf die Art ward es verſchont, und dem Haupt⸗ 
manne Wilſon übergeben, der nachgehends gluͤcklich darinnen nach England kam 3). 


Dien ⁊20ſten April wurden des Verfaſſers Sachen, am Borde der Wyndham⸗-Galeere, un⸗ 

ter dem Hauptmanne Cocklyn verkauft. Er gieng ſelbſt dahin, und verſchiedene Seeraͤuber kauf⸗ 

ten Sachen, die feine geweſen waren, und gaben ihm ſolche; von andern bath ſich ſelbige Grif— 

fin aus. Zweene Weiße, in deren Canoe er hingieng, kauften auch verſchiedene große Buͤn⸗ 

del von Guͤtern und Kleidern, für ſich. Alles dieß machte zuſammen einen großen Haufen Ein Bose 
aus, welches die Seeraͤuber bewog, zu fagen, Snelgrave wäre unerſaͤttlich, und es würde hafter. 
wohl gethan ſeyn, alles uͤber Bord zu werfen. | | 


Als ſolches Griff in hörte, fo rieth er ihm, ſogleich ans Land zu gehen, und es war gut, 
daß er dieß that. Denn bald darauf ward ſeine Uhr feil gebothen, und bis auf hundert 
Pfund, dem Davis zu Poſſen, hinaufgetrieben; wie indeß dieſer das Geld dafür nieder— 
legte, ſagte einer von den Seeraͤubern aus Verdruſſe daruͤber, er hielte das Gehaͤuſe nicht 
für gut Gold, und ſtrich es auf dem Probierſteine. Weil der Strich, wegen des großen 
Zuſatzes, den man darunter thut, die Materie härter zu machen, kuͤpfericht ausſah: ſo nahm 
dieſer Boͤſewicht daher Gelegenheit, auf den Verfaſſer zu ſchimpfen, und ſagte, er wäre ein 
größerer Schelm, als fie, welche öffentlich Seeraͤuberey trieben, weil er fo liſtig wäre, eine 
Uhr von ſchlechtem Golde, für eine von gutem herzugeben. 


Dieſes brachte verſchiedene, die den Verfaſſer nicht beſſer kannten, wider ihn auf. Da⸗ 
vis zwar lachete daruͤber, aber unterſchiedliche ſchworen, wenn er am Borde waͤre, ſo muͤßte 
er gewippt werden. Griffin benachrichtige ihn davon, und rieth ihm, ſich bald in die 
Wälder zu machen; denn fie würden naͤchſtens aus dem Fluſſe ſegelnn. Er wollte dieſem 
Rathe gleich folgen, als er benachrichtiget wurde, daß die drey Seeraͤuberſchiffe 25 ihrem 

egleiter 
g) Snelgrave a. d. 268 u. f. S. 0 


394 Reeiſen nach Guinea und Benin, 5 


1719 Begleiter wirklich unter Segel wären. Sein Wundarzt Jacob Bleau (der war be 
Snelgrave. freyet worden, weil der Wundarzt des franzoͤſiſchen Schiffes zu ihnen getreten), berichtete 


Davis 


wird meuchel- Als ſich Hauptmann Davis einsmals bey dem Statthalter am Lande befand: ſo mel⸗ 
moͤrderiſcher dete er ſelbigem, weil er in dreyen Tagen vom Eylande abſegeln wollte, ſo wuͤrde er den Tag 
Weiſe hinge zuvor kommen, und von ihm Abſchied nehmen. Er ſtellte ſich auch wirklich mit feinem | 


richtet. 


ihm dieſes, und machte allen zu Lande damit ſehr viel Vergnuͤgen; denn Snelgrave war 
einen Monat, und andere noch laͤnger in ihren Haͤnden geweſen. 


Der Verfaſſer meldet uns nun, wie es ſeinen beyden Freunden, dem Griff in und Da⸗ 
vis, ergangen. | 


Der erfte entfloh den Seeräubern in einem Boote, das er vom Hintertheile des Schiffs, 
in dem er ſich befand, auf dem Wege von der Rheede von Animabo nach der Kuͤſte von 
Guinea wegnahm. Er ward unvermißt bey der Nacht ans Land getrieben, und gieng von dar 
nach Cape Coaſt⸗Caſtelle, welches der africaniſchen Geſellſchaft gehoͤrte, und ſegelte von 
dieſem Platze als ein Reiſender in einem engliſchen Schiffe nach Barbados, wo ihn ein 
heftiges Fieber hinrichtete. ’ 


Davis entdeckte wenig Tage, nachdem er von Sierra Leona abgegangen, eine Ber: 
ſchwoͤrung ihm das Commando zu rauben, die fein Quartiermeiſter Taylor angeſtiftet 
hatte, und baute ſolcher bey Zeiten vor. Wie er aber mit einigen andern zum Cocklyn 
auf die Wyndham⸗Galeere gieng: fo fand er, daß dieſer den Taylor aufgehetzt hatte, und 
trennte ſich deswegen von ihm. Wenig Tage darauf nahm er den Hauptmann Plumb, 
in der Prinzeßinn von London, deſſen Unterbootsmann Roberts ſich zu ihm begab, und 
nachgehends durch Seeraͤuberey fehr berühmt ward. Das Volk aber gab das Schiff dem 
Plumb wieder, nachdem fie ſolches geplündert hatten. 


Hierauf gieng Davis nach dem Prinzeneylande in der Bay von Guinea, welche den 
Portugieſen gehört. Sie gaben ſich hier für ein koͤniglich Schiff aus, entdeckten ſich aber 
gar bald durch ihre verſchwenderiſche Vertauſchung von Waaren gegen friſche Lebensmit⸗ 
tel, obwohl der Statthalter wegen des großen Vortheils durch die Finger fah. Endlich 
aber ſtellten ihm einige vor, wenn der Koͤnig von Portugal ſolches erfuͤhre: ſo wuͤrde es 
ſein Verderben ſeyn; daher er ſuchte, wie er den Davis und ſein Volk heimlich hinrichten 
möchte, damit er fein Verbrechen, daß er ihnen als Seeraͤubern freye Handlung verſtattet 
hatte, bemaͤnteln moͤchte. N 


erſten Wundarzte, Trompeter, und einigen andern außer dem Bootsvolke, ein. Als ſie in 
des Statthalters Haus kamen, und niemanden antraffen, der ſie empfing: ſo giengen ſie in 
eine lange Gallerie, welche auf die Gaſſe hinausgieng. Der Haushofmeiſter kam hier zu 
ihnen, und ſagte, fein Herr waͤre auf feinem Landhauſe, fie hätten aber einen Bothen nach 
ihm geſchickt, und er wuͤrde unſtreitig bald in der Stadt ſeyn. Wie indeß der Wundarzt 
bemerkte, daß ſich verſchiedene bewaffnete Leute in der Gaſſe verſammleten: ſo rieth er dem Da⸗ 
vis, nicht zu warten; und als ſie hinausgiengen, rief der Haushofmeiſter den Leuten zu, auf 
fie zu feuern. Der Wundarzt und noch zweene blieben fogleich auf dem Platze. Der Trom⸗ 
peter, der in den Arm verwundet worden, ſah zweene Capuciner und floh zu ihnen. Diefi 

ö 9 Capu⸗ 


von Sierra Leona bis Lope Gonſalvo. VII Buch VII Cap. 593 


Capuciner gaben dem Verfaſſer die Nachricht auf dem Eylande 5). Einer von ſelbigen 1719 
nahm ihn in die Aerme, ihn zu retten: aber die Portugieſen ſchoſſen ihm dem ungeachtet Snelgrave. 

todt. Hauptmann Davis hatte vier Kugeln in verſchiedenen Theilen des Leibes, lief aber 

immer noch nach dem Boote. Weil man ihn aber ſcharf verfolgte: ſo fiel er vom fuͤnften 

Schuſſe, und die Portugieſen, die uͤber ſeine Staͤrke erſtaunten, ſchnitten ihm die Kehle 

ab, ihn ſicher zu haben. ' 

Als das Bootsvolk den Laͤrmen ſah, ruderten fie nach dem Schiffe, wo die Seeraͤuber Roberts 
voll Raſen, den Roberts zum Fuͤhrer waͤhlten, und ſich an den Portugieſen zu raͤchen folgt ihm 
ſchwuren. Weil das Waſſer nicht tief war, ſo konnten ſie ihr Schiff nicht nahe genug an nach. 
die Stadt bringen; daher pflanzten ſie verſchiedene Canonen auf eine Floͤße, und brannten 
ſolche gegen die Stadt los. Weil aber die Einwohner aus den Haͤuſern gegangen, und dieſe 
meiſt vom Holze waren, that es nicht viel Schaden. Sie unterſtunden ſich auch nicht, den 
Platz in Brand zu ſtecken, weil ſie viel Leute mit kleinem Gewehre in den Gebuͤſchen ſahen. 

Darauf kehrten ſie an Bord zuruͤck, und verließen den Tag darauf den Hafen. 


Auf dieſe Art ſtarb Hauptmann Davis, der, wie der Verfaſſer ſaget, in Betrachtung 
der ungluͤcklichen Lebensart, in die er gerathen, ein edelmuͤthiger und menſchenliebender 
Mann war. Boberts erhub ſich alſo, der gerade das Gegentheil von ihm vorſtellte, 
und in Weſtindien und auf der Kuͤſte von Guinea viel Schaden that, bis er mit verfchie- 
denen feines Volks im Gefechte mit Herrn Chaloner Ogle umkam, wie die Geſchichte der 
Seeraͤuber meldet 1). 8 | 


Als die Seeräuber von Sierra Leona gegangen waren, kamen Bennet, Thomp— 
ſon, und verſchiedene anders aus den Waͤldern zum Hauptmanne Glynns, wo ſie alle ſich 
berathſchlagten, das briſtoliſche Schiff, welches die Seeräuber auf Snelgravens Zure⸗ 
den verſchont hatten, zur Ruͤckkehr nach England zuzuruͤſten. Es befand ſich Hauptmann 
David Creichton, von der Eliſabeth von London, mit einer Ladung Faͤrbeholz bey ihnen. 
Sie hatten ihn geplündert, das Schiff aber auf Griff ins Zureden, der mit des Haupt: 
manns Bruder Hochbootsmann geweſen war, verſchont. Creichton nahm ſoviel Leute, 
als er konnte, und ſegelte wenig Tage darauf nach London, daher fie mit ihm ihren Eigen: 
thuͤmern Nachricht meldeten. 


Das Schiff von Briſtol ward durch einen Johann Morris, einen rechtſchaffenen Segelt nac 
Mann, gefuͤhrt. Weil er aber ſah, daß ſie an Lebensmitteln großen Abgang leiden wuͤr- England. 
den: ſo ſchickte der Hauptmann Glynn eine kleine Schaluppe, welche ihm zugehoͤrte, nach 
Scherbero, wo die Seeraͤuber nicht geweſen waren, etwas Lebensmittel zu hohlen. Das 
durch, und durch einige Faͤſſer Rindfleiſch, welche ein Hauptmann Nisbet in feines 
Schiffs Ballaſt fand, imgleichen durch eine große Menge Zwieback aus dem franzoͤſiſchen 
Schiffe, wurden ſie zulaͤnglich verſorgt. 

Sie giengen endlich ans Land, die Waaren, welche die Seeraͤuber daſelbſt gelaſſen hat— 
ten, zu fordern, und die Herren Mead und Pearce lieferten ihnen alles redlich und wil— 

lig 5 


b) Sie iſt ganz anders als die in Jobnſons : ; 
Geſchichte der Seeraͤuber auf der 237 Seite. #) Sehe wie oben a d. 3 G. 


Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Ffff 


1719 


594 Reiſen nach Guinea und Benin ze. 
lig aus, was fie hatten, andere aber zeigten nur was fie bekommen, und Snelgrave ließ 


Snelgrave. ihnen ein Drittel davon wegen der Bergung. Sie ſchifften alſo alles dieß mit den an- 


Ankunft zu 
Briſtol. 


dern Gütern, die ihm die Seeraͤuber aus Morriſens Schiffe gegeben hatten, ein, und be— 
gaben ſich ſelbſt zu Schiffe. Es waren etwa ſechzig Reiſende, ohne ſechs Hauptleute, deren 
Schiffe von den Seeraͤubern zerftöre, oder für ſich zugeruͤſtet worden. Sie giengen den 
ꝛoten Man von Sierra Leona ab, und langten gluͤcklich den ıften Auguſt im Jahre 1719 
zu Briſtol an. 


Als der Verfaſſer landete, empfing er einen Brief vom Herrn Morris, darinnen ſel⸗ 
biger meldete, daß er das Seinige vom Hauptmanne Creichton erhalten, und ihm ein an⸗ 
der Schiff zu fuͤhren verſprach, welches er auch bald darauf hielt. Er hatte auch dem 
Kaufmanne, der den Brief brachte (Herrn Caſemaior) befohlen, ihn mit Gelde für die 
armen Bootsleute zu verſorgen, damit ſie nach den verſchiedenen Gegenden von England, 
wo fie wohnten, kommen koͤnnten ). ö Wies 


) Snelgrave a. d. 277 u. f. O. 


Ende des ſiebenten Buchs. 


31 E 
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595 


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Das VIII Buch. 


Beſchreibung von Guinea, nebſt der Erdbeſchteibung, 
der Natur⸗ und politiſchen Geſchichte. 


Das I Capitel. 
Die Malaghetta⸗, Koͤrner⸗ oder Pfefferkuͤſte. ecbeſchr 


5 der Roͤr⸗ 
Der I Abſchnitt. nerk ate. 


Suinea. Der Name. Eintheilung. Malaghetta⸗ Galinhas. Rio Maguiba. Fluß Mavah oder 
oder Koͤrnerkuͤſte. Bay St. Anna. Sombre⸗ Maffah. Das Vorgebirge Monte. Ankergrund. 
roseylande. Rio Gambra und Sherbro. Ey⸗ Boden und Fruͤchte. Einwohner. Kleidung der 
lande Tota. Sherbroeyland. Engliſch Fort. Maͤnner; der Weiber. Haͤuſer. Kocherey. Han⸗ 
Stadt Bagos. Boden und Fruͤchte. Rio de del. Waaren. Sprache. Religion. 


uinea oder Ghinney iſt eine lange Kuͤſte, welche ſich von dem Fluſſe Sanaga Gninea det 
nach dem Vorgebirge Lope Gonſalvo, und ſelbſt bis nach dem Vorgebirge Negro, Name. 
oder dem ſchwarzen Vorgebirge, erſtrecket. Die Portugieſen haben ihm dieſen 
Namen beygelegt, der bey den Landeseinwohnern unbekannt iſt, und nur von 

den Europaͤern gebraucht wird. Vermuthlich koͤmmt er von der Landſchaft 

Ghenehoa, deren Leo und Marmol erwaͤhnen, und die ihnen zuerſt auf der Suͤdſeite der 

Sanaga aufſtieß. N 

Man theilet es gemeiniglich in Nord- und Suͤdguinea. Das erfte geht von der Sanaga 
bis nach Sierra Leona; das andere von dar nach oberwaͤhnten Vorgebirgen. 

Suͤdguinea, von dem wir jetzt handeln wollen, theilet ſich wieder in ſechs Kuͤſten, in die Abtheilung. 
Malaghetta⸗ oder Koͤrnerkuͤſte, die Elfenbeinkuͤſte, Goldkuͤſte, Sklavenkuͤſte, und 
die Kuͤſten Benin und Biafara. Die Schiffahrer und Erdbeſchreiber machen noch andere 
Abtheilungen a); dieſe aber ſcheint die richtigſte und natuͤrlichſte zu ſeyn. 

Die Malaghetta-Pfeffer- oder Koͤrnerkuͤſte erſtrecket ſich, wenn fie in der weiteſten Aus⸗ Malaghetta⸗ 
dehnung genommen wird, von Sierra Leona nach Growa, zwo Seemeilen oſtlich von dem kuͤſte. 
Vorgebirge das Palmas, hundert und ſechzig Seemeilen weit. Andere laſſen ſie an dem 
Vorgebirge Monte anfangen, welches drey und funfzig Meilen oſtlich von Sierra Leona iſt; 
und noch andere ſchließen ſie zwiſchen dem Fluſſe Seſtro und Growa ein, welches ſie in fuͤnf 
und funfzig Seemeilen einſchraͤnkt. 

Die Küfte von dem Vorgebirge Tagrin nach dem Eylande Sherbro iſt durch die Bairos Bay St. 
de St. Anna, oder die Baͤnke von St. Annen e und ſtrecket ſich Suͤdoſt gen Anna. 

Fff f 2 uͤd. 


a) Snelgravens Abtheilung oben a. d. 539 S. 


Erdbeſchr· 

der Koͤr⸗ 

nerkuͤſte. 
u, 


Sombreros⸗ 
eylande. 


Rio Gam⸗ 
boas und 
Sherbra. 


Eylande To⸗ 
ta. 


Eyland 
Sherbro. 


Engliſch Fort. 


596 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Suͤd. Sie machet die große Angra oder Bay St. Anne, welche faſt bis an den Rio de 
Gamboas geht. Auf der Nordſeite der Bay ſind die Eylande Bravas oder Bananas, von 
denen das größte auch das hoͤchſte Land iſt, und Holz, Waſſer und Lebensmittel darreicht. 

Die fünf Eylande, Namens Sombreros, liegen ſuͤdwaͤrts der Bay, und bringen häufige 
Orangen, Limonien, Pimento del Cola oder Rabo, ein langer Pfeffer, wilde Weinpalmen, 
und Zuckerrohr, Bananas, Bienenwachs, und Zimmerholz, nebſt einem guten Holze, Schiffe 
zu bauen, Angelin genannt. 

Die Einwohner machen Seife aus Palmoͤle und Palmenaſche, die von den Portugieſen 
in dieſen Gegenden ſo hoch geſchaͤtzt wird, daß ſie ſelbige nicht nach Portugall wollen fuͤhren 
laſſen, aus Furcht, die Seifenſieder des Koͤnigreichs wuͤrden dadurch verderben. Die Ein— 
wohner geben vor, ihr kleines Eyland ſey durch ein Erdbeben von dem feſten Lande getrennt 
worden, und enthalte Gold und Eiſenbergwerke 5). i f 

Die Tiefe der Bay iſt von fuͤnf bis acht Faden Schlamm. Vier Fluͤſſe ergießen ſich 
darein, deren Ufer mit Mangrovebaͤumen, die voll Auſtern haͤngen, beſetzt ſind. Der Rio 
Banquo trägt große Schiffe; die übrigen werden nicht ſehr befahren, und das anliegende 
Land iſt voll Waͤlder und wilder Thiere. 

Der Rio Gamboas iſt zwo Seemeilen ſuͤdwaͤrtsvon den Sombreros, und hat eine 
Barre an der Mündung. Die Stadt RKoucho liegt funfzehn Seemeilen hinauf an ihm, 
wohin Schaluppen handeln. 300 & 

Von dieſem Fluſſe bis nach Rio Sherbro ſtrecket fich die Kuͤſte Suͤdoſt. Er entſteht 
von dem Eylande Sherbro und dem feſten Lande, und iſt bey der Einfahrt ſehr weit. An 
dem Weſtende von Sherbro liegen die drey Eylande Tota in einer Linie. Sie ſind niedrig 
und flach, mit Klippen an der Nordoſtſeite. Es wachſen auf ihnen eben die Fruͤchte, wie 
auf dem feſten Sande. Man nennt fie Plantaineylande bey den Engländern, von der Pflanze 
dieſes Namens. 

Das Eyland Sherbro, wie es die Engländer nennen, heißt bey den Portugieſen Fa⸗ 
rulha oder Farelloens, bey den Hollaͤndern St. Anna oder Maſta Quoja, bey den Franzo⸗ 
fen Cerbera. Es ſtrecket ſich Oſtſuͤdoſt etwa zehn Seemeilen, und iſt über und über flach 
Land. Das Land iſt voll Reiß, Maiz, Ignamas, Bananas, Potatos, indianiſche Feigen, 
Ananas, Citronen, Orangen, Waſſermelonen, und die Frucht Kola, (bey den Englaͤndern 
Kol). Es giebt da häufige Hühner und Elephanten. Die Auſtern haben ſchoͤne Perlen, 

ind aber wegen der Hayen gefaͤhrlich zu bekommen. Die Einwohner ſind Heiden, und 
aten die Beſchneidung. 


Die engliſche africaniſche Geſellſchaft hatte ein kleines Fort auf dem Vorfeylande, wel⸗ 
ches hart an Sherbero an der Nordſeite unweit der Oſtſpitze liegt, und nicht weit von des 


Königs Flecken war. Es war viereckicht, mit drey runden und einem viereckichten Boll⸗ 


werke, worauf eilf Stuͤcke ſtunden, und etwa zwanzig Schritte von dem Fort am Seeufer 


waren zwey große Bollwerke, jedes von fünf Stuͤcken, aufgeführt. Alles war von Kalk 


und Steinen gebaut, und die Beſatzung beſtund in fünf und zwanzig Weißen, und fünfzig 
oder ſechzig Gromettas. 


Auf dem feſten Lande war noch ein anderer Aufenthalt, der Oſtſpitze von dem Sherbro— 
eylande gegenuͤber, ehe dieß Fort erbauet ward c). Man verließ es im Jahre 1727, er | 
oben 


) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 106 S. 7) Ebendaſ. 


N 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch I Cap. 597 
oben erzählt worden, und die Factore begaben ſich nuch der Stadt Jamaica, auf dem Ey⸗ 3 


lande dieſes Namens, vier Seemeilen weſtwaͤrts von Porkeylande 4). r Rör: 

Der Fluß Sherbro, den einige Wadre Bomba, andere Rio Selboba und Rio das nee 
Palmas nennen, iſt ſehr groß, und entſpringt weit im Lande drinnen. Er geht durch das 
Land Bulm Monu, welches voll Moraͤſte iſt, in die See. 

Er iſt zwanzig Seemeilen hinaufwaͤrts für Laſtſchiffe zu befahren, bis an die Stadt Stadt Ba: 
Bagos oder Baga, wo die Englaͤnder eine Factorey haben, die nach Bulm gehoͤrt. gos. 
Schaluppen von ſiebenzig oder achtzig Tonnen, gehen dreyßig Meilen über Kedham oder 
Kidham hinauf, zweyhundert und funfzig Meilen von ſeiner Muͤndung: aber je hoͤher man 
hinauf koͤmmt, deſto enger wird der Canal, und iſt an manchen Platzen faſt voͤllig mit Ge⸗ 
buͤſchen, die laͤngſt den Ufern wachſen, erfuͤllt. Ueberdieß hat er im April und May, welches 

die beſte Zeit iſt, das daſelbſt haͤufig wachſende Zimmerholz zu erhalten, kaum neun bis zehn 
Fuß Waſſer, im Auguſt und Herbſtmonate aber nach den Regen, ſechzehn bis achtzehn Fuß. 
Auch wird die Schiffahrt durch oͤftere Tornados unterbrochen, bey deren Einbruche die 
Schaluppen ankern, oder ſich an den Baͤumen, welche laͤngſt dem Ufer wachſen, befeſtigen 
muͤſſen. Die Leute, welche am Ufer wohnen, ſind ganz wohl geſittet. Der Fluß iſt voll 
Krokodile und Waſſerelephanten, welches wilde und gefaͤhrliche Thiere ſind. 

Die Laͤnder von Silm Monu ſind funfzehn oder ſechzehn Seemeilen weiter hinauf, 
als Bagos, und dreyßig oder zwey und dreyßig Seemeilen unter Silm iſt Duuns Mo⸗ 
ra, eine ſehr volkreiche Stadt, deren Einwohner aber nicht zum beſten geſinnt ſind. Sie 
liegt hinter einem großen Walde, und kann von den Schiffen nicht geſehen werden; ſie iſt 
ſehr groß und volkreich, aber die Haͤuſer ſind niedrig und klein, ausgenommen eins mitten 
in der Stadt, wo die vornehmſten Negern ihre Zuſammenkuͤnfte halten. 

Das Land daherum iſt ſehr volkreich. Die Leute tragen, wie die zu Sherbero, ge- Boden und 
meiniglich eine Kutte von geſtreiftem Calico, und haben eben die Gewohnheiten und Sitten. Fruͤchte. 
Der Boden traͤgt ebenfalls eben die Pflanzen und Thiere. Es iſt hier eine viel beſſere 
Art rothes Holz zu faͤrben, als in Braſilien, und man haͤlt es fuͤr das beſte in ganz Guinea. 

Es kann ſiebenmal gebraucht werden. 

Der Sherbero empfängt unweit der See den Rio Torro Nordweſt, und Rio de 
St. Anna Suͤdoſt, welches beydes große Fluͤſſe ſind. Der Torro ergießt ſich das Jahr 
zweymal. Weil er aber untief, und voll kleiner Eylande iſt: fo koͤnnen ihn nur kleine Bar: 
ken befahren. 

Von der Suͤdſpitze des Sherbrofluſſes bis an den Fluß Galinhas ſtrecket ſich die Kuͤſte 
Oſtſuͤdoſt eilf Seemeilen, iſt flach, niedrig, ſchlammicht und moraſtig, voll Baͤume und 
unbewohnt. 

Rio de Galinhas, den die Landeseinwohner Maqualbari nennen, entſpringt im Lande Rio de Ga: 
Hondo, und läuft durch Bulm Monu und Quilliga Monu nach der See, hat auch linhas. 
zwey Eylande an ſeiner Muͤndung. Die Portugieſen haben ihm dieſen Namen wegen des 
haͤufigen Huͤhnerviehes beygelegt. Die Europaͤer bringen von daher trockne Haͤute und 
Elephantenzaͤhne, welche von Hondo und Karudobo Monu den Fluß herunter gebracht 
werden. Dieſe beyden Laͤnder ſind beſtaͤndig zuſammen im Kriege, und dem Koͤnig von 
OQuoſa unterworfen, der auf dem Vorgeb. Monte 1 a Sitz hat. Die Fluth geht ſehr ſchnell 

nach 


17) Barbot a. d. 473 O. 


Erdbeſchr. 
der Roͤr⸗ 


nerkuͤſte. 
eee eee 


Rio Ma⸗ 
guiba. 


Fluß Mavah 
oder Maffah. 


See Plizoje. 


Vorgebirge 
Monte. 


598 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


nach Nordoſt laͤngſt dieſer Kuͤſte, und der Wind ſtreicht meiſtens friſch von Suͤdweſt. Der 
Winter waͤhret vom May bis in den Weinmonat c). ; 

Rio Maguiba, welches der nächfte Fluß iſt, verhindert die Einfahrt der großen Schiffe 
durch eine Barre. Die Portugieſen, welche ihn Rio Nunez oder Nueva nennen, han⸗ 
delten vormals dahin, wie auch die Franzoſen; jetzo aber beſuchen ihn die Englaͤnder am 
meiſten wegen der Elephantenzaͤhne, und ſegeln bis nach dem Flecken Dova Rufja hinauf. 
Hoͤher hinauf verhindern ſolches die Klippen und Waſſerfaͤlle. 


Die Kuͤſte von Rio Galinhas nach dem Vorgebirge Wonte iſt niedrig und flach, 
und voller Dörfer. Der Fluß Mavah oder Maffah faͤllt von den Felſen dreyßig See⸗ 
meilen ins Land hinein, unweit den Balvi-Schwarzen herunter, und läuft in einem brei— 
ten und tiefen Canale durch das fand Danwata, etwan eine Seemeile auf der Nordſeite 
von dem Vorgebirge Monte, wo er durch Sandbaͤnke fo verſtopft wird, daß er nicht in 
die See fällt, als einmal des Jahres, wenn er ſich ergießt 7). 

Vor der Eroberung von Foljas ward dieſer Fluß durch die Puy Monu⸗Schwarzen 
bewohnt, deren Koͤnig Flamburre ordentlich ſeinen Sitz im Flecken Jeg Wonga an der 
Weſtſeite, etwan anderthalbe Seemeilen weit von der See, hatte, nachdem er die Stadt 
Tomwi am Vorgebirge Monte den Quojas abgetreten. Der König von Foljas hält 
ſich auf einem Eylande in dem See Plizoſe auf, um den Anfaͤllen der Dogoer beſſer zu 
entgehen. Die Stadt Tochu liegt Jeg Wonga gegenuͤber, wo ſich Flamburre eine 
Zeitlang aufhielt, wie die Foljas ihn anzugreifen droheten. Zwo Seemeilen weiter den 
Fluß hinauf, auf eben der Seite, iſt der Flecken Tiſa, wo ſich vormals Tiji, der Bruder 
des Flamburre, befand. Noch zwo Seemeilen höher auf der Suͤdſeite, ſind KAamma⸗— 
goja, und eine Seemeile dahinter Jerbofaſa, welchem gegen uͤber der Koͤnig ein ander 
Dorf hatte, von dem ein Weg durch die Waͤlder nach Jera Balliſa gehet, welches drey See⸗ 
meilen von da nach der See zu entfernet, und Flamburres aͤlteſtem Sohne zugehoͤrig iſt. 

Die Kuͤſte zwiſchen Rio Mavah und Rio Maguibah iſt voller Flecken und Dör- 
fer, wo die Schwarzen viel Salz machen 2). 


Das Vorgebirge Monte, welches die Schwarzen Waſh Ringo nennen, entdecket ſich 
eine gute Weite in die See hinaus, und ſieht wie ein Eyland in Geſtalt eines Sattels 


aus Y). Snoek ſaget, es ſey ein ſehr hoher Berg, welcher wie ein Eyland in der Luft aus⸗ 


ſehe 7). Marchais meldet nur, daß es ein hohes Land in zehn Graden fünf Minuten 


nordlicher Breite iſt 5), welches ſich in zweene Gipfel theilet, und ein gut Stuͤck Weges in 
die See erſtrecket. Dieſe umgiebt es faſt ganz und gar, daß es eine Halbinſel macht, deren 


groͤßte Breite ſich Oſtſuͤdoſt und Weſtnordweſt ſtrecket. 


Drey | 
e) Barbot g. d. 107 S. 4) Dieſes iſt ein gewaltiger Fehler. Denn nach 


Dieſes ſcheint der vom Snoek ſogenannte der Nachricht, welche ſich bey der franzöſiſchen Karte 
MR 7555 Ans zu ſeyn, der, wie a Schwar⸗ vom ſuͤdlichen Oceane befindet, die im Jahre 1739 
zen ſagen, in den Fluß Sierra Leona faͤllt. ra iſt es in ſechs Graden zwey und 
N vierzig Minuten. 
g) Harbot a. d. 108 ©. D Marchais Reiſe nach Guinea I Band a. d. 
5) Ebendaſelbſt. 81 und 83 S. 
1) Boſmans Guinea a. d. 475 S. m) Barbot am obangefuͤhrten Orte. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch I Cap. 599 


g Drey Seemeilen davon, trifft man in dreyßig Faden Waſſer ſchwarzen kreidigten Bo— ærrdbeſchr⸗ 
den an. Der beſte Ankergrund iſt etwa Dreyvierthel Meile Nordweſt von der Spitze, in der Vor⸗ 
acht oder zwoͤlf Faden, wo man vor dem Winde ſicher ankert. Weil aber die See auf 8 
dieſer Kuͤſte allezeit ungeſtuͤm iſt: ſo muͤſſen die Bootsleute waten, und die Officier und 
Güter ans Land tragen, weil die Negercanoes, wenn fie nicht wohl regiert werden, leicht 
umſchlagen 2). 

Barbot ſaget, die beſte Rheede fuͤr große Schiffe ſey weſtwaͤrts des Vorgebirges i in 
zwoͤlf Faden Waſſer, ſandigter Grund, zweene engliſche Meilen vom Ufer, drey kleinen 
Dörfern gegenüber, welche etwas ins Land hinein liegen, jedes aus zehn bis zwoͤlf Hütten 
beſteht, und wohl bewohnt find m). 

Das Land iſt niedrig, und bringt nach Snoeks Berichte ein wenig großen Milhio, Vams, Boden und 
Potatoes, und viel Reiß hervor 2). Die Fruͤchte ſind hier, wie auf der Goldkuͤſte, Pan. Fruͤchte. 
guavers, Bananas, und dergleichen. Sie ſind eben nicht uͤberfluͤßig mit Viehe verſehen, 
und haben weder Kühe noch Schweine, und nur wenige Schafe, auch nicht viele Huͤhner; 
aber was ſie haben, das iſt gut. Es giebt hier viele Elephanten, Tyger, Hirſche, Büffel, 
und andere wilde Thiere, und der Fluß iſt voller Fiſche, welche fie mit Netzen fangen o). 


Der Fluß von Cape Monte läuft Nordoft und Suͤdweſt, und waſſert ein ſehr 
fruchtbares Land. Hundert Schritte von der See findet man eine Ebene, die ſich auf ver⸗ 
ſchiedene Seemeilen weit erſtrecket, und mit Ochſen, Kuͤhen, Schafen, Ziegen und Schweiz 
nen p) angeſuͤllet iſt, unter denen die Hirſche, Rehe und Antelopen friedlich weiden. Dieſe 
Ebene iſt voller Doͤrfer J), die häufiges Federvieh haben, als: gemeine Vögel, Pintados, 
oder guineiſche Hühner, Gaͤnſe und Enten, welche ſich wunderbar vermehren. Hirſe, Reiß, 
Maiz und Huͤlſenfruͤchte find auch in Menge da 5), imgleichen Fiſche. Der Palmwein 
iſt vortrefflich, und die Luft wegen der Nordwinde und unzaͤhliger reinen Waſſerbaͤche, die 
durch das Land laufen 9), ſehr gelinde. 

Marchais ſaget, die Einwohner von dem Vorgebirge Monte waͤren ganz artig, ge- Einwohner. 
ſittet, geſellig, redlich, ohne Eigennutz, und arbeitſam t). Nach Snoeken ſind ſie dieſes 
außerordentlich. Ihre vornehmſten Beſchaͤfftigungen ſind, daß ſie Reiß pflanzen und Salz 
ſieden; welches beydes ſie fuͤr den Koͤnig, als deſſen Sklaven, thun muͤſſen. Sie fuͤhren 
ſelten Krieg mit ihren Nachbarn, und vergleichen einen entſtehenden Zwiſt guͤtlich. Jeder 
Mann heirathet ſo viel Weiber, als er erhalten kann; und weil die Weiber hier ſcharf ar— 
beiten: fo koſtet es nicht viel, fie zu ernähren. Sie leben ſehr einig, und ſcheinen uͤber die 
Freyheiten, welche fie ſich mit andern Männern nehmen, nicht ſehr misvergnuͤgt zu ſeyn 1). 
Alle Regierungsſachen werden durch die Kaboſchiren, die nach ihrer Erfahrung oder 
Herzhaftigkeit die Vornehmſten in der Stadt ſind, aus gemacht x). 

Nach 


n) Atkins a. d. 59 Seite ſaget, fie hätten hier eine gute Warre das Land hinauf geht. Marchais 
Ueberfluß an Milhio, Reiße, Yams und Salze. 1 Band a. d. 81 S. 


0) Boſman a. d. 473 u. f. S. 7) Ebendaſelbſt a. d. 84 und 8s S. 
5) Dieſes iſt Snoeks Nachricht gewaltig zu⸗ 5) Ebendaſelbſt a d. 84,85 u. 87 S. 
wider. 2) Ebendaſelbſt a. d. 83 Seite. Und Villault * 


7 Gleichwohl find keine Dörfer am Ufer, als a. d. 65 ©. 
eule Huͤtten in einem Winkel weſtwaͤrts des Bor: u) Snoek a. d. 474 S. Bofman a. d. 473 S. 
gebirges, wo die Schwarzen Salz machen, das als x) Atkins a. d. 39 S. 


0 


600 Beſchreibung von Guinea, deeſſen Natur⸗ 


Erdbeſchr. Nach Snoekens Berichte iſt ihre Kleidung wie ein Ueberwurf mit weiten Aermeln, 
der Koͤr⸗ die bis auf die Knie herunterhaͤngen. Die Weiber aber tragen ein enges Stuͤck Zeug um 
nerküſte. den Unterleib, welches an beyden Seiten aufgeſchuͤrzt iſt, daß es kann gebunden werden. 
Kleidung der Sie tragen einen Gürtel, wie die Weibsbilder auf der Goldkuͤſte. Sie brauchen auch, wie 
Männer, dieſelben, niemals Strumpfbaͤnder. Bisweilen gehen fie gar nackend Y. 


Marchais beſchreibt es umſtaͤndlicher. Die Kinder von beyden Geſchlechten, ſaget 
er, gehen ganz nackend, bis ins dreyzehnte oder vierzehnte Jahr, und haben nur Guͤrtel von 
Kryſtall oder Glaskuͤgelchen um den Unterleib. Nach der Zeit tragen die Mannsperſonen 
von einigem Stande nur ein Stuͤck Cattun, aber die Gemeinen gehen nackend. Niemand 
als der König mit feinen Hauptleuten und Officieren iſt bekleidet. Die Maͤgdchen. und 
ſchlechten Weibsbilder haben Gürtel von Graſe oder Palmblaͤttern, die fie roth oder gelb 
faͤrben. Dieſe Guͤrtel, die lange Franzen vorſtellen, ſind ſehr dick, und bedecken ſie vom 
Unterleibe bis auf die Knie. Die Reichen haben einen oder zweene Pagnes, welche ſie 
vom Magen an bis auf das dicke Bein bedecken. Sie tragen Halsbaͤnder aus verſchie— 
denen Schnuͤren zuſammengeſetzt, auch Armbaͤnder von Glaskorallen, an den Aermen, Elle— 
bogen und Ferſen, daran einige ſilberne Kloͤckchen hängen, die, wenn fie tanzen, ein angeneh- 
mes Getoͤne machen. Sie lieben die Taͤnze und die Nachahmung der europaͤiſchen Taͤnze 
ſehr. Die Weibsbilder ſind hier uͤberhaupt keuſcher und eingezogener, als ſonſt bey den 
Schwarzen 2). Villault ſetzet hinzu, die Männer wären auch eiferſuͤchtiger 2). 
und Weibs⸗ Eine Kleidung, welche beyde Geſchlechte tragen, find die Tomi, und daß fie ihr wol— 
bilder. lichtes Haar aufwickeln. Die Tomi binden die Weiber um ihre Huͤften, und es fallen 
ſolche rund herum um ihre Hinterbacken. Die Maͤnner aber binden ſolche etwas tiefer, und 
befeſtigen fie hinten am Guͤrtel. Beyde Geſchlechte haben ein groß Vergnuͤgen, die wol— 
lichten Haare auf ihrem Kopfe in Locken mit Golde und Steinen aufzuwickeln, und wenden 
viele Zeit und Nachdenken darauf. 


Die Weiber ſind große Liebhaberinnen von dem, was ſie Fetiſchen nennen, und wo— 
durch fie glauben die Männer an ſich zu ziehen. Sie machen ſich einen gewiſſen Streifen 
von rother, weißer, oder gelber Feuchtigkeit um die Stirne, der, weil er duͤnne iſt, in zarte 
Striche zergeht, ehe er trocknet. Andere machen damit Kreiſe um ihre Aerme und Leiber, 

und gefallen auf dieſe Art. | 
Der Männer ihr Zierrath beſteht in Ringen um die Aerme und Ferſen, von Metall, ö 
Kupfer, Zinn oder Elfenbeine. Eben dergleichen tragen ſie auch an den Fingern und an 
den Zaͤhen, nebſt einem Halsbande von Affenzaͤhnen, und elfenbeinernen Nägeln mit brei« 
ten Koͤpfen in den Ohren. Die meiſten von ihnen haben eine oder mehrere von dieſen Zier⸗ 
rathen, und ſuchen darinnen einander zu übertreffen 60. | 


Haͤuſer. Ihre Haͤuſer, faget Marchais, find zwar wie der Sanayga-Schmwarzen ihre gebaut; 
F * 9 N 2 ’ 2 8 9 | 
ſie werden aber fehr reinlich gehalten. Des Königs und einiger der Vornehmſten ihre find | 

i lang, 


5 Villaults Reife nach Guinea a. d. 65 S. ren vortrefflich gemacht, und die Hollaͤnder fuͤhrten 

f 2) Marchais I Band a. d. 87 u. f. ©. ſie in großer Menge zum Gebrauche in ihren Haͤn⸗ 
2) Villaults Reife nach Guinea a. d. 6 S. fern heraus. | 
. 4) Ackins a. d. 61 S. 4) Eben derſelbe ſaget, fie lägen mit ihren Rd: | 

c) Villault a. d. 67 S. ſaget, dieſe Matten waͤ⸗ pfen in der Weiber Schooße, indem fie ſich fämm: | 

g i ten 


lang, manche zwey Stockwerke hoch, mit einer gewoͤlbten Decke von Aeſten oder Palmblaͤt⸗ 
tern, die ſo dicht ſind, daß Regen und Sonne nicht durchdringen koͤnnen. Sie theilen 
ſolche in verſchiedene Zimmer. Der Eingang, welcher ihr Audienzſaal und Eßplatz iſt, hat 
rund herum einen Sopha von Erde oder Leime, der ſich etwan einen Fuß hoch uͤber den 
Boden erhebt, und fuͤnf bis ſechs Fuß breit iſt. Dieſe Bank bedecken ſie mit feinen Mat⸗ 
ten von Graſe oder Palmblaͤttern e), die auf mancherley Art gefärbt find, ſehr fehön aus⸗ 
ſehen, und lange Zeit halten H. A 15 ’ 

Die Großen und Reichen bringen hier die meiſte Zeit zu; da liegen fie mit dem hal⸗ 
ben Leibe, und mit dem Kopfe an ihrer Weiber Buſen, rauchen und ſchwatzen, und trinken 
Palmwein e). Ihre Schlafkammer ſtoͤßt gleich daran. Hier haben ſie einen Sopha, 
darauf ſie Matten legen 7), die dicker als vorerwaͤhnte ſind. Dieſe dienen ihnen an ſtatt 
der Betten, und fie umgeben ſolche mit zuſammengenaͤhten Pagnes oder gedrückter Lein⸗ 
wand, wie mit Vorhaͤngen. 

Ihre Kuͤchen ſind allemal von den Wohnhaͤuſern abgeſondert, und ſehr reinlich. 


Die Einwohner von dem Vorgebirge Monte ſind reinlicher im Eſſen, als die übrigen 
Schwarzen. Sie bedienen ſich der Becher aus hartem Holze, und der Becken aus Zinne 
der uͤberzinntem Kupfer, welche fie ſehr rein halten. Sie braten ihr Fleiſch an hölzernen 
Spießen, haben aber vergeſſen, was ihnen doch die Franzoſen gelehret g), es umzuwenden; 
denn ſie braten erſt eine Seite, und darauf die andere. g 
Es iſt gewiß, daß die Normaͤnner vor Zeiten hieher gehandelt, und die Geſellſchaft 
von Rouen im Jahre 1626 einen Handelsplatz hier gehabt; man weis aber nicht, aus was 
fire Urſachen fie ſolchen verlaſſen, auch nicht, wenn es geſchehen iſt. Als die indianiſche Ge⸗ 
ſellſchaft im Jahre 1666 und 1669 Schiffe hieher ſandte: fo nahm der damalige König den 
franzoͤſiſchen Befehlshaber ſehr guͤtig auf, redete mit ihm franzoͤſiſch, und verſtattete ihm 
freye Handlung. Dieſer Herr war ein großer anſehnlicher Mann von ſechzig Jahren, 
Namens Fallam Boure 2). 5 ö 
Die Englaͤnder, Hollaͤnder, und andere, welche hieher handeln, kaufen verſchiedene von die⸗ 
ſen feinen Matten und Pagnen, die ſehr ſchoͤn, und glaͤnzend gelb ſind; auch haͤufiges Elfen— 
bein, das eben ſo gut iſt, als das zu Sierra Leona. Die Zaͤhne, welche dieſe Leute von 
Norden bringen, ſind nicht ſo weiß, aber viel groͤßer, und einige wiegen auf zweyhundert 
Pfund ſchwer. di, | | 
| Die Europäer kaufen hier Haͤute von Löwen, Panthern, Tygern, und andern wilden 
Thieren, und etwan jaͤhrlich funfzehnhundert von ihren Sklaven. Die letztern werden 
von den Mandingokaufleuten aus den innern Theilen von Africa gebracht; denn hier ver— 
kauft man nur Verbrecher, und zwar auf Rechnung des Koͤnigs. Man kann auch hier 
etwas Gold bekommen, welches vermuthlich von eben den Kaufleuten herunter gebracht 


Erdbeſchr. 
der Koͤr⸗ 


nerkuͤſte. 
ae 


Kocherey. 


Handel. 


Waaren. 


wird; fo daß es ſchon der Mühe werth wäre, hier eine Factorey anzulegen. Die Waͤlder 


liefern 


ten und die Haare zurechte machten. 5) Endlich bemerket er, zu feiner Zeit im Jahre 
e) Er berichtet ferner, ihre Betten waͤren auf 1667 haͤtten ſie beym Braten beſtaͤndig umgewandt. 
Brettern, einer Elle hoch von der Erde erhoben, ) Marchais im I Bande a. d. 87 u. f. S. 
um die ein Stuͤck Zeug ſtatt der Vorhaͤnge hinge. ) Ebenderſelbe a. d. 83 u. f. S. 


Allgem. Reifebefchr. II Band. ' Gg 3 


602 VBeſchreibung von Guinea, deſſen Natur 


Erdbeſchr. liefern häufiges Holz zum Färben, beſonders roth. Dieſes Holz hauen die Schwarzen, 


der Rör- 


nerkuͤſte. 
— 


Sprache. 


Religion. 


und bringen es in Kloͤtzen, von vier bis fuͤnf Fuß lang, ans Ufer. Die Englaͤnder kaufen 
viel davon, und ziehen es dem Braſilienholze vor, das vor Zeiten fo hoch geſchäͤtzt wurde ). 


Atkins bemerket, daß die kuͤhnſten von den Einwohnern bisweilen mit Reiß, Malaghet⸗ 
ta und Zähnen an Bord der Schwalbe gekommen, aber allezeit furchtſam und argwoͤh⸗ 
niſch geweſen. 

Sie kamen in Canoes, welche aus einem einzigen Wollenbaume gemacht waren. Ei⸗ 
nige hatten acht bis zehn Fuß Breite, und fuͤhrten bey zwanzig Ruderer. Die Schwar⸗ 
zen rudern alle vorwärts ſtehend; fie ſchlagen mit großer Geſchiclichkeſ zuſammen, und ſin⸗ 
gen, als zu einer großen Ehrenbezeugung, allemal, wenn ſie einen Kaboſchir fuͤhren. 
Dieſe Kaboſchire brachten einige engliſche Titel und Briefſchaften mit ſich, die fie von 
den vormals hier geweſenen Handelsleuten, fuͤr ihre Redlichkeit und guten Dienſte, erhalten 
hatten. Bey dieſer Gelegenheit bemerket der Verfaſſer, daß dergleichen Schriften, wenn 
fie mit Behutſamkeit gegeben werden, nuͤtzlich ſeyn konnten; da man fie aber meiſt nur, nach⸗ 
dem man bey der Luſt iſt, ertheilt: fo lehren fie felbige nur betteln und ſtehlen. 


Wenn man weiter fortſegelt: fo verändert ſich die Negerſprache etwas; weil fie aber 
nichts von Kuͤnſten u. ſ. f. wiſſen: fo iſt fie in wenig Worte, die ihre Nothwendigkeiten 
ausdrucken, eingeſchräͤnkt. Atkins ſchließt dieſes daraus, weil fie bey ihren Zuſammenkuͤnf⸗ 
ten nicht viel ſchwatzen. Bey ihrer Handlung koͤmmt immer einerley Wort wieder, und 
ihre Gefänge find nur eine hundertmalige Wiederholung von ſechs Worten 4). Villault 
ſaget, fie hätten zu feiner Zeit eine Art verderbt Portugieſiſch geredt 7). 


Von ihrer Religion, ſaget Villault, haͤtte er keine Nachricht erhalten können, nur hätte 
ihm einer geſagt, die Weißen beteten Gott, und die Schwarzen den Teufel an. Doch be⸗ 
merket er, daß viele unter ihnen beſchnitten waren, und alle Fetiſche hätten m). 


Marchais bemerket, die Religion ſey hier wie auf der ganzen Kuͤſte, wo ſich der mu⸗ 
hammedaniſche Glaube noch nicht ausgebreitet hat, eine Vermiſchung von Aberglauben, 
Abgoͤtterey und Unwiſſenheit. Sie fuͤrchten ſich ſehr vor dem Teufel, und bethen ihn an, 
ohne ihn zu lieben, oder für einen Gott zu erkennen. Ein Einwohner ſagte einsmals zu 
einem Franzoſen: die Weißen bethen zu Gott, die Schwarzen zum Teufel, ihr ſeyd 
glücklicher, als wir ). Snoek erfuhr, ihre Religion beftünde in Verehrung und Ge⸗ 
horfam gegen ihren König, und den über. fie geſetzten Statthalter, ohne ſich den Kopf über 
das, was uͤber fie iſt, zu zerbrechen ). 


8 
) MWarchais a. d. o u. f. . | ) NWarchais 1 Band, a. d. 62 ©. 
40 Atkins Reiſe nach Guinea, a. d. 80 ©. „) Bosmans Beſchr. von Guinea, a. d. 474 S. 


7) Villaults Reife nach Guinea, a. d. 65 S. a) Phillips Reiſe nach Guinea, auf der 190 und 
17) Ebenderſ. o. d. 66 S. folgenden Seite. | 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch IT Cap. 603 


Der II Abſchnitt. dan gl 


Das Vorgebirge Meſurado. Daſige Bayen. Rheede Abſchilderung. Ihre Kleidung. Waffen. Schi,  MrrFüfle, 
zu Schiffen. Waſſerplatz. Woher der Name ne Doͤrfer. Ihre Geſtalt. Kalde. Koͤnig 
koͤmmt. Rio Duro, oder Meſurado. Inſeln Andreasſtadt. Verſammlungshalle. Haͤuſer. 
darinnen. Fluth und Barren. Seine Breite. Ihre Beſchreibung. Boden und Feuerplatz. Zahl 
Lauf. Königreich. Deſſen Größe. Boden der Zimmer. Nebenhaͤuſer. Religion. Handel. 
und Fruͤchte. Zimmerholz. Einwohner. Ihre Vorſchlag zu einem Handelsplatze. Rio Junko. 


He Vorgebirge Meſurado iſt nach dem Vorgebirge Phillips etwa ſechzehn Seemei⸗ Vorgebiege 
len von dem Vorgebirge Monte, und zwiſchen beyden kein hohes Land. Dieſer Meſurads. 

Berg, der bey weitem nicht fo hoch iſt, als jener, ift rund 2) und groß, und meiſt mit Waſſer 

umringt ö). Die Seite nach der See zu iſt ſteil und hoch, die aber landwaͤrts gelinder, 

und beſſer hinauf zu kommen. Der Gipfel iſt eben, und der Boden viel beſſer, als man 

von fo einem Platze vermuthen ſollte. Oſtwaͤrts liegt eine Bay von wichtiger Größe, die 

von einem hohen Lande voll großer Baͤume bedeckt wird. Auf der Weſtſeite macht der 

Fluß eine andere große Bay, in deren Mitten ſeine Muͤndung iſt. Ein langer enger Land⸗ 

ſtrich trennet dieſe beyden Bayen von einander. Das Vorgebirge llegt in ſechs Grad vier 

und dreyßig Minuten, nordlicher Breite c). Der Theil, welcher am weiteſten in die See 

geht, ſtrecket ſich Suͤdoſt. Ein ſchwaͤcherer Fluß, als der Meſurado, koͤmmt von Oſten, 

faͤllt in die weſtliche Bay, und iſt bey hoher See auf zwölf bis vierzehn Seemeilen ſchiffbar. 

Das Waſſer davon hat allezeit den Seegeſchmack, iſt aber voll Fiſche 4). N 

Die Spitze des Berges iſt ein natürliches Bollwerk, von viertauſend Schritten im Um- Rheede für 
kreiſe, mit verſchiedenen Bäumen darauf. Sie beſtreicht alle Bayen oder Rheeden, von de⸗ Schiffe. 
nen die beſte nordwaͤrts des Vorgebirges etwa einen Musketenſchuß von dem Ulfer iſt, wo 
ſich guter Ankergrund e) in acht bis zehn Faden Waſſer zwiſchen der Spitze des Vorgebir⸗ 
ges und des Fluſſes Mündung befindet. Laͤngſt dieſer Bay vor der Mündung des Fluſſes 
liegt eine Barre, die an einigen Orten gefaͤhrlich iſt: aber wenn man ſie einmal kennt, ſo 
koͤmmt man leicht durch, beſonders unweit des Fußes von dem Vorgebirge, wo ein Dorf 
und eine uͤberlaufende Quelle iſt, die vortrefflich Waſſer giebt, das ſich ſehr gut zur See 
haͤlt, und leicht zu bekommen iſt. Sie entſpringt aus einem Felſen am Seeufer, und läuft 
mit einem natürlichen Waſſerfalle in die See. Die Bootsleute nehmen hier Waſſer ein 7). 

Phillips ſetzet ſelbige etwa eine Meile in das Vorgebirge, gleich an dem Anfange einer Waſſerplatz. 
Sandbank. Er nennt es einen ſchoͤnen kleinen Bach, voll angenehmes helles kuͤhles Waf- 
fer, welches durch die Holzung und Felſen dringt. Er ſetzet hinzu, etwa eines Kabels Länge 
weit oſtwaͤrts davon, waͤren zweene Brunnen friſch Waſſer unter zweenen großen Steinen g). 

Das Vorgebirge hat ſeinen Namen von dem Worte Miſericordia. Einige Franzo⸗ Woher der 
fen, die hier Schiffbruch gelitten, brauchten es gegen die Einwohner, und dieſe verderbten Name köͤſmt. 
es in Miſurado ). Villault ſaget, die Portugieſen haͤtten es Miſerado genennt, 
entweder wegen der gefaͤhrlichen verborgenen Klippen, die es umringen, daß kein Schiff 


Ggg 9 2 näher, 
by Siehe die Karte. neun Faden, daß das Vorgebirge Suͤd halb Weſt zwo 
c) Vermoͤge der Nachricht bey der Karte vom Suͤd⸗ Meilen davon liegt. 
peean iſt fie nur ſechs Grad neun Minuten. > Marchais am oben angef. Orte, a. d. 312 S. 
4) Marchais 1 Band, a. d. 96 S. 2) Phillips Reife a. d. 191 S. 


e) Phillips ſaget, es ſey am beſten zu ankern in b) Marchais a. d. 94 S. 


Erdbeſchr. 
der KRör- 
nerkuͤſte. 


Ve 
Fluß Duro, 
oder Meſu⸗ 
rado. 


Inſeln dar⸗ 
innen. 


Fluth und 
Barre, 


Seine Breite. 


604 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


naͤher, als eine halbe Seemeile hinkommen kann, oder weil die Franzoſen, welche vormals hier 
niedergemacht worden, Miſericorde, Miſericorde, gerufen 1). 

Die Portugieſen nannten den Fluß Meſurado, Rio Duro Y, wegen der bey dieſer 
Gelegenheit von den Einwohnern ausgeuͤbten Grauſamkeiten. Der Fluß läuft erſtlich 
achtzehn bis zwanzig Seemeilen Nordweſt, worauf er ſich nach Nordoſt wendet, weiter weis 
man ſeinen Lauf nicht. Der Koͤnig brachte verſchiedene ſeiner Unterthanen, die verſicherten, 
fie hätten drey Monate lang nach einem großen Fluſſe, von dem er herfließt, geſchifft, der von 
Oſt nach Weſt geht, und deſſen Ufer von einem reichen und maͤchtigen Volke bewohnt find, 
das mit Gold, Elfenbein und Sklaven handelt. Der Fluß Meſurado laͤuft durch ein ſchoͤ⸗ 
nes Land, aber ſo ſchnell, daß diejenigen, welche drey Monate hinaufgefahren, in achtzehn 
Tagen wieder herunter waren. Die Meſuradoſchwarzen nennen das Land, wo er entſpringt, 
Alam 7), d. i. das Goldland. 

Unweit der Muͤndung des Meſurado ſind zwo Inſeln. Die kleinſte liegt bey vorer⸗ 
waͤhntem kleinen Fluſſe. Die groͤßte iſt in der Bay, an der Einfahrt von dem Fluſſe Me⸗ 
ſurado oder Rio Duro. Man heißt fie die Koͤnigsinſel, obwohl der König ſich hier nicht 
aufhält, ſondern nur einige Sklaven hier hat, die fein Huͤhnervieh und anderes Vieh beſor— 
gen muͤſſen. Er ſchenkte ſie dem Verfaſſer, und lag ihm an, ſich hier feſt zu ſetzen. In 
den Monaten Julius, Auguſt und September, wenn die beſtaͤndigen Regen alle Fluͤſſe auf 
dieſer Kuͤſte aufſchwellen, wird ſie niemals üͤberſchwemmt. Sie iſt etwa zwo Seemeilen 
lang, und drey Viertelmeilen breit, der Boden aber fruchtbar, wie die großen Baume 
darauf bezeugen. Die Nornordoſt⸗ und Oſtwinde machen die Luft hier ſehr gemaͤßigt. 


Nur fehlet ihr friſch Waſſer, welches fie von den häufigen Quellen des feſten andes ho- 


len muͤſſen. 

Die Fluth tritt um die Zeit, wenn Tag und Nacht gleich iſt, zwanzig Seemeilen den 
Fluß Meſurado, und zu andern Zeiten acht bis neun Seemeilen hinauf. In den Regen⸗ 
monaten finden fie das Waſſer, nur etwa drey Seemeilen über dem Roͤnigseylande, wes 
gen der ſuͤßen Landſtroͤme geſalzen m). 

Phillips faget, der Fluß hieße in den Karten Rio de St. Paulo, und ſey ſchoͤn, 
und groß, liege etwa zwo Meilen Oſtſuͤdoſt und Oſt innerhalb des Vorgebirges. Etwa eine 


Viertelmeile außerhalb der Muͤndung hat er eine Barre, die bey hohem Waſſer vier Fuß 


tief iſt, bey niedrigem Waſſer aber nur zwey und einen halben, oder drey Fuß. Die See ſchlaͤgt 
ſtark daran an, beſonders bey heftigen Seewinden, die insgemein um neun bis zehn Uhr des 


Morgens anfangen, und bis um eben die Zeit des Abends dauern. Das tiefſte Waſſer iſt | 


unweit jeden Ufers. 
Der Fluß iſt ſehr angenehm, und an einigen Oertern fo breit, als die Themſe bey Lon⸗ 


len hinauf 1). 


Der 
1) Villaults Reiſe nach Guinea, a. d. 71 S. dingoer, und der Fluß der Niger oder Sanaga ſey. 


) Barbot ſaget, der Duro ſey ein kleiner Fluß. m) Marchais am oben angef. Orte, auf der 38 


J) Labat, der Herausgeber, hält es außer Zwei: und folgenden Seite. 
fel, daß dieß Koͤnigreich Galam, das Volk die Man⸗ ) phillips a. d. 191 S. 


don. Auf jeder Seite iſt er mit dicken Mangrovegebuͤſchen eingefaßt, welche beſtaͤndig 
gruͤn ſind, daß kein angenehmeres Anſehen zu finden iſt. Etwa drey Meilen hinauf fand 
der Verfaſſer bey niedrigem Waſſer gut friſch Waſſer, und bey hoben, etwa fünf Mei: 


2 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch I Cap. 605 


Der Fluß Paolo, welcher etwa zwo Meilen Nordweſt von dem Vorgebirge in die Erdbeſchr. 
See fälle, iſt bey der Einfahrt fünf bis ſechs Fuß tief, und für kleine Boote oder Scha- der Kor 
luppen ſchiffbar. Er läuft erftlich etwa zwölf Meilen nordwärts, alsdenn oſtwärts nach (nerküſte, 
dem Fluſſe Junko, und durch dieſe beyden Fluͤſſe fahren die Schwarzen taͤglich mit ihren Sein Lauf. 
Canoes in den Seſtos mit Zähnen u. d. g., weil es ein beſſerer Handelsplatz iſt e). 

Ob man wohl nicht gewiß weis, wie weit ſich die Herrſchaft des Königs von Meſura⸗ Das König: 
do ins Land nach Nord und Nordoſt erſtrecket: ſo iſt doch zu vermuthen, daß ſolches nicht reich. Deſſen 
geringe iſt, weil er bey beſondern Vorfaͤllen ſehr viel Mannſchaft aufbringen kann. Seine Größe. 
Graͤnzen gegen Oſten ſind der Fluß Junko zwanzig Meilen von dem Vorgebirge Meſu⸗ 
rado, und gegen Weſten ein kleiner Fluß auf dem halben Wege zwiſchen ihm und dem Vor⸗ 
gebirge Monte. 

Dieſes ganze Land iſt ſehr fruchtbar. Man kann hier Gold haben, man weis aber Boden und 
nicht, woher ſie es bekommen, oder ob es im Lande gegraben wird. Sie haben hier gut Fruͤchte. 
Rothfaͤrbeholz, wie auf dem Vorgebirge Monte, und andere Arten Holz zu Cabinetſtuͤck⸗ 
chen. Zuckerrohr, Indigo und Baumwolle, wachſen hier ohne Wartung. Tobak, mit 
dem die Schwarzen gar nicht umzugehen wiſſen, wuͤrde vortrefflich ſeyn, wenn er gehoͤrig 
gewartet würde. Die $öwen und Tyger verhindern ihre Heerden nicht, fich erſtaunlich zu 
mehren, und ihre Baͤume ſind den Verwuͤſtungen, welche die Affen anrichten, zum Trotze 
mit Fruͤchten beſchwert. Kurz, das Land iſt reich, die Handlung vortheilhaft, und koͤnnte 
von denen, welche das Volk ſich zu Freunden machen wollte, ſtark verbeſſert werden; denn 
es würde lächerlich ſeyn, einen Handelsplatz mit Gewalt anlegen wollen 7). 

Sie haben hier eine Art kleiner Vögel, welche fie Kokadetoes nennen. Selbige find 
nicht groͤßer, als die engliſchen Kuͤchlein, und ſchmecken trocken. Auch ſind hier Limonien, 
wilde Orangen, Datteln, und kleine Ziegen. Sie haben ein wenig kleine Elephantenzaͤhne, 
die aber nicht werth find, daß wir uns darum bekuͤmmern 9). 

Phillips ſaget, es koͤnne kein beſſerer Platz ſeyn, Holz zu hauen, da die Baͤume ganz Zimmerholz 
an die Waſſerſeite giengen, und die Ladung ſehr leicht waͤre. Einige ſind groß genug, ein 
Schiff von ſiebenhundert Tonnen zu bemaſten. Der Verfaſſer hieb hier einige Maſtbaͤu— 
me, die bey ihrer Staͤrke ſo dicht und ſchwer waren, daß man ſie auf Booten floͤßen mußte, 
damit fie nicht ſunken ). 

Die Einwohner ſind von einer guten Statur, ſtark und wohl gewachſen, haben ein krie— Einwohner. 
geriſches Anſehen, und find ſehr tapfer, wie ihre Nachbarn, fowohl als die Europäer, die es 
gewagt, fie aufzubringen, erfahren haben. Sie ſind ein verſtaͤndiges Volk, denken richtig, 
druͤcken ſich wohl aus, und verſtehen ihren Vortheil ſowohl, als ihre alten Freunde, die 
Normaͤnner. N | 

Unfer Schriftſteller ſaget, die englifchen, hollaͤndiſchen und portugieſiſchen Schriftfteller Ihre Ab— 
ſtellten dieß Volk treulos, liſtig, rachgierig, und im hoͤchſten Grade graufam vor 5). Gleich- ſchilderung. 
wohl verſichert der Hauptmann Phillips, ein Englaͤnder, ſie waͤren hoͤflich und leutſelig, 
aber dabey große Bettler, weil der König und feine Kaboſchiren fie beſtaͤndig um Daſchis 
zu bekommen beſuchet 1), welches Wort bey ihnen Geſchenke heißt. 


Öggg 3 Short 
0) Siehe Snoek beym Bogm. a. d. 476 S. und 7) Ebenderſ. a. d. 192 S. 
Barb. Guin. a. d. 110 S. g eee 


pP) Warchais ı Band, a. d. 109 u. f. S. 
7) Phillips am oben angef. Orte. 7) Phillips a. d. 191 O. 


Erdbeſchr. 
der Koͤr⸗ 
nerkuͤſte. 


Kleidung. 


Waffen. 


Schoͤne 
Doͤrfer. 


606 Beſchreibung von Guinea, deffen Natur⸗ 

Shock ſaget gleichfalls, er hätte fie als ein leutſeliges Volk von guter Art gefunden, 
nur waͤren ſie, ſeitdem die Englaͤnder einige von ihnen weggefuͤhrt, ſo furchtſam geworden, 
daß ſie nicht mehr an Bord kommen wollten; und wenn bewaffnete Bootsleute ans Land 
kaͤmen, floͤhen. Sie hatten damals einige engliſche Gefangene, die in Gefahr waren, ge⸗ 
opfert zu werden ), um ihre Rache auszuüben x). 

Sie bauen ihr Land ſorgfaͤltig, und thun alles mit Ordnung und Nachdenken. Wenn 
es ihnen einfällt, zu arbeiten: fo find fie unermuͤdet Y). Sie find in der Freundſchaft ſehr 
beſtaͤndig, aber über ihre Weiber ſehr eiferfüchtig. Wegen ihrer Töchter machen fie nicht 
ſo viel Bedenken; ſondern geben ihnen voͤllige Freyheit zu leben, wie ſie wollen, welches ſie 
nicht verhindert, Männer zu bekommen 2). Gegentheils iſt es der Liebhaber wohl zufrie⸗ 
den, daß ſeine Braut Proben ihrer Fruchtbarkeit abgelegt, und durch Austheilung ihrer Ge⸗ 
wogenheit einen Schatz geſammelt hat, dadurch ihm wieder erſetzt wird, was er den Eltern 
fuͤr ſie geben muͤſſen. Sie lieben die Kinder ungemein, und es iſt ein ſicherer Weg, ſich 
bey ihnen in Gunſt zu ſetzen, wenn man ſelbigen liebkoſet, und kleine Geſchenke giebt a). 

Ihre Kleidung, ihr Vieh, und ihre Fruͤchte ſind wie an dem Vorgebirge Monte. Ihre 
Kaboſchiren tragen eine geſtreifte Kutte, die ihnen bis an die Knie geht, und wenn fie eis 
nen alten Hut bekommen koͤnnen, thun ſie fehr ſtolz damit. Außer dem tragen ſie einen 
gefärbten Sack auf den Köpfen. Die gemeinen Leute tragen ein langes Stuͤck Cattun, et⸗ 
wa einen Fuß weit, welches ſie mitten um ihren Leib wickeln, und zwiſchen den Fuͤßen durchziehen, 
beyde Ende aber vorne und hinten herunter haͤngen laſſen, auch ein Stuͤck Zeug von einem 
Fuße ins Gevierte, an einer Schnur, welche ſie mitten um den Leib gebunden haben, wel— 
ches ihnen dienet, ihre Bloͤße zu bedecken. Der Weiberputz iſt wie zu St. Tage. 

Ihre Waffen find Lanzen von etwa fünf Fuß lang, mit ſpitzigem Eiſen beſchlagen, klei⸗ 
ne Bogen und Pfeile, ſo ſchmal wie ein Reis, die meiſtens am Ende mit einer ſchwarzen 
Materie vergiftet find, die unfehlbar toͤdtet, fobald fie das Blut beruͤhret, wo das verwun— 


dete Glied nicht gleich abgeſchnitten wird. Ihre Pfeile haben keine Eiſenſpitzen noch Fer 


dern, fie ſchießen auch damit nicht nach einem Ziele, ſondern auf gerathe wohl, und kom⸗ 
men doch nahe genug dahin, wohin fie wollen. Sie haben viereckichte Schilde von duͤn— 
nen Brettern, etwa vier Fuß lang und zweene breit, mit Handgriffen inwendig, ſelbige an 
ihren linken Arm zu hängen, aber fo, daß die Hand zu Fuͤhrung des Bogens frey bleibt 2), 

Das Land iſt ſehr volkreich, wie aus den Doͤrfern in des Verfaſſers Karte von dem 
Vorgebirge erhellet. Dieſe Doͤrfer ſind groß und voll Kinder, weil die Weiber fruchtbar 


find, und die Vielweiberey verſtattet wird. Außerdem werden keine als nur die Verbre⸗ 


cher, zu Sklaven verkauft c). 


Zwo Meilen weſtwaͤrts von dem Vorgebirge find drey Dörfer, jedes von zwanzig Haͤu⸗ 
ſern, und die ſchoͤnſten, welche Snoek auf dieſer Reiſe geſehen hat. Jedes Haus hatte 
drey artige Zimmer, welche auf der Spitze wie die Heuſchober in Holland gedeckt waren. 


In 
u) So leiden die Unſchuldigen für anderer Bos⸗ 2) Wenn alſo Snoek meldet, die Weiber waͤ⸗ 
heiten. ren artig, und wie ihm die Maͤnner berichtet, moͤch⸗ 
*) Bot man a. d. 476 S. ten fie mit ihrem Leibe wie fie wollten Geld vers 


„ Gleichwohl faget Snoek, die Männer bekuͤm⸗ dienen, fo iſt ſolches von den unverheiratheten zu 
merten ſich nicht ſehr um die Arbeit, und uͤberließen verſtehen. Siehe Bosman e. d. 475 S. 
ſolche den Weibern. a) Warchais a. d. 103 u. f. D. 


6 


und politiſchen Geſchichte. VII Buch I Cab. 50 


In jedem Hauſe wohnten gemeiniglich funfzig bis ſechzig Maͤnner, Weiber und Kinder, Erdbeſchr 
alles untereinander H. e 


Marchais bemerket, obgleich die Schwarzen in ihren Gebäuden nicht viel Symme- ——’ 
trie in Acht naͤhmen, ſo waͤren doch ihre Doͤrfer ſehr angenehm. Sie ſind meiſtens mit 7778 Ge 
Erdmauern umgeben, die viel höher und dicker find, als die um ihre Haͤuſer. Sie find  ". 
mit einem Graben umringt, aus welchem die Erde genommen ward. Des Koͤnigs Haus 
unterſcheidet ſich von den uͤbrigen nur durch die Menge und Groͤße der Abtheilungen, und 
eine große Audienzhalle, wo er Fremde annimmt. ö 51 


Mitten in jedem Dorfe iſt eine Art Bühne, ungefähr ſechs Fuß über dem Boden et- Der Kalde: 

was erhoben, wohin man auf Leitern ſteigt. Man heißt fie den Kalde oder Verſamm— 
lungsplatz. Boden und Dach iſt wie in ihren Haͤuſern. Sie kommen hier wegen aller 
ihrer Geſchaͤffte zuſammen, ſo daß es eine Art von Boͤrſe, oder vielmehr von Caffeehauſe iſt. 
Die Muͤßigen gehen hieher, zu ſchmauchen und zu ſchwatzen, die Staatsleute Neuigkei— 
ten zu hören; den Reichen werden ihre Matten ſich niederzuſetzen, durch Sklaven nachges 
tragen, andere tragen ſie ſelbſt, noch andere miethen ſie von des Koͤnigs Beamten, die auf 
den Platz Acht haben c). 1 


Der Hauptmann Phillips war in des Königs Stadt, der Andrea hieß 7). Sie iſt König Ans 
etwa acht Seemeilen den Fluß hinauf linker Hand, und etwa eine Vierthelmeile von der dreas Stadt. 
Flußſeite. Man landet zwiſchen zweenen hohen Baͤumen, und geht von dar durch die Waͤlder 
nach einem offenen Platze, wo die Stadt liegt; denn es iſt hier der einzige Ort, wo keine 
Baͤume ſind. A 

Die Verſammlungshalle g), wo fie zuſammenkommen, Sachen anzuhören, Recht zu Verſamm⸗ 
ſprechen, und Staatsſachen abzuthun, liegt mitten in der Stadt. Der Boden iſt von Erde, lungshalle. 
etwa vier Fuß über dem Grunde erhoben, und darüber iſt ein zirkelrundes Gebäude, wel 
ches auf Pfoſten ruhet, und mit Palmaͤſten bedeckt iſt, ſie vor Sonne und Regen zu be— 
ſchirmen. Zwiſchen dem Hauſe und dem Grunde iſt es nach allen Seiten zu offen, damit 
es Licht und Luft habe, und hat etwa zwölf Ellen im Durchmeſſer. 


Man kann die Stadt vor den Waͤldern, welche ſie rundherum umgeben, nicht ſehen, Die Haͤuſer 
bis man hinein kommt. Sie beſteht aus etwa nig Haͤuſern, oder vielmehr Hunde⸗ 
huͤtten. Die Mauern find von Erde oder in einandergeflochtenen Zweigen mit Erde über: 
kleidet. Man kriecht durch Thuͤren oder Löcher, die nicht über zweene Fuß hoch find, hin- 
ein, und findet eine Bank von Erde etwa zwo Fuß vom Boden, die mit einer darauf 
gelegten Matte, an ſtatt eines Bettes dienet. Feuer machen ſie ſelten als in der Regenzeit, 
und alsdenn mitten im Hauſe. Sie machen ſehr feine Matten, und wirken artige Figu⸗ 
ren, roth und weiß hinein. Man ſchaͤtzet ſie in Barbados u. ſ. w. ſehr hoch, und leget 
fie auf den Boden unter die Betten, ſtatt tuͤrkiſcher Teppiche >). 


Ihre 
3) Phillips Reiſe a. d. 192 S. Marchais im erſten Bande a. d. 99 S. haben 
c) Marchais Reife erſter Band a. d. toz u. f. S. ſich lange fo genannt, vermuthlich von einem hol⸗ 


4) Siehe Bosman a. d. 475 S. laͤndiſchen Hauptmanne. 

e) Marchais an oben angef. Orte a. d. 1s S. 8) Dieß iſt der obenbeſchriebene Kalde. 

F) Der regierende Herr zu Menſurado im Jahre ) Phillips an oben angeführtem Orte auf der 
724 hieß Hauptmann Peter. Dieſe Könige ſaget 197 und folgenden Seite. } 


* 


608 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 

FErdbeſchr. Ihre Häufer 1) find nach des Warchais Berichte ſehr reinlich, und die Küchen mit 
der Koͤr⸗ dem Boden eben, auf der Seite, wo der Wind meiſt hinzu kann, offen, und auf den andern 
Be dreyen mit Pfählen, die mit rother Erde ausgefüllt, find, zugeſchloſſen. Dieſe Erde hält 
deren Be. ohne Kalk feſt und lange. Ihre Schlaf kammern erheben ſich drey Fuß vom Grunde, 
ſchreibung. die Unbequemlichkeit des Thaues zu vermeiden. Dieſe Haͤuſer find den Marktſchreyer⸗ 
buͤhnen in Europa ſehr ahnlich. Die Vorderſeite iſt offen, und der Boden hat vorne ei⸗ 
nen Platz von fuͤnf bis ſechs Fuß breit, wo die Schwarzen auf Matten den Tag mit ihren 
Weibern und ihrer Familie zubringen. Die Mauern dieſer Zimmer find von rother Er⸗ 
de, beynahe einen Fuß dicke. Die Decke erhebet ſich wie bey einem Zelte, iſt mit Zweigen 
oder Palmblättern gemacht. Zur Rechten und Linken find zwo Bänke, einen Fuß hoch aud 
viere breit, darauf legen fie einen Fuß dicke Matten, welche fie mit Cattun oder Calico be⸗ 
decken, und mit dergleichen Vorhaͤngen umgeben. Zu oberſt in jedem Zimmer ſetzen fie 
ihre Kiften, und hängen ihr Gewehr an die Wand. . 


Boden und Der Boden beſteht aus großen runden Balken, die hart aneinander gelegt, und an den 

Feuerplatz. Enden, und in verſchiedenen Orten zwiſchen den Queerbaͤumen, welche ſie tragen, ſtark be⸗ 

feſtigt ſind. Sie bedecken dieſe Balken mit dichten Huͤrden, daruͤber ſie dicke rothe Erde 

wohl ſchlagen, und daraus entſteht ein ſtarker feſter Boden, den ihre Weiber ſehr reinlich 

halten. In der Mitten machen ſie etwa ſechs Zoll hoch eine Erhoͤhung von zwey Fuß ins 

Gevierte, auf der fie Tag und Nacht ein beftändiges Feuer halten, den Tag zu rauchen, des 

Rachts die Fliegen wegzutreiben, und ſich vor der Kaͤlte und Feuchtigkeit der Luft zu 
verwahren. | 

Zahl den Dieſer Kammern giebt es ſoviel als der Mann Weiber hat, bey denen er nach der Rei⸗ 

Zimmer. he ſchlaͤft; ihre Größe richtet ſich nach der Zahl von jeder Familie. Die Frau, bey der der 

Mann die Nacht zubringen will, haͤlt ſeine Abendmahlzeit fertig. 


Neben⸗Haͤl⸗ Außer dieſen Kammern oder Haͤuſern, haben ſie beſondere Pläge, ihren Vorrath von 
fer, Reiß, Maiz, Huͤlſenfruͤchten, Palmöl, Brandtewein, und andere Nothwendigkeiten aufzu. 
heben. Dieſe ſind rund wie Taubenhaͤuſer, mit einem ſpitzigen Dache. Es liegen Schloͤſ⸗ 
fer davor, davon der Hauswirth die Schluͤſſel in feiner Verwahrung hat, und taglich oder 
woͤchentlich ſoviel austheilet, als er zum Unterhalte jeder Familie noͤthig zu ſeyn glaubet. 
Bey allem dieſem leben die Weiber in Frieden. Den Tag ausgenommen, da ſie ihn zu | 
. Haufe erwarten, bringen fie ihre Zeit mit Arbeiten zu Haufe oder auswärts, und mit Be— 
ſorgung ihrer Kinder zu. Alle Käufer, welche einer Perſon zugehoͤren, find mit einer Erd⸗ 
mauer fieben bis acht Fuß hoch eingeſchloſſen, und mit einem Dache von Zweigen oder 
Palmblaͤttern bedeckt 4). | | 
Religion. Ihre Religion iſt eine verwirrte Abgötterey, wobey ſie ihre Gottheiten der Fetiſches oft ver⸗ 
ändern 7). Ihre Anbethung der Sonne iſt beſtaͤndiger; ſie opfern derſelben Palmwein, Fruͤchte 
und Vögel. Vormals opferten fie auch Menſchen: aber ſeit dem fie den Vortheil entdeckt haben, 
N 5 ihre 
1) Siehe die Figur. 9 85 m) Marchais an oben angefuͤhrtem Orte auf 
e erſter Band auf der 104 und der 1or und folgenden Seite. a | 

en E . N g 5 
8 5 7) See find von mancherley- Materien. Die ) Siehe Bos man a. d. 476 S. 
Engländer brachten eins im Jahre 1721 mit. e) phillips Reiſe a. d. 191 S. 


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und politiſchen Geſchichte. VIII Buch l Cav. 69 

ihre Kriegsgefangenen an die Fremden zu verkaufen, hat dieſe Gewohnheit aufgehört. Ein Erdbeſche. 
großer Prieſter oder Marbut thut dieſe Opfer, und hat nebſt dem Koͤnige das Beſte davon; ea 
das übrige bekommt das Volk. Die muhammedaniſche Religion hat nie hier Fuß 8 
faßt, obgleich der Name Marbut ſo was anzuzeigen ſcheint. Vermuthlich haben ſie ihn 
von einigen Europäern genommen m), 

Nach Snoeks Erzählung iſt ihre vornehmſte Waare der Palmwein, den fie häufig Handel. 
und gut haben u). Nach dieſem folget der Reiß. Gegentheils haben fie gern Bujis oder 
Rowris, und ſchaͤtzen ſolche ſehr hoch. Phillips kaufte für eine Pinte dreyßig Pfund 
Reiß. Die andern Waaren, welche ihnen gefielen, beſtunden in Eiſenſtangen, und rothen 
walliſchen Zeugen: ſie hatten aber nichts von Wichtigkeit zu handeln; weil die wenigen klei⸗ 
nen Elephantenzaͤhne, die ſie vorzeigten, nicht der Muͤhe werth waren o). 

Marchais ſaget, das Vorgebirge Meſurado koͤnnte jaͤhrlich funfzehnhundert oder 
zwey tauſend Sklaven, vier oder fuͤnf hundert Quintale Elfenbein, ſoviel Faͤrbeholz als man 


wollte, und Gold nach Beſchaffenheit der Geſchicklichkeit von dem Oberfactor in dieſem 
Theile der Handlung, hervorbringen 5). 


Wie der Ritter des Marchais des Königs Anerbiethen, wegen der Inſel in der Vorſchlag 
Muͤndung des Fluſſes ausgeſchlagen hatte, weil auf ſolcher weder friſch Waſſer, noch ein wegen eines 
freyer Weg nach der See war: ſo gab ihm der Koͤnig Erlaubniß, einen Platz auszuleſen. 3 
Bey Unterſuchung der Kuͤſte fand er keinen Ort fo bequem, als das Vorgebirge ſelbſt. De 
Aus der Beſchreibung erhellet, daß ein Fort auf dem Gipfel die Schiffe, welche in der Rheede 
ankerten, beſtreichen wuͤrde, und wenn ſie einen Weg im Felſen machten, wuͤrden ſie allezeit 
friſch Waſſer haben, und zur See kommen koͤnnen, wenn ihnen auch der Weg zu Lande 
abgeſchnitten wäre. Dieſe Einrichtung würde nicht viel koſten, da das Land Erde zu Zie- 
gelſteinen hat, und Steine ſehr gemein ſind, auch viel Holz, und wohlfeil zu leben iſt. Der 
Factorey würde alſo hier keine Beyhuͤlfe fehlen, als Wein und Brandtewein; und Rind» 
fleiſch, Schoͤpſenfleiſch, u. d. g. waͤren leicht zu bekommen. Wildpraͤt iſt im Ueberfluſſe 
da, ſowohl als allerhand Arten von Gevoͤgel, und die Bayen und Fluͤſſe liefern Fiſche 
und Schildkroͤten. Kein Fluß auf der Kuͤſte hat ſoviel Flußpferde, als dieſer. Ihr Fleiſch 
iſt gut, und die Zähne und Hauer find weißer und ſchaͤtzbarer, als Elfenbein 4). 


Zwiſchen dem Vorgebirge Meſurado und dem Fluſſe Seſtro, find verſchiedene Fluͤſſe. Rio Junco. 
Der erſte iſt Jonck oder Junco, der auch Rio del Punte heißt, in fuͤnf Grad funfzig 
Minuten nordlicher Breite. Die Muͤndung oder Einfahrt liegt Suͤdſuͤdoſt. Man kennt 
ihn an drey großen Baͤumen, auf einer kleinen Erhoͤhung dreyen Bergen gegenuͤber, ein 
großes Stuͤck Weges ins Land hinein 7). Die Mündung iſt breit, wie einige ſagen, vier 
bis fuͤnf hundert Schritte, hat aber wenig Waſſer. Auf beyden Seiten ſtehen Bäume, 
welche eine angenehme Ausſicht machen ). Das ganze Ufer ift voll Orangen-Citronen⸗ 
und Palmbaͤume. Diejenigen, welche hieher handeln, ankern insgemein in der Muͤndung 


A des 

p) Marchais an oben angefuͤhrtem Orte im er⸗ von dem Vorgebirge Meſurado in fünf Grad fünf 
fen Bande auf der 114 S. ü und funfzig Minuten Breite. 

4) Marchais erſter Band a. d. 113 S. s) Der Fluß iſt breit, und wie ihm gemeldet 


r) Phillips ſaget eben das von den Kennzei⸗ worden, mit einem guten Platze, Holz und Waſſer 
chen, ſetzet aber den Fluß etwa vierzehn Seemeilen einzunehmen, verſehen. S. ſeine Reiſe a. d. 194 S. 


Allgem. Reiſebeſchr. II Band. 96565 


Erdbeſchr. 

der inlaͤnd. 

Laͤnder. 
ru 


Fluß Tabo. 


Klein Dieppe. 


Namen der 
Laͤnder. 


610 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur: 
des Fluſſes, und loͤſen ein Stuͤck; haben die Negern alsdann etwas zu verkaufen, als 
Flußpferdezaͤhne, Elfenbein, Lebensmittel oder Sklaven: ſo machen ſie ein Feuer. Alle 
Handlung aber wird am Borde mit Canoes gefuͤhrt. 2 0 

Sechs Meilen oſtwaͤrts vom Fluſſe Junko iſt eine wichtige Bay, welche dem Fluſſe 
Tabo zur Muͤndung dienet. Auf der Oſtſeite des Fluſſes iſt ein großes volkreiches Dorf, 
obwohl die Einwohner ſagen, es ſey noch ganz ein anderer Ort zu den Zeiten der Normaͤn⸗ 
ner geweſen. Es liegt auf einer kleinen angenehmen Inſel mitten im Fluſſe, wo fie eine Facto⸗ 
rey, klein Dieppe genannt, hatten 7). Ob ſolche gleich feit einem Jahrhunderte eingegangen: 
ſo erhalten die Schwarzen doch immer noch das Andenken, und die Englaͤnder, Hollaͤnder und 
andere, die hier handeln, behalten den Namen. Dieſes, ſaget der Verfaſſer, iſt ein Be— 
weis, daß die Normaͤnner hier geweſen find, ehe die Portugieſen Africa entdeckt haben 1). 


Das II Capttel. 


Nachricht von den Gegenden im Lande zwiſchen Sierra Leona 
und dem Fluſſe Sextos oder Seſtro. 


Der ! Abſchnitt. 


Namen der Länder. Fluß Sherbro. Quilligo. Lande Quoggelo oder Kquoggelo. Adler. Blaue Papa: 
ſchaft Quoja. Hondo. Die Folgias find zinsbar. geye. Vorbedeutungsvoͤgel. Schwalbe und Fle— 
Reich von Manow. Die Quabi Mauow. Waffer: dermaus. Qfonſu. Tauben. Der Jouwa. Sees 
elephanten. Silla Vandoch. Stachelſchwein. wunder. Seehahn. Seltſamer Fiſch. Ein anderer. 


as Land zwiſchen Sierra Leona und dem Fluſſe Seſtro theilet ſich in verſchiedene 
Gegenden, beſonders die Landſchaften Bulm, Silm, Quilliga, Quoja, Hondo, 
Galas, Karadabo, Galivey, Folgias, Quabe, und andere mehr. Zu jedem 
dieſer Namen ſetzet man insgemein Monow, oder Berkoma. Monu oder Monow 
heißt Volk, und Berkoma heißt Land. | 
In der Befchreibung von Sierra Leona ift ſchon einige Nachricht von Bulm ertheilt 
worden. Dieſes Land liegt am Meere, unweit des Fluſſes Selbore, oder Sherbero, 
den die Portugieſen das Palmas nennen. Etwan ſechzig Meilen hinauf liegt die Stadt 
Baga, Bagas oder Bogas, wo ſich der Fuͤrſt aufhaͤlt, und die Englaͤnder wegen des 
rothen Holzes handeln. 4 
Nach Dappers ) Beſchreibung liegt vierzig Meilen von Suͤdoſt Silm, wo man 
verſchiedene Städte antrifft, die am Fluſſe liegen. Unter denenſelben iſt die Stadt Qua— 
namora, welche fünftaufend Familien, ein treuloſes Volk, enthält. 


Der 
1) Barbot giebt die Ausſicht davon a. d. 107 S. 5) Andere Sherbora und Serbero. 
unter dem Namen Rio Corſo c) Ogilbys Africa a. d. 377 u. f. S. 
u) Marchais am oben angefuͤhrten Orte auf 4) Vi oder Dey heißt hald, und Berkoma 
der 132 und folgenden Seite. heißt Land. Weil es nur eme halbe Nation iſt. 


a) Beſchreibung von Africa. Ggilby hat fol: e) Monow Volk i 
che uͤberſetzt, und daraus wollen wir unſern Auszug F) Oder Townwey. Dapper ſaget, das Land 
machen. erſtreckte 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 6ır 


Der Selbore oder Sherbero, welcher der Hauptfluß des Landes iſt, theilet ſich gegen Erdbeſchr. 
feine Mündung in zweene Aerme, von denen einer weſtwaͤrts läuft, und von den Einwoh- der inlaͤnd 
nern Torro; der andere aber, der ſuͤdwaͤrts geht, von den Portugieſen Rio de St. Anna 8 
genannt wird 6). Torro hat zwey bis dreymal des Jahres nur wenig Waſſer, und kann Fluß Sher⸗ 
wegen der vielen Inſeln in ſeinem Canale nur von Booten beſchifft werden. Das Eyland, bero. 
welches bey den Englaͤndern Sherbero heißt, nennen die Portugieſen wegen feiner ange— 
nehmen Gebuͤſche Ferula, oder Farillons. Im letzten Jahrhunderte kannte man es mehr 
unter dem Namen Maſſokoy, von dem Prinzen, den der Koͤnig von Quoja zu ſeinem 
Vicekoͤnige gemacht hatte. 

Das Koͤnigreich Quilliga liegt unweit des Fluſſes Maqualhary, welchen die Por⸗ 
tugieſen Galinhas oder Huͤhner nennen. Ueber ſelbigem, etwan zweyhundert und drey⸗ 
ßig Meilen, halten ſich die Karradabo Monow auf. Er entſpringt in der Landſchaft 
Hondo, welche mehr nordwaͤrts liegt. Alle dieſe Länder gehoͤren unter den König von 
Quoja c). 

Das Land hineinwaͤrts von Wahkongo, oder dem Vorgebirge Monte, heißt Quoſa. Landſchaft 
Es wird von zweyen verſchiedenen Voͤlkern, den Vey Berkoma, und den Quoja Ber- Quoja. 
koma, bewohnt, die beyde von den Karowern überwunden worden. Die Vey Berkoma ) 
ſind von den alten Bewohnern des Fluſſes Mavah und Cape Monte uͤbrig geblieben. 

Dieſes war vor Zeiten eine ſtarke und kriegeriſche Voͤlkerſchaft, die ſich bis in das Land von 
Manov erſtreckte e), jetzo aber nur in einer Hand voll Leute beſteht. 


Quoja Berkoma, das iſt, das Land Duoja, erſtrecket ſich bis in die Provinz Tom⸗ 
wey /), und granzet Nord und Nordoſt mit den Galas, Dep Galas, Hondo, Ronde⸗ 
Quoſas, Manow, Folgias und Karows oder Karow Monow. Die Galavey find 
von den Galaern hergekommen, aber von den Hondoern aus dieſem Theile Landes vertrieben, 
und von den wahren Galaern durch einen großen Wald abgeſondert. Der Oberſte der 
Galaer heißt Galla Falli. Dieſes Land hat verſchiedene Staͤdte und Doͤrfer, die mei— 
ftens am Fluſſe Maguiba liegen. Dieſer Fluß, den die erwähnten Städte zieren ), ift 
einer von den vier vortrefflichen Fluͤſſen, die Quoja waͤſſern. Die drey andern find Ma⸗ 
vah, Plizoge, und Menoh oder Aquada. 


Die Landſchaft Hondo liegt etwas nordlich von Galavey 4). Sie iſt in vier Fuͤr- Landſchaft 
ſtenthuͤmer, Maſſillagh, Dedowaeh, Dangurro 1) und Dandi getheilt, davon die Hondo. 
Oberhaͤupter vom Koͤnige von Quoja ernennet werden. Sie haben alle gleiches Anſehen, 
und bezahlen ihm jaͤhrlich etwas durch Geſandten, in Geſchenken von metallenen Keſſeln, 

Becken, Quaquazeugen, rothem Zeuge und Salze. 


Die Konde Quojas, das iſt, die hohen Quojaer, find der Sonde Monow Nach— 
barn, und in der Sprache von den Quofaern unterſchieden. 


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erſtreckte ſich vom Fluſſe Magwiba, den die Por⸗ g) Siehe oben a. d. 598 S. 

tugieſen Rio Novo nennen, nach Rio Paulo am 4 

Vorgebirge Meſurado, der es von der Landſchaft S A ° Auch Barbots 
Gebbe theilte Siehe Ggilby auf der 379 Seite. ? he 

Woraus Barbot dem Anſehen nach alles, was er 1) Dieſes iſt vielleicht die Landſchaft Dongo, die 
ſaget, ohne Benennung des Verfaſſers, genommen. nach Dappers Berichte darein eingeſchloſſen iſt. 


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6¹ Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur 


Sedbeſchr. Die Lander der Folgias und Monow werden durch die Fluͤſſe Junko und Arvo⸗ 
W redo gewaͤſſert, welche die Folgias von den Karow Monow abſondern, obwohl der Koͤ— 
ng der Karow im Lande der Folgias ) wohnet, auch ſeit dem fie ſich vereinigt haben, 
welches wir nebſt ihren Siegen uͤber die andern Voͤlkerſchaften gleich erzaͤhlen wollen. 


a Die Folgias find dem Kaiſer von Manow oder Manoe unterthaͤnig, wie die Ouo⸗ 
Die Folgias jger ihnen. Die Herrſchaften dieſes Kaiſers von Manoe erſtrecken ſich in verſchiedene 
find zinsbar. benachbarte Länder, die ihm jährlich Tribut bezahlen, welcher in Sklaven, Eiſenſtangen, 
Zeugen und dergleichen, beſteht. Zum Zeichen ſeiner Gewogenheit beſchenkt er ſie mit 
Quaquazeugen, welches die Folgias auch den Quojaern thun, wenn dieſe ihren Tribut ge⸗ 
ben; und die Quojaer geben auch eben dergleichen den Koͤnigen von Bulm und Hondo 
aus eben ſolchen Urſachen. 

Die Folgias, ſowohl als die Bulm und Silm )), heißen die Unterthanen dieſes Kai⸗ 
Kaiſerthum ſers Mendi m), das iſt, Herren; und die Quojaer Mendi Monow, das iſt, das Volk 
Monow. des Herrn. Sie thun dieſes, um ſich ſelbſt deſto mehr zu ehren, weil fie ihm zinsbar find, 
Gleichwohl hat jeder von dieſen kleinen Koͤnigen eine unumſchraͤnkte Gewalt in feinem Be— 
zirke, und kann ohne Einwilligung des Kaiſers, oder eines andern, von dem er zu Lehn geht, 

Krieg fuͤhren, und Friede machen. 

Es ift erſtaunlich, daß ein fo kleines und wenig bevoͤlkertes fand, als Manow ») iſt, 
ſich ſo viele andere unterwuͤrfig gemacht hat, und noch immer ſein Anſehen uͤber ſie alle erhaͤlt, 
beſonders uͤber die zahlreichen Folgias. Man muß dieſes der guten Staatseinrichtung der 
Mano wer und der Lage der Sander zuſchreiben, die von einander abgeſondert liegen. 

Quabi Ma:⸗ Die Quabi Manower wohnen am Fluſſe Seſtro. Sie wurden vormals vom 
nows. Flauſire, dem Könige der Solgiss, unterthaͤnig gemacht, haben aber ſeit dem ſich wieder 
in vorige Umſtaͤnde geſetzt, und find dem Kaiſer von Manow allein unterwürfig 0). 

Die Pflanzen, Thiere und ſo ferner, find hier, beſonders im Lande der Onofaer eben der: 
gleichen, als wir in der vorigen Abtheilung der Kuͤſte beſchrieben haben. Es befinden ſich 
um das Vorgebirge Monte und die Fluͤſſe Maguiba und Mavah häufige Waſſer⸗ 
elephanten. An dem erſten Orte heißt man fie Kaumach, und an dem letztern Ker Ka⸗ 
monow. Sie find fo groß, wie ein Pferd, aber dicker. An dem letztern Fluſſe iſt noch 
ein ander Thier von eben der Größe, braun von Farbe, mit weißen Streifen, einem lan- 
gen Halſe, kurzem Leibe, kleinen Füßen und Hoͤrnern, wie ein Stier. Die Prieſter und 
Beſchwoͤrer p) blaſen auf dieſen Hoͤrnern, wenn fie beſchwoͤren, oder dem Volke etwas an⸗ 
kuͤndigen, und halten ſie ſehr hoch; welches anzeiget, daß das Thier nicht gemein iſt. Es iſt 
auch ſehr ſchnell und leicht, und thut Saͤtze, wie ein Rehbock. 
illah Van⸗ Das Silla Vandoch iſt fo groß, wie ein Hirſch, gelblicht, mit weißen Querſtreifen, 


Waſſerele⸗ 
ꝓhanten. 


doch. Die Hoͤrner ſind etwan zwoͤlf Zoll lang, und jedes hat ein Loch, wodurch das Thier Athem 
holet. Es iſt ſchneller, als ein Hirſch. 

Stachel⸗ Die Stachelſchweine, welche man hier Quinja nennet, find groß und klein. Die erſte 

ſchweine. Art iſt von der Größe eines Schweins, über und uͤber mit dicken langen hartgeſpitzten Sta⸗ 

| Ä * cheln, 

k) Ggilby a. d. 280 S. nicht), haben wir die Namen, wie fein Ueberſetzer 


17) In der Ungewißheit, ob Dapper franzoͤſiſche Ggilby und fein Ausſchreiber Barbot, gelaſſen. 
oder hollaͤndiſche Scheiftſteller gebraucht hat; (denn ) In der Grundſchrift ſteht Mendi Wonow, 
er nennet ſolche, wie andere Zuſammenſchreiber, welches ein Fehler ſeyn muß. g 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 613 

cheln, die ſchwarz und weiß geſtreift find, und in gleichen Weiten voneinander ſtehen. Der Naturgeſ. 
Verfaſſer brachte einige von dieſen Stacheln mit, welche ſo groß als die Gaͤnſekiele waren. der en 
Wenn man fie böfe macht, fo ſchießen fie ſolche mit fo vieler Gewalt, daß fie in ein Brett G 5 
dringen. Sie beißen alle Stoͤcke entzwey; und wenn man ſie in einem Kaͤfichte von 
Holze verwahrt, ſo freſſen ſie ſich durch. Sie haben das Herz, die gefaͤhrlichſte Schlange 
anzufallen. Es iſt vollkommen einerley Thier mit dem Faeta der Barbarey. Man hält 
das Fleiſch unter den Schwarzen fuͤr eine gute Speiſe. 5 

Das Quoggelo oder Kquoggelo lebet im Waſſer und auf dem Lande. Es iſt etwan Quoggeld⸗ 
ſechs Fuß lang, mit harten und undurchdringlichen Schuppen, wie ein Krocodil, bedeckt, 
dem es auch an Geſtalt gleicht. Es beſchuͤtzet ſich gegen andere Thiere durch Aufrichtung 
ſeiner Stacheln, die am Ende Spitzen haben. Es hat eine breite Zunge, mit der es Unge⸗ 
ziefer faͤngt. | | 

Adler find hier von viererley Art. Der Requolant-fa hält fih auf den hoͤchſten Adler: 
Baͤumen auf, und raubet Affen. Der Kequolant⸗ja⸗klow hat fehr gekruͤmmte Klauen, 
und lebet von Fiſchen in den Moraͤſten und Teichen. Der Simbi, welcher von Voͤgeln 
lebet. Der Pop, der wie die zweyte Art mit Klauen verſehen iſt, ſich an den Kuͤſten auf 
hält, und von Krabben und andern ſchalichten Meerthieren lebet. ö 


Es giebt hier viele blaue Papageyen mit rothen Schwaͤnzen, und man heißt ſie Mo⸗ Blaue Pa⸗ 
ſaey⸗i. Der Komma iſt ein ſehr ſchoͤner Vogel, hat einen grünen Hals, rothe Schwin- pageyen. 
gen, ſchwarzen Schwanz, gekruͤmmten Schnabel und Papageyklauen. 

Der Kloſi⸗fow⸗kegboſſi ift etwan von der Größe eines Sperberfalkens, mit ſchwar⸗ Vorbedeu⸗ 
zen Federn. Die Schwarzen ſehen ihn als einen Vogel, der Vorbedeutungen angiebt, an, tungsvoͤgel. 
und erzaͤhlen viele ausſchweifende Maͤhrchen von ihm. Wenn ſie ihn auf der Reiſe ſehen, 
oder ſingen hoͤren: ſo kehren ſie zuruͤck; und wenn einer jaͤhling ſtirbt: ſo ſagen ſie, der 
Regboffi habe ihn getoͤdtet. Er frißt Ameifen, N 

Der Fanton, von der Groͤße einer Lerche, iſt auch ein Vorbedeutungsvogel. Wenn 
dieſe kleine Creatur auf Sträuchern ſitzt, wo ein Thier verborgen iſt: fo ſingt fie bey Annä⸗ 
herung der Jaͤger laut; und wenn ihr dieſe antworten: Tonton kerre: wir wollen 
folgen; ſo fliegt ſie gegen das verſteckte Thier, und zeiget es richtig an. 

Die Lele oder Schwalbe iſt von zweyerley Arten. Die Tageſchwalbe, Lele Atterema, Schwalbe 
und die Nachtſchwalbe, Lele Serena. Das letzte iſt die Fledermaus. Die Fledermaus, und Fleder⸗ 
Namens Tonga, it fo groß wie eine Turteltaube, und wird als eine wohlſchmeckende maus. 
Speiſe gegeſſen. Die Baͤume ſind von ihnen ſo voll, daß ſie von der Laſt brechen. 

Ein kleiner Vogel, wie ein Sperling, macht nach und nach mit ſeinem Schnabel ein 
loch in die Baͤume, um daſelbſt zu niſten und zu hecken. e 

Der Ofonſu iſt eine Art Raben von ſchwarzem Leibe und weißem Halſe. Er baut Qfonſu oder 
ſein Neſt auf Baͤumen mit Aeſten und Erde. Die Schwarzen ſagen, die Weibchen riſſen Rabe. 
ſich, wenn fie brüten wollten, ihre Federn aus, ihre Brut zu bedecken; und der Hahn braͤchte 
ihnen ſo lang Futter, bis ſie ſich ſelbſt verſorgen koͤnnten. 

Hhh hs Es 
u) Beym Barbot Nonow; um es aber von 0) Barbot a. d. 122 u f. S. 
dieſem Worte, welches Volk heißt, zu unterſcheiden, 7) Hexen und Zauberer heißt man hier Sovah 
ſetzen wir mit Dappern Manor. Monow. Barbara. d. us S. 


614 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Naturgeſch. Es giebt hier dreyerley Arten von Papu, oder Turteltauben, die Bollendo, die dop⸗ 
der inland. pelte Kronen haben, die Kambij, mit kahlen Köpfen, und die Duedue, deren Leib ſchwarz 
Ene weiß und geſprenkelt, und der Hals ganz weiß iſt. f 


Tauben. Kraniche ſind hier, die man Sigua nennt. Der Dorro iſt ein großer Vogel, der 
in den Moraͤſten und Fluͤſſen Fiſche aufſuchet. 5 
Jouwa. Der Jouwa, in der Größe einer Lerche, leget ordentlich ſeine Eyer in gebaͤhnte Wege 


und Straßen. Die Schwarzen glauben, wenn jemand ſelbige zerbreche: ſo wuͤrden deſſen 
Kinder bald ſterben. Sie eſſen alle vorerwaͤhnte Vögel, dieſen letzten, den Fanton und 
Kegboßi ausgenommen, die heilig find 7). - 
Meerwun⸗ Es giebt vielerley Fiſche laͤngſt dieſer Kuͤſte. Der Ritter des Marchais traf einen 
der. von wunderbarer Geſtalt 7) auf dieſer Seite des Vorgebirges an, der allen auf dem Schiffe 
unbekannt war. Er hatte etwa acht Fuß vom Kopfe an den Schwanz in der Länge, anderthalb 
Fuß in der Dicke, u. fuͤnftehalb im Umkreiſe; aber keine Schuppen. Die Haut war dick, hart und 
rauh, wie bey dem Hay. Man fing ihn mit einem großen Haken, an einer eiſernen Kette. 
Als ſie ihn nahe ans Schiff gebracht, ſchlungen ſie einen Strick mit einer Schlinge um fei- 
nen Schwanz, und zogen ihn dadurch hinauf, machten ihn aber forgfältig todt, ehe fie ihn 
an Bord brachten. Die Kehle war groß, mit zwoͤlf Zaͤhnen bewaffnet, ſechſe oben, und 
ſechſe unten, dicke und ſcharf, etwa zween Zoll lang. Seine Schnauze ſtreckte ſich einen 
halben Fuß über ſeine Unterkinnbacken, und war ein Knochen mit eben der Haut, ſo wie 
ſein Koͤrper bedeckt, von graulichter Farbe, ob wohl Kehle und Lippen glaͤnzend roth waren. 
Seine Augen waren groß, roth, und glänzten wie Feuer. Statt der Fiſchohren hatte er 
fuͤnf Einſchnitte auf jeder Seite, die er nach Gefallen oͤffnete und ſchloß, und gleich unter 
ihnen eine ſehr ſtarke Finne von mittler Groͤße. Er hatte zwo andere unter dem Leibe, und 
noch eine auf dem Ruͤcken. Sein Schwanz war ſchuppicht, dick, ſtark und groß, und mit 
eben dergleichen Haut bedeckt. Weil ihm ein Hay ſich näherte, indem er gefangen war, 
gab er ſelbigem einen Schlag mit feinem Schwanze, wovon jener ſich in Eil fortmachte ). 
Seehahn. Eben derſelbe Verfaſſer redet von einem Fiſche, der unweit des Vorgebirges gefangen 
worden, den er einen Seehahn nennt 1). Er war etwa zehn Fuß lang, und fuͤnfe im 
Umkreiſe. Sie hielten ihn erſt fuͤr einen Blaſer oder Grampus, weil er ein kuftloch auf 
dem Kopfe hatte, und dadurch einen ſtarken Waſſerſtral ausblies. Auf dem Ruͤcken hatte 
er eine große Finne, und zwo von eben der Größe unter den Fiſchohren. Der Schwanz 
war groß, ausgezackt, dick und ſtark, das Auge voll, groß, roth und lebhaft, die Fiſchohren 
groß, mit drey Deffnungen auf jeder Seite, wie falſche Fiſchohren, der Mund weit, und mit 
kleinen Zähnen bewaffnet, die dichte beyſammen, und ſcharf waren, auch noch ein Ruͤſſel, 
etwa zwanzig Zoll lang, der in zwey Theile getheilt, von dem obern und untern Kinnbacken her— 
aus gieng. Dieſer Ruͤſſel oder Schnabel war hart und beinigt, mit Knorpel umgeben, und 
mit einer rauhen Haut wie Chagrin bedeckt, die ſo hart, als die Haut des grauen Hay war. 
Eben dergleichen Haut bedeckte ſeinen ganzen Körper. Sein Fleiſch war dem Seepferde aͤhn⸗ 
lich, ſehr fett, mit magern vermiſcht, und wohlſchmeckend ). 


Seltſame Die Seen bey dem Vorgebirge Meſurado bringen einige ſeltſame Fiſche hervor, von 
Fiſche. denen Warchais zweene beſchreibt. Der erſte x) war von der Schnauze bis ans Ende 
des 


g) Varbots Beſchr. v. Guinea, a. d. rz u. f. S. ) Marchais 1 Band, a. d. 43 u. f. S. 
7) Die Kupfertafel. 7) Siehe die Kupfertafel. 


und politiſchen Geſchichte. VII Buch I Cap 655 
des Schwanzes funfzehn oder achtzehn Zoll lang, vom Bauche bis auf den Ruͤcken ſieben 
oder achte dick, und etwa fuͤnfe von einer Seite auf die andere. Seine Schnauze war kurz, 
ſein Mund nicht allzuweit, und mit ſcharfen und ſtarken Zaͤhnen beſetzt. Er fiel begierig 
an den Angel. Ueber dem Munde hatte er zwey Naſenloͤcher, und auf jeder Seite eine 
Erhoͤhung, wie eine Naſe. Seine Augen waren ſein beſonderſter Theil, und weit von ſei— 
nem Munde, am Anfange des Ruͤckens geſetzt. Sie waren rund, groß, roth und lebhaft, 
und jedes mit einem Augenliede bedeckt, welche in beſtaͤndiger Bewegung zu ſeyn ſchienen. 
Dieſe Augen waren im Mittel eines Sternes von ſechs Stralen, drey oder vier Zoll lang, 
bey dem Orte, wo ſie in die Augen giengen, ſo groß, als eine Gaͤnſefeder, und mit einer 
ſtumpfen Spitze an dem Ende. Sie beſtunden aus harten Knorpeln, die wie des Wallfi- 
ſches ſeine biegſam waren. 


Dieſer Fiſch hat nur einen Wirbelknochen, vom Kopfe bis an den Schwanz, mit Rib⸗ 
ben, die etwa halb in die Seiten herunter gehen. Er hat fuͤnf Schlitze, wie kleine Fiſchoh⸗ 
ren, nebſt zwey groͤßern, die wie Menſchenohren geſtaltet, aber nicht zugeſpitzt ſind. Am 
Ende jedes von den großen iſt eine Finne, deren aͤußerſte Schaͤrfe ſich in ſcharfe Spitzen, wie 
die Fluͤgel der Fledermaus, theilen. Laͤngſt ſeines Ruͤckens hatte er eine große Finne, in 
zweene Theile getheilt, von denen der erſte etwa ſechs bis ſieben Zoll lang war, einen niedri— 
gern bey ſich hatte, beyde aber ſehr zackicht und ſcharfgeſpitzt waren. Die Zacken der erſten 
Abtheilungen waren am kuͤrzeſten, und der eine niedriger als die andern, die von dem zweyten 
Theile nahmen nach und nach bis an den Schwanz ab. Dieſer Schwanz war groß, aus 
zweenen Theilen zuſammengeſetzt, davon der zunaͤchſt am Leibe fleiſchicht war, und ſich in eine 
Finne, wie die auf dem Ruͤcken, endigte. Unter dem Leibe hat er zwo dergleichen Finnen. 
Er iſt ohne Schuppen, aber mit einer gelben ſchwarzgeſprenkelten Haut bedeckt, die ſo eben, 
glatt, dick und ſtark iſt, als Pergament. Das Fleiſch iſt weiß, fett, ſtark, und ſehr wohl⸗ 
geſchmackt. Die größten find nicht über ſechs bis ſieben Pfund ſchwer 7). 


Naturgeſ. 
der inländ. _ 


Laͤnder. 
— —ê 


Der zweyte, welcher in Menge um dieſes Vorgebirge herum, und in den Fluͤſſen dabey Ein anderer, 


iſt, uͤbertrifft den erſten ſehr an Groͤße; einige waren zween Fuß lang, und wogen funfzehn 
bis achtzehn Pfund 2). Der Kopf war etwa einen Fuß hoch, wo er am breiteſten war; 
denn er hatte eine laͤnglichtrunde Geſtalt. Er glich einer alten Frau ſehr, mit einer großen 
Naſe, runden Nafenlöchern, breiter Oberlippe, und großem Munde, mit uͤbelgeſetzten Zaͤh⸗ 
nen. Das Kinn ragte mit einer merklichen Vertiefung dazwiſchen und zwiſchen dem Munde 
hervor. Die Haut fiel auf jeder Seite unter das Kinn herunter, machte ein doppeltes 
Kinn, und vereinigte ſich an der Bruſt. Die Augen find rund, groß und roth, die Fiſch— 
ohren breit, und jede von einer Finne, wie ein Fledermausfluͤgel, bedeckt. Der Koͤrper iſt 
rund, und nimmt nach und nach bis an den Schwanz ab, wo er flach wird, und ſich in eine 
Finne, wie die an den Fiſchohren, endigt. Unweit des Schwanzes hat er zwo aͤhnliche Fin— 
nen, eine auf dem Ruͤcken, die andere am Leibe, jede etwa acht Zoll lang. Die Haut iſt 
braun, rauh, und ohne Flecken, uͤber und uͤber mit Stacheln, von drey bis vier Zoll lang, 
beſetzt, die wie Horn ſo hart ſind, und ohne einige Erhebung an der Wurzel, aus der Haut 


heraus wachſen. Er bewegt dieſe Stacheln nach Gefallen, und man ſaget, die Verwun— 
dung 


n) Marchais 1 Band, a. d. 72 u. f. D. ) MWarchais 1 Band, a. d. 1at u. f. S. 
&) Siehe die Kupfertafel. 2) Siehe die Kupfertafel. 


616 Beſchreibung von Guinea, deſſen Naturns 


cgtaatsver⸗ dung davon wäre gefährlich, weil das Thier noch lebte. Er ſchwimmt ſehr ſchnell. Sie 
änderung ziehen dieſen Fiſch ab, ihn zuzurichten, und das Fleiſch iſt vortrefflich. Er lebet von Kran: 
der inländ. tern, Krabben und kleinen Fiſchen 22). 

— — l 


Lander. 
g Der I Abſchnitt. 
Staatsveraͤnderung und Eroberungen der Karower und Folgias. 


Vereinigung der Karower und Folgias. Sie ſtehen ſires Eroberungen. Sierra Leona wird durch Dago 
dem Manimaſſah bey. Machen ſich das Vor- Falma wieder erobert; auch wieder verlohren. 
gebirge Monte unterwuͤrſig. Flonikerri wird Gammanahs Aufruhr; welchen Flanſire daͤmpft. 
getoͤdtet. Andere Nationen werden beſiegt. Flan⸗ Er erobert das Vorgebirge Menſurado. 


Vereinigung Als die Rarower Rio Junco und Aguado a) bewohnten: fo hatten fie viel Strei⸗ 
der Karower tigkeiten mit den Folgias, die endlich in einen Krieg ausbrachen, dabey fich die letzten, 
und Folgias. als ſie nicht laͤnger widerſtehen konnten, an einen Zauberer, Namens Jakehmo, machten, 
ihnen die Art zu zeigen, wie fie die Karower überwältigen koͤnnten. Er befahl ihnen, ge⸗ 
ſottene Fiſche mit den Schuppen in einen See unweit eines Huͤgels in der Karower Lande 
zu werfen. Sie glaubten, die erſten ihres Geſchlechtes waͤren vom Himmel in dieſe See 
gefallen, opferten deswegen kaͤglich der See und den Fiſchen darinnen; und weil ihnen nicht 
vergoͤnnt war, Fiſche mit den Schuppen zu eſſen: fo ſahen fie die See als entheiligt an. 
Dieſe Liſt erregte Zwiſtigkeiten unter ihnen, und fie ſchwaͤchten ſich durch innerliche Kriege, 
wobey die Folgias ihren Vortheil abſahen, fie angriffen, ſchlugen, und ihren Fuͤrſten, Sog⸗ 
walla, niedermachten, deſſen Sohn, Flonikerri, nebſt den übrigen Karowern, ſich den Sie⸗ 
gern unterwarf. Dieſe zogen ihre Tapferkeit in Betrachtung, nahmen ſie zu Bundsge⸗ 
noſſen an, anſtatt ſie zu Sklaven zu machen, und Flanſire heirathete Wawalla, die 

Schweſter des Flonikerri, der ſeinem Vater als Prinz der Karower nachfolgte. 
Mittlerweile hatten die Quabe Monu, ein Volk unweit Rio Sextos, die Folgias 
angefallen, und Flonikerri ward wider ſie geſandt, der ihnen eine große Riederlage zufuͤgte, 

und ihr Land eroberte. 

Sie ſtehen Während dieſes Kriegs ſtarb Mendino, König von Manow „), dem die Folgias 
dem Mani⸗ zinsbar waren, und man ſtellte, der Gewohnheit nach, eine Unterſuchung wegen feines Todes 
maſſah bey. an. Bey dieſer Gelegenheit ward ſein Bruder Manimaſſah, der bey den Hofleuten ver⸗ 
haßt war, genöthigt, den Quoni, oder Reinigungstrank zu nehmen; und ob ihn felbiger 
wohl losſprach: fo wollten fie ihn doch nicht in feine vorigen Ehrenſtellen wieder fegen, ſon⸗ 
dern beſchloſſen, die Zauberer zu fragen. Manimaſſah, der uͤber dieſe neue Beleidigung 
ergrimmte, ſagte zu ihnen: weil dieſer Schimpf nicht zu ertragen waͤre: fo wollte er ſich 
unter Anführung feiner verſtorbenen Freunde, der Geiſter, einen Wohnplatz aus⸗ 
ſuchen. Er reiſte wirklich nach Norden, in Gala, wo ein einfältiges Volk wohnte, das 
kein Oberhaupt hatte. Seine Auffuͤhrung war ſo einnehmend, daß ſie ihn in wenig Zeit 
zu ihrem Fuͤrſten erwaͤhlten, und ihm auf ſein eigen Anſuchen etwas von ihren Gewaͤchſen 
und 
21) Warchais 1 Band, a. d. 122 u. f. S. b) Beym Barbot und in der Karte heißt es: 
a) Aus den Umſtaͤnden der Erzählung erhellet, daß Monow. ö 
ſolches gegen das Ende des letzten Jahrhunderts c) Mit einem Hute auf dem Kopfe vor einem 
e großen Wanne zu erfenen, iR Seven Acihen dee 
nter⸗ 


und politifchen Geſchichte. VIIL Buch II Cap. 617 


und Wildpraͤt als ein Zeichen der Unterwuͤrfigkeit gaben. Sie begegneten ihm aber mit Staats ves⸗ 
fo wenig Ehrfurcht, daß er ſich bald von ihnen weg machte, und zum Flanſire, Könige der zuderung 
Folgianer, begab, deſſen Tochter er geheirathet hatte; da denn dieſer Herr den Flonikerri re 
mit einem Kriegsheere fandte, welches Gala bald eroberte, und den Manimaſſah in die 8 
unumſchraͤnkte Herrſchaft daruͤber einſetzte. 


Feſiah, der Vetter des Flonikerri, hatte ihm oft die Schönheit des Landes Vey Ber⸗ Erobern das 
koma, oder das Vorgebirge Monte geruͤhmt, wo er geweſen war, und zugleich gemeldet, Vorgebirge 
wie leicht ſolches zu erobern waͤre. Flonikerri, der ſchon lange vorher von dem Koͤnige Monte. 
einige Länder geſucht hatte, ſich daſelbſt als ein ihm zinsbarer Herrſcher zu ſetzen, bath um 
Erlaubniß, Vey Berkoma in dieſer Abſicht zu erobern. Nach langen Berathſchlagungen 
ward ihm dieſe Bitte gewahrt, und Flonikerri zog mit den Karowern und anderer ſtar⸗ 
ken Macht in dieſen Krieg. RN. 

Sobald fie bey dem Vorgebirge Monte, auf der Suͤdſeite der Stadt Tombi angelangt 

waren, fielen fie die Dey Monow (oder Leute von Dep Berkoma) an, die zahlreich und 
tapfer, und daher nicht ſo leicht zu uͤberwaͤltigen waren. Weil aber ihre Waffen nur in 
Pfeilen und Wurfſpießen beſtunden: fo wurden fie endlich durch die beſtaͤndigen Anfaͤlle und 
vergifteten Pfeile der Karower ſo ermuͤdet, daß ſie ſich mit ihren Huͤten auf den Koͤpfen 
nach Quolm, einem Fort der Karower, am Fluſſe Plizoge, etwas oſtwaͤrts von Tombi, 
machten, und daſelbſt um Gnade bathen. Flonikerri ertheilte ihnen ſolche, worauf ſie 
ſich der Gewohnheit nach, auf ihre Angeſichter niederwarfen, und er ſie mit Fuͤßen trat. 
Darauf machten ſie einen Vergleich, zu deſſen Bekraͤftigung die Beſiegten etwas Blut 
von Huͤhnern, welche in ihrer aller Gegenwart getoͤdtet wurden, verſchluckten. Darauf 
wurden die Huͤhner gekocht, und das Fleiſch gegeſſen. Nur die Fuͤße hob man zum An⸗ 
denken auf, ſie dem zu zeigen, der den Vergleich brechen wuͤrde. Ein dergleichen Anblick 
erinnerte die Friedbruͤchigen an der Strafe, welche auf die Verletzung der Treue folgte, 
und brachte fie auf beſſere Gedanken. 5 

Flonikerri ward durch dieſen glücklichen Fortgang ſtolz, und fing an, auf größere Uns Flonikerri 
ternehmungen zu ſinnen. Kaum aber waren die Gemuͤther der Veys und Karower ver- wird umges 
einigt: fo vergaß Miminiko, der Sohn des Manimaſſah e), feine vorige Verbindlich- bracht. 
keit gegen den Flonikerri, und kam mit einem Heere von Galanern, und andern, die verei— 
nigten Nationen anzugreifen, die ihm eine anſehnliche Macht entgegen ſchickten. Als die 
Galaer erſt durch ihre Menge die Karower zu einem unordentlichen Ruͤckzuge genoͤthigt 
hatten: ſo grub Flonikerri mit ſeiner Hand ein Loch in die Erde, und kniete darein, mit 
dem Entſchluſſe, da zu ſiegen, oder zu ſterben. Er ward auch nach einem langen und ſchar— 
fen Gefechte getoͤdtet, und ſteckte voll Pfeile und Wurſſpieße. Indeß faßten feine Leute 
wieder ein Herz, und erneuerten die Schlacht, ihres Prinzen Tod zu raͤchen, mit ſo viel 
Muth, daß fie bald das Feld erhielten 7). : 

Fillimanko, welcher zum Nachfolger feines Bruders erwaͤhlt ward, bediente ſich des Andere Na 
Sieges, griff des Feindes Lager an, beſiegte bald die Puy Monow, und gab die Beute tionen wer— 

N feinen den ebenfalls 
Unterwuͤrfigkeit. Barbots Beſchr. von Guinea, Folgia, und ſaget, fie wuͤrden mit dem Blute bes a 
auf der 127 Seite. zeichnet. 

4) Barbot erwaͤhnet dieſes als eine Gewohn⸗ e) Er wird bisweilen Mammaſſab geſchrieben. 
helt unter dem Volke und Fuͤrſten, beſonders in 7) Ggilbys Afr. a. d. 407 u. f. S. 


Allgem. Keiſebeſchr. II Band. J ii i 


618 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 
Staats ver- feinen Soldaten. Hierauf ruͤckte er auf Guoja Monow, welches laͤngſt dem Mag⸗ 
aͤnderung wibba, oder Rio Novo liegt, zu, da ſich die Einwohner ohne Widerſtand ergaben; und 
9 ſo machten ſich die Karower mit Beyſtande der Folgias zu Herren des ganzen Landes, 
ee e und erhielten den Ruhm eines maͤchtigen Volks. f | 


Bald darauf zog Zillimanko nach dem Fluſſe Maqualbari oder Rio Galinhas, 
wo er nach einem geringen Widerſtande die Quilliga Monow beſiegte. Auf dieſe Art 
endigte ſich der Krieg, und er begab ſich nach feinem alten Wohnplatze, Tombi, zurück, wo 
er endlich ſtarb. Man muthmaßte, er ſey vergeben worden. Er hinterließ verſchiedene 
Soͤhne, die ihrer Jugend wegen noch zur Regierung untuͤchtig waren. 

FlanſiresEr⸗ Indeſſen folgte der ältefte Flanſire ihm nach, und fein Vetter Jemmah, feines Vaters 

oberungen. Schweſter⸗Sohn, verwaltete das Regiment Zeit feiner Minderjaͤhrigkeit. Flanſire erbte 
feines Vaters Tapferkeit, und ſtrebte nach der Erweiterung feines Reichs, fobald er ſolches ſelbſt 
zu regieren bekommen. Er ließ ſeine Macht uͤber die Maqualbari hinuͤber ziehen, und 
eroberte das ganze Land weſtwaͤrts bis Sierra Leona, welches ihm endlich auch unter— 
wuͤrfig werden mußte. Von dieſem Lande machte er den Ouandaqualla zum Statt⸗ 
halter. Ueber die Lander am Fluſſe das Palmas feste er den Selbore, von welchem der 
Fluß den Namen Selbore oder Sherbero erhielt, und Sitre bekam die Leute um Rio 
Galinhas zu regieren. | | | 

Als feine Eroberungen ſolchergeſtalt verfichert waren, kehrte er nach Tombi zuruͤck, 

wo er verſchiedene Jahre friedlich regierte. Endlich kam die Nachricht, Quandaqualla 

Sierrabeona ſey wieder durch Dogo Falma aus Sierra Leona vertrieben, und genoͤthigt worden, 

wird wieder nach den Eylanden Bananas zu fliehen. Dieſer Dogo Falma, war von Dogo, einer 

vom Landſchaft von Hondo. Flanſire ließ ſogleich den Herren von Bolm befehlen, ſich an 
einem beſtimmten Orte mit ihrer Macht zu ihm zu verſammlen. Weil ſie ſich aber mit ſeinem 
Bruder Gammanah in einen Aufruhr eingelaſſen hatten, ſo verachteten ſie ſeinen Befehl. 
Flanſire, welcher damals nichts von dieſer Verbindung wußte, überließ feinem Bruder die 
Regierung in ſeiner Abweſenheit, und zog mit ſeinem aͤlteſten Sohne Flamburre, jetzigem 
Könige von Duoja g) nach dem Verſammlungsplatze. Von dem Fluſſe das Galinhas 
gieng er in Candes nach den Bananas⸗Eylanden über, nahm daſelbſt die Leute zu ſich, 
welche von Sierra Leona dahin geflohen waren, und zog gerade auf Sierra Leona zu, 
wo er ſeine Macht ans Land ſetzte, und den Krieg gegen Dogo Falma anfing. 


Dogo Falma Dieſer Dogo Falma, hatte bey dem Koͤnige von Dogo oder Hondo in großen Gna— 
erobert. den geſtanden. Weil er aber eine von des Koͤnigs Weibern beſchlafen: ſo ließ der Koͤnig, an— 
ſtatt daß er das Verbrechen mit Golde oder Sklaven erkaufen koͤnnen, ihm beyde Ohren 
abſchneiden, und ihn aus dem Lande jagen. Mit der Zeit vergieng des Königs Zorn, und 
er ward wieder an den Hof gelaſſen, wo er aber bald ſeinen Stolz ſehen ließ, und einsmals die 
Verwegenheit hatte, dem Koͤnige zu ſagen: „Weil die ungewoͤhnliche Strafe, die er ihm 
„angethan, ihn bey allen verſpottet und laͤcherlich machte: ſo hoffte er, andere wuͤrden, wo— 

„ fern fie dergleichen Verbrechen begiengen, eben fo geftraft werden, und drohte, im Falle fein 
„Anſuchen abgeſchlagen wuͤrde, es auf den Straßen und in den Waͤldern, den Jannanin 

„und Belli, d. i. den Geiſtern und Teufeln allen zu klagen. | 
Diefer 
4) D. i. wie diefe Erzählung gefchrieben worden. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 619 


Dieſer kuͤhnen Drohung ungeachtet, beſchloß der König in einem Rathe, daß dasjenige Staats ver⸗ 
was mit ihm vorgenommen worden, auf andere nicht ſollte erſtreckt werden. Indeß wurde Anderung 
er, ihn einigermaßen zu beruhigen, zum Generale eines Heers ernannt, das Sierra Leona, 97 
wieder erobern ſollte. Er verrichtete dieß, und hielt ſich einige Zeit wider den Flanſire. dil Kander, 
Aber dieſer König griff endlich mit Huͤlfe einiger Weißen die Stadt Falmaha an; fie hie⸗ Geht von 
ben den Wall von Bäumen mit Aerten nieder, drungen hinein, und ſteckten die Haͤuſer an. neuem ver⸗ 
Darauf floh Dogo Falma, und Flanſire verfolgte ihn zwar, konnte ihn aber nicht gefan, bohren. 
gen bekommen: doch erhielt er den Titel Dogo Falma Jondo Mu, d. i. der Ver⸗ 
folger des Dogo Falma. i 

Als Flanſire alſo Bolmburre wieder erobert, und den Quandaqualla wieder einge⸗ 
ſetzt hatte: fo gieng er mit feinem Heere nach feiner Reſidenz, erhielt aber unterwegens Nach— 
richt, daß fein Bruder Gammanah, die ihm in feiner Abweſenheit aufgetragene Regie- Gamma 
rung ſich eigenthuͤmlich angemaßt, alle ſeine Soͤhne, die er bekommen koͤnnen, getoͤdtet, und nahs Auf— 
ſeine Weiber fuͤr ſich genommen haͤtte. Dazu kam, daß die Gebbe Monow, die um ruhr 
das Vorgebirge Meſurado herum wohnen, einen Einfall in Dowalla und das Vorge⸗ 
birge Monte gethan, die Stadt verbrannt, und alle Einwohner, welche fie bekommen koͤn— 
nen, mit in die Sklaverey gefuͤhret hatten. 

Darauf zog Flanſire eilfertigſt nach den Fluſſe Maqualbari, und rief Karow und 
die Jannanin, d. i. Gott und die Engel, zu Richtern zwiſchen ihm und ſeinem Bruder, 
und zur Rache uͤber den, der unrecht hätte, an. Darauf gieng er mit feinem Heere uͤber 
den Fluß, wo Gammanah ſeine Reſidenz eingenommen hatte, in der Abſicht ihn abzu— 
ſchneiden, und erfocht einen vollkommenen Sieg uͤber die Rebellen, dabey ſich ſein Bruder 
unter den Getoͤdteten befand. 

Als er ſich nach dieſem lagerte, die Bewegungen der Rebellen zu beobachten: ſo gieng ſein wird vom 
Sohn Flamburre mit einer Partey Soldaten in den Wald, Zibetkatzen zu jagen, und Flanſire 
da ſie tief hinein kamen, entdeckten ſie einige von den Rebellen, welche beſchaͤfftigt waren, gedaͤmpft. 
den Gammanah zu begraben. Bey ihrem Anblicke flohen fie, und hinterließen den Leich— 
nam mit drey gefeſſelten Sklaven, die bey dem Grabe haͤtten ſollen geopfert werden. Sie 
führten dieſelben zum Flanſire, der fie befragte, zurück fendete, und den Rebellen verfprechen 
ließ, ſie zu Gnaden anzunehmen, wenn ſie ſich unterwuͤrfen, welche unerwartete Gewogen— 
heit ſie bereitwillig annahmen. / 

Hierauf zog König Flanſire mit allen feinen Leuten nach dem Vorgebirge Mefursdo, Erobert das 
die Gebbe Monow zum Gehorfame zu bringen, welches er mit einer großen Niederlage Vorgebirge 
that, und nachdem er das Land geplündert hatte, nach Tombi zuruͤckkehrte. Bald darauf Meſurado. 
thaten die Dogo Monow einen neuen Einfall, den Verluſt des Dogo Falma zu raͤchen. 

Er verließ anfaͤnglich die Stadt, und begab ſich nach Maſſagh, einem Eylande im Fluſſe 
Plizoge, wohin ihn der Feind mit Floͤßen verfolgte, und angreifen wollte, aber von Flan⸗ 
ſires Leuten eine völlige Niederlage erlitt A). 


Jiii 2 Der 


5) Ggilbys a. d. 416 u. f. S. 


626 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwohner | N Der III Abſchnitt. 

der inlaͤn⸗ az ) ; 

1 5 Von den Einwohnern dieſer Gegenden, beſonders den Quojaern. 
ander. 


Die Einwohner. Ihre Abſchilderung. Große Ei: fer. Bruͤcken. Sprachen. Wie fie die Zeit abs 
nigkeit. Heirathen. Wie fie ihren Kindern Na- meſſen. Leichenceremonien. Wie Menſchen bey 
men geben. Erbfolgen. Krankheiten. Ackerbau. dem Grabe als Opfer erwuͤrgt werden. Leichen⸗ 
Fiſcherey und Jaͤgerey. Ihre Städte und Haͤu⸗ faſten. N 


Eimvohner; Die Schwarzen von beyden Geſchlechtern ſind uͤberhaupt ſehr geil, welches Krankheiten 

ihre Abſchil⸗ „ verurſachet, und ihr Leben verkuͤrzet. Sie lieben ſtarke Getraͤnke fehr, beſonders Brands 

derung. tewein, wenn er ihnen gegeben wird, kaufen aber werden fie felten welchen. Die Weibs- 
bilder bedienen ſich gewiſſer aus Kräutern und Rinden gemachter Getraͤnke, laſterhafte Bes 
gierden zu erregen. Indeß ſind die Leute in dieſen Gegenden wohlgeſittet, und von einem 
guten Umgange, vergießen auch nicht leicht Blut, wo ſie nicht aufgebracht werden. 

Große &ie Sie leben in großer Einigkeit und Freundſchaft, und find bereit, einander im Nothfalle 

nigkeit. mit Kleidern und Lebensmitteln beyzuſtehen, auch öfters mit dergleichen Sachen, und Skla— 
ven, auch andern Dingen vom Werthe zu beſchenken. Wenn jemand ſtirbt, und nicht ges 
nug binterläßt, daß er kann begraben werden: fo tragen feine Freunde die Unkoſten. Sie 
pflegen einander ſelbſt zwar nicht zu beſtehlen, machen ſich aber daruͤber bey Fremden 
kein Bedenken. 

Die Vielweiberey iſt hier, wie in andern Landern der Schwarzen, gewoͤhnlich. Die er⸗ 
ſte Frau, welche Makilmah heißt, hat den Vorzug vor den uͤbrigen. Ihre Hochzeitce⸗ 
remonien ſind wie in den andern Gegenden: nur iſt zu bemerken, daß der Braͤutigam der 
Braut drey verſchiedene Geſchenke giebt, erſtlich das Toglo oder Nola, welches in etwas 
Korallen beſteht; zweytens das Jafing, etwas Pagnes oder Zeuge; drittens die Lefing 
oder eine Kiſte, ihre Sachen aufzuheben: Noch uͤber dieß einen metallnen Keſſel, ein Be— 
cken, oder nach Beſchaffenheit ihres Standes einen Sklaven. Der Braut Vater ſchicket 
ein Geſchenk von einem oder ein Paar Sklaven, zwo Kutten, einen Koͤcher voll Pfeile, 
einen Saͤbel, und Wehrgehenke, mit drey oder vier Faͤſſern Reiß. Der Mann ernaͤhret 
die Knaben, die Frau die Maͤgdchen. Sie machen ſich kein Bedenken, Weibsperſonen zu 
heirathen, die ihre Jungferſchaft verlohren haben, wenn ſolche nur reich ſind. Dieſe Schwar⸗ 
zen ſowohl, als die von der Gambra, enthalten ſich ſorgfaͤltig ihrer Weiber, ſobald ſolche 
ſchwangerzu ſeyn ſcheinen. | 

Wie fie ih⸗ Zehn Tage nach der Geburt legen ſie ihren Kindern den Namen bey. An dem Tage, da der 
ren Kindern Knabe den Namen erhält, geht der Vater in Begleitung feiner Hausgenoſſen, mit Bogen 
Namen ge⸗ und Pfeilen bewaffnet, lärmend und fingend in der Stadt herum; die Einwohner, wo er 
u. vorbeygeht, gefellen fid mit mufifalifchen Inſtrumenten zu ihm. Darauf nimmt der, wel⸗ 
cher zu der Ceremonie beſtimmt iſt, das Kind von der Mutter, leget es mitten in der Ver⸗ 
ſammlung auf ein Schild, und giebt ihm einen Bogen in die Hand. Nach dieſem haͤlt 

er eine lange Rede hievon an das Volk, kehret ſich alsdenn zu dem Kinde und wuͤnſchet, es 

möge, wie fein Vater, arbeitſam, gaſtfrey, ein guter Baumeiſter und Hauswirth ſeyn; ſei⸗ 

nes Nachbars Weib nicht begehren, kein Trunkenbold, Verſchwender u. ſ. f. ſeyn. Wor⸗ 

auf er das Kind aufhebt, ihm den Namen, und es ſeiner Mutter oder Saͤugamme uͤbergiebt. 

Die Geſellſchaft trennet ſich darauf, und die Männer gehen auf die Jagd oder Palmwein 

au 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 621 


zu zapfen. Nachmittage kommen fie wieder in der Stadt zuſammen, wo des Kindes Mur: Einwobner 
ter das Gefangene mit Reife kochet, und fie bis in die Nacht ſchmauſen. der inlaͤn⸗ 

Wenn ein Maͤgdchen den Namen erhalten foll: fo bringt die Mutter oder Saͤugamme 7 Ä 
das Kind dahin, wo die meiſten von den Leuten des Fleckens verſammlet find, leget es auf 
eine Matte auf die Erde, mit einem kleinen Stabe in einer Hand, und vermahnet es als⸗ 
denn eine gute Hausmutter und Koͤchinn, reinlich, keuſch, und eine gute Ehefrau zu ſeyn, 
damit ihr Ehemann ſie uͤber alle ſeine andern Weiber lieben, und ſie ihn auf die Jagd be⸗ 
gleiten moͤge. Nach Endigung dieſer Wuͤnſche, wird ihr der Name beygelegt 1). 8 

Der aͤlteſte Sohn erbet alle Guͤter, Weiber und Kebsweiber des Verſtorbenen; und. Exhfolgen: 
wo er ohne Familie ſtirbt, fo fällt alles auf feinen jüngern Bruder, wenn dergleichen vor⸗ 
handen iſt. Die andern Kinder verſorget der Vater ordentlich bey ſeinen Lebzeiten, damit 
fie nach feinem Tode nicht in Armuth gerathen. Stirbt aber ein Mann ohne Söhne, fo 
iſt ſeines Bruders Sohn ſein naͤchſter Erbe, ob der Verſtorbene gleich Toͤchter haͤtte; und 
wenn kein Mann in der Familie uͤbrig bleibt, ſo wird der Koͤnig ſein einziger Erbe, muß 
aber alle zuruͤckgelaſſene Töchter verſorgen Y). 

Menſchen und Thiere werden hier von vielen in Europa unbekannten Krankheiten ge Krankheiten. 
quälet. Die vornehmſten find die Ibatheba, welche eine Menge von Elephanten, Buͤf⸗ | 
feln, Ebern und Hunden, aber nicht ſoviel Menſchen tödter, 

Die Maſern raſen ſehr, und riſſen vor Zeiten in der Landſchaft Zondo die meiſten 
Leute weg. f g 

Der Blutfluß richtet die Schwarzen häufig nach Verluſte alles ihres Blutes hin. Sie 
glauben, daß ihn die Sovah en Zauberer zuwege bringen. Nach der Quo⸗ 
jaer Verſicherung, war ihnen dieſe und die vorige Krankheit unbekannt, bis ſie von Sierra 
Leona um das Jahr 1627 durch einige Europaͤer gebracht wurde. | 

Die Pocken wuͤten allhier nicht weniger. * find auch mit Krebsgeſchwuͤren ſehr ges 
plagt, die ihnen Naſe, Lippen, Aerme und Beine wegfreſſen. 

Das ae „Hondedoengh genannt, iſt ſehr heftig, ſowohl als das Zahnweh 

idoengb. u | Ä 
3 "Die Schwarzen durch das ganze Land, um Sierra Leona und in Guoja, find ei- 
nem gewaltigen Aufſchwellen des Hodenbeutels unterworfen, welches ungemein ſchmerzhaft 
iſt, und allen Genuß des weiblichen Geſchlechts, auch das Gehen verhindert. Die Leute 
von Folgia und Hondo, find mit dieſer Krankheit nicht fo ſehr geplagt, als die übrigen, 
und ſie iſt anders wo voͤllig unbekannt. 

Der Feldbau iſt die vornehmſte Beſchaͤfftigung der Schwarzen hieherum; denn fie find Feldbau, 
der Handlung nicht ſehr ergeben. Sie haben wenig oder keine Sklaven zu verlaſſen, und 
die große Menge europäifcher Schiffe, die laͤngſt ihren Kuͤſten vorbey ſegeln, erſchoͤpfet gar 
hald die Zähne, das Wachs und das wenige Farbeholz, welches fie haben. 

Im Jenner fangen ſie an, ihre moraſtigen Gruͤnde zum Reiße zuzubereiten, darinnen 
ihr vornehmſter Unterhalt beſteht. Sie ſaͤen ihn auf eben die Art, wie die Englaͤnder das 
Korn, und es folget jemand dem Saͤmanne nach, der das Erdreich mit einer kleinen Hacken 
über die Saat ſtreicht. g 

Sit: Wenn 


Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 17 u. f. S. k) Ebendaſ. a. d. 121 S. 


622 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwobner Wenn der Reiß drey Tage nach dem Saͤen aufſchießt: ſo umgeben ſie das Feld mit 
„ Paliſaden oder mit einer Hecke, der Elephanten und Buͤffel wegen, die dieſes Gewaͤchs ſehr 
lieben. Sie laſſen auch Sklaven und Jungen wachen, und die Voͤgel wegſcheuchen. Ge— 
gen den May ſchneiden fie ihn, und füen das zweytemal in harten ebenen Feldern. Mit 
Anfange des Brachmonats ſchneiden ſie ſolchen auch, und verrichten die dritte Saat auf 
hohen ſteigenden Feldern, die mit Anfange des Wintermonats eingeerndtet wird. Die 
beftändigen Regen vom April bis in den Herbſtmonat erleichtern die Bearbeitung hoher 
und harter Felder. | 
Sie geben dem Grunde zwey bis drey Jahre Zeit, ſich zu erholen. Die Weiber ha— 
ben viel beym Feldbaue zu thun. An einigen Orten muͤſſen ſie ausgaͤten, an andern ſaͤen. 
Sie muͤſſen durchgehends den Reiß in langen tiefen Mörfern ſtoßen, die aus einem hohlen 
Stamme eines großen Baumes gemacht ſind, und ihn endlich fuͤr die Familie kochen. 
Die Schwarzen bringen viele Zeit damit zu, daß ſie den Reiß einerndten, ihn auf 
den Brachfeldern trocknen laſſen, in Garben binden, und dem Koͤnige den Zehnten 
davon geben. i 
Die Landſchaften der Hondoer, Galaer und Gebbe Monow, bringen den beſten Reiß, 
und allezeit in Menge hervor. ä 
Fiſchen und Zwiſchen der Erndte beſchaͤfftigen ſich die Quoja⸗Schwarzen mit Fiſchen, Jagen oder 
Jagen. Bauen. Niemand aber darf ohne Erlaubniß des Koͤnigs Buͤffel jagen, der alsdann da⸗ 
von die Hälfte, und von allem andern Wildpräte den dritten Theil bekommt. Wafferele- 
phanten gehoͤren dem Koͤnige oder Oberhaupte völlig, und er giebt dem Jaͤger dafür, was 
ihm gut duͤnkt. N 5 | 
Die Fiſcher geben auch einen Theil ihres Fanges dem Prieſter des Belli fuͤr die 
annanin oder Seelen ihrer verſtorbenen Verwandten „). en 
Staͤdte und Die Haͤuſer der Quojaer find alle rund gebauet, wie zu Rufiſco. Sie haben fo wohl 
Häuser. offene als befeftigte Pläge. Die erſten, Namens Fon Serah, ſind zirkelrund gebaut, 
und mit Baͤumen, die ſehr dicht gepflanzt worden, eingefaßt. Die befeſtigten heißen San 
Siah, haben vier Koberes oder Arten von Bollwerken, wodurch ein fo enges und niedri⸗ 
ges Thor in die Stadt geht, daß nur einer auf einmal durchkann. Ueber jedem Thore iſt 
ein Schilderhaus von den Aeſten eines Baumes, der Tomba Bangoela heißt. Dieſe 
Staͤdte ſind gleichfalls mit Pfaͤhlen vom Tombo oder Weinpalmen umgeben, die lang, 
dick, und von ſehr hartem Holze ſind, und an die Baͤume, welche gleichfalls darum ſtehen, 
dergeſtalt befeſtigt ſind, daß man nichts durch dieſe Umzaͤunung ſehen kann. In gewiſſen 
Weiten aber ſind enge Oeffnungen, welche zu Schießlöchern dienen koͤnnen. 
Die Straßen gehen kreuzweis, von einem Kobere zum andern, und machen in der 
Mitte eine Art vom Marktplatze. | a 
Alle Einwohner des offenen Landes und der Flecken haben in den San Siah Haͤuſer, 
zu welchen ſie bey einem feindlichen Einfalle ihre Zuflucht nehmen 1). | 5 
Bruͤcken. Die Fluͤſſe in dem Lande der Quojaer ſind durch die Waſſerfaͤlle und Sandbaͤnke fuͤr 
Canoes unbrauchbar. Daher ſie eine Art von zuſammengebundenen Tomboſtaͤben haben, 
an deren jeder Seite ſich ein Strick, der aus gewiſſen zuammengewundenen Wurzeln be— 
| fteht, 
4) Barbot auf der us und folgenden Seite. 
7) Es giebt ſolche Haͤuſer in den Landſtaͤdten in China. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 623 

ſteht, befindet, welche queeruͤber auf die Hoͤhe von drey Fuß gezogen wird, um die Reifen: Einwohner 
den vom Fallen ins Waſſer zu verſichern. d Orr inländ. 

Die gemeine Sprache der hieſigen Schwarzen iſt der Quojaer ihre. Es giebt auch noch Onder. 
andere beſondere Sprachen, als von Tim, Hondo, Mendo, Folgias, Gala, und Gebbe. Sprachen. 
Der Folgianer ihre iſt die zierlichſte, und heißt daher Mendiſ ko, oder die Herrenſprache; 
zu Ehren des Koͤnigs von Folgia, dem ſie unterthan ſind. ie von Gala und Gebbe 
find etwas von der folgianiſchen unterſchieden, und die von den Rondequofaern fo ſehr, als 
das Niederdeutſche von dem Hochdeutſchen. 5 

Die Schwarzen, welche einige Artigkeit beſitzen, reden ſehr zierlich, und bedienen ſich 
öfters verbluͤhmter Redensarten, die fie wohl anbringen. N 

Sie theilen den Tag nicht in Stunden, ſondern erkennen nur, wenn es Mitternacht iſt, Wie ſie die 
an den fünf Sternen, welche fie Monja Ding, oder des Herrn Sohn, heißen, die außer Zeit meſſen. 
den Plejaden im Kopfe des Stiers erſcheinen ). u 

Ihre Leichenbegaͤngniſſe find im Hauptwerke eben wie bey den ſchon beſchriebenen Leichenbe— 
Schwarzen, ob fie ſich gleich in einigen Umſtaͤnden und Zufägen unterſcheiden. Wenn der gaͤngniſſe. 
Koͤrper wohl abgewaſchen iſt: ſo wickeln ſie ihm das Haupthaar in Locken auf, und ſetzen 
ihn auf Pfoſten aufgerichtet, und mit den beſten Kleidern, die er bey ſeinem Leben getragen, 
oder auch die ihm, wie gewoͤhnlich iſt, nach dem Tode gegeben werden, angezogen, mit ei⸗ 
nem Bogen in der einen, und dem Pfeile in der andern Hand. 

Die naͤchſten Freunde halten alsdann eine ziemliche Weile eine Art von Scharmuͤtzel 
mit ihren Bogen und Pfeilen. Darauf knien fie rund um den Leichnam herum, mit den 
Ruͤcken nach ihm zu gekehret, und ſtellen ſich an, als ob ſie ſehr aufgebracht waͤren, und 
ſchießen alſo ihre Pfeile rund in die Welt, um, wie ſie ſich ausdruͤcken, damit an den Tag 
zu legen, daß ſie bereit ſind, den Todten gegen einen jeden, der Uebels von ihm reden wuͤrde, oder 
an ſeinem Tode Theil haben moͤchte, zu raͤchen. Hierauf erwuͤrgen ſie einige Sklaven des 
Verſtorbenen, ihm in jener Welt zu dienen, die zuvor mit den allerbeſten Speiſen find bez 
wirthet worden. ö 

Waͤhrend dieſer Zeit unterhalten die Weiber die Frau, werfen ſich vor ihren Fuͤßen 
nieder, und wiederholen oft dieſe Worte: Bgune, bgune. Das iſt: Wiſchet eure 
Thraͤnen ab; oder: Troͤſtet euch. 

Nach dieſem tragen zwey Leute den Leichnam auf einem Brette oder einer kleinen Leiter Menſchen— 
zu Grabe. Mit dem Körper werfen ſie die erwuͤrgten Weiber und Sklaven, Matten, opfer. 
Keſſel, Becken, und andere dem Verſtorbenen zuſtaͤndige Kleinigkeiten, hinein. Alles be— 
decken ſie mit einer Matte, und haͤngen ſeine Waffen an eine Eiſenſtange, welche in einem 
Dache befeſtigt iſt, das ſie uͤber das Grab zu Abhaltung des Regens machen. Eine lange 
Zeit darnach ſetzen ſie taͤglich Speiſen dahin, um in der andern Welt davon zu eſſen. Wenn 
ein Weibsbild begraben wird: ſo haͤngen ſie an ſtatt der Waffen ihre Becken und hollaͤn— 
diſche Toͤpfe an die Stange. 

Alle von einer Familie, wenn ſie auch an noch ſo entfernten Orten ſterben, begraben ſie 
zuſammen. Die Begraͤbnißplaͤtze ſind meiſt verlaſſene und verwuͤſtete Staͤdte, welche ſie 
Tomburopy nennen. Verſchiedene derſelben befinden ſich am Fluſſe Plizoge und im 
Eylande Maſſah, hinter dem Vorgebirge Wonte. 

Sie 


m) Barbot auf der 119 und folgenden Seite. 


624 Beſchreibung von Gutnea, deſſen Natur; 


Sinwobner Sie erwuͤrgen die Perſonen, welche mit den Vornehmen begraben werden; weil fie das 
An 92 nd. Menſchenblut viel zu koſtbar halten, als daß es um einiger Urſache willen vergoſſen werde. 
. ee verrichten ſolches mit einem Stricke, den ſie ihnen hinter den Nacken binden. Sie 
Warum fol: verbrennen auch in ihrer Gegenwart die uͤberbleibenden Speiſen, mit denen fie hätten ſollen 
che erwuͤrgt bewirthet werden, weil fie ſolche für heilig halten. N BIER 
werden. Aber dieſe barbariſche Gewohnheit faͤngt an ſich zu verlieren; denn an den meiſten Or⸗ 
ten, wo ſie im Schwange geht, verbergen die Leute ihre Toͤchter oder Kinder, ſo bald des 
Koͤnigs Krankheit toͤdtlich wird. Daher feine Bedienten ſolche Gefahr mit aller Sorgfalt 
geheim halten. Wenn die Verſteckten wieder nach Haufe kommen: fo wirft man ihnen 
ihre Zaghaftigkeit aufs haͤrteſte vor, welches bey ihnen die heftigſte Beſchimpfung iſt, und 
ſaget ihnen, wie ſchaͤndlich es ſey, daß fie mit ihrem Herrn oder Ehemanne nicht ſterben 
‚wollen, deſſen Brodt fie doch gegeſſen haben. a 
Leichenfeſt. Es wird auch von den naͤchſten Freunden eine Faſten, zehn Tage nach der Beerdigung 
bey Gemeinen, welche Bulli Guwe genannt wird, und dreyßig Tage bey Vornehmen, ge- 
halten. Diejenigen, welche dieſes Faſten halten, thun mit Aufhebung beyder Haͤnde ein 
Geluͤbde, waͤhrend der Zeit keinen Reiß zu eſſen, auch nichts zu trinken, als was in dieſer 
Abſicht in einem Loche in der Erden aufbehalten wird; imgleichen ſich des Umgangs der 
Weiber zu enthalten. Die Weiber hingegen geloben, ſich dieſe Zeit über in nichts, als 
weiße und ſchwarze Lumpen, zu kleiden, mit ungebundenen Haaren zu gehen, und auf dem 
bloßen Boden zu ſchlafen. | | a | 
Wenn die Faſten vorbey ift: fo heben die Buͤßenden wieder beyde Hände in die Höhe, 
anzuzeigen, daß ſie alles genau erfuͤllet haben. Darauf gehen die Maͤnner auf die Jagd, 
die Weiber kochen, was jene gefangen mitbringen, und alle ſchmauſen zuſammen davon. 
Endlich werden diejenigen, welche gefaſtet haben, mit einem Geſchenke von einem Bette, 
Kleide, Salz, einer Eiſenſtange und dergleichen, fortgeſchickt 7). 


Inländiſch. Der IV Abſchnitt. 


Lander Ke⸗ h 
ierungsf. ie jaer. 
gierung Regierungsform der Quojaer 


Staatekunſt der Quoſaer. Titel Dondagh. Wie ſol⸗ anhöret. Wie der Koͤnig fremde Abgeſandten auf⸗ 
cher ertheilt wird. Der König herrſchet unum⸗ nim̃t und ihnen begegnet. Strafe des Ehebruchs. 
ſchraͤnkt. Wie er ſeine Unterthanen fodern laßt, und Reinigungstraͤnke. Hinrichtungen. 


Stoatskunſt as Anſehen der Quoſaer Berkoma über die Länder von Silm Bulm, und Bulm⸗ 
der Quojaer. „ berre, die gleichwohl größer und volkreicher find, ruͤhret von ihrer guten Regierung 
her, die von weiſen und vernünftigen Männern geführt wird. Sie erhalten ihre Untertha⸗ 

nen und Nachbarn in der Unwiſſenheit, wie klein ihr Land iſt, und wie wenig es Einwoh— 

ner hat, und laſſen daher keinen durch ihr Land von Oſten weſtwaͤrts, oder von Weſten oft: 

waͤrts reiſen. Dadurch nehmen ſie zugleich mehr Theil an der Handlung. Sie dienen 

ihren Nachbarn als Unterhaͤndler, und fuͤhren die Guͤter durch ihr Land, welche die oſtli— 

chen Schwarzen den weſtlichen, oder dieſe jenen, ſchicken. Diejenigen, die nordwaͤrts liegen, 

gehen mit den Quojaern eben ſo um, und laſſen keine, als die ſich unter ihnen verheirathet 

haben, durch ihr Land zu denen Voͤlkerſchaften reifen, die Darüber hinaus liegen. Sihl | 

Obwohl 


v) Barbot auf der 120 und folgenden Seite. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 625 


Obwohl die Quojas⸗Berkoma dem Könige von Folgia unterworfen find: fo hat Jnlaͤndiſch. 
dieſer Herr doch ihrem Könige den Titel Dondagh, den er ſelbſt führer, ertheilet, und der Bänder R. 
Koͤnig der Qvojaer ertheilet ihn eben wieder dem Koͤnige von Bulm Berre, der ihm, und S 
nicht dem Koͤnige der Folgias huldigt. N Sein Titel 
Der König der Folgias ertheilet den Titel Dondagh dem Könige der Quojaer folgen: Dondagh. 
dergeſtalt: der letztere liegt flach auf dem Boden, die Folgias werfen etwas Erde auf ſeinen 1 11870 
Ruͤcken, und fragen ihn, was für ein Name ihm am beſten gefallt? Nachdem er ſolches Wan 
geſagt: ſo rufen ſie ihn laut aus, und ſetzen das Wort Dondagh mit dem Namen ſeines 
Landes hinzu. Darauf heißt man den neuen Dondagh aufſtehen, beſchenket ihn mit einem 
Koͤcher voll Pfeile, der auf ſeinen Ruͤcken gehangen wird, und giebt ihm einen Bogen in die 
Hand, anzuzeigen, daß er nun verbunden iſt, das Land mit aller ſeiner Macht zu beſchuͤtzen. 
Nach dieſem huldigt der Fuͤrſt von Quoja dem Könige der Folgias, und giebt ihm ein an» 
ſehnlich Geſchenk von Leinewand, metallnen Keſſeln, Becken ıc. 5 
Der Koͤnig von Quoja herrſchet in ſeinem Lande ohne Einſchraͤnkung, und haͤlt ſehr Der Koͤnig 
feſt über feine Vorrechte und fein Anſehen. Er hat eine große Menge Weiber, die meiſt von herrſcht un⸗ 
den benachbarten Ländern gebracht werden. h umſchraͤnkt. 
Wenn er öffentlich erſcheint: fo ſitzt oder ſteht er auf einem Koreda oder Schilde, an⸗ 
zuzeigen, daß er der Beſchuͤtzer des Landes, der Anfuͤhrer im Kriege, und der Vertheidiger 
ehrlicher Leute, die unterdruͤckt werden, iſt. N 
Wer wegen eines Verbrechens vor ihm angeklagt wird, und auf fein Fordern nicht gleich Wie er for- 
erſcheint, dem ſchicket er feinen Koreda mit zweenen Trummelſchlaͤgern, die nicht ablaſſen, dern laͤßt. 
ihre Trummeln zu ruͤhren, bis der geforderte mit ihnen koͤmmt, der in einer Hand ſeinen 
Roreda, und in der andern die gewöhnlichen Geſchenke troͤgt. Wenn er vor den König koͤm̃t: 
ſo wirft er ſich nieder, und ſtreuet Erde auf ſeinen Kopf, bittet um Verzeihung, und erkennt 
ſich für unwuͤrdig, auf dem Koreda zu ſitzen. Der Koreda wird als eine Art von Ver⸗ 
weiſe geſchickt, dem Angeklagten zu verſtehen zu geben, weil er der erſten Forderung nicht 
gehorcht: fo folle er ſelber des Königs Platz einnehmen, und deſſen Gewalt ausüben. 
Wenn jemand Vornehmes dem Koͤnige aufwarten will: ſo uͤberliefert er erſt ſein Ge— 
ſchenk der vornehmſten unter ſeinen Weibern, die es dem Prinzen bringt, und bittet, daß 
dieſer Mann moͤge Erlaubniß erhalten, vor ihm Erde auf ſich zu werfen. Gewaͤhret der 
Koͤnig dieſe Bitte: ſo wird das Geſchenk angenommen, und der Anſuchende zugelaſſen; 
im gegenſeitigen Falle aber ſtellet man das Geſchenk dem Geber wieder zu, der es gleich- 
wohl nicht waget, nach Haufe zu kehren, bis er ſich mit dem ‚Könige verglichen, welches 
durch Hülfe einiger feiner Freunde geſchieht, die bey dem Könige in Gnaden ſtehen. Dar⸗ 
auf wird er zur Audienz gelaſſen, und das Geſchenk angenommen, wo ſein Fehler nicht gar 
zu groß iſt; denn außerdem laͤßt ſich der Koͤnig nicht leicht zur Verzeihung bewegen. 
Derjenige, der alſo Verzeihung und Erlaubniß, den Koͤnig zu ſehen, erhalten, geht nach 
ihm zu, neiget ſich gegen den Stuhl, auf welchem er auf einer feinen Matte ſitzt, und beugt 
ein Knie, wobey er ſich ſo tief neiget, daß ſein Kopf auf ſeinem rechten Arme auf der Erde 
ruhet, dazu ſpricht er das Wort Dondagh aus, worauf der Koͤnig antwortet, Namadi, 
ich danke euch. Nach dieſem ſaget er ihm, er ſolle ſich auf einen kleinen hoͤlzernen Stuhl 
in einiger Entfernung von ihm ſetzen, oder wenn es einer von den Vornehmſten, oder ein 
fremder Abgeſandte iſt, auf eine Matte o). & 
in 


o) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 122 S. 
Allgem. Reiſebeſchr. Ill Band. Rr 


626 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Inlaͤndiſch. Ein Geſandter von einem benachbarten Könige ſchicket, ſobald er an den Graͤnzplaͤtzen 
Lander Re- der Folgianer angelangt iſt, Nachricht von feiner Ankunft an den König, der ſogleich einen 
gierung. Officier abordnet, ihn nach einem Flecken, unweit der Hofſtatt, zu bringen, wo er verzieht, 
Wie fremde bis alles zu ſeiner Audienz fertig iſt. An dem beſtimmten Tage fuͤhren ihn viel Officier 
Geſandten und andere in ihren beſten Kleidern, mit Bogen und Pfeilen bewehrt, zur Audienz. Sie 
machen mit ihrer Muſik ein großes Laͤrmen, und huͤpfen und tanzen den ganzen Weg bins 
durch. Wenn fie an den Palaſt kommen: fo machen die Quojaer eine Gaſſe in dem Waf: 
fenplatze, durch welche der Geſandte in das Rathszimmer gebracht wird. Iſt er ein Fol⸗ 
gianer: fo dürfen feine Begleiter in dieſem Waffenplatze tanzen, aber keine andere Nation 
hat dieſe Freyheit. 
aufgenom: Wenn der Tanz vorbey ift: fo fuͤhret man ihn zur Audienz, und wenn er nahe bey des 
men wers Königs Simmano, oder Stuhle koͤmmt: fo kehret er den Ruͤcken darnach zu, mit einem 
den, Knie auf der Erde. In dieſer Stellung ſpannet er ſeinen Bogen, ſo ſcharf er kann, anzu⸗ 
deuten, er würde ſich glücklich ſchaͤtzen, wenn er Gelegenheit hätte, ihn auf dieſe Art gegen 
des Koͤnigs Feinde zu brauchen. f 
Waͤhrend dieſer Ceremonie ſingen des Geſandten Bediente laut, und ſagen Verſe zum 
Lobe des Koͤnigs her, welches des Koͤnigs Leute gegenſeitig zum Preiſe des Herrn von dem 
Geſandten und ſeiner ſelbſt thun. Sie nennen dieſe Ceremonie Polo Polo Sammah. 
Die Schmeicheleyen, welche oft wiederholt, und fuͤr die angenehmſten gehalten werden, ſind: 
Komme, Bolle⸗Machang, d. i. niemand kann feiner Haͤnde Arbeit nachmachen. 
Dugo Folmaa, Hando Mu: d. i. er iſt der Ueberwinder des Dugo Folmaag. 
Sulle Tomba Quarryaſch: d. i. ich haͤnge wie Pech oder Schwefel auf dem 
Rücken derer, die mir widerſtehen wollen. | 
und wie der Nach Endigung dieſer Lobreden laͤßt der Geſandte einen ſeiner Bedienten hervor tre— 
König ten, und auf feinen Leib vor dem Könige Erde werfen; denn er felbft ift hievon, in Betrach⸗ 
tung ſeines Characters, frey. Waͤhrend dieſer Ceremonie tanzen alle Beyſtehende um 
den Simmano, mit ſeltſamen Stellungen und Bewegungen, mit ihren Bogen und Pfeis 
len. Darauf bittet der Geſandte, man moͤchte ein Seilſchweigen anbefehlen, und haͤlt 
feine Rede. Der Silli, oder des Königs Dollmetſcher, der gewöhnlich naͤchſt des Königs 
Simmano ſteht, uͤberſetzet ſolche ordentlich von Wort zu Worte. Betrifft es Staatsan⸗ 
gelegenheiten: ſo wird die Antwort bis nach gehaltenen Berathſchlagungen aufgeſchoben, 
ſonſt aber gleich ertheilt. Darauf fuͤhret man den Geſandten wieder nach Hauſe, und die 
Geſchenke werden vor den Koͤnig gebracht, da bey jedem Stuͤcke gemeldet wird, warum 
man es ſende. ö ö ö N 
mit ihnen Auf die Nacht ſchicket der König feine Sklaven, bey dem Geſandten Wache zu halten. 
umgeht. Darauf kommen feine Weiber in ihrer beften Kleidung, mit verſchiedenen Schuͤſſeln Fleiſch 
und Reiß, nach der Menge ſeiner Bedienten. Nach dem Abendeſſen ſchicket er den Palm— 
wein und ſeine eigenen Geſchenke, die in einigen metallnen Keſſeln oder Becken u. d. gl. be⸗ 
ſtehen. Wird ein Europaͤer mit ſeinen Geſchenken angenommen: ſo verſtattet man ihm, 
mit dem Könige, und von feinen eigenen Speiſen zu eſſen. Was von des Geſandten 
Abendmahlzeit übrig bleibt, das iſt fir des Königs Weiber. a 
Kein 


5) Siehe Barbots Beſchreibung von Guinea, 4) Es iſt dieß dem Gebrauche nach dem Eiferwaß⸗ 
auf der 123 Seite. ſer IVB. M. v. 17 nicht unaͤhnlich. Aber dieſes Vers 
N fahren 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Eav. 627 


Kein Volk unter den Schwarzen haͤlt fo viel auf Ceremonien, als dieſe, und der ſicherſte Jnländiſch. 

Weg, mit ihnen zurechte zu kommen, iſt, daß man ſich nach ihren Gewohnheiten ſchicket p). ee Re: 

Ein Weibsbild, das wegen Ehebruchs angeklagt wird, muß auf das Belli paaro 5 
ſchwoͤren, mit dem Wunſche, daß der Geiſt fie hinrichten möge, wo fie ſchuldig waͤre. Wird Strafe 
ſie nachgehends eines falſchen Schwures uͤberzeuget: ſo fuͤhret ſie ihr Ehemann des Abends 
auf den Markt, wo der Rath ſitt. Sie rufen erſtlich die Jannanin an, bedecken darauf ihre 
Augen, daß fie die Geiſter nicht ſehen ſoll, die fie wegfuͤhren werden; alsdenn wird ihr ein 
ſtrenger Verweis wegen ihres Lebens gegeben, und ihr grauſam gedrohet, wo ſie ſolches nicht 
aͤndern wird. Auf dieſe Art wird ſie von den Jannanin wieder losgelaſſen, und man hoͤret 
ein verwirrt Getoͤſe von Stimmen: ob dieß Verbrechen wohl ſehr harte Strafe verdiente: 
ſo ſollte es ihr doch, als das erſtemal, verziehen ſeyn, nur daß ſie einige Faſten beobachtete, 
und buͤßete; man erwartete dabey von ihr, ſie wuͤrde ſo keuſch leben, daß ſie auch keine junge 
Knaben in die Aerme nahme, noch Mannskleider anruͤhrte. i 

Verfaͤllt ſie nach dieſem wieder in das vorige Verbrechen: ſo kommen, nachdem ſie 
überzeugt worden, der Belli⸗ mo, oder einige von den Soggonos, in Begleitung verſchie— 
dener Leute, die ein Getoͤſe mit einer Art von Fidel machen, des Morgens in ihr Haus, und 
bringen fie auf den öffentlichen Platz. Daſelbſt nöthigen fie dieſelbe, dreymal ringsherum 
zu gehen, und machen beſtaͤndig ein großes Getoͤſe, damit alle diejenigen, die von der Bruͤ⸗ 
derſchaft der Belli ſind, ſehen koͤnnen, was vorgeht, und ſich nach der Anzeigung richten. 
Diejenigen, die nicht dazu gehoͤren, wagen ſich nicht, den Kopf zum Fenſter hinauszuſtecken, aus 
Furcht, die Jannanin würden fie wegfuͤhren. Darauf fuͤhren ſie die Verbrecherinn nach dem 
heiligen Walde des Belli, und von der Zeit hoͤret man nichts mehr von ihr. Die Schwar⸗ 
zen bilden ſich ein, die Waldgeiſter führten ſolche Weiber weg, vermuthlich aber werden fie, 
den Zorn des Belli, ihrer Einbildung nach, zu beſaͤnftigen, hingerichtet. f 

Wird einem Manne Diebftahl, Mordthat oder falſcher Eid ſchuld gegeben, und iſt Reinigunge⸗ 
nur ein Verdacht wider ihn, oder er iſt nicht genugſam uͤberwieſen: ſo nimmt er die Reini- waſſer. 
gung des Belli. Dieſes macht der Belli-Mo oder Prieſter mit der Rinde eines Baumes 
und Kraͤutern, die auf der angeklagten Perſon Hand gelegt werden. Iſt er ſchuldig: fo, ſagen die 
Schwarzen, werde ihm gleich die Hand weggebrannt, außerdem aber er nicht beſchaͤdigt. 

Bisweilen laͤßt der Belli⸗Mo einen ſtarken Trunk von einem Getraͤnke thun, das aus 
Rinden von den Nelle- und Quonibaͤumen gemacht wird, die ſehr dick find. Man haͤlt 
es fuͤr ein vollkommnes Gift. Iſt er unſchuldig: ſo bricht er es ſogleich von ſich; im an— 
dern Falle aber ſchaͤumet es um feinen Mund herum, und entdecket fein Verbrechen J), wel: 
ches mit dem Tode beſtraft wird. i 


Verbrecher, die ſolchergeſtalt find uͤberwieſen worden, richten fie ordentlich in einem Walde, Hinrichtun⸗ 
oder auf einem von ihrem Dorfe weit entfernten Platze hin. Daſelbſt kniet der Verbrecher mit gen. 
niedergebogenem Haupte, und der Nachrichter durchſchießt ihn mit einem kleinen Wurfſpieße. 
Wenn der Leichnam zu Boden gefallen iſt: ſo hauet er den Kopf mit einer Axt oder einem 
Meſſer ab, viertheilet ihn, und giebt die Stuͤcken den Weibern des Hingerichteten, die or— 
dentlich dabey ſind, und dieſe Stuͤcken auf einige Miſthaufen um das Land herum werfen 

Kkkk 2 muͤſſen, 
fahren iſt ſo thoͤricht, als die Waſſerprobe der Hexen, daß der Beſchuldigte nach ihrem Gefallen losgeſpro⸗ 
und kann von den Prieſtern ſo eingerichtet werden, chen oder verdammt wird. 


des Ehe⸗ 
bruchs. 


628 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 
Religion müflen, damit fie daſelbſt von wilden Thieren und Raubvoͤgeln gefreffen werden. Die 
der inland. Freunde des Verbrechers kochen den Kopf, und trinken die Brühe aus; die Kinnbacken aber 
Nee nageln fie in ihrem Bethhauſe auf 7). 5 


5 Der W Abſchnitt. 
Religion der Quojaer. 


Sie glauben einen Gott. Schutzengel; welche entdecken. Beſchneidung. Seete des Belli. 
in wilden Wäldern wohnen. Ehrfurcht für fer Wie die Schule aufgehoben wird. Beſchrei⸗ 
bige. Aberglauben mit den Zauberern und bung des Belli. Seete von Neſſoge. Beſchnei⸗ 

Blutſaugern. Laͤcherliche Art, Mordthaten zu dung der Weibsbilder. 


Sie glauben Sie erkennen einen oberſten Schoͤpfer aller Dinge; koͤnnen ſich aber keinen rechten Begriff 
eiuen Gott. von ihm machen. Die Schwarzen von Bulm und Timna geben ſeltſame Vorſtel⸗ 
lungen von ihm. | 


Sie nennen diefes Weſen Kanow oder Kano, und fchreiben ihm unendliche Macht, 
Allwiſſenheit, und Allgegenwart zu. Alles Gute koͤmmt ihren Gedanken nach von ihm: 
aber er iſt nicht ewig, und es wird ein anderes Weſen kommen, die Böfen zu ſtrafen, und 
die Guten zu belohnen. 8 


Schutzengel Die Todten werden ihrem Glauben nach Geiſter, welche ſie Jannak oder Jannanin 
nennen, welches Patrone und Beſchuͤtzer andeutet. Sie ſollen ihre vormalige Anverwandte 
und Nachkommenſchaft ſchuͤtzen; und daher thun fie die vorerwaͤhnten Fragen an den Tod⸗ 

ten. Wenn ein Mann einer großen Gefahr auf der Jagd u. d. g. entgeht: fo opfert er bey 
feiner Zuruͤckkunft, auf dem Grabe feines vermeynten Beſreyers einen Bock, Reiß und 
Palmwein, als eine Dankſagung, in Gegenwart der Anverwandten des Verſtorbenen, 
die dabey tanzen und ſingen. 5 
ſollen in Iſt jemand beleidigt worden: ſo geht er nach den Waͤldern, wo, wie ſie glauben, dieſe 
Wäldern Geiſter wohnen, und erſuchet mit Heulen und Geſchrey Ranow und die Jannanin, die 
wohnen. Bosheit ſeines Gegners, den er nennt, zu ſtrafen. Befindet er ſich in einiger Gefahr, ſo 
beſchwoͤrt er die Seele feines beſten Anverwandten, er ſolle ihm daraus helfen. Andere 
befragen fie um zukuͤnftige Dinge. Z. E. ob bald ein europaͤiſches Schiff mit Waaren 
ankommen und handeln wird u. d. g. 


Ehrfurcht Kurz, ſie haben für ſelbige viel Ehrfurcht, und verlaſſen ſich auf fie als Schutzgoͤtter. 
für ſelbe. Niemals trinken fie Waſſer oder Palmwein, ohne erſt etwas für die Jannanin auszugießen, 
und zur Bekraͤftigung einer Sache ſchwoͤren ſie bey der Seele ihrer verſtorbenen Ver— 
wandten. Dieß thun die Könige ſelbſt, und fo große Ehrfurcht fie auch für Kanow zu 
haben ſcheinen: ſo ſieht es doch, als ob ihr ganzer Dienſt ſich auf dieſe Seelen richtete, und 
jedes Dorf hat einen Platz in dem naͤchſten Walde, ſie anzurufen. 8 
Drey verſchiedenemal im Jahre fuͤhren dieſe Schwarzen haͤufige Lebensmittel fuͤr die 
Jannanin in die Waͤlder. Bedraͤngte begeben ſich dahin mit lautem Geſchreye, Gottes und 
der Jannanin Beyſtand anzurufen. 
b Weibern 


7) Barbots Beſchr. v. Guinea, a. d. 126 u. f. S. 


und pofitifehen Geſchichte. VIII. Buch II Cap. 629 
Weibern, Jungfern und Kinder iſt aufs ſchaͤrfſte unterſagt, in dieſe Wälder zu gehen, Religion 


und daher beredet man ſie von ihrer Kindheit an, die Jannanin wuͤrden ſie ſogleich 721 8 
toͤdten 7). a i | | . 

Mit dieſem Aberglauben verbinden fie verſchiedene andere. Sie haben ihrem Vorge⸗ Aberglau⸗ 
ben nach Zauberer und Wahrſager, auch eine beſondere Art Leute, die fie Sovah Munuſin, den. 
d. i. Vergifter und Blutſauger nennen. Dieſe koͤnnen das Blut aus einem Menſchen 
oder Thiere ſaugen, oder es wenigſtens ſo verderben, daß ſchmerzhafte Krankheiten entſtehen. 
Eine andere Art heißt Pilli, die durch ihre Bezauberungen den Reiß verhindern koͤnnen, 
daß er nicht ausſchießt, und zur Reife koͤmmt. i 

Sie ſprechen, der Sovah d. i. der Teufel, beſaͤße die Leute, die aus Tiefſinnigkeit oder 
Verzweifelung, ſich von anderer Geſellſchaft in die Waͤlder entfernen: daſelbſt wieſe ihnen 
der Sovah die Kraͤuter und Wurzeln, auch die Stellungen, Worte und Ceremonien, wel⸗ 
che zu ſolchen boshaften Verrichtungen noͤthig ſind. Wenn man ſolche Leute bekoͤmmt, 
fo richtet man fie hin. Aus Furcht fie möchten ihnen wie auch den wilden Thieren begegnen, Zauberer 
reiſen die Schwarzen ſelten ohne Geſellſchaft durch die Waͤlder, und fuͤhren eine gewiſſe und Blut⸗ 
Maſſe bey ſich, die fie vor dem boshaften Sovah verſichern ſoll, von denen fie tauſend laͤ— ſauger. 
cherliche Maͤhrchen erzaͤhlen. | | | | 

Wenn man Verdacht hat, daß jemand gewaltſam umgebracht worden: fo waͤſcht man Lächerliche 
die Leiche nicht eher, als bis eine ſcharfe Unterſuchung angeſtellt worden. In dieſer Abſicht wi⸗ Art 
ckeln ſie einige alte Kleidungen des Verſtorbenen mit Abſchnittlingen von ſeinem Haare 
und ſeinen Naͤgeln ein. Auf ſolche blaſen ſie Saͤgeſpaͤne von dem Holze Mammon und 
Faͤrbeholze, und befeſtigen das Buͤndel an die Baare, welche zweene Schwarzen um den 
Platz herum tragen. Vor dieſem gehen Prieſter her, die mit zwo Aexten gegen einander 
ſchlagen, und den Leichnam fragen, wo, wenn und von wem, und warum er hingerichtet 
worden, und ob ihre Gottheit, Kanow, ihn in ſeinen Schutz genommen? Wenn der Geiſt 
durch eine gewiſſe Bewegung der Koͤpfe von den Leichentraͤgern ihnen zu verſtehen giebt, 
daß es die Sovah Munuſin ſind: ſo fragen ſie weiter, ob der Zauberer ein Manns⸗ 
bild oder Weibsbild iſt und, wo er ſich aufhaͤlt? 

Der Geiſt entdecket dieß auf eben die Art, fuͤhret fie zu dem Wohnplatze des Zauberers, Mörder zu 
und daſelbſt bemaͤchtigen fie ſich feiner, feffeln ihn, und befragen ihn über die Beſchuldi- entdecken. 
gung des Geiſtes. Bleibt er bey dem Leugnen, ſo muß er den Kquoni, einen abſcheulich 
bittern Trank, nehmen; und wenn er nach Austrinkung drey voller Kalebaſchen ihn wie- 
der von ſich bricht, ſo wird er losgeſprochen: ſchaͤumet es aber nur aus ſeinem Munde, ſo 
wird er gleich hingerichtet. Man verbrennt ſeinen Leichnam alsdenn auf dem Platze, und 
die Aſche wird in den Fluß oder in die See geworfen, wenn es auch noch fo ein Vor⸗ 
nehmer wäre ii. 82 

Dieſer Trank beſteht aus der Rinde eines gewiſſen Baumes, die in einem hoͤlzernen 
Moͤrſer geſtoßen, und mit Waſſer ausgezogen wird. Es iſt ein ſehr ſcharfer gefaͤhrlicher 
Saft, und wird im Falle eines Verdachts wegen großer Verbrechen, den Gefangenen or⸗ 
dentlich bey fruͤhem Morgen gegeben. 

Alle dieſe Völker beſchneiden ihre Kinder im Alter von ſechs Monaten, als ob ſolches Beſchnei, 
eine göttliche Einſetzung waͤre, die man ſeit undenklichen Jahren beobachtet. Einige Muͤt⸗ dung. 

8 ’ i kkk 3 ter 


s) Barbots Beſchreibung von Guinea a. d. 124 u. f. ©. 


Religion. 
der inloͤnd. 
Laͤnder. 


Secte des 
Belli. 


630 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur 
ter ſchieben es aus Zärtlichkeit bis auf das Alter von drey Jahren auf, damit es die Kin- 
der leichter und ſicherer ausſtehen. Sie heilen die Wunde mit dem Safte gewiſſer Kräuter, 
Ob man wohl nicht bemerket, daß die Schwarzen die Sonne oder den Mond anbethen: 
ſo enthalten ſie ſich doch jeden Neumond in den Staͤdten, und auf dem Lande von aller Ar⸗ 
beit, laſſen auch um dieſe Zeit ſich keinen Fremden unter ihnen aufhalten, unter dem Vor⸗ 
wande, ihr Maiz und Reiß wuͤrden ſonſt roth werden, weil der Neumondstag ein Bluttag 
iſt, wie fie ſich ausdrücken; daher fie ſolchen meiſt mit Jagen zubringen. SE ee 
Alle Negern von Sonde, Manow, Folgias, Gebbe, Seſtro, Bulm, Silm, und 
ſelbſt in Sierra Leona beobachten noch zwo andere ſeltſame Ceremonien t). e 
Die Geſellſchaft oder Secte des Belli iſt, ſo gut man ſie beſchreiben kann, eigentlich 
eine Schule oder ein Collegium, welches alle zwanzig oder fuͤnf und zwanzig Jahre auf Befehl 
des Koͤnigs, der das Oberhaupt davon iſt, geſtiftet wird, daß ſie junge Knaben im Tanzen, 
Fechten, Pflanzen, Fiſchen, und die Belli Dong d. i. das Lob des Belli mit großem Getoͤſe 
abzuſingen, unterrichten. Dieſe Geſaͤnge ſind nichts als eine unordentliche Wiederhohlung 
ſchandbarer, niedertraͤchtiger Ausdruͤcke, mit unbeſcheidenen Leibesſtellungen begleitet. Wenn 


die Schuͤler ſolches gehoͤrig zu machen wiſſen: fo bekommen fie den Ehrentitel, der Des 


Ihre Schu⸗ 
len. 


Merkmaale 
des Belli. 


Wie ſie auf⸗ 


zeichneten des Belli. Sie werden dadurch gleichfalls zu allen Arten von Bedienungen 
beym Koͤnige, und zum Genuſſe gewiſſer Vorrechte tuͤchtig, von denen die Quolga, oder 
Unwiſſenden, die nicht auf dieſe Art auferzogen worden, völlig ausgeſchloſſen find. 

Auf Befehl des Koͤnigs, wird ein Stuͤck Erdreich von acht bis neun Seemeilen im 
Umkreiſe, mitten in einem großen Walde, wo die Palmbaͤume gut wachſen, ausgezeichnet. 
Auf dieſen Platz werden taugliche Huͤtten erbaut, und das Land wird zu Pflanzung der Eß⸗ 
waaren, zum Unterhalte der Schüler zugerichtet. Alle diejenigen, welche gern ihre Soͤhne 
in die Hoͤhe bringen wollen, ſind alsdenn bereit, ſie hieher zu ſenden, und es wird gerufen, 
daß die vier oder fuͤnf Jahre, da die Schule dauert, keine Weiber ſich dem heiligen Walde 
nähern ſollen, aus Furcht fie möchten ihn verunreinigen, und den Belli erzuͤrnen, der, die 
Uebertreter ihrer Meynung nach gewiß ſtrafen wuͤrde. ˖ 

Wenn die Soggonos oder Aelteſten der Belli Secte, welche vom Könige find zur Re- 
gierung der Schule verordnet worden, ihre Plaͤtze eingenommen haben: ſo rufen ſie die Ge⸗ 
ſetze vor den Mitgliedern aus, und verbiethen ihnen außer den Graͤnzen der Schule zu ge— 
hen, oder fich zu Leuten zu halten, welche das Merkmaal nicht an ſich haben, zu deſſen An: 
nehmung fie die Schüler zubereiten. Es beſteht in gewiſſen Schnitten laͤngſt des Halſes 
herunter, bis zum Schulterblatte; dieß iſt ſchmerzlich, wird aber in wenig Tagen vermit— 
telſt gewiſſer Kräuter geheilet. Die Narben ſehen nach dieſem aus, als ob Naͤgel ins 
Fleiſch gedruckt waren, und jeder bekoͤmmt alsdenn einen neuen Namen, eine neue Ge⸗ 
burt anzuzeigen. b | ' ar als ee 

Die Schuͤler gehen, ſo lange ſie hier ſind, vollig nackend, und muͤſſen von den Soggo⸗ 
nos und ihren Eltern unterhalten werden, die ihnen Reiß, Bananas, und andere Lebens⸗ | 
mittel ſenden. 

Den Tag, der zum Aufbrechen angeſetzt iſt, begeben ſie ſich nach andern Wohnungen, 


fl a a 
gehoben wird die mit Fleiß etliche Meilen von den vorigen gebaut ſind. Daſelbſt werden fie von ihren 


7) Barbot a. d. 120 u. f. S. Ver⸗ 


und pelitiſchen Geſchichte. VII Buch II Cap. 631 


Verwandten beyderley Geſchlechts beſucht, die fie lehren, ihre Körper zu waſchen, ſie mit Religion. 


Palmoͤle zu ſalben, und ſich in Geſellſchaft artig aufzuführen. Denn durch ihre lange Ab— ar ee 
—ͤ —u— 


ſonderung von andern Geſellſchaften, werden ſie ganz wild 2). 


Wenn auf dieſe Art einige Tage ſind zugebracht worden, ſo bekleiden ſie ihre Eltern 
um den Unterleib, und zieren ihren Hals mit Korallenſchnuren, die mit Leopardenzaͤhnen 
vermengt ſind. Ihre Schenkel werden mit metallenen Klocken und Ringen behaͤngt, und 
der Kopf mit einer tiefen Kappe bedeckt, welche ſie faſt verblendet, der Leib aber wird mit 
haͤufigen Federn von allerley Farben ausgeputzt. In dieſem Zierrathe fuͤhret man ſie zu 
dem oͤffentlichen Platze, in des Koͤnigs Stadt. Daſelbſt iſt eine Menge Volks, beſonders 
Weibsbilder, von allen Gegenden des Landes verſammlet, vor denen die Geſellen ihre Kaps 
pen abnehmen, und ihr Haar einer nach dem andern frey fliegen laſſen, auch zeigen, was ſie 
im Tanzen des Belli gelernt haben. Verirret ſich einer: fo verſpotten ihn die Weiber, und 
rufen öffentlich aus: Er hat feine Zeit mit Reiß eſſen zugebracht. 

Nach dem Tanze rufen die Soggonos jeden Geſellen nach der Reihe bey dem Na⸗ 
men, der ihm beym Eintritte in die Schule gegeben wurde, und ſtellen ihn ſeinen Eltern 
und Anverwandten vor. | 

Etwas vom Belli ſelbſt zu fagen, fo iſt es ein Ding, das von dem Belli⸗Mo oder ober: 
ſten Prieſter, auf Befehl des Koͤnigs, aus einer Materie gemacht wird, die man knetet 
und wie Teig arbeitet. Bisweilen hat es dieſe, bisweilen jene Geſtalt, ſo, wie es die Umſtaͤnde 
erfordern. Dieſes baͤckt er nachgehends, und wie der Verfaſſer glaubet, wird es gegeſſen. 
Es iſt erſtaunlich, was für einen Eindruck dieß bey dem Volke macht, die es für heilig hal⸗ 
ten, und glauben, es koͤnne mit des Koͤnigs Einwilligung, (denn ohne ſelbige vermag es 
nichts) ſchreckliche Strafen anthun. Selbſt die Koͤnige und Prieſter, die dieſen Betrug 
erfunden, das Volk in der Unterthaͤnigkeit zu erhalten, ſind jetzo durch die lange Gewohn⸗ 
heit ſo aberglaͤubiſch daran geworden, als der Poͤbel. 12 

Die andere Geſellſchaft von Neſſoge betrifft das weibliche Geſchlecht. Es wurde 
ſolche erſtlich in der Landſchaft Goulla aufgerichtet, und folgendes geht dabey vor. 


Zu einer gewiſſen Zeit, die der Koͤnig ausſetzet, wird mitten in einem Walde eine Menge 
Huͤtten erbaut, alle Maͤgdchen und Weiber aufzunehmen, welche eintreten wollen. Man 
nennt ſie Sandi Simodiſino, oder die Toͤchter des Sandi. Sobald ſie alle verſamm⸗ 
let ſind; tritt die Sog Willi oder Goulla, das aͤlteſte Weib von dieſem Orden, welches 
der Koͤnig geſchickt hat, die Schule zu regieren, ihr Amt mit einem Vergleiche an, welcher 
unter ihnen Sandi⸗Lati d. i. der Vergleich der Henne heißt, den fie ihren Schuͤlerin⸗ 
nen giebt, und vermahnet fie, in ihrer Umzirkung, die vier Monate über, da ſolche waͤhret 
ruhig und vergnuͤgt zu ſeyn. Alsdenn ſchiert fie ihre Köpfe, und nachdem fie ſich auf ihren 
Befehl nackend ausgezogen haben, (denn ſie tragen dieſe Zeit uͤber keine Kleider,) fuͤhret ſie 
ſelbige zu einem Bache in dem heiligen Walde, wo ſie von ihr gewaſchen und beſchnitten 
werden. Dieſes iſt eine ſehr ſchmerzliche Operation, ſie wird aber mit gewiſſen Kraͤutern in⸗ 
nerhalb zwölf Tagen geheilt. 

Von dieſer Zeit an, werden fie täglich in den Taͤnzen des Landes unterrichtet, und ler: 
nen die Verſe des Sandi herſagen. Dieſe beſtehen in verſchiedenen luͤderlichen und leicht⸗ 

N ſinnigen 
») Barbot a. d. 125 O. 


ed. 
J 


Beſchrei⸗ 
bung des 
Belli. 


Secte von 
Neſſoge. 


Beſchnei⸗ 
dung der 
Weibsbilder. 


* „ he 


632 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 

Erdbeſchr. finnigen Ausdruͤckungen, welche mit unanſtaͤndigen und laͤcherlichen Bewegungen verbun⸗ 

derpfeffer den werden. Es wird kein weiblicher Beſuch zu den Schülerinnen gelaſſen, wofern ſolche 

koste. ‚nicht ganz nackend gehen, und ihre Kleider im Walde zurück laſſen. e 

Wenn die Zeit da iſt, daß die Schule aufgehoben wird: ſo ſchicken die Eltern ihren 

Toͤchtern rothe Kleider, Glaskorallen, Metallklocken und Ringe an die Fuͤße, ſich zu putzen. 
In dieſem Staate werden fie von der Sog Willi nach dem Flecken gefuͤhret, wo ein Hau⸗ 
fen Volks von allen Seiten herzudringt, fie zu ſehen. Wenn ſich die alte Matrone daſelbſt 
niedergeſetzt hat, tanzen die Toͤchter des Sandi eine nach der andern, nach einer kleinen 
Trummel; und wenn der Tanz vorbey iſt: fo werden fie jede nach ihrer Wohnung zu: 
ruͤck geſendet x). 


Der VI Abſchnitt. 


Beſchreibung von Rio Sextos si Seſtro, und dem dazu gehoͤrigen 
Lande. 


Rio Sertos. Ankergrund und Seemerkmaale. Eins Einwohner. Ihre Lebensart. Namen und Des 
fahrt in den Fluß. Deſſen Lauf und Baͤnke. gruͤßung. Ihre Heirathen. Leichenbegaͤngniſſe. 
Boden und Fruͤchte. Stadt Sextos und Seſtro. Große Klagen. Lebendiges Verbrennen der Weis 
Daſige Bauart. Des Koͤnigs Flecken. Oef⸗ ber. Sprache. Es find Portugieſen hier. Sel⸗ 
fentlicher Fetiſch. Der König und feine Weiber. bige find ſehr maͤchtig. Handlung und Waaren. 
Seine Söhne. Beſchreibung des Fleckens. Die Warnung für die Europäer. ; 


Rio Sertos Rio Sexptos, welches zwo Seemeilen oſtwaͤrts von klein Dieppe liegt, wird vierzig See⸗ 
oder Seſtro. meilen von dem Vorgebirge Meſurado 4) gerechnet. Phillips ſetzet es ſechs und 
dreyßig, mit Oſt gen Süd Laufe 6). Die Holländer nennen es Seſter oder Seſtere, die 
Franzoſen Seſtre, die Englaͤnder Seſtos oder Seſthos, und den Fluß Siſters. Alles 
dieſes ſind verderbte Ausdruͤckungen des portugieſiſchen Namens Sextos, den dieſe der 
Kuͤſte von dem kleinen Pfeffer (der Paradieskoͤrner oder Manighetta heißt), beylegten, 
weit ſolcher ihrer Einbildung nach ſechs Spitzen hatte c). 
Ankergrund Phillips fand den ganzen Fluß hin guten reinen Grund, und nach und nach abneh⸗ 
und See: mende Tiefen, fo daß man ankern kann, wo man will, aber am beſten iſt es in neun Faden, 
merkmaale. und die Mündung des Fluſſes liegt Oſt gen Süd 4). Man erkennet fie an dem Huͤgel 
auf der Oſtſpitze darüber, weil ſonſt innerhalb funfzehn Seemeilen kein ſoleher Hügel iſt. 
Marchais giebt mehr Merkmaale und Vorſchriften, wegen des Ankerns. Er ſetzet 
hinzu, längft der Kuͤſte wäre eine große See, und die Stroͤme giengen ſtark Suͤdoſt 
und Nordweſt e). ! | 
Snoek bemerket, vor Rio Seſtro liege das Land fehr niedrig, und darüber waͤren 
zweene hohe Huͤgel, von denen einer wie ein halber Kreis oder Regenbogen ausſaͤhe. Eine 
Meile weſtwaͤrts find zweene große Klippen, und etwa eben fo weit nach Oſten ſtrecket ſich 
eine Landſpitze in die See, daß der Platz leicht zu kennen iſt. 


Die 
x) Barbot a. d. 126 ©. d) Phillips a. d. 195 S. 
a) MWarchais erſter Band a. d. 132 S. e) Marchais erſter Band a. d. 136 S. 
0 phillips Reiſe a. d. 195 ©. f) Bosman a. d. 479 S. 
c) Marchais a. d. 134 S. Siehe auch Villault 8) Warchais erſter Band a. d. 135 u. f. ©. 
auf der 81 Seite. 4) Phillips a. d. 194 u. f. S. 


* 


und pofitifehen Geſchichte. VII Buch Il Cap. 633 


Die Einfahrt in den Fluß von der See iſt voller Felſen, die ſechs Faden tief unter dem Erdbeſchr. 
Waſſer liegen; fo daß man mit geladenen Booten leicht darüber hinfaͤhrt, ausgenommen der pfeffer 
zweene, welche über dem Waſſer hervorragen, und zu vermeiden find 7). Nach des Mar⸗ 12 
chais Berichte liegt die Muͤndung des Fluſſes Suͤdoſt und Nordweſt, iſt etwan eine Meile Einfahet in 
breit, und hat auf beyden Seiten große Bäume. Das Waſſer iſt faul. Einige Klippen den Fluß. 
ſind unter dem Waſſer, und andere uͤber demſelben. Gleichwohl iſt in der Durchfahrt auf 
der Suͤdſeite drey Faden Waſſer, und oft fünf, ſechs oder ſieben, welches für kleine Schiffe 
zureicht. Man kann mit Booten ohne große Gefahr in den Fluß kommen 3). 0 

Die Einfahrt, ſaget Phillips, iſt zwiſchen der Spitze an dem rechten oder oſtlichen 
Ufer, und der Klippe mitten im Fluſſe. Sie hat etwan eines halben Taues Laͤnge Weite, und 
ſieben und dreyßig bis acht und dreyßig Faden Tiefe. Wenn man eingefahren iſt: ſo fin⸗ 
det man einen ſchoͤnen großen Fluß, wo ein Schiff von hundert Tonnen ganz ſicher ankern 
kann. Etwan einen Canonenſchuß von vorbeſagter Spitze, auf eben dem Ufer, iſt dicht an 
der Flußſeite ein friſcher Waſſerquell, wovon ihnen die Negerweiber fuͤr etliche wenige 
Korvris Waſſer brachten, und ihr Gefäße im Boote fuͤllten. Die Schwarzen, welche 
mit Aerten verſehen find, hauen für etwas weniges von vorbeſagten Muſcheln genug Feuer⸗ 
holz, und bringen es zu den Booten, aber ſie muͤſſen dann und wann eine Flaſche Brand⸗ 
tewein zur Aufmunterung bekommen; daß alſo dieſes der beſte Platz iſt, Holz und Waſſer 
ohne Aufenthalt zu erlangen >), n a == 

Der Fluß entſpringt weit im Lande Nordnordoſt. Einige fagen, er fey auf zwanzig See- Sein Lauf 
meilen hinauf für Barken zu befahren. Hoͤher hinauf iſt er voller Sandbaͤnke und Klip- und Bänke. 
pen, die nur Canoes durchlaſſen ). l 

Snoek nennet ihn einen ſchoͤnen angenehmen Fluß. Die Ulfer an jeder Seite ſind 
dicht mit Baͤumen beſetzt, verſchiedene Baͤchlein fallen in ihn, und die Menge der Doͤrfer 
laͤngſt an ihm hin vermehret feine Schönheit 1). | ' 

Das Land um Seſtro iſt fehr fruchtbar, und mit Huͤhnerviehe, Neiße und Hirſe wohl Boden und 
verſehen. Aus dem letzten machen ſie ihr Brodt, welches fie mit in die Canoes nehmen, Fruͤchte. 
wenn fie aufs Fiſchen ausfahren. Man kann vom Reiße, Pfeffer und Elfenbeine, welches 
letzte hier vortrefflich iſt, guten Vortheil haben 7). 

Das Land allhier iſt niedrig, eben, und mit verſchiedenen Fluͤſſen durchwaͤſſert; daher 
die Fruchtbarkeit des Bodens kein Wunder iſt. Aber fuͤr Fremde iſt die Luft ungeſund, 
und zieht ihnen lange und gefährliche Krankheiten zu. Außer den ſehr wohlfeilen Lebens⸗ 
mitteln, liefert es auch Elfenbein, Sklaven, Goldſtaub, und beſonders guineiſchen Pfeffer, 
welches das eigentliche iſt, was im Lande waͤchſt m. 

Man findet in dem Fluſſe Seſtro eine Art Feuerſteine, wie die von Medoc u) in 
Frankreich, aber viel haͤrter und glaͤnzender. Sie ſchneiden beſſer, als ein Diamant, und 
pralen ſehr, wenn eine gute Folie untergelegt wird ). g 

Etwan eines Kabels Länge von der Mündung des Fluſſes iſt eine Negerſtadt von dreyßig Stadt 
bis vierzig Haͤuſern 7). Snoek nennet es ein Dorf, und ſaget, es läge dicht am Ufer, und Sertos. 


| enthalte 
1) Warchais im I Bande a. d. 135 ©. n) Eine Art von Briſtolſteine. 
2 Se 1 ) Marchais a. d. 145 S. 
m) Marchais V Band a. d. 150 u. f. S. pm) Phillips a. d. 195 S. 
Allgem. Keiſebeſchr. III Band. | ER 


Sn 


634 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Erdbeſchr. enthalte etwan ſechzig artig gebauete und ſo hohe Haͤuſer, daß man etliche auf drey Meilen 

ae weit in der See ſieht. Sie haben mehr Stockwerke, als die Haͤuſer in Meſurado ). 
Nach Atkins 7) Berichte iſt die Stadt groß, und anders, als die von der Koͤrner—⸗ 
Bauart. kuͤſte, gebauet. Sie erheben die Haͤuſer viereckigt oder rund, vier Fuß hoch von der Erde. 
Au dieſer Hoͤhe iſt das erſte und vornehmſte Zimmer zu ſitzen, zu ſprechen, und zu ſchlafen. 
Es iſt mit Baumrinden eingefaßt, und in der Mitte ein Feuerplatz zu Kohlen. Dieſer 
dienet zu einer doppelten Abſicht, naͤmlich das Ungeziefer zu vertreiben, und ihren Reiß und 
indianiſches Korn zu trocknen. Oben machen ſie ein Vorrathsbehaͤltniß, das ſich pyrami⸗ 
denfoͤrmig auf dreyßig Fuß erhebt, und die Stadt ſieht daher in der Ferne wie eine Menge 
Kirchſpitzen aus ). 8 b + a 1 e 
Marchais beſchreibt die Lage von Seſtro noch umſtaͤndlicher. Rechter Hand, wenn 
man hineinfaͤhrt, ſaget er, ſind drey Flecken einander ſehr nahe. Zwiſchen den erſten beyden 
iſt ein kleiner Teich friſchen Waſſers, und ein anderer anderthalbe Meile von der Halbinſel, 
welche die Einfahrt des Fluſſes machet. In dem zweyten Flecken wird die Handlung gefuͤhrt. 
Die Haͤuſer ſind wie auf dem Vorgebirge Meſurado gebaut. 1 | 
Dem zweyten Teiche gegen über machet der Fluß eine Wendung, und läuft von Süden 
Des Könige nach Nord. Er iſt etwan eine Meile breit, und hat fünf Faden Waſſer, bis man an des 

Stadt. Koͤnigs Stadt koͤmmt ). 12 g 
Barbot, der den Koͤnig Barſaw oder Peter im Jahre 1687 beſuchte, ſaget, dieſer 
Flecken liege etwa eine Seemeile den Fluß hinauf, unweit der Muͤndung des Seſtro. Er 
enthielte etwan dreyßig kleine von Erde gebaute Haͤuſer, mit Leimwaͤnden von etwan fuͤnf 
Fuß hoch eingeſchloſſen. Er läge an einer Anhöhe, gleich an der Mündung eines kleinen 
Fluſſes, und das Land daherum ſey voller Bananas und Palmbaͤume. Jedes Haus hat 
ein Oberzimmer, und manche zwey, die inwendig ſauber ausgeweißt find, bis auf zwölf 
oder funfzehn Zoll über dem Boden, wo die ſchwarze oder rothe Mauer rund herum er— 
ſcheint. Die Zimmer find aber fo niedrig, daß man darinnen ſitzen oder liegen muß. Die 
Fußboden ſind aus runden Aeſten von Palmbaͤumen, die dicht aneinander liegen, gemacht, 
wodurch es ſehr beſchwerlich wird, darauf zu gehen. Die Decke iſt eben ſo verfertigt, und 
mit großen Banana ⸗ und Palmblättern überzogen, 5 RE U 
Oeffentlicher In dem Verſammlungshauſe, welches auf eben die Art gebaut war, bemerkte der Ver⸗ 
Fetiſch. faſſer ein Stuͤck viereckigtes Holz, etwan drey Fuß lang; darauf war halb erhaben die Ge- 
ſtalt eines Weibes, und eines Kindes bey ihr, aber ſehr ſeltſam geſchnitzt. An jedem Ende 
des Holzes waren zwey Löcher fehr tief eingeſchnitten, vermuthlich Speiſe und Trank für den 
. enthalten. Dieſes iſt der Ort, wo ſie ſchwoͤren, oder ihre Vergleiche eidlich 
ekraͤftigen. | | 

Der König König Peter hält fich beftändig in dieſem Dorfe auf, welches gänzlich aus dreyßig ſei⸗ 
und feine ner Weiber und deren Kindern beſteht; ſonſt wohnet niemand hier. Er iſt ein hoͤflicher 
Weiber. angenehmer Mann, aber ſehr einfältig und unſchuldig. Ich hatte Gelegenheit, ihn voll: 
kommen kennen zu lernen, weil er ſich meiſtens bey mir auf hielt, da ich in des Hauptmanns 


Jacobs Flecken wohnte, ſaget Barbot 1). Von 
7) Boſman a. d. 480 S. 1) Der Flecken liegt gleich in der Mindung des 
1) Er heißt ihn Seſthos oder Seſthio. Fluſſes auf der rechten Hand beym Einfahren, wo 
s) Atkins a. b. 63 u. f. ©. der Landungsplatz iſt. N 


7) Marchais I Band a. d. 137 ©. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 635 

Von des Koͤnigs dreyßig Weibern konnte er nur fuͤnfe oder ſechſe zu ſehen bekommen. Erdbeſchr. 
Dieſe warteten der vornehmſten Frau auf. Sie war etwas bey Jahren, aber ſehr ange: . 
nehm. Ihre Aerme, Fuͤße und andere Theile des Koͤrpers, beſonders der Unterleib, wa— 
ren mit Figuren gezieret, welche vermittelſt heißer Eiſen eingebrannt worden, daß ſie halb 
erhaben ausſehen, wenn man ſie in einer kleinen Entfernung betrachtet. Er ſah auch an⸗ 
dere Weiber vom Fuße bis auf den Kopf auf dieſe Weiſe bordirt, welches bey ihnen fuͤr 
einen großen Zierrath gehalten wird. 

Des Koͤnigs Soͤhne und Schwiegerſoͤhne tragen eine lange Kappe, wie ihr Vater. Seine 
Bloß dadurch unterſcheiden ſich die vom koͤniglichen Gebluͤte von dem gemeinen Volke. In Sohne. 
allen andern Sachen arbeiten fie wie Sklaven, wo es- die Gelegenheit erfordert. Wenn 
der Verfaſſer uͤber Waſſer gieng: ſo begleiteten ihn ihrer verſchiedene, und ruderten in 
ihren Canoes x). 5 

Marchais meldet, daß des Koͤnigs Flecken drey Seemeilen von der Spitze rechter Hand Beſchreibung 
iſt, und fuͤnfe von des Fluſſes Muͤndung. Der Grund zwiſchen des Koͤnigs Flecken und des Fleckens. 
der See iſt eben, und der Boden fruchtbar, ob er gleich oft uͤberſchwemmt wird. Der 
Reiß, den fie hier ſaͤen, koͤmmt zu großer Vollkommenheit ). 

Nach Snoeks Berichte enthielt des Koͤnigs Flecken im Jahre 1702 dreyßig Haͤuſer. 

Der König, welcher ein ſehr alter Graukopf war, berichtete „alle Einwohner kaͤmen von 
ihm her, welches nicht unwahrſcheinlich iſt, da ſie nicht in großer Menge ſind. Er hatte, 
wie andere Könige auf dieſer Kuͤſte, einen europäifchen Namen, Peter, angenommen. Er 
war ein Mann von ſehr angenehmer und verbindlicher Auffuͤhrung, und ſeine Unterthanen 
geſittet, auch beym Ackerbau und Handel arbeitſam 2). Der Koͤnig dieſes Platzes herrſchet 
unumſchraͤnkt, ſtrafet aber die Verbrecher ſelten mit dem Tode, weil es vortheilhafter fuͤr ihn 
iſt, fie als Sklaven zu verkaufen 2). 

Marchais ſaget, die Leute waͤren ſehr höflich Y), und thaͤten einem für ein Glas Brand- Einwohner. 
tewein alle Dienſte, die in ihrem Vermoͤgen ſtuͤnden. Sie waͤren groß, ſtark, wohlgebil— 
det, und von einem kriegeriſchen Anſehen, haͤtten Herz, und thaͤten oft be 3 ihren Nach⸗ 
barn Einfaͤlle, um Sklaven zum Verkaufe zu bekommen. Dieſes haͤlt die Negerkaufleute 
ab, bieder zu handeln, und benimmt ihnen den Vortheil, im Golde zu handeln, den 9 
Nachbarn haben. 

Die meiſten von dieſen Seſtro⸗Schwarzen ſind Fiſcher. Alle Morgen ſegelt eine Ohrebebene⸗ 
kleine Flotte von Canoes aus dem Fluſſe, ſich laͤngſt der Kuͤſte zu zertheilen. Sie fiſchen at. 
mit dem Angel, und kommen meiſt beladen zuruͤck. Der König bekoͤmmt eine gewiſſe Ab⸗ 
gabe vom Fange c). Nach Snoeks Berichte leben ſie mit ihren Nachbarn im Friede; 
denn er hörte nichts von Kriegen, und nur von wenigen Scharmuͤtzeln mit den inlaͤndiſchen 

Schwarzen, die den Flecken hier hinterliſtig überfielen, und verbrannten, aber meiſt zu Skla⸗ 
ven gemacht wurden. Er bemerket, daß die Thiere und Pflanzen, auch die Kleidung, (wozu 
Macchais noch die Religion ſetzet), bey den eee fo, als auf dem Vorge⸗ 
birge Monte und Weſurado ſind. 5 

tltla Mar: 


) Barbots Beſchr. von Guinea a. d. 130 S. a) Doch nennet er fie a. d. 135 S. barbariſch. 
y) 8 J Band a. d. 137 ©. Boſman b) Marchais am oben angeführten Orte a. d. 
a. d. 480 S 138 Seite. 
2) Miacchais Reife 1 Band a. d. 138 S. c) Boſmann a. b. 481 S. 


636 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwohner Marchais ſaget, fie bedeckten den Kopf niemals, und ertruͤgen mit bloßem Haupte 

der Pfeffer den heftigſten Regen und die ſtaͤrkſte Hitze ohne Unbequemlichkeit. Männer und Weiber 

2: ae gehen hier am meiſten unter allen Bewohnern der Kuͤſte nackend, und haben aufs hoͤchſte 

Kleidung. nur einen ſchlechten Lappen mitten um den Leib. Sie ziehen vieles Vieh, und allerley Arten 

Gevoͤgel, nicht fo wohl für ſich, weil fie meift von Huͤlſenfruͤchten, Obſte (welches bey ih— 

nen vortrefflich ift) und Fiſchen leben, als es den Schiffen, welche an die Kuͤſte kommen, zu 
verkaufen A). 

Namen. Sie haben die Taufnamen von den Franzoſen erborgt, als Peter, Paul, Johann, An⸗ 
dreas, und anderer Heiligen ihre; wozu ihre Oberhaͤupter und andere Vornehmen den Ti⸗ 
tel Hauptmann ſetzen. Wenn ein Europaͤer ſich bey ihnen durch freundliche Auffuͤhrung 
oder durch ein Geſchenk beliebt machet: ſo fragen ſie nach ſeinem Namen, und geben ſolchen 
ihren Kindern. Einige haben auch franzöfifche Zunamen, die in ihrer Familie über Manns⸗ 
alter erblich ſind e). N 5 | 

Art zu Man gruͤßet hier eben ſo, wie laͤngſt der Kuͤſte. Sie nehmen eines Fremden Finger 

gruͤßen. und Daumen in ihre Haͤnde, bringen ſolche in eine gewiſſe Lage, druͤcken ſie hart, und ſchnap⸗ 
pen damit, wobey ſie, nachdem es geſchehen, ausrufen: Aquio; das iſt nach unſerer Art: 


Ihr Diener 7). A | 
Ihre Heira⸗ Ben ihren Heirathen find nicht viele Umftände. Diejenigen, welche ein Weib erkaufen 
then. koͤnnen, vergleichen ſich erſt mit ihr; worauf fie ſich zu den Eltern oder Anverwandten der— 


ſelben wenden, die um den Preis handeln. Wenn ſolcher ausgezahlt worden: ſo liefert man 
die Frau aus. Der Ehemann trinkt etliche Flaſchen Brandtewein mit ſeinen neuen Schwaͤ— 
gern, und fuͤhret feine neue Braut zu der ihr beſtimmten Hütte, wohin feine andern Wei— 
ber ſie zu beſuchen kommen, und ihr die Abendmahlzeit zur Hochzeit zurichten helfen. Nach 
dieſem bleibt der Ehemann die ganze Nacht bey der Braut, die den Tag darauf mit den 
andern Weibern zur Arbeit, wie ſolches die Zeit nee „geht g). 


Die Frau, die den erſten Knaben bringt, wird als die beſte und vornehmſte angeſehen; 
aber fie bezahlt ſolchen Vorzug theuer genug: denn fie muß ſich mit ihrem Ehemanne le⸗ 
bendig begraben laſſen. . 
Leichenbe⸗ Der Verfaſſer ſah hier eine ſolche traurige Ceremonie mit an. Der Hauptmann oder 
zaͤngniß. Oberſte des Fleckens ſtarb, weil er ſich im Brandteweine übernommen; worauf das Ge⸗ 
ſchrey ſeiner Weiber die Zeitung bald durch die Stadt ausbreitete. Alle Weibsbilder lie⸗ 
fen dahin, und heulten wie die Furien. Die liebſte Frau unterſchied ſich von den andern 
durch ihre Bekuͤmmerniß, und fie hatte es auch Urſache. Gleichwohl, da verſchiedene Wei⸗ 
ber in ſolchen Umſtaͤnden den klugen Entſchluß ergriffen haben, zu entwiſchen: ſo bewachten 
die übrigen Weiber, unter dem Vorwande, fie zu troͤſten, felbige fo genau, daß kein Mittel 
war, davon zu kommen. Die Verwandten des Verſtorbenen kamen alle, ſie zu begruͤßen, 
und Abſchied von ihr zu nehmen. Nachdem der Warbut den Leichnam unterſucht, und 
erklart hatte, daß ſolcher eines natürlichen Todes geſtorben waͤre; fo nahm er mit feinen Bruͤ⸗ 
dern den Koͤrper, wuſch, trocknete ihn, und rieb ihn mit Fette von oben bis unten. Dar⸗ 
auf ſtreckten ſie ihn mitten im Hauſe auf eine Matte. 
a Seine 
4) Narchaie a. d. 150 S. 5 7) Villault a. d. 85 S. 
e) Eben derſelbe a. d. 745 ©, 2) Marchais am obangef. Orte a. d. 144 S. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 6537 


Seine Weiber ſtunden rund um ihn her, und die liebſte am Kopfe, als an der Ehren-Einwobner 
ſtelle. Verſchiedene andere Weiber machten einen Kreis um fie. Alle beſtrebten fich, eine der Pfeffer- 
die andere zu uͤberſchreyen, zerriſſen ihr Haar, und kratzten ſich regelmaͤßig, wie Leute, die San 
wußten, was für eine Rolle fie ſpielten. Manchmal hörten fie auf, und ſchwiegen ſtill; Große Kla⸗ 
das andere mal wiederholten fie das Lob, und die großen Thaten des Verſtorbenen, worauf ge. 
die Klagen wieder angiengen. Dieſe naͤrriſche Muſik dauerte faſt zwo Stunden, darauf 
vier ſtarke Schwarzen ins Haus kamen, den Leichnam auf eine Handbahre bunden, die aus 
Baumaͤſten gemacht war, ihn auf ihre Schultern nahmen, und damit, ſo ſchnell ſie konn⸗ 
ten, durch die Stadt liefen, auch von Zeit zu Zeit bruͤllten, als ob ſie beſoffen waͤren, und 
tauſend laͤcherliche Stellungen dabey machten, die ſich zu dem Geſchreye der Weiber des 
Verſtorbenen und andern, die bey dieſem thoͤrichten Leichenbegaͤngniſſe waren, vollkommen 
ſchickten. Kurz, es war fo ein Getoͤſe, daß man dafür den ſtaͤrkſten Donner nicht würde 
gehört haben. Nach verrichteter Cavnleade nahm man den Leichnam von der Baare, und 
legte ihn an ſeinen Ort, worauf das Singen, Schreyen und Naͤrriſchthun der Weiber 
wieder angieng. | 

Während der Zeit machte der Marbut ein Grab, das für zweene Körper groß genug Ein Weid 

war. Er ſchlachtete auch eine Ziege aus, und zog ihr das Fell ab. Das Eingeweide wird leben: 
diente zu einem Gerichte für ihn und die Beyſtehenden. Er lud auch die vornehmſte Frau dig begra: 
dazu ein, die nicht viel Luſt zu eſſen hatte, weil fie wußte, daß es ihre letzte Mahlzeit waͤre. en. 
Indeß aß fie ein wenig, und während dieß ward der Leib der Ziege in kleine Stuͤcken zer— 
hackt, gekocht und gegeſſen. Die Klagen giengen wieder an; und da der Marbut meynte, 
daß es Zeit waͤre, dem Handel ein Ende zu machen: ſo nahm er die Frau bey den Aermen, 
und uͤberlieferte ſie zweenen ſtarken Schwarzen, die ſie hart anfaßten, ihr Haͤnde und Fuͤße auf 
den Ruͤcken bunden, ſie ruͤckwaͤrts nieder, und ihr ein Stuͤck Holz auf die Bruſt legten. 
Darauf faßten ſie einander beyde bey den Schultern, und traten ſo lange mit den Fuͤßen auf 
das Holz, bis ſie ihr die Bruſt zerbrochen hatten. Nachdem ſie ſelbige alſo wenigſtens 
halb hingerichtet: ſo warfen ſie ſie mit dem Ueberbleibſel von der Ziege ins Grab, und ih— 
res Mannes Leichnam auf fie, das Grab aber ward mit Erde und Steinen gefüllt. Alſo— 
bald hoͤrte das Geſchrey auf; es folgte ein ploͤtzliches Stillſchweigen, und jeder begab ſich ſo 
ruhig nach Haufe, als wenn nichts vorgefallen wäre >). 

Die Sprache der Seſtroſchwarzen iſt die ſchwerſte auf der Kuͤſte 1), daß der Handel Sprache. 
ſehr durch Zeichen gefuͤhrt wird, in denen ſie beſonders geſchickt ſind. Sie behalten viel 
franzoͤſiſche Wörter noch von ihren Vorfahren, die von den Franzoſen die Kunſt, Stahl zu 
haͤrten, gelernt haben, und noch jetzt beſitzen, oder vielmehr weit vollkommner, als was man 
in dieſer Art in Europa thut, verſtehen. Die Schiffe, die hieher mit Eiſenſtangen handeln, 
vergeſſen niemals die Scheeren, mit welchen fie die Eiſenſtangen ſchneiden, bey ihnen zurich⸗ 
ten zu laſſen, und fie thun ſolches beſſer, als der beſte Schmidt in Frankreich Y. 

Die Portugieſen hatten die Franzoſen von allen ihren Pflanzſtaͤdten laͤngſt dieſer Kuͤſte Fieſige Par 
vertrieben, und uͤber die Einwohner tyranniſch geherrſcht. Der Vortheil bey dieſem reichen tugieſen 
Handel erregte die Eiferſucht der Englaͤnder und 7 im Jahre 1604, und jener Macht 

[21.3 fing 


5) Marchais a. d. 139 u. f. S. uabi, durch die Naſe und ſehr geſchwind, a. d. 131 S. 
7) Barbot ſaget, fie reden die Mundart der „) Ebenderſ. a. d. 149 u. f. S. 


633 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur 


Einwobner fing an, abzunehmen, daß fie nach und nach ihre meiſten Forts und andere Oerter verloh⸗ 


der Pfe 
E c 


üſte. 


— 


ſind ſehr 
maͤchtig. 


Handel und 
Waaren. 


ffer ren, und ſich weiter hinauf ins Land begeben mußten, wo ſie ſich, um ſich zu erhalten, unter den 


Schwarzen verheiratheten. Davon entſprang die Art der portugieſiſchen Mulatten und 
Schwarzen, die laͤngſt der Kuͤſte zu finden ſind. Die europaͤiſchen Portugieſen erkennen 
fie aus Politik und Gewogenheit für ihre Landesleute, ſehen fie als Fidalgos oder Adeliche 
an, beehren ſie mit dem Chriſtorden, nehmen ſie in heilige Orden auf, und vertrauen ihnen 
die Statthalterſchaft ihrer Feſtungen und Pflanzſtaͤdte in Africa. 

Es haben ſich dieſe africaniſchen Portugieſen an Oertern, welche von der See entfernt 
ſind, ſehr maͤchtig gemacht, und handeln wegen ihrer Farbe und Verwandtſchaft mit den 
Einwohnern, frey unter ihnen uͤberall hin. Sie ſind ſelbſt bis an den Niger noͤrdlich durch 
die Koͤnigreiche Gago und Benin gekommen, Die ſich an den Fluͤßen Sierra Leona, 
Junco, Sertos und Sanguin niedergelaffen, handeln ſtark nach der Gambra ſowohl, 
als nach dem Kaſamanſa, Rio St. Domingo und Bio Grande. Einer von ihren 
Handelsleuten, der hundert Seemeilen den Fluß Sierra Leona hinauf wohnte, gieng faſt 
jährlich mit den Mandingoern an den Niger, unter einem merkwuͤrdigen Arme deſſelben 
zu handeln, den er für die Gambra hielt. Es iſt gewiß, dieſe Vortheile, nebſt der Achtung 
der Einwohner fuͤr ſie, wuͤrden ſie in den Stand ſetzen, einen ſehr ſtarken und reichen 
Handel zu fuͤhren, wenn ſie die europaͤiſchen Waaren ordentlicher haͤtten, und mit ſelbigen 
ſtatt anderer Nationen handelten 7). e . h 

Die meiſten Schiffe, welche windwaͤrts mit Sklaven kommen, legen hier an, Reiß, das 
Juintal zu ungefähr zwey Schillingen, zu tauſchen. Man bringt die Waare in den Pal: 
laverplatz, als: metallne Pfannen, zinnerne Becken, Pulver, Geſchuͤtz, alte Kiſten u. ſ. f. 
welches gegen Reiß, Ziegen und Gevoͤgel vertauſcht wird. Zwo oder drey Pfeifen, eine 
Ladung Pulver oder dergleichen Kleinigkeiten, gelten einen Vogel, und ein Becken von zwey 
Pfund eine Ziege. Atkins kaufte deren zweene fuͤr eine alte Kiſte mit einem Schloſſe, 
welches eine Seltenheit war, die zu bewundern das ganze Land herunterkam m). 
Seſtros hat Ueberfluß am Reiße, der ſo erſtaunlich waͤchſt, daß ein großes Schiff bald 
etwa fuͤr den Preis für einen Halfpenny das Pfund kann beladen werden. Er iſt aber nicht fo 
groß, weiß und ſuͤße, als der meylaͤndiſche oder veronefifche ). Die Vornehmern treiben 
einen beftändigen Handel damit, mit Guineapfeffer und Elephantenzaͤhnen, ob fie wohl von 
den letztern nur wenig haben ). | 
Das Elfenbein ift hier beſonders gut. Weil aber keine Factorey hier iſt: fo hat man 
keinen geſetzten Preis, der ſich in Oertern, wo Pflanzſtaͤdte ſind, findet. Außerdem kann 
man hier noch Guineapfeffer, Reiß, Maiz, Huͤhner und Vieh, alles ſehr wohlfeil haben. 
Funfzig Pfund Pfeffer bekoͤmmt man fuͤr Waaren, die in Frankreich fuͤnf Sous koſten. 
Wenn ſich ein Schiff mit einer weißen Flagge ſehen läßt: fo drängen ſich, wie der Verfaſ⸗ 
fer meldet, die Schwarzen an Bord, und wo fie es für franzoͤſiſch halten, erzeigen fie ihm 
alle Freundſchaftszeichen y)). Villault behauptet, fie ſaͤhen die Franzoſen lieber, als die 
Hollander oder Portugieſen, denen fie niemals verftatten wollen, ſich bey ihnen niederzulaſ⸗ 

N * | ei. 
I) Barbot a. d. 146 u. f. S. . o) Bosman a. d. 481 S. 


m) Atkins a. d. 62 u. f. S. p) Marchais Reiſe a. d. 137 u. f. S. 
w) Barbots Beſchr. von Guinea, a. d. 132 S. 9) villault a. d. 86 S. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 639 

ſen ). Gleichwohl geſteht Marchais, daß man bier noch die Ueberreſte von einer vor⸗ ee 
ji Factorey der Engländer fieht „). 9 

Die Europäer, die hier Holz und Waſſer einzunehmen kommen, muͤſſen nicht zu 21 

Obſt effen, und mäßig Quellwaſſer trinken. Ausſchwelfungen dieſer Art, nebſt der harten Wann 
Arbeit beym Holzfaͤllen und hauen, und der uͤbeln Luft der feuchten und moraſtigen Grün: für die Eu⸗ 
de bringen, beſonders bey der Regenzeit, auch die ſtaͤrkſte Natur bald in Unordnung. Es roepaͤer. 
entſtehen daraus zuerſt heftige Kopfſchmerzen, mit Brechen und Schmerzen in den Beinen, 
die ſich in gewaltige Fieber, nest i des Gehirns, cee und in weng Tagen 
Wich neden 9, 1 11 


Der vo Abschnitt 
Ergänzung aus dem Barbot. 
Land ſchaften, die zu Sextos oder Seſtro gehören. ſaͤtzige. Leichenbegaͤngniß der Vornehmen. 
Voͤgel; ein merkwuͤrdiger. Hunde, Schweine Menſchenopfer. Ihre Religion und False. 


und Schafe. Beſchneidung. Die Prieſter BR der Henne für den Fetiſch. 
ſind Aerzte. Außerordentliche Menſchen. Aus⸗ 


Wir wollen noch einige beſondere Umſtaͤnde aus den Barbot beyfügen, der um das Jahr Landschaft, 
1680 zu Seſtro war. Er meldet uns, die dazu gehörigen Länder erſtreckten ſich BI REN 
etwa fünf und dreyßig Seemeilen in einem Striche laͤngſt dieſer Kuͤſte, von dem Fluſſe St. gehört. 
Johann oder Berſay nach Kroe, und noch viel weiter das Land hinauf, Nordoſt gen 

Oſt, wenn wir einigen von des Königs Bedienten glauben duͤrfen: 

In den Wäldern, etwa eine Meile von des Königs Flecken, toͤdteten fie einen Vogel, Voͤgel. 

der ſo groß als eine tuͤrkiſche Henne war, und ein ſehr durchdringendes Geſchrey hatte. 

Sie ſind groß, und ſuͤße, und geben den Phaſanen nichts nach. Die beſte Zeit zu dieſer 

Jagd iſt den Abend, wenn ſie ſich auf eine beſondere Art von Baͤumen ſetzen. 

Auf den Spitzen dieſer Baͤume bauet eine kleine Art Voͤgel ihre Neſter, an die En⸗ Ein merk⸗ 
den der kleinſten Aeſte. Dieſe ſind nicht groͤßer, als Sperlinge, aber von artigem bunten wuͤrdiger. 
Gefieder. Der Verfaſſer fah bey des Hauptmanns Jacobs Dorfe, über tauſend Neſter 
auf einem Baume. Der kuͤnſtlichſte Menſch wuͤrde das Werk diefer kleinen Geſchoͤpfe 
nicht nachmachen koͤnnen, wie ſie das Geſtraͤuche ſo artig und dicht in einander weben, 
daraus ſie ihre Neſter machen, die dicke und feſt werden, und eine kleine runde Oeffnung 
aus und einzugehen haben. 

Die Schwalbe iſt hier ſehr klein, mit einem flachen Kopfe, und kleinen Schnabel. 

Die Hunde gleichen den andern in Guinea, ſind aber nicht allzu haͤufig, und werden Hunde, 
von den Schwarzen als eine gute Speiſe gegeſſen. Es giebt nur wenig Schweine, und Schweine, 
die Schafe ſind von den europäifchen ſehr unterſchieden. Sie find nicht fo groß, und ha⸗ Schafe. 
ben keine Wolle, ſondern Haare wie die Ziegen a), mit einer Art Maͤhne, wie die Kwen 
auf dem Halſe und Rumpfe, auch einen Buͤſchel an dem Ende des Schwanzes. Sie ſind 
ben nicht beſonders geſchmackſam; man bekoͤmmt eines für eine Eiſenſtange b). 


vor 


Diefe 
) Marchais, am oben ange. Orte, a. d. 1456. a) Siehe die Kupfertafel. 


und Barbot a. d. 138 u. f. S. 6) Bar bot, an oben angeführten Orte, auf der 
9) Barbot, am oben angef. Det a d. 135 b. 131 und folgenden Seite, 


649 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwohner Diefe Schwarzen find beſchnitten, koͤnnen aber keinen Grund davon angeben, als daß 
der Pfefferẽ fie es als eine alte Gewohnheit von ihren Vorfahren erhalten. 


8 4 ng, ſieht hier die Prieſter als geſchickte Aerzte an, die ſich auf die Kraͤuter wohl ver⸗ 
Beſchnei⸗ e c). 
dung. Die Weiber haben hier eine außerordentliche Art, ein Kliſtir vermittelſt eines Schif: 


Prieſter ſind rohres, das fie dazu eingerichtet haben, zu ſetzen, und ſpritzen die Compoſition dazu aus ih⸗ 

* rem Munde. a | 

Seltſame Barbot ſah hier zweene ſeltſame Menſchen. Der eine war ein großer ſtarker Kerl, der 

Menſchen. eine milchweiße Haut, aber voll ſchwarzer Flecken, wie ein Tyger hatte. Der andere war 
ein alter Schwarzer; dieſer ſaß, und rauchte recht ſtark Tobak, und hatte, wie die andern 
ſagten, die meifte Zeit feines Lebens auf dieſem Orte geſeſſen. Er hatte einen außerordent⸗ 
lichen Hodenbeutel, der ſich wie ein großer Klumpen Teig anfuͤhlte. Er war ganz rund, 
und über und über weiß, mit ſchwarzen Flecken; fein ganzer uͤbriger Körper aber völlig 
ſchwarz. Sie zeigten dem Verfaſſer eine kleine Oeffnung darinnen, wodurch er ſein 
Waſſer ließ. 


Ausſätzige. Der Verfaſſer muthmaßte, dieſe beyden Leute koͤnnten Ausſaͤtzige ſeyn, deren viele im 
Lande ſind: aber die andern Schwarzen haben mit ihnen keinen Umgang. 
Leichenbe⸗ Bey vornehmer Beerdigung kommen alle Leute aus dem Dorfe zuſammen, die Maͤnner 


gängniſſe. laufen rund um des Verſtorbenen Haus wie wahnſinnige herum, und heulen abſcheulich; 
die Weiber ſitzen bey der Leiche, und jede hält ein wenig Bananablaͤtter, die Sonne von ihr ab- 
zuhalten, ob ſie wohl mit einem Tuche bedeckt iſt. An dem Beerdigungstage erneuern fie 
eben das Geſchrey, beſonders wenn fie in den Sarg, der meiſt aus Schilfe gemacht iſt, ge- 
legt wird. Sie thun des Todten Saͤbel, Wurfſpieße, Schnallen, und völligen Kleider dazu, 
Wenn der Sarg ins Grab geſenkt werden ſoll, das ſehr groß iſt: fo noͤthigen fie zweene 
arme Sklaven, einen maͤnnlichen und einen weiblichen Geſchlechts, den fuͤr ſie zubereiteten 
Reiß zu eſſen, wobey fie doch ihr Elend jaͤmmerlich beweinen. N 
Menſchen⸗ Darauf ſtecken fie beyde in ein Loch, wo fie bis an den Hals in der Erde ſtehen, und er- 
opfer. ſuchen mit wiederholtem Geſchreye und Geheule den Leichnam, dieß Geſchenk anzunehmen. 
Darauf hauen fie ihnen die Köpfe ab, und legen fie jeden auf eine Seite des Sarges ins 
Grab, mit vier Boͤckchen oder Ziegen, die auf dem Platze getoͤdtet werden, einigen Toͤpfen 
Reiß und Palmwein, Bananas, auch allen Arten von Obſte und Kraͤutern, wobey ſie den 
Todten erſuchen, wenn ihn auf der Reiſe hungerte, oder duͤrſtete, ſich dieſes Vorraths zu 
bedienen; denn ſie glauben, der Tod ſey nur eine Reiſe in ein ander unbekanntes und ent⸗ 
ferntes Land, wo fie alle Arten von Vergnügungen genießen. 
Während der ganzen Zeit machet die Verſammlung ein gewaltiges Geheule, welches ſich 
wegen der Mahlzeit, die ihnen bey der Ruͤckkunft zubereitet iſt, bald in Freude verkehrt. 
Sie eſſen und trinken dann luſtig, auf ihre eigenen Unkoſten, wenn der Todte nicht genug dazu 
verlaſſen hat. Befindet ſich ein Fremder bey einem ſolchen Feſte: ſo muß er jedem von 
ihnen ein Geſchenk geben, das bisweilen mehr, als die ganze Mahlzeit austraͤgt. ö 
Man begraͤbt hier, wie in Quofa, alle Leute, da wo fie gebohren find, wenn es auch 
noch ſoweit von dem Orte ihres Todes wäre, f 
8 g Dieſe 


60 Barbot a. d. 15 S. ) Siehe Barbots Reiſen auf der 122 und fol⸗ 
4) Siehe die Kupfertafel. genden Seite. | 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 641 


Dieſe Leute ſind grobe unwiſſende Heiden. Als der Verfaffer einsmals ſpatzleren gieng, Erdbeſchr. 
fand er an der Suͤdſpitze des Fluſſes, etwa einen Musketenſchuß weit vom Dorfe, in einer klei“ der Pfeffer 
nen mit Blaͤttern bedeckten Hütte, eine ungeſtalte laͤcherliche Figur, die einen Menſchenkoͤr⸗ 1 ind, 
per vorſtellen ſollte. Sie war von dunkelm braunen Thone, etwa zweene Fuß erhoͤht, urd Religion 
fo ſtark als ein Mannsſchenkel. Es war, wie ihm berichtet wurde, der Fetiſch des Fleckens, und getiſches 
und alle Schwarzen mit dem Koͤnige ſelbſt, giengen alle Abende dahin, wuſchen ſich im 
Fluſſe, und knieten oder lagen gar ausgeſtreckt auf der Erde vor felbigem, 

Auf einige Weite von beſagter Huͤtte ſtunden gewiſſe Felſen, die ſie auch vermuthlich 
als ihre Seefetiſche verehren. | 

Als der Berfaffer einsmals ans Land gieng, fo fand er das Ufer voll Schwarze, deren Opfer der 
viele auch von den benachbarten Plägen waren, die alle folgendergeſtalt gekleidet und aus⸗ Henne 
geziert waren: Ihr Geſicht war mit Blute beſchmiert, und Reißmehl daruͤber geſtreuet, N 
welches eine beſondere Schoͤnheit bey ihnen ausmacht. Sie hatten ſich verſammlet, ihrem 
Serifch das Opfer der Sandi Lete d. i. der Bundeshenne zu thun, um bei, dem Reiße, 
den fie morgen ſaͤen wollten, Gluͤck zu haben. Sie fangen dieß Opfer mit Tanzen vor 
dem Goͤtzenbilde an, die aber nicht eher angiengen, als bis der Verfaſſer wieder an Bord 
war, weil kein Fremder dabey ſeyn darf. | 

Zweene Tage darauf bemerkte der Verfaſſer, daß fie einen Orangebaum innerhalb drey dem Fetiſch 
Fuß von der Erde umhieben, und niederriſſen. Auf jeder Seite wurden zwo Stangen gebracht. 
aufgerichtet, und an den Stamm durch eine Queerſtange befeftiget H, auf deren Spitze 
wieder eine andere mit einem kleinen Stuͤcke daran geleget war, an welchem eine todte Henne 
an den Fuͤßen hing, daß das Blut immer aus ihrem Schnabel auf das abgebrochne Stuͤck 
des Orangenbaums troͤpfelte. Auf jeder Seite der Hennen waren Stuͤcke von Palm⸗ 
äften, und Bananablaͤttern rund herum ausgezackt, wit Löchern durchbort, und an die Queer⸗ 
ftangen gebunden. Einige meldeten dem Verfaſſer, der Orangenſturz wäre der Abgett, 
und die Henne ſeine Speiſe e). 5 


Der VIII Abſchnitt. * g 
Von der Malaghetta oder Pfefferkuͤſte in genauerm Verſtande. 


Malaghetta oder Pſefferkuͤſte. Klein Seſtro oder Laub, Blaͤtter, Größe und Farben; Saamen⸗ 
Seſtos. Baixos Swino. Sangwin. Baffa. koͤrner; wenn man fie ſammlet. Abſchilderung 
Seterna. Battowa. Flecken Sins. Seſtro ber Einwohner. Ihre Sprache iſt ſchwer. Art 


Krow. Wappo. Drue und Niffo. Groß Seftro 
oder Groß Paris. Flecken Goyava. Das Palmen⸗ 
vorgebirge. Ungeſunde Luft auf der Kuͤſte. Bo⸗ 


ihres Gruͤßens. Ihre Beſchaͤfftigungeu. Uunm⸗ 
ſchraͤnkte Gewalt der Könige, Religion und 
Handel. 


den und Früchte. Guineapfeffer; wie er waͤchſt; N 
Die Malaghetta /) oder Pfefferkuͤſte in engerm Verſtande, erſtrecket ſich von Rio Malaghetta 
Seſtro g) nach Growa, ein wenig unter dem Vorgebirge das Palmas etwa oder Pfeffer⸗ 
fünf und funfzig Seemeilen, und iſt meiſt niedrig flaches Land, von einem leimichten fetten MI 
Boden, über und über waldicht, und von verſchiedenen Fluͤſſen und Moraͤſten durchwaͤſſert, 
| | an 
g) Oder Seixtos. Hauptmann Uring in, ſeiner 
Reife a. d. 131 S. heißt es den Fluß von Siſteri. 
M m m m | 


) Auch Maleghetta, Malegata, und Ma⸗ 
neghetta. 


Allgem. Keiſebeſchr. III Band. 


642 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur; 


Erdbeſchr. an deren Muͤndungen Doͤrfer liegen, die mit ihnen einerley Namen fuͤhren. Die vornehm⸗ 
75 Pfeffer ſten und die am meiſten beſucht werden, find: klein Seſtro, Sextos, Seſtos oder Sangwin, 
— Bottowa oder Battaway, Sino oder Seno. Seſtro oder Setra Krow, Rrow 
Setra, Wappo, Botow, oder Bado, groß Seſtre, klein Seſtre, Goyana oder 
Goyava, Garaway und Growa. b 

Klein Seſtro Von Rio Sextos nach klein Seſtro oder Seſtos 2), find vier Seemeilen Suͤdoſt. 
oder Seſtos. Vor dem Platze befindet ſich eine lange bergichte Klippe, auf der ein hoher Baum waͤchſt, 
nebſt fünf andern Klippen, ſuͤdwaͤrts und einer nordwaͤrts. Die Schwarzen find durch— 
gehends Fiſcher, und es giebt wenig oder keinen Handel da. | 

Etwa zwo Seemeilen weiter oftwärts iſt die Spitze Baxios Swino, welche in die 
See geht, und unweit derſelben eine große Klippe, die auf der Spitze weiß, und dicht beym 
Lande iſt. In einiger Entfernung weſtwaͤrts, auf der See ſieht dieſelbe wie ein Schiff 
aus, und iſt yon der Rheede von Seſtro, bey hellem Wetter leicht zu erkennen. 

Ein wenig unter dieſer Klippe iſt der Flecken Sangwin 1), an der Mündung eines 
eben fo benafinten Fluſſes, der ſuͤdſuͤdoſtwaͤrts in die See fällt, und kleine Schiffe zwölf 
Seemeilen hinauf fuͤhret, obwohl feine Einfahrt ſehr enge ) if. Die Ufer find von 
ſchoͤnen großen Baͤumen beſchattet. Der Flecken 7) enthält etwa hundert Haͤuſer. Die 
Engländer hatten vormals eine Pflanzſtadt allhier, verließen ſolche aber wegen der übeln 
Beſchaffenheit der Schwarzen. Der König iſt dem Könige von Rio Seſtro zinsbar. 
Er traͤgt gemeiniglich eine blaue mohriſche Kutte, und geht oft an Bord der Schiffe in der 
Rheede. Die Holländer und Portugieſen trieben ſonſt hier einen ſtarken Handel, wegen 
Elephantenzaͤhne und Pfeffer: aber weil ſoviel Schiffe herkamen, ſo haben die Einwohner 
den Preis ſo ausſchweifend erhoͤht, daß nichts, das die Muͤhe belohnt, daſelbſt zu thun iſt, 
und fo verhält es ſich in der That durch alle Kuͤſten von Guinea. Im Nothfalle iſt 
Sangwin ein guter Ort, Holz, Waſſer und Lebensmittel einzunehmen. 

Baffa, Bofoe oder Bofou, iſt ein Flecken etwa eine und eine halbe Meile oſtwaͤrts 
von Sangwin, wo ein wenig Handel mit Elephantenzaͤhnen, aber vielmehr mit Pfeffer 
iſt. Man kennt dieſen Platz leicht an einer ebenen ſandigten Spitze, die mit Klippen um⸗ 
ringt iſt m). Einige der hieſigen Schwarzen fprechen ein wenig Portugieſiſch, oder die 
Lingua Franca. 

Seterna oder Serres iſt etwa zweene Seemeilen Oft von Bofou, hat einige Klip⸗ 
pen an der Oſtſpitze in die See hinaus, und einen guten Handel mit Elfenbeine und Pfeffer. 
Nicht weit davon oſtwaͤrts iſt der Flecken Taſſe oder Daſſe. 

Darauf folget Bottowa, ein Flecken, der am Ufer liegt, und an zwo großen Klippen 
kenntlich iſt. Die eine zeiget ſich in der See auf zwo engliſche Meilen weit weſtwaͤrts. Die 


Portugieſen heißen ſie Cabo do Sino; die andere iſt vier Meilen oſtwaͤrts von der Stadt. 
1 Man 


Be rxios 
Swino. 


Sangwin. 


Baffa. 


Seterns. 


Bottowa. 


5) Barbot verwechſelt dieß mit Seſtro Paris, 
welches viel weiter Suͤdoſt liegt. 

i) Marchais ſaget, es waͤre zwoͤlf Seemeilen 
von Rio Sertos im erften Bande a. d. 146 S. und 
Snoek, es ſey an verſchiedenen hohen Bäumen, 
die ſich oſtwaͤrts davon zeigen, kenntlich. 

4) Marchais ſaget, er ſey zwoͤlf bis funfzehn 


Meilen von der Einfahrt ſchiffbar, und dieſe etwa 
fuͤnfhundert oder ſechshundert Schritte breit, und 
in der Breite von fünf Grad zwölf Minuten nord⸗ 
lich, ſiehe feine Reiſe im erſten Bande auf der 148 

Seite. 
1) Unweit dem Seeufer ſaget Marchais, iſt 
ein ziemlich großer Flecken, der angenehm zwiſchen 
4 den 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 643 


Man kennt ſie gleichfalls an verſchiedenen hohen Huͤgeln unter ihr. Es giebt hier viel Erdbeſchr. 
Malaghetta oder Pfeffer, den die Schwarzen für blauen Perpetuanas, zinnerne Becken, der Pfeffer: 
Eiſenſtangen, und Annabaſſes vertauſchen. 1 küſte. 

Sie kommen gewoͤhnlich an Bord zu handeln; man muß aber wohl auf ſie Acht haben, 
denn ſie ſind geſchickt im Stehlen, und werden nie bezahlen, was ſie kaufen, wenn ſie ſol⸗ 
ches vermeiden koͤnnen 1). ; 7 | 

Der Flecken Sino liegt Suͤdoſt, von Bottowa etwa eine und eine halbe Seemeile Flecken 
weit, und iſt an einer großen Klippen auf einer Sandſpitze kenntlich, die ein wenig in die Sino. 
See hinein geht. Hinter derſelben iſt ein großer ſchoͤner Fluß, der, wie die Schwarzen erzaͤh— 
len, weit ins Land hinauf geht, und dem Fluſſe Seſtro nicht viel nachgiebt o). 

Der Flecken Souweraboe oder Sabrebou, iſt eine Seemeile von Sino nach Suͤd⸗ Seſtre 
oft. Seſtro Krow, (Kroe, Rene oder Krew p) ), fünf Seemeilen von Sabrebou, Krow. 
iſt ein großer ſchoͤner Flecken. Man kennet ihn leicht an einer Art vom Vorgebirge, das 
von drey mit Baͤumen bewachſenen ſchwarzen Huͤgeln zuſammen gemacht wird, die in der 
Ferne in der See wie Schiffmaſte ausſehen. Das Vorgebirge oder die Spitze iſt mit 
Klippen umringt, von denen einige ſich etwas in die See erſtrecken. Es iſt auch an zwo 
großen Klippen am Ufer kenntlich, die etwa zwo engliſche Meilen von einander ſind, und 
das Land iſt flach und niedrig. In der Vertiefung des Ufers, die wie eine kleine Bay aus⸗ 
ſieht, iſt im Nothfalle gut Waſſer einzunehmen. 

Der Flecken Wappow oder Wappo, iſt fünf Seemeilen von Seſtro Krow, an Wappo. 
einem kleinen Fluſſe gelegen. Sein Merkmaal iſt eine Reihe von zwanzig oder mehrern 
hohen ausgebreiteten Baͤumen, die ſich auf einem flachen langen hohen Grunde uͤber dem 
Ufer zeigen, mit fuͤnf Palmbaͤumen am Ende. Es iſt auch an einem ſehr flachen Eylande 
oder Felſen unweit der Kuͤſte, oder gar daran haͤngend, kenntlich, das von verſchiedenen 
kleinen umgeben wird. 177 a 

In dem Flecken innerhalb des Fluſſes ſowohl, als zu Botowa und Seſtro Krow, 
find die Elephantenzaͤhne meiſtens groß. Das Land hat viel Malaghetta, und fie brin⸗ 
gen ihn gemeiniglich an Bord der Schiffe, die in der Rheede liegen, in großen Packen, die 
aus Schilfe wie Zuckerhuͤte gemacht ſind ). 

Droe, (Drue oder Drew) und Niffo, zweene andere Flecken liegen zwiſchen Wap⸗ Droe und 
po und groß Seſtro. Sie geben viel Malaghetta, und fo wohlfeil, daß Barbot ein. Niffe. 
mal zu Droe dreyhundert und funfzig Pfund fuͤr eine Eiſenſtange kaufte. Die Schwar⸗ 
zen um Wappo, und die anliegenden Gegenden herum, ſind geſitteter und beſſer be: 
ſchaffen, als die weſtlichen, aber doch ungeftüm genug, ihr Daſchi oder Geſchenk zu for: 
dern, ehe ſie handeln. Ihre Sprache iſt kaum zu verſtehen. 

Die See liefert eine große Mannichfaltigkeit von Fiſchen, die mit denen auf der Gold⸗ 
kuͤſte meiſt einerley ſind. Mm mm 2 Das 
den großen Bäumen liegt, die den Fluß auf bey „) Bosman an oben angeführtem Orte auf der 
den Seiten beſchatten. Siehe feine Neife, erſter 485 Seite. 


Band a. d. 148 S. 5) Etliche wenige Meilen weiter vor, iſt ein an⸗ 
m) Snoek giebt eben die Merkmaale an. Sie⸗ derer Platz, Namens Krow Seſtro, Setra oder 
he Bosmans Guinea a. d. 484 S. Siſtra. N 


n) Bosman a. d. 485 S. und Barbot a. d. ) Barbot a. d. 136 u. f. S. Bosman a. d. 
136 Seite. 485 S. 84 


6444 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur ⸗ 


Erdbeſcht. Das Ufer von Wappo nach groß Seſtro oder Seſtro Paris, ſtrecket ſich Suͤdoſt 
„ gen Sid, Letzteres iſt ein großer Flecken am Rio das Eſcravos. Die niedrige Ebbe 
uahret laͤngſt den Ufer hin, und die Ruͤckkehr der Fluth, in die See. — 
Groß Seſtro. Groß Seftro iſt etwa zwo und eine halbe Meile von Droe Suͤdoſt. Man entdecket 
es leicht, vermittelſt eines Felſen, der Nordweſt liegt, und eines Einſchnittes in der Kuͤſte, 
über dem drey Palmbaͤume das Land hinauf find. Die Holländer nennen es Balletjeshoek 
von einem Schwarzen, der fi vormals hier aufgehalten. Einige von den Landeseinwoh⸗ 
nern ſchrien, als fie ſich den Schiffen in ihren Canoes nahten, uͤberlaut in der normanni⸗ 
ſchen Mundart mit Haͤndeklatſchen: Maleguetta tout plein, Maleguetta tout plein, tout 
plein, tant a Terre de Maleguetta, anzuzeigen, daß ſie Ueberfluß von guineiſchem Pfeffer 
im Lande haͤtten. ' | | Ä 
oder groß Die Franzoſen von Dieppe nannten dieſe Stadt vor Zeiten Seſtro Paris, wegen 
Paris. ihrer Größe, da es eine von den größten und volkreichſten in Guinea iſt. Sie hatten hier 
eine Factorey wegen des guineiſchen Pfeffers und Elfenbeins angelegt, welches beydes im 
Ueberfluſſe zu bekommen iſt, und dieſes lange zuvor, ehe der oſtindiſche Pfeffer in Europa bes 
kannt war. Als aber die Portugieſen das Prinzeßinneiland erobert hatten, welches in 
der Bight liegt: ſo bemaͤchtigten ſie ſich aller Guineakuͤſten, legten daſelbſt Factoreyen an, 
und vertrieben die Franzoſen. f | 
Wie diefer Ort groß Paris genannt wird: fo heißt klein Seſtro, etliche Seemeilen 
weiter klein Paris. Dieſes letztere hat Barbot unweit Rio Sertos gefeger, wie wir 
oben bemerket haben. Dieſe Namen groß und klein Paris, ſaget Marchais, find Be⸗ 
weiſe, daß ſich die Franzoſen vor Zeiten hier geſetzt gehabt. Im Jahre 1366 legten die Diep⸗ 
per Kaufleute eine Factorey zu groß Seſtro an, unweit welcher die Schwarzen eine ſo 
große Stadt bauten, daß die Normaͤnner felbige groß Paris nannten. Die Einwohner 
behalten immer noch ihre alte Liebe fuͤr die Franzoſen. 
Flecken Von groß Seſtro bis zum Flecken Goyava oder Goyane find drey und eine halbe See⸗ 
Goyave. meile, und von dar vier bis zu Garwai überall niedrig Land, und noch zwo Seemeilen nach 
dem Vorgebirge das Palmas. Gopave iſt an einem runden Berge tief ins Land hinein 
kenntlich; wie auch an einem Fluſſe, der fir Schaluppen nicht ſchiffbar iſt, und laͤngſt der Kuͤ⸗ 
ſte im Lande läuft. Er heißt Rio de St. Clemente. Auf der Suͤdſeite iſt ein kleines Dorf, 
wo man gut Waſſer, Elfenbein und guineiſchen Pfeffer findet. 
Vorgebirge Cabo das Palmas oder das Palmenvorgebirge, hat ſeinen Namen von den 
das Palmas. Palmbaͤumen, die man an den meiſten Orten ſieht, beſonders unweit des Ufers, und auf den 
beyden Huͤgeln, die das Vorgebirge machen, das genau in vier Grad funfzig Minuten ) 
nordlicher Breite liegt. N | 
Hinter dem Vorgebirge ift eine Vertiefung in der Kuͤſte, die den Schiffen eine gute Zu⸗ 
flucht wider die Suͤdwinde giebt. Etwa eine Seemeile davon, oſtwaͤrts befindet ſich gleich 
am Ufer eine große Klippe, und von der Spitze ſtrecket ſich eine Reihe Sandbaͤnke oder 
kleiner Klippen, die dem Waſſer gleich ſind, eine Meile in die See, Suͤdſuͤdoſt, wo vor Zei⸗ 
| : ben 
7) Marchais Reife erſter Band a. der 149 S. geirrt, die er als richtig angegeben. 
s Wir ſtehen für die Richtigkeit nicht, weil t) Barbot a. d 137 S. a 
(id dieſer Schriftſteller bey ſehr viel Breiten ſehr 6) Beſchreibung von Guin⸗ z a. d. 132 S. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 645 
ten Schiffe geſcheitert ſind. Auch iſt eine niedere Bank zwo Seemeilen weiter in die See, Erdbeſchr. 


um welche die Fluth ſehr ſtark nach Oſten, in neun bis zehn Faden Waſſer ſtreicht. . 
Zwo Seemeilen von dem Vorgebirge liegt Growa, wo ſich die Pfefferkuͤſte oſt ; 
warte endigt. 


Wir wollen dieſer Beſchreibung der Malaghettakbſte und der Hafen laͤngſt ſelbiger, 
eine Nachricht von dem Boden und den Einwohnern beyfuͤgen. 

Die Duͤnſte aus den häufigen Fluͤſſen und Moraͤſten verurſachen bösartige und für die Ungeſunde 
Europäer gefährliche Fieber. Dieſe ungeſunde Luft iſt am Palmenvorgebirge am ſchlimm⸗ uft. 
ſten, und man empfindet ſie bisweilen vier Seemeilen davon in der See; denn bey neblich⸗ 
tem Wetter fuͤhret fie einen merklichen Geſtank mit ſich 2). 

Das Land überhaupt hat einen Ueberfluß an Erbſen, Bohnen, großen Kuͤrbſen, Pom⸗ Boden und 
pions), Limonien, Orangen, Bacchos, Bananas, und einer Art Nuͤſſe von ſehr dicker Früchte; 
Schale, und aus einem runden Stuͤcke ohne eine inwendige Schale, wie die europaͤiſchen 
Nuͤſſe, die ſehr angenehm und ſuͤße ſchmecken. 

Auch giebt es hier vieles Rindvieh, Ziegen, Schweine, Huͤhner, und andere Arten von 
Voͤgeln, alles ſehr wohlfeil. Ihr Palmwein iſt vortrefflich, wie auch die Datteln, die ſie 
ſehr gern eſſen. 

Die vornehmſte Waare aber auf der Kuͤſte iſt der Malaghetta⸗ oder guineiſche Pfef⸗ Guineiſcher 
fer, den man in Menge und wohlfeil hat. Pfeffer, 

Nach Barbots Anzeige 1) heißen ihn die Schwarzen von Seſtro Watzanzag, und 
die von dem Palmenvorgebirge Emaneghetta x). 

Einige Schriftſteller, beſonders Herr Lemery und Pomey „), behaupten, der Mala⸗ 
ghetta habe ſeinen Namen von Melega, einer africaniſchen Stadt, von dannen er zuerſt 
nn Frankreich gekommen. 5 melden aber nicht, wo dieſe Stadt liegt. 
Die Pfefferpflanze wird nach der Guͤte des Bodens ſtark genug, ſich als ein kleiner wie er 
Baum ſelbſt zu erhalten. Wenn es ihr daran mangelt: ſo bleibt ſie ein kriechender Strauch, waͤchſt. 
wofern ſie nicht geſtuͤtzt wird, oder ſich an einen Baum halten kann, da ſie denn, wie Epheu, 
den ganzen Stamm bedeckt. Wenn ſie laͤngſt dem Boden hinkriecht: ſo ſind die Koͤrner 
größer, aber nicht fo gut. Denn je hoͤher ihre Aeſte der Luft ausgeſetzt ſind, deſto trockner 
und kleiner iſt die Frucht, und zugleich hitzig und von ſcharfem Geſchmacke, mit allen Ei⸗ 
genſchaften des Pfeffers. 

Das Laub des Malaghetta iſt zweymal fo lang, als breit, und am Ende ſchmal 2). Blätter. 
Es iſt glatt, und hat in der Regenzeit ein angenehmes Gruͤn, nach welcher es verwelket, und 
feine Farbe verliert. Wenn man es zwiſchen den Fingern reibt: fo giebt es einen Wuͤrz⸗ 
nelkengeruch, und das Aeußere der Aeſte thut eben dergleichen. Von dem Untertheile der 
Blaͤtter wachſen kleine gekruͤmmte Faͤden heraus, damit ſie ſich an den Baum oder Stock, 
den man fuͤr ſie eingeſteckt hat, halten. 

Die Bluͤthe kann nicht wohl beſchrieben werden, weil ſie in eine Zeit fällt; da kein Han: Blumen und 
del auf der Kuͤſte iſt. Indeſſen iſt gewiß, daß die Pflanze bluͤhet, und auf ihre Blumen Frucht. 
Fruͤchte folgen, die wie eckichte Feigen ausſehen, und nach der verſchiedenen Beſchaffenheit 


Mmmmz3 des 
x) Daher koͤmmt der Europaͤer Maneghetta 2) Barbot a. d. 132 S. ſaget, fie wären dick, 
und Malaghetta. und ſehr lang, wie Nußblaͤtter. 


„) Hiß, des Drogues, 


646 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 
Erdbeſchr. des Bodens und der Lage von verſchiedener Groͤße werden. Das aͤußerliche beſteht aus 
ER: einer dünnen Haut, die trocknet, und ſehr bruͤchig wird. Insgemein hat fie eine dunkle 
eee roͤthlichte Farbe. Die Schwarzen ſagen, fie ſey giftig. 72 ö e 
Eigenſchaf⸗ In dieſer Haut liegen die Samkoͤrnchen ordentlich und dicht beyſammen, und find nur 
ten. durch ein duͤnnes Haͤutchen abgetheilt, das ſich in zarte Faͤden von einem ſcharfen beißenden 
Geſchmacke wie Ingwer verwandelt. 5 RR l. 


Dieſe Koͤrner ſind von der Groͤße des Hanfſamens, faſt rund, aber doch mit eckicht, 


vor der Reife röchlich, welche Farbe bey der Reife dunkler, und wenn fie gewaſchen worden 
ſind, ſchwarz wird; in dieſer Beſchaffenheit packet man ſie ein. Dieſes Befeuchten erreget 
eine Gaͤhrung, und ſchwaͤchet die Kraft ſehr. Der Geſchmack muͤßte beißend und ſcharf, 
a wie der indianiſche Pfeffer, ſeyn, wenn er wohl abgehen ſollte 2). f 

Groͤße und Barbot ſaget, die Frucht ſey faſt eyrund, aber am Ende zugeſpitzt. Die Schale iſt 
Farbe. dünne, anfänglich gruͤn, und wenn ſie getrocknet iſt, von ſchoͤner Scharlachfarbe, etwan fo 
groß, als eine Feige, und weich, weil ſie von keinem Fleiſche ausgefuͤllt wird. Darinnen 
aber liegt der Malaghetta in vier oder fuͤnf Reihen mit einem weißen Haͤutchen bedeckt, 
das auch jedes Korn von dem andern abſondert. Dieſe Koͤrner ſind weiß, ſehr ſcharf, und 
beißen ſtaͤrker, als der hitzigſte Pfeffer. g 
Koͤrner oder Vor der Reife find fie roth, und von einem angenehmen Geſchmacke. Die beſten ha: 
Saamen. ben eine Caſtanienfarbe, ſind groß, ſchwer und ſehr glatt. Die Schwarzen ſind am klein⸗ 
ſten. Auf das Schiff werden ſie gruͤn geſchafft, und erhalten ihre Farbe am Borde. Der 
Saame iſt weder ſo groß, noch ſo rund, als der indianiſche Pfeffer, ſondern hat verſchiedene 
Ecken J). Die Stengel ſchmecken faſt wie Nelken. Eine andere Art Malaghetta waͤchſt wie 
oßblaͤttericht Gras. Der, den man vom Mittel des Wintermonats bis in den Maͤrzkaufet, 
ift ſicherlich ein Jahr alt; denn der neue fängt an im Jenner Knoſpen zu treiben c). f 
Wenn man Wenn die Blätter endlich ſchwarz werden: fo ſammſeh nen die Frucht. Dieſe wird 
ihn ſammlet. getrocknet, und im Lande gegen Waaren umgeſetzt, damit ſie viel gewinnen. Man hat dieſe 
Saamen in Frankreich und andern Theilen von Europa lange an ſtatt des Pfeffers gebraucht, 
beſonders wenn der letztere theuer iſt. Die Kraͤmer verfaͤlſchen auch oͤfters den indiani⸗ 

ſchen Pfeffer 4). f f 
Der Malaghetta am Bio Seſtro waͤchſt auf einem Strauche, und iſt der groͤßte in 
dieſer Gegend der Pfefferkuͤſte. Die Buͤſche ftehen fo dicht beyſammen, daß fie an einigen 

Orten zu Seſtro wie Dickicht oder kleines Gehölze ausſehen e). 

Boſman meldet, außer dem Malaghetta, den Paradieskoͤrnern, oder dem guinei⸗ 
ſchen Pfeffer, wachſe noch eine Frucht auf Geſtraͤuchen, die am Geſchmacke und Geſtalt den 


Cardamo⸗ Cardamomen gliche, und nach feinen Gedanken mit ihnen einerley it. Er bemerket auch, 


men. daß der Pfeffer zu Benin und tiefer im Lande, wie der oſtindiſche beſchaffen iſt. 


Pimento. Die letzte Art von Pfeffer, die hier Pimento heißt, und in Europa ſpaniſcher Pfeffer | 


genannt wird, waͤchſt häufig auf Straͤuchern, die faſt von eben der Groͤße, aber doch etwas 


niedriger find, als die Johannisbeerſtraͤucher in Holland. Es giebt hier zwo Arten, große 
und kleine. Beyde ſind anfaͤnglich grün, und die erſten werden roth und ſchwarz. Die leß- 


5 tern 
4) MWarchais I Band a. d. 151 u. f. ©. c) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der 


5) Die Portugieſen zählen ſechſe, und heißen da: 132 Seite. Siehe auch Boſman auf der 303 


her den Fluß und die Stadt Sextos. Seite. 


—— en 


und politifchen Geſchichte. VIII Buch II Cap. 647 


tern ſchoͤn roth. Sie ſehen ſehr angenehm aus. Die Frucht iſt viel hitziger, als der ge⸗Einwohn. 
meine ſchwarze Pfeffer, beſonders die kleine Art, die nicht den vierten Theil ſo groß, als die di 
andere iſt, obgleich ihr Baum ſechsmal ſo hoch iſt, und ſich weiter ausbreitet. Man haͤlt Wee 
den Piement in Weineßig, oder noch beſſer Limonienſaft gebeizt, für ſehr geſund, und gut 

für den Magen /). | 

Sonſten pflegten die Holländer eine große Menge, und ganze Schiffsladungen jährlich Handel. 
auszufuͤhren; itzt aber wird er nicht ſo ſtark geſucht. Der Verfaſſer bekam dreyhundert 
Pfund davon zu Seſtro fuͤr eine Eiſenſtange, die fünf Schillinge werth war 3). 

Weil man dieſe Art Pfeffer igo wenig in Europa braucht: fo iſt der Handel damit 
nicht wichtig. Die meiſten Schiffe, welche jährlich hieher kommen, ſuchen vornehmlich 
Elephantenzaͤhne, von denen die Englaͤnder und Hollaͤnder das meiſte nehmen. 

Marmol im 23ſten Capitel feiner Beſchreibung von Africa ſaget, vor Ankunft der 
Portugieſen haͤtten ſich die Kaufleute aus der Barbarey queer durch das feſte Land hieher 
gemacht, dieſen Pfeffer zu holen, und aus der Barbarey wäre etwas nach Italien geſchafft, Paradies. 
und, weil man feinen Urſprung nicht gewußt, daſelbſt Paradieskoͤrner genannt worden Y). koͤrner. 

Die Einwohner der Pfefferkuͤſte find ſehr unmaͤßig, und außerordentlich wolluͤſtig, re- Abſchilde⸗ 
den auch allezeit von ihren Haͤndeln mit Weibsbildern. Einige Schwarzen pralen, wie En. 
erzählt wird, damit, daß fie ihre Weiber ihren eigenen Söhnen preis gegeben; und wenn man 5 
ſie wegen eines ſolchen viehiſchen Verfahrens beſtraft: ſo lachen ſie daruͤber, und ſagen, es 
ſey nur eine Kleinigkeit. Sie ſtehlen ſehr gern, und nehmen auf den Schiffen Eßwaaren 
und Guͤter, ja roſtige Meſſer, zerbrochene Naͤgel, und kurz, alles, was ihnen im Wege liegt. 

Im Betteln um ihr Daſchi ſind ſie unertraͤglich. 

Die Sprache der Schwarzen auf dieſer Kuͤſte iſt gar nicht zu verſtehen, und aller Han⸗ Schwere 
del wird durch Zeichen gefuͤhret. Meiſtens find fie von guter Leibesgeſtalt und wohl gebil ⸗ Sprache. 
det. Sie tragen nur ein Stuͤck Zeug um die Mitte des Leibes, und viele haben Bruͤche. 
Der Verfaſſer ſah einen, deſſen Bruch ſo groß war, daß ihm der Hodenbeutel auf die Knie 
herunterhing. 

Sie ſind daher ſehr ſtark und arbeitſam. Wenn ihrer einige aus verſchiedenen Oertern Ihre Art zu 
an Bord eines Schiffes zuſammenkommen: ſo faſſen ſie einander bey den Schultern an, und gruͤßen. 
ſagen: Toms; laſſen darauf die Hände bis an die Ellbogen ſinken, und ſprechen: Towa; 
nehmen darauf einer des andern Finger, wie die zu Seſtro, ſchnappen damit, und ſagen: 
Enfanemate, enfanemate; das iſt: Mein Freund, wie befindeſt du dich! | 

Sie haben ſehr gute Grobſchmiede, welche Gewehr, Meſſer und dergleichen zu haͤrten Ihre Be: 
und zu verfertigen wiſſen. Andere machen ſehr gute Eanoes von verſchiedener Größe, Sie ſchaͤfftigun, 
wiſſen auch ihr Feld zum Reiße, Hirſe und Malaghetta wohl zu beſtellen; und dieſes iſt den. 
ihr vornehmſter Unterhalt und Handel. 

Ihre Taba oder Taba Seyle, bey andern Sabo Seyle, das iſt, ihre Könige, herr Die Könige 
ſchen ſehr unumſchraͤnkt über das Volk, das ihnen viel Unterthaͤnigkeit bezeuget, und zeigen bereichen un⸗ 
ſich öffentlich allemal mit vieler Pracht. = umſchraͤntt. 

a | 8 


dı Marchais am obangeführten Orte auf der 7) Boſmans Guinea a. d. 305 ©. 
145 Seite. 8 g) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der 


e) Barbot am oben angefuͤhrten Orte auf der 132 Seite. | 
132 Seite. 5) Ebenderſelbe a. d. 138 S. 


648 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 

Religion Es ſind grobe Heiden, die ihre Grigri oder Bilder, auch Todte anbethen, und ſie um 
ein ruhiges und heiliges Leben in dieſer Welt bitten. Sie grüßen den Neumond mit Ges 

ſaͤngen, Spielen und Taͤnzen, und ſind der Zauberey ſehr ergeben. 
und Handel. Die beſte Zeit zum Handel auf der Kuͤſte, der am bequemſten mit kleinen Schiffen 
gefuͤhret wird, iſt im Hornunge, Maͤrz und April. Die Suͤdſuͤdoſtwinde fangen auf der 
uͤſte im May an zu wehen, und bringen die Tornados, ſtuͤrmiſch Wetter und heftigen 
Regen mit, welchen ordentlich Blitzen und ſchrecklicher Donner begleiten ). n 


Erdbeſchr. Das III Capitel. 
beintölfe. Beſchreibung der Elfenbeinkuͤſte, 
5 Der ! Abſchnitt. 


Eintheilung und Groͤße des Landes. Der Name. und ausgehende Waaren. Die rothen Klippen. 
Quaqua, was man darunter zu verſtehen hat. Dromwa Petri. Kotrow. Vorgebirge la Hou, 
Hafen und Dörfer. Tabo Dune. Taho Petri oder How. Jaque la How. Wotow oder Wal⸗ 

oder Petiero. Taho und Berbi. Drewin Per lok. Jak a Jak. Korbi la How. Ein uner⸗ 

tri. Die Einwohner; find ſehr argwoͤhniſch. gruͤndlicher Brunnen. Gammo. Bogu. fs 

Rio St. Andre. Ausfluß. Platz zu einem ſeni Grande. Albiani. Tabo Akanimina. Vor⸗ 

Forte. Schoͤner Quell. Erdreich und Gewaͤchſe. gebirge Apollonia. Fluß Cobre oder Ankobar. 
Die Einwohner. Ihre Tracht. Handlung, 


Eintheilung De Schiffer und Erdbeſchreiber der verſchiedenen Voͤlkerſchaften ſind untereinander 


und Große. ) wegen der Größe und Abtheilung der Elfenbeinkuͤſte uneinig. Wie Barbot 
N. ſaget, ſo ſetzen die Franzoſen und Hollaͤnder die Graͤnzen derſelben von Growa 
an, zwo Seemeilen oſtwaͤrts von dem Palmenvorgebirge, bis an den Rio de Sweiro 
da Coſta bey Ißini, wo die Goldkuͤſte eigentlich zu reden ihren Anfang nimmt. Dieſe 
Küfte ſcheiden fie wieder in drey Theile: nämlich die Elfenbeinkuͤſte, die Kuͤſte Male 
Gentes, und die Kuͤſte Quaqua. Die Elfenbeinkuͤſte rechnen ſie, gleichwie die Por⸗ 
tugieſen, von Growa an, bis zum Rio St. Andre. Sie läuft in der Linie von Nord⸗ 
oſt und Suͤdweſt. Die von Male Gentes reicht vom Rio St. Andre, bis zum Rio 
Lagos, und liegt Weſtſüͤdweſt und Oſtnordoſt. Und die Quaquakuͤſte erſtrecket ſich vom 
Rio Lagos, bis zum Rio de Sweiro da Coſta, in der Richtung von Weſtnordweſt 
nach Oſtſuͤdoſt. Dieſer Strich Landes iſt am Strande voller Flecken und Dörfer 4). | 
Name Wie Marchais und andere mehr verſichern: fo ift die ganze Kuͤſte vom Vorgebirge 
5 palmas bis nach Tres Puntas den Schiffern unter dem Namen der Elfenbeinkuͤſte 
bekannt. Die Holländer benennen fie in ihrer Sprache Tandkuſt. Sie wird gemeinig⸗ 
lich in zwey Stuͤcke Landes abgetheilet, deren eines von dem guten, das andere aber 55 475 
| | öfen 
1) Barbots Beſchreibung von Guinea auf der ) Warchais Reife nach Guinea im I Bande | 
137 und folgenden Seite. a. d. 15% u. f. S. ö 
c) Villaults Reiſe nach Guinea ard. 17 S. wie 
a) Ebendaſelbſt auf der 138 Seite. auch Narchaio a. d. 184 S. | 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 649 
boͤſen Volke bewohnt wird. Der Fluß Botrow ſcheidet dieſe beyden Nationen. Man Erdbeſchr. 
weis nicht, warum das böfe Volk dieſen Namen bekommen. So viel aber iſt gewiß, daß der elfen⸗ 
die Schwarzen an der Oſtſeite des Palmenvorgebirges boshafte Luͤgner und Verraͤther, und BEENDET, 
zum Diebſtahle und zur Grauſamkeit geneigt find. Die Urfache des Namens der Elfenbein⸗ 
kuͤſte iſt leicht zu errathen, nämlich die große Menge von Elephantenzaͤhnen, oder vielmehr 
Hauern, die hier verkauft werden “). f 


Die Kuͤſte des guten Volks nimmt mit dem Vorgebirge la Sou ſeinen Anfang. Die Quaqua, was 
Hollander gaben den Einwohnern von hier an bis an das Vorgebirge St. Apollonia den es bedeute. 
Namen Quaqua, weil fie dieſes Wort faſt beſtaͤndig im Munde führten, wenn fie zu ihnen 
auf die Schiffe kamen, welches Wort nach ihrer Meynung ſo viel heißen ſollte: als guten 
Morgen, oder Willkommen. Villault bemerkte, daß fie dieſes Wort ſehr ſtark brauch⸗ 
ten, wenn fie ſich ſatt gegeſſen hatten co). Dem unerachtet weis Snoek, ein Hollaͤnder, 
nicht, wo er dieſen Namen herleiten ſoll, es muͤßte denn ſeyn, daß manche die Sprache die⸗ 
fer Völker mit dem Schnattern der Enten vergleichen, da er doch keinen fo merklichen Un⸗ 
terſchied in ihrer Sprache von den andern Negern wahrnimmt. Er ſetzet hinzu, daß die 
Einwohner ihr fand Adow, und ſich ſelbſt Adowſianer Y nennen. Smith, welcher Bos⸗ 
manen mit dem Snoek verwechſelt, loͤſet die Schwierigkeit auf, indem er vorgiebt, daß 
das Wort Quaqua in ihrer Sprache einen Zahn bedeute. Daher, ſaget er, nennen ſie die 
Engländer die Elfenbein oder Zahnkuͤſte ). Dieſer Schriftfteller aber führer kein Zeug⸗ 
niß an, und ſaget auch nicht, wo er dieſe Nachricht herbekommen. 5 

Außer dem Namen Quaqua wird fie auch von den Hollaͤndern die Kuͤſte der ſechs 
Streifen genannt, wegen der Pagnes, oder weiß und blau geſtreiften baumwollenen Tuͤcher, 
die aus ſechs zuſammengenaͤhten Stücken 7) oder Streifen beſtehen. | 

Die vornehmſten Oerter auf der Elfenbeinkuͤſte find Gena oder Growa, Tabo, klein Hafen und 
Tabo, groß Drewin, Botra, das Vorgebirge la Hou, das Vorgebirge Apollonia, Dörfer, 
Valloe. Dieſe find meiſtentheils an den Muͤndungen der Fluͤſſe gelegen, deren Namen 
ſie fuͤhren. Das innere Land iſt wenig bekannt, weil, ſeitdem die Franzoſen aus der Nor⸗ 
mandie ihre Wohnungen auf dieſer Kuͤſte verlaſſen haben, die Einwohner keinen Europaͤern 
weiter geſtatten wollen, ſich hier feſt zu ſetzen. Es wird alſo die ganze Handlung entweder 
nur am Borde getrieben, oder wenn ſolches auf dem Lande geſchiehet: ſo braucht man von 
beyden Theilen große Vorſicht. Man findet an einem Orte eben ſo viel, als an dem andern, 
nämlich Gold, Elfenbein und Sklaven; und obgleich kein gewiſſer Tariff feſt geſetzt iſt: fo 
iſt doch die Handlung ſehr betraͤchtlich. | 

Man rechnet drey Seemeilen von dem Vorgebirge Palmas bis nach Growa; von 
Growa bis nach Tabo dreyßig; von Tabo bis klein Tabo viere; von da bis nach 
Berbi fuͤnfe; von Berbi nach groß Drewin ſechſe; von groß Drewin nach Tao zwo; 
von Tao bis zum Rio St. Andres drey, von demſelben bis an das Vorgebirge la Hou 
ſieben, und von dieſem Vorgebirge bis nach Gamo zehn. Wenn man dieſes zuſammen⸗ 
rechnet: fo betraͤgt die Länge der Kuͤſte von dem Palmenvorgebirge an bis nach Gamo 

acht 
4) Bosmans Beſchreibung von Guinea, auf der e) Smiths Reife nach Guinea, a. d. 114 ©. 

419 Seite. | f) Marchais, am oben angef. Orte, a. d. 185 S. 


Allgem. Beiſebeſchr. II Band. Nun n 


Tabo. 


Petri oder 
Petriero. 


Taho und 
Berbi. 


Drewin 


Petri. 


Einwohner. 


Sehr arg⸗ 
woͤhniſch. 


650 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Dr Ic 


mung die Kuͤſte des guten Volks auf fünf und zwanzig Seemeilen hinunter feßet g). 


Bey Beſchreibung dieſer Kuͤſte, welche groͤßtentheils ziemlich mit Flecken und Dörfern 
angefuͤllt iſt, werden wir nur der wichtigſten, und den Europäern bekannteſten Oerter 
erwaͤhnen. ö | | 
Cabo Dune, der nächfte Flecken hinter Growa, als dem letzten Orte, der zur Pfeffer- 
kuͤſte gehört, unterſcheidet ſich durch ein großes grünes Vorgebirge, welches darneben liegt, 
und gleichwie das Land lauter Wald iſt. Die Ebbe und Fluth läuft gemeiniglich Oſtnord⸗ 
oſt, und manchmal geht ſie langſam nach Suͤd und Suͤdweſt. 

Tabo, welches zehn Seemeilen von Tabo Dune liegt, iſt von der See aus leichtlich 
an dem großen Felſen zu erkennen, der weit zu ſehen iſt, und anderthalbe Seemeile weſt⸗ 
waͤrts von dem Orte liegt. Auf dem benachbarten Vorgebirge ſtehen hin und wieder große 
hohe Baͤume, und in der Rheede ſind achtzehn bis zwanzig Faden Waſſer. Nahe bey dem 
Dorfe geht ein kleiner Fluß durch ein Gebuͤſche, welchen die Portugieſen Rio de St. 

Pedro genannt haben. Auf der Weſtſeite deſſelben ſtehen einige Berge, welchen ſie den 
Namen Sierra de Santa Apollonia gegeben haben. 

Petri, oder Petiero, ein anderer Flecken, zwo Seemeilen weiter gegen Oſten von Tabo, 
laͤßt ſich an dem Felſen unterſcheiden, der nicht weit davon zu ſehen iſt. 

Taho, wieder zwo Seemeilen von Petri, und noch zwo Meilen weiter hin Berbi, 

ein anderer Flecken, ſind auf einer Anhoͤhe zu erblicken. 
Diruyn, oder Drewin Petri, oder auch groß Drewin „), liegt an dem Fluſſe St. 
Andreas. Es iſt leicht zu erkennen, indem etliche Haͤuſer, die auf einer Hoͤhe nahe am 
Strande liegen, und weiter gegen Weſten verſchiedene hohe Baͤume auf dem Vorgebirge 
von der See aus deutlich zu ſehen ſind. Man erkennt es auch an vier Ebenen, die eine 
Seemeile davon gegen Weſten am Strande mitten unter dem Gehoͤlze erſcheinen. Die 
Portugieſen nennen dieſes Vorgebirge Cabo da Praynha, das iſt das Vorgebirge des 
kleinen Strandes 1). Die Stadt liegt auf einer Inſel in dem Fluſſe, die zwiſchen zwo 
Reihen Bergen von Mitternacht herkoͤmmt. Weiter hinten ſind anmuthige Wieſen, die 
nicht zu uͤberſehen ſind H. Außer der Stadt liegen noch drey Dorfer daſelbſt, jedes 
eine halbe Seemeile von dem andern, die ſehr viel Rinder und anderes Vieh erziehen. 

Die daſigen Schwarzen ſind die wildeſten auf der ganzen Kuͤſte, und ſollen, wie man 
ſaget, Menſchenfleiſch freſſen. Sie feilen ſich zum Staate ihre Zaͤhne ſo ſcharf, wie Nadeln 
oder Pfriemen. Barbot will niemand hier an das Land zu treten rathen. Die Schwar— 
zen bringen in ihren Kaͤhnen gemeiniglich große Stuͤcken Elfenbein an Bord; ſie halten ſie 
aber ſo theuer, daß nicht viel Vortheil damit zu machen iſt. 

Außer ihrem Daßi oder Dashi, betteln fie um alles, was fie ſehen, und ſtellen ſich ſehr 
ungebärdig, wenn es ihnen abgeſchlagen wird. Sie find fo argwoͤhniſch oder furchtſ em, 
daß wenn fie nur etwas mehr Laͤrmen auf dem Schiffe hoͤren, als ſonſt gewöhnlich ift, oder wenn 

man 
N) Marchais 1 Band, a. d. 163 S. a. d. 134 Seite. 
7) Uring ſaget, es wären verfihiedene Oerter auf 1) Borbot a. d. 139 ©. 
dieſer Kuͤſte unter dem Namen Drewin, unter wel: k) Villault a. d no S. und Marchais am oben 
chen er Taho Drewin erwaͤhnt. In ſeinen Reiſen angef. Orte, a. d. 165 D. = 


und politiſchen Geſchichte. VII Buch III Cap. 651 


man etwas heftig mit ihnen redet, ſie, ohne ſich zu verweilen, in das Meer ſpringen, und Erdbeſchr. 
nach ihren Kaͤhnen ſchwimmen, die zu dieſem Ende nicht weit davon in Bereitſchaft ſtehen. — 18 Elfen⸗ 
Es iſt alſo ſehr ſchwer, mit ihnen zu handeln 1). ‚Beintäne, ; 

Der Fluß St. Andreas iſt auf anderthalb Seemeilen Oſtnordoſt von Drewin Petri, 5. Fluß St. 
wo das Land ein großes Vorgebirge oder eine Erdzunge bildet. Der Fluß theilet ſich in Andres. 
zweene Aerme, davon einer nach Nordweſt gen Weſt, und der andere nach Oſtſuͤdoſt läuft. i 
Er ift vier Seemeilen weit für kleine Fahrzeuge ſchiff bar; indem der Canal weit, und das 
Waſſer tief iſt: doch manchmal iſt er zur Sommerszeit in dem Ausfluſſe feichte. Als 
Barbot hier war, hatte fich fo viel Sand in dem Fluſſe geſtemmt, daß wegen des Anſtoßes Ausfluß und 
der Meerwellen kein Boot fortkommen konnte. Die Mündung hat Suͤdoſt im Geſichte, Barre in 
und linker Hand ) iſt ein hohes rundes Vorgebirge, und an demſelben gegen Weſten ſteht demſelben. 
ein Baum 1). 

Rio St. Andre, faget Marchais, iſt ſonder Zweifel die beſte Gegend auf der ganzen Platz zu ei: 
Kuͤſte zu einer Feſtung. Der Fluß ſelbſt iſt breit, noch ehe er ſich durch einen andern ver- nem Fort. 
ſtaͤrkt, der eine Seemeile uͤber dem Ausfluſſe hineinfaͤllt. Dieſer koͤmmt von Nordoſt her, 
und iſt der Hauptſtrom aus Norden. Beyde Fluͤſſe haben in ihren Ufern große Baͤume, 
vortreffliche Wieſen, und große ebene Gefilde. Die Natur ſcheint die Muͤndung des Rio 
St. Andre zu einer natürlichen Feſtung auserſehen zu haben, indem fie hundert und funf— 
zig Schritte uͤber derſelben eine Erdzunge oder Halbinſel entſtehen laſſen, welche der Fluß 
umgiebt, und die bloß durch eine Erdenge von zwoͤlf bis funfzehn Ruthen an das fefte fand. 
anhaͤngt. Die Spitze dieſes Felſen ift platt, und bildet eine Schutzwehr von vierhundert 
Schritten in der Rundung, die hoch genug iſt, um alles rings herum zu beſchießen, und 
von keiner Höhe in der Nähe beſtrichen werden kann. Der ganze Berg oder Felſen iſt 
ſteil, und von der Meerſeite unerſteiglich. Gegen den Fluß zu, oder gegen Weſten, iſt der 
Weg hinunter leichter. Aber dieſe Seite wird von ſpitzigen Felſen bedeckt, die in dem Ca⸗ 12 
nale über und unter dem Waſſer funfzig bis ſechzig Schritte herum liegen. An dieſe ſchlaͤgt 
das Meer ſo gewaltſam an, daß kein Schiff ſich derſelben naͤhern, noch ein Boot ſich hinein 
wagen darf. Der einzige We alſo, dem Felſen beyzukommen, iſt die ſchmahle Erdenge, 
durch welche leicht ein Durchſchnitt gezogen werden koͤnnte 0), 

Villault gedenket eines friſchen Waſſerquells, der am Fuße des Berges entſpringt, Schoͤner 
welcher den Felſen auf der Nordſeite bedeckt, und mit einem großen Canoe beſtrichen werden Brunnen. 
koͤnnte. Die Städte groß und klein Drewin, Tao und Growa liegen alle im Be⸗ 
zirke einer Seemeile bey dem Fluſſe. Von der Hoͤhe dieſes Felſen erblicket man gegen 
Oſten Giron, das neben einer ſchoͤnen großen Wieſe gebaut iſt, und gegen Weſten Tabo, 
am Ausgange eines angenehmen Gefildes, das hin und wieder mit artigen Waͤldern be⸗ 
wachſen iſt, die weit in das Land hinein gehen, und ſich an dem Fuße von hohen Bergen 
endigen, die man gleichfalls von hieraus erkennt 5). 

Die Kennzeichen des Landes find, wie Snoek ſaget, ſehr deutlich; indem das Land ſich 
theils durch ſeine hohe Lage und N Baͤume, theils durch drey bis vier große Flecken un⸗ 


Man 2 terſcheidet, 
I) Barbot a. d. 139 S. o) Villaults Reiſe a. d. 11 S. wie auch Mar⸗ 
11) Uring nennt dieſes die ſchwarze Spitze, chais 1 Band, a. d. 165 u. 169 ©. 
am oben angef. Orte. p) Villault a. d. 112 S. und Barbots Beſchrr. 


) Barbot am oben angef. Orte. er bung von Guinea, a. d. 139 S. 


855 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur; 


Erdbeſchr. terſcheidet, die einem jeden leicht in die Augen fallen, und etwa eine halbe Meile aus einan⸗ 
der BEN der liegen. Hinter dem letzten Flecken gegen Oſten koͤmmt eine hohe Erdzunge zum Bor: 
N ſcheine, wo das Land anfaͤngt, ſich in ein Vorgebirge zu erheben. Daſelbſt iſt der große 
* Fluß St. Andreas, welcher ſich in die See ergießt. Der Lauf, den er nimmt, iſt nach 
Ausſage der Schwarzen weſtlich. Er kann, in Anſehung ſeiner Breite und Tiefe, Barken 
tragen, und wuͤrde bequem zur Handlung ſeyn, wenn man nur den Negern trauen duͤrfte. 
Sie find unter den Einwohnern der Kuͤſte die allerbarbariſchten J). 
Erdreich und Das Erdreich um den Fluß iſt fruchtbar, und reich an Gewaͤſſern, die das Land geſchickt 
Gewaͤchſe. machen, alles, was hinein geſaͤet wird, hervorzubringen. Reiß, Hirſe, Maiz, Erbſen, 
Ignamas, Potatos, Melonen, und alle Arten von Wurzeln und Huͤlſenfruͤchten, wachſen 
wunderwuͤrdig ſchoͤn. Hie und da ſieht man kleine Wälder von Palmen-, Pomeranzen- 
Zitronen- und Wollenbaͤumen von verſchiedenen Gattungen, die ohne Pflegung vortreffliche 
Fruͤchte tragen. Es giebt hier eine beſondere Art Nußbaͤume. Die Nüffe find kleiner, 
als die bey uns, aber ohne Rinde zwiſchen dem Kerne, und ſchmecken wie die ſchoͤnſten 
Mandeln. Es waͤchſt hier ſehr viel Zuckerrohr, welches zu einer großen Vollkommenheit 
gelangt, und das americanifche an Größe und Suͤßigkeit uͤbertrifft. Es wird den Elephan⸗ 
ten u obgleich eine große Menge Rum und Zucker daraus gemacht werden 
koͤnnte 5). | | | 
Alle Arten von Viehe find hier im Ueberfluſſe, als Rinder, Ziegen, Schweine, Schafe, 
und Federvieh. Ein guter Ochſe wird niemals hoͤher verkauft, als um ein Dutzend gute 
Meſſer, das Stück zu zweenen Stuͤbern, und das übrige nach Verhaͤltniß 5). 

Barbot ſaget, daß das Land alles das darreicht, was nur die Malaͤghettakuͤſte an Le⸗ 
bensmitteln hervorbringt: und Snoek verſichert eben dieſes in Vergleichung mit der 
Goldkuͤſte. f 

Tracht der Die Negern hier find nichts beffer gekleidet, als ihre Nachbarn auf der Pfefferfüfte; indem 
Einwohner, fie bloß einen ſchmahlen leinenen Lappen haben. Die Reichen tragen ein oder zwey Pagnes, 
nebſt einem Dolche oder großen Meſſer an der Seite. Die Weiber ſind gemeiniglich klein, 
aber wohlgeſtaltet, und haben feine Geſichtszuͤge, te und Zähne. Sie find leb⸗ 
haft und angenehm, und haben ein buhleriſches Anſehen, welches fie auch durch ihre Auf— 

fuͤhrung nicht verleugnen. ww 

Die Männer find ſtark und wohlgebaut, und es fehlet ihnen weder an Muth noch am 
Verſtande. Sie find ſehr mistrauifch, ſeitdem einige von ihnen von den Europäern ent 
führt worden find. Aus dieſer Urfache wagen fie ſich nicht eher auf ein Schiff zu kommen, 
als bis der Hauptmann die Ceremonie beobachtet hat, Seewaſſer in das Auge zu ſpritzen. 
Sie find auch, wenn fie an Bord kommen, nicht dahin zu bringen, daß fie unter das Ver⸗ 
deck oder in die Kajuͤten giengen 7). f ü 

Die Einwohner von dieſer und den benachbarten Gegenden, beſonders aber auf der 
Kuͤſte gegen Oſten, haben ſehr gerne eiſerne oder kuͤpferne Ringe, mit kleinen Schellen an 
den Fuͤßen. Die Weiber tragen ſie uͤber dem Knoͤchel, wie auch an den Aermen und Haͤn— 
den, und halten das Geklingel der Schellen fuͤr eine ſehr wohlklingende Muſik zu dem Tan⸗ 

zen. 
9) Bosmans Guinea, a. d. 88 S. e) Ebendaſ. 174 u. f. S. 
7) Marchais am oben angef. Orte, a. d. 166 S. n) Ebendaſ. a. d. 184 S. 


5) Ebendaſ. a. d. 174 D. x) Ebendaſ. a. d. 175 u. f. S. 


und politiſchen Geſchichte. VII Buch II Cap. 653 


zen. Dieſe Leibesuͤbung lieben fie fo ſehr, daß wenn fie den ganzen Tag über ſchwere Ar⸗Erdbeſchr. 
beit verrichtet haben, fie niemals fo wohl ausruhen, als wenn fie fünf oder ſechs Stunden der Elfen⸗ 
tanzen. Ein jedes Land hat feine eigenen Moden. Die behendeſten franzöfifchen Tanzmei⸗ beintäfle. 

ſter würden hier nur Schnecken vorftellen, und es würde ihnen hier nicht an Gelegenheit 

fehlen, neue Moden nach Hauſe zu bringen 1). 

Die hieſigen Elephanten muͤſſen ſehr groß ſeyn; weil man hier Zaͤhne zu zweyhundert Handlung 
Pfunden verkauft. Es find hier auch Sklaven und Gold zu haben. Wo dieſes herkoͤmmt, und Waaren. 
das iſt ungewiß. Die Schwarzen machen ein großes Geheimniß daraus. Wenn man ſie 
aber genau deswegen befragt, ſo zeigen ſie auf die hohen Berge gegen Nordoſt, und ſagen, 
es kaͤme aus denſelben her. Vielleicht finden ſie es auf eine leichtere Art in dem Sande 
der Fluͤſſe. Oder vielleicht waſchen es die Einwohner dieſer Berge aus der Erde, gleich⸗ 
wie die zu Bambuk x). | | 

Ueberhaupt wäre dieſes Land zu einer fehr guten Handlung bequem, Aber die wilde 
rohe Gemuͤthsart der Einwohner verurſachet, daß fie den Fremden nichts verkaufen, als um 
einen ſehr theuren Preis, und auch nichts von der beſten Sorte. 

Sie haben auch zu verſchiedenenmalen eine große Menge Europaͤer umgebracht, die 
aus Mangel an Waſſer und Lebensmitteln an dieſe Kuͤſte gekommen find, Ein englaͤndi⸗ 
ſches Schiff verlohr im Jahre 1677 drey von feinen Leuten; im Jahre 1678 verlohr ein por: 
tugieſiſches neune, und nur in neuerer Zeit ein hollaͤndiſches vierzehn. Von dieſer blutgierigen 
Gemuͤthsart haben die Portugieſen ihnen den Namen Malagens gegeben; denn ſie freſſen 
Menſchenfleiſch, und es iſt alſo ganz und gar nicht mit ihnen zu handeln. Wenn ein 
Schiff genoͤthigt ſeyn ſollte, ſich von dieſem Orte mit Waller oder Lebensmitteln zu verfors 
gen: fo müffen die Boote ſehr ſtark mit Flinten, halben Piken und anderem Gewehre ver: 
ſehen ſeyn. Sie muͤſſen auch auf dem Vorder⸗ oder Hintertheile ein Paar Pattereros 
fuͤhren, und einen guten Waͤchter auf den Maſtbaum ſtellen, damit ſie nicht unverſehens 
überfallen werden a), 

Oſtwaͤrts em Fluſſe St. e ſieht man zwoͤlf oder noch mehr rothe Klippen, Die rothen 
die ſich drey bis vier Seemeilen weit erſtrecken. Das Ufer iſt ſehr ſteil, und durchgängig Klippen. 
roth, und iſt bey heiterm Wetter auf acht Seemeilen weit in der See zu ſehen. Die Por⸗ 
tugieſen nennen es Barreiras Vermelhas, die Franzoſen Falaizes Rouges, und die 
Hollaͤnder Roode Kliftens, das heißt rothe Klippen. 

Der Flecken Dromwa Petri, der zwiſchen der ſiebenten und achten rothen Klippe Dromwa 
liegt, iſt an zweenen großen dabey ſtehenden Bäumen zu erkennen, und iſt ſieben Seemei⸗ Petri. 
len vom Fluſſe St. Andreas. Die Einwohner hier geben den daſigen an Wildheit und 

Barbarey nichts nach. HR: 
 Zwifchen dieſem Fluſſe und Koetroe 5), ift dem Verfaſſer kein Platz weiter als die⸗ Kotrow, 
ſer zu Geſichte gekommen. Er hat auch keine Fahrzeuge außer dem Fluſſe wahrgenom⸗ 
men, welches zu erkennen giebt, daß das Land ſchlecht bewohnt if. RKoetroe oder Ro: € 
trow liegt an der Oftfeite des Rio de Lagos c). Aus dieſem Fluſſe laufen viele Kaͤh⸗ 
ne aus, welche den Schiffen ſchoͤne und große Elephantenzaͤhne zufuͤhren. 

| Nnunnz3 Das 
a) Barbot a. d. 4b S. c) Smith und andere nennen ihn den ſchwar⸗ 


5) Dieſes muß mit dem einerley ſeyn, was zen Fluß. 
Uring Cotlehoe nennt. . 


654 Veſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 5 


Erdbeſcht. Das Vorgebirge la Hoe, Hu oder How, iſt zwo Seemeilen von Koetroe gegen 
der Elfen⸗ Oſten. Das Land darzwiſchen iſt niedrig, eben und waldicht. Dieſes Vorgebirge iſt auch 
e. nur eine niedrige Erdzunge voller Baͤume, unter denen einer vor andern hoch iſt. Es iſt 
Capo la How. der ſtaͤrkſte Handelsplatz auf der ganzen Kuͤſte Quaqua, wegen des ſchoͤnen großen Elfen⸗ 
beins, das hier allezeit in Menge zu haben iſt 9. Marchais ſaget, daß die Kuͤſte von 
dem guten Volke ſich hier anfange, daß das Vorgebirge ſich nur einen kleinen Raum in die 
See hinein erſtrecke, und in fuͤnf Graden zehn Minuten Norderbreite, auf dem halben 
Wege zwiſchen dem Vorgebirge Palmas und Tres Puntas liege e). ö * 


Barbot ſaget: die Stadt la Sow iſt groß und ſehr volkreich, und breitet ſich eine 
ganze Seemeile weit an dem Ufer aus. Der Strand iſt flach, und mit einem gelben fei⸗ 
nen Sande angefuͤllt, an welchen das Meer mit großen Wellen anſpielet. Die Einwoh⸗ 
ner ſind hoͤflich, und laſſen mit ſich umgehen. Sie pflegen aber den Preis ihres Elfenbeins 
nach der Anzahl der Schiffe aufzuſchlagen, die ſie an der Kuͤſte ſehen, welche von vielen 
englaͤndiſchen und hollaͤndiſchen Privatkauffahrern, ſowohl als freyen Schiffen beſucht wird. 
Etwas über eine Seemeile weſtwaͤrts von la How, iſt ein großer Fluß, deſſen Hauptca⸗ 
nal in den von St. Andreas fälle; der ſchwaͤchere Arm geht etliche Meilen landwaͤrts ge: 
gen Oſten 7). f | 1 ä 

Snoek ſaget noch uͤberdieſes, es ſtuͤnden durch den ganze Flecken durch, eben fü wie zu 
Axim, ſehr viele Cokusbaͤume, und er wuͤrde eine ſehr große Aehnlichkeit mit dieſem Orte 
haben, wenn ein Fort dabey wäre, und das Land hoch laͤge. Imgleichen ſaget er, es waͤ— 
ren hinter dem Flecken drey kleine Meilen landwaͤrts etliche hohe Berge g). 

Jaque la Vom Vorgebirge la How an wendet ſich die Kuͤſte, und laͤuft darauf Oſt und gen 

How. Suͤd. In dieſer Kruͤmmung ſieht man den kleinen Fluß Jaque la How oder des Bar⸗ 
bas, der von Norden herkoͤmmt. Er iſt aber nicht ſchiffbar. en 

Wotow oder Der Flecken Wotoe, Wallock oder Wallatok, iſt ſieben Seemeilen von Jaque 

Wallock. la How ) Oſt und gen Sid, und hat einen Br Handel mit Elfenbeine. 

Jak a Jak. Zunächft bey Wotoe auf der Kuͤſte Quaqua, iſt Jeaque Jeaque, oder Jack in 

Korbi la Jako 1), und neben demſelben Korbi la How. Zwiſchen beyden Oertern find einige 

How. Bäche, und die grundloſe Tiefe, welche die Holländer Kuyl ſonder Grondt nennen. 

Grundloſe Dieſes iſt ein Strich auf dem Meere eine Seemeile weſtwaͤrts von Korbi la How, und 

Tieſe. eine kleine Weite vom Ufer, von welchem man lange Zeit geglaubt hat, daß kein Grund 
daſelbſt zu finden waͤre H, und daher hat er den Namen. Es iſt aber einen Flintenſchuß 
vom Lande das Meer nur ſechzig Faden tief, obgleich weiter hin in der See, das Bley den 
Grund nicht beruͤhrte. Der Verfaſſer aber vermuthet, daß es durch den ſtarken Strom, 
der daſelbſt von Suͤdweſt her treibt, mit weggeriſſen worden. Er raͤth daher mit keinem 
ſolchen Winde von Jaque la How auszulaufen, der das Schiff durch dieſe Gegend fuͤh⸗ 


ren 

d) Barbot wie oben a. d. 140 S. 1) Uring und Smitb nennen dieſen Ort Jack 
6) Marchais Reiſe a. d. 185 S. e a Jacks. Der erſte ſetzet ihn zwoͤlf Meilen oft: 
7) Barbot wie oben; und Bosman auf der waͤrts von Jacklehoe. In feiner Reife a. d. 133 ©. 
498 Seite. ie k) Atkins faget, fie ſey nicht zu ergruͤnden, und 


g) Bos man wie oben a. d. 498 S. i habe drey kleine Mellen in der Breite. Seine Reife 
) Uring ſetzet es funfzehn Meilen von Cotlehoe. auf der 69 Seite. 5 N 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 655 


ren koͤnnte, indem es ſonſt durch den Strom fortgeriſſen werden, und in Gefahr gerathen A 

‚möchte, zu ſtranden. Das ſicherſte ift, hinter Gammo Anker zu werfen 7). es u 
Dieſes ift in dem Lande Adow gelegen, zwiſchen Rorbi la How und Rio de Sweiro —— 

da Coſta m), und zwar von jenem auf anderthalb Seemeilen weit. Dieſe Rheede liegt Vammo. 

bequem fuͤr die Einwohner von allen dieſen dreyen Plaͤtzen, welche quaquaiſche Tuͤcher, El⸗ 

fenbein, Gold, und noch uͤberdieſes häufige friſche Lebensmittel an Bord bringen. Dieſe 

Schwarzen ſind im Schwimmen und Untertauchen ſehr erfahren. Denn ſie konnten alle 

Geraͤthſchaft, welche nur der Verfaſſer uͤber Bord warf, um ſie zu probiren, faſt aus der 

größten Tiefe des Meers herauf hohlen 1). 


Die Kuͤſte von Rio de Sweiro da Coſta, bis zum Vorgebirge St. Apollonia, iſt 
niedrig und flach, und geht auf zwoͤlf Seemeilen weit Oſtſüdoſt, und iſt beſtaͤndig von ho⸗ 
hen Baͤumen beſchattet, und voller Flecken. Die merkwuͤrdigſten darunter ſind: Boqu, 
Mini pequena, Iſſini Grande, Abbiony oder Aſſene, Tebbo, und Akanimina, 
welche alle zu dem Lande Adouwaſian oder Soku gehören. 


Oſtwaͤrts von Iſſini liegen die kleinen Städte und Landſchaften Albiani und Tabo; Albiani 
die erſte ſechs, und die letztere zehn Seemeilen von Iſſini. Die Handelsſchiffe pflegen an Tabo. 
dieſen Orten einzuſprechen. Beyde liegen in Waͤldern von Palmenbaͤumen, welche ſich in 
der See erkennen laffen. 


Akanimina liegt auf einer Anhoͤhe, eine halbe Seemeile weſtwaͤrts von dem Vorge- Akanimina. 
birge St. Apollonia. Das innere Land zwiſchen Boqu und Akanimina iſt bergicht, und 
beſitzt vortrefflich Gold, Sklaven und Elfenbein. Der Ankerplatz von beyden Oertern, iſt 
auf zwo engliſche kleine Meilen vom Ufer, in funfzehn bis ſechzehn Faden Waſſer r). 
Man verfaͤhrt kluͤglich, wenn man ihren Goldſtaub probirt, indem ſie die e 
s eſitzen 


7) Uring ſetzet in dieſe Gegend Barſcham 0) Uring nennt es Abacoe a. d. 137 S. 
ee rg Jack a Jacks. Smith nennt p) Stehe oben a. d. 441 ©, 

m) Dieſer Fluß iſt einige Meilen weſtwaͤrts 7) Barbot a. d. 141 S. 
von Mini. 1) Ebendaſ. a. d. 147 S. und Warchais a. 

1) Barbot a. d. 140 u. f. S. d. 219 S. 


Erdbeſchr. 


der Elfen⸗ 


beink uͤſte. 
A 


Vorgebirge. 
Apollonia. 


656 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


beſitzen, ihn mit Feilſtaube von Kupfer zu verfaͤlſchen. Die beſte Gelegenheit zum Ankern 
von Iſſini bis zum Vorgebirge Apollonia, iſt drey Vierthelmeilen vom Ufer in ſechszehn 
Faden Waſſer. 

Das Koͤnigreich Guiomere liegt am naͤchſten bey dem Vorgebirge Apollonia. Im 
Jahre 1703 ward es von einer Koͤniginn Afamouchou ) regiert, die von ihren Unter⸗ 
thanen geliebt, und von den Nachbarn geehrt ward. Sie folgte ihrem Bruder in der Re⸗ 


gierung, und wollte ſich niemals vermaͤhlen. Sie war eine maͤnnliche muntere Prinzeßinn, 


und fuͤhrte ihre Voͤlker allezeit in Perſon an, und hatte ſo viel Gluͤck, daß ſie niemals we⸗ 
der von Europaͤern noch von Negern den geringſten Verluſt erlitten. Sie hatte eine große 
Liebe zu den Franzoſen, und errichtete einen Tractat mit dem Ritter Tamou 2), An der 


Küfte erſtrecken ſich die Graͤnzen dieſes Reichs nicht weit: aber es geht tief in das Land hin⸗ 


ein, und iſt ſehr gut bevoͤlkert, reich, und treibt einen guten Handel. Gold iſt hier ſehr 

haͤufig, wie auch Elfenbein und Sklaven, welche die Koͤniginn in den Kriegen gefangen 

bekoͤmmt 1). BON? | | 
Phillips ſetzet die Weite des Vorgebirges Apollonia auf ſechzehn Seemeilen von 


Aſthany oder Iſſini gegen Oſten. Das Vorgebirge machet, wie er ſaget, drey kleine 


Berge, und ein wenig gegen Weſten, hat es zwo oder drey Staͤdte. Der Verfaſſer aber 
hat mit keiner von denſelben Handlung getrieben x), 


Nach des Warchais Anzeige, liegt Apollonia in vier Graden funfzig Minuten 
Norderbreite y), und faſt mitten inne zwiſchen dem Zuckerfluſſe, und dem Vorgebirge der 
dreyen Spitzen. Es iſt an ſeiner Hoͤhe, und den großen darauf ſtehenden Baͤumen zu er⸗ 
kennen. Es wird von einigen einheimiſchen Schwarzen bewohnt, die unter dem Schutze 
oder der Tyranney der Hollaͤnder, ein republikaniſches Regiment unter ſich haben. Denn 
dieſe verbiethen bey ernſter Strafe alle Handlung mit andern Europaͤern, als mit ihnen 
allein. Daher find dieſe Gegenden andern Nationen wenig bekannt 2). 


Snoek ſaget, die Kuͤſte von Iſſini ſey bis zum Vorgebirge Apollonia volkreich, und 
voll großer und kleiner Flecken. Das Vorgebirge hat ſeinen Namen von den Portugieſen 
erhalten, die es an dem Tage dieſer Heiliginn entdeckt haben. Es wendet ſich ein wenig ge- 
gen Suͤden, und ſcheint bey dem Ufer niedrig eben Land zu ſeyn, welches ſich weiter hinter 


in drey unterſchiedene Berge erhoͤht, die man bey hellem Wetter zehn Seemeilen weit in der 


See ſehen kann. Auf dem Gipfel derſelben ſtehen hin und wieder einzelne Baͤume, die 
eine angenehme Ausſicht machen. Es ſind drey Flecken auf dem Strande, an dem Fluſſe 
dieſer Berge. Die Landung aber iſt ſehr gefaͤhrlich, weil das Meer, wie uͤberhaupt auf der 


ganzen Kuͤſte von hieran bis nach Iſſini, an dem platten ſandichten Geſtade ſehr heftig 


auflaͤuft und anſchlaͤgt. Bey dieſem Vorgebirge ift ein ziemlich guter Goldhandel a). 
Das Land von Sierra Leona bis an das Vorgebirge Apollonia iſt niedrig, zwey bis 


drey Vorgebirge ausgenommen, und läuft ſehr gerade ohne Bayen oder Meerbuſen. Die⸗ | 
| 


fes 
5) Siehe oben a. d. 443 ©. der nach Labats Verſicherung richtig genommen 
2) Marchais 4. d. 219 S. - iſt. Er iſt aber von Barbots feinem in der Be⸗ 
u) Ebendaſ. a. d. 222 S. ſchreibung von Guinea a. d. 148 S. ſehr verſchieden. 


x) Phillips Reife a. d. 200 S. 2) MWarchais wie oben. 


„) Siehe den Abriß im Warchais a. d. 222 S. ) Bosmans Beſchr. von Guinea a. d. 493 S. | 


N 


. 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 657 


ſes machet, daß es ſchwer zu erkennen, und unmöglich daſelbſt mit Sicherheit zu landen iſt, Erdbeſchr. 
indem laͤngſt der ganzen Küfte die Wellen ſehr hoch gehen, von dem beftändigen Anlaufen der Elfen⸗ 
des großen Suͤdoceans, welcher ein Meer iſt, auf dem nur die eingebohrnen Einwohner zu beinkhfle. 
fahren, und mit ihren Kaͤhnen fortzukommen wiſſen. Von Seſtho an bis an dieſes Vor⸗ 

gebirge ſind die Wellen am Ufer ſo groß, daß die Schiffe ihre Boote mit den Waaren nur 

in einer gewiſſen Entfernung vom Lande ſich halten laſſen, wo ihnen die Schwarzen entge⸗ 

gen kommen, um mit ihnen zu vertauſchen. Der Grund iſt auch ſehr rauh, ſo daß die 

Schiffe oͤfters ihre Anker verlieren. 


Eine Seemeile vom Ufer fanden ſie ziemlich gleiche Tiefen, etwan auf vierzehn Faden Die Tiefen. 
Waſſer, außer in der grundloſen Tiefe, ſieben Seemeilen von Jaque a Jaque, wo ſie 
ganz auf einmal anfaͤngt mit dem Bleywurfe ſich nicht ergründen zu laſſen. Wie der Ber: 
faffer glaubet: fo ruͤhret dieſes von der allzuſehr anwachſenden Menge der Schnur her, die 
mit dem Bleye ausgeworfen wird, welche deswegen nicht ſo gut unterſinkt, und von der 
Art, die in allen Gewaͤſſern iſt, wider die Geſetze der Schwere, von unten her gegen die 
Höhe zu ſtreben, welche an ſehr tiefen Orten das Bley hindert, unterzuſinken 5). 
Die Winde find mehr ſuͤdlich, als weiter oben, und vermindern die Staͤrke der Land⸗ 
luft. Wenn dieſe wehet: ſo fuͤhret ſie einen ſtarken und ungeſunden Geruch von den Man⸗ 
groven mit ſich c). 7 i | | 
Um das Vorgebirge Apollonia iſt ein großes Stück Landes angebaut, und mit india⸗ 
niſchem Korne beſaͤet, welches, wie man ſaget, die Portugieſen zuerſt unter die Schwarzen 
gebracht haben. a | 
Die Einwohner find hier fo ſchwarz, wie Achat, und ſehr munter und muthig. Sie find Einwohner. 
zur Handelſchaft gewöhnt, und beſſer mit Fetiſchen verſehen, als ihre Nachbarn. Sie 
haben reinere und größere Tomis, tragen Perlen von Ambra, Kupferringe und Kowris. Ihre Klei- 
Das Haar iſt in unzaͤhlige kleine Ringe und Buͤſchel gelegt, mit eingeflochtenen Stuͤckchen dung. 
Schildkroͤte, Gold oder Stroh. Sie haben alle die Figur eines Dolchs oder Kreuzes in 
die Backen geſchnitten 4), und öfters auch in andere Theile des Leibes, welche Gewohnheit 
man noch hin und wieder, bis zur Goldkuͤſte, antrifft. Dieſe Gewohnheit iſt hier ſehr alt, 
und dienet, fie von dem inlaͤndiſchen Volke zu unterſcheiden, denen fie ihre Kinder zu panya— 
ren oder wegzunehmen, und in die Sklaverey zu verkaufen pflegen. Roch uͤber den ordent— 
lichen Preis fordern die Kaboſchiren ein Trinkgeld von zwanzig Schillingen, und die Pal⸗ 
laver zehn Schillinge. Atkins muthmaßet, daß ſie mehr, als die weiter oben liegenden 
Staͤdte e), zum Menſchenraube geneigt ſind. Sie verkaufen dieſe Sklaven nackend, den 
Kopf zu vier Unzen; an Waaren laͤßt ſich dabey hundert vom Hunderte gewinnen. Sie 
koſten bey maͤßigem Preiſe acht Pfund Sterling. N | 
Ihre Art zu effen ift ſehr unſauber, und von Seſthos an, bis hieher faſt vollig uͤber⸗ Speifen, 
ein. Ex beſchreibt etliche Gerichte davon. 


Slabber⸗ 


65) Dieſer Widerſtand ruͤhret offenbar von den 4) Die Römer und Gothen befreyten, als fie 
Dichtigkeit des Waſſers her, die ſich wegen der dar- die Barbarey im Beſitze hatten, die Chriſten von N 
auf druͤckenden Laſt defto mehr vermehret, je tiefer dem Tribute, und zeichneten ihnen zum Unterſchiede 
man koͤmmt. ein Kreuz auf die Backen. ö 
c) Atkins Reiſe a. d. 69 u. f. S. e) Atkins a. d. 73 S. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. Ooo o 


* 


Erdbeſchr. 
der Elfen⸗ 
be inkuͤſte. 

— 


Agumene 
und Bogio. 


Fluß Manka. 


Rio Cabra. 


658 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Slabberbruͤhe wird aus Neiße und Fiſche, einem Vogel, einer Ziege, oder Elephanten⸗ 
fleiſche gemacht, welches ihnen deſto angenehmer iſt, je mehr es ſtinket. Sie kochen es mit 
ein wenig Ochre und Palmenoͤle, und halten es fuͤr ein koͤnigliches Eſſen. 

Ein Hund iſt an einigen Orten eine Seltenheit. Der Schiffer auf der Schwalbe 
erhielt einen kleinen leibeigenen Jungen fuͤr einen zum Tauſche. An andern Orten ſind 
Meerkatzen eine ſehr gewoͤhnliche Speiſe. 

Bomini iſt ein ohne Salz an der Sonne getrockneter Fiſch. Sie legen ihn, wenn er 
ſtinkend iſt, in die Pfanne, und braten ihn mit Palmenoͤle. Alsdann thun ſie gekochten 
Reiß daran, und ergreifen das Eſſen mit großer Begierde mit den Fingern. 

Die ſchwarze Suppe iſt ein ſehr angenehmes Gericht, ſowohl unter den Negern, als 
in den engliſchen Factoreyen. Es wird von ſuͤß⸗geſottenem Fleiſche, oder von Vögeln ge= 
macht, mit einigen Kraͤutern von ſehr beſonderm Geſchmacke. Der ſtaͤrkſte Geſchmack er 
iſt vom Pfeffer, Ochre, und Palmenöle. Vermuthlich hat der Pfeffertopf zu Jamaica da⸗ 
her feinen Urſprung, nur daß fie daſelbſt kein Palmenöl haben 7). 

Zwiſchen dem Vorgebirge Apollonia und dem Fluſſe Manku g) find nur zwey Doͤr⸗ 
fer am Strande, Agumene und Bogio, die zwiſchen lauter Cokus und Palmenbaͤumen 
liegen, aber keine ſtarke Handlung haben. Das Ufer machet etliche Seemeilen weit oſtwaͤrts 
von der Bight eine Wendung, und bey dem hollaͤndiſchen Forte zu Axim gegen Oſtſuͤdoſt, 

welches der Lauf der Fluth von dem Vorgebirge Apollonia an bis hieher iſt. Gleich bey 
Bogio fälle der Fluß Manka in das Meer, welcher groß und breit iſt, und koͤmmt von 
Iguira herab, da ſein Lauf von Waſſerfaͤllen und Felſen gehemmet wird. Die Schwar⸗ 
zen waſchen viel ſchoͤnes Gold aus dem Sande. N 

Von dem Vorgebirge Apollonia bis nach Axim ſind neun Seemeilen. Das Land 
zwiſchen inne iſt voller Cocosbaͤume. Das Ufer iſt ſehr breit, und ſieht aus, als ob es mit 
Ziegeln gepflaſtert wäre. Es iſt ein ſeltſamer gleicher ſandichter Strand, und es läßt ſich 
daſelbſt bis eine Seemeile weſtwaͤrts von Axim gut in Kutſchen reiſen, wo der angenehme 
Fluß Cabra oder Ankober die Koͤnigreiche Saku und Axim ſcheidet 2). N 

Boſman faget, der Rio Cabra oder Ankobar, welchen letztern Namen er von dem 
Lande führer, ſey vier kleine Meilen über dem hollaͤndiſchen Forte St. Anton. Seine 

Muͤndung iſt ſehr breit, und ſo ſeicht, daß der Verfaſſer zweifelt, ob er einen Kahn tragen 
kann. Ein wenig weiter oben aber wird er tiefer und enger, und bleibt ſo einige Meilen 
weit ohne Veraͤnderung. Der Verfaſſer weis nicht, wie weit er ins Land hineingeht. Er 
hat aber drey kleine Tagereiſen an dem Ufer deſſelben gethan, und ihn fo angenehm gefun- 
den, als irgend eine Gegend von Guinea, ſelbſt Fida oder Whidaw nicht ausgenommen. 
Die Ufer an beyden Seiten waren mit ſchoͤnen hohen Bäumen geſchmuͤckt, die mit Voͤgeln 
von ſchoͤnen vielfarbichten Federn beſetzt waren, und die luſtigen Affen ſpielten auf dem 
ganzen Wege an den gruͤnen Zweigen. Anderthalbe Seemeilen von ſeinem Ausfluſſe an 
der Weſtſeite liegt die volfreiche Stadt Ankobar 7). 

Barbot, welcher dieſe Beſchreibung machet, und fie vermuthlich aus dem Boſman 

entlehnet, ſetzet hinzu, daß hoͤher hinauf gegen Iguira die Waſſerfaͤlle und Felſen ſind, wo 

ö die 

) Atkins a. d. 69 S. i 5) Barbot a. d. 148 S. und enoek bey dem 
g) Smith und andere nennen ihn Mancha. Boſman a. d. 493 ©. n 


5 4 URL von . 


Meerjfehwen Vor 2 aus dem Barbot. 


8 NR 


A. leerbecasfe aus dem Desmarchats . 


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cinzige Graete vom Ancornet. 
welche fi e fast Aue alle wet. f 


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und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 659 


die Schwarzen, vermittelt des Untertauchens, vieles Gold finden. Bey denſelben liegen Naturgeſ⸗ 
verſchiedene Städte, die von dreyerley Voͤlkerſchaften bewohnt werden. Die erſte an der der Alfens 
Weſtſeite des Fluſſes iſt Ankobar, die andere Abocr oe, und die dritte Iguira. Die erſte Ceivkaſte. A 
iſt ein Königreich, die andern beyden find Republiken. Die Holländer hatten ehemals ein 

Fort in dem Lande Iguira k). Ä 


Der Il Abſchnitt. 
Die Gewaͤchſe und Einwohner der Elfenbeinkuͤſte. 


Boden und Gewaͤchſe. Palmenoͤl und Wein. Vieh. von Eidſchwur, die ſehr aus der Gewohnheit ge⸗ 
Meerochſe, und deſſen Kopf. Sein Schwanz. kommen. Die Art der Schwarzen zu handeln. 


Hammerfiſch. Seeteufel. Die Einwohner. Ihr 
Geſicht, Charakter, Maͤßigkeit. Trunkenheit 
bey ihnen wird geftraft. Werben faͤlſchlich als 
große Diebe und Menſchenfreſſer abgemalt. 
Scharfe Zaͤhne und lange Naͤgel. Kleidung 
und Schmuck der Maͤnner. Der Weiber ihre. 
Armbaͤnder. Krankheiten. Sprache. Die Hand⸗ 
thierungen ſind erblich. Aberglaube von den Kö: 


Sind ſcheu und argwoͤhniſch. Ihre Vorſicht. 
Sie fuͤrchten ſich vor dem Feuergewehre. Laſ⸗ 
ſen ſchwer mit ſich handeln. Das Geſchenk, 
welches Daßi oder Bizi genannt wird. Baum⸗ 
wollene Tücher, Sechsſtreiſichte Tücher. Tuͤ⸗ 
cher von Hanf. Salzhandel. Elfenbeinhandel. 
Elephanten ſind zahlreich. Menge von Elfenbein. 
Gold, wie es hier verfaͤlſcht wird. Fremde zur 


Handlung geſchickte Waaren. Kleine Schiffe ſind 
am beſten zu gebrauchen. Keine europäifchen 
Niederlagen noch Sklavenhandel. 


nigen und Prieſtern. Ihr Opfer an das Meer. 
Handlung unter einander. Mit Auswärtigen. 
Benetzung des Auges mit Waſſer. Eine Art 


Das Land träge ſehr viel Reiß, Erbſen, Bohnen, Beeren, Citronen, Pomeranzen, Co- Erdreich und 
— kosnuͤſſe. Die Einwohner brachten ihnen ſehr große Zuckerroͤhre. Es iſt eines der Gewaͤchſe. 
beſten Lander von Guinea. Die Berge und Städte find unvergleichlich. Die felſichten 

Berge, die roth ſind, und das immerwaͤhrende Gruͤn der darauf ſtehenden Baͤume machen 

durch die Abwechſelung der Farben eine angenehme Ausſicht. Unter allen find Groß⸗ 

Drewin und der Fluß St. Andreä 2) die beften Gegenden. Es waͤchſt auch fehr viel Baum⸗ 

wolle allhier, und zwar, wie Barbot ſaget, ſowohl als der Indigo, von ſich ſelbſt. 

Man hat auch vieles Palmoͤl, welches aus der Frucht des Tombebaums gepreßt Palmenst 
wird, aus dem ſie auch den Wein, Tombe oder Bourdon genannt, erhalten. Dieſer wird und Wein. 
von den Schwarzen ordentlich mit Waſſer vermiſcht getrunken, um die Staͤrke des einen, 
und die Rauhigkeit des andern, zu vermindern. 5 

Sie haben viele Ochſen, Ziegen, Schweine und Rehe, und zwar ſo wohlfeil, daß man Vieh. 
um ein halb Dutzend Meſſer einer halben Krone werth einen guten Ochſen bekommen kann, 
und einen guten Rehbock um gleichen Preis. 

Es ſind viele Fiſche auf der Kuͤſte. Die merkwuͤrdigſten aber, die der Ritter des 
Marchais gefunden hat, find Seeochſen, Hammerfiſche, und Seeteufel. 

Der Secochſe oder Hoͤrnerfiſch war acht Fuß lang, ohne den Schwanz, der drey Fuß Seeochſe. 
lang war. Der Leib war viereckigt, und durchgängig von einer Dicke, und hatte fünf Fuß 
im Umfange. Die Haut war hart, rauh, und ohne Schuppen, aber voller ungleichen Spi⸗ 
tzen, und mit allerhand Flecken gezeichnet, als weiß, violet, grau, die ein gutes Anſehen 

o o 0 2 machten. 
71) Villaulte Reife nach Guinea a. d. 118 S. 


1) Boſmans Beſchr. von Guinea a. d. 11 S. 
Barbot am angef. Orte a. d. 143 S. 


6) Barbot a. d. 148 S. 


660 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur: 


Natusgeſch machten. Seine Schnauze war wie die von einem Schweine, und am Ende war fie wie 
85 re ein Elephantenruͤſſel gebildet, nur daß er kein anderes Maul dabey hatte. Es mußte alfo 
eu fein Futter durch dieſe enge Röhre hindurchgehen. In feinem Bauche war ſonſt nichts 

zu finden, als Gras, Mooß, und einige kleine Fiſche. Seine Augen waren groß, und 
mit hervorragenden Augenliedern umgeben, die aus harten groben Haaren beſtunden. 


Der Kopf Der Vordertheil ſeines Kopfes, der nicht ganz eben war, hatte zwey beinichte, runde, 
deſſelben. ſtarke, ſpitzige Hoͤrner, auf funfzehn bis ſechzehn Zoll lang. Dieſe giengen ganz gerade und 
in gleicher Linie mit ſeinem Ruͤcken, welcher oben zweene drey Zoll breite und runde Buckel 
oder Erhebungen hatte, die bey dem Ausgange der Hoͤrner anfingen, und einen Fuß hoch 
uͤber dem Schwanze aufhoͤrten. | 
Sein Der Schwanz ſchien aus zweenen Theilen zu beſtehen. Der obere war fleifchicht, und 
Schwanz. hatte eben eine folche Haut, wie der übrige Leib, war platt und gelenke, und ſchien eine Fort⸗ 
ſetzung des Ruͤckgrads zu ſeyn. Der andere Theil war nichts, als eine ſtarke dicke Floßſe⸗ 
der m) von brauner Farbe, die mit gleichlaufenden weißen Streifen durchzogen war. Er 
war nicht, wie bey den meiſten Fiſchen, gekerbt, ſondern nur ein wenig am Ende breiter. 
Er ſchien dem Fiſche zur Wehre zu dienen „ welcher auch an den Enden feines Bauchs mit 
zweenen Sporen verſehen war, die einen Fuß lang, rund, beinicht und zugeſpitzt waren, 
gleichwie die Hoͤrner. Seine Fiſchohren waren groß, und hatten beyde eine Floßfeder, die 
nach der Groͤße ſeines Koͤrpers zu rechnen klein, aber ſehr ſtark war. Außer dieſen und noch 
einer kleinern unter dem Bauche, zwiſchen den beyden Sporen, hatte er auf dem Ruͤcken 
zwiſchen den beyden oben beſchriebenen Buckeln eine Erhöhung, auf welcher eine Floßfe⸗ 
der ſtund, in Geſtalt eines Faͤchers, anderthalb Fuß im Durchſchnitte, und von gleicher 
Hoͤhe. Das Fleiſch war weiß, fett und wohlſchmeckend 1). 


Hammerfiſch. Der Zigana, oder Hammerfifch, welcher in America Pantouflier genannt wird, iſt 
von einer gefraͤßigen Art. Der Kopf iſt platt, und breitet ſich auf beyden Seiten aus, 
wie ein Hammer. An beyden Enden liegen rothe, große und funkelnde Augen. Im Maule 
ſtehen zwo Reihen platte ſcharfe Zähne, Der Leib iſt rund, und endiget ſich in einem ſtar— 
ken ſchieflaufenden Schwanze, deſſen ſich dieſes Thier bedienet ‚um feiner gefräßigen Kehle 
zu Hülfe zu kommen ). Es hat keine Schuppen, ſondern eine dicke fleckigte Haut. Die 

Floßfedern find groß und ſtark, und er ergreift feinen Raub mit einer wunderbaren Behen⸗ 
digkeit pP) Es iſt ihm alles angenehm, beſonders aber Menſchenfleiſch. Nichts deſto 
weniger wagen ſich die indianiſchen Karibben an dieſen wilden Fiſch, und toͤdten ihn /). 


Seeteufel. Eine andere Art von Ungeheuern oder Seeteufeln fand des Warchais auf dieſer 
Kuͤſte, welches eine Art von Rochen war, zwanzig bis fuͤnf und zwanzig Fuß lang, funf— 
zehn bis achtzehn breit, und drey Fuß dick ). Merkwuͤrdig war an diefem Fiſche, daß 
ſeine Seiten hervorragende Winkel bildeten, gleichwie der Sturz von einem gebrochenen 
Arme oder Beine. An denſelben waren große ſcharfe Naͤgel, wie Haken, von einem har— 
ten hornichten Weſen, die gefährlich verwunden konnten. Der Schwanz war lang, in Ge— 
ſtalt einer Peitſche, und endigte ſich mit einem Nagel von gleicher Art, der aber groͤßer 

war. 
m) Empennure. 5) Dieſes iſt eine Art vom Seekalbe, deſſen 
n) Marchais R. nach. G. 1 Band 4. d. 79 S. Rachen auf gleiche Weiſe unten liegt. 
oe) Siehe das Kupfer. 1) Marchais am obangef. Orte a. 177 S. 


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und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 661 


war. Das Ruͤckgrad war mit runden Huͤbeln bedeckt, die zweene Zoll hoch über die Haut Einwohner 
giengen, und mit Spitzen bewaffnet waren, nach Art der Nägel. Der Kopf war groß, und der Klfen- 

hing ganz gerade an dem Leibe, ohne daß ein merklicher Hals zu ſpüren war. Er war Heinküſte. 
breit, und hatte platte ſcharfe Zähne. Die Natur hat ihn mit vier Augen verſehen. Zwey 

zunächft bey dem Schlunde waren groß und rund, und die andern weiter hinauf kleiner. 

An jeder Seite des Schlundes hatte er drey Hörner, von ungleicher Laͤnge und Breite. 

Von den dreyen auf der rechten Seite war das mittelſte drey Fuß lang, und anderthalb 

Zoll in der Dicke bey ſeiner Wurzel. Das groͤßte Horn zur Linken war nur drittehalb Fuß 

lang, und nach Verhaͤltniß breit. Die beyden darneben waren etwas groͤßer, als die andern 

auf der rechten Seite. Das Fleiſch dieſes Fiſches war faſicht, grob, und von uͤbelm Ge: 

ſchmacke. Die Leber war gut, Oel zu machen. Die Haut war rauh und trocken, gleich 

wie die an dem Meerkalbe „). 


Die Quaquaſchwarzen ſind meiſtentheils lange, muntere, wohlgebildete Leute: bey dem Geſichtsbil⸗ 
erſten Anblicke aber ſehen fie wild und ſcheu aus. Doch ſtimmen die Schriftſteller darin- dung der 
nen uͤberein, daß, ob fie gleich dem Anſehen nach die barbariſchten von ganz Guinea find: Einwohner. 
ſo waͤren ſie doch in der That die hoͤflichſten und vernuͤnftigſten, und wuͤrden auch unter ihren 
Nachbarn dafür gehalten t). 


Sie ſcheinen rauh und wild zu ſeyn, wenn man aber mit ihnen zu thun hat: fo findet Ibr Cha, 
man an ihnen ein gutes, freyes und hoͤfliches Volk, mit welchem es ſich unter allen in ganz rakter. 
Guinea am beſten umgehen laͤßt. Ob ſie gleich Palmenwein im Ueberfluſſe haben: ſo ſind 
ſie doch ſehr nuͤchtern, und verkaufen ihren Vorrath an ihre verſoffenen Nachbarn. Sie ver⸗ 
miſchen das Waſſer ſtark mit einer gewiſſen Art von Biere, welches ſie machen, und Pito 
nennen. Es iſt wohlſchmeckend, und ſtark genug, ſich darinnen zu berauſchen, und eben ſo 
geſund, als unſer engliſches Bier 1). 


Sie haben überhaupt einen Abſcheu vor unmäßigem Trinken; und wenn fie einen Be- Vollerey 
trunknen ſehen, fo verklagen fie ihn, und er wird von dem Könige in Geſellſchaft der Prieſter, wird he 
nach den Geſetzen des Landes, ernſtlich beſtraft. Die meiſten unter ihnen trinken weder eu- ſtraft. 
ropaiſche gebrannte Waſſer, noch Palmenwein, obgleich dieſes and mehr Palmenbaͤume hat, 
als irgend ein anderes von Guinea, und fuͤhren zur Urſache an, daß dergleichen Getraͤnke 
den Menfchen entweder um das Leben bringen, oder zum Viehe machen. Ihr taͤgliches 
Getraͤnke iſt Bordonwein, welchen ſie Tombe nennen, mit Waſſer vermiſcht, ein zwar an 
ſich ſchwaches, doch ſehr erfriſchendes Getraͤnke x). f 


Einige Schriftſteller ſtellen dieſe Quaquaſchwarzen auf einer ganz andern Seite vor. Große Dies 
Smith faget, fie wären ſolche Diebe, und fo unvernuͤnftig Vieh, daß faſt gar nichts mit be. 
ihnen zu machen waͤre. Wenn ſie etwas ſehen, das ihnen gefaͤllt, wenn ſie an Bord kom— 
men, und es ihnen an Gelegenheit fehlet, es zu ſtehlen: ſo betteln ſie wenigſtens darum. 
Schlaͤgt man es ihnen ab: ſo gehen ſie gleich voller Bosheit wieder an das Land, und ver— 
wehren, daß niemand ausſteigen darf; ſo, daß ſie genoͤthigt waren, alles vor ihnen zu ver— 

| 0003 ſtecken. 
) Siehe die Figur. und Barbot a d. 143 S. 
s) Marchais am oben angef. Orte, a. d. 177 S. u) Marchais, am oben angef. Orte, a. d. 183 S. 
7) Villaults Beſchreibung von Guinea, a. d. 113 *) Barbot a. d. 143 D. 
* 


66 Becchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwobner ſtecken. Wenn man ein Boot ausſchickte, um Lebensmittel zu holen: fo mußte das Volk 
der Elfen wohlbewaffnet gehen, und vierzig bis funfzig Ellen weit von dem Ufer Anker werfen, wo 
‚beinkäfle., ie die Schwarzen erwarteten, bis fie mit ihren Kähnen von dem Lande herbey kamen ). 
Menſchen⸗ Wie Villault ſaget: fo giebt man ihnen Schuld, daß ſie weiße Menſchen fraͤßen. Nur 
freffer. vor vierzehn oder funfzehn Jahren haͤtten fie vierzehn Holländer umgebracht, und gefreffen, 
welche am Fluſſe St. Andrei frifches Waſſer einnehmen wollen, ohne daß fie ihnen den 
geringſten Anlaß gegeben. Aus dieſer Urſache giengen fie wohlbewaffnet, und waren ſorg⸗ 
faltig auf ihrer Hut. Sie fürchten ſich aber mehr vor dem Feuergewehre, als alle andere 
Volker auf der Kuͤſte 2). f 
Smith nennt fie eine verdammte cannibaliſche Heerde, und ſaget, daß, ob er gleich eben 
dieſes von den übrigen guineiſchen Nationen glaubte, als welche er todte Hunde, Allegators, ſtin⸗ 
kende Fiſche, und noch ſchlimmere Dinge hätte effen ſehen: fo würde doch außer dieſen nie⸗ 
mand geſtehen, daß er den geringſten Gefallen haͤtte, Menſchenfleiſch zu eſſen 2). 
Die Gewohnheit, einander zur Bewillkommung oder zum Abſchiede zu kuͤſſen, wie einige 
Europaͤer thun, gefaͤllt ihnen nicht, indem ſie ſolches als eine große Beleidigung anſehen. 
Scharfegaͤh⸗ Die Zaͤhne feilen ſie ſo ſcharf, wie Pfriemen; ſie ſtehen aber meiſtentheils krumm und 
ne und lange unregelmäßig. Sie halten es für einen befonderen Zierrath, die Nägel einen halben Zoll lang 
Naͤgel. wachſen zu laſſen, und langes geflochtnes Haar zu haben, welches fie mit Palmenoͤle und 
rother Erde bekleiſtern. Zu dieſem Ende entlehnen ſie das Haar ihrer Weiber, indem ſie 
eine beſondere Kunſt haben, etliche kurze Haare ſo lang, als ſie nur wollen, zuſammen zu 
fuͤgen, daß das ganze wie eine Peruͤcke ausſieht. Manche aber winden es ganz um den 
Kopf herum, daß es in der Ferne das Anſehen einer Muͤtze hat. 
Kleidung Sie ſalben ihren Leib alle Tage mit eben den vermiſchten Dingen, die ſie zu ihrem Haare 
und Putz brauchen, und kauen beſtaͤndig Betel “), wovon fie den Saft an das Maul und Kinn reis 
ben. Die Süße behaͤngen fie mit großen dicken eiſernen Ringen. Sie haben ein beſon⸗ 
deres Vergnuͤgen an dem Geklapper dieſer Ringe ), welches fie im Gehen machen. Je 
vornehmer daher der Mann iſt, deſto mehr Ringe trägt er. Kurz, fie find widerwaͤrtig ans 
zuſehen, und ſtinken außerordentlich 2). a 
von Min Das gemeine Volk traͤgt nur von vorne einen leinenen Lappen, die Großen aber unter⸗ 
nern und ſcheiden ſich durch eine Art von Mantel, oder ein leinen Tuch, welches fie um den Leib herum⸗ 
Weibern. wickeln, und dadurch, daß ſie einen Degen oder Dolch an der Seite tragen. Sie tragen 
gern lange Haare, die ſie kuͤnſtlich zuſammen zu ſetzen, und an den Kopf anzumachen wiſ⸗ 
ſen. Das Haar der Weiber iſt insgemein abgeſchoren e). N 
Die Weiber zu Giron und klein Drewin hatten die Neugierigkeit herbeyzukommen, 
und ihnen zuzuſehen, als ſie Waſſer einnahmen, und brachten auch ihre Toͤchter mit. 
Villault ſaget, daß fie, ihre Farbe ausgenommen, fo regelmäßige Geſichtszuͤge hätten, daß 
fie für völlige Schönheiten gelten koͤnnten. Unter funfzigen, die er ſah, war nicht eine 
lang oder fett; dahingegen die Maͤnner gemeiniglich beydes ſind. Die Weiber haben vorne 
nur ein Tuch, und gehen meiſtentheils unter allen denen, die auf dieſer Kuͤſte wohnen, am 
meiſten entbloͤßt. Die ſchlimmſte Eigenſchaft der Manner iſt, daß fie boshaft und rach⸗ 


4 


füchtig find 77. | Marchais 
) Smiths Reiſe nach Guinea, a. d. 111 S. 4) Die Oſtindianer haben eben diefe Gewohnheit. 
2) Villaults Reiſe nach Guinea, auf der 114 und c) Villault ſaget, fie hätten Schollen in den Arm⸗ 

119 Seite. baͤndern. Siehe am oben angef. Orte. a. d. 116 S. 
4) Smib, am oben angef. Orte, a. d. 112 S. 4) Barbot a, d. 143 ©. Pr 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 663 


Marchais merket an, daß wenig Negerweiber find, die nicht ihr Haar mit kleinen Fi: Einwohner 
guren von ſehr reinem Golde geziert haben, in welchen die Kuͤnſtler des Landes ihre Geſchick⸗ der Elfen⸗ 
lichkeit zeigen. Sie nennen ſolche Manillas, welches bey ihnen ein allgemeines Wort iſt, Heinkäne., 
und eben fo gebraucht wird, als bey uns das Wort Kleinod oder Juwelen. Dieſe Ma: Manillas. 
nillas haben allerhand Figuren, und ſind gemeiniglich ganz ſchlecht und duͤnne. Die Wei⸗ 
ber der reichen Negern aber tragen eine ſolche Menge derſelben auf dem Kopfe, daß ſie ei⸗ 
nen großen Werth ausmachen. Es machet auch eine junge ſchoͤne Schwarze bey einem fel- 
chen Aufputze keine ſchlechte Figur. Nichts deſtoweniger machen ſich ihre Männer, die in 
dieſem Lande mehr Anſehen haben, als in Frankreich, kein Bedenken, ihren Weibern dieſe 
Zierrathen abzureißen, und fie gegen die Waaren zu verkaufen, welche fie brauchen 2). . 

Exomphali oder Brüche find hier ſehr haufig. Atkins ſah unter ihnen einen Krankheiten 
ſchielaͤugichten Neger, wie auch einen ohne Naſe, und einen andern mit einer haͤrichten Lippe, - 
welche Gebrechen jedoch, wie er ſaget, unter ihnen felten find 2). 

Ihre Sprache iſt barbarifch, und nicht zu verſtehen. Sie reden ſehr ſchnell und in Sprache. 
jaͤhlingen Abſaͤtzen. Wenn ſie einander begegnen, es ſey am Lande oder am Borde: ſo ſpre⸗ 
chen fie beftändig Quaqua, Quaqua, und jeder leget feine Hand auf des andern Achſel, 
alsdann ruͤhren ſie einander mit den Fingern an, und ſagen nochmals ganz ſachte Quaqua. 
Daher iſt, wie der Verfaſſer vermuthet, der Elfenbeinkuͤſte der ame Quaqua gegeben worden. 

Es iſt hier gewoͤhnlich, daß der Sohn allezeit des Vaters Handthierung ergreift. Der Gewerbe 
Sohn eines Webers ift ein Weber, der Sohn eines Handelsbedienten ein Handelsbedien⸗ find erblich. 
ter 1), und niemand darf ſich mit einer andern Handthierung vermengen, als zu der er er- 
zogen iſt H. Sie koͤnnen aber nur wenig mechaniſche Kuͤnſte. Atkins ſaget, daß ein 
Schloß ihnen etwas ſo neues war, daß das ganze Land zuſammen lief, um es zu bewundern. 

Eine Uhr vermehrte noch ihre Verwunderung, und das Papier reden zu machen, wie ſie es 
nennen, iſt etwas erſtaunliches 7), 

Da ihr Gottesdienſt mit dem auf der Goldkuͤſte ſehr uͤbereinkoͤmmt: fo verweiſen wir 
unſere Leſer an dieſen Ort. 5 . a 

Ihre Könige und Prieſter halten fie für Zauberer, die aus dieſer Urſache von dem ges Aberglaͤube⸗ 
meinen Volke ſehr geehret und gefürchtet werden. Beſonders aber der König zu Saku, ſche Könige 
einem Lande um das Vorgebirge la How, der für etwas mehr, als einen gemeinen Zau- und Prie⸗ 
berer gehalten wird. | Pe 

Dieſer Koͤnig beobachtet alle Jahre, vom Anfange des Chriſtmonats an bis auf den Opfer an 
folgenden April, eine Ceremonie zu Ehren des Meeres, als ihrer groͤßten Gottheit, und das Meer. 
ſchicket von Zeit zu Zeit welche von ſeinen Leuten in einem Kahne nach Axim, Sama, 
Kommendo, und andern Plaͤtzen auf der Goldkuͤſte, um dem Meere ein Opfer darzu⸗ 
bringen, indem ſie etliche Lappen oder Tuͤcher in dieſelbe werfen, die aus Steinen, Binſen 
oder Kraͤutern und Ziegenhoͤrnern gemacht, und zugleich mit Steinen und Gewuͤrzen ange⸗ 
fuͤllt ſind. Er murmelt zugleich einige Worte dazu, und zwar in der Abſicht, es auf die 
Sommerzeit ruhig und frey von Tornados zu machen, und der Handlung feiner Untertha⸗ 
nen, ſowohl innerhalb des Landes, als laͤngſt der Kuͤſten, guͤnſtig zu ſeyn, damit fie ihre 
Handelſchaft ruhig und mit Wucher treiben koͤnnten. Sobald 

e) Villault auf der 119 und Barbot am oben 7) In dieſer Gewohnheit kommen fie mit den 


angef. Orte, auf ber 143 S. Oſtindianern überein. 
) villault, am oben angef. Orte, a. d. 113 S. 4 Barbot, am oben angef. Orte. 
9) Marchais Reife nach Guinea, a. d. 188 S. I) Atkins a. d. 64 b. 


b) Atkins a. d. 67 S. 


664 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 


Einwohner Sobald der erſte Kahn bey ihm wieder angekommen iſt: ſo wird unmittelbar darauf 
435 . ein anderer zu gleichem Ende ausgeſandt, und dieſes beftändig fort, bis der Winter einbricht. 
beinküſte. Der erſte Kahn fährt von Kirbo la How aus, welchem fogleich die einheimiſchen Factore 
Handelſchaft aus dieſem Hafen in verſchiedenen Kaͤhnen nachfolgen, die mit feinen ſtreifichten Zeugen bes 
unter ſich laden ſind. Nach ihrer Wiederkunft werden die von den ſechs Streifen mit dem andern 
ſelbſt, Kahne fortgeſchickt, und nach dem dritten kommen die von andern Orten nach. Dieſe 

Methode wird ſo genau beobachtet, daß ſie einander niemals hinderlich fallen; ſondern ein 
jeder Kaufmann hat Zeit und Gelegenheit, ſeine Guͤter zu verhandeln. Dieſer Handel 
dauert bis zu Ausgange des Aprils, da der bezaubernde Kahn wieder nach der Kuͤſte faͤhrt, 

gleichfam um die See von neuem in Freyheit zu ſetzen, und alsdann eilet ein jeder nach Haufe m). 

und mit Die Schwarzen von dieſer Kuͤſte haben, ihres böfen Gemuͤths ungeachtet, Neigung zum 

Fremden. Handel; und ſo oft ſie nur ein Fahrzeug an der Kuͤſte erblicken: ſo erkundigen ſie ſich zuerſt, 

ob fie ſicher trauen koͤnnen, und alsdann bringen fie ihre Waaren an Bord, als Gold, El⸗ 
fenbein, Sklaven oder Lebensmittel, und empfangen dagegen europaͤiſche Waaren zum 
Tauſche. Es ift beffer, auf ſolche Art am Borde zu handeln, als die Güter am Lande aus⸗ 
zuſetzen, weil man keine Gefahr läuft, zumal wenn man nur einer gewiſſen Anzahl erlaubt, 
auf einmal auf das Verdeck zu kommen. Am Lande hingegen haben die Schwarzen die 
Oberhand, und koͤnnten leicht auf die Verſuchung gerathen, die Kaufleute niederzumachen, 
um ſich ihrer Waaren zu bemaͤchtigen. 8 a | 

Das Auge Ehe aber die Schwarzen an Bord kommen: ſo verlangen fie von dem Hauptmanne 
mit Waſſer des Schiffs, weil ſie ſehr argwoͤhniſch ſind, ſich Seewaſſer in die Augen zu ſpritzen. Nach 

benetzen dieſer Ceremonie ſetzen fie ein völliges Vertrauen in ihn; weil ſie glauben, daß er nimmermehr 

einen ſo feyerlichen Eid verletzen werde. Dieſer Art zu ſchwoͤren bedienen ſie ſich ſelbſt bey 
feyerlichen Gelegenheiten, indem ſie glauben, daß ſie ihr Geſicht verlieren wuͤrden, wenn 
fie einen Meineld begiengen 2). Das ſicherſte aber iſt, daß man ſich nicht gänzlich auf 
ihre Schwuͤre verlaſſe, ſondern gegen Lift und Gewalt beſtaͤndig auf guter Hut ſey o). 

In Anſehung dieſer Ceremonie hat Barbot angemerkt, daß fie, wenn ſie an Bord ge— 
hen, ihre Haͤnde in das Salzwaſſer eintauchen, und einige Tropfen auf ihre Augen fallen 
laſſen 2), welches andeutet, daß fie eher ihre Augen verlieren, als einen Betrug im Handel 

begehen wollen 7). 
eine Art von Villault ſtellet dieſe Ceremonie etwas anders vor. Dieſer Schriftſteller ſaget, daß 
Edſchwuͤren; wenn fie auf ein Schiff an Bord gehen ſollten: fo müßte der Hauptmann zu ihnen fom- 
men, und indem ſie den einen Fuß in dem Schiffe, und den andern in dem Kahne haͤtten, 
und mit der einen Hand das Schiffſeil hielten, ſo tauchten ſie die andere in das Meer, und 
gößen eine Hand voll Waſſer über den Kopf des Hauptmannes, welches als eine große Be⸗ 
zeigung von Hoͤflichkeit gemeynt iſt. Hierinnen ſind ſie ſo aberglaͤubiſch, daß ſie ohne dieſe 
Ceremonie nicht in ein Schiff gehen; und wenn ſie etwas auf eine feyerliche Art bekraͤftigen 
l wollen: fo brauchen fie eben dieſe Ceremonie 5). a . 

iſt ſehr ab: Wie man ſaget: fo haben die Einwohner von der Kuͤſte des böfen Volks dieſe Art 
gekommen. zu ſchwoͤren ſtark abgebracht, bis auf die an dem Fluſſe St. Andres, und den me. 

pol: 


— 


m) Barbots Beſchr. v. Guinea, a. d. 143 S. angef. Orte, a. d. 162 S. 
u) Doch an einem andern Orte auf der 187 Seite p) Atkins ſaget in feiner Reiſe nach Guinea auf 
ſaget dieſer Schriftſteller, man koͤnne ſich in dem Han⸗ der 73 Seite: die Ceremonie, eine Freundſchaft aufs 
deln auf fie verlaſſen, wenn ſie einmal dieſe Cereme⸗ zurichten, ſey ein e e in die Augen zu 
nie gebrauchet. ſpritzen, oder in den Mund zu nehmen, und wieder 
o) Villault a. b. 115 S. Marchais, am oben aus⸗ 


* 


und politiſchen Geſchichte. VIII Buch III Cap. 665 


Apollonia und la How, welche ſie immer noch beybehalten. Die andern Schwarzen Einwobner 
begnügen ſich damit, daß fie die Schiffe, welche bey ihnen ankommen, beſichtigen, rings um der Elfen⸗ 
ſie herum ſegeln, und ihren Bau und die Kleidung der Bootsleute betrachten, und fie an- Beinküͤſte. 
reden. Wenn ſie finden, daß ſie auf Franzoͤſiſch antworten, welches ſie leicht unterſcheiden 
koͤnnen: fo kommen fie ohne Mistrauen an Bord ). 6 ei | 

Es giebt einen angenehmen Anblick auf den Schiffen an dieſer Küfte, fo viele Kaͤhne Art der 
mit Schwarzen beyſammen rudern zu ſehen, welche laut Quaqua ſchreyen, und alsdann Schwarzen 
weiter fortrudern. Seitdem die Europäer etliche von ihnen entführt haben, ift ihr Mis⸗ zu handeln. 
trauen ſo groß, daß ſie ſchwer dahin zu bringen ſind, an Bord zu kommen. Das ſicherſte f 
Mittel, ſie anzulocken, iſt, wenn der Patron oder andere Bediente des Schiffs, einen Eymer 
Waſſer aus der See ſchoͤpfen, und ſich damit die Augen benetzen. Dieſes verbindet fie, 
wie ſie glauben, ſo ſehr, als ein Eid, indem ſie das Meer fuͤr eine Gottheit, oder fuͤr ein 
Wee halten, dem eine göttliche Anbethung zukommt. Doch thun ſie dieſes nicht allezeit, 
wie der Verfaſſer zu Tabo gefunden hat x). 

Die haͤufigen Gewaltthaͤtigkeiten, welche die Negern von den Europäern erlitten, indem Sie find 
ſolche viele von ihnen mit Liſt entfuͤhrt haben, haben ſie ungemein ſcheu und argwoͤhniſch ge- ſchuͤchtern 
macht. Das Schiff, in welchem Smith war, lag oͤfters vor einer Stadt, und feuerte und argwoͤh⸗ 
eine Canone ab, damit die Schwarzen herbey kommen follten, und es kam kein Menſch. nich. 
Endlich eroͤffneten ihm einige Schiffe, die weiter unten an der Kuͤſte handelten, die Ein— 
wohner wagten ſich ſelten auf ein engliſches Schiff, aus Furcht, fie möchten entführt wer: 
den. Dieſe Nachricht kam ihm gut zu ſtatten; denn nach der Zeit führte er franzöſi⸗ 
ſche Flaggen, und handelte in eben dieſer Sprache. Durch dieſe Liſt konnte er täglich 
gute Nachricht einziehen, und ſich mit friſchen Lebensmitteln verſorgen, woran das Land ei: 
nen großen Ueberfluß hat Y. Ä ‚ | 

Es ſind gemeiniglich 4 oder p Schwarze auf einem Kahne. Es gehen aber nur zween oder Ihre Bor: 
drey an Bord, und dieſes zwar einzeln, und ein jeder von ihnen trägt nur einen Elephanten⸗- ſicht. 
zahn. Sie kommen auch nicht eher, als bis derjenige Schwarze, der an Bord vorangegan⸗ 
gen iſt, ſich umgeſehen, ob ſehr viel Mannſchaft oder Gewehr auf dem Verdecke iſt, und ih⸗ 
nen dagegen Nachricht gegeben hat. Und doch ſind ſie noch ſo mistrauiſch, daß keiner von 
ihnen jemals zwiſchen die Verdecke oder in die Kajuͤte gehen will 2). 

Sie fuͤrchten ſich ſo ſehr vor dem Feuergewehre, daß als einsmals der Verfaſſer eine Scheuen 
Canone mit einer Kugel auf einen Privatkauffahrer abfeuern ließ, alle Schwarzen, die um das Feuer: 
das Rundel ſtunden, auf einmal uͤber Bord in das Meer ſprangen 4). gewehr. 

S niich ſaget, wenn fie ungefähr Gewehr zu ſehen bekommen, fo gehen fie den Augen⸗ 
blick wieder an das Land, und man bekoͤmmt ſie nicht mehr zu ſehen. Sie waren daher 
genöthiget, ihre Waffen in dem Hintertheile des Boots zu verſtecken. 

Man kann ſich kaum vorſtellen, wie viel Geduld darzu gehoͤret, mit den meiſten von Schwierig 
dieſem unvernuͤnftigen Volke zu handeln. Und was das ſchlimmſte iſt, fo find fie nicht zu keit mit ih: 
verſtehen, und verſtehen auch wieder die Europäer nicht. Man muß ſich alſo nur mit Zei: A han⸗ 


, 6 ch en, ein. 
auszuſpeyen. Dieſes muͤßte man gleichfalls beobach⸗ u) Barbot a. d. 141 S. 
ten, oder ſonſt gehe die Handlung nicht vor ſich. 5) Smitbs Reife nach Guinea, a. d. 111 S. 
5) Barbot, äm oben angef. Orte, a. d. 144 ©. 2) Villaults Reiſe a. d. 73 S. und Barbot, am 
) Villault a. d. 116 S. oben angef. Orte, a. d. 142 S. 


t) Marchais, am oben angef. Orte. a) Barbot, am oben angef. Orte. 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 9% % D e Pd 


666 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur⸗ 
Einwohner chen, mit Bewegungen der Haͤnde und Finger behelfen, oder ſo, daß man eine Anzahl 
der Kelfen⸗ Waaren gegen den Zahn hinſetzet, welchen man haben will. tan f 
beinküſte. Zu Dromwa Petri ward Barbot unwillig, daß er ſeine Daſſi oder Bizi, die er 
ihnen gegeben hatte, einbuͤßen ſollte. Er befahl deswegen, einen Elephantenzahn, der un⸗ 
gefähr von gleichem Werthe mit feinen verlohrnen Gütern war, und zweene andere Zaͤhne 
an dem Vorgebirge la How am Borde inne zu behalten, fo lange bis ihm die Daſſi wiederge⸗ 
geben wuͤrden. Dieſes geſchah endlich, aber nicht eher, als bis es zwiſchen denen, die die 
Daſſi genommen hatten, und denen, deren Zaͤhne man inne behalten hatte, zu einigen har— 
ten Worten und Schlaͤgen gekommen war. Einige von ihnen ſprangen uͤber Bord, und 
tauchten ſo tief und ſo lange unter, daß ſie nicht eher aus dem Waſſer hervorkamen, als 
bis fie ſchußfrey waren, und nachdem fie ihre Kaͤhne erreicht, ruderten fie mit einer wun⸗ 
derbaren Geſchwindigkeit weg. 
Die Daſſi Die Daſſi oder Bizi, nach welchen dieſe Schwarzen zuerſt fragen, ſo bald ſie an Bord 
oder Bizi. kommen, ſchienen zwar im Anfange von keinem großen Werthe zu ſeyn, indem man einer 
Perſon etwa ein Meſſer, oder einen meßingenen Ring, oder einen Schluck Brandtewein, 
oder ein Stuͤck Zwieback ſchenkte. Aber bey einer Reiſe an dieſer Kuͤſte, da vierzig oder 
funfzig den Tag über weggegeben werden, betraͤgt es wenigſtens fünf von Hundert Einbuße 
von der Ladung des Schiffs. 

Die Holländer brachten bey ihrer Ankunft an den guineiſchen Kuͤſten dieſe ſchlimme Ge: 
wohnheit zuerſt auf, um die Schwarzen deſto mehr von den Portugieſen abwendig zu machen, 
die ſo lange zuvor daſelbſt gehandelt hatten. Und die Einwohner waren mit dieſer Ge— 
wohnheit ſowohl zufrieden, daß ſie nach der Zeit von allen Europaͤern ein gleiches gefordert 
haben, ſowohl als von den Hollaͤndern, welche inne werden, daß dieſe ihre Liſt, ob ſie ihnen 
gleich anfaͤnglich einen Vortheil brachte, nunmehr ihrer Handlung zur Laſt gereicht. 

Eben dieſer Gebrauch herrſchet auch auf der Goldkuͤſte, die ſich mit dem Vorgebirge 
la How anfaͤngt, mit dieſem Unterſchiede, daß daſelbſt eher nichts gegeben wird, als bis der 
Kauf geſchloſſen iſt, und daß ſie an ſtatt Daſſi, mi Daſſi ſagen. Aber auf den Kuͤſten 

oberhalb des Windes von Gamboa an, bis an das obengenannte Vorgebirge, wollen ſie 
die Schwarzen zum voraus haben. Denn fo bald fie nur ein Schiff erreicht haben, fo ru⸗ 
fen fie Bizi, Bizi, und manche ſetzen hinzu Daſſi, welche Worte, wie der Verfaſſer ver⸗ 
muthet, in ihrer Sprache ein Geſchenk oder Pfand andeuten ). N 

Die Waaren, mit welchen man in dieſer Gegend handelt, ſind baumwollene Zeuge, 
Salz, Elfenbein, und Gold. f 

Baumwolle⸗ Wie Villault verſichert, ſo verfertigen ſie eine ſchoͤne Art baumwollene Zeuge, die blau 

ne Zeuge. und weiß geſtreift ſind, und dreyvierthel Ellen in der Breite, und drey bis vier Ellen in 
der Laͤnge liegen. Dieſe laſſen ſich gut auf der Goldkuͤſte verkaufen, und dienen das ge— 
meine Volk zu kleiden. „** 

Marchais ſaget, dieſe Tücher beftünden aus ſechs zuſammen genaͤhten Stuͤcken, jedes 
zu drey Ellen lang, und ſechs Zoll breit, welches in allen eine Breite von drey Fuß aus⸗ 
machet. Daher haben die Holländer die Kuͤſte Quaqua, die Kuͤſte von den ſechs Strei⸗ 
fen genannt. Das Blau iſt von einer guten Farbe, und traͤgt ſich wohl ). 


Sechsſtrei⸗ Barbot iſt hierinnen etwas umſtaͤndlicher. Er ſaget, das fand um Korbi la Sow 
fichte Tuͤcher. und die Quaquakuͤſte truͤge viele Baumwolle, welche die inlaͤndiſchen Einwohner ſpinnen 
ö und 


5) Barbot wie oben. a 5 
e) Marchais Reiſe nach Guivea erſter Band auf der 139 Seite. 5 


und volitiſchen Geſchichte. VII Buch Il Eav. 667 


und weben. Diejenigen, die man an dem Vorgebirge la How machet, ſind von ſechs Einwohner 
Streifen, und viertehalb ſtanssliche Ellen lang, und ſehr fein. Die von Korbi la How, der Elfen. 
find von fünf Streifen, drey Ellen lang, und grober. Die Schwarzen auf der Küfte find beinküſte. 
nur die Factore der inlaͤndiſchen, um dieſe Tuͤcher an die Europaͤer, beſonders die Hollaͤn⸗ 

der gegen Alkory zu vertauſchen; welches eine Art von blauer glänzender Leinewand iſt, 

womit ſie auf der Goldkuͤſte und an andern Theilen von Suͤd⸗ Guinea, einen anſehnlichen 

Handel treiben. | 

Einige Negerfactore, die beftändig in dem Lande herum giengen, um ſolche Zeuge 
zu kaufen, ſagten dem Verfaſſer, die inlandiſchen Schwarzen verkauften eine große Menge 
davon an ein weißes Volk, das ſehr tief in dem Lande wohnte, und gemeiniglich auf Maul⸗ 
thieren oder Eſeln ritte, und Aſſagayen oder Spieße fuͤhrte, welches nothwendig die Araber 
von Sahra, oder von den Ufern des Nils ſeyn muͤſſen. 

Sie machen auch Tuͤcher von einer Art Hanf, oder einer ihm aͤhnlichen Pflanze, welche Haufzeuge. 
fie ſchoͤn färben, und ſehr kuͤnſtlich weben . 

Dieſe Schwarzen treiben einen großen Salzhandel mit ihren Nachbarn gegen Nord- Salz hander 
oſt, und dieſe verfuͤhren es tiefer in das Land, wo es ſehr theuer und ſelten iſt. Die Cari— 
ben von America haben kein Salz, und haben niemals welches gehabt, ohne daß dieſer 
Mangel ihnen geſchadet haͤtte. Wenn man dieſen Salzhaͤndlern von Ouaqua glauben 
ſoll, fo verführen fie es bis über den Niger zu einem Volke, das nicht ſchwarz iſt, und welches 
nach ihrer Beſchreibung die Moren ſeyn muͤßten e). 

Das innere Land hat eine ungemeine Menge von großen ſchoͤnen Elephantenzaͤhnen, Elfenbein⸗ 
welches das beſte Elfenbein in der Welt iſt. Das meiſte davon wird von den Englaͤn- handel. 
dern, Hollaͤndern und Franzoſen, und dann und wann von den Daͤnen und Portugieſen 
aufgekauft. Nachdem die Handlung nach Guinea ſo allgemein geworden: ſo bekommen 
die Engländer noch mehr davon, als die Hollaͤnder. Dieſe große jährliche Zuſammenkunft 
von europaͤiſchen Schiffen hat die Schwarzen trotzig gemacht, den Preis zu ſteigern, beſon— 
ders den von den großen Zaͤhnen, davon manche auf zweyhundert Pfund franzöſicchen Ge⸗ 
wichtes wiegen, fo daß nicht viel mehr dabey zugewinnen iſt /). 

Nach Marchais Berichte, iſt die Menge des Elfenbeins in dieſem en ſo groß, daß Elephanten 

man hier in einem Tage zehn tauſend Pfund verkauft hat. Die Schwarzen ſagen, das innere zahlreich. 
Land ſey fo voll von Elephanten, daß die Einwohner der bergichten Gegenden ihre Haͤuſer 
in die Ruͤcken der Berge eingraben, und ganz ſchmale Fenſter und Thuͤren machen muͤßten. 
Sie muͤßten auch alle Liſt gebrauchen, um ſie von ihren Aeckern zu vertreiben, oder ihnen 
Schlingen lagen, und ſie todt ſchlagen. Die Urſache, warum es ſo viel Elfenbein giebt, iſt 
dieſe, weil die Elephanten alle drey Jahre ihre Zaͤhne abwerfen. Sie finden alſo mehr 
abgeworfene Zaͤhne in dem age liegen, als diejenigen ausmachen, welche fie von den gez 
toͤdteten Elephanten nehmen 

Villault, und nach ihm Babor ſaget eben dieſes. Nach dem letztern ſollen die Ele— 
phanten überall fo zahlreich auf dieſer Kuͤſte ſeyn, daß, ungeachtet der Menge, die todt ge— 
ſchlagen wird. die Schwarzen um ihrer Sicherheit willen ihre Wohnungen unter der Erde 
1 muſſen. Nach der großen Menge Elfenbein zu rechnen, welche man in dieſem Menge vos 

Lande findet, glauben ini ige, „daß die Elephanten ihre Zähne alle drey Jahr verliehen; und Zähnen. 


da fie nun hundert Jahr, cher noch länger, wie man faget, leben bleiben, fo muͤſſen unendlich 
a P p pp 2 viel 
d) Barbot a. d. 143 S. 7) Villault a. d. g S. Barbot a. d. 14 S. 


e) Marchais erſter Band a. b. 186 & e) Marchais a. d. 197 S. 


668 Beſchreibung von Guinea, deſſen Natur: ꝛc. 

Einwohner viel Zaͤhne in den Waͤldern aufgeleſen werden. Man bemerket jedoch, daß ſie nicht mehr 

der Elfen⸗ ſo haͤufig ſind, als ſonſten, weil entweder das Land einigermaßen erſchoͤpft iſt, oder weil ſich 

beinkuͤſte. die Schwarzen nicht mehr ſo viel Muͤhe geben, ſie einzuſammlen, welches nebſt der großen 
Menge der Kaͤufer, die Urſache von ihrem jetzigen hohen Preiſe ſeyn mag HY. 

Gold. Wie Villault ſaget, ſo ſieht man aus ihren artig gemachten goldenen Haarneſteln, daß 
ſie Gold haben. Er fragte einen von ihnen, wo ſie es herbekaͤmen? Dieſer wies auf die 
großen Berge, und machte ein Zeichen, daß es von daher kaͤme 7). 

Wie es hier Das Gold iſt hier gemein. Und die Schwarzen, beſonders die bey dem Vorgebirge 

verfaͤlſcht Apollonia haben eine große Kunſt, ihr Gold zu verfaͤlſchen, welches gemeiniglich im Stau⸗ 

wird. be beſteht, indem ſie Feilſtaub von Kupfer darunter miſchen. Das Beſte iſt, daß man ſie 
fraget, wenn ſie an Bord kommen, ob es rein iſt, und ihren Betrug mit dem Verluſte ihrer 
Freyheit zu beſtrafen drohet. Bleiben fie, dabey, daß es gut iſt, fo muß man es vor ihren 
Augen wiegen, und alsdenn in Aqua Fort k) legen, welches das Kupfer den Augenblick 
verzehret. Alsdann wiegt man es wieder, und wenn man den Betrug entdecket, ſo darf man 
nur dieſe Schelme in Ketten ſchlagen, bis ſie ſich loskaufen. Dieſes zeiget, was man fuͤr 
Vortheil dabey hat, wenn man am Borde handelt. Denn wenn man auf dem Lande ſich 
betrügen läßt, fo kann man ſich nicht helfen, indem sone Könige: und Obern eben. ſo große 
Betrüger find, als ihre Unterthanen 2). 

Güter die zur Bey Vertauſchung der hieſigen Waaren, kann man ſich auf der Elfenbein oder Qua⸗ 

Handlung quakuͤſte eben derjenigen europaͤiſchen Waaren bedienen, die man an dem Vorgebirge 

dienlich find. Monte, und Rio Sextos gebraucht. Nur daß hier noch Contacarbe oder Contabrode, 
und eiſerne Ringe eines Fingers dicke darzu kommen, welche die Schwarzen mit meßinge⸗ 
nen Schellen an den Füßen tragen, eben fo wie die meßingenen Ringe an den Aermen. 

Kleine Schif⸗ Es laßt ſich auf dieſer ganzen Kuͤſte am beſten mit kleinen Schiffen handeln, damit 

ſe die beſten. man vor einem jeden Orte etliche Tage lang ſich aufhalten kann, um den Schwarzen Zeit 
zu laſſen, Elfenbein aus dem innern Lande herbeyzuſchaffen, wenn ſie keinen Vorrath mehr 
am Ufer haben. Kleine Schiffe koſten weitweniger, als große; und die Schwarzen fuͤrch⸗ 
ten ſich nicht fo fehr an Bord zu kommen, wenn die Anzahl der Mannſchaft geringe iſt. 
Alsdann aber müffen kleine Schiffe die noͤthige Vorſicht gebrauchen, damit nicht eine allzu 
große Anzahl Schwarze auf einmal an Bord koͤmmt, aus Furcht ſie moͤchten einen Ver⸗ 
ſüch machen, ſich des Schiffes zu bemeiſtern, und es zu pluͤndern, wie es ehemals . 

5 portugieſiſchen und andern europaͤiſchen Fahrzeugen ergangen iſt m). 

Kein Skla⸗ Villault ſaget, die Schwarzen von dieſer Kuͤſte haͤtten verſchiedene Mulatten unter 

venhandel. ſich. Er hat aber niemals gehoͤrt, daß ſich einige Europäer hier niedergelaſſen n). Und 
Smith machet die Anmerkung, daß, weil dieſe Kuͤſte ſowohl, als die Pfefferkuͤſte, in viele 
kleine Koͤnigreiche und Länder zertheilt ſey, fo wäre “u ber are 109 ae 1 
gut, als auf der Gold- und der Sklavenkuͤſte H). 


i N * < 


Saga 


1 


5) Villault und Barbot am ange orte. N =) Barbot a. b. 155 ©. 


1) Villault a. d. 19 S. de 
40 Im Originale ſteht Aqua Regis. n) Yillaufe E 


I Marchais a. d. 10 . ) Smits Reife a. d. ı13 S. 


Geographiſches Verzeichniß 
der in dem dritten Bande erwaͤhnten Inſeln, Laͤnder, 
Städte und andern Oerter. 


Erklaͤrung 


der vorkommenden Buchſtaben. 
B. bedeutet eine Bap; Bg. Berg; Df. Dorf; F. Fort; Fl. Fluß; In. Flecken; 
G. Gebirge; H. Hafen; * Inſel; Kl. Klippen; Kr. Königreich; Sp. Spitze; 
St Stadt; V. Vorgebirge; 
Das bedeutet, daß an dem Orte eine volſtaͤndige Beſchreibung anzutreffen ſey. 


badey Sp. 400 
Abaſſam, Kr. 450* 
Abocroe St. 639 


Adow, Landſchaft 649. 655 
Aga 404 
Agumene Dorf 658 
Akanimina 655 
Aklins Kaye 493 
Akra Fort 406 
Alampokuͤſte 408 
Albiani Flecken 655 
Albreda 61 
Alderney J. 87 
Almadia Sp. 499 
Amboſes, hohe Berge 260 
Ampeni Sp. 40¹ 
Anamaboe, Anambu 32727 
Animabo 404 
Aniſchen & 404 
Ankobar St. j 658 
Ankobar, fiehe Cabrafluß 

Anna Bar St. m 


Annamaboe H. 486 


2 St. 


ntelope 36 
ntigua 362 
en, V. Kr 656* 
We f ‚570 


Ardrah St. 529 
Arguin N 156 
Arſchhuͤgel, Arſe-Hill 68 


Aſene Fl. S. Jpiniftuß. 
Aſſoko S 436 
Aham 30ö, ſiehe Ißini. 


Atlas Berg 156 
Auſterfluß ö 12 
Axim F. 375°, 525 
Axim Kr. 658 
ee 

Baba degu Eyl. 13 
Badelu Kr. 8. 15 
Badibu Kr. 15 
Badiſſu Kr. 18 
Baffa, Flecken 642 
Bafrey H. 69 
Bagos, Of. ces gelegen 
VE Stad 597 
Bahama ee 493 
Bahia, Pr. | 492 
Bangayo Seehafen 450 
Banyon Sp. 123 


Barafet Fl. 19 
Barbados 427 
Bar -⸗ Barre e 
Barifet D. 658 


Barra Kr. 8.15.91. 97 
Barra Sp. 8.508 
Barrakonda 20 
Barring-ding St. 97. 
Barſalli Kr. 174.15 
Baſſam Picolo 394 
Baſſy H. 100. 102 
Baton N 37¹ 
Batto St. 34. 38 
Battowa 392 
Baxios Swino Sp. 642 
Baxos V. 391 
Bay von Frankreich 262 
Benanko 34 
Benſe Eyland 268 
Berbi Fn. 650 
Bernard V. . 
Beſchiſſene Eylande 157 
Beſecher, ſ. grünes Vorgeb. 
Bieurt 159 
Bifeſcha Eyl. 296 
Biguet 337 
Binque Im 262 
Bintan die u. 19. f. Vintain. 
Bird J 16 
Biſſoo J. 295 
Biſſos Eyl. 297 
Biyurt Fl. | 349 
Blavet 


oa Berzechn 


Blavet 407 
Blok St. und Fl. 11 
Bofoe, Bofou, ſiehe Baffa. 


Bogio Df. 658 
Bojador V. 360 
Bonal Eyl. 51¹1 
Boqu Flecken. 655 
Botrou F. 375 
Botrow Fl. 649 
Bottowa ein Flecken 642 


Brent, ſiehe enn, 


Brukoe 
Bubakulon Df. 11 
Buile St. 104 


Bukſar St. ER 
Bulm, Bulom Kr. 255 
Bulmberre, ſ. Sierra L. 


Bulombel, . Sierra Leona. 
Bunda St. 128 
Bunion Sp. 508 


Burdah 103 
Burnu 156 
Burra 186 
Burre St. 256% 259 
Burſal, ſiehe Barſalli. 
Burſal 
Bur Salum, geb orbit. 
Cabo La- ho, fiche La⸗/ho 
Vorgebirge. 
Cabo da Praynha 650 
Cabo do Sino „642 
Cabo Verde, ſiehe grünes 
Vorgebirge. a 
Cabra Fl. 658 
Canaria (groß) St. 155 


Canariſche Eylande 88 


Cantin V. 154 
Cap Corſe Caſtell 484 
Carlseyland 88 
Chaukunda 104 
Connys⸗Schloß = 
Corſe V. 


Exoofed, ſiehe Wellepland. 


Damaſenſa 4 
Damaſenſa 

Daſſe SH. 5 
Delawar? 

Demel Kr. 

Dickys Cove 
Dieppe (klein) St. 
Diſeada Eyl. 
Domdomuch 
Dondermuch 

6 Donay 

Donna Maria B. 
Drew, ſiehe Droe. 
Drewin Petri Fn. 
Droe Fn. 
Dromwa Petri In 
Drue, ſiehe Droe. 


Druin 


64 


118 


393 
Druyn, ſiehe Drewin En 


Duane & 63 Gniania Kr. 
ubokunda St. 100 Goldfluß, ſiehe Manta 
Dubotenda 80 Gol i 00 ; 1 Pu 
Duro Fl. 367 Goree 5. 158 
l Govina Felſen 13 
Edona 448 Goyane a 373 
Elephanteneyland . 63 120 Gopyave Flecken. 644 
Elfenbeinkuͤſte 374° Grande 478 
Emanuel V. 158˙O Grigou Df. Rien 
Engueland 161 Grova 373. 649 
Eniacham St. 377 Grovais Eyl. 497 
Eropina Kr. 1 SGruͤnes Vorgebirge 1577605 
Eropina, ſiehe Jarinefluß. Grundloſe Tiefe 654 
Eutan 337 Gualata 156 
. Guavas (klein) 493 
Fantin 377 Gubert Rx. Te 
Fatatenda 103° Guinea 5095 
Fatiko St. 105 Guiokonda Kr. 18 
Fendalakunda 111 Guiomere Kr. 656 
Ferba 1 18 5 
Ferro J. 384 Heniago Eyl. 93 
Fida, ſiehe Wbidah. Soden 1 aba. 1 | 
6 Foigni, ſiehe Fonia. Hondo 597. rl 
Foleys Paß 66 Hoval Kr. 1173 


Fonſa gr“, Kaiſerthum 16 
Forteventura f 


3 
Franzoſenbank 5 
Friedrichsburg F. 526* 
Fulier Paß 17 
Futtu 403 
Gago 40 
Galumbo andſch⸗ 128 


Gambia oder Gambra Fl. 7 
Gammo Rheede 65 
Geagra Kr. 19. ſ. Jagra. 
Geer V. 360 
Gena, ſ. Growa. 


Genia Kr. 12 
Germi 66 
Ghiomray Kr, 445 
Giron 651 
Glenan J. 97 


4 
Gnamena Kr. 19. ſ. Aae 


der Inſeln, Länder, Städte und anderer Oerter. 


Juvale ſiehe Joala 


16 


Kabata Fl. 

Kabong Fl. 77 
Kachao Fl. 295 
Kachao 94,123, 151 


Hundeinſel 11 Kaen Kr. 15 
5 . Kajamor 19 
Jacobseyland 507 Kajawan 119 
Jagra 11,17 Kantor Kr. 78 
Jah f 72 Kantor Fl. 35 
Jak a Jak 654 Kantorſi Königr, 160 
Jamaica, St. 514,518 Kantozi Eyl. 8 978 
Jameseyland 15 Kanuba St. u. H. 102 
James fort 21 „140 Kantari Kr. 12 
Janimarew H. 65 99 Kanubi St. 69 
Jaque la How oder des Bar- Karamanſa 12 
bas Fl. 654 Karudobo Monu 547 
Jaquin Fluß 502 Kaſamanſa Fl. 14 
Jaquin H. 546 Kaſſan gr. St. 33 214 
Jara 164 Kaſſan kl. St. nebſt H. 99 * 
Jarine Fl. 64 Kaſſankunda 69 
Jaye St. 37, 40 Katteba 67 
Idolos Eyl. 51 Kayllor Koͤnigr. 434* 
Jelikot Könige, 37 Kayor Kr. 296 
JemarrowW 100 Kayor See 294 
Jerakonda H. 33 Kayor 167 
Jereja Stadt 89 Kedham 597 
Jerunk Hügel‘ 65 Kent Eyl. 130 
Iguira Landſchaft 658. f. Kiaconda Kr. 19 
Jillifrey St. 91 Kiam Kr. 19 ſ. Kaen 
Inderaba Fl. 19 Koͤrnerkuͤſte 525,371*,595, 632 
India Fl. 64 Koetre Bucht 393 
J so Koͤnigr. 554 Koetroe 653 
N Kogu J... 261 
Joala LKönigr, 168, 151 Kolar Kr. in Barra 15,91 
Joalli. Kolar St. in Kantor 103,18 
Joar St. 64,94 Kolikunda St. 105 
Johann⸗Thomas St. 262“ Komba, Kombo Kr. 18 
Jonakunda ſ. Kower Kombo Fl. a 8 
Iſſini grande Fn. 655 Kommendo (groß) St. 376 
Iſſini Piquena Fn. 655 Kommendo Rheede 376 
Iſſini Fl. 374 Korah St. 104 
Juda ſiehe Whidah 409 Korbi la How 654 


Kormantin Fort 377,404* 
Kotrow ſ. Koetroe 


Kouſſar H. a: 
Kower St. 97133 
Krow 68 
Kuhaw Kr. 18 


Kumbo Könige. 156, 50g 
Kurbambey St. 5 
Kuſſane H. A, 
Kuſſone Untiefe 79 
Kutte jar 116* 
Lacus Guarde 128 
La⸗ho V. 393 St. 654 
Lami Dorf e 
Lancerotta J. 32, 154 
Lanzarotta ebend. 
Ledo V. 260 * 
Lemain 15, 66 
Lixa 1 
Loͤwengebirge ſiehe Sierra 

Leona f 
Lope Gonſalvo V. 491 
Lukkami H. 560 


Madre Bomba Fluß ſiehe 
Sherbero Fluß 365 
Maffa Fluß ſiehe Mavah 


las Magoas St. 260 
Maize V. 493 
Maka 296 


Malaghettakuͤſte ſiehe Koͤr⸗ 

nerkuͤſte 5 
Mamellaͤ Berge 157 
Manga Fluß 525 
Manjegar St. 39 
Manighettakuͤſte ſiehe Koͤr⸗ 
nerkuͤſte 


Manka Fluß 658 
Manſagar | 11 
Maſſah Eyland 623 
Maſſomakoadam 34 
Matlock⸗Tar, ein Huͤgel 74 
Mavah Fluß 598 
Maure, Mauri 377404 
Medina St. 68 
Melli 156 


Mefurado ſiehe Miſerado 

Mina, Fort, beſchrieben 398 

Miſerado V. 388 * 
f Mitomba 


Mitomba Fluß ſiehe Sierra 
Leona 
Mombar St. 
la Mometta 308 
Monow Kaiſerthum 612 
Monſerado ſiehe Miſerado 


37, 40 


Monte V. 366 * 
Nakkaway Hafen 69 
Nakkaway Hügel 79 
Nakkaway 101 
Maria Kr. 327 
Naſſau Fort 404 

Neamato St. 120 
Niffo Flecken 643 
Novaſia, Eyland 493 

G. 

Dranto 33 
Dratava . 383 
Painam Fluß 19 


de las Palmas V. 373 500 


Papau Kuͤſte N 486 
Paris ſiehe groß Seſtre 

Pasque, Fluß 334 
Pemark J. 492 
Pernambuk Rheede 492 


. oder Petiero ein > 

wien. ſiehe Rörnar 
kü 

ö Pieinini fiehe klein Seſtos 


Pikinini da- ho 394 
Plizoje See 


Pompetane St. 33 
Popo 546 
Port Dendalli 510 
a 493 
orto d Ale 

Portodale Fe . 
Porto Santo Inſel 

Portroyal 493 
Portudali ü 123 
Portugadi St. 162 


Preef ehemalige St. 66 
Prinzeneyland 424 
Prye H. 70 
Pudding Eyland 32 
Q. 
Quaquakuͤſte 436, 525, 654 
Duedam ſiehe Whidaw 409 
Quilliga Monu 597, 611 
Quoja Landſchaft 611 
Quuna Mora St. 597 
; R. 
Rafis ſiehe Rufiſco 
Refuſco ſiehe Rufiſco 
Rio Brevetto u 
Rio Cobra ſiehe Manga Fl. 
Rio Duro 604 


Rio Freſco ſiehe Rufiſco 
Rio das Gallinas Fl. 365,597 


Rio Gamboas 596 
Rio grande 160 
Rio Junco 369609 
Rio de Lagos 653 
Rio Maguiba 598 
Rio das Oſtras 4.12 
Rio del Punte ſ. Rio Junco 
Rio St. Andre 648 
Rio de St. Clemente 644 
Rio de St. Paulo 604 
Rio de St. Pedro 650 
Rio Sanguin 370 
Rio Sherbro 596 


Rio Seſtos oder Sextos 


369 632 * 
Rio de Sweiro da Coſta 648 
Rio Torro 597 
Rufiſco 151, 159 
Rothe Klippen 653 
Rumbo Hafen 115 
Rumpos Sp. 16 
Sabi St. 530 
Sabrebou 643 
Sabou Kr. 377 
Sahra 162 


Salo Landſchaft 65 
Sakonda 376 
Saku Kr. 658 
Salvages J. 499 
Salum Kr. 18 
Samatenda H. 79 
Sami Fluß 68 
St. Andrea J. 45 
St. Andrea Fl. 651 
St. Andreas St. 525 
St. Andreas F. 158 
St. Anna Bay Foz Fl. 12 
St. Anton F. 658 
St. Auguſtin V. 492 
St. Domingo 12, 89, 151 
St. Jacobsfort EN 
St Jago J. 


St. Johann in der Se 


Vorgebirge 424 
St. Johannsmarkt 38,40 
St. Ludwig J. 160 * 
St. Maria V. 124, 478 
St. Michael Berg 499 
St. Nicolas V. 493 
St. Thomas J. 378, 416 
Sanaga F l. 160 
Sandſee ſiehe weißes Vor⸗ 
gebirge ie 

Sangwin Flecken 642 
Sanjalli St. 120 
Sanjalli Fluß 64 
Sanjalli Kr. 15 
Sappoeylande 66 
Schelling V. 523 
Schuma 40⁰ 
Schweinſtaͤlle Klip. 493 
Seaka Sp. 63 
Seaka St. 90 
Senegal Fl. 160, 
Senegal Kr. ſ. edel f 
Serborakata Df. 262 
Serres ſ. Seterna 

Seſthos Fl. 479” 


Seſtos (groß) 372, 88 5 
ö os 


der Inſeln, Linder, Städte und anderer Oerter. 


Seſtos (klein) 391, 642 Tendakonda St. 76 
Seſtre ſ. Seſthos Tendalakunda 115 
Seſtro Krow Fun. 643 Tendebar 63 
Seterna Fn. 642 Teneriffa 498 
Setiko St. 387 Teufelsberg, ein Huͤgel 67 
Setra Krue St. 524 Teufelsbreite Fl. 63 
Scherbero 514 Eyl. 596 Teufelskuͤſte 55 
Sierra Leona Fl. 513 Vor⸗ Tinda | 9, 34 
gebirge 255, 258 Tindebar fiehe Tendebar 
Sierra de St. Apollonia 650 Tindobauge St. 32 
Silm | 597 Tinquam Sn. 262 
Simmetenda H. 76 Tobabokonda 38 
Sino Fn. 643 Tomani, Landſchaft 18 
Sino Fl. 392 Tomani St. 69 
Sombreroseylande 595 Tombey St. 259 
Sukkandi Fort 309 Tombokonda St. 37, 40 
Sutamor 100, 16 Tombut St. 128 
Suteko H. 69 Tomga 5 129 
Sutimor St. 69 Tota Eyl. 596 
A Tourakunda ſ. Kower 
Tabo Fn. 650 Traviſco Bay 32, 39 ſiehe 
Tabo Dune Fn. 650 Rufiſco 
Tabo Fl. 610 Tres puntas V. 375 
Tagaratha 399 Tuffo 550 
Tagaraim, Tagrin ſiehe Ledo ‘ r 
Vorgebirge Verga V. 258 
Tagrin ſ. Sierra Leona Fl. Vintain 92 Koͤnigr. 16 
Taho Fn. 650 Vintain Fl. 89,144 
Takoray 376 Uli Kr. 18 
Tamana Kr. 19 ſ. un Vogeleyland 65 
Taniani 143 Volta Fl. 528* 
Tankerovalley oder Tankro⸗ Uſchant Eyl. 495* 
wal St. 32, 39,93 W. 
Taqueshua Seehaf. 436,450 Wallia 116 
Taſſe Fn. 642 Wallock oder Wallatock ſ. 
Taſſo Eyl. 513 Wotow 


Wallroßinſel 6 
Wapo, Wappo, Wasp 
ein Fn. 371,392,643 

Weißes Vorgebirge 156 
Welleyland 493 
Wildpraͤtseylande 64 
Wimey Kr. 568 
Winiba 404 
Wotow, Wotoe Fn. 654 
Wuͤſte der Barbaren 162 
= = = $ybien 156 
Wulley Fl. 35 
Wulle⸗Wulley St. 33, 39 

&. 
Favier 502 ſ. Sabi 

N. 
Pabutenda H. 7 
Vamina 17, 119 
Namyamakunda St 69,18 
Nani 119 
Dani Kr. 16 
Nanimarew 116 
Nawrybay 522 
Pork Fl. 77 
Morfeyland " 514 

F. 


e ſiehe Elfenbein⸗ 
Zahra |. Wuͤſte Lybien 


Zamatenda 
Zitzen des gruͤnen W 
ges, Berge 157 


Allgem. Reiſebeſchr. II Band. 


Regiſter 


der in dieſem Bande vorkommenden Sachen. 


ale, ſehr fette 347 
Aberglauben, wunderl. 388,628 f. 
Abgoͤtterey wird verabſcheuet 139 

Adam und Eva ſollen ihre Bloͤße mit Bana⸗ 
nablaͤttern bedeckt haben 303 


Adler, deſſen giebt es an der Gambra vierer⸗ 


ley Arten 33¹ 
Advocaten in Sierra Leona ſonderbar geklei⸗ 
det 266 
Aerzte, unwiſſende 155 


Afamouchu, Koͤniginn von Guiomere, deren 
gute Eigenſchaften 445,656 
Affen und Baviane in großen Heerden 35, 256, 
264, 280, 320 fallen Menfihen an 57, 321 
bellen wie die Hunde 69 freffen gern Au⸗ 
ſtern 264 wie ſie gefangen werden ib. ſind 
ein gut Eſſen 256, 321 ihre Liſt 280, 320 
Affen einer Fauſt groß 453 
Affenbaum 294 
Africa, deſſen geographiſche Beschreibung 162 
deſſen vornehmſte Voͤlkerſchaften 163 
Agnus Dei, mit dem Grisgris der Schwar⸗ 
zen verglichen 242 
Aigrisſtein, wo er gefunden wird 454 die 
net anſtatt des Geldes 457 
Akra, daͤniſches Fort, von den Schwarzen uͤber⸗ 
fallen und eingenommen 406 wird den Daͤnen 
g 407 
Albreda, die franzoͤſiſche Factorey allda ge⸗ 
raͤth in Brand 89 
Alkaden haben große Gewalt 187 
Alligator wird beſchrieben 270 kaͤmpft mit 
einem Manne 271 ob er vom Krokodile un⸗ 
terſchieden 352 
Alte Weiber, eine Art Stockfiſch, beſchrie⸗ 
ben 272, 342 woher der Namen entſtan⸗ 


den 272 
Ameiſen, haͤufige 328 eine beſondere Art 120, 
273, 327 

Amel, ein Ehrentitel 162 


Anambu hat den Wind Palmwein in ganz 
Africa ö 377 


Anana, ſiehe Fichtenapfel. 

Andacht, laͤrmende 417 

Andreo, König, wo deſſen Stadt gelegen 388, 
607 wird vom Hauptmanne win be⸗ 
ſucht ib. beſchrieben 607 

Angebänge, ſiehe Gregory. 

Aniaba, Prinz von Ißini, wird nach Frank⸗ 
reich geſchickt 431 allda koͤniglich erzogen 
432 geht nach Ißini zurück ib. wie er 
ſich gegen den Ritter Damou bezeuget 438 
ſein Undank 444 iſt ein Betruͤger 444 fer⸗ 
nere Nachricht von ihm 447 

Antelope, ſiehe Geiß. 

Apollonia, das Vorgebirge deſſen Beſchreibung, 
375, 656 deſſen Einwohner Kleidung 652 
Speifen 657 

Arabek, ein barbaiſches Volk, handelt fuͤr Gold 

37, 40, 41, 46 

Arabiſche Sprache iſt die gemeinſte an der 
Gambra 222 

Ardrah, Stadt, der Handel daſelbſt wird un: 
terbrochen 502 ſie zerſtoͤhret 529, 537, 544 

Arguin, Inſel, hieſelbſt hatten ehemals die 
Portugieſen ein Handelsfort 156 was es 
fuͤr Einwohner hat ib. worinnen ihr Han⸗ 
del beſteht ib. wird durch die Hollaͤnder 
genommen ib. von den Franzoſen aber wie⸗ 
der entriſſen be 156 

Arkanier, Völker, beſchrieben 4219 bekrie⸗ 
gen und ſchlagen die Futtoer 419 

Arſe⸗ Hill, Arſchhuͤgel, Jungferbruſt, iſt vol⸗ 
ler Eiſenſteine 68 woher dieſer Huͤgel ſei⸗ 
nen Namen erhalten 5 ib. 

Arzneynuͤſſe 300 

Atkins, Johann, Reiſe nach Guinea, Braſi⸗ 
lien, und Weſtindien 474 beſuchet den Jo⸗ 
hann Conny 482 koͤmmt nach Cape Corſo 
484 erhaͤlt Nachricht von Seeraͤubern 
488 verfolget 489 und ſie nimmt ſie oh⸗ 
ne Verluſt 490 beſuchet den hollaͤndiſchen 
Generaldirector zu el Mina ib. verlaͤßt 

l F | Cape 


Regiſter der in dieſem Bande vorkommenden Sachen. 


Cape Corſe 491 koͤmmt nach Braſi⸗ 


lien 492 
Aufruhr, erregen die Sklaven oft auf den Schif⸗ 
fen 572 U. ff. 


Auftern, wachſen an gewiſſen Bäumen 299 
und Klippen am Strande 251, 254, 264 
werden von Affen gefreffen 264 ſehr große ib. 

Axim, das hollaͤndiſche Fort daſelbſt wird be⸗ 
ſchrieben 375 der Generalcontrolleur getoͤd⸗ 
tet 377 

Aygret, ſiehe Zwergreiher. 

Azoaghes Voͤlker 


Balafeu, Ballard, Balofso, ein muſikali⸗ 
ſches Inſtrument, klingt wie eine Orgel 202 
deſſen Beſchaffenheit und Einrichtung 203 
woraus es gemacht wird 70, 294 

Banale, Frucht 300 

Banana, Baum, deſſen verſchiedene Benen⸗ 
nung 300 iſt mancherley Art ib. wo er 

waͤchſt ib. liebet einen tiefen feuchten Bo⸗ 
den ib. ob er ein Schilf oder Baum iſt ib. 
feine Höhe zor wie er fortgepflanzt wird ib. 
deſſen Blaͤtter ib. Art wie er waͤchſt ib. 
Frucht, deren Geſtalt und Größe 302 und 
Eigenſchaften ib. wie viel davon waͤchſt ib. 


156, 160 


erneuert ſich ſelbſt 3o3 die Frucht nennen 


eitle Einbil⸗ 
303 


die Spanier Adamsapfel ib. 
dungen von derſelben 
Banponen, Volker e 93 
Barbados wird von derpeſt chr angeſteckt 427 
Barbaſinen, Voͤlker 162 
Barbe, ein Fiſch 348 
Baricudoe, ein Fiſch, wird beſchrieben 272 
Barrakonda wird für der Welt Ende gehal⸗ 
ten 20,72 
Barſalli oder Burſal, der Koͤnig davon hat 
eine ſehr freye Macht 174 wird ſehr geehret ib. 
von den Soldaten oft abgeſetzt ib. ſeine 
Sitten und Kleidung ib. einer iſt ſehr grau⸗ 
ſam ib. und deſpotiſch 175. ſein Regi⸗ 
ment ib. ſeine gewoͤhnliche Lebensart ib. 
fein Familienname 221 beſuchet mit feinen 
Brüdern die engliche Factorey zu Joar 95 


ihre Aufführung allda 95, 96, 97 wird 
vom Koͤnige von Demel beſchenkt 96 
Baviane, große, ſind den Frauensperſonen ge⸗ 
faͤhrlich 405 ſiehe auch Affen. 
Baum, auf einem ſind fuͤnfhundert Vogel⸗ 
neſter 274 auf einem andern tauſend Neſter 


639 Mannigfaltigkeit derſelben an der 
Gambra 285, 289 
Baumwollenbaum 290 deſſen Bluͤthe 
und Frucht . 2901 


Baumwollenzeug, ungemein ſchoͤnes 98 
Begraͤbniß, wunderbare, zu Cadix in Spa⸗ 
nien 88 in Futa 139 auf dem grünen 
Vorgebirge 152 eines alten Marbuten 44 
der Negern 199 der Quojaer 623 auf 
der Pfefferkuͤſte 636, 640 auf Sierra Le⸗ 


ona i 250 
Belli, Secte der Schwarzen, Nachricht da⸗ 
von 8 630 f. 
Benſe, oder Brent, Eyland, das engliſche Fort 
auf demſelben wird von den Franzoſen ero- 
bert 261 von dem Seeraͤuber Roberts ge⸗ 
nommen 512 
Beſchneidung der Schwarzen, Ceremonien 
derſelben 49, 238, 629 geſchiehet auch an 
Weibesperſonen 240, 631 
Beſchnittene der Schwarzen haben viele Frey⸗ 
heit 239 ihre beſondere Kleidung 240 
Betaͤubender Fiſch, ſiehe Krampffiſch. 
Bettler, koͤnigli he 169 
Betrug im Handel wird gerochen 101, 102 
eines Marbuten 217 
Beyſchlaf, wenn und warum ſich die Weiber 
der Schwarzen deſſelben enthalten 185, 198 
Bienen, haͤufige 328 eine wunderliche Bege⸗ 
benheit mit ihnen 443 
Bienenkoͤrbe, auf was für Art die Mandingoer 


ſolche anlegen 143, 328 
Billagohbaum 298 
Biſchaloebaum 294 
Biſſybaum 298 
Blaſer, ein Fiſch 338 


Blitzen, woher ſo furchtbares an der Gambra 
entſteht 285 
Qqq q 2 Blumen. 


Regiſter der in dieſem Bande 


Blumen, werden von den Schwarzen wenig 


geachtet 306 
Bogenſchuͤtzen, erfahrne 172 
Bohnen, giftige 250 
Bomba, ſiehe Capivard. 
Bondebaum 298 
Bondoubaum 299 
Boot, eines verſinkt durch ein Wallroß 106 


Boſſybaum 298 
Brak, alfo wird der König von oval genen: 
net 173 ſeine Kriegsmacht 221 
Braſilianiſche Schiffe find durch Sturm ine 
gluͤcklich 
Broek, Peter van den, deſſen Reiſe ru 
dem grünen Vorgebirge 150 geht unter Se⸗ 
gel ib. koͤmmt nach Porto d' Ale 151 haͤlt ſich 
daſelbſt auf ib. erobert ein reiches Schiff ib. 
Bruͤllender Teufel, ſiehe Ho ⸗ rey. 
Brukoe, engliſche Factorey fl 5 brennt ab 
105 wird wieder aufgebauet, auch wieder 
verlaffen 107 
Büffel in Guinea, beſchrieben 318 
 Dug:a- Bugs oder Buggabuggs, eine 
Art Ameiſen 273, 327 richten große Ver⸗ 
heerung an 120, 327 
Bukkor Sano, ein ſchwarzer Kaufmann zu 


Tinda 29 koͤmmt zu Jobſonen an Bord 36, 


45 giebt ſich den Namen und Titel von des 
weißen Mannes Alchade 37 wird von 
Jobſonen mit großer Cerimonie dazu beſtaͤti⸗ 
get 47 ſein Aufzug 45 

Bukſar, Stadt, beſteht aus fuͤnf Doͤrfern 237 
Bulm, der König dieſes Reiches iſt den Eng⸗ 
laͤndern geneigt 262 
Bumbrongs, Voͤlker 142 
Bumeß, iſt der Titel eines Fuͤrſten der Schwar⸗ 
zen 119 
Bumey Haman Seaka, des Koͤnigs von 
Barſalli Bruder, feine Perſon 175 Kleidung 
und Aufzug 176 iſt ſehr geſchickt ib. un⸗ 
gluͤcklich 176 
Bunda, eine Stadt, wenn und von wem ſolche 
angelegt und erbaut 128 erhaͤlt vortheilhaf⸗ 

te Vorrechte 129 
Bundeshenne, was das iſt 641 


4 


Bunning, Blume 306 

Burdah, des Königs von Tomani Aufn 
halt 

Burra, was der daſige Koͤnig jaͤhrlich für Ein 
Fünfte zieht 186 

Burre, Stadt 256, 259 wie folche gebaut 278 
des Koͤnigs Palaſt 279 Einwohner ib. Re⸗ 
ligion ib. Erdboden und Fruchtbarkeit 280 
Waaren und Handlung 280, 281 

Burrobaum 298 

Buſcherinen, ſiehe . 


5 Ladir in Spanien, hat ſchlechte Beſatzung 87 
überflüßige Früchte ib. ſonderbare Begrab⸗ 
niſſe ib. daſelbſt des Nachts auszugehen iſt 

gefährlich 88 

Calabaſchbaum, ſiehe Kuͤrbisbaum. 

Camelion, ein ſonderbares Thier 325 iſt zweyer⸗ 
ley Art 326 lebet von Fliegen ib. veraͤndert 
die Farbe ib. ſieht nach zween Orten zu⸗ 
gleich 22326 

Canarienvoͤgel, häufige - 499 

Cap Corſe Caſtell, ein Hauptfort der Eng⸗ 
laͤnder 484 des Statthalters daſelbſt Ge⸗ 
ſchichte 486 

Capivard, ein Thier bey dem gruͤnen Vorge⸗ 


birge 320 
Carfunkel, ein wunderbares Thier 254 
Carmeſinblume e eee 
Cavalloe, ein Fiſch, beſchrieben 27 


Champaniz, ſiehe wilder Mann. 
Chriſten werden für Goͤtzendiener gehalten 139 
ob die ſchwarzen Portugieſen Chriſten zu 
nennen ſind 149 
Chriſtus, was die Schwarzen für Meynung 
von ihm haben 234 
Citronenbaum 207 
Compliment, artiges 555 
Conny, Johann, ein ſchwarzer Kabeſchir an 
dem Vorgebirge der dreyen Spitzen 481 ihm 
wird von den Preußen das ſogenannte bran⸗ 
denburger Fort, auf der Kuͤſte von Guinea, 
uͤbergeben 526 nennt es Connys Schloß ib. 
geraͤth deswegen mit den Hollaͤndern in 
Streit 


vorkommenden Sachen. 


Streit 482 wird von den Engländern be⸗ 
ſucht ib. ſein Haus beſchrieben ib. ſeine Ab⸗ 
kunft 483 iſt gegen die Engländer hoͤflich ib. 
ehret die Verſtorbenen ib. uͤbet Juſtiz ib. 
treibt Handel ib. wird aus ſeinem Schloſſe 
geſchlagen und entflieht 526 

Cormorants, was für Vögel es find 332 

Creoliſche Sprache 148, 222 lernen die Eng⸗ 
laͤnder leicht 

Cubalosvöͤgel 64 werden beſchrieben 334 
ihre Geſchicklichkeit —9 385 

Cummerbus, Jacharias, ein Mulatte und 
Herr der Stadt Jamaica 514, 518 bewirthet 
Herr Smithen 514 wird als Abgeſandter 
an den Koͤnig von Sherbero von demſelben 
geſchickt 519 

€: SR D. 

Dahomey, Roͤnig von, 0 die Stadt 
Ardrah 529, 544 greift Whidah an, und zer⸗ 
ſtoͤhrt Sabi 529,545 beſitzt große Reichthuͤ⸗ 
mer 533 ſuchet die Handlung in Aufnehmen 
zu bringen 534, 556 liebet die Weißen ib. 
erweiſet ſich gütig gegen den gefangenen eng⸗ 
liſchen Factor Bulfinch Lambe ib. und einen 
Portugieſen 535 iſt ein Freund von kleinen 
Hunden ib. will einen Papierdrachen und 
andere Spielwerke haben 536 verlangt eine 
weiße Liebſte ib. iſt ein ſtaatskluger Herr 545 
ladet Hauptmann Snelgraven ins Lager ein 


547 ertheilet Audienz 550 ſeine Pracht und 


Kleidung ib. wird ſehr verehret ib. laßt ſei⸗ 
nem Fetiſche viele Menſthen opfern ib. und 
warum 552 wird von den J⸗ os angefallen, 
und beſiegt fie durch eine Kriegsliſt 54 iſt 
hoͤflich 5ö5 gegen Whidah aufgebracht 555 
beklaget ſich uͤber Lambe ib. beſtimmt einen 
Preis der Sklaven 557 liebet Gerechtigkeit ib. 
feine Perſon wird beſchrieben 58 imgleichen 
feine regulirten Volker ib. ſchicket feinen 
großen Hauptmann nach Jaquin, die Sachen 
in beßre Ordnung zu bringen 560 ſpielet eine 
feine Kriegsliſt 555 begeht zweene große 
Staatsfehler 506 beſtraft Teſteſoles Unbe⸗ 


148 


dachtſamkeit auf eine grauſame Art ib. macht 
Friede mit den J⸗ os 567 zieht gegen die 
Nahus aus 568 dampft eine Empoͤrung wi⸗ 
der ihn zu Jaquin 569 iſt gegen die Euro⸗ 
paͤer ſehr verändert 570 
Damel wird der Koͤnig von Kayor betitelt 173 
ſein Palaſt wird beſchrieben 214 wird ab⸗ 
und wieder eingeſetzt 218 auf was Weiſe er 
eine Kriegesmacht auf die Beine bringt 220 
Davis, ein Seeraͤuber, wird beſchrieben 578, 
581 nimmt Jamesfort mit Liſt ein 25 bit⸗ 
tet fuͤr Snelgraven 582 wird meuchelmoͤr⸗ 
deriſcher Weiſe hingerichtet 5 592 
Demel an der Sanaga, dieſer Koͤnig beſchenkt 
den Koͤnig von Barſalli mit einem großen 
Kameele 9 
Demoiſelle von Numidien, was das fuͤr 


ein Vogel 333 
Diabolas, eine Frucht 300 
Diebe, verſchmitzte 164 


Diebſtahl, auf was fuͤr Art die Schwarzen ſol⸗ 


chen entdecken 117 
Dombok, Baum 299 
Dongah, Baum 299 


Donner und Blitzen, als eine Vorbedeutung 
von Kriege und Unruhen im Lande angeſe⸗ 


hen 107 
Dorf von zweyhundert perſonen eines einzigen 
Mannes 183, 195 
Dornbaum 294 


Dreſcher ein Fiſch, wird beſchrieben 424 ſtrei⸗ 


tet mit dem Grampus 424 
Durchfall, Mittel dawider 297 
Duybaum 299 

E. 
Ebenholzbaum 


294 
Eber an der Gambra beſchriehen 318 722 


mit einem Loͤwen 
Ecouffes, ein Raubvogel, deſſen baus, 
wird beſchrieben . 
Ehebruch wie er bey den Iſſineſen behrasc 
wird 460 bey den Quojaern 627 
Daag3 Eid, 


Regiſter der in dieſem Bande 


Eid aberglaͤubiſche 469 beym Fetiſch gethan, 
wird heilig gehalten 468 wie ſie auf der Gold⸗ 
kuͤſte gethan werden 5 418 

Eiſen gluͤhendes, Probe der Unſchuld 171 

Elephant, wird beſchrieben 313 ziehen in großen 
Heerden 35, 80,318,667 hegt große Feindſchaft 
gegen den Loͤwen 137 hat viel Feinde unter 
den wilden Thieren 315 thun großen Scha⸗ 
den 316 ſind ſchwer zu toͤdten ib. und faſt 
mit Kugeln und Aexten nicht zu beſchaͤdi⸗ 
gen 317 

Elfenbein, wo das beſte in ganz Guinea an⸗ 
zutreffen 266,667 

. deren Eintheilung und Groͤße 


37 7 548 wovon fie den Namen bekomen 649, 


374 ein Stuͤck Landes wird von dem guten, 
das andere aber von dem boͤſen Volke be⸗ 
wohnet 649 die gute Nation iſt unter den 
Quaquaſchwarzen bekannt 649 ſie heißt 
auch die Kuͤſte der ſechs Streifen ib. die 
Handlung allda wird mit großer Vorſicht 
getrieben ib. ihre Dörfer und Hafen ib. 
wie das Erdreich beſchaffen, und was es fuͤr 
Gewaͤchſe bringt 659 hat viel und wohlfeil 
Vieh ib. Einwohner ſ. Quaquaſchwarzen. 
Empfindlicher Baum 298 
Empfindliche Pflanze, deren beſondere Ei⸗ 
genſchaft 3138 
Englaͤnder, was ſie bewogen, auf die Entde⸗ 
ckung des Goldhandels auszugehen 28 ihnen 


wird Land von dem Könige am Fluſſe Finde 


übergeben 47 werden erſchreckt 51 brechen 
ihre Factorey zu Fatatenda ab 102, 115 ſu⸗ 
chen den Gummihandel an der Gambra an⸗ 
zulegen und feſtzuſetzen 108, 118, 144 f. ſol⸗ 
len nicht mit den ſchwarzen Portugieſen han⸗ 
deln 108 dargegen Moore Vorſtellung thut 
110 leiden großen Schaden durch 8 
bruͤnſte 
Engliſche Handlung nach den öfriesiiigen 
Kuͤſten, deren Urſprung und Fortgang 1 u. ff. 
Ente von beſonderer Art 69, 76 
Eſel kaͤmpft mit einem Löwen 308 viele find 
an der Gambra und Sanaga anzutreffen 323 


Eſieps, Voͤlcker, werden durch die Iſſineſen 
aus Aſſini vertrieben s 455 
Execution in Iſſini, wie und von wem ſie ver⸗ 
richtet wird 474 wie bey den Quojaern 627 
Eydechſe warnet einen in der Gefahr vor den 
Schlangen 151 werden für Seelen vom Va⸗ 
ter oder Mutter gehalten 233 mit goldgel⸗ 
ben Köpfen go eine außerordentliche 325 


$. 


Factoreyen der Europäer, wie ſie in Sicherheit 
geſetzt werden koͤnnen 146 
Falke 33¹ 
Familienſklaven der Mandingoer werden 
wohl gehalten 183 ihre Vorrechte 184 
Fantin, des Koͤnigs davon, Soldaten fallen 
in Sabou ein 8 377 
Sargoten, was es für Volker find 161 
Faſten, wie die Quojaer ſolche bey ihren Leichen 
anſtellen 624 
Fatatenda, warum die dafige engliſche Facto⸗ 
rey abgebrochen wird 102, 115 


Fatiſch, Fetiſch iſt vielerley 418, 420, 421, 


467,510, 641 was das Wort Fetiſch bedeu⸗ 
tet 510 ihnen ſind gewiſſe Tage geheiliget 
467 Altaͤre ib. ihnen wird geopfert 418, 
468, 641 einer wird verſpottet und 
zerſtoͤret ib. Eide bey demſelben wer⸗ 
den heilig gehalten ib. heißt ein Eid 420 Goͤtze 
oder Schutzheilige 418 Zaubermittel 420 
Fatiſchman einer ruͤhmet ſich der Gewalt 
die See zu befänftigen, den Tod wegzuzau⸗ 


bern ꝛc. 421 
Feigenbaum wilder 296 
Felſen mit Auſtern bedeckt 74 
Felſenrebhuͤhner 78 
Ferbro, erſter Staatsbedienter des Koͤnigs von 

Barſalli, deſſen Verrichtung 175 
7 Ferran ein Ehrentitel an der Gambra 33 
Fetiſch, ſiehe Fatiſch. 
Feuersbrunſt, öftere entſtehen zu Jaquin sh 
Kichtenapfel oder Anana 303 
Fida ſiehe Whidah 
Fiedelleute ſ. Juddies 


Sinch, 


vorkommenden un 


Finch, Wilhelm, ein engliſcher Kaufmann, 
beſchreibt das Land Sierra Leona 249 
Siſch ſeltſame 614 f. fliegender 88 
Fiſcher ein Vogel ſ. Cubalosvogel 
Fiſcherey wie auf der Gambra beſchaffen 207 
Fiſcherfalke, ein Raubvogel 337 
Fledermaus ſo groß als eine Taube, wird ge⸗ 
geſſen 336 ſaͤuget feine Jungen mit Milch ib. 


Fliegen, eine beſondere Art davon 100 
Fliegender Fiſch 88 
Fliegende Scorpionen 454 


Fliegender Strauß, was fuͤr ein Vogel 331 
Fluͤps, ein Volk, bringt uͤberfluͤßig Lebensmit⸗ 
tel nach Vintain | 92 
Flußpferd, wird nur allein in Africa ange⸗ 
troffen 353 deſſen Groͤße und Gliedmaßen 
353 deſſen Haut halt einen Muſketenſchuß aus 
354 iſt gefahrlich, wenn es angegriffen worden 
ib. fürchtet ſich vor dem Feuer 355 lebet 
meiſt auf dem Ufer ib. deſſen Futter und 
Jungen ib. wird angebethet, und doch ge 


geſſen ib. iſt dem Schlage unterworfen 356 
blaft Waſſer aus ib. feine Geſtalt ib. 
Foleyer, ein gutes Volk 68 
ib. 


Folgias, Volker 612 find zinsbar 

Fonia, Foigni, Kaiſer davon beſucht den eng⸗ 
liſchen Statthalter zu Jamesfort 91 fein 
An⸗ und Aufzug ib. 

Forts, deren Nothwendigkeit wird durch die 
Geſchichte bewieſen 5 

Franzoſen verlangen das Monopolium von 
dem Gummihandel an der Sanaga 118, 145 
ſind leicht im Verſprechen 445 bauen ein 
Fort zu Iſſini 441 verlaſſen es wieder 447 
begehen Verraͤtherey 563 ihnen werden 15 
wuͤrfe gemacht 


Sen iſt den Schiffleuten geſihr⸗ 


lich 75 
Frevelthat boshafte 


Sriedrichsburg ein daͤniſches Fort auf 1 5 


Kuͤſte von Guinea, wird beſchrieben 526 
Froſch beſondere an der Gambra 328 
Fulier. Völker laͤngſt an der Gambra, was fie in 

n beſitzen 163 ihre Geſtalt und Tracht 


177 Lebensart ib. handeln mit Milch und 
Butter ib. werden von den Mandingoern 
gedruͤckt ib. ihre Sprache 178 Wörter; 
buch derſelben 222 haben keine beſtaͤndige 
Wohnungen 178 wie ihre Regierungsform 
beſchaffen iſt ib. find fleißig ib. ihre Guͤ⸗ 
ter ib. ihr Charakter ib. ſind tapfer ib. 
ihre Waffen 179 Religion ib. treiben gu⸗ 
te Viehzucht 177,179, 324 ihre Haͤuſer und 

Städte 179 ſind gute Jaͤger 180 ihr König 
heißt der Geiratif 323 

Futa, Königreich, deſſen geographiſche Seftberi 
bung 128 derer Einwohner Haushaltung und 
Arbeit 136 handeln mit Elephantenzaͤhnen 
137 tauchen ihre Pfeile in ſtarkes Gift ib. 

eſſen das Fleiſch derer mit vergifteten Pfei⸗ 
len getoͤdteten Thiere id. wie ſie ſich ver⸗ 
heirathen 138 ihre eheliche Auffuͤhrung ib. 
Beſchneidung und Taufe ib. Begraͤbniß 139 
Religion ib. haben einen Abſcheu, vor den 
Bildern ib. 
Futtu, deſſen König wird vertrieben 403 


Gaͤnſe eine beſondere Art 69 wilde, ſind 
von den europaͤiſchen ſehr unterſchieden 332 
Gambra, Nachricht von dieſem Fluſſe 7, 14, 
123 wenn derſelbe den Englandern bekannt 
geworden 28 deſſen verfihiedene Namen 39 
Beſchreibung ib. Canal 39 zu welcher Zeit 
des Jahres auf ihm hinauf zu fahren ib. 
wie er uͤber Barrakonda beſchaffen 40 ob er fuͤr 
den Niger oder Nil zu halten 12, 82 tritt 
aus 112, 113 Witterung an derſelben 282 
Ueberſchwemmung derſelben, woher fie entſte⸗ 
het 283 Krankheiten an derſelben 284 hat 
ungeſunde Luft ib. wie der Boden und 
Fruchtbarkeit an derſelben beſchaffen 285 
Baume und Fruͤchte 289 Wurzeln und Pflan⸗ 
zen 300 wilde und zahme Thiere 306 Ey⸗ 
dexen, Inſecten ze. 324 Vogel 330 Fiſche 337 
Gambragold, deffen Beſchaffenheit 142 
Gambrahandel f. Handlung auf der 

Gainbra 
Garkuͤche, eine nerkwürdige der Negern 417 
Gedaͤcht⸗ 


7 


Regiſter der in dieſem Bande 


Gedochtniß⸗ außerordentliches 135 
Geiße oder Antelopen beſchrieben 319 
Gelber Menſch 480 


Gelübde wird bey den Schwarzen hochge⸗ 
halten ö 241 
Gemälde, außerordentlicher Widerwille gegen 


ſelbige 135/139 
Gemalte Schwarzen werden für Menſchen⸗ 
freffer gehalten 394 
Geſchenke fegen Könige ein und ab 171 
Gewohnheiten ſchlimme 182 
Geyer ſ. Ecouffes 
Ghelolabaum, 295 


Goͤtzendiener, dafür werden alle Chriſten in 
Futa gehalten 139 ſolche ſind die alten Ein⸗ 
wohner des gruͤnen Vorgebirges 152 

Gola ſ. Rola | 

Gold großer Vorrath davon sg wie es von den 
Schwarzen verfaͤlſcht wird 668 

Boldadern auf der Gambra, warum deren 

Entdeckung zu verhehlen 53, 54 wie die Boote 
beſchaffen dazu ſeyn ſollen 54, 55 Kennzeichen, 
wie der Ort zu finden ib. wo ſich die Gold⸗ 
ader anfaͤngt 56 was fuͤr Materialien zum 
Arbeiten noͤthig 57 Verſuche 57 

Goldkuͤſte, deren Einwohner fallen eine engli⸗ 
ſche Brigantine an, und ermorden das meiſte 
Schiffsvolk 91 

Goldreicher Sand 58 

Golfogeſtraͤuche f. Se ee 

Goree, Inſel, derſelben Beſchaffenheit 158 Zu⸗ 
ſtand 159 

Gottesdienſt, zweymal im Jahre gehalten 90 

Grampus Fiſch, beſchrieben 424 ſtreitet mit 
dem Dreſcher ib. 

Grande Fluß, wie die Untiefe daſelbſt zu ver⸗ 

meiden 478 

Gras uͤbergroßes 7¹ 

Grauſamkeit gegen Ueberwundene 152 gegen 
einen Unbedachtſamen 566 teufliſche 481 


Gregory, Gregories, Grisgris, was dar⸗ 


unter verſtanden wird 210, 241 denſelben 
wird große Kraft zugeſchrieben 241 darauf 
großes Vertrauen geſetzt 220, 221 wie ſie 


getragen werden 242 ein bloßes Kunſtſtuͤck 

der Prieſter ib. mit den roͤmiſehen Agnus 
Dei verglichen ib. als ein Arzneymittel 

aberglaͤubiſch gebraucht 182 
Gregorymacher 2056 
Grisgris ſ Gregory 
Großmuth eines Loͤwen 309f. 
Gruß, wie er zu Schiffe gegen ein Fort, und ge⸗ 
gen andere Schiffe geſchiehet 501 auf dem 
Vorgebirge Lope Gonſalvo iſt ſonderbar 491 


auf Sierra Leona 276 der Seſtroſchwar⸗ 


zen 0 636 
Gruͤnes Vorgebirge, wird beſchrieben 157, 
360 deſſen Handels waaren 151 die daſigen 
Portugieſen ſind Banditen 152 ſeine alten 
Einwohner ib. warum ſie den Teufel an⸗ 
bethen ib. ſind grauſam gegen ihre beſieg⸗ 
ten Feinde ib. halten ihre Weiber ſkla⸗ 
viſch ib. ihre Begraͤbniſſe ib. ſind Hel⸗ 
den im Brandteweinſaufen 153 was es da fuͤr 
Guͤter giebt 158 
Guana eine Art von Eyberen 324 wird be⸗ 
ſchrieben 325 
Guavabaum deſſen Bluͤthen und Früchte 5 


Gubbins, was alſo genennet wird 388 
Guinea, deſſen Name und Abtheilung 595 
Guineiſcher Pfeffer waͤchſt wild 252 


Guirioten, heißen auch Juddies, Muſikanten 
der Schwarzen 172 ſind große Schmeichler 


203 werden von Koͤnigen und vornehmen 


Herren beſoldet ib. 


trauten Umgang mit dem Teufel Ho⸗ re 
haben ib. 
Gummi Anima ſoll das Gummi von dem 
Kurbaribaum ſeyn 295 
Gummibaum beſchrieben 144 haͤufige 256 
Gummidragon, deſſen Baum beſchrieben, 
und wie die Gummi herauskoͤmmt 145 ſol⸗ 


che findet man zu Brukoe 118 iſt in großem 


Werthe 108 das Holz vom Baume iſt gut 
zu brauchen 70 
Gummi⸗ 


ihre abgeſchmackten zo⸗ 
beserhebungen werden gut belohnt 204 ſie 
werden fuͤr unehrlich gehalten, und ihnen 
das Begraͤbniß verſagt ib. ſollen einen ver⸗ 


vorkommenden Sachen 


Gummihandel verſuchen die Englaͤnder an 
der Gambra anzulegen und feſt zu ſetzen 108, 
118, 144 thun deswegen Verſprechungen 145 

was für Vortheile daraus zu ziehen 145 da⸗ 
von wollen die Franzoſen das Monopolium 


an der Sanaga haben 118, 145 
Gummiwälder, wo fie Be 119, 144 
Sahavogel 
Summe iſt ſtark, gefraͤßig und geſahr. 

lich 341, 660 


Handel, ohne Reden 41 wunderlicher zu Nak⸗ 
kaway 101 
Handlung auf der Gambra, engliſche, wird 
durch Schaluppen ausgerichet 140 Entwurf, 
wie ſolche zu verbeſſern 108,141 
Handlung auf der Gambra, franzoͤſiſche, iſt zu 
Albreda betraͤchtlich 147 wird durch die Eng⸗ 
laͤnder gehindert ib. 
Sandlung auf der Gambra, portugieſiſche, iſt 
ziemlich ſtark 147 
Handlung wird von Weibern beſorgt 159 
SHanfbaum 296 


Haus , vieꝛeckichte Haͤuſeꝛ 274 mit Golde gedeckt 45 


Haye, ſiehe Seehund. 

Heirathen der Negern 193 eine angenehme 
Art zu heirathen 404 der Seſtroſchwarzen 
636 auf Sierra Leona 265 

Henne, wird dem Fetiſch auf eine beſondere 


Art geopfert 641 
Herzhaftigkeit, große 135 
Heuler, was alſo genennet wird 320 


Heuſchrecken, großer Schwarm 62, 63 ver⸗ 
urſachen große Hungersnoth 151, 327 wer⸗ 
den von den Schwarzen gegeſſen 327 

Heuſchreckenbaum 292 

Hinrichtung, ſiehe Execution. 

Hippopotamus, fi ſiehe Flußpferd. 

Hirnſchaͤdel der Hollander, damit wird ein 
Weg gepflaſtert 1 526 

Hirſche in großer Menge 319 wie fie gefangen 
werden 319 

Hire, wie er geſaͤet wird 216, 305 

Hochzeit, laͤcherliche 

Allgem. Keiſebeſchr. II Band. 


Hoͤrnerfiſch, ſiehe Seeochſe. 
Hollaͤnder, feige 372 halten ihre Factore in 
Furcht 397 greifen das Fort zu Ißini an 
442 ſind uͤbermuͤthig 400 begehen Verra⸗ 
therey gegen die Englaͤnder 363 
Soquella, Baum 299 
Ho rey oder bruͤllender Teufel 50 ibm wird 
geopfert 50, 5E 
4 Hoval, deſſen Koͤnig heißt der Brak 173 
ſein Charakter ib. 
e Ziegen, was darunter zu pe 


ins haͤßliche 324 wilder, ſiehe Jakal. f 
Hungersnoth, von Heuſchrecken verurſacht 151 


Jaaſah, was es fuͤr ein Baum iſt 299 auf deſſen 
Aeſten ſind haͤufig Auſtern 299 
Jaͤger, gute 180, 208 


Jain, iſt der Titel des Koͤnigs der Sereres 162 


Jakal, ein grauſames Thier, deſſen Geſtalt zur 
wird des Loͤwen Jaͤgermeiſter genannt 31 


Jalofer oder Jolloifer an der Gambra 162 


werden nach ihren Perſonen beſchrieben 163 
u. f. wie ſie von den Mandingoern unter⸗ 
ſchieden 164 ihre Laſter ib. ſind große Be⸗ 
truͤger ib. ſie verkaufen einander 165 ein 
Sohn verkauft ſeinen Vater ib. ſind der 
Zauberey ergeben 166 große Trunkenbolde 
ib. ſehr unwiſſend ib. gaſtfrey und ſehr arm 
ib. haben verſchiedene Regierungsformen 
ib. Pahlreiche ib. eines iſt erblich 167 
ihre Koͤnige haben eine ſehr unumſchraͤnkte Ge⸗ 
walt ib. ſind hochmuͤthig ib. man nahet ſich 
ihnen mit großer Demuth ib. ihre Kleidung 
168 worinnen ihr Reichthum beſteht ib. 
geben mit großem Staate Audienz ib. laſſen 
niemand ohne Geſchenke vor ib. ſind unver⸗ 
ſchaͤmte und uͤberlaͤſtige Bettler 169 fuͤhren 
ſich ſehr niedertraͤchtig auf ib. der Adel und die 
Staatsbediente 170 buͤrgerliche Obtigkeiten ib. 
beobachten eine große Billigkeit 171 wie ſie 
die buͤrgerlichen Verbrechen beſtrafen ib. die 
Könige laſſen fich beſtechen 171 wie ihre Kriegs⸗ 
macht aufgebracht wird 172 brauchen keine 

NRrr ur Marke⸗ 


Regiſter der in dieſem Bande 


Marketender im Felde ib. wie ihre Reuterey 
und das Fußvolk beſchaffen 172 halten keine 
Kriegszucht 173 ihre Manufacturen 211 
Woͤrterregiſter ihrer Sprache 222 bemaͤch⸗ 
tigen ſich einiger einzelnen Kauffahrer 115 
Jallo, ſiehe Job ben Solomon. 
Jamesfort, deſſen Beſchreibung 21 wenn es 
erbauet worden 22 wird von den Franzoſen be⸗ 
lagert und auf Bedingung uͤbergeben 23 und 
geſprengt 24 zweymal von den Seeraͤubern 
eingenommen 25 deſſen gegenwaͤrtiger Zu⸗ 
ſtand 25 
Janimarew, ein Hafen, wird beſchrieben 65,99 
zu was Ende er von der engliſchen Compagnie 
auserſehen worden 65 was daſelbſt merk⸗ 
wuͤrdig iſt 65 
Jaquin, der Statthalter daſelbſt aerbif 
ſich dem Könige von Dahome 546 ſchlechter 
Zuſtand allda wegen des Handels 560 da⸗ 
ſelbſt entſtehen viele Feuersbruͤnſte 567 wird 
zerſtoͤrt 559 
Jemarrow, deſſen Kaiſer wird abgeſetzt 105 
e eee ſiehe Kurbaribaum. 


Jereſa, Stadt, treibt arb Handel mit 
Wachſe 93 
Jernotte oder wilder Maiz 306 
gnama, ein Kraut, wie es waͤchſt 304 
Indigo, wie er waͤchſt 291 


Inſecten, dergleichen trifft man vue. an 
der Gambra an | 327 

Interlopers find kuͤhn 396 thun der hei 
ſchen Handlung Schaden 

J0o, der König dieſes Landes falle in ebe 
ein 554 wird durch eine Kriegsliſt beſiegt ib. 

Joar, Stadt 94 die engliſche Factorey daſelbſt 
wird vom Koͤnige von Barſalli beſucht 95 
beftchlen 96, 97 von ihrem Factor verlaſſen 
97 gaͤnzlich aufgehoben 61 wegen eines Krie⸗ 
ges verlaſſen 120 

Job ben Solomon, ein muhammedaniſcher 
Prieſter von Bunda, nahe bey der Gambra, 
deſſen merkwuͤrdige Gefangenſchaft und Be⸗ 
freyung 127 deſſen Familienname iſt Jallo 
128 heirat het 129 wird abgeſchickt, Sklaven 


zu verkaufen ib. ſelbſt zum Sklaven gemacht, 
verkauft und nach Marieneyland gefuͤhrt 130 
hinüber nach England geſchickt 131 findet 
Mitleiden ib. wird durch eine Unterzeichnung 
frey gemacht ib. erhaͤlt viele Geſchenke 132 
kehret nach Africa zuruͤck 118, 132 trifft die⸗ 
jenigen an, die ihn verkauft haben 133 ſchi⸗ 
cket nach Bunda ib. redet ſehr wohl von den 
Englaͤndern ib. u. f. bekoͤmmt Zeitung von 
Hauſe 134 reiſet von Joar ab ib. ſeine Per⸗ 
fon iſt ſchoͤn 130,134 feine großen Gaben und 
ſeine Faͤhigkeit 134 ſein außer ordentliches Ge⸗ 
daͤchtniß 135 feine Gemuͤthsart u. Herzhaftig⸗ 
keit 135 tödter zweene Loͤwen 135 hat einen Wi⸗ 
derwillen gegen die Gemalde ib. feine Reli⸗ 
gion 135 u. f. Gelehrſamkeit und Reutfelig- 
keit 136 
Jobſon, Richard, deſſen Reife zur Entde⸗ 
ckung des Fluſſes Gambra und des Goldhan⸗ 
dels in Tombuto 27 geht nach Tinda 29, 34 
dieſer Entdeckung widerſetzen ſich einige von 
ſeiner Geſellſchaft 30 koͤmmt nach der Gam⸗ 
bra 32 wird von dem Alkadi zu Kaſſan wohl 
aufgenommen 33, 38 genießt von dem Fe⸗ 
rambra Guͤtigkeit 34 langet zu Barrakonda 
an ib. wird durch eine Untiefe aufgehalten 
36 handelt mit Bukkor Sano 36, 45 und 
macht ihn mit vielen Cerimonien zum Alcha⸗ 
de oder Factore 47 bekoͤmmt Nachricht vom 
Goldhandel 37 verlaͤßt den St. Johanns⸗ 
markt, und ſetzet feine Reife fort 38 ſegelt 
wieder nach England 39 ſeine Entdeckungen 
werden unterſucht 40 macht Hoffnung zu ei⸗ 
nem guten Handel an der Gambra 4 be 
ſucht einen alten Marbuten 44 wartet dem 
Koͤnige am Fluſſe Tinda auf 47 ihm wird Land 
fuͤr die Englander geſchenkt ib. tanzet unter 
den Schwarzen zu Batto 49 entdecket die 
Betruͤgerey mit dem Horey 51 begeht 
Einfalt a 
Johnſon, engliſ. Factor, deſſen Geſchichte 5 
Jolloifer, fiebe Jalofer. 
Jonkos, find Mandingoer Kaufleute, ſiehe 


Wandingoer. | 
c Ißineſen, 


vorkommenden Sachen. 


f fen, oder Einwohner von Ißini, ihre 
Bildung und Geſtalt 458 Kleidung und Putz 
© 459 Charakter ib. find Diebe und Betrüger 

vom Könige bis zum geringſten Sklaven ib. 
kriegeriſch 463 ihre Waffen, Staͤrke, und Art 
zu fechten 464 Trummeln und Trompeten ib. 
der Weibsbilder Perſon und Gemuͤthsbeſchaf⸗ 
fenheit 460 Kleidung 461 Heirathsceremo⸗ 
nien 460 was ſie mit den neugebohrnen Kin⸗ 
dern vornehmen 461 ihre Speiſen 460, 461 f. 
Getraͤnke 462 Bauart 463 Hausrath ib. 
was ſie fuͤr Krankheiten unterworfen 464 ihre 
Arzneymittel dawider 465 Begraͤbnißceremo⸗ 
nien ib. Religion 466 Beyſpiel ihres Ge⸗ 
beths 467 ihre Eide 468 die Art, wie ſie ihren 
Hohenprieſter oder Offnon erwaͤhlen 469 
glauben eine Seelenwanderung ib. 
Jin Fluß, beſchrieben 449 hat eine Reihe 
von Klippen ib. einen en Lauf ib. Teich 
und Inſel 449 
ini, deſſen König verſtattet den Franzoſen ein 
Fort zu bauen 437, 441 giebt Audienz 438, 
440 deſſen Saal u. Thron 439 ſeine Perſon ib. 
der Putz feiner Weiber ib. fein Palaſt 470 Leib⸗ 
wache und Bedienung ib. vergraͤbt ſein 
Gold ib. iſt geizig 471 treibt Handel ib. 
worinnen ſeine Einkuͤnfte beſtehen ib. ſein 
Unterhalt ib. wie weit ſich ſeine Gewalt er⸗ 
ſtrecket 472 wie die Thronfolge beſchaffen ib. 
ſeine Kaboſchiren oder Oberſten haben große 
Vorrechte ib. wie ſolche gemacht werden ib. 
ſeine Policey und Juſtiz lang 
ini, Königreich, deſſen Graͤnzen 448 Luft und 
Witterung ib. die Schoͤnheit des Landes wird 
beſchrieben ib. wie viel es Flecken hat 450 
Boden und Fruͤchte ib. wilde Thiere 452 
Vieh ib. Affen 453 Voͤgel ib. Huͤhnervieh ib. 
Fiſche ib. Schildkroͤten 454 Schlangen ib. 
Eydexen ib. Gewuͤrme und Inſecten ib. flie- 
gende Scorpionen ib. Bienen ib. W es 
veraͤnderungen allda 
Juddies, was es für eine Art Leute 37 5 ehe au 
Guirioten. 
e ſiehe Arſe⸗ ill. 


Jungfer von Numidien, ein Vogel 333 
Jungferſchaft E 1 


Kaboſchire in Ißini wie ſie gemacht 5 
den 5 

Kaͤſebaum, deſſen Beſchreibung 205 fine 
Rinde und Holz ib. Bluͤthen und Frucht 295 

Kaeybaum 298 

Kahone, dieſes Landes König wird vom Bu⸗ 


mey Haman Seaka bekriegt 120 
Kahowerbaum 294 
Raifervogel 332 
Kakatenfrucht 299 


Kalabaſch ſiehe Nürbisbaum 
Kameel, großes, ſchenkt der König von Demel 
dem Koͤnige von Barſalli 96 
Kaminaſchwarzen find die beſten Solda⸗ 
ten 221 
Kammvogel, deſſen Beſchreibung 331 
Kapez, alte Einwohner von Sierra Leona, wo 
ſie herſtammen 258 werden von den Kumbas 
Manez uͤberfallen 259 ſind dem Koͤnige von 
Quoja unterwuͤrfſig 259 
Karower, ein Volk 611 vereinigen fi ſich mit 
den Folgias 616 erobern das Vorgebirge 
Monte 617 
Kaſſan, (groß) Stadt, beſchrieben 33 des Koͤ⸗ 
nigs Palaſt 214 der König wird abgeſetzt 43 
iſt ein großer Zauberer 169 
Kaſſavi oder Kaſſadorwurzel, deren ausge⸗ 
preßter Saft iſt ein ſtarker Gft 137 
Katteba, dieſes Landes Koͤnig beſuchet die eng⸗ 
liſche Factorey zu Kuttejar 67 
Kapyor, dieſes Reich iſt erblich 167 der Koͤ⸗ 
nig wird Damel genannt ib. 173 iſt ein ſtar⸗ 
ker Brandteweinfaufer 174 
Katzenfiſch, wird beſchrieben 272 
Kent, Grafſchaft, wird fuͤr einen Theil von 


Penſilvanien gehalten 130 
Kirſchen, wilde 297 
5 Klageweiber der Ißineſen 465 


Kliſtir zu ſetzen eine außerordentliche Art 640 


Kocherey der Seeraͤuber 580 
Rönigliche Bettler 169, 186 
Rrir 2 Rörner: 


Regiſter der in dieſem Bande 


Roͤrnerkuͤſte, wird beſchrieben 371 was ſie für 
Guͤter und Waaren fuͤhret 372 hat ſchlechte 
Luft ib. ihre Einwohner ſind wohlgeſtaltet, und 
reden franzoͤſiſch 373 f. auch Pfefferkuͤſte 

Kogu, Inſel, das hieſige engliſche Fort wird 
von den Schwarzen zerſtoͤrt 261 

Rola, eine Frucht 252 f. wird hoch gehalten ib. 
deren Beſchaffenheit und Wirkungen 253 
woher ſie koͤmmt ib. macht das Waſſer 


ſchmackhaft 122 
Rolshbaum 299 
Rolikunda, eine Heine Stadt, fo wegen ihrer 
artigen Maͤgdchen bekannt 105 
Rollilu, ein Kraut 304 


Kompas, machen eine Art von Republik aus 
457 ihr Land 458 ihre Kleidung ib. Waaren ib. 
Kormantin, das hollaͤndiſche Fort allda hat 
mit dem Könige von Fantin Haͤndel 377 
Kor morants ſiehe Cormorants 
Korn, guineiſches oder indianiſches, deffen ver⸗ 
ſchiedene Namen 305 iſt zweyerley Art ib. 
wie es geſaet und eingeerndtet wird 305 
Korosbruͤhe, was es iſt, und wie es gemacht 
wird 42 
Rower, eine Stadt, beſchrieben 97 wie fie 
eingetheilt wird i 98 
Krabben, ſiehe Tourlouroux. 
Krampffiſch, ſein Name und ſeine Geſtalt 343 
deſſen ſeltſame Wirkung 42, 343 und Mittel 
dawider 42 wenn ſeine betaͤubende Eigen⸗ 
ſchaft am ſtaͤrkſten 345 außerordentliche Na⸗ 
tur deſſelben und andere Eigenſchaften 346 
ſind verſchieden in ihren Arten und Eigen⸗ 
ſchaften 347 einer wird gefangen 113 
Krankheiten an der Gambra 284 
Kreuz, deſſen Geſtalt in der Bananafrucht 302 
eitle Einbildungen davon 2 
Kriegsliſt, feine 
Kriegsrath, geheimer, des Königs von as 
iſt merkwuͤrdig 187 
Krokodil, feine Geſtalt und Gliedmaßen 350 
feine Haut halt einen Musketen ſchuß aus ib. 
man braucht ſie zu Helmen ib. iſt ſchnell 
und wachſam, ſich ſeines Raubes zu bemaͤch⸗ 


Langadi, eine Art von Krokodile 


tigen ib. ſeine Groͤße 351 die Negern fechten 
mit ihnen ib. iſt leicht zu zaͤhmen 352 wie 
er ſich fortpflanzt ib, viele und große in der 
Gambra 35, 42, 57 vor folchen fürchten ſich 
die Schwarzen 35, 42, 351 haben einen ſtar⸗ 
ken Muskusgeruch 43, 58, 352 ſind gefaͤhr⸗ 
lich 111, 351 einer führt einen Sklaven weg 
100 andere Arten von Krokodil 352 

Kronvoͤgel 64,336 thun in den Reißfeldern 
großen Schaden 336 

Kropfgans, ſiehe Pelican. 

Rubalos ſiehe Cubalos 

Ruͤrbisbaum, wie die Schalen von der Frucht 
zugerichtet werden 292 Gebrauch der Blät- 
ter ib. und der Saamkerne rg 

Kuh, wird von einem Wolfe getoͤdtet 106 wilde 
Kuͤhe 318 

Kumbas Manez, alte Einwohner von Si⸗ 


erra Leona, deren Urſprung 258 überfallen 


die Kapez 259 ſi nd dem Koͤnige von Quoja 
unter wuͤrfig 259 
Kurbaribaum beſchrieben 294 deſſen Bluͤ⸗ 
then und Fruͤchte 295 Steine und Koͤrner ib. 
deſſen Gummi wird fuͤr den Gummi Anima on 
nommen 295 
Kuskus, Kuſchkuſch, das beſte Eſſen der 
Schwarzen, wie es gemacht wird 192, 305 
Kuttejar wird beſchrieben 116 die engliſche 
Factorey daſelbſt wird nach Sami verlegt 116 


La⸗ ho, Vorgebirge, deſſen Einwohner find, 
furchtſam 27 393 
Lambe (Bulfinch) engtif. Factor zu Ardrah, 
wird gefangen 529, 544 ſchreibt an den eng⸗ 
liſchen Statthalter zu Whidah 533 feine Liſt 556 

Lamia, ſiehe Schwerdtfiſch. 
Land, auf was für Art die Schwarzen ſetches 
übergeben 47, 438 
352 
Latinierbaum, deſſen Blatter und Frucht 290 
Laudanum, ungluͤcklicher Zufall davon 95 
Legaen, eine Art von Krokodile 352 
Legartos oder Alligator, wird mit dem 
Krokodile verwechſelt b 352 
Leichen⸗ 


vorkommenden Sachen. 


je eines alten Marbuten 44 
ſiehe auch Begraͤbniß. 
Leopard, iſt grauſem und geſchwind 312 ein 


Todtfeind der Hunde ib. 
Limebaum 297 
Limonienbaum 297 


Lippen dicke, ob bey den Mandingoern und 
Fluͤps natürlich 182 
rohe, von unnatuͤrlicher Groͤße 41 
Lift ſonderbare der Schwarzen, die Guͤter der 
„Weißen zu beſtehlen 502 wie man ſolches 
vermeiden kann ib. Lift der Affen 280, 320 
Löͤwe, deſſen Beſchreibung 306 feine Neigun⸗ 
gen 307 kaͤmpft mit einem Eſel 308 fuͤrch⸗ 
tet ſich vor Weibsbildern und vor Schlangen 
ib. wie er geſtohlen und gezaͤhmet wird 309 

iſt guͤtig und großmuͤthig ib. wird von 
einem Ziegenbock beſiegt 310 ſtreitet mit ei⸗ 
nem Eber ib. wie man ſie faͤngt ib. ſeine 
Haut hat eine merkwuͤrdige Eigenſchaft ib. 
zweene toͤdtet Job ben Solomon 135 einer 
wird von einem Elephauten umgebracht 137 
traurige Begebenheit mit einem zahmen 307 
Long Ben, des Seeraͤubers Avery Spott⸗ 
name 394, 407 
Lolla, was es iſt 273 
Lope Gonſalvo, Vorgebirge und deſſen Ein⸗ 
wohner werden beſchrieben 491 ihre Art zu 
gruͤßen ib. Kleidung 492 haben einen Haupt⸗ 
mann oder Koͤnig ib. 
Doyer, ein Jacobitermoͤnch, deſſen kurze Nach⸗ 
richt von einer Seefahrt nach Iſſ ini auf der 
Goldkuͤſte ꝛc. 430 wird zu einer Mißion nach 
Guinea erleſen 432 verlaͤßt Frankreich ib. 
geräth durch Sturm in Gefahr 433 ent⸗ 
rinnt einem Seeraͤuber ib. beſucht den 
Statthalter zu Santa Cruz 434 landet in 
Iffini 436 koͤmmt in Gefahr 437 geht 
nach Hofe 438 leidet Schiffbruch und wird 
krank 445 reiſet zu Lande nach Corogne 446 
begiebt ſich wieder auf ein Schiff ib. ſol⸗ 
ches wird genommen, und Loyer entrinnt ans 
ufer ib. erhalt Zeitung von feinem Gehuͤlfen 
ib. verſpottet die Verehrung der Fetiſche 468 


6 2 


Luft, warum ſie an der Gambra ungeſund iſt 284 
Lugar, was es bedeutet 273 


M. 


Maͤckler zu Kower hintergeht einen engliſchen 
Schiffshauptmann 94 
Maͤgdchen, eines wird von einem Es 
verſchlungen e 
Maͤnner biethen ihre Weiber andern an 35 
Major, ein engliſcher Schiffshauptmann, wird 
getoͤdtet 98 Nachricht von deſſen Tode 99 
le Maire, deſſen Reiſe nach den Canarienin⸗ 
ſeln, dem gruͤnen Vorgebirge, der Sanaga, 
und Gambra 153 er geht unter Segel 154 
koͤmmt nach Breſt ib. wird beynahe zuruͤck⸗ 
gelaſſen ib. koͤmmt an das Vorgebirge Can⸗ 
tin ib. was er fuͤr Begebenheiten in den ca⸗ 
nariſchen Inſeln gehabt 155 langt zu Goree 
an 158 reiſet zu Lande nach der Sanaga 159 
koͤmmt nach Bieurt ib. reiſet nach Goree 
zuruͤck 161 
Maiz, Nachricht davon 305 
Malayen werden beſchrieben J58 
Malaghettakuͤſte fiche Pfefferkuͤſte 
Malley ſiehe Wallroſſe 


Mamobaum 299 
Manati ſiehe Seekuh | 
Mandansnzabaum 298 


Mandingoer, ob fie urſpruͤngliche Einwohner 
von Africa 163 ſind die zahlreichſte Voͤlker⸗ 
ſchaft an der Gambra 180 ihre Sprache ib. 
ihr Bezeigen gegen die Fremden 180 ihre 
Neigungen ib. Waffen 181 Charakter ib. 
Lebensart ib. Ergoͤtzlichkeiten ib. find 
ſtarke Tobackraucher ib. mas fie für Be⸗ 
griffe von der Ehre haben 182 ihre Art zu 
gruͤßen ib. Geſichtsbildung ib. Gebraͤu⸗ 
che bey den neugebohrnen Kindern 183 was 
fuͤr Krankheiten ſie unterworfen, und worin⸗ 
nen ihre Arzeney beſteht ib. womit ihre 
Weiber handeln ib. ihre Familien⸗ oder 
Hausſklaven werden nicht verkauft ib. find 

unter drey Kaiſer getheilt 184 haben ver⸗ 
ſchiedene Manſas oder kleine Koͤnige ib. ihre 
Rrrr 3 Thron⸗ 


Regiſter der in dieſem Bande 


Thronfolge ib. der Adel unter ihnen hat vier 
Stufen 184 bildet ſich viel ein ib. Kleidung 
des Koͤnigs und ſeiner Weiber ib. wie ſie 
von ihren Unterthanen begruͤßt werden 185 
wie ſie die Englaͤnder bey den Audienzen 
empfangen ib. was durch die Herren der 
Laͤndereyen zu verſtehen 186 wie ihr Reich⸗ 
thum zu rechnen ib. ſtehlen Menſchen ib. 

die Maͤnner haben eine geheime Sprache 222 
Woͤrterbuch der mandingoiſchen Sprache 230 
beſchneiden auch die Weibsperſonen 240 ſind 
dem Aberglauben ſehr ergeben ib. ihre Ein⸗ 
bildung von einer Mondfinſterniß ib. ihre 

Kaufleute werden Jonkos genennet 142 wor⸗ 
innen ihr Handel beſteht 143 find Feinde 
des Volks von Futa 129 und werden von 


dem Koͤnige von Futa bekriegt 130 
Mangelaerbaum 299 
Mangroves, hohe 63 f. 299 
Manillas, was es iſt Pan 


Manjokawurzel 304 
Marbuten find ſowohl Prieſter als Kaufleute 
31,34 wie ſie von dem uͤbrigen Volke unter⸗ 
ſchieden 244 ihr Charakter ib. ihre große Maͤ⸗ 
ßigkeit und Enthaltung 245 Aufrichtigkeit 
und Treue ib. werden in großen Ehren 
gehalten 246 halten Schule ib. verferti⸗ 
gen die Grisgris 247 ſind herumziehende 
Lehrer ib. große Handelsleute ib. ver⸗ 
ſchlingen alles Gold im Lande ib. ihre 
Spitzfindigkeit 248 wie fie reifen ib. ein 
alter geſellet ſich zu den Englaͤndern 37 ei⸗ 
nes Leichenbegaͤngniß 44 
des Marchais, Ritter, ein großer Seefahrer, 
deſſen Fahrt nach Guinea und den anlie⸗ 
genden Eylanden 494 ſegelt ab 496 zeich⸗ 
net zwo Ausſichten von Porto Santo 
498 wird von dem Könige Hauptmann 
Peter zu Meſurado guͤtig empfangen 500 
bekoͤmmt von dem Statthalter zu Cape Cor⸗ 
fe ein Geſchenk 501 verläßt Whidaw 503 
beſſert fein Schiff aus 504 fegelt nach Cayen⸗ 

ne in America ib. 


WMarybuck ſiehe Marbut 


Maſſey, Major, deſſen Geſchichte 26 Note 
Meer, will einer befanftigen 421 demſelben 


wird auf eine beſondere Weiſe geopfert 663 
Meerkatzen verwuͤſten viel 264, 320 blau 
und roth 118 
Meerſchwein, heißt auch Seemoͤnch 338 
Meerwunder 6¹4 
Menſch, ein gelber 480 
Menſchen werden geſtohlen und zu Sklaven 
verkauft 186 ſeltſame 640 
Menſchenfreſſer 258,394,650 
Menſchenopfer 549, 640 Ceremonie dabey 
551 werden gegeſſen 553, 623, 640 
Millebaum 298 
Mina, hollaͤndiſcher General daccbſt hat große 
Gewalt uͤber die Verbrecher ſeiner Nation, 
als auch uͤber die benachbarten Schwar⸗ 
zen 396 
Miſerado, meſurado, Vorgebirge, deſſen 
Beſchreibung 388,603 woher der Name ent⸗ 
ſtanden 603 dieſes Koͤnigreichs Groͤße, Bo⸗ 
den und Früchte 605 der Einwohner Cha⸗ 
rakter 367, 368,605 ihre Kleidung 606 
Waffen ib. Doͤrfer ib. ihres Koͤnigs 
Stadt wird beſchrieben 607 ihre Religion 
608 ihr Handel i N 
Misherybaum 296 
Mörder, lacherliche Art ſolche zu entdecken 629 


Mondfinſter niß, wunderliche Einbildung da⸗ 


von 240 
Monte, Vorgebirge, woher es den Namen bekom⸗ 
men 365 wird beſchrieben 366, 598 deſſen Bo⸗ 
den und Fruͤchte 599 Einwohner ib. Kleidung 
und Haͤuſer 600 Kocherey 601 Handel und 

Waaren ib. Sprache 602 Religion ib. 
Montes claros, was dadurch verſtanden 
wird 
Moore, Franz, Factor der koͤniglichen afri⸗ 
caniſchen Compagnie, deſſen Reiſe in die in⸗ 
landifchen Theile von Africa 84 nach der 
Gambra 87 koͤmmt nach Cadix ib. Ja⸗ 
mesfort 88 Jillifrey 89 wird beynahe ver⸗ 
ſchlagen 90 wartet dem Generale zu Vin⸗ 
tain auf 92 reiſet auf der Gambra in Ge 
we. 


260 


vorkommenden Sachen. 


ſchaͤfften der . 94 ihm wird von 
des Königs von Barſalli Bruder übel be 
net 95 bemaͤchtiget ſich eines Die 
wird von den Jolloifern zu Joar — 
98 ſetzet feine Reiſe fort 99 wird von einem 
Mumbo Jumbo beſucht 100 von den Ein⸗ 
wohnern zu Nakkaway bewillkommet 
vom Könige von Tomani beſucht 103 vom 
abgeſetzten Kaiſer von Jemarrow bey ſeiner 
Ankunft zu Korah eingeladen 105 erhalt 
traurige Nachricht von der Factorey zu Bru⸗ 
koe ib. findet einen ungeheuren Scorpion 
107 erhalt Verhaltungsbefehle vom Statt⸗ 
halter zu Jamesfort 108 wird Oberfactor 
zu Pamyamakunda 112 thut eine Handels⸗ 
reiſe 115 leget einen Streit bey 116 uͤber⸗ 
nimmt die Aufſicht uͤber die Factorey zu 
Joar 118 iſt wegen eines Krieges beſorgt 
119,120 erhalt freundliche Bothſchaft vom 
Bumey Haman Seaka 120 verlaßt der Ge⸗ 
ſellſchaft Dienſte 121 ſeine Lebensart in Afri⸗ 
ca ib. ſeine mancherley Lebensmittel, Er⸗ 
quickungen und fein Hausgerathe 122 findet 
einen Fuß von einem Champanize 123 ver⸗ 
laͤßt die Gambra 124 koͤmmt in England an 
ib. antwortet auf Hauptmann Stibbſens 
Urſachen oder Einwuͤrfe, warum die Gam⸗ 
bra nicht fuͤr den Niger zu halten, mit einer 
Gegenantwort 82 
Mordthaten find nicht ſelten i in Cadir 88 
Moren und Negern werden mit einander vergli⸗ 


chen 160 ſind große Roßtaͤuſcher 323 
Moriſche Taͤnzer 477 
Muůcken find unzaͤhlig und beſchwerlich an der 

Gambra 63,64, 94,327f. 
Muͤßiggang, barinnen werden die Negern auf⸗ 

erzogen 198 
Mulatten, deren end 370 


Mullets, africaniſche beſchrieben 347 wie fie ſich 
von den americaniſchen unterſcheiden ib. wie 
ſie gefangen werden 348 wozu ſie nuͤtzen ib. 

Mumbo Jumbo, ein Kunſtſtuͤck der Schwar⸗ 
zen, ihre Weiber in Furcht zu halten 100 iſt 

mit dem Ho⸗ rey von gleicher Art 243 ein 


Pr ; 


101 


xe Beyßpiel von ſeiner großen 5 
walt 
6 Muſcus, wie man eicher von der Zibethlatze 
bekommt 322 
Mufeusgernch und Geſchmack an Waſſer 35, 
43 und Fiſchen 43 
Muſcuskatze ſiehe Ziberbfage 
Muſikaliſches Inſtrument, beſonderes 464 
allerley muſikaliſche Inſtrumente der Schwar⸗ 
zen 201 
Muſikanten der Negern, ſiehe Guirioten 
Muſquitos, ſiehe Muͤcken 
Naniple, eine Frucht 299 
Naſe platte, ob fie natuͤrlich bey den Mandin⸗ 
goern und Fluͤps 182, 108 
Naturgeſchichte der Länder an der Gam⸗ 
bra 281 ff. 
MNaukonybaum 299 
Negern, warum ſie ſchwarz ſind 187 Tracht 
der Maͤnner 189 Kleidung der Weiber 190 
ihre Ordnung im Eſſen 191 Getraͤnke ib. 
ihre Art zu eſſen 192 wie ihr Mittagsmahl 
aufgetragen wird ib. brauchen kein Brodt 
193 ihre Heirathsform ib. die Maͤgdchen 
heirathen ſehr jung 194 worinnen die Mor⸗ 
gengabe oder Geſchenke beſtehen ib. halten 
die Jungferſchaft in Ehren ib. wie viel 
ihnen Weiber zu nehmen erlaubt 9 welche 
die vornehmſte iſt ib. beſtrafen den Ehebruch 
mit Sklaverey 196 biethen ihre Weiber an⸗ 
dern ſelbſt an ib. ſolche lieben die Weißen 
ſehr ib. die Weiber verrichten alle Arbeit 
ib. leben in großer Dienſtbarkeit 197 find 
fruchtbar und gebahren leicht ib. wie fie 
ihre Kinder benennen ib. woher ihre plat⸗ 
ten Naſen kommen 198 lieben ihre Kinder 
ib. ſolche werden im Muͤßiggange auferzo⸗ 
gen ib. die Maͤgdchen find ſehr willfaͤhrig 
ib. warum ſich die Weiber nach der Nieder⸗ 
kunft des Beyſchlafs enthalten ib. ihre 
Begraͤbnißceremonien 199 find große Lieb⸗ 
haber der Muſik 201 ihre muſikaliſchen In⸗ 
ſtrumente 


Regiſter der in dieſem Bande 


ſtrumente 201 u. f. ihre Muſikanten ſind den 
irlaͤndiſchen Harfenſchlaͤgern gleich 203 wer⸗ 
den von den Koͤnigen und vornehmen Herren 
beſoldet ib. ſind große Schmeichler ib. und 
werden deswegen gut belohnt 204 aber auch 
für unehrlich gehalten, und ihnen das Begraͤb⸗ 
mi verſagt ib. die Negern, beſonders die Wei⸗ 
ber, lieben das Tanzen 205 ihre Folgars oder 
Baͤlle ib. ihre Art im Ringen 206 vers 
ſtehen das Fiſchen ib. ihr Fiſcherzeug ib. 
wie ſie die Fiſche duͤrren ib. ihre Fiſcher⸗ 
kaͤhne ib. und Arten zu fiſchen 207 ſind gute 
Jaͤger 208 haben keinen Gefallen an Blu⸗ 
men 306 wie ſie die Elephanten erlegen 208 
haben ſehr wenig Handwerke unter ſich ib. 
brauchen die Matten an flott der Münze 
212 halten beſondere Maͤrkte ib. leben in 
Dörfern oder Flecken ib. Beſchaffenheit 
ihrer Gebaͤude 213 Hausgeraͤthe und Betten 
215 treiben alle Ackerbau vom Hoͤchſten bis 
zum Geringſten 216 ihre Saͤe⸗ und Pflanz⸗ 
zeit ib. verſchiedene Art zu pfluͤgen und 
Inſtrumente dazu 217 gerathen durch Be⸗ 
trug eines Marbuten in Hungersnoth ib. 
ihre Waffen 218 Armeen 219 wie ſie auf⸗ 
gebracht werden 220 ſind ohne Kriegszucht 
220 machen die Gefangenen zu Sklaven 
221 ihre Sprachen ib. ſind Muhammedaner 
233 glauben an einen Gott 234 ihre Mey⸗ 
nung von Chriſto 234 glauben eine Vorher⸗ 
beſtimmung ib. haben weder Kirchen noch 
ſonſt geheiligte Plaͤtze 234 ihr Gebeth, Got⸗ 
tesdienſt und aͤußerliche Andacht 235 wo 
und wie der Koͤnig und die Vornehmen ihren 
Gottesdienſt verrichten 234 f. warum ſie ge⸗ 
meiniglich bethen 236 ihr Ramadhan oder 
große Faſten wird genau beobachtet ib. wie 
ſie ihre Oſtern feyern 237 wenn ſie ihre Kna⸗ 
ben beſchneiden 238 haben eine gewoͤhnliche 
Zeit dazu ib. Ceremonie derſelben ib. beſchnei⸗ 
den auch Weibsperſonen 240 find abergläu: 
biſch 241 haben ihre Prieſter oder Marbu⸗ 
ten 244 imgleichen Schulen fuͤr die Kinder 


246 ihre Art zu rechnen 363 ſind un⸗ 
flatig 427 


Negertanz, wird beſchrieben 


gn 
Neſſoge, eine Secte der Schwarzen, worin⸗ 


ſie beſtehet 631 
Meugierigkeit der Weiber iſt groß 50 
Nonnenvogel, 332 
Nonpetas, eine Frucht 300 
Nordlichter 5 rr 


O. 
Ochſenſauger / ein Vogel iſt dem Rindviehe ge⸗ 


faͤhrlich 334 
Onocrotalus ſiehe Pelican | 
Orangebaum 297 
Oſchins, Voͤlker, werden von den Iſſineſen 

vertrieben 455 


Oſtern der Schwarzen, wie es gefeyert wird 237 
Ounce, ein wildes Thier 312 wird fuͤr eine 
Art von Tyger gehalten 313 


| Bi 
Dalaftevierbaum 299 
Palmbaum, deſſen verſchiedene Arten 285 
wie die Negern hinaufklettern 289 
Palmoͤl, wie es gemacht wird 286 deſſen medi⸗ 


cinifche Kraft 287 
Palmwein, wie man ihn aus den Baͤumen 


zieht 288, 462 ſeine Wirkungen 288 
Pantouflier ſiehe Hammerfiſch 
Panzer, eine beſondere Art davon 243 
Pao de Sangrebaum 204 


Papagey an der Gambra iſt zweyerley Art 332 
Papaſchwarzen, welche ſo genannt wer⸗ 
den 409 
Paradieskòͤrner, was darunter zu verſtehẽ 647 
Patatas ſind dreyerley Art 304 ihre Frucht ib. 
Pecharis, Voͤlker 142 
Pelican, deſſen Beſchreibung 330 
Peſt, was man . in Acht zu nehmen vo 
Pfaffenſtückchen 
Pfau africaniſcher oder guineiſcher, heißt ma 
der Kaiſervogel, oder die numidiſche u. 
332 deſſen Beſchreibung 
Pfeffer, wie er waͤchſt 645 Größe und Farbe 
deſſelben 646 wenn man ihn ſammlet pr 
i 


altes Soden. 


if verſchiedener Art ib. wie er vermiſcht 
wird 373 
Pfefferkuͤſte, deren geographiſche Beſchreibung 
641 hat eine ungeſunde Luft 645 guten 
Boden und Früchte ib. ſiehe auch Koͤr⸗ 


nerkuͤſte. Abſchilderung der Einwohner 647 


ihre Koͤnige herrſchen unumſchraͤnkt ib. ihre 
Religion 648 und ihr Handel ib. 


Pferd, koftbares 219 um eines entſteht ein 


Streit 116 wie ſolche von den Moren wir 
tert werden 323 
Pfluͤgen, deſſen verſchiedene Art bey den 
Schwarzen 217 
Phillips, Thomas, Hauptmann, deſſen kurzge⸗ 


faßte Beſchreibung einer Reiſe laͤngſt der Kuͤſte 


von Guinea nach Whidaw, dem Eylande St. 
Thomas, und von da nach Barbadoes 379 
wird von den Franzoſen weggenommen ib. 
erhalt ein anderes Schiff 380 ſegelt ab ib. 
verlieret das Land aus dem Geſichte 381 
trifft ein franzoͤſiſches Privatſchiff an 383 
laßt ſich mit ihm ein 383 koͤmmt nach Porto 
Praya 385 beſuchet den Befehlshaber, ib. 
wird von dem Statthalter zu St. Jago 
ſchlecht bewirthet 386 durch einen Tornado 
erſchreckt 387 beſucht den Koͤnig Andreo 388 
trifft hollaͤndiſche Schiffe an 395 geht um 
das Fort Mina ſpazieren 398 tractiret die 
Factore zu Cape⸗Coaſt 401 wird beſchenkt 
404 beſuchet die Koͤniginn zu Winiba 404 
koͤmmt nach Akra 405 wird von dem ſchwar⸗ 
zen General bewirthet 406 ihm wird ein zah⸗ 
mer Tyger geſchenkt 408 ſolcher reißt ſich los 
424 und verurſacht Ungluͤck 428 er koͤmmt 
nach Whidaw 409 hat bey dem Könige Au⸗ 
dienz und wird bewirthet 411 machet ei⸗ 
nen Handelspreis aus 412 wird krank 
413 verabſcheuet die Grauſamkeit 414 ſpot⸗ 
tet ihren Fatiſch 418 nimmt Waffer ein 423 
verlaͤßt Whidaw 424 beſuchet den Statthal⸗ 
ter zu St. Thomas 425 ſegelt nach Barba⸗ 
dos ib. viele von ſeinen Leuten ſterben 426 
geht nach England 428 koͤmmt nach Scilly 
Allgem. Reiſebeſchr. III Band. 


ib. ihn befällt ein ungluͤcklicher Zuſtand ib. 
die Schiffe ſind in Gefahr ib. er laͤuft zu 
Spithead ein 429 verliert fein Gehör ib. 
braucht vergebens Huͤlfsmittel 429 
Pie Fiſche, wo fie haufig gefangen wer⸗ 


348 

— ein Fich 341 
Pintadovoͤgel, wie fie gefangen werden 335 
ſind zahm zu machen 336 
Pitto, ein Getraͤnk, wird beſchrieben 4u 


Dlantan, ob mit der Bananafrucht einerley 300 
Pluͤnderer werden gezuͤchtiget 584 


Polonbaum, ſiehe Kaͤſebaum. 


Portugieſen wollen allein auf der Kuͤſte von 
Guinea handeln 370 ſie uͤben große Gewalt 
uͤber die Schwarzen ib. die auf dem St. Tho⸗ 
maseylande find ſtarke Vergifter 416 die auf 
der Pfefferkuͤſte find ſehr machtig 638 

Portugieſen, ſchwarze, deren Urſprung 148 
ihre Sprache ib. warum ſie als Chriſten an⸗ 
geſehen ſeyn wollen ib. wollen keine Negern 
heißen ib. ſind alle Kaufleute ib. haben kei⸗ 
ne beſtaͤndige Wohnung ib. leben als Land⸗ 
ſtreicher ib. ihr Zuſtand ib. Haͤuſer 149 
Charakter ib. werden als Factore gebraucht 

ib. ihre Tapferkeit und Sitten 149 

Poſſenreißer, ſiehe Guirioten. 

Praͤdeſtination, ſ. Vorherbeſtimmung. 

Prinz, falſcher, ſiehe Aniaba. 

Privatkaufleute, denenſelben wird das Recht 


zu handeln zugeſtanden 117 
Purſelain 304 
Quabi Manower, Voͤlker 612 
Quamboerſchwarzen 405 
Quameybaum 298 


Quaquakuͤſte, woher der Name entſtanden, 
und was er bedeutet 436, 649 wie weit ſie ſich 
erſtrecket 654,525 ſiehe auch Elfenbeinkuͤſte. 

Quaquaſchwarzen, ihre Geſichtsbildung 651 

ihr Charakter ib. die Voͤllerey wird bey ib: 
nen beſtraft ib. werden als große Diebe ge⸗ 
ſcholten ib. fuͤr Menſchenfreſſer gehalten 662 
Sss s feilen 


Regiſter der in dieſem Bande 


feilen ihre Zaͤhne ſcharf, und haben lange Naͤ⸗ 
gel ib. ihre Kleidung und Putz bey Maͤnnern 
und Weibern ib. Krankheiten unter ihnen 663 
ihre Sprache ib. Gewerbe und Handthierung 
ſind erblich ib. halten ihre Koͤnige und Prie⸗ 
ſter fuͤr Zauberer ib. deren Handel unter ſich 
ſelbſt und mit Fremden 436, 664, 668 ha⸗ 
ben eine beſondere Art von Eidſchwuͤren ib. 
find ſchuͤchtern u. argwoͤhniſch 664, 665 fuͤrch⸗ 
ten ſich vor dem Feuergewehr 665 verferti⸗ 
gen ſchoͤne baumwollene Zeuge 666 treiben 
einen großen Salzhandel 667 imgleichen mit 
Elfenbein ib. ſollen Menſchenfreſſer ſeyn 436 
Quedaw, ſiehe Whidaw. 
Quequadores, eine Art kleiner Fiſche 340 
Quoſja, der Koͤnig davon hat gemeiniglich feinen 
Sitz bey dem Vorgebirge Monte 259, 615 
ihm ſind die Kapez und Kumbas unterwor⸗ 
fen ib. der Quojaer Charakter 620 Heira⸗ 
then ib. wie ſie ihren Kindern Namen ge⸗ 
ben ib. ihre Erbfolgen 621 Krankheiten ib. 
Feldbau ib. Fiſcherey und Jaͤgerey 622 
Staͤdte und Haͤuſer ib. Bruͤcken ib. Spra⸗ 
chen 623 wie ſie die Zeit abmeſſen ib. ihre Lei⸗ 
chenceremonien ib. opfern Menſchen ib. haben 
Leichenfaſten 624 ihr Koͤuig wird Dondagh 
genennt 625 herrſchet unumſchränkt ib. wie 
er feine Unterthanen fordern läßt und anhoͤ⸗ 
ret ib. wie fremde Geſandten aufgenommen 
werden, und wie der Koͤnig mit ihnen um⸗ 
geht 626 ſeine Juſtiz 627 ihre Religion 628 
Guoſas⸗Morrow eine große Art Baviane 321 


R. 


Ragout von Fiſchen 462 
Raupen, bäßliche 329 
Rebbübner niſten auf den 3 332,335 
Rechnen, wie die Negern zu rechnen pflegen 363 
Regen an der Gambra iſt etwas ſeltenes 92, 282 
Regierungsfor men bey den Schwarzen ſind 

verſchieden 166 
Rehe, wilde 405 


Reinigungshaͤuſer der Ißineſen, was da⸗ 


durch zu verſtehen 463 
Reinigungstrank der Miſſethaͤter 275 
Reinigungswaſſer 627 


Reiß, wie er geſaet wird 306 wie er waͤchſt 306 
Requiem, ſiehe Seehund. 


Bindvieh iſt wohlfeil an der Gambra 323 f. 
Reuter, vortreffliche 219 
Roßtaͤuſcher, große, find die Moren - 


Rothe Klippen 93 
Roth Waſſer, ſiehe Beiigungorran 


Sabi, die ein m Whidaw, wird be 


ſchrieben 530 zerſtoͤret 520, 545 
Sabo, deſſen Koͤnig treibt den Koͤnig von 


Futto aus feinem Lande 403, 419 zieht im 
Triumph ein 420 
Saͤufer, große, Beyſpiele davon 124,166 


Saku,der Koͤnig wird fuͤr einen großen Zauberer 
gehalten 663 wie er dem Meere opfert 663 
Salz handel, guter 34, 37) 41, 45,46, 116 
Sanagagummi wird meiſt von den Franzo⸗ 
ſen gekauft 118 
St. Andreaͤ/ ein Fluß wird beſchꝛieben 651 Aus⸗ 
fluß und Barre in demſelben ib. giebt den 
beſten Platz zu einem Fort ib. wie das Erd- 
reich und die Gewaͤchſe um dieſen Fluß be⸗ 
ſchaffen 652 Beſchreibung der Einwohner an 
demſelben ib. ihr Handel u. ihre Waaren 653 
Sanarabaum | 292 
San! it, eine Speife der Schwarzen 306 wie 


fie gemacht wird 192 
Santiks Voͤlker 488 
Saugerftſch wird beſchrieben 272, 340 
Schaden durch Ungewitter 92 


Schafe mit großen ſchweren Schwaͤnzen 324 
mit Haaren und Hoͤrnern 324 

Schaluppe, engliſche, warum fie von den 
Schwarzen angegriffen 117 und eine andere 
aufgehalten wird 117 

Scheyratik, oder der König v. Fuli, feine große 
Macht 161 Höflichkeit gegen die 2 ji 


Unterthanen 
Schi 


vorkommenden Sachen. 


Schiffshauptmann, wie er ſich gegen feine 
Leute aufführen fol 380 fie find oft Tyran⸗ 
nen 381 


Schildkröten, viele und ſehr große 157 gruͤe 


ne, ſiehe Seeſchildkröͤte. 

Schlange, gruͤne 93, 104 ungeheure 256, 
263, 329 verſchlingen Menſchen 454 eine 
befondere Art 545 wird goͤttlich verehret 
545 werden von den Loͤwen ſehr gefuͤrch⸗ 
tet 308 gegeſſen 829 

Schmauſer, ein großer N 181 

Schmiedehandwerk, iſt das vornehmſte un⸗ 
ter den Schwarzen 208 ihre Werkzeuge 
und Arbeit 209 

Schmuggler handlung, wie ſolche ur 
den 

Schoͤnheit, was in Africa dafuͤr wer 
wird 183,198 

Schreiben von Entdeckung der Goldadern auf 
einer Reiſe auf der Gambra 52 ſcheint eine 
Erdichtung zu ſeyn 52 f. 

Schreyeulen, werden fuͤr Hexen gehalten 335 

Schutzengel ſollen in Waldern wohnen 628 
werden geehret 628 

Schwarzen, ſiehe Negern. 

Schwarzen, gemalte, werden fuͤr Menſchen⸗ 


freſſer gehalten 394 
Schweineſtaͤlle, find Klippen 493 
Schwerdtfiſch 338, 342 


Scorpion, ungeheurer 108,329 fliegende 454 
Seegefträuche, wozu es nuͤtzet 477 warum 
es Golfogeſtraͤuche heißt, und was es an⸗ 
zeigt 493 
Seehahn, ein ſeltſamer Fisch 500, 614 
Seehund, iſt dreuſte 271, 338, 340 gefraͤß⸗ 
fig 272, 340 wie er ſich ſeines Raubes 
bemaͤchtiget 330 iſt leicht zu fangen ib. 
ſehr gefaͤhrlich ib. hat eine beſondere Staͤrke in 
ſeinem Schwanze 340 verſchlingt ein Maͤgd⸗ 
chen 94 
Seekuh, wie ſie gefangen wird 270, ar woher 
der Name koͤmmt a deren Fleiſch iſt vov⸗ 
mae 342 


* 


Seelenwanderung, ſolche glauben die Ißi⸗ 
neſen 469 

Seemoͤnch, alſo wird das Meerſchwein = 
nannt 

Seeochfe, oder Hoͤrnerfiſch, deſſen a 
liche Beſchreibung 659 

Seeopfer, wunderbare Begebenheit da⸗ 
mit 562 

Seeraͤuber, bevollmaͤchtigte 40² 

Seeraͤuber, liſtige Streiche derſelben 386 wie 
ihre Schiffe eingerichtet werden 578 ihre 
Officiersordnung ib. ſind grauſam 579, 
588 fuͤhren gotteslaͤſterliche Reden und 
Fluͤche 579 ihre Kocherey 580 Aus⸗ 
ſchweifungen 5881 Zank unter ihnen 582 
einer ſtirbt in Verzweiflung 586 werden 
wankend gemacht 587 nehmen viele Schif⸗ 
fe 589 Beyſpiel eines guͤtigen 591 ihnen 
wird durch einen Factor eine Schaluppe 55 
nommen 

Seeſchildkroͤte, hat ein vortreffliches glei 
348 wie es zugerichtet wird ib. warum 
man es nicht einſalzen kann ib. ihre Pat⸗ 
ten oder Finnen werden beſchrieben ib. ſie le⸗ 
gen viel Eyer, welche von der Sonne 
ausgebruͤtet werden ib. wie ſie gefangen 
werden 348 

Seetaufe, Cerimonie derſelben 360 

Seeteufel, ein Ungeheuer von Fiſche, wird aus⸗ 
fuͤhrlich beſchrieben 660 

Segensfprüche, ſiehe Grisgris. 

Seife, woraus ſie die Schwarzen machen 298 

Seifenbaum 206 

Semaura, ein grauſames wildes Volk 262 

Sereres, ihr Koͤnig wird Jain betitelt 5 
find Goͤtzendiener 

Seſthos, wie der Koͤnig dieſes Landes Aude 

giebt 479 feine altfraͤnkiſche Kleidung ib. 
fuͤhret ſich bettelmaͤnniſch auf ib. mit feinen 
Soͤhnen wird ein luſtiger Streich geſpielt 480 
hat einen beſondern Palaſt ib. ſeine Stadt 
634, 635 hat einen oͤffentlichen Fetiſch 634 
Nachricht von ſeinen Weibern 634 und Soͤh⸗ 

Ssss 2 N nen 


Regiſter der in dieſem Bande 


nen BER Einwohner, ſiehe Seſtroſchwar⸗ 


Seſthos, Stadt, ihre Bauart 
Seſtre, Seſtro, ſiehe Seſthos. 
Seſtroſchwarze, ihre Lebensart 635 Klei⸗ 
dung und Namen 636 ihre Art zu gruͤßen 
ib. ihre Heirathen ib. Leichenbegaͤngniſſe ib. 
Sprache 637 worinnen ihr Handel und 
ihre Waaren beſtehen 628 
Setiko, Stadt, iſt ein großer Handelsplatz 33,38 
Sherbero, der König allda hat mit dem 


634 


engliſchen Factore zu Porkeylande Haͤndel 


514 wird ausgepruͤgelt 515 gefangen 516 
entwiſcht ib. thut Friedensvorſchlaͤge 518 
leget die Regierung nieder 520 wie ein neu⸗ 
er gewaͤhlt wird 520 
Sierra Leona, Fluß, heißt au Mitomba, 
Bitomba und Tagrin 513 wo er entſpringt 
260 hat einen Hafen 257 viel Krokodile 
257, 270 iſt mit Mangroven bewachſen 
257, 270, 278 hat viel bewohnte Eylande 


257 in denſelben fallen verſchiedene kleine 
Fluͤſſe 262, 277 hat einen Ueberfluß an 
Fiſchen 255, 264, 272 


Sierra Leona, Vorgebirge, woher des Lan⸗ 
des Name 255, 258 deſſen Weite und Graͤn⸗ 
zen 255, 258 Himmelsluft 258, 278 hat 
verſchiedene Bayen 255 und Waſſerquellen 
255, 262 Lauf des Baches 262 dieſes 


Waſſers Wirkungen 263 hat eine anmuthige 


Gegend ib. woran es zu erkennen 478 wie 
das Land eingetheilet wird 255 iſt ſehr 
waldicht 272 Erdreich und Gewaͤchſe 255, 
263,273 ſeine Früchte 251, 255, 263,273 
ſteht voller Gummi- 256 und anderer Baͤu⸗ 
me 254 Viehzucht 255 wilde Thiere 256, 
263 Voͤgel 254, 264 Fiſche 254 deſſen Ein⸗ 
wohner 250, 256, 258, 265, 273 ihre Klei⸗ 
dung 250, 265 ihr Charakter 250, 265 
die Weiber und deren Verrichtung 274 Aufer⸗ 
ziehung und Sitten 265 Heirathen ib. 
Sprache ib. 257 Haͤuſer 250, 256, 274 
Staͤdte 274 Gerichtshoͤfe 225 Manu⸗ 


facturen 2655 Waffen 250, 256, 279 
Religion 250, 257, 276 Fetiſche, Grigri 
oder Goͤtzen 257, 268, 279 ihre Lebens⸗ 
art 250, 273 wie ſie ſich erluſtigen 275 
ihre Art zu gruͤßen 276 ſcheuen die Trun⸗ 
kenheit 257 pflanzen Tobak 251 die Art, 
auf die Palmbaͤume zu klettern ib. Waa⸗ 
ren und Handlung 254, 257, 266 ihr Koͤ⸗ 
nig 249 ihre Regierungsform 266 Verwal⸗ 
tung der Gerechtigkeit ib. 275 ihre Be⸗ 
graͤbniſſe 250 ihre Kleidung der Advocaten iſt 
ſonderbar ib. Einweihung der Raͤthe laͤ⸗ 
cherlich 267 wie ihr neuer Koͤnig bey der 
Wahl ausgerufen wird 267 deſſen Begraͤb⸗ 
niß ib. in der Rheede giebt es Privat⸗ 
kaufleute 268 deren Sitten und Hand⸗ 
lung. 2069 
88 Joſeph, deſſen Geſchichte 275 
Sklaven, wie viel ihrer jährlich aus Guinea 
geführet werden 571 wie man mit ihnen auf 
den Schiffen umgeht 996572 
Sklavenhandel wird vertheidigt 571 gemis⸗ 
braucht 142 
Smith, Wilhelm, deſſen Reife nach Guinea, 
504 Abſicht dieſer Reiſe 506 koͤmmt zu St. 
Jacobsfort an 507 beſuchet den Kaiſer von 
Fonia ib. findet bey der Abzeichnung Schwie⸗ 
rigkeiten 508 ihm begegnet ein luſtiger Vor⸗ 
fall mit den Negern ib. wird uͤberfallen ib. 
beſuchet den Koͤnig von Barra 509 wird 
freundlich aufgenommen ib. bemerket einen 
Irrthum wegen der Gambra ib. ſegelt nach 
Sierra Leona 510 reiſet von dem Benſeey⸗ 
lande ab 513 wird von einem Mulatten wohl 
bewirthet 514 von dem Koͤnige von Sher⸗ 
bero auf dem Porkeylande beſucht 514 pruͤ⸗ 
gelt ihn aus 515 geraͤth in Gefahr 517 ihm 
werden von dem Koͤnige von Sherbero Vor⸗ 
ſchlaͤge gethan 518 ſchicket eine Geſandtſchaft 
an ihn 519 ruͤcket die Factorey vom Norkey⸗ 
land nach Jamaica fort ib. wie er zu Ja⸗ 
maica empfangen worden 520 ankert an dem 
Plantaineylande 521 laͤuft neue Gefahr 522 
wird 


** 


vorkommenden Sachen. 


wird krank 523 koͤmmt nach Setra Krue 524 
ſpielt dem hollandiſchen Generale zu el Mina 
einen luſtigen Streich 527 wie ihm zu Akra 
begegnet worden ib. ſegelt von Whidah ab 
530 geraͤth in ſchlechte Umſtaͤnde 531 langt 
zu Barbados an 532 kehret nach England 
zuruͤck 532 
Snelgrave, Wilhelm, Hauptm., deffen neue 
Nachricht von einigen Theilen von Guinea, 
und dem Sklavenhandel 538 koͤmmt nach 
Whidah 542 geht nach dem Hafen Jaquin 
547 wird vom Koͤnige von Dahome ins La⸗ 
ger eingeladen 547 langet daſelbſt an 548 
hat Audienz 550 zum zweytenmale 555 macht 
dem Koͤnige ein artiges Compliment ib. bit⸗ 
tet für das Volk zu Whidah 356 vergleicht 
ſich wegen des Preiſes der Sklaven 557 darf 
nicht mit den Malayen reden 559 kehret nach 
Jaquin zuruͤck ib. wird von dem Statthal⸗ 
ter gedruͤckt ib. und hat ſchlechten Handel 
da 560 bewirthet und beſchenket den groſ⸗ 
ſen Hauptmann des Koͤnigs von Dahome 
561 geht nach England zuruͤck 562 reiſet 
zum zweytenmale nach Whidah 563 trifft 
den daſigen Koͤnig in ſchlechten Umſtaͤnden 
an ib. daͤmpfet einen Aufruhr der Schwarzen 
auf dem Schiffe 573 iſt wegen eines andern 
in Gefahr ib. laͤßt einen Moͤrder hinrichten 
575 warnet den Hauptmann Meſſervy 576 
eine andere Reiſe des Snelgrave nach Gui⸗ 
nea 577 hat einen treuloſen Hochbootsmann 
578, 581 wird von Seeraͤubern genommen 
579 entgeht kaum dem Tode ib. wird be⸗ 
fragt 580 ein alter Schulgeſelle rettet ſein 
Leben ib. fein Hochbootsmann wird ein See: 
raͤuber 581 entrinnt das drittemal dem Tode 
582 ihm geben die Seeraͤuber eine Vermah⸗ 
nung 583 und ſind großmuͤthig gegen ihn 
584 bekoͤmmt ein Schiff und Waaren 585 
geräth in Gefahr aus falſchen Nachrichten ib. 
trifft einen Bekannten unter ihnen an 587 
ihm wird ein guter Rath ertheilet 588 in 
Freyheit geſetzet 589 ſegelt nach England 593 


Sohn, einer verkauft ſeinen Vater 165 
Sold der engliſchen Factore wird erhoͤhet und 
warum n 109 
Spontons, was es fuͤr ein Fiſch iſt 342 
Sprachen, deren Kenntniß iſt einem Reiſenden 
ungemein dienlich 222 
Staͤdte bewegliche 367 
Stelzer, ein großer Vogel 7 98837 
Stibbs, Bartholomaͤus, deſſen Reiſe auf 
der Gambra Entdeckung zu machen, und 
den Handel auf dieſem Fluſſe zu verbeſſern, 
zu Folge der Anweiſung der koͤniglichen afri⸗ 
caniſchen Geſellſchaft 50 kommt zu St. Ja⸗ 
mesfort an 60 die Fahrt wird verſchoben 
61 die Zeit zur Abfahrt beſtimmt und An⸗ 
ordnung zur Reiſe gemacht 62 faͤhrt aus 63 
wird vom Koͤnige von Kaſſan beſchenkt 65 
laßt fein Schiff zu Kuttejar, und geht in ei⸗ 
ner Schaluppe die Gambra hinauf 67 ſein 
Handel mit den Kaufleuten von Jah ſchlaͤgt 
fehl 72 geht von Barrakonda weiter hinauf 
73 wird durch Untiefen aufgehalten 77 
geht wieder zuruͤck 78 haͤlt die Gambra 
nicht fuͤr den Niger 82 
Strauß, mit einem Manne auf ſeinem Rücken 


95 der fliegende 331 
Stummer Handel 41 
Suc Boeuf, ein Vogel 334 

T. 
Tabakombabaum 294 
Tabasket ſiehe Oſtern der Schwarzen 
Taͤnzer, moriſche 477 
Tamarindenbaum 293 was die Tamarin⸗ 

den ſind ib. 
Tannzapfen, eine Frucht 273 


Tanzen, ſolches lieben die Schwarzen 205, 398 
Tapferkeit zweener Hauptleute 86 
Taſſo, Inſel, das engliſche Fort allda wird 
von den Hollaͤndern zerſtoͤrt 261 
Taufe, beſondere in Futa 138 u. f. 
Teneriffa, von wem es entdeckt worden 498 
Ssss 3 Teſteſole, 


Regſter der in dieſem Bande 


Teſteſole, engliſcher Statthalter zu Whidah, 


ſtuͤrzet ſich durch Unbedachtſamkeit in Un⸗ 


gluͤck 566 
Teufel, warum er angebethet wird 152 bruͤllen⸗ 
der, ſiehe Ho rey 
Thaler von inn zieht viel Schaden nach ſich ro 
Thier, ein außerordentlich merckwuͤrdiges 319 
Thompſon, Georg, deſſen Neife nach der 
Gambra iſt ungluͤcklich 28 wird getoͤdtet 29 
Toback, wenn er geſaͤet wird 291 
Tobakspfeifen der Schwarzen werden beſchrie⸗ 
ben 181, 210 wegen einer geſtohlnen ſoll einer 
verkauft werden a 143 
Tobaksraucher, ſtarke | 181 
Tod, denſelben will einer wegzaubern 421 
Todte Wienfchenzähne, ſiehe Zahn 
Töpfer, ihre Verrichtung bey den Schwar⸗ 


zen 210 
Tom, ein Schwarzer, Nachricht von demfel- 
ben 556 


Tomani, deſſen König koͤmmt zu dem engli⸗ 
ſchen Factore nach Fatatenda 103 warum er 
der Eroberer genannt wird ib. ſeine Auf⸗ 
fuͤhrung | ib. 

Tombo, ein Hauptmann der Schwarzen, deſ⸗ 
ſen Geſchichte 269, 481 

Torpedo ſiehe Krampffiſch 

Tourlourour, deren Beſchreibung 349 wer⸗ 

den fuͤr gefaͤhrlich gehalten, zu eſſen ib. 

Tres Puntas Vorgebirge, woher es den Namen 
bekommen 


372. - 
Trompetenvogel, ein beſonderer Vogel 233 


Trunkenbolde, große 166 
Tr runkenheit wird verabſcheuet 257 beſtraft 661 
Türkischer Weizen 305 


Tyger, wird beſchrieben 311 einer kaͤmpft mit 
einem Schweine ib. ihre Wuth und Grau⸗ 
ſamkeit Zu, 312 find verſchiedener Art 312 
koͤnnen zahm gemacht werden, doch iſt ihnen 
nicht zu trauen ib. kuͤhner 452 zahmer 408 

Tygerkatze | 312 

v 


+ 


Uebermuth, großer | 400 


Ueberſchwemmung der Gambra 112, 123 
woher ſolche entſtehet 283 
Ueberwundene, ihnen wird grauſam begeg⸗ 
net 152 
Verbrechen wird mit Sklaverey beſtraft 142 


171,196 
Verraͤtherey der Hollander gegen die Englaͤn⸗ 
der 363 der Franzoſen f 2 


Verwuͤſtung, naͤrriſche 

Veteres, Völker, ihr Wohnplatz 456 Ger d 
ten 16 wie ſie ſich von den Iſſineſen un⸗ 
terſcheiden 456,458 wie ihre Regimentsform 
beſchaffen 456 ihre Waffen 457 Fiſcherey 


üb. treiben ſtarken Fiſchhandel ib. 
Viel fraſſe, zweene 3551 
Viereckichte Haͤuſer 214 


Ritter Villault Herrn von Bellefond Aus⸗ 
zug aus einer Reiſe nach den Kuͤſten von 
Africa und Guinea 357 Veranlaſſung zu die⸗ 
fer Reiſe 359 Ankunft auf der africaniſchen 
Kuͤſte 360 der Alkair von Rio Frefeo koͤmmt 
an Bord 361 er langt zu Sierra Leona an 
362 ſchicket dem Koͤnige von Burre Geſchen⸗ 
ke ib. wird vom Hauptmanne Thomas 
angegriffen ib. ſchlaͤgt die Schwarzen 363 
koͤmmt nach dem Vorgebirge Monte 365 def: 
fen König mit großem Staate und Ceremo- 
nie anlanget 365, 366 Villault wartet ihm 
auf 366 wird vom Hauptmanne auf dem 
Vorgebirge Miſerado freundſchaftlich tra- 
criret 368 koͤmmt nach Rio Junco 368 ge⸗ 
het nach Rio Sextos 369 trifft zwey 
Schiffe an 372 imgleichen ein franzoͤſiſches 
Privatſchiff 374 nimmt Waſſer ein 375 
krankt ſich uͤber ein ruinirtes franzoͤſiſches 
Fort 376 erreicht die Rheede von Kom⸗ 

mendo 376 bekoͤmmt Geſchenke vom Koͤ⸗ 
nige ib. beſegelt das Vorgebirge Corſe ib. 
der Statthalter ſchicket jemand an Bord 
ib. Villault koͤmmt ans Land 376 geht 
nach der Inſel St. Thomas 377 ihm iſt 
nur vom Statthalter erlaubt, ans Ufer zu 
gehen ib. kehret wieder heim ib. 
Vintain 


vorkommenden Sachen. 


Vintain wird beſchrieben 92 die Einwohner, und 
ihre Kleidung ib. ihr Hausgeraͤthe 93 koͤnnen 
Hunger leiden ib. lieben den Tobak ib. ihre 
Hütten ib. daſelbſt wird eine neue engli- 
ſche Factorey angelegt 89 auf dem Fluſſe 
werden Entdeckungen gemacht 144 

Unbedachtſamkeit wird grauſam beſtraft 566 

Unehrlich, dafuͤr werden die Guirioten ge⸗ 
halten 204 

Ungewitter, thut Schaden 92 

Unſchuld, wie ſolche bey den Schwarzen bewie⸗ 
ſen wird 117, 171, 627 

Unterricht für Schiffhauptleute 380 für die 
Kauffahrer an der Goldkuͤſte 423 

Untiefen in der Gambra 74 

Voͤllerey ſiehe Trunkenheit 

Vogel, ein außerordentlicher 334 blauer ib, 
vierflügelichter ib. wen kleine ib. oh⸗ 
ne Füße N 337 

Vogelneſter, fuͤnfhundert auf einem Baume 
274 auf einem andern tauſend 639 

Vorbedeutungs voͤgel 613 

Vorherbeſtimmung, ſolche glauben die 
Schwarzen 234 


Waaren und Guͤter nach Guinea worinnen ſie 
beſtehen 497 
Waarenmaaß, wie es an der Gambra be⸗ 
ſchaffen 146 
Wachs, wie es zu probiren 143 iſt ein ſtarker 
Handel an der Gambra ib. 


Wachteln, große 337 

Wahlreich, dergleichen haben auch die 
Schwarzen 166 

Wake ſiehe Kronvogel 

Wald, Walder voll Ameiſen 328 Bienen ib. 

Wallfiſch 338 


Wallroſſe beunruhigen die Schiffe 34, 35 46, 
57 werden von den Schwarzen gegeffen 35 
wie ſolche abzutreiben ao, 18 große 74, 78 
durch eines verſinkt ein Boot 106 

Waſſer, das ſtark nach Muſtus riecht und 
ſchmeckt 35, 43, 58 

Waſſer, heißes, eine Probe der unschuld 171,117 


Waſſer, rothes, Tiche Reinigungsrrant. 


Waſſerelephanten 

Waſſerfall, verſchiedene auf der 4 
bra 13: 79:77 

Waſſerhoſen, außerordentliche 500 

Waſſermelonen 303 


Weiber der Negern ſind der Buhlerey ſehr 
ergeben 196 arbeitſam ib. leben in großer 
Dienſtbarkeit 152, 197 beſorgen die Hand⸗ 
lung 159 gebaͤhren leicht 197 warum fie ſich 
nach ihrer Schwangerſchaft des Beyſchlafs 
enthalten 185 imgleichen nach ihrer Nieder⸗ 
kunft 198 lieben das Tanzen zog laſſen ſich 
nicht ohne Schleyer ſehen 138 werden in 
Furcht gehalten 100 der Mandingoer ihre 
fuͤrchten ſich vor den Weißen 480 ſind ehrer⸗ 
biethig gegen ihre Maͤñer 182 werden lebendig 
verbrannt 637 

Weibsperſon, eine iſt ein Soldat 382 ſind 
als Soldaten bewaffnet 505 werden beſchnit⸗ 
ten 240, 631 wie beſeſſene geheilet werden 


243 vor ihnen fuͤrchtet ſich der Loͤbe 308 
Weihrauchbaum 298 
Weiße Neger inn 552 


Weißes Vorgebirge, deſſen Lage 156 wo⸗ 


her der Name entſtanden ib. wird die 
Sandſee genannt ib. an deſſen Spitze iſt 
der Meerbuſen Arguin ib. was das Land 
daherum fuͤr Guͤter giebt N > 

Weizen, türkifcher 
Whidaw, Quedaw 409 hat diebiſche Ein 
wohner ib. unerträgliche Musquitos 410 
des Koͤnigs Thron und Staat 411 iſt ver⸗ 
ſchlagen 412 bekommt Zoll für die von feihen 
Kaboſchiren verkaufte Sklaven 415 die Art 
hieſelbſt die Sklaven zu kaufen und zu be⸗ 
zeichnen 413 worinnen das Amt eines Skla⸗ 
venhauptmanns und eines Landeshaupt⸗ 
manns allhier beſteht 414 die Einwohner 
verabſcheuen die Sklaverey ib. ihre Art 
zu vergiften 415 des Königs Serail 416 er 
iſt eiferfüchtig ib. feine Perſon 422 Ka⸗ 
boſchiren ib. an der Rheede iſt eine ſchlech⸗ 
fe 


— 


u 
8 


Regiſter der in dieſem Bande vorkommenden Sachen. 


te sefahrliche Landung 423, 528,530 deſſen 


bluͤhender Zuſtand wird beſchrieben 543 ge⸗ 


raͤth durch Schwelgerey und des Koͤnigs 
weichliches Weſen ins Verderben ib. wird 
vom Koͤnige von Dahome angegriffen und 
erobert 544 des Koͤnigs Reſidenz zerſtoͤhrt 
545 große Hungersnoth daſelbſt 559 
Wilder Mann, ein Thier 123, 321 
Winde, heiße 66 
Witterung an der Gambra, wie ſolche be- 
ſchaffen 282 
Wolf, einer todtet eine Kuß 106 ziehen die 
Todten aus der Erde 89 
Woͤrterbuch der Jalofer und Fulier 222 
Wunſchelruthe macht laͤcherlich 58 
Wuͤrmer in Händen und Fußſohlen 529 im 
Fleiſche ib. 


Wuͤrʒbaum 296 

Wuͤſte der Barbarey, was alſo genennt 

wird 162 

S 2 Ly bien 156 

indie ke bey den Schwarzen 568 
N. 

Nahus, Voͤlker 568 


Namyamakunda, die daſige englische Facto⸗ 
rey wird durch Ueberſchwemmung der Gam⸗ 
bra zerſtoͤhrt 112 wieder aufgebaut 113 


Norkeyland, der engliſche Factor daſelbſt 


514 die Factorey wird Rach der Stadt Ja⸗ 
maica verlegt 519 


4 


Fahmes Vieh iſt häufig an der Gambra 323 
Fahn, Schnüre von todten Menſchenzaͤhnen 
ſind ein Zeichen der tapfern Helden 549 wie 
die Schwarzen ihre Zaͤhne weiß erhalten 296 
Zauberer, große 169/629 
Zehnpfuͤnder, Fiſch/ 272 
Zeit, wie folche die Schwarzen meſſen 623 
Fibethkatze 275 verfihiedene Beſchreibungen 
derſelben 322 wie man den Muskus von dem 
Thiere bekͤmmt ib. womit ſie gefüttert 
werden ib. wo die beſten anzutreffen 323 
Ziegen, huͤpfende, find Nordlichter 477 
Ziegenbock beſiegt einen Loͤwen 310 
Zigana, Zigene ſiehe Hammerfiſch 


Sinnerner Thaler zieht großes Unheil nach . 


ſich 110 
Foll an der Gambra wie er beſchaffen 146 
Zufall, ungluͤcklicher mit dem Laudano 96 mit 
einem Elephanten 317 
Zwergreiher, was das für eine Art iſt 332 
Zwifchenlsufer ſiehe Interlopers. 


Ende des dritten Bandes. 


. 
* 


hat mit dem Koͤnige von Sherbero Haͤndel